D i e P r i n z e s s i n

Ailia/Trevor
Fantasy
ab 18
beta by Indiansummer
Ailia, Prinzessin von Avalon, deren Heirat in 3 Wochen stattfinden soll, gerät zusammen mit ihrer Zofe Annabell in die Hände eines Piratenraumsschiffs; da Ailia den ihr bis dato noch unbekannten Mann eigentlich gar nicht heiraten will, schließt sie einen Pakt mit den Piraten über die Höhe des Lösegeldes mit der Bedingung ab, dass man sie erst nach dem Hochzeitstermin ausliefert...
Teil 1 Teil 2 Teil 3 Teil 4 Teil 5 Teil 6 Teil 7 Teil 8 Teil 9 Teil 10 Teil 11
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„Ann!“ Ailia klang genervt. „Davon, dass du die Kleider jeden Tag herausholst, kommen wir auch nicht eher an.“
Annabells Augen leuchteten, während ihre Finger über den edlen Stoff strichen. „Ich bin so aufgeregt, Luciana.“
„Ich muss heiraten, nicht du“, knirschte Ailia durch die Zähne. „Und ich will diese blöden Kleider nicht mehr sehen, bis wir angekommen sind.“
Sie war wütend. Obwohl sie jeden Tag ihres Lebens darauf vorbereitet worden war. Sie würde heiraten und damit das Reich ihres Vaters vergrößern. Ehen zwischen Königen wurden nur aus solchen Gründen geschlossen.
Und Ailia, als Tochter des Monarchen Avalons, kannte ihre Pflicht. Das hieß nicht, dass sie sich darüber freute und so aufgeregt war wie ihre Zofe Annabell. Ailia wusste genauso, dass sich nach der Heirat nicht sonderlich viel in ihrem Leben ändern würde, außer dass ihr Mann ab und zu gewisse Ansprüche an sie stellen würde.
Sie grinste im Stillen. Ihr sarkastisches und freches Mundwerk traf im seltensten Fall auf Gegenliebe und ihr Mann würde da keine Ausnahme bilden. Es sei denn, er war wirklich gut in dieser Hinsicht, aber dann hätte Ailia ja auch keinen Grund sich zu beschweren.
Allerdings nahm sie es nicht an. In den ganzen Jahren, die seit der ernüchternden Erfahrung ihres ersten sexuellen Erlebnisses vergangen waren, war ihr nicht ein einziger Mann begegnet, der ihren Ansprüchen genügte. Und das waren beileibe nicht wenige, schließlich war sie Prinzessin von Avalon und niemand wagte es, ihre Wünsche in Frage zu stellen.
Aber leider war Ailia nicht nur eine Prinzessin, sondern eine Mutantin und das war eigentlich der Hauptgrund, aus dem sie jegliche tiefer gehende Beziehung ablehnte. Sie würde ihrem baldigen Ehemann nur raten, das zu akzeptieren.
Annabell ließ sich von ihrem bösen Gesicht nicht die Laune verderben. Sie kannte Ailias Dilemma, aber sie war der Ansicht, eine Prinzessin aus dem Haus der el Tek’aro müsse in ihrem Leben einige Abstriche machen, da sie eine gewaltige Verantwortung für ihr Volk trug. Vor allem Ailia als älteste Tochter. Sie wusste, dass Ailia sehr viel lieber die jüngere Tochter wäre und all die Verantwortung auf Eirenes Schulter gelegt hätte.
„Es wird eine Traumhochzeit“, erklärte sie und strahlte Ailia an.
„Sicher“, murmelte Ailia missmutig. „Aber da ich meinen Traumprinzen noch nicht einmal kenne, muss ich dir jetzt nicht zustimmen, oder?“
„Ihr solltet wenigstens einmal versuchen, freundlich zu schauen“, versuchte Annabell sie zu besänftigen. „Ich wette, er wird sich auf der Stelle in Euch verlieben.“
„Ann! Das hier ist das Leben und keins deiner Bücher! Im Leben werden keine Träume wahr.“
Annabell lächelte weiter und Ailia kam zu der Ansicht, dass die junge Zofe viel besser in ihre Rolle passen würde als sie selbst. Annabell hatte ein Gesicht wie ein Engel, große blaue Augen, ein schmales Gesicht umrahmt von langen blonden Locken. Und Annabell schaute genau so unschuldig und naiv wie sie auch war.
An Ailias Seite bekam sie viel von dem, was Ailia tat, mit. Doch durch ihre Stellung als Zofe der Frau, mit der sich niemand zweimal anlegte, genoss sie einen Schutz wie keine andere Bedienstete.
Und Annabell war eine Träumerin. Sie verschlang einen Schundroman nach dem anderen und war der Meinung, im normalen Leben würden derartige Schicksale genauso warten.
Ailia dagegen, vor allem durch die Mutation ihrer Sinne beeinflusst, die sie in den Gedanken anderer Menschen lesen ließ, schaute mit beißendem Sarkasmus in die Welt. Sie hasste ihr Leben als Tochter des Monarchen von Avalon, sie hasste das Leben am Hof mit all seinen Intrigen und sie hasste es, mit einem Menschen verheiratet zu werden, von dem sie nur den Namen kannte, aber keine Lust hatte, sich ihn zu merken.
Seit einer Woche waren sie in dem kleinen Privatgleiter zum Planeten Gemlandor unterwegs, auf dem Prinz Wie-auch-immer-er-hieß auf sie wartete. Vierzehn Tage später sollte die Hochzeit stattfinden. Ihre Eltern und der Rest des Hofes würden nachreisen, aber Ailia sollte wenigsten vierzehn Tage Gelegenheit haben, um ihren zukünftigen Mann kennen zu lernen und er natürlich sie.
Bei diesem Gedanken verzog Ailia spöttisch den Mund. Entweder ihr Verlobter hatte schon von ihr gehört oder er würde eine nette Überraschung erleben. Viele Menschen unterschätzten sie. Sie war nicht viel größer als Annabell, aber vom Typ her das komplette Gegenteil. Wo Annabell leuchtete und jeden sofort für sich einnahm, schreckte Ailias Blick aus schwarzen Augen, der jeden zu sezieren schien, zurück.
Die dunklen Locken fielen lose, ohne sie in eine der modischen Frisuren zu zwängen, über ihren Rücken und umgaben sie mit einen Hauch von Wildheit, der zusammen mit dem Feuer in ihren Augen so gar nicht zu einer Prinzessin zu passen schien. Wenn Ailia ihren Mund öffnete und ihren Gesprächspartner schonungslos mit ihrer Meinung konfrontierte, vergaß jeder ihr eigentlich hübsches Gesicht. Ailia wusste das und es machte ihr Spaß, andere zu schockieren.
Jetzt allerdings war sie selbst mehr als genervt, klimperte gelangweilt auf der Computertastatur herum und versuchte, sich mit einem Spiel abzulenken.
„Oh Gott!“ lenkte Annabells Ausruf sie ab. „Was ist das?!“
Ailia hob den Kopf und folgte Annabells Blick auf den Ortungsbildschirm. „Ein anderes Raumschiff. Na und?“
„D-Das ist e-ein P-Piratenraumschiff...“, stotterte die junge Zofe.
Ailia verdrehte die Augen. „Kipp jetzt bloß nicht um“, murmelte sie genervt, da sie Annabells Vorlieben für theatralische Auftritte kannte. Missmutig stand sie auf und musterte die Anzeigen auf dem Schirm. Interessant. Ein Pirat.
„Luciana, bitte tut etwas“, flüsterte Annabell ängstlich.
In diesem Moment traf der Funkspruch ein und eine unpersönliche Stimme teilte ihnen mit, dass ihre kleine Jacht im Kreuzfeuer des Raumschiffs lag und forderte sie auf, sich bedingungslos zu ergeben.
„Das ist nur ein Beiboot“, erklärte Ailia.
Annabell hauchte: „Die haben unser Hoheitszeichen auf der Jacht gesehen. Bitte, Luciana, Ihr könnt sie abwehren.“
Ailia wusste, worauf sie anspielte. Die Waffen ihrer Jacht hatten gegen das andere Schiff keine Chance, aber Ailias telekinetische Kräfte würden jeden Piraten, der es wagte, ihr Schiff zu betreten, überraschen.
„Luciana?“ Annabells sah sie mit großen ängstlichen Augen an.
Ailia beachtete sie nicht, sondern musterte mit schmalen Augen den Schirm. „Wir warten“, sagte sie dann ruhig und Annabell sank mit einem Seufzer in den Stuhl.
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„*WAS* habt ihr getan!??“ Trevor fuhr herum und starrte seinen Offizier Takvoll Shendor fassungslos an.
Dieser grinste nur vergnügt. „Trev, wir konnten nicht widerstehen. Das war die Jacht einer waschechten Prinzessin! Weißt du, was da für Lösegeld herausspringt?“ Er winkte dem zweiten Mann, die beiden Frauen in den Raum zu bringen. „Und süß sind sie beide, glaub mir. Die Blonde sieht aus wie ein Engel und wie eine Prinzessin aus dem Märchenbuch.“
Trevor verschränkte mit einem ungerührten Gesichtsausdruck die Arme vor der Brust. Natürlich nannten sie sich Piraten. Natürlich waren die meisten ihrer Geschäfte jenseits der Legalität. Aber ein Schiff zu überfallen und die Passagiere kidnappen war etwas anderes. Allerdings sagte er sich, dass Geld in Adelsfamilien nie ein Problem war und sie für das Wiedersehen ihrer Töchter sicherlich eine Stange bezahlen würden.
Die beiden Frauen wurden in den Raum geschoben. Trevor sah, dass man ihnen die Hände auf dem Rücken gefesselt hatte und er fand, dass die Blonde wirklich wie ein Engel aussah, allerdings wie einer, der gleich in Ohnmacht fallen würde.
Die Dunkelhaarige dagegen erwiderte seinen Blick, ohne mit der Wimper zu zucken, ja sie schien ihn sogar recht abschätzend zu mustern.
„Schon allein ihr Schiff ist ein Vermögen wert“, erklärte Takvoll eifrig.
„Hast du schon erfahren, wen du hier eigentlich gekidnappt hast?“ erkundigte Trevor sich spöttisch.
„Die Jacht stammt vom Planeten Avalon. Ich nehme an, die beiden Ladys hier werden uns schon helfen, damit sie wieder heil und gesund in ihre Heimat zurückkommen.“ Takvoll lächelte Annabell verzückt an. „Aber vielleicht gefällt ihnen auch unsere Gesellschaft? Ich meine, ich habe noch nie eine Prinzessin getroffen...“
Annabell starrte ihn mit panisch geweiteten Augen an, und dass Takvoll einen Schritt auf sie zumachte war zuviel. Mit einem Seufzer sank sie zu Boden.
„Gott, Ann!“ schimpfte Ailia. „Du musst dir endlich abgewöhnen, andauernd in Ohnmacht zu fallen. Das ist lästig!“
Takvoll war blass geworden und beugte sich besorgt über die junge Frau. Er hob sie hoch und legte sie auf das Sofa, das an einer der Seiten des Zimmers stand. „Sie sieht aus wie ein Engel“, murmelte er fast verträumt.
„Sie ist ein Engel!“ fauchte Ailia. „Und komm ja nicht auf den Gedanken, sie mit deinen Fingern anzufassen!“
Trevor beobachtete den Disput amüsiert. „Mit wem haben wir denn nun das Vergnügen?“ erkundigte er sich noch immer spöttisch.
Ailia fuhr herum und funkelte ihn an. „Mein Name ist Ailia Luciana el Tek’aro, Prinzessin von Avalon.“
"Uh, Tak“, machte Trevor. „Ich glaube, dein Engel ist nicht die Prinzessin.“
„Natürlich ist sie es nicht“, erklärte Ailia gereizt. „Sie ist meine Zofe Annabell. Scher dich endlich weg von ihr!“ giftete sie den großen blonden Mann an, der sie jetzt fassungslos musterte. Ailia wandte ihre Aufmerksamkeit wieder dem Mann zu, der ihrer Meinung nach hier das Kommando führte. „Was wollt ihr? Lösegeld?“
Er verzog keine Miene. Die meisten Männer fühlten sich in Ailias Gegenwart etwas eingeschüchtert, vor allem, wenn sie sie derart anherrschte. Dieser hier musterte sie nur gelassen, als würde er sich innerlich über sie amüsieren. Das gefiel ihr überhaupt nicht.
Völlig unbewusst, weil sie das immer tat, griffen ihre mentalen Fühler hinaus zu seinen Gedanken, um die Lage und seine Absichten einzuschätzen. Und zum ersten Mal in ihrem Leben traf sie nur auf eine schwarze Leere.
Sie musste mit aller Gewalt ein erschrockenes Zusammenzucken vermeiden und als sie sah, dass er fragend seine Augenbrauen hob, erkannte sie ihren Fehler. Plötzlich wusste sie, dass er sie gespürt hatte. Ein Mutant?
Trevor hatte es bemerkt. Im Gegensatz zu Ailia war er schon anderen Mutanten begegnet und wusste genau, wie es sich anfühlte, wenn jemand Verbindung zu seinen Gedanken aufnehmen wollte. Eine mutierte Prinzessin. Es wurde immer interessanter. Für einen kurzen Augenblick sah er das zornige Funkeln in ihren Augen verschwinden, dann hatte sie sich wieder unter Kontrolle.
„An wie viel Lösegeld hast du denn gedacht, Tak?“ fragte er, ohne Ailia aus den Augen zu lassen.
„Sind 100.000 Galax zuviel?“ Takvoll hockte noch immer neben der bewusstlosen Annabell. „Ihr ist doch nichts Ernsthaftes passiert, oder?“
Ailia verzog den Mund. „Sie fällt andauernd in Ohnmacht. Und sie wacht auch wieder auf“, erklärte sie gelangweilt.
„Tak“, sagte Trevor plötzlich. „Setz sie wieder in ihre Jacht und schick sie heim. Wir werden uns nicht mit Kidnapping beschäftigen.“
„Was? Aber... das Geld?“ Takvoll konnte es nicht fassen und Ailia runzelte die Stirn.
„Auf diesem Schiff befinden sich nur Männer“, fuhr Trevor ihn eisig an. „Du benimmst dich jetzt schon wie ein liebeskranker Trottel. Ich werde nicht zusehen, wie sich meine Leute in Idioten verwandeln, nur weil eine blaublütige Prinzessin sie anlächelt. Raus mit ihnen!“
Takvoll schluckte.
Ailia grinste fast vergnügt. „Also das hätte ich jetzt nicht besser formulieren können.“ Dann sah sie Trevor abschätzend an. „Könnte ich vielleicht mal unter vier Augen mit dir reden?“
Trevor ließ sich nicht anmerken, ob ihn ihre Dreistigkeit, ihn einfach zu duzen, störte. „Ich wüsste nicht worüber“, gab er knapp zurück.
„Vielleicht über 100.000 Galax?“ erkundigte sie sich spitz.
„Ich will sie nicht.“
„Hör es dir doch wenigstens an“, bat Takvoll, während sein Blick noch immer an Annabell hing.
Trevor sagte nichts mehr, sondern bedeutete Ailia nur kurz mit einem Nicken, ihm zu folgen. Der Nachbarraum war kleiner und wahrscheinlich sein persönliches Arbeitszimmer. Er lehnte sich an den Tisch. „Und?“
„Könnte man mir vielleicht die Fesseln abnehmen?“ Ailias Blick wanderte gelangweilt durch das schmucklose Zimmer.
„Komm zum Thema, Prinzessin“, sagte er nur kühl.
„Ich garantiere euch das Fünffache der Summe.“ Ailias Augen hatten die Musterung des Zimmers beendet und fixierten den dunkelhaarigen Mann. „Mit einer Bedingung.“
„Nun bin ich aber gespannt.“ Trevor grinste spöttisch. Wenn sie sich über ihn lustig machte, würde er ihr ihren kleinen süßen Hals umdrehen.
„Ich möchte, dass ihr uns mindestens einen Monat auf diesem Schiff festhaltet.“
Das war das allerletzte, was er erwartete hatte und sie sah nicht aus, als würde sie einen Witz machen. „Warum?“
„Ich glaube nicht, dass dich das etwas angeht“, erklärte sie fröhlich. „Nimm an oder lass es.“
Er stieß sich vom Tisch ab und kam langsam auf sie zu. Sie wich noch immer nicht zurück, sondern musterte ihn genauso unverfroren wie er sie. „Ich glaube, du unterschätzt deine Lage“, sagte er leise. „Es ist nicht an dir, Bedingungen zu stellen.“
„So?“ Ailia lachte auf. „Ich glaube mich zu erinnern, dass du uns einfach wieder in unser Schiff stecken wolltest?“
„Vielleicht habe ich es mir anders überlegt?“ Er blieb vor ihr stehen und Ailia stellte ärgerlich fest, dass sie zu ihm aufsehen musste. Allerdings rührte sie sich zu seinem Erstaunen noch immer nicht. Auch nicht, als er seine Hand hob und unter ihr Kinn legte. „Prinzessin, vielleicht habe ich doch eine Verwendung für Frauen auf diesem Schiff?“
„600.000?“ fragte Ailia, ohne mit der Wimper zu zucken.
„Warum?“ Sie starrte ihn noch immer einfach an und plötzlich fühlte er so etwas wie Respekt vor ihrem Mut. Er ließ ihr Kinn los. „Warum, Prinzessin? Dann denke ich darüber nach.“
Ailia zuckte mit den Schultern. Sie hatte schließlich nichts zu verlieren. „Meine Jacht war auf dem Weg nach … das geht dich nichts an. Ich sollte dort Prinz Sowieso treffen und in drei Wochen heiraten.“
Jetzt lachte Trevor. „Du weißt seinen Namen nicht?“ Und beobachtete amüsiert, wie ihre Augen Funken zu sprühen schienen. Diese kleine Prinzessin hatte Feuer. Zu einem anderen Zeitpunkt, in einer anderen Lage hatte es ihn gereizt. Heute sah er mehr die Umstände, die ihre Anwesenheit auf seinem Schiff hervorrufen würde.
„Ich kann mir schließlich nicht alles merken“, erklärte sie würdevoll.
Er verschränkte die Arme. „Und was ändert sich, wenn du dort nicht aufkreuzt?“
„Die Hochzeit wird verschoben. Mindestens um ein halben Jahr. Vielleicht um ein ganzes.“
„Das ist dir 600.000 Galax Wert?“ konnte er sich nicht verkneifen, ungläubig zu fragen.
„Nimm an oder lass es“, wiederholte sie. „Der Rest ist mein Problem. Ich bin schon der Meinung, dass 600.000 Galax euch das Leben sehr viel leichter machen.“
Sie hatte Recht. Zumindest könnte er noch eine Weile seinen eigenen Interessen nachgehen. Trevor sank wieder auf die Kante des Tisches. „Dies hier ist kein Vergnügungsschiff für verwöhnte Prinzessinnen.“
„Wie konnte mir das nur entgehen“, spottete Ailia.
„Ich habe das vorhin ernst gemeint. Meine Männer sind nicht gewöhnt, Frauen auf dem Schiff zu haben und schon gar nicht welche in einem derartigen Aufzug“, fuhr er fort, ohne auf ihren Spott einzugehen.
Ailias Augen verengten sich, als sein Blick abschätzend über ihr Kleid wanderte und an dem großzügigen Dekollete hängen blieb. „Wer ist denn auf diesen Schwachsinn mit dem Lösegeld gekommen? Ich doch wohl nicht.“ Sie musterte ihn genauso abschätzend. „Ich denke, 600.000 Galax können jeden Mann dazu bringen, seine Triebe für eine kurze Zeit unter Kontrolle zu halten, oder?“
Trevor lachte. Langsam fing sie an, ihm zu gefallen. „Sicher. Schließlich möchten wir Prinz Wie-er-auch-heißen-mag seine Gemahlin so unberührt übergeben, wie er sie erwartet, oder?“
Unberührt? Sicher doch. „Heißt das, ja?“ fragte sie nur.
Er sah sie noch immer überlegend an. „Über welche Fähigkeiten verfügst du? Außer der Telepathie?“
Damit hatte er sie kalt erwischt. Zum ersten Mal in ihrem Leben schaffte es Ailia nicht, sofort zu antworten, sondern sah sogar recht fassungslos aus.
„Überrascht, Prinzessin?“ fragte er sarkastisch.
„Spielt es eine Rolle?“ stieß sie dann hervor.
„Ich denke schon. Du könntest mehr Ärger machen, als du wert bist.“ Er stand wieder auf und kam auf sie zu. „Du hast von Anfang an solch einen Deal im Hinterkopf gehabt? Deshalb hast du dich einfach gefangen nehmen lassen?“
Sie presste die Lippen aufeinander. „Möglich.“
„Vielleicht war es ein Fehler, Prinzessin“, sagte er sanft.
Sie hatte ihn unterschätzt. Und es war ihr spätestens in dem Moment klar, als es in seiner Hand silbern blitzte, ein flimmerndes Energiefeld sie einhüllte und es schwarz vor ihren Augen wurde.
Ailia erwachte mit einem Dröhnen im Kopf und verfluchte im selben Moment ihre eigene Dummheit. Als sie die Augen öffnete und das grelle Licht auf sie einstürmte, kam wieder ein, diesmal lauter Fluch, über ihre Lippen und sie schloss die Augen schnell wieder.
„Luciana“, rief eine angstvolle Stimme neben ihr. „Oh Gott, Ihr seid wach. Luciana, bitte wacht auf.“
Ailias Hand fuhr zu ihrer Stirn und sie rieb sich den brummenden Schädel. Unbewusst nahm sie wahr, dass sie auf etwas Weichem lag, wahrscheinlich eine Couch oder ein Bett und dann traf es sie wie ein Schlag und sie riss ruckartig die Augen auf.
Ihre mentale Wahrnehmung, an die sie von Kindesbeinen an gewöhnt war, war verschwunden.
Sie fuhr hoch und sah sich fast orientierungslos um. Verfluchte Scheiße!
„Sieh an, unsere Prinzessin ist wieder erwacht.“
Die spöttische Stimme weckte wieder all ihre Erinnerungen und Ailia musste einen Moment lang den Drang bezwingen, einfach aufzustehen und ihm ins Gesicht zu schlagen.
„Luciana, geht es Euch gut?“ Annabell hockte neben ihr und hielt ihre Hand. „Er... er hat gesagt, es wäre möglich, dass Ihr Euch etwas unwohl fühlt und vielleicht... etwas wütend seid?“
Etwas???!!!
Ailia sah sich um. Man hatte sie dem Anschein nach in eine der freien Kabinen gebracht und auf die Couch gelegt. Ihr eisiger Blick jagte Annabell einen gehörigen Schrecken ein und sie ließ ihre Hand los. Ailia ignorierte den hämmernden Schmerz in ihrem Kopf und setzte sich.
„Ich verlange eine Erklärung“, forderte sie kühl und bemerkte plötzlich den silbernen Reif an ihrem Handgelenk.
Trevor hatte ihren Blick bemerkt und lächelte amüsiert. „Ich denke, so ist eine Verhandlung sehr viel einfacher und... ungefährlicher.“ Er zog sich vergnügt einen Stuhl heran und setzte sich. „Ich lasse mich auf deine Forderung ein. Zu meinen Bedingungen.“
Annabells Blick wanderte zwischen ihnen hin und her. Ailia, die zum ersten Mal nicht einmal die Gedanken ihrer Zofe lesen konnte, fluchte erneut unterdrückt.
„Und die wären?“
„Ein Monat. Mit dem Mentalblocker. 700.000 Galax.“
Ailia starrte ihn an und er starrte zurück. „Du bist unverschämt“, zischte sie zwischen den Zähnen hindurch.
„Und du bist reich“, konterte er.
„Ich will, dass du Annabell gehen lässt.“
„Nein, Luciana“, fuhr Annabell auf und sank neben der Couch auf die Knie. „Ich lasse Euch niemals allein hier. Niemals. Egal, was passiert.“
„Ann.“ Ailias Gesicht wurde einen Moment weich, als sie in die großen blauen Augen ihrer Zofe schaute. „Ich werde nicht zulassen, dass dir etwas passiert.“
„Sie bleibt“, unterbrach Trevor ihr Gespräch und Ailias Kopf fuhr wieder zornig zu ihm herum.
„Was ist, wenn ich ablehne?“ erkundigte sie sich eisig.
Trevor stand auf und lachte. „Ich habe mir überlegt, dass ich keine Lust mehr habe, dir eine Wahl zu lassen, Schätzchen. Also gewöhnt euch an den Gedanken, den nächsten Monat hier zu verbringen.“ Er ging zur Tür.
Ailia sprang auf. Ihr Kopf protestierte und begann aufs neue zu dröhnen, doch sie ignorierte den Schmerz. Genauso wie Annabells erschrockenen Aufschrei.
Trevor drehte sich wieder um. Er beachtete Ailias zornigen Gesichtsausdruck gar nicht, sondern erklärte nur unbeteiligt. „Diese Tür dort führt in ein Nachbarzimmer, ähnlich diesem hier. Diese Räume stehen euch zur Verfügung. Ich denke, damit werden keine weiteren Probleme auftreten.“
Ailia hatte ihn erreicht und baute sich vor ihm auf. „Es reicht, wenn ich hier bleibe. Du kannst Annabell mit meiner Jacht zurück schicken.“
Trevor grinste ihr ins Gesicht. „Es ist nicht mehr deine Jacht, Prinzessin.“ Irgendwie fand er es herrlich, dass sie ihn immer noch dermaßen anfunkelte.
„Wenn Annabell irgendetwas passiert, geschieht hier ein Unglück!“ fauchte Ailia.
„Hör zu, Schätzchen“, erklärte Trevor ernst. „Ihr zwei werdet mein Schiff genau so unberührt verlassen, wie ihr es betreten habt.“ Annabell fing an zu husten und Ailia warf ihr einen scharfen Blick zu. Trevor runzelte kurz die Stirn und fuhr dann fort. „Und ich werde um 700.000 Galax reicher sein. Das ist der Deal. Er gefällt mir. Also, einen schönen Tag noch.“
Er wollte gehen, doch Ailia war noch nicht fertig. Trevor konnte kaum fassen, dass sie sich wirklich einfach in die Tür stellte und ihm den Weg versperrte. Komischerweise verspürte er keine Wut, eher Belustigung.
„Prinzessin, du solltest mich allerdings nicht reizen“, warnte er sie. „Sonst könnte ich mein Versprechen leicht vergessen.“
„Ich sterbe vor Angst“ antwortete sie frech. „Ich wollte wenigstens noch erfahren, wer uns hier eigentlich auf seinem Schiff festhält.“
„Oh!“ murmelte Trevor gespielt geknickt. „Ich habe mich noch nicht vorgestellt? Wie unhöflich von mir.“ Und er grinste wieder. „Trevor. Mein Name ist Trevor.“
„Trevor und weiter?“ bohrte Ailia.
„Nur Trevor.“
„Okay. Trevor ohne Nachnamen. Denkst du nicht, dass es recht langweilig ist, den ganzen Tag hier eingesperrt zu sein?“
Er zuckte mit den Schultern. „Ist nicht mein Problem, oder? Du wolltest hier bleiben.“
„Aber nicht als Gefangene!“
„So?“ Er machte plötzlich einen Schritt auf sie zu und Ailia hörte Annabell erschrocken nach Luft schnappen. „Was hattest du gedacht? Das wird jetzt glaube ich interessant.“
„Als GAST!“ knirschte Ailia zwischen den Zähnen hindurch, ohne ihm die Genugtuung zu geben und vor ihm zurück zu weichen. „Ein wenig Gastfreundschaft kann man für 700.000 Galax doch verlangen!“
„Du kannst gar nichts verlangen“, erklärte er freundlich. „Und du könntest nicht einmal etwas dagegen tun, wenn ich auf die 700.000 Galax verzichte und dich ganz behalten will.“
Annabell schluchzte auf, doch Ailia erwiderte nur ungerührt. „Dann wärst du ein Idiot.“
„Nun.“ Er hob seine Hand und fuhr mit den Fingern die Linie ihres Kiefers entlang. „Da wäre ich mir nicht so sicher.“
„Fass. Mich. Nicht. An!“ Ailia hatte noch niemanden erlebt, den ihre Wut so kalt ließ. Aber selbst jetzt sah sie in seinen grauen Augen nur ein amüsiertes Funkeln, so als würde er mit ihr spielen.
Dann schaute er über ihre Schulter zu Annabell und sagte. „Deine Zofe fällt gleich wieder um.“ Ailia stieß seine Hand zur Seite und er sah wieder in ihr Gesicht. „Natürlich werde ich euch keinen Monat hier einsperren. Aber zuerst werden wir die Weltraumbasis NEMESIS FIVE anfliegen und normale Kleidung für euch besorgen. Und jemanden, der die Gemüter meiner Männer beruhigt, wenn euer Anblick sie anheizt.“ Er grinste schon wieder so, dass ihm Ailia am liebsten ins Gesicht geschlagen hätte. „Falls du verstehst, was ich meine. Kann ich jetzt das Zimmer verlassen oder möchtest du, dass ich hier bleibe?“ erkundigte er sich süffisant.
Ailia trat wortlos zur Seite und starrte auf die Tür, die sich hinter ihm schloss. „Ich kann ihn nicht leiden“, sagte sie laut und drehte sich zu der immer noch bleichen Annabell um.
„Gott, Ann, setz dich.“
Ailia fiel neben ihr auf die Couch und schloss einen Moment die Augen. „Ich bin so eine Idiotin“, fluchte sie zwischen den Zähnen hindurch.
Annabell wagte weder zuzustimmen, noch etwas dagegen zu sagen. Und plötzlich lachte Ailia auf. „Aber ich werde in drei Wochen *nicht* heiraten!“
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Einen Tag später erreichten sie NEMESIS FIVE.
Obwohl Annabell Ailia beschwor, die Ruhe zu bewahren, begann Ailia den armen Mann auszuhorchen, der ihnen das Essen brachte, und sich ihnen schüchtern als der Koch Raphael vorstellte.
„Wohin fliegt das Schiff?“
„I-ich darf E-euch nichts erzählen, Eure Hoheit“, stotterte Raphael. „Der Captain hat e-es verboten. I-ich soll nur das Essen bringen.“
„Wir haben NEMESIS FIVE erreicht, ja? Was passiert jetzt?“ bohrte Ailia weiter.
„Bitte, Mylady. Ich muss jetzt gehen…“ Raphael zog sich mit einem Gesichtsausdruck zur Tür zurück, der sagte, dass er das Zimmer gewiss nicht wieder betreten wollte.
„Wo ist der verdammte Captain?!“ schrie Ailia hinter ihm her. Wütend setzte sie sich an den Tisch und musterte die Speisen, die darauf standen.
Annabell kicherte. „Er hat sich, glaube ich, eine ganze Menge Mühe gegeben. Es sieht richtig lecker aus.“
Ailia mäkelte trotzdem an allem herum und schimpfte nebenbei, dass es eine Unverschämtheit wäre, sie in dieses Zimmer zu sperren.
„Was hat er eigentlich an unseren Sachen auszusetzen?“ fragte Annabell plötzlich.
Ailia zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung. Vielleicht mag er keine Frauen in Kleidern.“
„Luciana, Ihr müsst vorsichtiger sein. Vor allem jetzt, da Ihr nicht auf Eure Paragaben zurückgreifen könnt“, begann Annabell zaghaft. „Ihr sorgt Euch immer um mich. Aber Ihr schwebt in ebensolcher Gefahr. Dieser… freche Mensch hat das schon richtig ausgedrückt.“
Ailia verzog den Mund. „Ann“, sagte sie sanft und wusste genau, dass Annabell die einzige Person war, die wusste, dass Ailia auch nett sein konnte. Manchmal. „Erstens glaube ich nicht, dass die Drohung ernst gemeint war. Er hat einfach versucht, mir Angst einzujagen. Und zweitens…“ Sie zuckte mit den Schultern. „Ist es nichts, womit man mir Angst einjagen könnte. So gut müsstest du mich doch jetzt kennen.“
„Sicher, Luciana, aber…“
„Nein, Ann“, schnitt ihr Ailia das Wort ab. „Du bist es, um die ich mir Sorgen mache. Und ich schwöre dir, ich werde jeden dieser Kerle erwürgen, der versucht, dich anzufassen. Oder bloß dumm anzusehen! Es sei denn, du willst es.“ Ailia grinste. „Ich habe dir ein Versprechen gegeben. Erinnerst du dich noch? Du bekommst den Mann für das erste Mal, den du wirklich haben willst. Dafür sorge ich.“
Annabell wurde rot. „Ja, ich erinnere mich.“
„Aber das wird kein Pirat sein“, stellte Ailia klar.
Ihr Gespräch wurde unterbrochen, weil die Tür aufging und Trevor in Begleitung seines ersten Offiziers den Raum betrat.
„Schon mal was von Klopfen gehört?“ fauchte Ailia gereizt.
„Piraten haben keinen Anstand“, antwortete Trevor vergnügt und setzte sich an den Tisch. Takvolls Augen hingen schon wieder nur an Annabell, die seinem Blick verlegen auswich. „Ich werde jetzt NEMESIS FIVE besuchen und all die Dinge besorgen, die ihr benötigt. Wäre gut, eine Liste anzufertigen. Und nebenbei. Die Unkosten dafür schlage ich natürlich noch auf die 700.000 drauf.“
„Besteht irgendeine Möglichkeit, dass ich mitkomme?“ erkundigte sich Ailia gezwungen höflich.
Trevor lachte. „Sehe ich wirklich so blöd aus?“
Ailia grinste plötzlich genauso vergnügt wie er. „Oh, ich stelle mir den Gedanken wirklich interessant vor. Wie du Kleidungsstücke für uns kaufst. Unterwäsche. Und all die anderen Dinge, die Frauen für ihre tägliche Hygiene oder ihre monatliche Hygiene brauchen.“ Sie sah, wie er die Kiefer aufeinander biss und ahnte, dass er noch nicht weiter als bis zu Kleidung gedacht hatte.
Takvoll verkniff sich mühsam ein Lachen, als er bemerkte, wie sein Captain und die Prinzessin sich fixierten. „Ich werde in der Zwischenzeit Lady Annabell Gesellschaft leisten“, versprach er eifrig, obwohl Annabell blass wurde und dann rot.
„Ich könnte jemand anders mit der Liste schicken“, knirschte Trevor zwischen den Zähnen hindurch.
„Ähm“, unterbrach ihn Takvoll Shendor. „Du wolltest noch zu Amanda wegen… der… Sache.“
„Ja!“ knurrte Trevor und sah Ailia wieder an. „Wenn du vorhast, abzuhauen, wird niemand dieses Band an deinem Arm entfernen können, ohne dass du die Hand verlierst. Und natürlich bleibt deine Annabell dann bei uns“, drohte er.
Ailia lachte und sprang auf. „Wann gehen wir?“
„Hast du vielleicht wenigstens ein Kleid, was nicht ganz so auffällig ist?“
„Gott!“ schimpfte sie. „Im Moment vermisst mich noch niemand. Ich sollte erst in einer Woche auf …“ Der Blick, mit dem er sie bedachte, sagte ihr, dass er sie niemals in diesem Kleid mitnehmen würde. Deshalb stand sie auf und ging zur Tür in das andere Zimmer, das sie als ihren Privatraum benutzte. „Ich sehe mal nach.“
Zehn Minuten später kam sie zurück und fand eine fürchterlich verlegen aussehende Annabell neben den zwei Männern am Tisch sitzen, von denen einer sie immer wieder in ein Gespräch verwickeln wollte. Trevor runzelte die Stirn, als er sie sah, sagte jedoch nichts. Dieses Kleid *war* bedeutend unauffälliger als das erste, aber er wusste jetzt schon, dass jeder sie anstarren würde und sich garantiert jeder an sie erinnern würde.
Ailia lehnte sich kurz zu Takvoll. „Ich warne dich. Sie *ist* eine Lady! Und wenn mir ein dummes Wort, eine dumme Bewegung zu Ohren kommt, werde ich…“ Sie wurde unterbrochen, weil Trevor einfach ihre Hand packte und sie hinter sich her zerrte. „Was soll das!“
An der Tür drehte sich Trevor jedoch noch einmal um. „Verführ sie nicht.“
„Du wirst sie auch nicht anfassen!“ wetterte Ailia, ehe die Tür sich hinter ihr schloss. „Lass meine Hand los!“ giftete sie ihn an.
Trevor stoppte abrupt und drehte sich zu ihr. „Ich nehme dich nicht mit, wenn du dich nicht normal benehmen kannst. Ich werde dich in dieses verfluchte Zimmer einsperren und es wird mir scheißegal sein, was ihr den ganzen Monat da drin macht. Klar? Oder ich werde dir den Hintern versohlen. Ich denke sowieso, das hat mal jemand versäumt zu tun.“
„Was?“ Ailia sah ihn an als hätte er den Verstand verloren.
„Klar?“
„Natürlich kann ich mich benehmen. Wenn ich von zivilisierten Menschen umgeben bin, die mir keine Fesseln anlegen, mich in Zimmer sperren und mir Prügel androhen…“
„Okay!“ Er drehte sie und schob sie in Richtung des Zimmers zurück.
„Stopp. Stopp. Stopp.“ Ailia bremste ihn und lächelte ihn an. „Alles okay. Ich werde mich benehmen.“
Trevor sagte sich, dass es wahrscheinlich ein verdammter Fehler war, speziell diese Frau auf sein Schiff zu nehmen. Auf der anderen Seite waren 700.000 Galax eine Menge Geld. Jedenfalls für ihn – im Moment - und seine Crew. Er sah sie misstrauisch an, weil dieses Lächeln fast unheimlich war. Dann nickte er schweigend und bedeutete ihr, ihm zu folgen.
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„Wohin fliegt dein Schiff überhaupt?“
„Das braucht dich nicht zu interessieren.“
Ailia sah sich neugierig um. Sie war noch nie auf einer Raumbasis gewesen, da niemals die Notwendigkeit bestand, in einer derartigen Institution Güter zu erweben oder einzutauschen. „Wie lange bist du ein Pirat?“
„Das geht dich auch nichts an.“ Trevor versuchte, die Blicke zu ignorieren, die Ailia trafen und fluchte innerlich erneut. Ohne Ailias Proteste zu beachten, zog er sie mit sich als erstes in eines der Damenbekleidungsgeschäfte.
„Kann ich Ihnen helfen?“ fragte eine Verkäuferin freundlich.
Trevor deutete auf Ailia. „Wir brauchen etwas Normales zum anziehen.“
„Ich sehe schon“, nickte die Verkäuferin.
„Hosen, am besten.“
„Hosen?“ Ailia klang, als würde er Witze machen. „Ich ziehe keine Hosen an.“
Trevor sah zur Verkäuferin. „Hosen, Hemden, T-Shirts, Unterwäsche, alles was sie haben will. Aber keine verdammten Kleider!“
„Kommen Sie mit, Fräulein.“ Die Verkäuferin zog eine völlig sprachlose Ailia mit sich, die einen Moment lang noch in Trevors Richtung starrte und er sich sagte, dass er diesen fassungslosen Blick wahrscheinlich nie vergessen würde.
Es dauerte zwei Stunden und fünf Kaffees für Trevor, ehe sie wieder kam. Im Nachhinein sagte sich Ailia, dass sie wirklich Spaß gehabt hatte. Nie in ihrem Leben wäre sie auf den Gedanken gekommen, Hosen zu kaufen, geschweige denn zu tragen, aber jetzt drängelte diese Frau sie ihr regelrecht auf. Und als sich Ailia im Spiegel betrachtete, begann sie zu kichern, weil sie sich vorstellte, wie ihre Eltern reagieren würden, wenn sie in diesem Aufzug in die Burg spazierte. Es würde reihenweise Ohnmachtsanfälle a la Annabell geben.
„Wollen Sie diese Hosen und das Shirt gleich anbehalten?“ erkundigte sich die Verkäuferin freundlich.
Ailia nickte. Sie benötigten noch einmal 30 Minuten, um die entsprechenden Dessous dazu auszuwählen, da ihr die Verkäuferin lächelnd erklärte, was sie üblicherweise unter ihren Kleidern trage, eigne sich auf keinen Fall für ihr derzeitiges Outfit.
Trevor sah hoch, als sie endlich aus dem Nachbarraum wieder hervorkam und schluckte. Nun ja, so gut war die Idee, sie in Hosen zu stecken, nun auch nicht. Allerdings sah sie jetzt wenigstens nicht mehr wie eine Prinzessin aus.
Ailia musste ihn natürlich noch extra reizen, indem sie sich vor ihm drehte. „Genügt dieses Outfit jetzt deinen Anforderungen?“ erkundigte sie sich spöttisch.
Die Verkäuferin kicherte und Trevor wies zähneknirschend an, wohin die gekaufte Kleidung gebracht werden sollte.
Nachdem er Ailia allein alle anderen „Dameartikel“ kaufen geschickt hatte und währenddessen vor dem Laden wartete, fluchte er wieder leise vor sich hin. Und diesmal verfluchte er Takvoll, da dieser ihn erst auf die Idee gebracht hatte, sich überhaupt auf eine Lösegeldsache einzulassen.
„So, ich bin fertig“, störte Ailia seine düsteren Gedanken.
„Jetzt schon?“ fragte er bissig. „Du wirst dich jetzt in dieses Café da drüben setzen und auf mich warten, klar?“
„Allein? Und du?“
„Ich werde jetzt meine Freundin Amanda aufsuchen und sie fragen, ob eins ihrer Mädels Lust hat, uns zu begleiten, damit meine Männer nicht über euch herfallen!“ fuhr er sie an. „Das Geld dafür geht natürlich auch auf deine Rechnung!“
„Du willst in ein Bordell?“ erkundigte sie sich neugierig. „Kann ich mit?“
„Nein!“ schrie er unbeherrscht.
„Ich habe noch nie ein Bordell von innen gesehen. Ich warte auch, wenn du noch kurz mit einer Frau aufs Zimmer verschwindest.“
„Nein!“ Trevor war mit seinen Nerven nun wirklich fast am Ende. Er wollte auf sein Schiff, diese Frau aus seinen Augen bringen und allein sein.
„Warum nicht?“ nervte sie weiter.
„Weil das kein Ort für Frauen wie dich ist!“ giftete er lauter als beabsichtigt.
„Ich falle nicht in Ohnmacht, glaub mir“, erklärte Ailia, ohne sich von seiner bösen Miene abschrecken zu lassen.
„Du bist eine verdammte Plage!“ Er wollte sie in Richtung des Cafés schieben, doch Ailia schlug seine Hand zur Seite.
„Ich könnte ausreißen“, argumentierte sie, als sie seinen zornigen Gesichtsausdruck sah.
„Und Annabell ihrem Schicksal überlassen?“ fragte er höhnisch. „Also ich denke, dann werde ich sie Tak überlassen.“
Ailias Augen verengten sich. „Wenn ihr irgendjemand ein Haar krümmt, werde ich dafür sorgen, dass ihr bis an euer Lebensende gejagt werdet! Ich werde erst Ruhe geben, wenn jeder Mensch auf diesem Schiff hinter Gittern steckt.“
„Vielleicht sollte ich dich auch einfach nicht gehen lassen“, meinte er gehässig. „Oder dich erst gehen lassen, *nachdem* ich dich ordentlich durchgevögelt habe?“
„Schon bemerkt, dass du mir keine Angst einjagst?“ giftete Ailia. „Alles, um was ich gebeten habe, ist ein Bordell von innen zu sehen! Ich weiß absolut nicht, warum du schon wieder vom Thema abweichst! Aber ich hätte mir denken können, dass Männer mit nichts anderem als einem Teil ihres Körpers denken!“
Sie sah tatsächlich nicht ängstlich aus. Trotz seiner Worte. Und das wunderte ihn etwas. Weil es bedeutete, dass sie entweder wirklich so unschuldig wie lebensmüde war oder seine Drohung sie wirklich nicht juckte. Was wiederum bedeutete, dass sie keineswegs so unschuldig war, wie er erst angenommen hatte, weil irgendwo in seinem Kopf der altmodische Gedanke kreiste, eine Prinzessin würde jungfräulich in die Ehe gehen.
„Also meinetwegen komm mit. Aber sag nicht, ich hätte dich nicht gewarnt“, knurrte er mürrisch. Und er verfluchte sich selbst, weil sie plötzlich lächelte und ihm dieses Lächeln gefiel.
Zwei
Stunden später waren sie endlich wieder auf dem Schiff.
Amanda, die Besitzerin des Bordells, war sehr erstaunt über Trevors weibliche
Begleitung gewesen und nachdem Trevor sie über Ailias Neugier aufgeklärt hatte,
wies Amanda eine der Frauen an, Ailia die Räumlichkeiten zu zeigen, damit sie
mit Trevor in Ruhe „verhandeln“ konnte.
Trevor hatte angenommen, ihr wenigstens damit einen Schreck einzujagen, aber sie
hatte ihn nur vergnügt angegrinste, gemeint, er könne sich ruhig Zeit lassen mit
dem „Verhandeln“ und war der jungen Frau gefolgt.
Dabei hatte Trevor tatsächlich und zu Amandas Bedauern nichts weiter im Sinn als
zu Verhandeln und nach Ailias Bemerkung über das Denken mit nur einem
Körperteil, schon gleich gar keine Lust auf etwas in dieser Richtung. Eigentlich
musste er sich eingestehen, dass er, wenn schon, nur eine einzige bestimmte
Person flachlegen würde und zwar bis dieses freche Grinsen aus ihrem Gesicht
verschwand. Er wies sich selbst zurecht und zwang sich, an die 700.000 Galax zu
denken, die ihm winkten, während er Amanda erklärte, um was es ging.
Amanda erklärte sich bereit, gegen Vorauskasse, eine ihrer Damen auf sein Schiff
zu schicken. Als Ailia von ihrer Besichtigungstour zurückkam, konnte sich Amanda
jedoch eine Bemerkung nicht verkneifen. Sie sagte es so leise, dass es Ailia
nicht hörte, aber in Trevors Gedanken schwirrte der Satz noch lange nach.
„Also, Trev, du kannst denken, was du willst, aber eine Jungfrau ist sie auf
keinen Fall mehr.“
Wieder im Schiff, konnte er sich auch nicht verkneifen zu fragen. „Wie war es?“
Und Ailia lächelte ihn wieder an. „Interessant.“
Ailias Lächeln verschwand schlagartig, als sie Annabells Zimmer betrat und ihre
Zofe mit hochroten Wangen auf der Couch sitzen sah. Takvoll saß auf dem Stuhl
und redete sicherlich schon seit Stunden auf sie ein.
„Tak, deine Ladystunde ist jetzt vorbei“, knurrte ein missmutiger Trevor von der
Tür her und war verschwunden, ehe Ailia eine Bemerkung hinter ihm herschicken
konnte.
Takvoll erhob sich und deutete so etwas wie eine Verbeugung auch in Ailias
Richtung an. „Es war mir ein Vergnügen, Prinzessin. Lady Annabell.“
Ailia starrte ihm vollkommen verblüfft nach und sah dann ihre Zofe an, die
verlegen lächelte.
„Er ist... nett“, sagte diese schüchtern.
„Er ist ein Pirat“, gab Ailia trocken zurück.
Doch dann registrierte Annabell, was Ailia trug und schlug sich die Hand vor den
Mund. „Oh Gott, Luciana! Ihr seid nicht in diesem Aufzug auf der Raumstation
gewesen, oder?“
„Gewöhn dich an den Anblick. Ich habe auch ein paar Hosen für dich gekauft.“
Ailia ließ sich auf die Couch fallen. „Eigentlich ist diese Kleidung sehr schön
luftig und bequem.“
„Ihr seht recht... nackt aus...“, brachte Annabell nur heraus.
„Ann! Diese Piraten müssen anderer Meinung sein. Trevor jedenfalls wollte
partout, dass ich diese Kleidung anlasse, nachdem wir sie gekauft hatten.“
Annabell wurde wieder rot. „Ich weiß schon, warum. Luciana, seid bitte
vorsichtig. Dieser Mann macht mir Angst. Tak ist nett, aber dieser Captain ...“
„Heh, Ann. Mach dir keine Sorgen um mich, ja? Mach dir lieber Sorgen darum, dass
du diesen Tak nicht zu nett findest.“ Ailia kicherte. „Und so schlimm ist Trevor
auch nicht. Er hat doch tatsächlich eine Prostituierte angeheuert, um seine
Männer zu beschäftigen, damit sie uns nicht belästigen.“
„Was?“ Annabell wurde noch röter. „Luciana, sagt jetzt bitte nicht, Ihr wart
dabei!“
„Ich habe darauf bestanden. Möchtest du Einzelheiten hören?“ Ailia lachte. Denn
genauso schüchtern wie Annabell war, genauso neugierig war sie.
*************
Ein Woche später...
Das Schiff, von dem Ailia jetzt wusste, dass es den Namen ARMAGEDDON trug,
befand sich auf dem Flug Wer-weiß-wohin und die Routine war an Bord wieder
eingekehrt.
Trevor hatte den beiden Frauen erlaubt, sich an gewissen Orten des Schiffes, wie
Kantine und den Freizeitdecks, frei zu bewegen, ihnen jedoch in der ihm eigenen
Weise nahe gelegt, keinen seiner Männer zu reizen. Diese hatten auch bis auf
Takvoll Shendor mehr die Tatsache zu verkraften, dass sich eine Prostituierte an
Bord befand, als dass sie eine Prinzessin interessiert hätte, die sowieso bloß
spöttische Bemerkungen von sich gab.
Ailia beobachtete mit gemischten Gefühlen, dass Annabell Gefallen an Takvolls
Gesellschaft zu haben schien. Der große blonde Mann ließ keinen Tag
verstreichen, an dem er nicht Annabell aufsuchte, um wenigstens ein paar Worte
mit ihr zu wechseln. Und Ailia verfluchte das Armband, das verhinderte, dass sie
seine Gedanken las und wissen konnte, was er vorhatte.
„Kein Mann ist ohne Grund nett“, erklärte sie Annabell ihre Theorie. „Er will
dich in seinem Bett.“
„Heißt das, wenn jemand nicht nett ist, wird er nie an so etwas denken?“ fragte
Annabell neugierig.
„Wie kommst du darauf?“
„Nun, dann weiß ich, warum Ihr vor Trevor keine Angst habt. Denn nett ist er
tatsächlich nicht.“ Annabell lächelte.
Ailia runzelte die Stirn. Sie hatte den dunkelhaarigen Captain seit ihrem
gemeinsamen Ausflug auf die Raumstation nicht mehr gesehen und konnte auch nicht
unbedingt sagen, dass sie ihn vermisste. „Ähm“, begann sie langsam. „So einfach
ist es nicht.“
„Nein?“
Ailia überlegte, was sie Annabell sagen sollte. „Im Normalfall wird ein Mann,
der dich in seinem Bett haben will, auch nett zu dir sein. Aber manchmal kann
Wut und Rage das gleiche Verlangen auslösen.“
„Dann ist es aber nicht sanft und zärtlich?“
„Ganz sicher nicht.“ Ailias Augen blitzten. „Aber manchmal hat es auch seinen
Reiz. Aber nicht für dein erstes Mal, Ann! Verstanden?“ Sie lehnte sich zurück
und verschränkte die Arme. „Du denkst mir neuerdings eindeutig zuviel darüber
nach. Das hat nichts mit einem blonden Mann zu tun, der dich immer so verträumt
ansieht?“
„Tut er das?“ hauchte Annabell und errötete schon wieder.
Ailia sprang auf. „Lass uns Essen gehen.“
Obwohl sie es bisher vermieden hatten, nahmen sie sich an diesem Abend vor, in
der Bordkantine zu speisen. Es war schon spät und zu Ailias Erleichterung
befanden sich nicht viele Menschen dort. Nun, sagte sie sich, da das Schiff mit
ca. 25 Mann Besatzung geflogen wurde, konnten es gar nicht so viel sein, denn
irgendjemand musste es ja steuern. Allerdings sah sie an Annabells Gesichtsfarbe
das zumindest ein ganz bestimmter da war, der dann auch rief:
„Ann!“ Und winkte.
„Ann?“ knurrte Ailia leise in Annabells Richtung.
Takvoll war aufgesprungen und kam auf sie zugeeilt. „Möchtest du dich an meinen
Tisch setzen, Ann?“ fragte er höflich und mit einem Seitenblick auf Ailia. „Ihr
natürlich auch, Prinzessin. Wenn... wenn Ihr möchtet?“
Annabell sah sie so bittend an, dass Ailia nicht das Herz hatte, es ihr
abzuschlagen. Das bedeutete natürlich nicht, dass sie sich an diesen Tisch
setzen musste. „Geh schon“, murmelte sie und warf Takvoll einen
Wehe-wenn-ich-Klagen-höre-Blick zu.
„Nein, Luciana“, sagte Annabell. „Ich möchte nicht, dass Ihr allein esst.“
„Ann!“ knirschte Ailia. „Scher dich zu diesem liebeskranken Trottel und sieh zu,
dass du einen netten Abend hast.“
Annabell warf einen erschrockenen Blick über ihre Schulter, lächelte Ailia dann
kurz an und eilte Takvoll hinterher.
„Liebeskranker Trottel?“ fragte eine spöttische Stimme hinter ihr. „Das waren
meine Worte.“
Ailia fuhr zusammen. „Verflucht!“ schimpfte sie und drehte sich um. „Ich hasse
es, erschreckt zu werden!“
„Scheußlich nicht?“ Trevor grinste. „Wenn man so daran gewöhnt ist, sich auf
seine parapsychischen Gaben zu verlassen und mit einem Mal so... hilflos ist?“
Er betonte das „hilflos“ mit einem so süffisanten Grinsen, dass Ailias Blut
schon wieder anfing zu brodeln.
Wieso machte eigentlich alles, was er sagte, sie so wütend?
„Sobald ich dieses Band los bin“, sagte sie leise. „Werde ich dich wenigstens
einmal ordentlich in den Hintern treten.“
Er lachte nur. „Uh. Ich sterbe vor Angst. Also, was ist, Prinzessin? Willst du
mit mir essen oder ist das auch unter deiner Würde?“
„Was wird das? Ein Versuch, freundlich zu sein?“ knurrte sie mürrisch.
Er hob nur die Augenbrauen und sie zuckte mit den Schultern. Obwohl sie keine
Lust hatte, Takvolls und Annabells Geflüster zu lauschen, aß sie eigentlich
nicht gern allein. Und Trevors Gesellschaft war immer noch besser als die eines
der anderen Männer auf dem Schiff. Weil er der Captain war. Ein Pirat, aber
immerhin der Captain.
Trevor grinste schon wieder, als sie ihm an einen der Tische auf der anderen
Seite des Raumes folgte.
„Ich mag dieses Grinsen nicht“, erklärte Ailia, als sie das Essen über die
Tischkommunikation bestellt hatte. „Es kommt mir vor, als würdest du mich
auslachen.“
„Ich lache nicht über dich“, erklärte er. „Ich finde es amüsant, dich zu
beobachten.“
„Ist da ein Unterschied?“ Ailia runzelte die Stirn. „Warum amüsant?“
„Du verhältst dich nicht so, wie ich mir immer eine Prinzessin vorgestellt habe.
Du bist unmöglich frech. Unverschämt. Nicht sonderlich freundlich. Diplomatie
ist bestimmt auch ein Fremdwort für dich, oder? Soll ich weitermachen?“ Er
lächelte, weil sie ihn plötzlich mit offenem Mund anstarrte. „Und nicht zu
vergessen, diese Neugier, ein Bordell von innen zu sehen. Ich denke, du bist
eine unmögliche verwöhnte Person. Süß, aber unmöglich.“
Ailia machte den Mund wieder zu und stützte ihr Kinn auf ihre Hand, während sie
ihn nachdenklich musterte. Der letzte Mann, der nicht einmal etwas entfernt so
Unverschämtes gesagt hatte, bereute das wahrscheinlich heute noch. Und dieser
hatte nur angedeutet, dass sich Ailia etwas herablassend verhielt.
Warum also blieb sie so ruhig? Ihre Augen verengten sich. Weil er mit ihren
eigenen Waffen zurückschlug: Spott. Ironie. Und Frechheit. Und sie ahnte
plötzlich, dass sie dieses Spiel sehr leicht verlieren konnte. Deshalb fragte
sie nur: „Süß?“
„Ich hatte ‚Heiß‘ sagen wollen. Wusste aber nicht, ob es dich schockiert“,
entgegnete er und das Grinsen wurde eine Spur schmutziger.
„Mich schockiert so schnell nichts“, entgegnete sie trocken.
„Willst du etwas trinken?“ Trevor tippte auf der Tastatur des Bestellsystems
herum.
„Das hier ist kein blödes Date! Wenn ich etwas trinken will, bestelle ich es“,
fuhr sie ihn an und sah plötzlich, wie Takvoll sich zu Annabell beugte und ihr
etwas ins Ohr flüsterte. „Wenn er Ann weh tut, wird er es bereuen“, sagte sie
gefährlich ruhig. „Sag ihm das.“
Sie schaute auf, als Raphael an ihren Tisch trat und eine Flasche Wein mit zwei
Gläsern vor Trevor hin stellte. „Schönen Abend noch, Chef“, sagte er grinsend.
„Essen kommt gleich.“
Trevor nickte, entkorkte die Flasche und goss die Gläser voll.
Ailia beobachtete sein Tun scheel. „Ich habe nicht gesagt, dass ich etwas
trinke.“
Grinsend drückte er ihr ein Glas in die Hand. „Komm, Prinzessin, lass uns auf
eine gute Zusammenarbeit anstoßen. Schließlich willst du noch drei Wochen unsere
Gegenwart genießen.“
„Du hast die Bedingungen geändert“, meinte sie spitz, nahm aber das Glas
entgegen. „Von wollen kann man jetzt nicht mehr reden.“
Er lachte leise, beugte sich zu ihr und stieß sein Glas an ihres. „Prost,
Prinzessin.“
„Ich trinke eigentlich keinen Alkohol.“ Ailia nippte kurz an dem Wein.
„Wie ist die korrekte Anrede für dich?“ wechselte er das Thema und unterdrückte
sein Schmunzeln. „Mit dem Titel?“
„Du machst das schon richtig“, erklärte sie gelassen. „Das ist mein Titel.“ Aber
sie wusste genau, dass er sich über sie lustig machte, wenn er sie spöttisch
‚Prinzessin‘ nannte.
„Dann sollte ich daran wohl etwas ändern. Nicht dass du noch verlangst, alle
sollen sich vor dir verbeugen oder vor dir niederknien? Oder dich mit Eure
Königliche Hoheit ansprechen?“
Diesmal war der feine Spott in seiner Stimme unüberhörbar und Ailias Augen
verengten sich. Egal, ob sie dieses Spiel verlieren konnte, sie wusste, darin
war sie eine Meisterin. Langsam drehte sie den Kopf zu ihm und lächelte fein.
„Ja, das würde auch passen. Das mit dem Niederknien, meine ich.“ Sie stellte ihr
Glas auf den Tisch und beugte sich zu ihm. „Das wäre schon eine angemessene
Position für dich.“
Trevor rührte sich nicht. Er sah das amüsierte Funkeln diesmal in ihren Augen
und plötzlich reizte es ihn. Sie reizte ihn. Weil sie ihn herausforderte wie es
noch nie eine Frau gewagt hatte. Natürlich sah sie auch toll aus, auf eine
dunkle gefährliche Weise, aber gut sahen viele Frauen aus. Bei ihr war es mehr
und dabei war er sich nicht einmal sicher, ob sie sich des Risikos bewusst war.
Mit einem Grinsen lehnte er sich nach vorn, bis sein Gesicht nur noch wenige
Zentimeter von ihrem entfernt war.
„Ich hätte dich lieber auf deinen Knien. Vor mir“, sagte er leise.
Ailias Augen blitzten kurz auf, aber sie rührte sich nicht, sondern hauchte
genau so leise. „Es wäre dasselbe. Du würdest betteln.“
Sie meinte es todernst. Schlagartig erschien ihm seine Hose furchtbar eng, als
die Hitze durch seinen Körper schoss.
„Würde ich?“ presste er hervor und wünschte sich, dass seine Stimme wenigsten
halbwegs normal klang. Dass dem nicht so war, sagte ihm spätestens das wissende
Lächeln, das ihre Lippen umspielte.
„Würdest du.“ Ailia lehnte sich wieder zurück und griff nach ihrem Glas, während
sie gelangweilt die anderen Menschen im Raum musterte. Bis ihr Blick an Annabell
und Takvoll hängen blieb. Ihr Kopf drehte sich wieder in Trevors Richtung und
für einen Moment stockte ihr Atem, als sie das Feuer in den grauen Augen sah.
Pirat, Ailia. Kidnapper. Eigentlich kein Grund, es nicht zu tun, oder?
Sie nippte an dem Wein und beobachtete dann wieder aus schmalen Augen Annabell.
„Ann *ist* so unschuldig wie sie aussieht“, sagte sie gedankenverloren. „Ich
werde nicht zulassen, dass ihr jemand weh tut.“
„Tak ist der Letzte, der jemandem weh tut. Und schon gar keiner Frau.“ Trevor
atmete tief durch, um die Erregung, die seinen Körper ergriffen hatte, unter
Kontrolle zu bekommen, und füllte sein Glas neu. „Also scheint es in
Adelskreisen nicht mehr üblich, jungfräulich verheiratet zu werden? Oder ist es
auch eine Spezialität von dir, Skandale zu provozieren?“
Ailia schenkte ihm einen eisigen Blick. „Ich bin Prinzessin von Avalon. Mir darf
niemand Vorschriften machen. Ich bekomme alles, was ich will.“ Sie machte eine
kurze Pause, ehe sie hinzu setzte. „Jeden, den *ich* will.“
Trevor musterte sie genau so kühl. „Weiß das auch der arme Kerl, den du heiraten
willst?“
„Keine Ahnung“, erklärte Ailia gelassen. „Ich kenne ihn ja nicht.“
„Du kennst ihn nicht?“
Sie schüttelte den Kopf. „Diese Ehe wurde von meinem Vater ausgehandelt. Sie
wird eine Verbindung zwischen der Monarchie meines Vaters, die ich erbe, und der
Monarchie meines Mannes darstellen.“
„Du weißt nicht einmal, wie er aussieht?“ Trevor klang jetzt wirklich
fassungslos.
„Nein. Sagte ich doch. Es spielt auch keine Rolle, denn ich werde ihn heiraten.
Daran kann ich nichts ändern.“ Sie grinste ihn von der Seite an. „Außer es ein
bisschen hinauszögern.“
Irgendwie hatte er plötzlich ein wenig Verständnis für ihre Handlung. Wenn ihm
700.000 Galax nur für einen Aufschub recht viel waren.
Als wäre ihr plötzlich wieder etwas eingefallen, drehte sie den Kopf und
musterte ihn wach. „Dieser Blocker?“ Sie deutete auf ihr Handgelenk. „Wie
funktioniert er?“
Trevor zuckte mit den Schultern. „Ich bin kein Physiker.“
„Wie wird er deaktiviert?“ fragte sie neugierig weiter.
Trevor runzelte die Stirn. „Mit einem Codewort, das vorher programmiert wird.“
„Also kann man ihn immer wieder aktivieren und deaktivieren? So wie man es
gerade möchte?“
„Sicher.“ Er wusste nicht recht, worauf sie hinaus wollte.
„Wie viel willst du für das Teil?“
„Schätzchen, das bleibt dran bis du das Schiff verlässt.“ Er schenkte ihr eins
seiner unbeschreiblichen Grinsen. „Was ist das für ein Gefühl, wenn man
plötzlich all seiner Kräfte beraubt ist?“
Ailia ging gar nicht auf das Grinsen ein. „Ich möchte es mitnehmen, wenn ich das
Schiff verlasse.“
Damit hatte er nun überhaupt nicht gerechnet. „Warum?“
Ailia trank einen Schluck aus ihrem Glas. Ihr Gespräch wurde unterbrochen, weil
Raphael das Essen brachte und vor ihnen auf den Tisch stellte. Trevor wartete,
bis der Mann verschwunden war.
„Warum, Prinzessin?“
„Über welche Kräfte verfügst du? Telepathie auf alle Fälle, oder?“ Ailia piekte
gelangweilt in dem Essen herum. Sie sah ihn langsam nicken. „Und? Hast du dir
nicht manchmal gewünscht, diese Gaben abschalten zu können? In bestimmten
Situationen?“
Trevor sah sie eine ganze Weile stumm an. „Du bist noch verrückter als ich
dachte“, sagte er dann langsam.
„So?“ fragte sie spitz. „Ich nenne es Selbstschutz.“
Trevor füllte ihr Glas neu. Er wusste genau, worauf sie anspielte. Es war für
einen Telepathen nicht immer leicht, mit Menschen zu verkehren, die ihre
Gedanken nicht verbergen konnten. „Vielleicht verkaufe ich es dir.“
„Vielleicht?“
„Nun ja, damit würde ich dir doch einen Gefallen tun, oder? Vor allem, wenn
Prinz Sowieso so gar nicht dein Geschmack ist.“ Er grinste sie über seinen
Teller schon wieder so unmöglich an, dass ihm Ailia am liebsten den Wein ins
Gesicht geschüttet hätte.
„Und?“
„Warum sollte ich dir einen Gefallen tun? Du bist nicht mal nett.“
„Weil ich dich dafür bezahle?“
Trevor lachte. „Mit Geld kann man nicht alles kaufen.“
„Dann behalte das Ding doch!“ fauchte Ailia und knallte die Gabel auf den Tisch.
„Da ich jetzt weiß, dass es so etwas gibt, finde ich garantiert jemanden, der es
mir verkauft. Ohne irgendwelche Ansprüche zu stellen!“
„Ich habe nichts von Ansprüchen gesagt“, erklärte er unschuldig. „Denkst du, du
bekommst es, bevor dein Prinz irgendwelche ehelichen Forderungen an dich
stellt?“
„Einmal krieg ich auch ohne auf die Reihe!“ zischte Ailia. „Und wenn er *meinen*
Anforderungen nicht genügt, bekommt er eh keine zweite Chance!“
„Das wird jetzt interessant.“ Trevor stützte sein Kinn auf seine Hand. „Bekam
schon mal jemand eine zweite Chance?“
„Das geht dich einen verdammten Scheißdreck an!“
„Ich denke, du wirst nicht drum herum kommen, ihm eine zweite Chance zu geben.
Wenn er einen Nachfolger will. Oder so.“ Zum ersten Mal sah er eine leichte Röte
in ihr Gesicht steigen, die jedoch mehr von ihrer Wut verursacht zu sein schien.
„Nicht dein Problem, oder?“ fuhr sie ihn an.
„Es gab noch niemanden mit einer zweiten Chance, stimmt‘s?“ Trevor lachte
plötzlich. „Prinzessin, du bist ja noch schlimmer als ich dachte. Und ich wollte
dich unberührt von diesem Schiff gehen lassen. Eigentlich eine blöde Idee. Denn
du bist dem Anschein nach schon abgenutzt genug. Einer mehr oder weniger spielt
da doch keine Rolle.“
„Du scheinst mich nicht richtig verstanden zu haben“, erklärte Ailia, ohne sich
aus der Ruhe bringen zu lassen. „Ich bestimme, wer.“
„Deine Möglichkeiten, deinen Willen durchzusetzen, haben sich beträchtlich
eingeschränkt“, feixte Trevor. „Vor allem auch deine Fähigkeiten, dich zur Wehr
zu setzen.“
„Drohst du mir?“ erkundigte sich Ailia sanft. „Weißt du, was ein paar spöttische
Worte anrichten können? Im richtigen Moment?“
Sie war wirklich ein verdammtes Aas.
Ailia legte den Kopf schief. „Das ist das Problem mit Männern. Sie denken, uns
mit ihren Drohungen einschüchtern zu können, uns Angst einzujagen. Aber wenn man
sie auslacht... Puh!“ Sie schnipste mit dem Finger in der Luft. „Tote Hose. Im
wahrsten Sinne des Wortes.“
Trevor verspürte wahrhaft große Lust, ihr tatsächlich den Hintern zu versohlen.
Bevor er sie flach legte. Oder danach. Oder vorher und danach.
Doch sie war noch nicht fertig. „Aber vielleicht habe ich ja gar nichts dagegen?
Ich meine, schließlich siehst du ganz gut aus. Und du bist bestimmt auch im Bett
ganz nett.“
Ganz nett?! Wenn sie es weiter auf die Spitze trieb, würde er sie hier in
der Cafeteria vögeln und ihr zeigen wie nett er war.
„Aber...“ Sie überlegte und nippte wieder an ihrem Glas. „Eigentlich will ich
dich nicht. Aber ich werde dich wissen lassen, wenn ich es mir anders überlege“,
sagte sie vergnügt, ignorierte seinen sie fast erdolchenden Blick und
beschäftigte sich wieder mit ihrem Essen. „Lecker. Euer Koch ist echt gut.“
Trevor benötigte seine gesamte Selbstbeherrschung, um ihr nicht an die Kehle zu
springen. Jetzt fing der arme Prinz an, ihm Leid zu tun. „Wie hat es Ann
geschafft, unschuldig zu bleiben?“ erkundigte er sich, als er sich endlich
wieder unter Kontrolle hatte.
„Ich beschütze sie“, erklärte Ailia einfach.
„Welche Parafähigkeiten hast du denn nun?“ Trevor beachtete ihre ablehnende
Handbewegung nicht, sondern füllte auch ihr Glas wieder neu.
„Telepathie und Telekinese. Und du?“
Seine Augen wurden schmal. „Telekinese... Kein Wunder, wenn du davon überzeugt
bist dir kann nichts passieren. Teleporter“, sagte er dann. „Außerdem sind meine
Sinne mutiert. Vor allem Gehör und Geruch.“
„Von so was komischen habe ich ja noch nie gehört“, meinte Ailia nur. „Aber
Teleportieren ist bequem, oder?“
„Hm. Ist ganz nützlich.“
Sie aßen schweigend. Ailia nippte wirklich nur ab und zu an dem Wein, weil sie
genau wusste, dass sie den Alkohol nicht gewöhnt war und nicht wollte, dass sie
sich plötzlich so absolut lächerlich benahm wie viele andere, die sie schon
beobachtete hatte.
Denn der Abend schien ja noch interessant zu werden…
Kapitel 4
Ailia hatte angenommen, dass ihre bösartigen Bemerkungen Trevor den Appetit
verdarben oder ihn zumindest dahin brachten, dass er wütend die Kantine verließ.
Nichts dergleichen geschah. Entweder hatte er wirklich ein dickes Fell oder
konnte sich gut beherrschen.
Sie jedenfalls war noch immer wütend über seine Weigerung, ihr den Blocker zu
verkaufen, aber sie ließ es sich genau so wenig anmerken.
Es kam sogar ein relativ normales Gespräch zustande, als er begann, sie über ihr
Leben auszufragen. Aber er wich ihren Fragen nach allem, was ihn betraf aus und
lachte nur, als sie schimpfte.
„Prinzessin, ich möchte nicht, dass du unsere Spur verfolgst, wenn das hier
vorbei ist. Ich möchte meine 700.000 Galax dann schon behalten“, erklärte er mit
diesem amüsierten Grinsen im Gesicht, das Ailia wahnsinnig zu machen begann.
Plötzlich stellte sie erschrocken fest, dass sie noch die letzten und einzigen
Gäste in der Kantine waren. Wo zum Teufel war die Zeit nur hin verschwunden??
„Wo ist Ann?“ fuhr sie auf. „Was hat dieser Trottel mit ihr angestellt!“ Sie
sprang auf und stürzte zur Tür.
Trevor fluchte und überlegte einen kurzen Moment, ob er sie gehen lassen sollte.
Aber er ahnte, dass sie das ganze Schiff nach Shendor absuchen würde. Deshalb
teleportierte er und materialisierte mitten in ihrem Weg. Ailia konnte nicht
verhindern, dass sie gegen ihn lief.
„Verdammt!“ kreischte sie unbeherrscht und schlug nach ihm. „Spinnst du?!“
„Krieg dich ein, Prinzessin“, meinte er lässig. „Tak hat sie in ihre Kabine
gebracht und dort schläft sie selig. Allein.“
„Wieso habe ich das nicht mitbekommen?“ knirschte Ailia missmutig. „Ich gehe
jetzt.“
„Möchtest du, dass ich dich bis zu deiner Kabine begleite, Hoheit?“
„Nein!“ fauchte sie böse und marschierte schnurstracks an ihm vorbei. Trevor
blieb jedoch an ihrer Seite. „Hast du irgendetwas an dem Nein nicht verstanden?“
fragte sie genervt.
„Also weißt du, Prinzessin.“ Trevor grinste vergnügt. „Ich bin doch nicht so
unhöflich und lasse eine Lady allein nach Hause gehen. Obwohl, ich denke, als
eine Lady würde ich dich nicht mehr bezeichnen.“
„Spar dir den Atem, Pirat“, gab sie spöttisch zurück. „Du schaffst es nicht,
mich zu reizen.“
Er lachte leise. „Weißt du, was mir nach all den Dingen, die du heute gesagt
hast, durch den Kopf geht?“
„Ich glaube nicht, dass ich es wissen will“, verkündete Ailia.
„Wie du es geschafft hast, am Leben zu bleiben. Da muss es doch einen Haufen
Mordversuche frustrierter Männer gegeben haben…“
Ailia war stehen geblieben, weil sie die Tür zu ihrer Kabine erreicht hatte und
drehte sich um. „Wieso das jetzt?“
„Ich kann mir nicht vorstellen, dass du deinen Mund gehalten hast, wenn jemand
nicht deinen Anforderungen genügte. Das fanden die bestimmt nicht nett, oder?“
Er grinste plötzlich wieder so süffisant und hob fragend seine Augenbrauen.
„Aber vielleicht fanden die dich genauso schlecht? Und waren froh, dass du sie
nicht ein zweites Mal wolltest?“
Ailia machte einen Schritt auf ihn zu und starrte ihn aus schmalen Augen an.
„Telepathin, Pirat. Schon vergessen? Sie waren alle für das zu begeistern, was
ich wollte. Guter, mich alles vergessen lassender Sex. Mehr nicht. Und es hat
ihnen genau so viel Spaß gemacht wie mir.“ Sie hob den Kopf und sah in seine
grauen Augen. Ihre Hand hob sich und fuhr gedankenverloren über seine Brust.
„Aber du wirst schließlich keine Gelegenheit haben zu beurteilen, ob ich gut
oder schlecht bin…“
„Du spielst mit dem Feuer, Prinzessin“, stieß er hervor.
Oh ja, das war ihr vollkommen klar.
„Gute Nacht, Pirat.“ Sie öffnete ihre Tür, ohne ihn eines weiteren Blickes zu
würdigen und ging an ihm vorbei.
Im nächsten Augenblick wurde sie durch die Tür gestoßen, herumgewirbelt und fand
sich gegen die Wand in ihrem Zimmer geworfen wieder. Im ersten Moment war sie
überrascht, weil sie nicht damit gerechnet hatte. Trevor presste sich gegen sie
und das Feuer in seinen Augen verursachte ein leichtes Kribbeln in ihrem Körper.
„Vielleicht“, knurrte er zornig. „Denke ich gar nicht daran, auf eine Einladung
von dir zu warten. Vielleicht, Prinzessin, hast du diesmal den Falschen
herausgefordert.“
Er gab ihr keine Gelegenheit, zu antworten, denn im nächsten Augenblick waren
seine Lippen auf ihren und seine Zunge drängte sich in ihren Mund.
Es *war* eine Unverschämtheit, doch Ailia hatte mehr die Tatsache zu verdauen,
dass seine Hände auf ihrem Körper unterwegs waren und sie sich plötzlich auf gar
nichts anderes konzentrieren konnte, als seinen Mund und seine Zunge. Und Trevor
war mehr als schockiert, als sich ihr zierlicher Körper an ihn drängte und sich
ihre Finger in seinen Haaren verfingen, als sie ihm genau so wild antwortete.
Es sollte eine Lektion sein. Er wollte den selbstsicheren hochmütigen Ausdruck
aus ihrem Gesicht vertreiben und einfach nur sehen, dass sie endlich verstand,
dass man mit ihm nicht spielte. Mehr nicht.
Dazu war es jetzt zu spät. Sie rieb ihre Hüften an seiner schlagartig erwachten
Erregung und ihr leises Stöhnen in seinen Mund ließ seine letzten Bedenken und
wahrscheinlich auch den Rest seines Verstandes verschwinden. Ihre Hände zerrten
an seinem Shirt und irgendwo weit entfernt sagte eine leise Stimme, dass es
falsch war, ihr die Kontrolle zu geben. Sie zog ihm das Shirt über den Kopf und
für einen Moment war er gefangen in dem Feuer ihrer Augen, als sie ihn rückwärts
in Richtung Bett stieß. Er kippte auf die Matratze und sie saß im nächsten
Moment auf ihm.
„Okay, Pirat“, schnurrte sie und beugte sich über ihn. „Ich habe mir gerade
überlegt, dass ich dich haben möchte.“ Ihre Finger fuhren über seine nackte
Brust und als sie den Kopf senkte und ihre Zunge um seine Brustwarzen kreisen
ließ, fuhr seine Hand in ihre Haare. Sein Aufstöhnen entlockte ihr ein Kichern
und das war es, was den Ausschlag gab.
Er riss ihren Kopf hoch, presste seine Lippen auf ihren Mund und wirbelte sie
herum. Ailia knurrte böse, als sie sich plötzlich unter ihm wieder fand. Er ließ
ihre Haare nicht los, als seine zweite Hand zum Bund ihrer Hose wanderte und die
Knöpfe öffnete.
„Mit mir spielt man nicht, Prinzessin“, keuchte er gegen ihre Lippen und als der
Geruch ihrer Erregung seine mutieren Sinne traf, schloss er einen Moment die
Augen, weil der Schmerz in seiner Hose zu stark wurde. Er ließ sie kurz los, um
die Hose, mitsamt dem Slip, ihre Beine hinab zu streifen.
Ailia richtete sich auf und ihre Augen blitzten kurz, als sie seinen Kopf mit
ihren Händen umfasste. „Ich mag es nicht, wenn man mir droht“, stieß sie hervor,
doch er lachte, warf sich auf sie und presste sie wieder mit seinem Gewicht
gegen die Matratze. Sein Knie zwängte sich zwischen ihre Beine und Ailia
schnappte nach Luft, als seine Finger sie dort berührten und er einen in die
feuchte Nässe stieß. Ihre Hände zerrten an seinen Haaren und er lachte wieder,
als er den Kopf hob und das wütende Funkeln in ihren Augen sah.
„So feucht für mich, Prinzessin“, murmelte er heiser, ohne dass sein Finger sie
verließ. Jetzt presste er seinen Daumen gegen den sensiblen Punkt zwischen ihren
Beinen. „Wie willst du mich?“
„Gar nicht!“ knirschte Ailia, doch ihr Kopf flog zurück, als seinem Finger ein
Zweiter folgte und sein Daumen begann, sie sanft zu massieren.
„Falsche Antwort“, brachte er hervor, presste kurz seine Lippen auf ihren Mund
und keuchte. „Zieh dieses verdammte Shirt aus.“
„Ich lass mir von dir keine Befehle… oh Gott!“ Ailias Kopf flog zurück, als ein
dritter Finger in ihr verschwand und sie sich unwillkürlich in seine Berührung
presste.
Trevors Lippen wanderten über ihren Hals und er biss sie sanft, während seine
Finger sich stetig aus ihr heraus und wieder hinein bewegten. Er hörte ihren
Atem keuchender werden und seine eigene Erregung drohte seine Hose zu sprengen.
Ailia bäumte sich auf und ihr Blick traf seine Augen, in denen die gleiche
Leidenschaft brannte.
„Zieh es aus“, befahl er leise.
„Verdammt“, fauchte sie, doch sie streifte mit einer schnellen Bewegung das
Shirt über ihren Kopf. Im nächsten Augenblick waren ihre Lippen auf seinen und
ihre Zunge drängte sich zwischen seine Zähne. Die Fingernägel fuhren über seinen
Rücken und er war sich sicher, dass sie rote Streifen hinterließen. Es war ihm
egal. Dann spürte er ihre Finger an seiner Hose. Sein Mund verließ ihren. „Werde
endlich die Hose los!“ fuhr sie ihn an.
Trevor lachte erneut und seine Lippen wanderten über ihren Hals zu ihrer Brust,
während seine Finger sich immer wieder tief in ihr vergruben und ihr Körper ihn
um mehr anbettelte.
„Gott, du verdammter…“ Sein Mund schloss sich um ihre Brust und sie vergaß
alles, was sie sagen wollte. Ihr Körper brannte in einer Art und Weise, wie sie
es lange nicht erlebt hatte und sie wollte ihn am liebsten schlagen, weil er ihr
nicht gab, was sie brauchte.
„Was… wolltest du… sagen?“ brachte er hervor.
Sie antwortete nicht, aber ihre Finger waren endlich mit den Knöpfen seiner Hose
fertig und als sie ihn in den Hand nahm, war es um seine Beherrschung geschehen.
Mit einer schnellen Bewegung kickte er die Hose von seinen Beinen. Ailia Hände
zerrten schon wieder an seinen Haaren, zwangen seinen Kopf zu ihren Lippen,
während sie schon wieder versuchte, ihm die Kontrolle zu entziehen und ihn mit
ihren Beinen an sich zog.
Er riss den Kopf hoch, fing ihre Hände, hielt sie über ihrem Kopf fest und
drängte zwischen sie.
„Das ist mein Spiel!“ knurrte er heiser und begegnete dem wütenden Funkeln ihres
Blicks. „Was ist los, Prinzessin? So wolltest du es nicht, oder?“ Seine Zunge
leckte über die zarte Haut an ihrer Kehle und sie japste nach Luft, als sie sich
ihm entgegenbäumte. Sie versuchte, ihre Hände aus seinem Griff zu befreien und
stöhnte frustriert, als sie es nicht schaffte. „Ich mag es, dich jetzt in dieser
Position zu haben“, murmelte er spielerisch und knabberte an ihrem Hals, obwohl
ihn alles danach drängte, sich endlich in ihr zu vergraben.
„Verdammt!“ keuchte sie auf und er hob den Kopf. „Du blöder Pirat. Hör endlich
auf zu reden!“ Er biss sie wieder und ihr Kopf flog zurück. „Bitte…“
Das reichte. Mit einem Knurren vergrub er sich in ihr und Ailia schnappte nach
Luft, als er sie plötzlich ausfüllte und sie ihn tief in sich spürte. Ihre Beine
schlangen sich um seine Hüften, als er anfing, sich zu bewegen.
Es *war* Wahnsinn. Weil sie keine Gedanken spürte, weil sie überhaupt nichts
spürte, außer sich selbst und das, was sich in ihr aufbaute. Seine Hände hatten
sie frei gegeben und fuhren über ihren Körper, der sich ihm entgegen bog,
während sie sich bei jedem harten Stoß trafen. Dann waren seine Lippen wieder
auf ihrem Mund, sie hörte sein Stöhnen und fühlte seine Hand, die wieder
zwischen ihre Körper wanderte.
Und Ailia schrie, als er sie berührte und etwas in ihrem Kopf explodierte, das
sie in dieser Stärke noch nie erlebt hatte. Ihre Hände umklammerten seinen Kopf,
während ihr ganzer Körper zitterte und bebte.
Trevor traf es schlimmer. Weil etwas geschah, womit er nicht gerechnet hatte. Im
Moment ihres Orgasmus öffneten sich die Schranken zu ihrem Geist und die Wellen
ihrer Lust jagten unvermindert durch seinen Kopf. Mit einem Stöhnen stieß er
noch einmal in sie, füllte sie mit seinem Samen und brach fast bewusstlos auf
ihr zusammen.
Ailia war die Erste, die sich wieder rührte. Mit einem breiten Grinsen strich
sie sich die verschwitzten Haare aus der Stirn und murmelte. „Wow. Ich werde nur
noch mit Mentalblocker vögeln.“
Trevor hob den Kopf und jeglicher Spott und Sarkasmus war aus seinem Blick
verschwunden.
„Was ist?“ fragte sie alarmiert.
Er rollte zur Seite und schloss einen Moment die Augen. „Hast du es schon mal
mit einem Mutanten gemacht?“ Selbst seine Stimme klang anders.
Ailia richtete sich auf ihre Ellenbogen auf und sah ihn fragend an. „Nein.“
„Ich auch nicht.“ Er fuhr durch seine Haare und starrte noch immer blicklos zur
Decke.
„Und?“ Ailia setzte sich auf und griff nach ihrem Shirt. Seine Hand schoss vor
und umfing ihr Handgelenk.
„Was wird das?“ fragte er und der alte Spott war wieder da.
Ailia starrte auf seine Hand und dann in seine Augen. „Ich ziehe mich an?“
„Vergiss es“, sagte er vergnügt. „Du gefällst mir ohne Sachen recht gut.“ Er sah
die Fassungslosigkeit in ihrem Blick, setzte sich ebenfalls auf und legte den
Arm um ihren Hals. „Ich habe nicht vor, schon zu gehen.“ Nicht nach dem...
„Was sollte mich daran hindern, dich rauszuschmeißen?“ fragte sie spitz. Sie
hörte sein leises Lachen, entzog ihm ihre Hand und stand auf.
Trevor beobachtete, wie sie zur Zimmerbar ging und sich überhaupt nicht darum
scherte, dass sie keinen Fetzen am Leib trug. Sie sah fantastisch aus und selbst
ohne die Tatsache, dass sie eine Mutantin war, wurde sein Mund schon wieder
trocken, als sein Blick über ihren Körper glitt. Aber er hatte nicht geahnt,
dass es mit Mutanten anders war.
Ailia goss sich ein Glas Wasser ein, trank einen Schluck und drehte sich wieder
zu ihm um. Er saß jetzt auf der Bettkante und allein die Art und Weise wie er
sie ansah, sandte wieder diese Hitze in ihren Körper.
„Komm her“, stieß er hervor.
„Warum, Pirat?“ fragte sie unschuldig und das Lächeln, das um ihre Mundwinkel
spielte, begann ihn wahnsinnig zu machen.
„Du wirst es bereuen, wenn ich dich holen komme“, warnte er leise.
Ailia lachte, stellte das Glas auf den Tisch und kam langsam auf ihn zu. „Ich
finde deine Drohungen lächerlich“, sagte sie spöttisch, als sie ihn erreichte
und vor ihm stehen blieb.
„Du bist frech.“ Er zog sie an sich und sah zu ihr hoch. „Und ich habe einen
Namen. Erinnerst du dich?“ Der Geruch ihrer Erregung und sein eigener, der an
ihr haftete, benebelte seine Sinne und zum ersten Mal verfluchte er seine
Mutation, weil sie ihn die Beherrschung verlieren ließ. Und das war gefährlich,
gerade bei ihr, da er nicht einmal ihre Gedanken lesen konnte.
„Dein Name?“ überlegte sie, während ihre Hände durch seine Haare fuhren, als er
seine Lippen gegen ihren Bauch presste. Ailia ließ sich langsam auf seinem Schoß
nieder, fühlte seine Lippen ihren Körper hinauf wandern und schloss einen Moment
die Augen, als er ihren Hals erreichte und seine Zunge über ihre Haut fuhr. Mit
einem Funkeln in den Augen zog sie seinen Kopf an seinen Haaren von ihrer Haut
los und starrte in seine Augen. „Sag *meinen* Namen, Pirat.“
Ihre Zunge strich über seine Lippen und sie hörte ihn scharf die Luft einziehen,
als sie den Griff in seinen Haaren verstärkte. Seine Hände an ihren Hüften
rissen sie an sich und sie spürte seine wieder erwachte Erektion zwischen ihren
Beinen.
„Welchen?“ flüsterte er gegen ihren Mund. „Ailia? Luciana?“
Er hatte sich tatsächlich ihre Namen gemerkt. „Niemand nennt mich Ailia“,
hauchte sie.
„Lucie?“
„Luciana“, stellte sie klar.
Er lachte leise und seine Finger bohrten sich fast schmerzhaft in ihre
Oberschenkel, als er ihr seine Hüften entgegen stieß und sich selbst an ihr
rieb. „Lucie ist gut“, meinte er spöttisch und presste seine Lippen auf ihren
Mund. Sie stöhnte auf, als sie fühlte, dass seine Hand wieder zwischen ihre
Beine wanderte.
„Ich will dich meinen Namen sagen hören“, knurrte er, hob sie leicht hoch und
rammte in sie. Ailia Kopf flog zurück und seine Zähne bissen in ihren Hals.
„Komm schon, Prinzessin“, stieß er hervor. „Reit mich. Ich weiß, dass du scharf
drauf bist.“
Ailia funkelte ihn an. In seinen Augen brannte ein Feuer, das ihr den Atem
raubte und sie begann sich qualvoll langsam auf ihm zu bewegen, ohne ihre Augen
von ihm zu lösen. „Luciana“, korrigierte sie ihn. „Prinzessin Luciana.“
Er wollte sie zwingen, ihre Bewegungen zu bescheunigen, doch ihre Beine
umklammerten ihn und wieder rissen ihre Hände seinen Kopf zurück. „Vergiss es,
Pirat.“
Trevor verfluchte sie, als er sah, wie sie den Kopf zurück warf und die
Leidenschaft ihr Gesicht verzerrte. Schweiß perlte auf ihrer Stirn und die
schwarzen Augen waren halb geschlossen, während sie sich immer wieder langsam
auf ihn niederstieß. Ihre Hände fixierten seinen Kopf, zwangen ihn zu sehen, wie
sich ihr Mund öffnete und sie keuchend Luft holte.
Verfluchtes Miststück, ging es ihm durch den Kopf, aber er war zu
gefangen in ihrem Anblick und dem Gefühl, immer wieder in ihrem heißen Körper zu
verschwinden. Sie trieb ihn in den Wahnsinn. Und sie wusste es. Und dass sie
noch immer an seinen Haaren zerrte, machte ihn genau so wütend wie es ihn
verrückt machte.
„Verdammt!“ schimpfte er, umklammerte ihre Hüften und stieß tief in sie. Ailia
schnappte nach Luft und verlor fast den Halt, als er mit ihr aufstand, sie herum
warf und gegen das Laken presste. Ohne sie zu verlassen.
„Nein!“ knurrte sie zornig.
„Doch!“ fauchte er gereizt und begann wie ein Wilder in sie zu stoßen. Ailia
bäumte sich auf, versuchte wütend, ihn wieder auf den Rücken zu werfen, aber er
war zu schwer für sie. Trevor machten ihre zappelnden Versuche nur noch mehr an.
Sie tat ihm weh, weil sie seine Haare noch immer nicht losgelassen hatte und
jetzt nur daran zog, um ihn noch wütender zu machen. Mit einem Auflachen fing er
ihre Handgelenke. „Ist es das, was du brauchst, Lucie?“ fragte er keuchend und
fesselte ihre Hände mit seinem Griff hinter ihrem Rücken.
Ailia bäumte sich auf und grub ihre Zähne in seinen Hals. Er ließ ihre Hände
fahren und spürte als nächstes wieder ihre Fingernägel in der Haut seines
Rückens.
„Ja“, stieß sie, fühlte, wie er diesmal in ihre Haare griff und sie zwang ihn
anzusehen. Dann krachte sein Mund wieder auf ihren, er verschlang ihre Lippen
und seine Zunge stieß zwischen ihre Zähne.
Ailia stöhnte auf. Sie konnte sich nicht erinnern, wann sie das letzte Mal
derart die Beherrschung verloren hatte. Sie begegnete ihm mit der gleichen
Wildheit wie er ihr, begegnete seinen harten wütenden Stößen und fühlte, wie
sich ihr Verstand verabschiedete.
„Los, Lucie!“ forderte er wieder und ihr Kopf flog zurück, als seine Finger sie
zwischen den Beinen berührten. Sie wimmerte leise, als sie spürte, wie der
Schmerz sich wieder aufbaute. „Komm für mich, Lucie“, flüsterte er heiser,
während sein Daumen immer wieder mit seinen eigenen Bewegungen gegen ihre
Klitoris stieß. „Ich will meinen Namen hören!“
Ailia wollte es nicht. Sie wollte ihm die Genugtuung nicht geben, doch das
Gefühl tief in ihr war zu stark. Sie hatte keine Kontrolle mehr. Nicht über sich
und gleich gar nicht über ihn. Trevor riss ihren Kopf wieder hoch und starrte in
ihre Augen. Es war zuviel. Das Feuer in seinen Augen zu sehen, seine harten
Bewegungen und zu fühlen, was seine Hand tat. Ailia glaubte zu sterben.
„Trevor“, flüsterte sie und schloss die Augen, als sie den Triumph in seinem
Gesicht leuchten sah.
„Weiter, Lucie“, knurrte er und sie schrie als sich seine Finger gegen sie
pressten und ekstatische Schauer ihren Körper schüttelten. Er schaffte es nicht,
seine Forderungen weiter durchzusetzen, weil es ihn genauso hart traf wie beim
ersten Mal. Und es ihm genau so entfuhr wie ihr. „Gott... Lucie...“
„Trevor... ja... Trevor...“, schluchzte sie. Ihre Arme umklammerten ihn und sie
fühlte ihn genauso beben, als er sich ein letztes Mal in ihr vergrub.
„Trevor...“
**************
Ich könnte mich daran gewöhnen.
Das war das erste, was ihm durch den Kopf ging, als er wieder auf dem Boden
ankam. Noch benommen hob er den Kopf und sah in Ailias Gesicht. Einen Moment
bedauerte er, dass sie ihn durch den Mentalblocker nicht genau so spüren konnte.
Dann ging ihm auf, dass er eigentlich nicht genauer darüber nachdenken wollte,
was sie mit ihm angestellt hätte, wenn ihr all ihre telekinetischen Kräfte zur
Verfügung gestanden hätten.
Als er jetzt allerdings ihr Gesicht sah, huschte ein stolzes Grinsen über seine
Lippen. Sie sah toll aus. Wie eine Frau, der man es absolut gut besorgt hatte.
Einfach himmlisch. Dann küsste er sie sanft auf den Mund und ihre Augen flogen
auf.
„Bist du noch da, Prinzessin?“ Er war wahnsinnig stolz auf den spöttischen Klang
seiner Stimme.
„Sicher“, brachte sie schwach hervor. „Geh runter von mir. Du bist schwer.“
Er kicherte. „Du siehst toll aus. So richtig ordentlich durchgevö...“
Ihre Hand schoss hervor und krallte sich in seine Kehle. „Sag es nicht!“ zischte
sie und stieß ihn zur Seite. Sie richtete sich auf und verkniff sich gerade noch
ein Stöhnen. Verdammt, ich fühle mich auch so.
Ohne ihn eines weiteren Blickes zu würdigen, stand sie auf und ging zur Badtür.
„Ich brauche eine Dusche. Ich will, dass du verschwunden bist, wenn ich wieder
komme.“
Trevor hob nur eine Augenbraue, während er ihr nachstarrte. Miststück. Heißes
kleines verrücktes Miststück. Er hörte, wie das Wasser anging und grinste.
Ailia dachte, sie träfe der Schlag, als es neben ihr ‚Plop‘ machte und er
materialisierte. Ehe sie reagieren konnte, hatte er sie mit dem Gesicht voran
gegen die Wand der Duschkabine gepresst.
„Wir sind fertig, wenn ich es will“, flüsterte er neben ihrem Ohr und Ailia
fragte sich, warum zum Teufel sich ihre Beine schon wieder so schwach anfühlten.
Seine Lippen pressten sich gegen ihren Hals und sie versuchte, sich von der Wand
wegzustoßen, um sich mehr Bewegungsfreiheit zu verschaffen.
„Ich kann dich nicht leiden“, fluchte sie, als er ihre Hände einfing und an
ihrem Rücken mit einer Hand festhielt.
„Nein“, grinste er. „Aber du magst es, von mir gevögelt zu werden.“
Ailias Stirn sank gegen die Wand, als seine zweite Hand um ihren Körper herum
langte, einen kurzen Augenblick mit ihren Brustwarzen spielte und dann zwischen
ihre Beine wanderte. Sie unterdrückte ein Stöhnen und stieß hervor. „Stimmt
nicht.“
Das Wasser strömte über ihre Körper und Trevor lachte wieder, als er ein Knie
zwischen ihre Beine drängte und er sie leise wimmern hörte. „Das hat noch keiner
getan, stimmt’s? Es hat noch niemand gewagt, dir zu zeigen, wer im Bett das
Sagen hat.“ Ailia knurrte böse, bäumte sich auf, doch er presste sie noch
stärker gegen die Wand. „Und du stehst drauf“, hauchte er neben ihrem Ohr,
während er sein Knie hob und zwischen ihre Beine drückte.
„Verdammt!“ Ailia stieß den Kopf zurück und japste auf, weil seine Finger wieder
begannen, sie zu erforschen. „Nein!“
Er würde dafür bezahlen. In dem Moment, in dem sie ihre telekinetischen
Kräfte wieder besaß, würde er dafür bezahlen, schwor sie sich.
„Lucie“, schnurrte er spielerisch, rieb sich an ihrem Hintern und drängte ihre
Beine weiter auseinander. „Mir hat gefallen, wie du meinen Namen gesagt hast.“
Ailia biss sich auf die Lippen. Er war noch nicht wieder erregt. So schnell
konnte sich kein Mann regenerieren. Sie unterdrückte ein Stöhnen, denn es
bedeutete, dass er sie in aller Ruhe dazu bringen konnte, den Verstand zu
verlieren. Und zu sagen, was er wollte.
Sie zwang sich, tief durchzuatmen und zu ignorieren, was seine Finger taten. Es
war nicht einfach, aber selbst ihr Körper war nach diesen beiden
Wahnsinnsorgasmen gesättigt genug, um eine Weile standzuhalten.
„Okay, Pirat“, murmelte sie leise und lehnte sich an ihn. Irgendwie schien ihr
Körper perfekt zu ihm zu passen. Eine Tatsache, die ihr gar nicht gefiel. „Sagen
wir einfach, du hast einen netten Körper und es macht Spaß, dich zu vögeln?“
„Falsche Antwort“, raunte er und seine Zunge fuhr über die empfindliche Stelle
an der Seite ihres Halses. Er fühlte ihr Erschaudern, und er spürte auch, wie
sie leicht ihren Hintern bewegte und *seine* empfindlichen Stellen massierte.
„Außerdem waren wir doch schon bei meinem Namen, Lucie, oder? Müssen wir wieder
von vorn anfangen?“
Ailia lächelte, als sie den neckenden Ton hörte und ihr Kopf neigte sich
unbewusst zur Seite, damit er ihren Hals besser erreichen konnte. „Ich kann mir
Namen so schlecht merken…“ Sie seufzte leise, weil er ihr Angebot annahm und
seine Lippen über ihren Hals wanderten.
„Sehr schlecht“, murmelte er. „Dann müssen wir wohl an deiner Erinnerung
arbeiten…“
Ailia warf sich blitzartig rückwärts gegen ihn, doch er reagierte genauso
schnell und presste sie wieder gegen die Wand.
„Eww!“ fluchte sie leise, doch sie spürte in ihrem Rücken das Wachsen seiner
Erregung und ihr wurde schlagartig heiß, noch dazu, weil er wieder leise lachte.
„Ich mag es, wenn du so zappelst.“ Er lehnte sich nach vorn und sah in ihr
Gesicht. Die dunklen Augen waren halb geschlossen und er bemerkte, dass sie die
Zähne in ihre Unterlippe gegraben hatte, weil sie um ihre Beherrschung kämpfte.
„Lass dich gehen, Lucie“, hauchte er.
Ihr Kopf schlug zurück und kollidierte mit seinem Kinn. Trevor knurrte wütend.
Seine Finger unterbrachen ihr Spiel zwischen ihren Beinen und er griff hart in
ihre Haare, als er ihren Kopf zur Seite zerrte. „Immer für eine Überraschung
gut, ja?“ fauchte er gereizt und sie reagierte, indem sie ihm ihren Hintern
entgegen stieß.
„Du redest eindeutig zuviel, Pirat“, presste sie zwischen ihren zusammen
gebissenen Zähnen hindurch und drängte sich an ihn, als sie seine Erektion
zwischen ihren Beinen spürte. Kein Mann bisher hatte gewagt, es auf diese Weise
zu tun und Ailia schwor sich, dass er dafür bezahlen würde. Danach.
Jetzt jedoch wollte sie nichts weiter, als alles andere vergessen, während er
sie in der Duschkabine von hinten vögelte.
„Trevor“, keuchte er, ohne ihre Haare oder Arme loszulassen. Doch um seine
Beherrschung war es ebenfalls geschehen. Mit etwas, was wie ein Wutschrei klang,
stieß er in sie, presste sie gegen die kühle Wand und knurrte in ihr Ohr. „Mein
Name wird dir in ewiger Erinnerung bleiben, Prinzessin. Das verspreche ich dir.“
Das Wasser strömt weiter unvermindert über ihre Körper, doch weder Ailia noch
Trevor störten sich daran. Jeder harte Stoß drückte Ailia stärker gegen die Wand
und sie schluchzte auf, als das Gefühl in ihrem Körper fast zu einem Schmerz
wurde. Sie wollte sich umdrehen, ihn drängen, sich zu beeilen, doch der feste
Griff seiner Hände zwang sie hilflos gegen die Wand, während er sich wieder und
wieder tief in ihr vergrub.
Und es war toll. Im Normalfall hätte sie nie zugelassen, dass ein Mann sie auf
diese Art nahm und sie würde sich selbst jetzt eher die Zunge abbeißen, als
zuzugeben, dass es ihren Körper in einer Weise anheizte, die sie nicht für
möglich gehalten hatte. Vielleicht war es der Mentalblocker. Vielleicht war es
die Tatsache, dass sie zum ersten Mal einem Mann begegnete, der durchsetzte, was
er wollte. Sie wusste es nicht. Sie wusste nur, dass sie sterben würde, wenn
sich der Druck in ihrem Körper nicht bald entlud.
„Trevor“, flüsterte sie erstickt und ihr Körper zitterte unkontrolliert, als er
sie gegen die Wand presste, seine Bewegungen stoppte und einfach nur in ihr
verharrte.
„Ja, Lucie?“ hauchte er, gab ihre Haare frei und ließ seine Hand ihren Körper
abwärts wandern.
Ihre Stirn sank gegen die Wand. Sein Gewicht verhinderte, dass sie sich bewegen
konnte und sie wimmerte leise auf, als seine Finger den sensiblen Punkt zwischen
ihren Beinen berührten. „Verdammt…“
„Sag es, Lucie“, murmelte er und seine Finger kniffen sie leicht. „Sag, dass du
drauf stehst.“
Gott, wahrscheinlich stand sie wirklich drauf. Das würde bloß außer ihm
nie jemand erfahren. Und er würde sich garantiert nicht lange darüber freuen.
„Ja doch“, stieß sie wütend hervor und warf den Kopf zurück. „Ich steh drauf…“
Er biss sie in den Hals. „… von mir gevögelt zu werden…“, sagte er leise und
Ailia fragte sich, wieso er genauso keuchend klang wie sie und immer noch so
klar denken konnte.
„Ja … verdammt …“, schluchzte sie. „Bitte, Trev… Bitte!“
Wow. Er hätte nicht gedacht, dass sie es sagte. Nie. Es brauchte noch einen
einzigen Stoß von ihm und sie schrie wieder auf. Er fühlte ihren Körper erbeben
und zittern, hörte ihr Schluchzen, als die Erleichterung sie zusammensacken ließ
und wieder wurde es fast schwarz vor seinen Augen, als er kam und ihr mentaler
Orgasmus ihn überrollte. Er schlang seine Arme um sie, weil er plötzlich genau
so zitterte und lehnte eine ganze Weile nur Halt suchend mit ihr an der Wand bis
das Beben abklang. Dann hörte er sie leise schniefen und richtete sich zögernd
auf.
Und auf Ailia krachte die Erinnerung wie ein Schlag herein. Sie fuhr herum und
schlug ihm übergangslos ins Gesicht. „Du Scheißkerl!“ kreischte sie und stürzte
sich auf ihn. Sie traf ihn noch ein zweites Mal, ehe er ihre Handgelenke
einfangen konnte und sie an sich zog. „Lass mich sofort los!“ schrie sie weiter.
„Ich will, dass du mich los lässt!“
Trevor war nicht wütend. Obwohl er keinem anderen Menschen und vor allem keiner
anderen Frau diese Ohrfeige verziehen hätte. Seine Wange brannte, dort wo ihn
ihre Hand getroffen hatte und er fühlte einen schalen Geschmack im Mund.
Er hatte ihren Stolz verletzt.
Es sollte ihn nicht interessieren. Aber es tat es.
Einmal weil ihre freche unverschämte Art ihm mehr zusagte, als all die
schmeichelnden Worte anderer Frauen, die versucht hatten, ihn zu verführen. Und
zweitens, weil es so ziemlich der beste Sex seines Lebens gewesen war.
Sicherlich spielte es eine Rolle, dass er ihre Gedanken nicht lesen konnte, aber
das war nicht alles. Sie begegnete ihm wie jemand, der ihm ebenbürtig war. Und
auch, wenn er sie gezwungen hatte, etwas anderes zuzugeben, er *wusste*, dass
sie ihn in die Knie zwingen würde, wenn sie es wollte… und sich ihrer
telekinetischen Kräfte bediente.
Ihr Körper bebte noch immer, doch sie kämpfte nicht mehr, sondern lehnte müde
ihren Kopf an seine Schulter. Trevor gab ihre Hände frei, strich über ihren
Rücken und gedankenverloren über ihre Haare. Ailia hob den Kopf und fühlte
erstaunt, dass seine Lippen plötzlich zärtlich über ihre glitten.
„Ich will jetzt wirklich, dass du gehst“, sagte sie leise und er sah in ihren
Augen, dass es ihr ernst war. Sie schluckte, als er seine Hand hob und ihr übers
Gesicht fuhr.
„Du kannst mich nicht für etwas verurteilen, das du selbst herausforderst“,
begann er genau so leise.
„Raus. Hier.“
Er lächelte und zum ersten Mal sah sie keinen Spott in den grauen Augen, sondern
etwas, was sie nicht begreifen konnte. „Und du kannst nicht abstreiten, dass es
fantastisch war.“ Auch wenn du nicht einmal alles weißt. Sie wollte zu einer
Erwiderung ansetzen, doch er legte den Zeigefinger auf ihren Mund. „Ich denke,
wir haben uns einen friedlichen Ausklang verdient.“
„Du nicht“, knirschte Ailia und war wieder überrascht, als er sie sanft küsste.
„Okay, ich nicht. Also, lass mich dich vergessen lassen, dass ich deinen Stolz
verletzt habe?“ Er legte den Kopf schief und Ailia fand plötzlich, dass sein
Grinsen, wenn er wollte unwiderstehlich war.
„Ich glaube nicht, dass du das schaffst“, stieß sie recht halbherzig hervor.
Doch sie ließ es zu. Ließ zu, dass er nach der Seife griff. Ließ zu, dass er
ihren Körper berührte, ihre Haare einschäumte und die Muskeln massierte, die ob
der vorangegangen Stunden protestierten. Er schläferte ihre Wachsamkeit ein und
sie fühlte nichts anderes als die Müdigkeit, die jetzt in ihre Glieder kroch,
als die Anspannung von ihr abfiel. Sie bemerkte kaum, dass er sich selbst
ebenfalls wusch, sie abspülte und das Wasser abstellte.
Als er sie auf die Arme nahm und zum Bett trug, riss sie ihre Augen wieder auf
und sah ihn erstaunt an, als er sie auf der Bettkante absetzte und vor ihr
hocken blieb. Da war wieder dieses verruchte Grinsen in seinem Gesicht, als
seine Finger federleicht über ihre Knie strichen und ihre Beine sanft spreizten.
Ailia konnte ihn nur anstarren, als er ohne sie aus den Augen zu lassen, seinen
Kopf senkte und seine Lippen auf ihren Oberschenkel presste.
Und sie wusste plötzlich, dass er es schaffen würde, dass sie ihm verzieh. Hitze
strömte in ihren Körper und verdichtete sich an dem Punkt zwischen ihren Beinen.
Er hob seinen Kopf kurz und sagte leise. „Ich rieche Erregung, Lucie. Ich nehme
das als ‚ja’ auf meine noch nicht ausgesprochene Frage?“
Er roch Erregung? Gott, das war… Irrsinn. Er rührte sich nicht, sondern
sah sie nur unverwandt an. Ailia hob ihre Hand, fuhr durch seine noch nassen
Haare, beugte sich nach vorne und küsste ihn genau so sanft wie er vorher sie.
„Ja“, hauchte sie.
Und sagte dann eine ganze Weile gar nichts. Außer seinem Namen…
Kapitel 5

Ailia erwachte am nächsten Morgen durch den Klang einer aufgehenden Tür und einem munteren:
„Luciana, seid Ihr schon …“
Es folgte ein so erschrockener Schrei, dass Ailia hochfuhr, jedoch nur noch die Verbindungstür zu Annabells Zimmer zugehen sah und dann hörte sie einen dumpfen Knall.
Ailia war noch zu schlaftrunken, um klar zu denken, bis es neben ihr raschelte und eine verschlafene Stimme murmelte: „Deine Ann ist wieder ohnmächtig geworden. Wirklich eine lästige Angewohnheit.“
Sie fuhr herum und zog das Kissen von seinem Kopf. „Wieso bist du noch hier?“, fragte sie fassungslos und irgendwie entsetzt.
„Ich bin auch grad erst aufgewacht“, brummte er verdrießlich.
Oh Gott, ich bin wahnsinnig. Nicht nur, dass sie zuließ, dass er sie – sie wusste selbst nicht mehr wie oft – flachgelegt hatte, sie hatte auch noch zugelassen, dass er in ihrem Bett schlief! Irgendetwas musste mit ihrem Verstand passiert sein. Aus dem Kopf gevögelt, sagte eine gehässige Stimme in ihrem Inneren.
„Shit“, fluchte Ailia und sprang aus dem Bett. Sie griff nach ihrem Morgenmantel, zog ihn über und schüttelte Trevors Schulter. „Los, steh auf. Deine Anwesenheit wird doch bestimmt irgendwo in diesem Schiff verlangt.“
Sein Arm schlang sich um ihre Taille, während er zur Seite rollte und sich über sie beugte. „Ich hatte nicht viel Schlaf heut Nacht“, murmelte er und presste seine Lippen auf ihren Mund.
„Den solltest du schleunigst nachholen!“, stieß sie hervor, als sie wieder Luft bekam.
Trevor lachte nur, als sie ihn von sich schob, aufsprang und in Annabells Zimmer eilte.
Es schien einer der sehr kurzen Ohnmachtsanfälle gewesen zu sein, denn Annabell saß auf der Couch und starrte ihr mit weit aufgerissenen Augen entgegen.
„E-Es tut m-mir leid, Luciana“, stotterte sie. „Ich wusste nicht, dass… dass…“
Ailia ließ sich neben ihr fallen und fuhr sich müde durch die Haare. „Schon gut, Ann.“
„D-das war Trevor“, sagte Annabell und sah unwahrscheinlich bleich aus. Und sie wurde noch bleicher, als Trevor seinen Kopf durch die Tür steckte. „Morgen, Ann“, rief er fröhlich. „Ich bin weg, Lucie. Gehst du mit mir Mittagessen?“
„Nein!“, fuhr Ailia auf und hörte ihn wieder lachen, als sich die Tür schloss.
Annabell starrte jetzt Ailia fassungslos an. „Luciana, ich habe noch nie gesehen, dass Ihr rot werdet.“
„Was?!“ Ailia bedeckte ihre Wangen mit den Händen. „Ich werde nicht rot. Ich… mir ist warm. Genau. Mir ist warm.“
„Er hat die ganze Nacht in Eurem Bett geschlafen?“ Annabell konnte es noch immer nicht fassen.
Ailia zog die Beine an ihren Körper und vergrub ihr Gesicht in ihren Armen. „Oh Gott. Ja.“
Annabell lachte und erinnerte sich wieder an die Zeiten, in denen sie sich mit Ailia über deren sexuelle Erlebnisse ausgetauscht hatte. „Und? Wie war es?“
„Ich will nicht darüber reden“, verkündete Ailia zum ersten Mal, ohne den Kopf zu heben.
„Nein?“ Annabell war enttäuscht. „Es war bestimmt… interessant?“
Ailia nickte.
„Toll?“
Wieder ein Nicken.
„Sehr toll?“
„Hm“, machte Ailia.
Annabell lachte wieder. „Habt Ihr nicht gesagt, Ihr könnt ihn nicht leiden?“
„Kann ich auch nicht“, erklärte Ailia. „Und zig Mal fantastischer Sex ändert nichts an dieser Tatsache.“
„Mehr als einmal?“, quietschte Annabell.
„Frag bitte nicht weiter, Ann!“
„Luciana“, rief Annabell aufgeregt. „Ihr habt Euch immer über meine Romane aufgeregt und immer gesagt, so etwas passiert im wahren Leben nicht. Aber da war es genauso. In einer Geschichte hat…“
„Ann!“, kreischte Ailia auf und lehnte sich an die Couch. „Ich brauche Ruhe. Schlaf. Ein heißes Bad. Verdammt“, fluchte sie urplötzlich wieder. „Jetzt kann ich nicht einmal mehr die Dusche benutzen, ohne an ihn erinnert zu werden.“
„Die Dusche“, echote Annabell und ihre Augen wurden wieder groß.
Ailia stand auf. „Ich schlafe jetzt weiter. Und ich will nicht gestört werden. Auf gar keinen Fall von diesem… grauäugigen…“ Sie brach ab, ehe sie irgendetwas sehr dummes sagen konnte.
*************
Er meldete sich den ganzen Tag nicht und Ailia beschloss, darüber sehr froh zu sein. Sie war sogar so stur, das Zimmer nicht einmal zum Essen zu verlassen, nur um ihm nicht über den Weg zu laufen.
Annabell fand das sehr merkwürdig und ehe sie sich weiter über diesen speziellen Schundroman auslassen konnte, schickte Ailia sie kurzerhand in die Kantine und befahl ihr, den netten Abend mit Tak zu wiederholen.
Ailia setzte sich an den Computer und stellte zum ersten Mal in ihrem Leben fest, dass sie nervös war. Das würde sie natürlich nie laut sagen und sich sicherlich auch nicht anmerken lassen, aber als sie jetzt versuchte, sich auf die Literatur zu konzentrieren, die sie aus dem Bordnetz geladen hatte, schweiften ihre Gedanken immer wieder ab. Und je später es wurde, umso nervöser wurde sie.
Irgendwie rechnete sie damit, dass er aufkreuzen würde, aber gegen Mitternacht war es nur Annabell, die kurz den Kopf in ihr Zimmer steckte und ihr noch eine gute Nacht wünschte.
Ailia verfluchte sich selbst und als sie Annabells gerötete Wangen sah, hätte sie am liebsten gefragt, ob sich diese ganz spezielle Person ebenfalls in der Cafeteria befunden hatte. Sie tat es nicht.
Denn damit hätte sie zugegeben, dass sie über ihn nachdachte. Dass er sie interessierte. Und das tat er schließlich nicht.
Es war gegen zwei, als sie, jetzt schon zornig darüber, dass sie immer noch nicht müde war, den Computer ausschaltete und ins Bett ging.
Allerdings dauerte es noch eine ganze Ewigkeit, ehe sie einschlafen konnte und sie beschloss am nächsten Morgen nicht einmal vor sich selbst zuzugeben, was sie geträumt hatte.
***************
Es war am Nachmittag des nächsten Tages, als Annabell sie schockte.
Zu Ailias Erleichterung fragte Annabell sie nicht weiter aus. Sie gingen zusammen in der Cafeteria Essen und Ailia bemühte sich sehr, nicht immer wieder die Tür anzustarren. Selbst wenn es Annabell auffiel, sagte sie nichts und Ailia verabschiedete sich, als Takvoll kam, mit den Worten, sie wolle sich einmal die Freizeitdecks ansehen.
Nachdem sie ein paar Runden geschwommen war und in ihre Kabine zurückkehrte, wartete Annabell schon auf sie. Und die Röte in ihrem Gesicht gefiel Ailia gar nicht.
„Luciana?“, fragte sie schüchtern. „Hättet Ihr einen Moment Zeit?“
„Sicher.“ Ailia setzte sich neben sie auf die Couch und sah sie fragend an. „Was ist?“
„Ihr... Ihr habt mir doch dieses Versprechen gegeben, ja?“
Oh Gott, nein. „Ja, Ann“, sagte Ailia leise.
„Ihr... Ihr habt versprochen, wenn... wenn ich mir sicher bin. Also... wenn ich möchte...“, stotterte Annabell zusammenhanglos.
„Ann“, unterbrach sie Ailia. „Ich weiß, was ich gesagt habe. Ich habe dir versprochen, dir den Mann zu besorgen, den du wirklich haben willst. Für das erste Mal. Sag jetzt bitte nicht, was ich denke.“
Annabell lief feuerrot an. „Ich möchte Tak“, piepste sie.
Ailia sprang auf und lief mit verschränkten Armen vor ihr hin und her. „Gott, was hat er gesagt oder getan, dass du plötzlich auf einen derartigen Gedanken kommst?“, murmelte sie genervt.
„Er ist... nett.“
Ailia fuhr sich nervös durch die Haare. „Viele Männer sind nett. Du hättest besser aussehende Männer haben können. Nette Männer.“ Männer, bei denen ich wusste, dass sie es nicht versauen!
„Ich möchte ihn“, flüsterte Annabell.
„Weiß er es?“ Ailia setzte sich wieder. „Weiß er, dass du noch Jungfrau bist?“
Annabell wurde noch röter. „Ich habe das nicht gesagt!“ antwortete sie entsetzt. „Und ich weiß auch nicht, ob er es möchte. Aber könntet Ihr nicht...?“
„Was?“, fragte Ailia alarmiert.
„...mit ihm reden?“
Nein. Nein. Nein. Wenn sie mit ihm redete, würde sie ihn wahrscheinlich so einschüchtern, dass er sich wie ein kompletter Idiot anstellte.
„Ihr könntet ja mit... ähm... Trevor reden?“
Das war ja noch schlimmer! Ailia seufzte. Annabell sah sie mit diesen unschuldigen blauen Augen so flehend an, dass sie lächeln musste. Obwohl sie insgeheim Befürchtungen hatte, ließ sie es sich nicht anmerken. „Okay, Ann. Ich werde sehen, was ich tun kann. Und du bist sicher, das ER es sein soll?“
Annabell nickte nur eifrig und Ailia seufzte wieder.
***********
Ailia ging am Abend mit in die Cafeteria. Sie sagte sich, dass es kein Mann Wert war, dass sie sich wegen ihm mehr Gedanken als nötig machte.
Als sie ihn allerdings an einem der Tische in der Cafeteria sitzen sah, machte ihr Herz dummerweise einen Satz und sie verfluchte sich selbst.
„Bist du mit deinem Traumjungen wieder verabredet, Ann?“, erkundigte sie sich und sah aus den Augenwinkeln, dass Trevor seinen Blick von den Notizen hob, die er gerade las.
„Ja.“ Annabell nickte eifrig und deutete in die andere Ecke, wo Takvoll ihr einen Tisch reserviert hatte. „Ihr könnt gerne mit uns essen, Luciana.“
„Nein, danke“, winkte Ailia trocken ab und starrte in Trevors Richtung.
Annabell folgte ihrem Blick und machte: „Uuhhh.“
Ailia beachtete sie nicht weiter, sondern ging auf Trevors Tisch zu. Es lag schon wieder dieses spöttische Lächeln in seinem Gesicht, das sie so wütend machte. Sie ignorierte es, setzte sich einfach auf den freien Stuhl an seinem Tisch und fragte erst dann:
„Was dagegen?“
Er hob eine Augenbraue. „Hast du Sehnsucht nach mir, Prinzessin?“
„Nein.“ Ailia tippte ihre Bestellung in den Computer. Sie spürte genau, dass er sie nicht aus den Augen ließ und verfluchte sich selbst dafür, dass sie es registrierte. „Ich habe ein Problem“, sagte sie dann gereizt.
„So?“ Jetzt grinste er wieder eindeutig zweideutig. „Eins, bei dem ich dir helfen kann?“
Sie funkelte ihn böse an, beschloss aber, nicht darauf einzugehen. „Ich habe Ann ein Versprechen gegeben“, begann sie.
„Ja?“
„Das klingt jetzt vielleicht blöd, aber ich habe ihr versprochen, dass sie den Mann bekommt, den sie möchte.“ Jetzt sah er eindeutig erstaunt aus und Ailia fauchte gereizt: „Für ihr erstes Mal! Und sie bildet sich jetzt ein, dass dein... verliebter Trottel der Richtige ist!“
Trevor musste sich ernsthaft beherrschen, um nicht laut zu lachen. „Das... das wird ihn freuen. Wieso redest du mit mir darüber?“
„Sag es ihm!“, fuhr ihn Ailia an. „Ich hätte auch jemanden bevorzugt, den ich schon hatte, denn dann wüsste ich, ob er es auf die Reihe kriegt und sich nicht so dämlich anstellt wie...“ Sie stockte und Trevor fragte sich plötzlich, was sie eigentlich sagen wollte. Ailia fixierte noch immer zornig den blonden Mann neben Annabell. „Ich habe eigentlich auch keine Lust, ihn auszuprobieren. Er ist so gar nicht mein Typ und...“
„Was?!“, unterbrach sie sein zorniger Aufschrei.
„Was – Was? Er ist nicht mein Typ und...“
„Lucie!“, knirschte Trevor zwischen den Zähnen hindurch und beugte sich zu ihr. „Wenn dich auf diesem Schiff jemand flach legt, bin ich das!“
Ailia starrte in seine jetzt wütend blitzenden grauen Augen und verzog spöttisch den Mund. „Bildest du dir nicht ein wenig zu viel ein?“
„Nein“, sagte er gefährlich leise.
Sie lachte. „Wie willst du mich daran hindern?“
„Indem ich allen zeige, dass *ich* dich will?“ Im nächsten Moment schlang sich sein Arm um ihren Hals. Er riss sie an sich und presste seine Lippen auf ihren Mund.
Ailia war viel zu verblüfft, um zu reagieren. Sie hob nur abwehrend ihre Hände, griff nach seinem Arm und... vergaß alles um sich herum. Seine Zunge stieß in ihren Mund, sein vertrauter Geschmack traf ihre Sinne und alle die Erinnerungen, die sie erfolgreich verdrängt hatte, stiegen wieder hoch.
Als er seinen Kopf von ihr löste, noch immer dieses zornige Funkeln in den Augen, sah er sie keuchend Luft holen und stieß hervor: „Es wird sich wie ein Lauffeuer in diesem Schiff verbreiten. Und niemand wird auf dein Spiel eingehen, Prinzessin!“
Ailia riss sich los und fauchte: „Angeber!“
Alle Anwesenden im Raum begannen sich ganz schnell wieder mit ihrem Essen zu beschäftigen oder taten vollkommen unbeteiligt. Einzig und allein Annabell starrte noch eine ganze Weile fassungslos in ihre Richtung.
Und Ailia wusste, dass er Recht hatte. Selbst wenn sie es gewollte hätte, von der Besatzung dieses Schiffes würde es jetzt sicherlich niemand wagen, den Zorn des Captains herauszufordern, indem er Interesse an Ailia zeigte.
Ailia lehnte sich zurück und unterdrückte plötzlich ein amüsiertes Grinsen. Indem er das getan hatte, hatte er zugegeben, dass sie ihn noch immer interessierte. Sie fragte sich zwar, warum dieser Gedanke ihr eigentlich gefiel, verbannte die Antwort jedoch weit nach hinten in ihrem Kopf.
„Was ist jetzt?“, fragte sie und konnte den belustigten Klang ihrer Stimme nicht ganz verbergen. „Redest du mit ihm? Denkst du, er kriegt es auf die Reihe, ohne es zu versauen. Für sie, meine ich?“
„Warum sollte ich dir den Gefallen tun?“, knurrte er böse, weil er ihr Grinsen sehr wohl bemerkte.
„Weil du mich in deinem Bett haben willst“, verkündete Ailia vergnügt.
Er sah sie aus schmalen Augen an. „Erpresst du mich?“ Und beugte sich zu ihr. „Was tust du, damit ich mit ihm rede?“, fragte er spöttisch.
Ailia grinste weiter. „Was möchtest du, was ich tue?“
„Wie wäre es, wenn du unter dem Tisch verschwindest und mir etwas Erleichterung verschaffst?“ Er hätte ahnen sollen, dass er sie damit nicht schockieren konnte.
Ailia sah sich nachdenklich im Raum um, warf ihm einen sehr sehr hinterhältigen Blick zu und wollte unter den Tisch tauchen. Seine Hand schoss vor und verfing sich in ihren Haaren, als er sie an sich riss.
„Verdammt“, fluchte er unbeherrscht. „Du bist wahnsinnig!“
Ailia lachte leise. „Ich weiß nicht, für wen das peinlicher geworden wäre“, murmelte sie leise und sah sehr wohl den Hunger in seinen Augen. „Irgendwie habe ich das Gefühl, deine Mannschaft könnte sich nicht mehr auf deine Befehle konzentrieren, wenn sie sich jedes Mal daran erinnern, wie ihr Captain in der Cafeteria stöhnte und am Ende *meinen* Namen schrie...“
Miststück.
Ailia lächelte noch immer in sein böses Gesicht, ignorierte den festen Griff in ihren Haaren und ließ ihre Hand unter dem Tisch über seinen Oberschenkel wandern. Er zog scharf die Luft ein, als sie ihn durch die Hose streichelte und Ailia lächelte wieder, weil sie spürte, wie schlagartig seine Erregung wuchs.
„Uuhhh. Leicht erregbar, ja?“, flüsterte sie.
Trevor hätte sie am liebsten erwürgt. Er biss die Zähne zusammen, um nicht aufzustöhnen, als ihre kleine verrückte Hand fester zugriff und ihn durch den Stoff der Hose massierte. Er kam sich vor wie ein Teenager, der beim kleinsten Anlass die Beherrschung verlor und fragte sich zum hundertsten Mal, wieso sie das schaffte. Er war dafür bekannt, fast nie die Kontrolle zu verlieren und schon gar nicht im Beisein einer Frau. Aber die wissende Art und Weise, mit der ihn diese schwarzen Augen jetzt wieder musterten, trieb ihn in den Wahnsinn.
„Ähm“, machte eine fürchterlich verlegen klingende Stimme neben ihrem Tisch. „D-das Essen.“
„Verschwinde!“, zischte Trevor gereizt und Raphael stellte schnell den Teller auf den Tisch und flüchtete zurück in die Küche.
Mit einem unterdrückten Fluch gab Trevor Ailias Haare frei und sie ließ ihn los. Noch immer vergnügt grinsend zog sie den Teller zu sich und ein Gefühl der Genugtuung machte sich in ihr breit, als sie den hungrigen Blick sah, mit dem er sie bedachte. Es war herrlich, wie er auf sie reagierte und ihr in dieser Stärke noch nie begegnet. Gut, er hatte es mit ihr genau so einfach, aber das war etwas, was sie im Moment jedenfalls verdrängte. Trevor beugte sich zu ihr, als sie begann, gemütlich auf ihrem Teller herum zu pieken.
„Ich an deiner Stelle würde mich jetzt beeilen mit dem Essen“, flüsterte er. Sie hörte noch immer den unterdrückten Zorn und die Glut in seinen Augen jagte Schauer der Erregung über ihren Körper und zwischen ihre Beine.
Sie hatte seine Worte in dieser verrückten Nacht vergessen und sie kamen erst schlagartig zurück, als er spöttisch den Mund verzog.
„Leicht erregbar, ja?“, fragte er hämisch mit ihren Worten und bemerkte zum ersten Mal, dass eine leichte Röte in ihre Wangen stieg.
Doch sie konterte sofort. „Dann haben wir ja beide das gleiche Problem.“ Allerdings sah sie ihn nicht an, sondern beschäftigte sich mit den Spaghettis als wäre es die wichtigste Sache der Welt.
Trevor grinste plötzlich und stützte sein Kinn auf seine Hand. „Heißt das, du kommst freiwillig mit?“
„Wohin denn?“, erkundigte sich Ailia unschuldig.
„Eigentlich ist mir egal, ob du freiwillig mitkommst. Denn ich nehme dich auf jeden Fall mit“, verkündete er spöttisch.
***************
Seine Kabine war nicht viel größer als die, die er ihr zugewiesen hatte. Sie war einfach und schmucklos eingerichtet, einzig und allein mit einem Tisch, zwei Stühlen, dem Bordkommunikationsplatz und dem großen Bett.
Ailia hatte nicht sonderlich groß Gelegenheit, sich umzusehen, weil er sie an sich riss, sobald die Türschotten hinter ihnen zusammenfuhren. Er hob sie hoch und Ailias Beine schlangen sich Halt suchend um seine Hüften, als er mit ihr durch den Raum ging und auf das Bett fiel.
„Ich will jetzt nicht kämpfen“, stieß er hervor, zog ihr mit einem Ruck ihr Shirt über den Kopf und ihr BH flog hinterher.
„Das geht mir zu schnell“, murmelte Ailia gespielt, als er ungeduldig mit den Knöpfen ihrer Hose hantierte.
„Lügnerin.“ Er streifte die Hose mitsamt dem Slip ihre Beine hinab und blieb vor dem Bett stehen. „Ich bin seit einer halben Stunde dem verrückten Geruch deiner Erregung ausgeliefert.“ Seine Hände knöpften seine eigene Hose auf. „Ich denke, du schuldest mit etwas.“
„So?“, fragte sie heiser und ihr Mund wurde trocken, als er seine Hose von seinen Beinen kickte. Sie war sich schon bewusst, dass sie vollkommen nackt vor ihm auf dem Bett lag und er sie ansah, als wolle er sie verschlingen, während er sein eigenes Hemd über den Kopf zog und zur Seite warf. „Was denn?“, murmelte sie, stützte sich auf ihre Ellenbogen und warf die Haare zurück.
Er war auf ihr, ehe sie einen weiteren Gedanken fassen konnte, und drängte zwischen ihre Beine. Sie schlang ihre Arme um seinen Hals, küsste ihn und stöhnte leise in seinen Mund, als er in sie stieß. Sie wollte auch nicht kämpfen. Nicht jetzt. Denn genauso wie er, brauchte sie erst einmal jemanden, der den schmerzenden Druck in ihrem Innern löste.
Schnell. Für Machtspiele blieb später Zeit.
Es war eine ganze Weile später, als sie, jetzt eindeutig befriedigt, nebeneinander lagen. Ailia Kopf ruhte an Trevors Schulter und sie malte gedankenverloren Kreise auf seiner Brust.
„Ich rede mit ihm“, sagte Trevor plötzlich.
„Ich kann das auch machen“, murmelte Ailia und schloss die Augen, als er seine Hand hob und ihr eine der verschwitzten Haarsträhnen aus dem Gesicht strich. „Aber ich denke, dann hat er mehr Angst vor dem Morgen und dem, was Ann mir erzählt und dem, was ich tue, wenn es ihr nicht gefallen hat.“
Trevor lachte. „Sie erzählt es dir?“
„Sicher.“
„Was hast du von unserer ersten Nacht erzählt?“
„Da gab’s nichts zu erzählen“, nuschelte sie. Er lachte wieder und sie hob den Kopf.
„Gott, Ann liest Schundromane und glaubt das wahre Leben wäre auch so. Ich hätte ihr unmöglich erzählen können, was wir getan haben. Was *du* getan hast!“
„Lucie“, schimpfte er. „Ich glaube nicht, dass deine anderen Berichte so groß anders waren.“
Ailia verzog spöttisch den Mund. „Glaub mir, Trev, wenn ich im Vollbesitz meiner Parakräfte gewesen wäre, wäre diese Nacht sehr viel anders verlaufen.“
„Ich weiß, Lucie“, sagte er sanft und küsste sie auf den Mund. „Ich weiß.“ Seine Zunge fuhr über ihre Lippen. „Hätte die Nacht mit Sex geendet?“
„Möglich“, murmelte Ailia und seufzte, als seine Lippen über ihren Hals wanderten. Sicher hätte sie das. Mit einem Unterschied: Er hätte drum gebettelt...
Sie würde es ihm nie sagen, weil sie ahnte, dass er es gegen sie verwenden würde und weil sie irgendwie wusste, dass man die Sache mit dem Betteln auch umdrehen konnte.
Es reichte so schon, dass ihr Körper sie verriet, nur weil er ein paar zweideutige Worte sagte. Sie wollte gar nicht darüber nachdenken, was geschehen würde, wenn er mit ihr ein paar der Dinge anstellte, die... Ihr wurde schlagartig wieder heiß, weil ihr aufging, dass sie ohne ihre telekinetischen Kräfte kaum etwas dagegen unternehmen könnte.
„Möglich?“, kicherte er und biss sie in den Hals. „Ich weiß, dass es mit Sex geendet hätte. Die Frage ist nur, was du vorher mit mir angestellt hättest, stimmt’s?“
Ailia stöhnte unterdrückt. Blödmann.
„Meine Idee mit dem Blocker war wirklich fantastisch“, murmelte er weiter. Auch wenn es sehr bedauerlich war, dass sie ihn nicht so spüren konnte wie er sie. „Und eigentlich habe ich dir dadurch ein wahnsinniges Erlebnis verschafft, oder?“
„Geht es noch ein bisschen überheblicher?“, erkundigte sie sich spitz. Sie schnappte nach Luft, als er sie blitzschnell rollte und plötzlich mit seinem ganzen Gewicht auf ihr lag.
„Freunde dich schon mal mit dem Gedanken an“, stieß er heiser hervor, „dass ich gedenke, den Vorteil, den der Blocker mir gibt, reichlich auszunutzen.“ Sein Mund lag auf ihrem, ehe sie zu einer Erwiderung ansetzen konnte.
Ailia zerrte wütend an seinen Haaren und er knurrte recht gereizt, als er seinen Kopf hob. „Wenn der Blocker deaktiviert ist“, versprach sie ihm. „Werde ich die Rechnung zwischen uns begleichen.“
Ein Teil an ihm reagierte irgendwie begeistert auf diese Drohung und er sagte sich, dass er den Verstand verloren haben musste.
Allerdings sah diese Lösegeldsache nicht vor, dass er ihr nach der Geldübergabe noch einmal über den Weg lief. Schade eigentlich.
Deshalb grinste er jetzt auch nur. „Nun, du wirst keine Gelegenheit dazu haben, Prinzessin.“ Seine Hände lösten ihre Finger aus seinen Haaren und fixierten sie über ihrem Kopf. „Finde dich einfach mit dem Gedanken ab, dass ich es bin, der in den nächsten Wochen das Sagen hat.“
Das werden wir ja sehen, war das letzte, was Ailias logischer Verstand dachte, dann war er in ihr und ihr Körper verriet sie einmal mehr.
Kapitel 6
Sieben Tage später…
Ailia lief in Trevors Kabine mit verschränkten Armen auf und ab. „Ich werde
wahnsinnig. Ich bin aufgeregter als Ann“, schimpfte sie leise und bedachte
Trevor, der auf der Tastatur des Bordcomputers herum hämmerte, mit einem bösen
Blick.
„Lucie!“, knurrte er nur, ohne seine Augen vom Bildschirm zu lösen. „Ich habe
gesagt, ich muss diese Berichte schreiben. Und dass du nur hier bleiben kannst,
wenn du mich nicht nervst. Ich werde dich vor die Tür setzen, wenn du nicht
aufhörst.“
„Lausch doch mal kurz.“
„Verdammt!“ Er fuhr herum. „Ich denke gar nicht daran, zu verfolgen, wie mein
erster Offizier deine Ann vögelt!“
„Warum denn nicht? Das ist ein Notfall.“ Ailia begann erneut hin und her zu
laufen und Trevor wandte sich wieder dem Bildschirm zu.
„Du bist echt kindisch“, murmelte er und setzte dann hinzu. „Sie essen noch. Und
das ist das letzte Mal! Tak ist genau so aufgeregt wie Ann!“
„Aufgeregt?“, kreischte Ailia. „Wieso ist er aufgeregt!? Ich werde jetzt gehen
und…“
„Du bleibst hier!“, schrie er, jetzt eindeutig wütend.
„Gerade hast du noch gesagt, du willst mich rauswerfen“, wetterte sie. „Oh Gott,
ich kann an nichts anderes denken. Wieso ausgerechnet er?“
Trevor verabschiedete sich von dem Gedanken, dass er noch ein einziges Wort in
seiner Abrechnung verfassen konnte. Er sollte sie wirklich zurück in ihre Kabine
schicken. Aber er wusste genau, dass er es nicht tun würde. Genauso wenig, wie
er in den vergangenen Nächten zugelassen hatte, dass sie seine Kabine verließ.
Sie hatte ihn gefragt, ob er verrückt geworden wäre, als er darauf bestand, dass
sie in seinem Bett schlief und behauptet, sie könnte nur allein schlafen. Es war
eine Lüge, denn sie war schneller eingeschlafen als er und das, obwohl er sie im
Arm hielt und ihren ruhigen Atemzügen lauschte. Doch sie begann die Diskussion
jede Nacht neu. Und schlief jedes Mal in seinen Armen ein.
Sie forderte ihn immer wieder aufs Neue heraus. Manchmal reichte ein einziger
Blick aus diesen verrückten schwarzen Augen, um ihn die Beherrschung verlieren
zu lassen. Einmal sogar im Lift und nur sein geistesgegenwärtiger Schlag auf den
Notstopp verhinderte, dass irgendein Mitglied seiner Mannschaft den Captain in
einer sehr kompromittierenden Situation erwischte.
Sie sagte, was sie wollte. Sie forderte, was sie wollte. Sie hatte so ziemlich
keine Hemmungen.
Aber jetzt benahm sie sich wie ein Kind. Und war nervös. Er hatte sie in all den
Tagen nie nervös gesehen, obwohl sie seiner Meinung nach reichlich Grund dazu
gehabt hätte.
Nachdenklich beobachtete er ihr hin und her laufen.
„Lucie, komm her“, sagte er leise.
Ailia sah ihn an und die Unsicherheit in ihren Augen überraschte ihn mehr als
alles andere. Langsam kam sie auf ihn zu. Er griff nach ihrer Hand und zog sie
auf seinen Schoß. Und sie überraschte ihn noch mehr, weil sie sich einfach an
ihn kuschelte. Kampflos.
„Was zum Teufel ist los?“, fragte er. Sie antwortete nicht. „Lucie, wo ist das
Problem? Tak ist doch nicht dumm. Er mag sie. Und jede Frau erlebt irgendwann
ihr erstes Mal. Und überlebt es. Also mach kein Drama daraus.“
„Warst du bei irgendeiner Frau der erste?“, erkundigte sie sich plötzlich leise.
„Bist du verrückt? Nein!“, entfuhr es ihm. „Ich bin Telepath! Ich habe schon
genug zu tun, die Gedanken fern von mir zu halten, wenn die Frau mich will und
nicht nervös und aufgeregt …“ Er stockte plötzlich und starrte auf Ailias dunkle
Haare. Scheiße. Und schluckte. „Lucie?“
„Ich wünsche mir, dass es für sie schöner ist“, sagte Ailia leise. „Sie ist so
unschuldig, Trev. Sie liest all diese kitschigen Bücher und träumt von der Liebe
ihres Lebens. Ich habe ihr versprochen, dass sie den Mann bekommt, den sie
wirklich will. Und dass es für sie... dass es für sie...“
„...besser wird als es für dich war?“
„Ja!“, brummte Ailia und vergrub ihr Gesicht an seiner Brust.
Trevor spielte gedankenverloren mit ihren Haaren. „War es so scheußlich?“,
erkundigte er sich dann zögernd, weil er nicht wusste, ob sie überhaupt mit ihm
darüber reden wollte. Sie sprachen nie über persönliche Dinge. Sie hatten Sex.
Nichts weiter.
„Verdammt, Trev. Selbst du als Mann willst nicht der Erste sein. Was glaubst du,
wie es für mich war. Ich wusste, was auf mich zukommt. Sicherlich besser als
jede andere Frau, eben weil ich eine Telepathin bin. Aber ich habe überhaupt
nicht darüber nachgedacht, dass ich seine Gedanken lese und wie störend das
ist.“ Sie lehnte ihre Wange an seine Schulter und starrte nachdenklich in die
Luft. „Ich war nervös und aufgeregt und so unerfahren. Und sicherlich viel zu
jung. Aber ich wollte es einfach wissen. Wollte wissen, was die Frauen so in den
Wahnsinn treibt.“ Sie lachte leise und klang gar nicht so bitter. „Wenn ich
damals diesen Blocker besessen hätte, wäre es sehr viel einfacher gewesen.“
Er sollte es ihr endlich sagen.
„Nun ja“, fuhr sie fort. „Er hatte nicht die Geduld und ich war viel zu nervös,
um irgendetwas anderes zu fühlen als den Schmerz. Ich habe mich nach dieser
Nacht gefragt, was an der Angelegenheit eigentlich so toll sein soll.“
Trevor grinste unbewusst. „Wie hast du es dann herausgefunden?“
„Wie gesagt, ich bin Telepathin. Und ich habe verdammt noch mal nicht
eingesehen, warum all die anderen das empfinden sollen und ich nicht. Also habe
ich meine Stellung ausgenutzt, um es heraus zufinden. Ich war nie schüchtern.
Aber nach dieser Nacht habe ich Forderungen gestellt. Schließlich kannte ich die
ganze Theorie mit all ihren Spielarten aus den Köpfen anderer Frauen.“ Sie hob
den Kopf und sah ihn an. „Warum erzähle ich dir das eigentlich?“
„Ann weiß das alles, oder?“, erkundigte er sich, ohne auf ihre Frage zu
reagieren.
„Ann kennt die Theorie besser als jede andere Frau. Dafür habe ich schon
gesorgt.“
„Also brauchst du dir keinen Kopf zu machen. Sie ist keine Telepathin und Tak
sehr geduldig. Das habe ich ihm jedenfalls eingeredet“, meinte er nur.
„Ja?“
Er nickte.
„Das war... nett“, sagte sie zögernd.
„Ich kann auch nett sein. Manchmal.“
„Ich auch. Manchmal.“
Trevor lachte, küsste sie kurz auf den Mund und meinte: „Wie wäre es, wenn wir
uns jetzt eine Flasche Wein öffnen und vergessen, was in Anns Zimmer
stattfindet?“
***************
Drei Stunden später kicherte Ailia nur noch, weil sie zum ersten Mal in ihrem
Leben betrunken war. Telepathen betrinken sich nie…war ihre Devise gewesen, weil
man dabei die Kontrolle über die geistigen Kräfte zumindest teilweise verlor.
Mit dem Blocker konnte es ihr egal sein und sie genoss es, sich einmal wie ein
normaler Mensch zu benehmen.
Trevor hatte die Beine angezogen und lehnte am Kopfende seines Bettes. Er spürte
die Wirkung des Alkohols genau so, war jedoch im Gegensatz zu Ailia den Genuss
gewöhnt.
Diese saß ihm Schneidersitz vor ihm und schimpfte, weil sie ein so ‚komisches‘
Gefühl in ihrem Kopf spüren würde und sich der Raum um sie drehte.
„Ich wusste, es ist ein blöde Idee“, murmelte sie und stellte ihr Glas auf den
Boden.
Trevor beobachtete amüsiert, wie sie den Halt verlor, auf dem Bauch landete und
sich mühsam wieder aufrichtete. Wahrscheinlich würde es ihr am Morgen nicht sehr
gut gehen.
„Lauschst du noch mal?“, fragte sie zum bestimmt zehnten Mal.
Und er antwortete genau so oft. „Nein.“
Doch diesmal setzte sie hinzu. „Wie alt warst du beim ersten Mal?“
„Hm“, überlegte er und starrte in die Luft. „Ich weiß gar nicht. Vierzehn,
glaube ich. Und du?“
„Fünfzehn. Wer war sie?“
„Eine...“ Er verschluckte gerade noch rechtzeitig, was er sagen wollte. „Sag ich
nicht. Ich will nicht, dass du irgendetwas von mir erfährst. Sicherheitshalber.“
„Feigling. Eine Hure?“
„Nein.“
Sie lachte. „Älter als du?“
„Sicher.“
„War es gut?“
„Ich denke schon. Aber ich war auch aufgeregt. Ich habe versucht, ihre Gedanken
auszuschließen. Aber es funktioniert halt nur bis zu einem bestimmten Moment.“
„Du solltest den Blocker mal benutzen.“
Er lächelte irgendwie undefinierbar, doch Ailia bekam es in ihrem Zustand gar
nicht mit.
„Vielleicht...“ Niemals bei dir, Lucie. Niemals bei dir.
„Ich finde es toll.“ Sie rutschte auf ihn zur, stützte ihre Arme auf seinen
Knien ab und legte ihr Kinn darauf. „Wenn dieser Prinz auch nur halbwegs gut
aussieht, werde ich mit ihm klar kommen, denke ich“, erklärte sie großspurig.
„Ich meine, mit dir funktioniert es auch... mehr als einmal.“ Dann runzelte sie
die Stirn. „Und wenn ich den Blocker trage, bekommst du von meinen Gedanken auch
nichts mit, oder? Nein, ich denke nicht, sonst würdest du nicht so scharf drauf
sein, mich in deinem Bett zu haben.“
„Du bist eine Mutantin“, sagte er leise.
„Oder ich verpasse ihm den Blocker“, überlegte sie weiter. „Weil ich ja sonst
meine Kräfte nicht hätte. Und das wäre schon... blöd.“
„Er blockiert deine mentalen Kräfte. Trägt er ihn, verhindert er nicht, dass du
seine Gedanken liest.“
„Nicht? Schade.“ Ailia hob den Kopf und fixierte ihn. „Nicht? Nicht!? Wieso
dann...?“
„Du bist eine Mutantin“, wiederholte er. „Ich kann deine Gedanken nicht lesen.“
„Auch nicht, wenn wir...?“
Er zögerte kurz. „Nein.“ Verdammter Lügner.
„Nein?“ Ailia sah recht perplex aus. „Das ist ja toll. Deaktivier das Ding!“
„Ich bin nicht verrückt, Lucie“, sagt er leise. Er nahm nicht an, dass sie ihre
Drohung vergessen hatte und war absolut nicht scharf darauf, ihre Rache zu
erleben. Und er traute ihr eine ganze Menge zu. Heute vielleicht nicht, aber
spätestens, wenn sie wieder nüchtern war, würde ihr kleiner verrückter Verstand
sich eine Menge unanständiger Dinge für ihn ausdenken.
„Schade“, machte sie nur und legte ihr Kinn wieder ab. „Dann hätte ich mir
damals nur einen Mutanten suchen müssen... Weißt du, Trev, ich denke, du hättest
es nicht vermasselt. So wie ich jetzt durchdrehe, wenn du mich nur anschaust.
Vielleicht hätte ich dann meine Aufregung ganz schnell vergessen.“
Er sollte ihr öfter etwas zu trinken geben, wenn sie dann solche Dinge sagte.
„Ich glaube, das erste Mal ist nie so umwerfend“, sagte er jedoch nur.
„Wenn der Mann genug Erfahrung hat, denke ich schon.“ Ailia starrte versonnen in
die Luft.
„Ich habe keine Ahnung, wie viel Erfahrung Tak hat“, witzelte er. „Vielleicht
hätte Ann mich wählen sollen.“
„Ich denke, du willst keine Jungfrau...“, setzte sie an. „Was? Dich?! Wieso zum
Teufel dich?!“ Was störte sie eigentlich daran? Bei ihm hätte sie zumindest
sicher sein können, dass er es nicht vermasselte.
„Wieso nicht?“, fragte er scheinheilig. „Du hast doch auch überlegt, ob du Tak
erst einmal ausprobierst.“
„Ann hat Angst vor dir! Sie hätte dich nie gewählt.“ Und wenn sie es getan
hätte? Ailia war sich plötzlich gar nicht so sicher, wie sie reagiert hätte.
Trevor war sich sogar fast sicher, dass Annabell allein bei dem Gedanken daran
in Ohnmacht gefallen wäre. Und er war sich sogar noch viel sicherer, dass er es
nie getan hätte. Er mochte Frauen, die Angst hatten, nicht sonderlich. Er mochte
sehr viel mehr, wenn sie kämpften wie… Sein nachdenklicher Blick traf Ailias
Augen und sie lächelte recht betrunken zurück. Seine Prinzessin…
Ohne zu überlegen, legte sich seine Hand um ihren Hals. Er beugte sich nach vorn
und küsste sie auf eine Art und Weise, die einen Teil von Ailias benebeltem
Verstand zur Seite drängte. Als sich seine Lippen von ihr lösten, musste sie ihn
reichlich verträumt angesehen haben, denn er lächelte wieder. „Im Moment reichst
du mir vollkommen.“
„Das…“ Ailia schluckte. „… will ich dir auch geraten haben“, murmelte sie dann
müde und ihre Augen schlossen sich.
„Lucie, du bist süß, wenn du betrunken bist“, grinste Trevor.
Sie machte nur. „Hm.“ Und das sagte mehr als genug, weil er sich sicher war,
dass sie keineswegs als süß bezeichnet werden wollte.
Sie lehnte noch immer an seinen Knien und Trevor schob sie zurück, als er zur
Seite aus dem Bett stieg. Ailia fiel einfach um, vergrub ihr Gesicht in den
Armen und rollte sich zusammen.
Trevor verschwand im Bad. Als er wieder kam, hatte sich an ihrer Position nichts
verändert und er grinste wieder. „Lucie, Lucie…“
Er schüttelte sie an der Schulter, doch sie murmelte nur, er solle seine Finger
von ihr nehmen und sie in Ruhe lassen.
„Ja doch, Kleines“, kicherte er. „Aber ich werde dich nicht in diesen Sachen
schlafen lassen, okay? Also mach mit und hilf mir.“
Er richtete sie auf und versuchte, ihr das Shirt über den Kopf zu ziehen. Das
stellte sich als sehr schwierig heraus, weil sie gegen ihn sank und einfach
weiter schlafen wollte.
„Hey!“ schimpfte er gespielt. „Ich habe ‚Mach mit’ gesagt.“
„Hm“, brummte Ailia gegen seine nackte Brust und Trevor schickte ein Stoßgebet
zum Himmel.
Es dauerte eine Weile, weil sie so gar nicht mitmachte, dann hatte er sie von
dem Shirt befreit und zog die Hosen ihre Beine hinunter. Er beschloss, dass sie
sehr wohl in BH und Slip schlafen konnte und kroch neben sie unter die
Bettdecke. Das war auch sicherer für ihn. Ailia knurrte schon wieder, als er sie
mit dem Rücken an sich zog und in ihr Ohr flüsterte:
„Denk gar nicht daran, die zwei vor Mittag zu stören, verstanden?“
************
Ailia erwachte am nächsten Morgen mit einem fürchterlichen Brummen im Kopf. Sie
schielte zur Seite, musste jedoch feststellen, dass sie allein im Bett war.
„Shit“, fluchte sie leise und sank in die Kissen zurück. Sie trug nur BH und
Slip, konnte sich jedoch nicht erinnern, ihre Kleidung ausgezogen zu haben. Dann
hörte sie die Badtür und Trevors Kopf schaute heraus.
„Ich habe deine Sachen versteckt, damit du gar nicht erst auf die Idee kommst,
als erstes Ann zu überfallen.“
„Was?“, fragte sie noch vollkommen verschlafen, doch die Tür war schon wieder
zu. Dann fuhr sie hoch. „WAS?! Du elendes hinterhältiges…“ Sie sprang aus dem
Bett, fluchte wieder kurz, als sich das Brummen in ihrem Kopf verstärkte und
stürzte zum Bad.
„Du kannst nicht meine Sachen verstecken!“, schrie sie erbost, riss die Tür auf
und betrat das Bad. „Das ist kindisch. Und lächerlich. Und…“ Sie verstummte,
weil er sie wahrscheinlich gar nicht hörte. Er befand sich im abgetrennten
Duschbereich und das Wasser war an. Das war schon unverschämt.
Mit schmalen Augen ging sie um die Abtrennung und stemmte die Hände in die
Hüften. „Wo sind meine Sachen?“
„Möchtest du mir Gesellschaft leisten?“, fragte er nur.
Ailia sah ihn spöttisch von oben bis unten an. „Nein. Ich will meine Sachen und
ich will wissen, wie es Ann geht.“
„Lucie, es ist neun und ich gedenke nicht, dich aus dem Zimmer zu lassen, damit
du die zwei mit deiner unvergleichlichen Art störst. *Ich* habe so viel
Taktgefühl“, schmunzelte er und sagte einfach. „Komm her.“ Als er sah, wie ein
undefinierbares Grinsen um ihre Mundwinkel kroch, hob er eine Augenbraue.
„Stell das Wasser ab“, sagte sie leise.
„Was wird das?“ Er klang belustigt. „Wenn du duschen willst, brauchst du Wasser
und ich würde dir sowieso empfehlen, die Unterwäsche auszuziehen…“
„Ich will nicht duschen.“
Das war etwas in ihrem Blick, das ihn hätte warnen sollen. Als er jedoch in ihr
Gesicht sah, bemerkte, wie sich ihr Mund halb öffnete, ihre Zunge heraus
schnellte und ihre Lippen befeuchtete, wurde ihm heiß. Langsam hob er seine Hand
zum Duschknopf und deaktivierte den Wasserstrahl.
„Ich denke“, sagte sie langsam und kam auf ihn zu. „Ich schulde dir noch etwas,
das du auf keinen Fall in der Cafeteria erleben wolltest.“
Sein Körper reagierte schlagartig, während ein Rest seines Verstandes sagte:
Gott, was hat sie jetzt für ein Spiel vor. Es war nicht ihre Art von einer
Sekunde zur anderen wütend zu sein und im nächsten Moment zu versuchen, ihn zu
verführen. Es sei denn, *er* hatte seine Hände im Spiel. Aber er hatte sie nicht
einmal berührt. Das war unheimlich.
Mit einem wissenden Lächeln im Gesicht blieb sie vor ihm stehen. Ihre Hände
hoben sich und strichen sanft über die nackte Haut seiner Brust.
„Sieht aus, als gefällt dir der Gedanke“, murmelte sie, als sie sah, wie sich
seine Bauchmuskeln anspannten, als ihre Hände tiefer wanderten.
„Lucie, du…“ Er verstummte, weil sie ihn in die Hand nahm und stöhnte leise auf,
als sie ihren Daumen sanft über die Spitze seines Penis gleiten lies.
„Was, Trev?“ Sie schob ihn zurück gegen die Wand und presste sich an ihn.
Er spürte den Stoff ihrer Unterwäsche auf seiner Haut und fühlte ihre Hand, die
seine schmerzende Erektion massierte. Dann waren ihre Lippen auf seiner Brust,
ihre Zunge umspielte seine Brustwarzen und der letzte Rest seines Verstandes
verabschiedete sich. Was konnte sie schon groß vorhaben? Hautsache ihre Lippen
bewegten sich bald ein Stück tiefer… Seine Hand verfing sich in ihren Haaren,
als er ihren Kopf an sich presste und er stöhnte erschrocken auf, als sie fester
zugriff.
„Hände aus meinen Haaren“, knurrte sie gegen seine Haut und er fragte sich,
warum er tat, was sie sagte. Sein Kopf fiel zurück gegen die Wand und seine
Augen schlossen sich, als sie in die Knie ging.
Ailia lächelte wieder. Sie spürte sein Zittern und noch immer waren es nur ihre
Finger, die ihn streichelten. Dann schnellte ihre Zunge heraus und fuhr sanft
über die samtene Haut seines Penis, von der Spitze hinab zum Beginn des
Schaftes, den ihre Hand umfangen hielt und wieder hoch. Seine Hände hatten sich
zu Fäusten geballt, doch sie blieben an den Seiten seines Körpers, obwohl sich
Ailia sicher war, dass er sie sehr gern in ihre Haare gekrallt hätte, um sie zu
zwingen, sich zu beeilen. Er stöhnte wieder.
„Magst du das, Trev?“, fragte sie und nahm ihn kurz in den Mund.
„Ja doch“, keuchte er nur, ohne die Augen zu öffnen. „Ja, verdammt…“
„Hat es ihr gefallen?“, schnurrte Ailia, fühlte ihn zusammen zucken und saugte
ihn im gleichen Moment tief in ihren Mund.
„Oh Gott, Lucie!“ stieß er hervor, aber das Gefühl war zu stark. Die Hitze ihres
Mundes umfing ihn, er spürte ihre Lippen auf und nieder gleiten und wusste, dass
er verloren hatte. „Lucie, du… bist… ein… verdammt…“ Er zuckte unkontrolliert,
als ihre Zähne über die empfindliche Haut schabten. Seine Hüften stießen
unkontrolliert nach vorn, doch sie stemmte ihre Hand gegen seinen Bauch, um ihn
davon ab zuhalten. Er hätte aufschreien können, als ihr Mund ihn wieder verließ
und sie aufs Neue begann, ihn mit der Zunge zu erforschen.
„Hat es ihr gefallen, Trev?“, fragte sie wieder und sein getrübter Verstand
sagte irgendwo weit entfernt, dass sie ein verdammtest Miststück war. Doch er
wusste die Antwort.
„Ja doch… es… hat… ihr… gefallen…“
„Schön“, murmelte sie und ihre Hand fing an, seinen Schaft auf und ab zu pumpen.
Automatisch griff Trevor wieder nach ihrem Kopf und sie zischte: „Nein!“
Er ließ los und fühlte hilflos, wie seine Beine schwach wurden. „Lucie…“, bat er
leise und schnappte nach Luft, als sie ihn wieder in ihren Mund saugte. Es war
Wahnsinn. Natürlich war es nicht das erste Mal, das eine Frau das tat, aber die
Art und Weise, wie sie ihre Lippen und Zähne und Zunge einsetzte, raubte ihm den
Verstand. Und noch nie hatte eine Frau gewagt zu verlangen, dass er nichts tat!
Er hätte vor Wut schreien können, als ihr Mund ihn wieder verließ.
„Du schmeckst gut, Trev“, lächelte sie, sah zu ihm hoch, während sie über die
Spitze seines Penis leckte. „Sind meine Sachen im Bad?“
Sie war verrückt. Trevor starrte hilflos auf ihren Kopf, beobachtete, wie ihre
Zunge über seine Erektion fuhr und der Schmerz, der sich in seinem Körper
sammelte, wurde langsam unerträglich. „Lucie…“ Sie biss ihn kurz. „Shit… nein!“
„Wo sind sie?“ Wieder saugte sie ihn in ihren Mund, diesmal weiter und alles, an
was er denken konnte, war dieses Gefühl, das sich in ihm aufbaute und immer
stärker wurde.
Seine Hüften stießen wieder nach vorn. Gott, das war gut. Ihr Mund war so warm
und feucht und…
„Wo, Trev?“, knurrte sie, ohne dass er ihren Mund verließ.
Trevor war plötzlich alles egal. Sein Kopf flog wieder zurück, als sie ihre
Bewegungen bescheunigte, fester zufasste und ihre Zähne wieder ins Spiel kamen.
Mit halb geöffnetem Mund keuchte er nur: „Mein Schrank…“ Dann explodierte er,
stieß nach vorn tief in ihren Mund, als er in kurzen Ausbrüchen kam.
Ailia schluckte, fühlte ihn erschlaffen und leckte die letzten Reste des Spermas
von seinem Penis. Trevors Beine gaben nach und er sackte mit geschlossenen Augen
an der Wand zusammen.
Ailia sprang auf und stürzte zurück in die Kabine. Sie riss die Tür seines
Schrankes auf und griff nach ihren Sachen.
Allerdings hatte sie die Rechnung ohne einen Teleporter gemacht. In dem Moment,
in dem sie ihr Shirt über den Kopf gezogen hatte, materialisierte er und sie
fluchte unbeherrscht auf. Sie flüchtete zur Seite, obwohl sie eigentlich genau
wusste, dass es jetzt keinen Sinn mehr hatte.
Trevor lachte jedoch nur und hechtete ihr nach. Ailia stolperte, weil er sie aus
dem Gleichgewicht brachte und griff Halt suchend nach der Kante des Tisches. Im
nächsten Moment fand sie sich mit dem Bauch zuerst auf dem Tisch wieder, während
sie ein lachender Trevor mit seinem Gewicht fest pinnte.
„Also, Lucie, du bist wirklich ein ganz hinterhältiges Biest“, murmelte er
verzückt und seine Lippen wanderten über ihre Schulter zu ihrem Hals.
„Wieso bist du so schnell wieder auf den Beinen“, beschwerte sie sich und
versuchte ihn los zu werden, doch er hatte ihre Hände in seinem festen Griff auf
ihrem Rücken.
„Hast du wirklich gedacht, du kannst gehen, ohne dass ich dir nicht genau so
einen Wahnsinnsorgasmus verschaffe wie du mir?“, fragte er spöttisch und zog
ihren Slip mit einem Ruck ihre Beine hinunter.
„Oh nein!“, kreischte Ailia. „So nicht! Ich will nicht auf einem Tisch gevögelt
werden!“
„Nein?“ Er tat beleidigt. „Ich denke schon.“ Er nahm ihre Hände in eine Hand und
richtete sich auf. „Weißt du, Lucie. Ich mag es, dich auf einem Tisch zu
vögeln.“ Seine freie Hand strich über ihr nacktes Hinterteil und fuhr zwischen
ihre Beine.
Und Ailias Stirn sank auf die Tischplatte. „Nein, nein, nein“, murmelte sie und
wimmerte leise auf, als sein Finger in sie fuhr.
„Und ich denke, du magst es auch“, fuhr er fort. „Besser gesagt, meine Nase sagt
es mir.“
Verfluchter Mutant. Ailia knirschte mit den Zähnen und trat nach ihm. Lachend
entzog er ihr seine Hand, presste seine wieder erwachte Erektion zwischen ihre
Beine und rieb sich an ihr.
Er beugte sich über sie und flüsterte in ihr Ohr. „So schön feucht für mich,
Lucie. Und du behauptest, du magst es nicht.“ Dann richtete er sich auf, drängte
ihre Beine etwas auseinander und positionierte sich hinter ihr. Ailia stöhnte
auf und schloss die Augen. Sie konnte sich nicht rühren und trotzdem schrie ihr
Körper danach, ihn endlich in sich zu spüren. „Soll ich, Lucie?“
„Ja!“, schrie sie unbeherrscht und keuchte auf, als er in sie rammte. Sie hörte
ihn genau so stöhnen. Er zog sich wieder aus ihr zurück, fast ganz und stieß
wieder zu.
Ailia traten Tränen in die Augen, weil das Gefühl einfach nur köstlich war. Sie
schluchzte fast auf, als er sich über sie beugte, sie hochzog und seine Hand von
vorn zwischen ihre Beine wanderte. Er wusste es wirklich. Sie hatte keine Ahnung
warum. Aber er schaffte es, sie innerhalb kürzester Zeit die Beherrschung
verlieren zu lassen. Sie schrie seinen Namen, als die Lichter in ihrem Kopf
angingen, sackte wieder auf den Tisch zurück, als er sie los ließ und noch ein
paar Mal wie ein Wilder in sie stieß, bevor er mit einem Aufstöhnen die Grenze
ebenfalls überschritt.
Ailias Atem ging noch immer stoßweise, als ihr Verstand wieder begann zu
arbeiten. Sie fuhr herum, zog mit einer wütenden Bewegung ihren Slip wieder hoch
und stürzte sich auf ihn.
„Du bist wirklich der unmöglichste Mensch, dem ich je begegnet bin“, stieß sie
hervor.
Trevor schlang lachend seine Arme um sie und hob sie hoch. „Ich bin der Beste,
den du je hattest!“
„Ha!“ Sie schlug gegen seine Brust. „Lass mich runter. Ich will jetzt gehen!“
„Lucie, du wirst jetzt hier bleiben oder ich binde dich am Bett fest!“ Er konnte
nicht ahnen, was seine Worte anrichteten. Sie erstarrte in seinen Armen und das,
was er plötzlich in ihren Augen sah, würde er wahrscheinlich so schnell nie
vergessen.
Panik. Und Angst.
Etwas, was er nie erwartete hatte, jemals in ihren Augen zu sehen. Vorsichtig
stellte er sie auf ihre Füße. „Lucie?“
Ailia schluckte, wollte ihn von sich schieben, doch er ließ sie nicht los,
sondern sah sie vollkommen fassungslos an. „Ich gehe jetzt.“ Selbst ihre Stimme
klang anders. Irgendwie flach. „Nimm. Deine. Hände. Von. Mir.“
„Du siehst aus wie Annabell kurz vor einen Ohnmachtsanfall. Ich denke gar nicht
dran.“
Er schob sie in Richtung Bett und zwang sie, sich auf die Bettkante zu setzen.
Dann ging er vor ihr in die Knie. Weder er noch sie registrierten im Moment,
dass er noch genau so nackt war wie in der Dusche. „Lucie?“, fragte er wieder
vorsichtig. „Hat dich schon mal jemand ans Bett gefesselt?“
„Nein!“, schrie sie ihn an und klang recht hysterisch.
„Es war ein Scherz, Lucie“, sagte er leise.
Ailia schloss einen Moment die Augen und zwang sich, ruhig zu atmen. Natürlich
hatte niemand sie an ein Bett gefesselt.
Aber sie hatte es getan. Und sie hatte es lustig gefunden. Schließlich waren
Männer immer nur dazu da gewesen, ihr Vergnügen zu verschaffen. Wie der Mann es
gefunden haben mochte, dass sie eine ganze Weile einfach nur mit ihm gespielt
hatte, hatte sie nicht interessiert. Jetzt ahnte sie es plötzlich.
Denn bei dem Gedanken, dass Trevor das gleiche mit ihr tun könnte und sie keine
Chance hätte, sich zu wehren, wurde ihr schlecht. Die Erinnerung stürmte wie ein
Orkan auf sie ein. Er hatte sie angefleht, endlich auch ihm die Befriedigung zu
geben, die er brauchte. Er hatte gebettelt. Eine ganze Weile gebettelt. Was
hatte sie nur getan?!
Trevor studierte einen Moment ihr Gesicht und sah die unterschiedlichsten
Emotionen darüber huschen. Angst. Entsetzen. Schuld. Reue. Und er ahnte
plötzlich, was ihr Problem war. „Du hast es getan, nicht wahr?“, flüsterte er.
Sie wollte ihm ihre Hände entziehen, wollte aufstehen und flüchten, doch er
hielt sie fest.
„Lucie!“ fuhr er sie an. „Ich bin der letzte, der irgendwelche extravagante
Sachen im Bett verurteilt. War es gegen seinen Willen?“
Sie schüttelte den Kopf.
„Wo ist dann dein Problem?“
„Ich…“ Sie wich seinem Blick aus, nervös, und wollte einfach nur aus diesem
Zimmer verschwinden. „Ich…“, begann sie wieder, „…habe es… ganz schön lange…
denke ich…“
„Du hast ihn eine Weile schwitzen lassen? Nun, das gehört zu dem Spiel. Und?“
Sie riss ihre Hände von ihm los, fuhr sich durch die Haare. „Es war eine ganze
Weile!“, schrie sie, klang schon wieder ganz schön hysterisch und presste ihre
Hand auf den Mund. „Gott, was habe ich getan… Er hat gebettelt…und… ich… mir…
hat das… Spaß gemacht…“
Trevor starrte sie nachdenklich an. „Du hast Angst, dass du genau so betteln
würdest?“ Es war eine Feststellung. Seine Hände strichen gedankenverloren über
ihre Knie. „Du weißt, dass du es würdest. Wenn ich es darauf anlegen würde.“
Ailia starrte mit großen Augen einfach nur zurück. „Lucie, ich mag eine Menge“,
sagte er dann leise. „Selbst diese Fesselsache hat einen gewissen Reiz für mich.
Wenn man dem anderen vertraut. Aber weder vertraue ich dir, noch du mir. Und ich
komme mit einer Menge im Bett zurecht, aber nicht mit Angst. Mit Wut ja, mit
Zorn, aber niemals mit Angst.“ Er stand auf, ging zu seinem Schrank und griff
nach einer Hose.
Ailia sagte noch immer keinen Ton. Er knöpfte die Hose zu und blieb vor ihr
stehen. „Also, du bleibst jetzt bis Mittag hier?“ Er grinste, beugte sich kurz
zu ihr und hob ihr Kinn an. „Sonst binde ich dich am Sessel fest.“ Er ließ sie
los und zog sich noch ein Shirt über. „Ich muss jetzt auf die Brücke. Wenn mein
erster Offizier schon nicht anwesend ist…“
Er ging zur Tür und Ailia sprang auf. „Trevor?“
„Ja?“
Sie blieb vor ihm stehen. „Du… verachtest mich jetzt nicht?“, erkundigte sie
sich mit gerunzelter Stirn.
„Spielt es eine Rolle?“, fragte er nur.
„N…nein“, antwortete sie zögernd. Es sollte ihr egal sein, was er von ihr
dachte.
„Gut. Ich habe Frühstück für dich bestellt, aber du musst es leider allein
genießen.“ Er küsste sie kurz auf den Mund. „Bis heute Abend.“
Ailia starrte noch eine ganze Weile auf die Tür. Es sollte ihr verdammt noch mal
egal sein.
Teil 7
Ailia ließ Annabell sogar bis nach dem Mittag Zeit. Sie ging allein Essen,
hoffte zwar, dass Annabell vielleicht auftauchte, aber es geschah nicht.
Es wagte niemand, sich an ihren Tisch zu setzen, obwohl sie ab und zu ein kurzer
schüchterner Seitenblick traf und Ailia verfluchte Trevors Handlung. Und sie
verfluchte sich selbst, weil sie über ihn nachdachte.
Spielt es eine Rolle?
Nein, es spielte verdammt noch mal keine Rolle. Was interessierte sie, wie er
über sie dachte. Sie stand auf guten Sex. Und den konnte er ihr geben. Das war
alles, was sie wollte.
In zwei Wochen würde er aus ihrem Leben verschwinden und dann war eh egal, was
er von ihr dachte. Schließlich hatte sie nie interessiert, was ein Mann von ihr
dachte.
Sie starrte ihr Essen so wütend an, als könne dieses etwas für den Aufruhr, der
in ihrem Innern tobte. Nein, sagte sie sich, sie würde ihn mindestens noch
einmal wieder sehen und wenn sie die gesamte Galaxis auf den Kopf stellte.
Um die Rechnung zu begleichen.
Das war der einzige Grund.
Missmutig aß sie auf und zwang sich, ihre Gedanken auf das näher liegende zu
richten: Annabell.
Sie schlenderte zu ihrer Kabine zurück. An der Verbindungstür lauschte sie kurz
und klopfte, als sie keine Stimmen hörte.
„Kommt herein, Luciana.“
Annabell klang toll. Sehr schön.
Ailia öffnete die Tür und hatte kaum das Zimmer betreten, als ihr die blonde
Frau auch schon um den Hals fiel. Ailia war für einen Moment zu verblüfft, um zu
reagieren und stand völlig hilflos im Raum. Sie war noch nie dafür bekannt
gewesen, irgendwelche Gefühle derart offen zu zeigen wie Annabell und wusste
einen Augenblick nicht, wie sie reagieren sollte.
„Bist du ...ähm… okay, Ann?“, fragte sie zögernd.
„Ja“, schluchzte Annabell und ließ sie verlegen los. „Oh Gott, Luciana, Ihr
hattet Recht. Es *war* wunderschön.“
Sei froh, Tak, dachte Ailia sarkastisch und lächelte. „Das ist doch toll, Ann.“
Sie zog die blonde Frau mit zur Couch. „Warum weinst du dann?“
Annabell lachte und wischte die Tränen aus ihrem Gesicht. „Ich bin so
glücklich“, sprudelte sie hervor und Ailia war eigentlich ganz froh, dass sie
nicht in Versuchung kommen konnte, ihre Gedanken zu lesen. „Er war so ... nett
und ... Ich hatte eigentlich fürchterlich Angst, plötzlich, doch ... er war ...“
Ailia lächelte wieder. „Ann, du musst mir nichts erzählen. Mir reicht, wenn ich
weiß, dass es dir gefallen hat.“
Annabell wurde rot. „Wenn Ihr davon erzählt habt, dachte ich immer, es muss
irgendwie anders sein und ich habe mich schon bei dem Gedanken an all die Dinge
geschämt, die Ihr erzählt habt...“
Uhh... Sie hätte mal lieber ihren Mund halten sollen. „Wieso?“, fragte sie
zögernd.
„Aber Tak war so ... einfühlsam. Und ich hätte nicht gedacht, dass es *so*
ist... Dieses Gefühl...“ Annabell blickte mit puterrotem Kopf auf ihre Hände,
während sie redete. „Natürlich tat es weh. Das erste Mal. Aber dann war es
Wahnsinn...“
Ein eigenartiges Gefühl zog sich in Ailias Brust zusammen.
„Er hat gesagt, er hat mich sehr gern. Und dass er so stolz darauf ist, weil ich
ihn gewählt habe.“ Annabell hob den Kopf und schaute sie mit großen Augen an.
„Ich habe ihn auch gern, wisst Ihr“, sagte sie leise. „Ist das ... verkehrt?“
„Nein, Ann.“ Ailia schluckte.
„Ich denke, ich werde ihn nie vergessen“, flüsterte Annabell. „Ihr habt das nie
gesagt, Luciana. Dass ich so viel für ihn empfinde. Wie habt Ihr das geschafft?
Es waren so viele Männer...“
Ailia fühlte sich plötzlich sehr schlecht und das gefiel ihr gar nicht. „Ann,
ich habe mich in diese Männer nicht verliebt. Ich genieße, was sie mir geben,
mehr nicht“, antwortete sie recht kühl.
Annabell sah sie unsicher an. „Und... Trevor? Habt Ihr ihn ... gern?“
„Warum sollte ich?“, giftete Ailia.
„Verzeiht, Luciana“, murmelte Annabell erschrocken. „Ich ... ich dachte nur,
weil Ihr noch nie ... so oft ...“
Ailia sank in die Polster der Couch. „Es tut mir leid, Ann. Ich wollte dich
nicht erschrecken.“ Sie fuhr sich müde durch die Haare.
„Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass ich zulassen würde, dass ein anderer
Mann mich so berührt wie Tak.“ Annabell seufzte. „Ich glaube, ich werde weinen,
wenn ich dieses Schiff verlasse.“
„Ann!“, schimpfte Ailia. „Du wirst wegen keinem Mann weinen. Es gibt genug, die
dir das gleiche geben können wie Tak.“
„Ist das Liebe?“, fragte Annabell weiter. „Ich denke nur noch an ihn. Ich
wünsche mir, dass er da ist, mit mir redet oder mich einfach nur im Arm hält...“
Ich weiß es nicht, Ann. „Er ist doch gerade erst weg“, murmelte Ailia missmutig.
„Ann, du musst dich mit dem Gedanken abfinden, dass wir in zwei Wochen dieses
Schiff wieder verlassen und du ihn nicht wieder sehen wirst.“
„Ich weiß“, nickte Annabell traurig. „Aber ich werde ihn vermissen.“
Sie sah so verträumt und glücklich aus, dass es Ailia nicht übers Herz brachte,
eine ihrer bösen spitzen Bemerkungen los zu werden. Damit hatte sie nicht
gerechnet. Und sie wusste nicht, was sie zu Annabell sagen sollte, weil sie sich
selbst noch nie in einer derartigen Situation befunden hatte.
„Hat Trevor Euch ... gern?“, störte Annabell ihre Überlegungen.
„Ich weiß es nicht, Ann“, antwortete Ailia leise. Ich. weiß. es. nicht. Er hat
mich gern in seinem Bett.
„Ich hätte nie mit Tak schlafen können, wenn ich ihm nicht vertraut hätte.“
Aber weder traue ich dir noch du mir...
Ailia schluckte krampfhaft und stand auf. „Ich fühle mich nicht wohl, Ann“, log
sie. „Ich denke, ich lege mich noch ein wenig hin. Und sag deinem Tak einen
schönen Dank von mir“, setzte sie noch hinzu, als sie schon an der Tür war.
************
Sie schaffte es bis zu ihrem Bett, fiel mit dem Bauch zuerst auf die Matratze
und vergrub ihr Gesicht in ihren Armen.
Wieso brachten Anns Fragen sie so durcheinander?
Weshalb dachte sie darüber nach? Sie hatte es nie. Sie nahm sich Männer, wie sie
es gerade wollte oder brauchte oder wenn ihr der Sinn nach etwas Abwechslung
stand. Es hatte sie nie gekümmert, wie diese Männer zu ihr standen. Schließlich
war es eine Auszeichnung für jeden, den sie in ihr Bett holte.
Jetzt gab es einen Unterschied. Nicht sie hatte den ersten Schritt getan,
sondern Trevor.
Er benutzt mich genau so wie ich ihn. Wie ich jeden Mann vor ihm.
Mit sich selbst unzufrieden, drehte sie sich auf den Rücken, verschränkte die
Hände hinter dem Kopf und starrte zur Decke. War es ein Unterschied, ob man
einen Mann nur einmal in sein Bett ließ oder öfter? Begann man dann automatisch,
über ihn nachzudenken? Führte das zwangsläufig dazu, dass sie irgendwelche
Gefühle für ihn entwickelte?
Dann sollte das schnellsten aufhören. Schließlich wollte sie sich nicht in genau
so ein schmachtendes Wesen verwandeln wie Annabell. Tak hat ihr gesagt, dass er
sie gern hat. Nach einer Nacht.
Ich mag es, dich zu vögeln.
Ailia biss wütend die Zähne aufeinander. Das schloss nicht ein, dass er sie
mochte. Er konnte sie verachten für alles, was sie getan hatte, für all ihre
Handlungen und trotzdem ihren Körper benutzen, um sich selbst Befriedigung zu
verschaffen.
Warum tat dieser Gedanke ihr plötzlich weh?
Er war ein Mann wie jeder andere auch. Gut, etwas selbstbewusster, aber
schließlich brauchte ihn ja auch nicht zu interessieren, dass sie die Prinzessin
von Avalon war. Das einzige, was ihn interessierte, war sie in seinem Bett.
Es sollte ihr ebenfalls egal sein. Ihr war bisher egal gewesen, was jeder
einzelne der Männer, den sie in ihr Bett gerufen hatte, von ihr dachte. Viele
versprachen sich einen Schritt aufwärts in der Karriereleiter und manchmal hatte
Ailia ihnen wirklich geholfen. Wenn sie Lust dazu hatte oder wenn der
betreffende Mann ihren Vorstellungen im Bett entsprochen hatte.
Sie hatte jeden einzelnen benutzt. Und wieder weg geworfen.
Was war an Trevor anders?
War etwas an ihm anders?
Er *war* spitzenmäßig im Bett. Er konnte ihren Körper in Flammen setzen, indem
er ein Wort sagte, sie auf eine bestimmte Art und Weise ansah, sie berührte...
Er stellte Dinge mit ihr an, die niemals ein Mann gewagt hatte zu tun. Weil alle
anderen Angst davor hatten, wie sie reagieren würde.
Und ich komme mit einer Menge im Bett zurecht, aber nicht mit Angst. Mit Wut ja,
mit Zorn, aber niemals mit Angst.
Ailia fluchte leise, als sie feststellte, dass sie jetzt schon eine geraume Zeit
über ihn nachdachte.
Was ist mit mir los? Reiß dich zusammen, Luciana. Er ist ein guter Fick. Mehr
nicht. Geh mit ihm ins Bett, genieß, was er mit dir tut und vergiss ihn, wenn er
aus deinem Leben wieder verschwindet.
Sie sprang auf, schnappte ihre Badesachen und begab sich zum Freizeitdeck.
Und sie wusste im gleichen Moment, dass das nagende Gefühl, das Annabells Fragen
hinterlassen hatten, weiter in ihr arbeitete. Vielleicht mochte sie ihn ja doch
ein kleines bisschen. Sicherlich war es ganz normal, wenn man solche grandiosen
... Ekstasen miteinander teilte.
Und deshalb konnte er es ihr verdammt noch mal ins Gesicht sagen, wenn er sie
verachtete, oder? Und ihr nicht sein blödes Spielt es eine Rolle? hinwerfen und
gehen!
Sie hatte schließlich kein Problem damit, wenn er es tat.
*************
Sie weigerte sich am Abend mit Annabell zum Essen zu gehen, was ihr wieder
diesen nachdenklichen Blick ihrer Zofe einbrachte. Sie weigerte sich auch, sich
auf Diskussionen einzulassen.
Kurzerhand schob sie Annabell aus der Tür und knurrte so leise, dass es Annabell
nicht hören konnte, sie solle in Taks Kabine verschwinden und sich den Verstand
aus dem Kopf vögeln lassen, damit sie endlich aufhören würde, über ihre
Beziehung zu Trevor nachzudenken. Die es ja nicht gab.
Es dauerte keine Stunde, die Ailia allerdings mit einem frustrierten hin und her
laufen verbrachte, bis es ‚Plop‘ machte.
„Warum bist du nicht gekommen?“, war sein erster Satz, als er materialisierte.
Ailia lehnte mit verschränkten Armen an ihrem Tisch. „Ich wollte nicht“,
antwortete sie störrisch.
„Warum nicht?“
Sie sah ihn eine ganze Weile mit einem zornigen Funkeln in den schwarzen Augen
an. „Es ist mir nicht egal, ob du mich verachtest oder nicht“, stieß sie dann
hervor.
Trevor hob erstaunt die Augenbrauen. Das war das letzte, was er erwartet hatte.
„Nein?“
„Nein“, fauchte sie gereizt.
Er ging auf sie zu, blieb vor ihr stehen und ein belustigtes Grinsen huschte
über sein Gesicht, als er sah, wie sie trotzig das Kinn vorschob und
zurückstarrte. „Was genau möchtest du wissen?“
„Ich will, dass du es sagst.“
„Was?“
„Dass du mich verachtest!“
Er lächelte breiter. „Interessant“, murmelte er, hob sie an und setzte sie auf
den Tisch. „Warum interessiert es dich?“ Seine Hand hob sich und strich ihr eine
Strähne der dunklen Locken aus dem Gesicht.
Ailia schlug ihn gegen die Brust. „Hör auf. Ich will jetzt keinen Sex mit dir!“
Er lachte. „Du willst immer Sex mit mir“, antwortete er spöttisch. „Ich wette,
du wirst mich ewig in Erinnerung behalten.“ Und er wollte immer sie. Er konnte
nicht sagen, warum er, wann immer er sie ansah, an nichts anderes denken konnte.
„Du bist ein elender Angeber!“, fuhr sie ihn an und verfluchte ihren Körper, der
auf ihn reagierte, als seine Lippen über ihren Hals wanderten. „Trevor!“
„Ja?“, murmelte er und biss in ihren Hals.
Sie zog seinen Kopf hoch, so dass er sie ansehen musste. Wieder zerrte sie an
seinen Haaren und er wunderte sich über sich selbst, weil er es zuließ.
„Verachtest du mich?“
„Nein“, antwortete er sanft und seine Stimme ließ ein Prickeln ihren Rücken
hinab laufen. „Jeder Mensch, der sich auf dieses Spiel einlässt, kennt auch das
Risiko. Er war dumm, es mitzuspielen.“
„Nun, in meiner Position bin ich sehr überzeugend“, murmelte sie zerknirscht.
„Glaub mir, ich hätte mich lieber von dir auslachen als ans Bett fesseln lassen
und ich denke, er kannte dich gut genug, um das zu wissen, oder?“
Sie nickte langsam. „Ich glaub schon.“
„Dann muss er auch mit den Folgen klar kommen. Hättest du ein Nein akzeptiert?“
„Ich weiß nicht. Ich habe nicht mit einem Nein gerechnet.“
„Böse Lucie“, spottete er, griff nach ihren Hüften und zog sie an sich. „Ich
gratuliere mir zum hundertsten Mal, dir den Blocker verpasst zu haben. Und ich
sage dir, ich akzeptiere jetzt kein Nein.“
Ailia stemmte ihre Hände gegen seine Schultern. „Ich finde, du stehst auch zu
sehr darauf, deine Position auszunutzen“, murrte sie.
Seine Finger wanderten zum Bund ihrer Hose und begannen die Knöpfe zu öffnen.
„Vor allem, wenn mir meine Nase so deutlich sagt, dass es dir gefällt“, feixte
er. Seine Hand umschlang ihren Hals und er presste kurz seine Lippen auf ihren
Mund. „Wenn man in seinem bisherigen Leben Männer immer nur dominiert hat,
sollte man wenigstens einmal spüren, wie die Sache umgekehrt aussieht.“
„Ich will das nicht“, knurrte Ailia böse, doch er drückte sie lachend auf den
Tisch zurück. „Und ich werde eine Psychose gegen Tische entwickeln!“
Trevor beugte sich über sie, zog ihr Shirt aus der Hose und presste seine Lippen
auf ihren Bauch, während seine Hände ihr die Hosen über die Hüften zogen.
„Vielleicht eher eine Sehnsucht…?“ Er lächelte wieder, weil sie auf dem Tisch
liegen blieb und sich nur ihre Finger um die Tischkante krallten. Dann sank er
vor ihr auf die Knie und hörte sie leise seufzen, als seine Lippen an der
Innenseite ihrer Oberschenkel nach oben wanderten.
„Warst du schon immer so leicht erregbar oder passiert das speziell mit mir?“
Ailia sagte sich, sie sollte ihn schleunigst daran hindern, solche dummen Fragen
zu stellen. Doch ihr Denken setzte aus, als sein Mund zwischen ihren Beinen
angekommen war und gleichzeitig seine Finger sie berührten. „Oh Gott…“, stöhnte
sie leise und drängte sich in seine Berührungen. Das war wirklich etwas, was er
fantastisch beherrschte…
„Du magst das, Lucie, ja?“ murmelte er, bevor er seine Zunge mit ihr spielen
ließ.
„Ja“, keuchte Ailia. „Ja, ja, ja…“ Und ihr Körper bebte. Sie fing an zu zittern
und es dauerte gar nicht lange, bis sie sich aufbäumte, als ihre Muskeln sich im
Orgasmus zusammenzogen.
Trevor lehnte seine Stirn einen Moment an ihren Oberschenkel, um die Besinnung
wieder zu erlangen, die ihn jedes Mal, wenn ihr mentaler Orgasmus ihn traf,
verließ. Dann wischte er sich übers Gesicht und stand auf. Ailia war noch nicht
wieder auf dem Boden angelangt. Sie sah so herrlich weggetreten aus, dass er
einfach stolz grinsen musste.
„Lucie“, flüsterte er. Mit einer schnellen Bewegung öffnete er seine Hose.
Allein das Bild, wie sie vor ihm auf diesem Tisch lag, er zwischen ihren
gespreizten Beinen, und nur darauf wartete, dass er sie endlich ausfüllte,
raubte ihm den Verstand. „Kein Mann hat’s dir so gut besorgt wie ich, stimmt’s?“
„Nein“, murmelte sie benommen. „Keiner…“
Und dann war er in ihr. Ihre Beine schlangen sich um seine Hüften, als er sich
über sie beugte und sie mit jedem Stoß hart gegen den Tisch presste. Und auch
wenn sie es nur schwer zugeben würde, es gefiel ihr wirklich. Die Art und Weise,
wie er sie behandelte, wie er sie ansah, wie er mit ihr redete.
Weil sie für ihn nicht Die Prinzessin war. Sondern einfach eine Frau, die er
haben wollte. Er war nicht auf ihre Gunst oder ihr Wohlwollen angewiesen. Er war
nicht gezwungen, ihr einen Gefallen zu tun. Er war nicht gezwungen, ihren
Befehlen zu gehorchen, sondern einfach nur ein Mann, der mit ihr schlafen
konnte, ohne sich Gedanken darüber zu machen, welchen Einfluss seine Handlungen
auf das Leben am Hof, auf seine Karriere oder sein Leben haben würden.
Und plötzlich war es ihr so egal. Er benutzte sie. Na und? Sie ihn schließlich
auch. Dann benutzten sie sich halt gegenseitig.
Mochten andere Menschen an Liebe und solch sentimentalen Schwachsinn glauben.
Ailia glaubte an Leidenschaft. An das Feuer. An die Funken, die zwischen ihnen
hin und her sprangen, wenn sie sich nur ansahen. Das war etwas, was sie weder
abstreiten konnte noch wollte. Und sicherlich etwas, was er genau so spürte.
Warum sich einen Kopf darum machen, ob er sie vielleicht mochte. Oder sie ihn.
Übergangslos spürte sie den kurzen Schmerz der Entstofflichung und
materialisierte mit ihm zusammen auf dem Bett in seiner Kabine. Sie sah das
Verlangen in seinem Blick, hörte das Keuchen seines Atems, spürte seine Lippen
auf ihren und sagte sich, dass sie wenigstens eins genau wusste.
Sie machte ihn genau so verrückt wie er sie.
Teil 8
„Schach!“ Ailia strahlte ihn über das Schachbrett hinweg an und setzte ihre
Dame. „Matt!“
Es waren noch drei Tage bis zum vereinbarten Treffpunkt, an dem Ailia und
Annabell in einen avalonischen Gleiter überwechseln sollten. Das Lösegeld war
bereits überwiesen.
Ailia sagte sich, dass diese vier Wochen eigentlich wie ein Urlaub gewesen
waren, den sie in dieser Art noch nicht erlebt hatte. Sie verbrachte den größten
Teil des Tages damit, sich zu entspannen, zu schwimmen, sich mit Annabell zu
unterhalten und den größten Teil der Nächte in Trevors Armen. Aber trotz allem
redeten sie wenig. Es reichte ein Funke, um die Leidenschaft zu entzünden und
sie alles andere vergessen zu lassen. Im Bett verstanden sie sich wunderbar.
Jetzt war es später Abend, gegen zehn, und Trevor fragte sich, wieso er auf die
dumme Idee gekommen war, Schach zu spielen.
Jedenfalls nach einem Tag wie diesem, an dem so ziemlich alles schief gegangen
war, was schief gehen konnte. Ein Teil der Ware, die sie kaufen wollten und die
sie fest eingeplant hatten, war beschädigt. Die Person, die dafür verantwortlich
war, nicht erreichbar und der Mann, für den die Ware bestimmt war, war aus gutem
Grund zornig.
Zu allem Überfluss schwirrte sie den ganzen Tag in seinem Kopf herum!
Trevor war schon gereizt, als er in sein Zimmer kam. Keine gute Voraussetzung
für ein Spiel.
Sie saßen auf seinem Bett, jeweils im Schneidersitz und das Schachbrett zwischen
sich. Trevor starrte Ailia an, dann auf das Bett, wieder sie, dann wieder das
Brett und runzelte die Stirn, während er den Stand der Figuren musterte. Ohne
Zweifel. Er hatte verloren.
„Möchtest du eine Revanche?“, erkundigte sich Ailia honigsüß und sein
Stirnrunzeln verstärkte sich.
„Sicher“, knurrte er jedoch nur.
Eineinhalb Stunden später erfolgte das zweite Schach-Matt und Ailia konnte ihr
Lachen nicht mehr zurück halten. Vor allem, weil sein sie fast erdolchender
Gesichtsausdruck einfach nur komisch wirkte, wenn man bedachte, warum er so
zornig schaute.
„Du spielst gut“, gab er mit schmalen Augen zu. Wieso spielte er mit ihr Schach
und ließ zu, dass sie sich über ihn lustig machte. Er sollte sie aufs Bett
werfen und ihr zeigen, wofür sie in seiner Kabine war. Er wollte sie seinen
Namen schreien hören und vergessen, dass in drei Tagen alles vorbei war.
„Schach ist das Spiel der Könige“, erklärte Ailia und freute sich tierisch über
seinen Zorn. „Jeder Prinz, jede Prinzessin lernt es von Kindesbeinen an. Woher
kannst du es?“
Er sah sie einen Augenblick eigenartig an, bevor er zwischen den Zähnen hindurch
knirschte. „Das geht dich einen Scheißdreck an! Ich habe schon mal gesagt, du
sollst mich nicht mit Fragen über mein Leben nerven!“ Eigentlich nervte sie viel
zu viel. In seinen Gedanken. In seinen Träumen...
Sie lachte ihm ins Gesicht. „Schlechter Verlierer, was?“ Und begann die Figuren
neu zu stellen. „Möchtest du noch eine Runde verlieren?“
Er sah aus, als wolle er sie gleich erwürgen. „Ich werde dich aus dem Zimmer
schmeißen, wenn du zu weit gehst“, murmelte er gereizt.
„Kein Problem. Sag einfach, wenn ich gehen soll“, setzte Ailia hinzu und machte
ihren ersten Zug. „Ich meine, es ist schon recht frustrierend zu verlieren,
oder? Vor allen gegen mich.“
„Lucie!“, warnte er sie.
„Wieso bist du so schlecht gelaunt?“, fragte sie fröhlich. „Du kannst doch
nichts dafür, wenn du etwas... miserabel spielst. Schließlich hast du kein
königliches Blut in den Adern und keine Chance gegen eine so perfekte Spielerin
wie...“
„Du machst mich nicht wütend!“, schrie er unbeherrscht. „Du nicht!“
„Nein“, gab sie trocken zurück. „Das macht allein der Gedanke, dass du gegen
mich verlierst. Also was ist jetzt? Machst du deinen Zug oder schreist du noch
eine Weile herum?“
Er verlor auch das dritte Spiel. Knapp, aber er verlor es.
Ailia sagte nicht, dass er eigentlich recht gut spielte. Das hätte ja ihre ganze
Genugtuung verdorben. Sie sagte auch nicht, dass das Spielen gegen ihn Spaß
machte, weil er ein würdiger Gegner war und ihm wahrscheinlich nur die Routine
fehlte.
Ihr gefiel viel zu sehr, wie wütend seine Augen funkelten, als er zornig die
Figuren neu aufbaute.
„Noch ein Spiel?“, erkundigte sie sich spöttisch. „Soll ich dich heute wirklich
am Boden zerstören?“
„Lucie, du bist die unmöglichste Frau, die ich kenne“, knurrte er.
„Du warst bestimmt so ein Kind, das alle Spielsachen kaputt gemacht hat, wenn es
seinen Willen nicht bekommen hat und du hast bestimmt deine Mitspieler
verprügelt, wenn sie dich nicht gewinnen ließen“, kicherte sie.
Trevor starrte sie an. „Reiz mich nicht.“
Sie sah nicht aus, als würde sie sich an diesen Befehl halten. Mehr so als würde
sie es darauf anlegen, dass er explodierte. „Ist das eine Drohung?“
„Ja!“, knirschte er.
Sie lächelte ihn süß an. „Ich finde deine Drohungen lächerlich. Habe ich dir das
schon gesagt?“
„Du kennst mich gar nicht! Du weißt nicht, was du heraus forderst!“ Trevor fegte
wütend die Spielfiguren vom Feld. Sie beobachtete ihn noch immer mit diesem
Funkeln in den schwarzen Augen, das ihn den ganzen Tag verfolgte. „Du weißt gar
nichts über mich!“
Ailia zuckte mit den Schultern. „Ist doch nicht meine Schuld. Ich darf doch
nichts fragen.“
„Genau!“, schrie er. „Weil du meine Gefangene bist! Dies ist mein Schiff, auf
dem ich das Kommando habe. Und ich muss mich nicht von einer hochmütigen
Prinzessin auslachen lassen, die ihr ganzes bisheriges Leben nur damit verbracht
hat, Männer flach zu legen und in den Wahnsinn zu treiben!“
„Wir weichen jetzt etwas vom Schach ab, oder?“ Ailia musterte ihn noch immer
spöttisch, obwohl ihr seine Worte einen Stich versetzten. Aber sie war schon
immer bekannt dafür, sich nichts gefallen zu lassen. „Mein Leben geht *dich*
ebenfalls einen Dreck an, Pirat. In drei Tagen werden sich unsere Wege trennen
und ich werde mein Leben weiterführen, in dem du keine Rolle spielst.“
„Und du musst deinen blöden Prinzen heiraten“, fauchte er gehässig. „Hoffentlich
ist er klein, dick und hässlich! Eigentlich bist du recht arm dran, wenn
Prinzessin sein bedeutet, die Beine für einen Idioten breit zu machen, nur weil
in seinen Adern blaues Blut fließt.“
„Es ist nicht dein Problem“, sagte sie eisig und betrachtete eine Weile die
verstreuten Figuren auf dem Fußboden. Dann sah sie ihn mit einem noch eisigeren
Lächeln auf ihren Lippen an. „Oder ist vielleicht gerade das dein Problem?“
Er hätte sich niemals auf sie einlassen sollen. Er hätte sie in ihr Zimmer
sperren, das Geld kassieren und sie einfach wieder verschwinden lassen sollen.
Ihre Augen sprühten die gleichen Funken wie seine eigenen und selbst jetzt ging
ihm durch den Kopf, dass das Feuer, das sie umgab, ihn anzog und verrückt
machte.
Er hätte nie zulassen dürfen, dass eine Frau eine derartige Macht über ihn
gewann. Und er war mehr als froh, dass sie es nicht wusste. Sein Zorn wurde noch
größer, weil er es sich selbst gegenüber zugab.
„Es kann nicht mein Problem sein!“, schrie er. „Schließlich habe ich schon mehr
erhalten als dein Prinz jemals bekommen wird, oder? Und mehr als deinen kleinen
heißen Körper habe ich nie gewollt!“
Sein Kopf wurde zur Seite gerissen, als sie ihm übergangslos ins Gesicht schlug.
Es tat weh, aber nicht so sehr wie der verletzte Ausdruck in ihren dunklen
Augen.
Ohne ihn noch eines weiteren Blickes zu würdigen, stürmte sie aus dem Raum, und
Trevor warf in einem jähen Wutanfall das Schachbrett hinter ihr her, ehe er
wieder auf dem Bett zusammen sackte und sein Gesicht in den Händen vergrub.
**************
Ailia fiel in ihr Bett, kämpfte mit den Tränen und redete sich krampfhaft ein,
dass das kein Mann Wert war. Und schon gar nicht er.
Wie in Trance duschte sie, zog sich ein Shirt über und rollte sich zum ersten
Mal seit Wochen allein in ihrem Bett zusammen.
Es. War. Nur. Sex. Es war von Anfang an klar. Sie benutzte ihn. Er benutzte sie.
Der Schlaf wollte nicht kommen. Sie rollte sich von einer Seite auf die andere.
Und wunderte sich, warum sie weniger wütend war. Sondern einfach nur enttäuscht.
Er hätte das nicht sagen brauchen. Er hätte die drei Tage vergehen lassen, sie
flach legen können und sie hätten sich getrennt und keinen Gedanken mehr
aneinander verschwendet.
Warum hatte er es gesagt?
Ailia fluchte leise. Sie war noch immer hellwach und weit davon entfernt, an
Schlaf zu denken. Obwohl er einfach nur ausgesprochen hatte, was sie sich
ebenfalls die ganze Zeit einredete, tat es ihr weh.
Es mussten Stunden vergangen sein, in denen sie nur vor sich hin dämmerte und
deshalb sofort hochfuhr, als es ‚Plop’ machte. Fassungslos schlug sie auf den
Tastschalter der Bettbeleuchtung und starrte den mitten in ihrer Kabine
materialisierten Trevor an wie einen Geist.
„Verschwinde!“, flüsterte sie mit einer Stimme, die nicht ihr gehörte.
Er kam näher. Da war etwas in seinen Augen, dass sie nicht erwartete hatte,
jemals an ihm zu sehen: Unsicherheit. Er setzte sich, noch immer wortlos, neben
sie auf die Bettkante. Ailia nahm einen feinen Geruch nach Alkohol wahr. Nicht
so sehr, dass er betrunken wirkte, aber der Geruch war definitiv da.
„Geh“, sagte sie wieder.
Er sah sie an und sie hielt automatisch den Atem an, als sie in seinen Augen den
gleichen Schmerz wie in ihren eigenen erkannte. „Ich habe versucht zu schlafen,
Lucie.“
Seine Stimme klingt auch nicht wie er selbst, ging es ihr durch den Kopf.
„Als es nicht funktionierte, habe ich angefangen zu trinken.“ Er starrte eine
Weile auf einen imaginären Punkt über ihrem Kopf. „Aber ich bin einfach nicht
betrunken geworden.“
Ailia rührte sich nicht, sondern sah ihn einfach nur abwartend an. Da war etwas,
was sie irritierte und sie konnte nicht sagen, was es war.
Sein Blick wanderte wieder zu ihrem Gesicht und er sagte leise. „Es tut mir
leid.“
Ailia schluckte. „Warum hast du es gesagt?“, flüsterte sie.
Er lachte bitter und fuhr sich durch die jetzt noch wüster auf seinem Kopf herum
sturzelnden Haare. „Warum? Muss es immer ein warum geben? Ich kann so viele
Fragen mit ‚Warum’ stellen, auf die ich keine Antwort weiß!“
Ailia entschied, dass er doch etwas zu viel getrunken hatte.
„Warum habe ich dich nicht sofort heimgeschickt? Warum habe ich mich auf dein
Spiel eingelassen? Warum rede ich mit dir, wenn ich dich doch einfach nur vögeln
sollte? Warum *sehe* ich den Schmerz in deinen Augen? Warum stört mich der
Gedanke, dass du in drei Tagen aus meinem Leben verschwunden bist?“ Er
verstummte und Ailia war wahrscheinlich zum ersten Mal in ihrem Leben sprachlos.
„Du hattest Recht.“ Er machte eine vage Geste in der Luft. „Ich werde dich nicht
vergessen.“
Und plötzlich fiel Ailia auf, was anders war. Er rührte sie nicht an. Er saß
einfach nur da und sah sie an. Ihre Kehle schnürte sich zu. Als wollte er, dass
es diesmal seine Worte waren, die zu ihr durchdrangen und nicht seine
Berührungen, die sie alles vergessen ließen.
„Ich weiß nicht, was ich sagen soll“, piepste sie.
Er zuckte mit den Schultern. „Ich kann nicht ungeschehen machen, was ich gesagt
habe. Aber ich möchte, dass du weißt, dass es mir leid tut.“ Er grinste schief.
„Und ich endlich schlafen kann.“
Er wollte aufstehen, doch Ailia legte ihre Hand auf seinen Arm. „Trev? Am Ende
hast du nichts anderes als die Wahrheit gesagt“, flüsterte sie und setzte sich
auf. „Ich wollte dich und du wolltest mich. Wir haben uns gegenseitig benutzt
und wir wissen das beide. Und schließlich hatten wir beide unseren Spaß dabei.“
Er legte nachdenklich den Kopf schief.
„Und das ist meine Warum-Frage: Wenn ich das weiß, warum tut es mir dann weh?“
Trevor lächelte und küsste sie sanft auf die Stirn. „Schlaf gut, meine
Prinzessin.“
„Bleib hier“, sagte sie nur.
„Sicher?“ Er runzelte die Stirn.
Ailia nickte. „Aber mir steht nicht der Sinn danach, mit dir zu schlafen.“
„Okay“, bestätigte er.
„Aber du wirst diese Hosen ausziehen, bevor du unter die Bettdecke kommst.“ Sie
rutschte zur Seite. „Ich möchte auch endlich schlafen…“
Trevor zog sie an sich. Diesmal vergingen keine fünf Minuten und sie beide
fielen in einen tiefen Schlaf.
**************
Die beiden nächsten Tage vergingen wie im Flug.
Ailia sah Annabell so gut wie gar nicht mehr, weil diese jede freie Minute mit
Takvoll verbrachte. Sie gönnte es ihr, ahnte jedoch, was es für die romantische
Annabell bedeuten würde, morgen das Schiff zu verlassen.
Ailia seufzte leise, als sie ihre Haare kämmte und in dem Spiegel in Gedanken
mit sich selbst redete. Sie hätte nie gedacht, dass einmal zuzugeben. Aber im
Moment konnte sie sich über Annabells Gefühle nicht amüsieren oder darüber
spotten. Weil sie sie irgendwie verstand. Ailia würde das niemals sagen. Weder
Annabell gegenüber noch dem Mann, um den es ihr eigentlich ging.
Seit jenem Streit vor zwei Tagen gingen sie friedlicher miteinander um. Manchmal
erwischte sich Ailia, wie sie ihn einfach nur ansah und schnell wieder zur Seite
schaute, wenn er den Kopf hob. Manchmal kam es ihr vor, als würde er sie genau
so beobachten und ihrem Blick ausweichen, wenn sie es bemerkte.
Sie sprachen nicht darüber. Ailia fühlte schon eine derartige Unsicherheit, wenn
sie nur daran dachte, sich selbst zuzugeben, dass sie ihn vielleicht mochte. Und
sie nahm an, dass er es genau so wenig aussprechen würde. Auch wenn seine
Handlung in jener Nacht zumindest sagte, dass sie ihm nicht gänzlich
gleichgültig war.
Aber in den Nächten, wenn sie sich aneinander klammerten und die Leidenschaft
ihre Sinne vernebelte, konnte keiner von beiden mehr abstreiten, dass etwas
zwischen ihnen war. Etwas, das vielleicht mehr war als nur sexuelle Anziehung.
Ailia betrachtete sich selbst im Spiegel. Morgen früh würde sie die Hosen wieder
ablegen und in eins der Kleider schlüpfen, die sie in ihrem bisherigen Leben
getragen hatte. Ein wenig wehmütig dachte sie, dass diese Hosen sie immer an
ihre Zeit auf der ARMAGEDDON erinnern würden. Und an ihn.
Es machte ‚Plop‘ hinter ihr und Ailia drehte sich um. Fast schien es ihr, als
würde er sie mit derselben seltsamen Art Wehmütigkeit ansehen, die sie selbst
fühlte.
Dann grinste er sein ihr so wohlbekanntes spöttisches Grinsen und der Eindruck
verschwand. Wortlos streckte er ihr die Hand entgegen.
„Was jetzt?“ Ailia sah ihn erstaunt an.
Er griff nach ihrer Hand. „Mach die Augen zu. Und öffne sie erst wieder, wenn
ich es sage“, befahl er. Ailia runzelte die Stirn, was ihm wieder ein amüsiertes
Lächeln entlockte. „Vertrau mir. Heute. Nur heute, Lucie“, sagte er leise.
Schlagartig spürte sie das leichte Ziehen der Entstofflichung und ein neuer
Geruch traf ihre Sinne. Es war warm, feuchtwarm und der Duft ätherischer Öle lag
in der Luft.
Ailia öffnete ihre Augen nicht, sondern blieb abwartend stehen. Dann spürte sie,
wie er hinter sie trat, spürte seinen ihr so vertrauten Körper und fühlte seinen
Kopf, der sich an ihren lehnte, während er ihr über die Schulter sah.
„Mach die Augen auf.“
Ailia öffnete die Augen und zog überrascht die Luft ein. Sie war auf dem
Freizeitdeck, aber sie erkannte es nicht wieder. Im Nachbarraum durch die
Glasscheiben erkannte sie das Schwimmbecken, das sie selbst oft genug benutzt
hatte in den letzten vier Wochen. Diesen kleineren Raum, in dem sie jetzt
standen, hatte sie zwar durch die Scheiben schon gesehen, aber nie betreten.
In der Mitte des Raumes befand sich ein kleiner Pool und aufgrund der Hitze, die
in dem Zimmer herrschte, nahm Ailia an, das er mit heißem Wasser gefüllt und das
Wasser mit irgendwelchen Kräuterzusätzen versetzt war. Am Rand des Beckens lagen
Handtücher und wenn sie es richtig erkennen konnte auch Bademäntel. Und das
einzige Licht im Raum versandten die Kerzen, die an den Wänden installiert
waren.
Ailia benötigte eine ganze Weile, ehe sie ihre Sprache wieder gefunden hatte. „Wow“,
brachte sie sehr intelligent hervor. „Ich wusste gar nicht, dass du... ähm…
romantisch bist.“
Er lachte leise. „Bin ich nicht, glaub mir.“ Seine Lippen berührten federleicht
ihren Hals. „Ich denke, ich möchte mich von dir verabschieden.“
Ailias Beine wurden schwach und sie kämpfte verzweifelt gegen etwas, das sie
sich weigerte als Rührung zu bezeichnen. Seine Hände zogen ihr das Shirt über
den Kopf.
„Du hast für diese Temperaturen eindeutig zuviel an“, murmelte er und öffnete
den Verschluss ihres BHs.
Er hatte sie überrumpelt. Sie war von einer letzten heißen verrückten Nacht
ausgegangen, in der sie sich gegenseitig an den Rand der Erschöpfung trieben, in
der Hoffnung, am nächsten Morgen endlich wieder ihr normales Leben weiter führen
zu können. Sie hatte mit allem gerechnet.
Nur nicht damit.
Seine Hände drehten sie und sie blinzelte schnell die Tränen weg, die in ihren
Augen hoch stiegen. Sie bewegte sich noch immer nicht, als er die Knöpfe ihrer
Hose öffnete.
„Lucie, so...“ Er verkniff sich mühsam das Lachen, „...tatenlos kenne ich dich
gar nicht. Ich denke, du könntest *mir* mal ein wenig helfen...“
Als sie den Kopf hob und ihn ansah, verstummte er und schluckte. Sie brachte
kein Wort heraus, aber was ihre Augen sagten, war deutlicher als alle Worte.
Trevor senkte vorsichtig den Kopf und küsste sie sanft auf den Mund. „Was ist,
Lucie? Hilfst du mir beim Ausziehen?“, stichelte er und versuchte mühsam, das
Zittern in seiner eigenen Stimme zu verbergen.
Ailia schaffte es endlich, die eigenartige Starre, die sie befallen hatte, los
zu werden, auch wenn sie ihre Stimme noch nicht wieder gefunden hatte.
Minuten später lagen sie in dem Pool. Trevor lehnte am Rand. Das Wasser war
nicht tief, vielleicht 60 oder 70 Zentimeter, so dass man bequem sitzen und die
Wärme genießen konnte. Er zog Ailia zwischen seine Beine, fühlte wie sie mit dem
Rücken gegen seine Brust sank und schlang seine Arme um sie.
„Du bist verrückt.“ Es war das erste, was ihre Lippen seit einiger Zeit verließ.
„Yeah“, bestätigte er. „Manchmal bin ich das.“
„Du hast mich... überrascht.“ Umgehauen. Vom Hocker gerissen.
Er kicherte. „Das war nicht zu übersehen.“ Er ließ sie kurz los und griff nach
den zwei Sektgläsern, die am Rand des Beckens standen, drückte ihr eins in die
Hand und sank wieder ins Wasser zurück.
„Warum, Trev?“
„Ich mag keine Warum-Fragen“, brummte er und hörte sie lachen, als sie sich
wieder mit dem Rücken an ihn lehnte. „Ich möchte mit dir reden.“
„Reden?“, echote Ailia verblüfft. „Worüber?“
Er zuckte mit den Schultern. „Ich weiß nicht. Einfach nur reden.“
Aha. Ailia verstand gar nichts mehr. Sie nippte an dem Sekt, spürte seinen Kopf,
der sich wieder an ihren lehnte und schloss die Augen.
„Oder nicht reden. Ist mir auch egal“, flüsterte er in ihr Ohr. „Ich möchte
einfach deine Gesellschaft genießen.“
„Okay“, murmelte sie und fühlte, wie die Wärme des Wassers sie einlullte. Es war
das letzte Mal auf Avalon gewesen, dass sie sich den Luxus eines Vollbades
gegönnt hatte. Und als sie jetzt in dem warmen Wasser lag, ging ihr plötzlich
auf, dass sie es vermisst hatte. Und die Ruhe und Entspannung, die es ihr immer
gegeben hatte. Und eigenartiger Weise störte Trevors Anwesenheit sie nicht.
Besser gesagt, fand sie es einfach schön, sich an ihn lehnen und die Stille
genießen zu können.
Eine ganze Weile sagte keiner von beiden einen Ton und kein einziges Geräusch
außer das des Wassers, wenn sie sich bewegten, um die Gläser abzustellen,
herrschte im Raum.
„Hast du das selbst gemacht?“, fragte Ailia plötzlich und deutete auf die
Kerzen.
„Ja“, antwortete er zögernd. „Ich wollte nicht, dass mich irgendjemand als
sentimentalen Trottel bezeichnet.“
Ailia kicherte. „Wenn ich das sagen würde, wäre es wohl nicht schlimm?“, neckte
sie ihn.
Trevor zog sie an sich. „Wenn du es sagst, werde ich die Kerzen ausblasen, dich
aus dem Wasser zerren, auf den Fußboden werfen und ordentlich vögeln. Solange
bis du sagst, dass ich alles nur nicht sentimental bin.“
„Uhh“, machte sie und lehnte den Kopf zurück. „Und wenn ich es nicht sage?“
Seine Lippen berührten ihre Schläfe. „Dann werde ich dich heute Nacht lieben.“
Oh Gott. Ailia fühlte sich plötzlich wahrscheinlich so wie Annabell, bevor sie
in Ohnmacht fiel.
„Die Entscheidung liegt bei dir, Lucie.“
Nein. Bitte nicht. Sie zwang sich selbst, ruhig zu atmen und versteckte ihre
zitternden Hände unter Wasser. Nimm die erste Version! schrie eine Stimme in
ihrem Kopf. Lass nicht zu, dass er sich in deine Gefühle schleicht. Sag ihm, er
ist ein sentimentaler Trottel. Nimm die Herausforderung an. Damit kannst du
umgehen!
Doch sie sprach es nicht aus. Sie drehte sich zu ihm um und als sie den Ausdruck
in seinem Gesicht sah, war es ihr egal. Sie ahnte, dass sie es morgen bereuen
würde. Aber heute Nacht wollte sie sich ein einziges Mal in ihrem Leben fühlen
wie eine Frau, die geliebt wurde.
„Es ist so falsch“, flüsterte sie hilflos, setzte sich auf seinen Schoß und
berührte mit ihren Lippen zärtlich seinen Mund. „So falsch...“
„Dann sag es, Lucie“, hauchte er und seine Augen schlossen sich, als sie feine
Küsse auf seinem Gesicht verteilte. Seine Hände zogen sie an sich, sanft, nicht
drängend, weil er auf keinen Fall wollte, dass sie ihre Tätigkeit abbrach.
„Ich will nicht“, murmelte sie.
Er bemühte sich krampfhaft, gleichmäßig zu atmen, als er ihre Zunge spürte, die
über seinen Hals fuhr, seine Brust hinab und er ihren Kopf unter Wasser
verschwinden sah, damit sie seine Brustwarzen erreichen konnte. Seine Hände
umfassten ihren Kopf, zogen ihn hoch und seine Lippen pressten sich auf ihren
Mund. „Was willst du dann, Lucie?“
Ailia klammerte sich an ihn. Da war eine eigenartige Verzweiflung in seinem
Blick und sie nahm an, dass sie ihn wenig anders anschaute. „Ich will, dass du
mich liebst, Trev. Heute Nacht.“
Ihre Lippen trafen wieder aufeinander und für einen Moment waren sie einfach nur
gefangen in dem Spiel ihrer Zungen. Dann riss Trevor seinen Kopf von ihr los.
„Nicht im Wasser“, stieß er hervor. „Ich möchte deinen ganzen Körper berühren
und küssen ... Ohne Angst zu haben, dass ich ertrinke.“
Ailia lachte, stieß sich von ihm ab und tauchte noch einmal in dem Wasser. Als
sie prustend wieder hoch kam, war er auf ihr und drückte sie gegen die
gegenüberliegende Wand. „Wir sind immer noch im Wasser.“
„Scheint mir auch so“, murmelte er, doch seine Hände fuhren unbehindert über
ihre Haut. Sein Daumen strich über die sich schlagartig aufrichtenden
Brustwarzen und er hörte sie scharf die Luft einziehen.
Drei Wochen die gleiche Person, schoss es Ailia durch den Kopf. Und trotzdem
reagiert mein Körper so verrückt auf ihn wie beim ersten Mal. Seine Arme
umschlangen ihre Taille und er hob sie hoch, als er aufstand und setzte sie auf
den Beckenrand. Ailia rutschte ein Stück rückwärts, als er ihr nachkletterte.
Dann war er auf ihr und sie spürte seine Erektion, die sich gegen ihren
Oberschenkel presste.
„Das ist jetzt auch der harte Fußboden“, murmelte sie spielerisch und ihre
Finger fuhren durch seine Haare, als er begann sein Versprechen einzulösen und
seine Lippen über ihre Haut fuhren.
„Das nächste Mal“, versprach er heiser, „wird auf der Decke sein.“
Ailia schloss die Augen, als sie seine Finger zwischen ihren Beinen spürte und
sein Kopf ebenfalls in diese Richtung wanderte. Ihre Beine öffneten sich für ihn
und sie schluchzte leise auf, als seine Zunge sie berührte. Nur kurz, dann
spürte sie seine Lippen wieder auf ihrem Bauch und er sah sie mit diesem Hunger
in den Augen an. „Ich denke, ich halte das jetzt nicht länger aus“, stieß er
hervor.
Ailia musste regelrecht schmunzeln, weil er fast zerknirscht wirkte. Sie
rutschte tiefer und ihre Hand griff in seine Haare. „Du hast die ganze Nacht zum
Üben“, kicherte sie, ehe sie ihre Lippen auf seinen Mund presste und ihre Beine
um seine Hüften schlang.
Trevors Hand umschloss ihren Nacken. Er riss sie an sich, lehnte seine Stirn an
ihre und flüsterte heiser. „Ich wollte die zärtliche Variante. Ich denke, ich
bin dafür irgendwie ungeeignet...“ Mit einem einzigen Stoß seiner Hüften war er
in ihr und Ailia zog keuchend die Luft ein.
„Ich ...“, stieß sie hervor. „...mag deine Art.“
Trevor lachte auf. Seine Lippen trafen wieder ihre, als er begann sich zu
bewegen und ihre Beine ihn umklammerten.
Irgendwie passten sie perfekt zueinander. In ihren Bewegungen, in ihrer Wildheit
und vor allem ihre Körper waren wie füreinander geschaffen.
Beim zweiten Mal benutzten sie die Decke. Und beim dritten Mal störte es sie
nicht, dass sie von Wasser umgeben waren und dieses durch ihre Bewegungen im
ganzen Raum verteilten…
Es war Stunden später, als sie endlich zur Ruhe kamen, sich in die Bademäntel
hüllten und auf die Decke fielen. Trevor goss den letzten Sekt in ihre Gläser,
murmelte etwas davon, dass er nie wieder aufstehen würde und starrte noch immer
schwer atmend zur Decke.
Ailia legte ihr Kinn auf seine Brust. „Das war eine wunderschöne Nacht“, sagte
sie verträumt.
Seine Hand hob sich und fuhr durch ihre nassen Haare. „Ja, fand ich auch.“
„So ähnlich wie in Anns Schundromanen“, kicherte Ailia und verstummte
gleichzeitig wieder. „Nur ohne Happy End...“, fügte sie leise wie zu sich selbst
hinzu.
„Ich werde dich vermissen“, sagte er plötzlich. „Und wenn du jemandem sagt, dass
du das gehört hast, werde ich dich erwürgen.“
Ailia hob den Kopf und lächelte wehmütig. „Ich denke, es wird mir auch sehr
schwer fallen, dich zu vergessen.“ Ihr Kopf sank wieder auf seine Brust.
„Meinetwegen bräuchte die Nacht jetzt nicht zu enden.“
Er atmete tief ein, dann wieder aus und zog sie an sich.
Annabell weinte. Ailia war fast froh darüber, denn so hatte sie mehr damit zu tun, sich über Annabell aufzuregen und konnte sich damit selbst davon ablenken, dass sie sich ähnlich beschissen fühlte.
Trevor stand mit fast ausdrucklosem Gesicht im Hangar und betrachtete seinen ersten Offizier, der Annabell im Arm hielt und aussah, als würde er gleich mitweinen.
„Tak wird euch zum vereinbarten Treffpunkt bringen“, sagte er ruhig zu Ailia, die genau wie er mit einem Stirnrunzeln die weinende Annabell betrachtete.
„Du kommst nicht mit?“ Endlich sah sie ihn an.
Trevor schüttelte den Kopf. „Nein. Ich hätte auch Tak nicht geschickt, wenn er nicht darauf bestehen würde, weil mir das Risiko zu groß ist, in eine Falle zu laufen.“
„Du hast das Geld“, antwortete Ailia müde. „Und meine Zusicherung, dass er ungeschoren wieder kommt.“
„Ich schenke dir den Mentalblocker. Tak wird dir die Codewörter für das Armband geben“, sagte er leise.
„Gott, Trev. Du bist schon ein wenig paranoid, oder?“ Ailia lachte bitter auf. „Ich hätte ihn dir bezahlt.“
Er hob seine Hand, legte sie unter ihr Kinn und zwang sie, ihn anzusehen. „Ich habe nicht vergessen, was du gesagt hast. Wahrscheinlich sehen wir uns wirklich nie wieder, Lucie. Und in dem Fall möchte ich, dass es so endet. Ohne dass du in Versuchung kommst, deine offene Rechnung zu begleichen.“
Sie sah ihn aus schmalen Augen an. „Was verschweigst du?“
Er küsste sie ein letztes Mal auf den Mund und flüsterte. „Wenn du einen Mutanten triffst, Prinzessin, aktivier den Blocker nicht.“
Ailia fuhr zurück und starrte ihn mit großen Augen an. „Was hast du verschwiegen?“, stieß sie fassungslos hervor.
Er lächelte traurig. „Leb wohl, Lucie.“ Damit drehte er sich um und ging.
Ailia Hände ballten sich zu Fäusten und sie kämpfte jetzt wirklich mit den Tränen, die in ihre Augen stiegen. Was hatte er verschwiegen?
Die Wut über sich selbst, über ihre Situation und über ihn wirbelte durch ihr Bewusstsein und sie fuhr zu Annabell und Takvoll herum.
„Seid ihr jetzt endlich mit diesem sentimentalen Scheiß fertig“, fauchte sie gereizt. „Damit wir verschwinden können?!“
****************
Avalon
„Was heißt, er war auch nicht da?“ Ailia starrte ihren Vater Argo mit so einem wütenden Ausdruck im Gesicht an, dass der Mann seufzte. „Du willst allen ernstes sagen, ich bin zu diesem blöden Planeten geflogen und hätte meinen mir versprochenen Mann nicht einmal ANGETROFFEN?“, schrie sie hysterisch.
„Luciana“, mischte sich ihre Mutter Auris besänftigend ein. „Hör doch erst einmal zu...“
„Ich denke gar nicht daran!“, kreischte Ailia weiter. „Wie kann dieser idiotische König eine Hochzeit arrangieren, wenn er seinen Sohn nicht dazu bringt, dort auch aufzukreuzen?! Wie konntest du so einen Mann als meinen Ehemann in Erwägung ziehen!?“
„Lucia!“ Argo stand auf. „Ich hatte keine Ahnung davon. Und König Malor war der Meinung, er würde den derzeitigen Aufenthaltsort seines Sohnes bis zum Hochzeitstermin noch herausbekommen und ihn dazu bewegen, zu der Hochzeit zu erscheinen.“
„Ihn dazu zu bewegen?! Du hast doch hoffentlich diese Heirat abgesagt!?“
„Ja, natürlich“, beruhigte Argo sie.
„Das ist doch wirklich eine Frechheit!“, tobte Ailia weiter. „Er hätte uns zumindest darüber informieren müssen!“
„Luciana, setz dich doch bitte.“ Auris fasste nach Ailias Hand und zog sie an ihre Seite. „Glaub mir, dein Vater hatte nur dein Bestes im Sinn. Wir wissen, dass mit deinen Parafähigkeiten eine Menge Probleme verbunden sind und waren beide der Meinung, dass ein Mutant am besten als Ehemann für dich geeignet ist und Prinz...“
Ailia sprang wieder auf. „Ein Mutant? Wer ist ein Mutant?! Ich will diesen ganzen Schwachsinn nicht mehr hören. Es ist eine unerhörte Unverschämtheit von diesem dämlichen König, die Heirat zu befürworten, sie zu planen und dann nicht einmal zu wissen, wo sich sein missratenes Exemplar von Sohn aufhält?!“ Ailia lief mit verschränkten Armen auf und ab. „Wie hätte ich denn dagestanden?! Ich warte auf einen Ehemann, der nicht erscheint?!“
Dabei verschwendete sie keinen einzigen Gedanken daran, wie denn der Prinz dagestanden hätte, wenn er sich auf dem Planeten aufgehalten hätte. Denn schließlich konnte sie ja nichts dafür, wenn sie einem Piratenraumschiff in die Hände fiel, oder?
„Ich werde vorerst gar nicht heiraten!“, verkündete Ailia.
„Beruhige dich erst einmal“, beschwichtigte Auris sie. „Dieser ganze Stress, die ganze Angst, die ihr beiden ausgestanden haben müsst, das muss erst einmal verdaut werden. Wir sind so froh, dich gesund und unbeschadet wieder zu haben.“
„Auch wenn diese Geldsumme schon unverschämt war“, brummte Argo von der Couch her.
Ailia zuckte mit keiner Wimper. Der Zorn über Trevors letzten Satz war noch nicht verraucht und dass er sie über die Bedeutung des Satzes im Unklaren gelassen hatte, trug nicht dazu bei, ihren Zorn abzukühlen.
Annabells noch immer gerötete Augen ließen jeden glauben, der sie sah, dass es ein so traumatisches Erlebnis gewesen sein musste, dass man lieber nicht darüber sprach. Und Ailia hatte natürlich keine Lust, irgendjemandem etwas anderes zu erzählen.
**************
Er hatte dunkle Haare und graue Augen. Sie waren hellgrau, nicht das dunkle wilde Grau Trevors und seine Haare lagen ordentlich frisiert auf seinem Kopf.
Er nannte sich Lieutenant Tom Garun und er war mehr als erfreut, dass Ailia sein Angebot, an dem offiziellen Abendessen seine Tischnachbarin zu sein, annahm. Warum auch nicht. Er sah gut aus und es war zwei Monate her... Und endlich an der Zeit, dass sie sich von dem Gedanken an einen anderen Mann mit grauen Augen trennte.
Jedenfalls dachte Ailia in diesen Kategorien. Sie nahm nicht an, dass Lieutenant Garun überhaupt damit rechnete, dass sie ihn eventuell in ihrem Bett haben wollte. Schließlich war sie eine Lady. Und sie wusste nicht, was er dachte, weil sie als erstes den Mentalblocker aktivierte, den sie wie immer an ihrem Handgelenk trug.
Jetzt lauschte sie mit einem undefinierbaren Lächeln im Gesicht dem, was er sagte, antwortete ab und zu etwas Nettes und fragte sich, wann zum Teufel sie höflich geworden war. Seine Augen hingen an ihr, beobachteten jede ihrer Bewegungen und sie grinste verschmitzt, weil sie genau wusste, was in seinem Kopf vorging. Selbst mit Mentalblocker.
„Ich kann mir gar nicht vorstellen“, erklärte ihr Garun gerade. „Wie es funktioniert, dass viele Planeten noch von Monarchen beherrscht werden.“
Sie zuckte mit den Schultern und nippte an ihrem Wein. „Was hat Sie zu einem Besuch auf Avalon veranlasst? Neugier wie so eine Monarchie aussieht?“, erkundigte sie sich spöttisch. „Überrascht?“
Er ging gar nicht darauf ein. „Weniger. Ich habe Landgang und einfach beschlossen, dass ein Abendessen im Kreis der königlichen Familie etwas ist, dass ich nicht ausschlagen kann.“
„Nun ja. Ich finde es öde. Ich würde niemals freiwillig an solch einer Veranstaltung teilnehmen.“ Ailias Hand deutete durch den Raum. „Sehen Sie sich diese ganzen gestelzten Personen an, hören Sie Ihren Gesprächen zu. Einfach nur fürchterlich.“
Garon sah sie erstaunt an. „Ihr seid etwas anders, Prinzessin Luciana.“ Sein Blick sagte, dass er sie toll fand und Ailia ging durch den Kopf, dass er eigentlich sagen konnte, was er dachte.
„Oh gewiss.“ Sie lachte. „Ich habe schon für genug Skandale gesorgt.“ Dann schob sie ihren Wein zurück. „Wie sieht es aus, Lieutenant? Haben Sie noch Lust auf einen Spaziergang in der lauen Abendluft?“
Er schluckte. Jetzt vollkommen verblüfft. „J-ja... sicher...“
Sie stand auf. „Dann lassen Sie uns gehen. Mir ist es hier drin eindeutig zu stickig.“
Garon bot ihr seinen Arm an und Ailia nahm ihn, als sie zwischen den Tischen hindurch in Richtung Ausgang strebten.
Ailia führte ihn in den Palastgarten. Es war dunkel, doch hier und da waren zwischen den hohen Hecken Laternen angebracht, die den Garten in einem diffusen Licht erhellten.
„Das ist ja wie im Märchen“, schwärmte Garon. „Ich schlendere hier mit einer bildhübschen Prinzessin inmitten eines Gartens wie im Film.“
„Nun“, murmelte Ailia, schon wieder spöttisch. „Ich hoffe doch, dass es nicht nur beim Schlendern bleibt.“
„Prinzessin?“ Er blieb stehen und sah fast erschrocken aus.
Ailia lächelte ihn an. „Schockiert?“, erkundigte sie sich trocken. „Tut mir leid. Ich bin bekannt dafür, Menschen zu schockieren. Also, Sie wollten die frische Luft genießen, Tom?“
„Ähm ... ja?“
„Schade.“ Sie griff wieder nach seinem Arm und zog ihn weiter. „Ich hatte Sie für mehr abenteuerlustig gehalten.“
„Nein, wartet.“ Garon hielt sie fest und drehte sie zu sich um. „Prinzessin Luciana, Ihr seid die aufregendste Person, die mir je begegnet ist.“
„Ja? Warum bist du dann so schüchtern?“ Ailia funkelte ihn spöttisch an und lehnte sich an ihn. Sie fühlte wie er scharf die Luft einzog. „Tom“, murmelte sie spielerisch und ihre Hand strich über den Stoff seiner Uniform. „Warum tust du nicht endlich das, was deine Augen schon die ganze Zeit verraten?“
Wahrscheinlich konnte er es nicht fassen. Er sah sie an, als würde er träumen und es dauerte einen unglaublich langen Moment, ehe er sie an sich zog und den Kopf zu ihrem senkte. Seine Lippen trafen ihre und Ailia fühlte seine Arme, die sie fester an sich pressten.
Und sie selbst spürte... gar nichts. Kein Kribbeln. Kein Knistern. Keine Funken. Ja, sie fand sogar den Versuch seiner Zunge einfach nur abstoßend.
Er löste seinen Kopf von ihr und seine Augen leuchteten. Ailia verglich plötzlich das Leuchten in seinen Augen mit dem Hunger und der Leidenschaft in Trevors.
Und plötzlich sah Tom einfach nur noch nett aus. Ein netter, einfacher langweiliger Mann.
Mit einem unschönen Gefühl löste sie sich von ihm. „Ich glaube, es ist doch ein Fehler.“
Tom sah ihr bestürzt nach, als sie ihn stehen ließ und allein weiter im Irrgarten der Hecken verschwand. Er verstand gar nichts mehr.
Ailia verschwendete keinen Gedanken mehr an ihn. Sie ging bis zu dem Spielplatz, setzte sich auf eine der Schaukeln und starrte in die Nacht.
War sie krank? Wieso kreisten ihre Gedanken nur um eine einzige Person, die sie in ihrem Leben nie wieder sehen würde?
Das war jetzt das dritte Mal, dass sie einen Mann stehen ließ, obwohl sie zuerst alles darauf angelegt hatte, ihn zu verführen. Bei den ersten beiden sagte sie sich, dass sie noch nie auf blonde Männer gestanden hatte und es deshalb gar nicht hätte versuchen sollen. Aber Blond war halt so anders als dunkelhaarig. Tom war nicht blond. Und Tom hatte sogar graue Augen.
Ailia fluchte leise. Es war ganz sicher krank, sich selbst zu befriedigen und an Trevor zu denken und die Möglichkeiten, einen richtigen Mann ins Bett zu bekommen, auszuschlagen.
Sie war genauso krank wie Annabell, die starr und steif behauptete, sie würde mit keinem anderen Mann ins Bett gehen. Sie wolle Tak finden. Krank oder?
Aber eigentlich schwebte da immer noch eine offene Rechnung in der Luft und deshalb konnte es doch nicht so verkehrt sein, mal ein wenig zu forschen. Natürlich nur, um dann diese Rechnung zu begleichen.
Aus keinem anderen Grund.
Ailia stand auf und schlenderte zurück zur Burg. Plötzlich fühlte sie einen unermesslichen Tatendrang.
**************
Ailia langweilte sich. Dies war eine der so genannten Wohltätigkeitsveranstaltungen, die sie und ihre Familie ab und an besuchen mussten. Es befand sich nur High-Society im Saal. Jeder Tisch glitzerte und funkelte besser als der andere.
Neben Ailia saß ihre Zofe Annabell. Es folgten ihre Eltern und wichtige Vertreter des königlichen Hauses, die Avalon auf dieser Veranstaltung repräsentierten. Ailia kannte den Planeten nicht, auf dem sie sich befanden.
Sie war zum ersten Mal hier und nur, weil ihr Vater darauf bestanden hatte und meinte, vier Monate würden reichen, um über das traumatische Erlebnis des Kidnappings und ihrer missglückten Heirat hinwegzukommen. Ailia fand, dass das Erlebnis weder traumatisch war noch, dass es schlimm war, wenn dieser dämliche Prinz ebenfalls nicht zur Hochzeit aufgetaucht war. Sie kicherte jetzt sogar in Gedanken, wenn sie überlegte, dass er vielleicht eine ähnliche Ausrede hatte wie sie.
Annabell stieß sie an, als sie gähnte. Solche Veranstaltungen waren einfach todlangweilig. Sie ärgerte sich darüber, dass ihr dadurch, dass sie hier war, die Zeit verloren ging, die sie lieber dazu verwenden wollte, die Galaxis nach einem gewissen grauäugigen Menschen abzusuchen. Der Zorn über seinen letzten Satz schwelte noch immer in ihr.
Wenn du einen Mutanten triffst, aktivier den Blocker nicht.
Er hatte ihr vier, nein drei Wochen vorenthalten, dass es etwas gab, das den Sex mit Mutanten anders machte. Und er hatte nicht gesagt, was es war.
Es war vier Monate her. Vier Monate sollten eigentlich reichen, um eine einzelne Person, und wenn es ein Pirat war, in dieser Galaxis ausfindig zu machen. Und sie sollten reichen, um die Erinnerungen aus dem Kopf zu bekommen. Es war beides nicht der Fall.
Gelangweilt ließ Ailia ihren Blick über die ganzen aufgedonnerten Menschen schweifen. Ob ein einziger von denen richtiges Interesse an der Veranstaltung hatte? Man sollte das Geld überweisen und basta. Bis sie plötzlich fast der Schlag traf und sie derartig scharf die Luft einzog, dass Annabell erschrocken in ihre Richtung sah.
„Luciana?“
Die zwei grauen Augen trafen sie genau im gleichen Moment und sein Kopf ruckte genau so abrupt hoch wie Ailias. Was macht er hier?
Annabell folgte ihrem Blick und schlug die Hand vor den Mund. „Oh Gott“, flüsterte sie in Ailias Ohr. „Ist das…?“
„Ja“, knirschte Ailia.
„Was tut er hier?“
„Ich weiß es nicht, aber ich finde es sehr passend, dass er hier ist.“ Sie klang sehr Unheil verkündend und Annabell sah unsicher von ihr zu dem Mann fünf Tische weiter.
Trevor war für einen Moment genau so erschrocken wie sie und rutschte unbehaglich auf seinem Stuhl hin und her.
Avalon liegt Lichtjahre entfernt. Wieso ist sie hier!? Er warf einen wütenden Blick in die Gesichter an seinem Tisch, die alle gleichgültig dem Vortrag lauschten. Wieso hatte er sich zu diesem Schwachsinn überreden lassen? Er überlegte, ob es sehr skandalös wäre, jetzt einfach aufzustehen und zu gehen. Aber er nahm an, dass das einen noch größeren Skandal verursachen würde, weil eine gewisse Prinzessin ihm garantiert folgen würde. Jedenfalls konnte er schon auf diese Entfernung sehen, dass ihr Blick ihn fast erdolchte. Und dann war ihre Stimme in seinem Kopf.
Hallo, Trevor.
Eine wütende Lucie, im Vollbesitz ihrer paranormalen Kräfte… Wahrscheinlich konnte er sich schon einmal von seinem Stolz verabschieden. Er reagierte nicht, obwohl er sie nicht aus den Augen ließ.
Weißt du, Trev, ich wünsche mir seit vier Monaten, dich noch einmal zu sehen. Kannst du dich an das Versprechen erinnern, das ich dir gegeben habe.
Er biss die Zähen aufeinander. Natürlich erinnerte er sich daran: Wenn der Blocker deaktiviert ist, werde ich die Rechnung zwischen uns begleichen. Er sollte flüchten. Teleportieren. Ganz schnell. Er tat es nicht. Viele Menschen waren Mutanten nicht gewöhnt und wenn er jetzt mit einem ‚Plop’ von diesem Tisch verschwand, *würde* sein Vater ihn umbringen. Noch einen solchen Eklat wie seinen letzten würde er ihm nicht verzeihen.
Seine Gedanken wurden unterbrochen, weil er plötzlich etwas in seiner Hose spürte. Er zuckte zusammen und warf einen scheelen Blick unter den Tisch. Da war nichts. Natürlich. Trotzdem war es, als hätte ihn etwas berührt.
Trev, flüsterte wieder die Stimme in seinem Kopf. Hast du schon einmal darüber nachgedacht, was Telekinese alles kann.
Oh Shit! Jetzt spürte er es eindeutig. Eine unsichtbare Kraft schien seinen Penis zu massieren und er presste unwillkürlich die Beine zusammen. Besser gesagt, er wollte es, aber die gleiche Kraft verhinderte auch das. Seine Augen wanderten zu Ailia, die ihn einfach nur anlächelte.
Er hätte sie erwürgen sollen.
Seine Hand griff nach dem Besteck auf dem Tisch und krampfte sich um das Messer. Es brachte ihm einen eigenartigen Blick seiner Nachbarin ein und er grinste krampfhaft zurück.
Sein Körper reagierte. Obwohl niemand da war, reichte allein der Gedanke, dass es Ailia war. Die Erinnerungen stieg in ihm hoch und der Druck, den er spürte, war genau so, als wären es ihre Finger, die an seinem Penis auf und ab strichen. Er stöhnte leise.
Sein Vater sah ihn eigenartig an. „Was ist los, Trevor? Du siehst etwas blass aus.“
„Mir“, presste er hervor und holte krampfhaft Luft. „ist … ein wenig … heiß.“
Das war die Untertreibung des Jahrhunderts.
„Es ist bald vorbei. Dann kommt der gemütliche Teil des Abends und wir können in Ruhe essen.“ Sein Vater sah ihn stirnrunzelnd an. „Leg das Besteck hin. Wie sieht das denn aus!“
Trevor, hauchte die Stimme wieder. Stell dir einfach vor, es wären meine Lippen, die das mit dir tun und ich dich jedes Mal tief in meinen feuchten heißen Mund sauge.
Er schnappte nach Luft und sah nun wirklich aus, als hätte er Atemnot. Sie war verrückt. Sie war eindeutig verrückt. Und er konnte nichts tun. Er fühlte die Erregung, die in seinem Körper tobte. Sein Schwanz war steinhart, er hätte jetzt nicht einmal aufstehen können, ohne das jeder im Saal den Grad seiner Erregung gesehen hätte. Seine Zähne gruben sich in seine Unterlippe, als er sich verzweifelt bemühte, nicht laut zu stöhnen.
„Geht es dir wirklich gut, Trevor?“, fragte diesmal seine Mutter. „Du solltest ein Glas Wasser trinken.“
Er nickte nur. Zum Sprechen war er schon gar nicht mehr fähig. Und die Stimme in seinem Kopf nervte weiter.
Ich mache das gern, Trev, weißt du? Männer werden so furchtbar hilflos, wenn man sie in den Mund nimmt…
Ailia konnte aus der Entfernung nicht genau sehen, wie sich sein Gesicht verkrampfte, aber anhand der Reaktionen seiner Tischgenossen, deren Gedanken sie empfangen konnte, wusste sie, wie er kämpfte. Ein Lächeln huschte über ihre Lippen.
„Luciana?“, störte Annabell ihre Konzentration.
„Nicht jetzt, Ann.“ Sie fixierte weiterhin Trevors Tisch, während ihre telekinetischen Fühler hinausgriffen.
„Was tut Ihr?“, flüsterte die Zofe fassungslos.
„Schau dir Trevor an. Dann weißt du, wie ein Mann reagiert, wenn er einen Orgasmus bekommt und ihn verbergen will, weil er sich in einem Saal voller Menschen befindet.“
Annabell schlug sich die Hand vor den Mund und schnappte nach Luft. „Seid Ihr verrückt?“
„Ich nenne es Rache.“
„Ihr könnt doch nicht … hier…“
„Ich kann.“
Trevor glaubte in der Zwischenzeit zu sterben. Die Bilder, die sein Kopf ihm vorgaukelte, das Gefühl, wie ihn unsichtbare Hände streichelten und massierten, reichten. Er wagte nicht, seine eigenen Hände unter den Tisch zu bewegen, sondern verkrampfte sie auf dem Tisch ineinander in dem krampfhaften Bemühen, die Reaktion seines Körpers zu unterdrücken. Wieder kam ein Stöhnen durch seinen Mund und er schaffte es, dem besorgten Blick seiner Mutter mit einem missglückten Grinsen zu begegnen. Dann pressten ihre Kräfte ihn zusammen und er schlug die Hände vors Gesicht, als sein Körper zitterte und er in seiner Hose kam. Mit der grenzenlosen Erleichterung kam die Erinnerung, wo er war. Er sah hoch und jetzt blickte jeder am Tisch ihn an.
„Ganz schön warm hier“, murmelte er verlegen und hoffte, dass er nicht feuerrot war. „Mir ist etwas übel.“
Und Ailia spürte ihn. Der Sturm seiner Gefühle raste durch ihren Geist, wirbelte durch ihre Gedanken und ließ sie einen Moment benommen schwanken. Sie zog scharf die Luft ein, als seine Ekstase ein warmes Gefühl zwischen ihre Beine schickte und sie knirschte mit den Zähnen. Das war es also.
Neben ihr kicherte Annabell. „Hat er das verdient?“
„Oh ja“, murmelte Ailia. Und nicht nur das.
Trevor konnte später nicht mehr genau sagen, wie er aus dem Saal gekommen war. Krampfhaft sein Jackett vor sich haltend, stürzte er durch die Menschenmassen, sobald die Möglichkeit bestand, ohne einen Skandal zu verursachen, zu gehen.
Dieses verfluchte Miststück.
Er hätte ahnen sollen, dass sie ihn nicht aus den Augen ließ. Sie war schneller hinter ihm, als er denken konnte und er fuhr zusammen, als sie nach seiner Hand griff.
„Nicht dass du mir allein fort teleportierst“, strahlte sie ihn an und ihre Augen funkelten spöttisch. „Meine Kabine oder deine? Ich überlasse dir die Wahl.“
„Wofür?“, schaffte er zu sagen.
Sie runzelte gespielt die Stirn. „Du glaubst doch nicht etwa, dass unsere Rechnung schon beglichen ist, oder?“ Sie machte einen Schritt auf ihn zu und plötzlich war keine Luft mehr zwischen ihren Körpern. „Ich denke, du schuldest es mir, dass *ich* dich einmal so richtig flach lege.“
Ihm wurde wieder heiß. Diesmal allerdings durch ihre Ankündigung. „Möchtest du das? Noch immer?“, fragte er und seine Stimme klang rau.
„Oh ja.“ Ailia stellte sich auf die Zehenspitzen, schlang ihren Arm um seinen Hals und zog seinen Kopf zu sich herab. Als ihre Lippen seine trafen, fragte er sich, wie er jemals so dumm sein und glauben konnte, er würde sie vergessen.
Seine Zunge traf ihre und für einen Augenblick waren sie gefangen in den gegenseitigen Berührungen. Sie hatte nicht gefragt, warum er hier war. Und dann sagte er sich, dass *das* im Moment sein geringstes Problem war.
Und plötzlich war es ihm egal. Er wollte sie. Und er würde sie haben.
Er wusste nicht, wie lange es dauernd würde, aber er wusste definitiv. Sie wollte ihn genau so.
Teil 10
Er materialisierte mit ihr zusammen in seiner Kabine, da er eh nicht wusste,
welche sie bewohnte. Was er nicht beachtet hatte, war, dass sie den nicht
aktivierten Mentalblocker trug, den sie jetzt in einer schnellen Bewegung von
ihrem Handgelenk entfernte und um seines schloss.
„Ich möchte doch nicht, dass du verschwindest“, sagte sie lächelnd.
Er sollte froh darüber sein. Denn dann würde er sie nicht spüren und es würde
ihn nicht wahnsinnig machen, da er annahm, dass sie vorhatte, erst sich selbst
ausgiebig zu befriedigen, ehe er an die Reihe kam.
„Du bist sehr rachsüchtig, weißt du das?“, murmelte er, warf seine Jacke in die
Ecke und zog sie an sich. „Wieso trägst du den Blocker?“
Sie kicherte. „Es ist eine tolle Erfindung. Wenn mir nicht der Sinn danach
steht, irgendetwas zu belauschen, kann ich einfach alles ausschließen.“
Ihre Hüften rieben sich an ihm und er schlang seine Hand in ihre Haare. „Das war
sehr gemein von dir vorhin.“
Seine Zunge fuhr über ihre Lippen, drängte sich dazwischen und Ailia seufzte,
ehe sie ihre Hand in seine Haare krallte und seinen Kopf von sich weg zog. „Ich
fand auch gemein, dass du mich dazu gebracht hast, Sachen zu sagen, die ich nie
sagen wollte.“
„Ich kann mich gar nicht mehr erinnern.“
Lachend stieß sie ihn zurück gegen die Wand. Ihre Finger fuhren über seine
Brust. Er wollte seine Hände heben, musste aber feststellen, dass sie plötzlich
bewegungslos an seine Seiten gebannt waren.
Nettes Spiel, Lucie. „Hast du an mich gedacht?“, fragte er und fühlte ihre
Finger an seiner Hose.
Sie öffnete die Knöpfte und schob die Hose seine Hüften hinab. „Nein, habe ich
nicht.“
„Lügnerin.“ Er lachte leise, als sie ihn anfunkelte. „Lucie, du wärst nicht so
auf Rache aus, wenn ich dir gar nichts bedeuten würde.“
Die Hose wanderte ohne ihr Zutun seine Beine hinab und er trat sie von seinen
Füßen.
„Ich habe an dich gedacht, Lucie“, fuhr er fort. Vielleicht war Angriff die
beste Form der Verteidigung. Und wenn er schon seine Hände nicht zur Verfügung
hatte, reden konnte er auf jeden Fall. „Ich hatte dich gern in meinem Bett. Und
ich nehme an, da du jetzt so scharf drauf bist, mich wieder zu haben, ging es
dir ähnlich.“
„Bilde dir nur nichts ein.“ Ailia grinste und knöpfte das an ihm so fremd
aussehende schicke Hemd auf. Für einen Moment gab sie sich einfach dem Gefühl
hin, ihre Finger über seine nackte Haut gleiten zu lassen. Er hatte einen tollen
Körper, ohne Zweifel. „Ich mag deinen Körper“, setzte sie deshalb hinzu.
„Schön zu wissen, Prinzessin“, murmelte er und stöhnte, als sich diesmal ihre
wahren Finger um seinen Schwanz schlossen.
„Ich denke, mir gefällt auch, wie er auf mich reagiert“, fuhr sie fort und
spürte, wie er sich in ihrer Hand versteifte. „Und da ich dein
Durchhaltevermögen kenne, denke ich, es wird eine schöne lange Nacht.“
„Lucie“, warnte er sie.
„Was?“, fragte sie vergnügt. „Und ich denke, ich würde gern einmal sehen, wie du
dich auf deinen Knien vor mir machst.“
„Lucie!“ Eine unsichtbare Kraft zwang ihn zu Boden und er knirschte mit den
Zähnen, als er hart auf seinen Knien landete. „Du wirst das bereuen!“
„Ja?“ Ailia trat einen Schritt zurück. „Ich denke eher, ich werde davon
träumen.“ Und ich hoffe öfter als von dem ganzen anderen Mist, den du mit mir
angestellte hast. Langsam begann sie die Knöpfe ihres Kleides zu öffnen. Sein
Blick hing an ihr und obwohl sie den Zorn in seinen Augen sah, sah sie genau so
den Hunger.
„Ich kann dir helfen“, begann er erneut. „Ich bin gut darin.“
Das Kleid glitt ihre Schultern hinab und er schluckte. Er hatte sie noch nie in
diesen komischen Dessous gesehen, die Frauen unter den königlichen Kleidern
trugen und er fand, dass sie himmlisch aussah. Wie eine Göttin. Falsch. Wie eine
Rachegöttin. Sie ließ den winzigen Slip ihre Beine hinabrutschen.
„Ich weiß, worin du gut bis“, murmelte sie heiser, als sie wieder auf ihn zukam.
Der Geruch ihrer Erregung traf seine mutierten Sinne und benebelte für einen
Moment seinen Verstand. Dann stand sie vor ihm und ihre Hand fuhr zärtlich durch
seine Haare.
„Ich gebe dir deine Hände frei“, flüsterte sie, als sie sich zu ihm beugte und
ihn sanft küsste. „Du weißt, was ich will, ja?“
Trevor sah zu ihr hoch. Da war das gleiche Verlangen in ihren Augen wie in
seinen und er beschloss, erst Morgen darüber nachzudenken, was er mit ihr
anstellen würde. Seine Lippen pressten sich auf ihren Bauch. „Ja“, murmelte er
und der Geruch ihrer Erregung raubte ihm fast den Verstand.
Seine Hände umfingen ihren nackten Hintern und zogen sie an sich. Er hörte sie
leise stöhnen, als seine Zunge in ihren Bauchnabel fuhr und sie sich an ihn
drückte. Dann wanderten seine Lippen tiefer.
„Du musst an die Wand, Lucie“, flüsterte er heiser, als er seine Finger zwischen
ihre Beine gleiten ließ und die Nässe spürte.
„Ja“, hauchte sie, ließ zu, dass er sich auf seinen Knien drehte und lehnte sich
an die Wand.
Seine Hände spreizten ihre Beine und Ailias Kopf flog nach hinten, als er ein
Bein von ihr anhob und über seine Schulter legte.
„Oh Gott, ja“, flüsterte sie und ihre Hände griffen nach seinem Kopf.
Er hatte es nicht vergessen. Wie sie roch, wie sie schmeckte und wie sich ihr
Körper in seine Berührungen presste. Er hatte jede Nacht davon geträumt.
Als seine Zunge den sensiblen Punkt zwischen ihren Beinen berührte, wimmerte sie
leise auf und ihre Hände in seinen Haaren drückten ihn an sich. Sein Finger
stieß in sie, während er sie leckte und er fühlte, wie ihre Nässe seine Finger
hinunter rann. Seine eigene Erektion begann zu schmerzen und er wollte nichts
sehnlicher, als sie auf den Boden zerren und sich in ihr vergraben. Doch er
wusste genau, dass er seine Knie nicht vom Boden los bekommen würde. Dann
schlossen sich seine Zähne um ihre Klitoris, saugten sie in seinen Mund und er
fühlte sie erbeben, als der Orgasmus ihren Körper schüttelte. Und irgendwie war
er froh, sie jetzt nicht zu spüren. Er vergrub sein Gesicht in ihr, spürte ihre
Kontraktionen, ihr Zittern und das Erschlaffen ihres Körpers, als sie gegen die
Wand sank.
Ailia benötigte eine Weile, um wieder zu Sinnen zu kommen. Sie sah hinab in sein
Gesicht und das Feuer in seinen Augen ließ ihre Beine schwach werden. Doch sie
löste sich von ihm und ging in Richtung Bett. Sie fühlte seinen brennenden
Blick, als würde er ihre Haut berühren, blieb stehen und drehte sich um. Mit
langsamen Bewegungen öffnete sie das Bustier, streifte die Träger von ihren
Schultern und warf es zur Seite. Dann setzte sie sich auf die Bettkante.
Sie kannte wirklich absolut keine Scham. Trevor starrte sie an, wie sie dort
vollkommen nackt auf dem Bett saß und ihn mit einem wissenden Lächeln
betrachtete.
„Du kannst das wirklich gut, Trev“, hauchte sie versonnen, während sie sich mit
einer Hand auf dem Bett abstützte und die zweite gedankenverloren über ihren
Hals, zwischen ihren Brüsten hindurch zu ihrem Bauch strich. „Denkst du, ich
kann das selbst auch so gut?“
Er würde sie morgen an das Bett fesseln. „Ich kann das besser.“ Doch seine Augen
hingen nur an ihren Fingern, die zwischen ihre Beine wanderten. Verflucht soll
sie sein. Verflucht…
Ihre Beine spreizten sich, so dass er genau sehen konnte, was sie tat und seine
Hand fuhr automatisch zu seiner eigenen Erektion.
„Shhh!“ fuhr sie ihn an und verbannte seine Hände wieder an seine Seiten.
„Lucie, du verdammtes…“ Er verstummte, als er beobachtete, wie sie sich selbst
berührte und sich ihr Gesicht verklärte. „Lass mich das machen, Lucie“, murmelte
er, ohne sich vom Fleck bewegen zu können und ohne seine Augen abzuwenden.
Sie stöhnte leise. „Ich habe es immer mal getan in den letzten Wochen“,
flüsterte sie dann und sah ihn durch gesenkte Lider an. „Und dabei an dich
gedacht. An deine Hände… an deine Zunge…“
Ein Stromschlag fuhr durch seinen Körper bei ihren Worten und er schnappte nach
Luft, weil sein eigener Schmerz unerträglich wurde. „Komm schon, Lucie“, keuchte
er. „Lass mich das machen…“
„Komm her.“
„Lass mich aufstehen.“
„Es ist doch nicht weit. Das wirst du doch auf allen vieren schaffen, oder?“
Ans Bett fesseln reichte eindeutig noch nicht. Fluchend kroch er die fünf Meter
bis zu dem Bett.
Ailias Beine spreizten sich noch weiter, und sie lehnte sich nach hinten, als
sein Kopf wieder zwischen ihren Beinen ankam. Er war wütend, seine Zähne gruben
sich in ihr Fleisch und sie keuchte auf, weil der leichte Schmerz das herrliche
Gefühl verstärkte.
Wieder rammte er seine Finger in sie. Erst einen, dann zwei, dann folgte der
dritte und sie stöhnte, als sich seine Zähne um den sensiblen Punkt schlossen.
„Ja, Trev. Ja…“, murmelte sie zusammenhanglos. „Oh Gott… ja.“
„Ja!“ knurrte er böse, biss zu und fühlte die ekstatischen Schauer, die ihren
Körper schüttelten.
Ailia sank auf das Bett zurück. Ihr Atem ging stoßweise und noch immer tanzten
bunte Punkte vor ihren Augen. Plötzlich fühlte sie Trevor ihren Körper hinauf
krabbeln und schüttelte die Betäubung ab.
„Nein, nein, nein“, wetterte sie.
„Oh doch. Ich bin jetzt dran!“, stieß er hervor und fühlte, wie ihn ihre
telekinetische Kraft zur Seite stieß und das Bett hinauf schob bis er am
Kopfende zum sitzen kam. „Lucie, du Miststück, das wirst du jetzt nicht tun!“
„Was denn?“, schnurrte Ailia und krabbelte auf seinen Schoß. Sie fühlte seinen
harten Schaft zwischen ihren Beinen, schlang ihre Arme um seinen Hals und küsste
ihn. Er stöhnte in ihren Mund und seine Hüften hoben sich in dem verzweifelten
Versuch, sich selbst etwas Erleichterung zu verschaffen.
„Komm schon, Lucie“, stieß er hervor, während seine Zähne an ihrem Hals
knabberten.
„Was möchtest du, Trev?“
„Ich will jetzt endlich…“ Er stockte, als er ihrem Blick begegnete und sah wie
sie eine Augenbraue hob. „Okay, verdammt… ich will, dass… du mich… vögelst!“
„Weil…?“, bohrte sie weiter.
„Weil ich das mag“, knirschte er zwischen den Zähnen hindurch.
„Und…?“
Er schloss in ohnmächtiger Wut die Augen. Als er sie wieder öffnete, sah er den
Triumph diesmal in den ihren. „Du bist die Beste, die ich jemals hatte“, sagte
er leise.
Ihr Mund traf auf seinen, sie hob sich selbst an, positionierte sich auf seiner
Erektion und ließ sich fallen. Seine Arme umschlangen ihren zierlichen Körper
und er keuchte auf, als sie ihn plötzlich vollständig umschloss. Und dann begann
sie sich zu bewegen, nicht diesen langsamen Rhythmus, der ihn in dieser ersten
Nacht fast in den Wahnsinn getrieben hatte, sondern schnell, hart und wild und
Trevors Hände klammerten sich in ihre Hüften, wenn er wieder und wieder nach
oben stieß. Ihre Körper trafen sich wie in einem verrückten Kampf und das
einzige Geräusch im Raum war ihr keuchender Atem.
Dann schlang sich Ailias Hand in seine Haare, riss seinen Kopf zurück und sie
sah in seine Augen als sie flüsterte.
„Elomi.“
Schlagartig setzte seine mentale Wahrnehmung wieder ein. Er riss sie an sich,
seine Hand wanderte zwischen ihre Körper und als er sie berührte, explodierte
sie. Ihre inneren Wälle umkrampften ihn, massierten ihn und er stieß mit einem
leisen Schrei noch einmal nach oben, als er selbst kam.
Und diesmal war es gemeinsam. Ailia fühlte ihn genauso wie er sie. Schluchzend
umklammerten ihre Arme seinen Hals. Seine Körper zitterte genau wie ihrer und
die Wellen ihrer mentalen Orgasmen verbanden sich zu einem Lichtermeer, das sie
abheben und schweben lies. Ihr Kopf sank an seine Schulter und er schloss die
Augen, während er sie einfach nur festhielt bis das Beben abklang.
„Lucie, du bist so was von verrückt“, brachte er nach einer ganzen Weile hervor,
ohne sie los zu lassen.
Ihr Auflachen klang etwas abgehackt. Ihr Gesicht war noch immer an seinem Hals
vergraben. „Meinetwegen kannst du jetzt mit mir machen, was du willst“, murmelte
sie und er fühlte wie sich ihre Brust hob und senkte, weil sie noch immer
keuchend Luft holte.
„Ich glaube, ich bin jetzt zu gar nichts mehr fähig.“
„Auch gut.“
„Sind wir quitt?“
„Ich kann jetzt nicht denken.“
„Sehr gut.“ Er rutschte mit ihr das Bett hinab, ohne sie los zu lassen.
Ailia kuschelte sich wortlos an ihn, lehnte den Kopf an seine Schulter und
fühlte sich auf einmal unsäglich müde. Seine Hand strich sanft über ihre Haare.
Sie spürte noch, wie seine Lippen kurz ihre Stirn streiften, bevor sich ihre
Augen endgültig schlossen und sie in einen seit langer Zeit traumlosen Schlaf
driftete.
***********
Sie erwachte sehr zeitig am Morgen und das war eigentlich sehr ungewöhnlich für
sie. Ein Blick zu Trevor sagte ihr, dass dieser noch schlief.
Vorsichtig stand sie auf und begann, ihre Sachen zusammen zu suchen. Sie würde
ihn nicht wecken. Sie wollte nicht wissen, welche Geschäfte ihn auf diesen
Planeten und in diese Veranstaltung gezwungen hatten.
Leise zog sie sich an, wobei sie ihn nicht aus den Augen ließ und feststellte,
wie sehr sich sein Gesicht im Schlaf veränderte. Der immer gegenwärtige
spöttische Ausdruck verschwand und machte es irgendwie weich.
Ailia seufzte. Ihre Rechnung war beglichen. Es gab keinen vernünftigen Grund,
länger als nötig in seiner Kabine zu bleiben. Außerdem hasste sie Abschiede
genau so wie er. Sie hob den Mentalblocker vom Fußboden auf.
„Leb wohl, Trev“, sagte sie leise, als sie sich an der Tür noch einmal umdrehte.
Sie bemerkte nicht, dass er die Augen geöffnete hatte und noch eine ganze Weile
auf die Tür starrte, als diese sich längst geschlossen hatte.
*************
„War Tak auch mit?“, flüsterte Annabell in ihr Ohr, als sie sich an den
Frühstückstisch setzten, so, dass Ailias Eltern es nicht hörten. Außer Annabell
wusste niemand, mit wem Ailia die Nacht verbracht hatte und dabei sollte es auch
bleiben.
„Ich habe keine Ahnung“, wisperte Ailia zurück. „Wir haben nicht viel geredet.“
Annabell sah fürchterlich enttäuscht aus und murmelte. „Ich würde ihn gern
wieder sehen.“
„Nicht weinen, Ann“, warnte Ailia schnell. „Bitte nicht weinen.“
Ihr Frühstück wurde gebracht und eine ganze Weile herrschte Stille. Der Saal
füllte sich. Alle wollten vor dem Abflug noch schnell etwas essen und noch ein
paar letzte Gespräche mit nahen Verwandten oder Bekannten führen.
Ailia kostete das eigenartige Getränk, das unter Terranern als Kaffee bezeichnet
wurde, und verzog angewidert das Gesicht. „Igitt. Wer trinkt denn nur…“ Sie
stockte, weil in diesem Augenblick Trevor den Saal betrat.
Wieder befand er sich in Begleitung zweier älterer Menschen und einiger Männer.
Er sah zu ihr herüber, etwas wie ein Lächeln huschte über sein Gesicht und er
setzte sich an den großen Tisch, an dem die anderen schon Platz genommen hatten.
Ailia musste wahrscheinlich eine ganze Weile in diese Richtung gestarrt haben,
denn ihr Vater runzelte die Stirn und folgte ihrem Blick. „Was ist los, Luciana.“
„Nichts“, murmelte Ailia und trank nun doch den Kaffee.
„Oh“, machte Argo verblüfft. „Schau mal, Auris. Ich wusste gar nicht, dass König
Malor auch da ist. Ich habe ihn gestern nicht gesehen.“
Auris wandte nun ebenfalls den Kopf. „Ich möchte auch nicht, dass du jemals
wieder ein Wort mit ihm wechselst, nach dem, was er unserer Tochter angetan
hat.“ Trotzdem reckte sie neugierig den Kopf. „Sieht aus, als wäre sein
missratener Sohn wieder aufgekreuzt.“
Ailia spuckte den Kaffee über den halben Tisch und fing an zu husten. Sie
schnappte so krampfhaft nach Luft, weil sie sich verschluckt hatte, dass
Annabell anfing, ihr beruhigend auf den Rücken zu klopfen.
„Was?“, brachte sie dann mit hochrotem Kopf hervor.
„Um Gottes Willen, Luciana!“, entfuhr es Auris. „Was ist denn in dich gefahren?“
„Was hast du gerade gesagt?!“, schrie Ailia jetzt.
„Ailia, bitte rege dich nicht auf“, besänftigte Argo sie. „Selbst wenn Prinz
Trevor von Gemlandor wieder da ist, es wird keine Heirat stattfinden.“
Annabell schlug die Hand vor den Mund, um nicht aufzukreischen, während Ailia
jetzt kalkweiß anlief. „Prinz… Trevor…?“, brachte sie dann mühsam hervor.
„Geht es dir gut, Kind?“ Auris musterte sie besorgt. „Du bist etwas blass. Du
wirst doch nicht ohnmächtig, oder?“
„Nein“, zischte Ailia durch die Zähne hindurch und stand auf.
„Luciana!“ Annabell fasste ihre Hand. „Tut es nicht. Bitte.“
„Was meint sie?“, fragte Argo hellhörig.
Ailia beachtete weder ihre Zofe, noch ihren Vater, sondern ging schnurstracks
auf den Tisch zu, an dem Trevor saß.
Dieser hob überrascht den Kopf und ein Blick in ihr Gesicht reichte. Er seufzte.
Sicherlich hatte ihr irgendjemand gesagt, wer er war. Trotzdem schaffte er es,
das spöttische Grinsen, das sie so hasste, in sein Gesicht zu zaubern.
Ailia würdigte ihn keines Blickes. Alle Augen hingen an ihr, als sie den Tisch
erreichte und König Malor erstaunt die Augenbrauen hob. „Junge Dame?“
„Ich wünsche Euch einen schönen Guten Morgen, König Malor“, erklärte Ailia mit
einem falschen Lächeln. „Mein Name ist Ailia Luciana el Tek’aro von Avalon. Euch
sicherlich ein Begriff, nicht wahr? Wie ich sehe, ist es Euch endlich gelungen,
dieses missratene Exemplar, das Ihr als Euren Sohn bezeichnet, zu einer Heimkehr
zu bewegen.“ Sie lächelte jetzt regelrecht honigsüß und nur Trevor wusste, dass
der Hammer erst noch kam, wenn sie dieses Lächeln aufsetzte. „Ein wenig spät?
Nun, Ihr habt sicherlich nichts dagegen, dass ich mich dem Mann mal vorstelle,
den ich hätte heiraten sollen?“ Sie fuhr herum und ihre Augen funkelten einen
sie jetzt völlig fassungslos anstarrenden Trevor an. „Nett dich kennen zu
lernen, Prinz von Gemlandor!“, fauchte sie, hatte im nächsten Moment ausgeholt
und ihm eine schallende Ohrfeige versetzt.
Trevor war zur Salzsäule erstarrt. Dann irrten seine Augen zu seinem Vater, der
ihn jetzt genauso wie alle anderen am Tisch fassungslos anstarrte. „Sie?“
König Malor nickte und sah irgendwie geknickt aus.
„Sie?!“, schrie Trevor noch einmal und sprang auf.
„Trevor, bleib hier“, rief sein Vater noch, doch er hörte ihm gar nicht mehr zu,
sondern stürzte Ailia nach.
„Lucie!“
Ailia hatte ihren Tisch schon wieder erreicht. Ihre Hände ballten sich zu
Fäusten, als sie seine Stimme hörte. Auris sah aus, als wolle sie in Ohnmacht
fallen und ihr Vater starrte sie an, als hätte er einen Geist gesehen. Einzig
und allein Annabell spielte nervös mit ihren Händen im Schoß.
„Lucie!“ Trevor hatte sie erreicht. Er fing ihre Hand, als sie herum fuhr und
noch einmal ausholte. „Ich habe es nicht gewusst!“
„Lass meine Hand los!“, schrie Ailia unbeherrscht. „Und denk nur nicht, dass du
damit durch kommst, Pirat! Ich will das Geld zurück!“
Argos Blick wanderte von Ailia zu Trevor. „Geld…? Pirat…?“
„Hör mir doch einmal zu, Lucie“, versuchte es Trevor noch einmal. „Ich hatte
keine Ahnung, dass mein Vater eine Hochzeit arrangiert.“
„Ich kann mir nicht vorstellen, dass du dann da gewesen wärst!“, giftete Ailia.
„Es reicht! Du warst diejenige, die einen Piraten bestochen hat? Falls du dich
noch daran erinnerst!“
„Bestochen…?“ Auris griff nach Argos Hand. „Was ist hier los, Argo?“
„Du spielst Pirat in dieser Galaxis!“, schrie Ailia zurück. „Und jetzt
verschwinde endlich! Aus meinen Augen! Aus meinem Leben! Und aus meinem Kopf!“
König Malor war hinter Trevor aufgetaucht. „Könnte mir mal jemand erklären, was
hier eigentlich los ist?“
„Nein!!!“, brüllten Trevor und Ailia gleichzeitig. Und Trevor reagierte
geistesgegenwärtig, indem er Ailias Hand nahm und teleportierte.
Argos Augen wanderten genauso wie Auris und dann auch König Malors zu Annabell,
die nun vollends nervös schluckte und unsicher in die Runde schaute.
„Würdest du uns vielleicht erklären, was das jetzt war?“, fragte Auris sanft.
Teil 11
Trevor materialisierte mit Ailia in seinem Zimmer. Genauer mit ihr unter ihm auf
seinem Bett. Im nächsten Moment flog er rückwärts gegen die Wand. Er
entmaterialisierte, ehe er mit der Wand kollidierte und materialisierte auf
einer sich gerade erhebenden Ailia, die wieder gegen das Laken gepresst wurde.
„Was soll das?!“ Ailia stemmte ihre Hände gegen seine Brust.
„Heiratest du mich?“, erkundigte er sich, während sein Gewicht sie auf das Bett
drückte.
„Nein!“
Er flog wieder rückwärts, lachte auf und teleportierte wieder. „Lucie, das ist
ein nettes Spiel“, murmelte er, als er sich wieder über sie beugte. „Wir können
das meinetwegen eine Weile spielen.“
Ailia fluchte unterdrückt.
„Fakt ist, flüchten kannst du nicht.“ Trevor grinste schelmisch. „Ich hole dich
immer wieder. Was also hältst du davon, wenn wir einfach reden?“
„Ich will nicht reden“, knurrte Ailia und schlug gegen seine Brust, weil ihr
bewusst wurde, wie angenehm das Gefühl war, seinen Körper zu spüren, und dass
das etwas war, was ihr überhaupt nicht gefiel.
„Nicht reden?“, machte er erstaunt und fing ihre Hand. „Auch gut.“
Und Ailia fluchte diesmal laut, als er sich an ihr rieb. „DAS will ich auch
nicht!“, schrie sie ihm ins Gesicht. „Ich gehe jetzt!“
„Sieht schlecht aus für dieses Vorhaben“, meinte er nur und spürte, wie sein
Körper auf ihr Zappeln reagierte. Doch er zwang seine Gedanken in eine andere
Richtung. „Lucie, eigentlich müsste ich auf dich sauer sein. Du hast einen
Piraten bestochen, damit du die Hochzeit mit mir versäumst.“
„Na und?!“, kreischte sie. „Du warst doch eh nicht da!“
„Das konntest du aber nicht wissen.“ Trevor stützte seine Ellenbogen zu beiden
Seiten ihres Kopfes ab. „Es wäre eine sehr große Beleidigung für mich gewesen.“
„Ich konnte nichts dafür!“
Er verzog spöttisch den Mund. „Sicher.“ Seine Augen wanderten zu ihrem Mund, der
halb geöffnet war, weil sie ärgerlich Luft holte. Ihre Wangen waren noch immer
gerötet durch den Zorn und er fand, dass sie nie schöner ausgesehen hatte.
„Geh endlich runter von mir!“
„Ich kann mich noch genau an deine Worte erinnern.“ Trevor lächelte leicht mit
einem belustigten Funkeln in den Augen. „Ich werde ihn heiraten. Daran kann ich
nichts ändern.“
„Die Hochzeit wurde abgesagt“, fauchte sie ihn an. „Das Allerletzte, was ich tun
werde, ist einen Menschen heiraten, der in seiner Freizeit ein Piratenraumschiff
fliegt!“
„Lucie, wir wissen beide, dass du auf mich stehst...“, begann er mit dieser
dunklen Stimme, die ein Kribbeln in ihrem Körper verursachte.
„Ich stehe nicht auf dich!“, schrie sie trotzdem, stieß ihn mit ihren
telekinetischen Kräften zurück und sprang auf. „Ich kann dich nicht leiden!“
Trevor lachte ihr ins Gesicht und kam einen Schritt auf sie zu. „Du belügst dich
selbst, Lucie“, murmelte er, als er sich zu ihr beugte. „Dich macht es schon an,
wenn ich bloß mit dir rede.“
Sie schlug zu, wieder einmal, doch diesmal traf sie nicht, weil er irgendwie
damit gerechnet hatte. Seine Hand umklammerte ihr Handgelenk, sie teleportierten
und Ailia fand sich mit dem Rücken zur Wand wieder und einen jetzt etwas
ärgerlich schauenden Trevor, der sich gegen sie presste.
„Lucie, wenn du nicht aufhörst, mich schlagen zu wollen, muss ich annehmen, du
stehst auf so was.“
„Ich will jetzt ge... “
Seine Lippen waren auf ihrem Mund, ehe sie den Satz vollenden konnte, und seine
Zunge drängte zwischen ihre Zähne. Ailias Hände ballten sich zu Fäusten und sie
sagte sich verzweifelt, dass sie ihn von sich stoßen sollte.
Dann riss er seinen Kopf wieder von ihr los und starrte sie keuchend an. Ihre
Brust hob und senkte sich, weil sie genau so nach Atem rang wie er. „Lügnerin.“
Ihre Augen glühten auf und für einen Moment ertrank er fast in dem dunklen
Feuer. „Du willst mich, Lucie“, stieß er heiser hervor.
Ailia gestand sich selbst schon mal ein, dass das stimmte und fragte sich, warum
sie so auf ihn reagierte. Er reagierte auf sie ebenso, sie spürte den harten
Beweis seiner Erregung, der sich gegen ihren Bauch presste. Sie lehnte ihren
Kopf zurück und musterte ihn aus schmalen Augen. „Und?“, fragte sie spitz.
„Verlangen ist kein Grund für eine Heirat.“
Er kicherte. „Ein besserer als der, aus dem du eigentlich heiraten solltest.“
Seine Zunge fuhr über ihre Lippen und sie schloss einen Moment die Augen, als
die Erinnerung an die vergangene Nacht sie wieder übermannte.
„Ich werde dich nicht heiraten“, sagte sie schwach.
„Nein, Lucie?“, spielte er enttäuscht. „Soll ich versuchen, dich zu überreden?“
Seine Lippen wanderten über ihren Hals und sie spürte seine Zähne sanft über die
empfindliche Haut kratzen.
„Du willst mich gar nicht heiraten“, murmelte Ailia. „Was soll der Scheiß? Du
willst mich in deinem Bett und das kannst... du... auch so... haben...“
Ihre Stimme erstarb, als er ihre Handgelenke freigab und sie spürte, wie er den
Rock ihres Kleides ihre Beine hinauf schob. Stoß ihn weg, sagte ihr Verstand.
Doch ihr Körper reagierte und sandte die Nässe zwischen ihre Beine, als er seine
Hand gegen ihren Slip presste.
Trevor zog scharf die Luft ein, als der Geruch ihrer Erregung seine mutierten
Sinne traf. Seine Finger massierten sie durch den Stoff. Er spürte, wie sie sich
gegen ihn drückte und seine freie Hand umschlang ihren Hals. Ihre Lippen trafen
wieder aufeinander und Trevor fühlte, wie sie erst abwehrend die Hände hob, sie
dann jedoch um ihn schlang und ihn an sich zog.
Und Trevor wurde fast wahnsinnig bei dem Gedanken, dass er sie gehen lassen und
zulassen sollte, dass sie wieder aus seinem Leben verschwand. Allerdings würde
sie ihm auch nicht verzeihen, wenn er ihre Reaktion auf ihn jetzt ausnutzte.
Er ließ ihren Rock fallen. Seine Hände umfassten ihre Hüften, als er wieder
teleportierte. Ailia sah ihn irgendwie orientierungslos an, als er sie auf die
Kante des Bettes drückte und vor ihr auf die Knie sank. In seinen Augen brannte
ein derartiges Feuer, dass ihr heiß wurde und ihr Herz fing an wie verrückt zu
hämmern.
„Lucie“, begann er leise. „Ich habe zwei Monate lang versucht, mich selbst zu
überzeugen, dass du mir egal bist.“
Ailia ließ mit großen Augen zu, dass er ihre Hand nahm und an seine Lippen zog.
„Dann habe ich mir überlegt, es wäre vielleicht an der Zeit, mal wieder meinen
Vater aufzusuchen.“ Er grinste schief. „Und trotz des Zorns, der mich traf, war
ich froh, dass ich diesen Heiratstermin verpasst habe, weil ich nie gezwungen
werden wollte, irgendeine blaublütige Prinzessin zu heiraten, die ich nicht
einmal kannte. Und ich hoffte, dass sich irgendwann durch meine Stellung die
Gelegenheit ergeben würde, auf dich zu treffen.“
Ailia konnte ihn nur stumm anstarren.
„Ich redete mir ein, du wärst nicht der Grund für meine Heimkehr, sondern, dass
ich genug davon hatte, meine Herkunft zu verleugnen.“ Trevor holte tief Luft.
„Ich denke, ich habe mich selbst belogen.“
„Ja?“, piepste Ailia und fühlte unerklärbarer Weise, wie sich ihr Hals
zuschnürte.
Er nickte. „Und ich denke, wenn du etwas anderes behauptest, bist du genau so
dumm wie ich.“ Ein feines Lächeln überzog wieder seine Lippen. „Heirate mich,
Lucie“, bat er leise.
Zum ersten Mal in ihrem Leben schaffte es Ailia nicht, zu verhindern, dass sich
Tränen in ihren Augen bildeten. Ihre freie Hand presste sich auf ihren Mund.
Trevor sagte nichts weiter. Er sah schweigend zu ihr hoch, sah, wie eine einsame
Träne ihre Wange hinab rollte und sie mühsam mit ihrer Beherrschung kämpfte.
„Oh Gott“, brachte sie dann heraus.
„Falsche Antwort, Lucie“, sagte er und sein Grinsen erinnerte sie wieder an die
Wochen auf der ARMAGEDDON, in denen er sie mit dieser Feststellung oft genug
genervt hatte.
„Ich... verdammt...“ Plötzlich schaffte sie es nicht mehr. Sie schluchzte auf
und Tränen rannen aus ihren Augen. „Ich... Trev...“
„Lucie“, stichelte Trevor. „Ein einfaches Ja reicht mir.“
Ailia rutschte von der Bettkante und schlang ihre Arme um seinen Hals. „Das ist
so falsch, Trev“, flüsterte sie erstickt und fühlte, wie er sie an sich zog und
sein Gesicht an ihrem Hals vergrub. „Das ist so falsch... Ja, Trev. Ja.“
„Ja?“ Er hob den Kopf und schaute fast fassungslos in Ailias Gesicht. „Hast du
wirklich ‚Ja’ gesagt?“
„Hab ich nicht“, murmelte sie und dann waren seine Lippen wieder auf ihrem Mund,
in einem Kuss, der ihr die Sinne raubte.
Seine Hände umfassten ihren Kopf. „Sag es noch mal, Lucie“, flüsterte er heiser.
„Einmal reicht.“
Trevor lachte, teleportierte und landete mit ihr wieder auf dem Bett. Er beugte
sich über sie und küsste die Tränen von ihren Wangen, während seine Hände
ungeduldig mit den Knöpfen ihres Kleides hantierten. „Ich weiß schon, warum ich
diese Kleider hasse“, knurrte er ärgerlich in ihr Ohr.
Ailia kicherte leise. „Gewöhn dich dran. Ich werde keine Hosen tragen.“
„Wenn wir allein sind?“
„Dann soll ich etwas tragen?“, fragte sie spöttisch und sein Mund krachte auf
ihren. Dann wanderten seine Lippen ihren Hals hinab zu ihren Brüsten.
„Natürlich nicht“, murmelte er gegen ihre Haut. Er spürte ihre Hände in seinen
Haaren, als sie ihn gegen sich drückte. „Wenn wir allein sind, wirst du
schneller deine Sachen los sein, als du Ich will dich, Trev sagen kannst.“
„Du bist noch immer ganz schön eingebildet. Warum sollte ich das sagen?“ Seine
Lippen schlossen sich um ihre Brust, nachdem er ihr die Träger des Bustiers von
den Schultern gestreift hatte und Ailia bäumte sich auf, ihm entgegen. Als seine
Hände wieder unter ihrem Rock verschwanden und den Stoff nach oben schoben,
stöhnte sie auf. „Vielleicht bist du bald deine Hosen los, Pirat.“
Trevor lachte leise. „Wie Ihr wünscht, Hoheit.“
*****************
Ailia strich ihr Kleid glatt und warf noch einen Blick in den Spiegel. Oh je,
jeder der nur ein wenig Verstand im Kopf hatte, wusste, was passiert war. Ihre
Finger zupften an den Haaren und strichen die widerspenstigen Strähnen hinter
die Ohren. Ihre Wangen waren von der vergangenen Stunde noch immer gerötet und
ihre Augen glänzten.
Trevor trat hinter sie, sah kurz über ihre Schulter in den Spiegel und drückte
seine Lippen gegen ihren Hals. „Vergiss es, Lucie. Allein die herrliche Farbe
deines Gesichtes verrät dich.“
„Es ist mir egal“, erklärte Ailia und drehte sich zu ihm um. Seine Haare
sturzelten noch schlimmer als sonst und sie grinste, als sie sein Hemd gerade
zupfte. „Zum Glück siehst du viel besser aus. Außerdem sind unsere Eltern im
Moment damit beschäftigt, Annabell auszuhorchen und sowieso schon leicht
schockiert. Warum sollten wir ihnen dann nicht den nächsten verpassen?“
Er senkte den Kopf und küsste sie sanft auf den Mund. „Wirst du mich wirklich
heiraten, Lucie?“
Ailia tippte ihn gegen die Brust. „Ich werde das jetzt nicht noch hundert Mal
sagen“, stellte sie klar. „Ich bin nicht gut in diesen Dingen, weißt du?“
„Ich auch nicht“, sagte er leise. „Ich hatte schon genug Probleme damit, mir
selbst gegenüber zuzugeben, dass ich dich wieder sehen will.“
„Ich habe Nachforschungen angestellt“, murmelte Ailia und wich seinem Blick aus.
„Ich habe dich suchen lassen. Und ich bin immer noch wütend, dass bisher keiner
meiner Agenten es geschafft hat, einen Hinweis auf dich zu finden.“
„Echt?“ Trevor musste sich mühsam das Lachen verkneifen.
„Echt?“, äffte sie ihn nach und er lachte los, schlang seine Arme um ihren Hals
und lehnte seine Stirn an ihre. „Ich weiß nicht einmal, ob das eine so gute Idee
ist ... diese Heiratssache ... eigentlich ... ich meine, ich wusste immer, dass
ich einmal heirate, weil es meine Pflicht ist, für mein Volk zu sorgen und mit
dieser Heirat uns Verbündete oder weitere Gebiete zu sichern ...“
„Rede dir doch einfach ein, dass wäre der Grund“, flüsterte er. „Schließlich
haben unsere Eltern die Heirat aus genau diesem Grund vereinbart.“
„Und ich hatte geplant, mein Leben einfach so weiter zu führen wie vorher, ohne
mich groß darum zu scheren, dass ich einen Mann habe...“
„Das kannst du voll vergessen“, stieß er aufgebracht hervor. „Für den Rest
deines Lebens wird dich nur ein einziger Mann flach legen. Ich.“
„Könntest du das etwas romantischer ausdrücken“, beschwerte Ailia sich.
„Ich bin nie romantisch.“
„Ha. Ha!“, machte Ailia spöttisch. „Ich kann mich an jemanden erinnern, der
Kerzen anzündete, der mich in ein heißes Bad schleppte und...“
„Lucie! Ich habe gesagt, wenn du das jemandem erzählst, werde ich...“
„...was? Lass es gut sein, Trev. Wir wissen beide, dass dieses Ding, was
zwischen uns existiert, hauptsächlich auf Sex beruht.“ Sie grinste spöttisch,
küsste ihn auf den Mund, löste sich von ihm und nahm seine Hand. „Komm schon,
Pirat. Unsere Eltern warten.“
Sie zog ihn mit sich zur Tür. Doch ehe sie sie öffnen konnte, bremste er sie und
drehte sie zu sich um. „Lucie?“
„Was?“, fragte sie erstaunt.
„Es ist mehr als Sex“, sagte er einfach.
Ailia starrte ihn an und lachte unsicher auf. „Hör auf, Trev. Wir haben den
größten Teil unserer gemeinsamen Zeit damit zugebracht, uns gegenseitig den
Verstand aus dem Kopf zu vögeln und...“
„Ich dachte, wenigstens Frauen könnten das etwas romantischer ausdrücken.“
„...und ich weiß nicht, was passiert, wenn wir plötzlich damit konfrontiert
werden, einen großen Teil unserer Zeit zusammen zu verbringen. Ich denke, das
wird schwer...“
„Ich denke, wir sollten es versuchen“, unterbrach er sie wieder und grinste
schelmisch. „Und ich denke, ich werde jeden Streit beenden, indem ich dich aufs
Bett werfe.“
„Womit wir wieder bei ‚Nur Sex’ wären“, kommentierte Ailia sarkastisch.
Er hob seine Hand und strich über ihre Wange. „Hast du mich vermisst?“, murmelte
er, während seine Augen das Spiel seiner Hände verfolgten.
Ailia schluckte. Das Kribbeln in ihrem Bauch setzte sofort ein, wenn er sie nur
mit diesem Blick ansah. Und das hatte kein anderer Mann geschafft, so oft sie es
auch versucht hatte. „Ja“, flüsterte sie.
„Ich dich auch.“ Seine Zunge fuhr über ihre Lippen und sie öffnete sie, während
sein Körper sich an sie presste. Dann löste er seinen Kopf von ihr und sah sie
ernst an. „Ich will Zeit mit dir verbringen. Ich will mit dir reden. Ich will
dich kennen lernen, deine Meinung hören und mich mit dir streiten. Ich will dich
einfach nur im Arm halten, deine Sorgen und Probleme hören und wissen, an
welchen Dingen du Spaß hast.“
Ailia fühlte schon wieder diesen Kloß im Hals und konnte ihn nur wortlos
anstarren.
„Und natürlich will ich neben dir aufwachen“, flüsterte er und noch einmal
berührten seine Lippen federleicht ihre. „Ich brauche dazu keine Hochzeit. Und
wenn du ein Problem damit hast, lassen wir es. Ich finde allerdings, es ist
besser, ehe unsere Eltern denken, sie müssten eine neue hervorragende Partie für
uns arrangieren.“ Trevor lächelte, weil sie ihn immer noch mit diesen großen
dunklen Augen stumm ansah. „Lucie, seit wann bist du so schweigsam?“
„Ich weiß nicht, was ich sagen soll“, piepste sie. „Ich hätte Ann mal aushorchen
sollen, was in ihren Kitschromanen in derartigen Situationen gesagt wird.“
Trevor kicherte. „Oh, ich denke, du bist nicht der
Ich-liebe-dich-von-ganzem-Herzen-Typ.“ Er lehnte seine Stirn an ihre. „Sag mir
einfach, was du denkst.“
„Das ist ein ganz schönes Chaos“, antwortete sie leise.
„Fang an. Soviel Zeit haben wir noch.“
„Ich denke, ich werde den Mentalblocker nicht benötigen.“ Trevor lachte auf,
doch ein böser Blick von ihr ließ ihn verstummen. „Ich... könnte mir vorstellen,
Zeit mit dir zu verbringen, zu reden... Ich denke, wir werden uns öfter...
streiten...“
„Möglich“, meinte er nur lakonisch.
„Ich werde nicht zulassen, dass jeder Streit unausgefochten endet, weil du mich
ins Bett zerrst...“
Trevor fing wieder an zu lachen. „Lucie, du bist süß“, gluckste er.
„Und ich möchte klarstellen, dass ich die einzige Frau sein werde, die du
vögelst!“, fuhr sie ihn an.
Er ließ sie los und legte feierlich die Hand aufs Herz. „Versprochen.“
„Jedenfalls so lange, bis ich genug von dir habe...“
„Oder ich von dir“, stänkerte er. „Lucie, du wirst nie genug von mir bekommen“,
grinste er dann und küsste sie wieder. „Ich habe in den letzten Monaten keine
andere Frau angerührt, weil ich immer dein Gesicht gesehen habe, wenn ich nur
daran dachte.“
Ailia runzelte die Stirn und gab mürrisch zu. „Ich habe es versucht. Aber es
funktionierte nicht.“
„Was funktionierte nicht?“
Ailia seufzte. „Ich habe nichts gefühlt, wenn ein anderer Mann mich küsste. Und
zu mehr hatte ich dann gleich gar keine Lust.“
„Herrlich.“ Trevor presste sich an sie. „Was fühlst du bei mir?“
„Können wir jetzt endlich gehen?“
„Lucie!“ Seine Hand griff in ihre Haare und zwang sie, ihn anzusehen. „Ich werde
wahnsinnig, wenn du mich bloß ansiehst! Könntest du mir vielleicht sagen, dass
das bei dir ähnlich ist?“
„Ähm ... ja?“
Seine Lippen wanderten über ihre Wange zu ihrem Ohr. „Dass du verrückt nach mir
bist?“
„Hm“, machte Ailia.
„Und nur daran denkst, was ich alles so mit dir anstellen könnte?“, flüsterte er
in ihr Ohr.
„Wir sind schon wieder nur bei...“ Er biss sie sanft in ihr Ohrläppchen. „Ahh...
ich denke... schon.“
Er küsste sie kurz und hungrig. „Ich fühle dasselbe. Und jetzt lass uns gehen
und endlich klar stellen, dass man unsere Hochzeit vorbereiten soll.“ Er griff
noch einmal nach ihrer Hand, zog sie an seinen Mund und presste seine Lippen
gegen die Handinnenfläche. „Ich weiß, dass ich manchmal ein unsensibler Idiot
bin. Aber ich weiß ganz sicher, dass ich anfange, dich gern zu haben.“
Ailia stellte sich kurz auf die Zehenspitzen, hauchte einen Kuss auf seine
Lippen und sagte. „Das will ich hoffen, Pirat. Denn ich denke, du bedeutest mir
auch... etwas.“
Sie zog ihn mit sich den Gang hinunter in Richtung des Speisesaals und fing an
zu lachen, als er murmelte: „Könntest du dieses Etwas näher beschreiben...?“
Epilog - Oder die etwas andere Weihnachtsgeschichte

„Gibt es keine Möglichkeit, da drum herum zu kommen?“
Ailia lief in ihrer – diesmal gemeinsamen – Kabine in der ARMARGEDDON auf und ab. Trevor lag auf dem Bett, die Hände hinter dem Kopf verschränkt und starrte zur Decke.
Es war sechs Monate her, seit sie sich auf einer zwar pompösen, aber deshalb nicht weniger skandalösen Hochzeit das Ja-Wort gegeben hatten. Ihren Eltern hatten, sehr zum Verdruss ihrerseits, die Hochzeit ausgestattet und die Gäste eingeladen. Die Gästeliste stieß weder bei Trevor noch bei Ailia auf Zustimmung, eigentlich die beste Voraussetzung, die ganze Angelegenheit in einem Desaster enden zu lassen.
Das war natürlich nicht passiert. Die Ehe wurde geschlossen. Es sollte wahnsinnig feierlich werden, mit jeder Menge Tränen und jeder Menge Blumen. Die Einzige, die geweint hatte, war Annabell. Ailia sagte sich im Nachhinein, dass Annabell einfach überall Romantik sah, auch wenn es keine gab. Außerdem stand dieser Takvoll neben ihr und hatte ihr den Arm um die Schulter gelegt. Sicherlich war allein das ein Grund für Annabell zu weinen.
Ihren Eltern standen spätestens ab dem Zeitpunkt keine Tränen mehr in den Augen, als Ailia den Pfarrer angefahren hatte, er solle seine Fragen hintereinander weg stellen, sich ein wenig beeilen und nicht so herumtrödeln. Es könne sonst sein, sie würde dann noch mal genauer über die Antwort nachdenken.
Trevor neben ihr hatte alle Mühe gehabt, sich das Lachen zu verkneifen, als der Pfarrer erst puterrot und dann kreidebleich geworden war. Danach konnte man von Romantik wirklich nicht mehr reden. Die Fragen schossen hervor, als würden sie sich auf einem Verhör befinden und eine herrlich breit grinsende Ailia beantwortete sie genau so. Aber sie sagte: Ja, ich will.
Warum also waren ihre Eltern danach so sauer? Ailia sah dafür keinen Grund und ihre Laune wurde nur umso besser. Sie machte sich den ganzen restlichen Abend einen Spaß daraus, die hinter ihrem Rücken tuschelnden Gäste anzusprechen und sich über sie lustig zu machen.
Genauso wie Trevor hasste sie Tratsch, und aus genau diesem Grund verursachte sie ihn nur umso lieber. Als Mitglied der königlichen Familie stand sie mitten im Rampenlicht und nur zu gern zerfetzten sich weniger einflussreiche Familien den Mund über sie. Und Ailias Motto war: Wenn sie sowieso tratschen, warum ihnen den Grund dazu nicht selbst geben?
Alles in allem konnte man also sagen, die Hochzeit hatte stattgefunden. Auch wenn König Malor fast einen Herzinfarkt dabei erlitten hatte und Ailias Mutter Auris meinte, sie wäre froh, dass Großmama diese Hochzeit nicht hatte miterleben müssen.
Ailia war es egal. Ihre und Trevors Eltern hatten ihren Willen, sie selbst ihre Ruhe und konnte bis zu dem Zeitpunkt, an dem sie oder Trevor die Regierungsgeschäfte übernehmen mussten, erst mal tun und lassen, was sie wollte. Nach dem Skandal der Hochzeit hoffte Ailia sogar, ihre Eltern würden noch einmal genauer darüber nachdenken und eventuell Eirene, ihre Schwester, mit der Thronfolge betrauen.
Auf alle Fälle waren alle Beteiligten froh, dass das Hochzeitspaar danach erst einmal von der Bildfläche verschwand.
Flitterwochen nannte es die Boulevardpresse. Trevor und Ailia sagten dazu: Flucht, solange wir es noch können. Und die Mannschaft der ARMARGEDDON freute sich.
Sechs Monate streiften sie durch das All. Hier, in diesen engen Räumen konnten sie vergessen, welche Verantwortung irgendwann einmal auf ihnen lasten würde. Hier konnten sie diejenigen sein, die sie schon immer sein wollten. Normale Menschen.
Mit dem Geld ihrer Eltern im Hintergrund konnten sie sich beide den Wunsch erfüllen, den sie schon immer hatten: Etwas Neues entdecken. Neue Welten. Neue Planeten.
Inmitten der Mannschaft handverlesener Menschen und ehemaliger Piraten waren sie nicht Prinz und Prinzessin, sondern Captain und Vizecaptain, und es bedeutete ihnen mehr als jede Krone, die man ihnen auf den Kopf setzte.
In dieser Beziehung waren sie sich immer einig gewesen.
Jetzt allerdings holte die Realität sie wieder ein. Auch Trevor hätte sich etwas anderes gewünscht. Sie hatten es geschafft, irgendwelche unausweichlichen Termine dazwischen zu schieben, wenn es darum ging, heimzukehren, um irgendwelche Geburtstage zu feiern. Aber nun, genau einen Monat vor Jahresende, lautete die Nachricht vom Planeten Avalon etwas anders:
Wenn ihr es nicht schafft, euren Hintern zu Weihnachten in den Palast zu bewegen, werden euch die Geldmittel für die nächsten Jahre gestrichen!!
Das hatte Ailias Vater formuliert. Auris hatte noch einen kleinen Zusatz darunter gesetzt:
Solltest du vorhaben, wieder einen Skandal zu provozieren, dann bleib, wo du bist. Ich werde mit deinem Vater noch einmal über die finanzielle Sache reden.
Und genau da standen sie jetzt.
Ailia verschränkte die Arme vor der Brust und starrte Trevor an. „Was sagst du?“
Er grinste schief. „Halten wir die paar Tage durch?“
Sie fluchte leise. „Dieser ganze Kitsch, lächeln, Küsschen hier und Küsschen da… jeder umarmt jeden, ich hasse das. Und das Schlimmste ist, wir brauchen Geschenke!“ Sie nahm ihre Wanderung durch das Zimmer wieder auf. „Wer weiß, wie viele Leute wieder eingeladen sind!“
„Annabell kann dir helfen bei den Geschenken.“
„MIR?!“, schrie Ailia auf und war keine Sekunde später am Bett. „Glaub nur nicht, dass du da drum herum kommst! Du wirst gefälligst an meiner Seite sein, wenn ich in irgendwelchen doofen Läden stehe und mir irgendwelchen Schrott aussuchen muss, den ich irgendwem schenken muss!“
Trevor verzog das Gesicht als hätte er Zahnschmerzen. „Muss ich dir auch was schenken?“
„Du musst mir gar nichts schenken“, fuhr sie ihn an. „Ich will über den ganzen Schwachsinn gar nicht nachdenken, also lass dir bloß nichts in der Richtung einfallen. Es reicht, dass Annabell so verflucht romantisch ist und ich mir ein Geschenk für sie ausdenken muss. Sie bricht garantiert in Tränen aus, wenn ich nichts für sie habe.“
„Gut.“ So richtig erleichtert klang er nicht und Ailia hatte das dumme Gefühl, da nun einmal das Thema Geschenke angesprochen war, würde er weiterhin darüber nachdenken.
Er würde ihr doch nicht wirklich etwas schenken? Ein eigenartiges Gefühl breitete sich in ihr aus und zog ihren Magen zusammen. Es war mit Angst zu vergleichen, aber nur fast. Da schwang noch etwas anderes mit, etwas, das Ailia nicht definieren konnte.
„Redest du mit Annabell?“, fragte er leise. „Wir haben noch einen Monat und sollten uns schleunigst an die Einkäufe machen.“
Ailia seufzte genervt. „Ja. Weißt du, wie ihre Kabine aussieht? Ich geh da nicht mehr rein. Nur solcher ganzer weihnachtlicher Plunder…“
Trevor setzte sich auf und streckte die Hand nach ihr aus. „Komm her, Prinzessin.“
Sie ließ sich von ihm auf das Bett ziehen. „Sie hat sogar einen Mistelzweig über der Tür“, sagte sie dann kläglich. „Ich möchte nur wissen, wo sie das her hat. Sie ist ihr Leben lang mit mir zusammen aufgewachsen. Sie sollte klüger sein.“
Er lachte leise und küsste sie kurz auf den Mund. „Hättest du gedacht, dass wir uns jetzt schon sechs Monate relativ gut vertragen?“
„Relativ ist genau richtig formuliert“, entgegnete sie und hob skeptisch ihre Augenbraue. „Und wenn du nicht so hinterhältig wärst und immer deinen Körper einsetzt, wenn…“
„Der dir natürlich wunderbar gefällt“, unterbrach er sie. Dann hob er seine Hände, umfasste ihr Gesicht und hob es zu sich an. „Wir werden das schaffen, Prinzessin. Ist doch nicht das erste Weihnachten mit der Familie.“
„Das Erste, bei dem ich mich zusammenreißen muss“, stellte sie schnell klar.
Trevor küsste sie wieder. „Du solltest gleich mal ein bisschen üben und aufhören, so ein genervtes Gesicht zu machen.“
„Ich schaue immer so.“
„Sag: Fröhliche Weihnachten.“
„Du kannst mich mal.“
„Was denn?“
Die Herausforderung, die in seiner Stimme mitschwang, gefiel ihr viel besser als der Gedanke an Weihnachten. Und wer war sie denn, dass sie sie nicht annahm?
***********
„Hier entlang.“ Annabell zog Ailia mitten durch die Menschenmassen in der Raumstation FREEDOM.
Da sie sich so ziemlich am Ende des erforschten Milchstraßengebietes befanden, war es gar nicht so einfach gewesen, in der kurzen Zeit eine Raumstation zu finden. Sie mussten auch die Strecke nach Avalon noch zurücklegen und hatten plötzlich festgestellt, dass sie unter Zeitdruck standen.
Selbst hier auf dieser Station - nach Ailias Worten am Arsch der Welt - hatte Weihnachten Einzug gehalten. Überall standen Tannenbäume – es musste ein Vermögen gekostet haben, diese von Terra zu importieren. Vielleicht waren es aber auch nur Plastikimitationen.
Ailia machte sich nicht die Mühe, das heraus zu finden. Es war ihr egal. Der ganze Trubel nervte sie einfach nur. Zum Glück hatten sie alle Geschenke, die natürlich hauptsächlich Annabell ausgesucht hatte und Ailia hatte es sogar geschafft, sich etwas für ihre Zofe auszudenken.
Wenn es einen Menschen gab, an dem ihr wirklich etwas lag, dann war es die romantische Annabell. Ailia würde es schaffen, ihre Eltern zu schockieren, aber Annabell enttäuschen, das brachte sie nicht übers Herz. Sie hatte mit Trevor darüber gesprochen und dieser hatte mit einem schiefen Grinsen gemeint, er würde seinen Teil des Geschenks erfüllen. Und gegen ihren Willen verspürte Ailia eine gewisse Vorfreude auf den Moment, an dem sie Annabell das Geschenk präsentieren würde.
Jetzt allerdings war sie mehr als genervt, weil Annabell sie durch die Massen zerrte und behauptete, sie bräuchte ein Geschenk für Trevor. Ailia war überhaupt nicht dieser Meinung, aber was sollte sie tun?
„Luciana“, schimpfte Annabell gerade. „Es ist ja alles gut und schön, aber ich wette, Ihr habt ihm noch nicht einmal gesagt, dass Ihr ihn liebt.“
„Wer sagt, dass ich das tue?“, fragte Ailia pikiert.
„Ich.“ Annabell lachte ihr ins Gesicht.
Seit wann durfte eine Zofe so frech sein?
„Ich weiß, dass Ihr es tut. Und nun wird es Zeit, dass Ihr es schafft, das auch mal auszusprechen“, erklärte sie.
„Ann, du musst mir keine Vorschriften für mein Leben machen“, brummte Ailia missmutig. „Kauf irgendwelchen sentimentalen Schwachsinn für Tak und lass mich in Ruhe.“
Annabell warf ihr einen sehr bösen Blick zu. Manchmal war es wirklich sehr schwer, die Zofe genau dieser Person zu sein. Seit sie Takvoll gefunden hatte, wünschte sie sich nichts sehnlicher, als auch Ailia verständlich zu machen, dass das ganze Leben nicht nur aus Sarkasmus bestand. Sie musste es sich nur selbst eingestehen. Denn dass sie ein klein wenig Zuneigung zu dem ehemaligen Piraten Trevor fühlte, das konnte eigentlich niemand abstreiten. Ailia hätte Trevor nie geheiratet, wenn es nicht so wäre.
Allerdings endete der restliche Tag, so wie es Ailia vorausgesagt hatte, in einem Fiasko. Eine genervte Prinzessin schlenderte hinter ihrer Zofe her, die sich in jedem Laden Ewigkeiten aufhielt, am Ende mit Geschenken für Wer-weiß-wen-alles beladen war und Ailia hatte nichts.
Gut, die Geschenke für ihre Eltern und ihre Schwester hatte sie. Aber für Trevor wollte ihr einfach nichts einfallen. Annabells Vorschläge erklärte sie einfach für Schwachsinn, denn es war ja wohl das Letzte, dass sie Trevor an einem solchen Abend ein Geschenk überreichen würde, in dem sich Socken oder ein Pullover befand.
Dann schon eher etwas aus diesem Laden, an dem Annabell sie jedoch strickt vorbei zog und an dem in großen Buchstaben „Erotikcenter“ prangte. Ailia wettete mit sich selbst, da drin würde sie garantiert etwas finden, das Trevor gefiel und vor allem ihr selbst. Aber natürlich hatte Annabell Recht. In Gegenwart ihrer Eltern sollte Trevor solch ein Geschenk nicht auspacken.
Damit bedeutete das am Ende: Ailia kaufte nichts. Und sie erklärte es sich selbst mit den Worten, dass Trevor genauso wenig etwas einfallen würde wie ihr selbst.
Ein ungutes Gefühl blieb, aber im Ignorieren solcher war Ailia schon immer eine Meisterin gewesen.
Vielleicht wäre sie beruhigter gewesen, wenn sie geahnt hätte, dass es ein paar Decks tiefer Trevor und Takvoll ähnlich ging und dass deren Tag auf fast die gleiche Weise endete.
Nämlich damit, dass Trevor die Nerven verlor und seinen ersten Offizier anbrüllte, er hätte jetzt endgültig die Schnauze voll.
****************
Avalon – Heiliger Abend
„Ihr seht fantastisch aus!“, quietschte Annabell begeistert und schlug die Hände zusammen, während sie um Ailia herum turnte und an den hochgesteckten Haaren zupfte.
„Ich sehe aus wie eine von den Weihnachtkugeln am Tannenbaum“, brummte Ailia genervt und beäugte misstrauisch ihr Spiegelbild.
Annabell hatte ihre dunklen widerspenstigen Locken zu einer aufwendigen Frisur hochgesteckt. Perlen glitzerten darin und mit irgendeinem Spray hatte sie es sogar geschafft, den Haaren einen Glitzereffekt zu verleihen. Es war nicht so, dass es nicht passte, denn das dunkelrote Kleid, das Ailia zu diesem Anlass trug, funkelte genauso.
„Ich hasse mich selbst“, knurrte sie wieder.
Zum Glück war Annabell ähnlich gekleidet, sie hatte ein hellblaues, aufwendig besticktes Kleid an, jedoch trug sie außer winzigen Ohrsteckern keinerlei Schmuck. Für Ailia hatte die Zofe eine Kette im Farbton des Kleides gewählt, sowie dazu passende Ohrringe und ein Armband.
Ailia hasste jedes einzelne Teil davon. „Ich sehe nicht nur aus wie so eine Weihnachtskugel“, schimpfte sie weiter. „Ich bin der verdammte Christbaum!“
Mit einer zornigen Bewegung hob sie die Hände, löste die Ohrringe und öffnete die Kette. „Es reicht, dass ich so herumfunkele, Ann“, schnitt sie Annabell jedes weitere Wort ab und legte den Schmuck auf die Kommode. „Dieser ganze Edelsteinkram bringt das Fass zum überlaufen.“ Auch das Armband landete neben den anderen Dingen und Ailia lächelte sich im Spiegel selbst an. „Nicht perfekt… aber immerhin.“
Sie ignorierte Annabells enttäuschten Blick und drehte sich um, als die Tür geöffnet wurde. Trevor steckte seinen Kopf herein und pfiff kurz durch die Zähne, als er sie sah. „Wow, Lucie. Ich hatte ganz vergessen, wie du als Prinzessin aussiehst“, grinste er verschmitzt und setzte dann hinzu. „Sie werden ungeduldig. Kommst du?“
Ailia verdrehte die Augen. „Nun denn… lass uns den Abend beginnen.“
Trevor reichte ihr lächelnd seinen Arm, als sie zur Tür hinaus trat. „Eure Hoheit“, murmelte er ironisch und deutete eine Verbeugung an.
Lachend stieß sie ihm die Hand gegen die Stirn. „Lass den Scheiß.“
Er schlang seine Hand um sie und hatte sie im nächsten Moment auf seine Arme gehoben. „Ist es dir lieber, ich trage dich in den Grünen Saal?“, erkundigte er sich und Ailia umklammerte prustend seinen Hals.
„Denkst du, ich hätte ein Problem damit?“, fragte sie herausfordernd.
Hinter ihnen verdrehte Annabell genervt die Augen und betete, dass die beiden es wenigstens in den nächsten Stunden schaffen würden, sich ein wenig wie Mitglieder der königlichen Familie zu benehmen.
*************
„Fröhliche Weihnachten, Ann“, sagte Auris sanft und umarmte die junge Zofe. „Du gehörst seit so vielen Jahren zur Familie und wir wünschen dir das Allerbeste.“ Sie überreichte der blonden, jungen Frau, der Tränen in den Augen standen, ein kleines Geschenk und lächelte.
Ailia hatte es noch geschafft, ein steifes Grinsen in ihr Gesicht zu bringen, als die ersten Geschenke verteilt wurden. Sie lächelte auch noch, als ihr Auris um den Hals fiel und sich bedankte und dabei flüsterte, sie hatte von ihrer Seite gar keine Geschenke erwartet. Eirene, das blonde Engelchen der Familie, quietschte begeistert über jedes Geschenk, das geöffnet wurde. Selbst ihrem Vater standen Tränen der Rührung in den Augen, als er sein Geschenk öffnete.
Ailia ertrug sogar mit einer Gelassenheit, für die sie sich selbst bewunderte, die Umarmungen von König Malor nebst Gattin. Allerdings drehte sie den Kopf zur Seite, als der alte König ihr einen Kuss auf die Wange drücken sollte und Trevor, der auf der anderen Seite des riesigen leuchtenden Weihnachtsbaumes vor dem Kamin stand, fing an zu husten, als hätte er sich an seinem Punsch verschluckt.
Nachdem allerdings das Austeilen der Geschenke einfach kein Ende nahm, hatte sich Ailia einen Platz am Tisch gesucht, ihr Glas Punsch wieder aufgefüllt und gehofft, diese Zeremonie wäre endlich vorbei. Eigentlich war es ein Wunder, dass tatsächlich nur der engste Kreis der Familie eingeladen war. Ihre Eltern, Trevors Eltern, Eirene, deren Zofe Nadine sowie einige wenige weitläufigere Verwandte des königlichen Hauses. Es waren vielleicht dreißig Personen, die den Raum bevölkerten und im Gegensatz zu anderen Veranstaltungen, an die sich Ailia erinnerte, waren das wirklich wenige. Man schien tatsächlich damit gerechnet zu haben, dass Ailia wieder aus der Rolle fiel und der Gedanke bereitete ihr eine gewisse Genugtuung.
Jetzt allerdings wurde es
langsam zu viel, weil das Geschenke verteilen einfach kein Ende nehmen wollte
und Ailias Kopf sank genervt mit der Stirn auf die Tischplatte.
Keine fünf Minuten später stieß sie ein Ellenbogen in die Rippen. „Reiß dich zusammen“, kicherte Trevor, als ihr Kopf erschrocken wieder hoch schoss.
Dann stöhnte sie unterdrückt. „Die sind doch immer noch nicht fertig.“
Trevor tippte auf seinen Armbandkommunikator. „Tak ist da.“
„Zeit wird’s“, grinste Ailia. „Jetzt wird es lustig. Hast du genug Taschentücher parat? Na los, hol ihn rein.“
Trevor warf ihr noch ein spöttisches Lächeln zu, ehe er aufstand und zur Tür ging. Ailia erhob sich ebenfalls und schlenderte hinüber zu ihrer Zofe, die gerade dabei war, das Geschenk der königlichen Familie auszupacken. Auris stand daneben und ihr Blick wurde etwas wachsam, als sie Ailia auf sich zukommen sah.
„Oh wie schön“, rief Annabell aus, als sie das Päckchen öffnete und eine wunderschön gearbeitete Spieluhr zum Vorschein kam. Mit verklärten Augen öffnete sie den Deckel und lauschte verzückt der Musik.
Ailia hob skeptisch ihre Augenbraue, fing dann jedoch den warnenden Blick ihrer Mutter auf und verschluckte, was sie sagen wollte. Vielleicht war es doch angebracht, auch einmal ein wenig tolerant zu sein. Wenn diese kitschige Spieluhr auch nicht ihr eigener Geschmack war, den von Annabell hatte Auris getroffen.
„Ich danke Euch“, flüsterte Annabell erstickt.
In diesem Moment öffnete sich die Tür und die Hälfte aller Köpfe wandte sich zum Eingang. Ailias telekinetische Kräfte griffen geistesgegenwärtig zu, als Annabell die Spieluhr aus den Händen rutschte. Vorsichtig stellte sie sie auf dem Tisch, inmitten all der anderen Geschenke ab, und trat einen Schritt näher an die kreidebleiche Annabell.
„Wir dachten“, begann sie mit einem verschmitzten Lächeln, „dass du dich sicherlich freust, wenn der Mann, den du liebst, am Heiligen Abend auch in deiner Nähe ist.“
„Aber… er… er…“, stotterte Annabell, ohne ihre Augen von Takvoll zu lösen, der zusammen mit Trevor auf sie zu kam. „Seine Eltern… hat gesagt… ich eine…er…“
Es ergab nicht sonderlich viel Sinn, was Annabell von sich gab, aber Ailia wusste, dass Takvoll über die Feiertage zu seinen Eltern auf den Planeten Garlorn wollte. Die Beiden waren davon ausgegangen, sich erst im neuen Jahr, wenn die ARMARGEDDON ins All startete, wieder zu sehen.
Ailia hatte zusammen mit Trevor dafür gesorgt, dass die Familie Shendor im königlichen Palast untergebracht wurde.
In Annabells blaue Augen waren nun endgültig Tränen gestiegen. „Tak“, flüsterte sie erstickt, ohne sich rühren zu können. „Luciane, Ihr… Ihr habt ihn hergeholt?“
„Fröhliche Weihnachten, Ann“, sagte Ailia leise und um Annabells Beherrschung war es geschehen. Übergangslos fing sie an zu weinen und fiel Ailia um den Hals.
Schmunzelnd verfolgte Auris, wie hilflos ihre Tochter plötzlich drein blickte, ehe sie ihre Arme hob und der jungen Zofe zögernd über den Rücken strich. „Heh, Ann, du fällst der Falschen um den Hals“, murmelte sie und klang vielleicht zum ersten Mal in ihrem Leben verlegen.
Annabell weinte noch lauter, löste sich aber von Ailia und stürzte auf Takvoll zu. Dieser hatte natürlich überhaupt kein Problem, die aufgelöste Frau in seine Arme zu schließen. Mit einem breiten Grinsen im Gesicht stellte sich Trevor neben Ailia.
„Nettes Paar“, flüsterte er in ihr Ohr. „Tak war fürchterlich nervös.“
In der Zwischenzeit hatte sich Annabell etwas beruhigt, hielt sich aber immer noch an Takvoll fest, als wolle sie ihn nie wieder loslassen, während er ihr wieder und wieder über die Haare strich und irgendwelche Dinge in ihr Ohr hauchte. Dann löste er sich von ihr und kramte in seiner Jackentasche.
„Noch ein Geschenk?“ Ailia verdrehte die Augen. „Nimmt denn das nie ein Ende?“
Trevor sagte gar nichts, sondern schmunzelte nur.
In der Zwischenzeit hatte Takvoll es endlich geschafft, das kleine Etui aus seiner Tasche heraus zu bekommen. Annabell schaute ihn mit großen Augen an. Sie schlug die Hände mit einem erstickten Aufschrei vor ihren Mund, als er das Etui öffnete und auf ein Knie sank.
„Fröhliche Weihnachten, Annie“, sagte er leise, aber so deutlich, dass es alle hören konnten. „Möchtest du meine Frau werden?“
Ailias Mund klappte auf, während ihre Mutter Auris mit einem Seufzen auf einen der Stühle sank. Totenstille erfüllte plötzlich den Raum, einzig und allein durchbrochen durch Annabells ersticktes Atmen. Dann stürzen die Tränen wieder aus ihren Augen, liefen die Wangen hinab, während sie ebenfalls zu Boden sank und den sie anstrahlenden Mann küsste.
„Ja, Tak“, flüsterte sie erstickt. „Ja, ja, ja…“
Tosender Beifall brandete auf und erst jetzt bemerkten die Beiden, welch ein Publikum sie im Moment hatten. Mit einem verlegenen Schniefen wollte sich die junge Zofe von dem Mann lösen, doch dieser hielt sie fest, als sie aufstand.
„Ich liebe dich, Ann“, sagte er ernst und strich ihr sanft über die verweinten Wangen.
„Ich liebe dich auch“, weinte Annabell noch lauter und fiel ihm wieder um den Hals.
Ailia drehte ihrem Kopf, begegnete Trevors verschmitztem Grinsen und schüttelte langsam und fassungslos den Kopf. „Du verrückter Hund…“
Lachend legte er ihr den Arm um die Schultern und zog sie an sich. „Allein dein Gesicht war die ganze Heimlichkeit wert.“ Er gab ihr einen kurzen Kuss auf den Mund und setzte hinzu. „Ich habe gesagt, wir statten die Hochzeit aus.“
Ailia lehnte sich lächelnd an ihn. „Dir ist schon klar, was das bedeutet, ja?“, fragte sie honigsüß.
„Ähm…wieso?“
„Annabell träumt von einer Märchenhochzeit. Und ich mag unromantisch hoch drei sein, aber wenn ich ihre Hochzeit ausstatte, dann kriegt sie die“, erklärte sie und ihr Grinsen wurde noch breiter, weil Trevor plötzlich sehr blass wurde.
„Märchenhochzeit?“, murmelte er schwach.
Ailia nickte und strahlte ihn an.
Mit einem schiefen Grinsen kratzte er sich am Kopf. „Zurücknehmen kann ich das jetzt nicht mehr, denk ich…“
Sie umarmte ihn lachend. „Du bist so herrlich unromantisch wie ich selbst, Trev.“ Dann stellte sie sich kurz auf die Zehenspitzen und hauchte ihm einen Kuss auf den Mund. „Eigentlich die beste Voraussetzung, eine herrlich romantische Märchenhochzeit zu organisieren, oder?“
Er grinste zurück, doch ehe er etwas sagen konnte, unterbrach Auris Stimme den Lärm im Raum.
„Das Essen wird serviert. Ich bitte Euch alle, Platz zu nehmen!“
Trevor griff Ailias Hand und zog sie mit sich. „Wenigstens ist der Geschenk-Rummel vorbei“, murmelte er, hob ihre Hand an seine Lippen und küsste die Innenseite. „Ich bin froh, dass du in Bezug auf diesen nervenden Brauch, sich gegenseitig was Blödes zu schenken, auch nicht stehst.“
Ailia nickte schweigend. Dann stiegen Erinnerungen in ihrem Kopf hoch, Erinnerungen an die Tränen in Annabells Augen, als sie nach fast neun Monaten Takvoll wieder sah und er sie mit einem Strauß Rosen begrüßte. Erinnerungen an Takvolls Gesicht, als Annabell ihm die CD schenkte, die sie damals, während ihrer Zeit als Gefangene der Piraten immer gehört hatten. Und Erinnerungen an Annabells Tränen jetzt und den Klang des ‚Ich-liebe-dich’.
Ein eigenartiges Gefühl bildete sich in ihrem Bauch und sie fragte sich, wie Trevor wohl reagieren würde, wenn er ein Geschenk öffnete, das von ihr war. Oder was sie sagen würde, wenn er ihr eins überreichen würde.
Sie setzte sich neben ihn, fing seinen fragenden Blick auf und etwas wie Wehmut trat in ihre Augen. Vielleicht war es doch so, dass die ganze weihnachtliche Stimmung einfach nicht spurlos an ihr vorbei gehen konnte. Vielleicht war es so, dass man sich einfach anstecken musste.
Trevor beugte sich zu ihr. „Wo ist dein Lächeln hin, Prinzessin?“
Sie drehte den Kopf und sah ihn ernst an. „Ich hatte überlegt, ob ich ein Geschenk für dich kaufe.“
Übergangslos verschwand das Lächeln aus seinem Gesicht und in seinen Augen schien sich das Gleiche zu spiegeln wie in ihren. „Ich auch“, gab er dann leise zu.
„Ich bin total schlecht in diesen Dingen“, flüsterte sie.
„Ich auch.“
Ailia lächelte schief. „Scheiß Romantik.“
Er beugte sich vor und küsste sie sanft auf die Lippen. „Lass uns diesen Abend hinter uns bringen und dann zeige ich dir, wie wir diese romantische Stimmung ganz schnell vergessen.“
„Versprochen?“
„Versprochen.“
*************
Fünf Stunden später
„Pssst“, flüsterte Trevor und zog Ailia hinter sich her. „Jetzt ist endlich Ruhe und wir müssen niemanden mehr anlächeln und freundlich sein. Mir tut schon das Gesicht weh.“
Sie kicherte leise. „Was hast du vor?“
Er öffnete die Tür zum grünen Salon. Ailia hatte den Raum schon den ganzen Tag verflucht, weil er in solch einem weihnachtlichen Glanz erstrahlte. Jetzt leuchtete der riesige Baum noch immer und es war das einzige Licht, das den Raum erhellte. Das Feuer im Kamin war erloschen und nur noch eine ganze leichte Glut glimmte vor sich hin. Die roten Teppiche, die das ganze Zimmer noch unwirklicher als sonst erscheinen ließen und die doch so weihnachtlich sein sollten, sahen jetzt einfach nur noch wie Teppiche aus.
„Stopp“, hauchte Trevor und zog Ailia an sich.
„Was denn?“
Er gluckste und seine Augen deuteten zu dem Punkt über der Tür. „Der Mistelzweig.“
„Oh man.“ Sie verdrehte genervt die Augen. „Du kannst mich küssen, wann immer du willst. Du brauchst keinen verdammten Mistelzweig.“
Trevor presste sie übergangslos gegen den Rahmen der Tür und sie schnappte nach Luft. „Heute will ich dich unter einem Mistelzweig küssen“, stieß er heiser hervor und in seinen Augen glühte etwas, das Ailias Beine schwach werden ließ.
„Warum?“, fragte sie schwach.
Seine Lippen lagen auf ihrem Mund, ehe sie noch etwas sagen konnte und seine Zunge drängte zwischen ihre Zähne. Es war egal, dass sie ihn jetzt diese ganzen Monate kannte und es war egal, dass sie in all den vergangenen Monaten jede Menge heiße Stunden im Bett und nicht nur im Bett verbracht hatten. Noch immer reichte eine kleine Andeutung von ihm, um sie in Flammen zu setzen.
Stöhnend drängte sie ihm entgegen. Trevor riss seinen Kopf von ihr los und das Feuer, das jetzt in ihren Augen brannte, raubte ihm den Atem.
„Wir waren den ganzen Abend die lieben, braven Kinder“, flüsterte er. „Jetzt will ich den Skandal.“
„Wie das?“
Im nächsten Moment wechselte die Umgebung, als er mit ihr teleportierte und sie sich auf dem roten Teppich vor dem Kamin wiederfand. Auf dem Rücken und mit ihm über sich.
„Ich habe dich noch nie unter einem Weihnachtsbaum geliebt.“
Ailia wollte auflachen, doch das Lachen blieb in ihrer Kehle stecken, als sie in sein Gesicht sah. „Ich glaube, ich kann darauf verzichten“, brachte sie schwach hervor.
Trevor rieb sich mit einer eindeutigen Geste an ihrem Unterleib, so dass sie spüren konnte, wie sehr ihm der Gedanke gefiel.
„Dich macht die Vorstellung an, mich unter dem Weihnachtsbaum zu vögeln?“, fragte sie ungläubig.
„Kannst du das mal ein wenig romantischer ausdrücken?“
„Nein.“ Sie schüttelte den Kopf.
„Verriegle die Tür, Prinzessin, wenn du nicht möchtest, dass unsere Eltern oder jemand aus der Dienerschaft uns dabei erwischen“, erklärte er mit diesem bestimmten Grinsen, das solch ein herrliches Kribbeln in ihrem Unterleib auslöste, und ließ seine Hand unter den Rock des festlichen Kleides wandern.
Ailia hatte keine Ahnung, warum sie genau das tat. Mit einem Gedankenbefehl ließ sie die Tür einrasten und verriegelte auch den zweiten Ausgang. Sie blieb auf ihre Ellenbogen gestützt liegen und beobachtete mit großen Augen, wie Trevor zum Kamin kroch und das Feuer neu entzündete.
Dann drehte er sich um. „Zieh dich aus, Lucie. Ich möchte dich nackt auf diesem Teppich liegen sehen.“
„Du bist verrückt“, flüsterte sie fasziniert und allein der Gedanke daran schickte einen Schwall Feuchtigkeit zwischen ihre Beine.
„Tue es“, sagte er nur.
Es klang wie ein Befehl und ein Schauer rann über ihre Haut. Er lehnte sich gegen den Kamin und beobachtete sie mit brennenden Augen. Der Ausdruck, der plötzlich in ihr Gesicht getreten war, ließ ihn übergangslos steinhart werden. Er rührte sich trotzdem nicht, sondern zwang sich gewaltsam, sitzen zu bleiben.
Mit einem sehr verruchten Lächeln hatte sich Ailia etwas aufgerichtet und griff mit den Händen zu den Knöpfen ihres Kleides. Langsam öffnete sie einen nach dem anderen, ohne ihn aus den Augen zu lassen.
„Ich weiß, dass du hart bist, Trev“, hauchte sie mit dieser Stimme, die ihn fast die Beherrschung verlieren ließ.
Aber nur fast. Er lächelte leicht. „Du kennst mich gut.“
Ailia ließ das Kleid ihre Schultern herab gleiten und entblößte die kleinen festen Brüste, die in weißen Spitzendessous steckten. „Gefällt dir, was du siehst?“, fragte sie leise.
Er nickte wortlos.
Das Kleid landete achtlos neben ihr. „Soll ich weiter machen? Oder magst du mir helfen?“
„Mach weiter“, flüsterte er. Die Flammen im Kamin waren jetzt aufgelodert und warfen ein unwirkliches Licht auf Ailias nackte Haut. Zusammen mit dem Licht vom Weihnachtsbaum erschien das Ganze noch unreeller, fast so als würden sie sich nicht mehr auf dieser Welt, sondern irgendwo anders befinden.
Das Lächeln war von Ailias Lippen verschwunden. Langsam ließ sie ihre Finger über ihren Körper gleiten, strich leicht über ihre Brüste und sah ihn schlucken. Sie liebte es zu sehen, wie er auf sie reagierte. Sie wusste genau, welche Beherrschung es ihn kostete, jetzt einfach nur zuzusehen und sie liebte den Gedanken daran, was geschah, wenn er die Beherrschung verlor.
Allein die Überlegung, wie lange er es wohl noch hinaus zögernd konnte, machte sie ganz schwach. Mit einer kurzen Bewegung streifte sie die Träger des Bustiers von den Schultern und öffnete die Fronthaken, langsam, einen nach dem anderen.
Trevor holte tief Luft, rührte sich aber immer noch nicht und sagte auch keinen Ton.
Das Bustier landete neben dem Kleid und Ailia streichelte sanft über ihre Brüste. Es war, als würden seine Blicke sie berühren und der Druck zwischen ihren Beinen wurde fast übermächtig.
„Weiter?“, erkundigte sie sich und schaffte es sogar, ihre Stimme relativ normal klingen zu lassen.
Trevor nickte.
„Fass dich ja nicht an“, erklärte sie und ein leises Lächeln huschte über ihre Lippen, als seine Augen aufglühten. Manchmal mochte er es auch, wenn sie Befehle gab.
Ihre Finger schoben sich unter den Saum des Höschens und schoben es langsam ihre Hüften hinab. Sie hob es kurz an und warf es dann in seine Richtung. „Es ist ganz feucht, Trev.“
Trevors Hände ballten sich zu Fäusten. „Ich weiß“, flüsterte er heiser. „Ich weiß, wie sehr dich der Gedanke anmacht. Du willst, dass ich dich genau hier vor dem Kamin ficke.“
Plötzlich interessierte ihn die ordinäre Ausdrucksweise gar nicht mehr.
„Ja“, bestätigte Ailia lächelnd und ließ ihre Finger zwischen ihre Beine wandern. „Ich will, dass du mich unter diesem Weihnachtsbaum fickst und wir all die sentimentale Stimmung ein für alle mal beseitigen.“
Er lachte leise. „Das ist meine Prinzessin.“
Allein das Bild, wie sie sich nackt auf diesem Teppich rekelte, ließ seine Beherrschung schlagartig verschwinden. Der Geruch ihrer Erregung lag in der Luft, benebelte seine Sinne und ließ ihn noch härter werden.
Ailia ließ sich zurücksinken und spreizte die Beine, um sich besser streicheln zu können. „Magst du mir zusehen, Trev?“
„Ja“, hauchte er, während er an seine Hose griff und langsam die Knöpfe öffnete. Sie kannte keine Scham und das war etwas, was er an ihr so liebte. Sie lebte aus, was sie fühlte und sie machte ihn wahnsinnig damit.
Ein leises Stöhnen entrang sich ihrem Mund, als sie genau den Punkt berührte, den er genauso gut kannte wie sie selbst und er fluchte leise, weil er seine Hose kaum seine Beine hinab bekam. Ein Teil der Knöpfe seines Hemdes sprangen zur Seite, als er ungeduldig daran riss.
Ailia bäumte sich mit einem Stöhnen auf und ihr Körper erzitterte. Im gleichen Moment jagte ihr Orgasmus durch seinen Geist und um Trevors Beherrschung war es geschehen. Das Hemd, zwar geöffnet, hing noch immer um seine Schultern, doch es war ihm egal. Mit einem Knurren stürzte er auf sie, drängte zwischen ihre Beine und presste seine Lippen auf ihren Mund.
„Ja“, stieß sie hervor und drängte gegen ihn. „Fick mich endlich, Pirat. Fick mich endlich!“
Ihre Hände umklammerten seinen Hals und Trevor konnte nichts anderes tun als das, was sie sagte. Er stieß vorwärts, hinein in ihre Hitze und ein Stöhnen drang von seinen Lippen. Vielleicht hatte er zu lange gewartet, vielleicht hatte sie es so gewollt, es war egal. Wie ein Wilder rammte er sich wieder und wieder in sie. Vergessen war der Kamin, vergessen der langweilige Abend und vergessen der Weihnachtsbaum. Alles, was noch zählte, war das Spiel ihrer Körper, der Schweiß der Leidenschaft und die Ekstase, die sie verband.
In dem Augenblick, als Ailia ein zweites Mal aufschrie, verströmte er sich mit einem Stöhnen in ihr. Ihre Gedanken verbanden sich. Sie kannten es jetzt, sie wussten, welche Nähe es mit sich brachte und sie verzehrten sich danach. In diesen wenigen Augenblicken waren sie eins, verbunden in etwas, was ein normaler Mensch nicht nachvollziehen und sicherlich niemals verstehen konnte. In diesen Momenten wussten sie, dass Mutant sein nicht immer nur einen unangenehmen Beigeschmack haben musste, sondern manchmal erfüllender war, als sich jemand anders vorstellen konnte.
Und spätestens, wenn die Lichter abflauten, sie zur Besinnung kamen und allein in ihre eigenen Körper zurückkehrten, erkannten sie, dass dies etwas war, was sie niemals missen wollten.
*************
Es dauerte eine Weile, ehe sie wieder fähig waren zu sprechen. Sie blieben einfach liegen, umklammerten sich gegenseitig und starrten in das langsam wieder erlöschende Feuer des Kamins.
Ailia hatte ihren Kopf auf Trevors Brust gelegt und blinzelte träge in die kleiner werdenden Flammen. Er spielte gedankenverloren mit ihren Haaren.
„Ich hätte dir doch etwas schenken sollen“, murmelte er leise.
Ailia hob den Kopf und sah ihn an. Dann lächelte sie schief. „Ich dir auch.“
„Vielleicht nächstes Jahr?“, erkundigte er sich und klang zum ersten Mal, seit sie sich kannten, schüchtern.
Ihr Lächeln vertiefte sich. „Vielleicht.“
Trevor hob kurz den Kopf und küsste sie leicht auf den Mund. „Ich liebe dich, Prinzessin.“
Übergangslos war der Kloß in ihrer Kehle wieder da und sie hatte Mühe, selbst Worte zu bilden. „Ich dich auch“, flüsterte sie kaum hörbar.
Seine Augen leuchteten und eine unermessliche Erleichterung machte sich in ihr breit. Es war wirklich nicht schwer, die Worte auszusprechen.
„Fröhliche Weihnachten, Lucie“, sagte er leise und zog sie wieder an sich.
Sie kuschelte sich an seine Brust. „Fröhliche Weinachten.“
Ende