
Pic von Ajumi
Inhalt: Ailia, D’arjari des Planeten Avalons, gerät auf einer Schmuggelmission im terranischen Imperium in die Hände eines terranisches Raumschiffs. Eigentlich müsste man sie an die terranischen Behörden ausliefern, aber der Captain des Schiffs, Trevor O’Delta, greift die Gelegenheit beim Schopf, den Status der D’arjo als D’arjari zu nutzen, um etwas über den Verbleib seiner Schwester Amelie, die im d’arjotischen Imperium gestrandet war, zu erfahren. Seine bisherigen Versuche, Kontakt zu D’arjo aufzunehmen, scheiterten an der Tatsache, dass er ein Mann war, denn Männer spielen in der d’arjotischen Gesellschaft nur eine einzige Rolle – im Bett…
Pairing: Trevor/Ailia, Sam'ol/Ailia, Trevor/Sam'ol/Ailia
Altersfreigabe: definitiv ab 18
Beta by: Indiansummer und Elfenwesen
Warnung: Die Story enthält die Beschreibung einer Vergewaltigungsszene im ersten Teil. Wer so etwas nicht lesen will, sollte bitte davon Abstand halten.
Kommentar des Autors: Ich wurde erst durch meine Beta Indiansummer darauf aufmerksam gemacht, dass die Reaktion Ailias im ersten Teil für den Leser etwas unverständlich erscheint. Deshalb möchte ich im vorweg einfach nur sagen: Ailia ist kein Mensch. Messt ihre Reaktion nicht mit menschlichen Maßstäben oder daran, wie eine menschliche Frau sich in der gleichen Situation verhalten hätte. Ich erkläre ihre Reaktion in späteren Teilen.
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Teil 1 Teil 2 Teil 3 Teil 4 Teil 5 Teil 6 Teil 7 Teil 8 Teil 9 Teil 10 Teil 11 Teil 12 Teil 13 Teil 14 Teil 15 Teil 16 Teil 17 Teil 18 Teil 19 Teil 20 Teil 21 Teil 22
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Teil 1
Ailia verfluchte sich selbst, als man ihre Hände mit Handschellen hinter ihrem
Rücken verschloss und einer der beiden Terraner sie vorwärts stieß. Es war ihr
Risiko gewesen und sie hatte verloren.
Sie wusste nicht, wie viele D’arjos von ihrer Besatzung noch lebten. Die
Terraner hatten geschossen und die Explosionen an Bord ihres Schiffes, der Rauch
und das Feuer hatten eine Orientierung sehr schwer gemacht. Irgendwann war ein
Enterkommando an Bord gekommen, obwohl sie niemals kapituliert hatte und ihre
Leute hatten den Kampf aufgenommen.
Ailia selbst verfügte als eine der wenigen hochrangigen D’arjos an Bord des
Schiffes über einen Individualschutzschirm und dieser hatte ihr sicherlich das
Leben gerettet. Sie sah mehr als einen D’arjo im Energiefeuer der Terraner
sterben, unter anderem auch Leon, ihren derzeitigen Saraan, und das hatte sie
sehr wütend gemacht. Sie hatte Leon wirklich gemocht, vor allem seine besonderen
Fertigkeiten in speziellen Dingen und zu wissen, dass sie sich jetzt nach einem
neuen Saraan umsehen musste, ärgerte sie. Gute Männer waren teuer.
Der Terraner stieß sie wieder vorwärts, als sie nicht schnell genug ging und sie
knurrte leise. Sie wusste, dass sie terranisches Hoheitsgebiet betreten hatte
und kannte die Folgen in dem Fall, in dem man sie gefasst hatte. Wie gesagt, es
war ihr Risiko. Sie wusste auch, dass das terranische Gesellschaftssystem anders
funktionierte als das D’arjotische und Männer hier durchaus in hohen Positionen
vertreten waren. Trotzdem verletzte es ihren Stolz, von dem sie mehr als genug
besaß - schließlich war sie die D’arjari des Planeten Avalon - von einem
männlichen Terraner herum geschubst zu werden.
Im Moment konnte sie allerdings wenig tun, da man ihre Hände gefesselt hatte und
auch ihre Füße durch eine schmale Kette verbunden wurden, so dass sie nur in
kleinen Schritten gehen konnte.
Ein sarkastisches Grinsen huschte über ihre Lippen. Der ganze Aufwand bedeutete,
dass man sich der Gefahr, die von ihr ausging, sehr wohl bewusst war.
Schließlich besaßen D’arjos körpereigene Waffen, die sie recht gefährlich
machten.
Dann verhärtete sich ihre Miene wieder und machte dem kühlen abweisenden
Ausdruck Platz, der ihr so eigen war. Ihre Eskorte, zwei dieser dummen
männlichen Terraner, führte sie durch die langen Gänge des terranischen
Raumschiffs.
Ailia sah sich unauffällig um, versuchte, sich den Weg zu merken und ab und zu
etwas aufzuschnappen, was die beiden Männer von sich gaben. Dummerweise redeten
sie nicht viel.
Eine halbe Stunde später erreichten sie eine weitere Tür, die sich öffnete und
hinter der eine Art Besprechungsraum lag.
„O’Delta ist noch nicht da“, brummte einer der Männer, fläzte sich in den Stuhl
und legte die Beine auf den Tisch, den Strahler quer über seine Oberschenkel.
„Wer weiß, wann er aufkreuzt.“
Der andere setzte sich ebenfalls und Ailia blieb im Raum stehen. Sie ließ sich
nicht anmerken, dass sie die terranische Sprache sehr gut verstand und ebenso
gut sprach, sondern schaute sehr gleichgültig auf diese beiden Männer.
Terranische Männer waren sehr groß, größer als die meisten D’arjos und meist
auch breiter gebaut. Der mit den Füßen auf dem Tisch hatte dunkle glatte Haare
und braune Augen, die ihr ab und zu einen scharfen Blick zuwarfen, den sie
ungerührt erwiderte. Er war fast einen Kopf größer als sie und in den Schultern
mindestens doppelt so breit. Aber der Mann, der ihr Angst einjagte, musste erst
noch geboren werden.
Eigentlich ein recht gut gebautes Exemplar, ging es ihr ironisch durch den Kopf.
Wenn man auf Terraner stand. Celly hätte bestimmt ein Auge auf ihn geworfen.
Der andere war kleiner, blond mit grünen Augen und schien in der Rangordnung
unter dem Dunklen zu stehen.
„Verstehst du uns, D’arjo?“, fragte der Dunkelhaarige.
Ailia antwortete nicht. Erstens, weil sie keine Lust hatte, ihm ihre Kenntnisse
der terranischen Sprache zu verraten und zweitens, weil er sie duzte. Sie musste
sich derart zusammenreißen, ein zorniges Grollen zu unterdrücken, weil er das
tat und sie nichts tun konnte, um es zu verhindern.
Der Dunkelhaarige sah seinen Partner an. „Ich dachte immer, diese D’arjos sind
hässlich und abstoßend mit ihren gelben Augen. Aber sie sieht recht süß aus.“
Ailias Augen verengten sich, als der Dunkelhaarige aufstand und auf sie zukam.
Er sah sie so ähnlich an, wie sie möglicherweise die Männer musterte, unter
denen sie einen neuen Saraan wählen wollte. Sie öffnete leicht den Mund, um ihn
auf die vier Reißzähne aufmerksam zu machen.
„Wirklich süß.“ Der Terraner klang amüsiert. „Und gefährlich sieht sie auch
nicht aus. So klein und zierlich.“
„Schau dir die Krallen und Zähne an“, murmelte der andere unbehaglich.
Ja, tu das, dachte Ailia böse.
„Hast du schon mal’ne D’arjo gefickt?“, fragte der Dunkelhaarige und drehte den
Kopf zu seinem Partner.
Der schluckte, als er den Blick bemerkte. „Nein“, sagte er dann langsam.
„Die tun das auch, weißt du“, erklärte der Dunkelhaarige. „Die machen sich
keinen Kopf um unsere Rechte. Die vergewaltigen unsere Frauen und… Männer.“
Vergewaltigen? Ailia zwang sich mühsam, nicht die Stirn zu runzeln. Sie
kannte das Wort nicht, wusste aber, dass es einige der terranischen Sklaven, die
durch Celly eine Ausbildung erhalten hatten, benutzten. Allerdings hatte sie nie
die Neugier verspürt, danach zu fragen. So wie sie auch nie das Bedürfnis
verspürt hatte, einen Terraner auszuprobieren. Im Gegensatz zu Celly. Aber Celly
war anders als die meisten D’arjo. Celly war tatsächlich nymphomanisch veranlagt
und ein Mann allein konnte wahrscheinlich ihre Bedürfnisse gar nicht erfüllen.
„Bist du verrückt?“, fragte der Blonde und stand ebenfalls auf. Trotz seiner
Worte klang er für Ailias Geschmack etwas zu fasziniert. „O’Delta kann jeden
Moment kommen.“
„Quatsch. Eh der Captain Zeit hat, sich’ne D’arjo anzusehen, können Stunden
vergehen“, antwortete der Dunkelhaarige gelassen. „Er hasst sie und ist bestimmt
wahnsinnig traurig darüber, dass eine überlebt hat.“
Jetzt fiel auch Ailia ein, dass sie den Namen O’Delta schon gehört hatte. Sie
konnte sich nur nicht entsinnen, wo.
Der Dunkelhaarige hob seine Hand und legte sie unter Ailias Kinn. Sie knurrte
warnend, doch er lachte nur. „Was, Süße? Möchtest du mal wissen wie es ist,
einen richtigen Mann zu haben?“
Übergangslos schnappte sie nach seiner Hand. Leider reagierte er recht schnell
und ihre Zähne kratzten nur seine Haut und sanken nicht in das Fleisch.
„Verflucht!“, schrie er wütend und schlug ihr ins Gesicht. Ailia knurrte wieder,
diesmal wütender, doch seine Hand krallte sich in ihre Haare. „Ihr elenden
eingebildeten D’arjos!“, stieß er hervor. „Denkt, ihr seid was Besseres als
wir!“
Er zerrte sie an den Haaren zum Tisch. „Hilf mir!“, wies er seinen Partner an,
als er Ailia mit dem Bauch zuerst auf die Tischplatte drückte. „Und pass auf
ihre Zähne auf!“
Ailia knurrte wieder. Die Fesseln hinderten sie daran, irgendetwas zu tun. Sie
konnte nicht einmal nach dem Idioten hinter ihr treten und ihre Wut stieg. Es
war weniger der Gedanke daran, was er vorhatte. Ein Kampf war auch zwischen
D’arjos vor dem eigentlichen Sex nicht ungewöhnlich, aber das hier war kein
fairer Kampf. Der Blonde griff jetzt in ihre Haare, presste ihren Kopf auf den
Tisch und sie hörte ihn keuchend atmen, als der Dunkelhaare ihre Hose öffnete
und sie ihre Hüften hinab zog.
„Oh Gott“, hörte sie ihn murmeln und bäumte sich auf. Aussichtslos, gegen die
Kräfte von zwei Terranern konnte sie gefesselt nichts ausrichten. Ihre Wut stieg
und sie zwang sich gewaltsam, ruhig zu liegen. Vielleicht verging ihnen die
Lust, wenn sie merkten, dass sie nicht kämpfte?
„Ich werde dir zeigen, was du wert bist, D’arjo!“, knirschte der Dunkelhaarige
hinter ihr und sie hörte das Geräusch seines Reißverschlusses.
Gott, diese Terraner waren doch wirklich Stümper! Sie wurde noch
wütender, als er ihre Hüften packte und sie seine Erektion zwischen ihren Beinen
spürte.
„Ich werd’s dir ordentlich besorgen!“, schrie er und stieß zu.
Das bezweifle ich, dachte Ailia böse. Das hier ist doch, als würdest
du eine Leiche vögeln, du Idiot. Vielleicht standen Terraner auf
bewegenslose Frauen? Es schien so zu sein, denn der Mann hinter ihr grunzte und
keuchte wie ein Stier.
Der Blonde, der sie auf den Tisch presste, stöhnte auf. „Oh Gott, ich will sie
auch haben. Mach schnell, meine Hose platzt gleich. Ich würde am liebsten ihren
Mund nehmen.“
Oh ja, tu das. Ich werde dich ganz tief in meinen Mund saugen…und dann
zubeißen!
„Bist…du…blöd?“, stieß der Mann hinter ihr hervor. „Ihre…Zähne…“
Wie schade. Ailia knirschte mit den Zähnen. Das war doch wirklich das
Allerletzte. Es schien den Mann nicht einmal zu interessieren, was sie bei der
ganzen Sache empfand, geschweige denn, dass er sich um sie gekümmert hätte.
Kein Wunder, dachte sie schon wieder wütend, dass die terranischen
Frauen so viel Angst haben.
Sie konnte sich noch genau an einen Abend erinnern, an dem sie Celly besucht
hatte und diese ihr ihre neueste Sklavin, eine zierliche blonde Frau mit großen
blauen Augen vorstellte, die schon zitterte, als Ailia und Celly sie bloß
ansahen. Ailia stand auch nicht auf Sex mit Frauen und Celly nur selten, aber
sie sahen beide gern zu. Dann schaute Leon sie fast bettelnd an und sie
lächelte, als er sich zu ihr beugte und ihr ins Ohr schnurrte, sie werde voll
auf ihre Kosten kommen.
Sie wusste, dass das ein Traum von ihm war. Eine Frau langsam und zärtlich zu
lieben, etwas, was Ailia ihm nur selten gestattete, und deshalb erfüllte sie ihm
seinen Wunsch. Die terranische Frau wurde fast ohnmächtig, als sie den D’arjo
auf sich zukommen sah und Ailia und Celly beobachteten fast amüsiert, wie Leon
mit ihr umging. Ailia wusste genau, was für Schwachsinn er jetzt in das Ohr der
ängstlichen Frau flüsterte, sie kannte seine Berührungen und das Gefühl seiner
Finger und seiner Zunge auf ihrer Haut. Und sie wusste, dass er darin blendend
war. Es dauerte eine Weile, aber er schaffte es, die kleine Frau vergessen zu
lassen, wo sie war und er hatte Recht. Sie und Celly kamen auf ihre Kosten.
Schließlich fand es Ailia auch erregend zuzusehen, wie sich zwei Wesen im Taumel
der Leidenschaft verloren.
Das hier jetzt hatte allerdings nichts mit Leidenschaft zu tun und das machte
Ailia noch wütender. Sie konnte damit leben, gegen einen stärkeren Gegner zu
verlieren und er hatte dann das Recht, sich zu nehmen, was er wollte. Das hier
war nichts von alledem. Sie fragte sich gerade, wie lange es denn noch gehen
sollte, als sich die Türen zischend öffneten und eine Stimme schrie:
„WAS BITTE GEHT ZUM TEUFEL HIER VOR?!“
Der Dunkelhaarige hinter ihr fuhr entsetzt zurück und selbst der Blonde schrak
zusammen und ließ ihre Haare gehen. Ailia überlegte nicht länger. Ihr war so
ziemlich egal, wer in der Tür stand, dass sie noch immer gefesselt war und ihre
Hosen auf ihren Knien hingen. Sie fuhr herum, hechtete auf den Dunkelhaarigen zu
und grub ihre Zähne in dessen Kehle. Sein gurgelndes Geräusch und das Spritzen
von Blut entschädigte sie für den stümperhaften Versuch, es einer D’arjo
ordentlich zu besorgen.
Im nächsten Moment fühlte sie sich zurückgerissen und sie knurrte wütend auf,
als zwei feste Arme sie umschlangen.
„Medo-Einheit“, befahl eine eisige Stimme in ihrem Rücken. „Und den
Sicherheitsdienst. Sofort hierher.“
Der blonde Mann zitterte jetzt am ganzen Körper und sah aus, als würde er gleich
anfangen zu weinen. Ailia bedachte ihn mit einem verächtlichen Blick.
„Auf meinem Schiff“, sagte die Stimme in ihrem Rücken und der blonde Mann
schrumpfte noch mehr zusammen, „…werde ich nichts dergleichen dulden. Auch wenn
es sich *nur* um eine D’arjo handelt. Auf meinem Schiff wird keine Frau
vergewaltigt!“
„Captain, ich…“, begann der blonde Mann, doch der Captain, schnitt ihm das Wort
ab.
„Sie stehen unter Arrest, Lieutenant Parker. Und Ihr Partner Harrold ebenfalls,
wenn er den kleinen Anschlag unserer Freundin hier überlebt. Ich werde Sie zur
Verhandlung nach Terra bringen und von diesem Moment an sind Sie meines Schiffes
verwiesen. Für den Rest Ihres Lebens!“
Ailia lächelte und vergaß sogar einen Moment, dass dieser Captain sie noch immer
festhielt, ihre Hosen noch immer um ihre Knie hingen und ihr Gesicht vom Blut
des Dunkelhaarigen verklebt war.
Die Tür öffnete sich wieder und eine Medo-Einheit schwebte herein.
Antigraphfelder hoben den mittlerweile bewusstlosen Mann vom Boden auf die Trage
und schwebten aus dem Raum.
„Ziehen Sie ihr die Hosen wieder hoch, Parker“, befahl der Captain eisig, ohne
Ailia loszulassen.
Mit einem geringschätzigen Lächeln beobachtete Ailia, wie der blonde Mann ihre
Kleidung richtete, erst dann ließ der Captain sie los. Eine Einheit bewaffneter
Sicherheitsoffiziere betrat den Raum und führte Parker ab. Mehrere fassungslose
Blick trafen die blutverschmierte D’arjo, die nur ungerührt im Raum stehen blieb
und wortlos beobachtete, wie man dem blonden Parker Handschellen anlegte und ihn
aus dem Raum eskortierte.
Trevor O’Delta kochte vor Wut. Auch wenn man es
ihm äußerlich nicht ansah. Zu sehen, wie zwei seiner Männer etwas taten, was er
auf dieser Welt am meisten hasste und wofür er die D’arjos so verabscheute, ließ
sein Blut überschäumen.
Seit sieben Jahren versuchte er alles, um über Agenten in die inneren Kreise des
d’arjotischen Imperiums vorzudringen. Auf der Suche nach Amelie, seiner
Schwester.
Jedes Mal, wenn er daran dachte, stieg die Wut und Verzweiflung wieder in ihm
hoch. Sieben Jahre war es her, dass ihn die Nachricht vom Unfall des
Linienraumers erreichte, in dem Amelie gesessen und zurück nach Terra hatte
fliegen sollen. Der Raumer landete im d’arjotischen Imperium und damit waren
Terra alle Hände gebunden. Kaum ein Terraner, der einmal in die Fänge der
D’arjos geraten war, kam wieder zurück.
Und zu wissen, dass seine Schwester jetzt in irgendeinem dieser d’arjotischen
Harems ihr Leben fristete und genau dem ausgesetzt war, was seine Leute gerade
der D’arjo angetan hatten, ließ ihn fast verzweifeln. Es war unmöglich,
irgendeinen dieser D’arjos zu einer Verhandlung zu bewegen. Er wurde mitleidig
belächelt und an den Kontrakt erinnert, jener Friedensvereinbarung von vor
einhundert Jahren, in der festgeschrieben stand, dass jedem der beiden Partner,
Terra und D’arjo, ein Gebiet der Milchstraße zugesprochen wurde und keiner der
beiden Partner das Gebiet des anderen betreten durfte.
Er gab nicht auf. Er konnte seine kleine Schwester, die so ganz anders war als
er, blond und mit großen grünen Augen, nicht allein unter diesen Tieren lassen.
Es würde sie zerstören, seelisch und körperlich. Allein der Gedanke daran ließ
den Hass auf die Wesen, die ihr das angetan hatten, wieder aufflammen.
Im Gegensatz zu seiner Schwester, die jetzt sicherlich weinend zusammen
gebrochen wäre, stand diese D’arjo mit blutverschmierten Gesicht und stolz
erhobenem Kopf vor ihm und musterte ihn kühl.
Es sollte ihn freuen zu wissen, dass Terraner das gleiche konnten wie sie, es
sollte seinen Hass nähren, doch es stieß ihn einfach nur ab.
Ja, es ging soweit, dass er sich wünschte, dieser Idiot Harrold möge an seiner
zerfetzten Kehle sterben. Dass die D’arjo so schnell und exakt gehandelt hatte,
damit hatte keiner von ihnen gerechnet. Sie schien nicht einmal verlegen zu
sein, als es eine Weile dauerte, ehe er Parker befahl, ihre Blöße zu bedecken.
Normalerweise müsste er die D’arjo jetzt ebenfalls zur Verantwortung ziehen,
weil sie einen Menschen angegriffen hatte, doch ihm ging müde durch den Kopf,
dass sie als Gefangene Terras genügend bestraft war. Soviel er wusste, landeten
gefangene D’arjos für den Rest ihres Lebens auf dem Minenplaneten Errol und der
Rest ihres Lebens verkürzte sich drastisch.
Mit einem kurzen Befehl wies er die beiden Sicherheitsoffiziere, die noch neben
der D’arjo standen, an, deren Handschellen zu öffnen. Es brachte ihm einen fast
erstaunten Blick von ihr ein, doch er deutete nur auf eine benachbarte Tür.
„Eine Toilette. Wenn Sie sich vielleicht das Blut aus dem Gesicht wischen
wollen?“
Sie hob kurz ihre Augenbraue, wandte sich aber der Tür zu und deshalb nahm er
an, sie verstand ihn recht gut.
Es dauerte eine Weile, bis sie wiederkam und er dachte sich, dass sie sich nicht
nur das Blut aus dem Gesicht gewaschen hatte. Verständlich. Er deutete kurz auf
eine weitere Tür, die zu seinem Büro führte und folgte ihr in den Raum.
Ailia wunderte sich, warum er ihr die Handschellen nicht wieder anlegte, ließ es
sich jedoch nicht anmerken, sondern ging an ihm vorbei in den kleineren Raum.
Ein großer Tisch mit Computerterminal nahm den größten Teil des Zimmers ein.
Davor standen zwei Formenergiesessel, von denen einer auf den Befehl des
Terraners verschwand. Hinter dem Schreibtisch konnte sie durch eine Fensterfront
hinaus ins Weltall sehen. Da das Schiff sich im Moment nicht bewegte, sondern
noch immer über dem Planeten Angol hing, zeigte es jetzt den Blick auf die grüne
Kugel des Planeten.
„Setzen Sie sich“, sagte Trevor und nahm hinter dem Schreibtisch Platz.
Ailia warf den beiden Sicherheitsoffizieren, die mit flimmernden
Strahlermündungen an der Tür Aufstellung nahmen, einen verächtlichen Blick zu,
ehe sie in dem Sessel Platz nahm.
„Ich kann davon ausgehen, dass Sie mich verstehen?“, fragte der Terraner kühl.
Sie nickte nur und sah ihn zum ersten Mal richtig an.
Er war genau so groß wie der dunkelhaarige Mann vorhin, aber schlanker. Seine
kurzen, dunklen Haare sturzelten ein wenig auf seinem Kopf herum, als würde er
sich nicht die Mühe machen, sie jemals in Form zu bringen. Er hatte ein markant
geschnittenes Gesicht, scharfe Wangenknochen und dunkle, graue Augen, die sie
jetzt ausdruckslos musterten.
Es war das erste Mal, dass Ailia einem männlichen Terraner begegnete, der eine
Aura von Stärke und Macht verströmte und das irritierte sie etwas. Und es gab
keinen zweiten Geruch an ihm, der sagte, dass es eine Frau in seinem Leben gab.
Das irritierte sie noch mehr.
„Ihnen ist klar, dass Sie sich auf terranischem Hoheitsgebiet befinden?“, fragte
er und seine Stimme klang genauso wie er schaute. Kühl und distanziert.
Wieder ein Nicken.
„Sie haben unsere Aufforderung zum Stopp genau so ignoriert wie die Forderung
nach bedingungsloser Kapitulation. Ihnen ist klar, dass Sie damit einen
Schusswechsel herausforderten?“
„Nun“, antwortete sie endlich langsam. „Es bestand zumindest die Chance, dass
uns eine Flucht glückt.“
Er ging auf ihre Worte nicht ein. „Mein Name ist O’Delta. Captain O’Delta. Mir
gehört dieses Schiff und damit jetzt auch alles, was wir aus ihrem zerstörtem
Schiff bergen konnten.“
„Das ist mir vollkommen klar“, antwortete Ailia trocken. Natürlich gehörte alles
ihm, theoretisch einschließlich ihr, obwohl sie solch eine Formulierung noch nie
aus dem Mund eines Terraners gehört hatte. Und auch noch nie davon gehört hatte,
dass Terraner gefangene D’arjos für sich beanspruchten.
„Wer sind Sie?“
Sie legte den Kopf schief. Wenn sie genauer darüber nachdachte, war es
wahrscheinlich angenehmer, er würde sie beanspruchen als wenn man sie auf diesen
scheußlichen Minenplaneten verfrachtete. Allerdings konnte sie sich beim besten
Willen nicht vorstellen, jemals die Rolle einer Saraana zu übernehmen. „Ich bin
D’arjari Ailia Luciana el Tec’aro.“
Wenn er wusste, was eine D’arjari war, so ließ er es sich nicht anmerken. Er
musterte sie nur ungerührt und Ailia erwiderte seinen Blick genau so
unverfroren.
Trevor war sich in diesem Moment nicht sicher, was er tun sollte. Er hatte
gehofft, seine Bemerkung, dass ihm alles gehöre, würde sie zu einer Äußerung
veranlassen. Schließlich war sie eine D’arjo, die sich mit derartigen Dingen gut
auskannte. Doch sie schien das nicht sonderlich aufzuregen, genau so wenig wie
das, was Harrold getan hatte.
Tiere, ging es ihm geringschätzig durch den Kopf. D’arjos sind Tiere. Dann ging
ihm genauer auf, was sie gesagt hatte und sein Herz machte einen Satz. D’arjari…
Er hatte sich genug mit dem Gesellschaftssystem D’arjos beschäftigt, um zu
wissen, dass D’arjari ein Titel war. Die Monarchin eines Planeten trug den Titel
D’arjora und ihre Erbin, die Tochter, die den Titel erben würde, war eine
D’arjari. Dass sich solch eine hochrangige D’arjo an Bord des recht winzigen
Raumschiffs befunden hatte, hatte er nicht erwartet.
„Sie wissen, dass ich Sie an die terranischen Behörden übergeben müsste?“,
fragte er noch immer recht kühl. „Und Errol auf Sie wartet?“
Das müsste ließ Ailia aufhorchen. „Ja“, antwortete sie gedehnt.
Er erwiderte ihren plötzlich scharfen Blick ungerührt. „Wie viel ist Ihnen Ihr
Leben wert?“
Nun, das konnte interessant werden. Ein Terraner, der verhandeln wollte,
warum auch immer. „Eine Menge“, gab sie ehrlich zu.
Sie ließ sich nicht aus der Reserve locken. Trevor hatte nicht viel Erfahrung im
Umgang mit D’arjos, da man im normalen Leben selten auf sie traf und seine
Kontaktversuche meist im Sande verliefen. Aber ein Wesen, das es gewohnt war,
Befehle zu erteilen und zu bekommen, was es wollte, erkannte er auf den ersten
Blick. Allerdings war er längst über den Punkt hinweg, sich davon einschüchtern
zu lassen. Deshalb schwieg er und beobachtete nur unverwandt ihre Reaktion.
Es dauerte eine ganze Weile, ehe sie die Stille brach. „Woran dachten Sie?“
Er musste sich ein befriedigtes Grinsen verkneifen. Auch wenn sie so zierlich
und verletzlich schien und ihn im ersten Moment, als er sie unter diesem Mann
gesehen hatte, an seine Schwester erinnert hatte und er Harrold am liebsten
selbst erwürgt hätte, wusste er jetzt, dass sie gefährlich war. Weil sie genau
so eiskalt kalkulierte wie er selbst. Er lehnte sich zurück und verschränkte die
Arme.
Ailias Haare richteten sich auf, als er noch immer nichts sagte. Entgegen der
d’arjotischen Mode trug sie ihre Haare lang, die dunklen Locken fielen über ihre
Schultern und mehr als einmal hatte sie deshalb ein eigenartiger Blick anderer
Frauen getroffen.
Doch Ailia hatte dafür einen Grund. Einerseits gefiel es ihr natürlich, aber
andererseits verbarg es die spontane Reaktion des Haareaufrichtens etwas. Nicht
komplett, aber zumindest so, dass es manchmal verborgen blieb und nicht sofort
verriet, in welchem Gemütszustand sie sich befand.
Das feine Grinsen des Terraners sagte ihr jedoch, dass er es registrierte und
das gab ihr zu denken. Er schien eine Menge über D’arjos zu wissen. Deshalb
vielleicht seine Frage?
„Mir ist vollkommen klar“, sagte sie langsam, „…dass Sie einen gewissen Anspruch
geltend machen können?“
Trevors Lächeln erlosch, als er den Sinn ihrer Worte verstand. „Das Letzte, was
ich wünsche, ist eine D’arjo in meinem Bett“, sagte er eisig.
Nicht? Nun gut, worüber wollte er sonst verhandeln? Sie ließ sich keine
Regung anmerken, obwohl sie den Ausdruck des Abscheus in seinem Gesicht
registrierte.
In Trevor kochte der Zorn hoch, weil sie ihn noch immer so gleichgültig
musterte. „Aber es wäre mein Recht, Sie den Offizieren meines Schiffes zur
Verfügung zu stellen. So handhabt man das doch auf Ihren Schiffen, oder?“
Okay, er kannte D’arjos doch nicht allzu gut.
Ein ersticktes Nachluftschnappen hinter ihr, ließ sie den Kopf drehen. Die
beiden Offiziere an der Tür sahen nicht aus, als wären sie sonderlich scharf
darauf.
Sie wandte ihre Augen wieder dem Captain zu und sagte sanft. „Wenn Terraner alle
so gebaut sind wie Sie und Ihre beiden Offiziere hier, wird mein Sexualleben in
den nächsten Wochen gewiss nicht langweilig.“
Trevor benötigte seine gesamte Selbstbeherrschung, um ein gleichgültiges Gesicht
zu wahren. Vor allem, weil er die Worte aus dem Mund einer Frau hörte, die in
seinem Vorraum gerade vergewaltigt worden war. Als er sich wieder gefangen
hatte, sagte er kühl. „Ich suche jemanden. Eine Frau. Wenn Sie mir helfen, diese
Frau zu finden, werde ich Sie nicht an die terranischen Behörden ausliefern.“
Er hatte die Worte kaum ausgesprochen, als ihr einfiel, wo sie seinen Namen
schon gehört hatte. Der Terraner, der krampfhaft nach seiner Schwester suchte…
Ailia hatte nur nebenbei von ihm gehört und sich darüber amüsiert, wie ein Mann
auf die Idee kommen konnte, eine solche Nachfrage an das d’arjotische Imperium
zu richten. Ein Mann! Sicherlich hatte es niemand auch nur für nötig gehalten,
seine Anfrage an eine höhere Stelle zu richten, selbst wenn er eine Menge Geld
geboten hatte.
„Können Sie das, D’arjari?“
Ihr Titel schien ihm also etwas zu sagen. „Ich denke“, antwortete sie langsam,
„das ist möglich.“
„Ich hatte gehofft, dass Sie so reagieren“, meinte er kühl. „Nachdem, was ich im
Vorraum unterbrochen habe, können Sie vielleicht verstehen, warum ich nicht
möchte, dass meine Schwester derartigen Behandlungen ausgesetzt ist.“
Ailia riss verdutzt die Augen auf. Das war eine Reaktion, die sie absolut nicht
unter Kontrolle hatte, weil sie einfach nur entsetzt war. Aber es war kein Witz,
er meinte das todernst.
„Lassen Sie sich eins sagen, Terraner. Ihre Schwester war und wird niemals einer
derartigen Behandlung ausgesetzt sein. Keine D’arjo wird einen Saraan an ihrer
Seite dulden, der sich so stümperhaft benimmt wie dieser Idiot vorhin. Und kein
Saraan würde es jemals wagen, eine solch stümperhafte Vorstellung zu geben.“
Trevor starrte sie mit offenem Mund an. Ihre gelben Katzenaugen funkelten so
wütend in dem schmalen Gesicht und zeigten ihre Wut so offensichtlich, dass er
sich fragte, ob sie wirklich daran glaubte.
„Gut, dass wir uns einigen konnten. Wir besprechen alles weitere zu einem
späteren Zeitpunkt. Ich habe zu tun.“ Er wollte nicht zugeben, dass ihn ihre
Worte irritiert hatten. „Ich werde Ihnen eine Kabine zuweisen, die Sie jedoch
nicht verlassen können.“
„Leben noch andere Personen aus meinem Schiff?“, fragte Ailia, obwohl er schon
aufgestanden war noch.
„Es befinden sich sieben D’arjos in den Arrestzellen.“
„Schließt unsere… Vereinbarung diese D’arjos mit ein?“
„Nein.“ Seine Stimme klang hart. „Ich werde diese D’arjos an die terranischen
Behörden ausliefern. Ich würde es auch in Ihrem Fall, wenn ich nicht einen
persönlichen Nutzen aus Ihrer Anwesenheit an Bord ziehen könnte.“
„Wir könnten ein Lösegeld aushandeln“, machte sie noch einen Versuch und stand
ebenfalls auf.
Er blieb vor ihr stehen und sah mit diesen eigenartigen grauen Augen auf sie
hinab. „D’arjos haben das Leben meiner Schwester zerstört“, stieß er hervor.
„Ich bin für jeden und jede D’arjo, die in den Minen landet, dankbar. Sie sind
mir nützlich und ich bin bereit, Ihnen für Ihre Nützlichkeit Ihr Leben zu
lassen. Das ist alles.“ Mit einer Kopfbewegung wies er die beiden Offiziere an
der Tür an, die D’arjo zu eskortieren.
Ailia drehte sich an der Tür noch einmal um und musterte ihn mit einem
nachdenklichen Blick. „Was ist, wenn ihre Schwester nicht nach Terra
zurückkehren möchte?“
Er gab keine Antwort, doch seine Augen loderten so wütend auf, dass sie
schleunigst vor den beiden Offizieren aus dem Raum trat.
Erst dann ging ihr auf, dass sie gerade vor einem Mann geflüchtet war.
Ailia stand mit verschränkten Armen am Fenster
ihrer Kabine und starrte in den schwarzen Weltraum. Sie befand sich jetzt seit
zwei Tagen in dieser kleinen Kabine und langweilte sich fürchterlich.
Der Captain hatte sich noch nicht wieder bei ihr gemeldet und sie sah auch sonst
keine Menschenseele. Die einzige Person, die sie aufgesucht hatte, war die
Ärztin des Schiffes gewesen, die sich als Tara McLeod vorstellte und sie fragte,
ob sie irgendwelche Verletzungen habe, die behandelt werden mussten.
Ailia hatte die Frau komisch angesehen und erst dann begriffen, dass es sich bei
der Frau auch um eine Psychologin handelte und diese sich nicht nach äußerlichen
Verletzungen erkundigte. Sie hatte nicht gelacht, obwohl ihr danach gewesen war,
weil sie froh war, endlich einmal eine Frau zu sehen, auch wenn es sich um ein
sehr sanftmütiges Exemplar handelte. Allerdings hatte sie nur den Kopf
geschüttelt und gemeint, sie hätte keine Probleme. Tara hatte es dabei belassen,
ihr jedoch freundlich erklärt, sie werde ab und zu nach ihr sehen.
Nachdem Tara den Raum verlassen hatte, grübelte Ailia eine Weile darüber nach,
was für Probleme sie eigentlich haben sollte, ließ es aber schnell sein, weil
sie zu keiner Lösung kam.
Da sie sich langweilte und auch fürchterlich unausgelastet fühlte, begann sie,
sich nach etwas umzusehen, was sie benutzen könnte, um ihren Körper auch
weiterhin so fit zu halten wie er war. Sie verbrachte Stunden des Tages damit,
sich zu bewegen: Liegestütze, Klimmziehen – sie hatte eine Stange im
Kleiderschrank gefunden, die sie dafür benutzen konnte – oder sie joggte auf der
Stelle.
Die Kabine war nicht groß und bestand nur aus einem Raum. An der hinteren Seite,
unter dem zweiten Fenster stand das große Bett. Daneben ein Schreibtisch mit
Computerterminal, das jedoch zu ihrer Verärgerung nur einen beschränkten Zugriff
auf das Bordnetz zuließ. Sie würde sich später damit beschäftigen, ihre
Hackkenntnisse zu erproben. Neben dem Schreibtisch ging eine Tür in das kleine
Bad mit Dusche. Daneben befand sich das Bestellsystem für Essen. In dieser
Hinsicht konnte sie sich nicht beklagen, sie konnte sich mit allem versorgen,
was sie wollte.
Aber sie langweilte sich. Und nachts, wenn sie allein in dem großen Bett lag,
vermisste sie Leon. Er hatte seit zwei Jahren an ihrer Seite gelebt und Ailia
hatte in den zwei Jahren niemals einen Grund zur Klage gefunden.
Er schien perfekt zu ihr zu passen und sie gratulierte sich mehr als einmal, ihn
damals mitgenommen zu haben, als sie ihn so einsam und traurig in der Cafeteria
einer Raumstation sitzen gesehen hatte. Seine damalige Dorema hatte ihn
fortgeschickt, weil sie seiner überdrüssig geworden war und der Liebeskummer
stand ihm ins Gesicht geschrieben.
Männliche D’arjos verliebten sich gern, vor allen in ihre Doremas und dann traf
es sie umso härter, wenn die betreffende Frau sie fortschickte.
Ailia gefiel der hübsche Leon mit den traurigen Augen auf den ersten Blick. Er
war noch etwas unerfahren – erfahrene, ordentlich ausgebildete Saraani konnte
man nur kaufen, für teures Geld – doch er lernte schnell und Ailia begann, ihn
wirklich zu mögen, besonders seine niedliche Art für Zärtlichkeiten. Leon wuchs
ihr ans Herz und sie verspürte neben der Wut über seinen Tod auch eine gewisse
Trauer, weil sie wusste, dass sie ihn noch hätte eine Weile an ihrer Seite leben
lassen. Vielleicht für immer.
Jetzt so völlig allein zu sein, gefiel ihr nicht und es war auch neu für sie.
D’arjo verbrachten im seltensten Fall eine Nacht allein, weil sie die
Gesellschaft eines Artgenossen brauchten, um sich nicht einsam zu fühlen. Die
letzte Nacht, die Ailia allein verbracht hatte, lag sicherlich weit in ihrer
Jugend zurück.
Sie war so in Gedanken versunken, dass sie zusammen zuckte, als sich die Tür
hinter ihr öffnete. Sie erwartete, Tara zu sehen, doch diesmal war es der
Captain, der durch die Tür trat. Ehe sich die Schotten schlossen, konnte Ailia
sehen, dass vor ihrer Tür zwei Posten stationiert waren.
„Mir wurde gesagt“, begann er ohne Umschweife, „dass es kein Problem sein
könnte, wenn wir beginnen, genauer zu diskutieren, wie Sie Ihren Teil unserer
Vereinbarung erfüllen können.“
Ailia zuckte mit den Schultern. Auf seinen Befehl hin, bildete sich eine
Sesselgruppe aus Formenergie und sie nahmen Platz.
Trevor musterte sie unauffällig. Er hatte Tara geschickt, weil er annahm, dass
Ailia einfach zu stolz war, um sich irgendeine Gefühlsregung in Gegenwart eines
Mannes anmerken zu lassen. Es hatte ihn mehr als erstaunt, von der sensiblen
Ärztin und Psychologin zu hören, dass sie an der D’arjo keine Anzeichen eines
psychischen Schocks oder eines nahenden Zusammenbruchs bemerken konnte. Es
erstaunte sie selbst, weil Trevor ihr erklärt hatte, was im Vorraum seines Büros
passiert war, doch sie erklärte ihm, dass selbst an Menschen, die bestimmte
Verhaltensmuster verdrängten, Anzeichen zu bemerken seien, die einen
Zusammenbruch ankündigten. Die D’arjo hatte nichts dergleichen gezeigt, Tara
hatte eher den Eindruck, dass sie mit völligem Unverständnis auf ihre Fragen
reagierte.
„Sind Sie mit der Unterkunft zufrieden?“, fragte er höflich.
„Sicher.“ Ailia ging kurz durch den Kopf, dass er, wenn er sie wie einen Gast
behandeln wollte, auch für die Zufriedenstellung gewisser andere Bedürfnisse
sorgen müsste, etwas, das in einem d’arjotischen Haushalt selbstverständlich
war. Allerdings verfügte sie über genügend Selbstbeherrschung, nicht danach zu
fragen.
„Sehr schön.“ Er lehnte sich zurück. „Klären Sie mich auf, D’arjari. Wie müssen
wir vorgehen, um heraus zu finden, wo sich meine Schwester befindet?“
Ailia musterte ihn genau so wie er sie. Sie stand zum ersten Mal einem Mann
gegenüber, der eine ähnlich hohe Position einnahm wie sie selbst und das war
eigenartig. Sicherlich gab es auch auf D’arjo Männer – Ausnahmen – die den Drang
verspürten, mehr zu sein als ein Saraan und versuchten, sich in dem
Gesellschaftssystems D’arjo hochzuarbeiten.
Sie waren in der Minderzahl und hatten es schwer, aber da es auch Frauen gab –
ebenfalls äußerst selten – die sich solch einem Mann unterordnen wollten, war
daran nichts auszusetzen. Allerdings konnte Ailia selbst diesen Männern keinen
Respekt zollen. Der Terraner vor ihr jedoch strahlte ein Selbstbewusstsein aus,
das ihr noch nie bei einem Mann begegnet war.
„Es ist an sich nicht schwer, in einer einfachen Umfrage den Aufenthaltsort
Ihrer Schwester zu ermitteln“, beantwortete sie seine Frage. „Das Problem wird
erst auftreten, wenn die Person, in dessen Haushalt sie lebt, sie nicht hergeben
will.“
„Was kann man dann tun?“
„Nun, das Beste wäre, dort hin zu fliegen und mit der Besitzerin zu reden.“
„Der Besitzerin?“, echote er verblüfft. „Kein Besitzer?“
Ailia runzelte die Stirn. „Ich bezweifle, dass ein Mann sich eine Terranerin
leisten kann.“
„Oh ja“, murmelte er sarkastisch. „Ich habe vergessen, dass Männer auf D’arjo
nicht viel zu sagen haben. Besteht eine Möglichkeit, unser Schiff in
d’arjotisches Hoheitsgebiet fliegen zu lassen, ohne dass man es gleich
abschießt?“
„Nein“, erklärte Ailia freundlich.
„Können Sie mich in d’arjotische Kreise einschleusen, so dass ich Kontakt zu
meiner Schwester aufnehmen kann?“, bohrte er weiter.
Ailia hob wieder ihre Augenbrauen. Es stimmte, er wusste kaum etwas über das
d’arjotische Gesellschaftssystem. „Sicher“, sagte sie amüsiert. „Als mein
Saraan hätten Sie Zugang zu allen Familien, die ich besuche.“
„Als Ihr… was?“
„Saraan. Ich kenne die terranische Übersetzung nicht und ich glaube auch, im
Terranischen gibt es keine Bezeichnung dafür.“ Sein Gesichtsausdruck war
göttlich und ein Lächeln huschte über ihre Lippen. „Ein Saraan ist ein… uhm…
Partner, den eine D’arjo wählt.“
„Partner?“ Er klang ätzend, also schien ihm die Bedeutung aufzugehen. „Oder
meinten Sie Sexspielzeug?“
„Ein Saraan ist nicht nur ein Sexspielzeug“, antwortete sie liebenswürdig.
Trevors Blut fing an zu kochen und pulsierte in den Adern an seinen Schläfen.
Trotz seiner Abneigung gegen D’arjos verspürte er den dringenden Wunsch, ihr zu
zeigen, dass man aus terranischen Männern keine Sexspielzeuge machte. Eher aus
d’arjotischen Frauen. Er beherrschte sich, weil er sich sagte, dass er dann
nicht besser wäre als Harrold und Parker. Allerdings konnte er sich nicht
verkneifen, zu sagen: „Sie könnten leicht noch als Saraan enden, D’arjo!“
„Saraana“, korrigierte ihn Ailia. Wenn sie zwischen dem Bett eines Terraners und
den Minen Errols wählen müsste, würde sie jederzeit das Bett wählen, da war sie
sich sicher. Und selbst wenn sich alle Terraner so dämlich anstellten wie
Harrold, wettete sie mit sich selbst, sie würde ihnen schon zeigen, dass Sex
etwas mehr war, als das Ineinanderrammen zweier Körper.
„Finden Sie heraus, in welchem Haushalt Amelie lebt“, zischte er, als sie nicht
reagierte. „Dann sehen wir weiter.“
Ailia nickte. „Dazu benötige ich Funkkontakt, als erstes zu Avalon, meinem
Heimatplaneten. Darf ich Klartext reden, warum ich von einem terranischen Schiff
aus funke?“ Oh Gott, sie bat einen Terraner um Erlaubnis, etwas zu tun. Ailia
kicherte bei dem Gedanken, obwohl er sicherlich nicht einmal darüber nachdachte.
„Natürlich“, entgegnete er eisig. „Schließlich sind Sie die einzige Person, die
ein Gesetz übertreten hat. Indem Sie terranisches Hoheitsgebiet betraten. Warum
eigentlich?“
„Ich denke nicht, dass es zu unserer Vereinbarung gehört, dass ich darüber
Auskunft gebe. Sie wollen Ihre Schwester. Ich will nach Hause. Punkt.“ Ihre
Augen bohrten sich in seine.
„Ich könnte eine Menge mehr fordern. Es ist Ihr Leben, um das wir feilschen“,
sagte er kühl.
„Fordern Sie“, sagte Ailia leise. „Und ich denke darüber nach, wie viel mir mein
Leben wert ist. Allerdings sollten Sie bedenken, dass Sie mit mir eine reelle
Chance haben, Ihre Schwester zu finden. Ohne mich nicht. Weil Sie ein Mann
sind.“ Sie betonte das Wort Mann extra abfällig.
Trevor biss die Zähne aufeinander, als ihm die Bedeutung ihres letzen Satzes
aufging. „Mit einer Frau hätte man verhandelt?“, knirschte er dann hervor.
„Ich weiß es nicht. Möglicherweise. Mit einem Mann niemals.“
Trevor sprang auf. Er kämpfte mühsam gegen seine sich verabschiedende
Beherrschung, ballte die Hände zu Fäusten und verfluchte ihren amüsierten Blick.
Als er sich wieder unter Kontrolle hatte, stieß er nur hervor. „Ich werde
veranlassen, dass Sie Kontakt zu Avalon aufnehmen können. Unter meiner
Aufsicht.“
Dann stürzte er zur Tür und drehte sich noch einmal um. „Was hätten Sie getan,
wenn ich auf eine Beanspruchung aller Dinge auf Ihrem Schiff bestanden hätte?“
Ailia wusste sofort, was er meinte und verzog die Lippen. „Ich wäre mit Ihnen
ins Bett gegangen, Captain.“
Irgendwie hatte er diese Antwort erwartet. „Sie haben Harrold die Kehle
durchgebissen“, sagte er trotzdem.
„Nicht *weil* er es getan hat, sondern weil er es *so* getan hat.“
Das war mehr als Trevor ertragen konnte. Er stürzte durch die sich öffnenden
Schotten, hinaus auf den Gang und fluchte lauthals, als sie ihn nicht mehr
hörte. Die beiden Offiziere vor der Tür sahen in eigenartig an und er fragte
sich, warum er eigentlich wütend war.
Weil er sie nicht verstand. Überhaupt nicht. Und ihren letzten Satz gleich gar
nicht. Eine Vergewaltigung war eine Vergewaltigung. Oder? Wollte er sie
verstehen? Nein. Aber er wollte verstehen, was seine Schwester durchmachte.
************
Es war am nächsten Tag, als eine Eskorte sie in einen extra Raum brachte, in dem
sich ein Funkgerät inklusiv Bildschirm befand. Man hatte ihr wieder Handschellen
und Fußfesseln verpasst und Ailia fragte sich genervt, was sie eigentlich
inmitten dieses Schiffes voller Terraner tun sollte.
Trevor erwartete sie bereits und wies wortlos auf den Sessel neben sich.
Sie setzte sich und knurrte ihn an. „Ich werde absolut kein Gespräch führen,
wenn mein Gegenüber sieht, dass ich Handschellen trage.“
„Oh.“ Diesmal grinste er, recht schmutzig, und ihre Augen verengten sich. „Warum
nicht? Möchten Sie nicht, dass jemand sieht, dass Sie sich in der Gewalt eines
Mannes befinden?“ Ihr Blick sagte ihm, dass sie dieses Gespräch wirklich nicht
führen würde und er fand, dass nur diese Handschellen keine Grund waren, die
Grenzen ihres Stolzes auszutesten. Dazu war ihm das Finden seiner Schwester zu
wichtig.
Mit einem amüsierten Grinsen bedeutete er dem Offizier, ihre Handschellen zu
lösen.
Ailia ließ sich nicht anmerken, wie beruhigt sie darüber war. Trevor erklärte
ihr kurz die Funktionsweise der Funkanlage und stellte die Verbindung nach ihren
Angaben her. Und lauschte dann fasziniert mit welchem autoritären Tonfall sie
sich bis in den Palast ihrer Mutter durchstellen ließ. Es dauerte keine halbe
Stunde und Trevor bezweifelte, dass es auf Terra jemals möglich gewesen wäre.
Und sie erreichte tatsächlich die amtierende D’arjora, ihre Mutter Auris.
Trevor musterte die andere D’arjo unauffällig. Sie war älter als Ailia, doch sie
strahlte das gleiche Selbstbewusstsein und den gleichen Stolz aus wie die D’arjo
an seiner Seite.
„Ist das ein Terraner neben dir, Lucie?“, fragte Auris gerade und klang fast
neugierig.
Ailia klärte sie in kurzen Worten über die vergangenen Geschehnisse auf. Ebenso
über die Forderungen des Terraners und ihre Vereinbarung. Auris warf einen
kurzen Blick in Trevors Richtung und trotz des Bildschirms kam er sich vor, als
würde die ältere D’arjo in ihn hinein sehen können.
„Setz bitte unsere Verbindungsnetz in Gang. Wir suchen den Aufenthaltsort von
Amelie...?“ Sie sah fragend zu Trevor.
„O’Delta. Amelie O’Delta“, antwortete dieser nur.
Ailia erklärte noch, wie sie zu erreichen war und beruhigte ihre Mutter, sie
solle sich keine Gedanken machen, es ginge ihr gut. Ehe Auris sich
verabschiedete, sah sie noch einmal Trevor an, dann ihre Tochter und sagte: „Aso
ranona. Ek andino tel sarona.“
Ailia trennte die Verbindung, sah Trevor an und fing sein amüsiertes Grinsen
auf.
„Sie hat Recht“, sagte er leise.
Sie erwiderte seinen Blick ungerührt, obwohl ein eigenartiger Schauer ihren
Rücken hinauf lief. Nimm dich in acht. Er ist gefährlich.
Trevor begleitete sie zurück zu ihrer Kabine und trat mit ihr durch die sich
öffnende Tür hindurch.
Einer der beiden Offiziere nahm ihr die Handschellen und die Fußfesseln wieder
ab. Trevor beobachtete sie und fragte sich, wie sie es schaffte, trotz der Lage,
in der sie sich befand, ein derartiges Selbstbewusstsein auszustrahlen. Als der
Offizier sich vor ihr hinhockte, um die Fußfesseln zu lösen, sah sie auf dessen
Kopf hinab, als wäre nicht sie die Gefangen, sondern die Person, die duldete,
dass der Mann die Fesseln löste. Selbst der Offizier schien das zu spüren, denn
er wich ihrem Blick aus, als er schnell durch die Tür verschwand.
Ailia drehte den Kopf und sah fragend auf den großen Terraner in ihrem Zimmer.
Trevor verzog spöttisch den Mund, ließ sich in den Sessel fallen, der von seinem
letzten Aufenthalt in ihrer Kabine noch existierte, und lehnte sich zurück. „Mir
sind ein paar Ihrer letzten Aussagen durch den Kopf gegangen“, sagte er einfach.
„Und ich möchte ein paar Antworten.“
„Auf welche Fragen?“ Ailia setzte sich in den zweiten Sessel.
„Was veranlasst Sie zu glauben, meine Schwester würde nicht heimkehren wollen?
Warum haben Sie Harrold die Kehle durchgebissen und hätten nichts dagegen, im
Bett eines Terraners zu landen?“ Seine Finger klopften auf der Platte des
Formenergietisches zwischen den Sesseln.
„Sie sind neugierig“, stellte Ailia fest. „Sie dachten, eine Menge über D’arjos
zu wissen und bemerken jetzt, dass meine Worte und mein Handeln dem so gar nicht
entsprechen?“
„Ich habe die letzten sieben Jahre damit verbracht, meinen Hass auf jede und
jeden D’arjo zu nähren. Ich hasse Ihr Handeln, ich hasse Ihre Unkooperativität,
ich hasse wie Sie Männer behandeln. Und ich hasse den Gedanken, meine kleine
schüchterne Schwester in den Händen von Wesen zu wissen, bei denen
Vergewaltigung zur Tagesordnung zählt.“
Ailias Augenbrauen hoben sich erstaunt.
„Sie handeln mit Menschen, sie handeln mit Männern, sie beanspruchen
intelligente Wesen als wären sie eine Ware“, fuhr er fort, als er ihr Erstaunen
bemerkte. „Ihren Worten zufolge verstehen Sie meinen Hass nicht. Also, geben Sie
mir die Antwort auf meine Fragen.“
Ailia lehnte sich ebenfalls zurück. „Bevor ich beginne“, sagte sie langsam,
„erklären Sie mir das Wort Vergewaltigung.“
Trevors Mund klappte auf. „Was?“, brachte er nicht sehr intelligent hervor.
„Erklären Sie mir…“
„Ich habe verstanden, was Sie gesagt haben!“, unterbrach er sie, nun völlig
konfus. „Vergewaltigung ist das, was Harrold Ihnen angetan hat!“
Ailia runzelte die Stirn. „Stümperhafter Sex?“
„Nein!“, fuhr er auf. „Sex gegen Ihren Willen. Es bedeutet, jemandem zum Sex
zwingen.“
Sie starrte eine Weile gedankenverloren in die Luft. „Es stimmt, innerhalb des
Gesellschaftssystems von D’arjo gehört es zur Tagesordnung, andere Wesen zu
beanspruchen. Es ist eine gegenseitige Verbindung, in der hauptsächlich der Mann
den untergeordneten Part, den des Saraans, spielt. Wir handeln mit D’arjos und
auch mit Terranern, wenn sie unser Gebiet betreten und damit in unsere Hände
fallen. Das stimmt alles.“ Ihre Augen wanderten wieder zu dem Terraner, der sie
jetzt eisig und mit unverhohlener Wut in den Augen musterte. „Und es ist
richtig, dass ein Saraan und auch terranische Sklaven offensichtliche sexuelle
Funktionen haben.“
Trevor kämpfte mühsam um seine Beherrschung. Seine Hände ballten sich zu
Fäusten, als er sich zwang, nichts zu sagen.
„Sex spielt eine große Rolle für uns“, fuhr Ailia fort. „D’arjos sind sehr
leidenschaftliche Wesen und das allerwichtigste in dieser Hinsicht ist die
Befriedigung beider Partner. Ich betone jetzt das Wort *beide*, Captain, weil
das einer der Hauptgründe meiner Reaktion in Ihrem Büro war. Kämpfe zwischen
D’arjos sind nicht selten, vor allem, wenn einer von beiden *Beute* ist und
etwas gegen die Beanspruchung einzuwenden hat. Der Sieger hat das Recht, mit dem
Unterlegenen zu verfahren, wie es ihm beliebt und meist endet es in Sex.“ Trevor
verzog angewidert den Mund und Ailia lächelte fein. „Aber niemals, Terraner,
niemals wird der Sieger die Bedürfnisse des Verlierers vergessen. Sondern er
wird alles tun, um diesen für sich zu gewinnen und ihn in der Ekstase des
Sexaktes vergessen zu lassen, dass er einen Kampf verloren hat. Kein Verlierer
würde einen Sieger anerkennen, der dazu nicht fähig ist. Das war Punkt eins.
Punkt zwei war, dass ich mich nicht wehren konnte, da ich gefesselt war. Und ich
habe mich nicht einmal andeutungsweise gewehrt.“ Ihre Lippen verzogen sich
geringschätzig. „Keinen D’arjo hätte die Situation auch nur andeutungsweise
erregt.“
Trevor sah sie eine ganze Weile an. Tara hatte Recht gehabt. Da gab es kein
Trauma, mit dem sie zu kämpfen hatte und er begriff plötzlich ihre Formulierung:
Stümperhaft. Harrold war kein *Sieger*, den sie anerkennen konnte, sondern sie
verachtete ihn und dafür, dass er ihr als *Verliererin* nicht den Respekt
gezollt hatte, der ihr zustand, hatte er in ihren Augen den Tod verdient.
Er stand auf, trat an ihre Zimmerbar und bestellte sich ein Glas Wasser. Er kam
nicht einmal auf den Gedanken, sie zu fragen, ob sie auch etwas wollte, sondern
hatte mehr damit zu tun, den gigantischen Hintergrund ihrer Worte zu begreifen.
Als er sich wieder gesetzt hatte, sah er sie an. „Gut, das gilt für D’arjos.
Aber nicht für Menschen. Menschen kennen Ihre Gesetze nicht, sie empfinden
nichts Derartiges. Sie verabscheuen Sie und sie haben Angst. In ihren Augen ist
es eine Vergewaltigung, wenn man sie zum Sex zwingt.“
Ailia lächelte fein. „D’arjos haben eine feine Nase. Sie riechen Angst und sie
riechen Erregung. Und männliche D’arjos sind sehr geduldig und sehr begierig,
wenn es darum geht, einer Frau die Angst zu nehmen. Das passiert ihnen im Umgang
mit weiblichen D’arjos selten.“
„Ich glaube Ihnen kein Wort, D’arjo“, zischte er.
„Ich habe es einmal erlebt“, fuhr sie ungerührt und leise fort. „Ich selbst
hatte nie das Bedürfnis nach einem anderen Mann oder einer anderen Frau außer
meinem Saraan, aber meine Freundin Celly schon. Sie lud uns öfter ein, wenn sie
einen neuen Saraan oder eine terranische Sklavin erstanden hatte.“
„Ich glaube, ich will das nicht hören!“
„Ich sehe gern zu“, erklärte Ailia. „Es gibt nichts Schöneres als zwei Wesen,
die sich im Taumel der Leidenschaft verlieren. An diesem Tag stellte uns Celly
eine kleine Terranerin vor, schüchtern und ängstlich, aber wirklich bildschön,
selbst für unsere Verhältnisse. Leon, mein Saraan, war hin und weg, als er sie
sah und bettelte regelrecht darum, dass er derjenige sein könne, der ihr die
Angst nahm.“
Trevors Lippen pressten sich aufeinander und er musste sich gewaltsam zwingen,
ihr nicht an die Kehle zu springen.
„Leon war wirklich süß und wenn er mich so bettelnd ansah, konnte ich ihm nichts
abschlagen. Jedenfalls ging er zu der kleinen Menschenfrau, während Celly und
ich die beiden beobachteten.“
„Ich glaube das nicht…“, entfuhr es ihm fassungslos.
Ailia lächelte wieder. „Sie hatte wirklich Angst. Aber mein Leon war
spitzenmäßig in dieser Hinsicht. Er brauchte lange, aber ich wusste, dass er
kein Problem gehabt hätte, die ganze Nacht damit zu verbringen, ihr die Angst zu
nehmen. Und er schaffte es. Die kleine Menschenfrau vergaß, dass er ein D’arjo
war, vergaß, dass wir beide zuschauten und sie vergaß, dass sie ihn eigentlich
nicht wollte. Ich war an diesem Abend wirklich stolz auf Leon.“ Sie klang etwas
wehmütig bei der Erinnerung an Leon, doch der Terraner schien das nicht zu
bemerken. Dann trat ein spöttisches Funkeln in ihre Augen, als sie Trevor wieder
ansah. „Ich hatte nie einen Terraner, aber Celly. Und sie meinte terranische
Männer vergäßen ganz, ganz schnell, dass sie niemals eine D’arjo wollten…“
„Verflucht“, murmelte Trevor, als er den amüsierten Ausdruck in ihren Augen sah.
„Warum benötigt Ihre Celly eine Terranerin?“
„Wenn sich eine D’arjo mehrere Saraani hält, kann sie vielleicht manchmal nicht
all deren Bedürfnisse erfüllen. Und kaum eine weibliche D’arjo würde sich bereit
erklären, im Harem einer anderen Frau zu leben.“
„Wie bitte?!“, schrie er jetzt fast. „Dann kann ich davon ausgehen, dass meine
Schwester als Hure für irgendwelche Saraani fungiert, die gerade ihre Besitzerin
nicht befriedigen müssen?“
Ailia runzelte schon wieder verständnislos die Stirn. „Kein Wesen, ob Mensch
oder D’arjo, schläft gern allein. Die Saraani in einem Harem liegen der
terranischen Frau zu Füßen. Sie ist eine von ihnen, sie verwöhnen sie und sie
streiten sich darum, ihr in der Nacht Gesellschaft zu leisten. Wenn ich mir
überlege, wie dieser Harrold mich behandelt hat, ist mir völlig verständlich,
wenn eine terranische Frau auf einen D’arjo fliegt, der es schafft, sie in den
Nächten in seinen Armen alles vergessen zu lassen.“
„Harrold hat Sie vergewaltigt!“, fauchte Trevor. „Ihm ging es nie darum, dass
Sie dabei Leidenschaft empfinden. Was er getan hat, ist ein Verbrechen, da er
den sexuellen Akt benutzt, um Sie zu demütigen, um Ihnen zu zeigen, dass Sie
weniger Wert sind als er!“
„Das ist doch Schwachsinn“, antwortete Ailia perplex. „Er hat mir damit nur
seine eigene Unfähigkeit gezeigt und deutlich gemacht, dass er niemals so etwas
wie Respekt verdienen kann.“
Trevor atmete tief durch. „Eine menschliche Frau hätte das anders gesehen.“
Ailia schüttelte noch immer ungläubig den Kopf. „Jetzt verstehe ich, warum die
terranischen Sklaven immer von Vergewaltigung sprechen und solche Angst haben.
Und dann so grenzenlos überrascht sind. Ich glaube, ich hätte mich eigenhändig
auf Leon gestürzt, wenn auch nur noch ein Hauch von Angst in dem Geruch der Frau
gewesen wäre, als er mit ihr schlief.“
Trevor stand auf. „Das ist alles recht unverständlich für mich. Leider rufen
mich jetzt meine Pflichten. Wäre es möglich, dass wir das Gespräch fortsetzen?
Morgen?“
„Sicher.“ Sie zuckte mit den Schultern. „Ich habe nichts Besseres vor.“
„Und Sie hätten ohne weiteres akzeptiert, in den Besitz eines Terraners
überzugehen?“, fragte Trevor verblüfft.
Ailia lachte, wahrscheinlich zum ersten Mal in den vierzehn Tagen, die sie sich
jetzt auf dem terranischen Schiff befand.
In diesen vierzehn Tagen war es fast zu einer Gewohnheit geworden, dass der
Captain sie aufsuchte. Fast täglich, soweit es seine Pflichten zuließen, und
jedes Mal hatte er neue Fragen.
Ailia, die sich sowieso langweilte, fing an, die gleichen Fragen über das
terranische Gesellschaftssystem zu stellen. Sie erfuhr über die
gleichberechtigten Beziehungen zwischen Menschen, über Verlobungen und Heirat
und über die demokratische Wahl einer Regierung.
Alles Dinge, die ihr recht unverständlich waren, vor allem wenn sie sich
vorstellte, wie man in einer gleichberechtigten Beziehung jemals zu einer
Einigung kommen sollte, wenn beide Partner andere Ansichten vertraten.
Trevor hatte müde gelächelt und erklärt, es müssten gegenseitige Zugeständnisse
gemacht werden. Ailia konnte sich das gar nicht vorstellen, aber im Gegensatz zu
d’arjotischen Männern, verspürten Terranerinnen den Drang, es in ihrem Leben zu
etwas zu bringen.
D’arjotische Männer verspürten eigentlich nur einen einzigen Drang und der hatte
nichts mit Karriere zu tun. Und das war etwas, was Ailia vermisste. Scheußlich
vermisste. Sie träumte von Leon, von seinen Fähigkeiten im Bett, seiner süßen
Art, ihr schnurrend zu erklären, wie sehr er sie liebte und von den Berührungen
seiner Zunge und seiner Hände, die sie ganz schnell alles um sich herum
vergessen ließen. Sie war frustriert, weil sie allein war, begann, sich selbst
zu befriedigen und wurde noch frustrierter, weil es ihr einfach nicht reichte.
Und als der Terraner jetzt diese Frage stellte, fing sie an zu lachen. Verdammt,
wenn das einer dieser Terraner – vielleicht sogar er selbst – täte, hätte sie
wenigstens ein Sexualleben! Und wie gesagt, sie bezweifelte, dass ein Terraner
wirklich stark genug war, eine D’arjo zu beanspruchen. Die Dinge konnten ganz
schnell wieder umgekehrt werden.
Trevor sah sie komisch an, als sie lachte und sie versuchte zu erklären.
„Akzeptiert ist vielleicht das falsche Wort. Ich hätte es … versucht.“
Er legte den Kopf schief. Ein Teil des Hasses auf D’arjos war verschwunden, nach
dem, was er jetzt durch sie wusste, versuchte er zu begreifen, dass es möglich
war – wenn er es auch nicht glauben wollte – dass seine Schwester nicht komplett
durchgedreht war, wenn er sie wieder fand. Das bedeutete nicht, dass er diese
katzenartigen Wesen plötzlich mochte. Aber ihre Gespräche waren… interessant.
„Kein normaler menschlicher Mann hätte eine derartige Beanspruchung auch nur in
Erwägung gezogen. Und ein terranischer Mann mit Harrolds Vorstellungen, hätte
nie einen Gedanken an Ihre Befriedigung verschwendet.“
„Nun“, schnurrte Ailia. „Entweder würde ich es schaffen, ihm begreiflich zu
machen, was ich will oder ich würde eine Möglichkeit finden, ihn zu töten.“
„War Ihr Leon mit an Bord?“, fragte er plötzlich und Ailias Miene erlosch.
„Er ist tot. Ich habe gesehen, wie sein Schirmfeld zusammenbrach und er in
Flammen aufging“, sagte sie und klang plötzlich wieder kühl und distanziert.
Es sollte ihn befriedigen, aber zum ersten Mal in diesen sieben Jahren fühlte er
fast so etwas wie…Mitleid? „Oh“, sagte er nur.
Ailia stand auf und trat an das Fenster. Sie starrte eine Weile hinaus in das
verwaschene Grau des Hyperraums – das Schiff befand sich im Überlichtflug – ehe
sie leise sagte. „Ich vermisse ihn.“
Trevor war erstaunt, dass sie das zugab. Dann drehte sie sich wieder um und
setzte sich wieder.
Ein feines Lächeln huschte um ihre Lippen. „In einem d’arjotischen Haushalt
würde niemand die Bedürfnisse eines einzelnen Gastes vergessen.“
Er benötigte eine Weile, ehe er verstand, was sie meinte und schluckte. „Sie
sind kein Gast, D’arjo. Sie sind meine Gefangene“, sagte er dann.
„Nun“, meinte sie sanft. „In diesem Fall wäre es noch unwahrscheinlicher…“
Flirtete sie mit ihm? Trevor bemühte sich um ein gleichgültiges Gesicht. Dass
sie hier eindeutig etwas anbot, war unübersehbar. Eigentlich eine Frechheit,
wenn man bedachte, in welcher Situation sie sich befand.
Glaubte sie wirklich, sie könne ihn um den Finger wickeln wie einen ihrer
d’arjotischen Männer? Dummerweise war der Ekel, den er noch vor vierzehn Tagen
empfunden hatte, als er Harrold gesehen hatte, verschwunden.
Er konnte nicht abstreiten, dass sie eine kleine, verflucht fantastisch
aussehende Person war. Die dunklen schwarzen Locken reichten bis zur Hälfte
ihres Rückens und umrahmten ein schmales Gesicht, in dem die großen gelben Augen
mit der länglichen aufrecht stehenden Pupille dominierten. Sie hatte volle
Lippen und nicht einmal die vier Reißzähne in ihrem Mund, die so deutlich zu
sehen waren, wenn sie lächelte, konnten den Eindruck der Schönheit verwischen.
Selbst ihr Körper, an dem kein Gramm Fett zu sitzen schien, und den sie wie eine
Raubkatze auf der Jagd bewegte, ließ eine Menge zum Träumen offen. Fakt war, sie
sah toll aus, und es umgab sie eine Aura von Macht und Stolz, die Trevor
faszinierte.
Aber er vergaß nie, wer sie war und ihre Worte bestätigten ihm, dass er in ihren
Augen sicherlich nichts weiter als ein neues interessantes Sexspielzeug
darstellte.
Er lehnte sich zurück und musterte sie kühl. „Ich dachte, ich hätte schon klar
gestellt, dass ich keinerlei Ambitionen verspüre, Ihre Fähigkeiten im Bett
auszutesten.“
Sie besaß tatsächlich die Frechheit, ein: „Schade“, zu murmeln. Und sie schockte
ihn noch mehr, als sie hinzu setzte. „Irgendwie fühle ich mich etwas
unausgelastet. Sexuell.“
„Das interessiert mich nicht im mindesten!“, fuhr er auf. „Dies ist ein
terranisches Schiff! Und Sie stehen unter Arrest.“ Er stand auf, weil er ahnte,
dass sie es schaffen würde, noch eine Menge mehr peinlicher Dinge zu sagen.
Sie erhob sie ebenfalls geschmeidig und schlich auf ihn zu. Trevor sagte sich,
dass es eine Flucht wäre, wenn er jetzt einfach aus dem Raum stürmen würde, und
dass das etwas war, was er keinesfalls tun durfte.
„Sie haben keine Frau“, sagte sie, als sie vor ihm stand und zu ihm aufsah. Sie
war jetzt schon fast zwei Wochen auf dem Schiff und noch immer war er nur allein
von seinem eigenen Geruch umgeben. Es war ihr völlig unverständlich, warum er
sich nicht jemanden suchte, der sein Bett teilte.
Er schüttelte den Kopf, wortlos.
„Kein kleines bisschen neugierig?“, fragte sie wieder mit diesem verfluchten
Schnurren, das einen Schauer über seinen Rücken schickte. „Wie es ist, sich als
Sieger zu fühlen?“
Ihre Worte berührten einen Punkt in ihm, den er sich weigerte zu haben.
Ungerührt starrte er in ihre gelben Augen zurück. „Um mich als Sieger zu fühlen,
muss ich keine D’arjo flach legen. Es reicht mir zu wissen, dass ich als Mann es
geschafft habe, eine D’arjo zu einer Verhandlung zu zwingen.“
„Schade“, sagte sie wieder und er erstarrte, als sie ihre Hand hob, auf seine
Brust legte und mit den Krallen sanft über das Material seiner Uniform strich.
Trevor fluchte lautlos, fing ihre Hand und funkelte sie an. „Vergleichen Sie
mich nicht mit einem der d’arjotischen Männer, die Sie kennen! Sie sind bei
weitem nicht so unwiderstehlich wie Sie glauben, D’arjo!“ Er spuckte das D’arjo
aus wie ein Schimpfwort, stieß ihre Hand zur Seite und ging zur Tür.
Ailias Blick folgte ihm, bis sich die Tür hinter ihm schloss. Entgegen seiner
Worte roch er *sehr* interessiert, doch Ailia wusste plötzlich, dass es ihm sein
Stolz verbot zuzugeben.
Sie hatte noch nie im Zusammenhang mit Stolz an einen Mann gedacht, doch dieser
Terraner schien davon genau so viel zu besitzen wie sie selbst. Er musste es,
denn ohne einen starken Willen und genug Selbstbewusstsein hätte er diese
Position nie erreichen können. Und ihr ging plötzlich auf, dass sich ihr
Vorhaben, ihn mit Hilfe von Sex gefügig zu machen, sehr schnell gegen sie selbst
wenden konnte. Nämlich dann, wenn er mit den gleichen Waffen wie sie kämpfte.
Seufzend warf sie sich auf ihr Bett. Es würde wieder eine lange Nacht mit sich
selbst werden. Vielleicht hätte sie einfach nur nach einem Vibrator fragen
sollen?
~*~*~*~
Er tauchte am nächsten Tag nicht auf und Ailia ärgerte sich darüber.
Dafür erschien Tara, bot ihr ein paar terranische Bücher an, die Ailia entgegen
nahm und erklärte ihr nebenbei, dass sich das Schiff auf dem Weg zum
nächstgelegenen Stützpunkt befand, da dort die anderen Gefangenen sowie Parker
und Harrold dem Militär übergeben werden sollten.
Ailia nahm die Aussage ungerührt zur Kenntnis. Sie wusste, dass sie im Moment
nichts dagegen tun konnte, ahnte aber, dass ihre Mutter nicht nur damit
beschäftigt war, nach der kleinen Amelie zu suchen. Und für den Fall, dass sie
sich zu einem Großanschlag auf das terranische Schiff entschloss, wollte Ailia
gewappnet sein. Es wäre gefährlich, aber sie befanden sich noch immer an den
Grenzen zum d’arjotischen Imperium und Ailias Leben war sehr wichtig für Avalon.
Dann hatte sie Tara geschockt, als sie um einen Vibrator bat und abfällig das
Gesicht verzogen, als die Menschenfrau puterrot anlief und zu stottern begann.
Menschen schienen wirklich recht zickig in Bezug auf Sex zu sein und sie
erklärte ihr genervt, dass sich ein nicht erfülltes Sexualleben auf D’arjos sehr
traumatisch auswirken könne.
Das stimmte nicht ganz, denn viele rangniedrige D’arjos lebten ohne oder mit
weniger Sex auch recht gut, aber Ailia war in dieser Hinsicht sehr verwöhnt. Sie
hatte immer bekommen, was und wen sie wollte.
Tara verabschiedete sich sehr schnell und Ailia fluchte lauthals, als sich die
Tür hinter der Frau geschlossen hatte.
Es verging keine Stunde und ein recht zornig aussehender Trevor fegte durch ihre
Tür. „Haben Sie jetzt vollständig den Verstand verloren?!“, fauchte er ohne eine
Begrüßung.
Ailia, die sich gerade wieder einmal entschlossen hatte, ihre überschüssige
Energie mit Klimmzügen abzureagieren, ließ die Stange los und kam auf ihn zu. In
ihrer Frustration hatte sie sich mehr verausgabt, als sie wollte. Ein feiner
Schimmer von Schweiß überzog ihr Gesicht und die nackte Haut ihrer Schultern.
Sie trug nur ein ärmelloses Top und bequeme Freizeithosen – alles terranische
Sachen, da man ihr nicht erlaubt hatte, etwas aus ihrem Schiff an sich zu
nehmen.
Trevor schien erst jetzt zu merken, wobei er sie gestört hatte und schluckte
kurz, als sie sich die verschwitzten Haare aus der Stirn strich. Das Top lag eng
an ihrem Körper an, betonte ihre Figur und die kleinen festen Brüste. Sie schien
sich nicht darum zu scheren, dass sie keinen BH trug und er mehr sah, als er
jemals von einer D’arjo hatte sehen wollen.
„Was habe ich denn jetzt schon wieder getan?“, fragte sie genervt und füllte
sich ein Glas Wasser voll.
„Sie befinden sich hier nicht in einem Hotel!“, schrie er erbost. „Tara brachte
kaum ein Wort hervor, als sie mir Bericht erstattete. Sie haben keine Rechte
mehr, D’arjo. Sie sind meine Gefangene und Sie sollten froh sein, diese Kabine
und nicht eine der Arrestzellen zu bewohnen! Es erfordert einen einzigen Befehl
von mir und Sie landen dort! Dass Sie hier sind, ändert nichts an Ihrem Status!
Sie haben keine Wünsche zu äußern!“
„Wie konnte ich das nur vergessen“, antwortete sie kühl. „Ich nahm an, da diese
klitzekleine Vereinbarung zwischen uns existiert, dürfte ich zumindest eine
Bitte formulieren.“
„Sie dürfen gar nichts“, fuhr er sie an. „Wenn mir meine Schwester nicht so
wichtig wäre, würden Sie jetzt neben den anderen D’arjos in einer Arrestzelle
sitzen und ich würde nicht einmal einen Gedanken an Sie verschwenden.“
Ailia trank einen Schluck aus ihrem Glas, ehe sie fragte. „Sie verschwenden
jetzt einen Gedanken an mich, Captain?“
„Sie sind nützlich für mich. Das ist alles.“ Trevor hätte am liebsten mit den
Zähnen geknirscht, als er das feine Lächeln sah, das ihre Lippen umspielte. Er
hatte Tara angesehen, als würde sie einen Witz machen, aber die Röte im Gesicht
der Ärztin hatte ihm gesagt, dass die junge Frau damit niemals Witze machen
würde. Es war ihr mehr als peinlich und jetzt stand diese D’arjo vor ihm, in
einem Top, das an ihrem Körper klebte, mit schweißnasser Haut und starrte ihn so
herausfordernd an, dass er all seine Bedenken am liebsten über den Haufen
geworfen und ihr gezeigt hätte, was es hieß, ihn heraus zu fordern. „Ich denke“,
sagte er dann und versuchte, weiterhin gelassen zu klingen, „Sie werden es
schaffen, Ihre Hormone eine Weile unter Kontrolle zu halten.“
„Sicher.“
Jetzt grinste sie so, dass ihm heiß wurde und er musste schon wieder ein Fluchen
unterdrücken.
„Ich habe ja schließlich noch meine Hände“, meinte sie dann zuckersüß. Sein
Geruch verriet, wie er um seine Beherrschung kämpfte und ein Schauer rann über
ihre Haut, als sie sich vorstellte, was passieren könnte, wenn er sie verlor.
Trevor verlor sie nicht. Er befand sich zu lange in einer Position, in der
eiskalte Kalkulation und logisches Handeln im Vordergrund standen. Aber die
Bilder, die ihre Worte in seinem Kopf aufsteigen ließen, sandten eine Hitze in
seinen Körper, die er lange nicht in dieser Stärke gefühlt hatte. Obwohl es
nicht stimmte, stieß er hervor. „Dieser Raum wird videoüberwacht.“
„Ja?“ Ailia klang amüsiert. „Schauen Sie auch gern zu?“
Sie war nicht nur frech, sondern unverschämt.
Seine Augen verengten sich zu Schlitzen. Ihm lag eine böse Bemerkung auf der
Zunge, eine Drohung, wie schnell ihr all die Zugeständnisse, die er gemacht
hatte, wieder entzogen werden konnten.
Ihm gingen sogar Dinge durch den Kopf, die ihn erschreckten und die einiges
damit zu tun hatten, sie in Ketten zu legen, doch er zwang sich, ruhig zu atmen
und logisch zu denken. Eigentlich hatte sie nichts Verwerfliches getan. Und sein
einziges Problem war, dass er auf ihre Worte reagierte und es das war, was sie
wollte. Sie versuchte, ihn zu manipulieren, so wie sie ihr ganzes Leben Männer
manipuliert hatte und es erschreckte ihn, dass er darauf reagierte.
In einem eisigen Tonfall sagte er nur: „Ich glaube nicht, dass es am Anblick
einer D’arjo etwas geben könnte, das mir gefällt. Hören Sie auf, Tara peinliche
Fragen zu stellen. Wenn Sie einen *Wunsch* haben, reden Sie mit mir und ich
entscheide, ob ich ihn gewähre oder nicht. Verstanden?“
Ailia nickte resigniert. Idiotischer beherrschter Terraner.
„Ich habe Sie nicht verstanden, D’arjo.“
Ihr Kopf fuhr hoch und traf auf seine kalten grauen Augen. „Ja, doch“, murmelte
sie mürrisch.
Er machte einen Schritt auf sie zu und blieb vor ihr stehen. „Die richtige
Antwort auf diesem Schiff lautet Ja, Captain oder Ja, Sir.“ Seine
Augen bohrten sich in ihre. „Ich finde, es ist an der Zeit, dass Sie sich an die
*Rangordnung* an Bord eines terranischen Schiffes gewöhnen. Verstanden?“
Ailia biss die Zähne zusammen, ohne dass sie seinem Blick auswich. „Ja… Captain“,
stieß sie dann hervor und konnte nicht verhindern, dass sich ihre Haare
aufstellten und die Krallen ausfuhren. Diesmal musste *sie* sich beherrschen,
ihm die Krallen nicht in die Brust zu fahren, als sie sein befriedigtes Lächeln
sah.
„Sehr schön, Sie lernen schnell. Haben Sie noch irgendwelche Wünsche? Die nicht
unbedingt Ihr unerfülltes Sexualleben betreffen?“, erkundigte er sich
scheinheilig.
„Nein!“, zischte Ailia. Er hob warnend die Augenbrauen und sie knurrte leise. „Captain!“
Wortlos drehte er sich um und verließ den Raum. Die Tür hatte sich kaum
geschlossen, als Ailia ausholte und das Wasserglas gegen das Metall knallte. Mit
einem Klirren zersprang es und die Splitter verstreuten sich auf dem ganzen
Fußboden.
Vor der Tür zuckten die beiden Wachposten zusammen, als es schepperte und über
Trevors Lippen huschte ein Lächeln.
Es war zwei Tage später, als er sie wieder aufsuchte.
Ailia hatte den ersten Tag damit verbracht, den Zorn, der in ihr fraß, mit
körperlicher Ertüchtigung auszutoben. Am Abend wurde ein Laufband in ihrem
Zimmer installiert sowie ein Gerät, an dem sie Gewichte stemmen konnte. Ein Teil
ihres Zorns verpuffte, weil sie wusste, wer dafür verantwortlich war und das,
obwohl sie keinen Wunsch geäußert hatte.
Tara kam noch einmal vorbei, richtete ihr aus, dass sie mit den anderen
Gefangenen ebenfalls gesprochen hatte und diese sich freuten, Ailia lebend zu
wissen. Ailia erfuhr auch die Namen, es waren allesamt Offiziere ihres Schiffs –
Frauen -, da nur diese über Individualschutzschirme verfügt hatten.
Am zweiten Tag verschwand sie am Morgen wie üblich in der Dusche und stand
gerade unter dem Wasser, als sich die Tür öffnete. Da sich keiner ihrer
*Besucher* ankündigte und sich sicherlich auch nicht darum scherte, in welchem
Bekleidungszustand sie sich gerade befand, hatte Ailia das Umziehen und Duschen
immer auf eine frühe Zeit gelegt, da der Captain und auch Tara sie immer erst am
Nachmittag aufsuchten.
Trevor musste sich eingestehen, dass er überhaupt nicht darüber nachgedacht
hatte. Erst als er ihr Zimmer betrat und sie nicht sah, ging ihm auf, dass sie
genau wie jeder Mensch irgendwann einmal im Bad verschwinden oder sich umziehen
musste. Dann sagte er sich, dass an Bord eines d’arjotischen Schiffs ganz andere
Sitten herrschten und sie sich ruhig einmal unbehaglich fühlen konnte. Er
klopfte an die Badtür und sagte nur.
„Beeilen Sie sich, D’arjo. Ich habe Nachricht von Ihrer Mutter.“
Das Wasser wurde abgestellt. „Ich habe nichts an“, rief sie laut.
Trevor setzte sich in einen der Sessel. „Dann ziehen Sie etwas an.
Schnellstens.“
„Ich habe keine Sachen mit in der Dusche“, antwortete sie böse.
Er lachte auf. Das war vielleicht eine gute Gelegenheit, ihrem Stolz einen
kleinen Dämpfer zu versetzen. Der Gedanke, in ein Handtuch gewickelt, an einem
terranischen Mann vorbei zu spazieren, gefiel ihr bestimmt nicht. „Nicht mein
Problem, oder?“
Ailia antwortete nicht, sondern sah sich selbst im Spiegel mit schmalen Augen
an. Dann huschte ein Grinsen über ihre Lippen. Sie warf das Handtuch, das sie
schon in der Hand hatte, in den Reinigungsschacht und öffnete ohne mit der
Wimper zu zucken, die Tür zur Dusche.
Trevor hatte so ziemlich mit allem gerechnet, aber nicht damit, dass sie
splitterfasernackt an ihm vorbei zu dem kleinen Kleiderschrank spazierte. Sein
Mund klappte auf und trotz seiner guten Vorsätze konnte er sie einfach nur
anstarren, während sein Mund trocken wurde. Vielleicht hätten ihm die mit ihr
geführten Gespräche schon sagen sollen, dass D’arjos kein Schamgefühl kannten.
Sie besaß sogar die Frechheit, ihn belustigt anzugrinsen, ehe sie vor dem
Schrank stehen blieb.
Er wollte wirklich wegschauen. Wirklich. Und scheiterte kläglich. Wie er schon
geahnt hatte, war ihr Körper genauso perfekt wie alles andere an ihr. Schlanke
lange Beine, man sah ihr an, dass sie sich gern bewegte, ein flacher Bauch,
schmale Hüften, kein Gramm Fett und kleine aufgerichtete Brüste. Jede
menschliche Frau wäre stolz auf diesen Körper. Sie bewegte sich wie eine
Raubkatze, er konnte die Muskeln sehen, die unter ihrer Haut spielten und
schlagartig wurde ihm seine Hose zu eng. Er war froh zu sitzen, froh, dass sie
es nicht sah und fragte sich, ob er krank war, wenn ihn der Anblick einer D’arjo
erregte.
Ailia genoss seine Blicke. Sie blieb überlegend vor dem Schrank stehen und fuhr
sich durch die Haare.
Trevor hätte am liebsten gestöhnt, als er die Bewegung sah. „Schaffen Sie es
heute noch, sich anzuziehen?“, fragte er und hoffte, dass er bissig klang.
„Hm. Ich weiß nicht, was“, überlegte Ailia. „Mir gefallen diese Sachen alle
nicht.“
Irgendwann würde er sie erwürgen. Er brachte es endlich fertig, seinen Blick von
ihrem nackten Körper abzuwenden und starrte krampfhaft in die entgegengesetzte
Richtung.
„Ich war so zeitig nicht auf einen Besucher vorbereitet“, fuhr sie in einem
entschuldigenden Tonfall fort. Sie warf einen kurzen Blick in seine Richtung,
sah wie er sich bemühte, krampfhaft in eine andere Richtung zu starren und
grinste wieder. „Was denken Sie, Captain? Das blaue Zeug hier oder besser das
rote?“
„Ziehen Sie endlich etwas an!“, schrie er sie unbeherrscht an und verfluchte
sich im gleichen Moment selbst.
Ailia kicherte. „Ja, Captain“, sagte sie artig und bemerkte, wie sich seine
Hände zu Fäusten ballten. Allerdings ahnte sie, dass er sich soweit unter
Kontrolle hatte und aus dem Zimmer stürzen würde, wenn er die Beherrschung
verlor. Leider. Trotzdem ließ sie sich noch etwas Zeit mit dem Anziehen, wählte
die schwarze bequeme Freizeithose und wieder ein enges rotes Top. Dann ließ sie
sich in den zweiten Sessel fallen. „Ich habe noch nicht gefrühstückt. Sie?“
„Ich schon“, knurrte er noch immer gereizt, ehe er sie endlich ansah und sie am
liebsten zu dem Schrank zurück geschickt hätte. Aber er würde sich jetzt nicht
anmerken lassen, dass er sehr wohl sah, dass sie keinen BH trug. Er würde Tara
beauftragen, sie darauf hinzuweisen und er würde sich gleich gar nicht anmerken
lassen, dass ihm ihr Anblick gefiel. Oh Gott, hatte er das jetzt wirklich
gedacht?
„Was verschafft mir denn nun die Ehre?“, unterbrach sie seine Überlegungen.
„Ihre Mutter hat geantwortet und da mir an einer schnellen Erledigung unserer
Angelegenheit liegt, habe ich Ihnen eine Aufzeichnung der Nachricht
mitgebracht.“ Er reichte ihr den Memowürfel.
Ailia nahm ihn entgegen und einen kurzen Augenblick berührten sich ihre Finger.
Etwas wie ein Stromstoß jagte durch ihren Körper und sein Zurückzucken sagte
ihr, dass er ähnliches empfunden hatte. Irritiert stand sie auf und ging zu dem
Computerterminal. „Haben Sie die Nachricht schon gesehen?“
„Sicher“, erwiderte er sarkastisch. Er beobachtete, wie sie den Memowürfel
aktivierte und sich die Nachricht anhörte. Und er war froh, das D’arjotische
genau so gut zu verstehen wie sie das Terranische.
Ich hoffe, es geht dir gut, Lucie. Es hat eine Weile gedauert, aber meine
Nachforschungen haben ergeben, dass eine Amelie O’Delta im Haus Aarfard auf dem
Planeten Ventarn lebt. Ich weiß nicht, ob dir der Name Xac Aarfard noch etwas
sagt? Du bist ihm vor acht Jahren auf einem der Frühlingsbälle begegnet und hast
dich köstlich über seine Versuche, sich gegen andere D’arjos zu behaupten,
amüsiert. Ich könnte versuchen, mit ihm Kontakt aufzunehmen, möchte aber zuerst
deine Meinung hören. Vor allem, weil wir hier von einem Mann reden. Apropos
Mann: Was macht dein Terraner?
Ailia schnappte nach Luft, als sie den letzten Satz und das leise Lachen ihrer
Mutter hörte. Sie schaltete die Aufzeichnung ab und setzte sich wieder in ihren
Sessel.
Trevor sah sie fragend an und bemerkte zum ersten Mal so etwas wie Verlegenheit
in ihrem Gesicht. Mit einem breiten Grinsen – und das hatte er sich verdient,
nach ihrem Auftritt gerade – erkundigte er sich spöttisch. „Auf den letzten Satz
müssen Sie nicht eingehen. Aber was sagen Sie zu dem Rest?“
Ailia verfluchte die Anspielung ihrer Mutter und funkelte ihn böse an. „Wenn
Ihre Schwester im Haus eines Mannes lebt, wird es ungleich schwerer, sie dort
heraus zu kaufen. Selbst wenn sie es wünscht. Was ich jetzt noch stärker
bezweifle.“
„Weshalb das?“
„Männer, die das Bedürfnis verspüren, eine ranghohe Rolle zu spielen, haben es
schwer, eine Partnerin zu finden. Und sie sind sehr besitzergreifend, wenn sie
sie dann gefunden haben“, erklärte sie nur. „Und sie geben sich noch zehnmal
mehr Mühe als ein einfacher Saraan in einem Harem. Ich wette, sie führt ein
Leben, von dem sie auf Terra nur träumen kann.“
„Mir will das alles nicht in den Kopf, D’arjo“, sagte er leise. „Ich kenne meine
Schwester. Sie ist so ganz anders als ich: schüchtern, hilfsbedürftig,
ängstlich. Sie ist dort ganz allein, nur von D’arjos umgeben, einem D’arjo
ausgeliefert.“
„Wenn sie tatsächlich so ist wie Sie sie beschreiben, kann ihr nichts Besseres
passieren, als in die Hände eines D’arjos zu kommen, der genau das Gegenteil
davon ist. Weil er ihr das geben kann, was sie braucht: Mut.“
„Er kann ihr auch den letzten Funken Selbstbewusstsein nehmen und sie bricht
völlig zusammen.“
„Sie haben es noch immer nicht begriffen, Captain“, knurrte Ailia. „Wir riechen
zu gut, um mit einem ängstlichen und verzweifelten Partner umgehen zu können.“
„Was schlagen Sie vor?“
Sie lehnte sich zurück und verschränkte die Hände auf der Brust.
„Kontaktaufnahme. Obwohl ich in diesem Fall bezweifle, dass er sich auf
irgendwelche Verhandlungen einlässt.“
„Erinnern Sie sich an ihn?“
„Vage. Es ist acht Jahre her, aber ein Mann, der nach einem höheren Rang drängt,
bleibt leicht in Erinnerung. Er erschien mir recht…sympathisch. Obwohl ich mir
nie vorstellen konnte, dass er die Stärke hat, seinen Kampf zu gewinnen. Aber
das Gefühl hatte ich noch nie bei einem Mann.“ Sie lächelte mit ihren funkelnden
Reißzähnen.
Trevor beugte sich über den kleinen Tisch. „Vielleicht sind Sie noch nie einem
richtigen Mann begegnet?“
„Möglich“, schnurrte sie und schlug die Beine übereinander. Natürlich sprach sie
es nicht aus, aber sie bezweifelte, dass *er* je einer Frau vom Format einer
D’arjo begegnet war.
„Wird Ihre Mutter meine Antwort berücksichtigen?“
Oh, sie wettete, dass ihre überaus neugierige Mutter plötzlich wahnsinnig scharf
darauf war, speziell von diesem Terraner zu hören. Allerdings nickte sie nur.
„Ich denke schon.“
„Gut.“ Er stand auf.
„Sie wollen schon gehen?“, erkundigte sich Ailia fast enttäuscht.
Trevor blieb an der Tür stehen. „Haben sich Ihre Hormone noch immer nicht
beruhigt?“, fragte er spöttisch. „Wie schade, dass Ihre Reize bei mir so gar
nicht ankommen.“
Sie sprang mit einer geschmeidigen Bewegung auf. Sein Stolz verbot ihm, einfach
aus der Tür zu flüchten und deshalb musterte er sie nur kühl, als sie vor ihm
stehen blieb. Allerdings hatte er nicht damit gerechnet, dass sie sich plötzlich
gegen ihn presste und ihn an die Wand drückte. Er war so überrascht, dass er sie
einen Moment einfach nur fassungslos anstarrte.
Ailia rieb sich grinsend an der Beule in seiner Hose. „Wenn Sie mich fragen,
Captain, kommt hier eindeutig etwas an“, schnurrte sie wieder. Sein Geruch nach
Rasierwasser und maskuliner Männlichkeit traf auf ihre Nase und ihre Haare
richteten sich auf.
Trevors Körper registrierte jede Einzelheit von ihr. Ihre Hüften, die sich an
seiner Erektion rieben – die er jetzt nicht mehr ignorieren konnte – und die
kleinen festen Brüste, die sich gegen seine Uniform pressten. Er verfluchte sich
selbst und konnte sich auch nicht erinnern, dass es jemals eine Frau gegeben
hatte, die seinen Körper derart in Unruhe gebracht hatte. Es erschreckte ihn,
weil er für seine Selbstbeherrschung und Kontrolle berühmt war. Und es
erschreckte ihn noch mehr, dass er sich einen kurzen Moment wünschte, ein D’arjo
zu sein und sie einfach tatsächlich zu beanspruchen.
Mit einem letzten Rest Vernunft riss er seine Arme hoch und stieß sie von sich.
Sie grinste noch immer, jetzt eindeutig belustigt, und ihre Zunge fuhr wissend
über ihre Lippen. Seine Augen klebten plötzlich an der Zunge, an ihren Lippen
und er sagte sich, dass er jetzt verschwinden musste. Auch wenn es wie eine
Flucht aussah.
Zischend schloss sich die Tür hinter ihm und ihm wäre bedeutend wohler gewesen,
wenn er gewusst hätte, dass Ailia genau so frustriert aufstöhnte wie er und in
Richtung Dusche stürzte.
~*~*~*~
Takvoll Shendor fühlte sich völlig unwohl in seiner Haut. Als seine rechte Hand,
erster Offizier, hatte ihn Captain O’Delta, mit der Aufgabe betraut, heute nach
der D’arjo zu sehen.
Takvoll wusste nicht, warum der Captain es ablehnte, selbst nach ihr zu schauen,
so wie er es die ganzen Tage vorher getan hatte und er wusste auch, dass es
keine dringenden Aufgaben gab, die ihn davon abhielten. O’Delta meinte auch nur,
er solle sich einfach kurz erkundigen, ob es ihr an nichts fehle und sich nicht
zu lange aufhalten.
Und er solle ihr zeigen, dass er als erster Offizier einiges auf diesem Schiff
zu sagen hatte. Takvoll hatte die Stirn gerunzelt, aber nur genickt. Als ihm der
Captain jedoch hinter her warf, er soll sich nicht von ihr verführen lassen,
stellte sich ein mulmiges Gefühl in seinem Magen ein. Obwohl er wusste, dass
d’arjotische Frauen sehr selbstbewusst und dominant waren, konnte er sich nicht
vorstellen, dass diese Frau, die doch einen Gefangenenstatus an Bord besaß,
irgendetwas Derartiges versuchen würde.
Ailia war recht erstaunt, einen völlig fremden Mann zu erblicken, der sich noch
dazu ankündigte.
„Mein Name ist Shendor“, stellte sich der blonde Mann höflich vor. „Ich bin
erster Offizier an Bord dieses Schiffes und Captain O’Delta hat mich beauftragt,
nach Ihnen zu sehen.“
„Hat er das?“, fragte sie verblüfft. „Warum kommt er nicht selbst? Warum kommt
überhaupt jemand?“
„Er hat wichtigere Dinge zu tun, D’arjari Ailia“, erklärte Takvoll. „Ich soll
Ihnen jedoch ausrichten, dass eine Nachricht an Ihre Mutter abgeschickt wurde.“
Nun, diese kleine zierliche D’arjo sah bei weitem nicht so gefährlich aus, wie
er erst angenommen hatte. Sie sah sogar recht nett aus.
Ailia musterte den Mann unauffällig. Sie ahnte den Grund für die Abwesenheit des
Captain: Weil er sich selbst nicht vertraute. „Sie sind zweiter Offizier?“,
fragte sie und klang erstaunt. Sie hatte erwartet, dass O’Delta sich mit Männern
umgab, die eine genau solche Stärke ausstrahlten wie er selbst. Der schlanke
Offizier erinnerte sie eher an einen D’arjo.
„Erster“, korrigierte der Mann sie. „Ich bin der stellvertretende Kommandant.“
„Tatsächlich?“, entfuhr es ihr und ihre Miene wurde etwas kühler.
Takvoll spürte die Veränderung in ihrem Wesen fast körperlich. Obwohl sie
kleiner war als er, schien sie plötzlich auf ihn hinab zu schauen.
„Haben Sie noch irgendwelche Wünsche?“, erkundigte er sich trotz allem noch
höflich. Auch wenn sie so etwas wie Gefangenstatus besaß, konnte man sie
durchaus als einen Gast betrachten. Als einen Gast, der sein Zimmer nicht
verlassen durfte. Es hätte sie schlimmer treffen können.
„Wünsche?“, überlegte sie mit einem katzenhaften Grinsen. „Sie sind hier, um
meine Wünsche zu erfüllen?“
„Ich soll mich nach Ihrem Wohlbefinden erkundigen“, erklärte er steif.
„Um mein Wohlbefinden steht es nicht sonderlich gut“, meinte Ailia belustigt.
„Weil zu meinem Wohlbefinden ordentlicher Sex einfach dazu gehört.“ Sie kam
langsam wie eine Raubkatze auf ihn zu und Takvoll wich zurück. Sie roch seine
Unsicherheit und seine Schwäche und lächelte wieder. Dieser Terraner war
sicherlich weitaus einfacher zu handhaben als sein Captain.
Takvoll beobachtete fast entsetzt und gleichzeitig fasziniert, dass sie näher
kam. Er konnte nicht fassen, dass sie tatsächlich von Sex gesprochen hatte. Dann
hatte sie ihn erreicht oder besser gesagt, die Wand im Rücken hatte ihn
gestoppt.
„Haben Sie Zeit, Offizier Shendor?“, schnurrte sie neben seinem Hals. Ein Teil
von ihr war enttäuscht, weil es nicht O’Delta war, ein anderer Teil von ihr
sagte, dass es egal wäre, ein Mann wäre ein Mann. Und ein Mann, der unter ihren
Händen zu Wachs wurde, war ungleich besser als einer, der vorhatte, sie zu
beherrschen. Sie wusste genau, dass es zwischen ihr und dem Captain zu einem
Machtkampf kommen würde. Mit diesem Mann stellte sich die Frage, wo die Dominanz
lag, nie.
„I-ich…“, begann er zu stottern. „D’arjari, ich…“
„Was?“, fragte sie leise und legte die Finger auf seine Brust. Sie hörte seinen
rasenden Pulsschlag, roch seine Erregung und ein Gefühl von Macht strömte durch
ihren Körper.
Takvolls Körper reagierte auf sie. Sie schien so von sexueller Energie umgeben
zu sein, dass er sich kaum noch beherrschen konnte. Jede Bewegung an ihr schien
das auszudrücken. Ihr schlanker Körper presste sich gegen ihn, die Krallen
fuhren über seine Brust und ihre Zunge leckte die kleinen Schweißtropfen von
seinem Hals. Er verschwendete nicht einmal einen Gedanken an ihre Zähne, er
wollte, dass sie ihn berührte und er wollte sie berühren. Sie knurrte leise und
dieses Knurren weckte einen Teil seines Verstandes. Lass dich nicht verführen.
Oh Gott, ging es ihm entsetzt durch den Kopf, als die kleine Hand der D’arjo
seine Hose öffnete.
In diesem Moment öffnete sich zischend die Tür und ein fuchsteufelswilder
Captain raste in den Raum.
Ailia stöhnte frustriert auf und ließ den blonden Mann los. „Verdammt!“, fauchte
sie. „Wo ist das Problem? Hätten Sie vielleicht nicht eine halbe Stunde warten
können?“
„Raus!“, schrie Trevor seinen ersten Offizier an, der mit hochrotem Gesicht an
seiner Hose nestelte und sich selbst wieder wegpackte. Takvoll stürzte zur Tür
hinaus und erst dann wandte sich Trevor der verfluchten D’arjo zu, die ihn mit
in die Luft gerecktem Kinn völlig respektlos anstarrte.
Er hatte seine Neugier nicht bezwingen können und über seinen privaten Anschluss
eine Verbindung zu ihrer Kabine hergestellt. Es war nicht ganz legal, weil es
ihre Privatsphäre verletzte, aber schließlich war er der Captain und sie nur
eine D’arjo. Er hätte ahnen müssen, dass sie es versuchte, aber damit, dass
Shendor so schnell auf sie reagierte, hatte er nicht gerechnet. Und noch weniger
hatte er mit dem Gefühl von Eifersucht gerechnet, dass in seinen Körper fuhr und
seinen Blutdruck in die Höhe jagte.
„Du wirst keinen meiner Männer für deine Spielchen benutzen!“, stieß er zornig
hervor. „Keinen, D’arjo!“
Ailia musterte Trevor mit dem ihr so eigenen spöttischen Verziehen der Lippen
und etwas in ihm tickte aus. Schon zu sehen, wie sie seinen ersten Offizier in
einen sabbernden Idioten verwandelt hatte, hatte seinen Zorn in die Höhe
geputscht. Dass sie jetzt ihn so geringschätzig musterte, brachte das Fass zum
Überlaufen. „Du willst einen Mann? Dann leg dich mit dem Richtigen an!“
Ailias Augen weiteten sich unmerklich und ihre Haare richteten sich auf,
zumindest soweit wie es die Länge mitmachte. Sie störte nicht einmal, dass er
sie plötzlich duzte, weil sich ein wunderschönes Kribbeln in ihrem Unterleib
bildete.
„Raus aus den Klamotten, D’arjo!“, befahl er leise.
Sie schnurrte leise. Sie war noch nie in der Situation gewesen, Befehle entgegen
zu nehmen, schon gleich gar nicht von einem Mann, aber die Art und Weise wie er
sie mit brennenden Augen ansah, jagte einen Schauer der Erregung über ihren
Körper und zwischen ihre Beine. Vielleicht war es das, was Leon gefühlt hatte,
wenn sie ihm einen Befehl gab? Ohne einen Ton zu sagen, griff sie zum Bund ihrer
Hose und öffnete die Knöpfe.
Trevor schluckte, als sie ohne Widerspruch reagierte. Selbst jetzt, als sie sich
aus ihrer Kleidung schälte, lag in jeder ihrer Bewegungen ein Art Stolz, der ihm
den Atem raubte. Die Hose rutschte ihre Beine hinab, ihr Shirt folgte –
natürlich trug sie wieder keinen BH – und dann ließ sie langsam den kleinen Slip
ihre Beine hinabwandern. Nackt, mit stolz erhobenem Kopf, blieb sie vor ihm
stehen. Sie war schön, aber das wusste er vorher.
Er machte einen Schritt auf sie zu, schloss den Abstand zwischen ihren Körpern
und hob seine Hand zu ihrem Gesicht. Er konnte die Leidenschaft, die er in ihren
Augen sah, kaum begreifen, doch ein Teil an ihm fing an schmerzhaft gegen den
Reißverschluss seiner Hose zu drücken. Seine Hand krallt sich in ihre Haare.
„Männer sind nicht für deine Spiele da, D’arjo“, sagte er leise.
„Die meisten schon“, schnurrte sie ebenso leise. Im nächsten Augenblick pressten
sich seine Lippen auf ihren Mund und sie vergaß alles, was ihr sonst noch auf
der Zunge lag.
Sein Kuss war anders als Leons, aggressiver, fordernder, fast gewaltsam zwang er
ihre Lippen auseinander und seine Zunge drängte sich zwischen ihre Zähne,
während seine Hand ihren Kopf fixierte und sie an sich presste. Sie sank gegen
ihn, erwiderte seinen Kuss mit der gleichen Wildheit und einem Verlangen, das
sich in den letzten drei Wochen aufgebaut hatte.
Trevor riss seinen Kopf von ihr los und kämpfte um seine Beherrschung. Dieser
einzige Kuss war pure Lust, purer Sex und er versprach eine Menge mehr. Sie
atmete genau so keuchend wie er selbst und das beruhigte ihn etwas. Die Wut auf
ihr Benehmen Shendor gegenüber kreiste durch seine Adern und er stieß sie
rückwärts auf ihr Bett.
Ailia fiel auf den Rücken, stützte sich auf ihre Ellenbogen und sah ihn
herausfordernd an. Ohne sie aus den Augen zu lassen, griff er nach den Knöpfen
seines Uniformhemdes und öffnete sie. Es war ihr weder peinlich noch fühlte sie
sich unwohl, weil sie im Moment einfach nur seinen Blicken ausgesetzt war. Und
ihre Unverfrorenheit ließ ihn steinhart werden. Als würde sie es ahnen –
vielleicht roch sie es ja? – richtete sie sich wieder auf und rutschte ans
Bettende.
„Ich kann dir helfen“, flüsterte sie, sah zu ihm hoch und griff mit den Fingern
zum Bund seiner Hose.
Trevor starrte auf ihren Kopf hinab und einen kurzen Moment verharrten seine
Hände in der Bewegung. Dann knöpfte er sein Hemd weiter auf, während sie seine
Hose öffnete. Ein leises Seufzen entrang sich seiner Kehle, als seine Erektion
ins Freie sprang. Die D’arjo schnurrte wieder und seine Finger umkrampften sein
Hemd, als sie den Kopf nach vorn beugte und mit der Zunge über seine Erektion
leckte, fast vorsichtig, als wolle sie von ihm kosten, doch die sanfte Berührung
ließ ihn fast schreien. Seine Worte hatten ihn verlassen. Ihre Finger strichen
über seine Schenkel, umfingen seinen nackten Hintern, während ihre Zunge ihn
noch immer erforschte. Es war Ewigkeiten her, dass eine Frau das getan hatte.
Eigentlich war sein letzter Sex Ewigkeiten her. Dann saugte sie ihn in ihren
Mund und er fühlte ihre spitzen Zähne auf der samtenen Haut seines Penis.
„Oh Gott“, murmelte er leise. Er schloss die Augen und seine Hand wanderte zu
ihren Haaren. Die Hitze ihres Mundes raubte ihm den Verstand. Er hatte andere
Dinge vor, Dinge, die mehr damit zu tun hatten, dass er sie einfach flach legte.
Als sie jetzt wieder schnurrte und sich die Vibrationen ihres Schnurrens in
seinem Körper fortsetzten, fiel ihm wieder ein, was sie über die große Rolle der
gegenseitigen Befriedigung erzählt hatte. Sie tat es einfach.
Ailia sah erstaunt hoch, als sich seine Hand in ihren Haaren verkrampfte.
„Genug“, stieß er hervor.
Sie grollte unwillig, weil sie es eigentlich nicht wollte. Er stieß sie auf das
Bett zurück. Irgendwie streifte er endlich sein Hemd von den Schultern und die
Hose von den Füßen und war eine Sekunde später über ihr. Ailias Finger wanderten
über seinen Rücken. Seine Erregung zu spüren, sein Stöhnen zu hören, hatte ihren
Körper in ein Feuer versetzt, dass nach einer Löschung schrie. Dann waren seine
Lippen wieder auf ihrem Mund und sie knurrte, als sie mit seiner Zunge kämpfte.
Automatisch spreizten sich ihre Beine, drängten sich an ihn und bettelten darum,
dass er sich endlich in ihr vergrub.
Trevors Hände strichen über ihren Körper, sie bäumte sich auf, knurrte wieder
und dieses Knurren raubte ihm den Verstand. Seine Lippen wanderten über ihren
Hals zu ihren Brüsten hinab und als sich seine Lippen um die harte Spitze
schlossen, fauchte sie auf. Er saugte sie in seinen Mund und ihre Finger
klammerten sich in seinen Haaren fest. Sie war wie eine Droge. Die Bewegungen
ihres Körpers, ihr Aufbäumen, ihr Knurren, all das machte ihn wahnsinnig.
Ailia hätte ihn am liebsten auf den Rücken geworden und sich endlich die
Befriedigung verschafft, die sie brauchte. Er war zu schwer und zum ersten Mal
in ihrem Leben war sie darauf angewiesen zu warten. Und es machte sie verrückt.
Sie hatte keine Lust mehr zu warten. Ihre Hand wanderte zwischen ihre Körper zu
dem Punkt, der sich so nach einer Berührung sehnte.
Trevor fing ihre Hand, noch ehe sie den Punkt erreichte. Ein teuflisches Grinsen
huschte über sein Gesicht. „Vergiss es, D’arjo“, hauchte er, fing auch ihre
zweite Hand und fixierte sie über ihrem Kopf. „Du kommst, wenn ich es will.“ Sie
knurrte auf und er küsste sie wieder. „Muss ich die Hände festbinden oder lässt
du sie dort?“
„Was?“, schaffte sie zu sagen. Das konnte er nicht tun, oder? Sein Lächeln
verlor sich nicht, als er ihre Handgelenke losließ und Ailia fragte sich
wirklich, warum sie tat, was er wollte. Ihre Augen schlossen sich, als seine
Lippen wieder über ihren Hals strichen und abwärts wanderten. Sie würde sterben,
wenn er nicht gleich etwas tat! Dann berührten seine Finger sie zwischen den
Beinen und sie schrie erschrocken und gleichzeitig erleichtert auf. Ihr war
jetzt völlig egal, was er dachte. Sie presste sich in seine Berührungen, rieb
sich an seinem Finger, der sie nur neckte und verzweifelte fast. „Verdammt“,
stieß sie hervor. „Verdammt…Terraner…“
Seine Hände spreizten ihre Beine. Und dann fuhr seine Zunge über den harten
Knoten zwischen ihren Beinen und sie schrie wieder auf. Trevor begeisterten ihre
Reaktionen mehr als alles andere.
Sie lebte aus, was sie fühlte und im Moment war ihr egal, dass er ein Mensch
war. Das war es, was sie gesagt hatte. Und er fühlte sich als der Sieger, der
den Verlierer dazu brachte, sich selbst in Ekstase zu vergessen. Sie gab sich
ihm hin, weil es das war, was sie in einem abgeschlossenen Kampf erwartete: dass
er ihr die Befriedigung verschaffte, die sie brauchte. Die Macht, die ein Sieger
spüren konnte, rauschte durch seinen Körper. Seine Lippen schlossen sich um den
pochenden Knoten, saugten ihn in seinen Mund und sie fauchte auf, als Schauer
ihren Körper schüttelten und er die Kontraktionen in seinem Gesicht spürte.
Oh ja, kleine D’arjo, dachte er wild, als er ihren Körper aufwärts kroch
bis seine pochende Erektion vor ihrem Eingang verharrte. Sie öffnete ihre Augen,
sah noch völlig weggetreten aus und ein kleines Lächeln umspielte ihre Lippen.
Trevor küsste sie wieder, stieß seine Zunge zwischen die spitzen Reißzähne und
vergrub sich in ihr. Sie fauchte auf, diesmal in seinen Mund und ihre Hände
schlossen sich um seinen Hals. Er fühlte die Krallen, wahrscheinlich geschah es
im Zustand der Erregung, doch jeglicher Gedanke, dass sie ihn verletzten könnte,
war vergessen. Als er sich zu bewegen begann, schlangen sich ihre Beine um seine
Hüften und sie begegnete seinen Stößen mit einer Wildheit, die ihm die
Beherrschung raubte. Er wollte es länger hinaus zögern, wollte einfach eine
Weile das Gefühl genießen, immer wieder in ihrer heißen Hitze zu verschwinden.
Ihre Bewegungen unter ihm machten all das zunichte. Sie knurrte, wild, und
plötzlich spürte er ihre Zähne an seinem Hals. Mit einer schnellen Bewegung
griff er in ihre Haare, drehte ihren Kopf zu Seite und grub, einer Eingebung
folgend, seine stumpfen Zähne in ihren Hals.
Ailias Krallen senkten sich in seine Haut, als übergangslos die Lichter in ihrem
Kopf angingen und ein Orgasmus von derartiger Macht sie überrollte, wie sie ihn
lange nicht gespürte hatte. Schwärze tanzte vor ihren Augen und sie klammerte
sich zitternd und bebend an den Terraner, der noch ein paar Mal in sie stieß,
dann seinen Samen in sie abgab und mit einem Stöhnen auf ihr zusammenbrach.
Trevor war der Erste, der den Kopf wieder hob. Seine Hände umfingen ihren Kopf,
krallten sich in ihre Haare und er stieß hervor: „Du wirst keinen meiner Männer
bekommen! Und du wirst aufhören zu versuchen, sie zu verführen!“
Ailia schnurrte wieder. Ihr Kopf hob sich, soweit es sein Griff zuließ, und sie
fuhr sanft mit ihrer Zunge über seine Lippen. „Kein Problem. Wenn *du* für die
Befriedigung meiner Bedürfnisse sorgst…“
Er fluchte leise, rollte zur Seite und blieb auf dem Rücken liegen. Noch immer
schwer atmend fuhr er sich durch die schweißnassen Haare und überlegte, ob er
jetzt komplett wahnsinnig geworden war. Er fühlte ihren Blick, weil sie sich zu
ihm gedreht hatte, weigerte sich aber, darauf zu reagieren.
Ailia Körper bebte noch immer von den Nachwirkungen des Orgasmus’ und sie
verspürte wenig Lust, jetzt mit irgendeiner seiner grundsätzlichen Diskussionen
umzugehen. Und sie wollte schon gleich gar nicht, dass er anfing nachzudenken
und vielleicht zu der Erkenntnis kam, dass er einen Riesenfehler gemacht hatte.
Langsam beugte sie sich zu ihm und berührte mit den Lippen seine Schulter. Sie
sah das Blut, das von den Verletzungen ihrer Krallen herrührte, aber ihn schien
das im Moment nicht zu stören. Oder er hatte es nicht registrierte. Fast
zärtlich leckte sie über die Verletzungen, fühlte sein Zittern und schnurrte
wieder.
Als ihre Lippen über seine Brust strichen, griff seine Hand um ihren Nacken.
„Hör auf…verflucht“, murmelte er leise und klang nicht so, als würde er ernst
meinen, was er sagte.
Sie hörte nicht auf. Ihre Zähne schabten über seine Haut. Er fühlte ihre Zunge,
die seine Brustwarzen umfuhr, hörte ihr Schnurren und seine Finger verfingen
sich in ihren dichten dunklen Haaren. Obwohl er glaubte, sich grenzenlos
befriedigt zu fühlen, weckten ihre zarten Berührungen erneut einen Funken in
ihm. Es war nicht so, dass er die Beherrschung verlieren würde, zumindest nicht
in der nächsten Zeit, aber sie wusste genau, was sie tun musste, um ihr Ziel zu
erreichen.
Der Gedanke daran, wie viele Männer unter ihren Händen zu Wachs geworden waren,
war es, der einen Teil seines Stolzes weckte. Mit ihm würde sie das nicht tun.
Egal, wie toll der Sex mit ihr war. Sie war und blieb nicht anderes als eine
Gefangene. Und wenn er sich schon dazu hinreißen ließ, ihr Sex zu geben, dann
sollte sie wenigstens begreifen, dass sie im Moment in der Position des
Verlierers war.
Seine Hand schob ihren Kopf an seinem Körper abwärts. Es war ein wortloser
Befehl und Ailia hob kurz den Kopf, um dem Ausdruck seiner Augen zu begegnen.
Ein Teil der Härte war wieder da, neben dem Verlangen, und wieder rieselte ein
eigenartiger Schauer über die nackte Haut ihres Rückens. Ohne ihn aus den Augen
zu lassen, senkte sie den Kopf und fuhr mit der Zunge über seinen halbsteifen
Penis.
Er erwiderte ihren Blick, beobachtete, wie sie sich über ihn beugte und mit der
Zunge erkundete. Das erste Mal hatte sie sich nicht soviel Zeit gelassen und
diesmal hatte er umso mehr das Gefühl, dass ihr wirklich gefiel, was sie tat.
Die dunklen Haare fielen in ihr Gesicht und er hob seine zweite Hand um sie
wieder hinter ihr Ohr zu streichen. Er wollte ihr Gesicht sehen, ihre Augen, die
sich fast genießerisch halb schlossen und ihre Lippen, die sich über seinen sich
schlagartig versteifenden Schaft stülpten. Ihre Finger umfingen seinen Penis,
streichelten ihn sanft, während ihre Lippen an ihm auf und ab glitten. Dann ließ
sie ihn wieder los und er hätte am liebsten gestöhnt. Ihre Zunge fuhr an der
Unterseite entlang, hinab zu den prall gefüllten Hoden, umzirkelte diese und er
krallte seine Hand in ihre Haare.
„In den Mund“, stieß er hervor und hörte sie leise knurren. Das Knurren klang
nicht gefährlich, eher erregt und es putschte seine Erregung unwahrscheinlich in
die Höhe.
Fast gewaltsam hob er ihren Kopf an und positionierte ihren Mund über der Spitze
seines Penis. Er würde sterben, wenn sie es nicht tat. „Ich will deinen Mund,
D’arjo!“
Sein Kopf flog zurück, als sie ihn in ihren Mund saugte. Sie spürte seine
Zuckungen, spürte ihn noch größer werden und hätte am liebsten gemaunzt, weil
sich der Druck zwischen ihren Beinen schlagartig verstärkte. Automatisch fuhr
ihre Hand zwischen ihre eigenen Beine.
„Hör auf damit!“ Sie erstarrte, wahrscheinlich zum ersten Mal in ihrem Leben.
Seine freie Hand klopfte auf seinen Bauch. „Her mit der Hand.“
Oh nein! Ailia wollte sich aufrichten, doch seine Hand in ihren Haaren fixierte
ihren Kopf und er stieß sich selbst tief in ihren Mund. Fauchend fassten ihre
Lippen fester zu. Es ließ ihn aufstöhnen, doch es ließ ihn nicht die
Beherrschung verlieren.
„Gib mir deine Hand, D’arjo“, sagte er leise und sie schloss die Augen. Er
strich fast sanft über ihre Haare. „Sieh mich an, D’arjo und gib mir endlich
deine Hand. Ich werde nicht zulassen, dass du dich selbst befriedigst, während
du mich im Mund hast. Wenn, dann will ich zusehen.“
Sie fauchte leise, soweit es ihr gefüllter Mund zuließ, und Schauer schüttelten
ihren Körper. Er wollte zusehen? Ihre Augen öffneten sich wieder, begegneten
seinem Blick und langsam hob sie ihre Hand zu seiner. Seine Finger schlossen
sich um ihre und einen kurzen Moment fühlte sie sich hilflos, weil ihr Körper
sich so nach Erlösung sehnte und sie sie erst ihm geben musste.
„Komm schon, D’arjo“, flüsterte er heiser. „Du bist fantastisch mit dem Mund.
Mach weiter.“
Diesmal war es sein Körper, der sich aufbäumte, als sie ihn wieder knurrend in
ihren Mund saugte, hart und ein wenig zornig, weil er ihr das antat. Er stöhnte
auf, als er ihre Zähne spürte und ihr Knurren auf der samtenen Haut seines Penis
vibrierte. Darin war sie wirklich klasse. Er konnte gar nicht genug davon
bekommen, ihre Lippen zu beobachten, doch sein Körper war weniger geduldig als
sein Verstand. Und sie wusste, wie sie ihn am schnellsten dahin bringen konnte,
wohin sie ihn wollte. Seine Finger umkrampften ihre Haare, als sich seine Hüften
aufbäumten, er sich in ihren Mund stieß und mit einem Aufstöhnen sein Sperma
zwischen ihre Lippen spritzte. Er hielt ihren Kopf fest, sah wie sie schluckte
und dabei knurrte und fühlte sich himmlisch. Ja, D’arjo, dachte er wild,
erinnere dich daran, wenn du daheim bist und vielleicht das gleiche mit einem
D’arjo machst.
Ailia *ging* durch den Kopf, dass Leon sich sicherlich ähnlich gefühlt hatte,
wenn sie ihn gezwungen hatte, erst sie zu befriedigen, obwohl sie seiner
steinharten Erektion ansah, dass er sich lieber in ihr vergraben hätte. Aber
Leon konnte darauf hoffen, dass sie sich gleich darauf mit ihm beschäftigte und
dass sein Warten nur eine süße Qual war. Was der Terraner vorhatte, war ihr
nicht klar. Im Moment erst einmal war sie froh, dass er endlich ihre Haare
losließ und sie hob den Kopf.
Trevor beobachtete faszinierte, wie sie mit der Zunge über ihre Lippen fuhr, die
Reste seines Spermas ableckte und ihn dabei recht wütend anfunkelte. Ihm war nie
bewusst gewesen wie erotisch es war, zu wissen, dass es ein Teil von ihm war,
den sie schmeckte. Übergangslos bäumte er sich auf, warf sie auf den Rücken und
presste seine Lippen auf ihren Mund. Seine Zunge stieß zwischen ihre Zähne, er
schmeckte sich selbst und das jagte ein Hochgefühl durch seinen Körper, das ihm
selbst völlig fremd war.
Ailia schnappte nach Luft, als er seinen Kopf von ihr los riss.
„Jetzt darfst du es, D’arjo. Berühr dich“, flüsterte er gegen ihre Lippen und
kroch dann ihren Körper abwärts.
Er wollte tatsächlich zusehen. Ihre Haare richteten sich auf. Sie wusste, wie
erregend allein das Zusehen sein konnte und dieser Gedanke schickte einen neuen
Schwall von Feuchtigkeit zwischen ihre Beine.
„Ich will dich sehen“, fuhr er fort und küsste sie auf den Bauch. „Alles. Spreiz
die Beine und zeig es mir.“
Ihr Kopf flog zurück, als seine Lippen die Innenseite ihrer Schenkel berührten.
Ihre Hand wanderte ihren Bauch abwärts und sie tat, was er und ihr Körper genau
so verlangte. Ihre Beine spreizten sich, sie hörte ihn tief einatmen, als ihre
Finger zwischen ihren Beinen ankamen und seufzte leise, als sie sich selbst
einen Teil des Drucks nahm.
Trevors Körper spannte sich. Das war etwas, was er noch nie getan oder von
irgendeiner Frau verlangt hatte. Eigentlich hatte er noch nie etwas verlangt,
nicht in der Art wie er es jetzt gegenüber der D’arjo tat. Aber durch seine
Adern jagte ein Feuer und ein Verlangen, wie er es noch nie erlebt hatte. Zu
sehen, wie sie sich selbst berührte und ihr Körper sich unter ihren eigenen
Berührungen wand, war fast zuviel. Er benötigte seine gesamte
Selbstbeherrschung, um nicht ihre Hand zu Seite zu stoßen und sein Gesicht in
ihr zu vergraben. Er wollte sie schmecken, genau so wie sie ihn und er wollte
sie noch einmal richtig vögeln, wollte ihr Knurren hören und die leisen Laute
der Ekstase, die ihren Mund verließen, wenn sie kam.
Es dauerte nicht lange, sie befand sich auf einem Level, auf dem es nur weniger
Berührungen bedurfte. Ihr Körper zog sich in der Erwartung der Erlösung
zusammen, ihr Kopf flog zurück und genau in diesem Augenblick riss er ihre Hand
zur Seite.
„Oh nein!“, schrie sie auf und hätte am liebsten geweint. „Du verfluchter
Dreckskerl! Das kannst du nicht machen!“
Seine Zunge leckte sanft über den pochenden Knoten zwischen ihren Beinen,
während seine Hände ihre Handgelenke umfingen. Die zarte Berührung reichte
nicht, um sie über die Kante zu stoßen, sondern loderte das Feuer nur noch mehr
an. „Bitte mich drum“, hauchte er gegen ihre Haut.
„Nein, verdammt…werde ich…nicht…“, jammerte Ailia und bäumte sich auf, als seine
Zunge sie wieder berührte.
„Bitte mich darum und du bekommst, was du willst“, sagte er wieder, ohne sie
loszulassen.
Ailia zerrte an ihren Handgelenken, doch sein fester Griff war nicht zu lösen.
Er lag zwischen ihren Beinen, sie konnte sie nicht einmal schließen und sich
selbst etwas Erleichterung verschaffen. Trotzdem schüttelte sie wild den Kopf.
„Nein…nein…ich…oh Gott!“
Seine Zunge erkundete jeden Teil von ihr, sparte jetzt jedoch den einen Punkt
aus, der nach ihm schrie. Ailia fing an zu zappeln, nach ihm zu treten, doch er
stützte seine Ellenbogen auf ihre Oberschenkel und pinnte sie mit seinem Gesicht
fest.
„Ich bringe dich um! Du verfluchter Terraner! Verdammt…nein…“ Ihr Kopf flog
wieder zurück, als Schauer ihren Körper schüttelten und es trotzdem nicht
reichte, um den Druck in ihrem Körper zu lösen.
Trevor hob den Kopf. „Wie lange hältst du durch?“
Keine Sekunde mehr! „Verflucht“, murmelte sie und schrie auf, als er den
Kopf wieder senkte, nur um mit den Lippen die Innenseite ihrer Schenkel zu
berührten. Sie hob die Hüften, versuchte es zumindest, doch er presste sie
lachend wieder zurück. „Ich halte das nicht mehr aus“, jammerte sie wieder. „Oh
Gott, ich sterbe… tue endlich was!“
„Bitte drum, D’arjo“, befahl er sanft und strich wieder leicht mit der Zunge
über ihre geschwollene Klitoris.
Sie maunzte kläglich auf, fast verzweifelt und riss den Kopf hoch. Das Feuer in
ihren gelben Augen raubte ihm den Atem. „Bitte“, stieß sie hervor. „Bitte...“
Seine Lippen und Zähne umschlossen den pochenden Knoten, saugten ihn in seinen
Mund und ein Orgasmus von solcher Wucht schüttelte Ailia, dass sich ihr Körper
schreiend aufbäumte und es schwarz vor ihren Augen wurde. Ausgehend von ihrem
Unterleib jagten die Schauer in ihren Leib, ihre Beine hinab und sie vergaß
zitternd alles um sich herum, als sich ihre Hände zu Fäusten ballten und die
Krallen ausfuhren.
Trevor konnte nicht anders. Er schlang seine Arme um sie und hielt sie fest, bis
die Schauer abklangen und ihr Körper erschlaffte. Er hatte noch nie eine Frau
derart ekstatisch reagieren sehen und fragte sich einen Moment erschrocken, ob
man tatsächlich daran sterben konnte. Ailia atmete, wenn auch keuchend, aber sie
hatte die Augen geschlossen und sah nicht aus, als würde sie irgendetwas um sich
herum bemerken. Vorsichtig strich er ihr die schweißnassen Haare aus dem
Gesicht.
„Bist du okay, D’arjo?“
„Nein, verflucht“, brachte sie heraus, ohne die Augen zu öffnen.
Er lachte leise und das veranlasste sie, die Augen zu öffnen. „Ich versteh
jetzt, was du über das Gefühl des Siegers sagtest.“
„Schön“, knurrte sie.
Er hob seine Hand und seine Finger fuhren die Linie ihres Kinns entlang, ihren
Hals und zwischen ihren Brüsten hinab. „Mir gefällt das Gefühl.“
Ailia stieß ihn wutentbrannt von sich.
Er lachte wieder, richtete sich jedoch auf und sah sich nach seinen Sachen um.
Er wollte seinen Erfolg nicht überstrapazieren und da er annahm, dass dieser
Orgasmus sie so verausgabt hatte, dass es eine Weile dauern würde, um sie wieder
auf das gleiche Level zu bringen, sagte er sich, dass es für heute reichte.
Er erschrak ein wenig, als er für heute dachte. Das Letzte, was er
wollte, war, eine D’arjo in seinem Bett. Aber genau so reizte es ihn. Ihr
Widerstand. Das Wissen um ihre Vergangenheit und wie sehr es ihren Stolz
verletzen musste, jetzt wie ein Saraan behandelt zu werden. Vielleicht war es
auch genau das: Weil er wusste, wie sie mit den d’arjotischen Männern spielte.
Er zog sich an, ohne sie aus den Augen zu lassen und irgendwie freute ihn der
Stolz, mit dem sie seinen Blick erwiderte. Er ahnte, dass irgendwo in ihrem
süßen Kopf der Gedanke kreiste, den Spieß umzudrehen und dass es das war, was
sie vorhatte mit dem Sex zu erreichen.
Nachdem er den letzten Knopf seines Hemdes geschlossen hatte, beugte er sich
noch einmal zu ihr, küsste sie kurz auf den Mund und sagte leise:
„Du gibst eine gute Saraana ab.“ Ihre Haare richteten sich auf und er setzte
lächelnd hinzu. „Lucie.“
Ailia rührte sich nicht bis sich die Tür hinter ihm geschlossen hatte. Erst dann
sank sie auf das Bett zurück und schloss stöhnend die Augen.
Er kreuzte zwei Tage lang nicht auf und Ailia
kochte vor Wut. Sie schaffte es am Nachmittag des zweiten Tages kaum noch,
freundlich zu Tara zu sein, die einfach vorbei kam, um ein wenig zu Plaudern –
zumindest das zu tun, was Psychologen Plaudern nannten.
Dabei war es weniger die Erinnerung daran, was er getan oder wozu er sie
gebracht hatte. Das war etwas, mit dem sie umgehen konnte. Weil sie sich an ihre
Spielchen mit Leon erinnerte und ein kleiner Machtkampf einfach dazu gehörte. Er
hatte gewonnen, diesmal, und das war etwas, womit sie leben konnte. Nicht leben
konnte sie mit seiner jetzigen Nichtbeachtung. Weil das die Grenzen des Spiels
verletzte.
Sie befriedigte sich selbst, so oft wie noch nie in ihrem Leben und verfluchte
jedes Mal den Terraner aufs Neue.
Trevor dagegen kämpfte mit dem Drang, sie gleich am nächsten Morgen erneut zu
besuchen. Es erschreckte ihn, dass er diesen Drang verspürte und noch dazu in
einer Stärke, dass er ihn kaum kontrollieren konnte. Gewaltsam versuchte er,
sich abzulenken, was leider nicht allzu erfolgreich möglich war, da sie sich
einfach nur durchs All bewegten. Er hörte sich Taras Berichte an, wenn sie von
der D’arjo kam und zu hören, dass Ailia mit jedem Tag aggressiver wurde, ließ
den Drang noch stärker werden.
Am dritten Tag kommandierte er die Wache vor ihrem Zimmer ab und ließ den
Bordcomputer die Tür überwachen. Es sollte sofort ein Alarm ausgelöst werden,
falls sie es schaffte, den Türcode zu knacken. Dass sie über gewisse
Hackkenntnisse verfügte, hatten einige ihrer Versuche gezeigt, ins Bordnetz zu
gelangen, die jedoch schnell entdeckt und verhindert werden konnten.
Der Abzug der Wache war reiner Egoismus seinerseits. Er wollte nicht, dass einer
seiner Männer verfolgen konnte, wann er das Zimmer der D’arjo betrat und wieder
verließ.
Am Abend des dritten Tages beschloss er für sich, dass sie genug Zeit hatte,
ihren Zorn auf ihn zu unterdrücken und sicherlich schon wieder recht scharf
darauf war, ihre Machtspielchen an ihm auszutesten. Allein der Gedanke löste
eine leichte Erregung in ihm aus und er schüttelte unwillig den Kopf, als er
durch die Tür in ihr Zimmer trat.
Ailia lag auf dem Bett, bekleidet nur in einem Shirt und Slip und las in einem
Buch. Ihr Kopf fuhr hoch, als die Tür aufging, und ihre Haare richteten sich
auf, als sie den Captain erkannte. Das Buch flog zur Seite, als er mit
ausdruckslosem Gesicht näher kam und sie seine Augen fühlte, die ihre nackten
Beine hinabwanderten.
Trevor hatte mit einigem gerechnet, mit ihrer Wut, mit einer Schimpftirade, aber
nicht damit, dass sich eine verrückte D’arjo fast auf ihn hechtete, in Richtung
Bett stieß und im nächsten Moment auf seinen Hüften saß. Er musste sie recht
fassungslos angesehen haben, denn sie schnurrte leise, beugte sich zu ihm
hinunter und fuhr mit der Zunge über seine Lippen.
„Wenn du willst“, stieß sie hervor und klang eindeutig zornig, „dass ich deine
Saraana spiele, dann benimm dich gefälligst wie ein Dorem!“ Ihre Finger begannen
das Hemd seiner Uniform zu öffnen.
„Was?“, fragte er nicht sehr intelligent und fing erst einmal ihre Hand.
Ailia knurrte auf. „Du hast dich um mich zu kümmern! Um meine Bedürfnisse! Du
hast nicht das Recht, mich drei Tage zu ignorieren! Hätte ich Leon nur eine
Nacht ignoriert, wäre er durchgedreht und hätte die nächstbeste Person flach
gelegt, die ihm über den Weg gelaufen wäre! Ich bin eine Frau, das bedeutet aber
nicht, dass ich darauf verzichten will! Gib die Verantwortung ab, wenn du nicht
in der Lage bist, zu halten, was du beanspruchst!“
„Ich nahm an, du brauchst ein wenig Zeit, deinen Zorn zu verarbeiten“, sagte er
leise, während ihm durch den Kopf ging, dass er noch einiges über diese
eigenartigen Beziehungen lernen musste.
„Drei Tage?!“, fauchte sie auf und zerrte an ihren Händen. „Allein lässt sich
Zorn überhaupt nicht verarbeiten. Er wird höchstens noch größer! Lass meine
Hände los oder zieh dich selbst aus, aber tu es endlich!“
Er lachte auf. „D’arjo, du gibst hier gar keine Befehle“, murmelte er amüsiert.
„Und merk dir eins: Du bist immer die Erste, die ihre Sachen loswird. Klar?“
Schlagartig verschwand der Zorn in ihren Augen und das Gelb wurde etwas dunkler,
als die Erregung durch ihren Körper fuhr. Sie schnurrte wieder leise, senkte den
Kopf und leckte über seinen Hals. „Wenn ich weiß, wann du kommst, werde ich gar
nichts anhaben. So verschwenden wir keine Zeit…“ Sie biss ihn sanft, rieb sich
selbst an der größer werdenden Beule in seiner Hose und schnurrte wieder.
Trevor war einfach nur hingerissen. Er ließ ihre Hände gehen und sie zog ohne zu
zögern ihr Shirt über den Kopf. Das war auch etwas, was ihn faszinierte: wie sie
völlig selbstverständlich mit ihrem Körper und ihrem Verlangen umging. Sein Kopf
hob sich und sie fauchte auf, als seine Lippen ihre rechte Brust berührten und
die harte Spitzte umschlossen. Gleichzeitig schlangen sich seine Arme um sie und
er setzte sich auf, so dass sie auf seinem Schoß zum Sitzen kam. Ihre Finger
nestelten schon wieder an seinen Knöpfen und er musste fast lachen, als er ihre
Ungeduld spürte. Trotzdem schlug er ihre Hand zur Seite. „Du bist noch nicht
fertig, Lucie.“
Ailia knurrte wieder und sprang genervt auf. Das Feuer in seinen Augen ließ
ihren Atem kurz stocken. Hatte sie Leon genau so verrückt gemacht? Was hatte
Leon getan, um es zu beschleunigen? Langsam hob sie ihre Finger zu dem dünnen
Slip, schob sie in den Bund und ließ ihn genau so langsam ihre Beine
hinabwandern.
Er atmete tief ein.
Sehr schön, dachte sie befriedigt. Dann ging sie wieder auf ihn zu. Er
saß noch immer auf der Bettkante und ehe er sich etwas anderes überlegen konnte,
sank sie vor ihm auf die Knie und drängte zwischen seine Beine.
Trevor schlang seinen Arm um ihren Hals und küsste sie. Er konnte nicht anders,
nicht, wenn sie ihm ihr Verlangen so offensichtlich zeigte. Diesmal ließ er sie
gewähren, als ihre Finger wieder zu den Knöpfen seines Hemdes griffen. Ihre
Lippen verließen seinen Mund, wanderten seinen Hals und seine Brust abwärts und
trafen auf die Haut, die jeder geöffnete Knopf freigab. Sie war wirklich
fantastisch in ihrer drängenden Ungeduld.
„Wir könnten es jetzt ganz schnell machen“, murmelte sie und klang fast bittend.
„Und danach ganz langsam, ja?“
Trevor hatte arge Schwierigkeiten zu denken, wenn ihre Zunge seine bloße Haut
berührte. Sie war bei seiner Hose angelangt, öffnete flink die Knöpfe und er
stöhnte unterdrückt auf, als ihre Lippen sich kurz um seine wieder einmal
steinharte Erektion schlossen.
„Du willst es auch“, schnurrte sie und leckte über die empfindliche Spitze,
während ihre Hände seine Hose zu Boden streiften.
Sie war wirklich Wahnsinn mit ihrer Zunge und die Art und Weise, wie sie es tat,
so völlig selbstverständlich sagte ihm, dass es ihr unwahrscheinlichen Spaß
machte, ihn zu berühren.
„Ja?“ Bittend sah sie hoch in sein Gesicht. Er beugte sich wieder zu ihr,
presste seine Lippen auf ihren Mund und drängte mit der Zunge zwischen ihre
Zähne. Sie erwiderte den Kuss genau so hungrig.
Seine Hände umfingen ihren Kopf und er sagte leise. „Du weißt doch, wie du mich
dazu überreden kannst, oder?“
Sie stockte kurz und ihr Mund öffnete sich halb, als sie tief Luft holte. Dann
huschte ein Lächeln über ihre Lippen und sie schnurrte wieder. Ihre Lippen
strichen über seinen Hals und er spürte die Zähne, als sie ihn sanft biss.
„Bitte“, flüsterte sie gegen seine Haut und wanderte mit den Lippen zu seiner
Brust. „Bitte, nimm den verfluchten Druck von mir…“
Er hatte Mühe, sein Erstaunen zu verbergen, weil er nicht damit gerechnet hatte,
dass sie sofort darauf einging. Nach ihren Erläuterungen zu den Beziehungen
zwischen D’arjos hatte er angenommen, dass der Mann – meistens – den
untergeordneten Part spielte, während die Frau ihn mehr oder weniger
unterdrückte und benutzte.
Jetzt kamen ihm Zweifel daran, als er sah, wie schnell Ailia in die Rolle der
untergeordneten Person schlüpfen konnte. Er war sich sicher, dass er dazu nicht
in der Lage gewesen wäre. Auch wenn sie im Moment nicht die dominierende Rolle
spielte, machte ihr die ganze Sache ungeheuren Spaß und er wusste plötzlich,
dass es ihrem Leon den gleichen Spaß gemacht hatte. Es ging hier nicht darum,
den anderen zu unterdrücken oder zu demütigen. Es ging darum, ihn die
Beherrschung verlieren zu lassen und einer von beiden bestimmte, wann es soweit
war.
„Bitte“, hauchte sie. Ihre Lippen schlossen sich schon wieder um seinen Penis
und obwohl er es nicht vorgehabt hatte, sondern wollte, dass sie noch ein
Weilchen zappelte, schaffte er es nicht, ihr jetzt so süßes drängendes Verhalten
zu ignorieren.
„Aufs Bett“, befahl er und sie sprang fast auf das Bett. Er musste lachen, als
sie ihn ungeduldig an sich zog. Sie war wirklich die leidenschaftlichste Person,
die er kannte.
Ailia schlang die Arme um seinen Hals und die Beine um seine Hüften. Er
verharrte wieder und sie maunzte auf. „Ja, bitte, Trevor. Ich verspreche dir,
danach die ganz langsame Variante und alles, was du sonst noch willst, aber ich
brauche dich jetzt in mir. Bitte…“
Er stieß in sie und ihr Kopf flog zurück, als die Leidenschaft sie übermannte.
Sie war so feucht, dass er einen Moment um seine Beherrschung kämpfte. Dabei
hatte er sie nicht einmal berührt, sondern ihr eigenes Verhalten und dass sie
ihn berührt hatte, verursachte eine Nässe zwischen ihren Beinen, durch die er
hindurch glitt wie durch Öl. Ihr Knurren raubte ihm den Verstand. Wieder spürte
er die Krallen in seinem Rücken, ihre ekstatischen Bewegungen und er gab die
Kontrolle auf. Sie hatte um die schnelle harte Version gebeten. Es sollte
reichen, dass sie das getan hatte, ja dass man es fast als Betteln bezeichnen
konnte und deshalb erfüllte er ihr den Wunsch.
Sie fauchte, als sich seine Bewegungen beschleunigen und er sie jedes Mal hart
gegen die Matratze presste. Doch sie antwortete genau so hart. Ihre Hüften
stießen aufeinander, Schweiß bedeckte ihren Körper und ihre Gesichter und nur
ihr gemeinsames Keuchen erfüllte den Raum. Sie kam übergangslos, selbst diesmal
ohne eine Stimulation seinerseits und zu fühlen, wie ihre inneren Muskeln ihn
umkrampften, ihn fast molken, reichte, um ihn völlig die Beherrschung verlieren
zu lassen. Wie ein Wilder stieß er noch ein paar Mal in sie, ehe er mit einem
Aufstöhnen in ihr kam und auf ihr erschlaffte.
Es dauerte eine Weile, ehe er den Kopf hob, in ihr seliges Grinsen blickte und
mit einem Auflachen von ihr rollte. Ailia schmiegte sich schnurrend an seine
Seite und er schlang seinen Arm um sie.
„Denk nur nicht, dass du immer bekommst, was du willst“, murmelte er und küsste
sie auf die Stirn.
Ailia grinste, während ihr durch den Kopf ging, dass sie ihn durch ihr Verhalten
trotz ihrer Position ganz schön manipulieren konnte und dass sie nie darüber
nachgedacht hatte, wenn Leon genau dasselbe tat. Ihr fiel sogar im Nachhinein
ein, dass er immer erreicht hatte, was er wollte, vor allem, wenn er seinen
hübschen Körper und seine fantastische Zunge eingesetzt hatte…
Sie sollte im Nachhinein böse auf ihn sein, aber im Moment konnte sie darüber
nur grinsen. Leons Wünsche hatten sich sowieso hauptsächlich auf irgendwelche
Dinge im Zusammenhang mit Sex beschränkt, er hatte nie Interesse für Sachen
gezeigt, mit denen Ailia sich außerhalb des Schlafzimmers beschäftigen musste
und die ihre Position mitbrachten. Sie hatte nie darüber nachgedacht, weil das
typisch für Männer war. Als sie jetzt jedoch neben dem Terraner lag, und
eigentlich Leons Rolle spielte, verspürte sie trotzdem die Neugier, den Menschen
auszufragen. Eigentlich interessierte sie alles. Was er tat. Womit er Geld
verdiente. Wo er lebte…
Sie hob ihre Hand und strich über seine Brust. Er hatte einen fantastischen
Körper, wie ein Kunstwerk und sie könnte Stunden damit verbringen, ihn zu
berühren.
„Ich denke, du hast mir einiges verschwiegen“, sagte er plötzlich. „Als du mir
die Beziehungen zwischen D’arjos erklärt hast.“
„Hab ich?“ Ailia hob fragend den Kopf und legte ihr Kinn auf seine Brust.
„Nun, ich weiß nicht, ob dein Verhalten jetzt richtig ist, aber ich finde, du
spielst die Rolle fantastisch. Für jemanden, der eigentlich die dominierende
Position gewöhnt ist.“ Sie schnurrte wieder und er strich nachdenklich mit den
Fingern über ihre Wange. „Warum dann die Degradierung des männlichen D’arjos zu
einem reinen Lustobjekt?“
„D’arjos sind glücklich in dieser Rolle. Sie verspüren nicht den Drang,
Entscheidungen fällen zu wollen oder Dinge voranzutreiben. Unsere Wirtschaft
wäre am Boden, wenn wir es den Männern überließen, in wichtigen Positionen zu
arbeiten. Sie besitzen kein Pflichtgefühl und keine Geduld.“ Sie lächelte
schwach. „Zumindest wenn es nicht um Sex geht. Und sie lassen sich leicht
ablenken. Sie sind unzuverlässig.“
„Das klingt alles recht … ähm… entsetzlich.“
„Dafür sind sie fantastisch im Bett“, erklärte sie lächelnd. „Sie schaffen es,
uns den Stress und die Hektik des Alltags vergessen zu lassen. Sie bringen uns
dazu, neue Kräfte zu sammeln und erhalten im Gegenzug die Geborgenheit einer
Heimat. Sie sind nicht gezwungen, sich um ihre Zukunft Gedanken zu machen. Wir
sorgen für sie. Und wir sind für sie verantwortlich. Weil wir sie genau so
brauchen wie sie uns.“
„Es ist schwer zu verstehen“, sagte er nachdenklich. „Ich bin immer davon
ausgegangen, ihr würdet sie unterdrücken.“
„Nun…“ Sie grinste. „In gewissen Grenzen kann eine Unterdrückung, sexuell, recht
erotisch sein. Leon hat es immer ziemlich angemacht.“
Trevor hob die Augenbrauen. „Dich macht es auch ziemlich an.“
Ailia richtete sich auf und beugte sich über ihn. „Wollen wir wetten, dass es
dir genau so gehen würde?“
Er sah die Herausforderung in ihrem Blick, aber er war weit davon entfernt, sie
anzunehmen. Er mochte auf sie reagieren, auf jede kleinste Bewegung, aber er war
nicht verrückt. Es war spitzenmäßiger Sex, aber er vergaß nie, dass sie eine
D’arjo war, die danach drängte, sich zu behaupten. Und wenn ihre Mutter gesagt
hatte: Nimm dich in acht. Er ist gefährlich. So wusste er doch im
gleichen Atemzug, dass das gleiche für sie zutraf. Sie stand ihm in
Gefährlichkeit in nichts nach.
„Vergiss es“, sagte er leise. „Vergiss es, Saraana.“
Jetzt knurrte sie leise und wieder einmal begeisterte es ihn, wie sie jede
einzelne Gefühlsregung auslebte. Als sie damals in seinem Büro mit dieser
ausdruckslosen kalten Miene vor ihm gestanden hatte, hätte er nie für möglich
gehalten, in welch leidenschaftliche Personen sich D’arjos verwandeln konnten.
„Du hast noch ein Versprechen einzulösen“, erinnerte er sie.
„Hm“, murmelte Ailia und rieb ihre Wange an seiner Schulter.
Trevor hob die Hand, umfing ihr Gesicht und fuhr mit dem Daumen über ihre
Lippen. Sie öffnete den Mund, saugte seinen Daumen hinein und beobachtete, wie
das Grau seiner Augen dunkler zu werden schien, als er ihre Lippen betrachtete.
Er fühlte die Spitzen ihrer Zähne und wunderte sich etwas, dass sie sie nicht
aggressiver einsetzte.
„Beißen sich D’arjos?“, fragte er überraschend und sie unterbrach ihre Tätigkeit
an seinem Daumen. „Beim Sex, meine ich.“
Sie zögerte mit der Antwort, vielleicht das erste Mal, seit er sie getroffen
hatte. „Ja“, sagte sie dann und presste ihre Lippen gegen die Innenfläche seiner
Hand, die noch immer ihr Gesicht umfing. „Die Dorema beißt ihren Saraan, um ihn
mit einem Zeichen zu versehen, das sagt, dass er ihr gehört.“
Trevor starrte sie einen Moment fassungslos und teilweise entsetzt an. „Er beißt
sie nicht?“
„Nein“, schnurrte sie und ihre Lippen wanderten seinen Arm hinauf. „Eine Dorema
gehört niemandem, nicht einmal ihrem Saraan…“
Er schlang seinen Arm um ihren Hals. „Jetzt gehörst du mir“, flüsterte er,
fühlte ihr Zittern und küsste sie hungrig. Irgendwie klang der Satz in seinen
Ohren fantastisch.
„Deine stumpfen Zähne taugen nicht zum Beißen“, hauchte sie gegen seine Lippen
und er lachte leise.
„Vielleicht muss ich mir etwas anderes einfallen lassen…“
Ailias Kopf fuhr hoch. „Was denn?“
„Ich weiß noch nicht“, murmelte er. Das war eine leise Unsicherheit in ihrem
Blick und er lächelte wieder, als er sie an sich zog. „Um jemanden sein Zeichen
zu geben, muss man ihm doch nicht die Zähne in den Hals schlagen, oder?“
„Ich will kein Zeichen tragen, dass mich als deinen Besitz ausweißt“,
protestierte sie schwach. „Wir haben eine Vereinbarung und spätestens, wenn ich
meinen Part erfüllt habe, trennen sich unsere Wege. Ich könnte nie auf Dauer die
Rolle einer Saraana spielen, weil ich mehr fordere als Sex. Dass ich auf dein
Angebot eingehe, bedeutet nur, dass ich…“
„Dass du etwas verzweifelt bist, weil du keinen Sex hast?“, fragte er spöttisch.
„Und dich deshalb sogar einem Terraner unterordnest?“
„Ich ordne mich nicht unter!“, zischte sie böse.
Er lachte, drehte sich blitzschnell und hielt sie unter seinem Körper gefangen.
„Meine kleine D’arjo ist etwas sexverrückt“, murmelte er. „Ich wette, wenn ich
dich wieder drei Tage warten lassen, springst du mich schon an der Tür an. Oder?
Also, meine Liebe, du willst, dass ich mich wie ein richtiger Dorem verhalte?
Dann benimm dich wie eine Saraana. Wie bestrafen Dorems ihre Saraana, wenn sie
über die Stränge schlägt?“
„Gar nicht!“, giftete sie.
„Was hast du mit Leon getan? Sexentzug?“
„Leon hat sich nie daneben benommen!“
Trevor lachte. „Nun, dann musst du noch eine Menge lernen.“ Er ließ sie los und
richtete sich auf. „Hast du schon gegessen?“
„Nein“, knurrte sie noch immer zornig und sah, wie er nach seiner Hose griff.
„Ich denke, wir stärken uns erst für die nächste Runde“, erklärte er, stand auf
und schlüpfte in seine engen Jeans. Ohne sie weiter zu beachten ging er zum
Bestellterminal für das Abendessen und tippte sein Menü ein.
Ailia sah ihm einen Moment mit schief gelegtem Kopf nach und beobachtete das
Spiel seiner Muskeln unter der nackten Haut seines Rückens. Er hatte, ähnlich
wie D’arjos, auf der Brust keine Körperbehaarung, etwas, was ihr sehr gefiel.
Die Hosen waren eng und betonten seinen schmalen festen Hintern. Ein Grinsen
huschte über ihre Lippen, als sie ebenfalls aufstand. Er war ein Bild von einem
Mann. Als sie nach ihrem Shirt griff, stoppte sie seine Stimme.
„Ich habe nicht gesagt, dass du dich anziehen darfst.“ Sie hob erstaunt den Kopf
und begegnete seinem amüsierten Grinsen. „Du gefällst mir nackt viel besser.“
Ailia schnurrte wieder, ging langsam auf ihn zu und schmiegte sich an seinen
Körper. Sein Arm schlang sich um ihre Taille, als er sie gegen sich presste.
„Du denkst, du kannst essen, während ich dich mit meinem Körper reize?“, fragte
sie provozierend.
Trevor küsste sie kurz. „Wenn ich mich in deinem Zimmer befinde, wirst du nur
tun, was ich erlaube.“
Sie biss ihn spielerisch in den Hals. „Also, so besitzergreifend war ich nie.“
„Wenn du dich anziehen willst, musst du mich fragen“, erklärte er grinsend.
„Vielleicht erlaube ich es ja.“
„Ich will mich nicht anziehen“, schnurrte sie, leckte über seinen Hals und
flüsterte. „Sicher, dass du essen willst?“
Lachend schob Trevor sie in Richtung Lieferschacht und gab ihr einen Klaps auf
den nackten Hintern. „*Ich* bin nicht so sexsüchtig wie du.“
Ailia sah erstaunt auf die Auswahl an Speisen, die inzwischen eingetroffen
waren. „Wer soll das alles essen? Was ist das überhaupt für Zeug?“
„Ich hatte keine Ahnung, was dir schmeckt. Deshalb habe ich eine größere Auswahl
bestellt.“
Gemeinsam räumten sie die Behälter auf den Tisch und Trevor öffnete die Flasche
Wein, die ebenfalls mitgeliefert wurde. Innerlich amüsierte er sich darüber, wie
natürlich sich Ailia bewegte und schon vergessen zu haben schien, dass sie
keinen Fetzen am Leib trug. Er bezweifelte, dass sich eine terranische Frau so
verhalten hätte. Und er hatte schon gleich gar nicht damit gerechnet, dass sie
nicht auf dem zweiten Sessel Platz nahm, sondern, ehe er reagieren konnte, auf
seinem Schoß saß.
„Was wird das, D’arjo?“, fragte er belustigt. „Ich wollte essen.“
„Kannst du doch“, entgegnete sie unschuldig, legte einen Arm um seinen Hals und
griff mit der Hand des anderen zu einem der gebratenen Filetstreifen. Sie saß
mit dem Hintern genau auf seinem Schoß und musste sich ein Grinsen verkneifen,
als sie spürte, wie es sich in seiner Hose regte. Provozierend rekelte sie sich
auf seinem Schoß ein wenig und fühlte seine Hand, die sich um ihre Hüfte legte.
„Sitz still. Wir essen jetzt“, schimpfte er leise.
Ailia biss ein Stück des Filets ab und schob ihm den Rest in den Mund. Sie
lehnte sich an ihn und allein, ihren nackten Körper zu spüren, schürte das Feuer
in seinem Körper aufs Neue. Er hatte ihr vorgeworfen, sexsüchtig zu sein, doch
wenn er jetzt die Reaktionen seines eigenen Körpers beobachtete, fragte er sich,
ob er nicht ähnlich verrückt war. So kannte er sich nicht, aber er war auch noch
nie einer Frau wie dieser D’arjo begegnet.
Fast vergnügt hockte sie jetzt auf seinem Schoß, fütterte ihn, während ihre
Lippen und ihre Zunge immer wieder auf seiner Brust oder seinem Hals unterwegs
waren und sie kaum still sitzen konnte, weil sie sicherlich die begeisterte
Reaktion in seiner Hose spürte.
Trevor wusste auch nicht, warum er sie gewähren ließ, er wusste nur, dass es
falsch war und es gefiel ihm trotzdem. Während sie damit beschäftigt war, immer
neue Häppchen in seinen Mund zu stopfen, strichen seine Hände über ihre Haut,
ihre Brüste und hinab zwischen ihre Beine. Ein leises erregtes Knurren drang aus
ihrer Kehle und sie spreizte die Beine etwas, damit er sie besser erreichen
konnte.
„Du bist ganz schön unbeherrscht, D’arjo“, murmelte er, als sein Finger in ihre
Nässe tauchte und sie maunzte auf. Plötzlich hatte sie vergessen, dass sie damit
beschäftigt war, ihn mit Essen zu versorgen. „Ich habe Hunger, D’arjo“,
erinnerte er sie und ihre Augen flogen wieder auf.
Ailia musste krampfhaft überlegen, was er gesagt hatte. Sein Finger steckte in
ihr, sein Daumen massierte sanft ihre pochende Klitoris und ihre Finger
zitterten verdächtigt, als sie nach einer dieser terranischen Weintrauben griff
und sie zu seinem Mund führte.
Trevor war hingerissen. Sie sah ganz schön weggetreten aus, die schönen gelben
Augen vor Verlangen verdunkelt, und er sah die spitzen Zähne in dem halb
geöffneten Mund funkeln. „Weiter“, befahl er leise.
Die Krallen an ihren Fingern traten hervor. Er fühlte sie an der Hand, die noch
immer um seinen Hals lag und ihr leises Stöhnen ließ ihn steinhart werden.
Eigentlich hatte er keinen Hunger mehr, doch er nahm die nächste Weintraube aus
ihren zitternden Fingern, während er seinen Finger in ihr bewegte. „Dreh dich
um“, hauchte er neben ihrem Ohr.
Ailia stöhnte auf, als er den Finger aus ihr zurückzog. Seine Hände drehten sie,
so dass sie mit dem Rücken an ihm lehnte. Er spreizte ihre Beine, öffnete sie
vollends seinem Zugriff und ihr Kopf sank zurück gegen seine Schulter.
„Lucie?“, murmelte er und presste seine Lippen gegen ihren Hals. „Du wirst schon
feucht, wenn du nur an Sex denkst, oder?“ Seine Finger streichelten sie,
strichen durch die Nässe und er spürte, wie ihr Körper aufzitterte. Sie wollte
ihre Beine schließen, doch seine freie Hand legte sich auf ihren Oberschenkel.
„Nein. Du wolltest mir die langsame Version geben, aber ich habe eine bessere
Idee. Ich gebe sie dir. Vielleicht lernst du dabei, dich etwas zu beherrschen…“
Beherrschen?! Ailia wollte sich aufbäumen, doch sein Arm schlang sich um
ihre Taille und hielt sie fest. „Nein“, flüsterte sie hilflos.
„Du bleibst jetzt schön sitzen, D’arjo. Mit gespreizten Beinen. Und ich habe
nicht gesagt, dass ich satt bin, oder? Die Weintrauben sind gut. Ich hätte gern
noch welche.“
„Verdammt“, fluchte sie leise und schnappte nach Luft, als er sie mit seinen
stumpfen Zähnen in den Nacken biss.
„Hör auf zu fluchen. Fang lieber an. Ich lasse dich erst kommen, wenn ich satt
bin“, erklärte er und allein der Klang seiner Stimme sandte erneut Schauer durch
ihren Körper.
Ailia griff wieder nach den Weintrauben. Die Erste zerdrückte sie zwischen ihren
Fingern, weil er genau diesen Moment nutzte, um seinen Finger in sie zu stoßen.
Fast sanft strich sein Daumen über den empfindlichen Knoten und sie schloss
einen Moment die Augen. „Ich kann das nicht“, stieß sie kläglich hervor.
„Gib dir Mühe“, sagte er leise neben ihrem Ohr. „Wenn es mir zu lange dauert,
werde ich zuerst deinen Mund haben wollen, ehe ich dir gebe, was du willst.“
Sie stopfte völlig blind eine Weintraube in seinen Mund, während ihr Körper sich
zitternd aufbäumte, als er einen weiteren Finger in sie stieß.
Ailia hatte sich noch nie beherrschen müssen. Sie hatte sich genommen, was sie
wollte und wenn ihr danach war, hatte sie mit Leon gespielt. Ähnliche Spiele wie
das, was der Terraner gerade spielte.
Sie wusste nicht, woher er seine Ideen hatte, aber sie bezweifelte, dass sie
fähig war, sein Spiel mitzuspielen. Celly war noch um einiges verrückter nach
Sex als sie selbst, doch sanfte wissende Berührungen hatten schon immer dafür
gesorgt, dass sie ihre Beherrschung ganz schnell verlor. Leon wusste das, das
war ihr jetzt vollkommen klar.
Und zu fühlen, wie steif der Terraner war und dass ihn sein Spiel genau so
erregte, trug nicht dazu bei, ihre Beherrschung abklingen zu lassen. Verzweifelt
fragte sie sich, wie er es schaffen konnte, weiter zu machen, obwohl sie seinen
Körper und seine Erregung fühlte. Doch komischerweise schien mit dem Wechsel der
Rollen die Grenze für Beherrschung zu sinken. Vielleicht war es das Wissen, dass
er die Kontrolle hatte, das ihn ruhig bleiben ließ und ihr den Verstand raubte.
„Lucie?“, erinnerte er sie fragend und sie rammte ihm die nächste Weintraube in
den Mund. „Ich mache es dir einfacher“, fuhr er kauend fort. „Zehn Weintrauben
und du zählst schön mit.“
Ich bringe ihn um. Ailia fauchte auf, als sich sein Arm fester um ihre
Taille schloss und er seine Erektion an ihrem Hintern rieb, während seine Finger
sie langsam fickten. Schauer rannen über ihre Haut, hinterließen eine unerfüllte
Sehnsucht, die sie wahnsinnig machte.
„Die wievielte war es?“, nervte er weiter.
Ihr Verstand fühlte sich wie Watte an und sie musste eine Weile überlegen, ehe
seine Frage durchsickerte. „Zwei“, brachte sie dann hervor.
„Stimmt“, murmelte er amüsiert über ihren gepressten Tonfall und strich mit den
Lippen über ihr Ohr. „Dann hast du noch eine Menge vor dir.“
„Ich kann das nicht“, jammerte sie auf, wollte sich aufrichten, doch sein Arm um
ihre Taille verhinderte das.
„Für jedes Fluchen und Jammern wird es eine mehr“, erklärte er leise. „Noch
neun, D’arjo.“
„Verdammt!“, schrie sie knurrend auf und ihre Hände griffen nach seinen Armen.
„Zehn“, meinte er ungerührt. „Wenn du mir wehtust und ich dich fesseln muss,
dauert es noch länger, kleine Katze.“
Ailia war wirklich drauf und dran, ihm die Krallen in den Arm zu jagen. Er hatte
gegen ihre körpereigenen Waffen eigentlich nur die Chance, mit roher Gewalt zu
antworten und irgendwie bezweifelte sie, dass er das tun würde. Sie tat es nicht
und fragte sich später, warum. Weil sie sich weigerte, zuzugeben, dass sie in
diesem Augenblick seine Dominanz anerkannte und ihr nachgab. Etwas, was ihr noch
vor vierzehn Tagen als völlig absurd vorgekommen wäre. Vielleicht lag es in der
Natur der D’arjo, den Stärkeren anzuerkennen, obwohl diese Stärke weniger in der
Körperkraft lag. Leon war ebenfalls weitaus kräftiger gewesen als sie. Nein, es
lag an der Ausstrahlung. Macht faszinierte Ailia. Bisher hatte sie angenommen,
es war die Macht zu herrschen, aber jetzt war es die Macht, die den Terraner
umgab, die sie anzog.
Ihre Haare richteten sich auf, sie schnurrte leise, fast kläglich und fühlte,
wie er seinen Kopf gegen ihren lehnte. Er atmete genau so keuchend wie sie
selbst, sie spürte sein Zittern und wusste doch, dass er in diesem Moment mehr
Beherrschung aufbrachte als sie. Ihre Finger umschlossen die Weintrauben und
fast schien es ihr, als würde er erleichtert durchatmen, als sie ihm die erste
Traube in den Mund steckte.
„Eins“, flüsterte sie heiser und knurrte leise, als seine Finger wieder
begannen, sie zärtlich zwischen den Beinen zu streicheln. Ihr wäre lieber
gewesen, er würde es nicht tun, weil der Druck dadurch noch größer wurde und sie
am liebsten schon wieder lauthals geflucht hätte. „Zwei“, stieß sie hervor und
stopfte Nummer drei gleich hinterher. „Drei.“
Trevor schloss einen Moment die Augen, als er sie wieder erschaudern fühlte und
sah, wie sie die Zähne aufeinander biss, um nicht zu stöhnen. Er hätte am
liebsten auch gestöhnt, aber damit hätte er verraten, dass es ihm kaum besser
ging als ihr.
„Vier“, zählte sie weiter. „Fünf.“
Ihre Stimme klang fürchterlich und er hoffte, sie würde durchhalten, weil er
annahm, er würde keine Verlängerung ertragen. Er war mittlerweile so steinhart,
dass es schmerzte und er sich nur noch wünschte, die Hose zu öffnen und sich in
ihr zu vergraben. Dazu kam, dass sie zwar den Mund hielt, es jedoch nicht
schaffte stillzusitzen, sondern anfing auf seinem Schoss hin und her zu rutschen
und damit, sicherlich nicht einmal absichtlich, seine Erektion massierte.
„Sechs“, quietschte sie und hätte am liebsten laut geschrieen, als er sie fast
übermütig in den Hals biss. Sie fühlte sich, als stände sie kurz vor dem
Explodieren und konnte es doch nicht, weil er genau den richtigen Moment
abpasste, aufzuhören. Sie knurrte wieder, hoffte, dass es ihm nicht zu
ungeduldig klang, aber sie hatte keine Macht mehr darüber. „Sieben.“
Beeil dich, D’arjo!
„Acht.“ Sie stieß ihm ihren halben Finger mit in den Mund und maunzte kläglich
auf, als sich seine Lippen um ihren Finger schlossen und an ihm saugten.
Trevor fühlte, wie sie sich aufbäumte, ließ ihren Finger los und schlang seinen
Arm um sie. Sie schien noch feuchter zu werden, wenn das möglich war, und
presste sich selbst gegen seine Hand. Fahrig und begleitet von einem Knurren
landete die nächste Weintraube in seinem Mund.
„Neu…Neun…“, krächzte sie. Bunte Punkte schienen vor ihren Augen zu tanzen. Ihr
Körper brannte und sie nahm an, dass ihr jeden Moment alles andere egal werden
würde. Sie würde explodieren. Wenn nicht im Orgasmus, dann in der ganzen
Wildheit ihrer Raubtiervorfahren. Mit dem letzen Rest Verstand griff sie nach
der Weintraube, bewegte ihre Hand in die Richtung, in der sie sein Gesicht
vermutete und fühlte, wie er fast ungeduldig nach der Frucht schnappte.
Sie brachte das Wort Zehn nicht mehr hervor. Im nächsten Augenblick fühlte sie
sich ausgehoben und landete mit dem Bauch auf dem Tisch. Trevor schob die Teller
mit einer fahrigen Bewegung zur Seite, irgendwo in dem Nebel in ihrem Kopf hörte
sie, dass er seine Hose öffnete und fauchte auf, als er sich mit einem einzigen
Stoß in ihr vergrub. Um ihre Beherrschung war es geschehen. Knurrend stieß sie
ihm ihren Hintern entgegen, ihr war jetzt völlig egal, ob ihm das gefiel, ob er
das so wollte oder was er überhaupt wollte. Er schien jedoch die Beherrschung
genau so verloren zu haben wie sie selbst. Wie ein Irrer rammte er immer wieder
in sie und stieß sie gegen die Tischplatte. Weit entfernt hörte Ailia, wie
Geschirr auf den Boden schepperte, doch es drang nicht endgültig zu ihr durch.
Ihre Hände umklammerten den Rand des Formenergietisches, mit ausgefahrenen
Krallen suchte sie Halt, um seinen verrückten Stößen zu begegnen und wünschte
sich doch, er möge noch fester zustoßen.
Sie hatten beide zu lange gewartet, um es endlos dauern zu lassen. Ailia war die
Erste, in deren Kopf die Lichter in einer Explosion angingen, die ihr die Sinne
raubte und für einen Moment wurde es schwarz vor ihren Augen. Er folgte
übergangslos, als er fühlte, mit welcher Stärke sich ihre inneren Muskeln um ihn
zusammenzogen, stieß noch einmal tief in sie und pumpte seinen Samen tief in
ihren Körper, ehe er auf ihr zusammensackte.
Es dauerte eine Weile, bis er wieder in der Lage war, den Kopf zu heben. Ailia
unter ihm rührte sich gar nicht, doch ihre keuchenden Atemzüge sagten ihm, dass
sie zumindest bei Bewusstsein war. Wortlos zog er sie hoch, nahm sie auf seine
Arme und trug sie zum Bett. Dass sie keinen Ton sagte, sprach Bände.
Er schaffte es gerade so bis zum Bett, fiel mit ihr zusammen auf die Matratze
und zog sie an sich. Ihr zierlicher Körper schmiegte sich an ihn, völlig
natürlich und das leise Schnurren war wieder da. Unbewusst strichen seine Finger
über ihre Haut und er fragte sich, wann er sich das letzte Mal derart befriedigt
gefühlt hatte. Er verspürte nicht einmal mehr Lust aufzustehen und seine Kabine
aufzusuchen, alles was er wollte, war diese kleine verrückte Person im Arm
halten und einschlafen. Der Gedanke entsetzte ihn, aber er war zu müde, um etwas
anderes zu tun, als liegen zu bleiben.
Für Ailia dagegen schien es völlig natürlich, dass er blieb und sie sich an ihn
kuscheln konnte. Es war eine ganze Weile später, als ihr wieder bewusst wurde,
dass sie sich nicht auf Avalon befand und dass es auch nicht Leon war, an den
sie sich schmiegte, sondern ein Terraner. Müde hob sie den Kopf und sah in sein
Gesicht. Er war noch wach, hatte aber die Augen geschlossen.
„Bleibst du?“, fragte sie und klang wahrscheinlich zum ersten Mal in ihrem Leben
schüchtern.
Trevor öffnete die Augen, als er ihre leise Stimme hörte und drehte den Kopf.
Sie sah ihn offen an und er konnte in ihren gelben Augen nicht einmal den
leichten Zorn erkennen, mit dem er gerechnet hatte. Es ist ein Fehler,
sagte eine Stimme in seinem Kopf. Sie ist eine Gefangene. Eine D’arjo.
„Es wäre falsch“, sagte er leise.
Ailia wusste, was er meinte. Nach dem, was sie jetzt über die Verhältnisse an
Bord terranischer Schiffe wusste, wusste sie auch, dass es auf Unverständnis
stoßen würde, wenn der Captain seine Nacht in der Kabine einer Person
verbrachte, die unter Arrest stand. „Hm“, seufzte sie deshalb nur und lehnte
ihren Kopf wieder gegen seine Schulter.
Trevor fuhr gedankenverloren über ihre Haare. Warum war sie nicht wütend? Er
wäre es an ihrer Stelle. Da schien es noch eine Menge Dinge über D’arjos zu
geben, die er nicht wusste.
Fast zärtlich drückte er seine Lippen gegen ihre Haare. Sie schnurrte wieder
leise und er fing an, das Geräusch zu mögen. Es hörte sich an, als würde sie
sich unwahrscheinlich wohl fühlen und er war sich fast sicher, dass das auch der
Fall war. Seine Augen schlossen sich wieder, als sie noch näher an ihn rutschte
und ihren Arm um seinen Bauch schlang. Ein paar Minuten dösen konnte nicht
schaden. Dann war immer noch genug Zeit, in seine eigene Kabine zurück zu
kehren.
Trevor fuhr am nächsten Morgen hoch, weil irgendetwas nicht stimmte. Das sagte
ihm zumindest sein Unterbewusstsein. Erst dann registrierte er, dass er sich
nicht in seiner Kabine befand und sein Arm unter einem zierlichen Körper
festklemmte.
Verflucht.
Ailia knurrte unwillig, als er seinen Arm unter ihr hervor zog, während er einen
Blick zum Computerterminal warf. Sieben Uhr Morgens Bordzeit. Dafür, dass er nie
vorgehabt hatte, die Nacht hier zu verbringen, hatte er ganz schön fest
geschlafen. Und sie auch.
Im Zimmer sah es noch genau so chaotisch aus wie am Abend zuvor. Der Tisch war
halb gedeckt und ein Teil der Teller und Schüsseln lag auf dem Fußboden. Trevor
fluchte unterdrückt und richtete sich auf.
„Du kannst über das Terminal einen Reinigungsroboter anfordern“, brummte er noch
immer müde und suchte nach seinen Sachen. Er schien genau so verrückt geworden
zu sein wie die D’arjo, die nun endlich den Kopf drehte und die Augen öffnete.
Sie sieht selbst am Morgen fantastisch aus, verschlafen und mit den
verwirrten Haaren, ging es ihm durch den Kopf, während er seine Hose
verschloss und sie unverwandt ansah. Was unterschied sie von all den Frauen, die
ihm in seinem Leben begegnet waren und von denen keine einzige eine solche
Wirkung auf ihn gehabt hatte?
Sie sagte nichts, beobachtete nur, wie er sein Hemd überzog und die Knöpfe
schloss. Erst dann murmelte sie müde. „Du lässt jetzt nicht wieder drei Tage
verstreichen, ja?“
Niemals. Allein ihre Worte schickten ein Gefühl der Erregung durch seinen
Körper. Er würde sich zusammenreißen müssen, um es bis zum Abend auszuhalten.
Trotzdem sagte er: „Ich weiß noch nicht, was mein Terminplan zulässt.“
Ailia knurrte unwillig und die Art und Weise, wie sie ihre Lippen verzog, konnte
man durchaus als schmollend bezeichnen. Und sein Verstand war schon wieder
dabei, sich zu verabschieden. Er war schneller auf dem Bett, als sie denken
konnte, schlang seinen Arm um ihren Hals und presste seine Lippen auf ihren
Mund.
Erstaunen und erneut aufflammende Erregung leuchtete in ihren Augen, als er
seinen Kopf von ihr löste und keuchend hervorstieß. „Mir gefällt der Gedanke,
dass du auf mich wartest, D’arjo.“
„Du bist ganz schön überheblich, Terraner“, knurrte sie leise.
Trevor lächelte. Er hob seine Hand, fuhr mit dem Daumen über ihre Lippen und
hauchte. „Ich habe einen Namen. Trevor. Du kannst natürlich auch weiterhin
Captain sagen.“
„Du kannst mich auch mit D’arjari ansprechen“, entgegnete sie schnippisch.
Er lachte. Morgens schien sie weniger Lust zu haben, ihre Rolle zu spielen. Er
küsste sie kurz. „*Ich* kann dich nennen wie ich will, Kätzchen. Aber aus deinem
Mund will ich nur ein Trevor oder Captain hören.“ Er grinste, als sie den Mund
verzog. „Oder ein Dorem“, setzte er noch hinzu und stoppte ihr Auffauchen, indem
er ihr mit seinen Lippen den Mund verschloss. „Klar?“ Sie knurrte vor sich hin
und er lachte erneut. „Du bist eine ganz schön ungezogene Saraana. Ich habe
deine Antwort nicht verstanden.“
„Ja!“, fauchte sie und wollte sich aus seinem Griff lösen, als seine Hand sich
schon in ihre Haare schlang und ihren Kopf fixierte.
„Lucie“, schimpfte er amüsiert. „So weit waren wir doch schon, oder?“
„Ja, Trevor“, knirschte sie zwischen den Zähnen hindurch und verfolgte mit
blitzenden Augen, wie er aufstand und zur Tür ging.
Dort drehte er sich noch einmal um und lächelte. „Bis heute Abend, Lucie.“
*************
„Gehört dieses Schiff dir?“
Trevor lag auf ihrem Bett, die Hände hinter dem Kopf verschränkt und starrte zur
Decke. Sie hatten es diesmal nicht bis ins Bett geschafft, zumindest nicht beim
ersten Mal, weil diese schamlose D’arjo tatsächlich keinen Fetzen am Leib trug,
als er durch die Tür trat.
Und sie besaß die Frechheit, sich über seinen erbosten Gesichtsausdruck und
seinen Kommentar, es hätte auch jemand anders in der Tür stehen können, zu
amüsieren. Und als sie dann noch sagte, wenn er der Meinung wäre, einen anderen
zu schicken, hätte sie halt den ausprobiert, war etwas in seinem Kopf
ausgetickt.
Er hatte sie gegen die Wand geworfen, nur seine Hose geöffnet und sie hart und
zornig gevögelt. Ihre Worte hatten ihn wütend gemacht, mehr als wütend, denn der
Gedanke, dass sie sich den erstbesten Mann schnappen würde, der zur Tür hinein
kam, machte ihm zu schaffen. Und über alle Maßen rasend machte ihn der Gedanke,
dass sie keine Probleme damit hätte, ihn jederzeit zu ersetzen.
Erst später, als er sie zum Bett gezerrt, sich selbst die Kleider vom Leib
gerissen hatte und sie begann, seinen Zorn durch die Berührungen ihrer Finger,
Lippen und ihrer Zunge zu besänftigen, ging ihm durch den Kopf, dass es das war,
was sie gewollt hatte. Ein schneller harter Fick, um einen Teil ihrer Erregung
zu nehmen, damit sie dann genug Zeit hatte, die langsame Version angehen zu
lassen. Ohne Worte hatte sie ihn dazu gebracht zu tun, was sie wollte.
‚Verdammte D’arjo’, war ihm durch den Kopf gegangen, als sie sich schnurrend
seinen Körper abwärts bewegte und sich ihre Lippen um seine schon wieder
erwachte Erektion schlossen.
Sie hatten sich noch einmal langsam geliebt und während er jetzt vollkommen
erschöpft und zufrieden auf dem Rücken lag, hatte sie es sich mit dem Kopf auf
seinem Bauch bequem gemacht und konnte noch immer ihre Finger nicht von ihm
lassen. Es gefiel ihm, obwohl er nicht glaubte, dass sie schon wieder eine neue
Runde wollte, schien es ihr einfach nur Spaß zu machen, ihn zu berühren und er
genoss das federleichte Spiel ihrer Finger. Irgendwann später, er döste träge
vor sich hin, drehte sie sich, so dass sie nun in Richtung seines Kopfes schaute
und stellte die Frage.
„Ja.“ Er nickte. „Die Deltaron ist das Flaggschiff meiner Handelsflotte, aber
das Einzige, das auch Passagiere befördert.“
„Passagiere?“, fragte sie erstaunt und hob den Kopf.
„Die Passage auf meinem Schiff ist teuer und wird nur von Personen in Anspruch
genommen, die mit etwas Luxus reisen wollen, auch wenn sie sich keine eigene
Jacht leisten können.“
„Dann besitzt du eine Handelsflotte?“, bohrte sie neugierig weiter.
„Ich werde nur für den Transport bezahlt“, erklärte er. „In diesem Quadranten
der Milchstraße, so nah am d’arjotischen Imperium legen viele Händler Wert auf
einen schnellen und vor allem sicheren Transport. Meine Schiffe besitzen im
Gegensatz zu vielen anderen Transportraumschiffen eine exzellente Offensiv- und
Defensivbewaffnung und leistungsstarke Triebwerke.“
„Es kommt öfter zu Verletzungen der Grenzen?“ Sie klang erstaunt.
Trevor lachte. „D’arjo, du bist selbst im terranischen Imperium geschnappt
worden. Es ist normal. Piraterie existiert auf beiden Seiten und in dieser
diffusen Zone sowieso. Was hast du nun eigentlich hier getan?“
Sie zuckte unbekümmert mit den Schultern. „Wenn du so oft hier verkehrst,
müsstest du wissen, dass der Schmuggel blüht.“
„Eine D’arjari, die schmuggelt?!“
„Ich sollte nicht dabei sein“, gab sie zu. „Aber manchmal ist mein Leben
langweilig. All diese Repräsentationen, Bälle und diplomatischen Gespräche.
Scheußlich. Es war nicht das erste Mal, aber diesmal haben wir zu hoch
gepokert.“
„Ihr hättet euch ergeben sollen. Ein großer Teil deiner Besatzung würde dann
noch leben“, meinte er sanft.
Ailia lachte hart auf. „Wofür? Um in den Minen Errols zu sterben?“
Dazu fiel ihm nichts ein.
„Wann erreichen wir eine Raumstation, in der du meine Leute den terranischen
Behörden übergibst?“
„Zuerst liefere ich meine Waren ab. Ich schätze, wir erreichen NEMESIS FIVE dann
in vier Wochen.“
„Mein Angebot, für diese Leute ein Lösegeld zu zahlen, steht noch immer.“ Er
reagierte nicht und deshalb fuhr sie fort. „Dein Hass auf D’arjos scheint etwas…
gesunken zu sein. Du könntest darüber nachdenken.“
Könnte er. Er würde sich damit gegen die Befehle Terras stellen, aber wen
interessierte das in dieser abgelegenen Gegend schon? Und eine zusätzliche
Einnahme war nie zu verachten. Aber er wollte jetzt nicht mit ihr darüber
sprechen. „Warum hat sich deine Mutter noch nicht wieder gemeldet?“
„Ich weiß nicht“, gab sie zögernd zu. „Wahrscheinlich reagiert Aarfard nicht auf
ihre Anfragen.“ Oder sie ist dabei, eine kleine Flotte als Gegenangriff auf die
Beine zu stellen.
„Welche Möglichkeit besteht dann noch?“
„Jemanden hinschicken“, entgegnete sie lakonisch und legte ihre Wange wieder auf
seinen nackten Bauch. „Aber das kann eine Weile dauern.“
Trevor hob seine Hand und strich ihr gedankenverloren über ihre Haare. Wenn sich
seine Schwester bei diesem Mann wirklich wohl fühlte, konnten ein paar Tage oder
Wochen Verzögerung nicht schlimm sein. Und er konnte noch etwas Zeit mit dieser
kleinen D’arjo verbringen. Etwas, was ihm eigentlich auch sehr gut passte…
****************
Es war am nächsten Tag, als sich unverhofft die Tür zu ihrer Kabine öffnete und
zwei Offiziere des Sicherheitsdienstes eintraten. Einer von beiden nahm Haltung
an und erklärte der erstaunten Ailia:
„Der Captain wünscht Sie zu sehen.“
„Jetzt?“, fragte sie und klang noch immer fassungslos. Es war drei Stunden her,
seit er gegangen war – er hatte es auch in dieser Nacht nicht geschafft, seine
Kabine aufzusuchen – und sie bezweifelte, dass er sie aus dem Grund sehen
wollte, den sie sich vielleicht wünschte. Obwohl, *so* sexverrückt war sie auch
nicht. Ein eigenartiges Gefühl bildete sich in ihrem Bauch. Entweder hatte sich
ihre Mutter gemeldet oder er hatte einen Grund, der ihr überhaupt nicht gefallen
würde.
„Ich muss Ihnen die Handschellen anlegen, D’arjari“, entschuldigte sich der eine
Offizier fast und sie verdrehte die Augen, als sie ihm ihre Hände
entgegenstreckte. „Auf dem Rücken“, murmelte der Offizier und trat um sie herum.
Ailias Herz machte einen Satz. Sie biss die Zähne zusammen und verfluchte den
verdammten Terraner, der wieder irgendwelche Spielchen im Sinn hatte. Mit zornig
funkelnden Augen beobachtete sie, wie einer der beiden Offiziere vor ihr auf die
Knie sank und die Fußfesseln befestigte.
„Bitte gehen Sie voran.“ Der Mann gab ihr mit einem Wink zu verstehen, dass sie
sich in Bewegung setzen sollte und sie warf ihm noch einen vernichtenden Blick
zu, dem er betreten auswich, ehe sie durch die Tür trat.
Trevors Büro, von dem aus er geschäftliche Dinge regelte, die nicht seine
Anwesenheit auf der Brücke verlangten, kannte sie ja schon. Trevor saß hinter
seinem Schreibtisch, als man sie in den Raum führte.
„Nehmen Sie Platz, D’arjari“, sagte er höflich und blickte dann die beiden
Männer an. „Lassen Sie uns allein.“
Die beiden Offiziere nickten kurz. „Ja, Sir.“ Und verließen den Raum.
Erst jetzt huschte ein feines Lächeln über sein Gesicht, als er die noch immer
trotzig im Raum stehende Ailia ansah. „Setz dich endlich, Lucie.“
„Warum hast du mich herbestellt?“, fauchte sie aufgebracht. „Was soll ich
eigentlich ungefesselt auf deinem Schiff anstellen? Nenn mir einen einzigen
vernünftigen Grund, aus dem nicht zwei bewaffnete Wachen als Eskorte reichen!“
Er kam hinter seinem Tisch hervor, schob sie in Richtung Sessel und gab ihr
einen Schubs, so dass sie hinein fiel. Ailia wollte wieder aufspringen, doch
seine Hand auf ihrer Schulter hinderte sie daran.
„Ich habe über diese Sache mit dem Zeichen nachgedacht.“
Oh Scheiße! Sie musste recht blass geworden sein, denn er lachte leise.
„Da ich annehme, du wirst daran etwas auszusetzen haben, habe ich deine
körpereigenen Waffen erst einmal wirkungsvoll ausgeschalten“, erklärte er
amüsiert über ihren geschockten Gesichtsausdruck.
„W-was hast d-du vor?“ Seit wann stotterst du?!, schrie es in ihrem Kopf.
Er grinste so breit, dass ihr heiß wurde, hob seine Hand und strich sanft über
ihre Wange.
„Du hättest mich gebissen, nicht wahr? Wenn es anders herum wäre?“
Sie würde jetzt auf keinen Fall ja sagen. Natürlich hätte sie das. Doremas waren
sehr besitzergreifend und das Erste, was sie taten, war dem Umfeld mitteilen,
dass dieser Saraan zu ihnen gehörte.
„Nun“, fuhr er fort. „Ich kann dich nicht beißen. Und es steht von vorn herein
fest, dass unsere kleine … Beziehung in der Dauer beschränkt ist…“
Sehr schön. Ailia fühlte sich trotzdem nicht wohler.
„Aber ich möchte, dass du dich wenigstens noch ein paar Monate daran erinnerst,
einmal mir gehört zu haben.“ Er richtete sich auf und ging zu seinem
Schreibtisch zurück.
Ailia blieb wie erstarrt auf dem Sessel sitzen. Zum ersten Mal in ihrem Leben
fehlten ihr die Worte und sie war unfähig sich zu rühren.
„Weißt du, was ein Tattoo ist?“
„Nein?“, piepste sie und war froh, dass ihre Stimme ihr wieder gehorchte.
„Es ist etwas ähnliches wie eine Tätowierung, nur dass ein Tattoo mit der Zeit
wieder verschwindet“, erklärte er freundlich. „Ich möchte, dass du mein Zeichen
trägst.“
Ein Befehl aktivierte den Holobildschirm seines Arbeitsplatzes und sie starrte
noch immer sprachlos auf den Buchstaben, der erschien. Es war ein terranisches
T, verschnörkelt und umgeben von kleinen Verzierungen, aber eindeutig ein T. Ihr
Mund klappte auf und schloss sich wieder, ohne dass ihn ein Wort verließ.
„T“, sagte er leise. „T wie Trevor.“ Seine Hand griff nach einem Gerät, das auf
seinem Tisch lag und er kam wieder auf sie zu.
„Nein!“, kreischte Ailia auf. Diesmal sprang sie hoch, doch sein Arm fing sie um
die Taille und warf sie mit dem Bauch zuerst auf den Schreibtisch. „Kein
terranisches T!“, fauchte sie wieder. „Nimm ein D’arjotisches! Kein Terranisches!“
Trevor beugte sich über sie und hauchte in ihr Ohr. „Lucie, ich bin ein Terraner.
Und du wirst dich an den Terraner erinnern, wenn du den Buchstaben siehst.“
„Das kannst du nicht machen“, fing sie an zu jammern, als sie fühlte, wie er
ihre Haare zur Seite streifte und die Schulter frei legte. „Bitte, Trevor. Kein
terranisches T.“ Sie trug wieder nur ein dünnes Top und er streifte den
Spaghettiträger zur Seite. Mit einem Knurren versuchte sie, sich aufzubäumen,
doch sein Gewicht presste sie auf den Tisch und sie hörte ihn wieder leise
lachen.
„Deinen Biss würde ich ein Leben lang tragen, Kätzchen. Sei froh, dass ich mich
nicht für eine Tätowierung entschieden habe.“
„Ich hasse dich. Ich hasse dich. Ich hasse dich!“, kreischte sie auf, als er die
stempelartige vordere Seite des Gerätes gegen ihre Schulter presste und sich ein
warmes prickelndes Gefühl auf ihrer Haut bildete. „Das wirst du bereuen! Das
schwöre ich dir!“
Trevor ließ das Gerät fallen und fuhr mit den
Lippen über ihre Schulter. „Es gefällt mir“, flüsterte er und zog sie hoch.
Seine Arme umschlangen sie, als er sie zu dem Spiegel an der gegenüber liegenden
Seite des Zimmers trug und absetzte. Dann drehte er sie so, dass sie das T im
Spiegel sehen konnte und lächelte über ihren zornigen Gesichtsausdruck. Ailia
hätte am liebsten wütend mit den Füßen aufgestampft. Sie starrte sich selbst an,
ihre aufgerichteten Haare und dann den Terraner im Spiegel. Er senkte den Kopf,
ohne sie aus den Augen zu lassen und berührte wieder mit den Lippen sein
Zeichen. Plötzlich fiel es ihr schwer zu atmen. Ein eigenartiges Gefühl bildete
sich in ihrem Bauch, als sie sich erinnerte, genau das gleiche getan zu haben
und was sie gespürt hatte, wenn ihre Zunge über den vernarbten Biss an Leons
Schulter geglitten war. Stolz.
„Meine D’arjo“, hauchte er und sie schloss die Augen, als sie fühlte, wie ihr
Körper auf seine Worte reagierte. Unbewusste neigte sie den Kopf zur Seite, ließ
zu, dass seine Lippen über ihren Hals strichen und zitterte, als sie seine
stumpfen Zähne fühlte.
Es war sein Recht, sie mit seinem Zeichen zu versehen. Jeder und jede D’arjo
hätte es in dieser Situation längst getan, aber bis zu diesem Zeitpunkt hatte
sich Ailia geweigert, in dem ganzen mehr zu sehen als ein Spiel. Er hatte aus
dem Spiel Ernst gemacht, weil sie jetzt mit aller Deutlichkeit begriff, dass er
vielleicht als einzigster Terraner den Stolz eines Dorems verstand.
Seine Hände drehten sich, umfingen ihr Gesicht und sie seufzte, als seine Lippen
ihre berührten und sie seine Zunge spürte.
„Wir haben jetzt keine Zeit für mehr“, flüsterte er, als er seinen Kopf wieder
von ihr löste.
Sie schnurrte wieder und allein das Geräusch setzte seinen Körper in Flammen.
Dazu kam, dass sie sich an ihn presste und mehr als deutlich den Zustand seiner
Erregung wahrnahm. „Du willst mich“, hauchte sie gegen seinen Hals.
„Dann hilf mir“, presste er hervor und dirigierte sie in die Knie. Sie
reagierte, ohne zu zögern, obwohl sie ahnte, dass ihre Befriedigung bis zum
Abend warten musste.
Trevor öffnete seine Hose selbst, da ihre Hände noch immer in ihrem Rücken
gefesselt waren, doch daran verschwendete im Moment weder er noch sie einen
Gedanken. Alles an was er denken konnte, war ihr Mund und ihre Lippen. Seine
Hand fuhr in ihre Haare, strichen sie aus ihrem Gesicht und wieder einmal nahm
ihn der Ausdruck ihres Gesichts einfach gefangen. Stöhnend zwang er sich, die
Augen offen zu halten. Er wollte sie sehen, wollte beobachten, wie sie ihn immer
wieder tief in ihren Mund saugte und dabei genießerisch die Augen schloss. Er
wollte sehen, wie sich ihre Lippen bewegten, während ihr leises Knurren sich in
Vibrationen auf der empfindlichen Haut seines Penis fortsetzte. Und er wollte
sie schlucken sehen, wenn er in ihrem Mund kam…
Seine Hand umklammerte ihren Kopf, als genau das geschah und er aufstöhnte, als
sich die Muskeln seines Körpers lustvoll zusammenzogen. Ailia schnurrte fast
gequält und lehnte ihre Stirn gegen seinen Bauch, als seine Hände ihren Kopf an
sich zogen und sie noch immer sein Zittern spürte.
„Du bist Wahnsinn, Lucie“, sagte er leise, fast wie zu sich selbst und zog sie
hoch. „Du kriegst die volle Entschädigung heute Abend“, versprach er ihr, ehe er
sie noch einmal küsste.
Das will ich hoffen.
‚Wo zum Teufel blieb er?!’
Ailia tigerte in ihrer Kabine auf und ab. Immer wieder blieb sie vor dem Spiegel
stehen, betrachtete kurz das Tattoo auf ihrer Schulter, ehe sie ihre Wanderung
wieder aufnahm.
Eine Woche war seit dem Tag vergangen, an dem er ihr das Zeichen aufgezwungen
hatte. Und sie musste sich selbst eingestehen, dass er sich wirklich wie ein
echter Dorem verhielt. Ihr eigenes Verhalten ließ in Bezug auf Saraana einiges
zu wünschen übrig.
Zum Glück schien er das nicht zu merken oder es störte ihn nicht. Ailia konnte
sich jedoch nicht erinnern, dass Leon jemals zornig gewesen war. Er hatte auch
nie geflucht, geschimpft oder das Gesicht verzogen, wenn ihm irgendetwas nicht
gepasst hatte.
‚Nun ja’, grinste sie vor sich hin. ‚Ich bin halt für diese Rolle nicht geboren.
Und ich langweile mich jetzt schon.’
Sie wusste, dass Trevor Pflichten als Captain und Besitzer einer Handelsflotte
hatte. Genau so viele wie sie selbst als D’arjari und sie erinnerte sich sehr
gut, wie oft ihre Pflichten sie daran gehindert hatten, Leons bettelndem Blick
nachzugeben oder zu ihm zurück zu kehren, wenn er in ihrem Haus geblieben war.
Leon hatte geduldig gewartet. Irgendwann in der Nacht kam sie immer zurück.
Ailia hatte diese Geduld nicht, sie wurde immer launischer. Nachdem sie versucht
hatte, ein anderes Buch anzufangen und festgestellt hatte, was für Schwachsinn
Terraner schrieben, warf sie es zur Seite und setzte sich wieder einmal an den
Computer. Nach ihren letzten Hackversuchen, hatte man die
Sicherheitsvorkehrungen verschärft und jetzt flog sie schon aus dem Netz,
nachdem sie nur einen kleinen Versuch in diese Richtung startete.
„Verdammt!“, fauchte sie, sprang wieder auf und schaltete das Laufband ein. Ihr
war völlig unklar, wie ihre Artgenossinnen in den Arrestzellen die Langeweile
aushielten. Vor allem, weil es sich ebenfalls um Frauen handelte, die sicherlich
das Leben an der Seite ihrer Saraani gewöhnt waren.
Eine Stunde später verließ sie das Band komplett durchgeschwitzt und noch
wütender als vorher. Sie bestellte sich ein Glas Wasser und hatte es gerade in
der Hand, als sich die Tür öffnete. Mit einem aggressiven Fauchen fuhr sie
herum, begegnete Trevors belustigtem Blick und sah, wie er sich in einen der
Sessel fallen ließ.
„Hast du dich ausgetobt, Kätzchen?“, fragte er und ließ seine Augen über ihre
verschwitzte Gestalt gleiten.
Ailias Augen wurden schmal und sie schlich langsam auf ihn zu.
„Hat dich das Warten etwas frustriert?“, stichelte er weiter, ohne ihren bösen
Gesichtsausdruck zu beachten. „Du bist immer noch recht ungeduldig. Vielleicht
hättest du es mit einer kalten Dusche…“
Er hatte den Satz noch nicht beendet, als sie auffauchte und das Glas Wasser
über seine Brust kippte. Trevor starrte einen Moment fassungslos auf sein
durchweichtes Hemd und die Hose, ehe er den Blick zu ihren zornigen gelben Augen
hob. Erst als sich der Ausdruck in seinem Gesicht verhärtete, wurde ihr klar,
was sie gerade getan hatte.
„Du wirst das wieder sauber machen“, sagte er gefährlich leise.
Kein Saraan hätte etwas Derartiges getan. Nie. Und Ailia konnte sich nicht
einmal vorstellen, wie sie reagiert hätte, wenn Leon absichtlich so gehandelt
hätte. Ein Saraan würde in diesem Moment wahrscheinlich lieber sterben wollen.
Ailia fühlte nichts dergleichen. Sondern noch immer einfach nur Wut.
Trotzdem hatte sie sich soweit unter Kontrolle, ihm nicht eine bissige Bemerkung
ins Gesicht zu schleudern, sondern sie knurrte nur zwischen den Zähnen hindurch.
„Ich hole ein Handtuch.“
Seine Hand schoss vor, als sie sich umdrehen wollte und wirbelte sie zurück.
Ailia stolperte, verlor das Gleichgewicht und landete auf seinem Schoß. Seine
Hände umfingen ihre Handgelenke, hielten sie auf ihrem Rücken zusammen, als er
sie an sich zog und die Knie öffnete, so dass sie zwischen seine Beine rutschte
und auf ihren Knien zum Halten kam.
„Kein Handtuch, D’arjo“, befahl er noch immer leise. „Benutz deine Zunge.“
Und die Situation änderte sich schlagartig. Plötzlich war das Feuer in seinen
Augen da, es jagte einen Schauer durch ihren Körper und löschte einen Teil des
Zorns. Sie starrte in seine grauen Augen, sah sein Verlangen und daneben den
gleichen Zorn wie in ihren eigenen.
Zum ersten Mal in diesen neun Tagen tat er etwas, was niemals ein Dorem getan
hätte. Sie hätte Leon verstoßen. Sie wäre aufgestanden, gegangen und nie wieder
gekommen.
Ein echter Saraan wäre am Boden zerstört. Im Moment hätte es Ailias Wut nur noch
vergrößert, wenn er gegangen wäre. Trevor tat nichts dergleichen. Er wollte
bleiben und er wollte sie. Aber er wollte ihr begreiflich machen, dass er ihr
das, was sie getan hatte, nicht einfach durchgehen lassen würde.
Komischerweise begriff sie das. Hätte er es nicht getan, wäre er in ihrer
Achtung deutlich gesunken. Sie hätte ein Gehen akzeptiert, weil es d’arjotypisch
gewesen wäre. Dass er es vorzog zu bleiben, überraschte sie und noch mehr
überraschte sie sein Befehl. Und irgendwo weit hinten in ihrem Kopf bildete sich
der Gedanke, dass seine Version besser war. Weil er sie damit nicht verlor.
Ohne ihn aus den Augen zu lassen, senkte sie den Kopf und fuhr mit der Zunge
über seinen Hals und über seine Kehle. Sie roch, wie sich ein Teil der
Anspannung, die ihn befallen hatte, löste. Seine Hände ließen ihre Handgelenke
gehen und sie hob ihre Finger zu den Knöpfen seines Uniformhemdes, um sie zu
öffnen. Es war nicht viel Wasser, das bis zur Haut vorgedrungen war, und sie
fuhr sanft mit der Zunge über die nassen Stellen.
Trevor seufzte leise, als sie geschickte die Knöpfe öffnete und ihre Zunge der
Spur folgte, die ihr Wasser gezogen hatte. Einen kurzen Moment bedauerte er,
dass das Glas nicht voller gewesen war oder mit etwas gefüllt, das sie mehr Mühe
gekostet hätte. Sein Kopf sank zurück gegen die Lehne des Sessels und seine
Augen schlossen sich, als sie am Bund seiner Hose ankam.
„Da ist kein Wasser mehr“, schnurrte sie leise. Übergangslos war seine Hand in
ihren Haaren und presste ihr Gesicht gegen seine deutlich zu fühlende Erektion.
„Wage ja nicht, aufzuhören“, knurrte er gepresst.
Ailia biss ihn sanft durch die Hose, fühlte wie sich der Griff in ihren Haaren
verstärkte und schnurrte lauter. Plötzlich konnte sie es kaum erwarten, ihn zu
berühren und zu kosten. Ungeduldig zerrte sie an dem Knopf und seinem
Reisverschluss, während ihre Zunge die letzten Tropfen Wasser von seinem Bauch
leckte. Seine Muskeln zogen sich unter den Berührungen ihrer Zunge zusammen und
sie maunzte auf, als seine Erektion ins Freie sprang und ihre Wange berührte.
„Beeil dich!“ Er zwängte sich selbst zwischen ihre Lippen. Fast schien ihre
Ungeduld auf ihn über zu gehen. Er hörte sie leise knurrend protestieren, doch
sie saugte ihn gehorsam tief in ihren Mund, während seine Hand ihren Kopf an
sich presste und sie zwang, so viel wie möglich von ihm aufzunehmen.
Stöhnend hoben sich seine Hüften, er ließ ihr keine Chance, selbst die
Initiative zu ergreifen, sondern seine Hand in ihren Haaren bestimmte den
Rhythmus, mit dem er in ihren Mund stieß. Das war es, was er ihr zeigen wollte:
Dass er die Macht dazu besaß, sie derart zu benutzen. Sie ließ es geschehen,
selbst die Krallen an ihren Händen blieben verborgen und das war etwas, was er
nicht erwartet hatte. Mit einem ersticken Schrei kam er in ihrem Mund, hielt sie
fest und genoss es zu fühlen, wie sie alles von ihm schluckte. Er hielt ihren
Kopf fest, bis die lustvollen Schauer in ihm abklangen, fühlte ihre geschickte
Zunge, die seine erschlaffende Erektion sauber leckte und seufzte leise. Erst
dann zog er sie zu sich hoch, küsste sie kurz und hart und knurrte gegen ihre
Lippen.
„Du wirst das nicht noch einmal tun, Saraana.“
„Nein“, schnurrte sie und rieb ihre Wange an seiner. „Nein, Dorem.“
Trevor stöhnte auf, verschlang ihren Mund und stieß seine Zunge zwischen ihre
Lippen. Sie schmeckte nach ihm, schlang ihre Arme um seinen Hals und kletterte
auf seinen Schoß. Trevor hatte keine Ahnung, seit wann er ein solches
Durchhaltevermögen besaß, aber allein wie sie das Wort Dorem ausgesprochen
hatte, ließ ihn erneut reagieren. Ailia knurrte auf, diesmal drängend und rieb
sich selbst an seiner härter werdenden Erektion.
In diesem Moment gellte der Alarm durch das Schiff und sie erstarrten beide.
Alarmstufe Rot.
Übergangslos wechselte Trevors Verhalten in das des Captains und er sprang auf,
während er hastig seine Hose verschloss. Ailia kam gar nicht dazu, etwas zu
sagen, dann rauschte er an ihr vorbei, während er ein bedauerndes: „Tut mir
Leid“ in ihre Richtung warf und war durch die Tür verschwunden.
„“Verdammt!“, knurrte Ailia und sank in den Sessel.
************
Trevor musterte die Anzeigen auf den Bildschirmen in der Brücke mit schmalen
Augen. Die quäkende Sirene des Alarms war verstummt. Auf seinen Befehl hin. Das
Schiff schwebte bewegungslos im All und die Blicke der Besatzungsmitglieder
hingen an seinem Gesicht. Es schien, als würde es keine Gefahr geben.
Aber sie stand dort draußen. In weniger als einem Viertel Lichtjahr Entfernung.
Fünfunddreißig D’arjoraumschiffe. Mit hochgefahrenen Waffensystemen. In deren
Zielbereich sein Schiff, die Deltaron, lag.
„Wir werden angefunkt.“ Die Stimme des Offiziers an der Ortung, Ralf Garand,
klang belegt.
„Auf den Schirm“, befahl er leise.
Die Sterne auf dem Frontbildschirm verschwanden und machten dem Bild einer
D’arjo Platz. Irgendwie hatte Trevor geahnt, wen er zu sehen bekam.
„Ich freue mich, Sie zu sehen, Captain O’Delta“, begrüßte ihn Ailias Mutter
freundlich.
Er verzog keine Miene. „Sie befinden sich auf terranischem Territorium“,
erklärte er eisig.
„Nun.“ Auris lächelte fast vergnügt. „Im Moment habe ich die schlagkräftigeren
Argumente. Und zum Glück ist das hier ein recht abgelegener Teil des Universums,
nicht wahr? Ehe Hilfe eintrifft, habe ich Ihr Schiff geentert.“
„Sie werden einen neuen Krieg heraufbeschwören“, antwortete Trevor, ohne sich
eine Gefühlsregung anmerken zu lassen. Sie hatte Recht. Gegen die Waffengewalt
ihrer fünfunddreißig Kampfraumer hatte sein einzelnes Schiff keine Chance.
Auris Lächeln verschwand. „Sie wissen, weshalb ich hier bin. Ich will meine
Tochter. Ich fordere ihre Freilassung sowie die überlebenden D’arjos, die sich
noch auf ihrem Schiff befinden. Sollten Sie sich meiner Forderung widersetzen,
werde ich schießen und der Inhalt Ihres Schiffes geht in meinen Besitz über.“
Alles, was Trevor in diesem Moment fühlte, war Enttäuschung. Er würde seine
Schwester nicht wieder sehen. Es war sogar fraglich, ob diese D’arjo die
Verhandlungen mit Aarfard begonnen hatte. Äußerlich sah man ihm die Wut, die in
ihm kochte, nicht an. Und er wusste schon jetzt, dass er niemals das Leben
seiner Besatzung riskieren würde, um einen sinnlosen Kampf zu beginnen.
Auris war noch nicht fertig. „Sollte meine Tochter noch irgendwelche Wünsche
haben, gehen diese in meine Forderung mit ein“, erklärte sie mit einem
katzenhaften Lächeln. „Wären Sie vielleicht so freundlich, sie auf die Brücke zu
bitten?“
Trevor biss die Zähne aufeinander und drehte den Kopf zu seinem
Sicherheitsoffizier. „Hol sie her“, knurrte er fast, ehe er den Kopf wieder in
Auris Richtung bewegte und deren amüsiertem Lächeln begegnete.
Ailia war mehr als erstaunt, dass man sie holte, doch auf ihre Fragen antwortete
niemand. Diesmal verschloss man nur ihre Hände mit Handschellen, ehe man sie zur
Brücke eskortierte. Sie sah sich neugierig um. Der Rotalarm war verstummt und da
man sie diesmal einen anderen Weg führte, überlegte sie, wohin man sie brachte.
Als sich die Schotten zur Brücke öffneten und sie das Bild ihrer Mutter auf dem
Schirm sah, konnte sie ein überraschtes: „Oh!“, nicht zurückhalten.
Trevor stand mit einem eisigen Gesichtsausdruck vor dem Sessel des Captains und
musterte die D’arjo auf dem Schirm, als man Ailia hereinbrachte.
„Hallo, Lucie“, begrüßte Auris ihre Tochter.
Ailia sah fragend zu Trevor, der jedoch nicht reagierte und dann zu ihrer
Mutter.
„Ich dachte, ich warte nicht, ob sich dein terranischer Freund an eure
Vereinbarung hält. Eine D’arjari ist zu wichtig, als dass ich sie in den Händen
eines Mannes lasse. Und deshalb bin ich mit einer kleinen Eskorte gekommen, um
dich abzuholen“, erklärte Auris liebenswürdig. „Ich denke fünfunddreißig
Kampfraumer reichen, um meinen Willen auszudrücken.“
„Sie will dich und die D’arjos“, sagte Trevor plötzlich, ohne die Augen vom
Schirm zu lösen. Einige Besatzungsmitglieder sahen überrascht hoch, als sie
bemerkten, dass er die D’arjo duzte.
„Es sei denn, du hast auch noch spezielle Wünsche, Lucie“, mischte sich Auris
vom Schirm ein. „Sind das Handschellen, die du trägst?“
Trevor drehte endlich den Kopf und sah sie an. Seine Gesichtszüge waren ihr in
den letzten Tagen vertraut geworden und obwohl ihm vielleicht kein anderer
Mensch etwas ansehen konnte, sah sie den Schmerz und den Zorn in seinen Augen.
Weil er wusste, dass mit ihrem Gehen sein verzweifelter Versuch, seine Schwester
zu finden, gescheitert war.
„Ich möchte Harrold und Parker“, sagte sie leise und hörte Tara im Hintergrund
nach Luft schnappen. „Und dich.“
Plötzlich redeten alle durcheinander. Auris lächelte auf dem Schirm, als hätte
sie genau das erwartet und Trevors Blick bohrte sich in Ailias Augen.
„Ruhe!“, stieß er endlich hervor und alle Gespräche verstummten schlagartig.
Totenstille breitete sich in der Brücke aus und alle Augen klebten an dem
Captain und der D’arjo, die sich weiterhin fixierten. Dann deutete Trevor
wortlos auf den Besprechungsraum, der an die Brücke grenzte und bedeutete ihr,
ihm zu folgen.
************
„Du bist verrückt!“, stieß er hervor, kaum dass sich die Tür hinter ihnen
geschlossen hatte.
„Weil ich Parker und Harrold will? Oder dich?“, fragte sie ruhig.
„Du willst Rache.“
„Möglich“, antwortete sie belustigt. „Sie steht mir zu.“
Trevor hätte sie am liebsten erwürgt. „Die Forderungen sind unverschämt. Ihr
befindet euch auf terranischem Imperium! Und Parker und Harrold gehören in die
Hände der Polizei.“
Ailia lächelte. „Ich finde, sie gehören in die Hände einer D’arjo, die ihnen
beibringt, was es heißt, eine Frau ordentlich zu befriedigen.“
„In deine?!“ Weshalb ließ sich das Gefühl, das ihn durchfuhr, nur mit Eifersucht
beschreiben?
„Nein.“ Sie verzog angeekelt das Gesicht. „Aber ich kenne die perfekte Person,
die sich dafür eignet. Celly.“
Er starrte sie mit zusammen gebissenen Zähnen an. „Warum ich?“
Ailia lächelte wieder, machte einen Schritt auf ihn zu, legte ihre gefesselten
Hände auf seine Brust und presste sich an ihn. „Mein Saraan ist tot“, schnurrte
sie leise. „Ich denke, du bist sehr gut dafür geeignet.“
„Du bist verrückt!“, fauchte er sie an. „Ich könnte nie dein Sexspielzeug
spielen! Ich könnte nie diese Rolle spielen! Und du kannst mich nicht dazu
zwingen! Soweit kenne ich eure Kultur jetzt!“
„Das lass mein Problem sein, Terraner“, erklärte sie vergnügt. „Aber du wirst
doch nicht das Leben all der Menschen auf diesem Schiff riskieren, nur weil du
meine Forderung nicht erfüllst, oder?“
„Du würdest einen Kampf heraufbeschwören, nur um mich zu bekommen?!“, schrie er
wütend.
„Dieses Schiff befindet sich voller potentieller Sklaven“, meinte sie kühl. „Mit
deiner Weigerung, auf meine Forderung einzugehen, verdammst du sie alle zu dem
Schicksal, das dich erwartet. Bist du wirklich so selbstsüchtig?“
„Du bist das rachsüchtigste kleine Aas, das mir je begegnet ist“, knirschte er
zwischen den Zähnen hindurch. „Unser kleines Verhältnis war zeitlich
beschränkt!“
„Du hattest kein Problem, dich darauf einzulassen.“ Sie würde ihm jetzt noch
nicht sagen, dass sie mit ihm genau das gleiche vorhatte. Er war im Moment zu
zornig und der Gedanke, dass er ihrer Forderung nachgeben und sich darauf
einlassen musste, als ihr Besitz an Bord des D’arjosschiffes zu wechseln,
versetzte ihren Körper in ein euphorisches Hochgefühl. Sie würde es ihm später
sagen, dass sie vorhatte, sich an die Vereinbarung zu halten, weil sie wusste,
er hätte sich auch daran gehalten hätte. Er hätte sie gehen lassen, wenn er
seine Schwester gefunden hätte. Oder zumindest eine Nachricht von ihr. Sie würde
ihn gehen lassen, nachdem sie mit ihm Ventarn besucht hatte. Jedenfalls hoffte
sie, die Stärke dazu zu besitzen.
„Akzeptierst du meine Bedingungen?“, fragte sie mit ausdrucksloser Miene und ihr
wurde heiß, als sie sah, wie er mit sich kämpfte. Nun, er hatte genau so viel
Stolz wie sie selbst und allein zuzugeben, dass er dieses Schiff als Gefangener
verlassen würde, kostete ihn eine riesige Überwindung.
„Ja“, knurrte er dann gereizt. „Ich setze nicht das Leben meiner Leute aufs
Spiel! Aber ich sage dir eins, D’arjo: Du kannst vergessen, dass ich mich in
dein Spielzeug verwandle! Ich bezweifle sogar, dass du mich für das benutzen
kannst, was du vorhast, weil ich dich im Moment keine kleines bisschen anziehend
finde!“
Sie legte den Kopf schief. „Du betonst das richtig: Im Moment.“ Ihre Augen
wanderten seinen Körper abwärts und sie grub ihre Zähne in ihre Unterlippe. „Du
bist wütend“, schnurrte sie dann leise und fuhr mit der Zunge über ihre Lippen.
„Ich denke, du solltest es mir überlassen, deinen Körper auf das richtige Level
zu bringen.“
Trevor fluchte leise. „Ich muss eine Menge organisieren. Einen Vertreter für
meine Geschäfte benennen.“ Er fuhr sich frustriert durch die Haare. „Gibt es
irgendeine Möglichkeit, dich umzustimmen?“, fragte er trotzdem resigniert.
„Nein.“
„Harrold liegt noch auf der Krankenstation.“
„Kein Problem. Wir haben auch Krankenstationen.“
„Ich fange an, dich zu hassen, D’arjo.“
„Gewöhn dich schon mal daran, mich mit Lucie, D’arjari oder Dorema
anzusprechen.“
Er fluchte wieder, ehe er an ihr vorbei zurück in die Brücke ging und ein
entsetztes Raunen auslöste, als er der D’arjo auf dem Schirm die Zustimmung zu
allen Bedingungen erklärte.
Ailia dagegen streckte dem Sicherheitsoffizier mit einem strahlenden Lächeln
ihre gefesselten Hände entgegen. „Wenn Sie vielleicht so nett wären…“
Und zum ersten Mal hörte die Brückenbesatzung ihren Captain lauthals fluchen,
als sich die Handschellen mit einem Klicken öffneten.
Trevor wollte später nie wieder an diesen Tag erinnert werden, an dem Ailia ihm
Handschellen anlegte und von Bord seines Schiffes führte. Er ließ sich nicht
anmerken, wie sehr es seinen Stolz verletzte, weil ihm erst jetzt aufging, wie
sie sich gefühlt haben musste, als man sie so durch sein Schiff geführt hatte.
Parker hinter ihm hatte sich nicht so gut unter Kontrolle und jammerte vor sich
hin. „Mit tut das doch alles so Leid. Bitte, das können Sie doch nicht tun. Ich
wollte das doch nicht. Oh Gott, Sie können doch nicht…“
„Halten Sie endlich die Klappe“, fauchte Trevor gereizt, als sein Lamentieren
nicht leiser wurde. Er war froh, dass sich die Schleuse hinter ihm schloss und
er nicht mehr den entsetzten und bedauernden Blicken seiner eigenen Crew
ausgesetzt war.
Ailia blieb an seiner Seite, ohne etwas zu sagen und er ignorierte sie wütend.
Er hätte auch nicht mit ihr gesprochen, wenn sie etwas gesagt hätte und
vielleicht wusste sie das.
Keine zehn Minuten später dockte die Fähre am Schiff ihrer Mutter an und er
atmete tief durch, ehe er Ailia ins Innere des D’arjoschiffes folgte. Parker
hinter ihm schluchzte unterdrückt, als man ihn unsanft vorwärts stieß. Harrold
in seinem medizinischen Bett bekam von all dem gar nichts mit, da er sich in
einem Heilschlaf befand.
Auris erwartete sie und umarmte ihre Tochter mit einem begeisterten Lächeln.
„Ich bin so froh, dich wieder zu haben, Lucie“, schnurrte sie und rieb ihre
Wange an der ihrer Tochter. „Lass uns diesen ungastlichen Ort schnell
verlassen.“ Dann ließ sie sie los und fixierte den Terraner. „Er ist groß,
Lucie, größer als ich dachte. Wirklich interessant.“
Sie machte einen Schritt auf ihn zu und Trevor lag schon eine bissige Bemerkung
auf der Zunge, als Ailia knurrte.
Aber solch ein Knurren hatte er aus ihrem Mund noch nie gehört. Sein Kopf fuhr
herum und seine Augen trafen auf eine D’arjo, deren Haare so komplett
aufgerichtet waren, dass sie ihren Kopf doppelt so groß erscheinen ließen. Erst
in diesem Augenblick, als er dieses aggressive Knurren hörte, war ihm klar, dass
er sie unterschätzt hatte, zumindest ihre körpereigenen Waffen.
„Komm ihm nicht zu nah“, fauchte Ailia zornig und stellte sich zwischen ihre
Mutter und Trevor. „Er gehört mir!“
Parkers Mund klappte auf und Trevor musste sich echt zusammenreißen, um sich
eine ähnliche Reaktion zu verkneifen.
Auris schmunzelte amüsiert und schnurrte beruhigend. „Wie besitzergreifend“,
murmelte sie und hob witternd die Nase. „Sieh an, meine kleine Lucie… Das ist
aber nicht nett. Solch ein Prachtexemplar zu ergattern und dann noch nicht
einmal zu teilen.“
Ailia hatte sich noch immer nicht beruhigt. „Wenn ich dich in seiner Nähe sehe,
werde ich dir die Augen auskratzen!“, knurrte sie böse.
Auris lachte. „Vielleicht sieht er das anders.“
„Ganz bestimmt nicht“, entgegnete Trevor trocken. „Ich bin nicht einmal scharf
auf sie, geschweige denn auf eine andere D’arjo.“
Seine Worte brachten Auris nur dazu, noch lauter zu lachen. „In den letzten
Tagen scheinst du sehr scharf auf sie gewesen zu sein“, brachte sie mühsam
hervor.
Ailia zog ihn knurrend hinter sich her, ehe er fragen konnte, woher sie das
wissen konnte. Unterwegs fauchte sie noch einige D’arjos zornig an, die bloß
neugierig den Kopf in seine Richtung reckten und Trevor fand dieses Verhalten
plötzlich ausgesprochen interessant.
Dann hatten sie endlich eine Kabinentür erreicht und Ailia schob ihn durch die
sich öffnenden Schotten. Sie nahm ihm die Handschellen ab und brummte noch immer
zornig. „Du kannst das Zimmer nicht verlassen. Wenn du etwas essen oder trinken
willst… das System funktioniert ähnlich wie auf euren Schiffen. Ich komme später
wieder.“ Damit rauschte sie an ihm vorbei, ehe er antworten konnte und er war
allein.
Seufzend sah er sich um. Die Kabine war groß, bestimmt das Vierfache ihrer
Kabine auf seinem Schiff. Sie ging um die Ecke, in dem von der Tür aus nicht
einzusehendem Teil stand ein riesiges Bett, das von Fenstern umgeben war, die im
Moment die weißen Lichtpunkte des Alls zeigten.
Dann verschwammen die Farben plötzlich und Trevor seufzte wieder, weil er
wusste, dass das Schiff den Heimweg antrat, weg aus dem terranischen Imperium
hinein in das D’arjotische, und sich somit sein Rückweg verschloss. Wütend
ballte er die Fäuste, ehe er die Erkundung des Zimmers fortsetzte. Im vorderen
Bereich stand ein Tisch, umgeben von mehreren Sesseln, ein Schreibtisch mit
Computeranschluss und mehreren in den Wänden eingelassenen Schränken.
Trevor öffnete die einzige noch vorhandene Tür und stand in einem derart
pompösen Bad, dass es ihm einen Moment die Sprache verschlug. Im Boden
eingelassen befand sich eine gigantische Badewanne, bestimmt zwei mal zwei
Meter, die zirka einen Meter tief war. Um die Badewanne herum, war zirka zwei
Meter Platz bis zu den Wänden, die von riesigen Spiegeln geziert wurden. An der
rechten Seite erkannte er eine kleine Duschnische.
Trevor sah sich mehrmals in den Wänden und warf sich selbst ein gequältes
Grinsen zu. Zumindest hielten sich die D’arjos ihre Sklaven luxuriös. Erneut
stieg Zorn in ihm auf, als ihm durch den Kopf ging, wie sie das wagen konnte. Im
Gegensatz zu ihr war er nicht in Verhältnissen aufgewachsen, in denen derartige
Machtbeziehungen normal waren. Wenn sie glaubte, er würde akzeptieren, dass sie
ihn wie ihren Saraan behandelte, würde sie eine herbe Enttäuschung erleben. Er
würde nie mit einem Leben zufrieden sein, das ihn zu einem Spielzeug
degradierte.
*************
Ailia währenddessen gingen ganz andere Dinge durch den Kopf. Ihre Mutter hatte
sich wieder beruhigt und verlangte einen sachlichen Bericht über die vergangenen
Wochen. Sie ging mit keiner Silbe noch einmal auf den Terraner ein, als hätte
sie seine Anwesenheit vergessen, sondern klärte Ailia auf, was in der
Zwischenzeit auf Avalon passiert war.
Ein Schmunzeln huschte erst über Auris Lippen, als Ailia die Anwesenheit der
anderen beiden Terraner erklärte und sarkastisch meinte, Celly wüsste sie
sicherlich zu erziehen.
„Du siehst recht erholt aus“, begann sie dann vorsichtig.
„Ich habe mich gelangweilt“, brummte sie mürrisch. „Es wird Zeit, dass ich
wieder eine Aufgabe habe.“
„Wenn du deinen Terraner die ganze Zeit einsperrst, wird er sich ebenfalls
langweilen“, meinte Auris mit einem feinen Lächeln.
„Ich habe nicht vor, ihn einzusperren“, knurrte Ailia. „Er ist im Moment etwas
…unkooperativ.“
„Er hat dich tatsächlich beansprucht?“ Auris beugte sich neugierig nach vorn.
Ailia musterte sie aus schmalen Augen. „Ich habe ihn vielleicht etwas in die
Richtung geschubst. Langeweile und dann gar kein Sex wäre kaum zu ertragen
gewesen.“
„Wie ist es?“, fragte Auris atemlos. „Beansprucht zu werden?“
„Mom!“, fuhr Ailia auf. „Sag bloß, du bist neugierig!“
„Was ist das für ein neckisches Zeichen auf deiner Schulter?“, bohrte die ältere
D’arjo vergnügt weiter.
Ailia wurde wahrscheinlich zum ersten Mal in ihrem Leben rot. „Nichts!“, zischte
sie und schwor sich selbst, schnellstens andere Kleidung anzulegen.
„Das ist ein terranischer Buchstabe, ja? Wie heißt dein Freund?“
„Es geht dich gar nichts an!“
Auris lachte wieder amüsiert. Schon die Reaktion ihrer Tochter als sie Interesse
an dem Terraner gezeigt hatte, hatte sie überrascht. Dass sie jetzt noch rot
wurde, übertraf alles. „T wie…?“
„Trevor!“, knurrte sie gereizt. „Er hatte dummerweise das Gefühl, mich mit
seinem Zeichen zu versehen und da seine Zähne nicht taugen… Es ist nicht von
Dauer.“
„Du willst ihn tatsächlich für dich allein? Kein Mann wird das auf Dauer
ertragen, Lucie. Du weißt das.“
Ailia hatte im Moment noch keine Lust, darüber nachzudenken und stand auf. „Wie
weit bist du mit seiner Schwester Amelie gekommen?“
Auris hob erstaunt die Augenbrauen. „Ich habe eine Anfrage nach Ventaarn
geschickt, wie erwartet keine Antwort erhalten und meine kleine Flotte
zusammengezogen. Du hast vor, dem ganzen weiter nachzugehen?“
„Ja.“ Sie nickte. „Ich bin es ihm schuldig.“
„Du bist niemandem etwas schuldig, D’arjari“, entgegnete Auris.
Diesmal waren es Ailias Lippen, die sich zu einem feinen Lächeln verzogen. „Ich
denke schon.“ Sie wandte sich zur Tür und bemerkte nicht mehr, mit welch
nachdenklichem Blick ihr Auris’ Augen folgten.
*************
Trevor lag auf dem Bett, las in einem Buch und hob den Kopf, als sie um die Ecke
trat. „Ich langweile mich jetzt schon“, knurrte er. „Und du kannst gleich wieder
gehen. Ich will dich nicht sehen.“
„Das ist meine Kabine“, erklärte Ailia freundlich und setzte sich auf die
Bettkante.
Er fuhr hoch. „Was?! Spinnst du eigentlich?!“ Sie log nicht, warum auch. „Ich
will eine andere Kabine!“
Ailia lächelte und kroch über das Bett langsam auf ihn zu. „Du kannst nichts
verlangen“, schnurrte sie vergnügt. „Du kannst mich höchstens um etwas bitten.“
„Ich werde dich um nichts bitten! Um gar nichts! Bleib mir vom Leib!“ Allerdings
war er zu stolz, um wie ein aufgeschrecktes Kaninchen vom Bett zu springen. Was
er nicht verhindern konnte war, dass sein Körper sich selbst in einen Zustand
der Alarmbereitschaft versetzte und sich jeder Muskel anspannte.
„Was macht dich nervös?“, fragte Ailia leise, als sie ihn erreichte. Ihre feinen
Ohren registrierten sehr wohl das Beschleunigen seines Herzschlags. Sie hob ihre
Hand und strich gedankenverloren über seine Brust. Er trug noch immer die
Uniform des Captain, es wurde Zeit, daran etwas zu ändern, da ihr die Kleidung
genau so wenig gefiel wie das terranische Zeug, das sie trug.
„Ich werde nicht mit dir schlafen“, stieß er hervor, rührte sich jedoch nicht
von der Stelle.
„Nein?“, schmollte Ailia gespielt und schmiegte sich an seine Seite. Trevor
hatte sich auf seine Ellenbogen aufgerichtet. „Ich denke, du schuldest mir noch
etwas für die letzte Aktion in meiner Arrestzelle.“
Trevor versuchte krampfhaft, ihren ihm so vertraut gewordenen Körper zu
ignorieren. Er sagte sich, dass es wirklich das Beste wäre, er würde aufstehen
und flüchten. Aber der Gedanke, dass sie ihn womöglich durch dieses Zimmer jagen
würde, erschien ihm genau so kindisch. Es war schon immer besser gewesen, sich
einer Herausforderung zu stellen, als vor ihr zu flüchten. Er musste einfach nur
hier liegen bleiben und gar nichts tun. Und seinem Körper irgendwie klar machen,
dass er nicht auf sie zu reagieren hatte.
Ailia stützte sich auf ihren linken Arm, während sie mit einem amüsierten
Lächeln verfolgte, wie er krampfhaft versuchte, in eine andere Richtung zu
schauen. Sie rechnete ihm hoch an, dass er nicht flüchtete.
Fast zärtlich strich sie mit den Fingern über seine Wange und er drehte den Kopf
zur Seite. „Als Dorema habe ich dafür zu sorgen, dass du ein erfülltes
Sexualleben bekommst“, hauchte sie, beugte sich zu ihm und berührte mit den
Lippen den Bereich des Halses, den er durch seine Kopfbewegung frei legte.
„Ich bin nicht so sexverrückt wie du, D’arjo.“ Er zuckte zusammen, als sie
zubiss und erinnerte sich daran, dass er sie nicht mehr so nennen sollte.
Trotzig biss er die Zähne zusammen. Er konnte sie nennen, wie er wollte!
„Die letzte Woche hat mir gezeigt, dass du in dieser Hinsicht sehr gut bist“,
schnurrte sie neben seinem Hals. „Wenn du allerdings eine kleine
Eingewöhnungszeit brauchst, werde ich auf einen anderen Saraan zurückgreifen.
Vielleicht regt das Zusehen deine Lust ja wieder an…“
Zusehen?! Seine Hand schlang sich um ihren Hals und er riss ihren Kopf hoch. „Du
sperrst mich in dein Zimmer ein und würdest dann die Frechheit besitzen, dich
von einem anderen Mann flachlegen zu lassen?! Vor meinen Augen?! Ich will eine
andere Kabine!“
„Du gehörst mir“, hauchte sie. „Und ich will dich in meiner Kabine. Ich will
dich in meinem Bett.“
Er starrte sie an und das Feuer in ihren Augen jagte Hitze in seinen Körper. Er
würde niemals zusehen können, wie sie ein anderer Mann berührte. Schon allein
bei dem Gedanken daran wurde er wütend. Warum das so war, konnte er gleich gar
nicht erklären, weil er sie doch eigentlich auch nicht haben wollte.
„Ich bin es nicht gewohnt, allein zu schlafen“, fuhr sie fort und saß im
nächsten Moment rittlings auf seinen Hüften. „Ich will nicht allein schlafen.“
Trevor atmete tief durch. Die Hitze zwischen ihren Beinen zu spüren reichte, um
seine Erregung aufflammen zu lassen. Er wusste aus den vergangen Tagen, wie
leicht es war, sie zu erregen und ahnte, wie feucht sie allein der Gedanke
machte, sich auf ihn zu setzen. Sie hatten es nie in dieser Position getan, weil
er irgendwie angenommen hatte, es wäre ihre bevorzugte, weil sie so die meiste
Kontrolle hatte. Als er sie jetzt auf sich sitzen sah, mit den blitzenden Augen
und spürte wie sie sich selbst an ihm rieb, erschien ihm der Gedanke, dass sie
ihn reiten könnte, plötzlich unwahrscheinlich erregend.
Ailia beugte sich über ihn und er schloss die Augen, als ihre dunklen Haare sein
Gesicht kitzelten. „Was ist, Trev?“
Jetzt kürzte sie seinen Namen auch noch ab. Unverschämt.
„Übernimmst du die Rolle oder möchtest du die des Zuschauers? Vorerst?“
Er schloss einen Moment die Augen, ehe er sie wieder öffnete und den Blick zu
ihrem Gesicht hob. „Ich kann das nicht, Lucie. Ich kann den Part eines Saraans
nicht spielen.“
Ailia berührte sanft mit ihren Lippen seine. „Du hast es noch immer nicht
verstanden“, flüsterte sie. „Du sollst nichts spielen, sondern du selbst sein.
Sex dient dem gegenseitigen Vergnügen. Es macht mir Spaß und ich weiß, dass es
dir genau so viel Spaß macht. Sogar jetzt.“
Er fühlte ihr Grinsen, als sie sich provozierend an seinem Schritt rieb und
wusste, dass seine erwachte Erektion ihr nicht verborgen geblieben war. Seine
Hand hob sich wieder um ihren Hals, zog ihren Kopf zu sich und seine Lippen
pressten sich auf ihren Mund. „Ich hätte in einigen Situationen anders reagiert
als du“, stieß er dann hervor. „Ich wollte deinen Stolz verletzen, ich wollte,
dass du begreifst, dass ein Mann diese Macht hat…“
Sie lächelte wieder, etwas, was ihn noch mehr irritierte.
„Ich hätte nicht nachgegeben… an manchen Punkten…“, fuhr er fort und schloss die
Augen, als ihre Lippen über seinen Hals glitten.
Wir werden sehen, dachte Ailia belustigt und beschloss, ihr kleines Geheimnis –
das Aufsuchen seiner Schwester – noch ein wenig für sich zu behalten. Vielleicht
sollte sie ihm erst einmal zeigen, wie erregend Nachgeben sein konnte. Nur nicht
heute Nacht. Heute Nacht würde es keine Machtkämpfe geben, weder von seiner noch
von ihrer Seite.
Heute Nacht wollte sie nur, dass er begriff, wie egal es war, wo sie sich
befanden. Er begehrte sie, doch sein Stolz würde ihn daran hindern, seinem
Verlangen nachzugeben, wenn sie ihn unter Druck setzte, weil er es als Schwäche
interpretieren würde. Und deshalb wollte sie, dass er heute Nacht einfach nur
seinen Verstand verlor und sie ordentlich vögelte. Und sie wusste genau, wie sie
ihn dazu bringen konnte…
***********
„Du willst jetzt allen ernstes behaupten, ich kann die Kabine verlassen?“ Trevor
klang fassungslos. Er hatte geduscht, sich angezogen und auf die Bettkante
gesetzt, als Ailia aus der Dusche kam und begann sich anzuziehen.
„Natürlich“, erwiderte sie belustigt. An diesem Morgen schien er
kooperationsbereiter und schon gar nicht mehr so zornig zu sein. Und sie war
froh über ihre Entscheidung in der letzten Nacht, auch wenn es sie etwas
irritiert hatte, sich als gleichberechtigte Partner zu lieben. Es war neu für
sie, aber sie konnte nicht behaupten, dass es ihr nicht gefallen hätte.
„Ich könnte das Schiff sabotieren.“
„Du bist allein. Du befindest dich im D’arjoterritorium. Wo willst du hin?“ Sie
lächelte, als sie in eins der d’arjotischen Wickelgewänder schlüpfte. „Wenn du
natürlich in der Kabine bleiben möchtest, kannst du das. Aber es wird langweilig
werden.“
„Was hast du vor?“
„Ich habe Hunger und zum Essen nehme ich dich garantiert mit“, verkündete sie,
griff nach seiner Hand und zog ihn hoch. „Außerdem kann ich dir bei der
Gelegenheit noch ein paar Dinge über das d’arjotische Zusammenleben erzählen.“
Trevor war sich nicht sicher, ob er irgendetwas in der Richtung hören wollte.
Aber die letzte Nacht hatte ihn erstaunt, weil er nicht damit gerechnet hatte,
sondern eher erwartete hatte, sie würde es ausnutzen, ihn in ihrer Gewalt zu
haben. Damit hätte er umgehen können, er war sich sogar sicher, dass er die
Stärke aufgebracht hätte, ihr zu widerstehen, weil es seinen Stolz verletzt
hätte.
Gegen die Zärtlichkeit, mit der sie ihn behandelt hatte, war er machtlos
gewesen. Vor allem, weil er sich sicher war, dass das für sie nicht alltäglich
oder normal war. Und sie hatte ihn nicht gebissen, obwohl sie doch eigentlich
erzählte hatte, es wäre das Erste was eine Dorema tat. Das war alles
irritierend, aber ein Teil seines Zorns war verschwunden und hatte Neugier Platz
gemacht.
Deshalb folgte er ihr jetzt aus der Kabine. Schließlich konnte es nicht schaden,
sich ein d’arjotisches Schiff einmal genauer anzusehen. Vor allem, wenn er
längere Zeit hier verbringen sollte.
Die Cafeteria war recht voll. Ab und zu spürte Trevor den abschätzenden oder
neugierigen Blick einer anderen D’arjo. Ailia schien sich heute besser unter
Kontrolle zu haben. Er sah zwar, dass sie ihre Haare wieder aufgerichtet hatte,
aber sie knurrte nicht so aggressiv wie am gestrigen Tag. Manchmal erkannte er
neben den weiblichen D’arjos einen männlichen, doch diese waren eindeutig in der
Minderheit.
Ailia wählte einen Tisch im hinteren Viertel und setzte sich. „Die Bestellung
wird über das kleine Terminal in der Mitte des Tisches eingegeben. Aber ich
würde dir nicht empfehlen, allein hierher zu gehen. Es gibt bestimmte Bereiche
auf diesem Schiff – eine Art Vergnügungsviertel – auf dem sich Männer treffen,
wenn sie sich die Zeit vertreiben wollen, während ihre Frauen anderweitig
beschäftigt sind.“
Er hob erstaunt die Brauen. „Was passiert, wenn ich allein hierher komme?“
Ailia lächelte schwach. „Man würde es als Angebot werten. Viele Frauen können
sich einen eigenen Saraan nicht leisten und freuen sich über jede Gelegenheit,
einen anderen zu borgen.“
Sein Mund klappte auf. „Was?! Das ist…normal?“ Allerdings sah sie nicht
sonderlich begeistert über diese Möglichkeit aus. „Wenn ich allein hierher
komme, muss ich damit rechnen, von sexwütigen D’arjos angefallen zu werden?!“
Das konnte doch bloß ein Witz sein.
„Ich habe hier noch nie einen Mann allein gesehen“, sagte sie nur. „Ich kann dir
deshalb nicht sagen, was passiert. Aber ich weiß, dass D’arjos manchmal recht
zudringlich werden können. Vor allem, wenn sie keinen eigenen Saraan haben.“ Sie
sah ihn nicht an, sondern tippte die Bestellung in den kleinen Computer und er
hatte das unbestimmte Gefühl, dass ihr der Gedanke, eine andere Frau könnte an
ihn heran treten, unangenehm war.
„Dann befinden sich in diesem bestimmten Viertel nur Männer?“
„Ab und zu wenden sich auch Frauen dorthin in der Hoffnung, einen Saraan zu
finden, der gerade das gleiche Bedürfnis verspürt wie sie.“
„Dreht sich denn hier alles um Sex?“, entfuhr es ihm verblüfft.
Ailia hob endlich den Blick und sah ihn an. „D’arjotische Männer haben selten
etwas anderes im Kopf. Deshalb sind sie auch so unzuverlässig in anderen
Sachen.“
Er verdrehte die Augen. „Ich sehe schon, das wird ein hochinteressanter Tag“,
murmelte er genervt. „Was machst du? Kann ich nicht mit dir mitkommen?“
„Mit mir?“, kicherte Ailia auf. „Ich glaube, dann wäre ich das Gespräch des
Tages. Eine Frau, die ihren Saraan zu Wirtschaftbesprechungen mitnimmt…“
„Ich bin kein Saraan!“, entgegnete er spitz. „Vielleicht habe ich ja auch etwas
zu sagen.“
„Dir würde niemand zuhören“, meinte sie sanft.
„Mir gefällt es hier nicht“, nörgelte er missmutig.
Ailia hob ihre Hand und strich ihm zärtlich über die Wange. „Schau dich um.
Amüsier dich. Bild dir einfach ein, du hast Urlaub.“
„Ich kann mir keinen Urlaub für den Rest meines Lebens vorstellen!“
Ihr Gesicht verschloss sich übergangslos und ihre Augen wurden hart. Obwohl sich
an ihrer Haltung nichts veränderte, schien sie plötzlich unnahbar und kühl. „Das
hättest du dir überlegen sollen, bevor du mich beansprucht hast. Finde dich mit
dem Gedanken ab, jetzt mir zu gehören.“
„Lucie, das auf meinem Schiff war ein Spiel!“
„Nein, Trev. Das war es nicht. Du hast mich dazu gebracht, dich anzuerkennen.
Und ich drehe jetzt den Spieß um.“ Sie beugte sich zu ihm, sah den leichten Zorn
in seinen Augen und ein Schauer rann über ihre Haut. „Es hat dir Spaß gemacht.
Und jetzt wird es mir Spaß machen, dir genau das gleiche zu geben.“
Trevor schluckte kurz, als er ihre leise Ankündigung hörte. „Dir hat es Spaß
gemacht. Mir wird es nicht gefallen. Das ist der Unterschied.“
„Sicher?“ Plötzlich klang sie wieder amüsiert. Ihre Hand verschwand unter dem
Tisch und legte sich auf seinen Oberschenkel.
Trevor biss sie Zähne zusammen und zwang sich gewaltsam, eine gleichgültige
Miene zu wahren. Schließlich hatte er Monate ohne eine Frau verbracht – vor ihr
– sie würde ihn niemals soweit bringen, die Nerven zu verlieren und ein derart
unbeherrschtes Verhalten zu zeigen wie sie. Obwohl… dieses Verhalten ihn
tierisch angemacht hatte. Vor allem der Gedanke, dass er es war, der sie die
Beherrschung verlieren ließ.
Ailia lächelte, als sie sah, wie seine Kiefermuskeln arbeiteten. Dann fühlte sie
ihn zusammenzucken, als ihre Hand höher wanderte.
„Lucie!“, zischte er aufgebracht, doch sie störte sich nicht daran, sondern
rutschte noch näher. Ihm wurde heiß, während er sich umsah und überlegte, wohin
er flüchten könnte. Komischerweise beachteten die anderen D’arjos im Raum ihren
Tisch nicht, obwohl es offensichtlich war, dass ihre Hand unter dem Tisch ganz
gewiss keine anständigen Dinge tat. Ihm wurde heiß und er wusste nicht, ob es
daran lag, dass ihm furchtbar peinlich war, sich in der Cafeteria zu befinden
oder weil ihre Hand ihn zwischen den Beinen berührte.
„Denk nicht einmal an Flucht“, schnurrte sie neben ihm und er fragte sich, warum
er tatsächlich nicht flüchtete. Ein leises Lachen drang aus ihrem Mund. „Also,
das fühlt sich schon einmal nicht so an, als würde es dir keinen Spaß machen.“
„Hör auf“, presste er krampfhaft hervor. Sie tat es nicht, sondern massierte ihn
sanft durch die Hose. Wahrscheinlich hatte sie ihn mit irgendeinem Sexvirus
infiziert. Doch sein Zorn über ihre Unverschämtheit war größer. Er wollte seine
Hand unter den Tisch senken und ihre zur Seite schieben, als ihr Knurren ihn
stoppte. Es kam so überraschend, leise, aber in der Aggressivität des Knurrens
vom gestrigen Tag, dass er tatsächlich erstarrte.
„Lass die Hände, wo sie sind.“
Selbst ihre Stimme klang anders, härter und fordernder, und neben dem Zorn
fühlte er etwas anderes stärker werden: Erregung. Er verstand selbst nicht,
wieso das so war und sagte sich, dass er einfach aufstehen und gehen konnte,
weil sie nicht die körperliche Kraft besaß, ihn zu halten. Doch er drehte nur
den Kopf, sah sie an und wurde steinhart, als er dem Blick in ihren Augen
begegnete und in ihnen die gleiche Erregung sah, die er fühlte. Plötzlich
verschwamm die Umgebung zur Nebensächlichkeit und er schien in dem Feuer, das in
ihren Augen loderte, zu versinken.
„Küss mich“, sagte sie leise.
Erst in diesem Moment ahnte er, was sie bewogen haben konnte, seinen Forderungen
nachzugeben. Er hätte es gern abgestritten, aber er ahnte plötzlich, dass sie
die gleiche Erregung gespürt hatte wie er in diesem Moment. Ein Prickeln lief
sein Rückrat hinauf, eine Art erotischer Schauer rann durch seinen Körper hinab,
zwischen seine Beine, dorthin, wo ihn noch immer ihre kleine Hand umfasste und
er wusste, dass es für sie nur einen einzigen Grund gegeben hatte: Es stand
fest, dass er die Erregung auf ein Level steigern konnte, in dem die Lust zu
Schmerz wurde und er sie in einer Explosion erlösen würde. Und ihm war
vollkommen klar, dass sie genau dazu ebenfalls fähig war.
Langsam, fast gegen seinen Willen, senkte sich sein Kopf zu ihr und seine Lippen
berührten ihre. Sie schnurrte leise, fast wie um ihn zu beruhigen, und öffnete
den Mund, als sie seine Zunge spürte.
Es war Ailia, die den Kuss beendete, indem sie die Hand von seiner Hose löste.
Er hätte am liebsten frustriert aufgestöhnt, besann sich jedoch rechtzeitig, wo
er sich befand und atmete tief durch, ehe er sich mit der Hand durch die Haare
fuhr und ein: „Verflucht“, murmelte.
Erst dann drehte er wieder den Kopf zu ihr und sah das wissende Lächeln, das
ihre Lippen umspielte, als sie ihn mit schief gelegtem Kopf betrachtete. Für
einen kurzen Moment fühlte er den Wunsch, sie einfach zu schnappen und aus der
Cafeteria zu zerren.
Vielleicht hätte er es auf seinem Schiff in der gleichen Situation getan. Hier
nicht. Und das lag nicht daran, dass er sich auf einem d’arjotischen Schiff
befand oder weil er Angst hatte, die anderen D’arjos in der Cafeteria könnten
darüber entsetzt sein. Nein, er tat es nicht, weil er wusste, dass sie es nicht
wollte.
Sie kam am Abend erst spät heim und diesmal war
es Trevor, der im Zimmer auf und ab tigerte und sich fragte, wo zum Teufel sie
blieb.
Irgendwann am Nachmittag war er aus dem Vergnügungsviertel geflüchtet, weil er
es satt hatte, den Gesprächen der anderen männlichen D’arjos zuzuhören. Er war
sich vorgekommen, als hätte man ihn in einen Klatschsalon versetzt und je länger
er dem Tratsch zuhörte, umso genervter wurde er.
Das Hauptthema war, wie sollte es anders sein, Sex. Am Anfang fand er es recht
interessant, mit welcher Ausführlichkeit und welcher Detailliertheit derartige
Themen angesprochen wurden. Es amüsierte ihn auch, zu hören, wie sich die Männer
gegenseitig Ratschläge gaben, auf welche Art und Weise man eine D’arjo am
schnellsten dazu bringen konnte, bestimmte Wünsche zu erfüllen und er sagte
sich, dass es Ailias Leon sicherlich faustdick hinter den Ohren gehabt hatte,
wenn sie ihm nie einen Wunsch abschlagen konnte.
Doch der Gedanke, seinen Körper einzusetzen, zu schmeicheln und gar zu betteln,
um etwas zu erreichen, stieß ihn ab. Leider trugen die ganzen Gespräche nicht
dazu bei, die Erregung, die Ailia beim Frühstück hervorgerufen hatte, abklingen
zu lassen.
Dann war er ein paar terranischen Männern begegnet, die Karten spielten und ihn
mit einluden. Doch wenn er gedacht hatte, zumindest hier ein vernünftiges
Gespräch führen zu können, wurde er wieder enttäuscht.
Auf seine Frage hin, ob sie sich nicht langweilten, lachte einer der Männer,
klopfte ihm auf die Schulter und meinte: „Du wirst das schon noch merken,
Trevor. Das hier ist der Himmel auf Erden. Du kannst Sex haben soviel, sooft und
wann du willst. Und mit wem du willst. Natürlich darfst du deine Dorema nicht
vernachlässigen, aber was du den ganzen Tag anstellst, interessiert sie sowieso
nicht. Wenn du also scharf auf eine kleine Abwechslung zwischendurch bist, dann
schau dich hier um. Die Frauen, die hier rein kommen, sind meist
unwahrscheinlich scharf und denen steht nicht der Sinn danach, deine Erregung
etwas in die Höhe zu kitzeln. Die wollen einfach nur gefickt werden.“
Es hatte Trevor entsetzt zu sehen, wie sich sicherlich normale terranische
Männer in das verwandelten, was er als Sexspielzeug bezeichnete. Und er fragte
sich, ob sich auch Ailia ab und zu einen anderen Mann genehmigte, weil sie etwas
Abwechslung suchte. Der Gedanke machte ihn wütend und je länger er wartete, umso
zorniger wurde er.
Dann öffnete sich endlich die Tür. Ailia hob erstaunt die Augenbrauen, als sie
seine fast aggressive Haltung bemerkte. „Was ist passiert?“
Er war mit einem Satz bei ihr und warf sie mit seinem Körper gegen die Wand
neben der Tür. Sie knurrte auf, doch in diesem Moment war es ihm egal. Seine
Armen schlangen sich um sie und seine Lippen pressten sich auf ihren Mund.
Ailia war weit davon entfernt, in dem Überfall eine Art Kampf zu sehen. Ihre
Hände umfingen seinen Kopf, als er sie hochhob, und ihre Beine umklammerten
seine Hüften. Erst dann löste sie ihre Lippen von seinen und sah etwas wie
Verzweiflung in seinen Augen. „Was ist los?“, fragte sie wieder.
„Ich hatte einen idiotischen Tag“, murmelte er, wollte sie wieder küssen, doch
sie hielt seinen Kopf fest.
„Inwiefern?“
„Ich bin lauter Idioten begegnet, die nur Sex im Kopf haben.“
Ailia lachte leise. „Sie haben dich angesteckt?“
„Nein!“, knirschte er. „Denen ist es egal, wen sie vögeln, Lucie!“ Sie hielt die
Luft an, als der Zorn wieder in seine Augen trat. „Wo kommst du jetzt erst her,
Lucie? Ist es dir auch egal? Brauchst du die Abwechslung genau so wie der Haufen
schwachsinniger Männer da draußen?“
„Was?“, fragte sie verdattert.
„Wie oft brauchst du es pro Nacht, damit du tagsüber keinen anderen Mann
anschaust?“, stieß er wütend hervor.
„Was?!“, fauchte sie auf, warf sich gegen ihn und brachte ihn aus dem
Gleichgewicht. Trevor taumelte rückwärts, ohne sie loszulassen und landete auf
der Couch. Mit einer recht wütenden D’arjo auf seinem Schoß.
Erst dann dämmerte ihr, was er eigentlich gesagt hatte: Damit du keinen anderen
Mann anschaust.
Und ihre Wut verlosch mit einem Schlag. Er war eifersüchtig. Er. War.
Eifersüchtig.
Obwohl er ein Mann war. Nein, stopp. Er war ein Terraner. Sie hatte keine
Erfahrung mit Terranern, von den letzten beiden Wochen einmal abgesehen. In
dieser Zeit hatte sie sich keine Gedanken darüber gemacht, ob es auf dem Schiff
noch anderen Frauen geben könnte, die er besuchte. Er hatte es nicht – das sagte
ihr ihre Nase – und sie hatte auch nicht damit gerechnet.
Leon hatte auch erst nach Monaten den Wunsch nach Abwechslung verspürt, eine
vollkommen natürliche Reaktion für einen Mann. Für einen d’arjotischen. Und Leon
war nie eifersüchtig gewesen, ja, er hatte ihr sogar einmal begeistert
vorgeschlagen, dass er doch auch einmal zusehen könnte oder sie noch einen
zweiten Saraan dazu nehmen könnten.
Sie hatte noch nie von einem eifersüchtigen Mann gehört…
„Es… es würde dich stören?“, fragte sie vorsichtig und klang wahrscheinlich
recht fasziniert.
Trevor fluchte auf, wollte mit ihr zusammen aufspringen, doch ihre Krallen
bohrten sich in die Lehne der Couch. „Ich weiß nicht, was auf diesem
bescheuerten Schiff los ist!“, tobte er weiter. „Aber wenn ich weiß, dass du
dich vom Rest des Schiffes flachlegen lässt, wird kein einziges deiner
verdammten Spielchen mich dazu bringen, dich jemals wieder anzurühren!!“
Er war eifersüchtig. Und dazu noch ganz schön. Ein Schauer lief über Ailias
Haut. Allein der Gedanke, einen eifersüchtigen Mann zu treffen, war unfassbar
und zu sehen, wie er sich verhielt, wie er es sagte und seinen Zorn mit jeder
Bewegung ausdrückte, erregte sie ungemein.
„Ich bin eine Frau“, sagte sie leise, als würde das alles erklären.
„Das ist mir scheißegal!“, schrie er unbeherrscht. „Meinetwegen kannst du es als
dein Recht betrachten, dir zu nehmen, wen du willst! Ich spiele nicht mit! Ich
kann eine ganze Weile ohne Sex leben! Und der Gedanke, eine Frau mit anderen zu
teilen, senkt mein Verlangen auf Null!“
Er hatte sie falsch verstanden, aber das war ihr im Moment egal. Viel mehr
begeisterte sie der Gedanke, dass er tatsächlich meinte, was er sagte.
Schnurrend beugte sie sich nach vorn und fuhr spielerisch mit der Zunge über
seine Lippen.
Er fluchte wieder, wollte sie von sich stoßen, doch sie umklammerte mit den
Armen seinen Hals. Sie war sich nicht sicher, ob sie wirklich fragen sollte, was
ihr auf der Zunge lag, aber nach seinem Ausbruch schien ihr das Risiko, eine
Schwäche von sich selbst zu zeigen, geringer.
„Heißt das“, begann sie vorsichtig, „dir würde eine einzige Frau reichen?“
Er erstarrte unter ihr und brachte dann schwach hervor. „Lucie, ich denke, du
solltest mir da noch einiges erklären.“
„Was denn?“, murmelte sie begeistert, weil ihre Nase ihr mehr als deutlich seine
Antwort sagte, obwohl er kein Wort gesprochen hatte. Die Unterstellung, eine
Frau würde ihm nicht reichen, entsetzte ihn.
Trevor schloss einen Moment die Augen. Entgegen seiner Behauptung erregte es ihn
ganz schön, sie auf sich sitzen zu spüren und zu fühlen, wie ihre Zähne zärtlich
an seinem Hals nagten. Dass sie dazu noch so süß schnurrte, half ihm auch nicht
weiter.
Seufzend sank seine Stirn gegen ihre Schulter. „Du hast erzählt, der Saraan
gehöre der Dorema. Heute bin ich Männern begegnet, die behaupteten, in einem
Sexparadies zu leben und ins Bett hüpfen können, mit wem sie wollen. Terranern!“
Ihre Finger wühlten sich in seine Haare. „Auf Dauer benötigt ein Mann eine
gewisse Abwechslung“, sagte sie leise. „Jede Frau weiß das und für diejenigen,
die keinen eigenen Saraan besitzen, besteht dadurch die Möglichkeit, ebenfalls
in den Genuss einer kurzen sexuellen Befriedigung zu gelangen.“
Trevor hob den Kopf. „Dein Leon auch?“ Einen kurzen Augenblick funkelte etwas in
ihren Augen, das er fast als Schmerz bezeichnet hätte, doch es war zu schnell
vorbei.
Sie nickte. „Leon auch.“ Sie schwieg einen Moment, ehe sie weiter sprach. „Es
wäre unnatürlich gewesen, es ihm zu verbieten…“
„Aber es hat dir nicht gefallen?“
Ailia zuckte zusammen. „Was?“ Das würde sie nicht einmal sich selbst gegenüber
zugeben. Doch er sah weder entsetzt noch fassungslos aus, sondern so, als wäre
es die natürlichste Sache der Welt. „Mir hat der Gedanke nicht behagt, ihn
allein mit einer anderen Frau zu wissen“, gab sie dann zu. „Deshalb wollte ich
dabei sein.“
Trevors Mund klappte auf und wieder zu, als sie seinem Blick auswich. Weil er
plötzlich wusste, dass ihr Verhalten für eine D’arjo nicht normal war.
„Mich erregt Zusehen“, fuhr sie fort. „Auch wenn es Leon war, weil mir die Art
und Weise, wie er mit Frauen umging, einfach gefiel. Und wenn ich dabei war,
wusste ich, dass er sich sofort mir zuwenden würde, wenn die andere Frau
befriedigt war. Er hat mich geliebt.“
„Hat er das?“, erkundigte Trevor sich skeptisch. „Und du?“
„Ich bin eine Frau“, sagte sie wieder. „Auch wenn du mich als sexverrückt
bezeichnest, einer Frau reicht im Normalfall ein Mann. Natürlich gibt es
Ausnahmen – meine Freundin Celly zum Beispiel – aber ich hatte nie das
Bedürfnis, neben Leon einen anderen Mann aufzusuchen. Nicht einmal, als er mich
darum gebeten hat.“
„Er hat…was?!“
„Er wollte auch mal zusehen“, schnurrte sie wieder, während ihre Zunge über
seinen Hals glitt.
„Bescheuert…“, stieß er hervor und zog sie an sich.
Ailias Finger beschäftigten sich schon wieder mit den Knöpfen seines Hemdes. Sie
fühlte seine Erregung, weil sie darauf saß und der Gedanke, dass sie ihn
tatsächlich für sich allein haben könnte, löste ein eigenartiges Hochgefühl in
ihrem Körper aus. Und sie verschob den Gedanken, dass sie selbst beschlossen
hatte, dem ganzen eine zeitliche Grenze zu setzen, erst einmal weit von sich.
„Ich gehe da morgen nicht wieder hin“, murmelte er abwesend und sein Kopf sank
zurück gegen die Lehne der Couch.
Ihre Finger streiften ihm das Hemd von den Schultern und glitten über seine
nackte Haut. Wenn seine Worte stimmten – leise Zweifel hatte sie noch immer –
gehörte er tatsächlich ihr. Und nur ihr allein. Sie senkte den Kopf und ihre
Lippen berührten die Haut seiner Brust. Er reagierte auf sie, sie spürte es an
der Art, wie sich seine Muskeln zusammen zogen und sich seine Atmung
beschleunigte. Vorsichtig löste sie sich von ihm und stand auf.
Trevor öffnete die Augen, rührte sich aber nicht, sondern beobachtete, wie sie
mit den Händen zu den Schnallen des Wickelgewands griff, sie löste und der Stoff
von ihren Schultern rutschte. Sein Mund wurde trocken, als er sah, dass sie
darunter gar nichts trug. Kein Wunder, wenn sie mit der terranischen Unterwäsche
nicht klar kam… Er wollte zum Bund seiner Hose greifen, doch sie knurrte leise
auf und setzte sich wieder auf seinen Schoß.
„Verflucht“, murmelte er unterdrückt und schlang seine Arme um ihren nackten
Körper. Seine Erektion drückte schmerzhaft gegen den Reißverschluss seiner Hose,
vor allem, weil er die Hitze zwischen ihren Beinen jetzt so deutlich spürte und
seine Hände klammerten sich in das feste Fleisch ihres Hinterns. „Lucie, meine
Hose…“
Sie rieb sich selbst an ihm und er glaubte zu zerspringen. Ihre Hände zogen
seinen Kopf an ihre Brust und er gab ihrem Drängen nach, schloss seine Lippen um
die dunkle Spitze ihrer rechten Brust und saugte sie in seinen Mund. Sie fauchte
auf und das Fauchen jagte ein Zittern durch seinen Körper.
Er wollte seine Hose loswerden, sich in ihr vergraben und hören, wie das Fauchen
in ein Stöhnen überging, konnte sich jedoch nicht bewegen, da sie noch immer auf
ihm saß. Ohne die Lippen von ihrer Brust zu lösen, glitt seine Hand zwischen
ihre Beine. Sie war schon wieder so feucht, dass er selbst unterdrückt
aufstöhnte, als seine Finger sie berührten.
Ailia umklammerte seinen Kopf, richtete sich etwas auf, damit seine Finger sie
besser erreichen konnten und schloss die Augen. Sie presste sich an ihn, spürte
seine Lippen auf ihrem Bauch und knurrte leise, weil der Druck in ihr stärker
wurde. Sie wusste, wie es um ihn stand, vor allem, weil er die Hose noch trug,
und es erregte sie ungemein zu wissen, wie er sich danach verzehrte, sich selbst
zu befreien und in ihr zu vergraben.
Ihre Finger griffen in seine Haare und zogen sein Gesicht so, dass er sie
ansehen musste.
„Ich will deine Zunge“, schnurrte sie leise und hörte ihn wieder stöhnen.
„Lucie, ich…“
Sie verschloss seinen Mund mit einem Kuss, rutschte zur Seite und zog ihn mit
sich. „Du bist mit dem Mund genau so gut wie ich“, hauchte sie gegen seine
Lippen und dirigierte seinen Kopf abwärts.
„Ich platze gleich“, stieß er verzweifelt hervor, sank jedoch vor der Couch
zwischen ihren Beinen auf die Knie. „Du bist ein hartherziges Miststück, Lucie“,
fuhr er fort, während seine Zunge über ihren Bauch tiefer glitt.
Ailia lächelte verzückt und spreizte die Beine. Sie fühlte deutlich, dass er es
nicht tun musste, im Gegensatz zu den d’arjotischen Männern, die schon bei dem
Gedanken an Sex den Verstand verloren, behielt er seinen recht lange. Dass er
trotzdem tat, was sie wollte, begeisterte sie, weil sie ahnte, dass er im Moment
das gleiche Gefühl hatte wie sie damals auf seinem Schiff, als zum ersten Mal in
ihrem Leben ein Mann etwas forderte.
Trevor fühlte sich wirklich, als würde er gleich in seiner Hose kommen. Und
trotzdem war es berauschend zu wissen, dass diese Erregung noch eine Weile
anhalten und vielleicht noch weiter in die Höhe getrieben werden konnte. Er
hörte sie auffauchen, als sein Gesicht zwischen ihren Beinen ankam und fühlte
ihre Hand in seinen Haaren.
Sie liebte es genau so wie er es liebte, ihren süßen Mund um seinen Schwanz zu
sehen und er liebte definitiv die kleinen knurrenden Laute, die aus ihrem Mund
kamen, als seine Zunge sie weiter erkundete. Plötzlich war es egal, wie sehr
seine Hose drückte. Alles, was er wollte, war die verrückte leidenschaftliche
D’arjo zum Schreien zu bringen.
Später, als sie es endlich zum Bett geschafft hatten, sie ihn mit ihrer Zunge
noch einmal aufgerichtet und zugelassen hatte, dass er sie von hinten nahm,
fielen sie auf die Matratze und Trevor schlang müde seine Arme um sie.
„Wenn wir Avalon erreichen“, sagte sie leise und lehnte ihren Kopf gegen seine
Schulter. „Wird es einfacher für dich, weil du mich dann begleiten kannst…wenn
du möchtest…natürlich nur…“
Er fuhr gedankenverloren durch ihre Haare. „Leon hat dich nie begleitet?“
„Doch.“ Sie kicherte. „Ich hatte immer jede Menge damit zu tun, ihn bis zum
Abend zu vertrösten…“
„Ich bin kein verfluchter Zuchthengst.“ Seine Stimme klang seltsam, irgendwie
flach. „Ich werde mich auf Dauer nicht damit zufrieden geben, dein Bett zu
wärmen. Egal, wie toll der Sex ist.“
Ailia hob den Kopf und lächelte. „Der Sex ist gut?“, erkundigte sie sich
provozierend.
„Ja“, hauchte er und presste kurz seine Lippen auf ihren Mund. „Wenn alle
D’arjos so fantastisch sind wie du, verstehe ich schon, warum die Terraner mit
dem Sex zufrieden sind. Was ich nicht verstehe ist, weshalb ihnen dieses Leben
reicht.“
Sie sah ihn eine Weile schweigend an, dann sagte sie ernst. „Ich werde dich zu
deiner Schwester bringen. Und danach zurück zu deinem Schiff.“
Wahrscheinlich war das das Allerletzte, was er erwartet hatte, denn er sagte gar
nichts, sondern starrte sie nur recht fassungslos an.
Sie lächelte wieder. „Ich halte mich an unsere Vereinbarung, Terraner. Nur, dass
wir jetzt die Rollen tauschen und du meinen Saraan spielst. Und ich hoffe, du
gibst dir genau so viel Mühe wie ich.“
„Was?“, krächzte er und dann schien anzukommen, was sie gerade gesagt hatte.
„Was?!“ Übergangslos fühlte sich Ailia herumgewirbelt und fand sich unter ihm
wieder. „Das ist dein Ernst? Du hast das von Anfang an vorgehabt?“
„Hm“, schnurrte sie und fuhr mit der Zunge über seine Lippen. Sein Mund presste
sich auf ihren, öffnete sich und saugte ihre Zunge in seinen Mund.
Keuchend riss er seinen Kopf wieder von ihr los. „Es war gemein, mir das nicht
eher zu sagen!“
„Saraans machen ihren Doremas keine Vorwürfe“, erklärte sie grinsend.
„Nein?“ Er klang verblüfft.
„Nein.“ Sie schüttelte den Kopf und küsste ihn wieder. „Sie sind nur damit
beschäftigt, ihre Frau völlig zu befriedigen…“, schnurrte sie.
Trevor kicherte. „Lügnerin.“ Doch sein Kopf senkte sich und seine Lippen
strichen über ihren Hals zu ihrer Brust. Nach dem, was er heute so den ganzen
Tag gehört hatte, befriedigten diese Saraans nicht nur ihre Dorema. „Was möchte
denn meine kleine sexverrückte D’arjo jetzt?“, fragte er heiser.
„Ich bin nicht…“ Sie verstummte, weil seine Lippen sich um ihre Brust schlossen.
Sie sollte eigentlich nach der vergangenen Stunde vollauf befriedigt sein,
selbst auf seinem Schiff hatten sie irgendwann die Finger voneinander gelassen
und waren nur noch erschöpft eingeschlafen.
„Gefällt dir mein Kopf zwischen deinen Beinen?“, fragte er gegen ihre Haut.
„Ja“, quietschte Ailia.
„Meine Zunge?“, murmelte er und kroch ihren Körper abwärts.
„Ja doch!“, zappelte sie unter ihm. „Ja doch!“ Er lachte leise, doch das störte
sie überhaupt nicht. Ihre Beine spreizten sich und für eine Weile war es ihr
Verstand, der sich verabschiedete.
Ailia konnte es nicht anders sagen, aber sie fühlte sich einfach nur
fantastisch. Sie waren jetzt fünf Tage unterwegs, flogen gerade in das
Avalonsystem ein und sie fühlte sich wie in einem Traum. Natürlich wie in einem,
den sie nie zugeben würde je gehabt zu haben.
Es war neu für sie, einem Mann zu begegnen, der sich nicht sofort auf sie
stürzte, wenn sie das Zimmer betrat, auch wenn er sie den ganzen Tag nicht
gesehen hatte. Auf seinem Schiff war es ihr normal erschienen, dass sie die
Rolle übernahm, die ihn drängte.
Ihr war nie der Gedanke gekommen, dass er sich hier nicht anders verhalten
könnte. Es kam immer darauf an, was er den ganzen Tag erlebte und tat. Manchmal
verschwendete er nicht einen einzigen Gedanken an das, was eigentlich seine
Aufgabe war, sondern erzählte ihr teilweise entsetzt, teilweise fasziniert, was
er gehört hatte.
Manchmal hatten ihn die Gespräche unter den anderen Saraans so heiß gemacht,
dass er wirklich über sie herfiel.
Ailia liebte die Überraschung. Und sie liebte es, seinen Erzählungen zuzuhören.
Er redete gern, kommentierte alles, was er hörte, regte sich auf, ereiferte sich
und konnte sie dabei im Arm halten, ohne dass sie spürte, dass es ihn erregte.
In solchen Momenten machte es ihr Spaß, ihn durch sanfte Berührungen daran zu
erinnern, dass sie sehr wohl seine Aufmerksamkeit wünschte. Er war leicht zu
erregen, aber das waren Ailias Meinung nach alle Männer und sie selbst
ebenfalls.
Aber das allerschönste war, dass er die anderen d’arjotischen Frauen komplett
ignorierte. Sie erwischte sich dabei wie sie ihn beobachtete, wenn es doch
passierte, dass eine Frau ihm einen zweideutigen Blick zuwarf oder ihn ansprach.
Trotz ihrer feinen Ohren bekam sie nicht immer mit, was die entsprechende Frau
sagte, doch sie wusste, dass es nur etwas in Verbindung mit einem Angebot sein
konnte. Und sie musste sich das Lachen verkneifen, wenn sich seine Miene
verhärtete, seine grauen Augen blitzten und er die D’arjo mit einem derart
verächtlichen Blick musterte, das diese irritiert das Weite suchte.
In solchen Augenblicken konnte sie sich nicht beherrschen, weil allein der
Gedanke, dass sie für ihn etwas besonders, eine Ausnahme, darstellte, sie
unwahrscheinlich erregte. Meist tauchte sie an seiner Seite auf, schmiegte sich
an ihn und freute sich, wenn der harte Ausdruck aus seinem Gesicht verschwand,
er sich einfach zu ihr beugte und sie kurz küsste, als wolle er ihr sagen, alles
wäre in Ordnung.
Jetzt stand er hinter ihr, während das Raumschiff zur Landung ansetzte und er
beobachtete mit interessierten Augen den Bildschirm.
„Wie viele Einwohner hat Avalon?“, fragte er neugierig.
Eine D’arjo vor ihnen drehte sich verblüfft um, als sie die Frage hörte und
Ailia lächelte wieder einmal. „Sieben Milliarden. Meine Mutter und ich leben in
der Hauptstadt Dakkar. Dort leben 350 000 D’arjos.“
Das Raumschiff setzte auf und ein Gleiter brachte sie in das riesige Gebäude des
Palastes, in dem Ailias Familie lebte. Trevor folgte ihr durch die weiten Gänge,
sah sich immer wieder neugierig um und fühlte sich, als hätte man ihn auf eine
Zeitreise geschickte. Nur die Gesichter der D’arjos, die gelben Katzenaugen und
die spitzen Zähne erinnerten ihn daran, wo er sich befand.
„Möchtest du eine Besichtigung durch den Palast?“, fragte Ailia neugierig.
Diesmal war es Auris vor ihnen, die sich mit einem schon schockiert zu nennenden
Ausdruck im Gesicht umdrehte. Doch sie sagte nichts, sondern sah nur ihre
Tochter und dann den Terraner an ihrer Seite, der ihr ein amüsiertes Grinsen
schenkte, wortlos an, ehe sie wieder nach vorn blickte.
Trevor beugte sich zu ihr und flüsterte: „Ich bestehe darauf.“ Dann sagte er
laut. „Wer ist eigentlich dein Vater, Lucie?“
Auris fing an zu husten und diesmal musste sogar Ailia kurz schlucken, ehe sie
ihn ansehen konnte. „Ich weiß nicht. Mom, wer ist mein Vater?“
Auris Haare richteten sich auf und sie knurrte leise. „Ich habe wichtige Dinge
zu tun. Wir sehen uns beim Abendessen?“
Ailia starrte ihr mit offenem Mund nach. „Das habe ich noch nie erlebt.“
„Du kennst deinen Vater nicht?“, fragte Trevor fassungslos.
Sie zuckte mit den Schultern. „Einer ihrer Saraans. Sie weiß bestimmt selbst
nicht, welcher.“
Ailias Wohnbereich erreichte allein schon die Größe eines Hauses und bestand aus
einem riesigen Schlafzimmer mit einem riesigen Bett, einem Wohnbereich inklusive
Computeranschluss, einem Bad, ähnlich wie im Raumschiff und einem schon als
Veranda zu bezeichnenden Balkon.
Trevor trat hinaus in die frische Luft Avalons und der Blick verschlug ihm fast
den Atem. Der Palast befand sich auf einer Anhöhe und von hier aus konnten sie
fast die gesamte Hauptstadt überblicken. Sie schauten auf ein Häusermeer und im
Hintergrund, schon fast am Horizont, begannen die schneebedeckten Berge. Avalon
besaß zwei Sonnen, von denen die eine, Av, im Moment fast im Zenit stand,
während die zweite, Loni, mit ihrer fast ins grün gehenden Färbung kurz über dem
Horizont schwebte.
Ailia wies einige der D’arjos, die ihnen das Gepäck getragen hatte, an, dieses
im Zimmer abzustellen und wollte gerade Trevor auf den Balkon folgen, als es
wieder klopfte und sich die Tür im nächsten Moment öffnete.
„Lucie!“, kreischte die herein stürmende D’arjo.
„Celly!“, entfuhr es Ailia, dann fiel ihr die kleinere Frau um den Hals.
„Ich habe gehört, was passiert ist“, plapperte Celly los. „Mein Gott, ich hatte
solche Angst um dich. Geht es dir gut? Ich wusste, dass Auris es schafft, das
Terranerschiff kalt zu stellen. Sie hat mir einfach keine Auskunft gegeben, nur
gesagt, es würde dir gut gehen. Du musst mir alles erzählen! Haargenau. Wo ist
Leon?“
„Leon ist tot“, unterbrach Ailia Cellys Redeschwall.
„Oh“, machte diese überrascht und Ailia griff ihre Hand.
„Komm mit, ich möchte dir jemanden vorstellen. Außerdem habe ich noch zwei
Geschenke für dich“, erklärte sie dann mit einem verschmitzten Lächeln.
Celly folgte ihr neugierig auf den Balkon. „Du hast einen neuen Saraan?“,
hauchte sie, als sie Trevors Gestalt bemerkte. „Einen Terraner?! Lucie!“
Trevor drehte sich überrascht um, als er die Stimmen hörte und sah die zweite
fremde D’arjo neben Ailia. Sie schienen ein Alter zu sein, doch im Gegensatz zu
Ailia trug die fremde D’arjo ihre Haare wie die meisten anderen kurz. Sie war
kleiner und etwas fülliger gebaut, hatte aber plötzlich den gleichen
verführerischen Ausdruck im Gesicht, den er schon an anderen D’arjos bemerkt
hatte.
„Oh, Oh“, flüsterte Celly. „Da hast du ja ein ausgesprochen fantastisches
Exemplar erwischt. Musste er viel lernen?“
„Nein.“ Ailia musste sich das Lachen verkneifen, als sie Trevors plötzlich
ausdruckslose Miene bemerkte. „Trev, das ist Celly. Celly, darf ich dir Trevor
vorstellen. Er war der Captain auf dem Schiff, das meines abgeschossen hat.“
„Nett, dich kennen zu lernen, Trevor“, schnurrte Celly, ohne ihn aus den Augen
zu lassen und er kam sich vor wie ein Stück Vieh.
Seine Miene wurde noch etwas kühler. „Freut mich auch. Ich habe schon viel von
Ihnen gehört.“ Er siezte sie absichtlich, obwohl sie ihn Unhöflicherweise geduzt
hatte.
Celly hob kurz die Augenbrauen und sah fragend Ailia an, die noch immer amüsiert
lächelte. Doch dann schien sie den Mann schon wieder vergessen zu haben. „Was
für Geschenke?“
Ailia lachte, hängte sich bei ihr ein und zog sie zurück ins Zimmer. „Zwei
Terraner, die noch sehr viel zu lernen haben.“
„Huh“, machte die D’arjo begeistert. „Dann sind sie bei mir in den richtigen
Händen. Was schwebt dir so vor?“
Trevor hörte ihre Stimmen verklingen und biss die Zähne aufeinander. Er
verfolgte, wie die beiden D’arjos sich schwatzend setzten und Ailia sicherlich
haarklein ihrer Freundin auseinander setzte, was sie erlebt hatte. Es ärgerte
ihn. Und obwohl er wusste, dass sein Aufenthalt begrenzt war, störte ihn der
Gedanke, dass jede andere Frau in ihm nur ein Spielzeug sah. Es verletzte seinen
Stolz. Natürlich hatte er sie auf seinem Schiff ähnlich behandelt, aber
schließlich wusste es niemand. Er hatte sie nicht als seinen Besitz präsentiert!
Es dauerte bestimmt eine halbe Stunde, ehe sich Celly verabschiedete und sich
die Tür hinter ihr schloss. Ailia lächelte. Celly war ihre beste Freundin und
die einzige Person, die es wagte, nur zu klopfen und einfach in Ailias Zimmer zu
schlüpfen. Langsam schlenderte sie wieder hinaus auf den Balkon und begegnete
Trevors kühlem Blick.
„Sie lädt uns ein“, sagte sie leise. „Damit ich mir ansehen kann, wie sich ihre
beiden neuen Saraans benehmen.“
„Zu einer Orgie?“, fragte er spitz und lehnte sich gegen das Geländer. Er wollte
weder diese Celly sehen noch die zwei Idioten, die er von seinem Schiff verbannt
hatte. Eigentlich wollte er gar keine Frau sehen, die ihn ansah, als wolle sie
ihn in nächsten Moment vernaschen. Gut, außer einer… vielleicht…
Diese eine kam langsam näher, sah ihn mit schief gestelltem Kopf und
aufgerichteten Haaren an. Er wusste jetzt, dass D’arjos ihre Haare aufstellten,
wenn sie wütend waren, oder wenn sie etwas erregte. Nun, er nahm nicht an, dass
sie wütend war. Aber er eigentlich…
„Keine Orgie“, schnurrte sie, als sie ihn erreichte und presste sich an ihn.
„Nur zusehen.“
Seine Hand schlang sich um ihren Hals. „Ich will nicht zusehen!“, knurrte er
missmutig.
„Nein?“, fragte sie spielerisch und biss ihm in den Hals.
Trevor schloss die Augen, als er ihre Zähne spürte, und ihm war danach, seinen
Zorn hinaus zu schreien. „Ich hasse es, wie ein Sexspielzeug angesehen zu
werden!“
„Celly?“, kicherte Ailia.
„Alle!“, fluchte er lauthals und hob sie im nächsten Moment auf seine Arme.
„Alle diese verdammten Weibsbilder!“ Er marschierte schnurstracks mit ihr in
Richtung Schlafzimmer.
„Was wird das, Trev?“, fragte Ailia amüsiert.
Er ließ sie auf das Bett fallen und war im nächsten Moment über ihr. „Ich
brauche jetzt die verfluchte Bestätigung, dass du genau so mein Spielzeug bist
wie ich deins!“
„Du fluchst zuviel“, schnurrte sie und wühlte ihre Finger durch seine dunklen
kurzen Haare, als sich ihr Körper ihm entgegenbog.
„Mir egal“, murmelte er gegen ihren Hals. „Lucie, ich brauche dich jetzt. Ganz
schnell und dringend.“
Sie fühlte, wie seine Hände unter ihr Kleid wanderten und den Rock nach oben
schoben. Sein unterdrücktes Keuchen sagte ihr, dass er sich noch immer nicht
daran gewöhnt hatte, dass D’arjos keine Unterwäsche kannten. Doch ehe er mit dem
Kopf tiefer gleiten konnte, stoppte ihn ihr Griff in seine Haare. „Ich denke, du
weißt, wie du mich für die schnelle Version überreden kannst“, hauchte sie die
Worte, die er damals verwendet hatte und sein Kopf schoss hoch.
„Du verdammtes...“, begann er langsam.
Ein leises Grollen in ihrer Kehle ließ ihn verstummen. „Ich bin nicht dein
Spielzeug“, hauchte sie leise und etwas wie Zorn flackerte in seinen Augen auf.
Fast sanft fuhr sie mit den Fingern ihrer rechten Hand über seine Lippen. „Du
bist auch kein Spielzeug“, fuhr sie fort. „Weil du nicht spielst. Du kämpfst
noch immer gegen deinen Stolz.“ Er schnappte nach Luft, als sie ihre Beine um
ihn schlang und sich selbst an seiner Hose rieb. „Siegen oder Verlieren,
Terraner, ist keine Frage des Stolzes. Steh zu dem, was du willst...“ Ihre Zunge
folgte ihren Fingern. „Ich will dich. Aber im Moment bin ich stark genug, noch
eine Weile zu spielen. Wollen wir austesten, wer heute stärker ist?“
„Verflucht!“, murmelte er trotz ihres Knurrens wieder und spürte, wie sie ihre
Hand zwischen ihre Beine bewegte. „Nein, Lucie!“, schrie er fast erschrocken
auf.
„Ich rieche deine Erregung“, murmelte sie mit dieser verführerischen Stimme, die
ihn wahnsinnig machte. „Und ich fühle sie. Allein der Gedanke an deinen Körper
lässt mich feucht werden...“ Seine Stirn sank auf ihre Brust und er schloss die
Augen, als er die Zähne aufeinander biss und mit sich selbst kämpfte. „Möchtest
du zusehen, Trev?“
Er schüttelte wortlos den Kopf, fühlte ihre Hand in seinen Haaren und ihr
Schnurren, als ihre andere Hand sich selbst berührte.
„Deine Zunge ist schöner als meine Finger“, fuhr sie leise fort. „Aber zu
wissen, wie du dagegen kämpfst, zu sagen, dass du mich willst, entschädigt
mich.“
„Lucie...“ Seine Stimme war nur ein gequälter Hauch. Hatte er sie auch so
wahnsinnig gemacht? Damals, mit den Weintrauben...?
Ihre Finger verkrampften sich in seinem Nacken und er stieß seine Hüften
verzweifelt nach vorn, um sich selbst etwas Erleichterung zu verschaffen.
Vielleicht würde er in seiner Hose kommen und ein Teil des Druckes verschwinden?
Er roch sie ebenfalls und wusste genau, *wie* feucht sie war. Und wie sie
schmeckte... und wie es war, sich selbst in diesen feuchten heißen Tunnel zu
vergraben... und diese fürchterliche Kleidung, die sie so nackt und bereit unter
ihm liegen ließ...
Ihre Beine spreizten sich weiter. Zu fühlen, wie sie sich selbst berührte, wie
sie zitterte, raubte ihm den Verstand. „Verdammt!“, stieß er wieder hervor und
griff zum Bund seiner Hose. „Verdammt, Lucie, das kannst du nicht machen!“
„Doch“, knurrte sie leise, fast schmeichelnd und er fühlte, wie sich ihre Hand
mit den ausgefahrenen Krallen um sein Handgelenk schloss. „Sag es mir, Trev...“
Er würde sterben, wenn nicht gleich etwas geschah. Oder platzen. Oder nur
ohnmächtig werden... „Verflucht“, murmelte er wieder, hob den Kopf und presste
seine Lippen auf ihre. Seine Arme schlangen sich um ihren Hals, seine Zunge
bohrte sich in ihren Mund und er fühlte, wie ihre Hände unter seinem Hemd auf
nackte Haut trafen. Sie knurrte in seinen Mund, rieb sich an seiner Hose und zu
wissen, dass sie sich damit die Erleichterung verschaffte, die sie ihm
verwehrte, brachte ihn um den Verstand.
„Bitte, Lucie“, fand er endlich die Worte, die sie hören wollte. „Hilf mir
endlich. Ich brauche jetzt die extrem schnelle Tour, ja?“
„Ja?“, neckte sie ihn verzückt und biss ihn in den Hals.
„Ja, doch“, keuchte er auf. „Was willst du noch? Lucie, bitte...“ Er hätte vor
Erleichterung weinen können, als ihre flinken Finger die Knöpfe seiner Hose
öffneten und seine steinharte Erektion ins Freie sprang. „Oh Gott, ja...“
„Na los, Trev“, fauchte sie neben seinem Ohr. „Ich will dich genau so! In mir.
Sofort!“
Er rammte vorwärts, hinein in ihre feuchte Hitze und schloss stöhnend die Augen,
als die Sensation seine Sinne übermannte.
Ailia ließ ihn nicht verschnaufen, sondern schlang ihre Beine um ihn und bohrte
ihre Krallen in seinen Rücken. Plötzlich knurrte er genau so wie sie. Sie
antwortete begeistert und wieder krachten seine Lippen auf ihre, als er begann,
sich zu bewegen und durch das angestaute Verlangen mit einer Wildheit in ihren
Körper pumpte, die das Warten in die Höhe getrieben hatte.
„Ja“, fauchte die D’arjo genau so wild unter ihm und bäumte sich auf. Es war
fast zuviel zu fühlen, wie sie sich unter ihm bewegte, wie sich die schönen
gelben Augen im Taumel der Leidenschaft halb schlossen und die spitzen Zähne in
ihrem halb geöffneten Mund im Licht der Mittagssonne blitzten.
Trevor wünschte sich plötzlich, sie noch eine Weile anzusehen, seine eigene
Erlösung noch einen Moment hinauszuschieben, um sich einfach an ihrem
ausgelebten Verlangen zu ergötzen. Er bewegte seine Hand zwischen ihre Körper
und fühlte wie sich ihre Krallen in seinen Rücken bohrten. „Lass mich sehen,
wenn du kommst, Lucie“, flüsterte er heiser. „Komm für mich, Kätzchen...bitte...“
Ailia bäumte sich fauchend auf, als sie explodierte und seinen Blick spürte. Er
kämpfte mit sich selbst, weil er sie sehen wollte, zögerte seinen eigenen
Orgasmus hinaus, weil er beobachten wollte, wie sie sich im Taumel der
Leidenschaft verlor. Ihre Hände schlangen sich um seinen Hals, zogen seinen Kopf
zu sich herab und sie fauchte leise neben seinem Ohr. „Lass dich gehen...“
Und riss sein Hemd zur Seite. Knallend gaben die Knöpfe nach und kullerten in
das Bett.
Trevor schrie auf, als sich ihre Zähne in sein Fleisch bohrten. Es war weniger
der Schmerz, mehr Überraschung, weil er damit jetzt nicht gerechnet hatte, aber
die Mischung reichte. Er stieß noch einmal vorwärts, tief in sie hinein und
pumpte seinen Samen in sie, ohne dass sie ihre Zähne aus seiner Schulter löste,
ja es schien fast so, als würde der leichte Schmerz und das Wissen, dass sie ihn
zeichnete, seinen Orgasmus verlängern bis ihm schwarz vor Augen wurde und er
fast besinnungslos auf ihr zusammenbrach.
Er kam wieder zu Bewusstsein, als er ihre Zunge spürte, die über die Bissstellen
leckte und einen Teil des Brennens linderte, das er jetzt spürte. Er hatte sein
Gesicht an ihrem Hals vergraben und wusste nicht, wie viel Zeit vergangen war
und ob er tatsächlich kurz weggetreten war. Sein Körper fühlte sich an, als
würde er sich nie wieder bewegen können und er fand dieses Gefühl einfach nur
fantastisch. Eigentlich würde er am liebsten noch ein paar Stunden auf dieser
kleinen bisswütigen D’arjo liegen bleiben.
„Mein Terraner“, hauchte sie und er brachte ein abgehacktes Lachen hervor, als
er endlich von ihr herunterrollte und sie an sich zog.
„Ich hätte dir eine Tätowierung verpassen sollen“, brummte er müde, als sie sich
an ihn schmiegte und ihre Hand wieder unter sein Hemd kroch, um seine nackte
Haut zu fühlen. „Besser noch, ich hätte die barbarische Methode mit dem
Brandeisen wählen sollen.“
Sie kicherte leise, beugte sich über ihn und leckte wieder schnurrend über die
vier roten Einstichpunkte.
„Warum jetzt erst, D’arjo?“, murmelte er und zuckte zusammen, als er ihre Zähne
an der verletzten Stelle noch einmal spürte. „Au!“
„Ich habe einen Namen“, grollte sie missmutig.
„Bilde dir nur nichts ein. Das klappt nicht immer so. Das nächste Mal, Kätzchen,
dreh ich den Spieß wieder um und du bettelst“, warnte er sie ohne große
Überzeugung und schloss müde die Augen. Allerdings riss er sie wieder auf, als
sie mit einer schnellen katzenhaften Bewegung über ihm kniete.
„Das nächste Mal“, versprach sie ihm mit funkelnden Augen, „binde ich dich am
Bett fest.“
Sie meinte das todernst. Trevors Mund wurde trocken und er konnte sie nur
fassungslos anstarrten.
„Und dann werden wir das Betteln noch ein bisschen üben“, fuhr sie fort. „Ein
guter Saraan kann das nämlich viel besser.“
„Du verdammtes...“, hauchte er leise und verstummte, weil allein ihr Blick etwas
versprach, von dem er nicht einmal geträumt hatte.
„Überleg dir, was du sagst“, schnurrte sie wieder, beugte sich zu ihm und strich
sanft mit ihren Lippen über seine. „Saraani fluchen auch nicht...“
Trevors Hände hoben sich und fuhren ihre nackten Schenkel hinauf. „Vielleicht
sollte ich doch mal genauer zuhören, wenn sich diese sexverrückten Männer
unterhalten. Die diskutieren ganz detailgetreu aus, auf welche Art und Weise man
es am schnellsten schafft, eine Frau all ihre Vorhaben vergessen zu lassen...“
Ailias Haare richteten sich auf. „Böse, böse... So etwas solltest du mir nicht
sagen.“
„Ich habe vor, dir noch eine ganze Menge mehr zu sagen“, fuhr er unvermindert
fort, während seine Hände über ihren nackten Hintern strichen. „Zum Beispiel,
dass ich mich ärgere, die Idee nicht selbst gehabt zu haben. Damals auf meinem
Schiff!“
Ailia lachte wieder. „Das hätte ich niemals zugelassen.“
„Ha“, prustete er los. „Wer sagt, dass ich es zulasse?“
„Ich“, schnurrte sie, strich mit der Zunge über seinen Hals bis zu den
Bissstellen.
Trevor schloss die Augen und seine Arme umschlangen ihren zierlichen Körper, als
sie sich an ihn schmiegte und er ahnte, dass sie Recht hatte.
„Los, kommt rein!“, rief Celly aufgeregt.
Ailia zog einen widerstrebenden Trevor hinter sich her in Cellys Gemächer. Er
hatte schon in ihren Zimmern betont, dass er absolut keine Lust verspüre, sich
die extravaganten Dinge anzusehen, die ihnen Celly zeigen wollte und laut und
deutlich klar gestellt, dass sie bloß nicht auf den Gedanken kommen solle, das
ganze doch in einer Orgie enden zu lassen.
Mit einem missmutigen Gesichtsausdruck, so völlig saraanuntypisch, folgte er ihr
jetzt und sah sich scheel um. Er fühlte sich so scheußlich fehl am Platz. Auch
wenn Ailia behauptete, ihm würde gefallen, was er zu sehen bekäme, er
bezweifelte das. Schon allein bei dem Gedanken, die beiden perversen Idioten aus
seinem Schiff in Aktion zu sehen, wurde ihm übel.
Ailia verstand seine Bedenken überhaupt nicht, sondern meinte, wenn es ihm nicht
gefalle, könne er gehen, aber zuerst sollte er sich ansehen, was er verpassen
wolle.
Natürlich hatte sie ihn überredet. Genau so wie zu dieser Fesselsache vor zwei
Tagen und Trevor fragte sich heute noch, ob er den Verstand verloren hatte. Nun,
er hatte ihn verloren und seine Beherrschung dazu. Es hatte schon gereicht zu
sehen, wie es sie erregte. Sie versprühte geradezu pure sexuelle Energie, in
jeder ihrer Gesten, Bewegungen oder Berührungen.
Es gefiel ihr zu spüren, wie er unter ihren Fingern und den Berührungen ihrer
Zunge den Verstand verlor, es machte sie genau so wahnsinnig wie ihn, obwohl sie
diejenige war, die die Kontrolle hatte. Das beruhigte ihn etwas, aber es
verhinderte nicht, dass sie ihre Ankündigung wahr machte und er tatsächlich
bettelte.
Es kam ihm wie Stunden vor, er verfluchte sie mehr als einmal, hörte ihr leises
Lachen und glaubte zu sterben. Und als sie ihn dann erlöste, explodierte er mit
einer derartigen Wucht, dass ihm schwarz vor Augen wurde.
Sie ließ ihn in ihrem Mund kommen, etwas, was sie hier sehr selten tat und was
er vermisste. Hier befand er sich öfter mit dem Kopf zwischen ihren Beinen und
es entschädigte ihn etwas für seine süßen Qualen, als er sie schlucken fühlte.
Trotzdem gestand er sich selbst ein, dass es fantastisch gewesen war. Vor allem,
da er wusste, er hatte mit ihr vor gar nicht allzu langer Zeit das gleiche
getan, natürlich ohne sie zu fesseln, denn er besaß die körperliche Kraft sie zu
halten. Er erinnerte sich noch genau an seine eigene Erregung, als sie unter
seinen Fingern die Beherrschung verloren hatte und wusste, dass sie das gleiche
gefühlt hatte.
Ailia warf ihm ab und zu einen belustigten Blick zu, als sie Celly folgten. Sie
ahnte seine Bedenken und in seinem Fall rechnete sie tatsächlich damit, dass ihm
nicht gefallen konnte, was er sah. Er war so ganz anders als jeder Mann, den sie
kannte. Beherrschter. Kontrollierter.
Ihr hatte Leons Art, mit ihr umzugehen, gefallen. Leon war lieb gewesen,
zärtlich, er hatte ihr geschmeichelt, sie umworben und wenn er sie angesehen
hatte, lag in seinen Augen ein Versprechen, das ihre Beine schwach machte.
Doch Leon umgab nie dieses Feuer, das den Terraner einhüllte. Leon hatte
tatsächlich ihr gehört. Der Terraner nicht. Sein ganzes Wesen strahlte eine Art
Selbstbewusstsein und Stolz aus und es raubte ihr den Atem, wenn sie spürte,
dass sie trotzdem die Macht besaß, ihn reagieren zu lassen.
Es war die gleiche Macht, die er über sie hatte, und der sie sich auf seinem
Schiff hingegeben hatte. Sein Stolz zog sie mehr an als Leons zärtliche
Liebenswürdigkeit. Der Hunger in seinen Augen machte sie schwächer als Leons
Betteln, vielleicht gerade weil sie ahnte, dass es nur eines Funken benötigte,
um ihn vergessen zu lassen, dass er den Saraan spielen sollte.
Und wenn sie ehrlich sich selbst gegenüber war, der Gedanke, dass er es
vergessen könnte, hatte etwas unheimlich erotisches.
Manchmal, wenn sie ihn beobachtete und sah, wie kühl und distanziert er sich
anderen D’arjos gegenüber verhielt, D’arjos, die Ailia viel hübscher und heißer
fand als sich selbst, fragte sie sich, ob er nicht der einzige Mann gewesen
wäre, der den Verführungskünsten einer D’arjo widerstanden hätte – wenn es die
Tage auf seinem Schiff nicht gegeben hätte.
Und wenn er sich dann ihr zuwandte und der kühle Ausdruck verschwand, sie das
Funkeln und sein Verlangen in dem Grau sah, fühlte sie sich einfach nur
himmlisch.
Jetzt allerdings sah er mehr aus, als wolle er gleich wieder gehen. Celly führte
sie in den Hauptraum ihres Wohnbereichs und ließ sich auf eine der vor der Wand
ausgebreiteten Matten fallen.
Ailia wusste, dass diese Matten Cellys Spielwiese waren, sie sich des Öfteren
mit mehreren Saraans gleichzeitig vergnügte und sie Stunden damit zubringen
konnte, sich selbst und den Männer jede Menge Befriedigung zu verschaffen. Da
Celly jedoch auch wusste, dass Ailia auf nichts in der Richtung stand und keine
D’arjo eine andere zu etwas drängte, was sie nicht wollte, machte sie sich keine
Gedanken, sondern zog Trevor neben sich auf eine der Matten. Zum Zusehen waren
diese Dinger zumindest sehr bequem.
Celly winkte einem ihrer Saraans. „Wir wollen erst essen, Nal. Sorgst du dafür,
dass man das Essen serviert?“
Nal nickte mit einem feinen Lächeln auf den Lippen. Trevor beobachtete noch
immer skeptisch, wie ein kleiner Tisch vor ihnen abgestellt und beladen wurde.
Der D’arjo war recht jung und bestimmt einen Kopf kleiner als er selbst. Ihm war
aufgefallen, dass männliche D’arjos kaum größer waren als die weiblichen und
Ailia mit ihren schätzungsweise 1,70 Metern für d’arjotische Verhältnisse recht
groß, auch wenn sie durch ihre schlanke katzenhafte Gestalt zierlich wirkte.
Zusammen mit einem zweiten D‘arjo schichteten die beiden Männer kichernd und
schwatzend den Tisch voll. Celly schnatterte genau so wie ihre Saraani und Ailia
hörte schmunzelnd zu, als sie erfuhr, wie entsetzt Parker reagiert hatte, als er
erfuhr, was man von ihm erwartete, wie blass er geworden war, als ihn plötzlich
zwei schnurrende D’arjos entkleideten und er fassungslos geschehen ließ, was die
beiden Frauen vorhatten.
„Er muss noch eine Menge lernen“, erklärte Celly ernsthaft, „ehe eine von uns
ihm gibt, was er so sehnlichst wünscht, aber er gibt sich Mühe. Und er hat eine
Heidenangst vor unseren Zähnen.“
„Du hast ihn gebissen?“ Ailia hob erstaunt die Brauen und Trevor horchte auf. Er
hatte vollkommen vergessen, Ailia noch einmal zu fragen, warum sie so lange
gewartet hatte, ehe sie ihn mit ihrem Zeichen versah. Wahrscheinlich gehörte
mehr dazu, als der einfache Besitzwechsel. Er war sich nur noch nicht sicher, ob
es besser oder schlechter war, dass sie es jetzt getan hatte.
„Hm“, murmelte Celly vergnügt. „Ich denke, ich behalte ihn noch eine Weile. Den
anderen nicht, der wird wahrscheinlich nie ein ordentlicher Saraan, weil man ihn
unterdrücken muss, um ihn zu befriedigen, aber es gibt auch Frauen, denen das
gefällt.“
„Unterdrücken?“, fragte Ailia erstaunt. Trevor runzelte die Stirn, denn er war
der Meinung, dass alle Doremas ihren Saraan ein wenig unterdrückten. Er brauchte
sich bloß an ihre Fesselspiele entsinnen.
„Es macht ihn tierisch an“, fuhr Celly fort. „Aber es macht mir keinen Spaß, vor
allem, weil er auch auf Schläge steht. Das ist barbarisch. In einem sexuellen
Spiel sollte niemand den anderen verletzen oder wehtun, sondern man sollte sich
einfach nur gegenseitig den Verstand aus dem Kopf vögeln.“ Sie lachte. „Ich
meine natürlich, er verliert seinen zuerst.“
Ailias Augen hatten sich geweitet. „Du hast nicht allen ernstes vor, ihn heute
und hier zu verprügeln?!“
„Bist du verrückt?“ Celly sah sie an, als hätte sie den Verstand verloren. „Ich
möchte mich amüsieren und deine Befreiung feiern. Wenn ich mich schon dazu
überwinde, einen Saraan auf seinen Wunsch hin zu schlagen, dann tue ich das
hinter verschlossener Tür und nur, weil ich ihn ausbilde und dann schnellstens
verkaufe. Übrigens ist er recht gut, wenn er einmal heiß gelaufen ist, aber um
ihn da hin zu bekommen, senkt sich *mein* Erregungslevel ganz schön.“
Ailia zuckte mit den Schultern. „Wenn wir nicht gezwungen sind, dabei zuzusehen,
kannst du ihn meinetwegen verprügeln“, meinte sie kaltherzig.
Trevor beobachtete, dass noch zwei D’arjos herein kamen, von denen nur eine
einen Saraan bei sich hatte.
Ailia begrüßte die beiden erfreut und Celly sprang übermütig auf, um sie in ihre
Arme zu schließen. Ailia erklärte Trevor flüsternd, dass sie vier schon als
Kinder Freundinnen gewesen waren und trotz ihrer Stellung viel zusammen
unternommen hatten.
Er erfuhr, dass es sich um Calomi und Xana handelte und der Saraan Am’cor hieß.
Die beiden ließen sich auf der anderen Seite des Zimmers nieder und Nal
servierte ihnen genau so viele Speisen auf einem kleinen Tisch.
Trevor kam sich vor wie in einem der alten römischen Filme, wenn die Herrscher
auf ihren Liegen lagen, Essen in sich hineinstopften und dabei irgendwelchen
Vorführungen zusahen. Dabei geschah hier überhaupt noch nichts, außer dass sie
aßen und über belanglose Dinge plauderten.
Die Saraani beteiligten sich kaum an den Gesprächen, flüsterten nur ab und zu
ihrer Dorema etwas in ihr Ohr und deren Lachen sagte Trevor, dass das bestimmt
schmutzige Dinge waren. Celly hatten ihren zweiten Mann, Berond, zu Xana
geschickt, da diese allein war, während Nal sich an ihrer Seite ausstreckte.
Das Gelächter der Frauen erfüllte den Raum und wenn Trevor nicht gewusst hätte,
dass auf D’arjo die Dingen keinesfalls so harmlos abliefen wie sie begannen,
hätte er sich auch entspannen können.
So aber schweiften seine Augen immer wieder zu den anderen Pärchen und er sah
sehr wohl die Hände der Saraani auf den Körpern ihrer Doremas. Es war nicht so,
dass er es scheußlich oder abstoßend fand, denn die Frauen waren ausgesprochen
hübsch und selbst den Männern musste er zugestehen, dass sie sich äußerst
liebenswürdig verhielten.
Man beachtete ihn kaum, zumindest nahm er es nicht wahr, obwohl er einfach nur
ruhig neben Ailia lag und sein Umfeld beobachtete. Er sagte sich jedoch, wenn
sie irgendetwas in der Richtung sagen würde, er müsse sich jetzt auch um sie
kümmern, würde er aufstehen und gehen. Er würde sich garantiert nicht benehmen,
als wäre er zu nichts anderem da, als sie zu befriedigen.
„Dein Terraner schaut etwas grimmig“, stichelte Celly plötzlich von der Seite.
Nal, der seinen Kopf auf ihrem Bauch abgelegt hatte und es genoss, ihre Finger
in seinen Haaren zu spüren, hob den Kopf und lächelte Trevor mit blitzenden
Zähnen an. „Vielleicht hättest du ihn auch erst mir zur Ausbildung geben
sollen?“
Ailia sah den Schalk in Cellys Augen, doch Trevor hörte nur die Worte, fuhr hoch
und beugte sich über Ailia in Cellys Richtung. „Ich liege neben ihr! Wenn du
also etwas über mich zu sagen hast, kannst du das direkt an meine Adresse tun,
D’arjo!“
Cellys kurze Haare richteten sich genau so auf wie Nals, nur das Celly fast
fasziniert aussah, während Nal etwas schockiert drein schaute.
Ailia währenddessen lächelte nur amüsiert, hob ihre Hand und legte sie um
Trevors Hals. „Er mag es nicht, wenn man ihn Terraner nennt“, schnurrte sie,
beugte ihren Kopf vor und fuhr mit der Zunge über seinen Hals. „Er heißt Trevor.
Merk es dir einfach, Celly.“
Cellys Augen leuchteten, als sie plötzlich mehr als deutlich roch, wie ein Teil
des Zorns in dem Menschen durch Ailias zarte Berührung verschwand. Es
begeisterte sie und sie schnurrte genau so wie Ailia. „Das klingt, als würde dir
der Gedanke, eine Ausbildung zu durchlaufen, gar nicht behagen...Trevor.“
„Tut er auch nicht“, brummte er, schon bedeutend ruhiger. „Und es gibt nur eine
einzige Person auf diesem Planeten, die ich als Lehrerin akzeptieren würde. Wenn
es nötig wäre.“
„Akzeptieren“, hauchte Celly und ließ ihre Augen zu einer verzückt grinsenden
Ailia wandern.
Ailia sah die Fragen in ihrem Blick, doch sie war weit davon entfernt, auch nur
eine einzige zu beantworten. „Es ist nicht nötig“, flüsterte sie und biss ihn
sanft in den Hals. „Und mir würde der Gedanke, dich in den Händen einer anderen
Frau zu wissen, gar nicht gefallen.“
Cellys Mund klappte auf, als sie die Worte hörte und der Terraner im nächsten
Augenblick seine Lippen auf den Mund ihrer Freundin presste. Für einen kurzen
Moment schienen beide zu vergessen, wo sie sich befanden und das war etwas, was
sie nach seinem bisherigen fast abweisend wirkenden Verhalten nicht für möglich
gehalten hätte.
Übergangslos schienen die Funken zwischen beiden zu schlagen und auch wenn es
Celly ungewöhnlich erschien, stellte sie fest, dass es in diesem kurzen Moment
keinen dominanten und keinen unterlegenen Part gab. Und ein Schauer der Lust
lief über ihre Haut. Nal knurrte auf, als er sie roch und sie riss seinen Kopf
hoch, weil sie plötzlich ein Ventil brauchte, um ihr Verlangen nieder zu
kämpfen.
Ailia löste ihren Kopf etwas atemlos von Trevors. „Heh“, murmelte sie belustigt.
„Wenn du das noch mal machst, kann ich nicht dafür garantieren, dass ich mich an
deine Weigerung, vor anderen D’arjos Sex zu haben, halte.“
Celly prustete los.
„Wieso hat sie so gute Ohren?“, knurrte Trevor und funkelte die andere D’arjo
recht zornig an.
„Denkst du wirklich, dass du das durchhältst?“, schnurrte Celly begeistert.
„Sicher!“, fauchte er zurück.
Celly blickte lächelnd zu Ailia. „Wir sollten schleunigst etwas gegen diese
Hemmungen tun.“
„*Wir* werden gar nichts tun!“, grollte Ailia plötzlich gar nicht mehr
belustigt, als sie die Lust in den Augen ihrer Freundin sah. „*Wir* werden
hübsch unsere Gedanken in eine andere Richtung bewegen!“
Celly kicherte. „Du gibst mir deinen Terraner und ich borge dir Nal. Er nervt
mich sowieso schon lange damit.“ Der D’arjo an ihrer Seite hob jetzt begeistert
den Kopf und funkelte Ailia recht unternehmenslustig an.
Ailia kam gerade noch dazu, Trevor den Arm um den Hals zu schlingen, um ihn am
aufspringen zu hindern. Was sie jedoch nicht verhindern konnte, war, dass er
zornig hervorstieß: „Wenn dein kleiner Lustmolch auch nur eine einzige Bewegung
in ihre Richtung macht, wirst du ihn eine ganze Weile nicht für das benutzen
können, wofür du ihn brauchst!“
Jetzt waren auch die beiden anderen D’arjos aufmerksam geworden und verfolgten
den Disput mit interessierten Augen.
„Ist er schon immer so aggressiv, Lucie?“, fragte Celly begeistert. „Wie hast du
ihn gezähmt?“
„Sie hat überhaupt...“, schrie Trevor los, verstummte jedoch, als Ailia lächelnd
ihre Wange gegen seine lehnte.
„Sie will dich reizen. Ignorier sie einfach“, hauchte sie, ohne Celly aus den
Augen zu lassen. Jetzt musterte Nal den Terraner fast interessierter als Celly
und da Ailia ahnte, dass er endgültig explodieren würde, wenn ein Mann Interesse
an ihm zeigte, zog sie ihn wieder neben sich und warf Celly einen warnenden
Blick zu.
Celly antwortete mit einem Wehe-wenn-du-mir-nicht-alles-haarklein-erzählst-Blick
und sie musste erneut schmunzeln, als sie bemerkte, wie Nal etwas in ihr Ohr
flüsterte. Nal war Cellys Liebling und in manchen Dingen noch verrückter als
ihre Freundin. „Hör jetzt auf, Celly“, meinte sie deshalb nur, „wenn du nicht
willst, dass er wirklich wütend wird.“
„Ich bin wütend“, knurrte Trevor. Doch er schlang seinen Arm fast
besitzergreifend um sie, als sie sich an ihn lehnte und funkelte die noch immer
grinsende D’arjo an. Und er hatte geglaubt, Ailia wäre schamlos.
Dann jedoch setzte sein Herz fast aus, als Nal leise schnurrte. „Er gefällt mir,
Cel. Er ist... interessant.“
Celly fuhr mit der Zunge über seine Wange. „Du kriegst ihn nicht, Schätzchen.
Ich möchte nicht, dass er dich verletzt.“
„Celly!“, schimpfte Ailia, nachdem sie einen Blick in Trevors blasses Gesicht
geworfen hatte. „Stopf ihm den Mund!“
Celly gab Nal kichernd einen Klaps gegen die Stirn. „Böser unartiger Junge!“ Nal
schnurrte begeistert auf und rieb seinen Körper an ihr. „Musst du immer so
gierig sein?“
Ailia fühlte Trevor in ihrem Rücken erstarren, als er beobachtete wie die beiden
zu vergessen schienen wo sie waren und Nals Hände unter Cellys Kleid glitten,
während sich seine Lippen gegen ihren Bauch pressten. „Wenn ich ihn nicht haben
kann, bekomme ich den anderen noch einmal?“, bettelte er heiser.
„Welchen?“, erkundigte sich Celly, während sich ihre Augen halb schlossen. „Den
bösen?“
„Ja“, schnurrte Nal aufgeregt. „Den, der ausgepeitscht werden will.“
„Sicher, mein Schatz. Und das nächste Mal darfst du auch die Peitsche nehmen“,
versprach sie ihm und sank auf die Matte zurück, als sein Kopf seinen Fingern
unter ihr Kleid folgte.
Trevor presste sein Gesicht gegen Ailias Hals. Er wusste nicht, ob er lachen,
weinen oder ausreißen sollte. Wenn er es genau bedachte und ihm durch den Kopf
ging, was die beiden Terraner in einem Gefängnis erwartet hätte – nämlich gar
nichts, außer Gefängnis – fand er, dass Ailias Entscheidung, die beiden in die
Hände von D’arjos zu geben, goldrichtig war. Allein beim Gedanken daran, dass
dieser niedliche D’arjo, Harrold auspeitschte, dieser dabei noch vor Lust
stöhnte und Nal ihn dann sicherlich vögeln durfte, breitete sich eine Art
Hochgefühl in ihm aus, das er eigentlich nicht fühlen sollte, bei dem er sich
aber nicht einmal schämte.
Und plötzlich war er furchtbar neugierig, was diese sexverrückten D’arjos mit
Parker vorhatten.
Allerdings dauerte es eine Weile, ehe Celly wieder ansprechbar war und obwohl
Trevor sich bemühte, genau wie die anderen zu ignorieren, was auf der
Nachbarmatte passierte, war das gar nicht so einfach.
Als Celly sich dann endlich vom ersten Orgasmus dieses Abends –Trevor wettete,
dass da noch einige folgen würden – erholt hatte, schickte sie Nal los, damit er
ihre restlichen Saraani ebenfalls zu der Feier einlud.
„Ich schätze“, sagte sie dann an Ailia gewandt. „Du verspürst kein Bedürfnis
dein Geschenk etwas auf Touren zu bringen?“
„Ganz sicher nicht!“, antwortete Trevor an ihrer Stelle trocken und lachte, als
Ailia ihn diesmal leise anknurrte.
„Du solltest auch langsam deinen vorlauten Mund halten!“, fauchte sie leise.
„Ich rede genau so für mich selbst wie du! Und nein, Celly, das letzte, was ich
will, ist einen der beiden Idioten anrühren. Obwohl...das mit der Peitsche ist
vielleicht keine schlechte Idee...“ Sie kicherte auf, als Trevor seine Arme
wieder um sie schlang, sie an seine Brust zog und sich gegen die Wand lehnte.
„Wenn es ihn anmacht“, flüsterte er neben ihrem Ohr, „habe ich auch etwas gegen
die Peitsche.“
Cellys Haare richteten sich auf. „Lucie, ich habe so das dumme Gefühl, dein
Saraan ist eifersüchtig.“
„Das dumme Gefühl habe ich auch“, bestätigte sie grinsend und nickte dabei. „Und
er hat nicht einmal Hemmungen, das auch lauthals zuzugeben.“
„Ich bin nicht eifersüchtig!“, stieß er hervor. „Ich teile nur nicht.“
Celly fing an zu lachen, drehte sich auf den Bauch und stützte sich auf ihre
Ellenbogen. „Er ist göttlich, Lucie. Und frech. Es ist wirklich gemein, dass du
nicht teilen willst. Aber glaub mir, irgendwann kommt der Punkt bei jedem Mann,
an dem es ihn nach Abwechslung gelüstet.“
Trevor legte sein Kinn auf Ailias Schulter. „Vergleich mich nicht mit den
Männern, die du kennst, Celly.“
Ailia schmiegte sich an ihn. Selbst wenn Celly Recht hatte, bis zu dem
Zeitpunkt, an dem er auf sein Schiff zurückkehrte, würde sie ihm garantiert
reichen.
Celly lächelte noch immer sehr vergnügt. „Verschwindet ein wenig von dem Stolz,
der ihn umgibt, wenn er bettelt?“
Trevor biss die Zähne aufeinander, als Ailia leise lachte. „Ein wenig“, kicherte
sie. „Er fängt dann an zu fluchen.“
„Nein“, machte Celly erstaunt und sah Trevor wieder an, dessen Augen zu schmalen
Schlitzen geworden waren. „D’arjos sind sehr gut darin, Männern die Beherrschung
zu rauben. Aber fluchen ist nicht nett. Dafür hat sie dich sicher noch etwas
länger betteln lassen, oder?“
„Lucie, was passiert, wenn ich ihr den Hals umdrehe?“
„Sie macht Spaß“, erklärte Ailia und versuchte mühsam, Ernst zu bleiben. „Celly,
er ist süß, wenn er flucht. Du würdest da auch nicht widerstehen können.“
„Wenn du nicht gleich still bist, werde ich ihr erzählen, wie du klingst, wenn
du bettelst!“, knurrte er neben ihrem Ohr.
„Oh Gott“, quietschte Celly aufgeregt und rutschte näher. „Was hat er gemacht?“
„Scher dich zurück auf deine Matte!“, fauchte Trevor über Ailias Schulter. „Ich
ahne schon, wie das endet!“
„Lucie, wenn wir allein sind, will ich jede schmutzige Einzelheit hören“,
flüsterte Celly begeistert, befolgte aber seinen Befehl. Zum Glück kam Nal in
Begleitung von Parker und einer jungen Terranerin wieder und lenkte Celly erst
einmal ab.
„Du hast sie noch?“, erkundigte sich Ailia überrascht.
„Berond ist ein wenig vernarrt in sie und sie in ihn“, murmelte Celly
entschuldigend. „Sie sind himmlisch zusammen, es wäre ein Verbrechen, sie zu
trennen. Cassy, Schätzchen“, winkte sie nach der Terranerin, die auf sie zueilte
und neben ihr auf die Matte sank. „Unsere D’arjari Ailia kennst du schon, ja?“,
fragte sie freundlich und strich der blonden Frau fast zärtlich eine Haarsträhne
aus dem Gesicht.
Selbst Trevor fand, dass sie wie ein Engel aussah und als er jetzt den Blick
sah, mit dem Cassy Celly anblickte, wusste er, dass die junge Frau die D’arjo
verehrte.
„Neben ihr, das ist Trevor, ihr Saraan...“ Celly stockte kurz. „Hm, ich weiß gar
nicht, ob das so stimmt...“, murmelte sie dann zu sich selbst und grinste Ailia
an.
„Hallo“, begrüßte Cassy sie schüchtern.
„Bleib bei mir, Schätzchen“, fuhr Celly fort und zog sie neben sich. „Wir wollen
uns heute alle ein wenig entspannen und sehen, was unser neuer Freund gelernt
hat. Oder möchtest du ihn haben, Kleines?“
Parker stand etwas verloren und mit recht rotem Kopf im Raum. Cassy schüttelte
den Kopf. „Er ist so...“
„Ich weiß“, seufzte Celly. „Er ist noch etwas ungeschickt. Zumindest wenn man
meine zwei Spezialisten gewöhnt ist. Berry komm rüber und kümmere dich um deine
Freundin.“
Berond sprang geschmeidig auf, nicht ohne Xana einen entschuldigenden Kuss auf
die Lippen zu drücken. Allerdings reichte Cassys strahlendes Lächeln, um ihn die
andere D’arjo vergessen zu lassen.
Xana dagegen erhob sich ebenfalls und betrachtete den blonden Mann neugierig.
„Ein wenig ungeschickt?“, fragte sie mit einem provozierenden Blick zu Celly,
hob ihre Hand und strich gedankenverloren über Parkers Brust.
Parker schluckte nervös. „I-ich gebe mir...Mühe...“
„Das will ich hoffen, Kleiner“, schnurrte Xana. „Denn du möchtest doch sicher
irgendwann einmal in den Genuss kommen, eine D’arjo richtig zu vögeln, oder?“
„J-ja“, stotterte er verlegen.
„Schön“, fuhr die D’arjo fort und schmiegte sich gegen seinen Körper. „Wir
werden das aber erst zulassen, wenn wir festgestellt haben, dass du uns auch
richtig zu behandeln weißt. Ich habe gehört, du musst noch ein bisschen lernen.
Und brauchst Übung...“
Parker brachte keine Antwort hervor, weil ihre Hände die Knöpfe seiner Hose
öffneten.
„Du hast bestimmt schon bemerkt, dass wir wenig Hemmungen haben, hm?“, flüsterte
sie weiter und sank auf die Knie.
Trevor hatte vorgehabt, sich dieses Schauspiel nicht mit anzusehen, sondern die
Augen zu schließen. Er schaffte es nicht, er schaffte es nicht einmal mehr,
gleichmäßig und ruhig zu atmen, als er zusah, wie sich Parkers Gesicht verklärte
und die Zunge der D’arjo über seinen steifen Penis strich.
Ailia schien seine Spannung zu spüren, denn sie lehnte sich an ihn und hauchte.
„Sie wird in nicht in den Mund nehmen...“
Xana tat es wirklich nicht, sondern reizte ihn mit ihrer Zunge weiter. Man sah
Parker an, wie er um seine Beherrschung kämpfte und dass er längst über den
Punkt hinaus war, sich an den Zuschauern zu stören.
„Warum nicht?“, flüsterte er zurück.
„Es wäre ein Lob“, erklärte Ailia leise. „Sie wird auch nicht zulassen, dass er
mit ihr schläft. Das wird einer der anderen tun und er muss zusehen, damit er
sieht, was er haben kann, wenn er es richtig macht. Und um im Mund einer D’arjo
kommen zu dürfen, muss er sich ganz gewaltig anstrengen. Aber sie hält ihn auf
der Stufe, dass er sich danach verzehrt...“
„Verflucht...“ Trevor atmete tief durch.
„Mit einer Frau ist es einfacher“, fuhr Ailia fort. „Aber ein Mann muss
begreifen, dass miteinander schlafen nicht bedeutet, dass er einfach seinen
Schwanz in sie stößt.“
Parkers Knie gaben nach und Xana zog ihn mit zu ihrer Matte. „Zeig es mir“,
schnurrte sie leise. „Zeig mir, was du gelernt hast.“ Parkers nackter Hintern
reckte in die Luft, als er sich zwischen ihre Beine kniete und sich langsam den
Weg hinauf zu ihrer feuchten Mitte küsste. Xana lehnte sich zurück und fauchte
leise auf, als er dort angekommen war. „Das ist gut“, flüsterte sie heiser.
„Setz deine Zunge ein... mehr...“
Nal zappelte schon wieder ganz aufgeregt neben Celly. Ailia hatte den Verdacht,
dass er in der letzten Zeit mehr als einmal die beiden Terraner nehmen durfte
und der Anblick von Parkers nacktem Hintern ihn gehörig erregte.
„Darf ich ihm helfen, Cel“, bettelte er flüsternd.
Celly schnurrte leise, ehe sie den Kopf senkte und ihn sanft in den Hals biss.
„Nur wenn er es will. Und vergiss Xana nicht.“
Trevor bekam den nächsten Schock, als Nal auf das Pärchen zukroch. „Shit“,
flüsterte er fassungslos, entsetzt und fasziniert zugleich. Trotzdem hinderte
ihn irgendetwas daran zu sagen, dass er gehen wolle. „Lucie...“
Ailia lächelte leicht. Sie fühlte die Spannung in seinem Körper, drehte den Kopf
und leckte beruhigend über seinen Hals. Sie bekam selten die Gelegenheit, zwei
Männer zu beobachten und hoffte, er würde nicht aufspringen und davon rennen.
Trevor war weit davon entfernt, sich bewegen zu können. Aber er wünschte sich,
die Augen zu schließen. Nicht einmal das schaffte er.
Nal hatte den Terraner erreicht und fuhr zärtlich mit der Hand über dessen
nackten Hintern. Parker zuckte zusammen, doch der D’arjo beugte sich zu seinem
Ohr und flüsterte etwas, was nicht einmal die anderen D’arjos im Raum
verstanden. Im nächsten Moment bäumte sich Xana auf und fauchte, als der
Orgasmus ihren Körper schüttelte. Parker blieb zwischen ihren Beinen liegen,
ohne sich zu rühren.
Trevor grub seine Zähne in seine Unterlippe. Er sah, wie keuchend der Mann
atmete und dass es ihn wahrscheinlich eine immense Ansprengung kostete, sich
nicht auf die D’arjo zu stürzen.
Dann hob Xana den Kopf und strich ihm zärtlich über die Haare. „Das war gar
nicht schlecht“, sagte sie leise und küsste den Menschen. Nal schnurrte an ihrer
Seite und sie lachte, als sie den D’arjo ebenfalls an sich zog. „Nal, du bist
etwas unersättlich, nicht wahr? Wollen wir unseren süßen Terraner belohnen?“
Nal leckte über ihre Lippen und küsste dann den überraschten Parker. „Es ist
scheußlich, immer nur die eigene Hand zu haben.“, hauchte er. „Ich lass dich in
meinem Mund kommen. Wenn du möchtest...“
Parkers Augen weiteten sich und Trevor stöhnte unterdrückt auf. „Oh Gott...“
Beide, Nal und Xana, lächelten über Parkers ungläubigen Gesichtsausdruck. „Er
ist schüchtern“, flüsterte Xana in Nals Ohr und knabberte an seinem Hals. „Komm,
wir helfen ihm.“ Ihre Hände zogen den fast erstarrten Terraner an ihre Seite und
drehten ihn auf den Rücken.
Ailia schnurrte leise, als sie zusah wie sich Xana über ihn beugte und ihre
Finger über seine steinharte Erektion strichen, während Nals Lippen die Haut
seines Bauches berührten. Dann küsste die D’arjo den Terraner und Nals Hand
umschloss seinen Penis. Parker befand sich sicherlich jenseits allen normalen
Denkens. Als dann Nal seinen Kopf senkte und seinen Mund über die Erektion des
Terraners stülpte, bäumte sich dessen Körper auf.
Ailia begeisterte es genau so wie die anderen Personen im Raum. Selbst die
schüchterne Cassy beobachtete mit ihren riesigen grünen Augen, wie Parker sich
selbst vergaß und atmete schwer, als Beronds Hand unter ihr Kleid wanderte.
Noch mehr begeisterte es Ailia allerdings die Reaktion ihres eigenen Terraners
in ihrem Rücken zu spüren, auch wenn er im Moment sicherlich nicht bereit war
zuzugeben, dass es ihn genau so erregte wie sie. Noch schöner wäre es gewesen,
alle drei Personen nackt zu sehen, aber Ailia wusste, dass Parker noch nicht
soweit war. Es dauerte eine Weile, ehe Menschen mit ihrem Körper so natürlich
umgehen konnten wie D’arjos.
Unter Nals erfahrenen Lippen dauerte es nicht lange, bis Parker wieder
aufstöhnte, Xana ihn küsste und er in Nals Mund kam. Der D’arjo schnurrte,
während er schluckte und hinter Ailia schnappte Trevor nach Luft. Ailia fühlte
sein Zittern und es berauschte sie.
„Nal“, krächzte Celly, die als einzige im Moment allein war. Nal wusste sofort,
was sie meinte und sprang auf, während Xana den erschöpften Terraner in ihre
Arme zog und ihn wie ein kleines Kind streichelte. Parker schlang seine Arme um
ihren Körper, vergrub sein Gesicht an ihrer Brust und schluchzte fast
erleichtert. Celly und Nal verstanden sich ohne Worte. Er sank vor ihr auf den
Boden, öffnete seine Hose und drängte zwischen ihre Beine.
„Shit“, fluchte Trevor in Ailias Rücken. „Ich muss hier weg...“
Ailia drehte sich mit einer schnellen Bewegung um und verschloss seinen Mund mit
einem Kuss. Er stöhnte auf und schlang fast verzweifelt seine Arme um sie. Sie
wusste von Celly, dass Terraner etwas gehemmt im Ausleben sexueller Fantasien
vor allem im Beisein anderer Personen waren. Und sie fühlte, dass es nur einen
einzigen Grund gab, aus dem er weg wollte: weil er genau so erregt war wie sie.
„Mach dir keinen Kopf“, flüsterte sie gegen seine Lippen.
Er stöhnte wieder und schloss gequält die Augen, als ihre Finger zwischen ihre
Körper wanderten und seine Hose öffneten. „Nein...Lucie...“, brachte er hervor.
„Shit...verdammt...“ Sie war nackt unter dem verfluchten Kleid und all sein
Widerstand löste sich in nichts auf, als seine eigene Erektion ins Freie sprang
und auf die feuchte Region zwischen ihren Beinen traf. Mit einem Knurren
positionierte sie sich selbst über seinem Penis und ließ sich langsam auf ihm
nieder.
„Verflucht“, murmelte er wieder, diesmal eindeutig atemlos und sein Gesicht
presste sich gegen ihre Brust, als sie den Kopf in den Nacken warf und sich
langsam auf ihm bewegte. Er wollte nicht sehen, was um ihn herum los war, es
reichte, das Keuchen und Knurren zu hören, um ihn wahnsinnig werden zu lassen.
Er wollte auch nicht sehen, ob ihn jemand anders beobachtete und er wollte
gleich gar nicht darüber nachdenken, wie peinlich das war.
„Lass dich gehen“, flüsterte sie wieder und fuhr zärtlich mit den Händen durch
seine verschwitzten Haare. Sie fühlte sein Zittern und dass er gegen sich selbst
kämpfte. Vielleicht würde er ihr später einen Vorwurf machen, im Moment jedoch
war das Verlangen in seinem Körper stärker als sein Wille.
************
„Ich habe gewusst, dass er nicht durchhält“, erklärte Celly vergnügt.
Trevor reagierte nicht. Er lehnte erschöpft mit geschlossenen Augen an der Wand
und Ailia schmiegte sich an ihn, nachdem sie seine Hose wieder verschlossen
hatte. Er fühlte ihr Grinsen, doch nicht einmal das regte ihn im Moment auf,
weil er froh war, dass der verrückte Druck aus seinem Körper verschwunden war.
„Er ist eine leidenschaftliche Person“, fuhr Celly fort. „Die meisten stolzen
und willenstarken Personen sind das, in ihrem Kampf gegen sich selbst und wenn
die Schranken fallen erst recht.“
„Wenn du nicht endlich still bist“, knurrte er müde. „Werde ich dir persönlich
den Mund stopfen.“
„Hm“, schnurrte Celly begeistert. „Ich wüsste sogar wie.“
Nicht einmal die Anspielung regte Trevor auf. Er öffnete nur seine Augen, zog
eine leise grollende Ailia an sich und murmelte. „Ist sie nicht irgendwann mal
befriedigt?“
„Irgendwann sicherlich“, kicherte diese und knabberte an seinem Hals.
„Vielleicht sollte jemand mal mit ihr diese Fesselsache machen...“
Ailia vergrub ihr Gesicht an seinem Hals, um nicht laut zu lachen, weil sie
Celly nach Luft schnappen hörte und murmelte. „Du nicht.“
Trevors Lippen verzogen sich zu einem sehr süffisanten Grinsen. „Ich könnte sie
fesseln“, sagte er leise und Cellys Mund klappte auf. „Und ich wette, ihre
beiden Männer würden keine Probleme haben, sie ganz schnell zum Betteln zu
bringen. Und ich wette, danach verspürt sie keinen Drang mehr, fremde Männer
anzumachen.“
Cellys Haare richteten sich auf und Ailia, die belustigt in ihre Richtung
schielte, bemerkte zum ersten Mal, dass ihre Freundin etwas blass wurde. Sie
schluckte mehrmals, ehe ihr ihre Stimme wieder gehorchte. „Nal und Berry würden
mich sofort befreien, wenn ich es fordere.“
„Nun, ich würde ja dableiben, um ihnen klar zu machen, was sie zu tun haben. Und
die Fesseln lösen, gehört garantiert nicht dazu“, erklärte er ungerührt.
„Au ja“, schnurrte Nal begeistert und verstummte, als Celly ihn leise anfauchte.
Aber nur kurz. „Würdest du wollen, dass ich dich berühre, Trevor?“
Ailia lachte erstickt auf, als Trevor den D’arjo wie vom Donner gerührt
anstarrte und dann hervor stieß: „Nein!“
„Schade“, murmelte der D’arjo und rieb seinen Körper an Cellys. Deren Hand
schoss vor und legte sich um seinen Hals.
„Du bist ein ungezogener D’arjo“, knurrte sie und küsste ihn wild. „Du wirst
nicht in seine Nähe kommen, verstanden?“
„Ja, Cel“, hauchte Nal faszinierte. Seine Zunge schnellte heraus und leckte über
Cellys Gesicht.
Cellys Augen währenddessen funkelten Trevor an, der schon wieder recht belustigt
schmunzelte. Und ihre Freundin Ailia lächelte genau so. „Möchtest du ihn immer
noch haben, Celly?“, schnurrte sie. „Wenn ja, hat er bestimmt noch mehr so nette
Ideen in seinem Kopf.“
„Du wirst auch nicht mit ihm reden, Nal“, murmelte Celly in einem eigenartigen
Ton.
Nal hob kurz den Kopf und nicht nur Trevor sah ein verschmitztes
Wir-werden-sehen in seinem Blick. Dann schlang er seine Arme um Celly und zog
sie an sich. „Würde ich jemals etwas tun, was dir nicht gefällt?“
„Nein, mein Schatz...“ Ihre Lippen trafen aufeinander und sie vergaßen die Welt
um sich herum.
Ailia starrte eine Weile gedankenverloren auf das Pärchen. Wenn sie nicht durch
ihr Verhältnis mit Trevor auf solche Dinge aufmerksam geworden wäre, hätte sie
es nicht bemerkt. Sie hob die Augen zu dem Terraner und sah das feine Lächeln in
seinem Gesicht. Er wusste es genau so. Nal hatte Cellys Anweisung nicht
bestätigt, sondern sie mit einem recht zweideutigen Satz beruhigt. Und sie ahnte
plötzlich, dass der D’arjo etwas gerochen hatte, was ihren Sinnen verborgen
geblieben war, weil die Entfernung zu groß war. Celly hatten Trevors Worte
erregt und wenn Nal meinte, er würde niemals etwas tun, was ihr nicht gefallen
würde, schloss das Trevors Idee nicht aus.
„Endlich!“ Celly zog Ailia aufgeregt in ihren Wohnbereich und zur Couch. „Ich
will alles hören! Jede schmutzige Einzelheit.“
Ailia lächelte, als sie sich setzte. Trevor hatte die Augen verdreht, als sie am
Morgen erklärte, sie müsse sich jetzt unbedingt Cellys Neugier stellen. Ihre
Freundin würde sicher schon platzen und er hatte sich strikt geweigert, sie zu
begleiten. Es störte Ailia nicht und als sie sich jetzt umsah, konnte sie nicht
einmal jemanden von Cellys kleinem Harem sehen. Und das hieß schon etwas.
„Wo sind sie denn alle? Hast du Nal jetzt endgültig den Verstand aus dem Kopf
gevögelt?“
„Ich weiß noch nicht, ob ich will, dass Nal irgendetwas von dem hört, was du
erzählst!“, kicherte Celly. „Also: Spuck es aus!“
„Was denn?“, fragte Ailia unschuldig.
„Du hast mir etwas verschwiegen!“, schimpfte Celly. „Du hast von einer
Vereinbarung mit dem Terraner gesprochen. Ein Handel, um dich freizukaufen. Ich
wette, da ist noch eine Menge mehr!“
„Hm.“ Ailia grinste jetzt regelrecht, als sie sah, wie Celly an ihren Lippen
hing. „Du wirst sicherlich etwas entsetzt über mich sein.“
„Garantiert“, kam es trocken von der anderen D’arjo.
„Ich war allein“, begann sie dann. „Und die einzige Person, die ich den lieben
langen Tag sah, war er. Nun ja, er sieht schon fantastisch aus...“
„Komm zum Punkt! Ich weiß, wie er aussieht!“, quietschte Celly und zappelte
neben ihr auf der Couch herum.
Ailia holte tief Luft. „Trevor kam dazu, als Harrold die nette Idee hatte, es
einer D’arjo ordentlich zu besorgen...“ Celly schnaubte verächtlich. „Er war
überrascht, weil ich mich weniger darüber aufgeregt habe, dass er es getan hat,
sondern mehr über das Wie. Er hatte die eigenartige Vorstellung, dass man seiner
Schwester ungefähr das gleiche antut wie Harrold mir. Täglich.“
„Oh Gott“, entfuhr es Celly entsetzt und Ailia verzog den Mund.
„Das ist es, was Terraner Vergewaltigung nennen. Ich habe jede Menge Zeit damit
verbracht, ihm die d’arjotischen Verhältnisse zu erklären.“ Sie grinste wieder.
„Und nebenbei durchklingen lassen, dass ich mich etwas sexuell vernachlässigt
fühle.“
Celly kicherte. „Ich wette, er war entsetzt.“
„Ein wenig“, gab Ailia zu. „Und er war der Meinung, dass ich keinen seiner
Männer wie ein Sexspielzeug benutzen darf.“
„Böse, böse“, murmelte Celly. „Wieso endete er dann so?“
„Nun ja.“ Ailia atmete tief aus. „Er endete nicht so.“
„Oh Gott“, entfuhr es der D’arjo. „Ich habe es geahnt...“
„Er hat deutlich gemacht, dass er keineswegs gewillt war, die Rolle eines
Saraans zu spielen.“ Ailia starrte gedankenverloren in die Luft. „Vielleicht war
ich wirklich etwas frustriert. Aber die Art und Weise, wie er das klar stellte,
hat mich unwahrscheinlich angemacht.“
„Er hat dich beansprucht…“, hauchte Celly. „Mein Gott, das ist… faszinierend…“
Sie klang ganz schön weggetreten und Ailia musste wieder lächeln. „Ich konnte
anfangs nicht fassen, weshalb mich das so erregte und weshalb ich mich auf Dinge
einließ, die ich nie in Erwägung gezogen habe, aber dann wurde mir klar, dass
ich in diesem Moment das gleiche fühle wie ein Mann…“
„Wow… wieso ist er jetzt hier?“
Ailia erzählte ihr kurz von ihrer Erpressung, dem kleinen Wunsch nach Rache und
dass sie wollte, dass er genau das gleiche fühlte wie sie. Und sie erzählte zum
ersten Mal einer Person, was sie vorhatte.
„Du willst ihn tatsächlich gehen lassen?“, fragte Celly ungläubig.
„Er würde es auf Dauer nicht durchhalten“, erklärte sie ernst. „Genau so wenig,
wie es mir auf Dauer nicht gereicht hätte, seine Bettgefährtin zu spielen.“
„Es ist schwer, sich das vorzustellen. Aber du hast Recht. Ihn umgibt eine Art
Stärke, die mir an noch keinem Mann begegnet ist. Eigentlich schade, dass du ihn
weglässt. In der kurzen Zeit entwickelt er bestimmt kein Verlangen, eine andere
D’arjo auszuprobieren…“
Ailias Haare richteten sich auf, doch dann beruhigte sie sich wieder. „Am ersten
Tag, auf Moms Schiff war er sehr wütend, als er mitbekam, dass die Saraans nicht
nur mit ihrer Dorema schlafen und glaubte, wir würden das genau so tun.“
„Wütend?“
Sie nickte. „Richtig wütend.“ Ihr Gesicht verklärte sich. „Du kennst doch meine
kleine Schwäche, Celly. Und als er mir so fürchterlich eifersüchtig erklärte, er
würde mich nie wieder anrühren, wenn er mich mit anderen teilen soll, fühlte ich
mich einfach himmlisch.“
Cellys Mund klappte auf. „Er hat… was?“
„Er hat vor mir Monate ohne eine Frau verbracht. Monate!“ Celly sah sie an als
hätte sie zwei Köpfe. „Ich denke, wenn er wirklich keine Lust auf Sex hat, wird
ihn keine Macht der Welt dazu bewegen.“
„Quatsch“, stieß Celly inbrünstig hervor.
„Ich denke sogar, wenn es diese Wochen auf seinem Schiff und unsere
Unterhaltungen nicht gegeben hätte… Es ist mehr als einmal passiert, dass ihn
eine Frau angesprochen oder angelächelt hat. Und weißt du, was er getan hat?“
Celly schüttelte den Kopf. „Er hat sie mit eisiger Miene einfach nur angesehen
und sie hat sich umgedreht und ist gegangen.“
„Er wird weich in deinen Händen“, sagte Celly überzeugt. „Das schafft jede Frau,
wenn man sie lässt. Männer sind da nicht wählerisch.“
„Ich werde auch weich. In seinen Händen.“ Ailias Stimme klang leise, irgendwie
verträumt.
„Hat er dich ans Bett gefesselt?“, flüsterte Celly, plötzlich wieder neugierig.
„Nein“, hauchte Ailia zurück. „Aber gebettelt habe ich trotzdem.“ Celly wurde
blass. „Ich habe allerdings die Entschädigung dafür erhalten, als ich ihn ans
Bett fesselte.“
„Ich kann das nicht glauben. Wieso hat er es zugelassen?“
„Weil es ihn genau so anmacht wie mich.“
„Hast du ihn gebissen?“
„Ja.“ Sie fuhr sich durch die Haare und beugte sich zu Celly. „Soll ich dir
etwas zeigen? Da seine Zähne nicht taugen, hat er sich etwas anderes einfallen
lassen…“
Cellys Hand wanderte langsam zu ihrem Mund und bedeckte ihn, als Ailia den
Träger des Kleides auf ihrer rechten Schulter zur Seite streifte und ihr Blick
auf das verschnörkelte T fiel. „Du bist verrückt…“, flüsterte sie erstickt und
lehnte sich zu Ailia. Und ihre Stimme war kaum hörbar, als sie fragte: „Wie war
es?“
**************
Als sie wieder zurück in ihre Wohnräume kam, fand sie Trevor auf dem Balkon, wie
er wieder einmal gedankenverloren die Landschaft Avalons musterte. Er drehte
sich um, als sie durch die Tür trat und lehnte sich gegen das Geländer.
„Hast du ihr jetzt klar gemacht, dass sie ihre Flirtversuche bei mir stecken
lassen kann?“
Ailia schmiegte sich lächelnd gegen seinen Körper. „Sie mag noch um einiges
schamloser sein als ich“, hauchte sie leise. „Aber sie möchte immer die
Kontrolle behalten. Ich weiß nicht, ob sie fähig gewesen wäre, das Spiel zu
spielen, das du mir auf deinem Schiff aufgezwungen hast.“
Trevor küsste sie kurz. „Ich denke, dir gefällt Kontrolle auch recht gut.“ Sie
schnurrte ein leises „Hm“ gegen seinen Hals. „Vielleicht sollte man sich
wirklich manchmal einfach nur von seinen Gefühlen leiten lassen. Ich hätte auch
nie geglaubt, dass ich mich einmal auf etwas von dem einlasse, das du mir
aufgezwungen hast.“
„Es hat dir gefallen“, kicherte sie. „Und das ist es, was mich anmacht. Zu
sehen, dass mein Handeln und mein Verhalten dich die Beherrschung verlieren
lassen.“
„Dir hat auch gefallen, was ich mit dir angestellt habe“, hielt er ihr vor. Aber
sie hatte Recht. Zu sehen, wie sie auf ihn reagierte, war manchmal mehr, als er
ertragen konnte. Doch dann fiel ihm wieder ein, was er sie schon lange fragen
wollte. „Lucie? Wieso hast du so lange gewartet, ehe du mich gebissen hast? Ich
habe in der ersten Nacht damit gerechnet...“
Sie hob ihr Gesicht zu ihm und lächelte schwach. „Es hat etwas sehr
besitzergreifendes an sich, jemanden zu zeichnen. Es ist die D’arjo in mir, die
spürt, ob der Partner es akzeptiert. Du hast dich gewehrt, Trev, weil du dich
unbewusst dagegen gesträubt hast, nachzugeben. Erst in jener Nacht hast du
verstanden, dass Nachgeben nicht Aufgeben bedeutet...“
Er zog sie an sich, fühlte, wie sich ihr zierlicher Körper gegen seinen presste
und das Feuer, das sofort in seine Lenden schoss. „Ich wünschte, ich hätte deine
Zähne...“, knurrte er leise und spürte ihr Zittern. „Und ich finde, es ist Zeit,
dich daran zu erinnern, dass du mein Zeichen genau so trägst wie ich deins.“
Seine Lippen trafen auf ihre und seine Zunge drängte zwischen ihre Zähne. Ihr
leises Knurren sagte ihm, dass sie nicht gewillt war, so einfach einem
Rollentausch nachzugeben und allein dieser Gedanke jagte die Erregung in seinem
Körper in die Höhe.
„Wir sind hier auf Avalon“, schnurrte sie in sein Ohr, als er sie auf seine Arme
hob und in Richtung Schlafzimmer trug, und biss ihn sanft in den Hals. „Ich bin
die D’arjari und du gehörst mir.“
Er lachte leise und dieses Lachen schickte einen Schwall Feuchtigkeit zwischen
ihre Beine. „Wird Zeit, dass ich dir zeige, dass das überhaupt keine Rolle
spielt“, murmelte er heißer.
„Ich mag das nicht“, hauchte sie und versuchte, ihre Begeisterung nicht all zu
deutlich zu zeigen. Eigentlich war es sehr schön, dass er nicht über die feine
Nase von D’arjos verfügte, sonst würde er deutlich riechen, was allein seine
Worte mit ihr anstellten.
„Ich denke, mir steht noch eine kleine Rache für die eine Nacht in Fesseln
zu...“
„Was?!“, fuhr sie erschocken hoch und fing an zu zappeln. „Du wirst mich nicht
fesseln! Vergiss es! Ich lasse das nicht zu!“
Trevor lachte wieder, ließ sie mit dem Bauch zuerst auf das Bett fallen, war im
nächsten Moment über ihr und presste sie mit seinem Gewicht gegen die Matratze.
„Ich kann mich nicht entsinnen, dich nach deiner Meinung gefragt zu haben.“
„Oh verflucht!“, schimpfte sie auf. Sie hätte ahnen müssen, dass er keine leeren
Anspielungen machte. So gut kannte sie ihn inzwischen schließlich. Sie nahm
sogar an, dass er seinen Warnung Celly gegenüber wahr gemacht hatte, wenn sie
ihn weiter gereizt hätte. Dass er jetzt allerdings vorhatte, das gleiche mit ihr
zu tun, passte ihr gar nicht. „Lass mich los!“, fauchte sie auf. „Mir gefällt
das gar nicht!“
Seine Hände hielten ihre Arme auf ihrem Rücken fest. Sie bäumte sich auf, doch
gegen sein Gewicht hatte sie keine Chance. Dann spürte sie, wie er eine seiner
Hände löste und damit unter ihr Kleid zwischen ihre Beine wanderte. Und er
lachte wieder, während sie wütend ihr Gesicht im Bettlaken vergrub.
„Du kleine Lügnerin“, murmelte er amüsiert. Sie war schon wieder so feucht, dass
sie nicht einmal behaupten konnte, sie würde schwitzen. „Nur böse Mädchen lügen,
weißt du das?“
„Ich werde mich rächen!“, versprach sie grollend.
„Das hoffe ich doch“, schnurrte diesmal Trevor und strich sanft mit den Fingern
durch die Nässe. Er hörte sie nach Luft schnappen und drückte sie mit seinem
Gewicht zurück, als sie sich wieder aufbäumte.
Ailia schloss einen Moment fast verzweifelt die Augen. Dann fühlte sie, wie er
den Rock ihres Kleides nach oben streifte und seine Finger zärtlich über die
nackte Haut ihres Hinterns streichelten. Sie hätte am liebsten vor lauter Wut in
die Bettdecke gebissen, beherrschte sich aber gerade noch.
„Behauptest du immer noch, es würde dir nicht gefallen?“, fragte er und
plötzlich hatte seine Stimme diesen rauchigen Klang, der sie wahnsinnig machte.
Sie ahnte, welches Verlangen schon wieder in seinen Augen glänzte und war froh,
es nicht zu sehen.
„Es gefällt mir nicht!“, behauptete sie böse und schrie erschrocken auf, als er
ihr mit der flachen Hand auf den Hintern schlug. „Spinnst du!“
„Du lügst schon wieder“, murmelte er fasziniert und seine Finger strichen über
den roten Abdruck auf ihrer Haut, ehe sie wieder zwischen ihre Beine glitten.
„Böse, böse...“
Ailia war erstarrt und unterdrückte mühsam ein Aufstöhnen, als sein Finger in
ihr verschwand.
„So feucht, Lucie“, hauchte er und bewegte seinen Finger in ihr. „Gefällt dir,
was ich mit dir mache?“
„Nein!“, stieß sie schneller hervor, als sie denken konnte. Keine Sekunde später
entfernte sich sein Finger aus ihr und seine Hand schlug erneut auf ihren
Hintern. „Verdammt!“, schrie sie auf und es klatschte noch einmal. „Au!“
„Es wird nicht geflucht und nicht gelogen, Kätzchen“, erklärte er seine Regeln.
„Ich werde dich wirklich eine ganze Nacht ans Bett fesseln! Au!“
„Und gedroht wird auch nicht“, fuhr er fort, ehe er sie an die Bettkante zog und
darüber gleiten ließ, so dass sie mit den Knien auf dem Boden landete und er
hinter ihr knien konnte. Sie zitterte auf und ein leises Stöhnen kam von ihren
Lippen. Er lächelte, zog ihren Körper kurz zu sich hoch und berührte mit den
Lippen ihren Hals. Ailia seufzte, als sie im Rücken seine harte Erektion spürte.
Bis er fragte: „Gefällt es dir?“
Ein Schauer lief durch ihren Körper. Sie legte den Kopf in den Nacken, lehnte
ihn an ihn und hauchte: „Nein...“
Trevor zitterte plötzlich genau so. Er presste sie zurück auf das Bett und
drängte sein Knie zwischen ihre Beine. Ailias Stirn sank auf das Laken.
„Nicht?“, stieß er mühsam beherrscht hervor. Sie war froh, dass seine Stimme
genau so klang wie sie sich fühlte.
Oh Gott. Was tat er nur mit ihr? War es schon Zeit zuzugeben, was er wollte? Die
Stimme, die auf das Gefühl zwischen ihren Beinen hörte, sagte ja. Ihr Stolz
sagte nein. Ihr Stolz war stärker und sie schüttelte wild den Kopf.
Trevor kicherte wieder und sie hätte ihn am liebsten schreiend gefragt, wieso er
kichern konnte. „Ich denke, du wirst lernen müssen, dass du nicht lügen sollst,
oder?“, fragte er schmeichelnd und zog mit den Fingern seiner Hand eine Spur
hinunter zwischen ihre Beine.
Ailia wimmerte leise auf und vergrub ihr Gesicht in der Bettdecke in der
Hoffnung, er würde es nicht hören. Dann landete seine Hand wieder auf ihrem
Hintern und sie konnte ein zorniges Aufknurren nicht verhindern. Komischerweise
wurde auch der Druck zwischen ihren Beinen größer und sie fühlte, wie die
Feuchtigkeit ihre Beine hinunterlief. „Oh Gott“, jammerte sie auf, als seine
Finger diesmal ihre Klitoris erreichten und bäumte sich auf.
Trevor drückte sie lachend zurück. Er fühlte sich zwar selbst so, als würde er
gleich platzen, aber zu sehen, wie sie unter ihm zappelte, war noch um einiges
besser. Er überlegte, ob er es wagen konnte, ihre Hände loszulassen, entschied
sich aber dagegen. Fast zärtlich streichelte seine Hand über ihren leicht
geröteten Po. Es war ihr Widerstand, der ihn dazu verleitet hatte, obwohl er so
etwas nie vorgehabt hatte. Und dass es sie dermaßen heiß machte, damit hatte er
schon gleich gar nicht gerechnet.
Ailia währenddessen glaubte wahnsinnig zu werden, weil er plötzlich gar nichts
tat. „Trev?“, fragte sie und klang schon recht bittend.
„Was denn, Kätzchen?“, erkundigte er sich und rieb die Beule in seiner Hose an
ihrem Hintern. „Hörst du jetzt auf zu lügen?“
„Ja“, schnurrte sie und er wurde übergangslos steinhart, als sie sich gegen ihn
presste.
„Du magst, was ich mit dir tue?“, fragte er heiser.
„Ja“, flüsterte sie und seufzte, als er sie wieder zwischen den Beinen berührte.
Ihre Beine spreizten sich automatisch weiter und sie fauchte auf, als sein
Finger den harten Knoten erreichte. „Oh Gott, bitte, mach endlich deine Hose
auf...“
„Du siehst also ein, dass ich dich ein wenig bestrafen musste?“
„Nein... ich meine Ja. Ja“, korrigierte sie sich schnell, doch seine Hand war
schon wieder mit einem Klatsch auf ihrer Haut gelandet. Es war, als würde eine
direkte Verbindung zwischen dem leichten Schmerz und dem Punkt zwischen ihren
Beinen bestehen. Der letzte Rest Verstand in ihrem Kopf, der noch klar denken
konnte, teilte ihr begeistert mit, dass sie das unbedingt mit ihm ebenfalls
ausprobieren musste.
„Dich macht so ziemlich alles an, Lucie“, schnurrte er. „Magst du, ein wenig
bestraft zu werden?“
„Nein! Au!“, fauchte sie auf und jammerte dann wieder. „Ja, doch. Ja. Ja...“ Und
sie konnte nicht einmal sagen, dass sie log. Ihr Körper fühlte sich, als stände
er in Flammen und als er seine Finger wieder in ihr vergrub, bäumte sie sich
stöhnend auf und presste sich gegen ihn. „Ja, Trev... ja...“
„Du hast mich etwas vernachlässigt“, hauchte er neben ihrem Ohr.
Ailia benötigte eine Weile, ehe seine Worte durch den Nebel in ihrem Kopf
drangen. „W-Was?“, fragte sie dann benommen.
„Weißt du, ich liebe deinen Mund und deine Lippen, vor allem an einem bestimmten
Körperteil von mir...“
„Oh nein“, jammerte sie auf. „Trev, nicht jetzt. Ich brauche dich in mir.
Danach, okay? Du kriegst danach die ganz langsame Version. Versprochen. Bitte,
Trev...“ Sie hätte fast vor Erleichterung geweint, als sie hörte wie er seine
Hose öffnete.
Seine Hand fuhr in ihre Haare und hob ihren Kopf an. „Ich wette, du hättest mich
in der gleichen Situation noch etwas zappeln lassen, Lucie...“
„Nein, nein, nein, hätte ich nicht... niemals...“, log sie verzweifelt und
schrie auf, als er sich in sie rammte und sie gleichzeitig mit seiner Hand auf
den Hintern schlug.
„Du lügst schon wieder“, keuchte er, ließ ihre Hände gehen und sah wie sich die
Krallen Halt suchend in die Bettdecke bohrten. Er presste sie, ohne sich zu
bewegen, gegen die Kante des Bettes. „Sag es, Lucie.“
Wieso konnte er noch reden? Sie suchte eine ganze Weile verzweifelt nach Worten.
„Ja“, stieß sie dann krampfhaft hervor. Soviel zu *Worten*.
„Ich weiß, Kätzchen.“ Er klang verzückt, bewegte sich aber immer noch nicht.
Ailia begann schon wieder zu zappeln. „Trev, bitte. Ich halte das nicht aus“,
bettelte sie und bewegte auffordernd ihr Hinterteil. Seine Hände umfingen ihre
Hüften, fuhren unter ihr Kleid die nackte Haut zu ihren Brüsten hinauf. Sie
stöhnte auf, als seine Hände die harten Spitzen berührten und sie seine stumpfen
Zähne an ihrem Hals spürte.
„Meine kleine D’arjo“, flüsterte er begeistert, als sie erschauderte. „So
ungeduldig...“
Ihre Augen schlossen sich. „Bitte...“
Sie klang, als würde sie gleich ohnmächtig werden und dieses leise Bitte hörte
sich so verzweifelt an, dass er nicht anders konnte. Mit einer langsamen
Bewegung zog er sich aus ihr zurück und stieß wieder zu.
„Oh Gott...ja“, seufzte sie, als seine Stöße sich beschleunigten und sie immer
wieder hart gegen die Matratze pressten. Alles andere um sie herum versank im
Nebel der Leidenschaft, einzig und allein sein und ihr Keuchen erfüllte den
Raum.
„Richtig so, Lucie?“, schaffte er trotzdem noch zu sagen.
„Ja, ja... härter... ja... oh Gott“, stammelte sie vor sich hin, ohne selbst zu
begreifen, was sie sagte.
Und Trevors Verstand verabschiedete sich ebenfalls endgültig. „Härter? Kannst du
haben...“
Sie fauchte begeistert auf, bohrte die Krallen weiter in das Laken, um nicht den
Halt zu verlieren. Es war, als wären sie beide für einen Moment dem Wahnsinn
nahe, denn alles was zählte, war das Ineinanderrammen ihrer Körper. Im Moment
war auch nicht wichtig, wer welche Rolle spielte, da es nur darum ging, den
herrlichen Druck in ihren Körpern zu lösen und die Erlösung zu genießen, die
ihnen die Sinne raubte.
Sein leises glucksendes Lachen war das erste, was wieder zu ihrem Verstand
vordrang. Aber sie war noch nicht in der Lage, eingehender darüber nachzudenken,
beziehungsweise zu handeln.
Trevor dagegen fand es einfach köstlich, zog sie neben sich auf das Bett und
schlang seine Arme um sie. Sie sah noch immer so herrlich weggetreten aus, dass
er sie am liebsten sofort noch einmal geliebt hätte. Wenn er dazu schon in der
Lage gewesen wäre. Allerdings sah er auch nicht ein, warum er allzu lange auf
die Einlösung ihres Versprechens warten sollte.
„Lucie?“, erkundigte er sich vorsichtig und konnte nur mühsam ein Lachen
verkneifen, als sie den Kopf drehte und ihn recht benebelt ansah. „Du siehst süß
aus... so richtig ordentlich durchgevögelt...“, kicherte er. Sie antwortete
nicht, sondern lächelte so herrlich, dass er aufstöhnte, sie an sich riss und
seine Lippen auf ihren Mund presste. „Wie sieht es aus?“, fragte er dann
herausfordernd. „Schon bereit für die Einlösung deines Versprechens?“
„Hm?“, machte sie sehr intelligent und er lachte wieder.
„Das.“ Er tippte an ihre Lippen. „Dahin.“ Und wies seinen Körper abwärts,
während er auffordernd seine Augenbrauen hob. „Und vorher“, fuhr er fort. „Weg
damit.“ Und er zupfte an ihrem Kleid.
„Frech“, hauchte sie fassungslos und noch immer sehr wortkarg.
„Und bald!“
Diesmal lachte sie, drehte sich zu ihm und kniete einen Augenblick später über
ihm. „Ich habe dich vernachlässigt?“, schnurrte sie und er nickte kräftig. „Wie
böse von mir...“ Sie beugte sich zu ihm und leckte über seine Lippen. „Ganz
langsam?“ Er nickte wieder, plötzlich atemlos. Ailia zog mit einer schnellen
Bewegung ihr Kleid über den Kopf und ließ es achtlos neben dem Bett fallen.
Gott, ich liebe sie, schoss es ihm plötzlich durch den Kopf und er erschrak
selbst über den Gedanken.
Sie sah ihn an wie eine kleine Raubkatze, als sie sich wieder über ihn beugte.
„Ich möchte deinen ganzen Körper mit meiner Zunge erkunden“, hauchte sie leise
und rieb ihren nackten Körper an ihm.
Wenn sie so weiter machte, würde das garantiert nicht die langsame Version
werden.
„Darf ich dich ausziehen?“, fragte sie und schnurrte schon wieder.
Seine Augen schlossen sich. „Ja...“ Er ließ zu, dass sie ihm erst sein Shirt
über den Kopf zog und dann die Hosen die Beine hinab. Als er sich aufrichten und
sie wieder an sich ziehen wollte, beugte sie sich über ihn und drückte ihn sanft
zurück.
„Bleib liegen, Trev“, flüsterte sie und fuhr mit der Zunge über seinen Hals.
„Genieß, was ich tue. Ich werde mir ganz, ganz viel Zeit lassen, ja?“
„Oh Gott...“
Ailia hob ihren Kopf und lächelte. „Du bestimmst das Tempo. Wenn du es nicht
mehr aushältst, sag es einfach.“ Sie kicherte über seinen verblüfften
Gesichtsausdruck und stellte klar. „Heute. Das gilt nur für heute.“ Und sie
setzte mit einem breiten Grinsen noch hinzu. „Wenn ich dich doch ein wenig zu
sehr quäle, musst du mich bestrafen...“
„Verdammt!“ Er schlang seinen Arm um ihren Hals und küsste sie hungrig, während
sein Körper allein auf die Herausforderung in ihren Worten reagierte. „Lucie, du
bist Wahnsinn...“
„Ich weiß“, schnurrte sie neben seinem Ohr. „Du auch, Terraner. Du auch...“ Und
dann senkte sie ihren Kopf und machte ihr Versprechen wahr.
Es war am nächsten Tag, Ailia hatte Trevor beim Abendessen gerade darüber
informiert, dass sie an einem der nächsten Tage in Richtung Ventarn starten
würden, als ihre Mutter in Begleitung einer anderen D’arjo den Raum betrat und
an dem großen Tisch Platz nahm.
Ailias Augen verhärteten sich etwas, als sie Ledis erkannte, die D’arjari des
Planeten Egwohl. Eine unmögliche Person, die sicherlich die Gelegenheit, dass
ihre Mutter auf einer Geschäftsreise war, nutzte, um anderen D‘arjos das Leben
zur Hölle zu machen.
Dann fiel ihr Blick auf Ledis‘ Saraan und ihre Augen weiteten sich erstaunt. Er
war jung, viel zu jung, um einer D’arjari von Ledis Format, gewachsen zu sein,
eigentlich viel zu jung, um überhaupt schon einer D’arjo zu gehören. Er schaute
mit einem so unschuldigen Blick in die Runde, dass sich Ailias Herz zusammen
zog.
„Wir haben Besuch, Lucie“, meinte Auris gleichgültig, als sie sich setzte. „Du
kennst Ledis ja schon, nicht wahr?“
„Hallo, Ledis“, begrüßte Ailia die andere D’arjo höflich. „Wen hast du denn
mitgebracht? Deinen Sohn?“
Auris knurrte warnend, während sich Ledis Augen verengten. Trevor neben Ailia
jedoch hatte Mühe, ernst zu bleiben. Aber er wusste auch nicht, dass Ailias
Bemerkung einer Beleidigung gleich kam. Ein Sohn würde niemals an der Seite
seiner Mutter aufwachsen, geschweige denn mit ihr gesehen werden.
„Das ist Sam’ol“, fauchte Ledis. „Da ich euer gastfreundliches Haus kenne, war
ich der Meinung, nicht unbedingt meinen besten Saraan mitbringen zu müssen. Ich
teile nicht so gern.“
„Wie schön“, versuchte Auris das Ganze abzuschwächen und funkelte ihre Tochter
an, „dass du die Gastfreundschaft unseres Hauses zu schätzen weißt.“
Während das Essen serviert wurde, lauschte Trevor dem belanglosen Gespräch und
musterte dabei die fremde D’arjo. Obwohl man auch sie nicht als unbedingt
hässlich bezeichnen konnte, lag etwas in ihrem Wesen, was ihn abstieß.
Selbst Ailias Freundin Celly hatte trotz ihrer vergnügten Schamlosigkeit eine
Aura von Lebendigkeit verbreitet, während diese D’arjo ihm nicht einmal nett
erschien. Sie schien seinen Blick zu spüren, hob den Kopf und ihre Augen
funkelten eisig, als sie ihm mit einem Lächeln die Zähne zeigte.
Trevor tat der junge D’arjo neben ihr Leid, den sie ab und zu anfauchte, so dass
dieser auf seinen Teller starrte und nicht hochzusehen wagte. Er hätte Ailia
gern gefragt, ob es passierte, dass ein Saraan mit seiner Frau nicht
einverstanden war, aber diese Frage konnte er in Gegenwart der beiden D’ajos
nicht stellen.
Ledis schien fertig mit Essen und lehnte sich zurück. „Du hast Geschmack an
Terranern gefunden, Ailia?“, fragte sie zuckersüß.
„An diesem einen schon“, erklärte Ailia mit der gleichen falschen
Freundlichkeit.
Trevor gefiel der Blick, den Ledis ihm zuwarf, überhaupt nicht.
Und Ledis hatte keine Scheu, sofort mit der Sprache heraus zu rücken. „Ich bin
neugierig auf einen Terraner. Ich hatte noch keinen.“
Ailia zuckte mit den Schultern. „Kauf dir einen.“
„Lucie!“, fauchte Auris jetzt ernsthaft böse. „Sie ist unser Gast! Entsinne dich
wenigstens an die Grundzüge der Gastfreundlichkeit.“
„Mom, sie ist nie gastfreundlich, wenn wir dort sind“, verteidigte sich Ailia
erbost.
„Ihre Mutter schon. Und wir werden uns nicht dazu herablassen, Ledis ihr eigenes
Verhalten zum Vorwurf zu machen.“
Ledis lächelte siegessicher. „Sie sind eine wahre D’arjora, Auris“, schmeichelte
sie. „Hätten Sie etwas dagegen, wenn ich um einen Terraner bitte?“
Ailias Haare richteten sich auf. „Ich rede mit Celly. Sie hat zwei.“
Sie wollte aufstehen, doch Auris’ Knurren ließ sie verstummen. „Du weißt genau,
dass die beiden noch nicht weit genug ausgebildet sind. Soweit ich gehört habe,
scheint der eine sowieso nicht für normale D’arjos zu taugen. Du willst doch
einem Gast nicht einen derartigen Saraan anbieten, oder?“
Ledis lächelte wieder. „Ich hätte nichts gegen Ailias Saraan. Er erscheint mir
interessant. Ich überlasse Ailia gern Sam’ol. Er hat fantastische Fähigkeiten in
bestimmten Dingen.“
Trevor war viel zu verdutzt über diese Frechheit, um etwas zu sagen, doch Ailia
fauchte auf: „Ihn nicht!“
„Oh“, machte Ledis. „Ich habe vergessen, dass das eine kleine Schwäche von dir
ist, Ailia...“
„Lucie, du bist heute wirklich unmöglich“, knurrte Auris. „Du kannst ihn sowieso
nicht für dich allein behalten. Also hab dich nicht so. Lass dich von Sam’ol
verwöhnen und überlass es Trevor, sich mal ein paar Stunden um Ledis zu
kümmern.“
Nur über meine Leiche, dachte Trevor gerade, als Ailia aufsprang und ihr Besteck
auf den Tisch warf. Ihn wunderte, dass sie nicht richtig explodierte und ahnte,
dass dieser Brauch etwas war, gegen den sie sich nicht auflehnen konnte oder
durfte.
Der Schmerz in ihren Augen tat ihm weh und seine Zähne bissen aufeinander, als
Ledis ihn mit einem hinterhältigen Lächeln anschaute. Wahrscheinlich stand Ailia
kurz davor, die Beherrschung zu verließen, denn sie sagte nichts mehr, sondern
stürzte wortlos aus dem Raum. Trevor wollte aufstehen und ihr folgen, doch Auris
Stimme stoppte ihn.
„Lass sie, Trevor. Sie fängt sich wieder. Deine Begleitung für die nächsten
Stunden sitzt hier.“
Er wunderte sich selbst über die Beherrschung, die er aufbrachte, als er den
Kopf drehte und Ailias Mutter ansah. Auris war nicht dumm und sie konnte
unmöglich annehmen, dass er jetzt so einfach mit dieser eingebildeten Pute aus
dem Zimmer spazieren würde.
Ein feines Lächeln bildete sich auf Auris Lippen. „Ich denke, du hast auch
spezielle Begabungen, die Ledis sicherlich überraschen...?“
Und es fiel ihm wie Schuppen von den Augen. Er erwiderte Auris’ Lächeln einen
kurzen Moment, ehe er Ledis ansah. Diese bekam von dem stummen Augenkontakt
nichts mit, sondern klatschte begeistert in die Hände.
„Schön. Lass uns gehen. Ich denke, das wird ein interessanter Abend!“ Sie winkte
Sam’ol. „Wenn Ailia dich nicht will, leistest du uns Gesellschaft.“
Trevor folgte der D’arjo in den Bereich, in dem die Gästesuiten lagen. Ledis
schloss hinter ihm die Tür, schickte Sam’ol mit einer herrischen Bewegung zum
Bett und schlich um Trevor herum, der im Zimmer stehen geblieben war.
„Einen fantastischen Körper hast du, Terraner. Ailia hat einen guten Geschmack
in der Auswahl ihrer Männer. Leon war auch Klasse. Mal sehen, wie du im
Vergleich zu ihm abschneidest.“ Sie lächelte mit blitzenden Zähnen. „Zieh dich
aus.“
Trevor hob kurz seine Augenbrauen. „Ich glaube nicht, dass ich große Lust dazu
verspüre.“
Ledis Mund klappte auf. „Was war das?“, fragte sie schrill. Vielleicht war es
seine Haltung, vielleicht die Art und Weise, wie er ihren Blick ungerührt
erwiderte, aber ein Teil der stolzen Aura, die jede D’arjo umgab, verflüchtigte
sich. Sam’ol auf dem Bett hob überrascht den Kopf und beobachtete mit seinen
großen unschuldigen Augen, was passierte.
„Vielleicht, wenn du mich darum bittest?“, fragte Trevor mit einem süffisanten
Grinsen. „Am besten auf den Knien, weil du dann gleich in der richtigen Position
bist, um meinen Körper in den Zustand zu versetzen, den du haben willst. Im
Moment ist er noch weit davon entfernt.“
Es war das letzte, womit Ledis gerechnet hatte, denn sie wurde blass und brachte
keinen Ton mehr hervor.
„Was ist?“, fragte er herausfordernd. „Du wolltest ausdrücklich mich. Fang an.
Was für eine Funktion hat Sam’ol? Soll er dir beim Ausziehen helfen? Komm her,
Kleiner.“
Sam’ol sprang sofort auf und sah ihn mit leuchtenden Augen an.
„Ledis hat Schwierigkeiten mit ihrem Kleid“, erklärte er freundlich. „Hilf ihr.
Vielleicht solltest du ihr zeigen, wie sich ein guter Saraan zu benehmen hat.“
„Ja“, schnurrte Sam‘ol begeistert.
„Was sollte sie tun, Sam?“
„Sich ausziehen“, erklärte der junge D’arjo sofort und fragte eifrig: „Soll ich
ihr helfen?“
Trevor, der keine Ahnung hatte, wie weit er gehen wollte, nickte. In dem Moment,
in dem Sam’ol sich der D’arjo zuwandte, erwachte diese aus ihrem Schock. Sie
hätte nie gewagt, das gleiche bei ihm zu versuchen, Trevor wusste das
instinktiv, aber der junge Sam’ol war keine Gefahr.
„Nein!“, schrie sie hysterisch und schlug ihm ins Gesicht.
Sam’ol riss es von den Beinen und Trevor griff geistesgegenwärtig zu, um ihn
aufzufangen. Zorn kochte in ihm hoch und er musste sich ernsthaft
zusammenreißen, um nicht zurück zu schlagen. Allerdings war es wahrscheinlich
weniger der Schmerz, der Sam’ol aufschluchzen ließ, sondern eher das Entsetzen
darüber, was Ledis getan hatte. Seine Hände klammerten sich an Trevor fest, der
es nicht einmal registrierte, sondern ihm beruhigend über die Haare strich.
„Leg dich mit mir an, D’arjo“, zischte er gereizt. „Und nicht mit einem Kind!“
„Raus!“, fauchte Ledis. „Raus aus diesem Zimmer! Wie kann es das Haus Tek’aro
wagen, mir einen Dorem anzubieten!“
„Niemand hat mich dir angeboten“, erinnerte er sie kühl. „Du hast trotz Ailias
Ablehnung darauf bestanden.“
Ein gehässiges Lächeln überzog ihre Züge. „Das hätte ich nie gedacht. Ich werde
nur noch auf sie hinabschauen können, jetzt da ich weiß, dass ein Mann sie
beherrscht.“
Trevor verzog die Lippen zu einem feinen Grinsen, löste Sam’ols Hände von seinem
Shirt und knöpfte einen Teil seines Shirts auf. Levis wurde wieder blass und
Sam’ol zog scharf die Luft ein, als er sich umdrehte und der überraschten D’arjo
die Narben von Ailias Biss präsentierte. „Ich denke“, sagte er dann leise, „nur
eine D’arjo mit wahrer Macht besitzt die Stärke, mich zu beherrschen.“
Ledis starrte ihn eine ganze Weile mit offenem Mund an, ehe sie mehrmals
schluckte und wieder ein: „Hinaus!“, hervor brachte.
„Mit dem größten Vergnügen“, entgegnete er und verbeugte sich spöttisch. Er war
schon an der Tür, als er ihre Stimme wieder hörte.
„Scher dich her, Sam’ol!“
Seine Kiefer pressten sich aufeinander. Er ahnte, dass sie ihre Wut an dem
jungen Mann auslassen würde und verfluchte diesen Planeten. Umso überraschter
war er, als er Sam’ol plötzlich neben sich auftauchen sah und der junge D’arjo
ihn mit großen Augen anschaute. „Darf ich mit dir kommen, Trevor?“
„Sam’ol!“, kreischte Ledis.
Trevor nickte, auch wenn er noch keine Ahnung hatte, was er mit ihm anstellen
sollte, aber eins wusste er. Er würde ihn auf keinen Fall hier lassen.
Allerdings wurde ihm etwas flau im Magen, als Sam’ol leise zu schnurren begann.
*************
Ailia war auf dem Balkon, sagte ihm ein schneller Rundblick, als er zusammen mit
dem D’arjo die Räume betrat.
„Setz dich, Sam“, sagte er leise. „Ich muss mit ihr reden. Allein. Und wasch dir
das Blut aus dem Gesicht.“
Sam’ol nickte eifrig, ehe er im Bad verschwand.
Ailia fuhr herum, als er auf den Balkon trat. Ein Blick in ihr Gesicht sagte
ihm, dass sie auf keinem Fall mit ihm gerechnet hatte, sondern wirklich davon
ausging, dass er tat, was ihre Mutter verlangte.
„Trev“, flüsterte sie erstickt und völlig fassungslos. Und die Tränen fingen an
zu laufen.
Trevor schloss wortlos seine Arme um sie und kämpfte um seine eigene
Beherrschung. Er hatte sie noch nicht ein einziges Mal weinen sehen und er
bezweifelte plötzlich, dass er es gesehen hätte, wenn er wirklich Stunden bei
Ledis verbracht hätte. Zu fühlen, wie ihre Schultern jetzt bebten und sie leise
schluchzte, war mehr, als er ertragen konnte.
„Lucie“, murmelte er verzweifelt, ohne richtig zu wissen, was er tun sollte.
„Hör auf zu weinen, bitte…“
Sie schniefte, ehe sie den Kopf hob. „Wieso bist du da? Ich dachte… nein, du
hast nicht… Oh Gott…“ Sie fing wieder an zu weinen und vergrub ihr Gesicht an
seiner Brust. „Ich hasse sie. Ich hasse sie…“, murmelte sie immer wieder.
Trevor streichelte beruhend ihren Rücken. „Lucie, du denkst immer noch, du
müsstest mich mit d’arjotischen Maßstäben messen“, sagte er leise, umfing ihren
Kopf mit seinen Händen und hob ihr Gesicht zu sich an. „*Ich* habe kein
Bedürfnis nach einer anderen Frau. Und ich habe auch etwas dagegen, wenn man
mich einfach mal so ausborgen möchte.“
Sie stieß ein abgehacktes Lachen aus, das in einem Schluchzen endete. „Meine Mom…“
„Deine Mutter ist eine sehr intelligente Frau“, erklärte er ernst. „Sie wusste
ganz genau, dass meine Art einer Ledis gar nicht gefallen wird.“
„Oh Gott“, schluchzte Ailia wieder und seine Lippen pressten sich auf ihren
Mund.
„Hör auf zu weinen, Kätzchen. Du bist die einzige D’arjo, die ich haben will.“
Seine Finger strichen die Tränen von ihren Wangen. „Warum kennt denn jeder diese
Schwäche von dir?“
„Ich habe mich manchmal schlecht unter Kontrolle“, gab sie zerknirscht zu. Dann
schlang sie ihre Arme um ihn. „Ich weiß, dass das nicht normal ist. Und ich
verfluche mich selbst dafür. Aber als ich mir vorstellte, wie du sie berührst…
sie küsst… ich wollte sie umbringen…“ Sie schluchzte wieder auf, als er sie wild
küsste.
„Ich liebe dich, Lucie.“ Ailia erstarrte, sah ihn mit großen Augen an und er
lächelte schwach. „Nicht durchdrehen. Ich wollte damit nur ausdrücken, dass du
die einzige Frau bist, die ich küssen, berühren und flach legen möchte.“
Sie nickte, stumm und irgendwie unfähig, etwas zu sagen. Trevor beugte sich noch
einmal nach vorn, küsste sie kurz und nahm dann ihre Hand.
„Allerdings habe ich da ein kleines Problem mitgebracht, das ich nicht so
richtig handhaben kann.“
„Was?“, fand Ailia ihre Sprache wieder und obwohl in ihrem Kopf alles
durcheinander wirbelte, ließ sie sich von ihm ins Wohnzimmer ziehen.
Und sah Sam’ol auf der Couch sitzen, der ihnen mit leuchtenden Augen entgegen
blickte.
„Oh mein Gott!“, stieß sie hervor und schlug die Hände vor den Mund. „Trev, was…
Oh mein Gott!“ Sie stürzte auf den jungen Mann zu, ehe Trevor reagieren konnte.
Sam’ol schnurrte schon wieder, als Ailia neben ihm auf die Couch sank und ihn in
ihre Arme zog. Wortlos umarmte er sie ebenfalls.
„Du armer Kerl“, flüsterte sie erstickt. „Hat sie ihn geschlagen?“, fragte sie
dann Trevor, der mit offenem Mund die Szene auf der Couch betrachtete.
„Hat sie“, nickte er. „Sie hätte bestimmt noch weiter gemacht, wenn er sich
nicht entschieden hätte, mit mir mitzukommen. Darf er das?“
„Natürlich.“ Ailia löste sich von dem D’arjo und strich ihm sanft übers Gesicht.
„Tut es weh?“
„Nein“, hauchte Sam’ol, schmiegte sich in ihre Hand und schnurrte abermals. „Er
ist stärker gewesen als sie“, flüsterte er und seine Augen wanderten wieder zu
Trevor, der aussah, als wäre er überall lieber nur nicht hier. „Ich wollte nicht
bei ihr bleiben.“
„Wie alt bist du?“, fragte Ailia leise.
„Zwanzig“, sagte er stolz.
„Lüg mich nicht an!“, fauchte sie auf und er schien in sich zusammen zu sinken.
„Achtzehn“, gab er dann zerknirscht zu und wich Ailias Blick aus.
„Oh Gott“, hauchte diese und zog ihn erneut an sich. Sam’ol schnurrte wieder,
als er sich an ihre Brust kuschelte. „Ledis ist wirklich die unmöglichste
Person, die ich kenne. Kein Mann sollte in diesem Alter in den Händen einer Frau
leben. Wie kann sie so etwas tun?“ Ihre Finger strichen gedankenverloren über
Sam’ols Haare.
„Sie war zufrieden mit mir“, erklärte der junge Mann ernsthaft und Ailia musste
gegen ihren Willen lächeln.
„Sicher. Aber es ist trotzdem nicht richtig.“ Ihr Blick traf auf den immer noch
mitten im Raum stehenden Trevor. „Was ist denn nun passiert?“
„Sie fand es nicht so schön, dass mich ihre Befehle nicht interessierten“,
murmelte der Terraner und fuhr sich durch die Haare.
Sam’ol kicherte und hob seinen Kopf zu Ailias Gesicht. „Er war toll“, berichtete
er begeistert. „Er hat gesagt: Vielleicht, wenn du mich darum bittest? Am besten
auf den Knien, weil du dann gleich in der richtigen Position bist, um meinen
Körper in den Zustand zu versetzen, den du haben willst. Im Moment ist er noch
weit davon entfernt.“
Trevors Mund klappte auf, als sein Satz wortwörtlich wiederholt wurde und Ailia
musste sich das Lachen verkneifen, als sie sah, wie Sam’ol Augen leuchteten.
„Und dann wollte er, dass ich Ledis beim Ausziehen helfe. Das hat mich so
gefreut! Ledis ist es nicht gewöhnt, Befehle zu bekommen und ich wollte ihr
helfen und dann…“ Seine Miene fiel in sich zusammen und Ailia zog ihn wieder an
sich.
„Nicht weinen, Sammy“, flüsterte sie neben seinem Ohr. „Du kannst selbst
entscheiden, ob du bei einer Dorema bleiben willst oder nicht. Außerdem bist du
viel zu jung dafür.“
„Bin ich nicht“, murrte der D’arjo trotzig. Doch dann war er mit seinen Gedanken
schon wieder woanders. „Ledis hat dich beleidigen wollen, weil sie annahm,
Trevor wäre ein Dorem…“
„Schwatzen denn alle Männer hier so viel?“, fragte Trevor mürrisch dazwischen.
Ailia warf ihm einen kurzen Blick zu, ehe sie wieder Sam’ol ansah. Doch Sam’ol
schaute jetzt ebenfalls auf Trevor und seine Miene verklärte sich. „Er hat ihr
dein Zeichen gezeigt, D’arjari“, murmelte er verzückt. „Und er hat gesagt: Nur
eine D’arjo mit wahrer Macht besitzt die Stärke, mich zu beherrschen.“
Trevor stöhnte auf und diesmal klappte Ailias Unterkiefer auf.
Sam’ol bekam von all dem gar nichts mit, weil er weiter schwärmte. „Ich fand das
so schön…“
„Oh Gott“, presste Ailia erstickt hervor und Sam’ol schmiegte sich an sie.
„Ich fühle es“, flüsterte er an ihrem Hals. „Dich umgibt die gleiche Macht wie
ihn.“
„Lucie“, mischte sich Trevor unbehaglich ein. „Könntest du jetzt vielleicht
aufhören, mit ihm zu kuscheln?“
Sam’ol hob überrascht seinen Kopf und Ailia lachte leise. „Er ist eifersüchtig,
Sammy“, erklärte sie ihm und legte ihren Arm um seine Schulter. „Dabei hätte ich
genau so viel Grund zur Eifersucht, stimmt’s?“ Sie zog Sam’ols Kopf zu sich und
fragte leise neben seinem Ohr. „Du würdest ihn gern berühren, ja?“
„Ja“, hauchte Sam’ol hingerissen und Trevor wurde blass.
„Bist du verrückt!“, zischte er erschrocken.
Sam’ols Gesicht fiel in sich zusammen und Ailia schimpfte. „Sei still. Jetzt
denkt er, du magst ihn nicht!“
„Ich mag ihn auch nicht… auf diese Art!“
Sam’ol sah aus, als würde er gleich anfangen zu weinen und Ailia zog ihn wieder
an sich. „Er war noch nie mit einem Mann zusammen“, erklärte sie ihm. „Bei
Terranern ist das ein wenig anders als bei uns.“
„Noch nie?“, echote Sam’ol und blinzelte die Tränen weg.
„Ich bin nicht schwul!“, giftete Trevor.
„Was ist schwul?“, erkundigte sich der junge D’arjo leise.
„Schwul ist jemand, der Sex mit anderen Männern hat“, knirschte Trevor zwischen
den Zähnen hindurch.
Sam’ol drehte seinen Kopf zu Ailia und sah sie fragend an. „Dann wären ja alle
D’arjos schwul.“
„Ich glaube nicht, dass es so einfach ist“, antwortete Ailia mit gerunzelter
Stirn und funkelte Trevor an. „Vielleicht erklärt es Trevor uns ja? Setz dich
endlich, du machst mich nervös mit deinem Herumstehen.“
„Du machst mich auch nervös“, knurrte er. „Wenn du mit einem D’arjo kuschelst,
der mich ansieht, als hätte er vor, mich zu vernaschen.“ Aber er ließ sich
trotzdem in einen Sessel fallen. In den am weitesten von der Couch entfernten.
„D’arjotische Jungen wachsen unter ihresgleichen auf. Und sie sammeln ihre
ersten sexuellen Erfahrungen auch untereinander“, begann Ailia ihre Erklärungen.
„Meist haben sie in Sam’ols Alter den ersten Kontakt zum weiblichen Geschlecht,
aber zu diesem Zeitpunkt verspüren sie selten den Wunsch, sich einer Frau
anzuschließen und kaum eine Frau möchte für einen derart jungen unerfahrenen
D’arjo die Verantwortung übernehmen.“
„Ist das bei Frauen auch so?“, fragte Trevor skeptisch.
„Nein.“ Sie schüttelte den Kopf. „Es wimmelt überall nur so von älteren
erfahrenen Saraani, die eine D’arjo bei ihren ersten sexuellen Erfahrungen
anleiten. Für die jungen Männer ist es vollkommen normal, sich mit ihresgleichen
zu beschäftigen. Sie können ihre sexuellen Vorlieben kennen lernen und ihren
Körper, ohne dabei vielleicht eine Frau zu enttäuschen. Und sie sind so
anhänglich…“
„Das sehe ich“, brummte Trevor und beobachtete misstrauisch, wie Sam’ol den Kopf
hob und mit den Lippen Ailias Hals berührte.
„Ich möchte so werden wie er“, flüsterte der junge D’arjo fasziniert und Trevor
stöhnte wieder auf.
„Dann solltest du schnellstens aufhören, über Sex mit Männern nachzudenken!“
„Was ist denn nun schwul, Trevor?“, erkundigte sich Ailia neugierig.
„Auf Terra werden Männer als schwul bezeichnet, die nur am Sex mit anderen
Männern Lust empfinden. Sie sehen Frauen gar nicht als Sexualpartner, sondern
eher als Freunde.“
„Oh“, machte Sam’ol überrascht. „Mir gefällt beides.“
Ailia strich ihm über die kurzen schwarzen Haare. „Das ist bei vielen
d’arjotischen Männern so. Aber sei nicht traurig, wenn es Trevor nicht gefällt.
Er mag dich deshalb trotzdem.“
„Ja?“, fragte der D’arjo hoffnungsvoll.
„Ja“, brummte dieser, als Ailia ihm einen warnenden Blick zuwarf. „Was wird
jetzt mit ihm?“, fragte er dann.
„Kann ich bei euch bleiben?“, bettelte der D’arjo. „Ich verspreche auch, dass
ich euch nicht enttäusche.“
„Sammy“, antwortete Ailia schnell, ehe Trevor herausplatzen konnte, was ihm im
Gesicht geschrieben stand. „Du gehörst nicht in eine Beziehung.“
„Ledis war zufrieden mit mir“, murmelte er traurig.
Ailia nahm seinen Kopf in ihre Hände. „Du bist ein wirklich süßer Junge und ich
glaube dir, dass Ledis zufrieden war. Wirklich. Du musst in dem Spiel, das
D’arjos Beziehung nennen, erst Erfahrungen sammeln. Das kannst du nicht, wenn
dich eine Frau allein für sich benutzt. Verstehst du das?“ Er nickte eifrig und
Ailia küsste ihn kurz auf den Mund.
„Hörst du wohl jetzt auf!“, schimpfte Trevor aus seinem Sessel.
„Hörst du das? Er ist eifersüchtig, obwohl du so jung bist. Du solltest darauf
stolz sein, dass er in dir eine Bedrohung sieht“, kicherte Ailia.
„Aber ich bin keine…“
„Shhh.“ Sie verschloss seine Lippen mit ihrer Hand und drehte seinen Kopf in
Trevors Richtung. „Schau ihn dir an, er sieht in dir eine Bedrohung.“
„Ich werde dir den Hintern versohlen, Lucie“, stieß Trevor warnend hervor. „Und
diesmal richtig.“
Aber es war Sam’ol, der begeistert aufquietschte. „Mir auch, Trevor?“ Erst dann
verstummte er erschrocken und starrte Ailia an. „Diesmal? Wieso darf er das? Er
ist doch dein Dorem?“
Sie seufzte. „Das ist ein bisschen kompliziert. Terraner kennen auch solche
Beziehungen, wie wir sie führen, nicht. Wir wechseln die Rollen immer mal
wieder…“
„Du hast ihn gebissen“, sagte Sam’ol ernsthaft.
Ailia rutschte ein Stück zur Seite und schob den Träger ihres Kleides zur Seite.
„Seine Zähne taugen nichts“, fügte sie erklärend hinzu.
Sam’ols Augen saugten sich an dem Tattoo fest und er holte tief Luft, ehe er
Trevor wieder anblickte. „Du hättest sie gebissen?“
„Aber sicher“, knurrte dieser und trotz seiner bissigen Miene fand er den jungen
D’arjo in seiner Art tatsächlich süß. Im Gegensatz zu Nal, der haargenau wusste,
was er tat, platzte dieser unschuldige Mann so treuherzig heraus, was er dachte,
dass Trevor nur mühsam seine böse Miene behalten konnte.
„Toll“, flüsterte Sam’ol wieder verzückt. „Ich möchte so werden wie du.“
Jetzt schaffte er es nicht mehr, sein Lächeln zu verbergen. „Dann solltest du
aufhören, immerzu an Sex zu denken. Und endlich meine Frau loslassen.“
Sam’ol rutschte erschrocken zur Seite und Ailia lachte auf. „Und du solltest
nicht sofort reagieren, wenn er sich einbildet, einen Befehl geben zu müssen.“
Sie fuhr dem jungen Mann spielerisch durch die Haare und stand auf. „Wenn du auf
Avalon bleiben willst, Sammy, kümmere ich mich morgen um deine Unterbringung.
Heute Nacht kannst du hier schlafen.“
„Ja?“ Der D’arjo hüpfte vor Freude fast von der Couch und schlang seine Arme um
die vor ihm stehende Ailia. „Darf ich mich bei dir bedanken?“
„Er denkt schon wieder nur an Sex“, kommentierte Trevor. „Denk ja nicht, dass du
mit in unserem Bett schläfst.“
„Nein?“ Sam’ol klang enttäuscht.
Trevor stand ebenfalls auf, zog Ailia aus den Armen des D’arjos und tippte ihm
an die Stirn. „Du willst so werden wie ich, junger Freund? Ich habe Monate ohne
Sex verbracht. Da wirst du doch mal eine Nacht durchhalten.“
Sam’ol starrte ihn an wie ein Gespenst. „Monate?“, piepste er entsetzt und
schluckte. „Ich schaff das. Klar.“
Und er verfolgte mit großen Augen, wie Trevor ihm Bettzeug aus dem Schlafzimmer
holte und auf der Couch fallen ließ. Ailia grub ihre Zähne in ihre Lippen, um
ernst zu bleiben, und ließ sich von Trevor widerspruchslos ins Schlafzimmer
ziehen, während ihnen Sam’ols Blick folgte.
***********
„Er schafft das nicht“, murmelte Ailia, als Trevor sie wortlos in Richtung Bett
drängte. „Du bist herzlos.“
„Was schafft er nicht? Eine Nacht allein schlafen? Er ist doch kein Baby!“
„Er hat bestimmt noch nie in seinem Leben allein geschlafen“, erklärte Ailia
sanft. „Er wird sich einsam fühlen.“
Trevor zog ihr mit einer schnellen Bewegung das Kleid über den Kopf. „Denk nicht
einmal daran auszusprechen, was in deinem süßen Kopf vor sich geht. Meine
Antwort lautet nein, nein und nochmals nein.“
Sie schnurrte und schmiegte sich an ihn, während ihre Hände ihn entkleideten. In
Sam’ols Augen hatte so etwas wie Verehrung gelegen, als er Trevor angesehen
hatte.
Und deshalb nahm sie an, dass er sich die größte Mühe geben würde, jetzt da
draußen zu schlafen, nur um den Terraner zu beeindrucken. Trevor verstand
sicherlich auch nicht, was in ihr selbst vor sich ging und dass sie eine Art
Beschützerinstinkt für den jungen D’arjo verspürte, vor allem jetzt, da sie
wusste, wie allein er war.
Ihn in die Reihen ihrer Saraani aufzunehmen, war ein schändlicher Leichtsinn von
Ledis gewesen, vor allem, weil sie jetzt annahm, dass Sam’ol mit einem Leben
unter seinesgleichen nicht mehr zufrieden sein würde, jetzt da er wusste, wie es
war, zu einer D’arjo zu gehören.
Mit diesem Problem jedoch konnte sie sich Morgen beschäftigen. Jetzt war es erst
einmal der Terraner, der ihre volle Aufmerksamkeit erforderte.
Später in der Nacht wachte Ailia auf und lauschte einen Moment Trevors ruhigen
Atemzügen, ehe sie leise aufstand, sich in einen dünnen Umhang hüllte und hinaus
in ihr Wohnzimmer schlich. Sam’ol hob sofort den Kopf, als sie sich neben der
Couch auf den Fußboden setzte und sah sie aus seinen großen gelben Augen an.
„Du kannst nicht schlafen, hm?“, fragte sie leise.
Er schüttelte betrübt den Kopf. „Ich fühle mich einsam.“
„Ich weiß.“ Sie hob ihre Hand und strich ihm sanft übers Gesicht. Er schloss
seine Augen halb, als er sich in ihre Berührung lehnte. „Terraner verstehen den
Wunsch nach körperlicher Nähe nicht“, erklärte sie flüsternd. „Als man mich auf
dem terranischen Schiff gefangen hielt, habe ich viele Nächte allein verbracht
und mich sehr einsam gefühlt. Ich habe erst später erfahren, dass viele Terraner,
vor allem wenn sie im All ohne ihre Familie unterwegs sind, die Nächte allein
verbringen.“
Sam’ol leckte kurz mit seiner Zunge über ihr Handgelenk. „Ich kann das. Er wird
stolz auf mich sein“, hauchte er.
Ailia fuhr ihm zärtlich durch die Haare, beugte sich vor und küsste ihn kurz.
„Ich bin auch stolz auf dich“, sagte sie leise.
Ein leises Geräusch ließ ihre Köpfe herum fahren und sie sahen Trevor mit
verschränkten Armen im Türrahmen lehnen. „Unser Baby schläft nicht?“, fragte er
müde und wunderte sich über sich selbst. Aber Eifersucht war das letzte, was er
fühlte, obwohl er den sanften Kuss, den Ailia dem D’arjo gegeben hatte, gesehen
hatte.
„Ich bin gleich eingeschlafen“, antwortete Sam’ol eilig und vergrub sich unter
seiner Decke. „Kein Problem.“
„Scher dich hoch und ins Bett“, knurrte Trevor missmutig. „Und wage ja nicht,
mich anzurühren. Er schläft auf deiner Seite, Lucie, und wehe ich sehe seine
Finger an dir!“
Sam’ols Kopf war genau so überrascht hochgefahren wie Ailias. Doch sie sagte
nichts, sondern griff nach Sam’ols Hand und zog ihn hoch.
„Und er wird etwas anziehen!“
Aufgeregt bückte sich Sam’ol nach seiner Hose und streifte sie schnell über.
Trevor hatte sich schon wieder umgedreht und durchkramte seinen Schrank nach
einer Hose. „Du auch, Lucie!“
Ailia gab Sam’ol einen Schups. „Ab ins Bett.“ Dann schlang sie ihre Arme von
hinten um den Terraner, der noch immer im Schrank wühlte. „Ich bin auch stolz
auf dich“, flüsterte sie.
Er fluchte leise auf, drehte sich um und drückte ihr eins seiner Shirts in die
Hand. „Nur heute. Morgen ist er verschwunden.“
Sie nickte, zog das Shirt über und kroch neben Sam’ol ins Bett. Trevor ließ sich
neben ihr fallen, hob den Kopf und sah über Ailia zu dem jungen D’arjo. „Wenn du
deine Finger nicht von ihr lässt, lernst du mich kennen!“
Sam’ol schnurrte verzückt. „Ich werde nichts tun, was du nicht willst.“
Ailia drehte sich noch einmal zu dem D’arjo und flüsterte. „Darauf, dass er dich
in seinem Bett schlafen lässt, kannst du wirklich stolz sein.“
Trevor schlang seinen Arm um sie, zog sie an seinen Körper und knurrte in ihr
Ohr. „Hör auf, ihm solchen Scheiß zu erzählen.“
Sie lächelte, streckte die Hand aus und streichelte noch einmal Sam’ols Gesicht,
der sich glücklich ins Kissen schmiegte. „Schlaf gut, Sammy.“
„Gute Nacht, Lucie“, flüsterte er und schnurrte zufrieden. „Gute Nacht, Trevor.“
„Wie alt ist er?!“, fuhr Auris am Frühstückstisch auf.
Sam’ol starrte betreten auf seinen Teller. Er hatte sich den Platz neben Trevor
ergattert und obwohl ihm dieser ab und zu einen misstrauischen Blick zuwarf,
musste er ihn immer wieder ansehen. Vor allem, weil er sehr deutlich roch, dass
die böse Miene des Terraners nicht viel zu sagen hatte.
Ailia, die an Trevors anderer Seite saß, hatte ihrer Mutter die Zusammenhänge
erklärt und nickte jetzt. „Ledis ist unverantwortlich. Aber ich bin mir nicht
sicher, was wir jetzt tun sollten. Ich denke, er wird sich unwohl fühlen, wieder
unter seinesgleichen zu leben.“
„Was ist mit Celly? Er wäre nicht allein und zumindest in guten Händen“,
überlegte Auris.
„Spinnt ihr?“, fuhr Trevor auf. „Was soll denn aus ihm werden, wenn ihn Celly in
die Hände bekommt. Er hat doch jetzt schon bloß Sex im Kopf.“
„Das stimmt nicht“, erklärte Sam’ol stolz. „Ich habe die ganze Nacht nur
geschlafen.“
Auris musste sich genau wie Ailia ein Lachen verkneifen. „Alle Männer haben nur
Sex im Kopf, Trevor“, erklärte Auris sanft.
„Ich nicht!“, fauchte dieser gereizt.
„Wenn wir die Terraner mitzählen, hat Celly schon vier Männer“, argumentierte
Ailia. „Irgendwann ist auch ihr Bedarf gedeckt.“
„Ich möchte bei Trevor bleiben“, meinte Sam’ol schüchtern und dessen Kopf fuhr
herum.
„Das kommt gar nicht in Frage!“, stieß er entsetzt hervor. „Lucie, red ihm das
aus!“
„Das geht wirklich nicht, Sammy“, sagte Ailia leise. „Davon einmal abgesehen,
dass Terraner über diese Dinge anders denken... Trevor wird nicht mehr lange
hier sein.“
„Was?!“, kam es jetzt erschrocken von Sam’ol und überrascht von Auris.
Ailia nickte und fühlte Trevors nachdenklichen Blick. „Wir werden morgen nach
Ventaarn fliegen und Aarfard aufsuchen. Wenn er über das Schicksal seiner
Schwester Gewissheit hat, bringe ich ihn auf sein Schiff zurück“, erklärte sie
ernst.
Auris musterte sie plötzlich genau so nachdenklich wie der Terraner. Nur Sam’ol
sah aus, als würde er gleich anfangen zu weinen. „Hast du ihn nicht gern?“,
fragte er traurig.
„Doch, Sam“, flüsterte sie. „Und aus genau diesem Grund lasse ich ihn gehen.“
„Das verstehe ich nicht“, murmelte der junge D’arjo bedrückt.
Diesmal überraschte Auris ihre Tochter, als sie antwortete. „Sie weiß, dass es
Trevor auf Dauer nicht glücklich machen würde, die Rolle ihres Saraans zu
spielen.“
Sam’ol hob seine Augen zu Trevors und sagte ernst. „Aber du bist doch gar kein
Saraan.“
„Eben darum“, antwortete der Terraner. „Ich trage eine ähnliche Verantwortung
wie Ailia hier und das macht mir Spaß. Ich vermisse es, die Geschäfte meiner
Firma zu leiten und Entscheidungen zu fällen. Auch wenn Ailia mich im Moment
davon ablenken kann, auf Dauer würde es nicht funktionieren.“
Sam’ol schwieg eine Weile. „Sie wäre auch nicht glücklich, wenn man ihr die
Verantwortung nehmen würde.“ Plötzlich klang er sehr erwachsen. „Ich verstehe
das.“
Trevor musste über seinen ernsthaften Gesichtsausdruck schmunzeln. „Das freut
mich.“
„Aber du wirst sie vermissen?“
Er seufzte. „Das werde ich.“
****************
Ailia entschied sich doch, erst einmal mit Celly zu reden. Vielleicht wusste
ihre Freundin eine Lösung oder kannte eine Frau, die Sam’ol aufnehmen würde.
Trevor bestand darauf mitzugehen, damit er Celly klar machen konnte, dass sie
Sam’ol nicht in einen Sexsklaven zu verwandeln hatte.
Ailia musste lachen und lachte noch lauter, als Sam’ol neugierig fragte, was ein
Sexsklave denn wäre.
Celly fiel aus allen Wolken, als sie die drei in ihre Suite einließ. Und Sam’ol
genoss es, eine weitere D’arjo ganz aus dem Häuschen zu sehen.
„Oh Gott, Lucie! Wer ist das? Wo hast du ihn gefunden? Was ist mit seinem
Gesicht passiert?“ Celly stürzte auf Sam’ol zu und hatte ihn in Beschlag
genommen, ehe jemand reagieren konnte. „Wer hat dir das angetan, Kleiner?“ Sie
zog den jungen D’arjo in ihre Arme und neben sich auf die Couch. „Setzt euch.“
Ailia erzählte kurz, was am Vortag passiert war und Cellys Gesicht wurde immer
wütenden. „Diese eingebildete Ziege! Was erlaubt sie sich denn! Er ist noch ein
Kind.“
„Ich bin kein Kind mehr“, erklärte Sam’ol ernsthaft.
„Oh Gott, er ist süß“, quietschte Celly auf und wuschelte durch seine Haare.
„Weshalb bist du jetzt hier? Was hast du mit ihm vor.“
„Tja, das ist das Problem. Er hat jetzt fast vier Monate bei Ledis gelebt,
sicherlich eine Menge Erfahrungen gesammelt…“ Sam’ol nickte eifrig. „…und ich
denke, es wäre falsch, ihn wieder unter seinesgleichen zu stecken.“
„Du kannst ihn aber auch nicht einer einzigen Frau anvertrauen“, entgegnete
Celly stirnrunzelnd. „Das verdirbt ihn für den Rest seines Lebens. Er braucht
Abwechslung.“
„Ich wollte bei Trevor bleiben, aber er ist nicht mehr lange da“, mischte sich
Sam’ol wieder ein.
„Na der würde dich noch mehr verderben“, brummte Celly mit einem scharfen Blick
in Trevors Richtung. Dieser erwiderte den Blick mit einem amüsierten Schmunzeln.
„Trevor hatte noch nie Sex mit einem Mann“, fuhr Sam’ol fort.
Celly kicherte los und Trevor knurrte gereizt. „Er ist eindeutig zu
geschwätzig.“
„Terraner sind da komisch“, meinte Celly vergnügt. „Ich habe schließlich auch
zwei, aber mit der Zeit gibt sich das.“ Ihre Hand streichelte Sam’ols Gesicht.
„Was machen wir nun mit dir. Vielleicht willst du doch ein bisschen bei mir
bleiben? Hier gibt es Abwechslung ohne Ende. Ich sollte vielleicht noch eine
Frau dazu holen, Cassy und ich schaffen es bald gar nicht mehr, all die Männer
zu befriedigen.“ Sie lächelte, als Sam’ol sie mit großen Augen ansah. „Möchtest
du Cassy kennen lernen? Wie heißt du überhaupt?“
„Sam’ol. Und ja, möchte ich.“
„Cassy ist eine Terranerin.“
„Ja?“ Seine Augen wurden noch größer.
Celly ergriff seine Hand. „Komm, ich stelle dich den anderen vor. Die zwei
Terraner lässt du aber bitte in Ruhe, okay?“
„Ich weiß nicht, ob das richtig ist“, murmelte Trevor skeptisch, als ihn Ailia
hoch zog.
„Er wird nie wie du“, kicherte sie. „Auch wenn er jetzt in dir ein Vorbild
sieht.“
Sam’ol löste sich noch einmal von Celly und umarmte Ailia. „Ich danke dir,
D’arjari“, flüsterte er in ihr Ohr.
Sie nahm sein Gesicht in ihre Hände. „Du weißt, dass du immer gehen kannst, wenn
es dir irgendwo nicht gefällt, ja?“ Sie küsste ihn sanft. „Benimm dich. Wir
werden uns bestimmt noch öfter wiedersehen.“
Sam’ol schnurrte begeistert. „Wenn Trevor nicht mehr da ist, werde ich dir
helfen, wenn du dich einsam fühlst“, versprach er ernst.
Trevor fing an zu husten, während Celly mühsam ihre ernste Miene behielt.
Doch dann schlang der junge D’arjo seine Arme um ihn. „Leb wohl, Trevor“, sagte
er und senkte dann seine Stimme zu einem Flüstern. „Wenn du deine Meinung einmal
änderst und neugierig darauf bist, wie es mit einem Mann wäre, denk an mich,
ja?“
„Gott“, stieß Trevor hervor, als er in Sam’ols leuchtende Augen blickte, aber
der Schock, der ihn noch am gestrigen Abend bei dieser Anspielung durch die
Glieder gefahren war, blieb diesmal aus. Allerdings schaffte er es auch nicht,
etwas zu sagen, sondern nickte nur stumm.
Sam’ol reichte das. Ein strahlendes Lächeln überzog seine Lippen und ehe Trevor
reagieren konnte, hatte er seine Lippen auf seinen Mund gepresst. „Danke“,
schnurrte er in das Gesicht eines jetzt doch blassen und völlig perplex
aussehenden Terraners, ehe er Cellys Hand ergriff und sich von ihr aus dem Raum
führen ließ.
Ailia, die neben ihnen stand, hatte die Worte natürlich verstanden und schmiegte
sich an Trevors Seite. „Es ist eine Weile her, dass ich dich so fassungslos
gesehen habe…“
Trevors Stimme klang, als würde er gleich ohnmächtig werden. „Er hat mich
geküsst.“
Sie kicherte. „Ja. Hat es dir gefallen?“
„Lucie!“
Ailia rieb sich schnurrend an ihm und sie flüsterte. „Zumindest rieche ich neben
der Fassungslosigkeit kein Entsetzen… eher Neugier…?“
„Was?!“ Trevor fuhr herum. Sie lächelte schelmisch, als sie mit der Zunge über
ihre Lippen fuhr. „Du riechst… Dinge wie Entsetzen und… Neugier?“
„Und noch eine Menge mehr…“ Sie presste ihren Körper an ihn. „Ich rieche
Erregung, Verlangen und ich rieche, dass du nur einer einzigen Frau gehörst.
Mir.“
„Ja?“ Jetzt klang er eindeutig fasziniert.
„Und ich rieche nur nach dir, aber das kannst du ja leider nicht feststellen“,
schnurrte sie.
Trevor schlang seinen Arm um sie. „Dann sag es, D’arjo“, flüsterte er heiser.
„Sag, dass du mir gehörst.“
Ailia erschauderte, obwohl er sicher nicht einmal wusste, was er verlangte. „Ich
gehöre dir“, hauchte sie und roch und fühlte gleichzeitig die sich schlagartig
verstärkende Erregung an ihm, als würde er die Bedeutung der Worte ahnen. „Lass
uns gehen…“
**************
Am nächsten Tag starteten sie mit Ailias Privatjacht zum Planeten Ventaarn.
Trevor wollte nicht, dass man den Grund ihres Besuches Aarfard ankündigte, weil
er noch immer nicht recht glauben konnte, dass seine Schwester freiwillig und
glücklich in dem Haus lebte und er Angst hatte, der Mann würde sie verstecken
oder wegbringen.
Ailia lächelte über seine Bedenken, akzeptierte es jedoch und übermittelte nur
eine Botschaft, dass die D’arjari des Planeten Avalons zu einem Besuch in das
Haus Aarfard kommen würde. Da der Mann Auris’ Anfrage ignoriert hatte, würde er
sich jetzt sicherlich Gedanken machen, was Avalon so wichtiges von ihm wollte,
dass jetzt die D’arjari persönlich kam.
Der Flug dauerte vier Stunden, da Ventaarn sich nur im Nachbarsystem Avalons
befand. Trevor hatte sich amüsiert in der Jacht umgesehen und so für sich
festgestellt, dass nur D’arjos Raumschiffe bauten, in denen Luxus über alles
ging. Die Jacht verfügte über eine große Kabine, ein exklusives Bad – wie immer
mit Badewanne und Trevor wollte gar nicht darüber nachdenken, wo das Wasser für
diese Verschwendung gelagert wurde – einen Fitnessraum und eine Pilotenkanzel.
Doch selbst die Pilotenkanzel war so groß, dass sie im vorderen Bereich zwei
Sessel für den Piloten und Copiloten und im hinteren Bereich eine Sitzgruppe aus
Sesseln und einer Couch für die Zeit enthielt, in der die Jacht auf Autopilot
flog.
Auf dieser Couch saß Trevor jetzt, Ailia lehnte an ihm, hatte die Beine auf die
Couch hochgelegt und nippte ab und zu an dem Glas Wasser, das vor ihr auf dem
Tisch stand. Trevors Beine lagen auf dem Tisch und es belustigte ihn, dass er
damit etwas tat, was ihm auf einem terranischen Schiff noch nie in den Sinn
gekommen war. Sie redeten nicht viel, sondern genossen einfach die Nähe des
anderen, vielleicht weil ihnen beiden durch den Kopf ging, dass ihre gemeinsamen
Tage gezählt waren.
Trevor hatte eine Nachricht an sein Schiff gesandt und Shendor, der in seinem
Auftrag das Kommando hatte, über seine baldige Rückkehr informiert.
Ailia wollte gar nicht glauben, dass er Shendor mit seiner Vertretung beauftragt
hatte, ihrer Meinung nach besaß der Mann einfach nicht die richtige
Ausstrahlung, um durchzusetzen, was er wollte. Trevor wusste es besser.
Shendor war ein Finanzgenie, ein Organisationstalent und manchmal war es seine
ruhige sachliche Art, die einen Geschäftpartner mehr ansprach als Trevors
Autorität. In dieser Hinsicht ergänzten sie sich gegenseitig. Dass er auf Ailias
Annäherung damals so plötzlich reagiert hatte, nahm Trevor ihm nicht mehr übel,
da er wusste, dass sein erster Offizier nicht viel Erfahrungen mit Frauen
gemacht hatte und noch nie jemandem begegnet war, der seine Wünsche so
unverfroren äußerte wie die D’arjo.
„Ich werde dich wirklich vermissen“, sagte er jetzt gedankenverloren und küsste
Ailia kurz auf ihre dunklen Haare.
Ailia schwieg eine Weile, ohne zu reagieren und auch ohne den Kopf zu drehen.
Dann fragte sie leise: „Würdest du… mich wieder sehen wollen?“
Trevor stutzte. Sie drehte sich um und lehnte sich an das andere Ende der Couch.
Vielleicht zum ersten Mal seit er sie kannte, war eine Art Unsicherheit in ihrem
Blick und er atmete tief durch. „Das ist nicht möglich…“
Sie lächelte schwach. „Es herrscht ein reger Schmuggelverkehr in den
Randbereichen zwischen unseren Imperien. Man könnte gewisse Routen
legalisieren.“
„Wovon genau redest du?“
„Du hast eine Handelsflotte. Avalon könnte dich mit der Berechtigung ausstatten,
in das d’arjotische Imperium einzufliegen, um Güter zu transportieren, die sonst
nur auf dem illegalen Weg unserer Imperium erreichen. Es leben viele Terraner
hier, die auf bestimmte terranische Güter nicht verzichten möchten. Du könntest
die Kontakte aufbauen.“
Was sie vorschlug, war Wahnsinn und sicherlich in der Geschichte seit dem
Abschluss des Friedensvertrages noch nicht passiert. „Avalon besitzt diese
Macht?“, fragte er und die Fassungslosigkeit schwang selbst für ihn hörbar in
seiner Stimme mit.
„Avalon befindet sich in den Randbereichen des Imperiums. Wenn wir eine
bestimmte Route legalisieren und den Weitertransport der Waren von Avalon aus
organisieren, dürfte es keine Probleme geben. Wie sieht es mit Terra aus? Die
Randbereiche werden auch von Polizeischiffen kontrolliert.“
„Ich habe keine Ahnung“, sagte er langsam und nachdenklich. „Aber ich könnte
versuchen, eine Fluggenehmigung für den grauen Sektor zu erhalten. Man wird mich
sicherlich für verrückt erklären.“
„Stört dich das?“
„Nein…“
Er sah noch immer sehr nachdenklich aus und Ailia rutschte näher. „Der Gedanke,
dich nie wieder zu sehen, gefällt mir auch nicht.“ Sie hob ihre Hand und strich
über seinen Arm. Seine Augen folgten ihren Finger und er atmete wieder tief
durch. „Du hast Bedenken. Warum?“
„Riechst du das auch?“, erkundigte er sich fast neugierig und lächelte dann
schwach. „Ich glaube nicht, dass ich mich mit dem Gedanken anfreunden kann, zu
wissen, dass ein anderer D’arjo dein Bett teilt, wenn ich nicht da bin.“
„Aber…“ Sie stockte, als sie dem Blick seiner Augen begegnete. Sie hatte sagen
wollen, dass er sich in der Zeit, die sie getrennt waren, sicherlich ebenfalls
eine andere Frau in sein Bett holen würde, doch der Ausdruck in seinen Augen
erinnerte sie wieder daran, wer er war und sie schluckte. „Du würdest es
nicht?“, piepste sie schwach und das Ausmaß dieses Wissens verursachte einen
leichten Schwindel in ihrem Kopf. „Du würdest es nicht, wenn du wüsstest, du
würdest mich wieder sehen?“ Eigentlich kannte sie die Antwort, auch wenn sie sie
kaum glauben konnte.
„Nein“, bestätigte er ihre Ahnungen und sie wusste mit felsenfester Gewissheit,
dass er nicht log und dass er vollkommen ernst meinte, was er sagte. Trevor
beugte sich zu ihr, legte eine Hand um ihren Hals und küsste sie sanft. „Lucie,
mir ist noch nie eine Frau begegnet, für die ich so viel empfunden habe wie für
dich. Als ich gesagt habe, ich liebe dich, habe ich das ernst gemeint. Ich habe
es noch nie zu einer Frau gesagt und es erschreckt mich etwas, dass ich es jetzt
für eine D’arjo empfinde.“ Sie sah fassungslos und auch etwas blass aus.
„D’arjotische Männer sagen es häufig“, flüsterte sie erstickt.
„Terranische nicht“, erklärte er sanft. „Ich habe noch einige Probleme, euer
Zusammenleben und eure Art, mit Sex umzugehen zu begreifen. Nach dem, was ich
jetzt über D’arjos weiß, ist mir vollkommen klar, dass dir der Gedanke, allein
zu schlafen oder auf Sex zu verzichten fürchterlich erscheint und ich weiß, dass
ich so etwas niemals verlangen kann und auch nicht verlangen würde. Aber ich
weiß nicht, ob ich damit umgehen kann.“
„Du… bedeutest mir auch… sehr viel“, sagte sie stockend und unsicher.
Er grinste plötzlich. „D’arjotische Frauen sagen nicht so häufig, dass sie
jemanden gern haben, oder?“
„Nein“, murmelte sie verlegen. Trevor zog sie in seine Arme und ihr Kopf sank
gegen seine Brust. Sie wusste nicht, wie sie ihm erklären sollte, dass ein
anderer D’arjo nie seinen Platz einnehmen könnte, selbst wenn er ihr Bett
teilte, um gewisse ihrer Bedürfnisse zu erfüllen. Kein d’arjotischer Mann würde
von ihr mehr erwarten, solange sie ihn nicht als ihren Saraan aufnahm und sie
wusste schon jetzt, dass sie es niemals tun würde. Nicht, solange sie den
Terraner immer wieder sah.
„Ich denke, ich sollte ehrlich sein“, fuhr er dann fort, während seine Hände
über ihre Haare streichelten. „Ich werde es versuchen, aber ich habe Zweifel,
dass ich auf Dauer mit dem Gedanken umgehen kann, einen anderen Mann in deinem
Bett zu wissen.“
Sie hob ihren Kopf und sah ihn ernst an. „Ich versuche, das zu verstehen.“
Ein Lächeln huschte über seine Lippen. „Schön. Dann sollte ich mal eine
Funkverbindung zu Shendor herstellen und ihm mitteilen, er soll eine Anfrage
nach Terra schicken.“
Ihre Augen funkelten. „Und ich werde mal die Kontakte heraus suchen lassen, die
wir auf unseren Schmuggelrouten geknüpft haben…“
Und Trevor fing an zu lachen.
Xac Aarfard besaß ein an ein Herrenhaus erinnerndes Gebäude in einer ländlichen
Gegend auf dem Planeten Ventaarn. Trevor musterte das Haus zu Ailias Belustigung
mit schmalen Augen und sehr skeptisch. Man brauchte nicht viel
Vorstellungskraft, um zu erahnen, was in seinen Gedanken vor sich ging.
Aarfard hatte ihnen einen Mietgleiter geschickt, der sie vom Raumhafen zu seinem
Haus brachte und ein D’arjo empfing sie vor der impossanten Eingangstreppe und
geleitete sie ins Innere.
„Gerom Aarford erwartete Sie im Salon, D’arjari“, erklärte der Mann mit einem
Neigen des Kopfes und öffnete die großen Türen.
Trevor, der wusste, dass Gerom eine Anrede, ähnlich dem Herr oder Frau auf Terra
war, musterte den fremden D’arjo noch einmal misstrauisch, ehe er Ailia durch
die großen Türen in den Salon folgte.
Xac Aarfard kam ihnen entgegen. „D’arjari Ailia“, begrüßte er Ailia und sie
hörten das Erstaunen in seiner Stimme. „Ich freue mich wirklich, Euch zu sehen,
auch wenn ich nicht weiß…“ Er kam nicht dazu, den Satz zu vollenden, weil der
Aufschrei einer Frau ihn unterbrach.
„Trevor!“
Die beiden D’arjos fuhren auseinander. Aarfard überrascht und Ailia amüsiert.
Die blonde schlanke Frau, die hinter Aarfard gestanden hatte, stürzte jetzt an
ihm vorbei, wortlos und die D’arjari ignorierend, und fiel Trevor um den Hals.
Sie fing an zu weinen und Trevors Arme schlossen sich um den Körper seiner
Schwester, während er erst einmal vor Erleichterung die Augen schloss.
Ailia sah mit einem belustigten Grinsen etwas wie Eifersucht über Xacs Züge
huschen. „Setzen wir uns, Xac. Ich denke, Amelie benötigt eine Weile, ehe sie
begreift, dass sie tatsächlich ihren Bruder im Arm hält.“
Überrascht drehte der D’arjo den Kopf. „Ihr Bruder?“
Sie nickte. „Übrigens war es sehr unhöflich von Euch, die Anfrage meiner Mutter
bezüglich Eurer Frau zu ignorieren.“
Xac wurde rot, grinste aber nicht sonderlich beeindruckt. „Möchtet Ihr etwas
trinken, D’arjari?“
Während sich die beiden D’arjos setzten, schaffte es Amelie noch nicht, ein
vernünftiges Wort hervor zu bringen. „Oh Gott…das glaube…wie
kann…Trevor…wirklich“, stammelte sie vor sich hin, während die Tränen aus ihren
Augen liefen und sie Trevor festhielt, als wolle sie ihn nie wieder los lassen.
Dieser strich beruhigend über ihren Rücken. „Heh Am“, murmelte er leise. „Ich
bin es wirklich. Hör auf zu weinen.“
Es dauerte eine ganze Weile, ehe sich die junge Frau beruhigte und sich fast
verlegen von ihm löste. „Ich glaube das nicht“, flüsterte sie erstickt. „Dass du
tatsächlich hier bist. Wie hast du das gemacht? Ich habe gedacht, ich sehe dich
nie wieder. Es besteht keine Möglichkeit, mit dem terranischen Imperium
Verbindung aufzunehmen.“
Trevor nahm ihre Hand und zog sie mit zu der Sitzgruppe, auf der Xac und Ailia
saßen.
Amelie schlug ihre Hand vor den Mund. „Oh Gott, D’arjari Ailia, ich habe…Euch
gar nicht…gesehen…“ Sie wurde puterrot und Ailia lächelte erneut amüsiert.
„Kein Problem, Amelie“, beruhigte sie die junge Frau. Dann sah sie Trevor an. „Xac
hat nichts dagegen, wenn ihr euch irgendwo ungestört unterhaltet. Damit es deine
Bedenken zerstreut.“
Amelies Blick wanderte unsicher zwischen Trevor und der D’arjo hin und her.
Trevor grinste wie ein großer Schuljunge, nahm ihre Hand und fragte nur: „Wohin,
Schwesterchen?“
Xacs Blick folgte den beiden, dann drehte er den Kopf wieder zu Ailia und er
schmunzelte. „Interessant, D’arjari…interessant…“
*****************
Es dauerte fast zwei Stunden, in denen Amelie Trevor haargenau berichten musste,
was sie in den letzten sieben Jahren erlebt hatte. Er stellte immer wieder
Zwischenfragen, konnte manchmal kaum glauben, was er hörte, aber Amelies
leuchtende Augen redeten deutlicher als alle Worte.
„Ich hatte so fürchterliche Angst, Trevor“, gestand sie ihm später. „All diese
Gerüchte, die über D’arjos kursierten und die Geschichten über Sex und
Vergewaltigung. Es sind Verfälschungen der Wahrheit. Natürlich spielt Sex eine
große Rolle unter D’arjos, das streitet niemand ab, aber die tatsächliche Art
und Weise, wie es ausgelebt wird, das hätte ich mir nie träumen lassen. Nie.“
Sie starrte eine Weile überlegend in die Luft. „Ich hatte nicht viel Erfahrung
mit Männern, als ich hier eintraf und ich habe auf keinen Fall gewusst, dass Sex
so…befriedigend sein kann.“ Sie lächelte über seine perplexe Miene. „Ich habe
sechs Monate in einer anderen Familie gelebt, ehe ich Xac traf…“
„Oh Gott“, murmelte Trevor nur, als er sich an Celly erinnerte.
„Es war…interessant.“ Sie kicherte. „Auch wenn ich in den ersten Tagen fast vor
Angst gestorben wäre. Jetzt weiß ich, dass D’arjos Angst, Entsetzen und
Abneigung riechen. Und sie sind sehr gut darin, dir deine Angst zu nehmen. Und
deine Hemmungen…“
„Ich weiß“, stieß er hervor. Die Amelie, die vor ihm saß, hatte nur noch wenig
mit der schüchternen jungen Frau zu tun, die er damals verloren hatte. Sie
strahlte ein Selbstbewusstsein aus, das ihn überraschte.
„Und nun erzähl mir, wie du in die Hände von D’arjari Ailia gekommen bist.“
Es dauerte noch einmal eine Stunde, ehe er seinen Bericht, der nun Amelie
überraschte, beendet hatte. Und noch mehr überraschte es sie zu erfahren, dass
Trevor heimkehren würde und vorhatte, eine kleine Handelsroute zwischen Avalon
und dem terranischen Randsektor zu eröffnen.
„Vielleicht besteht die Möglichkeit, Ventaarn mit einzubeziehen“, überlegte sie.
„Oder wir besuchen Avalon, wenn du da bist. So verlieren wir uns nicht aus den
Augen.“
Trevor sah sie lange an, ehe er fragte. „Bist du glücklich?“
„Ich liebe Xac“, antwortete sie leise. „Mehr als jemals einen Menschen und ich
weiß, dass er mich ebenfalls liebt. Es ist ungewöhnlich für einen D’arjo, eine
verantwortungsvolle Rolle zu übernehmen und Xac hat hart gekämpft, um zu
erreichen, was er jetzt besitzt: Ansehen. Aber das ist nicht alles, was mich
hier hält.“
„Sondern?“
In diesem Moment klopfte es an ihre Tür und Xac steckte seinen Kopf hinein. „Ich
will euch ja nicht stören, aber hier ist jemand, der deine Aufmerksamkeit
verlangt, Am.“
Die Tür öffnete sich und Trevor fiel aus allen Wolken, als ein kleines Mädchen
zur Tür hineingestürzt kam und Amelie um den Hals fiel. Er brauchte nicht zu
fragen, wer das Kind war, denn es war nicht zu übersehen. Es hatte Amelies
blonde Haare, aber gelbe Augen und spitze Zähne.
Amelie zog die Kleine an sich. „Hallo, Schatz. Hast du gut geschlafen?“
Die Augen des Mädchens musterten Trevor neugierig. „Xac hat gesagt, dein Bruder
ist hier“, flüsterte sie leise ins Ohr ihrer Mutter.
Amelie lächelte den völlig fassungslos dreinschauenden Trevor an. „Das ist
Carmen“, stellte sie das kleine Mädchen vor. „Meine und Xacs Tochter.“
Trevor hatte endlich seine Sprache wider gefunden. „Ich wusste nicht, dass das
möglich ist…“
„Ich auch nicht“, gab Amelie zu. „Bis ich schwanger wurde und die Ärzte hier
wahnsinnig machte, weil ich annahm, ein Monster zur Welt zubringen.“ Ihre Finger
strichen über Carmens Kopf. „Das ist Trevor. Möchtest du ihm Hallo sagen?“
Die Kleine nickte, kam schüchtern auf Trevor zu und umarmte ihn. „Hallo, Onkel
Trevor“, sagte sie verlegen.
Trevor blieb sitzen wie vom Donner gerührt. „Wie alt ist sie?“
„Fünf“, antwortete Amelie vergnügt über seine fassungslose Miene.
„Verflucht“, flüsterte er und ihm ging auf, dass er mit Ailia noch kein einziges
Wort über Verhütung gewechselt hatte, einfach weil er annahm, dass der Genpol
zwischen Menschen und Terranern nicht miteinander kompatibel war.
***************
Sie blieben eine Woche zu Besuch, in der Trevor eine Menge Angelegenheiten, die
die zukünftigen Handelsbeziehungen betrafen, regeln konnte. Shendor hatte auf
seine Anfrage nach Terra die Antwort erhalten, dass eine Genehmigung für das
Durchfliegen des grauen Korridors unter der Bedingung stattfinden durfte, dass
das Schiff auf dem Hin und Rückflug durch einen Polizeiraumer kontrolliert
wurde. Natürlich wurde auch eine Gebühr fällig, aber das störte Trevor im Moment
nicht.
Shendors Recherchen hatten ergeben, dass auch im terranischen Gebiet eine
Nachfrage nach d’arjotischen Gütern bestand und er war dabei, Verhandlungen mit
interessierten Händlern zu führen.
D’arjo hatte die gleiche Genehmigung ausgesprochen, jedoch verlangt, dass das
Schiff nur eine einzige Route flog, die genau über Avalon endete.
Eine Woche später brachte Ailia Trevor mit ihrer Privatjacht zurück in den
grauen Sektor, in dem die Deltaron wartete. Es war ein eigenartiges Gefühl zu
wissen, dass sie sich trennen und über einen längeren Zeitraum nicht sehen
würden.
„In vier Wochen, D’arjo“, meinte Trevor mit einem recht missglückten Lächeln,
als sie in der kleinen Jacht aneinander geschmiegt auf der Couch saßen. Ailia
lächelte genau so schwach zurück.
Damals auf Ventaarn hatte sie gelacht, als er ihr von dem kleinen Mädchen
erzählte und amüsiert gemeint, sie wüsste, dass aus den Verbindungen zwischen
D’arjos und Menschen manchmal Kinder hervor gingen. Allerdings fühle sie sich
noch nicht bereit, die Verantwortung für ein Kind zu übernehmen und nahm deshalb
ein der Pille vergleichbares Präparat.
Trevor hatte ihr ernsthaft erklärt, dass er, würde es jemals ein Kind zwischen
ihnen geben, er den Jungen sofort mit auf die terranische Seite nehmen und auf
gar keinen Fall in den Händen von D’arjos lassen würde.
Dabei war beiden absolut nicht klar, ob sie das, was sie im Moment hatten,
weiterführen konnten oder würden.
Und jetzt, als Trevor die D’arjo wahrscheinlich für das letzte Mal in den
nächsten vier Wochen im Arm hielt, spürte er schon den Stich der Eifersucht,
wenn er daran dachte, dass in den nächsten Wochen andere Männer ihr Bett teilen
würden.
„Ich ahne, was dir durch den Kopf geht“, sagte sie leise, als hätte sie seine
Gedanken gelesen.
„Na und?“, knurrte er gereizt.
Er war herrlich in seiner Eifersucht und sie lehnte sich an ihn. „Würdest du dir
Gedanken machen, wenn du wüsstest, dass ich mich die nächsten Wochen mit einem
Vibrator beschäftige?“
„Was?“, fragte er intelligent. „Nein, natürlich nicht. Aber das wirst du nicht.“
„Es wäre nichts anderes. Man schenkt sich gegenseitig ein wenig Nähe, man nimmt
sich gegenseitig die Einsamkeit…“
„Ich will das nicht hören“, unterbrach er sie scharf.
Sie schnurrte leise neben ihm und er schloss einen Moment verzweifelt die Augen,
weil er sich wünschte, er könnte sie einfach wieder mit sich auf sein Schiff
nehmen. Sein Körper reagierte auf ihre Nähe und er wusste jetzt schon, dass er
in den nächsten vier Wochen ohne sie wahnsinnig werden würde.
„Du hast gesagt, du liebst mich“, flüsterte sie neben seinem Ohr und biss ihn
sanft in den Hals. „Für D’arjos bedeuten diese Worte weniger als für Menschen.
Aber drei andere sind von viel größerer Bedeutung…“ Mit einer schnellen Bewegung
saß sie auf seinem Schoß und nahm sein Gesicht in ihre Hände. „Ich gehöre dir,
Trev“, hauchte sie gegen seinen Mund. „Du bist der einzige Mann, dem ich das
jemals gesagt habe, weil du der einzige bist, bei dem ich so empfinde.“
Seine Arme schlangen sich um sie, als sich ihre Lippen trafen und ihre Zungen
miteinander tanzten. Ailia kicherte, als sie seine Erregung zwischen ihren
Beinen spürte und sie hob ihren Kopf. „Ein paar Stunden haben wir noch“,
flüsterte sie herausfordernd. „Möchtest du mich ans Bett fesseln…Dorem?“
Trevor riss sie stöhnend mit sich hoch und ihre Beine schlangen sich Halt
suchend um seine Hüften, als er mit ihr in Richtung der großen Kabine stürzte.
Vierzehn Tage später
Ailia wunderte sich über sich selbst, aber in den ersten Tagen nach Trevors
Heimkehr hatte sie nicht einmal den Drang verspürt, einen anderen Saraan für
ihre Bedürfnisse gewinnen zu wollen. Sie träumte von Trevor, von seiner Art zu
reden, sie anzuschauen und von seinen Berührungen. Sie wachte auf, fühlte die
Erregung des Traumes, doch der Gedanke, einen anderen Mann zu benutzen, um die
Erregung abklingen zu lassen, schreckte sie plötzlich ab.
Sie fand das sehr eigenartig. Celly fragte sie, ob sie verrückt geworden wäre,
als sie ihr ihre Gefühle erklärte, weil sie es ablehnte, Nals oder Beronds Hilfe
in Anspruch zu nehmen. Selbst ihre Mutter sah sie eigenartig an, als sie meinte,
sie hätte keine Probleme, auch einmal allein zu schlafen.
Allerdings hatte sie die sehr wohl. Dabei lag es weniger daran, dass sie den Sex
vermisste, schließlich konnte sie sich selbst befriedigen, nein, sie fühlte sich
einfach einsam. D’arjos liebten die Nähe eines Partners, sie liebten es, sich
aneinander zu schmiegen, zu kuscheln und sich gegenseitig zu berühren. Trotzdem
schaffte sie es nicht, einen anderen Mann in ihre Zimmer zu holen. Und jede
Nacht wollte sie am liebsten weinen, wenn sie daran dachte, wie viel Zeit noch
vergehen würde, ehe sie Trevor wieder sah.
An diesem Abend hatte sich Ailia in ihre Zimmer geflüchtet, weil sie den Blicken
ihrer Mutter ausweichen wollte und Celly ihr damit auf die Nerven ging, sie sähe
aus, als müsste sie endlich einmal wieder richtig schlafen. Sie hatte beide
angeknurrt, war wütend aus dem Zimmer verschwunden und hatte sich in ihre
eigenen Räume zurückgezogen.
Und dann klopfte es.
Ailia starrte die Tür an wie ein Gespenst, weil sie ahnte, dass entweder ihre
Mutter oder Celly die tolle Idee bekommen hatten, ihr jemanden zu schicken, der
sie von den Gedanken an Trevor ablenkte. Seufzend öffnete sie die Tür, hatte
schon Luft geholt zu dem bösen Kommentar, dass derjenige sich zurück zu seiner
Auftraggeberin scheren solle, als ihre Augen auf Sam’ol trafen und alles, was
sie sagen wollte, sich aus ihrem Kopf verflüchtigte.
Der junge D’arjo lächelte schüchtern. „Celly schickt mich. Sie meint, du würdest
dich einsam fühlen, D’arjari.“
Ailia presste ihre Hand auf ihren Mund und hatte plötzlich Mühe, die Tränen
zurück zu halten, die gegen ihren Willen in ihre Augen treten wollten. Schon
allein, wie er sie mit ihrem Titel ansprach… Er hatte es nie und Celly hatte ihm
sicherlich eingeschärft, besonders höflich zu sein.
„Komm rein“, brachte sie heraus und ein strahlendes Lächeln huschte über sein
Gesicht. „Sammy, ich…“ Sie brach ab, als er einfach seine Arme um sie schlang
und vergrub mit einem Schluchzen ihr Gesicht an seinem Hals. Er war nicht viel
größer als sie, aber plötzlich fühlte sie sich, als wäre er die einzige Person,
die ihren Kummer trösten konnte.
Und Sam’ol überraschte sie ein weiteres Mal. „Ich habe mit Cassy gesprochen“,
sagte er leise. „Sie sagte, dass du sicherlich Trevor vermisst und mich gar
nicht sehen willst. Und vielleicht schon gar nicht willst, dass ich… du weißt
schon. Celly hat das überhaupt nicht verstanden, sondern darauf bestanden, dass
ich gehe. Aber wenn du möchtest, dass ich wieder gehe, bin ich dir nicht böse.“
Ailia hob ihr Gesicht und Tränen schimmerten in ihren Augen. „Du bist so lieb,
Sam“, flüsterte sie und sah ihn stolz lächeln.
„Kann ich bleiben?“, fragte er atemlos. „Ich werde nichts tun, was du nicht
willst. Versprochen.“
Ailia lachte leise, nahm seine Hand und zog ihn mit sich. Vielleicht hatte Celly
genau das geahnt, als sie den jungen D’arjo schickte. „Mir steht tatsächlich
nicht der Sinn nach Sex“, meinte sie zögernd und sah etwas wie Bedauern in
seinen Augen. „Aber ich fühle mich einsam. Möchtest du bleiben?“
Er nickte eifrig. „Sicher. Cassy sagte, sie würde sich morgen um mich kümmern,
wenn du… genau das willst.“
„Das ist lieb von ihr.“ Ailia lächelte, zog ihn neben sich auf die Couch und
schmiegte sich an ihn. Seine Arme schlangen sich um sie und hielten sie fest.
„Du magst Cassy?“
„Ja“, nickte er und starrte verzückt auf ihren dunklen Lockenkopf, der an seiner
Brust lehnte und fühlte sich plötzlich unermesslich stark. Es schien, als würde
*sie* Schutz bei ihm suchen und der Gedanke, dass sie ihn brauchte, und wenn es
nur als Schulter zum Festhalten war, erfüllte ihn mit Stolz. „Cassy ist wirklich
nett. Nal und Berond ebenfalls. Die Terraner mag ich nicht“, erklärte er
großspurig. „Aber mit ihnen habe ich auch keinen Kontakt. Der eine wird sowieso
morgen verkauft.“ Er kicherte. „Der, der immer gehauen werden will.“
Ailia lächelte ebenfalls und genoss es, sich einfach nur an ihn zu lehnen, seine
Nähe zu spüren und nicht allein zu sein. „Ich vermisse ihn wirklich“, sagte sie
dann wie zu sich selbst.
„Er kommt aber wieder, ja?“, erkundigte sich Sam’ol neugierig.
„Ja“, seufzte sie. „In vierzehn Tagen.“
„Warst du jetzt vierzehn Tage allein?“
„Hm.“
Seine Hände strichen über ihre Haare, gedankenverloren, und Ailias Augen
schlossen sich halb. Sie lauschte Sam’ol Stimme, hörte zu, was er in den letzten
Wochen alles erlebt hatte und lächelte über seine Begeisterung, als er erzählte,
dass Celly wirklich überrascht war, als sie ihn das erste Mal in ihr Bett
gelassen hatte.
Sie schauten sich ein netten Film an und Ailia fand es noch süßer, dass Sam’ol
später am Abend fast schüchtern erwartete, sie würde ihn wieder weg schicken.
„Ich habe damals gespürt, wie einsam du dich fühlst, Sammy“, sagte sie leise und
zog ihn mit sich in Richtung Schlafzimmer.
Er schnurrte auf, als sie ins Bett an seine Seite kroch und zog sie an sich.
Ailia lehnte ihren Kopf an seine Brust. Sie fühlte seine Finger in ihren Haaren
und schloss die Augen. „Ich werde auf dich aufpassen, bis Trevor wieder kommt“,
erklärte der junge D’arjo und versuchte so erwachsen wie möglich zu klingen. „Er
wird stolz auf mich sein.“
Ailia kicherte. „Das weiß ich noch nicht. Bist du enttäuscht, wenn ich mich nur
an dir festhalten will, Sammy?“
„Ein bisschen“, gab er ehrlich zu. „Aber Cassy hat mir eine Menge für Morgen
versprochen, wenn ich nicht versuche, dich zu verführen.“
„Hat sie?“
Jetzt kicherte Sam’ol. „Celly hat mir auch eine Menge versprochen für den Fall,
dass ich es tue.“
„Oh“, machte Ailia und hob ihr Gesicht zu ihm. „Du wählst Cassy?“ Sie klang
überrascht.
Ein feines Lächeln huschte über sein Gesicht. „Ich denke, es würde Trevor besser
gefallen, wenn ich es nicht tue. Hätte ich denn eine Chance?“
„Ich weiß nicht.“ Ihr Kopf sank wieder auf seine Brust. „Bei jedem anderen hätte
ich gesagt, nein…“ Sie fühlte seine Lippen, die über ihre Haare strichen und
sein Schnurren, das seinen Körper vibrieren ließ. „Ich denke, ja…“
„Schön“, flüsterte er begeistert.
Als sich Ailia an ihn schmiegte, ging ihr auf, dass es wahrscheinlich das erste
Mal in seinem Leben war, dass er einer Frau Trost spenden konnte. Frauen waren
nicht schwach, sie weinten nicht und sie gaben schon gleich gar nicht zu, sich
einsam und schwach zu fühlen. Dass sie es ihn spüren ließ, musste ihn
unwahrscheinlich stolz machen.
Und sie fand es noch schöner, dass er da war, sie seine Nähe spürte, seinen
Herzschlag hörte und seine Zuneigung roch. Vielleicht war es egoistisch von ihr,
doch zum ersten Mal in den vergangenen vierzehn Tagen schlief sie wieder tief
und fest.
Sam’ol hatte sich am nächsten Morgen an ihren Rücken geschmiegt, als sie
aufwachte. Sie schmunzelte und ihr ging etwas wehmütig durch den Kopf, dass sie
dieses Bedürfnis nach Nähe Trevor niemals so erklären konnte, dass er es
verstand.
Sam’ol schien zu spüren, dass sie wach geworden war und hob den Kopf. „Hast du
gut geschlafen?“
„Ja“, murmelte sie verschlafen.
Er seufzte leise, lehnte seinen Kopf zu ihr und fuhr zärtlich mit seiner Zunge
über ihren Hals. „Ich werde jetzt gehen“, flüsterte er.
Ailia drehte sich zu ihm um. Jetzt sah sie eindeutig Verlangen in seinen Augen
und es wunderte sie etwas, woher er die Kraft nahm, ihm nicht nachzugeben.
„Würdest du... wiederkommen? Heute Abend?“, fragte sie zögernd.
Seine Augen leuchteten auf und er nickte eifrig.
Sie beugte sich zu ihm und küsste ihn sanft. „Danke, Sammy.“
Er reagierte übergangslos auf den Kuss, aber noch immer sagte das nur ihr
Geruchsinn. Ihr Blick folgte ihm, als er, noch immer dieses süße Lächeln auf den
Lippen, aufstand und zur Tür hinausging.
Ihr war noch nie ein D’arjo begegnet, der mit seinem Verhalten nicht deutlich
gesagt hätte, welche Erregung in seinem Körper herrschte. Eigentlich gab es nur
zwei, nein drei Möglichkeiten, warum er sich beherrschte, von denen zwei ihr
jedoch sehr d’arjountypisch erschienen. Entweder hatte ihm Cassy wirklich eine
Menge versprochen – das würde sie verstehen. Oder es störte ihn, dass sie
keineswegs erregt war – das störte aber keinen D’arjo, weil es genug
Möglichkeiten gab, ihre Erregung sehr schnell auf sein Level zu bringen. Oder –
und das war für Ailia der abwegigste Gedanke – er wollte Trevor beeindrucken.
Sie seufzte wieder, als sie sich an ihr Kissen schmiegte. Ein leises schlechtes
Gewissen bildete sich in ihrem Kopf, weil sie genau wusste, dass auch sie sich
völlig d’arjountypisch verhielt und es eigentlich sehr gemein von ihr war, den
jungen D’arjo gehen zu lassen, ohne sich um seine offensichtlichen Bedürfnisse
zu kümmern.
Was hast du nur mit mir gemacht, Trev, dachte sie verzweifelt und fühlte
Tränen in ihre Augen treten.
***************
Die nächsten Tage vergingen in einer gleich bleibenden Routine. Ailia besuchte
zusammen mit ihrer Mutter Vertreter der Industrie, handelte in Trevors Namen das
Weiterleiten der ankommenden Waren aus und besuchte
Wohltätigkeitsveranstaltungen.
In den Nächten schmiegte sie sich an Sam’ol und genoss es, nicht allein zu sein.
Celly erklärte sie für verrückt und machte ihr Vorwürfe, weil sie den armen
Sam’ol quälen und ausnutzen würde.
Sie redete ihr ein derart schlechtes Gewissen ein, dass Ailia den jungen D’arjo
daraufhin ansprach und ihm erklärte, wie leid es ihr täte und dass sie es nicht
mehr übers Herz bringen würde, ihn jede Nacht als Trost zu benutzen. Sam’ol war
regelrecht erschrocken darüber, dass sie ihn fortschicken wollte und hatte
ausgesehen, als wolle er gleich anfangen zu weinen, weil er Angst bekam, sie
würde ihn nicht mehr mögen.
Sie hatte ihn erschrocken über seine Reaktion in ihre Arme gezogen, ihm
versichert wie gern sie ihn hätte und ihm versucht zu erklären, dass sie sehr
wohl seine Erregung spüren würde und es ihr ein schlechtes Gewissen verursachte,
wenn sie es nicht beachten würde. Sam’ol jedoch hatte nur wild den Kopf
geschüttelt und etwas gesagt, was für einen D’arjo sicherlich einzigartig war:
„Trevor hat Monate ohne Sex verbracht. Ich werde den ganzen Tag verwöhnt, also
ist es kein Problem für mich, dich die ganze Nacht einfach nur im Arm zu halten.
Bitte schick mich nicht weg.“
Natürlich hatte sie es nicht getan, seine Worte hatten sie etwas beruhigt, aber
zu wissen, dass Cassy, Celly oder einer der beiden D’arjos die Erregung
befriedigten, die in Sam’ol kochte, wenn er am Morgen ging, trug nicht dazu bei,
ihr Gewissen zu beruhigen.
Hinzu kam, dass sie natürlich auch den Sex vermisste. Sie wünschte sich, die
Zeit würde schneller vergehen, wünschte sich, Trevors Stimme zu hören, sein
Lächeln, wenn etwas zweideutiges durch seinen Kopf ging und den Ausdruck in
seinem Gesicht, wenn sein Verlangen ihn den Verstand verlieren ließ.
Sie ließ es niemanden merken. Sie lächelte, lachte über Cellys Bemerkungen, wie
verrückt sie sei und versuchte sich zu benehmen, als würde ihr nichts fehlen.
Als sie sich das erste Mal in diesen vierzehn Tagen selbst befriedigte, blieb
sie danach auf dem Bett liegen und fragte sich, ob Celly wirklich Recht und sie
den Verstand verloren hatte.
Es war nur Sam’ol, der jede ihrer Stimmungsschwankungen bemerkte. Er sah sie
manchmal so traurig an, dass sie lächeln musste und er war auch der einzige, dem
sie anvertraute, dass sie sich selbst langsam für verrückt hielt.
„Ich verstehe mich selbst nicht“, erklärte sie Sam’ol eines nachts, als er ihr
sagte, ihr Lächeln wäre nicht echt, es wäre traurig. „Ich habe so etwas noch nie
empfunden. Vielleicht ist es für uns D’arjos so schwer, weil wir Wesen sind, die
Nähe brauchen, aber der Gedanke, einen anderen Mann Trevors Stelle einnehmen zu
lassen, schreckt mich ab... ja, ich finde den Gedanken regelrecht
entsetzlich...“
Ihre Stimme verklang. Sam‘ol, der neben ihr am Kopfende des Bettes lehnte,
beugte sich zu ihr und strich kurz mit den Lippen über ihre Wange. „Du liebst
ihn“, erklärte er einfach. „Auf die terranische Weise. Cassy hat es mir
erklärt.“
Ailia lachte leise auf. „Cassy ist wirklich eine nette Frau.“
„Sie sagte, du würdest dich fühlen, als würdest du ihn betrügen, wenn du mit
einem anderen Mann schläfst“, fuhr er fort. Ailia hatte plötzlich das Gefühl,
als wäre er erwachsener als sie selbst. „Aber sie sagte auch, dass es für eine
D’arjo viel schwerer ist als für einen Menschen und dass du dich im Moment
wahrscheinlich viel scheußlicher fühlst als jemals ein Mensch.“
Ailia starrte ihn aus großen Augen an. Obwohl sie in ihn den vergangen sieben
Tagen durch die vielen Gespräche, die sie geführt hatten, sehr gut kennen
gelernt hatte, überraschte er sie immer wieder aufs neue. Er war neugieriger als
jeder andere Mann, den sie kannte und er stellte Fragen über Fragen, um seine
Neugier zu befriedigen. Aber, was noch überraschender war, er dachte genau so
lange darüber nach. Ernsthaft. Sie schluckte, weil sie schon wieder mit den
Tränen kämpfte, die nie ein Mann sehen sollte. Vielleicht sah er sie als
seinesgleichen an, weil sie ihn genau so wenig wie einen Mann behandelte.
Sam’ol hob seine Hand, umfing ihren Kopf und drehte ihr Gesicht zu sich. „Ich
fühle es, Lucie“, sagte er leise. „Ich fühle, wie du gegen dich selbst kämpfst.
Ich könnte dir helfen...“
„Sammy, ich...“, flüsterte sie erstickt, als seine Lippen ihren Mund berührten.
Dann hob er wieder den Kopf. „Ich verlange nichts. Ich weiß, dass du dich selbst
befriedigst und ich bin traurig, dass du es nicht mich tun lässt. Bitte, Lucie,
ich möchte dir helfen...“
Eine einzelne Träne rollte ihre Wange hinab. „Ich liebe ihn“, sagte sie hilflos.
Sam’ol nickte, lehnte sich zu ihr und leckte die Träne von ihrer Wange. „Ich
habe noch nie eine Frau weinen sehen“, hauchte er fasziniert. „Ich wünschte mir,
ich könnte werden wie er und eine Frau finden, die mich so vermisst wie du ihn,
Lucie.“
Ailia schloss die Augen, als seine Lippen sanft über ihre strichen. Ihre Hand
schlang sich um seinen Hals und ein leises Schnurren drang aus seiner Kehle, als
sich ihre Lippen öffneten und ihre Zungen berührten.
Er hielt sein Versprechen und Ailia hätte weinen können, als sie seine sanften
Berührungen spürte, während sein Kopf ihren Körper hinab wanderte und sie für
eine kurze Zeit einen Teil der Ekstase fühlen ließ, die sie so vermisste.
Sie hatte keine Ahnung, woher er die Beherrschung nahm und wie es ein Mann
schaffen konnte, sich derart unter Kontrolle zu haben. Obwohl er genau so schwer
atmete wie sie und sie den harten Grad seiner eigenen Erregung spürte, zog er
sie einfach wieder in seine Arme und hielt sie fest, bis ihr eigenes Zittern
abebbte und sich eine Zufriedenheit in ihrem Körper einstellte, die sie seit
drei Wochen nicht gefühlt hatte, auch nicht, als sie sich selbst befriedigte.
Dann hob sie den Kopf, sah in sein so hübsches Gesicht, die unterdrückte
Erregung in seinen Augen und wusste, er würde nichts sagen, nichts tun und
nichts verlangen. Ihr Herz zog sich zusammen, als ihr das klar wurde und ihre
Lippen pressten sich auf seinen Mund, während sie ihn sanft auf den Rücken
drehte. Sam’ol maunzte fast gequält auf, doch sie verschloss seinen Mund mit
ihren Fingern und lächelte leicht.
„Shhh, Sammy“, flüsterte sie leise und ihre Finger glitten leicht über seinen
nackten Oberkörper hinab zum Bund seiner Hose.
Sam’ol hob den Kopf, öffnete den Mund, als wolle etwas sagen, doch all das
verpuffte in seinen Gedanken, als ihren Lippen über seine Haut glitten und der
Spur ihrer Finger folgten. Fast fassungslos beobachtete er das verschmitzte
Funkeln in ihren Augen und seufzte, als er endlich begriff, was sie vorhatte.
Und sein Kopf fiel zurück, als ihre Finger seine Hose öffneten...
Für Trevor zogen sich die Wochen genau so in die Länge wie für Ailia. Dabei lag
es weniger daran, dass er unter dem Alleinsein litt. Er hatte längere Zeit
allein verbracht und schon der Gedanke, dass es irgendwo eine Frau gab, die auf
ihn wartete, hätte ihn beruhigt. Im Normalfall.
Der Unterschied jetzt war, dass es eine D’arjo war und in seiner Vorstellung sah
er sie mit jeder Menge anderer Männer ins Bett steigen und verfluchte sich
selbst für die Eifersucht, die in ihm fraß.
Er hatte es gewusst, bevor er sich darauf einließ. Er hatte gesehen, wie sie
sich benommen hatte, als er sie bloß eine Woche allein in die Arrestzelle
gesteckt hatte und jetzt standen ihr jede Menge willige Saraani zur Verfügung,
die nur darauf warteten, ihr Bett zu teilen.
Er trieb die Warenaufnahme voran, erhielt die Genehmigung und das Passwort für
den grauen Sektor und schaffte es wahrscheinlich in den drei Wochen, die bisher
vergangen waren, die Besatzung seines Schiffes an den Rand eines
Nervenzusammenbruchs zu bringen. Selbst Shendor wunderte sich, weil Trevor als
ein beherrschter und ernsthafter Kommandant bekannt war und es jetzt immer
wieder passierte, dass er explodierte, wenn irgendetwas seinen Zeitplan
durchkreuzte.
Die einzige Person, die tatsächlich wusste, was mit ihm los war, war die
Bordpsychologin Tara, die ihn eines Tages zur Seite genommen und ihm nahe gelegt
hatte, sich etwas von dem, was ihn so zornig machte, von der Seele zu reden.
Natürlich war Tara nicht spezialisiert genug, um d’arjotische Verhaltensweisen
zu verstehen, aber es erleichterte ihn ungemein, mit der ruhigen schüchternen
Frau zu reden.
Vielleicht trotz seines mittlerweile recht explosiven Temperaments schaffte er
es, seinen eigenen Zeitplan zu unterbieten und flog vierundzwanzig Tage, nachdem
ihn Ailia zurück gebracht hatte in das Avalon-System ein.
Allerdings konnte er seine gemischten Gefühle nicht verbergen. Er hatte keine
Ahnung, wie er reagieren würde, wenn ihn Ailia mit ihrem Sexualleben der letzten
Wochen konfrontieren würde. Trotzdem verspürte er den Drang, postwendend in den
Palast zu fliegen, sie in ein Schlafzimmer zu zerren und sie all die Männer
vergessen zu lassen, die sie in der Zwischenzeit gehabt hatte.
Vielleicht kündigte er sich deshalb nicht an. Er wusste es nicht. Tara riet ihm
davon ab, einfach allein in den Palast zu fliegen und erklärte ihm, er wäre im
Moment emotional zu belastet, um sachlich und gelassen zu reagieren. Alles, was
er in den vergangenen Wochen aufgebaut hatte, all die Handelskontakte, könnten
zerstört werden, wenn er sein Temperament nicht unter Kontrolle bekam und einen
der D’arjos verletzte.
Trevor wusste, dass sie Recht hatte, aber es war ihm egal. Er setzte sich in
einen der Gleiter und startete in Richtung Palast.
Man kannte ihn, war aber mehr als überrascht, dass er, ohne sich anzukündigen
und vor seinem eigentlichen Zeitplan, auftauchte. Trevor bemühte sich, sich
seine Eile und Ungeduld nicht anmerken zu lassen, als er durch die Gänge in
Richtung des großen Speisesaals lief. Es war fast zehn und er nahm an, dass die
Familie Tek’aro frühstückte.
Auris fiel aus allen Wolken, als er plötzlich in der Tür stand und er grinste,
weil er wahrscheinlich noch nie eine so überraschte D’arjo gesehen hatte.
„Hallo, Auris“, begrüßte er sie spöttisch und nickte Celly zu, die neben Ailias
Mutter am Tisch saß. „Bin ein wenig eher zurück. Wo finde ich Ailia?“
„Sie schläft noch“, brachte Auris dann hervor. „Wir sind gestern erst spät ins
Bett, weil wir auf einer Veranstaltung auf der anderen Seite Avalons waren.“
„Wen muss ich aus ihrem Bett werfen?“, erkundigte er sich sarkastisch.
Celly sprang auf und verstellte ihm den Rückweg zur Tür, ehe er verschwunden
war, ohne auf eine Antwort zu warten.
„Was?“, knurrte er gereizt, als die D’arjo herausfordernd den Kopf in den Nacken
warf.
„Setz dich, Trevor“, sagte sie leise.
„Werde ich nicht“, entgegnete er stur, doch sie schob ihn rigoros in Richtung
Tisch. „Ich will nichts von dem hören, was du sagst!“
„Du wirst es dir aber anhören!“, fauchte Celly und zerrte ihn auf den Stuhl
neben sich. „Auch wenn es dir nicht gefällt!“ Celly atmete tief durch. „Lucie
sah vierzehn Tage so unglücklich aus, und war trotzdem der Meinung sie hätte
keine Probleme, allein zu schlafen. D’arjos werden krank, wenn sie einsam sind,
Terraner, und zu sehen, dass meine beste Freundin immer trauriger wurde, machte
mich genau so krank!“
Seine Augen verengten sich, obwohl sein Herz einen eigenartigen Satz machte.
„Ich habe Sammy zu ihr geschickt“, fuhr Celly ruhiger fort und lächelte schwach,
als ein Teil des Zorns aus seinem Gesicht verschwand.
„Sam?“, fragte er leise.
Celly nickte. „Der arme Kerl hielt sie die ganzen Nächte in seinen Armen, damit
sie nicht allein war und faselte den ganzen Tag davon, wie stolz du auf ihn sein
würdest, wenn du erfährst, wie gut er sich um deine Frau gekümmert hat.“
Trevors Mund klappte auf und wieder zu, ohne dass er ein Wort hervor brachte.
„Cassy und ich haben ihn den ganzen Tag beschäftigt, damit er die Nächte an
Ailias Seite durchhielt, ohne über sie herzufallen. Und er tat mir so leid. Ich
weiß nicht, woher er die Kraft nahm und weshalb ihm Ailia das antat. Ich habe
dich verflucht, Terraner. Aber Sammy Augen leuchteten so stolz, wenn er zu Ailia
ging, dass ich es einfach nicht übers Herz brachte, es ihm zu verbieten und
jemand anderen zu schicken, der endlich den blöden Spleen in ihrem Kopf
beseitigen würde.“
„Sie hat nicht mit ihm geschlafen?“, fragte Trevor fassungslos.
„Nein“, erklärte Celly ernst. „Aber in den letzten Nächten kam er nicht mehr
ganz so heiß gelaufen zurück, also nehme ich an, dass sie sich schon ein wenig
um ihn gekümmert hat. Und wenn du ihr das zum Vorwurf machst, werde ich *dich*
an ein Bett fesseln!“
„N-nein“, stotterte er viel zu überrascht.
„Schön“, knurrte Celly und beugte sich zu ihm. „Du schuldest Sammy etwas! Kein
anderer D’arjo hätte getan, was er getan hat. Er hat es für dich getan!“
„Was?“, brachte er jetzt recht blass hervor.
Cellys Augen verengten sich. „Also entweder du und er, oder Lucie und er oder
ihr beide und er. Und ich werde eigenhändig nachhelfen, wenn du nicht einsiehst,
dass eine D’arjo Einsamkeit nicht ertragen kann und Sammy es für sein
selbstlosen Verhalten verdient!“
Trevor starrte die kleine D’arjo fassungslos an. Dann wanderten seine Augen zu
Ailias Mutter, die ihn mit einem undefinierbaren Lächeln musterte und wieder
zurück zu Celly.
Er hatte mit allem gerechnet, aber nicht damit, dass Ailia versuchen würde, auf
den Sex, den sie so liebte, zu verzichten. Und mit Sam’ols Verhalten hatte er
gleich gar nicht gerechnet. Sein ganzer angestauter Zorn verpuffte.
Wahrscheinlich hätte es nicht einmal ein terranischer Mann fertig gebracht,
nächtelang das Bett einer verflucht begehrenswerten Person zu teilen und sie
dann nicht anzurühren.
Langsam stand er auf und fuhr sich durch die Haare. „Danke für deine...
ähm...Erklärungen“, schaffte er zu sagen und sah Celly schelmisch grinsen.
„Brauchst du Hilfe?“
Wohin war er nur geraten? Etwas durcheinander schüttelte er den Kopf, hörte sie
ein: „Schade“, schnurren und verließ wie ein Schlafwandler den Raum.
*************
Er wusste nicht, wie Ailia es finden würde, wenn er einfach ihre Zimmer betrat,
aber da er nach Auris Worten annehmen musste, sie schlief noch, wollte er sie
nicht wecken.
Leise huschte er in das Wohnzimmer, horchte und holte tief Luft, als er keinen
Laut hörte. Vorsichtig öffnete er die Tür zum Schlafzimmer.
Sie schliefen beide noch und einen Moment fühlte Trevor etwas wie Rührung in
sich aufsteigen, als er die beiden D’arjos betrachtete und sah, wie Sam’ol sich
an Ailias Rücken schmiegte. Als würde Sam’ol seinen Blick spüren, öffnete er
plötzlich die Augen und er starrte Trevor einen Moment an wie einen Geist,
unfähig sich zu rühren.
Bis Trevor für seine Verhältnisse recht zaghaft lächelte. Ein strahlendes
Lächeln bildete sich im Gesicht des jungen D’arjos. Trevor legte leise seinen
Zeigefinger auf seinen Mund und Sam’ol nickte eifrig, als er begann, seine
Kleidung abzulegen.
Ailia wachte auf, als er zu ihr unter die Bettdecke kroch. Sie fuhr hoch und sah
völlig orientierungslos aus. Trevor lächelte wieder und ihr Blick ging
fassungslos von ihm zu dem immer noch breit grinsenden Sam’ol und wieder zu
Trevor zurück.
„Trev...“, war alles, was sie herausbrachte, ehe sie ihm um den Hals fiel.
Trevor schlang seine Arme um ihren bebenden Körper, roch den so vertrauten Duft
ihrer Haare und fühlte sich, als wäre er heimgekehrt.
Ailia konnte es nicht fassen. Sie glaubte zu träumen, doch ihre Hände trafen auf
seinen ihr so vertrauten Körper und ihre Nase witterte seinen Geruch, in dem
jetzt keine Spur einer Frau mehr war, weil die Zeit zu lang gewesen war, um
ihren Geruch an ihm zu halten. Sie wollte weinen, gleichzeitig lachen und sie
wollte ihn festhalten und nie wieder los lassen. Es dauerte eine ganze Weile,
ehe ihr einfiel, dass sie nicht allein im Bett war und Trevor sich keineswegs
aggressiv benahm.
Überrascht hob sie den Kopf und bemerkte erstaunt, dass Trevor Sam’ol noch immer
über ihren Kopf hinweg anlächelte. Schnurrend rieb sie sich an ihm und biss ihn
sanft in den Hals. „Was hast du angestellt, dass du schon da bist, Terraner?“,
neckte sie ihn. „Hast du mich vermisst?“
Sam’ol stellte plötzlich die Haare auf und schnurrte genau so wie Ailia.
Trevor küsste sie hungrig. „Du hast mich nicht vermisst, wie ich sehe“,
flüsterte er gegen ihre Lippen.
„Oh doch“, mischte sich Sam’ol ein und Trevor wunderte sich, warum er so
begeistert klang.
„Sei still, Sammy“, murmelte Ailia. „Das stimmt nicht.“
Trevor kicherte, drehte sie mit einer schnellen Bewegung auf den Rücken und
beugte sich über sie. „Ich habe dir schon einmal gesagt, du sollst mich nicht
anlügen.“ Diesmal knurrte Sam’ol und Trevor hob überrascht den Kopf, nur um dem
Feuer in den Augen des jungen D’arjos zu begegnen.
„Das ist Wahnsinn“, hauchte Sam’ol fasziniert. „Wie sie auf dich reagiert...“
„Wovon redet er, Lucie?“
„Weiß ich nicht“, log Ailia unverfroren.
„Es sind nur deine Nähe und deine Worte, die sie erregen“, flüsterte Sam’ol
begeistert. „Ich rieche es...“
Trevor ließ den D’arjo nicht aus den Augen. „Ich habe Celly getroffen. Auf dem
Weg hierher. Sie hat mir ganz schön die Hölle heiß gemacht und gemeint, ich
schulde dir etwas...“
„Nein, tust du...nicht...“ Sam’ols schluckte plötzlich und seine Haaren standen
jetzt komplett in die Höhe.
„So viel zu Worten, die erregen“, schnurrte Ailia begeistert und rieb sich
selbst an Trevors Körper und riss dann verdutzt die Augen auf. „Hast du jetzt
tatsächlich gesagt, was ich verstanden habe? D-du schickst ihn nicht weg?“
„Komm her, Sam“, sagte Trevor leise und ein wenig flau wurde ihm schon ihm
Magen, als der D’arjo sich langsam auf ihn zu bewegte.
Und Ailias Augen wurden noch größer, als er ihm den Arm um den Hals legte, ihn
an sich zog und küsste. Übergangslos schoss die Erregung in ihrem Körper in die
Höhe und sie schnurrte leise, während sie beobachtete, wie der Kuss zwischen den
beiden Männern leidenschaftlicher wurde.
„Oh ja“, quietschte sie begeistert und ihre Krallen strichen über Trevors
Rücken.
Der Terraner riss seinen Kopf von dem D’arjo los und sah ihn recht fassungslos
an. „Wow, wow, wow“, stieß er hervor und Sam’ol schnurrte begeistert. „Lucie,
ich weiß nicht so richtig, was ich tun soll“, murmelte er dann hilflos.
„Wir wissen das“, flüsterte Ailia verzückt und Sam’ol nickte eifrig. Einen
kurzen Moment zog sie Sam’ols Kopf zu sich herab und küsste ihn genau so hungrig
wie vorher den Terraner. „Bist du dir sicher, Trev?“, fragte sie dann.
Trevor schluckte. „Nein...“
Sie lachte leise, zog sich mit einer schnellen Bewegung ihr weites Hemd über den
Kopf und bedeutete Sam’ol, seine Hose loszuwerden. Ihre Hände drehten Trevor auf
den Rücken und ihre Finger wanderten zu seinem Slip und streiften ihn über
dessen Hüften. Sam’ol half ihr, Trevors Slip die Beine hinab zu ziehen und ließ
ihn neben dem Bett fallen. Trotz seiner Nervosität hatte Ailias Nähe Trevor
genau so erregt, wie seine Nähe sie und er stöhnte auf, als sich ihre kleine
Hand um seine Erektion schloss.
„Darf ich dich berühren, Trevor?“, bettelte Sam’ol leise neben seinem Ohr.
Ailia küsste den D’arjo beruhigend. „Natürlich darfst du das. Lass dich von
seinem schockierten Gesichtsausdruck nicht beunruhigen. Schließlich ist es sein
erstes Mal, ja?“
Sam’ol nickte und senkte seinen Kopf zu Trevors Lippen. „Ich bin froh, dass du
hier bist, Trevor. Sie war so unglücklich“, murmelte er, während seine Lippen
seinen Körper abwärts wanderten.
„Oh Gott, Lucie...“, stieß Trevor hervor, als es diesmal Sam’ols Hand war, die
ihn berührte.
Ailia beugte sich über ihn, fuhr mit der Zunge über seine Lippen und strich mit
den Händen beruhigend über seine Brust. „Keine Panik, Trev. Ich denke, es ist
leichter für dich, wenn Sammy dich übernimmt und ich mich dann um ihn kümmere.“
„Nein...“ Eigentlich konnte er nicht klar denken und wusste auch nicht so recht,
was sie meinte, weil er sich noch nie damit beschäftigt hatte, was drei Menschen
zusammen miteinander anstellen konnten.
„Wenn du ihn haben möchtest, ist das auch kein Problem oder du lässt zu, dass er
dich...“
„Nein...nein“, stieß er erschrocken hervor, als ihm aufging, was sie sagen
wollte. Mit Sam’ols Mund um seinen ...oh Gott, war das wirklich wahr? ...konnte
er noch leben, aber der Gedanke, ihn eventuell in den Hintern zu... oder sich
von ihm...nein, das ging dann doch zu weit.
„Kein Problem“, schnurrte Ailia und ihre Lippen wanderten zu seinen Brustwarzen.
Trevors Hand umschlang ihren Kopf, presste ihn gegen sich und alles um ihn herum
verschwamm, als er Sam’ol talentierte Zunge spürte, die ihn erkundete. Die
beiden D’arjos knurrten begeistert und heizten sich wahrscheinlich gegenseitig
durch ihre Erregung an.
Ailia knabberte an Trevors Bauch, glitt dann zu Sam’ol und biss ihn sanft in den
Hals. „Du darfst mich dann haben, Sammy. Das wünschst du dir doch, nicht wahr?“
Er fauchte auf und Trevor stöhnte unterdrückt, als er seine Zähne spürte. Sam’ol
wusste wirklich, was er tat. Seine Finger und Lippen waren genau so sanft wie
Ailias und Trevor fragte sich ganz kurz, ob irgendetwas mit ihm nicht stimmte,
wenn ihm die Berührung eines Mannes gefiel.
Ailia streichelte Sam’ols Rücken, ließ ihre Hand zwischen seine Beine gleiten
und massierte seine drängelnde Erektion. Der D’arjo zitterte, seine Lippen
schlossen sich fester um Trevor Penis. Dessen Hand fuhr in die Haare des D’arjo,
völlig unbewusst sicherlich, weil er im Moment nicht mehr in der Lage war,
darüber nachzudenken, was gerade passierte und stieß sich selbst tiefer in
dessen Mund.
Ailia sah, wie sich sein Gesicht leidenschaftlich verklärte und lehnte sich
etwas zurück, um die Männer besser beobachten zu können, während ihre eigene
Hand zwischen ihre Beine wanderte. Sie knurrte genau so wie Sam’ol und als
Trevor aufstöhnte und mit einem Aufschrei in Sam’ols Mund kam, presste sie ihre
Finger gegen sich selbst, als ihr Körper im gleichen Moment zum Orgasmus kam.
Keuchend kam Trevor wieder zur Ruhe und starrte blicklos zur Decke, während
Sam’ols Zunge begeistert die Reste des Spermas von seinem Penis leckte und er
dabei seine eigene Erektion ignorierte.
„Sammy“, flüsterte Ailia und der D’arjo hob den Kopf. Er fauchte leise und
selbst Trevor, der den Kopf drehte, spürte wie ein neuer Stoß Erregung durch
seinen Körper schoss, als er sie so einladend mit gespreizten Beinen auf dem
Bett sitzen sah.
Wie eine Katze kroch er zwischen Ailias Beine, wollte seinen Kopf senken, doch
sie zog ihn hoch und schlang ihre Beine um seine Hüften. Erst jetzt begriff er,
dass sie ihm erlauben würde, richtig mit ihr zu schlafen und einen kurzen Moment
sah er einfach nur fassungslos in ihr Gesicht.
„Na los, Sammy“, flüsterte Ailia zärtlich. Er schnurrte auf, presste seine
Lippen auf ihren Mund und stieß in sie. Ailia schmeckte die Reste von Trevors
Sperma in seinem Mund und Schauer liefen durch ihren Körper, als sie den Blick
des Terraners fühlte.
Sam’ol dagegen war im Himmel. Er hatte alles, wovon er geträumt hatte, bekommen.
Einen Geschmack von dem Terraner, den er so verehrte, und dass Ailia ihm jetzt
erlaubte, mit ihr zu schlafen, warf ihn völlig aus den Socken.
Trevor hatte sich zur Seite gedreht und beobachtete mit wachen Augen, wie sich
die beiden D’arjos im Taumel der Leidenschaft verloren. Komischerweise fühlte er
keine Eifersucht, sondern begriff, was Ailia meinte, als sie sagte, es würde sie
unwahrscheinlich erregen, zwei Wesen, die sich selbst vergaßen, zu beobachten.
Er rutschte näher zu den beiden und fühlte überrascht, wie Ailia ihren Arm
ausstreckte und ihn an sich zog.
Sam’ol küsste ihn kurz auf den Mund und schnurrte leise. „Du kannst mich haben,
während ich mit ihr schlafe“, bot er ihm keuchend an und verharrte kurz in
seinen Bewegungen.
Ailia strich über Trevors verschwitztes Gesicht. „Ich denke, wir sollten nicht
zuviel auf einmal verlangen, ja?“ Trevor senkte mit einem schwachen Lächeln den
Kopf und berührte mit den Lippen ihre Schulter. „Du würdest bestimmt mich für
Runde zwei vorziehen.“ Er nickte und schloss die Augen, als Ailias Hand sich in
seine Haare wühlte und Sam’ol seine Bewegungen wieder aufnahm…
*************
Es war eine ganze Weile später, sie hatten geduscht, selbst das noch gemeinsam
und Sam’ol hatte begeistert gequietscht, als es Trevor übernahm, ihn
einzuseifen. Allerdings sank dann Ailia auf die Knie und beseitigte die
Erregung, die Trevors Berührungen ausgelöst hatten, weil Trevor sich nicht
überwinden konnte, das gleiche zu tun, was der D’arjo für ihn getan hatte.
Ailia hatte den enttäuschten Ausdruck in Sam’ols Gesicht mit einem leisen: „Lass
ihm Zeit, Sammy“, weggewischt, bei dem Trevor kläglich lächelte und Sam’ol
begonnen hatte zu schnurren.
Jetzt lehnte Ailia träge an ihm. Sam’ol hatte sich begeistert verabschiedet und
Ailia müde gemeint, dass er heute sicherlich niemanden brauchte, um sich
abzureagieren. Trevor schlang seine Arme um sie und genoss das Gefühl
grenzenloser Befriedigung, das sich in seinem Körper breit gemacht hatte.
Ailias Finger fuhren gedankenverloren über seinen Bauch. „Ich hätte nie für
möglich gehalten, dass du das tust“, sagte sie leise.
„Ich auch nicht“, gab er ehrlich zu. „Und ich bin jetzt noch recht entsetzt über
mich. Dabei habe ich gar nichts weiter getan, sondern Sam hat den Hauptanteil
geleistet. Außerdem hat deine Freundin gedroht, sie würde nachhelfen, wenn ich
nicht genau etwas in der Richtung zulasse.“
„Celly?“, prustete Ailia.
„Sie hat auch etwas von ‚Mich ans Bett fesseln‘ erzählt“, brummte er missmutig.
Ailia kicherte wieder, dann hob sie den Kopf und sah ihn ernst an. „Ich habe
eine Menge gespürt, aber keine Eifersucht.“
Er lächelte schwach und küsste sie kurz, ehe er wieder in die Luft starrte. „Ich
habe scheußliche Wochen hinter mir, Lucie...“
„Ich auch“, flüsterte sie erstickt.
„Ich habe meine Mannschaft terrorisiert, Menschen fast in den Wahnsinn getrieben
und halbe Nächte mit masturbieren verbracht. Und allein bei dem Gedanken, dich
mit einem anderen Mann im Bett zu wissen, wurde mir schlecht. Ich bin so
aufgebracht in den Palast gestürmt. Ich weiß nicht, wie ich reagiert hätte, wenn
Celly mich nicht abgefangen hätte.“
Ailia lehnte ihren Kopf an seine Schulter. „Celly hat mich für verrückt erklärt,
aber ich habe mich bei dem Gedanken, mit einem anderen Mann zu schlafen,
scheußlich gefühlt.“ Sie fühlte, wie er sie an sich zog und sein Gesicht in
ihren Haaren vergrub. „Ich habe dagegen gekämpft und mich trotzdem einfach nur
einsam gefühlt. Cassy hat Sam eine Menge über Terraner erzählt und vielleicht
ist er der einzige Mann, der über ihre Worte auch nachgedacht hat. Mir ist noch
kein einziger D’arjo begegnet, der sich solche Mühe gegeben hat, mich nicht zu
verführen. Ohne ihn hätte ich es nicht geschafft...glaube ich...“ Ihre Stimme
wurde leiser. „Ich will mich nicht mehr so allein fühlen...“
Trevor nahm seinen Kopf in ihre Hände und hob ihr Gesicht zu sich an. „Ginge es
zu organisieren, dass du mich zeitweise begleitest und ich andererseits
teilweise hier bei dir bleibe?“
„D-du würdest das tun?“, fragte sie stockend.
„Wir könnten es versuchen“, sagte er einfach. „Ich sollte allerdings sagen, dass
der Aufenthalt einer D’arjo auf meinem Schiff, die noch dazu nicht in einer
Arrestzelle sitzt und meine Kabine teilt, für sehr viel Aufruhr sorgen wird.“
Ailia grinste plötzlich sehr schelmisch. „Ich sollte dir vielleicht sagen, dass
man dem Saraan an meiner Seite wenig Aufmerksamkeit schenken wird, weil er ein
Mann ist.“
Trevor lachte auf und zog sie an sich. „Ich werde dafür sorgen, dass man mir
Beachtung schenkt“, erklärte er selbstsicher.
„Gut.“ Ailia küsste ihn auf den Mund. „Und ich werde dafür sorgen, dass die
Terraner auf deinem Schiff in mir keine Gefahr sehen.“
„Wirst du?“
Sie nickte ernsthaft.
„Aber nicht, indem du mit ihnen flirtest?“
„Wenn du dich dann so schön eifersüchtig verhältst, könnte ich es ja
probieren...“
„Heh!“, stieß er hervor und musste lachen, als er ihre Miene sah. „Kannst du mir
ein Versprechen geben?“
„Welches?“
„Wenn es sich doch nicht arrangieren lässt und wir eine gewisse Zeit getrennt
verbringen müssen...“ Er atmete tief durch, ehe er sagte. „Dann nimm Sam in dein
Bett. Keinen anderen.“
Ihre Augen leuchteten auf, als sie seine Worte hörte und gerade weil sie wusste,
was es für einen Terraner bedeutete, so etwas vorzuschlagen, zog sich ihr Herz
zusammen. „Ich liebe dich“, sagte sie erstickt. „Und ich verspreche es dir.“
Sein angehaltener Atem entwich erleichtert, weil er noch immer unsicher war,
wenn es um gewisse d’arjotische Verhaltensweisen ging und ein Lächeln huschte
über seine Lippen. „Ich liebe dich auch.“
Sie zog ihn an sich und plötzlich war das katzenhafte Grinsen wieder da. „Wirst
du dich dann auch wieder so nett bei Sammy bedanken, wenn er sich das nächste
Mal so rührend um mich kümmert?“
„Ähm...“, schnappte er nach Luft und ihm ging auf, dass er sich da auf eine
Menge Dinge eingelassen hatte, von denen er nicht einmal geträumt hatte.
Ailia lachte wieder und schmiegte sich an ihn. „Ich denke, Sammy hat eine
unvergleichliche Art, dich darum zu bitten, wenn es soweit ist.“
Trevor sagte nichts, sondern schloss die Augen und lehnte den Kopf zurück gegen
die Couch. Seine Zukunft würde ganz schön aufregend werden...
~E n d e
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