Without Power

 

 

 

Ailia/Trevor

Fantasy

ab 18

beta by Indiansummer

 

Ailia und Trevor werden als Spezialagenten für besondere Fälle auf den Planeten D’arjo geschickt, um Ratsmitglied Shendor, der in Haft sitzt, frei zu kaufen. D’arjo erlaubt die Landung eines Raumschiffs nur an einem Stützpunkt auf dem Planeten und da sich Shendor auf der anderen Seite der Kugel befindet, sind Mutanten, insbesondere Teleporter von Nöten. Niemand rechnet jedoch damit, dass Trevor und Ailia bei ihrer Rematerialisation feststellen, dass sie über keine ihrer Mutantengaben mehr verfügen und auf vollkommen normale Weise den Weg zum Gefängnis zurücklegen müssen. Was natürlich bedeutet, dass sie sich an ein paar d’arjotische Regeln zu halten haben… Sehr schlecht, wenn man sich so gar nicht leiden kann…

 

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Teil 1

 

 

„O’Delta?“ Ailia starrte entsetzt von dem gerade durch die Tür tretenden, dunkelhaarigen Mann zu ihrem Vorgesetzten Jim Delaron.

 

„Sie?“, fragte Trevor genau so ungläubig und schickte den gleichen Blick in Delarons Richtung. „Das ist nicht dein Ernst, Jim?“

 

Delaron seufzte und bedeutete Trevor, sich an den Tisch zu setzen, an dem schon Ailia saß und jetzt mit fassungslosen Augen verfolgte, dass Trevor Platz nahm. „Ihr wisst genau, dass ich euch niemals zusammen stecken würde, wenn es nicht absolut wichtig wäre“, sagte er und hoffte, dass keiner von beiden das Zimmer verlassen würde, ehe er seinen gesamten Bericht vorgetragen hatte.

 

Ailia hatte sich wieder soweit unter Kontrolle, dass die Fassungslosigkeit aus ihrem Blick verschwand und sie Trevor fast ärgerlich musterte. Er funkelte genau so gereizt zurück, sagte jedoch keinen Ton.

 

Delaron reichte beiden das Foto eines blonden Mannes. „Das ist Takvoll Shendor, einer der wichtigsten Mitglieder im Großen Rat der Planeten.“ Damit erzählte er den beiden Menschen nichts neues, da beide sich gut genug in der Politik auskannten und Shendor ihnen kein Fremder war. „Shendor ist seit ca. vier Wochen verschwunden. Wir haben mit einem Anschlag gerechnet, mit Lösegeldforderungen, mit Erpressung... Nichts davon passierte. Wir sind sogar davon ausgegangen, dass der Mann einen Unfall hatte. Dass sein Gleiter explodiert ist oder etwas Ähnliches. Nein.“ Er schwieg eine Weile, während ihn Trevor und Ailia nur schweigend anblickten. „Nein“, seufzte er wieder. „Dieser Dummkopf war der Meinung, Urlaub zu benötigen.“

 

„Ich auch, Jim“, unterbrach ihn Trevor.

 

Delaron beachtete ihn gar nicht. „Nur, dass er seinen Urlaub nicht wie ein normaler Mensch verbringt, sondern den Planeten D’arjo besucht. Ist euch das ein Begriff?“

 

Ailia schüttelte den Kopf und Trevor sagte nur: „Der Planet gehört, soviel ich weiß, nicht zum Großen Ring. Urlaubsziel für Abenteurer.“

 

„Stimmt.“ Delaron nickte. „D’arjo steht auf Entwicklungsstufe 4. Die von löwenähnlichen Raubtieren abstammenden Bewohner befinden sich auf einer Zivilisationenstufe ähnlich dem terranischen Mittelalter. Kein elektrischer Strom. Keine Technik. Das bedeutet für uns, es gibt ein striktes Einmischungsverbot in die inneren Angelegenheiten D’arjos. Die Bevölkerung akzeptiert in einem sehr begrenzten Gebiet die Landung von kleinen Gleitern. Aber nur dort. Jeder Mensch, der den Planeten besuchen will, muss von dem winzigen Stützpunkt aus auf die planeteneigenen Transportmittel umsteigen.“

 

Trevor runzelte die Stirn. „Wo besteht jetzt für uns Handlungsbedarf? Für Mutanten, meine ich?“

 

Delarons Finger klopften auf die Tischplatte. „Shendor hat sich ein wenig daneben benommen. Nach d’arjotischen Verhältnissen. Ich habe keine Ahnung, was er wirklich getan hat. Fest steht, dass er im Gefängnis sitzt und es für uns keine Möglichkeit gibt, ihn durch Verhandlungen wieder heraus zu bekommen, weil wir einfach nicht dort hinkommen. Die Stadt Naaroi befindet sich auf der gegenüber liegenden Seite des Planeten und ich habe keine Ahnung, wie Shendor dort hin gelangt ist. Fakt ist jedoch, wenn ich jemanden los schicke, ist der ein Jahr unterwegs, um erst einmal die Stadt zu erreichen. Ob es dort eine Möglichkeit gibt, Shendor durch Verhandlungen frei zu bekommen, steht in den Sternen.“

 

„Also soll ich teleportieren“, schlussfolgerte Trevor. „Was ist ihr Part?“, fragte er mit einem Kopfnicken in Ailias Richtung.

 

„Ich möchte kein Risiko eingehen“, erklärte Delaron. „Shendor ist zu wichtig für den Großen Rat, als dass wir uns leisten können, ihn zu verlieren. Ich möchte, dass ihr beide geht. Und für ein paar Tage die gegenseitige Abneigung vergesst.“

 

„Ich brauche sie nicht“, meinte Trevor stur. „Ich springe hin, schnappe ihn und teleportiere zurück. Schluss und aus.“

 

„Ich möchte, dass ihr zumindest versucht, ihn auf legalem Weg raus zu bekommen, weil ich denke, dass wir sonst D’arjo für den Besucherverkehr sperren müssen. Und ich werde dir jetzt auch nicht die Vorteile einer Arbeit im Team erklären, weil das bei dir sowieso sinnlos ist“, gab Delaron trocken zurück.

 

„Wie wahr“, murmelte Ailia belustig.

 

„Sollte es zu Auseinandersetzungen kommen, ist eine Telekinetin immer von Vorteil, da ihr keine Waffen benutzen müsst, um euch zu wehren. Und zwei Telepathen sind besser als einer.“ Delaron legte vor beide jeweils eine schmale Mappe. „Hier steht alles drin, was ihr wissen müsst. Die TERRA FIVE startet morgen früh.“

 

 

                                  ************

 

Ailia starrte durch das Seitenfenster in einem der Gänge der TERRA FIVE auf die graugrüne Kugel D’arjos.

 

Sie war noch immer der Meinung, dass es eine blöde Idee war, ausgerechnet sie und Trevor zusammen auf eine Mission zu schicken. Natürlich verstand sie Delarons Beweggründe und es war nicht das erste Mal, dass die Notwendigkeit sie zwang, mit Trevor zusammen zu arbeiten. Doch sie war jedes Mal froh gewesen, ihm wieder den Rücken kehren zu können.

 

Ailia war nicht dafür bekannt, ein netter freundlicher Mensch zu sein. Kein Mutant war das. Niemand konnte es sein, wenn man in der Lage war, die Gedanken anderer Leute zu lesen. Obwohl sie sich selbst zwang, das ständige Bombardement fremder Gedanken abzuschirmen, kam genug unbeabsichtigt zu ihr durch, das sie zu dem Schluss kommen ließ, Menschen wären nichts anderes als verfluchte Heuchler. Deshalb lehnte sie es auch ab, mit einem Partner zu arbeiten, da ein normaler Mensch sie einfach nur ablenkte. War ein Auftrag im Alleingang nicht zu erledigen, musste ihr Partner mit ihrer Unfreundlichkeit  klar kommen. Die meisten taten das auch, weil viele ahnten, wie schwer es für eine Telepathin unter Nichttelepathen war.

 

Außer einer einzigen Person.

 

Weil diese genau so unfreundlich und unhöflich war wie Ailia selbst.

 

Weil diese die gleichen Erfahrungen gemacht hatte wie Ailia selbst.

 

Weil diese die Welt mit den gleichen sarkastischen Augen sah.

 

„Und, Luzy?“, störte er mit seiner sie jetzt schon nervenden Stimme ihre Gedanken. „Schon vorbereitet auf ein bisschen Abenteuerurlaub?“

 

Das war auch etwas, was sie störte. Er nannte sie nie bei ihrem Namen, sondern verwendete ihren Codenamen und besaß die Frechheit, das damit zu erklären, dass er den Namen Ailia scheußlich fand. Ailia fand ihren Namen auch nicht sonderlich schön, aber es war ein starkes Stück von ihm, das zu sagen.

 

Sie verdrehte die Augen. „Glaub ja nicht, dass ich mich auf den Ausflug freue“, giftete sie ihn ärgerlicher an, als sie eigentlich wollte.

 

Trevor grinste spöttisch. „Uh, ich hatte ganz vergessen, über welch einnehmenden Charakter du verfügst.“

 

„Hast du nichts zu tun?“

 

„Nein.“ Er warf einen Blick an ihr vorbei aus dem Fenster. „Netter Planet. Was denkst du? Keinesfalls länger als eine Woche?“

 

„Ich gebe eine Menge darum, wenn wir es unter einer Woche schaffen“, gab sie spitz zurück und sah, wie er den Mund verzog.

 

„Dann sollten wir uns Mühe geben.“

 

 

                                  ************

 

„Na dann. Bis bald“, verabschiedete Delaron sie.

 

Trevor griff nach seiner kleinen Reisetasche und streckte Ailia seine Hand entgegen. Er sah sie schweigend an, als sie mit einem fast abwehrenden Gesichtsausdruck ihre Hand in seine legte. Telepathen vermieden Berührungen so gut es ging, da sich in diesem Moment schlagartig der Kontakt zum Bewusstsein des anderen verstärkte und man sich voll auf seine Mentalblockade konzentrieren musste. Das passierte natürlich nicht, wenn sich zwei Mutanten berührten, da beide ihre Gedanken voreinander abschirmten, aber das Wissen um negative Erfahrungen war da.

 

Jetzt kam hinzu, dass keiner von ihnen beiden den anderen sonderlich mochte. Aber Ailia war die einzige Person, die er jemals auf einer Teleportation mitgenommen hatte. Er hatte sich strikt geweigert, das mit einem normalen Menschen zu tun, der ihn mit seinen Gedanken quälte, während er sich auf das Teleportieren konzentrierte musste.

 

„Spring endlich!“, fuhr sie ihn an, weil er sich einen Moment nicht rührte.

 

Er knirschte mit den Zähnen und teleportierte.

 

Um im nächsten Moment stöhnend zusammenzubrechen. Ailia ließ seine Hand los, als der Schmerz auch durch ihren Kopf fuhr und sie sank wimmernd auf die Knie. Für einen Augenblick nahm sie nichts außer gleißendem Licht um sich herum wahr und es dauerte eine ganze Weile, ehe die Helligkeit, die nur in ihrem Kopf herrschte, zurückging und das Pochen in ihrem Schädel abebbte.

 

Zögernd, als würde sie damit rechnen, dass der Schmerz zurückkam, sah sie sich um. Sie war auf dem Planeten. Inmitten von Bäumen. Sie nahm an, dass es D’arjo war, oder sie hoffte es zumindest. Trevor lag neben ihr, doch er begann sich in diesem Moment ebenso zu rühren und richtete sich ächzend auf.

 

„Scheiße, was war das?“, fluchte er leise und fuhr sich durch die dunklen kurzen Haare.

 

Ailia hockte noch immer auf ihren Knien. „Keine Ahnung. Wie fühlst du dich?“

 

„Beschissen.“ Er rappelte sich hoch und sah sich um. „Wo zum Teufel sind wir?“

 

„Woher soll ich das wissen?“, erkundigte sie sich ärgerlich. „Wer ist denn hier der Teleporter?“ Ohne ihn weiter zu beachten, stand sie ebenfalls auf und streckte ihre mentalen Sinne aus. Zumindest hatte sie es vor. Ein erstickter Laut kam über ihre Lippen, als sie feststellte, dass sie taub war. Parapsychisch taub.

 

Neben ihr schnappte Trevor nach Luft, der wahrscheinlich gerade das Gleiche festgestellte hatte. „Verdammt!“, fluchte er laut.

 

Ailia spürte plötzlich eine eisige Klaue, die sich um ihr Herz legte. „Kannst du teleportieren?“, fragte sie schwach.

 

„Nein, verflucht!“, stieß er hervor. „Telekinese?“

 

Sie schüttelte den Kopf und sah sich jetzt ängstlich um. „Wieso?“

 

„Woher soll ich das wissen?“, fuhr er sie an. „Wieso stand das nicht in dem Skript?“

 

„Ich will hier weg!“ Ailia begann panisch auf und ab zu laufen. „Ich will verflucht noch mal hier weg! Ich besitze keine einzige meiner Paragaben mehr. Ich bin blind und taub und ... schwach ... Ich will hier weg!“

 

„Davon, dass du hier wie eine hysterische Ziege herum schreist, kommen wir nicht weg!“, fauchte er sie an.

 

Ailia erstarrte mitten in ihrer Bewegung. Ihr ging plötzlich auf, dass sie mit ihm auf diesem Planeten festsaß. Mit *ihm*! Ihr wurde schlecht. Für einen kurzen Moment nur, dann drangen seine Worte zu ihr durch und die Wut, die in ihr hoch stieg, verdrängte einen Teil der Panik und weckte die ausgebildete Mutantin, die unvorhersehbare Situationen gewöhnt war. Nur dass sie im Augenblick keine Mutantin mehr war.

 

Ihre Augen verengten sich zu Schlitzen, als sie ihn musterte. „Was schlägst du vor?“

 

Er zuckte mit den Schultern. „Ich denke, wir schauen mal, ob wir jemanden finden, der uns weiter hilft. Eine Stadt? Ein Dorf? Was weiß ich. Mit Geld sind wir ja zum Glück reichlich ausgestattet."

 

„Wenn wir überhaupt auf D’arjo sind“, meinte Ailia nur mürrisch, schnappte ihre Tasche, die neben ihr auf den Boden gefallen war, und folgte ihm durch die Bäume hinaus auf eine weite grüne Ebene. Zum ersten Mal war sie froh, nicht allein zu sein. Sie hätte zwar eine andere Begleitung bevorzugt, aber wenn man über Trevor viel Schlechtes sagen konnte, eines war sicher: Er war exzellent in seinem Job. Genau wie sie. Es war zwar noch nie passiert, dass man sie komplett ihrer Mutantengaben beraubt hatte, aber das war kein Grund aufzugeben.

 

                                  *************

 

Sie erreichten die Stadt am frühen Abend. Und wussten, dass sie sich auf D’arjo befanden, als sie die ersten Lebewesen zu Gesicht bekamen.

 

D’arjos konnten nicht abstreiten, dass sie von löwenartigen Raubtieren abstammten. Eine dichte Mähne bedeckte ihnen Kopf und den größten Teil des Nackens. Das Gesicht war fast menschlich zu nennen, dem ersten Anschein nach.  Spätestens, wenn sie den Mund öffneten und man die scharfen Reißzähne sah, verwischte der Eindruck. Große gelbe Augen mit länglichen, aufrecht stehenden Pupille vollendeten das Bild.

 

Allerdings beachtete sie kaum jemand. Anfangs noch unsicher bewegten sie sich durch die Straßen. Ab und zu traf sie ein neugieriger Blick aus gelben Augen und eine Nase hob sich witternd in die Luft, als würde man ihren Geruch prüfen.

 

„Wir brauchen einen Platz zum Übernachten“, sagte Ailia leise und versuchte, die Schilder an den Häusern zu erkennen. Sie fühlte sich eindeutig nicht wohl. Ihr war nie der Gedanke gekommen, dass es einmal passieren konnte, dass man sie ihrer Paragaben beraubte. Jetzt verspürte sie ein Gefühl der Hilflosigkeit, das ihr Angst machte. Natürlich hatte man sie in verschiedenen Kampftechniken ausgebildet, aber Ailia war nie auf die Idee gekommen, dass sie dieses Wissen einmal benötigen würde.

 

„Da ist ein Gasthof.“ Trevor deutete auf ein etwas einzeln stehendes Haus. Zum springenden Amorin, lautete die Übersetzung des Schildes über der Tür. Was auch immer ein Amorin war. „Oder willst du noch weiter suchen?“, fragte er seine Begleitung spöttisch. Sie sah unsicher aus und er grinste. „Luzy, Menschen machen hier Urlaub. So schlimm kann es nicht sein.“

 

Ailia riss den Kopf hoch und funkelte ihn an. Da war tatsächlich Spott in seinen grauen Augen und das war etwas, was ihr überhaupt nicht gefiel. Er durfte sich nicht über sie lustig machen. „Ich habe kein Problem“, fuhr sie ihn an.

 

Er grinste schon wieder so fürchterlich selbstsicher, dass sie ihm am liebsten in den Hintern getreten hätte. Doch er drehte sich nur um und stieß die breite Tür zu dem Gasthof auf.

 

Die Gaststube war nicht sonderlich voll. Ein paar D’arjos hoben ihre Köpfe und musterten die Ankömmlinge neugierig. Trevor ging ohne zu zögern auf den Tresen zu, hinter dem ein D’arjo, wahrscheinlich der Gastwirt, stand.

 

„Hallo“, sagte er freundlich. „Wir suchen ein Zimmer. Hätten Sie vielleicht etwas frei?“

 

Ailia wollte schon dazwischen fahren, dass sie zwei Zimmer suchten, besann sich jedoch gerade noch rechtzeitig, weil sie sich nicht mit Trevor vor dem D’arjo streiten wollte. Er würde schon für zwei Zimmer sorgen.

 

Der D’arjo nickte. „Sicher. Wir haben lange keine Fremden hier gesehen. Macht ihr Urlaub?“ Er sprach das Wort Urlaub terranisch aus und Trevor nahm an, dass dieser Begriff von Touristen geprägt wurde und so im D’arjotischen nicht existierte.

 

Trevor nickte und bemerkte mit einem unguten Gefühl, dass die Augen des D’arjos zu Ailia wanderten, er sie fast abschätzend taxierte und witternd die Luft einzog.

 

„Mein Name ist Am’cor“, sagte der D’arjo lächelnd und entblößte dabei seine Reißzähne. „Deine Frau?“

 

Trevor lag ein Nein auf der Zunge, aber der Blick, mit dem der D’arjo Ailia betrachtete, gefiel ihm gar nicht. „Ja“, antwortete er zögernd und fühlte Ailia neben sich zusammen zucken. Glücklicherweise hielt sie ihren Mund.

 

„Aha“, meinte der D’arjo nur. Seine Augen irrten durch den Gastraum und er sah, dass einige andere D’arjos witternd die Köpfe reckten. „Dann solltest du dafür sorgen, dass das auch jeder weiß.“

 

„Was?“, fragten Trevor und Ailia gleichzeitig.

 

Der D’arjo legte den Kopf schief und ein fast amüsiertes Lächeln huschte über seine Lippen. „Ihr Fremdlinge seid wirklich seltsam. Immerzu muss man euch das Gleiche erklären.“ Schlagartig stellten sich seine Haare auf und er fauchte in Richtung Gastraum. Ein anderer D’arjo, der sich gerade erheben wollte, sank auf seinen Stuhl zurück. „Bring deine Frau nach oben, Fremder. Wir haben bisher allen Menschen die Gelegenheit gegeben, sich unseren Regeln anzupassen.“

 

„Ich verstehe überhaupt nichts“, murmelte Trevor und Ailia fühlte sich plötzlich noch viel unwohler, weil sie jetzt komplett im Mittelpunkt des Interesses standen.

 

„Ich auch nicht“, flüsterte sie.

 

Am’cor bleckte wieder die Zähne zu etwas, was wohl ein Grinsen darstellen sollte. „Schaff deine Frau hier raus, ehe einer dieser jungen Heißspunde vergisst, dass ihr Fremde seid. Und dann komm noch einmal herunter.“ Er drückte dem vollkommen verblüfften Trevor die Schlüssel in die Hand und deutete zur Treppe.

 

Allerdings schien Trevor Am’cors Blick richtig zu deuten, gab Ailia mit einem kurzen Augenwink zu verstehen, dass sie vorgehen sollte und folgte ihr die Stufen hinauf.

 

„Ich will nicht mit dir in einem Zimmer schlafen“, zischte sie erbost, als sich die Tür hinter ihnen schloss und sie sah sich um. Es war ein kleiner, aber sauberer Raum. Ein einzelnes Fenster spendete etwas Licht, doch sie würden eine Kerze anzünden müssen, wenn sie in der Nacht nicht vollkommen im Dunkeln sitzen wollten. Ein breites Doppelbett stand direkt neben dem Fenster. Im hinteren Teil des Raumes befand sich eine kleine Anrichte, auf der eine große Schüssel mit Wasser und Handtüchern stand. An der rechten Seite, vor dem Bett, befand sich ein kleiner schmuckloser Holztisch mit zwei Stühlen. Das war alles.

 

„Ich glaube, das ist unser kleinstes Problem“, murmelte Trevor und konnte sich eines unguten Gefühls nicht erwehren. „Ich gehe jetzt noch mal runter und höre mir an, was diese Miezekatze mir an Regeln erzählt.“

 

„Bring etwas zu Essen mit“, rief sie ihm hinterher.

 

                                  ************

Am’cor sah ihm schon mit einem neugierigen Lächeln entgegen. „Setz dich, Fremder“, sagte er höflich.

 

„Ich heiße Trevor.“

 

„Treff’oor?“, vergewisserte sich der D’arjo.

 

Trevor nickte, auch wenn er den Namen eigenartig aussprach. Es war für ihn völlig ungewohnt, nicht in die Gedanken des D’arjo greifen zu können, um sich die Informationen zu holen, die er brauchte.

 

So geht es normalen Menschen immer, ging es ihm durch den Kopf und er stellte fest, dass obwohl Mutant sein nicht immer leicht war, er es doch bevorzugte zu wissen, ob sein Gegenüber log.

 

„Du bist zum ersten Mal auf D’arjo?“ Am’cor stellte ein Glas vor ihn auf den Tisch.

 

„Ja. Es klang… interessant. In den… Reiseunterlagen“, log er unbeirrt.

 

Am’cor nickte. “Wohin wollte ihr? Ich sehe auch kein Gepäck außer den kleinen Taschen. Kein Herero?“

 

„Wir wandern gern.“

 

„Aha.“ Der D’arjo grinste. „Nebenan gibt es einen guten Mietstall. Dort könnt ihr Hereros kaufen oder mieten. Wohin wollt ihr?“

 

Trevor zögerte, doch dann sagte er sich, dass sie sowieso irgendjemanden nach der Richtung fragen mussten. „Nach Naaroi.“

 

Am’cor nickte wieder. „Es sind ca. 40 bis 50 Tagesritte. Wenn ihr lauft, dauert es natürlich länger. Wenn du möchtest, kann ich dir eine Karte besorgen und euch ein paar Gasthöfe auf dem Weg empfehlen.“

 

„Das wäre… schön“, brachte Trevor hervor, als er die Entfernung hörte. Er hatte Naaroi direkt anteleportiert. Aber schließlich hätte es sie auch an das entgegengesetzte Ende des Planeten verschlagen können. Wenn man so dachte, waren 50 Tageritte eine Entfernung, die im Bereich des möglichen lag.

 

„Wenn du allerdings deine Frau behalten möchtest, solltest du das jedem D’arjo auch deutlich sagen“, fuhr Am’ron fort.

 

„Ich glaube, ich verstehe nicht, was du meinst“, gab Trevor zögernd zu.

 

„Keiner von euch Fremden weiß das“, gluckste der D’arjo. „Unsere Frauen sind recht ängstlich“, erklärte er dann. „Sie suchen sich einen Mann, der sie beschützt. Er gibt ihnen sein Zeichen und seinen Geruch und sagt damit deutlich, dass diese Frau zu ihm gehört. Wenn ein Mann einer Frau begegnet, die nicht den schützenden Geruch eines Mannes trägt, nimmt er sofort an, diese Frau ist auf der Suche und er wirbt um sie. Sind es mehrere, wird ein Kampf stattfinden.“

 

Das war soweit nicht schwer zu verstehen. Trevor hatte allerdings keine Ahnung, was das mit ihm und Ailia zu tun hatte. „Und was bedeutet das jetzt?“

 

„Deine Frau trägt deinen Geruch nicht.“

 

„Nein?“ Natürlich nicht. Er hatte absolut keine Ahnung, was die D’arjos rochen. Aber Ailia trug es ganz gewiss nicht.  „Ich glaube, unsere Nase ist nicht so gut wie eure. Was ist das für ein Geruch? Eine Art Duft?“

 

Am’cor lachte und klopfte ihm auf die Schulter. „Das ist kein Problem. Schlaf einfach regelmäßig mit ihr und jeder wird wissen, dass sie zu dir gehört.“

 

Trevor starrte ihn eine ganze Weile an, ehe durchsickerte, was der D’arjo eigentlich gesagt hatte. „Der Geruch wird beim Sex übergeben?“, schaffte er zu sagen und hoffte, dass er nicht kreidebleich aussah.

 

„Sicher, Treff’oor. Einfach und unmissverständlich.“ Am’cor grinste. „D’arjos beißen ihre Frau auch noch, um sie mit einem sichtbaren Zeichen zu versehen, aber wir wissen schon, dass das bei euch Fremden mit euren Zähnen nicht möglich ist.“

 

Trevor kippte das Glas vor ihm auf dem Tisch mit einem Zug hinunter. Sex mit Ailia? Sie würde ihn erwürgen, wenn er nur eine einzige Bemerkung in dieser Richtung machte. Und er würde diese Bemerkung garantiert nicht machen, da er nur absolut selten das Bedürfnis nach Sex verspürte. Und mit ihr gleich gar nicht. „Und was passiert ohne diesen Geruch?“, brachte er mühsam hervor.

 

„Nun, D’arjos sind nicht wählerisch, wenn es um eine freie Frau geht. Ich schätze, dann wirst du morgen früh kaum Gelegenheit haben, dich mit ihr zu unterhalten, weil als erstes ein paar D’arjos einen Kampf um sie inszenieren. Wenn du sie natürlich loswerden willst, ist das die beste Möglichkeit.“ Am’cor grinste wieder. „Der Sieger wird sie mit seinem Geruch versehen und mit ihr verschwinden.“

 

Trevor fühlte sich nun wirklich elend. Noch dazu, da er keine Möglichkeit sah, dem ganzen ohne ihre Paragaben aus dem Weg zu gehen.

 

Ailia würde ihn umbringen.

 

Ihm nie glauben.

 

Er fluchte lautlos und musterte die D’arjos im Raum, die ihm ab und zu einen abschätzenden Blick zuwarfen. Wahrscheinlich taxierten sie schon, wie er in einem Kampf abschneiden würde. Trevor machte sich da keine Illusionen. Obwohl er eine exzellente Kampfausbildung besaß, waren die D’arjo mit körpereigenen Waffen ausgestattet, denen er nichts entgegen zu setzen hatte.

 

Und selbst wenn er einen Kampf gewinnen konnte, klang es so, als würde der Sieger seine Beute sofort flachlegen. Und Ailia in einem Gastraum zu vögeln, konnte er sich gleich gar nicht vorstellen.  Er konnte sich nicht einmal vorstellen, es in einem Bett zu tun.

 

Wie durch einen Nebel hörte er, dass Am’cor erklärte, dass der Geruch eine gewisse Zeit an der Frau haftete. Fünf bis sieben Tage, manchmal auch zehn, er aber an Trevors Stelle kein Risiko eingehen würde, da er ja ein Verfliegen des Geruchs nicht bemerken würde.

 

Es dauerte eine ganze Weile, ehe er es schaffte, das Chaos in seinem Inneren zu bezwingen, dann hob den Kopf. Seine Augen trafen auf die gelben Am’cors. „Gibt es bei euch so etwas wie Wein?“

 

 

Teil 2


Ailia stand mit verschränkten Armen am Fenster und starrte in die Dämmerung, als Trevor zurückkam. Sie runzelte die Stirn.

Er war blass, fast kreidebleich, trat wortlos an den kleinen Tisch, entkorkte die mitgebrachte Flasche Wein und goss sich ein Glas voll.

„Was wird das jetzt?“, erkundigte sich Ailia sarkastisch. „Ein romantischer Abend?“

Trevor knirschte mit den Zähnen, noch immer wortlos, und kippte das Glas in einem Zug hinunter.

„O’Delta! Ich rede mit dir“, fuhr sie ihn an. Sie gab ihre Position am Fenster auf und kam an den Tisch. Es war schon unheimlich, dass dieses Großmaul so blass aussah. „Was ist los?“

Er hob den Kopf und starrte sie an. „Verdammt, ich kann das nicht!“, fauchte er gereizt und schlug mit der Faust auf den Tisch.

„Was bitte? Was hast du erfahren?“, bohrte sie weiter.

„Diese dämlichen Miezekatzen kontrollieren mit ihrer Nase, wer zu wem gehört. Und da sie an dir keinen Geruch eines Mannes feststellen, sind sie der Meinung, dass sie um dich kämpfen können.“ Er fuhr sich durch die Haare und fluchte wieder.

„Was ist das für ein Scheiß?“, fragte Ailia genervt.

Er goss sich ein neues Glas Wein ein und kippte es hinunter. „Die klären ihre Beziehungen hier so!“, schrie er sie an. „Und wenn du nicht willst, dass dich Morgen früh irgendein D’arjo vögelt, wirst du heute Nacht mit mir vorlieb nehmen müssen!“

„Wie bitte?“ Ailia sah ihn an, als hätte er den Verstand verloren.

„Dieser blöde Geruch kommt nur durch Sex an dich!“

Sie lächelte fast belustigt. „Ich werde nicht mit dir schlafen. Spinnst du eigentlich?“

„Glaubst du, ich bin scharf auch *dich*?!“, tobte er weiter. „Und wenn du unbedingt willst, dass dich ein D’arjo flach legt, ist mir das auch scheißegal! Ich weiß sowieso nicht, wie ich das schaffen soll!“

Ailia musterte ihn aus schmalen Augen. „So, noch mal von vorn. Diese D’arjos riechen, ob jemand einen Partner hat?“ Er nickte. „Der Geruch wird beim Sex verteilt?“ Wieder ein Nicken. „So ein Scheiß. Und wenn eine Frau keinen solchen Geruch besitzt, passiert was?“

„Dann wird Morgen ein kleiner netter Kampf um dich stattfinden. Und glaub mir, *ich* werde mich nicht beteiligen! Der Sieger bekommt dich.“ Er grinste böse. „Und so wie es klang, wird er dich dann gleich mal auf der Straße flach legen, um auch wirklich allen zu zeigen, dass du jetzt ihm gehörst!“

Ailia wurde plötzlich genau so blass wie er. „Du lügst“, sagte sie schwach und entlockte ihm nur ein Schnauben. Wortlos griff sie nach der Flasche und goss sich selbst ein Glas ein. „Vielleicht hättest du etwas Stärkeres mitbringen sollen“, murmelte sie wie zu sich selbst und kippte das Glas hinunter. Mit einem Knall stellte sie es auf den Tisch zurück. Sie saß auf diesem Planeten fest, der ihre Paragaben blockierte. Mit einem Menschen, den sie nicht leiden konnte. Und sie würde absolut nichts dagegen tun können, wenn sich so ein D’arjo auf sie stürzte. „Okay“, stieß sie hervor. „Du wirst mit mir schlafen!“

Trevor biss die Zähne aufeinander und funkelte sie an. „Ich kann dich nicht leiden! Ich kann nicht...“

Sie unterbrach ihn, indem sie ihn am Kragen seines Hemdes packte. „Du bist ein gottverdammter Mann!“, kreischte sie. „Du wirst dich jetzt auf dieses Bett scheren und tun, was du tun musst!“ Mit einer wütenden Bewegung stieß sie ihn in Richtung Bett.

Trevor verlor den Halt, landete im nächsten Augenblick auf dem Rücken und sie saß auf ihm. „Was wird das?“, fauchte er gereizt. „Eine Vergewaltigung?!“

„Es ist mir so etwas von scheißegal!“ Ailia beugte sich über ihn. „Wir haben hier einen Job zu erledigen und...“

„Der sieht nicht vor, dass ich dich vögeln muss!“ Er sah zu ihr hoch, noch immer ohne irgendetwas zu tun. Warum eigentlich nicht? Sie sah toll aus. Mit ihren schwarzen Locken und den dunklen, jetzt wütend funkelnden Augen. Aber sie war auch zugleich die nervtötendste und ärgerlichste Person im ganzen Universum. Und eine Mutantin. Trevor verspürte natürlich ab und zu das gleiche Verlangen wie jeder Mann, aber er gab ihm nur nach, wenn er es wirklich unbedingt nötig hatte. Schließlich war es nicht jedermanns Sache, immerzu mit den Gedanken der Frau konfrontiert zu werden, mit der man ins Bett ging. Er würde sogar sagen, das war absolut abstoßend. Er nahm an, dass Ailia die gleiche Erfahrung mit Männern gemacht hatte. Obwohl Mutanten ihre Gedanken voreinander verbergen konnten, wussten sie beide, dass das ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr möglich war.

„Bist du schwul?“, fragte sie plötzlich.

„Nein!“

„Also? Was soll das? Mach die Augen zu, dann siehst du nicht, dass ich es bin!“

„Ich brauche etwas zu trinken!“, murmelte er böse. „Oder vielleicht könntest du dich mal ausziehen, damit ich in Stimmung komme?“

Sie stieß ihm wütend die Hand gegen die Stirn. „Vergiss es! Du wirst mich ganz bestimmt nicht nackt sehen!“

„Ich glaube, mit Kleidung funktioniert die ganze Sache nicht“, erklärte er beißend.

„Es reicht, wenn ich meine Hosen ausziehe.“

Er schloss frustriert die Augen. „Das wird nie was.“

Ailia beugte sich über ihn, bis ihr Gesicht nur noch wenige Zentimeter von seinem entfernt war. „Hör zu, du Großmaul. Ich werde dir die Hölle heiß machen, wenn mich morgen früh irgendein D’arjo anrührt, nur weil du das hier nicht auf die Reihe kriegst!“

Trevor öffnete seine Augen wieder. Sie war ihm noch nie so nah gewesen und einen kurzen Moment fragte er sich, wie es mit ihr sein würde. Doch das zornige Funkeln in ihren Augen sagte ihm, dass es wahrscheinlich in einem Riesendesaster enden würde. „Ich könnte etwas Hilfe gebrauchen“, stieß er hervor und seine Augen deuteten seinen Körper abwärts.

„Was?“ Ailias Augen wurden plötzlich groß, als sie begriff, was er meinte und sie fluchte wieder leise. „Kriegst du das nicht allein hin?“

„Nein!“ zischte er böse. „Und du bist mir wirklich keine große Hilfe, wenn du mich voll schreist!“

„Toll“, knurrte sie missmutig und richtete sich auf. Es reichte wohl noch nicht, dass sie ausgerechnet mit ihm schlafen musste. Aber Fakt war auch, dass zumindest ein Körperteil an ihm mitspielen musste. Einen Moment lang überlegte sie, ob es vielleicht besser wäre, sich morgen mit einem D‘arjo herumzustreiten. Aber der Gedanke an spitze Zähne, Krallen und wilde Mähnen machte ihr mehr Angst als der Gedanke an Sex mit *ihm*. Schließlich sah er gar nicht übel aus. Eine Menge Frauen standen auf ihn, obwohl er den größten Teil davon abblitzen ließ. Etwas, was Ailia verstehen konnte, weil sie ebenfalls eine Telepathin war. Kurz fiel ihr ein, dass dieser Planet ihre Paragaben blockierte, sie also wahrscheinlich auch Trevor nicht spüren würde.

„Willst du die ganze Nacht grübeln?“, erkundigte er sich schon wieder sarkastisch. „Oder bringen wir das jetzt hinter uns?“

Er war ein Idiot. Aber immer noch besser als ein Löwe, oder?

„Hast du Angst, Luzy?“, fragte er spöttisch und ein süffisantes Grinsen huschte über sein Gesicht. „Oder brauchst du eine Anleitung?“ Wenn Blicke töten könnten, würde er jetzt garantiert sterben. Aber Angriff war schon immer die beste Verteidigung und es lenkte ihn von dem Gedanken ab, dass sie es wahrscheinlich verabscheute, ihn zu berühren. Weil ihn das komischerweise ärgerte.

Ailia biss die Zähne zusammen, als sie das Funkeln in seinen grauen Augen sah. Na warte, dachte sie genau so böse, rutschte seinen Körper etwas hinunter, so dass sie auf seinen Oberschenkeln saß und griff nach den Knöpfen seiner Hose. Wenn diese Situation nicht so fürchterlich ernst wäre, könnte sie sogar darüber lachen. So aber hätte sie am liebsten vor lauter Wut geschrieen. Sie öffnete die Knöpfe, dann den Reißverschluss und schnappte nach Luft. Ihr Kopf hob sich, nur um seinem amüsierten Blick zu begegnen.
„Keine Unterwäsche?“, fragte sie und versuchte spöttisch zu klingen.

„Hast du ein Problem damit?“, knurrte er nur.

Ailia hätte ihm am liebsten ins Gesicht geschlagen. „Ich habe überhaupt ein Problem, dich und Sex in einen Zusammenhang zu bringen!“, giftete sie. Mit schmalen Augen schob sie die Hose so weit über seine Hüften, dass sie seinen Penis erreichen konnte.

Er ließ sie nicht aus den Augen und als sich ihre Finger um ihn schlossen, atmete er tief durch. Obwohl sie böse die Stirn runzelte, fuhren ihre Finger fast sanft an ihm auf und ab. Ihre Zähne gruben sich in ihre Unterlippe und Trevor fand die Situation plötzlich recht amüsant. Das Blut schoss durch seinen Körper in seinen Unterleib und Ailias Augenbraue hob sich, als sie unter ihren Fingern Leben spürte.

Sie hob den Kopf. Ihr Blick traf seine grauen Augen, die sie unverhohlen beobachteten und plötzlich sah sie den Funken Verlangen in ihnen, den sie in seinen Augen bisher nicht kannte. Und ihr wurde gegen ihren Willen warm. Ihre Hände schlossen sich fester um ihn, diesmal ohne ihn aus den Augen zu lassen und sie sah, wie er seine Hände in das Laken zu beiden Seiten seines Körpers krallte.

„Gefällt’s dir?“, fragte sie spöttisch. Schlagartig schwoll sein Penis in ihrer Hand an und verfestigte sich. Sie ließ ihn nicht los, sondern pumpte ihn in einem steten Rhythmus mit ihrer Hand auf und ab. Fast zärtlich glitt ihr Daumen über die empfindliche Spitze und sie grinste unbewusst, als sie ihn scharf die Luft einziehen hörte. „Hätte gar nicht gedacht, dass du so schnell drauf einsteigst“, murmelte sie amüsiert.

Trevor riss den Kopf hoch und das Verlangen gepaart mit Zorn ließ sie nach Luft schnappen. Ehe sie reagieren konnte, hatte er sich aufgebäumt, sie auf den Rücken geworfen und war auf ihr.

„Heh!“, schimpfte sie und stieß ihre Hände gegen seine Brust.

„Jetzt kommt dein Part, Luzy“, grinste er und seine Hand fuhr zum Bund ihrer Hose. Er war ein wenig überrascht, dass sein Körper so schnell auf ihre Berührungen reagierte, vor allem, weil sie ihn noch immer recht ärgerlich anfunkelte. Mit einer schnellen Bewegung streifte er oder ihr die Hose samt Slip über ihre Hüften und trotz ihrer wütenden Miene half sie ihm, indem sie die Hose von ihren Beinen trat. Mit einem sehr breiten Grinsen kroch er zwischen ihre Beine und Ailia hätte am liebsten die Augen geschlossen.

„Darf ich dich küssen, Luzy?“, erkundigte er sich ironisch.

„Wehe!“, fauchte sie nur gereizt. „Nun mach endlich!“

„Luzy, Luzy“, murmelte er gespielt. „Wenn du so weiter machst, wird mir alles vergehen und du kannst von vorn anfangen.“ Sie fluchte leise und er musste ein Schmunzeln unterdrücken, denn er kannte seinen Körper gut genug, um zu wissen, dass im Moment keine Gefahr bestand. Er ruhte zwischen ihren Beinen, die Spitze seiner Erektion streifte ihre Mitte und er konnte schwören, dass die Nässe zwischen ihren Beinen keinesfalls nur Schweiß war. So kalt wie sie tat, ließ sie die ganze Sache auch nicht. *Das* war mal etwas Neues.

„Dann solltest du dich beeilen!“, stieß sie hervor.

Seine Hand wanderte ihren Körper hinab, strich über die Außenseite ihrer Schenkel und dann an der Innenseite nach oben. Wahrscheinlich nahm sie an, er würde sich selbst in sie hinein dirigieren, denn sie protestierte nicht. Doch als seine Finger sie berührten, krallten sich ihre Nägel in seine Schulter.

„Hör auf damit!“, fuhr sie ihn an und er grinste wissend, als er spürte, wie sich mehr Nässe zwischen ihren Beinen sammelte. „Hör sofort... auf... verdammt!“

Mit einem einzigen Stoß vergrub er sich in ihr und sie schnappte erschrocken nach Luft, als er sie plötzlich ausfüllte. Für einen Moment trafen sich ihre Augen, dunkle Braune bohrten sich in Graue und keiner von beiden konnte abstreiten, dass da neben dem Zorn über diese ärgerliche Situation ein Funken mehr war. Zumindest für den Moment.

Ailia atmete keuchend. „Ich... kann dich... trotzdem... nicht leiden!“

„Ich dich auch nicht!“, knurrte er und begann sich zu bewegen. Er stützte sich auf seine Unterarme, sah ihr ins Gesicht und wünschte sich einen Moment, sie küssen zu können. Wahrscheinlich würde sie ihm die Zunge abbeißen. Der Gedanke verursachte eine Wut in ihm, die jegliches Mitgefühl für ihre Situation verdrängte. Sie sollte ihm dankbar sein. Wie ein Wilder begann er in sie zu stoßen. Sie war so eng und feucht und heiß und es fühlte sich viel besser an, als es sollte. Keuchend und abgehackt stieß sein Atem durch seine Kehle und er sah, dass sich ihre dunklen Augen halb geschlossen hatten und sie genauso nach Luft rang wie er. Es war verrückt.

Ihre Hände klammerten noch immer in seinen Schultern, doch jetzt schien es fast, als würde sie den Halt brauchen. Trevor sah, wie sie um ihre Beherrschung kämpfte und seine Wut stieg in dem gleichen Maß wie seine Leidenschaft. Obwohl er annahm, dass sie das genauso ablehnte, senkte er den Kopf und seine Lippen pressten sich gegen ihren Hals. Er hatte mit ihrem Zorn und einem wütenden Aufschrei gerechnet. Stattdessen schlossen sich ihre Arme um seinen Hals und ihr Körper bäumte sich ihm entgegen.

Oh je, Luzy, dachte er spöttisch und gleichzeitig begeistert. Ihre Beine schlangen sich um seine Hüften und er hörte ihr leises Stöhnen, als sich seine Zähne in ihren Hals gruben. Erst jetzt kam ihm in den Sinn, dass dieser Planet wirklich ihre Paragaben blockierte und er selbst im entscheidenden Augenblick ihre Gedanken nicht lesen konnte und sie seine auch nicht.

Gut, Luzy, ging es ihm wild durch den Kopf und ohne seine harten Stöße zu unterbrechen, griffen seine Hände unter ihre Oberschenkel, hoben sie an, damit er sie in einem besseren Winkel erreichen konnte und stieß wieder und wieder tief in sie.

Sie stöhnte. Ihr Kopf flog zurück und die dunklen Augen schlossen sich, als sich ihr Verstand verabschiedete. Sie fühlte seine Hand wieder zwischen ihren Beinen, doch diesmal protestierte sie nicht. Da war kein Gedanke mehr in ihrem Kopf, dass das Trevor war. Seine Finger pressten sich gegen den geschwollenen schmerzenden Knoten zwischen ihren Beinen und sie schluchzte auf, als die Lichter in ihrem Kopf angingen, sich die Muskeln in ihrem Unterleib zusammenzogen und köstliche Schauer durch ihren Körper schickten.

Er stöhnte auf, als er spürte, wie ihr Körper zitterte und seine Augen schlossen sich, als er ein letztes Mal in sie stieß und selbst kam. Er brach auf ihr zusammen und vergrub sein Gesicht an ihrem Hals. Im Augenblick war ihm herzlich egal, ob sie etwas dagegen hatte. Doch sie rührte sich genau so wenig wie er. Ihre Arme umfingen noch immer seinen Nacken und er spürte, wie sie keuchend nach Luft rang.

Es dauerte eine ganze Weile, ehe er den Kopf hob und in ihr Gesicht blickte. Sie ließ ihn los und öffnete die Augen. Und für einen kurzen Moment sah er eine Verletzlichkeit in ihrem Blick, die ihm den Atem stocken ließ. Keine Sekunde und ihr Gesicht nahm wieder den ärgerlichen Ausdruck an, den er kannte.

„Geh runter von mir“, murmelte sie müde und stieß ihn zur Seite.

Sein Ärger auf sie gewann schon wieder die Oberhand. „Du könntest dich wenigstens bedanken.“

Ailia fluchte leise, angelte nach ihrer Hose und dem Slip und zog sich in rasender Eile wieder an. „Ich brauche eine Dusche“, wetterte sie. „Auf diesem Scheißplaneten gibt es nicht mal Duschen!“

Trevor griff nach ihrem Arm. „Luzy.“

„Fass mich nicht an!“, kreischte sie und schlug seine Hand zur Seite. „Es reicht, wenn ich mit der Erinnerung leben muss. Fass mich jetzt einfach nicht an!“

„Oh man!“ Er sprang auf, verschloss mit einer wütenden Bewegung seine Hose und sagte gehässig. „Vor ein paar Minuten hast du es noch sehr genossen, Süße. Ich würde sogar behaupten, dass es dir gefallen hat!“

Sie schlug ihm, ohne mit der Wimper zu zucken, ins Gesicht. „Du bist doch wirklich das Allerletzte!“, schrie sie und kämpfte mühsam gegen die Tränen, die in ihre Augen treten wollten. Sie würde nicht weinen. Nicht vor ihm.

Seine Augen verengten sich zu Schlitzen. „Du solltest dir überlegen, was du sagst“, zischte er zwischen seinen zusammengebissenen Zähnen hindurch. „Vor allem zu mir. Es sei denn, du ziehst es vor, doch zu einem D’arjo zu wechseln, wenn der Geruch an dir verschwindet.“

Er bereute die Worte im gleichen Augenblick, in dem er sie sagte. Er sah die Tränen in ihren Augen, auch wenn sie nicht zuließ, dass sie ihre Wangen hinunter rollten.
„Drohst du mir?“, fragte sie und klang fassungslos und enttäuscht. „Du denkst wirklich, ich fange an, dir in den Hintern zu kriechen, damit du ...? Nie! Verstanden!? Nie!“ Ohne ihn eines weiteren Blickes zu würdigen, stürzte sie an ihm vorbei zur Tür.

Trevor fluchte, war schneller an der Tür als sie und versperrte ihr den Weg. „Wo willst du hin?“

Sie hob den Kopf und da war ein Schmerz in ihren Augen, der ihm wehtat. „Der Geruch verfliegt wieder? Wie lange?“

„Ich weiß nicht“, sagte er leise. „Der D’arjo sagte etwas von fünf bis sieben Tagen.“

„Fünf…?“, presste sie erstickt hervor und schluckte krampfhaft.

„Luzy, ich…“ Er kämpfte mit sich. „Ich… es tut mir Leid. Ich werde nicht zulassen, dass dich ein D’arjo anrührt. Wir… wir bringen diesen Job zu Ende…“ Sie sah so blass aus, dass er glaubte, sie würde gleich ohnmächtig werden.

Sie schüttelte den Kopf. „Ich schaffe das nicht. Ich kann das nicht“, murmelte sie hysterisch und wollte ihn zur Seite schieben. „Und ich will gar nicht darüber nachdenken. Das einzige, was ich will, ist eine Dusche… Lass mich los!“

Trevor hatte nach ihren Oberarmen gegriffen und hielt sie fest. „Luzy, du kannst jetzt nicht da raus. Keine Frau bewegt sich in der Stadt ohne Schutz. Und Duschen findest du hier eh nicht.“ Er rechnete fast damit, dass sie jetzt wirklich weinen würde, aber sie tat es nicht.

Stattdessen murmelte sie nur verzweifelt. „Ich. Will. Mich. Waschen.“

Er deutete zu der gefüllten Waschschüssel, die auf der Anrichte stand und zuckte mit den Schultern, als sie ihn ansah, als hätte er den Verstand verloren. „Ich gehe vor die Tür, okay? Tu bitte nichts dummes, Luzy, ja?“

Er ließ sie stehen, ging aus der Tür, lehnte sich von außen dagegen und schloss die Augen. Scheiße. Es konnte nicht schlimmer kommen. Er hatte keine Ahnung, wie sie ohne ihre paranormalen Kräfte überhaupt bis in die Stadt Naaroi kommen sollten, wie sie Shendor finden und befreien sollten und wie sie wieder zurück an Bord ihres Raumschiffs gelangen sollten. Als ob diese Probleme nicht reichen würden. Jetzt kam noch dazu, dass sich Ailia ohne seinen schützenden Geruch, den er selbst nicht wahrnahm, überhaupt nicht auf dem Planeten bewegen konnte, ohne von einem D’arjo vergewaltigt zu werden.

Er fluchte leise und strich sich über die Augen. Ausgerechnet Ailia. Aber zumindest konnten sie froh sein, dass der Planet die Paragaben blockierte, weil sonst eine dauerhafte Wiederholung von Sex nicht möglich gewesen wäre. Shit, jetzt dachte er auch schon an viele Male. Falsch, wenn ihre Paragaben funktionieren würden, hätten sie das Problem gar nicht. Dann würde sie jeden D’arjo, der ihr zu nah kam, in den Hintern treten.

Die Tür öffnete sich einen Spalt. „Du kannst wieder reinkommen“, sagte Ailia schüchtern.

Er nickte, betrat das Zimmer wieder und sah, wie sie sich ein neues Glas Wein einschenkte. Sie nippte an dem Wein und musterte ihn über den Rand des Glases hinweg. „Das ist nichts, wofür ich dir dankbar sein muss.“

Trevor seufzte und setzte sich auf das breite Bett. „Nein.“

„Ich finde es beschämend, es überhaupt tun zu müssen.“

„Luzy“, unterbrach er sie, doch sie schnitt ihm mit einer kurzen Handbewegung das Wort ab.

„Nein. Jetzt rede ich. Wir sind beide professionell genug, um auch mit außergewöhnlichen Situationen umgehen zu können. Aber das ist etwas anderes. Es ist... zu persönlich... zu ...“ Sie verstummte und starrte gedankenverloren in ihr Glas. „Ich kann das nicht. Ich kann nicht mit einem Menschen schlafen, den ich nicht einmal sonderlich mag. Öfter. Die ganze Zeit, die wir hier sind!“ Sie schüttelte den Kopf. „Ich kann es nicht.“

„Die Alternative ist schlimmer“, sagte er leise. „Für dich. Das Nächste ist, dass wir diese Aufgabe nicht zu Ende bringen können, wenn wir getrennt werden. Wir haben keine andere Wahl.“

Ailia runzelte die Stirn. „Du willst jetzt allen Ernstes vorschlagen, dass wir das durchziehen?“, erkundigte sie sich verzweifelt. „Ich will nicht mit dir schlafen. Ich kann nicht!“

Trevor sprang auf. „Glaubst du, für mich ist das einfach? Ich bin derjenige, der sagen müsste: Ich kann nicht! Du musst gar nichts tun, außer deine Beine...“

„Sag es ja nicht!“, kreischte Ailia schon wieder hysterisch.

„Verdammt!“ Er blieb vor ihr stehen und sah sie an. „Luzy, wir haben noch fünf Tage Zeit, uns darüber den Kopf zu zerbrechen. Und so schlimm war es doch auch nicht, oder?“

Sie antwortete nicht, sondern sah ihn nur mit einer Verzweiflung in den Augen an, die er noch nie an ihr gesehen hatte. Sicherlich war es das nicht. Schon allein aus dem einzigen Grund, weil sie seine Gedanken nicht lesen konnte. Zu keinem einzigen Augenblick. Sie hatte zum ersten Mal in ihrem Leben Sex, so wie es jeder normale Mensch immer haben konnte. Mit *ihm*. Und das machte ihr Angst.

Und plötzlich sah sie in seinem Blick die gleiche Angst, die wahrscheinlich auch in ihren stand. „Ich habe ein Problem damit...“, begann sie langsam. „...mehr als einmal Sex mit ein und derselben Person zu haben.“

Trevor atmete tief durch. „Ich auch.“ Seine Stimme klang seltsam. „Aber wir sind auf diesem Planeten keine Mutanten, Luzy. Es... gibt... *dieses* Problem nicht...“

Ailia kippte den Wein hinunter und goss sich ein neues Glas voll. „Ich werde zum Alkoholiker, wenn wir lange hier festsitzen.“ Dann sah sie sein schiefes Grinsen und verzog ebenfalls den Mund.

 

Teil 3

Am’cor empfing sie am nächsten Morgen mit einem Grinsen, als er ihnen das Frühstück servierte.

„Na also. Geht doch“, kommentierte er schmunzelnd.

Ailia wäre am liebsten im Erdboden versunken und fühlte, wie ihr Gesicht anfing zu glühen.

Sie war nie dafür bekannt gewesen, schüchtern zu sein, eher das Gegenteil, aber dies hier war ein Thema, das in ihrem bisherigen Leben eine geringe Rolle gespielt hatte. Eigentlich alles, was mit Sex in Zusammenhang stand, weil es, so schlimm es klang, für Mutanten nicht wichtig war. Eben weil es immer mit einem unangenehmen Beigeschmack verbunden war. Sicherlich hatte es auch in ihrem Leben Männer gegeben. Manchmal verspürte auch sie die Sehnsucht nach Zärtlichkeit oder den Wunsch, einfach in den Armen eines Mannes zu vergessen. Aber jedes Mal holte die Wirklichkeit sie gnadenlos ein, wenn die Gedanken des Mannes in ihren Kopf drangen und sie wünschte sich nur noch, die betreffende Person nie wieder zu sehen.

Wie nebenbei lauschte sie dem Gespräch zwischen Trevor und dem D’arjo, der erklärte, wo sie sich am besten mit Nahrungsmitteln und allem, was sie für ihre Reise benötigten, ausstatten sollten und natürlich, wo sie Hereros mieten konnten. Doch ihre Gedanken wanderten wieder zu dem vergangenen Abend. Im Moment machte sie sich keine Gedanken darüber, dass es ausgerechnet Trevor war, mit dem sie dieses Erlebnis geteilt hatte. Da sie sowieso nicht über ihre Mutantengaben verfügte, ging sie einfach davon aus, dass es mit jedem anderen Mann ähnlich verlaufen wäre.

Aber sie verspürte einen bitteren Geschmack im Mund. Es *war* nicht übel gewesen und in ihren Kopf bohrte sich der Gedanke, dass es jeder normale Mensch immer so erlebte. Sie war allein in ihrem Körper gewesen, allein in ihrem Kopf und nichts anderes als das, was sie fühlte, spielte eine Rolle. Sie hätte sich selbst gehen lassen können, sie hätte auf den Mann eingehen können, ohne dass in ihrem Kopf der Gedanke vorherrschen musste, dass es in dem Moment vorbei war, in dem sie die Kontrolle verlor. Natürlich hatte sie sich nicht gehen lassen. Nicht mit ihm. Aber es wäre möglich gewesen, ohne dass es das Erlebnis verdorben hätte. Sie hätte weinen können. Weniger, weil es ausgerechnet Trevor war, sondern weil sie jetzt diese Erinnerung mit sich herumtrug und sie wusste, dass sie nie wieder etwas Derartiges erleben würde, wenn sie den Planeten verließ.

Das war hart. Sie ahnte, dass Trevor ähnliche Gedanken durch den Kopf gingen, auch wenn er es nicht sagte. Und plötzlich wünschte sie sich, einen anderen Mann an ihrer Seite zu haben, mit dem sie ausprobieren konnte, wie es wirklich sein könnte, als normaler Mensch, und nicht *ihn*.

„Ich wünsche euch eine schöne Reise“, verabschiedete sich Am’cor gerade und Ailia schreckte aus ihren Gedanken hoch.

Trevor grinste belustigt. „Süß, Luzy. Diese Farbe steht dir.“ Er beachtete ihren bösen Blick nicht weiter, sondern wandte sich fast vergnügt seinem Frühstück zu.

Es waren eine Art Brötchen, die Am’cor auf den Tisch gestellt hatte. Daneben fanden sie Wurst und etwas, das wie Butter aussah. In ihren Tassen dampfte ein Getränk, das Ailia, nachdem sie gekostet hatte, als Tee bezeichnete. Alles in allem war es sehr reichhaltig und sie aßen mit gutem Appetit, da am Abend niemand von ihnen mehr den Nerv gehabt hatte, noch einmal hinunter zu gehen und nach einem Abendessen zu fragen. Sie hatten den Rest der Flasche Wein getrunken und waren zu Bett gegangen.

„Was machen wir jetzt?“, lenkte Ailia ihre Gedanken ab und versuchte zu ignorieren, dass ihr Gesicht noch immer glühte.

„Bist du schon mal geritten?“

Sie runzelte die Stirn. „Ich saß schon einmal auf einem Pferd. Aber ich glaube nicht, dass man diese Hereros als Pferde bezeichnen sollte.“

„Was hältst du davon, dir die Tierchen wenigstens mal anzusehen. Ich habe keine Lust, die ganze Strecke zu laufen.“

„Haben wir soviel Geld?“

Er lachte. „Wenn wir nichts haben, aber Geld. Ich weiß zwar nicht, was wir anfangen, wenn wir Monate hier verbringen, aber im Moment haben wir keine Not.“

Monate? Ailia wurde schon wieder blass. „Gott, ich hasse diese Situation“, stieß sie hervor.

Eine Stunde später standen sie in einem Mietstall und ihr wurde noch schlechter, als sie die Hereros sah. Wahrscheinlich hätten sie ahnen sollen, das D’arjos auch keine Pflanzenfresser ritten. Hereros waren so groß wie terranische Pferde. Sie liefen auf vier Pfoten und der schlanke Körper ging in einen breiten muskulösen Hals über, an dessen Ende ein Kopf saß, der ihnen mit dem Aussehen eines Hundes entgegenblicke. Dunkle, etwas treu blickende Augen konnten jedoch nicht die Reißzähne in der spitzen Schnauze verbergen. Eine dichte Mähne bedeckte einen Teil des Kopfes und den gesamten Hals. Nur die Spitzen der Ohren lugten durch das Fell hindurch und drehten sich in Richtung der Menschen, als diese an den einzelnen Boxen vorbei liefen.

Der Stallbesitzer erklärte ihnen, dass all seine Tiere sehr gut ausgebildet waren und er auch noch keine Klagen von Menschen gehört hatte. Die Tiere wurden auf ein Kommando geritten, sie waren nicht ängstlich und daran gewöhnt, täglich weite Strecken zurück zu legen. Sogar die Nahrungsbeschaffung war kein Problem, da Hereros selbst jagten. Auf Ailias skeptische Frage, ob die Tiere denn dann nicht das Weite suchen und ihre Freiheit genießen würden, lächelte der D’arjo nur und schüttelte den Kopf. Er deutete sogar an, dass man mit Hereros jagen gehen konnte und diese einen Teil der Beute abgaben.

Trevor sah genau so misstrauisch aus wie sie. Aber schließlich überwog der Vorteil, den sie mit Reittieren besaßen und sie ließen sich alles über die Versorgung, das Reiten und die Pflege von Hereros erklären. In jeder Stadt gab es einen oder mehrere Mietställe, in dem die Tiere für die Nacht untergebracht oder umgetauscht werden konnten. Und deshalb sagten sie sich, dass sie es zumindest bis zur nächsten Stadt probieren könnten.

Der D’arjo empfahl ihnen, da sie nur zu zweit reisten, ein männliches und ein weibliches Tier, da das nicht für Streitereien unter den Hereros sorgen würde. Nachdem sie zwei Tiere ausgesucht hatten, ließen sie sie in dem Stall, um sich noch um alle anderen Dinge zu kümmern, die sie für ihre Reise benötigten. Das war vor allem Nahrung, da sie keine Ahnung hatten, wie sie irgendein Tier dieses Planeten jagen, geschweige denn, zubereiten sollten.

****************

Bis zur nächsten Stadt war es ein Ritt von vier Tagen. Jedenfalls im Normalfall, wenn man das Reiten auf Hereros gewöhnt war.

Ailia und Trevor gingen von einer längeren Zeit aus und packten die Hereros mit Hilfe des Stallbesitzers voll. Dieser gab ihnen noch ein paar letzte Hinweise, half ihnen auf die Tiere und verfolgte sie schmunzelnd mit seinem Blick, als sie sich in Bewegung setzten. Schließlich hatte er ein sehr gutes Geschäft gemacht.

Da sie erst gegen Mittag aus der Stadt wegkamen, saßen sie kaum sechs Stunden im Sattel, als es begann zu dämmern. Aber für den ersten Tag reichte es ihnen vollkommen. Obwohl die Hereros durch ihren schaukelnden Gang viel bequemer zu sitzen waren, als Pferde und man bei ihnen wirklich keine Angst haben musste, dass sie erschreckten, war es doch ungewohnt, auf einem Sattel zu sitzen.

„Mir tut der Hintern weh“, schimpfte Ailia, als sie endlich beschlossen, an einem Fluss ihr Nachtlager aufzuschlagen.

„Du wirst doch hoffentlich nicht die ganze Reise meckern.“ Trevor sprang ebenfalls ab und begann, sein Herero abzuladen. Es hörte auf den Namen Damaron und war ein männliches Tier. Trevor fand die Tiere jetzt sogar recht sympathisch, da sie in ihrem ganzen Verhalten an überdimensional große Hunde erinnerten. Sie schienen recht anhänglich und waren auch für sie als Menschen leicht zu lenken.

Ailia sattelte ihre Stute ab, die den Namen Selina trug. Mit gemischten Gefühlen sahen sie den Hereros hinterher, als diese über die Wiese zu dem nahe gelegenen Wald tollten. „Wenn die jetzt auf Nimmerwiedersehen verschwunden sind, werde ich diesen Stallbesitzer eigenhändig verprügeln“, drohte sie.

Trevor zuckte nur mit den Schultern. „Lassen wir uns einfach überraschen.“ Er stapelte seinen Sattel und alle dazu gehörenden Utensilien in eine Ecke, breitete seine Decke aus und lehnte sich an einen Baum. „Ich werde wie ein Toter schlafen. Wir werden eine Weile brauchen, ehe wir uns an diese ungewohnte Art der Fortbewegung gewöhnen.“

Ailia war stehen geblieben und starrte auf den Fluss. „Ob es gefährlich ist, darin zu baden?“

„Hast du nichts anderes im Kopf?“, murmelte er müde.

„Nein!“, sagte sie ärgerlich. „Diese Schüssel gestern war einfach nur lächerlich.“

Er verzog den Mund. „Vielleicht bleibt mein Geruch länger an dir, wenn du gar nicht badest“, stichelte er, weil er genau wusste, dass sie alles, was sie an ihn erinnerte, von ihrem Körper schrubben wollte.

„Denkst du?“, fragte sie erschrocken und schüttelte dann den Kopf. „Es ist mir egal. Ich gehe jetzt ins Wasser.“

„Wasch dich bloß nicht zu gründlich. Ich habe keine Lust, dich jede Nacht...“ Er kam nicht dazu, den Satz zu beenden, weil ihm eine der Blechdosen, in denen sie Trockenbrot transportierten, an den Kopf flog. „Au! Was soll das!“

„Solange wir keinem D’arjo begegnen“, schrie sie ihn an. „...brauchst du dir überhaupt keinen Kopf darum zu machen!“ Wütend schnappte sie Handtuch und Seife und stürzte zum Wasser.

Trevor rieb sich seine Stirn, dort wo ihn die Dose getroffen hatte, und sah ihr mit gemischten Gefühlen nach. Hoffentlich bestand wirklich keine Gefahr an dem Wasser. Er beobachtete, wie sie den Fluss ein Stück aufwärts ging und zwischen den Büschen verschwand. Eigentlich wäre das jetzt auch eine gute Gelegenheit für ihn zu baden. Wer weiß, wann sie die nächste Möglichkeit dazu bekamen. Seufzend stemmte er sich wieder hoch, suchte nach Handtüchern und Seife und schlenderte zum Wasser. Er blieb natürlich hier, da er ihre Sachen nicht aus den Augen lassen wollte, aber er beeilte sich, da er fertig sein wollte, wenn Ailia zurückkam.

Es dauerte eine ganze Weile, ehe sie wiederkam und Trevor kämpfte schon mit dem Gedanken, nach ihr zu sehen. Er wollte sich gerade auf die Suche machen, als er sie am Wasser zurückkommen sah und sein Gesicht verzog sich zu seinem gewohnten spöttischen Grinsen. Sie war die Letzte, die merken sollte, dass er sich Sorgen um sie gemacht hatte.

„Wie viel hast du von deiner Haut übrig gelassen?“, erkundigte er sich belustigt.

Ailia ignorierte ihn und suchte nach dem Kamm, um ihre nassen Haare zu entwirren. Wahrscheinlich sollte sie sie abschneiden, in dieser Länge waren sie auf einer Campingreise nur hinderlich. Aber zu ihrer Ausrüstung gehörte keine Schere und die Haare mit einem Messer abzuschneiden, erschien ihr dann doch etwas barbarisch.

Trevor hatte ihr Abendessen ausgepackt und beobachtete eine Weile, wie sie mit ihren Haaren kämpfte. Er hatte sie nie unter dem Aspekt betrachtet, dass sie eine Frau war, aber wenn er sie jetzt so ansah, ging ihm auf, dass er es hätte schlimmer treffen können. Im Grunde genommen war sie wirklich recht süß – wenn sie ihm keine Blechdosen an den Kopf warf – und er fragte sich, wie ihr Abenteuer wohl ausgehen mochte.

Gedankenverloren kaute er an dem Brot und dem kalten Fleisch. Er war so in Gedanken versunken, dass er erschrocken zusammenfuhr, als es im Unterholz knackte und die beiden Hereros zurückkamen. Sie stürzten zum Wasser, tranken und ließen sich dann einfach auf der Wiese fallen.

„Wow“, sagte er leise. „Ich hatte wirklich so meine Bedenken.“

Ailia nickte. „Dann wird es auch wahr sein, dass sie uns in der Nacht bewachen.“ Sie wickelte sich in die zweite Decke ein. „Ich habe noch nie unter freiem Himmel geschlafen“, gestand sie plötzlich und starrte in den dunkler werdenden Himmel.

„Ich war zelten. Als Teenie“, antwortete Trevor und sie hörte seine Decken neben sich rascheln. „Manchmal haben wir auch das Zelt weggelassen.“

Ailia drehte den Kopf und sah ihn an. „Ich glaube, unter einer Woche schaffen wir es nicht, oder?“

Er lächelte schwach, als er sich an das Gespräch im Raumschiff erinnerte. „Wie wäre es mit einem neuen Versuch? Nicht länger als ein Jahr?“

Ailia stöhnte auf und drehte ihm den Rücken zu. „Schlaf gut, O’Delta.“


***********

Sie gewöhnten sich an die Routine. Aufsatteln, Gepäck festschnallen und reiten. Stundenlang reiten. Meistens schweigsam.

Sie legten gegen Mittag eine kleine Rast ein und ritten dann wieder bis zum Abend. Die Karte, die ihnen Am’cor besorgt hatte, war sehr gut und detailgetreu. Und sie kamen trotz ihrer Bedenken gut voran.

Da die Gegend mit Flüssen und Teichen reich gesegnet war, schlugen sie ihr Nachtlager immer an einem Gewässer auf, weil der Gedanke, den Schmutz des ganzen Tages an ihren Körpern zu lassen, sie anekelte.

Mit den Hereros kamen sie wunderbar klar. Der Mietstallbesitzer hatte nicht gelogen. Entweder waren die Tiere wirklich so gut ausgebildet oder sie waren einfach so anhänglich, dass sie sich auch an einen Menschen hefteten.

Ailia erwischte sich mehrmals dabei, wie sie sich abends neben ihre satt und faul im Gras liegende Stute hockte, sie kraulte und sich einfach freute, wie das Tier den Kopf zur Seite neigte und die Streicheleinheiten genoss.

Und sie verdrängte den Gedanken daran, dass sie bald wieder eine Stadt der D’arjos erreichten.

Es war am Abend des sechsten Tages, als Trevor an einen Baum gelehnt die Karte hervorzog und im letzten Licht des Tages verglich, wo sie sich befanden. „Ich denke, morgen erreichen wir Kemu“, murmelte er leise, wie zu sich selbst. „Wir werden von Tag zu Tag besser. Bald können wir uns nach den Tagesrittentfernungen richten, die die D’arjos angeben.“

Ailia antwortete nicht und er hob den Kopf. Sie starrte ihn mit großen Augen an und er musste keine Gedanken lesen, um zu wissen, was in ihrem Kopf vor sich ging. Mit einem Fluch schnappte sie ihr Handtuch und die Seife und stürzte den Fluss aufwärts. Trevor lag die bissige Bemerkung auf der Zunge, sie solle sich das für *danach* aufheben, doch er verkniff sie sich.

Mit einer wütenden Bewegung packte er die Karte weg, stand auf und sprang ebenfalls ins Wasser.

Es dauerte ewig, bis sie wieder kam, doch diesmal machte er sich keine Sorgen. Sie hatte ihn einmal mit einer spitzen Bemerkung darauf hingewiesen, dass sie eine sehr gute Nahkampfausbildung besaß und er würde kein Wort mehr in dieser Richtung verlauten lassen.

Ailia hängte ihr Handtuch über einen Strauch und blieb vor ihm stehen. „Du könntest allein in die Stadt gehen und alles besorgen, was wir brauchen.“

Er sah zu ihr hoch und biss die Zähne zusammen. „Luzy, wenn dir hier draußen ein D’arjo über den Weg läuft, bist du geliefert.“

„Ich kann mich verstecken.“

Trevor sprang auf. „Wir haben genug Sorgen! Uns muss jetzt nicht noch der Gedanke quälen, was passiert, wenn wir zufällig einem D’arjo begegnen, nur weil du dich so kindisch benimmst!“

„Ich bin nicht kindisch!“, schrie sie erbost. „Ich will nicht mit dir schlafen!“

„Und ich will kein Risiko eingehen!“, brüllte er zurück und blieb vor ihr stehen. „Und lass es nur einen Einzigen sein, Luzy! Einen und lass mich gegen ihn kämpfen und gewinnen! Weißt du, was dann verlangt wird? Der Sieger vögelt seine Beute sofort! Ist diese Aussicht für dich angenehmer?!“

Ailia presste ihre Hand auf den Mund. „Sofort?“, piepste sie und wurde blass, als er nickte.

„Ich bezweifle, dass ich dazu in der Lage wäre. Aber ein D’arjo hätte sicherlich kein Problem damit.“ Sie sah schon wieder aus, als würde sie gleich weinen und Trevor fluchte leise. Trotzdem machte er noch einen Schritt auf sie zu und hob seine Hand zu ihrem Gesicht. „Luzy, verdammt. Mir gefällt die Sache genau so wenig wie dir. Aber wir haben keine Wahl.“

Eine einzelne Träne rollte aus ihrem Auge und unbewusst strich sein Daumen über ihre Wange, um sie aufzufangen. „Brauchst du wieder Hilfe?“, fragte sie leise.

„Ich weiß nicht. Mich beschäftigt der Gedanke, dass du mich komplett ablehnst.“ Trevor seufzte und lehnte seine Stirn an ihre. „Darf ich dich küssen?“

Ailia nickte stumm und schloss die Augen, als seine Lippen auf ihre trafen. Seine Hand wanderte um ihren Hals und zog ihren Kopf an sich.

Sie wollte sich einreden, dass es jemand anders war, jemand, den sie mochte, jemand, mit dem sie in der Lage war, das durchzuziehen. Doch dann ging ihr auf, dass da niemand war, den sie sich vorstellen konnte. Plötzlich bezweifelte sie, dass irgendein anderer Mann Trevors Verständnis aufgebracht hätte. Weil niemand anders wissen konnte, was in ihr vorging.

Trevor spürte die Spannung in ihrem Körper, doch es überraschte ihn, dass sie reagierte. Er hatte angenommen, sie würde ihn einfach tun lassen, was er tun musste und höchstens eingreifen, wenn er Hilfe benötigte. Jetzt spürte er, wie sich ihre Lippen öffneten und ihre Zunge seine traf. Und für einen Moment ging er vollkommen in dem Gefühl auf. Es war eine ganze Weile her, dass er eine Frau geküsst hatte und dass es jetzt Ailia war, spielte plötzlich keine Rolle mehr. Ihre Hand legte sich um seine Hals und er hob verblüfft den Kopf. Doch nur, um die Verzweiflung in ihren Augen zu sehen.

„Lass mich bitte nicht wieder anfangen nachzudenken“, flüsterte sie.

Er sagte sich, dass sie Recht hatte, riss sie an sich und presste seine Lippen auf ihre. Niemand von ihnen beiden wollte zärtlichen Sex. Es wäre eine Idiotie gewesen, es überhaupt zu versuchen. Seine Zunge stieß zwischen ihre Zähne, ihre Hände verkrallten sich in seinen Haaren, als sie seinen Kuss wild erwiderte und ihren kleinen schlanken Körper an ihn presste. Sie mussten handeln, um zu vergessen.

Er hob sie hoch und automatisch schlangen sich ihre Beine um seine Hüfte, ohne dass sich ihre Lippen voneinander lösten. Mit ihr zusammen sank er zu Boden. Ailias Kopf flog zurück, als seine Lippen über ihren Hals strichen und sie seine Zähne fast schmerzhaft spürte. Ihr Körper bäumte sich unbewusst auf und ein leises Stöhnen kam über ihre Lippen. Trevor fühlte, dass sein Körper auf ihr Entgegenkommen reagierte, obwohl er genau wusste, dass sie hier nichts taten, was sie eigentlich wollten.

Er streifte die Hose ihre Beine hinab, kroch ihren Körper wieder hinauf und schloss verzweifelt die Augen, als sie seinen Kopf zu sich zog und ihn wieder küsste. Plötzlich wünschte er sich, sie ausziehen und ihren ganzen Körper berühren zu können. Doch er wusste genau, dass er das nicht durfte.

Er öffnete schnell seine Hose und schob sie ein Stück seine Hüften hinab. Ailias Hände umfingen noch immer seinen Kopf und für einen Augenblick spürte er, wie sich ihr Körper in der Erwartung, dass er in sie eindrang, anspannte. Er hätte am liebsten mit den Zähnen geknirscht, doch da ihre Lippen noch immer aufeinander lagen, knurrte er nur fast zornig in ihren Mund, während seine Finger zwischen ihre Beine wanderten. Er war der Letzte, der eine Frau vögelte, die nicht wenigstens ein bisschen feucht für ihn war.

Ailia schnappte nach Luft, als seine Finger sie berührten und riss ihren Kopf von ihm los. „Nein“, flüsterte sie erstickt. Seine grauen Augen bohrten sich wütend in ihre und sie wollte den Kopf zur Seite drehen, als die Erregung durch ihren Körper schoss.

Seine andere Hand jedoch griff in ihre Haare und zwang sie, ihn anzusehen. „Luzy, ich werde das hier nicht wie eine Vergewaltigung durchführen“, stieß er hervor, während seine Finger sie streichelten und er sah, wie sich ihr Atem beschleunigte.

Ailia wollte es nicht. Sie wollte nicht, dass er diese Gefühle in ihr weckte und sie wollte die Augen schließen, um nicht das Verstehen in seinen Augen zu sehen, als sie fühlte, wie sich ein Druck in ihrem Unterleib aufbaute und zwischen ihren Beinen verdichtete. Aber sie schaffte es nicht, weil in diesem Augenblick jeglicher Spott und Sarkasmus aus seinem Gesicht verschwunden war und sie in seinen Augen etwas von der Verzweiflung sah, die sie selber fühlte.

Und plötzlich wusste sie, dass er ihr einfach nicht wehtun wollte, sondern sich bemühte, es für sie so angenehm wie möglich zu gestalten. Und wieder bildete sich eine Träne in ihrem Augenwinkel, als sich ihr Körper unbewusst in seine Berührungen reckte. Sie stöhnte leise, zog seinen Kopf wieder zu sich herab und er vergrub sich im gleichen Moment in ihr, in dem sich ihre Lippen berührten.


***********

Sie war wortlos aufgestanden, hatte ein neues Handtuch geholt und war zum Wasser gegangen. Ohne sich darum zu scheren, dass sie keine Hose anhatte.

Trevor war auf den Rücken gerollt und starrte blicklos in die Sterne. Er fühlte sich elend. Obwohl sie sich an ihn geklammert hatte und er fühlte, wie ihr Körper erzitterte und sich ihre Muskeln um ihn zusammenzogen. Er hatte die Tränen in ihren Augen gesehen. Und fühlte sich elend.

Es dauerte eine ganze Weile, ehe er den Kopf hob und ihre schlanke Gestalt am Wasser sitzen sah. Seufzend stand er auf, zog seine Hose hoch und ging zu ihr.

Sie trug ebenfalls wieder ihre Hose und sie sah auch nicht hoch, als er sich neben sie setzte. Ihm wäre es jetzt lieber gewesen, sie hätte sich in die ärgerliche, nervtötende Furie zurück verwandelt, als die er sie kannte.

Doch er bemerkte sehr wohl die Tränenspuren auf ihren Wangen und es erschreckte ihn mehr als alles andere. Wortlos legte er seinen Arm um ihre Schultern und zog sie an sich. Ailia schluchzte auf und er umarmte sie, als sie ihr Gesicht an seinem Hals vergrub. Es war das erste Mal, dass sie ihm gegenüber eine Schwäche zeigte und ein Kloß bildete sich in seinem Hals, als er spürte, wie ihr Körper in ihrem stummen Weinen bebte.

Sie würden nicht mehr dieselben Menschen sein, wenn sie diesen Planeten verließen.

„Luzy“, flüsterte Trevor nach einer ganzen Weile. „Wir sollten aufhören, darüber nachzudenken.“

„Worüber?“, piepste sie ohne den Kopf zu heben.

„Dass wir beide die Letzten wären, die das zusammen tun würden… im normalen Leben.“ Er strich sanft über ihre Haare. „Und aufhören, uns Vorwürfe zu machen, dass wir es jetzt tun.“

Ailia nickte. Sie löste sich fast verlegen von ihm und fuhr über ihre Augen. Er hatte Recht. Und obwohl er genau so wie sie eine Menge schlechter Eigenschaften besaß. Eines war er gewiss nicht. Jemand, der sich einfach mal damit vergnügte, eine Frau flach zu legen. Wahrscheinlich fiel es ihm genau so schwer wie ihr und sie sollte froh sein, dass er nicht mehr Hilfe benötigte, um es durchzuziehen. Sie sah ihn an und begegnete seinem unsicheren Blick.

Dann lächelte er schief. „Weißt du, Luzy, vielleicht sollten wir einfach mal so tun, als wären wir normale Menschen. Die machen manchmal einen Sport daraus, mit den unmöglichsten Menschen ins Bett zu gehen…“

Er wollte sie aufheitern und sie verzog mühsam den Mund zu einem genau so bitteren Lächeln wie er.

Sie würden nie normale Menschen sein.

Teil 4

Sie erreichten Kemu am Nachmittag des nächsten Tages. Kemu war größer als die letzte Stadt und sie erkundigten sich nach einem Gasthof, in dem sie auch die Hereros unterbringen konnten.

Die D’arjos waren wirklich sehr freundlich und hilfsbereit. Natürlich wurden sie erst ausführlich gemustert und sie bemerkten, wie ab und zu einer von ihnen die Nase hob, und in ihre Richtung witterte. Doch sie beantworteten bereitwillig ihre Fragen, schlugen ihnen ein paar Gasthäuser vor und einer von ihnen erzählte sogar, dass sie die Zeit in Kemu nutzen sollten, um sich den großen Markt anzusehen, der nur achtmal im Jahr stattfand.

Der Gasthof, den sie auswählten, lag in der Nähe des Marktplatzes und der Wirt, ein gewisser Acto, reichte ihnen die Zimmerschlüssel und versprach, die Hereros ordentlich zu versorgen.

Sie luden ihr Gepäck mitsamt den Sätteln in ihrem Zimmer ab und Ailia sank auf das Bett. „Hast du eigentlich irgendeine Idee, was wir tun, wenn wir Naaroi erreicht haben?“

„Nein“, antwortete er nur. „Das einzige, was ich weiß ist, dass Naaroi in vielleicht fünfzig Tagen zu erreichen ist und die Raumstation in ein oder zwei Jahren. Mit einem Herero. Also können wir uns in aller Ruhe in Naaroi umsehen, versuchen Shendor auf normalem Weg zu finden und selbst wenn wir nichts erreichen, können wir uns immer noch überlegen, ob wir die Wanderung um den halben Globus auf uns nehmen.“

„Natürlich werden wir das tun“, sagte sie und klang gereizt. „Ich habe vor, die Zivilisation wieder zu erreichen und nicht, mein Leben hier zu verbringen. Mit dir!“

Natürlich nicht. Sie sah noch immer blass aus, obwohl sie sich schon am Morgen wieder gefangen hatte und den Vorfall mit keinem Wort wieder erwähnte.

„Schauen wir uns den Markt an?“, fragte er, um einem Streit aus dem Weg zu gehen. Seit wann wollte er einem Streit aus dem Weg gehen?

Sie hatten ohnehin nichts Besseres zu tun. Und da sie ihre Vorräte auffüllen mussten, beschlossen sie, damit sofort anzufangen. Umso eher konnten sie Morgen weiter reiten.

Wenn es wirklich ihr Urlaub gewesen wäre, könnte man sich an dem ganzen Ambiente D’arjos tatsächlich erfreuen. Zumindest wenn man auf Urlaub ohne Luxus stand. Als sie auf dem Markt ankamen, schien es wirklich, als hätte man sie ins Mittelalter versetzt. Marktschreier priesen ihre Ware an. Gaukler tanzten vor ihnen, von irgendwoher ertönte Musik, und es herrschte ein Gewimmel wie an einem hektischen Tag in der U-Bahn in einer terranischen Metropole.

Nur die fremde Sprache und die löwenartigen Wesen, die den Markt bevölkerten, sagten ihnen, dass sie sich nicht in der Vorzeit Terras aufhielten. Trevor nahm Ailias Hand. Sie warf ihm zwar einen misstrauischen Blick zu, doch er sagte leise, er wolle nicht, dass sie verloren ginge und sie schlenderten an den einzelnen Ständen vorbei.

Es wurde ein netter Abend und zum Schluss musste Trevor eine Tasche kaufen, um all das tragen zu können, was sie besorgt hatten. Bis zur nächsten Stadt waren es zwei Tagesritte und sie benötigten neue Lebensmittel. Auf dem Markt wurde alles angeboten: Kleidung, Schmuck, Getränke und Nahrung.

An einem Stand kauften sie etwas, was der Händler als Amrok bezeichnete und eine Art Fladen darstellte. Er sagte, es wäre eine d’arjotische Delikatesse und würde auch Menschen schmecken.

Ailia und Trevor mussten ihm recht geben und unterhielten sich einen Moment mit dem D’arjo über den Markt und die Attraktionen.

„Ihr solltet Euch die Schaukämpfe ansehen“, empfahl der D’arjo dann. „Ich glaube, für Menschen war das immer recht interessant.“

Sie bedankten sich und wanderten weiter über den Markt in die Richtung, die ihnen der D’arjo gewiesen hatte. Ein weiterer Händler sprach sie an.

„Hallo, Fremde“, rief er und winkte sie an seinen Tisch. „Menschen waren immer ganz besondern neugierig auf meine Tees und Kräuter.“

Trevor runzelte die Stirn, doch Ailia war schon an den Tisch getreten. „Schau mal“, flüsterte sie auf terranisch. „Vielleicht sollten wir uns mit irgendwelchen d’arjotischen Heilmitteln eindecken, falls mal jemand von uns krank wird.“

Sie begann, den D’arjo über fiebersenkende und desinfizierende Kräuter auszufragen und dieser gab bereitwillig Auskunft.

„Aus diesem Kraut“, erläuterte er und legte einen Stoffbeutel vor sie auf den Tisch. „Bereitet man einen Sud, in dem man die Verbände tränkt, wenn man eine offene Wunde verarztet. Dieses hier wird aufgebrüht getrunken und soll Fieber senken.“

Trevor hörte plötzlich genau so neugierig zu wie Ailia, denn es konnte durchaus möglich sein, dass sich einer von ihnen verletzte. Sie besaßen zwar einen kleinen Verbandskasten mit Pflaster und Dingen für eine Erstwundversorgung, aber mehr nicht. Schlagartig wurde ihm klar, dass mit jeden Tag mehr Probleme auf sie zukamen.

Der D’arjo stellten ihnen ein Paket zusammen, das eine Menge Geld kostete und alles enthalten sollte, was sie benötigten. Ailia nahm den Packen entgegen. Sie wollte sich gerade bedanken, als dem D’arjo noch etwas einfiel.

„Ich habe hier noch etwas“, sagte er mit einem schelmischen Grinsen und seine Reißzähne blitzten im Licht der Fackeln. „Menschen haben mich immer wieder danach gefragt.“ Er bückte sich unter seinen Tisch und legte ein Bündel unscheinbarer Pflanzen vor sie auf den Tisch.

„Was ist das?“ Ailia runzelte die Stirn.

„Eine kleine Liebesdroge“, kicherte der D’arjo. „D’arjos mögen es, die verrücktesten Dinge zu tun und Menschen haben mir erzählt, dass das Kraut bei ihnen ähnlich wirkt. Es ist mein letztes und wenn Ihr es kaufen möchtet…?“

„Eine Liebesdroge?“, erkundigte sich Ailia pikiert, doch Trevor schob sie zur Seite.

„Wir nehmen sie“, stellte er klar und ignorierte ihren entsetzten Blick.

Der D’arjo kassierte lächelnd das Geld und erklärte, sie bräuchten das Kraut nur wie Tee zuzubereiten.

„Was soll das?“, fauchte Ailia, als sie weiter gingen. „Ich werde dieses Zeug bestimmt nicht nehmen!“

Trevor lachte. „Oh, du wirst es ganz sicher nehmen und ich auch. Und dann werden wir uns hoffentlich keine Gedanken um irgendetwas machen, was wir tun.“ Er griff nach ihrer Hand und zog sie weiter.

Ailia sagte nichts mehr, weil ihr plötzlich aufging, dass das vielleicht die Lösung war.

Ein Geschrei und Gebrüll vor ihnen lenkte sie von weiteren Gedanken in dieser Richtung ab und sie hob neugierig den Kopf, da sie annahm sie hätten den Platz der Schaukämpfe erreicht.

„Ich sehe nichts“, schimpfte sie und Trevor zog sie mit sich zu einer Treppe.

Nachdem sie ein paar Stufen hinauf gestiegen waren, konnte sie in die kleine Arena blicken, in der sich zwei D’arjos belauerten, die von der Masse angefeuert wurden. Fauchend und mit aufgestellten Mähnen stürzten sich die beiden immer wieder aufeinander. Es schien eine Art Faustkampf zu sein, denn sie konnten nicht bemerken, dass Zähne oder Krallen eingesetzt wurden.

Plötzlich bemerkte Ailia eine zierliche D’arjo, die allein am Rand stand und das Geschehen fasziniert beobachtete. Ein ungutes Gefühl stieg in ihr auf und sie flüsterte Trevor zu: „Die kämpfen doch hier nicht um die Frau, oder?“

Trevor folgte überrascht ihrem Blick. „Ich weiß nicht“, sagte er zögernd. „Vielleicht tragen sie solche Kämpfe öffentlich aus? Sie sieht jedenfalls so aus, als würde es sie brennend interessieren, wer gewinnt.“

„Oh Gott, ich will gehen.“ Ailia sah schon wieder recht blass aus und Trevor zog sie kurz an sich.

„Mach die Augen zu. Ich will zumindest sehen, wie das abläuft.“

In diesem Moment traf die Faust des einen D’arjos das Gesicht des anderen voll und dieser brach wie vom Blitz getroffen zusammen. Die Menge jaulte, als der Sieger ein Geheul ausstieß, das jeden Löwen auf Terra vor Neid hätte blass werden lassen.

Ailia schlug ihre Hand vor den Mund, als sie die D’arjo auf den Sieger zugehen sah. Mit einem Knurren riss er sie an sich, küsste sie wild, stieß sie dann zu Boden und war im nächsten Moment auf ihr. Die D’arjo landete auf ihren Knien und fauchte, als der Mann sich von hinten an sie drängte, ihren Rock anhob und seine Hose öffnete. Fassungslos beobachtete Ailia durch ihre Finger, wie sich seine Zähne in die Schulter der Frau gruben und er sie da unten mitten auf dem Platz vögelte. Innerhalb von fünf Minuten war alles vorbei. Er erhob sich, riss die Frau in seine Arme und Ailia sah noch fassungsloser, dass diese sich an ihm rieb und fast zärtlich in den Hals biss. Und die Menge wandte sich dem nächsten Paar zu.

Ailia schielte in Trevors Richtung. Er war kreidebleich, obwohl er in keiner Sekunde den Blick abgewandt hatte und auch mit keiner Geste sein Erschrecken oder Entsetzen gezeigt hatte.

„Ich will hier weg“, sagte er tonlos.

Ailia griff wieder nach seiner Hand. „Lass uns gehen.“

„Ich will von diesem scheißverdammten Planeten weg!“, fluchte er innbrünstig und folgte Ailia. „Ich kann das nie, Ailia. Nie im Leben.“

„Wir werden es nicht so weit kommen lassen“, versprach sie und fragte sich, wieso sie plötzlich ihm Mut zusprach und nicht er ihr.


**************

Drei Tage später erreichten sie Umka, eine kleine Stadt mit nur einem Gasthof. Sie quartierten die Hereros im Stall ein, mieteten ein Zimmer und nahmen die Schlüssel entgegen. Trevor sah plötzlich wie einige D’arjos witternd die Köpfe hoben und ihre Mähnen aufstellen und schob Ailia panisch in Richtung Treppe. „Mach, dass du hoch kommst. Schnell!“

Es war fast eine Flucht aus dem Gastraum und er war mehr als erleichtert, die Tür ihres Zimmers hinter sich geschlossen zu wissen.

„Es sind doch erst vier Tage“, murmelte Ailia erstaunt.

„Du badest zuviel“, murrte er gereizt.

„So ein Quatsch!“, fuhr sie ihn an. „Die D’arjos baden auch. Vielleicht vergeht an Menschen der Geruch einfach schneller.“

„Ich besorge heißes Wasser. Hoffentlich fallen die da unten nicht gleich über mich her.“

Ailia starrte ihm mit großen Augen nach. Sie hatte gar nicht mehr über das Kraut nachgedacht, das ihnen der D’arjo auf dem Markt verkauft hatte. Trevor schien es wirklich probieren zu wollen.

Es dauerte nicht lange und er kam mit einem Topf heißen Wassers wieder. „Der D’arjo hat mich zwar angesehen, als wäre ich bescheuert, aber er hat mir heißes Wasser gegeben.“

Mit gemischten Gefühlen beobachtete Ailia, wie er das Kraut in zwei Becher verteilte und heißes Wasser darüber goss. „Ich kann mir absolut nicht vorstellen, dass das hilft. Das ist doch alles nur Geldmacherei.“

„Einen Versuch ist es wert.“ Er reichte ihr einen Becher und setzte sich auf das Bett.

„Du hättest Alkohol besorgen sollen.“

„Halt die Klappe und trink das Zeug!“, fuhr er sie böse an.

Ailia grinste müde, zog ihre Schuhe aus und setzte sich neben ihn. Er sah sie nicht an und schweigend schlürften sie den nicht einmal unangenehm schmeckenden Tee. „Reicht eine Tasse?“, fragte sie und versuchte lustig zu klingen, als sie den leeren Becher weg stellte.

„Woher soll ich das wissen?!“ Er klang gereizt, rutschte ans Bettende und lehnte sich mit verschränkten Armen an die Wand.

Ailia lehnte sich neben ihn. „Wie merkt man, dass eine Wirkung einsetzt?“

„Ich habe keine Erfahrung mit Drogen und mit Liebesdrogen schon gleich gar nicht!“ Er drehte sich zu ihr um. „Ich habe einen Heidenschreck bekommen, als die da unten plötzlich alle so angriffslustig aussahen! Du kannst jetzt schimpfen wie du willst, aber wir werden alle drei Tage miteinander schlafen!“

„Du bist wirklich sehr romantisch“, murmelte Ailia sarkastisch.

„Das hat nichts mit Romantik zu tun! Das ist lebensnotwendig!“ Trevor starrte wieder gerade aus. Er bezweifelte genauso wie sie, dass das Kraut eine Wirkung zeigen würde. Aber der Funke Hoffnung war da, denn er wusste nicht, wie er auf längere Zeit mit der Verzweiflung in ihren Augen zurecht kommen sollte. Allerdings sah sie im Moment weniger entsetzt aus als er. „Du siehst heute gar nicht aus, als würdest du lieber flüchten.“

Ailia zuckte mit den Schultern. „Ich sehe aber auch nicht sonderlich begeistert aus, oder?“

Trevor musste grinsen. „Nein.“

„Ich habe nicht besonders viel Erfahrung in Bezug auf Sex. Ich kann die Männer zählen, mit denen ich im Bett war.“

„Ich die Frauen auch“, kicherte er. „Ich bin bestimmt auch nicht das, was Frauen allgemein als Kracher im Bett bezeichnen. An einem bestimmten Punkt wollte ich immer nur fertig werden.“

Ailia lachte plötzlich auf und drehte sich zu ihm um. „Eigentlich ist es toll, dass wir das trotzdem ganz gut auf die Reihe gekriegt haben.“

Seine Augenbrauen hoben sich. „Ganz gut?“

„Ich meinte natürlich … auf die Reihe gekriegt… einfach nur auf die Reihe gekriegt…“, stotterte sie und fühlte die Hitze in ihre Wangen steigen. „Ich meine, ich habe keine Ahnung, was toll ist und was nicht… ich hatte immer andere Sorgen…“

Trevor legte den Kopf schief. „Die brauchst du dir hier nicht zu machen. Und ich auch nicht. Wir können Sex haben wie normale Menschen.“

„Irgendwie hätte ich einen anderen Partner bevorzugt“, brummte sie mürrisch und sah erstaunt, dass er trotz ihrer Bemerkung grinste.

Er beugte sich zu ihr und murmelte. „Luzy, ich habe auch nie an dich und Sex in einem Zusammenhang gedacht.“

Sie seufzte und fragte sich, wieso ihr nie aufgefallen war, wie eigenartig grau seine Augen waren. Es schien, als würde ein Sturm in ihnen brodeln und sie dunkler machen als sonst. „Wenigstens siehst du ganz gut aus…“ Hatte sie das jetzt gesagt?

„Ja?“, fragte er mühsam und versuchte, sich ein Lachen zu verkneifen. „Du auch, Luzy. Das macht die Sache etwas … einfacher…“

„Merkst du schon was?“

Er schüttelte den Kopf.

„Ich auch nicht. Mir ist nur warm. Aber die Temperaturen sind hier allgemein höher als auf Terra. Ein Königreich für eine Klimaanlage“, rief sie aus und wedelte mit der Hand in der Luft.

Trevor fing ihre Hand ein und strich gedankenverloren mit dem Daumen über ihren Handrücken. „Weißt du, vielleicht ist es doch ganz gut, dass es ausgerechnet uns beide erwischt hat. Ein normaler Mensch würde unsere Probleme gar nicht verstehen.“

Ailia starrte auf ihre Hand und hatte plötzlich Mühe, seinen Worten zu folgen, weil die Berührung seiner Finger ein eigenartiges Kribbeln auf ihrer Haut auslöste. „Hm“, machte sie nur und schluckte, als er den Kopf hob und sie ansah.

„Mir ist auch warm“, sagte er leise.

„Ja?“

Er hob seine Hand zu ihrem Gesicht und strich vorsichtig über ihre Wange. Ailia hielt die Luft an, als er sich vor beugte und mit seinen Lippen sanft ihre berührte. Etwas wie ein Stromschlag fuhr durch ihren Körper und sie schloss die Augen, weil sie einen Moment mit dem Chaos kämpfte, das plötzlich in ihrem Körper herrschte. Seine Lippen strichen über ihre Wange zu ihrem Ohr und er flüsterte. „Ich würde gern etwas ausziehen.“

„Ich auch“, hauchte Ailia, weil sie sich plötzlich fühlte, als würde sie keine Luft mehr bekommen und die Kleidung, die sie trug, würde sie ersticken.

Sie half ihm, sein Shirt über den Kopf zu ziehen und ohne zu überlegen fuhren ihre Finger über die nackte Haut seiner Brust. Er war schlank und trotzdem muskulös, ohne aufgeblasen zu wirken. Ein leises Stöhnen kam aus seinem Mund, als sie den Kopf senkte und ihre Lippen ihren Fingern folgten. Seine Hand verfing sich in ihren Haaren und er riss ihren Kopf hoch, um seine Lippen auf ihre zu pressen, während seine zweite Hand mit ihrem Shirt kämpfte.

Ailia löste sich kurz von ihm, zog ihr Shirt über ihren Kopf und warf es zur Seite. Sie dachte nicht mehr darüber nach. Seine Arme zogen sie an sich und das Gefühl seiner nackten Haut auf ihrer ließ sie zittern. Mit einer schnellen Bewegung öffnete er den BH und streifte die Träger ihre Arme hinunter. Ihr wurde heiß, als sie seinem Blick begegnete und er seine Hand hob, um die sanften Rundungen zu berühren. Eine leise Stimme in ihrem Kopf fragte, warum sie *ihn* das tun ließ, doch sie verstummte, weil ihr Körper nach seiner Berührung schrie. Sie seufzte leise, als sein Daumen über die Brustwarzen strich, die sich schlagartig verhärteten.

Mit einem Knurren riss er sie wieder an sich und ihre Finger gruben sich in seine Haare, als seine Zunge zwischen ihre Zähne drängte. Er drückte sie auf das Bett zurück und beugte sich über sie. Plötzlich waren seine Lippen auf ihren Brüsten und ihre Augen schlossen sich, als sie sich ihm stöhnend entgegen bäumte. Wieso ließ er sich soviel Zeit?!

Trevor stellte weit entfernt fest, dass irgendetwas mit seinem Verstand passiert war. Ungeduldig öffnete er die Knöpfe von Ailias Hose, streifte sie ihre Hüften hinab und entledigte sich seiner eigenen. Sie wollte ihn genauso ungeduldig wieder an sich ziehen, doch das Bild wie sie nackt auf diesem Bett lag, gefiel ihm zu gut.

Mit einem Lächeln presste er seine Lippen auf ihren Bauch, biss sie sanft und grinste, als er sie leise wimmern hörte. Seine Hand wanderte zwischen ihre Beine und diesmal protestierte sie nicht, sondern drängte sich seinen Berührungen entgegen. Obwohl sein Körper selbst in Flammen stand, wollte er den Augenblick noch ein wenig genießen.

Ailias Hände fuhren zu seinem Kopf und sie schnappte nach Luft, als er einen Finger in sie stieß, während sein Daumen den geschwollenen Knoten zwischen ihren Beinen umkreiste. Sie glaubte zu sterben, wenn er nicht gleich etwas tat.
„Trevor“, bettelte sie leise.

Ihr Becken hob sich, ihm entgegen und er fühlte wie ihre Nässe seine Finger hinunter rann. Es war fantastisch und er hatte es nie in dieser Stärke erlebt, weil er sich eben immer etwas zurück gehalten hatte. Plötzlich wollte er alles tun, um diesen Augenblick nicht enden zu lassen. Ailias Beine spreizten sich weiter und bettelten ihn stumm an, ihr endlich zu geben, was sie wollte. Und er tat etwas, was er noch nie getan hatte. Sein Kopf wanderte tiefer und Ailia bäumte sich mit einem Schrei auf, als seine Zunge seinen Daumen ersetzte. Er hatte davon gehört, davon gelesen, jedoch bisher nie das Bedürfnis verspürt, es selbst auszuprobieren. Und er stellte fest, dass es genauso fantastisch war. Seine Zähne schlossen sich um das sensible Nervenbündel und er fühlte, wie sie unter ihm erzitterte und sich ihre Finger in seinen Haaren verkrallten, als der Orgasmus durch ihren Körper jagte.

Der Schmerz in seinem eigenen Körper wurde zu groß. Mit einem Knurren ließ sein Mund sie los, er kroch ihren Körper auswärts. Seine Lippen strichen über ihren Bauch, ihre Brüste und er hob den Kopf, als seine Erektion zwischen ihren Beinen angekommen war. Sie sah noch völlig weggetreten aus, einfach herrlich, und mit einem einzigen Stoß vergrub er sich in ihr.

Ailia schlang ihre Arme um seinen Hals, ihre Lippen trafen sich und sie schmeckte sich selbst in seinem Mund. Es spielte keine Rolle. Nichts spielte eine Rolle, außer seinen Bewegungen, die ihn immer und immer wieder tief in sie hinein trieben. Sie schluchzte auf, als die Welle zum zweiten Mal durch ihren Körper schoss, sie ihn aufstöhnen hörte und er wie bewusstlos auf ihr zusammen brach. Er zitterte genau so wie sie und sie hielten sich gegenseitig fest, bis die Schauer in ihnen abklangen.

Trevor rollte zur Seite und zog sie mit sich, so dass ihr Kopf an seiner Schulter zum liegen kam. Für einen Moment fühlte er sich einfach grenzenlos zufrieden und sogar Ailia in seinem Arm passte in dieses Bild.

Ailia kuschelte sich an ihn und legte ihre Hand auf seinen nackten Bauch. „Das war toll“, murmelte sie schläfrig und hörte ihn leise lachen.

„Fantastische Idee, das mit der Droge“, bestätigte er und wunderte sich, warum sie noch immer so freundlich war. Aber wahrscheinlich klang die Wirkung der Droge erst langsam wieder ab. Ihre Finger malten irgendwelche sinnlosen Muster auf seinem Bauch und er schloss die Augen, weil diese zärtlichen Berührungen schon wieder eine Hitze in seinem Körper aufstiegen ließen, die er nicht kannte.

Sie hob plötzlich den Kopf, beugte sich über ihn und er zog scharf die Luft ein, als ihre Zunge um seine Brustwarzen kreiste.
Das war ein Traum. Aber er hatte noch nie von Ailia geträumt. Schlagartig schoss das Blut zu einem Punkt seines Körpers und er hörte sie Kichern, als ihre Lippen seinen Bauch hinab wanderten.

Sie würde doch nicht… Er schnappte nach Luft, als ihre Finger ihn umschlossen und gab das Denken auf. Sein Kopf hob sich und er stöhnte leise, als sie ihn mit einem Lächeln fixierte, das er noch nie an ihr gesehen hatte. Das Verlangen in seinem Körper wurde derart hoch gepeitscht, dass er sie am liebsten zur Seite geworfen und sich wieder in ihr vergraben hätte. Dann senkte sie langsam den Kopf und er schluckte, als sie ihre Lippen um seine Erektion schloss. Sein Kopf flog zurück und seine Hände krallten sich in die Laken des Bettes, als sie begann, ihn rhythmisch in ihren Mund zu saugen.

„Oh Gott“, murmelte er hilflos und seine Hüften hoben sich automatisch, weil der Drang zu groß wurde. Ganz sanft schabten ihre Zähne über die samtene Haut seines Penis und diesmal war er es, der leise wimmerte.

„Luzy… verdammt … Luzy“, stieß er hervor und sie saugte ihn tief in ihren Mund. Es war Wahnsinn. Und er hätte im normalen Leben nie zugelassen, dass er die Beherrschung verlor und die Frau nicht. Denn dann war es noch ein wenig katastrophaler, ihre Gedanken zu lesen. Jetzt spielte das alles keine Rolle. Es gab nichts Wichtigeres mehr als ihre Lippen und ihre Hände, und er dachte gar nichts mehr, als er unbewusst nach oben stieß und mit einem Aufschrei in ihrem Mund explodierte.

Ailia schluckte und war trotz des Nebels in ihren Gedanken einen Moment erschrocken über das, was sie getan hatte. Sie kam nicht dazu, länger darüber nachzudenken, weil er sie auf den Rücken warf und im nächsten Augenblick mit dem Kopf zwischen ihren Beinen verschwand. Es dauerte nicht lange, bis sie es war, die schrie und Trevors genau so benebelter Verstand sich fragte, seit wann er ein derartiges Durchhaltevermögen besaß, weil er sich schon wieder auf sie stürzte und sich mit einem Stöhnen in ihr vergrub.

 

Teil 5

Ailia erwachte am nächsten Morgen mit einem eigenartigen Gefühl im Kopf. Sie verspürte eine Befriedigung, die all ihre Glieder einfach nur schlapp machte und bemerkte erst dann, dass sie auf dem Bauch lag und sich ein warmer Körper gegen ihre Seite presste. Und sie keinen einzigen Fetzen am Leib trug.

Schlagartig stieg die Erinnerung an die vergangene Nacht in ihrem Kopf hoch und sie wurde feuerrot.

Fast verlegen drehte sie den Kopf in seine Richtung. Trevor schien ihre Bewegung zu spüren, denn er öffnete die Augen und sah sie einen Moment orientierungslos an. Bis die Erinnerung ihn wahrscheinlich genau so traf und sie ihn schlucken sah.

„Ich habe das nicht geträumt, oder?“, fragte sie vorsichtig und wunderte sich, warum sie sich nicht irgendwo verkriechen wollte.

„Ich denke … nicht“, antwortete er genau so zögernd.

Und Ailia musste plötzlich lachen. „Oh Gott, das Zeug ist Irrsinn.“

Trevor hatte, nachdem die Erinnerung wieder gekehrt war, mit allem gerechnet. Mit ihrer Wut, mit ihrem Zorn und mit ihrer Weigerung, das Kraut jemals wieder zu benutzen. Aber nicht damit, dass sie lachte. Er musste sie so verdutzt angesehen haben, dass sie sich mühsam zwang wieder ruhig zu werden.

„Du bist nicht sauer?“, vergewisserte er sich.

„Worauf denn?“, fragte sie grinsend. „Wir standen unter Drogen. Oh Gott!“ Sie vergrub ihr Gesicht in den Kissen. “Ich habe Sachen getan, die ich noch nie getan habe…”

Er musste plötzlich auch lachen. „Ich auch.“ Und eine grenzenlose Erleichterung befiel ihn. Mit Hilfe der Droge durfte es kein Problem sein, die nächsten Wochen zu überstehen. Er richtete sich auf und durchsuchte das Zimmer nach seiner Hose. Sie lag neben dem Bett und er zog sie über, während ihn Ailia mit ihren Augen verfolgte.

„Wo sind meine Sachen?“, fragte sie.

Er bückte sich, hob sie auf und warf sie in ihre Richtung, während er nach seinem Shirt langte.

„Dreh dich um“, kommandierte Ailia.

Trevor verdrehte die Augen. „Luzy, ich weiß nach letzter Nacht wie du aussiehst.“

„Mir ist scheißegal, was letzte Nacht passiert ist. Aber jetzt stehe ich nicht unter Drogen und ich will, dass du dich umdrehst!“, fuhr sie ihn an und kroch erst aus dem Bett als sie sich vergewissert hatte, dass er das auch tat.

„Du bist kindisch.“

„Ich bin nicht kindisch! Ich bin wieder voll bei Verstand.“

Trevor starrte gegen die Wand, während er sie hinter sich mit ihren Sachen rascheln hörte. Es war eine total verrückte Nacht und konnte noch immer nicht fassen, dass sie wirklich all diese Dinge getan hatten. Irgendwie ärgerte es ihn, dass sie jetzt wieder die kühle Art hervor kehrte, obwohl seine Erinnerung ihm sagte, dass sie eine kleine verdammt heiße Person war. Eine Droge konnte doch nur das wecken, was schon in einem Menschen schlummerte, oder? Und nicht seinen Charakter völlig verändern?

„Du kannst dich wieder umdrehen“, schreckte sie ihn aus seinen Gedanken hoch.

Und er betrachtete seufzend ihre jetzt wieder voll bekleidete Gestalt und fühlte eine Art Bedauern.


*************

Die nächsten Tage vergingen in einer gleich bleibenden Routine. Manchmal vergingen viele Tage, ehe sie eine Stadt erreichten. Manchmal übernachteten sie jeden Tag in einem Gasthof.

Die Liebesdroge war gar nicht so leicht zu besorgen, wie sie es anfangs gedacht hatten, aber sie schafften es immer vor Ablauf der drei Tage, das Kraut zu kaufen. Trevor witzelte darüber, dass sie den Planeten nicht als Alkoholiker, sondern drogenabhängig verlassen würden, aber Ailia zuckte nur mit den Schulter und meinte, es würde keine Rolle spielen.

Sie wussten beide, dass sie diese Lösung nicht auf Dauer verwenden konnten, aber im Moment war keiner von ihnen in der Lage, darauf zu verzichten.

Manchmal erwischte sich Trevor dabei, wie er sie ansah und die Erinnerung an die leidenschaftlichen Nächte in ihm hoch stieg, obwohl er versuchte, es krampfhaft zu verdrängen.

Manchmal glaubte er, in ihrem Blick eine Art Wärme zu sehen, mit der sie ihn noch nie angesehen hatte. Doch sie sprachen nie darüber. Sie verkehrten wie zwei Menschen miteinander, die einen Job zusammen zu erledigen hatten. Sachlich, kurz und sehr unpersönlich. Aber obwohl sie es sich nicht zugeben wollten, war ein Teil der Gereiztheit, die immer in ihren Unterhaltungen mitschwang, verschwunden. Es war fast so, als würden sie versuchen, gut miteinander auszukommen.

Und in den Nächten unter dem Einfluss der Droge, verschwand alles, was sie jemals zu zwei Menschen gemacht hatte, die sich nicht leiden konnten. Als würden sie vergessen, wer sie waren und dass sie ihr vergangenes Leben damit verbracht hatten, sich aus dem Weg zu gehen oder sich zu streiten.


**********

Sie waren drei Wochen unterwegs und ihr Vorrat an dem Kraut auf eine Portion gesunken, als sie beschlossen, diese Portion für die Nacht auszuheben, nach der sie die nächste Stadt erreichen würden. Die war noch zwei Tage entfernt und obwohl sie wussten, dass der Geruch jetzt an Ailia verschwunden war, konnten sie sich nicht dazu durchringen, das ganze ohne die Droge zu versuchen.

Sie waren sehr selten einem D’arjo unterwegs begegnet und versuchten sich einzureden, dass es kein besonderes Risiko darstellte. Umso erschrockener fuhren sie hoch, als sich am Abend ein D’arjo zu ihnen gesellte, der einfach nur die Nacht nicht allein an einem Lagerfeuer verbringen wollte.

Sie konnten ihm seinen Wunsch nicht abschlagen, da es unhöflich gewesen wäre, doch Trevor wurde schon von einem unguten Gefühl befallen, als sich der D’arjo zu ihnen setzte. Er stellte sich als Am’ron vor und erzählte, dass er von der Jagd lebte und Felle verkaufte. Ihm waren schon einige Menschen begegnet und manchmal waren die Erfahrungen, die er mit ihnen gemacht hatte, nicht sonderlich gut, weil manche Menschen einfach nicht verstanden, dass es auf D’arjo bestimmte Regeln gab, an die man sich halten musste.

Als er das sagte, traf sein Blick Ailias und die wurde blass. Der D’arjo witterte noch einmal in ihre Richtung und sah dann Trevor an. „Deine Frau?“

Trevor nickte und war plötzlich genau so blass wie Ailia.

„Ihr Menschen werdet es nie lernen“, spottete der D’arjo und sie hatten plötzlich beide das ungute Gefühl, dass er aus einem einzigen Grund die Gesellschaft ihres Lagerfeuers gesucht hatte. Um ihnen eine Lektion zu erteilen. „Ich denke, ich möchte deine Frau haben. Da sie dich ja nicht mehr haben will.“

Trevor biss die Zähne zusammen. „Ich denke, ich gebe sie nicht her“, sagte er langsam.

Am’ron bleckte die Zähne und sprang geschmeidig auf. „Dann, Mensch“, antwortete er mit beißendem Sarkasmus. „Solltest du ihr beweisen, dass du ihrer noch würdig bist.“

Ailia hatte plötzlich Angst. Weniger vor dem D’arjo, sondern davor, dass er Trevor ernsthaft verletzen konnte. Mit großen Augen beobachtete sie, wie Trevor ebenfalls aufstand und den D’arjo mit festem Blick ansah.

Am’ron grinste. Dieser Mensch nahm die Herausforderung wenigstens an. Ein leises Knurren kam aus seiner Kehle und schlagartig spannte sich Trevors Gestalt.

Er hatte den letzten Kampf gesehen und er wusste, dass er zumindest eine Chance hatte, wenn der D’arjo nicht mit Krallen und Zähnen auf ihn losging. Alles in allem schien es ein recht fairer Kampf gewesen zu sein und Trevor war exzellent ausgebildet im Nahkampf.

Kein Problem also. Sein Kopf klärte sich und das jahrelange harte Training übernahm die Kontrolle über seine Instinkte, als der D’arjo angriff.

Ailia schaute nur fünf Minuten zu und wusste, dass der D’arjo verlieren würde. Er setzte seine Krallen wirklich nicht ein, sondern es schien ein reiner Faustkampf zu werden und wieder hatte sie das Gefühl, dass es dem D’arjo einfach Spaß machte, Menschen zu zeigen, dass sie sich auf einer fremden Welt befanden und deren Regeln zu beachten hatten.

Einmal schrak sie zusammen, als Am’rons Faust Trevors Magen traf und dieser nach Luft schnappte, sich zur Seite drehte und den D’arjo mit seinen Fuß von den Beinen warf. Am’ron blieb am Boden liegen. Er spuckte Blut, weil er sich wahrscheinlich selbst im Mund verletzt hatte und hob den Kopf zu dem noch immer kampfbereit wartenden Trevor, der genau so keuchte wie er selbst.

„Du verstehst zu kämpfen, Mensch“, knurrte er zwischen seinen Zähnen hindurch. „Aber deine Frau wird trotzdem mir gehören.“ Er wollte sich hoch stemmen, doch Trevor schlug ihm ohne mit der Wimper zu zucken, die Faust noch einmal ins Gesicht.

„Vergiss es!“, fauchte er genau so wie der D’arjo, der ihn trotz allem noch mit einem hinterlistigen Grinsen betrachtete.

Und Ailia wusste plötzlich, was Am’ron meinte. Sie sprang auf, lief auf Trevor zu und schlang ihre Arme um ihn.

Trevor zuckte zusammen, als er ihren Blick sah und schüttelte unmerklich den Kopf. Ich kann nicht, sagten seine Augen verzweifelt.

Ailia zog ihn mit sich, bis sie einen breiten Baum in ihrem Rücken spürte. Trevor verdeckte sie vor den Augen des D’arjos, aber sie wusste genau, dass dieser mit wachem Blick verfolgte, was sie taten.

Es war jetzt keine Zeit zum Überlegen oder dafür, sich um irgendetwas einen Kopf zu machen. Ihre Hände öffnen Trevors Hose. Ihre Fingen griffen hinein, umfingen seinen Penis, streichelten ihn und pumpten an ihm auf und ab. Er reagierte, nicht willentlich, denn sie sah die Verzweiflung in seinen Augen und wusste genau, dass ihm überhaupt nicht zusagte, was sie tat.

„Mach dir keinen Kopf!“, flüsterte sie und starrte ihn fast zornig an. „Tu es einfach.“

Er öffnete ihre Hose. Er sah noch immer aus, als würde er lieber fliehen, doch Ailia ließ ihm keine Zeit zum Überlegen. Sie kickte die Hose von ihren Beinen, schlang ihre Arme um seinen Hals und ihre Beine um seine Hüften. Obwohl sie wusste, dass es für sie alles andere als angenehm werden würde, da sie kein bisschen erregt war, sagte ihr Blick laut und deutlich, dass sie ihn etwas antun würde, wenn er das jetzt nicht tat. Trevor presste sie gegen den Baum.

„Tu es!“, stieß sie leise hervor. „Und beeil dich!“

Trevor kämpfte mit sich. Er wollte ihr nicht wehtun, nicht auf diese Art und Weise und er wusste genau so, dass er keine Wahl hatte. Seine Lippen pressten sich verzweifelt auf ihren Mund, als er in sie stieß. Er fühlte, wie sich ihr Körper verkrampfte und sie mühsam einen Aufschrei unterdrückte und hätte weinen können. Er fühlte sich tot und leer, als er ein paar Mal in sie stieß und der schwache Abklatsch eines Orgasmus durch seinen Körper fuhr, als er seinen Samen in sie abgab.

Er hob den Kopf und sah das Blut auf ihrer Lippe, weil sie sich wahrscheinlich selbst verletzt hatte, als sie ihre Zähne hinein gegraben hatte. „Scheiße“, murmelte er hilflos.

Sie öffnete die Augen und sah ihn fest an. „Kümmer dich um den D’arjo“, flüsterte sie. Er ließ sie los, verschloss seine Hose und wartete, bis sie ihre wieder angezogen hatte, ehe er sich umdrehte.

Der D’arjo war aufgestanden und betrachtete sie mit einem Blick in dem eine Hochachtung zu sehen war, die sie von ihm nicht erwartet hatten. „Es gibt noch Menschen, die mich überraschen“, sagte er leise und neigte den Kopf. „Ich denke, ihr habt meinen Respekt verdient. Treff’oor und Ailia.“

Trevor starrte ihn an wie eine Figur aus einem Traum und Ailia vergaß sogar, dass ihr die ganze Sache fürchterlich peinlich sein sollte.

„Ich wünsche euch eine gute Reise.“ Am’ron pfiff nach seinem Herero, schwang sich in den Sattel und hob grüßend die Hand.

Trotz dieser Worte fühlte sich Trevor einfach nur elend. Während Ailia dem D’arjo fassungslos hinterher sah, ging er zurück zu ihrem Feuer, setzte sich und lehnte sich an einen Baum.

Damaron und Selina lagen faul im Gras und dösten vor sich hin. Trevor sah auf die beiden Tiere, aber er sah sie auch nicht. Entgegen den Worten des D’arjos verfluchte er sich für das, was er getan hatte und sein Kopf fuhr erschrocken herum, als Ailia sich neben ihn setzte.

„Bist du verletzt?“, fragte sie sanft. „Wir sollten Verletzungen sofort desinfizieren, damit wir kein Risiko eingehen.“

Er schüttelte den Kopf. Er hatte ein paar Treffer abbekommen und würde sicherlich morgen ein paar blauen Flecken haben, aber es war nichts ernsthaftes. Und nichts im Vergleich zu dem, was er ihr angetan hatte.

„Trevor?“

Es passierte sehr selten, dass sie seinen Namen benutzte, doch er ignorierte sie und starrte weiter hinaus in die beginnende Dämmerung.

Ailia hob ihre Hand zu seinem Kinn und drehte sein Gesicht in ihre Richtung. „Es war richtig“, sagte sie einfach und die Verzweiflung in seinen Augen tat ihr plötzlich weh. „Wir waren dumm, zu glauben, dass wir kein Risiko eingingen, indem wir zuließen, dass der Geruch an mir verschwand.“

„Sei still!“, fuhr er sie an, doch sie schüttelte den Kopf.

„Wir haben getan, was wir tun mussten.“

„Nein!“ Sein Blick flackerte und einen Moment dachte sie, er würde aufspringen und gehen, doch er hob nur seine Hand und strich sanft über ihre verletzte Lippe. „Ich habe dir weh getan“, murmelte er verzweifelt.

Ailia lächelte mühsam. „Besser du als der D’arjo, oder?“

Er schlang seinen Arm um sie und zog sie an sich. Ailia lehnte sich an ihn und schloss die Augen. Sie fühlte sich auch verletzt, aber das würde sie ihm niemals sagen. Zwischen ihren Beinen brannte es wie Feuer, doch das war etwas, was innerhalb kurzer Zeit wieder verschwinden würde. Was ihr jetzt, im nachhinein Angst machte, war, dass Trevor hätte verlieren können und der Gedanke, dass es dann ein D’arjo gewesen wäre, jagte ihr im Nachhinein noch Angstschauer über den Rücken. Jetzt fühlte sie sich zwar etwas wund und Trevor fühlte sich mehr als scheußlich, aber in den Augen der D’arjos waren sie einer der ihren. Eben weil sie sich so verhalten hatten.

Trevor fühlte ihren Herzschlag an seiner Brust, atmete den Duft ihrer Haare ein und wollte immer noch am liebsten weinen. Gedankenverloren strich er über ihre Haare und küsste sie sanft auf die Stirn. „Es tut mir so leid“, flüsterte er.

Ailia schlang ihren Arm um seine Brust und kuschelte sich an ihn. „Halt mich einfach fest, Trevor.“

In dieser Nacht schlief sie in seinen Armen und sie versuchten beide zu vergessen, dass jeder von ihnen mit dem Schmerz in seinem Inneren zu kämpfen hatte. Der eine physisch und der andere psychisch…


***********

„Unser letzter ‚Apfel‘.“ Ailia reichte Trevor die Frucht und setzte sich neben ihn auf den grasbewachsenen Hang am Ufer des Flusses. An Hand der Karte wussten sie jetzt, dass der Fluss den Name Malomia trug und sie noch ein paar Tage an seinem Ufer reisen würden, ehe er die Richtung wechselte.

„Morgen erreichen wir El Mona“, sagte er nur.

Ailia war im Wasser gewesen. Das war etwas, was sie vermisste, wenn sie eine Stadt betraten. Sicherlich konnten sich die D’arjos in ihren Häusern eine Wanne voll Wasser erhitzen oder sie mit kaltem Wasser füllen, aber in einem Gasthof konnten sie nur auf die kleinen Waschschüsseln zurückgreifen. Selbst die beiden Hereros nutzten die Gelegenheit, wenn sie aus dem Mietstall heraus kamen und sprangen in den Fluss, wenn sie sie abends frei ließen. Sie hatten sich an die Tiere genau so gewöhnt wie an den Tagesablauf. Jetzt waren die beiden von ihrer abendlichen Jagd noch nicht zurück, aber Sorgen, dass sie für immer verschwanden, machten sie sich schon lange keine mehr.

Gedankenverloren kämmte Ailia ihre Haare und starrte auf den Fluss. Trevor war den ganzen Tag über recht schweigsam gewesen. Sie fühlte ab und zu seinen Blick und wenn sie den Kopf hob und ihm begegnete, sah sie kurz die Schuldgefühle in seinen Augen, ehe er schnell den Blick abwandte. Es irritierte sie etwas, da sie nicht damit gerechnet hatte, dass ihn das so beschäftigen würde.

„Ich hätte nie gedacht, dass ich mal so etwas wie Abenteuerurlaub mache“, versuchte sie ein Gespräch zu beginnen.

Er schnaubte nur verärgert. „Das ist alles, nur kein Urlaub.“

Ailia seufzte. „Ich möchte, dass du aufhörst, dir Vorwürfe zu machen. Wenn jemanden die Schuld trifft, dann uns beide, weil wir das Risiko eingegangen sind.“

„Ich hätte darauf bestehen sollen, dass wir...“ stieß er hervor, brachte aber den Satz nicht zu Ende. „Ohne den D’arjo hättest du vielleicht eine Weile geschimpft, aber ich hätte dir nicht wehgetan.“

„Ich habe schon schlimmere Dinge erlebt“, sagte sie leise. „Ich bin angeschossen worden, der ein oder anderer Schlag hat mich getroffen... das bringt unser Job mit sich, Trev. Selbst Mutanten sind nicht unverwundbar.“

„Das ist nicht dasselbe“, antwortete er nur stur. „Ich fühle mich, als hätte ich dich vergewaltigt.“

„Du weißt genau, dass das Blödsinn ist. Wenn du es nicht gewesen wärst, hätte es der D’arjo getan.“

„Wir hätten es gar nicht so weit kommen lassen sollen!“, fuhr er sie an.

„Nein, hätten wir nicht!“, antwortete Ailia genervt. „Aber wir haben. Und wir können nicht ändern, was passiert ist. Und jetzt hör endlich auf damit, dich zu quälen. Dich hat bisher nicht gejuckt, wenn es deine Worte waren, die mich verletzt haben und schließlich habe ich dir die Genehmigung dazu gegeben!“

„Du kannst das eine nicht mit dem anderen vergleichen!“, schrie er wütend. „Und mit Worten verletzen ist genau so eine Spezialität von dir! Und damit kannst du zurück schlagen.“

„Es. Geht. Mir. Gut“, fauchte ihn Ailia an. „Können wir es jetzt dabei belassen? Ich bin diejenige, die Grund zum Weinen hätte und nicht du! Und ich habe es satt, dein verzweifeltest Gesicht zu sehen.“ Die Worte taten ihr im gleichen Augenblick leid, in dem sie sie ausgesprochen hatte. Seine Augen flackerten und für einen Moment glaubte sie, er würde die Beherrschung verlieren.

Mit einem zornigen Fluch sprang er auf. „Du wirst mein Gesicht noch eine ganze Weile sehen!“, schrie er sie an. „Und nicht nur das! Du wirst noch eine ganze Menge mehr von mir sehen. Und ich hasse es! Ich hasse den Gedanken, mit einer Frau schlafen zu müssen, die nicht einmal mein Gesicht sehen will!“ Wutentbrannt drehte er sich um und stürzte den Hang hinauf, dorthin wo ihr Gepäck und ihre Sättel lagen.

Ailia sah ihm total verblüfft hinter her. Und zum ersten Mal tat ihr etwas leid, das sie zu ihm gesagt hatte.

Es dauerte eine Weile, ehe sie sich ebenfalls erhob und zu ihrer Decke ging. Er drehte ihr den Rücken zu und beachtete sie überhaupt nicht, als sie sich auf ihrer Decke ausstreckte.

Einen Moment lang überlegte sie, ob sie etwas sagen sollte, doch der Gedanke, dass das Trevor war, der Mann, den sie am wenigsten in ihrem Leben mochte, hielt sie davon ab.

Es war schließlich nicht das erste Mal, dass sie sich böse Worte an den Kopf warfen. Und es würde auch nicht das letzte Mal sein.

 

 

Teil 6

 

El Mona war eine kleine Stadt. Sie bestand eigentlich nur aus einer einzigen Straße, an der ein paar Läden aufgereiht waren und an deren Ende sich ein Gasthof mit dazu gehörigem Mietstall befand.

 

Ailia war froh, die Stadt erreicht zu haben und wollte nichts anderes, als sich auf ihr Zimmer verkriechen. Trevor hatte den ganzen Tag nur die notdürftigsten Worte mit ihr gewechselt und sie hatte es satt, von sich aus eine Unterhaltung zu beginnen.

 

Der Gastwirt hob den Kopf, als sie den Schankraum betraten und nickte ihnen kurz zur Begrüßung zu.

 

„Ein Zimmer? Sicher“, erklärte er freundlich und fragte nach ihren Namen. Und sie fielen beide aus allen Wolken, als der Kopf des D’arjos hochfuhr. „Treff’oor und Ailia?“, vergewisserte er sich noch einmal und musterte sie plötzlich sehr neugierig. „Wir haben von euch gehört“, schwatzte er dann freundlich weiter. „Am’ron ist hier durch gekommen und hat von den ersten Menschen erzählt, die sich wie D’arjos verhalten.“ 

 

Ailia wäre am liebsten in den Boden versunken und Trevor sah auch aus, als wäre er überall lieber als gerade hier.

 

„Es ist mir eine große Ehre, euch in meinem Haus zu beherbergen“, fuhr der D’arjo fort. „Ich bin Ken.“ Dann drehte er sich zu dem Schankraum um und informierte seine wenigen Gäste über den unverhofften Besuch.

 

Trevor und Ailia konnten gar nicht so schnell reagieren. Plötzlich saßen sie an einem Tisch voller D’arjos, die sie mit Fragen bombardierten und Getränke bestellten.

 

„Ich lasse euer Gepäck auf das Zimmer bringen“, erklärte Ken diensteifrig und stellte Brot und Fleisch vor ihnen auf den Tisch. „Lasst es euch schmecken.“

 

Sie hatten keine Chance zu entkommen. Es dauerte eine Weile, ehe sie beide den Schock verdauten, dass ihr Verhalten eine Art Heldentum für Menschen darstellte und sie damit in den Augen der D’arjos zu ihresgleichen wurden, doch dann begannen sie, Spaß an der Unterhaltung mit den D’arjos zu haben.

 

Und je später es wurde und je mehr Alkohol ausgeschenkt wurde, umso redseliger wurden auch die D’arjo.

 

„Wir erklären allen Menschen, die uns besuchen, die Regeln“, erklärte einer gerade, der sich Alo nannte. „Und trotzdem denken sie immer wieder, sie gelten nicht für sie.“ 

 

Ein Zweiter kicherte. „Deshalb müssen wir sie immer daran erinnern.“

 

Trevor stützte sein Kinn auf seine Hand. „Es ist schwer für uns, weil wir mit unserer Nase so gar nicht riechen.“

 

Die D’arjos lachten. „Das haben wir auch schon gehört.“ Und Alo witterte kurz in Ailias Richtung. „Nun, dann gebe ich dir den Tipp, dass dein Geruch an ihr schwächer wird.“

 

„Schon?“, fragte Ailia erstaunt und wurde plötzlich wieder blass. „Es sind doch erst drei Tage...“

 

Die D’arjos rissen die Köpfe hoch und starrte sie an, als hätte sie einen Witz gemacht. „Drei Tage?“, fragte ein gewisser Gamorn fassungslos.

 

„Ich habe gewusst, du badest zuviel“, murmelte Trevor und fühlte plötzlich die Blicke aller D’arjos auf sich hängen.

 

„Du bist ein Glückspilz, Treff’oor“, sagte Alo ehrfürchtig. „Ich möchte auch mal so viel Sex haben.“

 

„Nimm dir doch mehrere Frauen“, stänkerte Gamorn.

 

„Die kann ich mir nicht leisten“, knurrte Alo und seine Augen wanderten wieder zu Ailia, die sich sehr unbehaglich fühlte, weil die Diskussion ihr einfach nur peinlich war.

 

Trevor jedoch konnte seine Neugier nicht zurückhalten. „Willst du damit sagen, dass ihr nur mit euren Frauen schlaft, damit der Geruch nicht vergeht?“

 

Alo seufzte. „D’arjos sind Raubtiere. D’arjotische Frauen verspüren nur zweimal im Jahr den Drang, sich zu paaren. In der Vergangenheit haben männliche und weibliche D’arjos getrennt gelebt und sich nur zu diesen bestimmten Zeiten getroffen. Je weiter unsere Zivilisation fortschreitet, umso näher leben Männer und Frauen zusammen. Das bringt Probleme mit sich.“ Er grinste und zeigte seine blendend weißen Reißzähne. „Frauen sind gezwungen, dem Bedürfnis von Männern wenigstens sporadisch nachzugeben, wenn sie deren Schutz nicht verlieren wollen. Männer wollen immer und da sie jetzt, im Gegensatz zu früher, immer von Frauen umgeben sind, würden sie durchdrehen, wenn sie nur zweimal im Jahr dürften. Dadurch dass die Frauen durch die Geruchsache bereit sind, sich öfter lieben zu lassen, wurde das Zusammenleben gut geregelt.“

 

Trevor nickte. Das schien verständlich.

 

„Wenn Menschen gar nichts riechen, ist das ja schon mal kein Grund, miteinander zu schlafen?“, schlussfolgerte ein dritter D’arjo.

 

„Nein“, antwortete Trevor und sein Lächeln wirkte etwas schwach. „Menschen tun es, weil sie einfach Spaß daran haben.“

 

„Wow“, machten die D’arjos gemeinsam und sahen Ailia sehr sehnsüchtig an.

 

Alo lächelte wieder so breit, das man sein beeindruckendes Gebiss blitzen sah.

„Am’ron sagt, Menschenfrauen würden zu viel weinen. Und wären etwas wehleidig.“

 

„Am’ron?“ Ailia wurde plötzlich noch blasser.

 

Alo nickte. „Er macht sich einen Spaß daraus, Menschenmänner herauszufordern. Ist nicht jedermanns Sache, vor allem, weil Menschen so gar keine Gegner sind.“ Er warf Trevor einen entschuldigenden Blick zu. „Du natürlich nicht, Treff’oor.“

 

„Er nimmt die Frauen dann tatsächlich mit?“, fragte Trevor fassungslos.

 

„Na klar“, bestätigte Alo. „Aber er gibt sie beizeiten wieder ab. Es macht keinen Spaß, wenn die Frau Angst hat.“ Er schnurrte leise und Ailia fiel aus allen Wolken, als er sich zu ihr beugte. „Hättest du auch Angst?“

 

„Scher dich weg von ihr!“, knurrte Trevor gereizt.

 

Die D’arjos lachten. „Dass man eine Menschenfrau so oft haben kann, hat sich noch nicht herumgesprochen. Du solltest gut auf sie aufpassen.“

 

Ailia verdrehte die Augen und sagte sich, dass noch nicht angekommen war, dass es Menschen nicht wegen dem Geruch miteinander taten. Gut, sie und Trevor schon, aber im Normalfall nicht.

 

Es war schon weit nach Mitternacht, als sie sich in ihr Zimmer begaben und Trevor wieder nach heißem Wasser fragte.

 

Ailia durchstöberte ihre Tasche nach einem Shirt für die Nacht, obwohl sie sich sagte, dass sie es unter dem Einfluss der Droge sicherlich nicht brauchte und wühlte in den Kräutersäckchen.

 

„Wo ist denn das Kraut?“, fragte sie stirnrunzelnd und plötzlich ihr fiel ein, dass sie den ganzen Abend vermieden hatten, miteinander zu reden.

 

„Eine Portion muss noch da sein“, brummte er missmutig. „Die wir ja dank Am’ron nicht benötigt haben.“

 

„Hier ist nichts!“

 

Trevor sprang auf. „Wieso nicht? Ich habe es doch gesehen?“ Doch er fand es genauso wenig wie Ailia. „Vielleicht ist es herausgefallen…“, vermutete er schwach. „Und wir haben es beim Packen übersehen…“

 

„Ich brauche es!“, schrie Ailia hysterisch. „Ich werde nicht mit dir schlafen!“

 

Trevor funkelte sie böse an. „Kein Grund, schon wieder ausfällig zu werden. Ich gehe morgen als erstes in einen Kräuterladen und kaufe welches. Ich will auch nicht mit dir schlafen!“ Wütend zog er seine Kleidung aus, warf sich aufs Bett und zog die Decke bis zum Kinn.

 

Ailia kroch auf die andere Seite und blies die Kerze aus. Wieso fühlte sie sich jetzt so schlecht? Sie schloss die Augen, versuchte zu schlafen und zu ignorieren, dass sie die Worte - Ich will nicht mit dir schlafen! - beschäftigten, obwohl sie haargenau die gleichen gesagt hatte.

 

Seit wann interessiert mich irgendetwas, was er sagt? Sie biss die Zähne aufeinander. Die Erinnerung an die Nächte in seinen Armen stieg in ihr hoch und sie redete sich verzweifelt ein, dass all das nur durch die Droge ausgelöst worden war.  Er hatte keine Gefühle für sie und sie nicht für ihn. Die Notwendigkeit zwang sie, eine gewisse Nähe zu ihm zuzulassen. Mehr nicht...

 

 

                                  **************

 

Trevor fluchte unterdrückt vor sich hin, als er die Holztreppe zu ihrem Zimmer wieder hinauf stieg. Er hätte ahnen sollen, dass so ziemlich alles schief ging, was schief gehen konnte. Es war keine einzige Pflanze von diesem Engk Ligano zu bekommen. Und es gab nur einen einzigen Kräuterladen in der Stadt. Der D’arjo hatte ihm bedauernd erklärt, dass er auf Lieferungen angewiesen war und sein Händler sich dieses Jahr verspätete. Er empfahl ihm, in ein paar Tagen noch einmal vorbeizukommen.

 

Trevor wusste, dass er diese Tage nicht hatte. Und er wusste, dass ihn eine sehr wütende Ailia erwartete, die ausflippen und ihm wieder irgendwelche Schlechtigkeiten an den Kopf werfen würde.

 

Sie hatte ihm wirklich Leid getan. Er hatte sie in jener Nacht in den Armen gehalten und zum ersten Mal in seinem Leben eine Art wirkliche Nähe zu einer Person gespürt. Und das, obwohl es Ailia war. Er hätte wissen sollen, dass sie die kaltherzigste Person war, die es im Universum gab.

 

Er fuhr sich nervös durch die Haare. Alle Mutanten waren das.

 

Seufzend sah er auf den Kräuterbeutel in seiner Hand. Es war ein Beruhigungstee und eine in Kräutern unbewanderte Person würde den Unterschied zu Engk Ligano nicht erkennen.

 

Hoffte er.  

 

Ailia würde ihn umbringen, wenn sie wüsste, was er vorhatte.  Aber der Gedanke, dass sie ihm wieder an den Kopf werfen würde, wie entsetzlich sie ihn fand und wie sehr sie es verabscheute, ausgerechnet mit ihm Sex haben zu müssen, war stärker.

 

Sollte sie lieber glauben, die Droge wirke diesmal nicht. Dann konnte sie ihm zumindest keinen Vorwurf machen und wenn sie bemerkte, dass er sich sehr wohl so benahm, als würde die Droge bei ihm wirken, wer weiß... Sie würde bestimmt nicht zugeben, dass sie bei ihr nicht wirkte.

 

Ailia hob den Kopf, als er die Tür öffnete. Sie saß auf dem Bett und las in einem Buch, das wahrscheinlich ein D’arjo auf dem Zimmer vergessen hatte. Sie hatten am heutigen Morgen überhaupt kein Wort miteinander gewechselt.

 

Trevor war einfach aufgestanden, hatte sich etwas frisch gemacht und war gegangen. Noch immer wortlos füllte er den Tee in zwei Becher, goss heißes Wasser auf und drückte ihn ihr in die Hand.

 

Ailia sah ihn nachdenklich an. Was, wenn die Droge überhaupt nicht wirkte, weil sie beide noch immer wütend aufeinander waren. Obwohl, überlegte sie, ich bin nicht unbedingt wütend. Aber er sieht so aus.

 

Schweigend schlürften sie den Tee und Ailia stellte fest, dass er irgendwie anders schmeckte. Doch so richtig konnte sie sich an den Geschmack nicht mehr erinnern. Sie fühlte Trevors Blick und hob den Kopf.

 

Da war ein eigenartiger Ausdruck in seinem Gesicht, keine Wut mehr oder Zorn, eher ... Unsicherheit. Sie runzelte fragend die Stirn. Trevor lehnte am Tisch, seufzte leise und ihr Stirnrunzeln verstärkte sich. Zögernd stand sie auf, stellte den Becher neben ihn auf den Tisch und sagte leise.

 

„Je mehr wir uns damit quälen, wie unerträglich wir den anderen finden, umso schlimmer wird es.“

 

„Ich finde dich nicht unerträglich“, murmelte er. Dass er ihrem Blick auswich, machte sie noch misstrauischer.

 

„Jetzt nicht. Natürlich jetzt nicht. Ich finde dich auch nie unerträglich, wenn ich den Tee getrunken habe.“  

 

Er hätte ihr am liebsten ins Gesicht geschrieen, dass sie von *diesem* Tee keine Wirkung verspüren konnte. Doch er beherrschte sich mühsam. Allerdings konnte er nicht verhindern, dass seine Augen kurz zornig aufblitzten. Mit einer schnellen Bewegung griffen seine Hände um ihre Hüften und zogen sie an sich.

 

Ailia schnappte erschrocken nach Luft und stemmte ihre Hände gegen seine Schultern. „Willst du nicht... warten, bis das Kraut ... wirkt.“

 

„Entspann dich, Luzy“, spottete er, ohne sie jedoch loszulassen. „Bestimmt setzt die Wirkung dann schneller ein.“

 

Ailia fühlte plötzlich mit jeder Faser ihres Körpers, dass sie komplett an ihn gepresst wurde. Hitze stieg in ihre Wangen und das irritierte sie etwas, da sie den Becher gerade erst ausgetrunken hatte. „Ähm“, murmelte sie verlegen und verfluchte ihn für sein dämliches Grinsen. Wieso wirkte das Zeug bei ihm so schnell?

 

Trevor beobachtete amüsiert, wie die verschiedensten Gefühle über ihr Gesicht huschten. Wahrscheinlich kämpfte sie damit, ob sie ihn von sich stoßen oder mitspielen sollte. Und ihm ging bitter auf, dass er vorhatte, eine Ailia zu verführen, die eigentlich so gar nicht auf ihn stand.

 

Und er eigentlich auch nicht auf sie. Ihr Duft stieg ihm in die Nase und er biss die Zähne zusammen, weil die Erinnerung an die Nächte, die sie schon geteilt hatten, in seinen Kopf auftauchte. Es wäre um so vieles einfacher, wenn sie sich ein klein wenig mögen würden...

 

Unbewusst hob er die Hand und strich ihr eine Haarsträhne aus der Stirn, die ihr ins Gesicht gefallen war. Ihm fiel nicht auf, dass ihn Ailia plötzlich mit großen Augen musterte und die Luft anhielt, als seine Finger ihr Gesicht streiften.

 

Er bemerkte es erst, als sich der verkrampfte Griff ihrer Hände an seinen Schultern lockerte und sich ihr Körper entspannte. Überrascht verließ sein Blick das Spiel seiner Finger und er sah in ihre Augen. Schlagartig fuhr die Hitze in seinen Körper, denn da war keine Ablehnung mehr in ihrem Blick. Eher Unsicherheit und ein Funke Verlangen, der seinen Herzschlag plötzlich beschleunigte.

 

Das konnte nicht sein... Er schluckte und versuchte sich seine eigene Nervosität nicht anmerken zu lassen, als er den Kopf senkte und seine Lippen sanft ihre berührten. Er rechnete noch immer mit einer bissigen Bemerkung von ihr oder einem blöden Kommentar, dass er gefälligst noch einen Moment warten solle, weil das Zeug bei ihr nicht wirkte. Doch er fiel aus allen Wolken, als sie gegen ihn sank und sich ihre Lippen öffneten.

 

Da ist keine Droge, hämmerte sein Kopf, als das Blut anfing, schneller in seinen Adern zu kreisen. Seinem Körper war das plötzlich alles egal. Sie stieß ihn nicht weg!

 

Ailia spürte seine Zunge in ihrem Mund. Sie stöhnte leise, als sich der Druck seiner Arme um ihren Körper verstärkte und seine Hand zu ihrem Nacken fuhr und ihren Kopf festhielt. Automatisch hoben sich ihre eigenen Hände und schlangen sich um seinen Hals.

 

Es war Wahnsinn, wie schnell die Droge sie vergessen ließ, dass sie ihn nicht mochte. Was er mit ihrem Körper anstellte, mochte sie definitiv und es war wunderbar, dass auf die Auswirkungen einer Droge schieben zu können. Ihr Kopf neigte sich zur Seite, als seine Lippen ihren Hals entlang wanderten und sie seufzte leise. Sie spürte seine Hand unter ihrem Shirt und ihr Körper presste sich an ihn.

 

Trevor hob sie hoch und sie schlang automatisch ihre Beine um ihn, als er mit ihr zum Bett ging und sie zusammen darauf fielen. Ungeduldig zerrten ihre Hände an seinem Shirt, zogen es über seinen Kopf und warfen es zur Seite. Dann waren seine Lippen wieder auf ihren, fast gewaltsam drängte seine Zunge zwischen ihre Zähne und sie stöhnte wieder, weil sich der Druck in ihrem Unterleib zu einem Schmerz verdichtete.

 

Ihr Shirt folgte seinem, ihr BH flog hinterher und sie bäumte sich auf, ihm entgegen, als seine Hand sich um ihre Brust schloss und seine Lippen die empfindliche Spitze streiften. Ailias Hände wühlten in seinen Haaren. Sie schloss die Augen, als sie spürte, wie er ihre Hose öffnete und seufzte leise, weil sich sein Körper einen Moment von ihr entfernte, um die Hose ihre Beine hinabzustreifen.

 

Es war verrückt. Ungeduldig zog sie ihn an sich und griff nach dem Bund seiner Hose. Trevor schnappte nach Luft, als sich ihre kleine schmale Hand um ihn schloss, ihn drängte und damit die Erregung in seinem Körper auf ein ungeahntes Maß anpeitschte. Das ist Ailia, schrieen seine Gedanken. Die echte Ailia, die mich haben will.

 

Seine Lippen presste sich auf ihren Bauch, seine Hände strichen an der Innenseite ihrer Schenkel nach oben und sie keuchte leise auf, als seine Finger sie berührten. Plötzlich fragte er sich, ob sie jemals eine Wirkung der Droge gespürte hatten oder sich immer nur eingeredet hatten, dass sie es brauchten.

 

„Trevor“, bettelte sie leise und zog seinen Kopf zu sich hoch, während sie sich selbst an seiner Erektion rieb. „Bitte...“

 

Er konnte nicht mehr. Seine Lippen krachten auf ihren Mund und er war in ihr, ehe sie noch einen weiteren Ton sagen konnte. Ailia schlang die Beine um seine Hüften und hob ihr Becken, um ihn noch tiefer in sich aufzunehmen.

 

„Luzy“, flüsterte er erstickt, stützte seine Ellenbogen neben ihrem Kopf ab, während er wieder und wieder in sie stieß. Ihre Augen schlossen sich halb und sie atmete keuchend, während er den Kopf senkte und seine Lippen ihren Hals entlang fuhren. „Luzy“, murmelte er wieder.

 

„Ja“, stieß sie hervor und ihr Kopf flog zurück, als sie seine Hand fühlte, die an ihrem Körper hinunter zwischen ihre Beine wanderte.

 

„Ja... ja...“ Sie umklammerte seinen Kopf, spürte wie sich der Sturm in ihrem Körper anstaute und stöhnte wieder. Oh Gott, es war so gut. Warum fühlte es sich so gut an? Ungestüm riss sie seinen Kopf hoch, presste ihre Lippen auf seine, er seine Finger gegen ihre Mitte und sie explodierte mit einem erstickten Schrei in seinen Mund.

 

Trevor glaubte wahnsinnig zu werden, als er spürte, wie sich ihre Muskeln um ihn zusammenzogen. Wie ein Wilder stieß er noch ein paar Mal in sie, ehe er mit einem Aufstöhnen selbst kam und auf ihr zusammenbrach.

 

Es schien eine Ewigkeit vergangen, ehe sich einer von ihnen rührte. Trevor war der Erste, der den Kopf hob. Ailia schien noch nicht wieder auf dem Boden angekommen zu sein und ein fast stolzes Lächeln huschte über seine Lippen, als er sie zärtlich auf den Mund küsste.

 

„Bist du noch da, Luzy?“, fragte er sanft und versuchte zu verdrängen, dass er ihr die Wahrheit sagen sollte.

 

Ailia öffnete träge die Augen. „Uhh?“, macht sie sehr geistreich und sein Lächeln vertiefte sich. Fast zärtlich glitt sein Mund über ihre Wange zu ihrem Hals und sie seufzte leise. Sie fühlte sich so müde und so herrlich zufrieden, dass sie am liebsten so liegen geblieben wäre.

 

Trevor rollte zur Seite, zog sie mit sich und bemerkte erstaunt, wie sie sich an ihn kuschelte.

 

„Ich möchte jetzt nicht aufstehen“, murmelte sie leise und ihre Augen schlossen sich wieder.

 

Er wagte nicht, sich zu rühren. Er wusste genau, sie würde wie von der Tarantel gestochen aufspringen, sobald er ihr die Wahrheit sagte. Außerdem verspürte er plötzlich das Bedürfnis, sie für eine Weile einfach im Arm halten zu können.

Wem nutzte es eigentlich etwas, wenn sie es erfuhr? Seine Hand strich sanft über ihre Haare. Sie würde sich verzweifelt gegen den Gedanken wehren, dass sie ohne Drogen auf ihn reagierte. Sie würde es abstreiten und sie würde ihn beleidigen.

 

„Wenn wir nach dem Mittag losreiten“, flüsterte er. „...reicht es...“

 

Ailia hob den Kopf und lächelte ihn an. Dieses Lächeln trieb sein schlechtes Gewissen in den Vordergrund, doch dann sagte er sich, dass sie wenigstens etwas für ihn empfinden musste, wenn sie ihn so anlächelte.

 

Sie bildete sich ein, die Gefühle, die sie im Moment beherrschten, wären durch die Droge ausgelöst. Er sollte ihr die Wahrheit sagen, aber es gefiel ihm, wie sie ihn ansah. Er wollte, dass sie ihn noch eine Weile so ansah, als würde er ihr etwas bedeuten. Mit hungriger Verzweiflung hob er den Kopf und presste seine Lippen auf ihren Mund.

 

Und sie erwiderte seinen Kuss. Mit einer schnellen Bewegung kroch sie über seinen Körper und flüsterte gegen seinen Mund. „Ich habe eine wundervolle Idee, wie wir die Zeit bis Mittag überbrücken...“

 

Er hatte absolut nichts dagegen und verdrängte den Gedanken daran, ihr die Wahrheit zu sagen, ganz weit nach hinten in seinem Kopf.

 

Teil 7

 

Es war kurz nach Mittag, als sie die Stadt verließen und den Weg in Richtung Anntolia einschlugen. Ailia fühlte sich noch immer sehr euphorisch und verspürte das komische Bedürfnis, vor sich hin zu grinsen.

 

Trevor warf ihr ab und zu einen Blick zu und ein schüchternes Lächeln huschte über seine Lippen, wenn sie seinen Blick erwiderte. Sie fragte sich, warum noch immer nicht die alte Abneigung in ihr hoch gestiegen war und wunderte sich etwas, dass die Wirkung der Droge diesmal so lange anhielt. Dann sagte sie sich aber, dass sie sonst immer eingeschlafen war und deshalb nicht sagen konnte, wann die Wirkung tatsächlich abklang.

 

Es war ein herrlicher Tag, die Sonne strahlte und die Temperaturen stiegen auf ein fast unangenehmes Maß. Sie sprachen wieder miteinander. Belanglose Dinge über die Gegend, über ihre Reise, über die Verpflegung... Nichts wichtiges, aber sie redeten.

 

Trevor war mehr als froh, seinen Mund gehalten zu haben. Er ahnte, wie es ausgegangen wäre, wenn er sie mit der Wahrheit konfrontiert hätte. Diese freundliche Ailia gefiel ihm viel besser.

 

Gegen Abend meinte sie, sie würde jetzt wirklich gerne baden und sie beschlossen, an einem kleinen Teich ihr Nachtlager aufzuschlagen. Damaron und Selina gingen ihrer Wege und Trevor ließ Ailia den Vortritt im Wasser. Er versprach ihr sogar hoch und heilig, sich umzudrehen und die Augen zu schließen, als sie mit einem Stirnrunzeln den Teich musterte und feststellte, dass es keine Stelle gab, die sie vor seinen Blicken verbarg.

 

„Ehrlich?“, vergewisserte sie sich misstrauisch und Trevor wünschte sich plötzlich, ihr sagen zu können, dass sie sich ihre Abneigung gegen ihn nur einbildete, zumindest die körperliche. Möglich, dass sie ihn tatsächlich nicht leiden konnte, ihre Körper aber kamen wunderbar miteinander klar.

 

Doch er grinste nur und legte seine Hand aufs Herz. „Versprochen.“

 

Ailia fragte sich, warum sie ihm glaubte. Ohne ein weiteres Wort nahm sie Handtuch und Seife und ging zum Wasser. Sie sah, wie er sich auf die Decke legte, in den Himmel starrte und hoffentlich die Augen schloss. Aber ein Teil von ihr wünschte sich plötzlich, er würde wenigstens versuchen, in ihre Richtung zu schielen. Und ihr war völlig unverständlich, wieso es diesen Teil gab.

 

Das Wasser war kalt und es erfrischte herrlich nach diesem heißen Tag und den noch heißeren Dingen, die sie heute Morgen getan hatten. Mit Hilfe der kleinen Schüssel war es ihr nur möglich gewesen, sich notdürftig zu waschen und deshalb schloss sie jetzt die Augen und genoss die Kühle des Wassers, die ihren Körper umspülte.

 

Trevor dagegen kämpfte mit sich selbst. Es hatte ihn nie interessiert zu wissen, dass da irgendwo eine nackte Ailia im Fluss badete. Und jetzt spielte alles an und in ihm verrückt. Er fluchte leise und zwang sich gewaltsam, in den Himmel zu schauen und zu ignorieren, dass sie sich nur in zehn Metern Entfernung im Wasser befand. Nach dem heutigen Morgen sollte sein Körper eigentlich einfach nur restlos befriedigt sein. Er hatte niemals in seinem Leben derart viel Zeit mit einer Frau im Bett verbracht und es schon gleich gar nicht mehrmals hintereinander getan.

 

Wieso stieg dann jetzt schon wieder die Erinnerung in ihm hoch? Wieso wollte er nichts lieber, als sie wieder in den Arm nehmen? Wieso reagierte sein Körper bei dem bloßen Gedanken daran?

 

Ailia wusch ihre Haare, seifte sich selbst ein und tauchte noch einmal unter, um die ganze Seife abzuspülen. Die Sonne war untergegangen, aber noch leuchtete ihr Schein über den Horizont und tauchte die Gegend in ein unwirkliches Licht. Sie kam aus dem Wasser, warf einen neugierigen Blick in Trevors Richtung und bemerkte, dass er noch immer blicklos in den Himmel starrte. Er hatte sich tatsächlich nicht gerührt. Sie trocknete sich ab, zog frische Kleidung an und beschloss, einen Teil ihrer alten Kleidung gleich noch zu waschen.

 

„Willst du auch baden?“, rief sie ihm zu.

 

Trevor drehte den Kopf. Er würde niemals in das Wasser gehen können, ohne dass sie sah, was mit ihm los war. „Nein“, brummte er nur.

 

„Nein?“ Ailia klang erstaunt. „Es ist herrlich kalt.“

 

Herrlich kalt! Vielleicht würde es einen Teil seiner Erregung ebenfalls abkühlen. Die Frage war nur, wie er in das Wasser kommen sollte, ohne dass sie es sah. „Ich bin müde“, murmelte er leise.

 

Ailia lächelte leicht, während sie ihre Kleidung durchwusch. „Hast du auch noch etwas zum Waschen?“

 

Trevor biss die Zähne zusammen. „Ich mache heute gar nichts mehr.“

 

„Ich ... könnte es tun...“

 

Sein Kopf fuhr hoch, weil er glaubte, sich verhört zu haben.

 

„Schau nicht so entsetzt!“, fuhr sie ihn an und er rollte schnell auf den Bauch, als er sah, wie sie vom Wasser zurückkam. „Ich bin jetzt gerade dabei und ich kann auch schnell etwas von dir mit waschen. Wenn du das nicht willst...“ Sie zuckte mit den Schultern. „Dein Problem.“

 

„Ein paar Shirts“, murmelte er und klang immer noch recht fassungslos.

 

Ailia ging wieder zum Wasser. „Ich fühle mich jetzt wirklich wie im Wilden Westen“, rief sie. „Jeden Abend an einem Lagerfeuer. Schlafen unter freiem Himmel...“

 

„Pferde mit Reißzähnen...“, vollendete er ihren Satz, setzte sich auf, durchstöberte die Taschen nach ihrem Abendessen und hoffte, dass seine Erregung abklang, bis sie mit dem Waschen fertig war.

 

Es dauerte eine Weile bis Ailia zurückkam und seine Shirts neben ihren Sachen über die Äste hängte. Trevor hatte ein Feuer entzündet, da es in den Nächten immer etwas abkühlte. Sie setzte sich neben ihn und langte nach dem Brot. „Weißt du, dass ich seit einiger Zeit kaum noch darüber nachdenke, dass ich keine Mutantengaben mehr habe?“, sagte sie nachdenklich und es klang, als würde sie mit sich selbst reden.

 

„Ich schon. Aber meist nur im Zusammenhang damit, dass ich nicht weiß, was wir tun, wenn wir Naaroi erreichen.“

 

Sie nickte. „Aber sonst... ist es doch angenehmer, keine ... Gedanken zu lesen...“

 

„Ja.“ Trevor starrte in die Flammen.

 

Ailia grinste schief. „Vielleicht sollte ich mir überlegen, jedes Jahr auf D’arjo Urlaub zu machen, um mich etwas von dem ganzen Stress zu erholen.“

 

Er lachte auf. „Du darfst nur nicht vergessen, einen Mann mitzubringen.“

 

„Warum? Vielleicht probier ich es doch mal mit einem D’arjo.“

 

Sein Kopf fuhr herum und sie lachte los. „Das war ein Scherz.“

 

Ailia machte einen Scherz?!

 

„Aha“, brachte er heraus und fand, dass sie einfach himmlisch aussah, wenn ihre dunklen Augen im Schein der Flammen funkelten. Es dauerte eine Weile, ehe er es schaffte, seinen Kopf wieder zu drehen und versuchte, sich krampfhaft darauf zu konzentrieren, wie die Flammen flackerten.

 

Ailia atmete tief durch, als er sie nicht mehr anschaute. Für einen Moment hatte sie das komische Gefühl, dass er etwas sagen wollte und in seinen Augen brannte ein Feuer, das ein eigenartiges Kribbeln durch ihren Körper schickte.

 

„Du... denkst nicht wirklich darüber nach?“, fragte er plötzlich, ohne sie anzusehen.

 

„Worüber?“

 

„Über ... einen D’arjo?“ Er wusste plötzlich, dass es ihm überhaupt nicht gefallen würde, wenn sie ja sagen würde.

 

„Nein!“, fuhr sie auf und strich sich durch die Haare, als sie seine starr in die Flammen schauende Gestalt musterte. Und ihr Herz zog sich plötzlich zusammen. „Wäre ... wäre dir das lieber?“, fragte sie zögernd und sie schrak zusammen, als er den Kopf hoch riss. „Ich... ich meine, so schlimm ist es doch nicht... oder? Mit...mit der Droge?“ Er antwortete nicht, doch sie sah, wie seine Kiefermuskeln spielten, als er die Zähne aufeinander biss. „Wir ... können uns ... nicht trennen, Trevor“, sagte sie vorsichtig und bemühte sich, nicht enttäuscht zu klingen. „Du hast gesagt, wir werden den Job ...“

 

Sie kam nicht dazu, den Satz zu vollenden, weil er herumfuhr, sie im nächsten Moment auf dem Rücken lag und sich ein sehr zornig dreinschauender Trevor gegen sie presste. „*Ich* habe nicht gesagt, dass es so fürchterlich abstoßend ist!“, stieß er hervor und schloss einen Moment die Augen, weil er um seine Beherrschung kämpfte. „*Ich* war nicht derjenige, der immer Ich will nicht mit dir schlafen geschrieen hat!“ 

 

„A-aber...“, schaffte sie zu sagen und verstummte wieder, jetzt völlig verwirrt. Noch dazu, weil er mit seinem ganzen Körper fast auf ihr lag und es sie völlig irritierte, dass sie das so genau spürte. Und sie zog plötzlich scharf die Luft ein, weil sie dadurch noch etwas anderes genau spürte.

 

„Nein“, giftete er. „Kein Aber! Wie kannst du denken, ich würde es lieber sehen, dass dich ein D’arjo flach legt?! Luzy, ich schlafe schlecht, weil mich der Gedanke, dir wehgetan zu haben, fertig macht! WIE KANNST DU GLAUBEN, ICH WILL, DASS DU ZU EINEM D’ARJO GEHST!?“, schrie er sie an. Mit einem lauten Fluch sprang er auf und stürzte in Richtung Wasser.

 

Ailia blieb völlig verblüfft liegen, einzig und allein ihr Kopf hob sich und sie verfolgte mit großen Augen, wie er seine Kleidung fort warf und ins Wasser sprang. Dann sickerte die Erkenntnis in ihren Kopf. Irgendetwas hatte ihn mächtig erregt. Ihr wurde heiß. Das konnte nicht sein. Trevor erregte nichts, was mit ihr in Zusammenhang stand. Es sei denn, sie hatten den Tee getrunken. Wirkte das Zeug immer noch?

 

Aber allein der Gedanke, sie könnte einen D’arjo ihm verziehen, hatte ihn sehr wütend gemacht. Ailia wusste plötzlich nicht mehr, was sie denken sollte.

 

Es dauerte eine ganze Weile, ehe er wieder kam, doch Ailia hatte sich genau so wenig gerührt. Er rubbelte seine Haare trocken und hängte das Handtuch zu ihren anderen nassen Sachen. Dann setzte er sich wieder ans Feuer und Ailia richtete sich endlich auf.

 

„Tut mir Leid“, knurrte er zwischen den Zähnen hindurch. „Ich wollte dich nicht anschreien.“

 

„Geht es dir ... besser?“, erkundigte sie sich zögernd und zuckte zusammen, als sein Kopf wieder zu ihr herumfuhr.

 

„Was?!“

 

„I-ich m-meine“, stotterte sie erschrocken. „Wieso h-hält die Wirkung so l-lange an?“ Sie wurde feuerrot. „Hat d-das kalte Wasser ... geholfen?“

 

Sie hat es bemerkt! Trevor holte tief Luft. „Ja!“, zischte er ärgerlicher als beabsichtigt. „Und würdest du jetzt bitte aufhören, davon zu reden?!“

 

Sie antwortete nichts mehr und Trevor fragte sich, was sie getan hätte, wenn er nein gesagt hätte.

 

In diesem Moment wurden sie aufgeschreckt, weil Damaron und Selina von ihrer Jagd zurückkehrten und sich neben ihnen im Gras ausstreckten.

 

„Die zwei sind wirklich klasse“, versuchte Trevor vom Thema abzulenken. „Ich werde sie vermissen, wenn wir hier weg sind.“

 

„Hm.“ Ailia klang sehr einsilbig und er spürte ihren vorsichtigen Blick, doch er zwang sich gewaltsam, sie weder anzusehen, noch sich anderweitig eine Reaktion anmerken zu lassen.

 

Schließlich war er froh, seine Erregung wieder auf ein normales Level herunter gefahren zu haben. Und dabei sollte es auch bleiben. Zumindest bis die drei Tage um waren.

 

                                  **************

 

„Du wirst damit nie etwas treffen!“, lachte Ailia, als sie beobachtete, wie Trevor mit einer sehr altertümlich aussehenden Armbrust Bolzen für Bolzen auf einen Baum abschoss.

 

Er hatte die Waffe in Annatolia gekauft und sie benötigten einen ganzen Tag, um die vielen Vorräte zu besorgen, die ein Zehntagesritt bis zum nächsten Ort erforderte. Auch nach Annatolia waren ihre Namen vorgedrungen und Trevor meinte grinsend, sie wären schon jetzt Berühmtheiten auf diesem Planeten. Man sprach sie an, Händler machten Sonderangebote und jeder Gastwirt freute sich, wenn sie gerade seinen Gasthof für eine Übernachtung aussuchten.

 

Trevors schlechtes Gewissen wuchs von Tag zu Tag. In Annatolia schaffte er es, den Kräuterhändler allein aufzusuchen, doch er brachte es nicht mehr fertig, Engk Ligano zu kaufen, weil er nicht wollte, dass eine Droge für das verantwortlich war, was sie taten und fühlten. Aber er war zu feige, dies Ailia auch zu sagen. Obwohl er genau wusste, dass es falsch war.

 

Jetzt waren sie schon fünf Tage unterwegs und schienen es endlich geschafft zu haben, ohne große Reibereien miteinander auszukommen. Ja, es kam sogar vor, dass sie sich gegenseitig aufzogen, Witze machten und gemeinsam lachten. Niemand von ihnen beiden hatte geglaubt, dass eine derartige Situation zwischen ihnen möglich war.

 

Und Trevor fragte sich, wohin es noch führen sollte. Er begann, von ihr zu träumen. Es erschreckte ihn dermaßen, als er eines Nachts hoch fuhr und sein Körper durch die erregenden Bilder seines Traumes fast zitterte. Mit einem gequälten Blick zu der schlafenden Ailia war er aufgestanden und im nahe gelegenen Wald verschwunden. Er hatte sich selbst verflucht und sich geschworen, ihr bei der nächsten Gelegenheit die Wahrheit zu sagen. Dann würde sie explodieren und ihre fürchterlich nette Art, würde ihn von Träumen solcher Art kurieren.

 

Er tat es nicht. In der nächsten Nacht lag sie in seinen Armen und sein Verstand verabschiedete sich und sagte ihm, es wäre völlig egal, ob sie es wusste oder nicht. Spätestens wenn sie den Planeten verließen, war alles vorbei. Sie war schon lange eingeschlafen, während er sie immer noch festhielt und in die Sterne starrte. Und sich fragte, wie er mit diesen Erinnerungen leben sollte.

 

Jetzt allerdings hatte er mehr damit zu tun, den Baum zu treffen, und nicht damit, was er in der vergangenen Nacht mit Ailia angestellt hatte. Ailia amüsierte sich königlich über seine missglückten Versuche.

 

„Wir könnten Geld sparen, wenn ich auf die Jagd gehen würde“, erklärte er ernsthaft.

 

Ailia lachte wieder. Sie setzte sich auf ihre Decke, kaute vergnügt an einem Apfel und meinte nur. „Wir würden gar nicht mehr vorwärts kommen, wenn du Stunden brauchst, um ein Tier zu erlegen.“

 

Plötzlich hörte sie Damaron und Selina auffauchen, im nächsten Moment aufspringen und zur Seite stürzen. Sie schrie erschrocken auf und rannte zu ihren Taschen, da sie in irgendeiner eine Strahlerpistole mitführten.

 

Es war ein Rudel kleinerer, wolfsähnlicher Tiere, das durch das Gebüsch brach. Vier Tiere zählte Ailia, dann war Trevor an ihrer Seite und griff nach der Waffe.

Damaron und Selina machten mit den Tieren kurzen Prozess. Doch sie konnten sich nur jeweils um eines kümmern. Trevor riss die Waffe hoch und schoss. Er traf eines der Tiere am Kopf, während das andere an ihm vorbei stürmte und Ailia angriff, die ihm geistesgegenwärtig die Armbrust vor die Stirn schlug. Wieder fauchte der Energiestrahl, doch Trevor hatte mehr Angst, Ailia zu treffen, da diese sich zu sehr in der Nähe des Tieres befand. Mit einem wütenden Schrei stürmte er auf sie zu, riss sie zur Seite und schoss wieder. Der Wolf sprang, doch der Energiestrahl traf ihn mitten in der Brust. Sein Gewicht warf Trevor von den Beinen und er fühlte einen brennenden Schmerz im Bein, als sich die Krallen im Todeskrampf in seine Haut bohrten.

 

„Scheiße, Scheiße, Scheiße“, hörte er Ailia fluchen und dann zerrte sie das Tier von ihm herunter. „Trevor?“, fragte sie und klang recht hysterisch. „Bist du okay? Trevor?“

 

„Ja“, brummte er und richtete sich auf.

 

„Scheiße!“, stieß sie wieder hervor und ging neben ihm in die Hocke, als ihre Augen seine Hose musterten, die sich langsam durch das Blut rot färbte. „Zieh die Hose aus“, befahl sie.

 

„Nein!“

 

Ailia hörte Damaron schmatzen und knurren und ihr wurde fast übel, als sie an die vier Wölfe dachte. Die beiden Hereros freuten sich wahrscheinlich über die extra Portion Fleisch. Dann fixierten ihre Augen Trevor. „Was soll das?“

 

„Ich werde das machen und ich will deine Finger nicht an mir!“ 

 

Sie starrte ihn an und für einen Moment sah er einen Schmerz in ihren Augen, den er nicht verstand. Weil er ein anderes Problem hatte. Er trug keine Unterwäsche und es ging ihm nicht so schlecht, dass er es ignorieren könnte, wenn ihre Finger ihn berühren würden.

 

„Nein?“, fragte sie schwach, beobachtete, wie er sich hoch stemmte und zu den Satteltaschen hinkte. Warum tat ihr der Gedanke weh, dass er sie ohne die Droge nicht in seiner Nähe haben wollte? Mühsam kämpfte sie die Enttäuschung nieder und folgte ihm.

 

Mit zusammengebissenen Zähnen versuchte Trevor, den Schmerz nicht zu beachten. Er wühlte in seinen Sachen, fand aber nichts, was er anziehen konnte. Deshalb sagte er sich, dass die Hose eh versaut war und trennte mit dem Messer das Hosenbein ab.

 

„Trev, das ist dumm“, sagte Ailia leise. „Lass mich das machen.“

 

Er sank zu Boden. Da verräterische Körperteile wenigstens bedeckt waren, erschien ihm der Gedanke nicht mehr ganz so gefährlich. Er nickte und betrachtete die Verletzung fachmännisch. „Es muss nicht genäht werden. Die Krallen gingen nicht sehr tief.“

 

„Ich werde es desinfizieren und verbinden, okay?“ Ailia verdrängt alles andere, als sie nach dem Erste-Hilfe-Koffer griff.

 

Als sie sich neben ihn setzte und vorsichtig mit einem sterilen Tuch die Schnitte abtupfte, verfing sich Trevors Blick in ihren Haaren. Er starrte auf ihren Kopf, der sich über seinen Schoß beugte und biss die Zähne zusammen. Was ist mit mir los?! Denk an etwas anderes, du Idiot! Sofort!

 

„Es sieht wirklich nicht schlimm aus“, erklärte Ailia gerade. „Hoffen wir, dass es sich nicht entzündet.“ Sie entpackte eine Kompresse, drückte sie auf die Wunde und hob den Kopf. „Hältst du fest?“ Ihr Atem stockte, als sie seinem brennenden Blick begegnete und langsam kroch die Röte ihre Wangen hinauf. So sah er sie nur an, wenn…

 

Er nickte, ohne seine Augen von ihr abzuwenden. Sie sah einfach herrlich aus, wenn sie rot wurde. Seine Hand hob sich und legte sich auf die Mullkompresse. Ihre Finger streiften sich und Ailia wurde noch röter, weil sie das plötzlich mit aller Deutlichkeit spürte.

 

Krampfhaft versuchte sie, das Hämmern ihres Herzens zu überhören. „Kannst… du dein Bein … anheben?“ Sie wunderte sich, dass sie überhaupt noch sprechen konnte. Er reagierte und obwohl ihr Gesicht sicherlich nun feuerrot war, konzentrierte sie sich mit aller Gewalt auf den Verband. Um die Binde, um sein Bein zu schlingen, musste sie sich wieder etwas nach vorn beugen und hörte ihn scharf die Luft einziehen. Sie sollte annehmen, dass es ihm Schmerzen bereitete, aber plötzlich war sie sich nicht mehr sicher. Doch sie war zu feige, den Kopf zu heben und die Wahrheit in seinen Augen zu sehen. Ihre Finger zitterten, als sie den Verband schloss und noch immer auf das Bein starrte.

 

„Sieht gut aus“, witzelte er, aber seine Stimme zitterte genauso wie ihre.

 

Ailia hob endlich den Kopf und für einen Moment trafen sich ihre Augen. „Ist mein erster…“ Sie konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen. Sie bekam keine Luft mehr und die Worte erstarben in ihrer Kehle. Alles, was sie sehen konnte, war der Sturm, der in seinen Augen tobte, und das Grau dunkler werden ließ.

 

„Luzy“, stieß er mühsam hervor und hob seine Hand.

 

Ailia sprang auf, ehe er sie berühren konnte. „Ich ...“, begann sie abgehackt und jetzt zitterte wirklich alles an ihr. „Ich ... muss meine Hände ... waschen.“

 

Sie flüchtete. Trevor sank mit einem gequälten Seufzer auf die Wiese zurück und schloss die Augen. Shit.    

 

Ailia währenddessen tauchte ihre zitternden Hände ins Wasser und sie schloss verzweifelt die Augen. Das konnte nicht sein, oder? Er hatte sie nicht angesehen, als würde er sie ... begehren? Sie spritzte sich Wasser ins Gesicht und versuchte, tief und gleichmäßig zu atmen. Warum spielte ihr Körper bei dem Gedanken so verrückt? Das war Trevor! Unmöglicher, ärgerlicher Trevor.

 

Trevor hob den Kopf und sah, dass sie sich am Wasser ins Gras gesetzt hatte. Da war kein Entsetzen in ihrem Blick gewesen. Denn, wenn es das gewesen wäre, hätte er nicht gezögert, ihr an den Kopf zu werfen, dass sie, verdammt noch mal, aufhören solle, sich selbst zu belügen. Aber er hatte den Schreck und eine Art Verzweiflung gesehen und wusste, was jetzt in ihrem Kopf vorging. Sie fragte sich, warum ihr Körper ohne Drogen auf ihn reagierte. Er fluchte wieder. Er sollte es ihr sagen. Doch er ahnte plötzlich, dass er explodieren würde, wenn sie es abstritt.

 

Sie kam erst wieder, als es schon stockdunkel war. Damaron und Selina knabberten noch immer an den Knochen der toten Tiere. Trevor war zu seiner Decke gehumpelt, hatte sich hingelegt und ab und zu einen Blick zu ihrer reglosen Gestalt am Wasser geworfen. Er wünschte sich, hingehen und sie in den Arm nehmen zu können.

 

„Hast du Schmerzen?“, fragte sie leise, als sie sich neben ihm auf ihre Decke legte.

 

„Nicht viel.“ Er drehte sich zu ihr um. „Luzy, ich...“

 

„Nein!“, fuhr sie erschrocken auf und drehte ihm den Rücken zu. „Ich. Will. Nicht. Darüber. Reden.“

 

Trevor seufzte. Sein schlechtes Gewissen meldete sich erneut zu Wort. Seit wann hatte er so etwas? Er schloss die Augen und versuchte zu schlafen.

 

Und begegnete ihr wieder einmal in seinen Träumen.

 

Teil 8

 

Ailia war nervös.

 

Sie redete sich krampfhaft ein, es würde mit ihrer ganzen Situation zusammenhängen. Seit fünf Wochen lebten sie sehr eng zusammen, ohne wieder und wieder zu versuchen, sich gegenseitig umzubringen. Schlimmer, sie setzten sich unter Drogen und sie schliefen miteinander, weil sie nur sicher war, wenn sein Geruch ihr Schutz gab. Das brachte zwangsläufig eine Art Nähe mit sich. Oder? Führte es aber auch zwangsläufig dazu, dass sie ihn mit anderen Augen sah?

 

Sie ritten an diesem Tag langsam und kamen deshalb nicht so weit, wie sie gehofft hatten, weil sie Rücksicht auf Trevors Verletzung nahmen. Er behauptete zwar, dass er keinerlei Probleme hätte und es wirklich nur ein Kratzer war, aber auf einen Tag mehr oder weniger kam es nicht an.

 

Am Abend beobachtete sie, wie er nach dem Verbandszeug griff und in Richtung Wasser gehen wollte. Sie rasteten diesmal an einem kleinen Fluss. Ailia ließ ihre Taschen fallen und verstellte ihm den Weg. „Was hast du vor?“

 

„Den Verband wechseln?“

 

„Du gehst nicht ins Wasser!“, entfuhr es ihr erschrocken.

 

„Nein“, sagte er leise.

 

Verzweiflung huschte über ihr Gesicht. „Du ... willst nicht, dass ich ... dir helfe?“

 

Trevor schüttelte stumm den Kopf.

 

Ailia senkte den Kopf und trat zur Seite. „Ich kümmere mich um das Essen“, murmelte sie, ohne ihn anzusehen und ging an ihm vorbei zu ihrem Gepäck.

 

Sie hatte absolut keine Erfahrung mit dem Chaos, das in ihrem Körper herrschte. Mit einem mitleidigen Lächeln hatte sie den Gesprächen und Gedanken anderer Menschen gelauscht, wenn sie sich über Beziehungen, Verliebtsein und Verlangen unterhielten. Weil es sie nie betroffen und auch nie interessiert hatte. Sie hatte sich hinter ihrem Sarkasmus verschanzt und sich gesagt, dass diese Welt für Mutanten nicht existierte. Und jetzt erwischte sie sich dabei, wie sie ihn ansah, immer wieder, wenn sie glaubte, er würde es nicht bemerken. Wenn sie die Augen schloss, sah sie sein Bild, erinnerte sich an seine Küsse, seinen Körper und seine Hände, die über ihre Haut strichen.

 

Sie seufzte, als sie sich setzte, das Essen auspackte und überlegte, ob sie auch baden sollte. Vielleicht kreiste die Droge nun permanent in ihrem Körper, weil sie sie so oft benutzten? Morgen war der dritte Tag und sie würden wieder... Ailia strich sich über die Augen. Ihr wurde allein bei dem Gedanken schon wieder warm und sie fragte sich, ob normale Menschen das wirklich auch so fühlten. Immer. Es lenkte sie ab und sie stellte fest, dass es ihre Konzentration beeinflusste, wenn Trevor in ihrer Nähe war. Es war sicherlich nicht gut für ihren Körper, sich immerzu mit dieser Droge voll zu pumpen.

 

Trevor kam wieder. Sie aßen, unterhielten sich nur ab und zu über belangloses und dann stand Ailia auf und ging zum Wasser.

 

Er hatte sich schon in seine Decken gerollt, als sie wiederkam und sie schwieg genau so wie er, als sie sich neben ihn auf ihre Decke legte.

 

 

                           ************

 

„Was ist los, Luzy?“, fragte seine spöttische Stimme und Ailia drehte sich genervt um.

 

„Verfolgst du mich?“

 

Er legte den Kopf schief und ein Grinsen, das ihr Schauer über den Körper jagte, erschien in seinem Gesicht. „Flüchtest du vor mir?“

 

Ailia sah sich um. Es war einer der langen, kahlen Gänge auf irgendeinem Raumschiff. „Warum sollte ich vor dir flüchten?“, erkundigte sie sich ironisch. Sie wollte sich umdrehen, ihn ignorieren und weitergehen.

 

Er lachte leise auf. Ailia war zu überrascht, als er nach ihrem Arm griff. Fast instinktiv reagierte sie, wollte zuschlagen, doch er fing ihren zweiten Arm, stieß sie zurück und sie fand sich im nächsten Moment gegen die Wand gepresst wieder. Das Gewicht seines Körpers hielt sie wirkungsvoll gefesselt und sie wunderte sich, warum sie ihn nicht einfach von sich stieß. Sein Gesicht war nur noch wenige Zentimeter von ihrem entfernt und ihr Herz fing wie verrückt an zu klopfen.

 

„Luzy“, murmelte er gespielt. „Ich glaube nicht, dass ich dich gehen lassen möchte.“

 

Ailia starrte in seine Augen. Ihre Hände hoben sich automatisch, um ihn von sich zu stoßen, doch sie tat es nicht. „Lass mich los“, protestierte sie schwach. Er lachte wieder und sie schnappte nach Luft, als er seine Hüften gegen sie stieß und sie den harten Grad seiner Erregung spürte. „Trevor...“

 

Sein Mund lag auf ihrem, ehe sie den Satz vollenden konnte und seine Zunge drängte zwischen ihre Zähne. Ihre Beine wurden schwach. Sie stöhnte leise, als seine Hand ihren Kopf umfing, sie fester an sich presste, während seine Zunge ihren Mund in einem Kuss plünderte, der ihr die Sinne raubte.

 

„Du willst mich!“, stieß er fast wütend hervor und starrte in ihre Augen.

 

Sie schüttelte den Kopf, tat aber noch immer nichts, um ihn daran zu hindern. Ein teuflisches Grinsen erschien in seinem Gesicht, als er den Kopf wieder senkte. Ailia stöhnte auf. Sie spürte seine Lippen an ihrem Hals und lehnte den Kopf zurück gegen die Wand. Plötzlich war sie froh, die Wand im Rücken zu haben und ihre Arme schlangen sich um seinen Hals, als seine Finger die Knöpfe ihrer Hose öffneten.

 

„Nein“, flüsterte sie erstickt, doch ihre Hüften drückten sich in seine Berührungen. Er knurrte leise, fast wütend und hob den Kopf, als er seine Finger zwischen ihre Beine stieß. Ailia japste erschrocken auf. Ein Feuer, das sie nicht kannte, jagte durch ihren Körper, verursachte ein Brennen auf ihrer Haut und einen Schmerz, der sich zwischen ihren Beinen sammelte. Sie wimmerte leise, presste sich gegen seine Finger und konnte den Blick nicht von seinen hungrigen Augen abwenden.

 

„Du willst mich, Luzy.“ Seine Stimme klang heiser und ihre Beine spreizten sich etwas, damit er sie besser erreichen konnte. Als er einen Finger in sie stieß, flog ihr Kopf wieder zurück gegen die Wand, doch seine zweite Hand griff in ihre Haare und zwang sie, ihn wieder anzusehen. „Du willst mich, Luzy.“

 

„Ja“, hauchte sie. „Ich will dich...“

 

                           ***************

 

Ailia fuhr wie von der Tarantel gestochen auf ihrer Decke hoch. Es dämmerte bereits, aber es war noch so zeitig am Morgen, dass kaum ein Tier seine Nachtruhe beendet hatte. Der Schweiß klebte an ihrem Körper und sie spürte eine Feuchtigkeit zwischen den Beinen, die ihr die Röte ins Gesicht trieb. Oh Gott. Ihre Hand presste sich auf ihren Mund und sie versuchte verzweifelt, ihre abgehackte Atmung zu beruhigen.

 

Neben ihr rührte sich Trevor und schaute sie verschlafen an. „Was ist los, Luzy?“

 

„Nichts!“, erklärte sie panisch und hellwach.

 

Trevor richtete sich stirnrunzelnd auf. „Geht es dir gut?“

 

„Oh Gott.“ Ailia fuhr sich durch die Haare. „Ja. Ich ... habe schlecht ... geträumt. Ja genau, schlecht geträumt. Ein...Alptraum...“

 

„Aha“, machte er und sah sie eigenartig an. „Willst du darüber reden?“

 

„Nein!“, kreischte sie auf und fiel auf ihre Decke zurück. Sie war wahnsinnig. Drogenabhängig...

 

„Luzy, du siehst aus, als wärst du einem Gespenst begegnet“, sagte er leise. „Bist du gestorben?“

 

Sie schüttelte den Kopf. „Es war nur ein Traum. Es ist ... vorbei.“

 

„Ich habe das manchmal geträumt“, fuhr er fort. „Nach einem risikoreichen Einsatz. Als ich einmal angeschossen wurde. Als würde mein Unterbewusstsein mich darauf hinweisen, dass auch Mutanten sterblich sind.“

 

„So was habe ich noch nie geträumt“, murmelte sie.

 

„Hier schlafe ich besser. Vielleicht, weil keine unmittelbare Gefahr besteht oder wir einfach mehr Ruhe haben.“ Er grinste schief. „Und ich träume zumindest nicht mehr, dass ich sterbe.“

 

„Was träumst du?“, fragte sie neugierig und war froh, dass sich ihr Atem endlich wieder beruhigte.

 

Er sah sie wieder eigenartig an und wich ihrem Blick dann aus. „Nichts Besonderes. Nur Nichtigkeiten...“ Lügner. Nichtigkeiten, die dich mitten in der Nacht aufstehen und im Wald verschwinden lassen.

 

Ailia drehte sich zu ihm um und legte ihren Kopf auf ihren Arm. „Ich habe noch nie so ... plastisch geträumt...“, murmelte sie. „So echt...“

 

Er lächelte leicht und legte sich ebenfalls wieder hin. „Denkst du, du kannst wieder einschlafen?“

 

Sie nickte. „Ich denke schon.“

 

Er sah, wie sie die Augen schloss und zwang sich, das ebenfalls zu tun. Doch er hörte, wie sie sich unruhig hin und her drehte. Er erinnerte sich deutlich wie die Geister seiner Alpträume, und damit meinte er die wirklichen Alpträume und nicht seine feuchten Träume von Ailia, ihn noch stundenlang hatten wach liegen lassen. „Luzy?“, flüsterte er.

 

„Hm?“ Sie klang noch immer so hellwach und er bezweifelte plötzlich, dass sie wieder schlafen würde.

 

„Komm her.“

 

„Was?“, piepste sie erschrocken.

 

Wortlos griffen seine Hände nach ihr, er drehte sie so, dass sie mit dem Rücken zu ihm lag, zog die Decke über sie beide und schlang seine Arme um ihre zierliche Gestalt. „Schlaf endlich“, flüsterte er in ihr Ohr und Ailia schloss die Augen, als sie die Wärme seines Atems an ihrer Wange spürte.

 

Komischerweise fiel die Anspannung von ihr ab. Trotz ihres verrückten Traumes und der Sorgen, die sie jetzt anfing sich über Drogenabhängigkeit zu machen, fühlte sie eine Geborgenheit, die ihr nicht unangenehm war, als sie ihn jetzt in ihrem Rücken spürte. Ein Lächeln huschte über ihre Lippen und sie kuschelte sich in seine Umarmung. Es dauerte keine fünf Minuten, bis sie wieder eingeschlafen war.

 

Trevor brauchte etwas länger. 

 

                                  ************

 

Mit einem unguten Gefühl beobachtete sie, wie er am nächsten Abend einen Topf mit Wasser über das Feuer hängte. Er bemerkte ihren Blick und sah sie fragend an.

 

„Was ist, Luzy?“ Wenn sie jetzt wieder anfangen würde, darüber zu diskutieren, dass sie das nicht tun wollte, würde er ihr ihren süßen Hals umdrehen.

 

„Hast du...“, begann sie zögernd, „...dir schon einmal Gedanken über Nebenwirkungen gemacht?“

 

„Nebenwirkungen?“ Trevor starrte auf das Kraut in seinen Händen.

 

„Das ist eine Droge, Trevor. Wir können nicht glauben, dass die keine Nebenwirkungen hinterlässt. Ich meine... wir nehmen das Zeug so oft. Da sind ... Nebenwirkungen...“ Ihre Stimme verklang und sie schaute ihn einfach nur hilflos an.

 

Trevor legte den Beutel zur Seite und stand auf. „Von welchen Nebenwirkungen redest du, Luzy?“, fragte er vorsichtig.

 

Ailia wich einen Schritt zurück, als er auf sie zukam. „K-keine“, stotterte sie. „Ich denke nur, dass ... dass ...“

 

„Fühlst du dich schlecht?“

 

„Nein, es ist nur ... ich könnte mir denken... ich dachte, dass...“ Wieso brachte sie keinen Satz zustande?!

 

Jetzt sah er sie vollends konfus an. Was zum Teufel war ihr Problem?  „Luzy“, sagte er warnend. „Würdest du mir bitte sagen, was du hast?“ Vielleicht verursachte dieses Kraut Nebenwirkungen, die er nicht spürte?

 

Ailia lief feuerrot an. „Ich denke, wir haben so viel von dem Zeug zu uns genommen, dass die Wirkung nicht mehr richtig abklingt!“, stieß sie hervor.

 

Trevor hob seine Augenbrauen und benötigte eine Weile bis richtig ankam, was sie gesagt hatte. „Nein, Luzy...“, fing er an, doch sie unterbrach ihn mit einer wütenden Handbewegung.

 

„Ich träume von dir!“, schrie sie zornig.

 

Jetzt hatte es ihm vollends die Sprache verschlagen. Sie träumte von ihm? Letzte Nacht?

 

„Wir werden es wieder ohne versuchen“, erklärte sie und versuchte, sicher zu klingen.

 

„Ja?“ Trevor war noch viel zu sehr mit dem Gedanken beschäftigt, dass sie von ihm träumte.

 

„Denkst du, dass wir das ... ähm ... schaffen?“ Ailia konnte seinen Gesichtsausdruck nicht deuten.

 

„Was hast du geträumt?“, fragte er neugierig und kam näher.

 

Ailia wurde noch röter. Sie wich zurück und ihr war plötzlich ganz eigenartig zumute, als sie seinen Blick sah.

 

Und Trevor schnappte nach Luft. *So* eine Art Traum?! „Was habe ich gemacht in deinem Traum?“

 

„Verdammt“, fluchte Ailia, doch da war ein Baum in ihrem Rücken und sie hatte keine Chance mehr zur Seite zu springen, weil er sich im nächsten Moment gegen sie presste. Ihr Gesicht glühte.

 

Er stützte seine Ellenbogen zu beiden Seiten ihres Kopfes gegen den Baum und fragte leise. „Habe ich dich geküsst?“

 

„Trev, ich...“

 

„Habe ich?“, hauchte er gegen ihren Mund.

 

„Ja“, flüsterte Ailia und schloss die Augen, als seine Lippen ihre berührten. Es war ein zärtlicher Kuss, ohne die Wildheit aus ihrem Traum, doch ihre Beine fühlten sich trotzdem wie Pudding an. Seine Zunge tastete vorsichtig über ihre Lippen, bat um Einlass und Ailia öffnete ihren Mund.

 

Trevor stöhnte leise. Sie träumt von mir! jubelte sein Verstand. Und da er wusste, dass es keine Nebenwirkung einer Droge geben konnte, begeisterte es ihn umso mehr. Schließlich war es nur gerecht, wenn er in ihren Träumen genauso herumspukte, wie sie in seinen. Er hob seinen Kopf und grinste sie an.

„Ich träume auch von dir.“

 

Ailia hatte mehr damit zu tun, ihren keuchenden Atem zu beruhigen. „Ja?“, brachte sie schwach hervor. „Sag ich doch... Nebenwirkungen...“

 

Er lachte. Seine eine Hand löste sich von dem Baum und er strich sanft über ihr Gesicht, ihren Hals abwärts. „Möchtest du wissen, was ich in meinem Traum getan habe?“, fragte er heiser.

 

Ja! schrie ihr Verstand. „Nein“, flüsterte sie und hörte ihn wieder leise lachen. Seine Lippen pressten sich gegen ihren Hals und Ailias Kopf flog zurück gegen den Baumstamm, als seine Hände über ihren Körper strichen. Sie umklammerte seinen Kopf, ihre Finger fuhren in seine dunklen, kurzen Haare und sie stöhnte auf, als seine Lippen ihren Körper hinab wanderten, kurz ihre Brüste durch den Stoff des Shirts streiften und er auf die Knie sank.

 

„Ich kann es dir zeigen“, sagte er und sein Grinsen jagte ihren Puls in die Höhe.

 

Oh Gott, war alles, was sie denken konnte, als seine Finger ihre Hose öffneten und er sie samt Slip ihre Hüften hinabstreifte. Da musste noch mehr von der Droge in ihrem Blut sein, als sie angenommen hatte. Sie starrte auf seinen Kopf hinab, als er seine Lippen gegen ihren Bauch drückte und ihre Hände fuhren fast zärtlich über seine Haare.

 

„Soll ich, Luzy?“, murmelte er gegen ihren Bauch und sie spürte seine Hände, die ihre Oberschenkel umfingen und sie gegen ihn pressten.

 

Oh Gott, dachte sie wieder und fühlte sich, als würde sie gleich sterben. Er hob den Kopf. Sie sah fantastisch aus mit den glänzenden Augen, den herrlich roten, glühenden Wangen und er wusste genau, er würde ihr Nein nicht akzeptieren.

 

„Ja“, flüsterte sie und schloss die Augen, als sie seine Lippen wieder auf ihrem Bauch spürte. Hatte sie wirklich Ja gesagt? Sie hatte eindeutig den Verstand verloren...

 

Dann wanderten seine Lippen tiefer, seine Hand hob eins ihrer Beine an und sie fühlte seine Lippen, die die empfindliche Innenseite berührten. Er legte sich ihr Bein über die Schulter und während eine Hand ihr Bein festhielt, strichen die Finger der anderen an der Innenseite ihrer Schenkel nach oben.

 

Ailias Hände griffen Halt suchend nach dem Baum zu beiden Seiten ihres Körpers. Sie dachte nicht mehr. Etwas wie ein Stromstoß jagte durch ihren Körper, als seine Finger sie berührten, den empfindlichen Punkt umkreisten und sie war froh, den Baum im Rücken zu haben. „Trevor...“, kam es leise aus ihrem Mund und dann stieß sein Finger in sie und seine Zunge spielte mit dem sensiblen Nervenbündel.

 

„Oh Gott“, murmelte sie, jetzt wieder laut, und ihre Hände griffen nach seinem Kopf. Er saugte den Knoten in seinen Mund, lutschte an ihm und Ailia konnte nicht anders, als ihn gegen sich zu pressen und fast verzweifelt um mehr zu betteln.

 

Trevor fühlte ihr Zittern. Sein Körper reagierte auf ihr Verlangen und ihre Einladung in einem Maß, dass ihm fast schwarz vor Augen wurde. Seine Erektion drückte gegen den Reißverschluss seiner Hose und er musste sich gewaltsam davon abhalten, sie nicht einfach zu Boden zu zerren und sich auf sie zu stürzen.

 

Er hätte nie geglaubt, mal etwas Derartiges mit einer Frau zu tun. Und schon gleich gar nicht mit ihr. Doch jetzt wollte er nichts lieber, als die ganze Nacht damit verbringen, ihren Körper zu erforschen. Ihre Finger krallten sich jetzt fast schmerzhaft in seine Haare und er wusste, was sie wollte. Ein letztes Mal saugte er den harten Knoten in seinen Mund, seine Zähne schlossen sich darum und Ailia schrie auf, als die Wellen der Ekstase durch ihren Körper fuhren, ihren Unterleib zusammenzogen und wieder erschlaffen ließen.

 

Trevor zog sie in seine Arme, als ihre Beine nachgaben und sie zu Boden sank. Er schaffte es nicht mehr, sich noch länger zu beherrschen. Sie sah noch total benebelt aus, als er sie auf den Boden gleiten ließ und über sie kroch. Seine Finger öffneten hektisch seine Hose, er streifte sie nur kurz über seine Hüften und drängte zwischen ihre Beine. Ailia schlang ihre Arme um seinen Hals. Er küsste sie und sie schmeckte sich selbst in seinem Mund. Dann löste er seinen Kopf von ihr und starrte sie mit wilden Augen an.

 

„Du bist Wahnsinn, Luzy“, flüsterte er. Seine Hand umfing ihren Kopf und er sah sie an, als er sich mit einem einzigen Stoß in ihr vergrub. Ailia stöhnte auf, ihre Finger klammerten an seinen Schultern. „Wahnsinn“, hauchte er wieder und versuchte, sich selbst zu beruhigen, weil er das Ganze noch etwas in die Länge ziehen wollte und es fast reichte, zu sehen, wie ihre Augen sich halb schlossen und die Leidenschaft ihren Blick verklärte, um sich in ihr zu verströmen.

 

Er atmete tief durch, bis keine Gefahr mehr bestand, im nächsten Augenblick zu kommen. Ailia sah ihn wieder an. Ihre verkrampfte Hand löste sich von seinem Shirt und sie strich ihm übers Gesicht, ehe sie sie um seinen Hals legte und seinen Kopf zu sich herunter zog. Als ihre Lippen sich trafen, begann er sich zu bewegen und ihre Beine schlangen sich um seine Hüften und gemeinsam gaben sie sich einem Tanz hin, der Jahrhunderte alt war.  

Teil 9 

Es war sehr viel später und mittlerweile dunkel geworden, als Ailia, die noch einmal ins Wasser gegangen war, ans Ufer zurückkam und sich neben Trevor setzte. Er hatte die Hände hinter dem Kopf verschränkt und starrte in den Sternenhimmel. Er lächelte leicht, als er sah, wie schnell sich Ailia abtrocknete, ein Shirt über den Kopf zog und in einen Slip schlüpfte.

 

„Dein Verband muss gewechselt werden“, sagte sie in die Stille.

 

„Hm“, machte er nur träge. Er hatte seine Hosen wieder übergezogen, aber war einfach zu müde – oder zu befriedigt – um noch irgendetwas anderes zu tun als liegen zu bleiben. „Morgen...“

 

Sie setzte sich neben ihn in das Gras. „Wir könnten...“, begann sie zögernd. „...warten bis wir die Droge wieder benutzen... bis wir nicht mehr...“

 

Trevor seufzte und setzte sich auf. „Ich muss dir etwas sagen, Luzy“, sagte er leise.

 

„Ja? Was denn?“ Sie drehte den Kopf und sah ihn fragend an.

 

Er erwiderte ihren Blick nicht, sondern beobachtete die Bewegungen des Wassers im Fluss. Eigentlich hatte er keine Lust, diesen Moment des Friedens zu zerstören. „An diesem Morgen in El Mona, als ich los bin, um das Kraut zu besorgen...“ Er stockte und Ailia runzelte die Stirn.

 

„Ja?“, fragte sie zögernd.

 

Er schloss die Augen. „Es gab in der ganzen Stadt keine verdammte Pflanze...“

 

Ailia starrte ihn eine Weile fassungslos an. „Aber du...“ Sie verstummte, als er den Kopf drehte und sie wurde bleich, als sie seinen schuldbewussten Blick sah.

 

„Es war nie wieder Engk Ligano... seit diesem Tag...“

 

„Nein...“ Eine eiskalte Klaue schien sich um ihr Herz zu legen, als die Konsequenzen in ihr Hirn durchsickerten. „Das ... ist  ... nicht wahr...“, murmelte sie und zwang sich krampfhaft, weiter zu atmen.

 

Er sah die Verzweiflung in ihrem Blick und verfluchte sich, überhaupt etwas gesagt zu haben. „Luzy, es...“

 

„Nein!“, fuhr sie ihn an. „Du willst jetzt sagen, du hast alle drei Tage diesen bescheuerten Tee gekocht, obwohl du wusstest, dass er keine Wirkung hat?“

 

„Luzy, ich...“

 

„Und hast mich in dem Glauben gelassen, es wäre die Droge?!“ Ihre Stimme wurde lauter und zum Schluss schrie sie fast. „Oh Shit!“ Sie wollte aufspringen, doch seine Hand schoss vor und hielt sie fest.

 

„Luzy, bitte“, bat er leise und sah Tränen in ihre Augen steigen. „Ich wusste nicht, was ich tun sollte. Du wärst durchgedreht, wenn ich dir vorgeschlagen hätte, es ohne die Droge zu tun...“

 

„Du lügst mich seit vierzehn Tagen an?!“ Sie riss ihre Hand aus seinem Griff und sprang jetzt wirklich auf.

 

„Luzy!“ Trevor fluchte, als er beim Aufstehen fast über seine Beine stolperte. „Du belügst dich selbst! Du bildest dir diese Abneigung gegen mich ein! Du hättest nie zugelassen, dass ich dich anrühre, wenn du nicht gedacht hättest, deine Gefühle wären durch die Droge ausgelöst!“

 

Sie stoppte, als wäre sie gegen eine Wand gerannt, fuhr herum und schlug ihm übergangslos ins Gesicht. „Hast du dich königlich über mich amüsiert?“, tobte sie. „Da sind keine Gefühle! Hormone vielleicht! Aber niemals Gefühle!“

 

„Ich habe mich nicht... Keine Gefühle? Luzy, du träumst von mir!“

 

„Na und?!“, kreischte sie hysterisch. „Das bedeutet nicht, dass ich irgendetwas für dich empfinde!“

 

„Du belügst dich selbst!“, schrie er zurück. „Du standest die ganzen letzten Wochen nie unter einer Droge! Du kannst nicht abstreiten, dass du etwas empfindest, wenn dein Körper durchdreht, wenn ich dich berühre!“

 

Sie schlug wieder zu. „Du bist ein hinterhältiger Scheißkerl!“, tobte sie unvermindert weiter und Trevor reichte es.

 

Seine Wange feuerte, wo ihn ihre Hand zwei Mal getroffen hatte und er kannte Ailia gut genug, um zu wissen, dass sie auch nicht davor zurückschreckte, ihre Fäuste einzusetzen. Er sprang auf sie zu und Ailia hatte ebenfalls genug Erfahrung im Zweikampf, um zu wissen, dass er gefährlich war. Er knurrte böse, als sie diesmal mit der Faust ausholte, hechtete sich auf sie und riss sie mit seinem Gewicht zu Boden. Ihre Faust traf seine Augenbraue, ließ sie aufplatzen und der Schmerz machte ihn noch wütender. Sein Gewicht pinnte sie am Boden fest und er stieß zornig hervor. „Hör auf, Luzy!“

 

„Womit?“, kreischte sie hysterisch und versuchte, nach ihm zu treten, während ihre Hände jetzt ziellos auf ihn einschlugen.

 

Er stöhnte gereizt, fing ihre Hände und presste sie zu beiden Seiten ihres Kopfes auf die Erde.

 

„Eww!“, fauchte ihn Ailia an. „Geh runter von mir! Geh sofort runter von mir!“

 

„Du wirst mir jetzt zuhören.“

 

„Werde ich nicht! Ich will nichts hören. Ich will dich nicht mehr sehen. Ich will hier weg!“

 

„Hör auf zu zappeln!“, knirschte er zwischen den Zähnen hindurch.

 

Ailia erstarrte übergangslos und wurde blass. Dann rot. Er konnte es nicht sehen, weil es zu finster war, aber ihr fassungsloses Gesicht sagte ihm alles.

 

„Ich werde dich jetzt los lassen“, sagte er leise. „Und dann werden wir uns wie zivilisierte Menschen unterhalten, ja?“

 

Sie schrie ihn an, schlug ihm ins Gesicht und es erregte ihn, wenn sie jetzt zappelte?!

 

Wahrscheinlich war er noch verrückter als sie. „Ja“, stieß sie hervor und er gab sie frei. Er stand auf, aber sie ignorierte seine sich ihr hinstreckende Hand und rappelte sich allein hoch.

 

Schweigend gingen sie zurück zu ihren Decken. Trevor fühlte, wie Blut von der geplatzten Augenbraue über sein Gesicht lief und durchsuchte das Gepäck nach dem Erste-Hilfe-Koffer. Ailia setzte sich, zog ihre Beine an die Brust und legte ihre Arme darauf ab. Sie versuchte zu ignorieren, wie er mit der Desinfektionslösung hantierte und versuchte, sich das Blut aus dem Gesicht zu wischen. Das ging nicht lange. Mit einem Fluch riss sie ihm den Zellstoff aus der Hand.

 

„Gib her!“

 

Trevor unterdrückte mühsam ein Grinsen. Er sah sie unverwandt an, als sie sich vorbeugte, die Augenbraue desinfizierte und die restlichen Spuren des Blutes aus seinem Gesicht entfernte. Mit einem weiteren Fluch warf sie den Zellstoff zur Seite und nahm ihre starre Sitzposition wieder ein.

 

„Ich werde keinen einzigen dieser Kräutertees mehr anrühren“, erklärte sie bissig.

 

„Das musst du doch auch nicht“, entgegnete er leise. „Wir schaffen das doch auch ohne ganz gut.“  

 

Ihr Kopf fuhr herum. „Ich will nicht, dass du davon redest. Und ich glaube nicht, dass wir das jemals wieder gut schaffen!“

 

„Es hat dir gefallen, Luzy“, sagte er sanft.

 

„Das ist…!“ Die Röte schoss wieder in ihren Kopf und sie war froh, dass es dunkel war. Und was sie alles getan hatte! Sie würde nachträglich am liebsten in den Erdboden versinken.

 

„Du hast es zugelassen und es hat dir gefallen“, wiederholte er.

 

Ihr Kopf sank auf ihre Arme. ‚Wieso habe ich das?’, fragte sie sich verzweifelt. Wenn da keine Droge war, wieso hatte ihr Körper reagiert? Wie hatte er es tun können? Sie hob den Kopf wieder, sah ihn an und fragte kläglich. „Du konntest nicht wissen, wie ich reagiere. Weshalb hast du es getan?“

 

Jetzt trat auch so etwas wie Verzweiflung in seine Augen. „Du wärst durchgedreht, Luzy“, sagte er leise. „Und ich wollte nicht schon wieder hören, wie sehr du mich verabscheust. Aber ich habe auch nicht gedacht, dass es so gut funktioniert…“ 

 

Sie fluchte wieder leise, doch dann runzelte sie die Stirn. „Wieso hat dein Körper mitgespielt? Du wusstest es von Anfang an?“ Das war eigentlich eine sehr gute Frage.

 

Trevor wich ihrem Blick aus. „Nun ja“, murmelte er nur. „Mein Körper war recht begeistert darüber, wie du reagierst.“

 

„Hast du vorher schon von mir geträumt?“, fragte sie misstraurig.

 

„Luzy! Nein!“ Er sah jetzt regelrecht erschrocken aus.

 

„Danach hättest du es mir sagen müssen“, stellte sie klar.

 

Trevor nickte. „Ja, hätte ich. Und dann hätten wir diese Diskussion damals gehabt.“

 

„Ja und?“

 

„Was glaubst du, wie die 14 Tage dann verlaufen wären?“, giftete er sie an.

 

Garantiert nicht so.

 

„Es war … einfacher so“, setzte er noch hinzu. Dann rutschte er näher zu ihr und Ailia versteifte sich. „Ich weiß, dass es falsch war, Luzy. Es tut mir Leid.“

 

„Es war bestimmt toll für deinen Stolz zu wissen, dass ich mich gänzlich ohne Drogen so dämlich verhalten habe?“ Ailias Stimme klang bitter und sie fühlte schon wieder den Drang, auf ihn einzuschlagen. „Irgendwie habe ich dir vertraut… Ich bin eine Idiotin.“

 

Er fluchte leise. Dann hob er seine Hand zu ihrem Kinn und drehte ihren Kopf in seine Richtung. „Ich habe mich ja kaum anders verhalten als du, oder? *Mit* dem Wissen, dass es echt ist.“ Ailia hielt plötzlich die Luft an, als er sich zu ihr beugte. „Und ich bereue keine einzige Minute.“

 

„Warum sagst du das?“, flüsterte sie erstickt.

 

„Weil es die Wahrheit ist.“ Er zögerte einen Moment, doch dann hauchte er ihr einen schnellen Kuss auf die Lippen. Ailia zuckte zurück und diese Reaktion schmerzte ihn mehr als ihre Worte. Seufzend ließ er ihr Kinn los und streckte sich auf seiner Decke aus.

 

„Schlaf, Luzy“, sagte er müde. „Wir haben jetzt wieder drei Tage Zeit, um uns Gedanken über unsere … Zusammenkünfte zu machen.“

 

Sie standen wieder genau am Anfang.

 

                                               ************

 

Ailia wusste haargenau, dass sie sich mit dem Wissen, dass da keine Drogen waren, denen sie die Schuld geben konnte, niemals so gehen lassen konnte. Einzig und allein der Gedanke, dass sie für ihr Verhalten eigentlich nicht verantwortlich war, hatte bewirkt, dass sie Dinge getan hatte, die sie vorher nicht gewagt hatte zu tun. Und schon gleich gar nicht mit *ihm*.

 

Sie war wütend auf Trevor. Und wurde noch wütender, wenn sie die schuldbewussten Blicke sah, die er ihr zuwarf, wenn er wusste, dass sie sie bemerkte.

 

Am Abend des nächsten Tages rasteten sie erst sehr spät. Sie hatten die Tiere vorwärts getrieben, als wollten sie die ganze vertrödelte Zeit der letzten Wochen aufholen. Es war schon dunkel, als sie die Hereros endlich absattelten und frei ließen.

 

Trevor verband sein Bein schweigend selbst neu. Die Verletzung begann schon sehr gut zu heilen und er war froh darüber, dass sie nicht mehr Unannehmlichkeiten bereitete.

Er sah, dass Ailia zu dem kleinen Quellteich ging, an dem sie diesmal rasteten und seufzte leise. Warum hatte er etwas gesagt? Er hätte damit warten sollen, bis sie den Planeten verließen. Dort oben, wenn der Alltag sie wieder hatte und ihre Mutantengaben ihnen wieder zur Verfügung standen, würde es ihm scheißegal sein, wie sie sich verhielt, weil er ihr den Rücken zukehren und verschwinden konnte. 

 

Als sie wiederkam, ging er zum Wasser, aber er wusch sich nur mit einem Waschlappen, da er noch nicht wagte, die kaum verheilte Verletzung dem Wasser auszusetzen. Als er zurückkam, betrachtete Ailia gerade im Schein des Feuers die Karte.

 

„In fünf Tagen erreichen wir Urk“, sagte sie leise. „Dann sind es noch einmal 15 bis 20 Tage bis Naaroi.“ Sie hob den Kopf. „Was machen wir dann?“

 

„Wir sehen, ob es eine Möglichkeit gibt, Shendor frei zu bekommen“, meinte er lakonisch. „Wenn ja, kaufen wir noch ein Herero und machen uns auf den Weg zur Raumstation, die wir dann in vielleicht einem Jahr erreichen. Wenn es keine Möglichkeit gibt, ihn frei zu bekommen, reisen wir allein weiter.“

 

Ailia starrte ihn ausdruckslos an. Sie wusste genau so gut wie er, dass das die einzige Möglichkeit war. Aber es auszusprechen, machte es schlimmer.

 

Trevor sah sofort, dass sie gleich anfangen würde zu weinen. „Luzy“, fuhr er fort und versuchte recht munter zu klingen. „Wenn wir zurück sind, werden wir Spezialisten für D’arjourlaub sein. Wir werden Touristen unterweisen können, ihnen gute Ratschläge geben können, sie über…“

 

Er kam nicht dazu, den Satz zu vollenden, weil sie aufsprang und davon stürzte. Mit einem Fluch schlug er die geballte Faust auf den Boden. Sein Blick folgte ihr, er sah, dass sie zum Wasser ging und wusste genau, dass sie nicht wollte, dass er sie weinen sah.

 

Verdammt, er war auch nicht begeistert darüber, ein Jahr oder länger auf diesem Planeten festzusitzen. Mit der Verpflichtung, sich um sie zu kümmern. Obwohl, das war im Moment sein geringstes Problem. Selbst der Gedanke war ihm nicht unangenehm. Unangenehm war nur, dass sie sich selbst für das verabscheute, was sie getan hatte.

 

Er folgte ihr nicht, obwohl er mit sich kämpfte. Und er stellte sich schlafend, als sie zurückkam.

 

In der Nacht schrak er hoch, weil er sie leise schniefen hörte und biss die Zähne zusammen, weil er sich selbst dafür verfluchte, überhaupt seinen dämlichen Mund aufgemacht zu haben.

 

                                               ************

                           

Es war in der darauf folgenden Nacht, als Ailia erneut hochfuhr und am ganzen Körper zitterte. In ohnmächtiger Verzweiflung schloss sie die Augen und wieder stiegen Tränen in ihre Augen.

 

Gegen ihre Träume war sie machtlos. Blicklos blieb sie sitzen und starrte in die Dunkelheit, bis sie neben sich einen Fluch hörte.

 

„Du machst dich selbst verrückt“, knurrte Trevor missmutig. „Und mich mit.“

 

Ailia antwortete nicht. Eine einzelne Träne bildete sich in ihrem Augenwinkel und rollte ihre Wange hinunter. Sie fuhr zusammen, als er sich plötzlich aufrichtete und neben ihr war.

 

„Pass auf, Luzy. Ich werde dir jetzt etwas erklären und ich will, dass du mich nicht unterbrichst und mir zuhörst“, begann er. „Wir sitzen auf diesem Planeten fest. Wir können daran nichts ändern. Wir können auch an den Regeln nichts ändern, die D’arjo aufstellt. Leider bedeuten diese Regeln, dass wir beide uns ein wenig näher miteinander beschäftigen müssen.“ Sie wollte ihn unterbrechen, doch er schnitt ihr mit einer kurzen Handbewegung das Wort ab. „Luzy, keiner konnte ahnen, dass das uns beiden gefallen könnte. Und ich sage jetzt absichtlich: Uns beiden! Wir sollten froh darüber sein! Du verabscheust dich selbst, weil dir gefällt, wenn ich dich berühre und du warst so furchtbar froh, dass du all das auf eine Droge schieben konntest….“

 

„Mir gefällt nicht…“

 

„Luzy!“, fuhr er sie jetzt ernsthaft böse an. „Hör auf, dich selbst zu belügen. Ich sage nicht, dass wir jetzt plötzlich anfangen, uns ineinander zu verlieben! Ich sage nur, dass unsere Körper aufeinander abfahren! Und wir sollten uns verdammt noch mal keine Gedanken darüber machen. Wir können an der Situation im Moment nichts ändern.“

 

Eine weitere Träne kullerte aus ihrem Auge. „Vielleicht wäre es wirklich besser, du hättest nichts gesagt.“

 

„Das denke ich langsam auch“, brummte er.

 

„Trev, wie konntest du das? Wie konntest du den Gedanken verdrängen, dass ich es war?“ Sie drehte den Kopf und sah ihn verzweifelt an. „Ich denke nur darüber nach. Ich habe den größten Teil meines Lebens damit verbracht, dich als ein Ärgernis zu betrachten, dem man lieber aus dem Weg geht. Ich meine, wir konnten uns nicht einmal unterhalten, ohne uns zu streiten!“

 

„Würdest du jetzt immer noch behaupten, dass du mich nicht leiden kannst? So gar nicht?“, fragte er leise.

 

Ailia antwortete nicht gleich. „Ich weiß nicht“, sagte sie dann und er verstand sie kaum.

„Ich habe so ein Chaos, wie es im Moment in mir herrscht, noch nie erlebt. Ich träume Dinge…“ Sie schlug ihre Hand vor den Mund, als sie wieder aufschluchzte. „Ich hasse das“, flüsterte sie dann erstickt und zuckte zusammen, als er seinen Arm um ihre Schulter legte und sie an sich zog.

 

„Sei nicht dumm, Luzy“, flüsterte er neben ihrem Ohr. „Lass es einfach zu.“

 

Ihr Kopf sank gegen seine Schulter und sie schniefte leise, als seine Hand in ihre Haare fuhr und sanfte Kreise auf ihrem Hinterkopf zog. „Ich will mich nicht in dich verlieben“, murmelte sie gegen seine Brust und er schloss die Augen, als er seine Zähne aufeinander biss. „Ich weiß, in was für einen Scheißkerl du dich wieder verwandelst, wenn wir im Orbit zurück sind.“

 

Trevor riss ihren Kopf hoch und presste seine Lippen auf ihren Mund. Ailias Hände umklammerten seine Unterarme, die ihren Kopf festhielten und fühlte die Tränen aus ihren Augen laufen, während sie seinen Kuss erwiderte. Trevor löste seine Lippen von ihr und starrte sie an. In einer fast zärtlichen Geste wischte sein Daumen die Tränen von ihren Wangen.

 

„Wir sollten noch nicht darüber nachdenken, was ist, wenn wir im Orbit zurück sind“, flüsterte er. Seine Zunge fuhr sanft über ihre Lippen und Ailia schloss die Augen, als er federleichte Küsse auf ihrem Gesicht verteilte. „Wir müssen es uns doch nicht unnötig schwer machen, oder?“

 

Sie zitterte, als sein Daumen über ihre Lippen fuhr und dann seine Finger die Linie ihres Kiefers nachzogen und ihren Hals hinabwanderten. Vorsichtig strichen sie über ihre nur von dem T-Shirt bedeckten Brüste.

 

Trevor senkte den Kopf, seine Lippen trafen ihren Hals und eine grenzenlose Erleichterung erfasste ihn, als sie den Kopf zur Seite neigte, damit er sie besser erreichen konnte. „Genieß einfach, was ich tue“, hauchte er in ihr Ohr. Er hörte sie seufzen. Seine Finger krochen unter ihr Shirt, berührten die warme Haut ihrer Hüften, als er sie an sich zog.

 

Er hatte auch keine Ahnung, was war, wenn sie diesen Planeten verließen. Nicht nur er würde sich wieder in einen Scheißkerl verwandeln, sie war auch nie die Freundlichkeit in Person gewesen. Aber bis dahin war noch ein ganzes Jahr Zeit. Mindestens.

 

Er fühlte ihre Hände in seinen Haaren, als sie seinen Kopf an sich zog und ihn küsste. Im Moment begehrte er sie mehr als jemals irgendeine Frau. Alles, was sie tat, beschäftigte ihn: ihre Traurigkeit, ihre Verzweiflung… Es machte ihm Angst, weil sie damit Macht über ihn gewann, auch wenn sie es gar nicht wusste.

 

Er zog ihr das Shirt über den Kopf und drückte sie auf die Decke zurück. Noch einmal presste er kurz seine Lippen auf ihren Mund. Er schmeckte die Tränen, die noch nicht getrocknet waren, auch wenn keine neuen mehr aus ihren Augen liefen und ein Kloß bildete sich in seinem Hals. „Lass es zu, Luzy… Lass es einfach zu…“, flüsterte er, ehe sein Kopf an ihrem Körper abwärts wanderte.


Teil 10

Ailia erwachte, weil ihr die Sonne ins Gesicht schien. Sie blinzelte und dann ging ihr auf, dass es schon sehr spät sein musste, wenn die Sonne schon so hoch stand, dass sie ihr Gesicht erreichen konnte. Sie wollte sich aufrichten, merkte aber, dass ein Arm, der sich um ihren Körper geschlungen hatte, es nicht zuließ. Und wieder einmal trug sie nichts.

Mit dieser Erkenntnis kam die Erinnerung. Lass es zu, Luzy… Ailia schloss die Augen wieder und versuchte sich krampfhaft einzureden, dass es keinen Grund gab, jetzt noch rot zu werden.

Sie musste den Tatsachen ins Auge sehen. Er hatte Recht. Mit allem, was er in der Nacht gesagt hatte. Unsere Körper fahren aufeinander ab. Wenn ihr das vorher jemand erzählt hätte, hätte sie ihn für total bescheuert gehalten. Aber es schien tatsächlich so zu sein.

Trevor hatte wahrscheinlich ihre Bewegungen gespürt, denn er hob den Kopf. „Oh“, machte er verdutzt. „Recht spät, was?“ Seine Lippen pressten sich kurz auf ihren Hals. „Morgen, Luzy“, sagte er leise und sah dann, dass sie einfach so vor sich hin starrte, und runzelte die Stirn. „Luzy, sag jetzt bitte nicht, du grübelst schon wieder.“

„Du hattest Recht.“

„Hab ich meistens“, stänkerte er. „Womit?“

Ailia drehte sich um. Er lehnte auf seinem Ellenbogen und blickte sie fragend an. „Mit dem, was du letzte Nacht gesagt hast. Da scheint wirklich etwas zu sein… das mit dem aufeinander abfahren, meine ich…“

Trevor grinste, noch dazu, weil sie so ernsthaft die Stirn runzelte, als wolle sie das jetzt genauer analysieren.

„Hör auf“, schimpfte sie dann.

„Womit?“

„Mit diesem Grinsen. Hör sofort auf damit.“

Trevor lachte auf, schlang seinen Arm um sie und presste sich an sie. „Möchtest du das mit dem aufeinander Abfahren noch ein wenig genauer untersuchen?“, fragte er spielerisch.

„Nein!“ Ailia drückte ihre Hände gegen seine Schultern. „Wir sind sowieso spät dran. Wir müssen los.“

Er lachte wieder und rollte zur Seite.

Damaron und Selina tollten schon herum und wunderten sich wahrscheinlich, warum es heute so spät losging. Seufzend erinnerte sich Trevor daran, dass sie eigentlich eine Aufgabe erledigen wollten und schaute sich nach seiner Hose um.


*************

Das war der erste Tag, den sie wirklich damit verbrachten, sich wie normale Menschen zu unterhalten. Über alles Mögliche. Über ihre Arbeit, ihr Leben, ihr Umgehen mit den Mutantengaben.

Ailia hatte seit ihrer Ausbildung im Mutantencorps nie wieder mit jemandem über die Probleme, die ein Zusammenleben zwischen Mutanten und Nichtmutanten mit sich brachte, geredet. Trevor war nur wenige Jahre älter als sie und sie konnte sich noch genau an die Zeit ihrer Ausbildung erinnern, in der sie ihm das erste Mal begegnet war. Eigentlich hätte ihr gemeinsames Los, Außenseiter zu sein, sie verbinden sollen. Es war gerade umgekehrt. Eigentlich war es wirklich sehr selten, dass Mutanten freundlich miteinander verkehrten. Eben weil sie es gewohnt waren, die Gedanken anderer Menschen zu empfangen und eine plötzliche Stille sie irritierte und misstrauisch machte.

„Du hast tatsächliche eine Beziehung versucht?“, fragte Trevor völlig fassungslos. „Obwohl du seine Gedanken lesen konntest?“

Ailia zuckten mit den Schultern. „Ich kenne es nicht anders. Irgendwie war ich der Meinung, ich muss damit klar kommen.“

„Wie lange hat es gedauert bis du gemerkt hast, dass es nicht klappt?“

Sie überlegte. „Drei Monate.“

„Drei Monate?!“ Trevor bremste Damaron und schaute sie noch fassungsloser an. „Und wie oft warst du mit dem Kerl im Bett?“

„Trev!“, fuhr sie ihn an und wurde schon wieder rot. Sie wusste gar nicht, dass sie eine derartige Veranlagung dafür hatte.

„Wie oft, Luzy? Ich wette, du weißt das ganz genau.“

Sie fluchte und trieb Selina wieder voran. „Fünf Mal.“

Er lachte auf. „Nette Beziehung.“ Dann verstummte er wieder. „Aber das ist schon ein einsamer Rekord. Für Mutanten, würde ich sagen. Fünfmal dieselbe Person.“

„Na den Rekord haben wir jetzt locker gebrochen“, entgegnete sie trocken.

„Das zählt nicht. Wir sind im Moment keine Mutanten.“ Er grinste sie an. „Jetzt kann ich zum ersten Mal verstehen, was Menschen meinen, wenn sie sich darüber unterhalten, wie unwahrscheinlich scharf sie auf eine bestimmte Person sind.“

Ailia wurde noch röter und bemühte sich, starr gerade aus zu sehen. „Was war dein Rekord?“, fragte sie dann.

Er antwortete nicht gleich und sie drehte den Kopf, nur um ein recht schüchternes Lächeln von ihm zu erhalten. „Ich war mit keiner Frau mehr als einmal im Bett“, sagte er leise.

Für einen Moment konnte sie ihn einfach nur stumm anstarren. „Mit keiner?“ Ihre Stimme klang kaum mehr wie ihre eigene.

„Nein“, brummte er.

„Waren es sehr viele?“

„Nein.“ Jetzt starrte er nach vorn, obwohl er ihren Blick spürte. „Elf“, setzte er dann hinzu.

Elf… Ailia schluckte. Er war nur um einiges älter als sie, 34 wenn sie sich richtig entsann, und hatte elf Mal in seinem Leben Sex? Wow. Obwohl, so sehr viel besser war sie auch nicht, oder?

„Hab’ ne Menge aufgeholt in den letzten Wochen“, fuhr er mit einem schiefen Grinsen fort. „Wie viel waren es bei dir, Luzy?“

„19“, sagte sie leise.

Er drehte überrascht den Kopf. „19? Du hast Mut, Luzy. Alles Normale?“ Sie nickte. Und er zuckte mit den Schultern. „Ich glaube auch kaum, dass es Mutanten im normalen Leben miteinander versuchen würden. Nein. Nie. Wir wissen ja schließlich, wie frustrierend das endet. Hast du es den Männern gesagt? Was du bist?“

„Nein.“ Ailia schüttelte den Kopf. „Dann wäre es ja noch schlimmer. Wenn er nur darüber nachdenkt, dass ich seine Gedanken lesen kann.“

Trevor nickte langsam. „Eigentlich müsste es dann zwischen Mutanten doch anders sein. Weil wir unsere Gedanken voreinander verbergen. Zumindest bis wir die Beherrschung verlieren“, überlegte er dann.

Ailia seufzte. „Eigentlich haben es Normale gut. Wenn es immer so ist wie…“ Sie wurde wieder einmal rot, als er den Kopf drehte und sie sehr zweideutig angrinste.

Am Abend rasteten sie an einer kleinen Quelle. Man hätte es richtig romantisch nennen können mit dem kleinen Wasserfall, der in ein Becken plätscherte und der idyllischen Ruhe, die um sie herrschte.

Trevor entfernte den Verband an seinem Bein und stellte fest, dass die Wunden gut begannen zu heilen. „Ich will ein Bad“, verkündete er lauthals und Ailia verdrehte die Augen, während sie Selina absattelte.

Sie schrak erst zusammen, als er seine Arme von hinten um sie schlang. „Möchtest du mir Gesellschaft leisten“, flüsterte er in ihr Ohr und sie fragte sich, warum allein diese Worte ein so komisches Gefühl in ihrem Bauch auslösten.

„Denkst du nicht, dass du das ein bisschen zu wörtlich nimmst? Mit dem, dass du was aufzuholen hast?“, fragte sie schwach und hörte ihn leise lachen.

„Hab gelesen, dass das toll sein soll“, hauchte er, griff ihre Hand, schnappte Seife und Handtücher und zog sie mit sich.

„Trev, ich denke…“ Er unterbrach sie, indem er einfach den Kopf drehte und sie küsste. „…das ist eine blöde Idee“, setzte sie wenig überzeugend fort.

„Sicher“, bestätigte er und blieb stehen, weil sie am Wasser angelangt waren. Er drehte sich zu ihr um und hob die Hand zu ihrem Gesicht. „Ich hatte noch keine Gelegenheit, dich einfach auszuziehen und anzusehen.“

„Oh Gott“, flüsterte Ailia und starrte ihn mit großen Augen an.

Trevor beugte sich nach vorn und küsste sie sanft auf den Mund. „Das ist etwas, was ich vorher nicht wusste“, sagte er leise und seine Lippen wanderten zu ihrem Hals, als sie den Kopf zur Seite neigte. „Dass man immer wieder etwas neues entdecken kann… dass man erforschen kann, was die Frau wirklich mag…“ Er kicherte leise. „Ich denke, ich weiß eine Menge von dem, was du magst, Luzy…“

Ailia glaubte, gleich ohnmächtig zu werden. Sie konnte den Blick nicht von seinen grauen Augen abwenden, als er, noch immer lächelnd, zu den Rändern ihres Shirts griff und es über ihren Kopf zog. Warum war ihr nie aufgefallen, welch eine Aussagekraft allein seine Augen hatten? Alles spiegelte sich in diesen Augen wieder. Am Anfang sein Zorn, seine Wut und jetzt sein Verlangen. Eine ganze Menge Verlangen und ihre Knie wurden schwach. Seine Finger strichen federleicht über ihre Haut, sandten Schauer über ihren Körper und ihren Rücken hinauf. Zögernd, als hätte sie Angst vor sich selbst, hoben sich ihre Hände, fuhren über seine Brust und halfen ihm, sein Shirt über den Kopf zu ziehen.

Sie hatte Männer nie mit diesem bestimmten Blick - wie es andere Frauen manchmal taten - taxiert. Aber jetzt stellte sie fest, dass er ihr gefiel. Sein Körper, die Art, wie er sie ansah und wie er auf ihre Berührungen reagierte. Es war Wahnsinn und sie bedauerte plötzlich, dass sie all das nie wieder erleben würde, wenn ihre Parafähigkeiten zurückkehrten.

Irgendetwas von diesen Gedanken musste in ihrem Blick zu lesen gewesen sein, denn er riss sie übergangslos an sich und presste seine Lippen auf ihren Mund. Ailia lächelte leicht und ihr ging auf, dass der alte unmögliche Trevor, den sie kannte, niemals zugelassen hätte, dass er derartig die Beherrschung verlor. Und plötzlich verflog jeglicher Scham. Sie schob ihn sanft von sich, sah seinen irritierten Blick und lächelte wieder.

Trevor schluckte, als sie langsam begann, ihre Hose zu öffnen und sie mitsamt ihrem Slip die Beine hinabstreifte. Seine Augen folgten dem Kleidungsstück zu Boden, wanderten dann langsam ihren Körper wieder hinauf und sein Mund wurde trocken, als sie mit einer schnellen Bewegung den Verschluss des BHs öffnete und ihn zur Seite warf. Seine Hose erschien ihm schlagartig zu eng. Sie war wunderschön… einfach nur wunderschön…

„Möchtest du deine Hose anbehalten?“, riss sie ihn aus seinen träumerischen Gedanken. „Soll ich dir helfen?“

„Verdammt“, stöhnte er leise auf, als ihre kleinen Hände zu den Knöpfen seiner Hose griffen und der derbe Stoff über seine empfindliche Erektion kratzte, als sie sie über seine Hüften schob. Er schloss die Augen und sein Kopf sank einen Moment gegen ihren, als ihre Finger über die samtene Haut seines Penis streichelten. „Luzy“, flüsterte er hilflos.

„Sieht aus, als ist da jemand ganz schön ungeduldig“, murmelte sie, ohne ihn loszulassen.

„Luzy“, presste er hervor und seine Hand umschlang Halt suchend ihren Hals. „Wenn du … weiter … machst, vergesse ich … das Baden…“

Ailia kicherte leise. Sie schloss mit einem kurzen Schritt die Luft zwischen ihnen und drückte ihren Körper an seinen. Es war das erste Mal, dass ihr wirklich bewusst wurde, dass sie es war, die einen Mann die Beherrschung verlieren ließ. Und es gefiel ihr. Ihre Lippen strichen über seine Brust, seine Hand umklammerte noch immer ihren Hals und sie spürte seine Erektion, die sich gegen ihren Bauch presste. Oh, sie wusste auch so einiges, was ihm gefiel…

Trevor schloss die Augen, als ihr Kopf tiefer wanderte und sie auf sie Knie sank. „Luzy“, murmelte er nur wieder und vergrub seine Finger in ihren Haaren. Er würde jetzt gleich sterben…

Ailia hob noch einmal ihr Gesicht zu ihm und flüsterte. „Wie hattest du gesagt? Genieß einfach, was ich tue…“

Er stöhnte auf, als sie ihn in den Mund nahm und er fühlte, wie sich ihre Lippen an ihm auf und ab bewegten. Gott, er hatte nie für möglich gehalten, dass das wirklich so toll war. Unbewusst presste er ihren Kopf stärker gegen sich, als er spürte, wie sich alles in ihm zusammenzog.

„Luzy“, stieß er hervor und merkte eigentlich nicht, dass er einfach nur unzusammenhängenden Zeugs redete. „Luzy … oh Gott … Luzy … ja…“ Mit einem Aufschrei kam er in ihrem Mund und sein Körper zitterte dermaßen, dass er glaubte, jetzt ohnmächtig zu werden.

Ailia schluckte. Sie fühlte sein Beben und war unheimlich stolz darauf, dass sie dafür verantwortlich war. Er sank ebenfalls auf die Knie, schlang seine Arme um sie und vergrub sein Gesicht an ihrem Hals.

„Du bist Wahnsinn, Luzy“, flüsterte er erstickt und wollte einfach nur umfallen und liegen bleiben.

„Denkst du, du bist jetzt bereit für ein Bad?“, fragte sie grinsend.

„Ich kann nicht aufstehen“, behauptete er, ohne den Kopf zu heben und Ailia kicherte wieder.

„Ich bin richtig stolz auf mich.“ Sie strich gedankenverloren über seine Haare und er hob endlich sein Gesicht und sah sie an.

Sie grinste noch immer so unwahrscheinlich stolz und er küsste sie kurz auf den Mund. „Du wirst dieses Grinsen nicht mehr lange tragen“, versprach er. „Weil du nämlich auch gleich nicht mehr laufen kannst…“

Ailia quietschte auf, als er aufstand, sie mit hochhob und zum Wasser trug.

*************

Urk war eine richtig große Stadt. Die größte, die sie bis jetzt gesehen hatten und sie wussten, dass es die letzte Stadt vor Naaroi war. Sie würden noch einige kleine Orte tangieren, aber erst Naaroi konnte sich wieder als Stadt bezeichnen.

Es standen mehrere Gasthöfe zur Auswahl und sie entschieden sich spontan für den Elomi Tuna, den weißen Tuna. Ein junger D’arjo nahm ihnen die Tiere ab und brachte sie zu dem nahe gelegenen Mietstall. Trevor schulterte genau wie Ailia sein Gepäck und betrat den Gastraum.

„Ich komme mir schon fast wie zu Hause vor“, murmelte er spöttisch.

Ailia lächelte und sah sich neugierig um. Der Raum war voll. Das war selten geschehen, obwohl sie eine Reihe Gasthöfe besucht hatten. Und zum ersten Mal sahen sie auch d’arjotische Frauen neben ihren Männern an den Tischen sitzen.

Es dauerte eine Weile, ehe der Wirt Zeit hatte, sich um sie zu kümmern. Er sagte nichts, doch seine Augen blitzten kurz auf, als Trevor ihre Namen sagte und er hatte das komische Gefühl, dass ihre Geschichte selbst bis hierher gedrungen war. Mit einem Grinsen nahm er den Schlüssel entgegen und wollte seine Tasche vom Boden aufnehmen, als er plötzlich sah, wie der D’arjo neben ihm Ailia musterte und witternd die Nase hob. Und er sah schlagartig rot.

Mit einem zornigen Knurren fuhr er herum, packte den D’arjo an seinem Hemdkragen und fauchte ihm ins Gesicht. „Wenn du nicht aufhörst, *meine* Frau so anzustarren, werde ich dich zu Kleinholz verarbeiten! Ich denke, eure Nase ist so gut! Also benutz sie gefälligst!“

Es herrschte plötzlich eine Totenstille in dem Gastraum, der D’arjo sah Trevor völlig verdutzt an und der Wirt sagte leise. „Das sind Treff’oor und Ailia.“

„Tut mir Leid, Treff’oor“, entschuldigte sich der D’arjo und klang fast erschrocken.

Trevor stieß ihn, noch immer zornig, gegen die Theke zurück. Sein Blick fuhr über die D’arjos im Raum, die ihn alle mit neugierigen und teilweise amüsierten Augen betrachteten. „Wir halten uns an eure Regeln! Also haltet euch gefälligst auch dran!“

Ailia sah fassungsloser aus als alle D’arjos im Raum. Er grinste schief, zog sie kurz an sich und küsste sie, ehe er sie vor sich her die Treppe hinauf schob.

Die Tür war kaum hinter ihnen ins Schloss gefallen, als sie sich zu ihm umdrehte.

„Du hast geknurrt wie ein D’arjo“, sagte sie und klang irgendwie belustigt.

„Hab ich nicht“, brummte er und ließ seine Tasche auf den Boden fallen.

„Oh doch.“ Ailia nickte, kam langsam auf ihn zu und tippte mit dem Finger gegen seine Brust. „Hast du und du hast wirklich sehr angriffslustig ausgesehen.“

„Weißt du, was ich denke? Diese D’arjos denken, sie können uns Menschen veralbern, weil wir nichts riechen“, schimpfte er. „Ich wette, er hätte es darauf angelegt!“

Ailia schob ihn rückwärts, bis der Tisch ihn stoppte und lehnte sich an ihn. „Also, ich fand dein Knurren richtig toll.“

„Ich habe nicht geknurrt… Luzy, was machst du da?“ Er war so in seinem Ärger gefangen, dass er kaum mitbekommen hatte, wie ihre Finger unter seinem Shirt verschwanden. Sein Körper reagierte schlagartig. Und er wunderte sich zum hundertsten Mal, wieso das so war.

Ailia fuhr mit der Zunge an seinem Hals entlang. „Und wie du *meine* Frau gesagt hast, klang noch besser…“, murmelte sie und biss ihn in den Hals. Sie rieb ihr Becken an ihm und hörte ihn leise stöhnen.

Seine Hände umfingen sie und zogen sie an sich. „Er hat es drauf angelegt. Mein Geruch muss eigentlich überdeutlich an dir hängen.“ In seiner Stimme klang noch immer ein Hauch Zorn mit und Ailia zitterte.

Sie hob den Kopf und ihr stockte der Atem, als sie den Sturm in seinen Augen sah. Verlangen, Hunger und ein Rest von Zorn. Diese Mischung jagte die Erregung in ihrem eigenen Körper auf ein ungeahntes Maß hoch. Ihre Hand umfing seinen Hals und ihre Lippen verschlangen seinen Mund, als sie sich wieder an ihn presste. Sie spürte durch die Hose seine harte Erektion und der Druck zwischen ihren eigenen Beinen verstärkte sich.

Mit einer schnellen Bewegung drehte Trevor sie und setzte sie auf den Tisch. Ailia schlang ihre Beine um ihn, rieb sich an ihm und er stöhnte wieder, weil es begann, ihn wahnsinnig zu machen.

Sie hatten in den vergangen Tagen beschlossen, das Nachdenken über das, was sie im Bett taten, sein zu lassen. Oder zumindest auf einen Zeitpunkt zu verschieben, an dem ihnen ihr logisches Denken in Form ihrer Parakräfte wieder zur Verfügung stand. Und die vergangenen Tage hatten einen Großteil der Hemmungen, die sie besessen hatten, beseitigt. Ailia war nicht einmal mehr rot geworden, als Trevor verkündete, er wolle jetzt alles ausprobieren, was er jemals gelesen hatte, sondern die vage Vorstellung daran hatte einen eigenartigen Schauer über ihre Haut gejagt.

Deshalb war es ihr auch jetzt egal. Die Art und Weise, wie er sie da unten in dem Schankraum verteidigt hatte, war mehr d’arjotisch gewesen als ihm sicherlich aufgefallen war. Wahrscheinlich hätte der D’arjo gar nichts getan, er hatte sie nur angesehen. Aber dass Trevor *so* darauf reagierte…

Ailia grinste vor sich hin. Er drückte sie zurück auf den Tisch und seine Finger öffneten ihre Hose. Da war ein wilder Ausdruck in seinem Gesicht, der sie beben ließ und ihre Finger klammerten sich in seine Haare, als sich seine Lippen auf ihren Bauch pressten und er die Hosen ihre Beine hinabstreifte.

Ungeduldig richtete sie sich auf und zog ihn zwischen ihre Beine. Wenn ihr vor einigen Wochen jemand gesagt hätte, sie würde es einmal auf einem Tisch treiben, sie hätte denjenigen für komplett wahnsinnig gehalten. Jetzt hantierten ihre Finger an seiner Hose und sie fluchte unterdrückt, als sie die Knöpfe nicht schnell genug aufbekam.

Trevor zischte, als sich ihre Hand um ihn schloss und ihre Beine ihn auffordernd an sich zogen. Er griff in ihre Haare, riss ihren Kopf hoch und sah sie keuchend an. Das Feuer, das in ihren Augen brannte, tobte genau so in seinen Adern.

„Gott, Luzy“, stieß er hervor und ihr Mund öffnete sich halb, weil sie genau so keuchend Luft holte wie er.

Ihre Beine zogen ihn ungeduldig an sich und sie drängte sich an ihn, als sie die Spitze seiner Erektion zwischen ihren Beinen spürte. Trevor stöhnte auf und biss die Zähne aufeinander. Er fühlte die Nässe zwischen ihren Beinen und dass er sie nicht einmal dort berührt hatte und sie trotzdem so feucht für ihn war, war mehr als er ertragen konnte.

„Trev! Ich will dich jetzt!“

Oh Gott! Es gab kein Halten mehr. Er stieß in sie, vergrub sich bis zum Anschlag in ihr und hörte sie nach Luft schnappen. Ihre Augen schlossen sich, doch seine Hand in ihren Haaren im Nacken griff fester zu.

„Sieh mich an, Luzy“, keuchte er heiser und lehnte seine Stirn an ihre. „Sieh mich an…“

Ailia tat es. Mit geöffneten Mündern atmeten sie beide nur noch stoßweise. Schweiß perlte von ihren Gesichtern, doch sie lösten ihre Augen nicht von einander. Und Trevor begann, sich zu bewegen. Erst ein langsamer Rhythmus, als wolle er es genießen, immer wieder tief in ihr zu verschwinden. Ailia hatte ihre Hände Halt suchend um seinen Hals geschlungen und glaubte, wahnsinnig zu werden.

„Härter“, stieß sie hervor und hörte ihn wieder knurren. Ha. Ha. Von wegen kein Knurren. „Schneller!“

Für einen kurzen Moment trafen sich ihre Lippen und ihre Zungen fochten einen stummen Kampf.

„Ja, Luzy“, murmelte er wild, während er sich mit harten Stößen wieder und wieder in ihr vergrub. „Ja, Luzy…“

Ailias Körper stand in Flammen. Sie spürte, wie sich etwas in ihr zusammenzog und das Feuer durch ihre Adern raste. Ihr Kopf flog zurück, doch Trevors Hand in ihrem Nacken drückte ihn wieder nach vorn. Seine zweite Hand wanderte zwischen ihre Körper, berührte den harten Knoten zwischen ihren Beinen und massierte ihn im gleichen Rhythmus wie er in ihr verschwand.

„Sieh mich an, Luzy“, flüsterte er wieder und ihre Augen verfingen sich mit dem Verlangen in seinen Grauen. „Lass mich dich ansehen, wenn du kommst…“

Ailias Mund öffnete sich und sie schrie seinen Namen, als er ganz tief in sie rammte und die Lichter in ihrem Kopf angingen. Wellen der Lust jagten durch ihren Körper, zogen ihren Unterleib krampfartig zusammen und ließen bunte Punkte vor ihren Augen tanzen. Es reichte, sie zu sehen. Trevor stöhnte auf, stieß noch ein paar Mal in sie, ehe er ihr folgte und mit einem letzten Stoß seinen Samen in sie abgab. Sein Kopf sank auf ihre Schulter und sie umklammerten sich gegenseitig bis die Schauer abebbten.

Ailia rührte sich nicht, doch er spürte ihr leises Lächeln. „Auf einem Tisch hatten wir noch nicht.“

Er lachte leise und hob den Kopf. „Ich weiß noch sehr vieles, was wir tun können.“

„Du hast wohl viel gelesen in den letzten Jahren, hm?“, kicherte sie belustigt.

Seine Lippen strichen sanft über ihren Mund. „Ich hätte nie für möglich gehalten, dass ich das wirklich auch mal ausprobiere.“

„Und noch dazu mit mir“, setzte Ailia hinzu.

Er lächelte und dieses Lächeln raubte ihr plötzlich den Atem. Dann löste er sich von ihr, zog seine Hose hoch und reichte ihr ihre. Er wartete, bis sie ebenfalls wieder ihre Kleidung trug und lehnte sich zu ihr. „Ich glaube nicht, dass ich jemals wieder Lust habe, mich mit dir zu streiten.“

Ailia lachte, doch sie brach ab, weil er sie vollkommen ernst ansah. „Du weißt, dass das Quatsch ist…“, brachte sie schwach hervor.

„Ich werde mich immer daran erinnern, wie du meinen Namen schreist, wenn du…“

„Trev“, flüsterte sie erstickt und seine Lippen pressten sich auf ihren Mund. Sie fühlte Tränen in ihren Augen und versuchte, sie krampfhaft wegzublinzeln.

„Ich werde dich nie vergessen“, sagte er sehr ernst. „Auch wenn wir uns wieder in die zwei Personen verwandeln, die sich selbst und die Welt hassen. Ich werde dich nie vergessen.“

„Ich dich auch nicht“, sagte sie leise und die Tränen fingen an zu laufen.


Teil 11

Elf Tage später geschah etwas Unfassbares.

Sie rasteten wie üblich am Fluss und wussten, dass sie in spätestens sieben Tagen die Stadt Naaroi erreichen würden. Und obwohl sie die Tage, beziehungsweise die Nächte wie in einem Traum verbrachten und eine Menge unanständiger Dinge miteinander anstellten, verloren sie doch nie ihr Ziel aus den Augen. Naaroi und Shendor.

In dieser Nacht jedenfalls fuhr Ailia mitten im Schlaf hoch und sah sich orientierungslos um, weil sie für einen Moment nicht wusste, was sie geweckte hatte. Und dann traf es sie wie ein Schlag und sie rüttelte wie eine Wahnsinnige an Trevors Schulter.

„Wach auf, Trev“, schrie sie fast hysterisch. „Wach, verdammt noch mal, auf.“

Er fuhr hoch wie von der Tarantel gestochen und rechnete schon damit, irgendeinem wilden Tier gegenüberzustehen, bis es ihn genauso traf wie sie.

Die mentale Wahrnehmung war wieder da.

Ailia starrte ihn genauso geschockt an wie er sie. „Wieso?“, flüsterte er fassungslos.

„Ich habe keine Ahnung“, piepste sie. „Was jetzt?“

Trevor sprang auf. „Packen. Teleportieren. Weg hier“, kommandierte er.

Hektisch suchten sie ihre Sachen zusammen. „Wir teleportieren nach Naaroi“, sagte Ailia fest. „Wir haben hier einen Job zu erledigen.“

„Das kann eine vorüber gehende Sache sein“, warf er ein, doch sie sah ihn nur fest an.

„Naaroi.“

„Was machen wir mit den Hereros?“ Er betrachtete die beiden schlafenden Tiere mit einem traurigen Blick. „Wir können sie mitnehmen und sie enden wieder in einem Mietstall.

Ailia ging auf die Hereros zu und strich Selina über den Kopf. Die Stute blinzelte kurz und öffnete die Augen. „Was möchtest du, Kleines?“, fragte sie, obwohl sie wusste, dass das Tier sie nicht verstehen konnte. „In Freiheit leben? Oder zurück zu den D’arjos?“

„Es hat ihnen gefallen, mit uns herum zu ziehen“, sagte Trevor leise. „Sie mögen die Städte nicht und die Mietställe auch nicht.“

Ailia griff zum ersten Mal seit Wochen wieder auf die Gedanken eines anderen Wesens zu. Bilder stürmten auf sie ein. Primitive Bilder und Geruchsinformationen, die ihr unverständlich waren, da sie sie nicht zuordnen konnte. Es dauerte eine Weile, dann hob sie den Kopf. „Wir lassen sie frei. Sollte das hier doch nur eine Phase sein, können wir neue Hereros kaufen…“ Sie hob den Kopf. „Sie ist trächtig.“

Trevor hob erstaunt die Augenbrauen. „Und wir haben nicht einmal bemerkt, wie die zwei…“ Er verstummte, ohne seinen Satz zu vollenden.

Beide Hereros waren jetzt wach und schienen mit großen Augen zu verfolgen, was die beiden Menschen taten.

Ailia schwang ihre gepackte Tasche über die Schulter. „Ich hatte nie ein Tier. Irgendwie habe ich mich an die zwei gewöhnt.“

Trevor griff ihre Hand. „Ich kann es mit meinem Gewissen besser vereinbaren, sie frei zu lassen, als sie wieder in einen Mietstall zu sperren.“

Und er teleportierte. Zum ersten Mal seit Wochen.

Sie materialisierten in einiger Entfernung von Naaroi. Sie wollten die Stadt erst bei Tagesanbruch betreten und es sollte nicht unbedingt jemandem auffallen, auf welche ungewöhnliche Art sie reisten.

„Es wird nicht mehr lange dauern, bis es hell wird“, sagte er leise und legte sein Gepäck auf den Boden. „Wir können versuchen, noch ein bisschen zu schlafen.“ Er setzte sich, lehnte sich aber entgegen seinen Worten an einen Baum und starrte in die Ferne.

Ailia seufzte und setzte sich neben ihn. „Ich glaube nicht, dass ich schlafen kann.“

Er legte seinen Arm um sie und zog sie an sich. „Ich auch nicht“, erwiderte er traurig und fühlte, wie sie ihren Kopf an seine Schulter lehnte.

Der plötzliche Gedanke, dass alles, was sie miteinander geteilt hatten, jetzt der Vergangenheit angehörte, schnürte ihm die Kehle zu. Ailia schien es ähnlich zu gehen, denn sie sprach genauso wenig wie er. Und so schauten sie beide nur mit leerem Blick in die Dunkelheit, hingen ihren eigenen Gedanken nach und warteten auf den Sonnenaufgang.


**********

Naaroi war schon fast eine Großstadt zu nennen. D’arjomassen verstopften die Straßen, Hererofuhrwerke versuchten sich hindurch zu drängen und wieder und wieder sprachen Händler sie an, um ihnen ihre Ware anzupreisen.

Trevor war doch noch einmal eingenickt und mit einer fürchterlich schlechten Laune wieder aufgewacht. Ailia fühlte sich genauso mies und war zum ersten Mal nicht zornig über seine gereizten Bemerkungen.

Bevor sie die Stadt betraten, esperte
1 sie noch einmal hinaus, weil sie sich vergewissern wollte, was ihre beiden Hereros anstellten. Sie schmunzelte, als sie erkannte, wie die beiden das jetzt leere Lager durchsuchten, noch ein paar Kreise zogen und dann eine Richtung einschlugen, die ihnen wahrscheinlich ihr Instinkt wies. Und sie lächelte leicht, als sie die beiden miteinander spielen sah wie kleine Kinder.

Trevor lächelte schief, als sie es ihm sagte und sie ignorierte seinen bösen Blick, als sie seine Hand nahm.

„Wir brauchen ein Übernachtungsmöglichkeit“, erklärte er dann und sah sich suchend um. „Vielleicht kann der Wirt uns helfen. Ich wette, Shendor ist kein ungekannter Begriff hier.“

Ailia nickte. Spontan entschieden sie sich für den nächstgelegenen Gasthof.

Der Wirt, ein gewisser Quaar’ton, bleckte in seinem freundlichsten Lächeln die Zähne, als er ihre Namen erfuhr. „Welch eine Ehre!“, rief er aus. „In meinem Haus!“

Trevor knurrte gereizt und diesmal war es an Ailia, den D’arjo freundlich anzulächeln, ein wenig zu reden und dann die Schlüssel entgegen zu nehmen.

In ihrem Zimmer angekommen, drehte sie sich zu ihm um und sagte leise. „Trev, reiß dich zusammen.“

Trevor pfiff seine Tasche in die Ecke. „Luzy, der Kerl wird nicht mehr lange freundlich sein. Spätestens dann nicht mehr, wenn mein Geruch an dir verschwindet.“

„Wenn wir Glück haben, ist die Sache vorher erledigt.“

„Luzy.“ Er klang so gequält, dass sie die bösen Worte, die sie noch sagen wollte, vergaß.

Wortlos schlang sie ihre Arme um ihn und presste ihre Wange gegen seine Brust. „Wir finden eine Lösung“, versprach sie leise. „Im schlimmsten Fall können wir einfach trotzdem miteinander schlafen.“

Seine Hände umfassten ihren Kopf und er hob ihr Gesicht zu sich an. „Ich will die Erinnerung nicht verderben“, sagte er leise. „Wir wissen beide, dass das in einem Fiasko endet.“

Ailia antwortete nicht, aber ihre Augen schlossen sich, als er den Kopf senkte und sie sanft auf den Mund küsste.

„Ich will dich immer noch“, flüsterte er erstickt. „Verdammt, ich hasse den Gedanken, dass es nie wieder so sein kann…“

„Hör auf…“ Sie spürte seine Zunge und ihr Mund öffnete sich automatisch, während sich ihre Hände um seinen Hals schlangen.

Für eine ganze Weile waren sie einfach nur verloren in der gegenseitigen Berührung. Bis Trevor seinen Kopf von ihr los riss und sie sich beide schwer atmend anstarrten.

„Lass und gehen, Luzy“, brachte er hervor. „Ganz schnell.“

Sie nickte wortlos.

Quaar’ton war gern bereit, ihnen nähere Auskünfte zu geben. So erfuhren sie, dass sich Shendor in einem Gefängnis auf der anderen Seite der Stadt befand und Quaar’ton wusste sogar, dass die d’arjotische Form der Polizei mit dem Auftauchen anderer Terraner rechnete oder sie sogar erwartete. Quaar’ton erklärte ihnen den Weg und sagte noch.

„Ich denke, ihr seid zwei würdige Menschen, um in einem Prozess auszusagen, Treff’oor und Ailia.“

Trevor runzelte die Stirn und bemerkte nebenbei, dass jeder D’arjo seinen Namen auf die gleiche Art falsch aussprach. Aber er konnte sich auch nicht erinnern, dass es in der d’arjotischen Sprache einen Buchstaben ähnlich dem terranischen V gab. Wahrscheinlich konnten D’arjos den Namen gar nicht anders aussprechen.

Sie wagten nicht, zu teleportieren, da ein D’arjo ihr Ent- oder Rematerialisieren bemerken konnte. Auf dem Weg ans andere Ende der Stadt durchquerten sie mehrere Einkaufsstraßen und auch den großen Marktplatz.

Sie hatten das von Quaar’ton beschriebene Gebäude fast erreicht, als sie beide ein eigenartiger Schwindel erfasste, sie stehen blieben, einen Moment die Augen schlossen, ehe sie wieder klar sehen konnten.

Ailia schüttelte verwirrt den Kopf. „Dieser Planet regt mich auf“, murmelte sie.

„Sie waren gerade wieder weg, die Mutantenfunktionen“, sagte Trevor leise. „Wenn wir nur wüssten, was das bedeutet.“

„Wenn wir nur wüssten, ob diese Phase anhält und wie lange“, orakelte Ailia und zog ihn weiter. „Komm, hören wir uns an, was die Miliz dieses netten Planeten sagt.“


**************

Es war sehr spät, als sie wieder ihr Zimmer betraten. Noch zwei Mal überraschte sie an diesem Tag das Ausfallen der Mutantenfunktionen, aber immer nur einen kurzen Moment lang.

Der Kommandant der Polizei, der sich Tarko nannte, hatte sie persönlich empfangen und ihnen als erstes erklärt, wie froh er darüber war, dass es Treff’oor und Ailia waren, die sich endlich um die Angelegenheit Shendor kümmerten. Er könnte sich keine würdigeren Personen vorstellen. Dann erfuhren sie, dass Shendor sich zweier Vergehen schuldig gemacht hatte. Er hatte den Planeten mit einem Gleiter umflogen - das war schon schlimm genug -, doch dann hatte er den ehrenhaften Kampf – bei dieser Erwähnung konnte sich Trevor ein Husten nicht verkneifen – mit einer terranischen Waffe beendet. Die beiden Menschen hörten jetzt zum ersten Mal, dass sich Shendor in Begleitung einer Frau auf diesem Planeten befunden hatte. Tarko erklärte, dass der betreffende D’arjo nicht tot sei, sondern die unheilvolle Waffe ihn nur verletzt hatte und das dies der einzige Grund war, aus dem Shendor noch lebte.

„Was bedeutet das jetzt?“, hatte Trevor gefragt.

„Wir möchten diesen Menschen nicht mehr auf unserem Planeten haben“, erklärte der D’arjo. „Es konnte noch keine Gerichtsverhandlung stattfinden, da es an einem menschlichen Verteidiger mangelte. Eigentlich eine Formsache, wenn man sich über den Schadenersatz einigen kann. Dann ist da natürlich noch die Frau…“

Ailia hatte leise aufgestöhnt. „Was ist mit ihr?“

Tarko hatte sie mit seinen gelben Katzenaugen angesehen. „Der Ehrenkampf wurde unfair beendet. Aus diesem Grund bekam der Verletzte Ennol die Frau zugesprochen. Sie befindet sich noch in seinem Haus und Ennol ist der nach unserem Recht richtigen Meinung, dass sie ihm gehört. Shendor kann sie nur in einem fairen Kampf wieder bekommen. Oder er lässt einen Vertreter für sich kämpfen.“

Ailia war blass geworden und hatte einen noch blasseren Trevor angesehen. Als hätte Tarko seine Gedanken gelesen und nicht umgedreht, hob er abwehrend die Hände. „Niemand verlangt, dass du diese Frau für dich beanspruchst, Treff’oor. Das ist Shendors Aufgabe. Aber den Kampfpart kann er an dich übertragen.“

Eine Stunde später hatten sie einem Shendor, der sehr erfreut war, Menschen zu sehen, erklärt, dass sie hier waren, um ihn nach Hause zu bringen. Shendor war bereit, jede Schadensersatzsumme zu bezahlen, die verlangt wurde. Dann kam das größere Problem: Shendor hatte keine Ahnung von den Gepflogenheiten D’arjos oder von dessen Regeln. Er hatte Angst um seine Frau – besser: seine Geliebte – gehabt, die Waffe gezogen und geschossen. Er hatte den D’arjo absichtlich nur verletzt. Er wollte ihn nie töten.

Trevor lehnte sich zurück und erklärte, mit dem Ailia so bekannten, spöttischen Grinsen, wie diese ganze Angelegenheit auf D’arjo geregelt wurde und erklärte nebenbei, dass es für ihn mit seiner Ausbildung sicherlich kein Problem sei, den D’arjo zu besiegen, aber er sich überlegen solle, ob er fähig wäre, seiner Frau in aller Öffentlichkeit flach zu legen.

„Gott“, hatte Ailia geschimpft und gefragt, ob er das nicht etwas taktvoller ausdrücken könne.

Sie hatten einen kreidebleichen Shendor allein gelassen, der sich bis zum Gerichtstermin, der in zwei Tagen stattfinden sollte, überlegen musste, ob er den Planeten mit oder ohne seine Amelie verlassen wollte.

Sie aßen noch etwas in der Gaststube, sehr zur Freude Quaar’tons, der selten von ihrem Tisch wich und kaum ein privates Wort zuließ.

Wieder in ihrem Zimmer fiel Trevor frustriert aufs Bett. „Ich schätze, morgen statten wir Miss Amelie mal einen Besuch ab und finden heraus, wie sie zu der Sache steht.“

Ailia setzte sich auf die Bettkante und schlug ihm mit der Hand gegen die Stirn. „Und du wirst mich reden lassen, du unsensibler Dummkopf, ehe wir sie ohnmächtig zum Gericht tragen müssen.“

„Unsensibel?“ Er hob seine Augenbraue. „Vielleicht ist Miss Amelie gar nicht so scharf darauf, den Planeten zu verlassen…“

Ailia durchsuchte ihre Tasche nach einem sauberen Shirt, das sie in der Nacht tragen konnte. Sie dachte gar nicht darüber nach, als sie einfach ihre Kleidung ablegte und das frische Shirt über den Kopf zog. Bis sie Trevors Fluchen hörte.

„Könntest du das lassen“, fauchte er gereizt, schwang seine Beine aus dem Bett und zog erst einmal seine Schuhe aus.

Ailia wurde nach einer langen Zeit wieder einmal rot. „Tut mir leid. Ich … habe gar nicht darüber nachgedacht.“

Er war schneller über dem Bett, als sie reagieren konnte und presste sie gegen das Laken. „Und dieses Rotwerden solltest du auch abstellen. Das ist …“ Er stockte, weil ihm bewusst wurde, dass sich ihre Körper schon wieder einmal in einer gefährlichen Nähe befanden. „Du“, begann er heiser. „Solltest vielleicht wieder dazu übergehen, mich von dir zu stoßen, wenn ich dir zu nahe komme.“

„Vielleicht sollten wir es tun“, sagte sie leise. „Danach habe ich garantiert kein Problem mehr damit.“

„Hast du jetzt eins?“

„Ja.“

Trevor ließ sie los. Er zog seine Kleidung aus, nur eine Boxershort für die Nacht an und kroch unter die Decke. „Ich will nicht“, stieß er dann hervor. „Ich will nicht wieder beginnen, dich nicht zu mögen.“

Ailias Herz machte einen Satz. Er deutete zum ersten Mal an, dass er sie mochte. Sie kroch ebenfalls unter die Decke an seine Seite und hörte ihn leise seufzen, als er ihren Körper spürte.

Seine Hände zogen sie an sich. Er spürte ihren ihm so wohlbekannten Körper an seinem und hätte am liebsten geweint.

„Ich wünschte, ich könnte beides haben“, flüsterte Ailia und er spürte ihren Atem an seinem Hals. „Die Parafähigkeiten und…“ Sie stockte einen Moment und Trevor hatte den Eindruck, sie wollte etwas anderes sagen. „…und den Sex“, setzte sie dann jedoch hinzu.

„Ich auch…“ Er klang wehmütig. Seine Lippen streiften ihre Stirn. „Lass uns versuchen zu schlafen.“

„Du musst mich loslassen“, sagte Ailia leise.

Er zog sie noch fester an sich. „Ich weiß“, stieß er verzweifelt hervor.

Doch sie wussten es beide, weil sie beide die gleiche Erfahrung gemacht hatten. Schlaf niemals ein, solange dich ein anderer Mensch berührt…

Ailia löste sich von ihm und drehte ihm den Rücken zu. „Schlaf gut, Trev.“ Eine Träne kullerte ihre Wange hinunter, doch sie zwang sich gewaltsam, nicht zu schluchzen, weil sie nicht wollte, dass er es bemerkte.

„Schlaf gut.“ Er blieb auf dem Rücken liegen und starrte zur Decke. Und bezweifelte, dass er in dieser Nacht Schlaf finden würde.

Teil 12

Ailia wachte auf, als es schon sehr hell im Zimmer war. Entgegen ihrer Vorahnung, schien sie doch eingeschlafen zu sein. Sie seufzte leise, weil sie noch immer in den Resten ihres Traumes schwebte, in dem ein gewisser Trevor, sie in den Arm genommen hatte und sie endlich einschlafen konnte.

Dann traf sie fast der Schlag, als sie seinen Körper in ihrem Rücken spürte und seine Arme, die sie umfangen hielten.

Aber sie hatte geschlafen.

Ailia grub ihre Zähne in ihre Unterlippe.

Er schlief noch.

Es wurde immer seltsamer. Noch dazu, weil sie überdeutlich wusste, dass ihre Parafähigkeiten noch funktionierten.

„Trev“, flüsterte sie, ohne sich zu rühren.

Er murmelte etwas in ihr Ohr und zog sie fester an sich.

„Trev“, sagte sie wieder, nur lauter. „Wach bitte auf.“

Seine Lippen strichen über ihren Hals und sie musste ein Stöhnen unterdrücken. Plötzlich fühlte sie, wie sich sein ganzer Körper versteifte und sein Kopf in die Höhe schoss.

„Luzy!“, machte er erschrocken, starrte auf ihr Gesicht und dann auf seine Hände. „Was mache ich hier?“

Ailia lächelte schwach. „Gute Frage.“

Er fiel wieder auf das Bett zurück und kuschelte sich an ihren Rücken. „Ist mir schon in Fleisch und Blut übergegangen…“, murmelte er und atmete tief ihren so vertrauten Geruch ein. „Das ist seltsam, Luzy, oder? Ich zumindest habe gut geschlafen.“

„Ich auch.“ Sie sah gedankenverloren geradeaus. „Und es waren nicht deine Gedanken, die mich geweckt haben.“

„Vielleicht bleibt die Mutanten eigene Mentalblockade auch im Schlaf bestehen“, vermutete er.

„Das kann nicht sein“, widersprach Ailia. „Dann würden wir ja nicht die Gedanken von Normalen lesen, wenn wir schlafen.“

Trevor drehte sie zu sich um. „Wir verbergen unsere Gedanken voreinander. Und das bleibt im Schlaf bestehen.“ Er lachte plötzlich und küsste sie. „Das ist toll, Luzy. Dann kann ich wenigstens neben dir einschlafen. Ich meine… bis wir…“, begann er plötzlich zu stottern. „… bis wir zurück sind.“

**********

Es war eigenartig. Und neu. Ailia dachte den ganzen Tag darüber nach. Zwischen Mutanten schien eine ganze Menge anders zu sein, doch sie hatte Angst, den Gedanken weiter zu führen. Weil sie Angst davor hatte, sich zu irren. Denn sie konnte es drehen und wenden wie sie wollte, Trevor war ihr ans Herz gewachsen. Sie hatte ihn gern. So gern wie man einen Menschen nach dieser kurzen Zeit haben konnte, auch wenn sie es mehr als eigenartig fand, wie schnell sich ihre Gefühle für ihn gewandelt hatten. Und sie hatte Angst davor, dass es ganz schnell wieder anders sein konnte. Das würde es, wenn der Sex zwischen Mutanten genau so war wie mit einem Normalen.

Sie begaben sich zu dem Haus, in dem Amelie jetzt lebte. Wieder passierte es auf dem Weg einmal, dass für einen kurzen Moment ihre Mutantenfunktionen ausfielen und wieder einsetzten. Sie ignorierten es so gut es ging, obwohl die Chance bestand, dass es in zwei Tagen für alles zu spät war, weil in ihren Köpfen wieder eine Totenstille herrschte.

Zu ihrem Erstaunen war es Amelie selbst, die ihnen die Tür öffnete und fast aus allen Wolken fiel, als sie zwei Menschen erblickte.

„Oh mein Gott!“, rief sie aus und schlug die Hände vor das Gesicht.

Ailia lächelte und Trevor folgte ihr, als die Frau sie beide ins Haus bat. Im Moment bestand kein zwingender Grund, in den Gedanken der Frau nach Antworten zu suchen und deshalb hielten sie sich jetzt beide an den Mutantenkodex, dass Gedanken von Nichtmutanten im Normalfall tabu waren.

Amelie war eine schlanke blonde Frau mit einem schmalen Gesicht und großen blauen Augen, die so unschuldig in die Welt blickten, dass sie sich beide fragten, was diese Frau mit Shendor auf dem Planeten zu suchen hatte.

Sie schauten sich neugierig um, als Amelie sie in ein großes Zimmer führte, sie auf einer großen Sofaecke Platz nehmen ließ und nach einer Dienerin läutete. Ailias Mund klappte auf, als eine junge D’arjo eintrat und höflich nach ihren Wünschen fragte.

„Kaffee, Dana“, sagte Amelie freundlich. „Und für mich einen Tee bitte.“ Dann setzte sie sich ebenfalls.

Ailia registrierte für sich erst einmal, dass Amelie keinesfalls ängstlich, entsetzt oder mit den Nerven am Ende wirkte. Plötzlich fühlte sie ein leichtes Tasten in ihrem Kopf.

Es interessiert mich wirklich, spürte sie Trevors Gedanken, wie du ihr erklären willst, was auf sie zukommt…

Sie schüttelte leicht den Kopf. „Amelie“, begann sie dann langsam. „Wir sind hier, weil uns die terranische Regierung geschickt hat, um nach Shendor und … Ihnen zu suchen.“

„Nach mir bestimmt nicht“, lächelte Amelie.

Ailia grinste schwach zurück. „Wir waren gestern bei der hiesigen Miliz und wurden darüber informiert, was konkret passiert ist. Wir möchten Ihnen mitteilen, dass morgen Shendors Gerichtsverhandlung stattfinden wird.“

Amelie nickte. „Sie übernehmen seine Verteidigung?“

„Ja.“ Ailia runzelte die Stirn. „Sie wissen Bescheid.“

„Ennol hat mir sehr vieles erklärt“, sagte die junge Frau leise. „Ich weiß, was Tak getan hat und ich weiß jetzt, was es für einen D’arjo für ein Verbrechen bedeutet.“

„Wir möchten dafür sorgen, dass Sie den Planeten ebenfalls wieder verlassen können.“

Amelies Blick wanderte zwischen ihnen hin und her. „Wie?“, fragte sie nur.

Ailia holte tief Luft. Dann begann sie langsam zu berichten, was Tarko ihnen erklärt hatte. Amelie sah sie mit diesen unschuldigen blauen Augen an, ohne eine Miene zu verziehen und ohne Entsetzen zu zeigen. Als Ailia geendet hatte, schwieg sie eine ganze Weile.

Dann fixierte sie Trevor. „Sie sollen an Stelle von Tak kämpfen?“ Ihre Stimme klang hart.

Trevor nickte stumm.

In diesem Moment betrat Dana das Zimmer und servierte den Kaffee. Amelie wartete, bis die junge D’arjo den Raum wieder verlassen hatte, dann sprach sie weiter.

„Ich möchte Ihnen etwas sagen. Ich hatte keine Ahnung, was auf diesem Planeten auf mich zukommt. Ich bin Tak gefolgt. Blind. Verliebt. Und dumm.“ Sie nippte an ihrem Tee und schaute gedankenverloren vor sich hin. „Dann kam dieser Tag und der Kampf. Ich sah Tak seine Waffe ziehen und auf Ennol schießen und dann ging alles so schnell. Sie verhafteten Tak und übergaben mich einem D’arjo, dessen Aussehen allein mir schon Angst einjagte. Ennol war verletzt. Nicht schwer, aber zumindest so, dass er eine ganze Woche sein Bett nicht verlassen durfte. Aber er war bei Bewusstsein und konnte reden. Ennol erklärte mir an diesem ersten Abend, dass ich, wenn ich sein Haus verlassen würde, noch an diesem Tag im Bett eines anderen D’arjo landen würde. Ich hatte Angst. Wirklich Angst, verstehen Sie? Diese D’arjos sehen aus wie Raubtiere… die Zähne, die Krallen…“ Amelie schwieg wieder kurz, doch weder Ailia noch Trevor unterbrachen sie. „Ich blieb. Weil ich einerseits nicht wusste, wohin ich gehen sollte und wirklich Angst hatte, dass das, was Ennol sagte, eintreten würde und zweitens, weil ich mich schuldig fühlte. Wegen mir war ein Wesen verletzt worden. Er hätte tot sein können. Ich hörte keinen Ton mehr von Tak. Dafür aber von Ennol.“ Amelie rührte in ihrem Tee. „Ich denke, ich weiß jetzt eine Menge über d’arjotische Verhältnisse, ihr Leben, ihre Regeln… Es hat mir Angst gemacht und allein der Gedanke, warum dieser Kampf initiiert wurde und wie er hätte enden müssen…“

„Sie sehen jetzt nicht mehr erschreckt aus“, sagte Ailia vorsichtig.

Amelie blickte sie nachdenklich an. „Wussten Sie, dass ein D’arjo sich sehr glücklich schätzen kann, wenn die Frau, die er einmal erwählt hat, bei ihm bleibt? Dass er alles dafür tun würde, damit sie ihn nicht verlässt?“

„Nein.“ Es klang mehr wie eine Frage.

„Deshalb sind die D’arjos so wild auf jede Frau, die noch nicht den Geruch eines Mannes trägt. Weil sie hoffen, dass endlich diejenige dabei ist, die sie halten können. Natürlich ist der Gedanke – zumindest für uns Menschen – sofort nach einem Kampf Sex zu haben, nicht sonderlich reizend“, fuhr Amelie fort. „Es klingt sehr gewalttätig. Es ist sehr gewalttätig. Doch es gehört einfach zu diesem Ritual. Der D’arjo hat die Frau gewonnen und sie gehört ihm. In diesem Moment. Danach nie wieder.“

„Wie bitte?“, entfuhr es Ailia überrascht.

„Es ist so“, bestätigte Amelie und ihr Blick wanderte wieder von ihr zu Trevor und wieder zurück. „Es wird niemals ein Kampf stattfinden, solange Ennols Geruch an mir haftet. Nicht, solange *ich* es zulasse.“

Ailia schluckte und auch Trevor starrte die blonde Frau einfach nur fassungslos an.

„Ich bin freiwillig geblieben“, fuhr Amelie fort. „Und habe zum ersten Mal in meinem Leben erlebt, wie ein Mann mir wirklich Aufmerksamkeit schenkte. Mit mir sprach. Wirklich sprach, meine ich damit. Ich kenne die d’arjotischen Rituale besser als jeder andere Mensch und garantiert besser als Tak. Und ich weiß, dass es keinen Kampf geben wird.“

„Sie wollen hier bleiben?“, schaffte Ailia dann zu sagen.

„Ich würde gern ab und zu heimkehren. Meine Familie besuchen. Meine Freunde. Und wieder hierher zurückkehren.“ Sie lächelte wehmütig. „Ich denke, das ist nicht möglich.“

Die Tür öffnete sich und ein D’arjo steckte seinen Kopf zur Tür hinein. „Störe ich, Am?“ fragte er und klang unwahrscheinlich neugierig.

Amelie lachte. „Nein, Ennol, komm rein.“

Der D’arjo musterte die beiden Menschen genauso neugierig wie diese ihn. Amelie stellte sie kurz vor und erklärte, warum sie hier waren. Auch Ennol waren ihre Namen nicht unbekannt. Mit einem feinen Lächeln, das natürlich seine Reißzähne sehr schön zur Geltung brachte, erzählte er Amelie, dass die Geschichte über die beiden Menschen, die sich so d’arjotisch verhielten, in fast jedem Wirtshaus zum Besten gegeben wurde.

Mit großen Augen beobachtete Ailia, wie die beiden miteinander umgingen. Ihr war der Gedanke an einen D’arjo einfach nur unheimlich gewesen, aber als sie jetzt die Blicke bemerkte, mit denen Ennol die menschliche Frau musterte, wie er sie ab und zu anlächelte, revidierte sie ihre Meinung. Er hatte sie gern. Wirklich gern. Da war eine Art Zärtlichkeit in seinen Gesten und den kurzen Berührungen, die Ailia die Kehle zuschnürte. Und Amelies Augen leuchteten, wenn sie mit ihm sprach. Einmal senkte er sogar den Kopf zu ihr, biss sie sanft in den Hals und Ailia schluckte, als Amelie ihren Kopf kurz gegen seinen lehnte, als wolle sie ihm sagen, es wäre alles in Ordnung. Und der D’arjo schnurrte. Er schnurrte!

Ailia sah zu Trevor, der die Geste genau so bemerkt hatte wie sie, und aus einem ihr unverständlichen Grund bemerkte sie, wie er die Zähne aufeinander biss. Beruhigend legte sie ihre Hand auf seinen Arm und blickte wieder das ungleiche Pärchen an.

„Ich denke, wir haben eure Zeit jetzt lange genug in Beschlag genommen“, sagte sie und stand auf. „Und es beruhigt mich ungemein, dass es jetzt keinen Kampf geben wird.“

Sie reichte Amelie die Hand und dann auch Ennol. „Es war nett, Sie kennen zu lernen, Ennol“, sagte sie leise und spürte an ihrer Hand die, jetzt eingezogenen, Krallen des D’arjos.

Ennol legte den Kopf schief und schenkte ihr ein freundliches Lächeln. „Es war mir ebenfalls eine Freude, Ailia und Treff’or.“

„Leben Sie wohl.“ Trevor folgte Ailia zur Tür hinaus.


***************


„Warum bist du so schweigsam?“, fragte Ailia, als sie ihr Gasthaus schon fast erreicht hatten und Trevor noch immer nur einsilbig auf ihre Fragen antwortete.

„Ich bin nicht schweigsam“, knurrte er bloß. „Ich bin immer so. Schon vergessen? Ärgerlicher, nervtötender Mutant.“

Ailia runzelte die Stirn. „Ich kenne dich jetzt besser als irgendjemand anders…“

„Du kennst mich gar nicht“, fuhr er auf, ohne sie anzusehen. Sie griff nach seinem Arm und er fuhr fast wütend herum. „Verdammt. Ich hasse mein Leben!“

Ailia zuckte zusammen, als er seine Arme um sie schlang und einfach gegen die nächste Hauswand presste. „Trev“, protestierte sie schwach, weil sie die amüsierten Blick der vorbeigehenden D’arjos bemerkte.

„Ich will auch so ein Leben“, stieß er verbittert hervor. „Selbst eine menschliche Frau und ein D’arjo können glücklich sein. Warum wir nicht, Ailia? Wir sind Helden! Wir retten Menschenleben. Wir riskieren unseren verdammten Arsch dafür! Warum wir nicht?“ Er schrie fast und sie schloss verzweifelt die Augen.

Vielleicht war das der Grund, warum es so wenig alte Mutanten gab. Irgendwann hatte jeder dieses Leben satt. Für sie war es jetzt noch schwerer, weil sie nun einmal wussten, wie es sein konnte.

„Mach dich nicht verrückt, Trev“, flüsterte sie und im nächsten Moment waren seine Lippen auf ihrem Mund.

Nicht lange, weil der langsam vertraut werdende Schwindel durch ihren Kopf fuhr. Etwas orientierungslos lösten sie ihre Köpfe voneinander.

„Mich würde wirklich mal interessieren, was das für eine Scheiße ist.“ Trevor klang noch immer recht wütend. Er lehnte seine Stirn an ihre. „Luzy, kleb mir eine, damit ich wieder zu Verstand komme.“

„Trev.“

Etwas in ihrer Stimme ließ ihn aufhorchen. „Was?“

„Ähm. Ich bin im Moment kein Mutant…“

Er riss den Kopf hoch und horchte in sich hinein. „Die anderen Male ging es schneller, ja?“

Ailia nickte. „Da waren es nur Sekundenbruchteile. Vielleicht … bleibt es jetzt wieder Wochen so?“

Trevor schnappte wortlos ihre Hand und zerrte sie hinter sich her. Sie stolperte, weil er ein Tempo vorlegte, das ihr den Atem raubte.

„Trev!“, rief sie erbost, als sie endlich den Gastraum erreichten und er Quaar’ton um den Schlüssel bat. Der Wirt wollte sie in ein kleines Gespräch verwickeln, doch Trevor fuhr ihn barsch an:

„Jetzt nicht!“

Der Wirt schloss völlig perplex den Mund und reichte ihm schnell die Schlüssel. Trevor schob Ailia die Treppe hinauf und sie wurde jetzt ernsthaft böse.

„Spinnst du eigentlich!“, fuhr sie ihn an, als er die Tür hinter sich schloss.

„Ich hoffe, dieser Scheißplanet gibt uns wenigstens noch zehn Minuten“, sagte er und ein teuflisches Lächeln umspielte seinen Mund, als er auf sie zukam.

„Was…?“ Er riss sie von den Beinen und fiel mit ihr zusammen auf das Bett. „Trev, es kann sich jeden Moment wieder umkehren!“

„Deshalb sollten wir uns beeilen“, knurrte er nur, während seine Finger schon mit ihrer Hose kämpften.

Er wollte das wirklich. Ailia sah das Feuer in seinen Augen, fühlte seine schlagartig erwachte Erektion an ihrem Oberschenkel und ihr wurde heiß. Es war vielleicht die letzte Gelegenheit, die sie hatten… Ihre Hände schlossen sich um seinen Kopf und er stöhnte auf, als sie ihn wild küsste. Ungeduldig zerrten ihre Hände an seinem Shirt.

„Zieh die Sachen aus, verdammt“, flüsterte sie drängend und half ihm bei ihrem eigenen Shirt.

Trevor stand auf, öffnete seine Hose und ließ sie die Beine hinabgleiten. Ailia kam gar nicht schnell genug nach, ihre eigene Hose loszuwerden, da war er schon wieder auf ihr. Sie schlang ihre Arme um ihn, seine Hände strichen über ihren Körper und sie bog sich ihm bettelnd entgegen. Es war Wahnsinn. Aber allein die Art und Weise, wie er sie ansah, jagte den Puls und die Leidenschaft in ihrem Körper auf ein ungeahntes Maß hoch. Sie rieb sich an ihm, fühlte die Nässe zwischen ihren Beinen und seine Erektion, die sich dazwischen drängte.

„Ja, Trev“, stöhnte sie wild und er war in ihr, kaum dass sie die Worte gesprochen hatte.

Es war hart, verrückt und schnell. Weil sie beide die Angst trieb, von dem Wiedererwachen der Mutantenfunktionen überrascht zu werden. Ailia schrie in dem gleichen Moment, in dem er in ihr kam und auf ihr zusammenbrach.

Ailia kam wieder richtig zu sich, als sie fühlte, wie sein Körper von einem abgehackten Lachen geschüttelt wurde. Sie hob ihre Hand und strich über ihre Augen und musste ebenfalls grinsen.

„Das war jetzt schon irre, Luzy“, stieß er mühsam hervor und hob den Kopf. „Ich hoffe, du wirst mir das nie vorhalten.“

Ailia prustete los. „Ich glaube, so schnell waren wir noch nie…“

Er schlang seine Arme um sie und rollte zur Seite. „Es scheint noch etwas länger anzudauern“, hauchte er in ihr Ohr. „Vielleicht haben wir noch Zeit für eine ganz langsame Tour?“

„Hm…“ Ailias Hand strich über seine Brust über seinen Bauch abwärts. Sie küsste ihn sanft gegen den Hals und richtete sich auf ihren Ellenbogen auf. „An wie lange hast du denn gedacht?“

Trevor hielt die Luft an, als er das Lächeln sah, das ihren Mund umspielte. Dann beugte sie sich über ihn und er schloss die Augen, als sie federleichte Küsse über sein Gesicht streute: seine Augen, seine Wangen, seinen Mund…

Ihre Zunge fuhr über die Linie seines Kiefers, dann seinen Hals hinab. Automatisch griff seine Hand um ihren Hals, als ihre Zunge an seinen Brustwarzen angekommen war und diese umfuhr. Die angehaltene Luft entwich schlagartig, als sie seine Brustwarze in ihren Mund saugte.

„Luzy“, murmelte er und fühlte seinen Körper erneut reagieren.

Während ihr Mund mit seiner Brust beschäftigt war, glitt ihre Hand abwärts. Ailia lächelte gegen seine Haut, als sie spürte, wie er sich unter ihren Fingern erneut versteifte. Sanft massierten ihn ihre Finger und zu hören, wie diese lustvollen Laute aus seinem Mund drangen, ließ den Druck zwischen ihren Beinen wieder anwachsen.

Ihre Zunge tanzte über seinen Bauch und er schnappte nach Luft, als sie ihn leicht biss. Er nahm an, sie würde weiter nach unten wandern, doch sie hob den Kopf und sah ihn an, als sie seinen Körper wieder hinaufkroch und im gleichen Moment sich selbst über ihm bewegte.

Trevor stöhnte auf und stieß sich gegen ihre feuchte Mitte. Ihre Hände fuhren über seine Brust und er konnte überdeutlich die Fingernägel spüren. Seine Finger umklammerten ihre Hüften und er konnte die Augen nicht von ihrem Anblick lösen. Sein Kopf flog zurück, als sie sich selbst langsam anhob und auf ihm niederließ. Ganz langsam mit einem leisen Stöhnen nahm sie ihn Zentimeter für Zentimeter in sich auf, bis sie auf ihm saß und ihn mit halb geöffnetem Mund ansah. Es war fast zuviel.

Trevor schlang seine Arme um sie, als er den Oberkörper aufrichtete. Er wollte sie berühren, sie küssen. Mit ihr zusammen rutschte er an das Bettende, bis er an der Wand lehnte. Sie hatte sich nicht gerührt, sondern nur Halt suchend seinen Hals umfasste. Jetzt senkte sie langsam den Kopf und küsste ihn.

„Langsam, Trev, ja?“, flüsterte sie und er nickte krampfhaft, als sie begann auf ihm auf und nieder zu gleiten.

In einem Rhythmus, der ihn fast wahnsinnig machte. Er wollte seine Hände in ihre Hüften krallen, sie zwingen, den Rhythmus zu beschleunigen, sie zur Seite werfen und sich wieder und wieder hart in ihr vergraben. Er tat es nicht. Er sah, wie sich ihr Gesicht verklärte und der Kampf gegen sich selbst ließ Schweißperlen auf seine Stirn treten. Sie sah einfach himmlisch aus, wie sie den Kopf zurückwarf und durch den halb geöffneten Mund keuchend Luft holte. Und er glaubte zu sterben.

Ihre Hand strich ihm zärtlich die verschwitzen, lang gewordenen Haare aus der Stirn. „Ich möchte dich ansehen, wenn du kommst“, hauchte sie seine Worte und ihre Lippen berührten ihn.

Er würde sterben. „Luzy“, flüsterte er verzweifelt.

Sie nahm sein Gesicht in ihre Hände. „Lass dich gehen, Trev.“ Urplötzlich beschleunigte sich ihr Rhythmus. „Komm für mich“, murmelte sie die gleichen Worte, die er zu ihr gesagt hatte.

Trevor wimmerte auf. Er hatte keine Kontrolle mehr über seinen Körper und keine mehr über seine Hände. Sein Kopf flog zurück gegen die Wand, als er spürte, wie der Druck in seinen Hoden ins Unermessliche stieg. Mit einem Aufschrei stieß er nach oben, vergrub sich tief in ihr und kam mit einer Wucht, dass ihm schwarz vor Augen wurde.

Ailia sah, wie die Leidenschaft seinen Blick benebelte, als die Ekstase durch seinen Körper fuhr. Die ausdrucksstarken grauen Augen schlossen sich halb und sie spürte sein Zittern, als er sich in ihr ergoss. Trotz seiner Benommenheit wanderte seine Hand zwischen ihre Beine. Sie hörte seinen keuchenden Atem, als ihr Kopf gegen seine Schulter sank, er seine Finger gegen sie presste und sie im gleichen Augenblick von ekstatischen Schauern geschüttelte wurde. Schluchzend rieb sie sich selbst an seiner Hand, um das Gefühl zu verlängern, während sie ihr Gesicht an seinem Hals vergrub und ihr Arm seinen Nacken umklammerte.

Sie musste einen Moment weggetreten gewesen sein, denn sie nahm erst wieder wahr, dass seine Finger zärtlich ihren Rücken streichelten.

„Ich liebe dich, Luzy“, sagte er plötzlich und Ailia schluchzte auf.

Sie hob den Kopf und starrte in seine grauen Augen, in denen noch immer ein solcher Hunger brannte, dass sie schluckte. „Nein, tust du nicht… das kann nicht sein… du…“

„Shhh“, flüsterte er und verschloss ihre Lippen mit einem Kuss.

Ailia umklammerte seinen Kopf und fing an zu weinen. Sie wusste, dass es sein Ernst war, doch sie wusste genauso, dass es nicht gut gehen konnte. Niemals.

Trevors Kopf sank gegen ihre Schulter. Verzweiflung übermannte seinen Körper, als er sie beben fühlte und nicht wusste, was er tun sollte, weil er das gleiche empfand.

Das Leben war ungerecht. Warum stattete es ihn mit diesen Gaben aus, die soviel gutes tun konnten und verwehrte ihm im gleichen Atemzug, wenigstens ein bisschen Ruhe zu finden? Er ahnte, dass er um einiges ironischer und sarkastischer in sein tägliches Leben zurückkehren würde. Weil der Panzer um sein ICH auf diesem Planeten zu schwach geworden war.

Er ließ Ailia weinen, bis sie sich beruhigt hatte. Noch immer war nicht zu bemerken, dass ein erneuter Schwindel die Rückkehr der Parafunktionen ankündigte. Er rutschte mit ihr auf das Bett hinunter und beugte sich über sie.

„Lass uns all den Scheiß vergessen, Luzy“, bat er sie und klang genau so verzweifelt wie sie sich fühlte. „Lass es uns genießen, solange es noch geht.“

Ailia nickte. Ihre Augen waren vom Weinen gerötet. Noch immer leise schniefend, hob sie ihre Hand und ihre Finger fuhren über die Konturen seiner Lippen. Warum war ihr früher nicht aufgefallen, was für fantastische Lippen er hatte? Schmal und weich, wie zum Küssen geschaffen. Einen Moment folgten ihre Augen ihren Finger, dann hob sie den Blick und sah ihn an. „Ich liebe dich auch.“

Teil 13

Am Morgen stellten sie fest, dass sie auf all ihre Parafähigkeiten wieder zugreifen konnten. Trevor hatte mit den Schultern gezuckt, hatte versucht, recht gleichgültig auszusehen und gemeint, irgendwie müssten sie ja nach Hause kommen. Ailia hatte genickt und ihm ein genauso falsches Lächeln geschenkt.

Die Gerichtsverhandlung dauerte vier Stunden. Shendor war mit dem Schadensersatz, den Ennol verlangte, vollkommen einverstanden. Er benötigte eine Weile, um zu begreifen, dass Amelie auf dem Planeten bleiben und an Ennols Seite leben wollte. Dabei war er der einzige, der das völlig unverständlich fand. Für alle D’arjos im Raum stellten sich gar keine Fragen, nachdem sie kurz in Amelies Richtung gewittert hatten.

Den größten Teil der Diskussion jedoch warf Amelies Frage auf, ob es nicht möglich wäre, die harten Bestimmungen in Bezug auf Reisen auf diesem Planeten zu lockern. Eben weil sich sonst für sie keine Gelegenheit ergeben würde, ihre Familie jemals wieder zu sehen.

Komischerweise war das ein Argument, das bei den D’arjos ankam, vor allem, weil Amelie von Ennol unterstützt wurde.

Trevor und Ailia machten einige Vorschläge über vereinzelte Linienrouten, oder Flüge mit Sondergenehmigung oder einfach die Zulassung eines weiteren Stützpunktes, damit der Weg abgekürzt wurde. Natürlich konnte heute und in diesem Rahmen keine Entscheidung gefällt werden. Aber die D’arjos versprachen, darüber nachzudenken.

Alles in allem, wurde der Tag ein Erfolg. Zusammen mit Shendor verließen sie den Gerichtssaal. Sie verabschiedeten sich von Amelie, der nun doch Tränen in den Augen standen und versprachen ihr, ihre Familie zu informieren.

Zwei Stunden später standen sie vor den Stadtmauern Naarois.

Ailia schloss ein letztes Mal die Augen und esperte
1 hinaus, um sich noch einmal zu vergewissern, dass es ihren beiden Hereros gut ging und war beruhigt, zu erfahren, dass die beiden Tiere schon ein beträchtliches Stück gewandert waren und sich wohl fühlten.

„Ich werde den Planeten vermissen“, erklärte Trevor, als er Ailias Hand griff und dann mit einem ärgerlichen Blick Shendor die Hand hin streckte. „Ich mache das gar nicht gerne. Also, her mit Ihren Fingern und zwar schnell.“

Ailia musste ein bitteres Lächeln verbergen, dann wechselte übergangslos die Umgebung und sie standen auf dem unpersönlichen Asphalt des Stützpunktes.

Ein Mann, der gerade die Station verlassen wollte, sah sie an wie vom Donner gerührt.
„Oh mein Gott“, brachte er kalkweiß hervor. „Ratsmitglied Shendor.“

Trevor hatte Shendors Hand in dem Moment fahren lassen, in dem sie rematerialisierten. Mit einem genervten Blick verfolgte er das Durcheinander, das ihr Erscheinen in der Station verursachte und das natürlich Shendor galt.

Es dauerte eine Weile, ehe sie erfuhren, dass die TERRA FIVE sich noch immer im Orbit befand und Delaron schon seit Wochen versuchte, an D’arjos heran zu treten und eine Genehmigung für eine Suche nach ihnen zu erhalten.

Trevor sah Ailia an und sie verstanden sich wortlos. Ihre Arbeit auf D’arjo war getan. Und niemand, aber auch niemand konnte Trevor zwingen, ein weiteres Mal einen normalen Menschen auf einer Teleportation mitzunehmen.

In einem Sekundenbruchteil wechselte die Umgebung und sie standen in dem Raumschiff.

Und seufzten beide gleichzeitig.


************

Delaron runzelte die Stirn, als er die beiden Mutanten an seinem Tisch betrachtete. Er hatte ihren Bericht aufgenommen, der sehr verworren schien und seiner Meinung nach nur die Hälfte von dem enthielt, was tatsächlich passiert war.

Nachdem seine beiden Spezialmutanten verschollen waren, hatte er die besten Wissenschaftler auf den Planeten angesetzt und sie hatten herausgefunden, dass um die d’arjotische Sonne ein wanderndes Psifeld kreiste, das in bestimmten Abständen den Planeten D’arjo einhüllte. Delaron machte dieses für das Ausfallen der Psikräfte verantwortlich. Er erntete von den beiden Mutanten nur ein gleichgültiges Nicken, etwas, was sehr ungewöhnlich war.

Er konnte nur ahnen, was tatsächlich auf dem Planeten geschehen war und nahm an, dass es nichts war, was die beiden mit jemandem teilen wollten. Delaron hätte sie nie auf den Planeten geschickt, wenn er auch nur geahnt hätte, dass es so lange dauern würde. Er konnte wahrscheinlich froh sein, dass die beiden sich nicht die Augen ausgekratzt oder sich schlimmeres zugefügt hatten.

Jetzt allerdings war noch kein einziges böses Wort zwischen ihnen gefallen und das irritierte ihn etwas.

„Wenn ihr möchtet, genehmigt euch ein paar Tage Urlaub“, beendete er die Besprechung. „Schätze, ihr könnt sie gebrauchen.“ Er fing den eigenartigen Blick auf, den Trevor Ailia zuwarf und wunderte sich wieder, wohin die permanente Abneigung verschwunden war.

„Das Psifeld hat D’arjo jetzt endgültig verlassen?“, fragte Trevor mit einem missmutigen Ton in der Stimme.

Delaron nickte. „In einem D’arjojahr wird es ihn wieder tangieren. Wir haben einfach Pech gehabt.“

„Wie auch immer du es nennen willst, Jim“, knurrte Trevor ärgerlich und Delaron war plötzlich froh, eine vertraute Geste an ihm zu entdecken. „Kann ich gehen?“

„Sicher.“

Ailia stand ebenfalls auf. Ihr Blick folgte dem hinaus eilenden Trevor und sie sah Delaron mit einem Achselzucken an. „Ich geh dann auch.“

Delaron nickte, setzte sich wieder und starrte nachdenklich auf den Bericht seiner beiden Mutanten. Da war bedeutend mehr vorgefallen als in dem Bericht stand. Doch Delaron wusste plötzlich, dass es etwas war, was ihn nichts anging.

Er wusste es, weil er Ailias Blick gesehen hatte.

***********


Am ersten Tag vergrub sich Ailia in ihrer Kabine. Sie zog sogar in Erwägung, einen Urlaub am anderen Ende des Universums zu buchen, nur um Trevor nicht mehr über den Weg zu laufen. Sie wusste nicht, wie sie damit umgehen sollte. Wie sie mit ihm reden, ihm begegnen sollte, ohne immer und immer wieder an die Wochen auf D’arjo erinnert zu werden. Sie verbrachte eine noch viel scheußlichere Nacht, in der sie sich ruhelos hin und her wälzte, nur um schließlich einzuschlafen und von ihm zu träumen.

Vielleicht wäre es ihr besser gegangen, wenn sie gewusst hätte, dass er sich nicht besser fühlte.

Am nächsten Abend setzte er sich wortlos an ihren Tisch in der Cafeteria und bestellte sein Abendessen. Ailia starrte ihn wahrscheinlich genauso an wie der Rest der Menschen in der Cafeteria, da sicherlich kaum jemand glauben konnte, ausgerechnet sie beide an einem Tisch zu sehen.

„Wie geht’s dir?“, knurrte er zwischen seinen zusammen gebissenen Zähnen hindurch, ohne sie anzusehen.

Sie lächelte schwach. „Gut.“

„Lügnerin.“ Er hob den Kopf, funkelte sie kurz an und trommelte dann wieder mit den Fingern auf der Tischplatte. „Hab ich zwei Köpfe!?“, giftete er die Frau am Nachbartisch an, die verschreckt wieder auf ihren Teller guckte und schnell weiteraß.

Ailia stützte ihren Kopf auf ihre Hand. „Ich habe überlegt zu flüchten. Irgendwohin in die Sonne. An einen Strand...“

„Gute Idee“, brummte er und griff nach der Flasche, die über das Tischbestellsystem geliefert worden war. „Du auch?“

Sie nickte.

„Ich habe von dir geträumt.“ Er starrte sie über den Rand des Weinglases fast wütend an.

Ailia schaute eine ganze Weile einfach nur in sein, ihr jetzt vertrautes Gesicht. Seine markant geschnittenen Züge, die dunklen, wieder kurzen, durcheinander gewirbelten Haare und die grauen Augen, die sie jetzt so aggressiv anblitzten.

„Jim hätte uns sofort den nächsten Auftrag zuweisen sollen“, fuhr er fort.

„Uns?“

„Jedem für sich. In entgegengesetzten Richtungen. Vielleicht würde es mich auf andere Gedanken bringen.“

Sie lächelte wieder, ohne dass das Lächeln ihre Augen erreichte. Dann nahm sie das Glas entgegen und trank den dunklen starken Wein. „Es geht vorbei“, sagte sie leise. Hoffentlich.

Trevors Essen kam über das Tischbestellsystem und er griff nach dem Teller. „Weißt du“, erklärte er ernsthaft zwischen zwei Bissen. „Ich habe geglaubt, dass es möglich wäre, wenn wir Freunde bleiben.“ Ailia hob eine Augenbraue, doch er fuhr fort, ehe sie etwas sagen konnte. „Ich denke, es ist eine Scheißidee. Ich brauche dich bloß anzusehen und weiß, dass es eine Scheißidee ist. Es war einfacher, sich mit dir zu streiten, als darüber nachzudenken, dass ich dich lieber flachlegen...“

„Trev!“, fuhr sie ihn an. „Du hast dein ganzes vorheriges Leben mit elf Mal Sex verbracht! Du kannst jetzt nicht so tun, als würdest du plötzlich ohne nicht mehr leben können!“

„Du hast dir die Anzahl gemerkt?“, kicherte er.

„Ich denke auch darüber nach“, sagte sie und trank wütend ihr Glas aus. „Wir können es nicht ändern. Also sollten wir uns einfach... aus dem Weg gehen.“

Er schenkte ihr und sich selbst nach. „Sicher. Und ich werde meine Nächte damit verbringen...“ Er starrte genervt in die Luft. „...mich selbst zu befriedigen und an dich zu denken...“

„Und ich werde mir einen Vibrator kaufen... Oh Gott!“ Ailia schlug sich die Hand vor den Mund und wurde feuerrot. „Ich habe das jetzt nicht laut gesagt, oder?“

Ein feines Grinsen huschte über sein Gesicht. „Wirst du an mich denken, wenn du ihn benutzt?“

Sie fluchte leise, ignorierte seinen spöttischen Blick und beschäftigte sich wieder mit ihrem eigenen Essen. „Ich denke, in ein paar Tagen gibt sich das alles wieder... Wenn uns die Normalität wieder eingeholt hat... Ich meine, wir sind mal kurz ... ausgeflippt. Jeder braucht das Mal ... ab und zu.“ Sie griff wieder nach dem Wein. „Jetzt ist es an der Zeit, unseren ... ähm... Ausflug zu vergessen. Wir sollten vielleicht schleunigst anfangen, uns wieder anzuschreien.“

„Vergessen“, sinnierte Trevor und fixierte sein Glas. „Klingt gut...“

Zwei Stunden später waren sie beide sturzbetrunken. Ailia lachte nur noch und zwar so laut, dass nun niemand mehr in der Cafeteria ignorieren konnte, wer da zusammen an einem Tisch saß, während Trevor stumpfsinnig vor sich hin brütete. Sie waren bei der dritten Flasche Wein angelangt, ohne – und darauf waren sie sehr stolz – den ganzen Abend in erotischen Erinnerungen zu schwelgen. Sie verbrachten die Zeit lieber damit, sich gegenseitig vorzuhalten, wie wunderbar es vorher war, miteinander zu streiten. Besser gesagt, sich absolut nicht leiden zu können.

„Du hast mich mal so blöd mit deiner Faust getroffen, dass ich ein herrliches Veilchen hatte“, hielt er ihr gerade vor.

„Da war ich 16!“

„Na und? Du hast mich geschlagen!“

„Du hast zurückgeschlagen!“, konterte sie. „Ich fand das unmöglich! Schließlich bist du ein Mann. Kein Mann schlägt eine Frau. Jedenfalls keiner, der einen Funken Anstand im Leib hat.“

„Du hast mir deine Faust ins Gesicht gedonnert!“

„Du hattest es verdient!“, erklärte Ailia, ohne das geringste Anzeichen eines schlechten Gewissens. „Was hattest du eigentlich getan?“

„Garantiert nichts! Ich habe nie etwas getan, wenn du auf mich losgegangen bist!“

Ailia lachte ihm ins Gesicht. „Du Unschuldslamm.“

Er warf ihr einen bedeutungsvollen Blick zu und füllte die Gläser neu. „Luzy, du warst schon immer ein Raufbold. Sieh es endlich ein.“

Es war weit nach Mitternacht, als ihr Kopf auf den Tisch sank und sie müde murmelte. „Isch denke, heute schlafe isch gut...“

„Hier, Luzy?“, fragte er grinsend und schüttelte sie an der Schulter. „Komm, wach auf, ich helf dir.“ Er sah sich in der jetzt fast leeren Cafeteria um. Auf der anderen Seite des Raumes, saß noch ein Pärchen in der Ecke, doch das war zu sehr mit sich selbst beschäftigt, als dass es etwas von der Umgebung mitbekommen hätte. Seufzend zog er Ailia hoch und ignorierte ihr Schimpfen.

Er hatte genau solche Probleme beim Laufen und sie stützten sich gegenseitig, als sie schwankend den Ausgang suchten. Selbst er wusste, dass jeglicher Versuch zu teleportieren in seinem jetzigen Zustand fehlschlagen würde.

„Mir ist schlecht“, stöhnte Ailia und umklammerte seinen Arm.

„Warte bitte bis du in deinem Bad bist“, fluchte er und schüttelte sie wieder. „Verstanden?“

„Verdammt!“ Sein Schütteln verstärkte das Schwindelgefühl noch und sie hätte sich am liebsten wieder in den 16-jährigen Raufbold verwandelt. So schlug sie ihm nur matt gegen die Brust. „Hör... auf...“

Sie stolperte und wäre gestürzt, wenn Trevors Arm um ihre Taille sie nicht aufgefangen hätte. Doch er war genauso aus dem Gleichgewicht geraten wie sie und fluchte wieder, weil er sich jetzt an sie klammern musste, um nicht den Boden unter den Füßen zu verlieren.

Es dauerte eine dreiviertel Stunde, ehe sie Ailias Kabinentür erreichten und sie waren froh, dass es schon so spät war und niemand ihre katastrophale Art, sich fortzubewegen bemerkt hatte. Trevor dachte gar nicht mehr daran, den Weg bis in seine Kabine noch allein zurück zu legen. Er folgte Ailia durch die Tür, fixierte das Bett und fiel im nächsten Moment wie gefällt mit dem Bauch zuerst auf die Matratze.

Ailia starrte etwas stumpfsinnig auf ihn hinunter, ehe sie sich sagte, dass ihr dies alles so egal war. Sie kickte nur noch ihre Schuhe von den Füßen, ließ sich neben ihn fallen und war einen Augenblick später eingeschlafen.

***********

Trevor erwachte mit den fürchterlichsten Kopfschmerzen seines Lebens. Es kam ihm vor, als würde da ein Schlagzeuger in seinem Kopf hämmern und ihm das Gehirn aus dem Kopf drücken. Stöhnend wollte er zur Seite rollen, als er feststellte, dass sein Arm unter einem warmen Körper festklemmte.

„Shit“, fluchte er leise, ehe er übergangslos die Augen aufriss und sie sofort wieder schloss, weil das Hämmern Orchesterstärke annahm. Blinzelnd schielte er zur Seite und grinste breit, als er Ailias dunklen Lockenkopf erkannte. Vollkommen beruhigt schlang er seinen Arm um sie, kuschelte sich an ihren Rücken und machte die Augen wieder zu.

Es war eine ganze Weile später, als er wieder munter wurde, weil Ailia sich regte. Er brummte missmutig, weil es ihm viel zu gut gefiel und fühlte sie erstarren.

„Trevor?“, piepste sie und klang recht fassungslos.

„Hm“, machte er nur.

„Wieso bist du in meinem Bett?“

„Das ist eine sehr gute Frage. Und ich würde auch näher darüber nachdenken, wenn ich nicht solche fürchterlichen Kopfschmerzen hätte.“ Er hörte sie leise lachen und schloss seine Augen wieder.

Ailia regte sich jedoch weiter und lachte plötzlich laut auf. „Oh Gott, ich habe all meine Sachen noch an.“ Sie hob den Kopf und prustete los. „Trev, warum hast du deine Schuhe nicht ausgezogen?“

Trevor folgte ihrem Blick mit einem Stirnrunzeln und funkelte sie an, weil sie nicht aufhörte zu kichern. Ailia verstummte schlagartig. Er sah einfach nur süß aus, so verschlafen und mit wüst durcheinander sturzelnden Haaren. Sie musste ihn recht verträumt angesehen haben, denn er schlang seinen Arm um sie und zog sie an sich.

„Hör auf damit!“, stieß er hervor.

„Womit?“

„Mich so anzusehen!“

„Ich habe nicht...“

Seine Lippen lagen auf ihrem Mund, ehe sie den Satz vollenden konnte und sie umklammerte seinen Hals wie eine Ertrinkende, als sie den Kuss erwiderte. Doch sie war es auch, die ihren Kopf von ihm weg riss. Und sich von ihm löste und schnell aus dem Bett sprang, weil sie die Verzweiflung in seinen Augen nicht sehen wollte.

„Ich ... ich gehe jetzt duschen“, murmelte sie nervös und durchsuchte ihren Schrank nach frischer Kleidung.

Trevor stand ebenfalls auf. „Ich verschwinde.“ Er seufzte. „Ehe ich anfange darüber nachzudenken, wie es ist, mit dir zu duschen.“

Ailia starrte ihn an, doch er grinste nur schief und war im nächsten Moment mit einem ‚Plop‘ verschwunden.
 

Teil 14

„Ich habe die verdammte Schnauze voll!“, tobte Trevor und Ailia bemerkte wie blass die Frau wurde, die an seinem Nachbartisch saß. „Ist es zuviel verlangt, mal einfach seine Gedanken bei sich zu behalten?! Oder an etwas Unverfängliches zu denken?! WENN MAN SICH MIT EINEM TELEPATHEN IN EINEM RAUM BEFINDET?!!“

„E-entschuldige b-bitte“, stotterte sie. „Ich wollte nicht...“

„Ich hasse diese Scheiße!“, brüllte Trevor weiter. „Aber ein bisschen Verständnis kann man doch verlangen, oder?! Ich meine, mich interessiert der Schrott nicht, der in euren Köpfen vor sich geht!!“

„Trev“, sagte Ailia leise und legte ihm die Hand auf den Arm.

Sein Kopf fuhr herum, er starrte sie einen Moment lang zornig an, ehe er aufsprang und aus der Cafeteria stürzte.

Seit dem Abend, an dem sie sich so haltlos betrunken hatten, waren jetzt vier Tage vergangen. Ailia betete nun schon langsam darum, dass Delaron sie zu einem neuen Auftrag schickte.

Sie hatte den Captain sogar darauf hingewiesen, dass sie auf ihren Urlaub verzichten wolle. Delaron hatte sie komisch angesehen und gemeint, er könne im Augenblick nicht riskieren, sie oder Trevor arbeiten zu lassen, da sich ihre psychischen Werte in einem unstabilen Grenzbereich befanden. Trevors noch stärker als ihre und er riet ihnen beiden, psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Er wolle nicht riskieren, seine beiden besten Mutanten zu verlieren.

Ailia sagte sich, dass er Recht hatte. Aber sie hatte keine Ahnung, was sie dagegen tun sollte. Jedoch weigerte sie sich, sich mit einer normalen Psychologin zu unterhalten. Das einzige was sie, gegen Trevors Willen, getan hatte, war, einen Bericht für den terranischen Tourismusbund zu schreiben, in dem sie von ihren Erfahrungen auf D’arjo berichtete und Hinweise für potentielle D’arjotouristen hinterließ.

Sie bezweifelte, dass man die Urlauber jemals so ausführlich über Risiken und Regeln D’arjos informiert hatte. Sie händigte den Bericht Delaron mit der Bitte aus, ihn an den Tourismusbund weiterzuleiten.

Sie sagte ihm auch, sie würde es vorziehen, wenn er selbst keinen Blick hinein werfen würde. Schließlich habe sie den Bericht nur geschrieben, weil sie glaube, es den Touristen, die D’arjo besuchen wollten, schuldig zu sein.

Delaron hatte sie wieder komisch angesehen und sie nahm an, dass er so fixiert auf ein Psychologengespräch war, dass er den Bericht garantiert lesen würde. Es war ihr egal.

Sie wechselte in diesen Tagen nur wenige Worte mit Trevor und versuchte, ihm einfach nur aus dem Weg zu gehen. Sicherlich versuchte er dasselbe, doch an diesem Abend konnte sie nicht verhindern, genau in das Gebrüll in der Cafeteria zu raten.

„Ich weiß nicht, was ich getan habe“, versuchte die junge Frau zu erklären.

Ailia schüttelte beruhigend den Kopf. „Nichts. Du hast nichts getan.“

Vielleicht sollten sie wirklich mit einem Psychologen reden.

Sie verließ die Cafeteria und überlegte, in welche Richtung Trevor gegangen sein könnte. Er nahm ihr die Suche ab, weil er plötzlich neben ihr materialisierte, ihre Hand ergriff und wieder teleportierte.

Ailia war zu überrascht, um zu reagieren. Die Umgebung wechselte zu schnell, sie wurde im nächsten Augenblick gegen eine Kabinentür gedrückt und spürte Trevors Körper, der sich gegen sie presste. Sie stemmte ihre Hände gegen seine Schultern.
„Was soll das, Trev?“

„Ich habe es satt, Luzy“, stieß er hervor und sie hörte, dass es ihm todernst war. Sein Gesicht war nur noch wenige Zentimeter von ihrem entfernt und sie atmete tief durch, als sein ihr vertrauter Geruch in ihre Nase stieg. „Es gibt nur eine einzige Möglichkeit, dem Ganzen ein Ende zu machen.“

„Nein!“, fuhr sie ihn an und versuchte, ihn von sich zu stoßen.

Er küsste sie, hart und hungrig, und Ailia vergaß, dass sie eine Telekinetin war. Sein Körper presste sich an ihren und sie spürte durch den dünnen Stoff ihrer Hose seine Erregung, als er seine Hüften gegen sie stieß.

„Nein, Trev“, flüsterte sie erstickt, als er seine Lippen von ihren löste und sie den aggressiven Ausdruck in seinen Augen sah. Ein Psychologentermin war absolut empfehlenswert.

Diesmal trennte sie ihre Körper telekinetisch und er taumelte zurück. Nur, um böse aufzulachen. Im nächsten Augenblick teleportierte er, berührte sie und Ailia fand sich unter ihm auf dem Bett wieder. Sein Knie drängte zwischen ihre Beine und er fing ihre Hände, als sie nach ihm schlug.

„Ich will das nicht, Trev!“, stieß sie hervor. Sie wollte es wirklich nicht, weil sie wusste, wie es enden würde. Wie es jedes Mal endete. Damit, dass sie den Mann nie wieder sehen wollte. Und genau das bezweckte er damit. Sie beide dazu zu bringen, einander zu vergessen. Die Abneigung wieder aufleben lassen...

„Es ist mir egal, Luzy“, sagte er. „Ich will nicht den Rest meines Lebens damit zubringen, von dir zu träumen...“ Er fixierte ihre Hände über ihrem Kopf und Ailia schloss die Augen, als seine zweite Hand über ihren Körper strich. Entgegen ihren Worten lehnte sie sich in seine Berührungen.

Wieder küsste er sie und seine Zunge stieß wild in ihren Mund. Noch immer hielt er ihre Hände über ihrem Kopf fest und Ailia sagte sich, dass sie ihn das nicht tun lassen sollte. Doch irgendwo in ihrem Kopf setzte sich der Gedanke fest, dass er Recht hatte und sie fühlte sich elend.

„Komm schon, Luzy“, flüsterte er heiser. „Küss mich und lass es uns einfach noch ein letztes Mal genießen.“

Sie schüttelte wild den Kopf und eine Träne rollte ihre Wange hinab. „Ich will nicht, Trev... ich will nicht, dass es so endet...“

Seine Hand öffnete langsam die Knöpfe ihrer Bluse und er fühlte ihr Zittern, als seine Finger über die nackte Haut ihres Bauches strichen. „Ich will nicht, dass es so weiter geht“, knurrte er gereizt. „Dich sehen und wissen, dass ich dich nicht anrühren kann...“ Seine Lippen glitten über ihren Hals. „Und du weißt es genau so, sonst würdest du mich das nicht tun lassen...“

Er gab ihre Hände frei, als er sich den Weg ihren Körpern abwärts küsste, bis er am Bund ihrer Hose ankam, doch Ailia rührte sich nicht. Auch nicht, als er die Knöpfe der Hose öffnete und sie mitsamt dem Slip ihre Beine hinab streifte. Sie hatte die Augen geschlossen und wünschte sich eine andere Lösung. Dann spürte sie seine Lippen an der Innenseite seiner Schenkel und fuhr endlich hoch.

„Nein!“, schrie sie fast hysterisch. „Ich will nicht, Trev. Ich will nicht!“ Tränen liefen aus ihren Augen und sie schlug blindlings nach ihm.

Trevor warf sich auf sie. Sie wusste nicht, wann er seine Hose losgeworden war und sie schluchzte auf, als er zwischen ihre Beine drängte. Ihr Körper reagierte auf ihn, auch wenn ihr Verstand sich weigerte, sein Handeln zu begreifen. Sie traf sein Gesicht, ehe er es wieder schaffte, ihre Hände in seinen Griff zu bekommen. „Hasse mich, Luzy“, flüsterte er. „Ich komme mit deinem Hass besser klar.“

Ailia wollte ihn von sich stoßen. Sie besaß die Macht dazu, doch sie sah neben dem Zorn die Verzweiflung in seinen Augen, als er ihre Hände hinter ihrem Rücken fesselte und sich selbst gegen ihre Mitte presste. Ihre Zähne gruben sich in ihre Unterlippe. Das vertraute warme Gefühl der Erregung schoss durch ihren Körper und sie schluchzte wieder, als seine Zunge über ihre Wangen fuhr und die Tränen ableckte, die aus ihren Augen liefen.

„Es tut mir Leid, Luzy“, hauchte er gegen ihren Mund. „So Leid... Ich liebe dich.“ Seine Lippen pressten sich auf ihren Mund und Ailia weinte, als er mit einem einzigen Stoß in sie eindrang. Automatisch schlangen sich ihre Beine um seine Hüften und er ließ ihre Hände fahren, als er begann sich zu bewegen.

„Ich liebe dich auch“, flüsterte sie und schlang ihre Arme um seinen Hals. Wieder trafen sich ihren Lippen in einem Kuss, der von Verzweiflung geprägt war.

Trevor vergrub sein Gesicht an ihrem Hals, er hörte sie irgendwelche sinnlosen Worte flüstern, spürte ihr Zittern, während er wieder und wieder in sie stieß und sich wünschte, nie wieder damit aufzuhören. Ihre Tränen tropften von ihren Wangen, befeuchteten sein Gesicht und er hob den Kopf und küsste sie wieder, als würde er damit ihre Verzweiflung besiegen können. Seine Hand wanderte zwischen ihren Körper, er spürte ihre Abwehr und hob den Kopf.

„Komm für mich“, flüsterte er und wusste, dass es das letzte Mal war. Am liebsten wollte er genau so weinen wie sie.

Seine Finger pressten sich gegen sie und Ailia konnte nichts dagegen tun. Ihr Kopf flog zurück und ihre Hände klammerten sich um seinen Hals, als es in ihrem Kopf explodierte.

Und Trevor traf es wie ein Hammer.

Er stöhnte auf, als ihre Ekstase die Schranken zu ihrem Geist öffnete und er ihren Orgasmus spürte. Wirklich spürte. Es war nicht das, was er erwartet hatte, sondern etwas anderes, so vollkommen neues, das ihm einen Moment schwarz vor Augen wurde und sein Körper instinktiv reagierte.

Übergangslos vergrub er sich in ihr und kam, ohne dass er es schon wollte.

Er hörte Ailia unter sich nach Luft schnappen, dann verbanden sich ihre Gedanken in einem Taumel von Licht und Lust. Sie klammerten sich aneinander, schienen zu schweben und für einen langen Moment nahmen sie nichts anderes wahr, als die Schauer der Lust, die durch ihre Körper jagten und in ihren Köpfen kreisten.

In diesem winzigen Augenblick gab es keine Ailia und keinen Trevor mehr, keine Frau und keinen Mann, sie waren eins, verbunden in einem Gefühlssturm, den keiner von ihnen erwartet hatte.

Die Umgebung verschwamm zur Bedeutungslosigkeit, ging unter in einem Nebel, der ihnen die Sinne raubte. Bis sich die Lichter abschwächten, die Dunkelheit zurückkehrte und sie beide zurück in ihre Körpern gleiten ließ.

Allein.


**************

Es schienen Stunden vergangen zu sein, ehe Trevor es schaffte, den Kopf zu heben. Er lag noch immer auf Ailia, die genau so keuchte wie er und die Augen geschlossen hatte.

„Kannst du mir vielleicht sagen, was das jetzt war?“, brachte er schwach heraus.

„Lebe ich noch?“, stieß sie hervor, ohne die Augen zu öffnen.

„Ich weiß nicht.“ Er drehte den Kopf. „Sieht immer noch aus wie meine Kabine. Ich denke... du bist nicht ... tot. Oder wir sind es beide...“

Ailia stieß etwas aus, das vielleicht ein Lachen werden sollte. „Tolle Art zu sterben...“

Er antwortete nicht und Ailia schaffte es endlich, die Augen aufzumachen. Sie blinzelte, weil das helle Licht sie plötzlich blendete. Nur, um seinem breiten Grinsen zu begegnen.

„Luzy, du siehst einfach himmlisch aus...“, begann er und küsste sie sanft auf den Mund. Er stützte sich auf seine Ellenbogen.

„Ich fühl mich auch so...“, murmelte sie benommen und er kicherte wieder.

Sein Daumen strich über ihre Wangen. „Du solltest jetzt aufhören zu weinen“, erklärte er ernsthaft. „Es deprimiert mich.“

„Ich glaube nicht, dass ich auf irgendetwas, was ich im Moment tue, Einfluss habe...“ Sie fuhr sich über die Augen und strich sich die verschwitzten Haare aus der Stirn. „Ich glaube, dein Plan ist fehlgeschlagen, oder?“

Trevor sah aus, als würde er nie wieder aufhören wollen zu grinsen. „Ich denke, das ist das erste Mal, dass ich mich über ein missglücktes Vorhaben freue.“ Er rollte zur Seite und zog sie mit sich. „Luzy?“, fragte er dann gedehnt. „Habe ich schon erwähnt, dass ich das gerade toll fand?“

„Ich glaub schon“, brummte sie und kuschelte sich an ihn.

„Und dass ich nicht vorhabe, meine Finger von dir zu lassen?“ Er verschränkte die Hände hinter dem Kopf und grinste vergnügt zur Decke. „Warum waren wir eigentlich so blöd und haben das nie vorher ausprobiert?“

Ailia hob den Kopf und sah ihn mit hochgezogenen Augenbrauen an. „Weil ich dich nicht leiden konnte? Und du mich nicht?“

Er lachte. „Also, Luzy, *dafür* hätte ich sogar vergessen, dass ich dich nicht mag!“

Sie legte ihren Kopf wieder auf seine Brust. „Glaub ich nicht“, murmelte sie schläfrig und zeichnete mit ihrer Hand sinnlose Muster auf seiner Brust. „Das wird die anderen Mutanten überraschen... Das ist etwas, was ich nie erwartete hätte… nie…“ Sie lächelte verträumt. „Das war Wahnsinn.“

Trevor nickte. Dann strich er sanft über ihre Haare. „Ich möchte mit dir zusammen arbeiten“, sagte er leise. „Wir könnten Jim drum bitten. Wir wären ein super Team.“

„Sicher?“ Ailia schloss die Augen. Zum ersten Mal seit langer Zeit fühlte sie sich einfach nur zufrieden.

„Ja.“ Er spielte gedankenverloren mit einer ihrer Haarsträhnen. „Jim wird natürlich aus allen Wolken fallen und denken, dass wir ihn verarschen. Und uns dann erst recht mit einem Psychologen nerven...“

Ailia kicherte und hob noch einmal den Kopf. „Also ich denke, du solltest da wirklich hingehen. Das vorhin, das grenzte schon haarscharf an ein Jemanden-zum-Sex-zwingen...“

„Echt?“, tat er erstaunt. „Kam mir gar nicht so vor...“ Seine Finger fuhren über ihr Gesicht und dann über ihre Lippen. „Ich denke, dann musst du mitgehen. Weil es dir gefallen hat...“

„Ich habe geweint“, stellte sie klar.

Er lächelte leicht und sagte nur. „Ja, hast du.“ Mit einer schnellen Bewegung drehte er sie und beugte sich über sie. „Ich möchte, dass du nie wieder Grund hast zu weinen“, flüsterte er und hauchte einen Kuss auf ihre Lippen. Seine Zunge fuhr über ihre Wange in Richtung ihres Ohres. Ailia seufzte leise, als er ihr Ohrläppchen zwischen die Zähne nahm. Dann ließ er es los und wisperte. „Ich möchte, dass du nie wieder verzweifelt bist und weinst, weil du denkst, es ist das letzte Mal...“

Und Ailia lächelte und schlang ihre Arme um seinen Hals.
 



E n d e

 

1 - ESP - Abkürzung für "extrasensory perception" (außersinnliche Wahrnehmung); Sammelbegriff für alle paranormalen Fähigkeiten wie Telepathie, Wahrträumen, Voraussehen, die bereits heute in Ansätzen nachweisbar sind. Der Begriff umfasst nicht die in der Science Fiction geschilderten Mutantenfähigkeiten der Teleportation, Telekinese usw. ESP beschränkt sich auf die in Träumen visualisierte Wahrnehmung von Dingen oder Geschehnissen, die mit normalen menschlichen Sinnen nicht erfassbar sind. Menschen, die über derartige Begabungen verfügen, werden Esper genannt. Ihre Tätigkeit wird als espern bezeichnet. (Zitat: Perry Rhodan Lexikon)

In der Science Fiction wird der Begriff Espern auch im Zusammenhang mit den dargestellten Mutantenfähigkeiten verwendet.

 

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