A normal Life

 

 

Buffy/Spike

Alternative Universe

ab 18

beta by Indiansummer

 

Spikes Mutter und Buffys Vater heiraten, als die beiden jungen Menschen 10 und 11 alt sind. Das einzige, was die beiden sehr streitsüchtigen Kinder verbindet, ist die Tatsache, dass sie „anders“ sind. Obwohl sie nicht miteinander verwandt sind, wachsen sie wie Geschwister auf. Während Buffy ein normales Leben anstrebt, verzichtete Spike von Anfang an darauf, weil er davon überzeugt ist, Menschen mit ihren Fähigkeiten dürften solchen sentimentalen Träumen nicht nachhängen. Liebe, Ehe und Familie waren etwas für „normale“ Menschen und nicht für sie beide, da sie spätestens im Bett merkten, dass es Schwachsinn wäre, es zu versuchen… 

 

komplett

 

Teil 1   Teil 2   Teil 3   Teil 4   Teil 5   Teil 6  Teil 7   Teil 8   Teil 9   Teil 10  Teil 11  Teil 12  Teil 13  Teil 14  Teil 15   Teil 16 Teil 17   Teil 18   Teil 19   Teil 20   Teil 21   Teil 22  Teil 23 Teil 24 Teil 25

 

Teil 1

„Hallo Luv!“ 

Buffy, die es sich gerade im Wohnzimmer vor dem Fernseher bequem gemacht hatte, sprang wie von der Tarantel gestochen hoch, als sie die Stimme hörte und gleichzeitig seine mentale Präsenz wahrnahm.  

Nein. Nein. Nein. Das durfte nicht wahr sein!   

Schließlich gab es nur eine einzige Person auf dieser Welt, die einen Schlüssel zu ihrem Haus besaß, auch wenn es jetzt fast neun Monate her war, dass sie diese bestimmte Person zum letzten Mal gesehen hatte. Sie stürzte aus dem Zimmer, hinaus in den Flur und sah gerade noch den Rücken des schlanken Mannes, als dieser die Treppe zu den Schlafzimmern hinauf stieg. 

„Was willst *du* denn hier!?“ kreischte sie zornig und folgte ihm. 

Spike ließ seine Reisetasche fallen und drehte sich mit diesem berühmten Grinsen, das Buffy in ihrer Kindheit so gehasst hatte, um. „Ich wohne auch hier, *Schwesterchen*“, begrüßte er sie spöttisch.   

„Nenn mich nicht so!“ knirschte sie zwischen den Zähnen hindurch und beäugte misstrauisch seine Reisetasche. „Was genau bitte soll das?“  

„Dieses Haus gehört mir genau so wie dir“, erklärte er lapidar. „Ich mache Urlaub. Ich hoffe doch, du hast mein Zimmer nicht schon ausgeräumt?“ 

„URLAUB?!“ tobte sie wieder los und versperrte ihm den Weg. „Das hier ist kein Hotel! Scher dich zurück nach SECRET ONE oder mach tatsächlich Urlaub! Weit entfernt von hier!“ 

„Oh“, murmelte Spike mit einem sarkastischen Grinsen. „Mir gefällt es hier. Ruhig und abgeschieden. Zwei Kilometer bis zum Meer. Eigentlich der richtige Urlaubsort.“ Er schob sie einfach zur Seite und ging auf sein Zimmer zu.  

Buffy fluchte, ehe sie ihm folgte.  

Er stieß die Tür seines Zimmers auf und sah sich um. „Ich hätte gewettet, du richtest hier ein totales Durcheinander an, Luv.“ 

Sie ignorierte seine Aussage, denn außer einmal in vier Wochen Staub zu wischen, hatte sie in seinem Zimmer nichts getan. Und jetzt ärgerte sie sich, nicht wirklich ein Chaos angerichtet zu haben. Unwillig verschränkte sie ihre Arme vor der Brust. „Wann reist du wieder ab? Morgen?“ giftete sie ihn an.  

„Hör mal“, schimpfte er gespielt. „Begrüßt man so den lange nicht gesehenen Bruder? Wo ist dein Familiensinn geblieben?“ 

„Du bist nicht mein Bruder. Also ist es kein Wunder, wenn ich so etwas nicht empfinde. Wie lange?“ 

„Drei Wochen.“ 

„DREI WOCHEN?! Hast du gerade DREI WOCHEN gesagt?!“ explodierte sie. „Spinnst du eigentlich? Hast du schon mal etwas von einer Erfindung namens Telefon gehört? Wenn du schon vergisst, dass du mich telepathisch erreichen kannst? Wie kannst du glauben, hier einfach aufkreuzen und drei Wochen verbringen zu können?!“ 

Spike blieb vor ihr stehen und lächelte sie freundlich an. „Ich wohne hier, Luv. Du kannst mir nicht verbieten, in meinem eigenen Haus zu leben.“ 

„Ich heiße BUFFY!“ kreischte sie lauthals und funkelte ihn dermaßen wütend an, dass er schon wieder grinsen musste, rauschte dann an ihm vorbei und knallte die Tür hinter sich zu. Erst dann verschwand sein allgegenwärtiges spöttisches Gesicht und er seufzte leise.  

Er hatte Giles schließlich gleich gesagt, dass das eine sehr sehr blöde Idee war. 

*********** 

Buffy stürzte wie eine Furie die Treppen wieder hinunter.  

Wie konnte er das wagen! Wutentbrannt öffnete sie die Zimmerbar, goss sich ein Glas Wein ein und stürzte es hinunter. Erst dann war es ihr möglich, wieder ruhig und normal zu denken. 

Spikes Mutter Drusilla und ihr Vater Hank heirateten, als Buffy zehn Jahre alt war. Buffy war zwei, als ihre Mutter starb. Sie hatte sieben Jahres ihres Lebens ihren Vater allein für sich gehabt und plötzlich stand da eine fremde Frau, die einen Sohn mitbrachte, der nur ein Jahr älter war als Buffy.  

Drusilla gab sich jede Menge Mühe, an die junge Buffy heran zu kommen, aber sie wusste genau so wie Hank, wie schwer es war, eine Art Vertrauen zu einem Telepathen aufzubauen.  

Buffy erfuhr erst sehr viel später, dass ihre beiden Elternteile sich im Ausbildungszentrum für mental begabte Kinder kennen gelernt hatten. Spikes Vater hatte Drusilla vier Jahre vorher verlassen und die noch recht junge Drusilla fühlte sich überfordert, als man sie mit der mentalen Begabung ihres Sohnes konfrontierte. Sie war mehr als froh, Hank zu begegnen, der mit Buffy ähnliches durchmachte wie sie selbst mit Spike. 

Für Buffy war es der fürchterlichste Tag ihres Lebens. Plötzlich wohnte ein Junge in ihrem Haus, der über ähnliche Gaben wie sie selbst verfügte, der sich benahm, als wäre er etwas besseres als sie und keine Sekunde ausließ, ihr das Leben zur Hölle zu machen.  

Natürlich vergaß sie bei dieser Erinnerung zu erwähnen, dass sie selbst nicht viel besser war. Da sie beide in SECRET ONE ausgebildet wurden, blieb es nicht aus, dass sie sehr viel Zeit miteinander verbrachten. Es existierten nur wenige Mutantenkinder und bei keinem anderen waren die Gaben so ausgeprägt wie bei ihnen beiden und bei keinem anderen ging das Erwachen der Parafunktionen so reibungslos vonstatten. 

Und keines dieser anderen Kinder erreichte das Erwachsenenalter, ging es ihr wehmütig durch den Kopf.  

Sie waren beide recht einsam. Es gab keinen Menschen, der ähnliches durchmachte oder schon ähnliche Erfahrungen gesammelt hatte. Auch ihre Lehrer, alle samt „Normale“, konnte nicht komplett nachvollziehen, welche Gefühle in einem heranwachsenden Teenager tobten, wenn Gedanken anderer Menschen auf ihn einstürmten oder wenn kindlicher Zorn oder kindliche Wut ungewollt beträchtlichen Schaden anrichtete. 

Ihre Lehrer waren der Meinung, es wäre eine Fügung des Schicksals, dass sich ihre Eltern zusammen gefunden hatten und so sie beide wenigstens sich gegenseitig hatten.  

Buffy war der Meinung, dass sie sehr wohl ohne dieses besserwisserische arrogante Scheusal in ihrem Haus leben konnte.  

Natürlich stritten sie sich nicht nur. Manchmal saßen sie wirklich zusammen, flüsterten über ihre Erlebnisse und teilten ihre Befürchtungen. Aber diese Zeiten dauerten nicht an.  

Je älter sie wurden, umso sarkastischer schauten sie in die Welt. Man bemühte sich, ihnen beizubringen, wie wichtig es war, seinen Geist zu verschließen, nicht unaufgefordert in den Gedanken anderer Menschen zu schnüffeln, doch Kinder waren meist unbelehrbar. Und so erfuhren sie Dinge, die ihr kindlicher Verstand nicht begriff, gelangten an Grenzen, die sie nie erreichen wollten. 

Ihre Eltern fragten sich manchmal, was sie falsch gemacht hatten, weil aus ihnen beiden so ernste und fast gefühllose Menschen geworden waren. Wie hätten sie auch ahnen sollen, wie schwer es war, in einer Welt zu leben, in der gesprochene Worte so wenig bedeuteten. 

Dann kamen sie beide in das Alter, in dem sie dem anderen Geschlecht das erste Interesse zuwandten.  

Viele von Buffys normalen Freundinnen schwärmten für ihren „Bruder“, etwas, was Buffy überhaupt nicht nachvollziehen konnte. Natürlich sah er toll aus mit seinen damals noch dunklen, immer etwas zerstrubbelt wirkenden kurzen Haaren, den blauen Augen in dem markant geschnittenen Gesicht und einem Körper, dem man ansah, dass er sich gern sportlich betätigte.  

Aber Buffy konnte den Mädchen schließlich nicht sagen, dass er ihre Gedanken las. Sie hasste ihn dafür, dass er sein telepathisch aufgeschnapptes Wissen ausnutzte und sie dann auslachte, wenn sie es ihm vorhielt.  

Er nannte sie eifersüchtig, was damit endete, dass sie sich prügelnd auf dem Boden wälzten und erst von Hank getrennte werden mussten. Buffy hatte sich in ihrer Kindheit wahrscheinlich mehr geprügelt als irgendein Junge ihres Alters. Mit Spike. 

Während ihrer mentalen Ausbildung hatte man sie mehr als einmal darauf hingewiesen wie gefährlich es war, die Parakräfte nicht unter Kontrolle halten zu können. Und da sie beide wussten, wie schnell verdrängte Aggressionen zur unkontrollierten Entladung führen konnten, passierte es mehr als einmal, dass sie sich wie rauflustige Raubkatzen aufeinander stürzten.  

Am Anfang wollten Hank und Drusilla sie dafür bestrafen, aber nachdem sie mit den Lehrern SECRET ONEs über dieses Problem gesprochen hatten, meinten diese, es sei ungefährlicher, sie sich prügeln zu lassen. 

Buffy glaubte immer an die Möglichkeit eines normalen Lebens. Spike nie.  

Nach Abschluss ihrer Ausbildung in SECRET ONE entschied sich Spike dafür, sein Leben und seine Fähigkeiten seinem Land zur Verfügung zu stellen, um gegen das Verbrechen zu kämpfen.  

Er lachte die damals 20-jährige Buffy aus, als diese erklärte, sie wünsche sich ein normales Leben und werde sich garantiert nicht in diesen Gefängniskomplex einsperren lassen.  

Und er sagte ihr knallhart ins Gesicht: Es wird dich zerstören, Luv. Du wirst bei dem Versuch scheitern. Wir sind nicht fähig, dieses normale Leben zu führen.  

Buffy war es egal. Wie ihr immer egal gewesen war, was er sagte.  

Sie begann, Journalismus zu studieren, brach das Studium ab und übernahm einen Job bei der ortsansässigen Zeitung. Natürlich war ihr Leben bei weitem nicht so turbulent wie Spikes. Sie schrieb Artikel über langweilige Dinge, verfasste Kolumnen für den Sunnydale-Kurier und beantwortete Leserbriefe.  

Sie konnte sich weiß Gott interessantere Dinge vorstellen, aber sie führte ein normales Leben.  

Was auf Arbeit jedoch funktionierte, funktionierte im Privatleben nicht. Nach der dritten gescheiterten Beziehung musste sie sich selbst zugeben, dass Mutanten dazu einfach nicht fähig waren. Sie konnte den ganzen Tag die Gedanken ihres Partners abschirmen, spätestens im Bett war es damit vorbei.  

Sie gab das nie zu, Spike gegenüber schon gleich gar nicht, aber sie fühlte sich scheußlich einsam.  

Als dann noch Hank und Drusilla vor drei Jahren bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kamen, brach Buffy zum ersten Mal zusammen. Das war das erste und einzige Mal, am Tag der Beerdigung, dass Spike so etwas wie Mitgefühl zeigte.  

Er hatte sie umarmt und festgehalten solange sie weinte, ohne selbst eine Träne zu vergießen, aber sie wusste, dass ihm der Tod ihrer Eltern genau so zu schaffen machte wie ihr. 

Danach war Buffy bereit, dem Drängen von Spikes Chef, Rupert Giles, nachzugeben und ihren Stiefbruder bei einigen Aufträgen, bei denen die Zusammenarbeit mehrerer Mutanten von Vorteil war, zu unterstützen.  

Sie lehnte weiterhin ab, wie Spike in SECRET ONE zu wohnen und kündigte auch ihren Job bei der Zeitung nicht, aber manchmal war sie froh, an seiner Seite zu sein, da er der einzige Mensch auf der Welt war, der verstehen konnte, was in einem Mutanten vor sich ging.  

Bis er sie vor neun Monaten nieder schlug, weil sie verhindern wollte, dass das Militär ein Kind in Brasilien tötete. Sie hatte nicht damit gerechnet, sonst wäre sie fähig gewesen zu reagieren, da sie über eine genau so exzellente telekinetische wie telepathische Begabung verfügte.  

All seine Erklärungen, all seine Argumente prallten an ihr ab. Sie wollte nicht hören, wie gefährlich dieses pyromanisch veranlagte Kind war, wie viele Menschen der kleine Junge schon getötet hatte und nicht, wie man versucht hatte, mit ihm zu reden und das Einsatzkommando in Flammen aufging.  

Alles was sie hörte war, dass Giles einen Mord befahl. Einen Mord an einem zwölfjährigen Jungen und etwas in ihr tickte aus.  

Spike entschuldigte sich später, sagte, er hätte sich keinen anderen Rat gewusst, als sie bewusstlos zu schlagen. Sie hatte weder seine noch Giles’ Argumente hören wollen, sondern ihre Sachen geschnappt und SECRET ONE verlassen. Und gesagt, sie wolle kein einziges ihrer Gesichter jemals wieder sehen. 

Buffy goss sich das Weinglas noch einmal voll.  

All die Erinnerungen stiegen wieder in ihr hoch. Sie glaubte keine Sekunde an den so genannten Urlaub. Sie wusste wie Spikes Urlaube abliefen.  

Indem er sich in ein sündhaft teures Hotel am Strand einquartierte und die nächsten Tage damit verbrachte, eine Frau nach der anderen flach zu legen. Er erklärte diese frauenverschwenderische Lebensweise damit, dass kein Telepath mit einer Person zwei Mal ins Bett gehen könne und er das Recht habe, sich wenigstens einmal im Jahr den Luxus von hemmungslosem Sex zu gönnen. 

Deshalb kam sie zu der Ansicht, dass er einen Grund hatte, hier zu sein, den er ihr nicht sagen wollte. Dieser Grund musste nichts mit ihr zu tun haben, aber ihr Gefühl sagte ihr, dass es das war. 

Fluchend kippte sie das dritte Glas hinunter und sank wieder auf die Couch. Das würden sehr lange drei Wochen werden. 

**************** 

Am nächsten Morgen beschloss sie zu ignorieren, dass sich außer ihr noch jemand im Haus befand. Sie ging zur Arbeit, vertiefte sich in die Berichte, die sie schreiben musste und versuchte zu vergessen, was sie erwartete, wenn sie heim kam.  

Sie konnte es nicht mehr, als sie die Haustür öffnete und ihr der Geruch nach warmen Essen entgegen schlug. Es war Ewigkeiten her, dass sie gekocht hatte. Wenn sie etwas Warmes essen wollte, bestellte sie es oder ging ins Restaurant. Und plötzlich fiel ihr wieder ein, dass Spike einer der wenigen Männer war, die gern kochten.  

Trotzdem schaute sie mit einem missmutigen Gesichtsausdruck um die Ecke der Küche.  

„Hi, Luv“, begrüßte er sie freundlich. „Hunger?“ 

Ihr ging sogar gegen den Strich, dass er nicht aufhörte, sie Luv zu nennen. Damals vor 17 Jahren stand dieser große schlaksige Junge vor ihr und lachte sie aus, während sie ihn beschimpfte und als sie ihn fragte, was denn so lustig wäre, erklärte er ihr seelenruhig, er könne sie nennen wie er wolle, vor allem, da er ihren Namen einfach nur doof fand. Buffy war puterrot geworden, als er ihren Namen beleidigte und hatte sich insgeheim schon ausgemalt, wie sie ihm das heimzahlen konnte. 

„Nein“, brummte sie, obwohl ihr Magen schon bei dem Anblick knurrte.  

„Ich war einkaufen“, fuhr er ungerührt fort und deckte den Tisch für sie mit. „Ich weiß ja nicht, wovon du dich ernährst, aber ich habe nichts Essbares gefunden.“ 

„Ich habe dich auch nicht eingeladen“, giftete sie gereizt.  

„Komm schon. Setz dich“, wies er sie an, ignoriere ihren störrischen Blick und schob sie in Richtung Tisch. 

Buffy schlug seine Hand zur Seite. „Lass das!“ Trotzdem setzte sie sich und beobachtete noch immer mit gerunzelter Stirn, wie er einen Teller vor sie stellte. „Was gibt es denn?“ 

„Nichts besonderes“, grinste er versöhnlich. „Spaghetti und Kräuter-Sahne-Soße.“ 

Als er ihr gegenüber Platz nahm und wieder lächelte, wurde es Buffy unheimlich. Aber sie hatte Hunger und beschloss erst einmal zu essen und sich dann Gedanken über sein eigenartiges Verhalten zu machen.  

Schließlich wusste sie, dass ein Spike niemals nett war. Jedenfalls nicht zu ihr.

Sie hatte manchmal in den Gedanken von Frauen geschnüffelt, mit denen er im Bett war und da Worte wie hinreißend, nett und zärtlich gefunden und sie hatte sich gefragt, wie er es schaffte, sich so zu verstellen.  

Eigentlich eine oskarreife Leistung, aber schließlich tat er das nur, weil er die entsprechende Frau in seinem Bett haben wollte. Ihr gegenüber musste er sein ätzendes Ich nicht verbergen. 

Als sie gegessen hatte, und es hatte wirklich geschmeckt, lehnte sie sich zurück und fixierte ihn wieder misstrauisch. „Also, spuck es aus. Warum bist du hier?“ 

„Luv“, murmelte er gespielt. „Wir haben uns neun Monate nicht gesehen. Du bist die einzige Verwandte, die ich noch habe und ich wollte es einfach nicht dabei belassen, dass du so zornig auf mich bist.“ 

Ihre Augen verengten sich. „Erstens: Wir sind nicht verwandt. Zweitens: Dich interessiert einen Scheißdreck, ob ich zornig auf dich bin. Und drittens: Wie wäre es mit der Wahrheit?“ Als er wieder so freundlich lächelte, fuhr sie ihn an. „Heb dir deine Schauspielversuche für die Frauen auf, die sie dir abkaufen!“ 

Spike schob seinen Teller zur Seite und wurde ernst. „Mir tut wirklich leid, was passiert ist, Luv. Auch wenn ich es nicht ändern konnte und in einer ähnlichen Situation genau so handeln würde. Aber wir beide sind die einzigen „funktionstüchtigen“ Mutanten auf dieser Welt. Das bedeutet eine gewisse Verantwortung. Ich denke, wir sollten zumindest darüber reden.“ 

Buffy lachte fast hysterisch auf und sprang hoch. „Giles hat dich geschickt?! Sollst du mich überreden, meinen Arsch für euch kaltblütige Mörder zu riskieren? Vielleicht hätten sie jemanden schicken sollen, dem ich das auch glaube!“  

Er fluchte, als sie aus der Küche hinauf in ihr Zimmer stürzte und folgte ihr. „Ich habe wirklich Urlaub. Buffy, deine Kräfte geben dir eine Verantwortung, die du nicht einfach wegwerfen...“  

Sie knallte ihre Tür vor seiner Nase zu und stoppte damit auch alles, was er sagen wollte.  

Spike war nicht lebensmüde genug, ihr in das Zimmer zu folgen. „Du kannst mich nicht drei Wochen lang ignorieren“, schrie er durch die geschlossene Tür, ohne eine Antwort zu erhalten. „Niemand verlangt, dass du dich in SECRET ONE einquartierst. Aber Reden ist doch wohl nicht zuviel verlangt!“ 

Sie riss die Tür wieder auf und fauchte in sein Gesicht. „Du hast 17 Jahre deines Lebens keinen Wert auf eine Unterhaltung mit mir gelegt. Fang jetzt bloß nicht damit an!“ Sie weigerte sich, seinen fast verletzten Gesichtsausdruck zu registrieren und knallte die Tür wieder zu. 

Er sagte nichts mehr, doch diesmal spürte sie seine Gedanken. Das war ungerecht, Luv. Er klang sogar verletzt. Zumindest in den vergangenen drei Jahren haben wir...“ 

Buffy schloss demonstrativ ihren Geist. Sie wollte nicht hören, was er noch sagen wollte und hörte sein Fluchen, weil er es bemerkte. Sie warf sich aufs Bett, während ihr durch den Kopf ging, dass sie noch nie einen derart verletzten Ausdruck in seinen Augen gesehen hatte.

Teil 2 

Leider war am nächsten Tag ein arbeitsfreier Samstag. Und dummerweise begegnete Buffy auf dem Weg von ihrem Schlafzimmer ins Bad einem schon wieder recht vergnügt grinsenden Spike. 

„Morgen, Luv“, begrüßte er sie munter. „Süßer Schlafanzug.“ 

Sie war noch zu verschlafen, um klar denken zu können. Deshalb fluchte sie nur, erntete ein Lachen und wollte sich an ihm vorbei drücken.  

Er umfing ihren Oberarm und hielt sie fest. „Hey, einen Gruß habe ich zumindest verdient“, spottete er und fing ihre zweite Hand, mit der sie ihn von sich stoßen wollte. „Luv!“ schimpfte er. „Ich finde es einfach niedlich, wenn du so verschlafen mit diesen chaotischen Haaren durch das Haus schlappst.“ 

Buffy riss sich zornig los, stieß ihn gegen die Wand und stürzte sich auf ihn. „Ich hasse es, wenn du meine Haare beleidigst!“ fauchte sie ihn an. „Du gefällst mir auch nicht!“  

Das war natürlich eine Lüge, aber Buffy würde niemals zugeben, dass sie sehr wohl registrierte wie er aussah. Natürlich, ohne ins Schwärmen zu geraten.  

Vor allem seit er im Alter von 16 Jahren auf die Idee gekommen war, seine Haare zu blondieren, etwas, was ihm vortrefflich stand und andere Mädchen noch mehr anzog.  

Buffy hasste es, wie sie ihn anhimmelten, wenn er in seinen dunklen Sachen und dem langem Ledermantel an ihnen vorbei stolzierte und noch dazu so arrogant grinste. 

Er gluckste, als sie ihn so wütend anfunkelte, hob seine Hand und griff nach einer der blonden langen Strähnen. „Luv, ich beleidige deine Haare nicht“, murmelte er. „Ich finde sie sehen heute… einzigartig aus.“  

Sahen sie wirklich, wahrscheinlich, weil sie sich die halbe Nacht unruhig in ihrem Bett hin und her gewälzt und überlegt hatte, wie sie ihn am schnellsten aus dem Haus werfen könnte. Heute sah sie wirklich aus wie der kleine Wildfang, den er kannte und er fand, dass es zu ihr passte. Natürlich wäre es blöd, ihr das zu sagen.   

Denn es machte viel mehr Spaß, sie damit aufzuziehen, als zu sagen, dass sie toll aussah. Nicht toll im Sinn von atemberaubend schön, Spike war blendend aussehenderen Schönheiten begegnet, aber keine von diesen Frauen war von den Funken umgeben, wie Buffy sie versprühte, wenn ihre grünen Augen wütend blitzten und sie die langen blonden Haare mit einer zornigen Kopfbewegung zurück warf. Wie ein verrückter wilder Teufel. Vielleicht machte es deshalb so viel Spaß, sie einfach aufzuziehen.  

 Buffy stieß ihm die Hand gegen die Brust. „Ich beginne schon jetzt den Tag herbei zu sehnen, an dem du wieder verschwindest!“ 

Er grinste breit. „Deine Freundin Anya hat angerufen“, erklärte er dann, ohne sich zu rühren. „Sie war sehr erfreut, mich am Telefon zu haben und ich hatte alle Mühe, das Gespräch wieder zu beenden. Ist sie nicht verheiratet?“ 

Buffy ging plötzlich auf, dass sie ihn noch immer gegen die Wand presste und fuhr zurück. „Natürlich ist sie das und ich warne dich! Lass deine Finger von ihr!“ 

„Ich hatte sie schon“, gab er belustigt zurück. „Ist zwar eine Weile her, aber es dämpft mein Verlangen ungemein.“ 

„Du bist ätzend!“ Sie ging zum Bad und drehte sich an der Tür noch einmal um. „Was wollte sie?“ 

„Sie wollte nur wissen, was mit Riley ist?“ Spike blieb vor ihr stehen. „Was ist mit Riley? Wer ist Riley überhaupt?“ fragte er dann neugierig und mit einem sehr hinterhältigen Grinsen. 

„Ich wette, du hast Anya schon ausgequetscht!“ giftete sie ihn an, ehe sie durch die Badtür verschwand und sie hinter sich zuschlug. 

Natürlich hatte er das. Aber Anya wusste auch nicht viel mehr, als dass Riley ein Kollege von Buffy war, der sich für sie interessierte und mit dem sie ein paar Mal ausgegangen war.  

Spike war immer neugierig auf die Versuche seiner „Schwester“, eine normale Beziehung zu testen. Bei den ersten beiden Malen hatte er mit sich selbst gewettet, wie lange sie es durch hielt und sie hatte ihn überrascht.  

Er hatte ihr einen Monat gegeben und sie hatte drei geschafft. Zumindest bei dem ersten, Angel.  

Selbst das erschien Spike eine Sensation, weil er sich nicht vorstellen konnte, wie sie das im Bett durchzog. Leider hatte sie ihm eine geklebt, als er sie das fragte.  

Nummer Zwei, Parker, war sehr viel geschäftlich unterwegs. Vielleicht war das der Grund, warum die Beziehung vier Monate überstand.  

Nummer drei, Ben, durfte nach zwei Monaten gehen. Sollte Riley Nummer vier werden?  

Oder war Buffy nun auch zu der Einsicht gekommen, dass es besser war, sich den Sex zu nehmen und dann zu verschwinden? Warum nur behagte ihm dieser Gedanke ganz und gar nicht? Ehe er weiter darüber grübeln konnte, sagte er sich, dass es daran lag, dass er in ihr noch immer seine Schwester sah und einfach nicht wollte, dass sie mit jedem daher gelaufenen Kerl ins Bett stieg. Auch wenn sie es abstritt, in gewissen Dingen hatte er sich schon um sie gesorgt. 

Er hörte, wie sie das Wasser der Dusche anstellte und ging in die Küche. Es dauerte zwanzig Minuten, ehe sie folgte und er grinste still, als er bemerkte, dass sie sich sehr viel Mühe mit ihren Haaren gegeben hatte, die jetzt schön zahm über ihren Rücken flossen und nicht mehr kreuz und quer von ihrem Kopf abstanden.  

Sie betonten ihr schmales Gesicht mit den großen grünen Augen und er überlegte, ob er der Grund war, dass sie heute solch einen Aufwand mit ihrer Haarpracht veranstaltete.  

Er hatte sie immer unter dem geschwisterlichen Gesichtspunkt betrachtet, nie, na gut fast nie, direkt eine Frau in ihr gesehen. Vielleicht, weil er sich nie vorstellen konnte, Buffy in die Serie der Frauen einzureihen, die für eine Nacht sein Bett teilten.  

Oder es nie wollte. Für ihn war sie immer etwas Besseres als all die Frauen, die auf sein Aussehen herein fielen und die er einfach nur benutzte. Deshalb war er jetzt überrascht über den Gedanken, dass er sie recht... hübsch fand. 

Etwas irritiert rührte er in seinem Kaffee, beobachtete, wie sie Geschirr aus dem Schrank nahm und sich Kaffee eingoss.  

„Was hast du heute vor?“ fragte er dann, um sich selbst abzulenken.  

„Wieso?“  

Sie klang schon wieder aggressiv und er seufzte. „Ich werde zum Strand gehen. Hast du Lust mitzukommen?“ 

„Nein!“ fuhr sie hoch und musterte ihn misstrauisch. „Was soll das?“ 

„Wir waren oft genug zusammen am Stand, Luv.“ 

„Das war, bevor mich deine Faust ins Land der Träume geschickt hat!“ Zorn stieg in ihr hoch, als die Erinnerung sie übermannte. Sie waren sich näher gekommen in den drei Jahren seit dem Tod ihrer Eltern. Zumindest hatte Buffy angefangen, in Spike jemanden zu sehen, der sie verstand und mit dem sie über Probleme, die das Mutantensein mit sich brachte, reden konnte.  

Sie waren erwachsen geworden, beide, und es war an der Zeit, über die kindlichen Streitigkeiten hinaus zu wachsen. Schließlich waren sie jetzt wirklich die einzigen übrig Gebliebenen ihrer Familie. Auch wenn es keine Blutsbande gab, die sie verbanden, so war es doch ihre gemeinsame Kindheit. Und in gewisser Weise hatte sie ihm vertraut. Bis zu diesem Tag. 

Er sah sie zerknirscht an. „Ich habe gesagt, dass es mir leid tut. Und dass ich es nicht ändern konnte.“ 

In diesem Moment klingelte wieder das Telefon und Buffy musste nicht antworten, weil sie das Gerät in den Hand nahm. Spike nippte ab und zu an seinem Kaffee, ohne sie aus den Augen zu lassen und als sie dann: „Hallo Riley“, sagte, hätte er am liebsten geknurrt. 

Buffy verschwand mit dem Telefon im Nachbarzimmer und Spike überlegte, dass es schön wäre, wenn er auch durchs Telefon Gedanken lesen könnte.  

Sie kam eine Viertelstunde später wieder und setzte sich an den Tisch. 

„Und?“, konnte er sich nicht verkneifen zu fragen. „Hatte er Sehnsucht?“ 

„Es geht dich zwar nichts an. Aber ja, hatte er“, erklärte sie kühl, während sie ihr Brötchen belegte und sich nebenbei fragte, wann er denn die Brötchen besorgt hatte. „Wir gehen heute Abend ins Kino.“ 

„Wie süß“, stänkerte Spike. „Lerne ich ihn kennen?“ 

„Wenn es sich vermeiden lässt nicht.“ 

„Warst du mit ihm schon im Bett?“ 

Buffy schickte ein Stoßgebet zum Himmel, als sie die Augen verdrehte. 

*************** 

Spike verbrachte den ganzen Tag am Stand. Schließlich hatte er Urlaub und es war sein gutes Recht, sich auch zu erholen. Leider war er nicht allein und wenn er auch sonst die Gelegenheit am Schopf gepackt hätte, so wollte er doch heute um keinen Preis versäumen, wenn Buffys Nummer Vier aufkreuzte. 

Aus diesem Grund brach er früh genug vom Strand auf und lümmelte sich wenig später auf Beobachtungsposten ins Wohnzimmer. Er machte es sich mit einer Flasche Bier und einem Buch im Sessel bequem, während sie im Obergeschoss ins Bad verschwand. Es dauerte fast eine Dreiviertelstunde bis sie die Treppe herab kam und ins Wohnzimmer schaute.  

Spike tat, als wäre er vollkommen ins sein Buch vertieft. 

„Du bist ja da“, sagte sie erstaunt. „Ich habe dich gar nicht kommen hören.“ 

Er sah endlich hoch und wünschte sich im nächsten Moment wenigstens ein paar Minuten zu haben, um ihren Anblick verdauen zu können.  

Leider hatte er die nicht, denn sie runzelte die Stirn, weil wahrscheinlich sein Kinn auf seine Brust geklappt war.  

Sie trug eine enge schwarze Hose, die weit auf ihren Hüften ruhte. Dafür begann das genau so eng anliegende rote Top mit den Spaghettiträgern erst, nachdem es mindestens eine Handbreit ihres Bauches frei lies. Zum Glück trug sie wenigstens einen BH. Abgerundet wurde das ganze durch hochhackige Sandalen, die Buffy, die nicht sonderlich groß war, mindestens zehn Zentimeter größer machten. Spike schluckte trotz seiner besten Vorsätze krampfhaft, ehe er hervor stieß: 

„Was zum Teufel hast du vor?“ Selbst die Haare, über die sie immer so schimpfte, flossen in lockeren glänzenden Wellen über ihren Rücken. Er sprang auf und baute sich vor ihr auf. 

Sie sah ihn verblüfft an. „Ich will ins Kino?“ 

Es war nur ein dezentes Make-up, das sie aufgetragen hatte, ein bisschen Kajal, ein Hauch Lidschatten, doch Spikes Blick wurde fast magisch von den roten glänzenden Lippen angezogen. Eigentlich konnte er sich nicht erinnern, sie jemals so gesehen zu haben. Oder er hatte es nicht beachtet. Sie sah einfach nur heiß aus.

„So wirst du nicht aus dem Haus gehen!“ fuhr er sie an. 

 Buffy sah ihn an, als hätte er den Verstand verloren. Und sie beschloss, dass es das Beste wäre, ihn gar nicht zu beachten. Wortlos drehte sie sich um und ging zur Haustür. Allerdings hatte sie nicht damit gerechnet, dass er schneller an der Tür war als sie. Er rannte einfach in ihren Weg und sie lief gegen ihn.  

„Es reicht jetzt!“ fauchte sie ihn böse an und wollte ihn zur Seite schieben. 

Ihr Parfüm stieg ihm in die Nase und es irritierte ihn noch mehr, dass er es überhaupt registrierte. „Zieh dich um!“ 

„Spinnst du!“ schrie sie erbost. „Mir gefällt, was ich anhabe und Riley sicherlich auch.“ 

Er beugte sich zu ihr und sein Gesicht war nur wenige Zentimeter von ihrem entfernt, als er zischte. „Dann kannst du dir gleich noch ein Schild umhängen auf dem steht: Bitte fick mich!“ 

Sie schlug ihm übergangslos ins Gesicht. „Niemand hat dich gebeten, hier aufzukreuzen! Und deine Meinung interessiert mich gleich gar nicht! Vielleicht will ich es ja? Vielleicht bin ich ja scharf drauf?! ES GEHT DICH EINEN DRECK AN!“  

Spikes Wange feuerte, aber er ließ sich nichts anmerken. Nicht einmal, dass ihm ihre Worte einen Stich versetzten. In diesem Moment klingelte es und er war schneller an der Türklinke als sie. 

Die Augen des Mannes vor der Tür weiteten sich unmerklich, als er in Spikes Gesicht blickte. Spike musterte ihn kurz, ehe er ein: „Hallo, du musst Riley sein“, durch die Lippen presste. Der junge Mann war größer als er selbst, auch etwas massiger gebaut, hatte braune kurze Haare und blaugraue Augen. Er sah sehr normal aus und lächelte freundlich. 

Riley nickte und blickte fragend zu Buffy. „Mein Bruder Spike“, knirschte diese und versuchte, Spikes Arm, mit dem er die Tür blockierte, beiseite zu schieben. 

„Hallo“, sagte Riley höflich und reichte ihm die Hand. „Nett, dich kennen zu lernen.“ 

Spike verzog den Mund über Rileys irritierten Blick. Sicherlich erfuhr er zum ersten Mal, dass es überhaupt einen Bruder gab.  

„Stiefbruder“, berichtigte Spike freundlich. „Buffy kommt gleich, sie war noch nicht ganz fertig mit anziehen." 

„Es reicht jetzt wirklich!“ kreischte Buffy, als er einfach die Tür vor Rileys Nase schließen wollte und blockierte mit ihrem Schuh die Schwelle. Jedenfalls tat sie so, denn Spike wusste, dass es nur ihre telekinetische Kraft war, die ein Schließen verhinderte.  

Sie kroch unter seinem Arm hindurch und hängte sich bei Riley ein. „Lass uns verschwinden. Er ist etwas... durchgeknallt...“ Sie deutete bezeichnend an ihre Stirn und Riley drehte sich noch einmal um, um Spike einen eigenartigen Blick zuzuwerfen. 

Spikes Augen folgten den beiden, während er überlegte, warum zum Teufel ihm das Bild so gar nicht gefiel. 

**************** 

Buffy schaffte es den gesamten Abend nicht, die Wut, die in ihr kochte, zu beseitigen. Es ging soweit, dass sie wirklich mit dem Gedanken spielte, Rileys unvermeidlich folgendes Angebot, noch mit zu ihm zu kommen, anzunehmen.  

Einfach nur, um Spike eins auszuwischen. Sie schaffte es kaum, sich auf den Film zu konzentrieren, weil ihr ständig durch den Kopf ging, wie sie ihm diese Frechheit heimzahlen könnte. 

Riley hatte sehr erstaunt reagiert, als sie ihm die Beziehung zu Spike erklärte und sich gewundert, dass sie nie vorher einen Stiefbruder erwähnt hatte. Aber er beruhigte sie und erklärte, sie würde einfach hinreißend in diesen Sachen aussehen. Ihr Bruder war sicherlich einfach nur besorgt. Wie es ältere Brüder meistens waren. 

„Ich bin 28“, hatte Buffy ihm vorgehalten. „Er hat sich bisher nie Gedanken darüber gemacht.“ 

Später, als sie noch in einer Bar saßen, hatte Riley gekichert und gemeint. „Vielleicht hat er noch nie festgestellt, was er für eine atemberaubend schöne Schwester hat und will nur das Beste und den Besten für dich.“ 

Buffy hatte lachen wollen, doch das Lachen war ihr in der Kehle stecken geblieben. Spike war der letzte, der sich um sie Sorgen machte. Oder?  Plötzlich war sie sich gar nicht mehr so sicher.  

Mit einem unguten Gefühl sah sie auf ihr Haus, als Rileys das Auto parkte. „Es war ein schöner Abend, Riley“, verabschiedete sie sich und gab ihm einen Kuss auf die Wange.  

Riley lächelte sie an. „Ja“, sagte er leise, legte den Arm um ihren Hals und zog sie an sich. „Fand ich auch.“ 

Buffy erstarrte unmerklich, als sich ihre Lippen berührten, obwohl sie wusste, dass im Moment nichts passieren konnte, da sie die volle Kontrolle über die mentale Blockade in ihrem Kopf hatte.  

Riley war ein netter Mann und etwas wie Traurigkeit fuhr durch ihren Körper, weil ihr aufging, dass es auch mit ihm nicht anders werden würde als mit den Männern vorher.   

Sie spürte seine Zunge, schloss die Augen, doch alles, an was sie denken konnte, war dass sie niemals das Leben haben konnte, dass sie sich so wünschte.  

Selbst sein Kuss ist nett, dachte sie wehmütig. Alles an ihm ist nett. Eigentlich der perfekte Mann. Nur bin ich nicht die perfekte Frau. 

Er löste seinen Kopf von ihr und seine Augen leuchteten. „Gute Nacht, Buffy. Ich rufe dich an.“ 

„Gute Nacht“, flüsterte sie, huschte aus dem Auto und flüchtete in das dunkle Haus, ehe sie anfangen würde zu weinen. 

Sie schloss leise die Haustür hinter sich und lauschte. Es war still und sie wollte gerade die Treppe zu ihrem Zimmer hinauf schleichen, als sie den schwachen Lichtschein auf der Veranda bemerkte. Ein Blick auf die Uhr sagte ihr, dass es halb zwei war und sie schlenderte durch das Wohnzimmer hinaus. 

Spike saß auf der Treppe zum Garten, lehnte am Geländer, die Augen halb geschlossen und zog an einer Zigarette. „Luv...“, begrüßte er sie gedehnt. 

Buffys Blick fiel auf die leere Flasche Bier neben ihm – sicherlich nicht die erste - und sie runzelte die Stirn. 

„Ich dachte, du wolltest dir den Verstand aus dem Kopf vögeln lassen?“ fuhr er fort, während er den Kopf gegen das Geländer lehnte und den Rauch in die Luft blies. „Sag bloß, er hat es abgelehnt?“ Dann kicherte er und Buffy kam zu der Ansicht, dass das bestimmt auch nicht die zweite oder dritte Flasche war. „Vergiss es, du brauchst nicht zu antworten. Ich weiß, dass er schon ganz heiß drauf war. Niedliches Küsschen übrigens...“ 

Buffy ohrfeigte sich selbst gedanklich dafür, überhaupt die Veranda betreten zu haben. Wortlos drehte sie sich um und ging. Seine Worte: „Hey, du kannst mir ruhig noch ein wenig Gesellschaft leisten“, hörte sie zwar noch, aber sie hatte für diesen Tag einfach genug von ihm.

Teil  3 

Wahrscheinlich hatte er vor, seine Kindheitstaten wieder aufleben zu lassen, denn er machte ihr das Leben zur Hölle.  

Fand Buffy.  

Spike behauptete, er wäre einfach nur freundlich. Aber da Buffy wusste, dass man die Worte freundlich und Spike niemals in einem Zusammenhang bringen durfte, weigerte sie sich, in irgendetwas, was er tat, Freundlichkeit zu sehen. 

Am nächsten Tag, ein Sonntag, traf sie sich mit Anya zum Kaffee und diese war ganz aus dem Häuschen, Spike einmal wieder zu sehen. Buffy musste zugeben, dass er sich in Anyas Gegenwart tatsächlich um Höflichkeit bemühte, doch sie sah sein verschmitztes Grinsen und wusste genau, dass er Anyas Gedanken genau so verfolgte wie deren Worte.  

Und sie hasste ihn dafür. Eben weil er ihr immer vorhielt, sie solle ihre Gaben auch für etwas Gutes einsetzen und dann selbst nicht einmal den ersten Mutantenkodex beachtete: Die Gedanken anderer Menschen sind tabu. 

Leider schaffte sie es nicht, Anya zu überreden, das Haus zu verlassen, da diese viel zu froh war, mit Spike zu schwatzen. Das trug nicht unbedingt zu einer Verbesserung von Buffys Laune bei.  

Mühsam bewahrte sie einen freundlichen Gesichtsausdruck, verabschiedete sich mit einer Umarmung von Anya, schloss die Tür und atmete tief durch, ehe sie sich zu dem belustigt grinsenden Spike umdrehte. 

„Ich. Hasse. Dich“, sagte sie langsam. „Du hättest wenigstens den Anstand besitzen und verschwinden können.“ 

„Warum denn?“ erkundigte er sich unschuldig. „Ich bin in Bezug auf Riley genau so neugierig wie Anya“, gab er sogar zu. „Hattest du mir nun eigentlich erzählt, ob du schon mit ihm im Bett warst?“ 

Sie warf ihm einen vernichtenden Blick zu, stürmte an ihm vorbei die Treppen hinauf und er hörte ihre Tür knallen.  

Er zuckte nur mit den Schultern. Giles war ein wenig blauäugig, wenn es um Buffy ging.  

Er hatte sich schon nach der ersten Begrüßung den Gedanken abgeschminkt, dass sie jemals wieder darüber nachdenken würde, ihre Kräfte für andere zur Verfügung zu stellen.  

Eigentlich war sein ganzer Aufenthalt hier Schwachsinn, aber Giles hatte darauf bestanden und ihm nahe gelegt, es zumindest zu versuchen. Spike war jetzt der Meinung, sich genügend Mühe gegeben zu haben.  

Dann ging ihm auf, dass er erst drei Tage hier war und seufzte wieder. Nun, einen Versöhnungsversuch konnte er ja noch starten. 

Buffy fiel aus allen Wolken, als es an ihre Zimmertür klopfte und die Tür im nächsten Moment aufging, ohne dass sie geantwortete hatte.  

Sie stand nur in Slip und BH vor dem Spiegel, das T-Shirt, das sie gerade anziehen wollte in der Hand und starrte fassungslos auf die Tür, die aufschwang. 

„Luv, was hältst du davon, wenn wir heute Abend…“ Er vergaß alles, was er sagen wollte, als er sie vor dem Spiegel stehen sah. Wenn schon die gestrige Kleidung nicht viel verborgen hatte, so ließ der jetzige Anblick keine Vorstellung mehr offen.  

Verschwinde aus dem Zimmer! schrie eine Stimme in seinem Kopf, aber er konnte sich nicht rühren, geschweige denn wegschauen oder sich bewegen. Es war weiße einfache Spitzenunterwäsche, nichts hocherotisches, eher bequem und trotzdem fühlte Spike, wie sein Mund trocken wurde und seine Hose zu eng.  

Das ist Buffy! nervte die Stimme in seinem Kopf weiter, doch seine Augen hingen an den schlanken gebräunten Beinen, dem straffen Bauch und den kleinen Brüsten, die in dem BH steckten und ein niedliches Dekollete bildeten. 

Wenn Buffy nicht schon so wütend gewesen wäre, hätte sie vielleicht das Durcheinander in seinem Gesicht bemerkt. So aber vergaß sie, dass sie fast nichts anhatte, ließ das T-Shirt fallen und hatte sich im nächsten Moment auf ihn gestürzt.  

Sie bemerkte nicht einmal das Fehlen einer Gegenreaktion. Ihre Finger griffen sein T-Shirt, ihre telekinetischen Kräfte hoben ihn an und warfen ihn gegen die Wand und sie schrie außer sich:  

„Das hier ist mein Zimmer! Du hast hier drin nichts zu suchen! Du bist nicht erwünscht! Ich will dein blödes Gesicht nicht hinter meiner Tür sehen!“ Ihre Stimme überschlug sich fast, doch sie war noch lange nicht fertig. „Und du hast schon gleich gar nicht hier herein zu kommen, ohne dass ich es erlaubt habe! Du hast gar nicht hier herein zu kommen! Dieses Zimmer ist für dich eine verbotene Zone! VERSTANDEN!?“ 

Spike starrte sie einfach nur an. Er hob nicht einmal seine Hände, um sie von sich zu schieben, weil er sie dann hätte berühren müssen und sich plötzlich selbst nicht mehr vertraute.  

Allerdings schaffte er zu sagen: „Ja.“ Und es klang fürchterlich. 

Buffy ging langsam auf, dass er sich komisch benahm und runzelte die Stirn. „Schön“, meinte sie bedeutend ruhiger. „Und jetzt raus hier!“ Sie ließ ihn los und ihre Augen wurden groß, als er einfach nur zur Tür ging. 

An der Tür fiel ihm ein, dass das ein wirklich beschämenswerter Abgang für ihn war und er drehte sich noch einmal kurz um. Ein Hauch seines berüchtigten Grinsens erschien auf seinem Gesicht.  

„Nette Unterwäsche. Gefällt mir.“ Er schloss schnell die Tür, ehe sie ihm etwas an den Kopf werfen konnte, und flüchtete ins Bad. 

Dort angekommen, verriegelte er die Tür, lehnte sich von innen dagegen und schloss einen Moment schwer atmend die Augen.  

Scheiße. Scheiße. Scheiße. Was ist nur mit mir los?  

Das war Buffy, die einzige Frau auf dieser Welt, die er niemals flachlegen würde. Wollte, korrigierte er sich selbst. Er wollte sie niemals flach legen, weil sie der einzige Mensch war, der verstand, was es für einen Telepathen bedeutete, den Moment zu erleben, an dem es nicht mehr möglich war, die mentale Blockade aufrecht zu erhalten und man mit den Gedanken der jeweiligen Person konfrontiert wurde.  

Ob man es nun wollte oder nicht. Mutanten verbargen ihre Gedanken voreinander, da sie eine willentliche Blockade errichten konnten, aber spätestens, wenn die Leidenschaft einen Telepathen übermannte, war es damit vorbei. 

Leise fluchend starrte er seinen Körper hinab und schüttelte unwillig den Kopf. Das Beste wäre jetzt wahrscheinlich eine kalte Dusche, ehe Buffy bemerkte, was mit ihm los war.  

Das Bild ihres schlanken Körpers, nur von diesem weißen Nichts bedeckt, stieg in ihm auf und er fluchte wieder. Vielleicht war sein letzter Sex zu lange her, aber außerhalb seines gewöhnlichen Urlaubs legte er es nicht unbedingt darauf an, eine Frau kennen zu lernen, der er dann vielleicht laufend über den Weg lief.  

Die kalte Dusche war sicherlich die beste Lösung. Er warf seine Kleidung zu Boden, drehte das Wasser auf und verschwand in der Duschkabine. Einen Moment schloss er die Augen, ließ das kalte Wasser seinen Körper hinab strömen und registrierte erfreut ein Abklingen seiner Erregung. 

Dann hörte er ein metallisches Klicken und erstarrte, weil er genau wusste, dass ein Telekinet den Riegel der Badtür öffnete. Durch die milchigen Scheiben der Duschkabine sah er, wie sich die Tür öffnete und grub seine Zähne in seine Unterlippe. 

Das wird sie nicht wagen. Oder? 

„Spike?“ fragte sie fröhlich und er wünschte sich, sie irgendwann schon einmal erwürgt zu haben. „Mir fiel gerade ein, dass du mir gar nicht gesagt hast, was du eigentlich in meinem Zimmer wolltest.“ 

Er antwortete erst, als er seine Stimme wieder unter Kontrolle hatte. „Das Bad ist wohl kein Tabuzimmer? Gut zu wissen!“ 

Sie lachte und er überlegte, ob sie wirklich die Frechheit besitzen und die Duschkabine öffnen würde. Er hatte keine Ahnung, wie er dann reagieren würde. „Was wolltest du nun?“ 

„Ich hatte die blöde Idee, mit dir Essen gehen zu wollen“, knurrte er zwischen den Zähnen hindurch. 

„Oh“,  machte sie. „Du und ich? Ein Date?“ 

Es sollte eher ein Versöhnungsessen sein, aber im Moment war er der Meinung, dass es jemanden anderes gab, der sich versöhnen sollte. „Kein Date!“ fuhr er sie an. „Nichts weiter als ein Abendessen.“ 

Sie lachte wieder und klopfte gegen die Scheibe der Duschkabine. „Was denkst du, Spike? Soll ich auch mal einen Blick riskieren? Ich meine, nur mal kurz…“ Er antwortete nicht und Buffy kicherte, weil sie sich sicher war, dass er sich in diesem Moment ans andere Ende der Welt wünschte. Und sich sicherlich mehr als alles andere die Gabe der Teleportation. 

„Tu es nicht, Luv“, hörte sie ihn dann leise. 

 „Gleiches Recht für alle“, erwiderte sie vergnügt und öffnete die Tür der Duschkabine.  

Sie ist wirklich ein verdammtes Aas.  

Spikes Hände ballten sich zu Fäusten und er zwang sich gewaltsam, einfach ruhig zu bleiben und so zu tun, als wäre es die natürlichste Sache der Welt, dass Buffy ihn nackt in der Duschkabine betrachtete.  

Eine gewisse Befriedigung machte sich allerdings schon in ihm breit, als ihr spöttisches Grinsen erlosch und ihre Augen seinen Körper abwärts wanderten. Nur kurz und als sie sie wieder zu seinem Gesicht hob, zierte eine herrliche Röte ihre Wangen. 

Trotzdem klang ihre Stimme normal. „Netter Anblick“, murmelte sie, schloss die Tür wieder und verließ das Bad in der Hoffnung, dass es nicht wie eine Flucht aussah.  

Erst in der Küche lehnte sie sich gegen den Tisch und atmete tief durch, um ihr klopfendes Herz zu beruhigen. Und ein breites Lächeln huschte über ihre Lippen, als sie sich an sein ausdrucksloses Gesicht erinnerte. 

*************** 

Sie gingen nicht Essen. Buffy hörte irgendwann später die Haustür knallen und wusste, dass er gegangen war.  

Was sie allerdings nicht wusste, war, warum sie sich darüber ärgerte. Und er kam erst wieder, als sie schon im Bett lag. 

Zum Glück konnte sie ihm am nächsten Tag aus dem Weg gehen, weil sie arbeiten musste. Ihr Chef, Wesley Whyndham-Price, empfing sie gleich mit den Worten. „Buffy, warum hast du nicht gesagt, dass dein Bruder zu Besuch kommt? Du hättest Urlaub einreichen sollen. Ihr habt euch doch sicherlich eine Menge zu erzählen.“ 

Buffy warf Riley einen bösen Blick zu, der so tat, als wäre er an seinem Schreibtisch hoch beschäftigt. Dann lächelte sie Wesley an. „Wir kommen nicht so gut miteinander klar. Ich gehe lieber auf Arbeit“, antwortete sie höflich und beschloss, spätestens in der Mittagspause ein ernstes Wörtchen mit dem geschwätzigen Riley zu reden.  

Trotz Wesleys Versicherung, dass sie hätte Urlaub nehmen können, war ihr Schreibtisch so mit Arbeit zugebaut, dass sie es erst gegen sieben schaffte, aus dem Büro zu kommen.  

Sie machte einen kurzen Zwischenstopp bei ihrem Lieblingschinesen, weil sie sich nicht schon wieder auf das Essen stürzen wollte, dass Spike sicherlich gekocht hatte.  

Er war im Wohnzimmer, aber Buffy rief nur einen kurzen Gruß hinein und verschwand im Obergeschoss. Komischerweise roch es nicht nach Essen und sie beglückwünschte sich zu der Idee, bei dem Chinesen vorbeigeschaut zu haben.  

Sie duschte kurz, zog sich ein paar legere Sachen über und ging wieder zurück ins Wohnzimmer. Schließlich war das ihr Haus und sie hatte keine Lust, sich von ihm in ihr Zimmer vertreiben zu lassen. 

Spike lag auf der Couch – auf ihrem Platz! - und las ein Buch. Buffy schaltete den Fernseher an. 

„Das ist mein Platz“, erklärte sie ruhig und blieb vor ihm stehen. 

Spike sah kurz hoch. „Heute ist es halt meiner“, meinte er nur trocken und seine Augen vertieften sich wieder in das Buch. 

„Scher dich in den Sessel!“ 

Er verzog, ohne sich zu rühren, grinsend den Mund.  

Und rollte im nächsten Moment von einer unsichtbaren Kraft bewegt von der Couch. Mit einem dumpfen Knall landete er auf dem Fußboden und beobachtete fassungslos, wie Buffy über ihn hinweg sprang und sich mit einem Lachen auf der Couch ausstreckte. 

 „Das ist kindisch“, sagte Spike von seinem Platz auf dem Fußboden aus und hob den Kopf.  

Buffy drehte sich zur Seite, so dass sie den Fernseher sehen konnte und lachte wieder. „Na und?“   

Spike stand langsam auf und seine Augen verengten sich. Er blieb vor der Couch stehen und blickte auf Buffy hinab, die ihn zur Seite schieben wollte, noch immer sein Buch in der Hand. 

„Geh weg. Ich sehe nichts“, schimpfte sie.  

Sein Mund verzog sich zu einem hinterhältigen Grinsen. Im nächsten Augenblick fuhr die Couch mit einem lauten Geräusch aus und die Lehne klappte nach hinten.  

Buffy fuhr hoch und sah ihn verdattert an. „Was soll das jetzt?“ 

Gelassen ging er um die Couch herum, lies sich auf der anderen Seite fallen, stopfte sich ein Kissen unter den Kopf und schlug sein Buch wieder auf.  

„Mach, dass du in den Sessel kommst!“ fauchte Buffy gereizt und versuchte, ihn diesmal von der Couch zu schieben.  

Spike schlug ihr das Buch gegen die Stirn. „Hier ist Platz genug für uns beide! Also hör endlich auf, dich so kindisch zu benehmen!“ Sie riss ihm das Buch aus der Hand und wollte es zur Seite werfen, doch er erkannte ihr Vorhaben und fing ihr Handgelenk, ehe das Buch in hohem Bogen durchs Zimmer flog. „Vergiss es!“ 

„Eww!“ Buffy schlug mit ihrer freien Hand auf ihn ein. Natürlich war es kindisch, aber plötzlich erinnerte sie sich wieder an genau solche Situationen in ihrer Jugend, in denen weder er noch sie einen eroberten Platz aufgeben und keiner von beiden nachgeben wollte. Egal wie kindisch es also war, sie würde jetzt nicht nachgeben. 

Spike fing an zu lachen, als sie mit diesen kleinen Fäusten auf ihn eindrosch und das Lachen putschte Buffys Wut nur noch höher. Wie eine Furie stürzte sie sich auf ihn, nahm kaum wahr wie er ihr das Buch aus der Hand zerrte und es nur neben der Couch fallen lies, weil sie mehr damit beschäftigt war, ihr Körpergewicht einzusetzen, um ihn von der Couch zu stoßen. 

„Hör auf“, murmelte er belustigt, während er fast spielerisch ihre Schläge abwehrte.  

„Was findest du eigentlich so lustig?“ knurrte sie erbost und trat wütend nach ihm, weil er beide ihrer Handgelenke in einem festen Griff gefangen hielt. Sie warf sich gegen ihn und lachte gehässig, als er aufstöhnte. 

Spike fand es plötzlich gar nicht mehr so lustig, weil sich ihr Körper gegen ihn presste und Bilder, die er verdrängt hatte, in seinen Kopf stiegen – sie in diesen niedlichen Dessous.  

Er konnte ihre Hände nicht loslassen, weil er genau wusste, dass sie auf ihn einschlagen würde und fluchte leise, als sie sich mit der Stirn auf seiner Brust abstützte, um die Balance nicht zu verlieren, während ihre Beine ihn umklammerten. Es war überhaupt nicht gut, weil er mit jedem seiner Sinne wahrnahm, dass sich diese verrückte Person auf ihn setzte, wütend an ihren Händen zerrte und ihn böse anfunkelte.  

„Das ist meine verfluchte Couch!“ fauchte sie und beugte sich über ihn. Sie zerrte an ihren Händen, doch er ließ nicht los. Allerdings war das dämliche Grinsen aus seinem Gesicht verschwunden und Buffy registrierte das mit Genugtuung. „Du kannst nicht hier aufkreuzen und mein Leben durcheinander bringen!“ 

Spike sagte sich, dass er schnellstens etwas tun sollte, ehe sie merkte, dass ihm diese Position besser gefiel als sie sollte. Darüber, warum das so war, wollte er gleich gar nicht nachdenken. Außerdem nahm er an, dass sie durchdrehen würde.  

Deshalb bäumte er sich auf, schlang seine Arme, ohne ihre Handgelenke los zu lassen, um sie und warf sie zur Seite. Natürlich war es nicht viel besser, dass es jetzt sein Gewicht war, das sie in die Polster drückte, aber zumindest konnte sie durch ihr Gezappel jetzt keinen Schaden mehr anrichten. 

„Runter von mir!“ kreischte sie hysterisch auf. „Geh sofort runter von mir!“ 

So herum war es eigentlich keinen Deut besser. „Hör endlich auf!“ knirschte er zwischen den Zähnen hindurch und im nächsten Moment kollidierte ihre Stirn mit seinem Kiefer. Der scharfe Schmerz beseitigte einen Teil der Probleme, mit denen sein Körper kämpfte. „Buffy!“ Ehe sie das gleiche noch einmal tun konnte, ließ er eines ihrer Handgelenke fahren und krallte seine Hand in ihre Haare. „Es reicht jetzt!“ schrie er sie an. 

Und etwas änderte sich.  

Buffy erstarrte, als ihr bewusst wurde, dass sie unter seinem Körper gefangen war und sich sein Gesicht nur noch wenige Zentimeter von ihrem entfernt befand. Ihr Mund wurde trocken. Sein Griff in ihren Haaren fixierte ihren Kopf, so dass sie ihn nicht bewegen konnte und plötzlich sah sie neben dem Zorn in seinen Augen noch etwas anderes.  

Verlangen? Sie schluckte krampfhaft. Das konnte nicht sein. Nicht bei ihm.  

Er rührte sich genau so wenig, starrte sie nur an und Buffy fragte sich, was sie tun würde, wenn er sie jetzt küssten würde. Seine Augen wanderten zu ihren Lippen und ihr Herz machte einen Satz. Oh Gott! Er würde das nicht wirklich tun, oder?  

Mit einem Fluch ließ er ihre Haare gehen, warf sich zur Seite und die angehaltene Luft wich aus Buffys Lungen. Ihr Herz hämmerte noch immer wie verrückt gegen ihre Brust und sie wagte eine ganze Weile nicht, sich zu rühren. 

Spike starrte zur Decke und fuhr sich fast nervös durch die Haare. Hatte er jetzt tatsächlich darüber nachgedacht, wie es wäre, sie zu küssen? Krampfhaft bemühte er sich, ruhig und gleichmäßig zu atmen und hoffte, dass sie das Durcheinander, das in ihm herrschte, nicht bemerkte. Als er sich sicher war, dass seine Stimme ihm wieder gehorchte, langte er nach dem Buch neben der Couch, richtete das Kissen hinter seinem Kopf neu und murmelte leise: „Die Couch ist breit genug für uns beide!“ 

Buffy antwortete nicht. Sie drehte ihm den Rücken zu, so dass sie wieder in den Fernseher sehen konnte und schwor sich, ihn einfach zu ignorieren.  

Warum nur hämmerte ihr Herz noch immer so bescheuert?!

Teil 4 

Spike konnte sich nicht auf sein Buch konzentrieren, auch wenn er es vorgab. Er verstand einfach nicht, was plötzlich mit ihm los war.  

Jetzt, nachdem Buffy wieder in einer normalen Entfernung neben ihm lag, war ihm völlig unklar, weshalb sein Körper vor wenigen Minuten noch so auf sie reagiert hatte.  

Schließlich kannte er sie fast sein ganzes Leben und hatte nie eine derartige Anwandlung verspürt. Gut, in gewisser Weise mochte er sie schon, manchmal einfach, weil es solchen Spaß machte, mit ihr zu streiten und man sie so herrlich zum Explodieren bringen konnte. Aber niemals auf eine sexuelle Weise.  

Und er durfte es auch nicht. Weil er genau wusste, dass ab diesem Moment kein freundschaftliches Verhältnis zwischen ihnen mehr möglich wäre. 

Es musste eine Stunde vergangen sein, in der Buffy, ohne ein Wort von sich zu geben, einen kitschigen Liebesfilm verfolgte, und Spike feststellte, dass dieses Schweigen fürchterlich war. 

„Luv?“ erkundigte er sich vorsichtig. 

„Was?“  

Sie klang noch immer gereizt. Zum Glück redete sie wenigstens mit ihm. Aber eigentlich sollte er sauer sein, weil sein Kiefer wehtat. „Wir... sollten uns vielleicht unterhalten?“ 

Buffy zuckte zusammen. „Worüber?“ fragte sie erschrocken. 

Er runzelte die Stirn. Wieso klingt *sie* erschrocken? „Ich werde meinen Urlaub hier verbringen. Ich weiß, dass du noch immer böse auf mich bist... wegen dieser Geschichte vor neun Monaten. Vielleicht wäre es gut, da einfach mal reinen Tisch zu machen.“ 

Puh. Buffy hätte am liebsten erleichtert geseufzt. Für einen Moment hatte sie geglaubt, er wolle von der komischen Szene vorhin anfangen. Aber eigentlich gab es keinen einzigen Grund, darüber zu sprechen. Was auch?  

„Ich finde nicht“, gab sie kühl zurück. 

„Ich möchte, dass du verstehst, warum ich so und nicht anders handeln konnte“, sagte er leise. 

Sie drehte sich zu ihm um. „Ich will es nicht verstehen.“ 

Spike hatte sein Buch zur Seite gelegt und sah sie in der gleichen Position an wie sie ihn, nur spiegelverkehrt, den Kopf auf den angewinkelten Arm gelegt. „Ich wollte dir nicht wehtun.“ 

Buffy lachte hart auf. „Spike“, sagte sie ernst. „Der körperliche Schmerz war das wenigste. Ich war sowieso gleich ausgeschaltet. Schlimmer war es aufzuwachen und zu wissen, was du getan hast. Es tat weh...“ Sie hob ihre Hand und ihre Finger klopften gegen ihre Brust. „Hier drin, Spike... weil ich dir vertraut habe. Und du hast mich verraten.“ 

Er schwieg eine Weile. Damit hatte er zu allerletzt gerechnet. „Dieses Kind“, begann er dann langsam, „war eine tickende Zeitbombe. Er war 12 Jahre alt und hatte einundzwanzig Menschen getötet. Mit einem einzigen Gedanken.“ 

Buffy schluckte. „Er war ein Kind. Niemand hat das Recht, ein Leben zu nehmen. Es bestand immer die Möglichkeit, ihn zu therapieren.“ 

„Wir tragen eine große Verantwortung, Luv. Dieses Kind nach SECRET ONE zu bringen, hätte bedeutet, das Leben Hunderter von Menschen zu riskieren. Ich habe viele potentielle Mutanten gesehen. Keiner von denen hat das Erwachsenenalter erreicht. Und keiner von denen hatte eine Macht, wie sie dem jungen Warren zur Verfügung stand. Er stand am Anfang seiner Entwicklung und trotzdem am Ende, weil er jegliche moralische Bedenken schon verloren hatte. Wir haben verhindert, zehn Jahre später gegen einen Supermutanten zu kämpfen.“ 

„Es war Mord. Eine halbe Armee wurde ausgeschickt, um ein Mutantenkind zu töten.“ 

„Nein, Luv“, sagte er sanft. „Ich war es. Ich habe ihn getötet.“ Er sah die Fassungslosigkeit in ihrem Blick, doch es hatte keinen Sinn, ihr das zu verschweigen. 

Buffy starrte ihn eine Weile geschockt an, als könne sie nicht glauben, was sie gerade gehört hatte. „Aber“, brachte sie dann hervor. „Du warst bei mir…und die Armee schon unterwegs…“ 

„Die Armee war die Ablenkung. Niemand erreicht einen telepathisch begabten Mutanten, ohne dass dieser es merkt. Nur ein Mutant. Ich war geblieben, weil ich auf deine Unterstützung hoffte“, sagte er ruhig und gab nicht einmal sich selbst gegenüber zu, dass ihm das Entsetzen in ihren Augen weh tat.  

Ihre Unterstützung hatte er natürlich nie bekommen. „Warum?“ Buffys Stimme klang erstickt. „Es gibt Medikamente, um ihn ruhig zu stellen. Psychologen… man hätte mit ihm reden können…“ 

„Nein“, antwortete er ruhig, aber mit einem Ernst in der Stimme, den Buffy an ihm nicht kannte. „Um einen Mutanten ruhig zu stellen, benötigt man derart viele Drogen, dass er nicht mehr ansprechbar ist. Du weißt das. Man hatte nur die Wahl zwischen, ihn zu töten oder ihn für den Rest seines Lebens in einen durch Drogen initiierten Dämmerzustand zu versetzen, bei dem immer die Gefahr bestand, dass sein Hirn die Fähigkeit entwickelt, die Drogen zu blockieren. Die Entscheidung darüber lag in Ruperts Händen und ich wollte in diesem Fall nie mit ihm tauschen.“ 

„Du hast den Befehl ausgeführt.“ Noch immer wirbelte es in ihrem Kopf durcheinander. Er hat getötet… Buffy war vollkommen klar, dass seine Arbeit als Spezialagent auch Töten einschloss. Er trug eine Waffe. Und er *war* eine Waffe. Eingesetzt im Auftrag der Regierung. Aber erst jetzt wurde ihr bewusst, was es wirklich bedeutete. 

Spike nickte. „Habe ich.“ Seine Augen ließen ihr Gesicht nicht los. „Ich habe gewusst, dass meine Worte damals nicht zu dir durchdrangen. Ich hatte Angst, dass du Himmel und Hölle in Bewegung setzt und dich selbst bei dem Versuch in Gefahr bringst, dieses Kind zu retten.“ 

„Ich hätte es“, flüsterte sie erstickt. Ich hätte es und vielleicht wäre ich bei dem Versuch gestorben… vielleicht hat er Recht, aber ich hätte es trotzdem getan. 

„Ich weiß.“ Er sagte eine Weile nichts mehr und Buffy auch nicht. Dann seufzte er. „Es tat mir genau so weh wie dir.“ 

Buffy verzog den Mund, doch es wurde nur ein klägliches Lächeln. „Lügner.“ Vielleicht hat mir sein Handeln das Leben gerettet… Aus dieser Perspektive hatte sie es noch nie gesehen und sie war weit davon entfernt, das jetzt zuzugeben.  

Er zuckte mit den Schultern. „Glaub es oder lass es. Ich wollte es zumindest gesagt haben.“ 

„Du hast dich liebend gern mit mir geprügelt“, erinnerte sie ihn. 

„Du hast meistens angefangen“, hielt er dagegen.  

Buffy lachte leise und drehte sich wieder um. „Ich werde mir mal noch das Ende von dem Film ansehen.“ 

Spike lächelte, fühlte sich unerklärlicher Weise seltsam beruhigt und griff wieder nach seinem Buch.

 

************

 

Buffy erwachte am nächsten Morgen mit dem Gefühl, dass irgendetwas nicht stimmte. Dann schlug sie die Augen auf und fuhr erschrocken hoch.  

Jedenfalls wollte sie das, aber unerklärlicherweise hatte sich ein Arm um ihre Taille geschlungen, der sie fest hielt. Sie lag noch immer auf der Couch und um zu sagen, zu wem der Arm gehörte, musste sie nicht lange nachdenken. 

„Scheiße. Scheiße. Scheiße“, flüsterte sie und sah auf die Uhr, die noch immer an ihrem Handgelenk hing. Halb Zehn. Sie hätte schon vor eineinhalb Stunden im Büro sein müssen. 

„Was ist denn?“ brummte Spikes Stimme neben ihr. 

„Lass mich endlich los, du Idiot“, zischte sie leise und versuchte zu ignorieren, dass er sich auch noch an ihren Rücken kuschelte. 

Spikes Kopf fuhr hoch. „Buffy?“ fragte er total durcheinander und blickte fassungslos auf seinen Arm, der um ihre Taille geschlungen war. 

„Wer denn sonst!“ schimpfte sie und richtete sich auf.  

Er ließ sie los und fuhr sich durch die Haare. „Wir sind wohl eingeschlafen…“ 

„Ach ja?“ giftete sie. „Wäre ich gar nicht drauf gekommen! Ich habe verschlafen! Ich habe noch nie verschlafen!“ Hektisch sprang sie auf und hastete zur Treppe in Richtung Bad. 

„Melde dich doch einfach krank“, rief er ihr hinter her und sank wieder auf die Couch zurück. Jetzt erinnerte er sich wieder, irgendwann das Buch zur Seite gelegt zu haben.  

Doch er war zu müde, um aufzustehen und Buffy kicherte noch immer leise über den dämlichen Film. Er hatte sich gesagt, sie werde ihn schon wecken und kurz die Augen geschlossen. Wahrscheinlich war sie auch eingeschlafen.  

Warum er sie allerdings am Morgen im Arm hatte, war ihm vollkommen unbegreiflich. Wenn er eine Frau in seinem Bett haben wollte, konnte er eine Menge Schwachsinn tun, aber nie, aber auch wirklich nie, war er danach neben ihr eingeschlafen und hatte diejenige auch noch im Arm gehalten.  

Der eiskalte Guss, der ihn jedes Mal erwischte, wenn er mit den Gedanken der Frau konfrontiert wurde, hatte immer dafür gesorgt, dass er schleunigst das Weite suchte.  

Nun gut, mit Buffy hatte – und würde! – er nie schlafen, vielleicht beruhigte das sein Unterbewusstsein und ließ ihn solch dumme Dinge, wie jemandem im Arm halten, tun? 

Das Telefon klingelte. Spike erhob sich ächzend und nahm den Hörer ab. „Ja?“ 

„Mein Name ist Wesley Whyndham-Pryce. Ich bin Buffys Vorgesetzter und wundere mich, was los ist. Spreche ich mit ihrem Bruder?“ 

„Stiefbruder“, korrigierte er automatisch. „Ja. Spike, meine Name ist Spike.“ Sein Blick huschte zur Treppe, doch von Buffy war weit und breit nichts zu sehen. „Buffy … fühlt sich nicht sonderlich wohl. Vielleicht eine Magenverstimmung. Ich habe gesagt, sie soll heute zu Hause bleiben, aber sie will partout noch los.“ 

Wesley am anderen Ende lachte. „Ja, unsere Buffy. Hören Sie zu, Spike, sagen Sie ihr, sie soll sich ins Bett legen.“ 

Sie wird mir eine kleben, ging es Spike belustigt durch den Kopf. „Ich weiß nicht…“ 

„Ich wundere mich sowieso, warum sie keinen Urlaub wollte, wenn Sie sie so unverhofft besuchen. Wenn sie möchte, gebe ich ihr den Rest der Woche frei.“ Wesley wurde durch eine andere Stimme im Hintergrund unterbrochen. „Schönen Gruß von Riley und sie soll sich auskurieren, er kümmert sich um die wichtigsten Sachen.“ 

„Ich sage es ihr.“ 

Wesley verabschiedete sich und legte auf. Spike starrte noch einen Moment auf den Hörer, als er Buffy die Treppe herunter gestürzt kommen sah.  

„Wer war es?“ 

„Dein Chef.“ 

„Shit“, fluchte sie, sah kurz in den Flurspiegel und fluchte wieder.  

Spike fing an zu grinsen, als er sie an den heute recht wüst aussehenden Haaren herumzupfen sah. „Hör auf, Stress zu machen, du hast frei. Den Rest der Woche, wenn du möchtest.“ 

Buffy sah ihn an, als hätte er den Verstand verloren und er klärte sie kurz über das stattgefundene Gespräch auf. Allerdings fand sie seine Idee nicht so gut wie er selbst noch vor einigen Minuten.  

„Spinnst du eigentlich?“ fragte sie erbost.  

Spike schickte mal wieder ein Stoßgebet zum Himmel, weil sie schon auf dem Weg zur Haustür war. Sie kreischte erschrocken auf, als er einfach seine Arme um sie schlang, hoch hob, ins Wohnzimmer trug und sie dort absetzte. Buffy fuhr herum, doch er blockierte die Tür. „Du bist krank. Ich soll dafür sorgen, dass du ins Bett kommst“, erklärte er mit seinem berühmten Grinsen.  

Er hatte es nicht zweideutig gemeint, aber als er die Röte sah, die in ihr Gesicht schoss, wurde ihm warm. Das. War. Gar. Nicht. Gut.   

„Wie wäre es mit frühstücken?“ schlug er diplomatisch vor, auch um sich selbst von irgendwelchen komischen Gedanken abzulenken. 

Buffy hätte sich am liebsten selbst geohrfeigt. Seit wann wurde sie rot? Er reagierte nicht darauf und das wunderte sie mehr als alles andere. Er ließ doch sonst keine Möglichkeit aus, sich über sie lustig zu machen. Doch sie folgte ihm in die Küche, als er voraus ging. 

************* 

Buffy hatte lange nicht so gefaulenzt. Da Spike am Telefon gelogen hatte, wollte sie niemandem begegnen, denn in einer solch kleinen Stadt wie Sunnydale konnte das ihren Chef schneller erreichen als ihr lieb war. Sie verkroch sich den halben Tag im Garten im Liegestuhl und las, während Spike an den Strand ging.  

Es war gegen Abend, als er wieder kam. Sie hatte sich gerade aufgerafft, um ein wenig Ordnung im Haus zu machen. 

„Hast du es dir überlegt?“ fragte er, kaum dass er das Haus betreten hatte. „Nimmst du auch Urlaub? Ruf ihn an, Luv.“ 

Buffy sagte sich, dass es eine saublöde Idee war. Ihr Blick folgte ihm, als er die Treppe zum Bad hinauf stieg. Seine Haare waren noch immer nass. Er hatte sich nur ein T-Shirt über gezogen, als er den kurzen Weg vom Strand herauf kam, und ihr Blick wanderte über seine gebräunten muskulösen Beine und blieb an seinem festen Hintern hängen, der durch die Badehose gut zu erkennen war. Sie hörte die Tür zum Bad gehen und seufzte wieder. Seit wann registrierte sie irgendetwas an ihm?  

Ich sollte mich mit Riley verabreden, ging es ihr durch den Kopf. Schnellstens.

Als sie jedoch den Hörer in der Hand hielt, wählte sie die Nummer ihres Büros. Wesley freute sich, dass es ihr besser ging und meinte, es wäre kein Problem, wenn sie die Woche frei nahm. Doch sie lehnte es ab und sagte, sie würde am nächsten Tag wieder zur Arbeit kommen. Dann beendete sie die Verbindung und lehnte ihre Stirn einen Moment seufzend gegen den Rahmen der Tür.  

Spike schien blendende Laune zu haben, als er wieder die Treppe herab kam. “Hast du Hunger, Luv?“ 

„Nein“, murrte sie unwillig. „Seit du hier bist, esse ich nur noch.“ 

„Schön“, antwortete er vergnügt. „Vielleicht kriegst du ja endlich was auf die Rippen.“ 

Buffy fühlte schon wieder eine unerklärliche Rage in sich aufsteigen. „Ich bin mit meiner Figur sehr zufrieden!“ 

Spike lachte, schlug ihr im vorbeigehen gegen die Stirn und feixte. „Du bist herrlich leicht auf die Palme zu bringen. Gehen wir Essen?“ 

„Nein!“ Sie drängelte an ihm vorbei in die Küche und öffnete den Kühlschrank. „Wenn du so scharf auf Essen gehen bist, such dir doch irgendeine Tussi. Du bist doch sonst in der Hinsicht nicht verlegen.“ Es war nicht mehr viel da von dem, was Spike eingekauft hatte, aber es würde reichen. 

Spike ließ sich auf dem zweiten Küchenstuhl fallen und griff nach dem Brot. „Vielleicht sollte ich das tun“, gab er ihr Recht. „Aber eigentlich wollte ich mich lieber mit dir unterhalten.“ 

Buffy schnaubte sehr undamenhaft. „Du sollst mich überreden, wieder für euren Verein zu arbeiten.“ Es war eine Feststellung. „Das wird nicht passieren. Egal wie nett du versuchst zu sein!“ 

Er runzelte die Stirn. „Du findest, ich bin im Moment nett?“ 

„Nein!“ fuhr sie wieder auf und er grinste. „Du bist anders als sonst. Und das macht mich misstrauisch!“ 

„Besser?“ bohrte er und hob die Augenbrauen.  

Buffy lachte auf. „Glaub nur nicht, dass du aus meinem Mund jemals ein Kompliment hören wirst.“ 

„Schade.“ Er lehnte sich zurück und trank aus der Wasserflasche. „Was ist nun eigentlich? Warst du mit ihm im Bett?“ Er hatte es schon immer geliebt, sein Gegenüber durch einen plötzlichen Themenwechsel aus dem Konzept zu bringen. Besonders gern sie. Und noch besser gefiel ihm, dass sie schon wieder rot wurde. Er konnte sich gar nicht erinnern, dass sie diese Neigung früher schon gehabt hatte, er hätte sie sicherlich damit aufgezogen. „Bedeutet die Farbe in deinem Gesicht ja oder nein?“ fragte er scheinheilig. 

Buffy holte tief Luft. „Mein Privatleben geht dich einen Scheißdreck an“, sagte sie leise. „Ich frage dich auch nicht, ob du mit Wie-auch-immer-sie-gerade-heißt im Bett warst.“ 

„Brauchst du auch nicht“, kicherte er. „Wenn ich mit einer Frau ausgehe, werde ich auch mit ihr ins Bett gehen. Das ist der einzige Grund, warum ich mit ihr ausgehe.“ Sie funkelte ihn an und er setzte noch hinzu. „Ich wette, du hast es noch nicht getan. Du schiebst es hinaus, weil du weißt, dass es damit endet, dass du ihn nicht mehr sehen willst.“ 

Buffy sprang auf und knallte das Besteck auf den Tisch. „Ich hasse dich!“ schrie sie zornig und stürzte aus der Küche.

Teil 5 

Buffy redete den ganzen Abend nicht mit ihm und am Morgen war sie verschwunden, ehe er aufstand.  

Trotz der Arbeit war ihre schlechte Laune noch nicht ganz verschwunden, als sie gegen Abend heim kam. Sie wusste nicht, was Spike den ganzen Tag trieb und sie wollte es auch nicht wissen. Der Gedanke, dass er Recht haben könnte, ja dass er Recht hatte, zehrte an ihren Nerven. Sie leugnete es sogar vor sich selbst, und dass er es ihr einfach knallhart ins Gesicht sagte, machte sie einfach nur wütend. 

Noch wütender machte sie allerdings, dass sie Anyas Gelächter aus dem Wohnzimmer hörte, als sie die Tür aufschloss. Sie weigerte sich, in Anyas Kopf nach der Antwort auf die Frage zu suchen, ob sie wegen ihr gekommen war oder weil sie wusste, dass ihr hinreißender „Bruder“ da war. 

Als sie das Wohnzimmer betrat, bemerkte sie jedoch, dass Spike alles andere als glücklich aussah, ja er warf ihr sogar einen fast hilfesuchenden Blick zu. 

„Hi, An“, begrüßte sie ihre Freundin. „Bist du schon lange da? Du hättest mich auf Arbeit anrufen sollen.“ 

„Kein Problem, Süße.“ Anya lächelte. „Ich habe mich ein bisschen mit Spike unterhalten. Und ein wenig von alten Zeiten geschwärmt…“ Spike verzog gequält das Gesicht, doch Anya bemerkte es nicht, sondern sah zur Uhr. „Gott, schon wieder so spät. Eigentlich war ich da, um zu fragen, ob ihr Lust habt, am Freitag mit zum Bowlen zu gehen.“ 

Buffy ließ sich in den Sessel fallen, da Spike mal wieder ihre Couch blockierte. „Ihr ist jetzt genau…wer?“ 

„Du und … äh… Riley?“  

Buffy wusste genau, dass Anya genau das nicht im Sinn hatte und sie verfluchte ihre Freundin, die einen so netten Ehemann hatte und jetzt diesem Idioten auf ihrer Couch schöne Augen machte. „Ich weiß nicht, ob Riley Zeit hat. Ich werde ihn fragen.“ 

„Okay, schön.“ Anya sprang auf. „Ich muss los, Süße. War nett, mit dir zu schwatzen, Spike.“ 

Buffy brachte sie zur Tür und hatte kaum das Wohnzimmer wieder betreten, als Spike todernst sagte. „Sieh zu, dass du deinen Riley da mit hinzerrst. Es gibt keine einzige verfluchte Chance, dass ich mir das antue!“ 

Sie lachte und setzte sich neben ihn auf die Couch. „Was ist los? Sag bloß, du magst es nicht, angehimmelt zu werden?“, erkundigte sie spöttisch. 

„Ich mag es überhaupt nicht!“ fuhr er auf. „So wie sie schaut, schlägt mir ihr Mann nach einer halben Stunde ins Gesicht, weil er denkt, ich habe was mit ihr. Ihre Gedanken möchte ich gar nicht lesen!“ Er drehte den Kopf und sah sie an. „Auf gar keinen Fall“, wiederholte er noch einmal ausdrücklich. 

Buffy legte den Kopf schief. „Man muss kein Telepath sein, um zu wissen, dass sie nicht vorhatte, Riley einzuladen.“ 

„Vergiss es.“ 

„*Ich* will dich nicht dabei haben. Natürliche frage ich Riley.“ 

„Gut.“ Er schüttelte sich fast, als die Erinnerung wieder in ihm hoch stieg. „Ich weiß nicht wie du das machst. Ich würde ihn bei keiner Frau das zweite Mal hochkriegen.“ 

„Das wollte ich jetzt wirklich nicht so genau wissen“, murmelte Buffy pikiert. 

Doch er zuckte nur ungerührt mit den Schultern. „War’ne Frage. Vielleicht hast du die Patentlösung, die ich noch nicht gefunden habe?“ 

Buffy stöhnte auf. „Ganz sicher“, brummte sie gereizt und stand wieder auf. „Ich gehe duschen. Und dann will ich auf die Couch!“ 

„Klar doch“, feixte er und streckte sich aus. 

********** 

Buffy betrachtete sich im Spiegel. Es war Freitagabend und Riley musste jeden Moment kommen, um sie abzuholen.  

Buffy trug noch schnell ein wenig Make-up auf, etwas Lippenstift und begutachtete ihr Spiegelbild noch einmal. Heute würde Spike sicherlich nicht solch einen Zirkus veranstalten, falls er ihr begegnete.  

Ihre Hosen waren zwar wieder eng, aber das Top nicht ganz so kurz wie das letzte und sie trug bequeme Schuhe. Trotzdem betonte die Kleidung ihre Figur, da sie sich eng an ihren Körper schmiegte, aber das störte sie nicht.  

Buffy konnte viel an sich aussetzen, aber ihre Figur gefiel ihr. Gut, ihre Brüste könnten ein wenig größer sein, aber wenn sie manchmal Anya schimpfen hörte, fand sie, sie sei besser dran. Und an manchen Tagen, so wie heute, gefielen ihr auch ihre langen blonden Haare, wenn sie in so weichen Wellen über ihren Rücken flossen. 

Buffy lächelte ein letztes Mal und verließ das Zimmer. Im gleichen Augenblick öffnete sich Spikes Zimmertür und Buffys Augen wurden groß. 

„Wow“, murmelte sie. „Was hast du heute vor?“  

Er trug eine schwarze enge Jeans und ein graues, sicherlich sündhaft teures Seidenhemd. Die blonden Haare sturzelten auf seinem Kopf herum und gaben ihm ein fast jungenhaftes Aussehen. Das Hemd betonte seine Figur, obwohl er nicht so muskelbepackt war, als würde er den ganzen Tag im Fitnessstudio verbringen.  

Spike lächelte. „Ich geh aus.“ 

„Wer ist sie?“ Buffy konnte ihre Neugier nicht zurück halten, als sie ihm die Treppe hinunter folgte und der Duft seines Rasierwassers in ihre Nase stieg. „Jemand aus der Stadt?“ 

„Bist du verrückt?“ Er lachte auf. „Ich war gestern in L.A. im Aquaristikmuseum und habe sie getroffen. Sie macht Urlaub und es passt mir sehr gut, dass sie Morgen heim fliegt.“ 

„Aquaristikmuseum?“ erkundigte sich Buffy und musste sich mühsam das Lachen verkneifen. „Auf Frauenfang?“ 

Seine Augen verengten sich und er lehnte sich zu ihr. „Ich bin keinesfalls der Typ Mann, der eine Frau nach der anderen flachlegt, so wie du das vielleicht denkst…“ 

„Nein, das machst du nur so 100 bis 200 Mal im Jahr“, kicherte Buffy.  

„Das ist nicht wahr!“ stieß er hervor. „Aber jeder Mensch braucht ab und zu Sex. Und ich hebe mir das halt für meinen Urlaub auf.“ 

„Wie süß, dass du schon nur daran denkst, wie der Abend endet“, stänkerte sie weiter.  

„Kümmere dich um  dich selbst“, fauchte er und wurde durch das Klingeln an der Tür unterbrochen. 

Buffy lächelte weiterhin und tänzelte an ihm vorbei. „Schönen Abend noch. Oder sollte ich sagen Heiße Nacht?“ 

Spike war neben ihr und stoppte ihr Türöffnen, indem er seine Hand auf ihre legte, die schon die Klinke ergriffen hatte.  

„Vielleicht sollte ich dir das gleiche wünschen“, schnurrte er neben ihrem Ohr. „Vielleicht ist es ja das, was du mal wieder brauchst - Einen ordentlichen Fick.“ Ihre telekinetischen Kräfte warfen ihn rückwärts gegen die Wand. Er lachte nur, als ihn ihr vernichtender Blick traf. „Du kannst ihn natürlich auch wieder mit so einem süßen Küsschen vertrösten…“ 

Warum nur macht alles, was er sagt, mich so wütend? Sie zwang ein freundliches Lächeln auf ihr Gesicht und öffnete endlich die Tür.  

„Hallo“, begrüßte Riley sie überschwänglich und küsste sie kurz. „Hallo Spike“, nickte er in Richtung eines fürchterlich grinsenden Spikes, ohne das zu bemerken. „Gehen wir, Buffy?“ 

Sie nickte, schloss hinter sich die Tür und vernahm Spikes Gedanken - Ich wünsche dir eine heiße Nacht, Luv! 

Vielleicht sollte sie die sich tatsächlich nehmen! 

                                  ************* 

Es war nach Mitternacht, als sie den Bowlingclub verließen. Anya kicherte mehr als sie redete und ihr Mann Xander griff ihr unter die Arme, um sie zu stützen. 

„Sorry, Schatz“, murmelte Anya. „Ich bin etwas schwach auf den Beinen.“ 

Buffy lächelte. Es war ein schöner Abend gewesen. Natürlich hatte sie selbst nicht viel getrunken. Sie wusste, dass es für Mutanten ungleich schwerer war, die Kontrolle zu behalten, wenn der Alkohol den Verstand benebelte.  

Auch Riley hatte sich zurück gehalten. Er war den ganzen Abend eifrig um sie bemüht und Buffy genoss es, jemanden um sich zu haben, bei dem sie nicht jeden Moment mit einer spitzen oder bösartigen Bemerkung rechnen musste.  

Allerdings biss sie sich mehr als einmal auf die Zunge, als ihr selbst so eine Bemerkung entschlüpfen wollte, weil sie genau wusste, dass sie Riley damit schockiert hätte. Sie ahnte, dass Riley nicht zurück feuern, sondern eher beleidigt reagieren würde. 

Sie hängte sich bei Riley ein, nachdem Xander seine Frau ins Auto verfrachtet hatte, und sie gingen langsam die Straße hinab. Einen kurzen Moment ging ihr durch den Kopf, ob Spike mit seiner Tussi schon ein Bett erreicht hatte und sie musste fast lachen, weil sie ausgerechnet jetzt an ihn dachte. 

„Ich…ich wohne gleich um die Ecke“, unterbrach Riley ihre Überlegungen. Er klang unsicher. „Vielleicht möchtest du noch auf einen Kaffee mit hinauf kommen?“ 

Buffy ahnte, dass es ein Fehler war. Doch vielleicht verschwammen im Laufe der Zeit die Erinnerungen an das letzte Mal und sie verspürte deshalb den Drang, es einfach wieder zu versuchen. Vielleicht sehnte sie sich auch danach, von jemandem im Arm gehalten zu werden und die zärtlichen Berührungen eines Mannes zu genießen. 

Sie wusste es nicht. Doch als sie jetzt in Rileys graublaue, sie so hoffnungsvoll ansehende Augen schaute, er den Kopf drehte und sie sanft küsste, fiel ihre Entscheidung. Sie mochte ihn. Nicht so, dass Funken flogen, aber Funken flogen wahrscheinlich wirklich nur, wenn sich zwei Menschen stritten. So wie sie und…  

Falsch, wies sie sich selbst zurecht. Hör jetzt auf, an ihn zu denken und lass dir einfach den Verstand aus dem Kopf vögeln. Gott, das waren schon wieder seine Worte… 

Riley strahlte auf, als sie schweigend nickte, nahm ihre Hand und zog sie mit sich die Treppe zu seinem Apartment hinauf. 

************ 

Leise suchte Buffy ihre Sachen wieder zusammen. Sie hatte schnell geduscht und nicht einmal, als sie das Wasser angestellt hatte, war Riley wieder wach geworden.  

Schweigend zog sie sich an, während sie den schlafenden nackten Mann musterte, der nur eine dünne Decke um seine Taille geschlungen hatte. Riley war im Bett genau so sanft und zärtlich, wie sie es sich vorgestellt hatte und Tränen stiegen in ihre Augen.  

Sie hatte es nicht geschafft, ihre Bedenken zu verdrängen. Aus den vielen Erfahrungen ihres bisherigen Lebens wusste sie, dass es nur zwei Möglichkeiten gab. Entweder sie behielt ihre Beherrschung und verzichtete auf den Höhepunkt oder sie gab sich dem ganzen hin und nahm den kalten Guss, der sie in genau dem Moment traf, wenn sie nicht mehr fähig war, die mentale Schranke aufrecht zu erhalten, in Kauf.  

Jeder Mensch dachte. Immer. Und selbst in dem Moment, in dem Riley in ihr war, gingen ihm Gedanken durch den Kopf, die nichts mit ihr zu tun hatten und völlig nebensächlich waren.  

Gedanken, die er selbst vielleicht nicht einmal wahrnahm, die Buffys offenes Hirn jedoch wie ein Schwamm in sich aufsaugte und sie schlagartig auf den Boden der Tatsachen zurückholte. 

Sie benötigte ihre gesamte Selbstbeherrschung, um nicht zu weinen, ihn nicht einfach nur von sich zu stoßen, aufzuspringen und zu fliehen. Als sie seine ruhigen Atemzüge hörte, hielt sie es nicht mehr aus. Und sie wollte auch seine Fragen nicht mehr beantworten, wenn er bemerkte, dass sie sich mitten in der Nacht aus seinem Apartment schlich. 

Es war nicht weit bis zu ihrem Haus und sie genoss die frische Nachtluft. Gedanken darüber, dass es gefährlich sein könnte, nachts allein durch die Straßen zu wandern, hatte sie sich noch nie gemacht oder machen müssen.  

Einen Vorteil hatte es, ein Telekinet zu sein. 

Seufzend schloss sie die Haustür auf und drückte sie leise wieder zu. Sie rechnete nicht damit, Spike zu begegnen, doch er kam durch das Wohnzimmer auf sie zu. Sie nahm an, dass er auf der Veranda gesessen, geraucht und ihr Kommen gehört hatte.  

Jegliche spöttische Bemerkung erstarb ihm auf der Zunge, als er in ihr Gesicht schaute. Er erstarrte einfach nur, den Mund schon halb geöffnet und schloss ihn wieder, ohne ein Wort zu sagen. Die großen grünen Augen sahen ihn mit solch einer Verzweiflung an, dass ihm das Atmen plötzlich schwer fiel.  

Dann drehte sie sich um und stürzte die Treppe hinauf. 

Spike folgte ihr, unsicher, ob er etwas sagen sollte oder nicht. Ihre Tür fiel hinter ihr ins Schloss und er blieb stehen. Als er sie jedoch aufschluchzen hörte, warf er all seine Bedenken über den Haufen und betrat ihr Zimmer.  

Er überging damit ihr Verbot, doch es war ihm egal. 

Sie lag auf dem Bett, das Gesicht in den Kissen vergraben und er sah wie ihre Schultern bebten. Noch immer wortlos setzte er sich auf die Bettkante. „Hey, Luv“, sagte er nach einer Weile leise und vorsichtig. 

Sie weinte und etwas in Spikes Brust zog sich zusammen. Wenn auch keine andere Frau eine solche Reaktion auslösen konnte, Buffy war etwas anderes. Er griff nach ihren Schultern, zog sie hoch und schlang seine Arme um sie. Buffy schluchzte auf, vergrub ihr Gesicht an seiner Brust und ließ die Tränen laufen. 

Er brauchte nicht zu fragen, was los war. Er wusste es. Seine kleine romantische Stiefschwester war wieder einmal auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt worden.  

Unbewusst und beruhigend strichen seine Hände über ihren Rücken. Sie klammerte an seinem Hemd, aber es war ihm egal, in diesem Moment hatte er sein ganzes sarkastisches Ich vergessen und sie tat ihm einfach leid. Er wünschte sich, ihr einen Teil seiner eigenen Bissigkeit geben zu können. 

„Ich will nicht mehr, Spike“, weinte sie, ohne den Kopf zu heben. „Ich habe das so satt. Ich will nicht mehr.“ 

„Shhh“, murmelte er und fuhr mit den Fingern über ihre Haare. 

„Ich wollte diese Kräfte nie“, schluchzte sie weiter. „Ich hasse sie, ich hasse mein Leben…“ 

Er schloss die Augen, weil sich sein Magen zusammen zog. Er fühlte die Nässe ihrer Tränen, die sein Hemd tränkten, auf der Haut und biss die Zähne aufeinander.  

„Du hast sie, Luv“, flüsterte er ernst. Seine Hände umfingen ihren Kopf und hoben ihr tränennasses Gesicht zu ihm an. „Daran kannst du nichts ändern. Du wirst damit leben. Du bist stark. Wir beide sind stark.“ 

Buffy Finger umklammerten seine Handgelenke. Die Tränen liefen unvermindert weiter, er wusste nicht einmal, ob seine Worte bei ihr ankamen. „Ich will nicht mehr“, hauchte sie dann verzweifelt. „Ich will einfach nicht mehr…“ 

Spike war noch nie dafür berühmt gewesen, die richtigen Worte zu finden. Er kam sich auch jetzt einfach hilflos vor.  

„Das ist Quatsch, Luv.“ Das war vollkommen falsch, sagte ihm sein Gefühl, als sie wieder aufschluchzte und die Augen schloss. „Hör auf zu weinen“, flüsterte er und strich mit dem Daumen die Tränen von ihren Wangen. „Wer braucht schon diesen romantischen Mist, nach dem du suchst? Niemand. Geh mit ihm ins Bett, hab deinen Spaß und dann schnapp dir den nächsten. Oder auch nicht…“ Das war noch verkehrter und er fluchte leise. „Komm schon, Luv. Wo ist mein kleiner Wildfang hin, den nichts so schnell umwirfst?“ Er zog sie wieder an sich und fühlte, wie sie ihre Wange gegen seine Brust lehnte. Ihre Schluchzer waren verklungen, doch sie hielt sich an ihm fest, als wolle sie ihn nie wieder los lassen und da das Buffy war, wusste er, dass sie noch immer sehr verzweifelt sein musste.  

Gedankenverloren fuhren seine Finger durch ihre Haare. Er starrte in die Luft. Da war ein fremder Duft in ihrem Haaren, wahrscheinlich sein Aftershave, und er biss die Zähne aufeinander. Er wusste, wie sie sich fühlte, aus eigener Erfahrung, aber er hatte beizeiten aufgehört, sich Hoffnungen zu machen, dass es jemals anders sein könnte. Es würde für sie kein normales Leben geben. Und wenn sie es nicht begriff, würde sie daran zerbrechen. 

Sie war still geworden, rührte sich jedoch noch immer nicht und Spike lehnte seine Wange gegen ihre Haare. Sie hatte Unrecht, als sie sagte, ihn würde in Bezug auf sie nichts kümmern. Er sorgte sich um sie, mehr als sie vielleicht annahm. Weil sie das einzige war, was er als seine Familie bezeichnen konnte.

„Wie machst du das, Spike?“ flüsterte sie eine ganze Weile später. „Ich fühle mich so mies. Ihm gegenüber.“ Sie hob den Kopf und sah ihn an. Ihr Gesicht war noch immer nass, aber es liefen keine neuen Tränen aus ihren Augen. 

Er seufzte, strich ihr nachdenklich eine der widerspenstigen Strähnen aus dem Gesicht und holte tief Luft. „Ich sag es ihnen. Vorher.“ 

„Was?“ Sie klang erstickt. „Dass du ein Telepath bist?“ 

„Nein.“ Er schüttelte den Kopf. „Dass es eine Nacht ist und mehr nicht.“ 

„Scheiße“, murmelte sie verzweifelt und neue Tränen bildeten sich in ihren Augen. „Ich will nicht nur Sex. Ich will mich verlieben und ich möchte geliebt…“ Sie brach ab, weil ihre Stimme versagte und die Tränen wieder ihre Wangen hinab rollten. 

„Bitte, Luv“, flüsterte er gequält. „Ich kann dich nicht weinen sehen.“ Das stimmte wirklich. Und er konnte sich auch nicht erinnern, sie jemals weinen gesehen zu haben.  

Wütend ja. Richtig zornig und wie eine Furie, ja. Aber geweint hatte sie zum ersten Mal auf der Beerdigung vor drei Jahren und schon damals war er erschrocken gewesen, weil es ihn so beschäftigt hatte. 

„Du wolltest mich immer zum Weinen bringen“, schniefte sie. „Wenn du dich morgen über mich lustig machst, werde ich dich aus dem Haus werfen.“ 

Seine Lippen verzogen sich zu einem misslungen Lächeln. „Leg dich schlafen, Luv“, sagte er leise und fuhr wieder mit dem Daumen über ihre Wangen. Es waren zu viele Tränen, ging es ihm wehmütig durch den Kopf. Sie würde sich in den Schlaf weinen. 

Buffy schloss die Augen. Sie hatte keine Ahnung warum, aber sie war unwahrscheinlich froh, dass er da war. Im Moment verschwendete sie keinen Gedanken an seine unmögliche Art, die sie manches Mal fast in den Wahnsinn getrieben hatte. Im Moment spürte sie eine solche Nähe zu ihm wie noch zu keinem anderen Menschen. Weil er ebenfalls ein Mutant war. 

Spike wusste nicht, warum er es tat. Aber als er sah, wie sich ihre Augen schlossen, sie sich fast unmerklich in seine Berührung lehnte und ihr Mund sich ein wenig öffnete, schaffte er es nicht, den Drang zu unterdrücken.  

Fast wie in Zeitlupe senkte er seinen Kopf bis ihre Lippen sich berührten. Einen kurzen Augenblick versteifte sich ihr Körper, dann seufzte sie leise, als seine Zunge über ihre Lippen fuhr und den salzigen Geschmack der Tränen kostete. Etwas wie ein Stromschlag jagte durch seinen Körper, als sich ihre Lippen in einer stummen Einladung öffneten.  

Das ist Buffy!, schrie die Stimme in seinem Kopf wieder, doch die Versuchung war zu groß. Seine Hand schlang sich um ihren Nacken und seine Zunge tastete sich zwischen ihre Zähne, nur um auf ihre zu treffen. Er stöhne leise auf, als er ihre Hand spürte, die seinen Arm umklammerte und ein Rest seines Verstandes setzte wieder ein.  

Er riss seinen Kopf von ihr los, sah sie genau so keuchend Luft holen und den irritierten Blick in ihren Augen. Und er fühlte sich wie ein Schwein.  

„Es tut mir leid“, flüsterte er verzweifelt. „Ich wollte nicht…“ 

„Du…du hast mich geküsst“, brachte sie fassungslos hervor.  

Allerdings sah sie weder entsetzt noch angewidert aus und umklammerte auch noch immer seinen Arm. Der noch immer um ihren Hals lag - wie Spike erschrocken feststellte.  

„Ich bin ein Idiot, Buffy. Es tut mir leid, wirklich leid“, murmelte er zerknirscht, ließ sie los und stand auf. 

Buffy griff nach seiner Hand und hielt ihn fest. „Danke. Danke für dein… Hiersein…“ 

Sie sah zu ihm hoch und er lächelte schwach. „Gern geschehen, Schwesterchen.“ Er fuhr ihr spielerisch durch die Haare, beugte sich noch einmal zu ihr und küsste sie auf die Stirn. „Schlaf gut.“    

Buffys Blick folgte ihm bis er zur Tür hinaus war. Erst dann hob sie ihre Hand zu ihrem Mund und berührte mit den Fingern gedankenverloren ihre Lippen.

Teil 6 

Spike hielt den Telefonhörer zu und flüsterte. „Es ist Riley.“  

Buffy stöhnte auf, vergrub ihr Gesicht in ihren Armen auf dem Küchentisch und sah dann wieder hoch. Spike schaute sie fragend an und sie hob die Hand, damit er ihr das Telefon reichen konnte. Seufzend stand er auf und verschwand durch das Wohnzimmer im Garten, als er ihren flehenden Blick bemerkte. 

Seit wann bin ich so sensibel?  

Noch gestern hätte es ihm Spaß gemacht, mit einem vergnügten Grinsen dem jetzt folgenden Telefongespräch zu zuhören. Spike zündete sich eine Zigarette an und blies den Rauch in die Luft. Er kannte die Antwort auf die Frage selbst. Seit er sie geküsst hatte und sein schlechtes Gewissen ihn quälte. Von dem er nicht einmal wusste, dass er es hatte.  

Es dauerte fast zwanzig Minuten, ehe er Schritte hinter sich hörte und sie sich neben ihm auf die Stufen setzte. 

„Du bist wirklich einfach abgehauen“, versuchte er zu stänkern. „Ohne ihn zu wecken?“ 

Buffy zuckte unbehaglich mit den Schultern. „Hm“, machte sie nur. 

„Bist du… okay?“ Er konnte selbst nicht fassen, dass er diese Frage stellte, doch sie war schneller von seinen Lippen gekommen, als er es verhindern konnte. 

Sie nickte nur stumm.  

„Er… auch?“ Im Gleichen Moment gab sich Spike selbst einen mentalen Schlag vor den Kopf. Seit wann interessierte ihn so etwas?? 

Buffy lächelte gequält. „Besser jetzt, als später – sein Zitat. Wie war dein Date?“ 

„Wie gewöhnlich“, murmelte er und grinste, als sie den Kopf drehte und ihn fragend ansah. „Ein schönes Essen und Sex.“ Sie lachte leise und er war plötzlich unwahrscheinlich froh, dieses Lachen zu hören. Und mit einem Mal störte es ihn auch nicht mehr, dass es seine dummen, für ihn so untypischen Fragen waren, die sie dazu gebracht hatten.  

Ohne zu überlegen streckte er den Arm aus, legte ihn um ihre Schultern und zog sie an sich. Er registrierte nicht einmal, dass sie es ohne Widerstand geschehen ließ. „Wir sind schon ein Pärchen, Luv“, murmelte er und starrte in die Luft.  

„Wieso? Du hast doch keine Probleme. Ich bin die sentimentale Ziege, die…“ Sie brach mit einem verlegenen Husten ab. 

Spike drehte den Kopf und flüsterte in ihr Ohr. „Du solltest dir einen Vibrator kaufen. Mit ihm erlebst du keine Enttäuschungen.“   

Buffy schlug ihm mit der Hand gegen das Bein. „Hör auf, Witze darüber zu machen! Ich fühle mich schon depressiv genug.“ 

„Also ich habe ein paar Frauen getroffen, die…“ 

„Spike!“ 

„Was?“ tat er gespielt. 

„Ich will nicht wissen, was die Frauen, die du triffst, für perverse Spiele spielen!“ 

„Nein?“ Er klang enttäuscht. „Weißt du, mir macht es Spaß, mit den Frauen ein wenig zu spielen. Solange ich meine Beherrschung noch habe, steht auch meine Mentalblockade und ich kann sie ein wenig ihre Beherrschung verlieren lassen.“ 

„Schön für die Frauen!“ knurrte Buffy. „Vielleicht werde ich über den Vibrator nachdenken.“ 

„Ich werde dir einen zum Geburtstag schenken…“ Er fing an zu lachen, als sie herum fuhr und ihn fassungslos anstarrte. 

„Ich werde dir den Hals umdrehen“, schwor sie ernsthaft, „wenn ich dein Geschenk auspacke und da ist so ein Teil drin.“ 

„Du musst mein Geschenk ja nicht auspacken, wenn andere dabei sind“, gluckste er. „Aber ich wette, deine Freundin Anya hat auch einen.“ 

Buffy musste gegen ihren Willen wieder lachen. Ihr ging auf, dass es eine Weile her war, dass sie gemeinsam auf diesen Stufen gesessen und miteinander gescherzt hatten. Plötzlich fühlte sie sich nicht mehr ganz so scheußlich, obwohl Rileys so verletzt klingende Stimme noch immer durch ihren Kopf geisterte.  

Spike blickte wieder hinaus in den Garten. Sein Arm lag noch immer locker um ihre Hüften und Buffy lehnte den Kopf gegen seine Schulter. „Warum hast du mich geküsst?“ fragte sie leise. 

Spike seufzte. „Ich weiß nicht. Du sahst so traurig aus… es war einfach ein… Reflex…“ Er hoffte, sie nahm ihm das ab, weil er keine Ahnung hatte, warum er diesen Reflex verspürt hatte.  

Es war wie damals, als er sie in dieser niedlichen Unterwäsche gesehen hatte und sein Körper, ohne sein Zutun, reagierte. Sie antwortete nicht und er war froh darüber. Und dass ihr Kopf an seiner Schulter liegen blieb, gefiel ihm irgendwie auch. 

********** 

„Das ist Blödsinn!“ schimpfte Buffy, drehte sich an dem Geländer um und starrte hinaus auf das Meer.

Es *war* eine blöde Idee. Sie befanden sich im Hafen von L.A. Spike hatte den grandiosen Einfall, dass Buffy sich von dem Gedanken einer romantischen Beziehung endlich verabschieden und sich lieber einmal ansehen sollte, wie viele gut aussehende Männer es gab, mit denen sie einfach nur Sex haben konnte.  

Natürlich hatte Spike vor, sich bei der Gelegenheit selbst nach irgendeiner Frau umzusehen. 

Deshalb stand sie jetzt am Geländer der Strandpromenade von L.A., ein grinsender Spike neben ihr, der mit schmalen Augen die anderen Menschen in den Strandcafes beobachtete und dabei in deren Gedanken hinein horchte. 

„Schau mal, der da drüben“, flüsterte er. „Er erinnert mich an Riley, also denke ich, es ist dein Typ. Brünett, ledig, Urlaub…“ 

„Ich habe keinen bestimmten Typ Mann, den ich mag und ich sagte Nein!“ Buffy drehte sich wieder um und lehnte sich mit dem Rücken an das Geländer. Der erfrischende Wind vom Meer blies gegen ihr dünnes Kleid und lies den losen Rock um ihre Oberschenkel wedeln. Es war warm, wie immer, und Buffys Augen verengten sich, als sie gegen die Sonne seinem Blick folgte. 

„Du hast keinen bestimmten Typ?“ fragte Spike erstaunt. „Quatsch. Du hast dir immer Dunkelhaarige gesucht!“ 

„Das hat nichts zu sagen!“ giftete sie und versuchte damit, ihre eigene Verlegenheit zu verbergen. Sie musste ihm ja nicht auf die Nase binden, dass sie niemals einen Mann wollte, der sie an ihren Bruder erinnerte. 

„Er gefällt dir also nicht“, meinte er nur achselzuckend. „Wie wäre es mit dem da drüben? Leider auch brünett?“ 

„Spike, hör jetzt auf mit dem Scheiß. Ich kann das nicht.“ Sie überschattete ihre Augen mit der Hand. „Ich weiß nicht einmal, wie ich ihn anreden soll, geschweige denn, wie ich ihm beibringen soll, dass es nur eine Nacht wäre und außerdem ist mir das total peinlich!“ 

Spike lachte auf, ging um sie herum, so dass er jetzt vor ihr stand und stützte seine Hände zu ihren beiden Seiten an das Geländer. Schlagartig fühlte sich Buffy, als würde sie keine Luft mehr bekommen.  

„Was wird das?“ erkundigte sie sich schwach. „Wenn dich jetzt irgendeine von den Tussis sieht, kriegst du deine Chance nicht mehr.“ 

Spike legte den Kopf schief. „Du wolltest doch wissen, was du sagen sollst, oder?“  

Buffy schnappte nach Luft, als er sich plötzlich gegen sie presste und sein Gesicht nur noch wenige Zentimeter von dem ihren entfernt war.  

Sein Grinsen konnte, wenn er wollte, wirklich unwiderstehlich sein, aber Buffy würde das keinesfalls zugeben. Sie hatte viel mehr damit zu tun, gelassen zu atmen und nicht zuviel darüber nachzudenken, wie eigenartig blau seine Augen waren.  

„So?“ schaffte sie halbwegs normal zu fragen. 

Er nickte, lehnte sich noch etwas nach vorn und hauchte neben ihrem Ohr. „Ich verspreche dir die Nacht deines Lebens, Kleines. Aber es wird nur diese eine einzige geben.“ 

Ein eigenartiger Schauer kroch bei diesen Worten über ihren Körper und sie hoffte, dass er das Hämmern ihres Herzens nicht hörte. „Ganz schön eingebildet…“, stieß sie hervor. 

Spike lachte leise, lehnte sich wieder etwas zurück und sah ihr in die Augen. Seine Worte hatten ihre Wangen sich röten lassen und er fragte sich, warum ihm nie aufgefallen war, wie süß sie aussah, wenn sie rot wurde.  

Weil sie es nie wurde, antwortete er sich selbst. Wieso also jetzt laufend?  

„Wir *können* eingebildet sein, Luv“, erklärte er leise. „Weil wir die Wünsche und Vorstellungen des anderen in seinen Gedanken lesen und erfüllen können. Du kannst einen Mann genauso die Beherrschung verlieren lassen wie ich eine Frau…“ 

„Haha“, stieß Buffy hervor und wurde noch röter. Sie sollte ihm eigentlich jetzt sagen, dass er sich ein Stück rückwärts zu bewegen hatte. Oder ihn von sich stoßen?  

„Du vergisst, dass ich nicht mein halbes Leben damit zugebracht habe, jede Nacht jemanden anderes flach zu legen. Ich habe keine Ahnung, was ich da tun sollte. Ich habe mehr damit zu tun, die normale Form von Sex fertig zu bringen.“ 

Spike lachte wieder leise. „Er sagt dir doch alles. Er denkt es…“ Da war ein bitterer Ton in seinen Worten, eben, weil dieses Denken nicht nur von Vorteil war, aber er verdrängte die unangenehme Seite ihrer mentalen Begabung. Im Moment machte es viel mehr Spaß, Buffys Verlegenheit zu beobachten. 

Sie erstarrte, als er plötzlich seine Hand hob, die Linie ihres Kiefers entlang fuhr und dann mit dem Daumen über ihre Lippen strich.  

Er sah den Schreck in ihren Augen und grub kurz die Zähne in seine Unterlippe, ehe er mit einem sehr verruchten Grinsen sagte. „Ich wette, jeder Mann verliert seine Beherrschung, wenn du mit diesen Lippen seinen Körper hinab wanderst.“  

Viel besser, als sie wütend zu machen, war zuzusehen, wie sich die zarte Färbung ihrer Wangen weiter verdunkelte. Nicht so gut war allerdings, dass ein gewisser Körperteil an ihm begeistert auf ihr herrliches Erröten reagierte. Trotzdem fuhr er fort. „Und zu sehen wie sich diese Lippen um…“ 

Sie stieß ihn mit einem Aufschrei von sich. „Es reicht!“ Da schwang ein Zittern in ihrer Stimme mit, das ein noch breiteres Grinsen auf seine Lippen zauberte. 

„Buffy“, schimpfte er gespielt. „Sag bloß, du hast das noch nie getan.“ 

„Ich gehe jetzt. Ich fahre nach Hause und ich will dich nicht mehr sehen!“ fauchte Buffy und wollte an ihm vorbei stürzen. 

Er fing mit dem rechten Arm ihre Hand und hielt sie fest. „Komm schon, Luv. Lass uns ein Eis essen. Wenn jetzt schon keine Möglichkeit mehr besteht, einen ordentlichen F…“ 

„Spike!“ kreischte sie auf. „Ich hasse dieses Wort und ich will es aus deinem Mund nicht mehr hören. Eigentlich will ich gar nichts mehr aus deinem Mund hören!“ 

„Okay“, gab er belustigt zu, schlang seinen Arm um ihre Taille und zog sie mit sich zu einem der Strandlokals. „Kein F-Wort mehr. Versprochen. Ich werde für den Rest des Nachmittags ein netter Mensch sein.“ 

Sie sah ihn scheel an. „Was wird das jetzt?“ erkundigte sie sich misstrauisch. Seine plötzlichen Stimmungswechsel brachten sie manchmal wirklich aus dem Konzept. 

„Aber eine Frage beantwortest du mir noch.“ Lachend hielt er sie fest, als sie sich los reißen wollte. „Echt noch nie, Luv? Du hast noch nie einem Mann…“ 

„Nein!“ fauchte Buffy böse. „Und ich finde das nicht schlimm! Schon allein der Gedanke daran ist ekelhaft. Ich will es mir nicht vorstellen und ich will nicht darüber reden!“ 

Er ließ ihre Hand nicht los, als er mit ihr weiter schlenderte. „Süß, Luv. Wirklich. Meine kleine unschuldige Schwester…“ 

„Du bist ein Riesenidiot, Spike.“ Sie riss ihre Hand endlich los und setzte sich an den kleinen Tisch. „Hat schon einmal eine Frau zu dir gesagt, dass sie dich liebt?“ erkundigte sie sich dann honigsüß. 

Seine Augenbrauen hoben sich und er meinte ironisch. „Liebe ist etwas für sentimentale Träumer.“ 

Die Kellnerin legte zwei Karten vor sie und lächelte Spike an. Er beachtete sie gar nicht, weil er mehr Mühe hatte, den Stich zu verbergen, den Buffys Worte verursacht hatten. 

„Sicher“, murmelte sie und funkelte ihn an. „Aber ich weiß zumindest, wie es sich anfühlt, jemandem wirklich etwas zu bedeuten. Auch wenn ich diese Gefühle nie in der gleichen Stärke erwidern konnte. Aber ich würde eine Menge dafür geben, wenn ich es könnte…“ 

Spike antwortete nicht, sondern tat, als würde er sich mit der Karte beschäftigen. Er sollte lachen und irgendeine bissige Bemerkung von sich geben.  

Doch dann stieg die Erinnerung in ihm hoch, wie er sie im Arm gehalten hatte, als sie weinte und etwas in seiner Brust schnürte sich zusammen.  

Jemanden lieben bedeutete, alles mit ihm teilen, Freude, Lust, aber auch Kummer und Trauer. Für jemanden da sein und zu wissen, dass derjenige auch da war, wenn es einem selbst nicht gut ging.  

Die Kellnerin kam wieder und nahm ihre Bestellung auf. Buffy fühlte plötzlich einen unerklärlichen Zorn, als sie die Blicke bemerkte, die die junge Frau Spike zuwarf. Manche Menschen waren wirklich einfach nur unverschämt und verdienten nichts anderes, als ausgenutzt zu werden.  

„Ich hätte gern den Pfirsicheisbecher und einen Kaffee“, sagte sie mit einem falschen Lächeln. „Und dann wäre es mir sehr lieb, wenn Sie aufhören würden, meinen Freund anzusehen, als hätten Sie vor, ihn demnächst flach zu legen.“ 

Spike fing an zu husten, um sein Lachen zu verbergen. Die Kellnerin wurde erst blass, dann feuerrot und stürzte davon.  

„Deinen Freund?“ fragte er amüsiert.  

Buffy funkelte ihn an. „Das ist doch entsetzlich. Sie weiß gar nicht, wer ich bin. Eigentlich sollte sie davon ausgehen, dass ich deine Freundin bin und diese Gott-ich-bin-so-heiß-auf-dich-Blicke für sich behalten! Warum grinst du so blöd?“ 

„Du hast wirklich eifersüchtig geklungen.“ 

„Du spinnst. Ich bin wütend, weil sie so tat, als gäbe es mich gar nicht. Und wenn ich deine Freundin wäre, hätte ich durchaus das Recht auf Eifersucht.“ 

„Du bist aber doch nicht meine Freundin“, sagte er sanft. 

„Na und? Ich wollte ja nur diese dumme Tussi auf ihr Verhalten aufmerksam machen! Damit sie nicht das nächste Mal wirklich ein Liebespaar erwischt.“ Er grinste weiter so breit, dass Buffy leise fluchte. 

Zum Glück wurde ihre Bestellung geliefert und er musste sich mit seinem Eis beschäftigen. Die Kellnerin sah sie nicht an, sondern knallte die Eisbecher und Tassen auf den Tisch.  

„Du hast sie verärgert“, kicherte Spike. 

„Vielleicht hat sie daraus etwas gelernt“, erwiderte Buffy schnippisch und weigerte sich zu bemerken, dass in seinem Grinsen ein Hauch von Zufriedenheit lag. 

                                  ********** 

„Okay, danke Wesley, dass du das so kurzfristig genehmigst. Bye!“ Buffy legte den Hörer auf und sah Spike an. 

„Wie lange? Eine Woche oder zwei?“ 

„Eine Woche deine permanente Gesellschaft reicht“, brummte sie missmutig. Vielleicht war die Idee, eine Woche Spikes Nähe zu ertragen doch kein so guter Einfall?  

Er lachte. „Dann muss ich mir Mühe geben, dir in einer Woche die Grundzüge eines egoistischen Liebeslebens beizubringen.“ 

„Ich habe nicht gesagt, dass ich einen Therapeuten brauche“, knurrte sie gereizt. Eindeutig eine schlechte Idee, gab sie sich noch einmal selbst Recht.  „Und ich habe dir schon einmal gesagt, dass ich deinen Lebensstil nicht übernehmen werde!“ 

„Wir gehen heute Abend aus“, erklärte er ungerührt. 

„Gehen wir?“ 

„Ja.“ Er nickte. „Du gehst jetzt duschen, ziehst deine Bitte-fick-mich-Klamotten an und…“  

Eine mehr als wütende Buffy hechtete gegen seine Brust und stieß ihn gegen die Wand. „Ich will das Wort nicht mehr hören!“ schrie sie ihn böse an, während er nur amüsiert grinste. „Du kannst allein gehen und dir eine der Tussis schnappen!“ 

„Ich will dir nur helfen, deine Hemmungen zu beseitigen“, murmelte er spöttisch. 

„Ich habe keine Hemmungen!“ 

Spike hob seine rechte Augenbraue. „Wer noch nie einen Blowjob gegeben hat, hat eindeutig Hemmungen.“  

„Blödmann!“ Buffy fluchte auf, schlug ihm mit der Hand gegen die Stirn und stürzte dann die Treppen hinauf. Er würde sich nicht mehr lange über sie lustig machen!  

Er folgte ihr langsamer und grinste erneut, als er das Wasser der Dusche hörte. Sehr schön. Das hieß, sie würden ausgehen.  

Eine Viertelstunde später kam sie aus dem Bad und er duschte ebenfalls. Er zog seine schwarzen Jeans an, wählte diesmal ein beiges Hemd, dessen exquisiter Stoff sich wunderbar weich an die Haut schmiegte und brachte mit etwas Gel ein wenig Unordnung in seine Haare. Nachdem er weitere zehn Minuten gewartet hatte und Buffy noch immer nicht aufgetaucht war, klopfte er an ihre Tür. 

„Wage es ja nicht, rein zu kommen!“ schrie sie und klang immer noch zornig. 

Es vergingen noch einmal zehn Minuten, ehe sich ihre Tür öffnete.  Spike musste bei ihrem Anblick erst einmal schlucken, ehe er sicher war, dass ihm seine Stimme wieder gehorchte. 

Sie trug ein einfaches schwarzes Kleid mit Spaghettiträgern. Der Stoff glänzte, wenn sie sich bewegte und lag so eng an ihrem Körper, dass kaum etwas der Phantasie überlassen wurde.  

Spikes Augen wanderten ihren Körper abwärts, dorthin, wo das Kleid nur eine Handbreit unter ihrem Hintern endete und die langen gebräunten Beine hinab, die in hochhackigen schwarzen Sandaletten steckten.   

Buffy starrte ihn herausfordernd an und warf den Kopf mit den langen blonden Haaren zurück. „Entspricht das deiner Vorstellung?“ fauchte sie und schien sich noch immer nicht beruhigt zu haben. 

Seine Lippen verzogen sich zu einem süffisanten Lächeln und er streckte einladend die Hand aus. Das Kleid war elegant und doch in der Art und Weise, wie es ihren Körper umschmiegte, einfach nur heiß.  

„Absolut“, sagte er leise und Buffy legte ihre Hand in seine. 

„Bereit auf ein kleines Abenteuer?“ vergewisserte er sich noch einmal. 

„Worauf du dich verlassen kannst!“

Teil 7 

Es war eine blöde Idee und Buffy war das spätestens klar, als sie das Bronze betraten. Spike schien sich pudelwohl zu fühlen, denn er zog sie mitten durch die Menschenmassen zur Bar und rief begeistert: 

„Es ist ein wenig voller geworden, seit ich das letzte Mal hier war. Was willst du trinken, Luv?“ 

Buffy sah sich unbehaglich um. „Keine Ahnung. Bestell mir einfach etwas mit.“ Große Menschenmengen verursachten ein unangenehmes Gefühl in ihr, da die instinktive mentale Blockade, die ihr sensibles Hirn automatisch bildete, hier im Chaos fremder Gedanken bis an die Grenze belastet wurde. Noch kostete es keine bewusste Kraft, die Abschirmung aufrecht zu erhalten, aber es konnte jederzeit passieren. 

Seufzend lies sie ihre Augen durch den Raum wandern. Der große Saal war brechend voll. Hier an der Bar dämpfte sich die Musik auf ein erträgliches Maß, so dass man sich unterhalten konnte, aber Buffy nahm an, auf der Tanzfläche war die Verständigung nur mit Handzeichen möglich. Halbnackte Körper bewegten im Rhythmus des Taktes, manchmal mit, manchmal ohne Partner.  

Wenn es etwas gab, was Buffy wirklich liebte, dann war es Tanzen. Auf der Tanzfläche, inmitten der Klänge der Musik, konnte sie alles um sich herum vergessen. Auch die vielen denkenden Menschen. 

Als sie jetzt die Musik hörte, spürte sie die Vibrationen des Bodens und der Luft, die von den weniger, oder mehr melodischen Schwingungen verursacht wurden bis in ihr Blut und sie fing an zu lächeln. Die Blicke, die sie ab und zu trafen, gefielen ihr weniger, aber da es laut Spike einen Grund für ihr hier sein gab, zwang sie sich, den mentalen Schirm ein wenig zu senken und hinaus in die Gedanken der betreffenden Männer zu schauen, einfach, weil die Neugier sie trieb. 

Spike drückte ihr ein Glas Sekt in die Hand. „Ich hatte keine Ahnung, welchen Cocktail du bevorzugen könntest. Und? Wie findest du es?“ 

Sie nickte langsam. „Hm. Die Musik gefällt mir.“ 

„Horch dich um, Luv“, riet er ihr. „Und schließ die Männer, die hier wohnen, gleich aus.“ 

„Lass mich mit deinen Ratschlägen zufrieden“, brummte sie mürrisch. „Ich bin nicht scharf auf einen One-Night-Stand.“ 

„Deshalb sind wir hier“, schnurrte er neben ihrem Ohr.  

Buffy kippte ihren Sekt hinunter. „Du bist deshalb hier. Ich werde jetzt tanzen!“ Sie drückte ihm das leere Glas in die Hand, fing seinen erstaunten Blick auf und machte sich auf den Weg zur Tanzfläche. 

Spikes Blick blieb an ihren schwingenden Hüften in diesem Wahnsinnskleid hängen, und nicht nur seiner, wie er plötzlich gar nicht mehr so begeistert feststellte.  

Zwei Stunden später hatte sich Spike einen Barhocker organisiert, trank den vierten Whisky und beobachtete eine immer noch ausgelassen tanzende Buffy.  

„Hi“, sagte eine weibliche Stimme neben ihm und er blaffte zum fünften Mal in diesen zwei Stunden: „Kein Interesse!“  

Er trank sein Glas aus und winkte dem Barkeeper. „Noch einen!“  

Das neue Glas in der Hand, drehte er sich wieder und sah mit schmalen Augen zur Tanzfläche.  

Er hatte es so gewollt. Wenn sie nicht tanzte, drängelte sich irgendeiner dieser sie mit Augen verschlingenden Idioten nach vorn und überredete sie zu einem Drink.  

Meist schickte sie ihn nach dem Drink weg und begab sich wieder zur Tanzfläche. Sie war wirklich verrückt nach Tanzen und die Art und Weise, wie sie tanzte…  

Spike wettete, dass mindestens die Hälfte der Männer, die sie beobachteten, ordentliche Ständer in der Hose hatten. Inklusive ihm selbst. So durfte man einfach nicht tanzen!  

Aber Buffy bekam davon wahrscheinlich nicht einmal etwas mit. Sie schien in der Musik aufzugehen. Ihre Augen schlossen sich und ihre Haare umwirbelten sie wild, während sich ihre Hüften drehten und Spike die Zähne aufeinander biss, um nicht darüber nachzudenken, wie es sich anfühlen würde, wenn sie diese wilden Bewegungen im Bett unter ihm machte…  

Je später es wurde, umso mehr stand für ihn fest, dass er jeden dieser Kerle verprügeln würde, der vorhatte, mit Buffy in irgendeiner dunklen Ecke zu verschwinden.  

Wie war er eigentlich auf die Idee gekommen, ihr One-Night-Stands einreden zu wollen? Allein der Gedanke, dass einer dieser sabbernden Mistkerle sie berühren, begrabschen und stöhnend in ihr vergraben könnte, trieb seinen Blutdruck in die Höhe.  

Er musste seine gesamte Selbstbeherrschung aufbringen, um nicht nach vorn zu stürzen und sie von dieser Tanzfläche zu zerren. 

Zum Glück schien es ihr für den Moment zu reichen und sie kam nach langer Zeit mal wieder zur Bar, nicht ohne vorher einen der Männer freundlich wegzuschicken, der ihr wahrscheinlich noch einen Drink spendieren wollte. 

„Es ist toll hier, Spike“, überfiel sie ihn begeistert und atemlos. 

Spike holte tief Luft. Ihre Wangen waren von dem vielen Tanzen gerötet und ihre Augen glänzten in der dämmrigen Beleuchtung der Bar. Er sah den feinen Schweißfilm auf ihrem Gesicht und auf ihren nackten Schultern, sah wie sich ihre Brust hob und senkte und verfluchte sich selbst dafür, dass er es registrierte.  

„Hallo“, winkte Buffy nach dem Barkeeper und bestellte ein Wasser. Kichernd beugte sie sich wieder zu Spike. „Ich glaube, ich habe zu viel getrunken.“ 

„Wir sollten gehen“, knurrte er, ohne sie anzusehen. 

„Schon?“ fragte sie enttäuscht und sah sich um. „Wo steckt sie?“ Erst dann registrierte sie seinen fast zornigen Gesichtsausdruck und musste grinsen. „Sag bloß, du hast keine gefunden, König-der-One-Night-Stands?“ 

„Ich bin nicht in Stimmung“, giftete er und Buffy lachte auf. Mit einer zornigen Bewegung schlang er seinen Arm um ihre Taille und zog sie zwischen seine Beine. „Ich hatte mehr damit zu tun, aufzupassen, dass dein Tanz nicht in einer Massenvergewaltigung endet!“ fauchte er in ihr Gesicht. 

Buffys Augen wurden groß. „Mein Tanz?“ Sie wollte abwehrend ihre Hände gegen seine Brust stemmen, doch sie kamen nur auf seiner Brust zu liegen, ohne Druck auszuüben. „Das…wolltest du…doch“, murmelte sie unsicher.  

Er zog sie noch ein Stück näher. „Diskret, Luv! Es war nicht die Rede davon, den halben Saal zu erregen!“ 

„Was?!“ Durch seinen festen Griff wurde sie gegen ihn gepresst und plötzlich weiteten sich ihre Augen, als sie durch den dünnen Stoff ihres Kleides den Grad seiner Erregung spürte. Zorn übermannte sie und ihre Hände legten sich auf seine Schultern, als sie sich zu ihm beugte. „Den halben Saal oder…dich?!“ zischte sie wütend. 

Im nächsten Moment schlang sich sein Arm um ihren Hals und seine Lippen krachten auf ihren Mund, als er ihren Kopf an sich riss.  

Buffy wollte ihn von sich stoßen. Sie wollte es wirklich, doch in seinem Kuss lag der gleiche Zorn, der in ihr selbst tobte. Fast aggressiv stieß seine Zunge zwischen ihr Zähne und ihre Hände schlangen sich automatisch um seinen Hals, als sie genau so wild antwortete.  

Ihre Zungen kämpften um Dominanz. Buffys Finger griffen in seine Haare, während seine Finger sich in ihre Locken krallten und ihren Kopf fixierten. Plötzlich schien alles um sie herum zur Bedeutungslosigkeit zu verschwimmen.  

Trotzdem war es Buffy, die letztendlich ihren Kopf von ihm losriss. Keuchend starrten sie sich einen Moment lang an, ihre Hände noch immer um seinen Hals und sein Arm um ihre Taille.  

Buffy holte durch ihren halb geöffneten Mund stoßweise Luft. Da war weniger Zorn in seinen Augen, sondern ein Verlangen, das ihr den Atem stocken ließ und ihr plötzlich Angst machte. 

„Nein“, stieß sie hervor und wusste, dass er sie verstand. „Niemals.“ 

Er wich ihrem Blick nicht aus, aber seine Augen wurden hart. „Niemals“, bestätigte er. 

„Ich gehe jetzt.“  

Er folgte ihr und sie akzeptierte es schweigend. Zehn Minuten später saßen sie in einem Taxi. Buffy sagte kein Wort und er ebenfalls nicht, weil er nicht wollte, dass der Taxifahrer mitbekam, worüber sie stritten. 

Als die Tür des Hauses hinter ihnen ins Schloss fiel, wurde ihm das eisige Schweigen zu blöd.  

„Es war eine vollkommen normale Reaktion“, stieß er hervor und folgte Buffy, die schnurstracks die Treppen hinauf lief. 

„Ich will nicht darüber reden!“  

Spike fluchte. „Warte.“ Sie stoppte so abrupt, dass er gegen sie lief und er fluchte wieder. „Bitte, Luv, du weißt genau, dass ich das niemals tun würde.“ 

Buffy fuhr herum und funkelte ihn an. „Für mich sah das nicht wie Niemals aus!“ 

„Jedem, der dir beim Tanzen zugeschaut hat, wurde die Hose zu eng!“ verteidigte er sich zornig.  

Buffy stemmte wütend die Hände in die Hüften. „Wieso hast du zugeschaut?! Du wolltest, dass ich mir irgendeinen der Idioten schnappe! Oder hattest du von Anfang an dich selbst im Visier?“ 

„Nein!“ fauchte er und sein Entsetzen über diese Unterstellung war echt. "Aber…aber, irgendwie…“ 

„Ja?“ bohrte sie ungeduldig. 

„Verdammt!“ fluchte er. „Irgendwie erschien es mir nicht richtig. Zu sehen, wie ihre Blicke dich schon ausgezogen haben! Es ist nicht richtig, Luv. Du bist mehr wert als ein schneller Fick in der Toilette des Nachtclubs. Es war idiotisch von mir, dich dazu überreden zu wollen.“ 

Buffy erstarb jedes Wort, was sie sagen wollte, auf der Zunge. Du bist mehr wert… Sie schluckte mühsam. „Ich habe nur getanzt“, flüsterte sie dann leise. „Es hat mir Spaß gemacht.“ 

Er nickte, vergrub seine Hände in den Hosentaschen und senkte fast betreten den Blick. „Ich weiß. Ich konnte dich trotzdem nicht allein lassen. Ich wollte da sein, wenn einer dieser Männer zu dem Entschluss kommt, dass du genug getanzt hast und man endlich zu Phase zwei übergehen sollte…“ 

Ihre Zähne gruben sich in ihre Unterlippe. „Wieso erregt dich mein Tanzen?“ piepste sie. „Du fandest mich immer hässlich. Du standest auf diese geschniegelten Modeltypen mit ihren Designerfrisuren…“ 

Spike hob den Blick wieder und sah sie ernst an. „Du bist alles andere als hässlich“, sagte er leise. „Du hast mehr Feuer als jede andere Frau, die mir begegnet ist und als du dort getanzt hast…nun, da flogen die Funken…“ Seine Stimme verklang und er legte den Kopf schief. „Ich wollte nicht, dass du es merkst…“ 

Buffy hatte eigentlich nur einen einzigen Satz gehört. „Du findest mich nicht hässlich?“ Sie fuhr fast nervös durch ihre Haare, jetzt komplett irritiert.  

„Nein.“ Er lächelte schwach. Er hätte noch viel mehr sagen können, aber er ahnte, dass es sie, genau wie ihn, noch mehr durcheinander bringen würde. Schließlich hatte sie Recht, er sollte nicht so reagieren, er hätte sie nicht küssen sollen und sie seinen Kuss nicht erwidern sollen.  

Halt.  

Er schluckte plötzlich, als ihm aufging, dass sie den Kuss tatsächlich erwidert hatte. Ihre Hände um seinen Nacken, ihr Körper, der sich gegen ihn presste... shit. 

„Ich...ich gehe jetzt schlafen...“, flüsterte sie und er brachte gerade mal ein Nicken zustande.

 

Spike sah ihr nach, bis sich ihre Tür hinter ihr schloss und kratzte sich nachdenklich am Kopf. Vielleicht standen sie beide etwas neben sich?

 

Jeder von ihnen hatte eine Menge Alkohol getrunken... dann war da noch die eigenartige Nähe, die plötzlich zwischen ihnen herrschte...

 

Nimm dich zusammen, du Idiot, ermahnte er sich selbst. Du kannst jede Frau der Welt haben. Nur nicht sie.

 

Das brachte ihn wieder etwas auf den Boden der Tatsachen zurück. Denn so heiß wie ihm ihr Körper jetzt erschien, eine einzige Nacht war es nicht wert, die Freundin zu verlieren, die er jetzt in ihr sah. Und vielleicht immer gesehen hatte, egal wie viel Streit sie miteinander gehabt hatten.

 

************

 

Immer wieder fluchend rannte Buffy vor Spike zurück zum Haus. Sie waren einige Kilometer den Strand aufwärts gejoggt. Natürlich hatten sie den Himmel gesehen, der zum ersten Mal seit Wochen wieder Wolken zeigte. Aber wer schenkte in dieser Gegend denn schon ein paar Wolken am Himmel Beachtung?

 

Als ein Wind aufzog und der Himmel schwarz wurde, stellten sie erschrocken fest, wie weit sie sich von ihrem Haus entfernt hatten und machten sich schleunigst auf den Heimweg. Zehn Minuten später öffnete der Himmel seine Pforten, sandte wahre Sturzbäche zur Erde und Buffy fing an zu fluchen.

 

„Ich hasse Regen“, schimpfte sie den ganzen Rückweg. „Ich hasse ihn wirklich.“

 

Ihre Kleidung war binnen von Sekunden durchweicht und klebte am Körper. Ihre Haare hingen klatschnass auf ihrem Rücken und klebten in ihrem Gesicht. Spike sah nicht viel besser aus, konnte aber noch immer lachen. Als es dann noch anfing zu gewittern, wetterte Buffy immer lauter.

 

Sie benötigten fast eine Dreiviertelstunde für den Rückweg. Spike knallte die Tür hinter sich ins Schloss und fing wieder an zu lachen, als er Buffy im Flur stehen sah und sich zu ihren Füßen eine Wasserlache bildete. Draußen krachte unaufhörlich der Donner und ab und zu erhellte ein Blitz die beginnende Dämmerung.

 

„Verflucht!“ Buffy wrang ihre Haare aus und funkelte Spike böse an. „Was gibt es zu lachen!? Mir ist kalt!“

 

„Dieses Bild wird sich ewig in mein Gedächtnis graben“, prustete er los. „Du siehst aus wie ein begossener Pudel.“

 

„Denkst du, du siehst besser aus!“ fauchte sie. „Ich muss mich jetzt aufwärmen. Ich bin die erste im Bad!“

 

„Wieso du?!“

 

Buffy stürzte zur Treppe und er hechtete ihr nach. „Wer als erstes oben ist, hat gewonnen!“ schrie sie herausfordernd, während sie drei Stufen auf einmal nahm.

 

Spike blieb ihr auf den Fersen.

 

Plötzlich waren sie wieder Kinder. Spike war immer mehr als wütend gewesen, wenn Buffy vor ihm das Bad blockierte, weil sie seiner Meinung nach Stunden brauchte und es war mehr als einmal passiert, dass er ihr die Tür vor der Nase zugeschlagen hatte und sie warten ließ, obwohl er wusste, dass sie es eilig hatte.

 

Er war keinen Meter hinter ihr, als sie nach der Türklinke griff und: „Gewonnen!“ rief.

 

Sie wollte die Tür öffnen, doch er warf sich gegen sie, presste sie mit dem Gesicht voran gegen die Tür und legte seine Hand auf ihre, die noch immer die Klinke umfing. „Das sehe ich noch nicht so“, schnurrte er neben ihrem Ohr.

 

Buffy krallte ihre Finger um die Klinke. „Du kennst die Regeln!“

 

„Manchmal muss man unfair spielen“, erklärte er glucksend, riss die Tür zusammen mit ihr auf und sprang durch den entstandenen Spalt.

 

Buffy hechtete ihm nach, verlor den Boden unter den Füßen und riss ihn mit ihrem Schwung um. Spike knallte auf die Fliesen, fluchte unbeherrscht, als der Schmerz durch seine Hüfte fuhr, drehte sich und griff geistesgegenwärtig zu, als Buffy auf ihm landete.

 

Buffy versuchte, ihn nicht gerade als Stoßdämpfer zu verwenden, doch ihre fuchtelnden Bewegungen und seine ihr eigentlich helfenden Hände verursachten nur, dass sie vollends die Balance verlor, zwischen seine Beine fiel und mit dem Gesicht voran in seinen Bauch knallte.

 

Unter ihnen bildete sich erneut eine Wasserlache und als Buffy den Kopf mit den klatschnassen Haaren hob, fing Spike an zu lachen. Sie fluchte wieder, richtete sich auf ihre Knie und Arme auf und sah böse auf ihn hinab. „Ich dusche zuerst!“

 

Ihr T-Shirt, die kurzen Short, alles klebte an ihrem Körper und ein Zittern huschte über die kalt gewordenen Haut. Spike sah vergnügt grinsend zu ihr hoch. „Vielleicht sollten wir losen, Luv. Ich sage, es ist ein Unentschieden.“

 

Sie richtete sich ächzend auf. „Mir ist so scheißegal, was du sagst! Raus aus dem Bad!“

 

Spike stand ebenfalls auf und verzog schmerzverzerrt das Gesicht. „Seh ich gar nicht ein!“ Mit verschränkten Armen lehnte er sich gegen das kleine Wandschränkchen und grinste sie an.

 

Buffys Augen verengten sich. „Ich dusche jetzt. Heiß. Egal, ob du gehst oder nicht!“ knurrte sie warnend.

 

„Echt?“ erkundigte er sich und hob die Augenbrauen. Das würde sie nie im Leben wagen.

 

Sie hob trotzig den Kopf und biss die klappernden Zähne aufeinander. Seine Augen funkelnden herausfordernd und ihr wurde schlagartig klar, dass er nicht gehen würde.

 

Und plötzlich war es ihr scheißegal. Er wollte ihr beim Ausziehen zuschauen? Sollte er doch!

 

Spikes Unterkiefer klappte nach unten, als sie mit einer wütenden Bewegung ihr T-Shirt über den Kopf zog und es in die Ecke pfiff. Er benötigte ganze fünf Sekunden, um zu begreifen, dass sie es wirklich durchzog.

 

Buffy funkelte ihn dermaßen wütend an, als sie die Shorts von ihren Beinen strampelte, den BH zur Seite warf, aber er war nicht in der Lage, den Blick abzuwenden.

 

„Die Show genossen!?“ fauchte sie ihm splitterfasernackt ins Gesicht und stolzierte an ihm vorbei in die Duschkabine.

 

Spike brachte kein Wort hervor. Die Plastiktür schloss sich hinter ihr und er gewann endlich wieder die Kontrolle über seinen Körper.

 

Und flüchtete. Mit einem lauten Knall schlug die Tür hinter ihm zu und über Buffys Gesicht huschte ein breites Grinsen.

 

Teil 8 

Buffy war es kalt. Obwohl sie sich einen langärmlichen Pullover und bequeme Freizeithosen angezogen hatte, war ihr kalt. 

Es regnete noch immer in Strömen und der Wind pfiff um das Haus. Ab und zu hörte sie in der Ferne den Donner grollen, aber das Gewitter schien vorbei gezogen.  

Spike war mit einem sehr eisigen Gesichtsausdruck an ihr vorbei im Bad verschwunden, nachdem sie es verlassen hatte. Sicherlich fror er auch, aber Buffy vertrat die Meinung, dass es ihr Recht war, als erste zu duschen. 

Erstaunt bemerkte sie, dass Spike den Kamin im Wohnzimmer entzündet hatte und das Knistern des Holzes vertrieb einen Teil ihres Unmutes über das schlechte Wetter. Noch hatte es das Feuer nicht geschafft, den Raum zu erwärmen. Leider war es zu dieser Jahreszeit auch nicht möglich, die Heizung in Gang zu bringen. 

Buffy schnappte sich die dicke Wolldecke und rollte sich auf der Couch zusammen. Mit der Wärme, die sich langsam in ihre Glieder vortastete, kam auch die Müdigkeit. Plötzlich spürte sie die Anstrengung des weiten Laufes, auch wenn sie von sich behaupten konnte, durchtrainiert zu sein.  

Mit einem Gedankenbefehl aktivierte sie den Fernseher, zog sich die Decke bis ans Kinn und kuschelte sich in den warmen Flies. 

„Was ist denn mit dir?“ fragte Spike eine halbe Stunde später, als er wieder die Treppe herunter kam. 

„Ich hasse Regen und ich hasse Kälte“, murmelte sie müde.  

Im nächsten Moment fuhr sie zusammen, als die Lehne der Couch nach hinten klappte, er neben sie sprang und sich ausstreckte. „Soll ich Essen bestellen? Was denkst du? Pizza?“ 

„Geh in den Sessel“, brummte sie missmutig.  

Spike beugte sich über sie. „Es ist überhaupt nicht mehr kalt. Weil ich die tolle Idee mit dem Feuer hatte“, erklärte er großspurig. „Willst du einen Grog?“  

Er sprang wieder auf, ging noch einmal zum Kamin, legte Holz nach und dann hörte Buffy, dass er das Zimmer verließ.  

Er telefonierte, sicherlich mit dem Pizzaservice und klapperte in der Küche herum. Sie seufzte. Sie konnte sich nicht entsinnen, zu irgendeinem seiner Vorschläge ja gesagt zu haben, aber eigentlich hatte sie weder an Pizza noch an Grog etwas auszusetzen. 

Spike kam mit zwei dampfenden Bechern wieder. „Komm schon. Hinsetzen.“  

„Was bist du?“ murrte sie und setzte sich trotzdem. „Mein Vater?“ 

„Dein Lieblingsbruder“, verkündete er vergnügt und setzte sich neben sie. „Du übertreibst es ein bisschen mit der Decke, oder?“ 

„Nein.“ Buffy zog die Decke noch enger um ihre Schultern. „Sie ist herrlich warm.“ Der Grog war auch herrlich und Buffy fühlte die angenehme Wärme, die sich in ihrem Körper ausbreitete.  

Als die Pizza geliefert wurde, war Buffys Glas leer und es ging ihr blendend. Sie war Spike nicht einmal mehr wegen dem Streit um das Bad böse.  

Während er aß, blätterte Spike durch die DVD-Sammlung. „Was willst du sehen?“ 

„Mir egal. Ich schlafe eh gleich ein“, murmelte sie kauend.   

„Jetzt schon?“ schimpfte er gespielt und legte die DVD in den Player. „Dein Schlafzimmer ist oben.“

Sie lachte. „Denkst du allen Ernstes, ich gehe heute in die Kälte hinauf, wenn du hier so ein schönes Feuer gemacht hast?“ 

„War das ein Lob aus deinem Mund?“ Er stand auf, räumte das Geschirr in die Küche und fragte noch einmal durch die Tür. „Noch einen Grog oder steigen wir auf Wein um?“ 

Buffy streckte sich wieder auf der Couch aus. „Wein.“ Wenn Spike will, kann er richtig fürsorglich sein, dachte sie kichernd und genoss es einfach, dass er sich um sie kümmerte. 

Er stellte das Weinglas vor sie auf den Tisch, sein eigenes auf die andere Seite der Couch und warf sich wieder neben sie.  

„Ab in den Sessel“, beschwerte sich Buffy. Wie üblich interessierte es ihn überhaupt nicht. 

„So warm ist es nun doch nicht“, argumentierte er und rutschte näher. „Und du hast nur eine Decke.“ 

„Was?!“ Buffy fuhr hoch und drehte sich um. „Oben in deinem Bett ist eine Decke!“ Als er nur grinste, zog sie die Decke bis an ihr Kinn. „Das kannst du so was von vergessen!“ 

„Du bist kindisch. Du sollst mir doch nur ein Stück abgeben.“ 

„Kindisch?!“ Sie stieß ihm wütend die Hand gegen die Brust. „Du wirst von der Couch fliegen, wenn du nicht gleich ein wenig Abstand zwischen mich und dich bringst!“ 

Spike stützte sich auf seinen Ellenbogen und hob seine Hand zum Rand ihrer Decke, die sie von innen mit ihren Fingern umklammerte. „Beunruhigt dich der Abstand zwischen uns?“ fragte er mit einem hinterhältigen Grinsen. „Nun, mich nicht. Zum Glück hast du ja ausnahmsweise mal etwas an.“ 

Buffy schlug zu, musste in diesem Moment jedoch die Decke los lassen. Darauf hatte er spekuliert, zog sie mit einer schnellen Bewegung zur Seite über seinen Körper. Sie fluchte, als ihr schöner warmer Körper plötzlich mit der kälteren Zimmertemperatur konfrontiert wurde. 

„Ich werde krank!“ fauchte sie und zerrte an der Decke. 

„Du darfst dich an mich kuscheln“, grinste Spike belustigt und hob einladend die Decke. 

„Spinnst du eigentlich?! Ich will nicht mit dir kuscheln! Wenn du kuscheln willst, geh ins Bronze und such dir so eine Tussi! Ich denke gar nicht… Ewww!!“ 

Er schlang seinen Arm um ihre Taille, ehe sie weiter protestieren konnte und zog sie mit dem Rücken an sich. „Hör auf zu zappeln. Ich würde dann gern den Film schauen“, schimpfte er und schlang die Decke um ihre beiden Körper. „Außerdem, Luv“, flüsterte er weiter neben ihrem Ohr. „Mit einer solchen Frau würde ich doch nicht kuscheln. Ich würde sie einfach nur f…“ Ihr Ellenbogen rammte sich rückwärts in seinen Bauch. „Au!“ 

„Das nächste Mal landet meine Faust in einem anderen Körperteil“, versprach sie trocken. „Und dann wirst du die Tätigkeit, die dieses obszöne Wort beschreibt, eine ganze Weile nicht mehr ausführen können.“ 

Spike knurrte irgendetwas unverständliches, rutschte höher, damit er über ihren Kopf schauen konnte und aktivierte telekinetisch den Player.  

Entgegen ihrer Worte *kuschelte* sie sich an ihn und stellte fest, dass er sehr viel besser als jeder Ofen war. Wenn es nicht gerade Spike wäre, könnte es direkt romantisch sein, mit dem knisternden Feuer und dem Wein. Fehlten noch die Kerzen, dachte sie vor sich hin kichernd. 

„Was ist so lustig?“ fragte er missmutig. 

„Ich habe gerade über die Romantik dieser Situation nachgedacht“, gab sie zu. „Feuer, Wein, eine kuschelige Decke. Würdest du vielleicht noch Kerzen anzünden?“ fragte sie dann scheinheilig. 

„Soll ich noch niederknien und dir einen Heiratsantrag machen?“ erkundigte er sich sarkastisch. 

Buffy lachte auf. „Oh ja, aber dann installieren wir erst eine Kamera, damit ich mich später noch daran ergötzen kann.“ 

Er starrte auf ihren blonden Kopf. „Du denkst, es wäre lächerlich? Ich könnte das nicht? Einer Frau die Tränen der Rührung in die Augen treiben?“  

Buffy lehnte ihren Kopf zurück gegen seine Brust. „Du könntest eine Frau an den Rand der Verzweiflung treiben. Diese Tränen darfst du nicht mit Rührung verwechseln.“ 

„Du kennst mich überhaupt nicht!“ 

Er klang tatsächlich beleidigt. Buffy lachte auf. „Spike, ich kenne dich besser als jeder andere Mensch auf dieser Welt. Du bist ein unromantisches, unsensibles, sarkastisches und egoistisches Trampeltier.“  

„Nun, immer noch besser als eine romantische, leidende und von Liebe träumende Heulsuse“, giftete er und wollte sich selbst nicht eingestehen, dass ein Funken Wahrheit in ihren Worten steckte. 

„Uhh“, machte Buffy. „Habe ich einen Nerv getroffen?“  

„Halt jetzt endlich die Klappe, ich will den Film sehen.“  

Sie schaute vielleicht fünf Minuten in den Fernseher und fing wieder an zu kichern. Spike schickte ein Stoßgebet zum Himmel. „Vielleicht verschwindest du einfach und lässt mich den Film allein sehen. Was ist jetzt so lustig?“ 

„Mir ging gerade durch den Kopf, wie du das anstellst, dass die Frauen immer auf dich hereinfallen.“ Buffy langte nach dem Weinglas und trank einen Schluck. „Eigentlich kann ich mir überhaupt nicht vorstellen, wie du das machst.“ 

Spike dagegen wurde immer wütender. „Wenn ich will, kann ich sehr charmant sein. Und die Betonung liegt auf *wenn ich will*.“ Sie hatte das Glas kaum wieder abgestellt, als er sie zurück an seine Seite zog. „Und jetzt lieg, verdammt noch mal, still!“ 

Buffy legte ihren Kopf auf ihren angewinkelten Arm und versuchte wirklich, sich auf den Film zu konzentrieren. Es war ein Action-Film mit wenig Handlung und jeder Menge Kampfszenen. Sehr langweilig. Deshalb hatte sie Zeit, ihre Gedanken weiter zu spinnen. „Ich habe noch nie erlebt, dass du irgendetwas tust, was man als charmant bezeichnen kann.“ 

 „Ich habe absolut keinen Grund, mich dir gegenüber so zu verhalten!“ schrie er jetzt ernsthaft böse. 

„Vielleicht hast du noch eine geheime mentale Gabe – Hypnosuggestion – und setzt die ein…“  

Mit einer zornigen Bewegung drehte er sie zu sich um. „Ich werde dir deinen süßen Hals umdrehen, wenn du nicht sofort die Klappe hältst!“ 

Buffy lachte ihm ins Gesicht. „Wahrlich charmant.“ 

Er griff nach seinem Weinglas und kippte es hinunter. Buffy hatte sich wieder umgedreht und verfolgte gelangweilt den Film. Seine Augen blieben an den blonden Haaren hängen, die sich über die halbe Couch ausbreiteten. „Ich wette“, sagte er plötzlich mit einen bösen Grinsen. „Ich würde es auch schaffen, dich zu beeindrucken.“ 

„Haha“, murmelte Buffy, dann erst kam an, was er sagte und sie fuhr herum. „Was?!“ 

Er beugte sich zu ihr und hauchte leise. „Ein Abend, Luv. Du und ich, als wäre es eines meiner Dates.“ 

„Den Sex nach deinen Dates kannst du gleich vergessen!“ stieß sie erschrocken hervor. 

Spike verdrehte die Augen. „Sicher. Ich rede von der Zeit davor. Ich werde dich genau so behandeln wie die Frauen, mit denen ich ausgehe.“  

„Du schaffst nie, mich zu beeindrucken. Nie.“ Trotzdem fühlte sie ein eigenartiges Zittern in ihrer Magengegend. Um sich selbst zu beruhigen, setzte sie noch hinzu. „Ich weiß, dass du nur eine Show abziehst.“ 

„Also? Wetten wir?“ Er stützte seinen Kopf auf seine Hand. „Damit ich gewonnen habe, musst du nur zugeben, dass du einen schönen Abend hattest.“ 

Nie im Leben würde sie das zugeben. Selbst wenn es so wäre.  

„In dem Moment, wenn wir das Haus betreten, ist der Abend beendet“, fuhr er fort.  

Buffy hatte eine Schwäche für Herausforderungen. Speziell, wenn diese eine Person sie aussprach. Ihre Augen wurden schmal. „Wettbedingungen?“ 

Ein teuflisches Grinsen huschte über seine Lippen. „Wenn ich gewinne, möchte ich einmal deine romantische Erfahrung machen und ein Ich liebe dich aus dem Mund einer Frau hören. Aus deinem.“ 

Ihr Mund klappte auf und sie wurde blass. „Spinnst du?“ 

„Wieso?“ fragte er scheinheilig. „Du sollst es doch nur sagen. Natürlich so, dass es echt klingt.“ 

„Ich lache mich tot dabei.“ Wahrscheinlich würde sie eher sterben. „Ich habe das noch nie zu jemandem gesagt.“ 

„Ein bisschen Übung schadet nie“, entgegnete er trocken. „Was soll ich tun?“ 

Sie sah ihn eine ganze Weile an und sein blödes Grinsen trieb ihren Blutdruck in die Höhe. „Den Heiratsantrag auf den Knien. So, dass ich es glaube!“ 

Übergangslos war das Grinsen verschwunden und er presste die Lippen aufeinander. „Okay!“ zischte er dann zwischen den Zähnen hindurch.  

Sie besiegelten die Wette mit einem Handschlag. 

Und Buffy beruhigte ihre flatternden Nerven schnell mit dem Rest ihres Rotweins, ehe sie wieder unter die Decke kroch und Spike sie an sich zog. Sein Arm blieb um ihre Taille liegen und er flüsterte in ihr Ohr: „Gewöhn dich schon mal an den Gedanken, den halben Abend in meinen Armen zu verbringen.“ 

Die Hitze schoss in ihr Gesicht und sie atmete tief durch, ehe sie sagte. „Vergiss es, Casanova. Ich werde ein sehr frigides Date sein!“ 

Er lachte leise und dieses Lachen sandte einen eigenartigen Schauer ihren Rücken hinab. Sie schloss kurz die Augen, als er sie enger an sich zog und fragte sich, ob es nicht ein Fehler war, sich auf die Wette einzulassen.  

Nein, wies sie sich selbst zurecht. Du wirst dafür sorgen, dass er seine Maske ganz schnell los wird und dein Spott wird ihn die Beherrschung verlieren lassen. 

Dummerweise fühlte sich sein Körper in ihrem Rücken gut an. Buffy schloss müde die Augen. Der Film interessierte sie sowieso nicht. Unbewusst schmiegte sie sich noch enger an ihn, als sie eine bequemere Lage suchte.  

Spike schaute lange in den Film und nahm doch jede kleinste ihrer Bewegungen wahr. Erst als der Abspann lief und er den Fernseher samt Player deaktivierte, sah er auf ihre schlanke Gestalt, die in seinen Armen eingeschlafen war.  

Er seufzte leise und zog die Decke ordentlich über sie beide. Sein Gesicht nahm einen fast weichen Ausdruck an, als er sanft über ihre Haare strich. „Schlaf gut, Luv“, flüsterte er und löschte telekinetisch das Licht.  

Vielleicht würde sie sauer sein, wenn sie ihn morgen neben sich entdeckte, aber er hatte genauso wenig Lust, in das kalte Zimmer und vor allem in das kalte Bett hinauf zu steigen.  

Das herunter gebrannte Kaminfeuer verbreitete noch einen sanften Schimmer und Spike lehnte seine Wangen gegen ihre Haare. Vielleicht hatte sie doch nicht ganz Unrecht.  

Ein wenig Romantik war nicht ganz übel. Würde er natürlich nie sagen. 

                           ***************** 

„Luv?“ 

Buffy hob träge ihren Kopf von ihrem Buch. Sie lag im Liegestuhl in ihrem Garten. Nach dem Gewitter und dem die ganze Nacht anhaltenden Regen schien die Natur frisch gewaschen. Die Sonne brannte wieder in unverminderter Stärke von einem wolkenlosen Himmel und Buffy genoss die Wärme mehr als alles andere. 

Sie war am Morgen mehr als erschrocken gewesen, wieder neben Spike aufzuwachen. Das schlimmste war, dass sie diesmal ihren Arm um ihn geschlungen und ihn fast als Kissen benutzt hatte. Zum Glück schlief er noch und sie hatte das Wohnzimmer ganz schnell verlassen, ehe er munter werden konnte. 

Später am Tag verschwand er, ohne ihr zu sagen wohin und sie weigerte sich, darüber böse zu sein. Weil sie eigentlich nicht näher über diese blöde Wette nachdenken wollte und hoffte, er würde sie einfach als Spaß abtun. 

Jetzt steckte er seinen Kopf in den Garten. „Komm Faulpelz, scher dich hoch. Ich war einkaufen.“ 

„Und?“ fragte sie mürrisch. Er ging andauernd einkaufen. Eigentlich war es schön, plötzlich immer einen vollen Kühlschrank zu haben, auch wenn sie die Nummern aller umliegenden Lieferservice im Kopf hatte. 

„Ich möchte wissen, ob dir auch passt, was ich gekauft habe!“ setzte er hinzu und Buffy fuhr hoch. 

Passen? „Was hast du gekauft?“ erkundigte sie sich hellhörig und sprang aus dem Liegestuhl. Sie zog schnell ein T-Shirt über ihren Bikini und betrat das Haus. 

Auf dem Tisch im Wohnzimmer lagen jede Menge Schachteln und Einkaufstüten. Buffy blieb verblüfft stehen und fragte vorsichtig. „Was ist das?“ 

„Ich bereite unser Date vor“, erklärte er vergnügt und grinste belustigt über ihren vollkommen perplexen Gesichtsausdruck. Dann griff er nach einer der Schachteln, nahm ihre Hand und zog sie vor den großen Spiegel im Flur. 

Mit gerunzelter Stirn verfolgte sie im Spiegel, wie er die Schachtel öffnete und hinter sie trat. „Du kaufst doch nie für deine ...“ Alles was sie sagen wollte, erstarb auf ihrer Zunge, als er hinter sie trat und ein Kleid am Bügel vor ihren Körper hielt. 

Und was für ein Kleid! 

„Oh mein Gott“, hauchte Buffy.  

Zum ersten Mal in ihrem Leben fehlten ihr einfach die Worte. Mit großen Augen schaute sie in den Spiegel, registrierte sehr wohl Spikes feines Lächeln, aber alles, was sie sehen konnte, war der Traum von einem Kleid.  

Dabei war es kein Kleid, das sie eventuell in einem Laden beachtet hätte. Erstens weil es sicherlich ein Vermögen kostete und zweitens, weil sie keine Ahnung hatte, zu welchem Anlass sie ein derartiges Kleid tragen sollte.  

Es war dunkelgrün, ein langer weich fließender Stoff, der sicherlich bis zu ihren Knöcheln reichen würde. Über den Schultern wurde es von zwei Spaghettiträgern gehalten. Im Dekollete war der Stoff etwas gerafft, aber der Ausschnitt schien Buffy noch immer sehr weit. 

„Wohin zum Teufel gehen wir?“ brachte sie nach einer Weile hervor. 

„Das ist ein Geheimnis.“ Sein Grinsen wurde noch breiter. „Aber glaub mir, das Kleid ist dem Anlass entsprechend. Möchtest du es probieren?“ 

Buffy strich fast ehrfürchtig über den weichen, sich wie Samt anfühlenden Stoff. „Woher kennst du meine Größe?“ 

„Ich habe Anya angerufen“, antwortete er und hob belustigt die Augenbrauen, als er ihren geschockten Gesichtsausdruck im Spiegel bemerkte. „Sie hat geschätzt. Auch deine Schuhgröße und...“ 

„Schuhe?“ fragte sie schwach. 

Er nickte, schlang seinen Arm um ihre Taille und zog sie kurz an sich. Mit einem süffisanten Grinsen flüsterte er in ihr Ohr. „Und die Dessousgröße...“   

Es war eine sehr sehr dumme Idee, sich auf die Wette einzulassen. Buffy brachte jetzt schon kein Wort hervor. Sie musste schleunigst ihre Sinne sammeln, ehe sie anfing, irgendwelchen beeindruckten Schwachsinn von sich zu geben.  

Deshalb atmete sie erst einmal tief durch, nahm ihm das Kleid aus der Hand und drehte sich um. „Wo ist der Rest?“ 

„Ich bringe ihn mit hoch.“ Er stürzte begeistert zurück ins Wohnzimmer und schnappte sich die entsprechenden Schachteln. 

„Komm bloß nicht auf die Idee, mir bei der Anprobe zusehen zu wollen!“ rief Buffy ihm nach.  

Er verließ ihr Zimmer wirklich wieder, nachdem er die Schachteln auf dem Bett abgelegt hatte. Natürlich nicht, ohne ihr einen bedauernden Blick zuzuwerfen. 

Buffy fuhr sich erst einmal durch die Haare, wie um sich selbst zu beruhigen, ehe sie das Kleid an den Schrank hängte und vorsichtig die Schachteln öffnete.  

„Wow, wow, wow“, murmelte sie leise und nahm das Paar hochhackige Pumps in die Hand. Die Schuhe waren im gleichen Farbton wie das Kleid gehalten und einfach, aber unwahrscheinlich elegant.  

Buffy schlüpfte kurz hinein. Sie passten wie angegossen und vor dem Spiegel musste sie feststellen, dass die hohen Absätze ihre schmalen Fesseln noch betonten.  

Verflucht, sie hatte nicht einmal geahnt, dass Spike soviel Geschmack beim Aussuchen von Damenkleidung besaß. Oder hatte er womöglich Anya gleich mitgeschleppt? 

Nein, niemals, beantwortete sie sich die Frage selbst. Bei Anyas Kleidung zählte Zweckdienlichkeit, sie war niemals eine gute Beraterin in Sachen Exquisitmode. Nur, wenn es um Frisuren ging. 

Ein eigenartiges Gefühl breitete sich in ihrem Unterleib aus, als sie die letzte Schachtel ansah. Spikes Worten zufolgte musste sich darin die entsprechende Unterwäsche befinden und bei dem Gedanken, dass Spike ihr Dessous gekauft hatte, wurde ihr ganz komisch.  

Fast ängstlich hob sie den Deckel der Schachtel an und starrte dann eine ganze Weile auf den Inhalt, der sicherlich genauso teuer war wie der Rest der Garderobe, ehe sie wagte, hinein zu greifen. 

Es war Seide. Sie wusste es sofort, als ihre Finger das feine Material berührten und genauso wie die Schuhe und das Kleid, war die Unterwäsche dunkelgrün.  

Sie bestand aus nicht viel Stoff und würde unter dem Kleid kaum zu bemerken sein. Buffy hatte geglaubt, Spike würde etwas extravagantes sexistisches kaufen, aber genauso wie das Kleid, bestachen die Dessous durch ihre elegante Einfachheit.  

Da war der String, nur ein Hauch Stoff, aber da der Stoff des Kleides sich sicherlich an ihre Haut schmiegte, war es genau richtig so. Der BH war im vorderen Bereich mit etwas Spitze besetzt und ließ sich auch vorn schließen. Die dünnen Träger würden unter den Trägern des Kleides kaum auffallen. 

Buffy war froh, allein zu sein und versuchte das Chaos, das in ihr herrschte, zu beruhigen. Mit einem nachdenklichen Blick zur Tür, schlüpfte sie aus dem T-Shirt und dem Bikini und zog die Seidenunterwäsche an. Ungläubig schüttelte sie den Kopf, als sie feststellte, dass diese ebenfalls passte und betrachtete sich selbst im Spiegel.  

„Oh je, Buffy“, murmelte sie wieder zu sich selbst. „Das wird ein ganz gefährlicher Abend.“ 

Eine leichte Röte stand in ihren Wangen und als sie sich jetzt so ansah, fand sie, dass die Unterwäsche trotz ihrer Einfachheit unwahrscheinlich sexy aussah. Und sie kam sich auch sexy vor. Das war wirklich sehr gefährlich...

Teil 9

 

„Anya, du musst sofort herkommen!“ rief Buffy fast panisch in das Telefon. „Ich kann unmöglich zu *diesem* Kleid mit *diesen* Haaren gehen!“

„Tief durchatmen, Süße“, beruhigte Anya sie. „Ich bin in fünf Minuten da.“

Es dauerte wirklich keine zehn Minuten, bis es klingelte und Spike Anya mit einem gelangweilten Blick die Treppen hinauf schickte.

Buffy hatte sich nicht von ihrem Spiegel weggerührt. Sie sah fast verzweifelt auf ihr Bild und verfluchte einmal mehr ihr Ungeschick, etwas wirklich schönes aus ihren Haaren zu machen. Neben dem herrlich eleganten Kleid, das ihren Körper umfloss und sich an ihre Kurven schmiegte, sahen die lockigen blonden Haare einfach einfallslos aus.

„Oh. Mein. Gott.“ Anyas Mund blieb offen stehen, als sie Buffy in dem Kleid sah. Schnell schloss sie die Tür hinter sich und zischte. „Spike? Spike hat dieses Kleid gekauft?“ Sie klang mehr als fassungslos. „Der Spike, der da unten die Füße auf den Wohnzimmertisch gelegt hat?“

„Ja. Und noch viel mehr. Ich trage heute nur Sachen, die er gekauft hat“, antwortete Buffy kläglich. „Hilf mir, An. Was mache ich mit den Haaren?“

„Setzen!“ kommandierte Anya. „Woher kommt die plötzliche Zuneigung? Ich habe immer gedacht, du magst ihn nicht.“

Buffy zuckte unbehaglich mit den Schultern. Sie erwog einen kurzen Moment, Anya von der Wette zu erzählen, doch sie tat es nicht. „Wir sind erwachsen geworden. Und sollten diesen lästigen Streit endlich begraben.“

Anya packte ihre Tasche aus. Buffy wusste aus Erfahrung, dass Anya vielleicht für Kleidung nicht unbedingt ein Händchen hatte, aber im Handumdrehen eine annehmbare Frisur zaubern, darin war sie eine Meisterin. „Schläfst du mit ihm?“ fragte Anya neugierig.

„Nein!“ entfuhr es Buffy entsetzt.

„Komm schon, Süße, hab dich nicht so. Du bist nicht mit ihm verwandt und er sieht einfach toll aus.“ Anya kam mit Händen voll von Klemmen und Haarnadeln zurück. „Ich stecke sie hoch. Dieses Kleid verdient es, der volle Blickfang zu sein.“ Sie lächelte Buffy im Spiegel an. „Und dann werden wir uns noch mit deinem Make-up beschäftigen.“

Eine halbe Stunde später konnte Buffy nur noch fassungslos den Kopf schütteln. Sie sah aus wie jemand anderes. Anya hatte die Haare hoch gesteckt, jedoch an ihren Seiten zwei dünne Strähnen neben ihrem Gesicht hängen lassen. Auch im Nacken kitzelten ein paar vorwitzige Locken ihre Haut, verbargen jedoch nicht den schmalen Hals, sondern betonten ihn noch.

„Okay!“ Sie klatschte begeistert in die Hände. „Jetzt fühle ich mich dem Abend gewachsen.“

Sie riss ihre Tür auf und blieb erst einmal wie vom Donner gerührt stehen, als sie Spike entdeckte.

„Oh. Oh“, machte Anya hinter ihr. „Spike, du verstehst es immer wieder, Frauen vom Hocker zu reißen.“

Zum Glück starrte Spike Buffy genau so fassungslos an wie diese ihn, so dass ihm nicht aufzufallen schien, dass Buffy die Bemerkung nicht einmal abstritt.

Buffy musste mehrmals schlucken, ehe sie wieder fähig war zu sprechen. Spike trug einen Smoking, ganz in schwarz. Und er sah aus, als wäre er darin geboren.

Buffy! schrie sie sich selbst an. Reiß dich zusammen, du willst eine Wette gewinnen!

Sie zauberte ein Lächeln auf ihre Lippen. „Wann erfahre ich denn nun, wohin wir gehen?“

„Jetzt noch nicht.“ Er ließ sie vor sich die Treppe hinab gehen und atmete tief durch, als er den Bewegungen ihrer Hüfte mit den Augen folgte.

Anya verabschiedete sich und wünschte ihnen einen schönen Abend.

Buffy drehte sich im Flur zu Spike um. Schon allein die Art und Weise, wie er sie ansah, ließ sie sich unwahrscheinlich mächtig fühlen. „Können wir?“

Er nickte stumm.

„Na dann los“, verkündete sie vergnügt. „Ich freue mich schon darauf, dich heute Abend auf deinen Knien zu erleben.“

Spikes Augen verengten sich, als er die Tür für sie aufhielt. „Wenn heute Abend jemand auf den Knien landet, bist du das“, knurrte er leise, doch Buffy hatte ihn gehört und fuhr herum.

„Was war das?!“ fragte sie böse.

„Wir sind noch im Haus!“ verteidigte er sich. „Die Wette beginnt erst, wenn wir es verlassen.“

Buffy Finger spießte sich in seine Brust. „Du hast schon so was von verloren!“ schwor sie und stolzierte an ihm vorbei hinaus auf die Straße.

Spike fluchte lautlos, ehe er ihr folgte.

                                  ***********

„Wie weit ist es denn noch“, quengelte Buffy bestimmt zum fünften Mal in dieser Stunde. Spike hatte nicht viel gesprochen auf der Fahrt und Buffy war froh darüber.

„Wir sind da“, sagte er leise und lenkte das Auto auf den Parkplatz vor dem riesigen schon fast als Schloss zu bezeichnenden Gebäude.

Buffy drückte sich fast die Nase an der Scheibe platt. „Das Theater? Wir gehen ins Theater?“ fragte sie ungläubig und beobachtete, wie er sich in die Schlange wartender Autos einreihte.

„Erst einmal“, antwortete er lächelnd.

„Was wird gespielt?“ Sie sah, dass die Autos von wartenden jungen Männern in Uniformen abgenommen und geparkt wurden. Wow, ging es ihr durch den Kopf. Das wird wohl richtig vornehm? Aber eigentlich hätte sie es sich denken können, schließlich brauchte sie nur ihre Kleidung zu betrachten.

„Carmen“, sagte er nur, hielt das Auto an und stieg aus. Und flüsterte noch. „Sitzen bleiben.“

Ein junger blonder Page öffnete ihre Tür des Autos. „Herzlich willkommen, Mylady.“

Buffy lächelte ihn freundlich an, stieg aus dem Auto und nahm Spikes angebotenen Arm. Sie fühlte sich, als würde sie zu einem Kostümball gehen, aber ein schneller Rundblick zeigte ihr, dass die anderen Gäste genau so exklusiv gekleidet waren wie sie beide.

„Carmen ist eine Oper“, flüsterte sie Spike zu. „In welcher Sprache wird sie gesungen?“

„Italienisch“, grinste er und lachte über ihren geschockten Gesichtsausdruck. „Du bekommst ein Programm mit der englischen Fassung und außerdem hast du ja mich.“

Die Atmosphäre nahm Buffy gefangen. Innen erinnerte das Gebäude ebenfalls an ein Schloss und sie ließ ihren Blick neugierig umher schweifen. Spike schien nicht zum ersten Mal hier zu sein, denn er führte sie, ohne zu zögern, den richtigen Weg entlang, überreichte einer jungen Dame in Uniform ihre Eintrittskarten, nahm die Programmhefte in Empfang, und stieg mit Buffy die Treppen zum ersten Rang empor.

Ihre Plätze befanden sich in einer Einzelloge. Neugierig beugte sich Buffy über die Brüstung. „Das Theater ist fast voll“, murmelte sie und versuchte, nicht ganz so begeistert zu klingen.

„Vorstellungen hier sind das Highlight der Saison“, erklärte er und entkorkte die Sektflasche, die in dem Kühler auf dem kleinen runden Tisch vor ihren Sesseln stand. „In der Pause werden Speisen serviert“, fuhr er fort. „Und nach dem Ende der Vorstellung findet der große Abschlussball im Grünen Saal statt.“

Buffy drehte sich um, lehnte sich gegen die Brüstung und lächelte amüsiert. „Wow... wow. Du hast alle Register gezogen, ja?“

„Ich habe noch gar nicht angefangen“, sagte er sanft, nahm die beiden Sektgläser in die Hand und kam langsam auf sie zu. „Und deshalb solltest du dich erst einmal entspannen und die Vorstellung genießen.“

Sie lachte auf. „Ich werde mich gar nicht entspannen, mein Freund.“

Er legte den Kopf schief, reichte ihr das Glas und grinste. „Auf einen schönen Abend, Luv.“

Ihr Glas tippte gegen seins. Amüsiert ging ihr durch den Kopf, dass er wirklich süß aussah, wenn er mit diesem Funkeln in den Augen lächelte und sie konnte sich sehr gut vorstellen, was die anderen Frauen in ihm sahen. „Auf einen schönen Abend“, wiederholte sie seine Worte.

Spike nippte nur an dem Sekt. „Du siehst fantastisch aus, Luv.“ Ihre Hand mit dem Glas erstarrte und sie musterte ihn misstrauisch. „Du trägst doch auch die Unterwäsche, die ich gekauft habe, oder? Gefällt sie dir?“ Er lächelte, als eine feine Röte in ihre Wangen stieg.

„Hm“, murmelte sie nur. „Dein Geschmack ist ganz gut.“

Er lehnte sich neben sie an das Geländer und blickte hinunter in das nun volle Theater. Buffy atmete tief durch, als sein Arm ihren berührte.

„Ich habe mir vorgestellt, wie du darin aussiehst...“

Ihr Kopf schoss herum und ihr Blick traf seine blauen Augen. „Das solltest du schleunigst lassen“, stieß sie hervor. 

Er lachte leise. „Luv, glaubst du wirklich, ich würde nicht daran denken, wenn ich doch genau weiß, dass ich alles, was du trägst, persönlich ausgesucht habe und deshalb haargenau weiß, wie es aussieht?“

Ihr wurde heiß. „Ich wusste, da ist ein Haken an der Kleidung.“ Hastig trank sie einen Schluck von dem Sekt und weigerte sich, darüber nachzudenken, was er sich gerade vorstellte.

Obwohl, er tat das sicherlich gar nicht, sondern sagte es nur, weil er sie einfach in Verlegenheit bringen wollte? Oder sollte sie es als Kompliment werten? Und sie musste plötzlich ebenfalls grinsen.

Sie ging um ihn herum, so dass sie vor ihm stand, schloss mit einem kurzen Schritt den Abstand zwischen ihnen und lehnte sich an ihn. „Obwohl, Spike“, sagte sie leise, ohne den Blick aus seinen Augen zu lösen. „Stell dir vor, was du willst. Denn du wirst schließlich nie erfahren, ob deine Vorstellung der Wirklichkeit entspricht.“

Einen kurzen Moment loderte es in seinen Augen auf, dann schien er sich wieder unter Kontrolle zu haben. Seine Hand schloss sich um ihre Taille und sie fühlte, wie er sie an sich presste. „Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie du in Unterwäsche aussahst. Und sogar ohne. Ich denke, meine Vorstellung ist sehr realistisch.“ Seine Augen wanderten zu ihrem Mund und Buffy schwor sich, ihm eine zu kleben, wenn er es wagen würde, sie jetzt zu küssen. Er schien das zu ahnen, denn er ließ sie wieder los. „Setzen wir uns.“

Fünf Minuten später erlosch das Licht und das Stück auf der Bühne nahm Buffy gefangen. Spike warf ihr ab und zu einen nachdenklichen Blick zu, doch sie nahm es gar nicht wahr, weil sie viel zu fasziniert die Handlung verfolgte. Immer wieder wanderten ihre Augen zum Programmheft, aber es war nicht einfach, in der Dunkelheit den englischen Text mitzulesen. „Kennst du das Stück?“ flüsterte sie nach einer Weile.

„Ja. Ich habe es schon in Englisch gesehen.“

Auf der Bühne lernte Carmen gerade José kennen. In einem Streit hatte Carmen eine andere Arbeiterin in der Zigarettenfabrik verletzt. José, Sergeant in der kleinen Stadt, wurde beauftragt, sie ins Gefängnis zu bringen, doch die schöne Carmen war dabei, ihn eifrig zu becircen.

Spike lehnte sich zu ihr und erzählte mit seinen eigenen Worten, was gerade gesungen wurde.

„Dummkopf“, kommentierte Buffy, als José eine Arreststrafe auf sich nahm, weil er Carmen entkommen ließ, die ihm dafür ein Rendezvous versprach.

„Er ist verliebt“, flüsterte Spike neben ihrem Ohr.

„Sie liebt ihn nicht. Sie benutzt ihn nur. Er soll sich an diese Micaela halten.“

„Tut er aber nicht. Sonst wäre ja das Stück vorbei“, murmelte Spike belustigt und füllte ihre Sektgläser neu.

Buffy gefiel die Musik. Sie war noch nie in einer Oper gewesen und auch, wenn sie die gesungen Worte nicht verstand, fühlte sie doch die Emotionen in den Melodien. Spikes leise Stimme erzählte ihr weiter den Inhalt der Lieder und ihr fiel gar nicht auf, wie nah sie plötzlich nebeneinander saßen.

Nachdem der verliebte José aus Eifersucht seine Waffe gegen seinen Vorgesetzten Zuniga gezogen hatte, blieb ihm keine andere Wahl, als sich der Bande aus Schmugglern anzuschließen, so wie es Carmen wollte, er es aber erst aus Ehrgefühl ablehnte.

Tosender Applaus beendete den 2. Akt und das Licht ging an.

Buffy starrte noch immer regungslos und komplett in Gedanken versunken auf die Bühne.

Spike lächelte, beugte sich kurz zu ihr und berührte mit den Lippen ihre Schläfe. „Aufwachen, Luv. Das Essen wird gleich serviert.“

Sie zuckte zusammen und wurde rot, weil sie nicht wollte, dass er ihre Verzückung bemerkte. Schließlich sollte ihr der Abend nicht gefallen. Aber das Stück hatte schließlich nichts mit ihm zu tun.

Dann öffnete sich die Tür ihrer Loge und ein Kellner servierte ihnen einen kleinen Imbiss auf dem runden Tisch.

„Wie geht es aus?“ fragte Buffy neugierig. „Nein, stopp, ich will es noch nicht wissen. Ich denke, sie enttäuscht ihn?“

Er grinste undefinierbar.

„Diese Carmen erinnert mich an dich“, begann Buffy ihren Plan, ihn wütend werden zu lassen. „Sie nimmt sich, was sie will und wirft es dann weg.“

„Sie sagt es vorher nicht“, erinnerte er sie. „Sie spielt mit seiner Liebe. In meinem Verhältnis zu Frauen spielt Liebe keine Rolle. Nur Sex. Das ist ein Unterschied.“ Buffy verzog den Mund und er lächelte wieder.

„Ich finde es sehr gemein, das deinem Date zu erzählen“, meinte sie trocken.

„Buffy“, schimpfte er. „Ich will nur, dass dir der Abend gefällt und nicht, dass du dich in mich verliebst.“

„Er gefällt mir immer weniger, je mehr frauenverachtendes Zeug du erzählst!“

Er griff nach ihrer Hand, zog sie an seine Lippen und küsste die Innenseite. Buffy war für einen Moment so schockiert, dass sie nicht einmal die Hand wegzog. „Ich verachte Frauen nicht, Luv“, sagte er ernst. „Ich behandle sie, zumindest in dieser einen Nacht, als würden sie mir eine Menge bedeuten. Eigentlich tun sie das auch. Bis mich die Realität wieder einholt. Aber das ist mein Problem und nicht das der Frauen. Und ich würde es sie nie spüren lassen.“

„Lass meine Hand los“, piepste sie.

„Was macht dich nervös?“ Sein Daumen strich über die Innenseite ihrer Hand, malte kleine Kreise, ehe er die Hand noch einmal an seine Lippen zog.

„Nichts.“ Oh Gott, was ist erotisch daran, dass er meine Hand küsst?!  Wieso fühlte sie ein so komisches Kribbeln in ihrem Bauch und diese Hitze in ihren Wangen? Abrupt riss sie ihre Hand von ihm los und funkelte ihn an.  „Das zieht bei mir nicht!“

Er grinste, als würde er ahnen, was in ihr vor ging und sie verfluchte ihn dafür.

Die Pause dauerte eine halbe Stunde und Buffy entspannte sich etwas, als er ein lockeres Gespräch um irgendwelche Nebensächlichkeiten begann. Er erzählte von seiner Arbeit in den letzten neun Monaten, von Neuigkeiten aus SECRET ONE und Buffy stellte fest, dass es angenehm war, ihm zuzuhören. Vor allem, wenn nicht jeder zweite Satz in einer sarkastischen Bemerkung gipfelte. Dann erlosch das Licht wieder und der 3.Akt begann.

Wie Buffy schon vermutet hatte, dauerte Carmens Liebe zu José nicht sehr lange. Der Torero Escamillo tauchte auf und weckte ihre Aufmerksamkeit. José verstrickt sich immer mehr in seine eigene Eifersucht, überfiel sogar Escamillo, der nur durch die dazwischen gehende Carmen gerettet wurde.

Wieder übersetzte Spike leise die Texte neben ihrem Ohr, während Buffy das Stück mit immer größer werdenden Augen verfolgte.

„Oh Gott“, flüsterte sie und ihre Hand hob sich zu ihrem Mund, als José ein letztes Mal auf Carmen traf und sie drängte, seine Liebe zu erwidern und ihr Leben mit ihm zu teilen. Sie wies ihn zurück, auch als er ihr drohte und letztendlich tötete José Carmen vor der Arena, in der Escamillo einen neuen Sieg feiert.

Wieder toste der Applaus, als der Vorhang fiel, doch Buffy saß fassungslos auf ihrem Platz und rührte sich nicht. „Er hat sie getötet“, sagte sie entsetzt.

Spike zuckte grinsend mit den Schultern. „Ja. So endet das Stück. Tragisch.“

„Das ist doch kein Ende“, murmelte sie zwischen Verzweiflung und Hingerissenheit. „So kann man doch kein Theaterstück enden lassen.“

Spike grinste breiter und reichte ihr das Sektglas. „Trink es, Luv. Dieses Stück ist doch etwas für dich. Es kreidet die Schamlosigkeit Carmens an und ihre Unfähigkeit zu wahrer Liebe.“

Buffy kippte das Glas hinunter. „Wieso hast du gerade dieses Stück gewählt?“ erkundigte sie sich neugierig, nahm seinen angebotenen Arm an und folgte ihm in den Gang hinaus.

„Es kam nichts anderes. Und ich wollte den Tag unserer Wette nicht zu weit hinaus schieben. Schließlich bin ich nur noch neun Tage da“, erklärte er lächelnd. „Ich hätte ein anderes Stück bevorzugt.“

„Es hat mir gefallen.“ Sie sah wie er die Augenbrauen hob. „Dass mir das Stück gefallen hat, bedeutet nicht, dass *du* mich beeindruckst“, stellte sie schnell klar.

„Nun, der Abend ist noch nicht vorbei“, grinste er sie an. „Ich hoffe doch, du tanzt genau so gern mit Partner wie ohne?“

„Darauf kannst du wetten!“

****************

Es war wirklich sehr schwer, von ihm nicht hingerissen zu sein. Buffy sagte sich immer wieder, dass er dieses Spiel so oft in seinem Leben gespielt hatte, dass er darin perfekt war.

Und trotzdem, da sie ihn von dieser Seite tatsächlich nicht kannte, musste sie sich selbst  eingestehen, dass sie sich keinen perfekteren Begleiter für den Abend hätte wünschen können.  

Dummerweise tanzte er auch noch genau so gut wie er aussah und die Blicke, die ihnen vor allem andere Frauen, aber auch Männer zuwarfen, zauberten ein tierisches Lächeln auf Buffys Gesicht.

Man beneidete sie. Immer wieder, wenn sie glaubte, dass er es nicht bemerkte, wanderte ihr Blick zu ihm und sie fragte sich, ob es ihm ebenfalls gefiel oder ob er es nur durchzog, um zu beweisen, dass er dazu fähig war.

Wenn er seinen Arm um sie legte, sie über die Tanzfläche wirbelten und sie sich an ihn schmiegte, schien es, als wären sie füreinander geschaffen. Buffy erinnerte sich an die Tanzversuche mit Riley und musste schmunzeln, wenn sie dessen holprige Schritte jetzt mit Spikes Eleganz verglich. Eigentlich war es ungerecht, dass er auch das noch so gut beherrschte.

Das Lied verklang und Spike sah in Buffys gerötetes Gesicht mit den glänzenden Augen. „Wie wäre es, wenn wir eine Pause einlegen und uns setzen?“

Sie nickte und nahm seinen Arm. Spike hatte damit gerechnet, dass sie ihr vorlautes und spitzes Mundwerk einsetzen und alles versuchen würde, um ihn auf die Palme zu bringen. Dass sie es nicht tat, verwunderte ihn etwas. Es hätte eher zu ihr gepasst und wahrscheinlich wäre es einfacher gewesen, ihren Spott abzuwürgen, als mit ihrer offensichtlichen Begeisterung umzugehen.

„Wieso haben wir überhaupt einen Tisch in der hintersten Ecke?“ fragte sie, als sie Platz genommen hatte und sich mit einer Serviette Luft zuwedelte.

Spike setzte sich neben sie auf die Bank in dem schmalen nach den Seiten abgeteilten Raum und flüsterte in ihr Ohr. „Man ist nicht zu sehr den Blicken anderer ausgesetzt…“

Ein Kribbeln tastete sich über Buffys Rücken. Sie fühlte seine Nähe, doch sie weigerte sich, den Kopf zu drehen. Ihre Finger umklammerten plötzlich die Serviette. „Die… Mühe hättest du dir diesmal sparen… können…“ Seit wann klingt meine Stimme so fürchterlich nervös?

Spike hob seine Hand und fuhr mit den Fingern sanft über ihre nackten Oberarme. Er bemerkte sehr wohl, dass sie die Luft anhielt und lächelte leicht. „Du bist mein Date, Luv“, murmelte er und hauchte einen Kuss auf ihre Schulter. „Und ich sollte dich auch so behandeln…“

Buffy schloss kurz die Augen. Warum war ihr eigentlich nie aufgefallen, wie fantastisch seine Stimme klang, so dunkel und verheißungsvoll. Buffy! Sie öffnete die Augen wieder, sah aber noch immer starr gerade aus. „Das solltest du nicht.“

„Nein?“  Er lachte, schlang seinen Arm um sie und zog sie mit sich, als er sich gegen die Rückseite der Sitzbank lehnte. 

Buffy verfluchte sich selbst dafür, dass sie ihn einfach gewähren lies. Und verfluchte ihren Körper, der anfing zu zittern.

„Ist dir kalt?“ erkundigte sich Spike mit einem unterdrückten Glucksen und strich langsam über ihren Arm zu ihrer Schulter hinauf.

 Idiot! Buffys Augen verengten sich, als sie den feinen Spott hörte. Gut, er wollte das Spiel noch etwas fortführen? Das konnte er haben! Ihr Körper entspannte sich und sie lehnte sich an ihn.

„Ein wenig“, log sie und schmiegte sich in seine Umarmung. Die Finger auf ihrem Arm erstarrten unmerklich und Buffy verkniff sich ein Lächeln. „Es zieht ein wenig. Wahrscheinlich die Klimaanlage...“ Wenn es nur ziehen würde...

Er antwortete nicht, doch sie spürte in ihrem Rücken, dass er bei weitem nicht mehr so ruhig atmete wie er vorgab zu sein. Sie lehnte ihren Kopf zurück und drehte ihn etwas, damit sie ihn ansehen konnte. Genau wie sie vorher, starrte er jetzt angestrengt zur Tanzfläche. „Wo hast du tanzen gelernt?“

„Einfach nur Übung“, sagte er leise und lächelte schwach. „Ich habe immer Frauen getroffen, die gerne tanzten.“

„Du tanzt gut“, gab sie zu.

„Ein Lob aus deinem Mund, Luv?“ murmelte er und schluckte, als sie den Kopf wieder zurück gegen seine Schulter lehnte. Der Duft ihrer Haare, nach Kräutern und einem Hauch Vanille, stieg in seine Nase und er atmete tief durch.

Dann wäre er fast zusammengezuckt, als ihre schlanken Finger über seine Hand strichen, die noch immer locker um ihren Bauch lag.

Dieses Spiel würde seiner Kontrolle entgleiten, wenn er sie weiter gewähren ließ. Er wusste genau, dass es das war, was sie wollte und biss die Zähne aufeinander. Ein Teil von ihm wünschte plötzlich, es wäre kein Spiel und ein anderer Teil sagte, er solle sich zusammen reißen und sich daran erinnern, wen er im Arm hielt.

Er holte tief Luft, ehe er leise bat: „Hör auf, Buffy.“

Es war diese leise Bitte und dass er ihren Namen verwendete, was Buffy erstaunt aufhorchen ließ. Jeglicher Spott war aus seiner Stimme verschwunden und er klang zum ersten Mal, seit sie ihn kannte, fast... verwundbar.

Sie ließ seine Hand los und seufzte. Und reagierte auch nicht, als er seinen Kopf gegen ihren lehnte, es kam ihr eher richtig vor, so als wäre sie plötzlich ein Halt, den er bräuchte. „Willst du gehen?“ fragte sie flüsternd.

„Nein.“ Obwohl es spät war, sicherlich gegen halb drei, verspürte er kein Bedürfnis, heim zu fahren und den Abend enden zu lassen. Es war eher so, dass es ihm gefiel, mit ihr hier zu sitzen und sie festzuhalten. Verflucht, dachte er hilflos. Was ist nur mit mir los. Und mit ihr? Wieso tut sie nichts, um mich wütend zu machen?

Buffy rührte sich nicht, als sie sagte. „Ich möchte tanzen.“

Sein Blick wanderte zur Tanzfläche und er schluckte wieder, als er erkannte, dass es ein langsames Lied war, das gespielt wurde. „Sicher?“

Er klang unsicher. Buffy löste sich von ihm, stand auf und streckte ihm ihre Hand hin.

Spike suchte in ihrem Gesicht nach dem Spott, der das Chaos in seinem Körper beseitigen würde, doch sie lächelte nur sanft, als er aufstand.

Und Spike sagte sich, dass es egal wäre. Er zog sie an sich und schloss kurz die Augen, als er spürte, wie sie sich an ihn schmiegte. Seine Finger strichen gedankenverloren über ihren Rücken, als sie sich langsam zu der Musik bewegten und Buffys Kopf sank gegen seine Brust. Sie hörte das Schlagen seines Herzens und ihre Finger fuhren unbewusst durch die kurzen Haare in seinem Nacken.

Er schloss die Augen. Einen Moment presste er seine Lippen in ihre Haare, als wolle er vergessen, dass dieser Abend keine Bedeutung hatte. Es war ein Fehler und er hätte es wissen müssen.

Aber er hatte nicht geahnt, dass sein Körper auf sie in einer Art und Weise reagierte, wie er es nicht erwartet hatte. Dabei war es im Moment weniger Verlangen. Damit hätte er wahrscheinlich umgehen können.

Gut, ein wenig Verlangen schon, aber viel mehr schockierte ihn die Zärtlichkeit, die in ihm aufstieg. Und der Gedanke, seinen so viel berüchtigten Charme einzusetzen und sie damit zu verletzen, erschien ihm einfach nur scheußlich.

Sollte sie die Wette gewinnen. Irgendwie würde er das mit dem Heiratsantrag schon auf die Reihe bekommen.

Die Melodie verklang und Buffy hob den Kopf. Sie sah so verträumt aus, dass sich sein Herz zusammen zog. Aber sie war auch wunderschön und sein Blick verfing sich in ihren großen grünen Augen.

Er bemerkte, wie sie ihre Lippen mit der Zunge befeuchtete und fühlte noch immer ihre Hände in seinem Nacken. Zögernd senkte er den Kopf und berührte sanft mit seinen Lippen ihren Mund.

Das war alles, was er wollte. Wortlos danke sagen, weil ihm der Abend gefallen hatte. Ihr sicherlich auch. Nur würde sie das nie zugeben.

Buffy lächelte schwach, als hätte sie die einfache Geste verstanden und löste sich von ihm. „Wir sollten gehen.“

Spike nahm ihre Hand. „Sollten wir.“

Teil 10 

Sie nahmen auf dem Rückweg ein Taxi. Auch wenn es bedeutete, dass sie am nächsten oder übernächsten Tag die Strecke noch einmal fahren und das Auto holen mussten.

Aber Spike hatte ebenfalls getrunken und wollte kein Risiko eingehen. Buffy war es sowieso egal. Es war Wochenende und sie hatten genug Zeit.

Im Taxi lehnte sie sich, ohne zu zögern, an ihn und flüsterte. „Ich werde mal noch kurz dein Date spielen. Es ist sehr schön bequem so.“

Spike lächelte, legte seinen Arm um sie und küsste sie kurz auf die Stirn. „Mach, was du willst“, murmelte er nur und schloss genauso die Augen wie sie. Allerdings schlief er nicht ein.  Es fühlte sich irgendwie richtig an, sie im Arm zu halten.

Als das Taxi stoppte, weckte er sie vorsichtig. „Hey, Luv. Du kannst gleich in dein Bett. Wir sind da.“ Fast zärtlich strich er ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht und sie hob verschlafen den Kopf.

„Uhh, schon?“

Spike bezahlte den Fahrer und folgte ihr zur Haustür. Ein eigenartiges Gefühl breitete sich in ihm aus. Vielleicht weil es ihn das erste Mal nicht interessierte, dass er eine Wette gegen sie verlieren würde.

Mit einem Klicken schloss sich die Tür hinter ihm und er blieb stehen, als Buffy sich umdrehte.

Sie legte den Kopf leicht schlief, lächelte fein und sagte leise. „Es ist mir egal, Spike. Du hattest Recht. Wenn du willst, kannst du wirklich ganz nett sein. Ich weiß, dass es nur vorgetäuscht war, aber es spielt keine Rolle.“ Sein fassungsloser Gesichtsausdruck vertiefte ihr Lächeln. „Es wäre schuftig von mir, jetzt zu lügen. Mir hat der Abend gefallen.“

„Oh“, war alles, was er heraus brachte. Dass er noch immer aussah, als hätte man ihm einen Schock versetzt, entlockte ihr ein Kichern. Spike fuhr sich fast nervös durch die Haare, fand aber zumindest seine Sprache wieder. „Damit habe ich nun... ähm… gar nicht gerechnet...“

Sie lachte. „Ich bin zumindest so ehrlich, es zuzugeben.“

Er grinste schief. „Ich habe schon überlegt, wie ich das auf die Reihe bekomme. Mit dem Heiratsantrag und dem Hinknien...“

„Nun ja.“ Sie zuckte mit den Schultern. „Du kommst drum herum. Ich gehe schlafen. Gute Nacht, Spike.“ Er war neben ihr, ehe sie einen Schritt gehen konnte und sie quietschte erschrocken auf, als er sie plötzlich auf seine Arme nahm. „Was machst du denn?“

„Mir hat der Abend auch gefallen...“

„Du kannst jetzt aufhören, Süßholz zu raspeln“, murmelte Buffy, musste aber seinen Hals umklammern, als er mit ihr die Treppe hinauf stieg.

„Nein, das war ehrlich gemeint. Und ich denke, ich schulde dir noch einen romantischen Transport ins Bett“, antwortete er vergnügt, öffnete telekinetisch die Tür zu ihrem Zimmer und trug sie hinein. „Wenn du schon nicht in den Genuss meines blamablen Niederkniens kommst, wurdest du wenigstens über eine Schwelle getragen.“ Buffy kicherte. Dann setzte er sie auf dem Bett ab und blieb vor ihr hocken. „Das war mein Ernst, Luv. Mir hat der Abend in deiner Gesellschaft auch gefallen.“

Sie wurde übergangslos ernst und ihr Herz fing an schneller zu schlagen.  Als er dann wieder ihre Hand ergriff, an seine Lippen zog und küsste, fiel ihr auch noch das Atmen schwer. „Schlaf gut“, sagte er leise und wollte aufstehen.

„Spike“, stoppte sie ihn. Ihre Hand legte sich auf seine Schulter und sie beugte sich zu ihm.

Er hatte das Einlösen ihrer Wettschuld mit keiner Silbe erwähnt und Buffy ahnte plötzlich, dass es ihm erst wieder einfallen würde, wenn er wütend auf sie war. Oder gar nicht. Im Moment schien er sich in der gleichen eigenartigen Stimmung zu befinden wie sie selbst.

Fast wehmütig strich sie mit den Fingern über seine Wange. Sein Blick schien sich in ihre Augen zu bohren. Ein ihr völlig unbekannter Ausdruck lag in ihnen, und wenn es ihr nicht zu abwegig erschienen wäre, hätte sie ihn als Furcht bezeichnet. Er rührte sich nicht, ja schien fast erstarrt.

Buffy lehnte sich nach vorn, küsste ihn sanft auf die Lippen und hauchte: „Ich liebe dich.“

Es war wirklich Angst. Sie sah es, als sie ihren Kopf von ihm löste und etwas in seinen Augen flackerte.

„Scheiße“, flüsterte er und klang fast verzweifelt.

Und sie wusste plötzlich, was er meinte. Egal, ob es ernst gemeint war oder nicht. Diese Worte zu hören, rührte etwas in ihm. Etwas, das er abstritt und was er nicht einmal sich selbst zugeben wollte.

Spike hätte nie für möglich gehalten, dass es einen derartigen Schock in ihm auslösen würde. Sie hatte ihn in einem melancholischen Moment erwischt, in dem er mit keiner Silbe mehr an das gedacht hatte, was er als Wetteinsatz gefordert hatte. Ich liebe dich - als wäre es ernst gemeint.

Fast panisch sprang er auf und stürzte zur Tür. Erst dort bremste er abrupt, als würde ihm gerade einfallen, wie untypisch solch ein Abgang für ihn war. Er schlug mit der Faust gegen die Tür und drehte sich wieder um.

Buffy war aufgestanden, hatte die Arme um sich selbst geschlungen, als wäre ihr kalt und sah ihn aus großen Augen an. „Du wolltest es“, sagte sie zögernd.

Er atmete tief durch, kam langsam noch einmal zurück und blieb vor ihr stehen. Mit aller Gewalt zwang er sein spöttisches Grinsen in sein Gesicht.

„Ja. Und es war sehr schön. Ich weiß nicht, ob meine Vorstellung an deine herangekommen wäre.“ Seine Augen straften seine Worte Lügen, doch seine Stimme zitterte nicht einmal.

Buffy sah ihn stumm an, als wüsste sie genau, was in ihm vorging und das machte ihn wütend.

Seine Hand schlang sich um ihren Hals und er beugte seinen Kopf zu ihr, als er zwischen den Zähnen hindurch knirschte. „Dafür, dass du es noch nie gesagt hat, ist es dir sehr leicht über die Lippen gekommen!“

„Geh, Spike“, flüsterte Buffy traurig, ohne sich zu rühren und auch ohne ihn von sich zu stoßen. „Lass uns jetzt nicht streiten. Dafür war der Abend zu schön.“

Er ging nicht, sondern presste übergangslos seine Lippen auf ihren Mund. Es war ähnlich einem Überfall.

Buffy hatte nicht damit gerechnet, nicht jetzt, nachdem sie so etwas wie Zorn in seinen Augen gesehen hatte und es traf sie wie ein Schlag. Seine Lippen brannten auf ihrem Mund, seine Zunge drängte sich zwischen ihre Zähne und sie seufzte leise, als sie ihre Lippen öffnete.

Automatisch schlangen sich ihre Arme um ihn und sie hörte ihn leise aufstöhnen. Da war nichts Sanftes mehr in seinem Kuss. Das Verlangen, dass er plötzlich ausstrahlte, ließ Buffy alles andere um sich herum vergessen. Seine Finger verkrallten sich in ihren Haaren, zwangen ihren Kopf fast gewaltsam still zu halten, während seine Zunge ihren Mund erkundete.

Aber Buffy verschwendete keinen Gedanken an eine Gegenwehr, sie war viel zu gefangen in den Sensationen, die plötzlich durch ihren Körper jagten und ihre Beine in eine Art Pudding verwandelten.

Trotzdem war sie es, die den Kuss beendete und ihren Kopf von ihm losriss. Keuchend schauten sie sich an und sie sah in Spikes Augen einen Hunger, der ihren Herzschlag in die Höhe schnellen ließ.

„Nein“, hauchte sie verzweifelt.

Er senkte den Kopf und fuhr mit der Zunge sanft über ihre Lippen, über ihre Wangen zu ihrem Hals. Ihre Augen schlossen sich, hilflos, und ihre Finger klammerten sich in seinen Smoking, als seine Lippen über ihren Hals wanderten.

„Nicht“, flüsterte sie wieder und fühlte Tränen in ihren Augen. „Spike…“

„Ich weiß“, hauchte er gegen ihre Haut, ohne dass seine Lippen ihre Tätigkeit unterbrachen. „Ich weiß…“

Eine einzelne Träne rollte ihre Wange hinab. Es war ein Fehler und wenigstens sie sollte die Kraft aufbringen und dem Ganzen ein Ende setzen. Doch seine Berührungen machten nur, dass ihr Körper anfing zu zittern und ihre Beine schwach wurden. Spike hob den Kopf. Seine Hände umschlossen den ihren und er wischte zärtlich mit dem Daumen die Träne von ihrer Wange.

„Schmeiß mich raus, Luv“, wisperte er mit den Lippen direkt über ihrem Mund. „Bitte, schmeiß mich raus…“

Wenn ich das nur könnte… Ihre Arme schlangen sich um seinen Hals und ihre Lippen pressten sich auf seinen Mund.

Spike stöhnte leise, als sie ihm die Jacke von den Schultern streifte. Irgendwie schaffte er es, die Jacke los zu werden und durch den Nebel, den das Verlangen in seinem Hirn verursachte, registrierte er, dass ihre Finger begannen, sein Hemd aufzuknöpfen.

Das ist Buffy, sagte ein Restfunken Verstand in seinem Kopf. Scheiß drauf, sagte der andere Körperteil, der sich in seiner Hose aufrichtete. Seine Hand fing ihre Finger und sie hob den Kopf.

„Sicher?“ fragte er leise.

Buffy schüttelte den Kopf.

Er schluckte. Zögernd und fast etwas nervös hob er seine Hände zu ihren Schultern und den Trägern des Kleides. Sie sah ihn unverwandt an, als er die Träger ihre Schultern hinab streifte und das Kleid mit einem raschelnden Geräusch auf den Boden sank.

„Ich wusste, dass du fantastisch in diesem Zeug aussiehst“, murmelte er und sah sie lächeln.

Buffy hielt die Luft an, als sich seine Finger zu ihren Haaren hoben und geschickt die Nadeln und Klemmen lösten, bis die blonde Mähne wieder über ihre Schultern fiel.

Komischerweise fühlte sie keine Scham, weil sie halbnackt vor ihm stand und er seine Kleidung noch trug. Es reichte ein Blick in seine Augen und auch wenn sie sich sagte, dass er geübt darin war, Frauen zu verführen, verursachten der Hunger und das Verlangen darin eine eigenartige Schwäche in ihrem Körper.

Sie griff wieder nach den Knöpfen des Hemdes und öffnete sie. Spike beobachtete sie fasziniert und seine Blicke jagten einen Schauer der Erregung über ihren Rücken und zwischen ihre Beine.

Da sie beide wussten, wie es endete und dass es nur diese eine Nacht geben würde, wurde Buffy von keinem schlechten Gewissen geplagt.

Und der Gedanke, dass er ein arroganter Mistkerl war, hatte sich nach diesem Abend weit nach hinten in ihrem Kopf verflüchtigt. Sollte er morgen wieder arrogant und ätzend sein. Dann würde sie kontern können. Heute Nacht schien nicht einmal er sich daran zu erinnern.

Als seine Hose zu Boden rutschte, riss Spike Buffy wieder an sich und verschlang ihre Lippen. Sie spürte seine harte Erektion, die sich in ihren Bauch presste und fühlte die Nässe, die sich zwischen ihren Beinen sammelte.

Sie würde tatsächlich Sex mit ihm haben. Idiotisch, aber ihre Finger wanderten neugierig über seine nackte Haut, fühlten die Muskeln, die sich unter ihrer Berührung zusammen zogen, und sie presste sich gegen ihn.

Er stöhnte auf, hob sie auf seine Arme und trug sie zum Bett. Sie blieb auf dem Rücken liegen und er war im nächsten Moment über ihr.

„Vielleicht“, stieß er hervor und das Feuer in seinen blauen Augen raubte ihr den Atem, „ist das die einzige Lösung, den Drang für den Rest unseres Lebens zu beseitigen?“

„Red nicht so viel“, murmelte Buffy, hob den Kopf und fuhr mit den Lippen über seine nackte Brust. Ihre Zunge schnellte heraus, umzirkelte seine Brustwarzen und er presste sie übergangslos gegen die Matratze.

Seine Hand schlang sich um ihren Nacken und er hob ihr Gesicht zu sich an. „Wir ziehen das hier wirklich durch, ja? Wenn du dir nicht sicher bist, Luv, brech es jetzt ab. Später ist das vielleicht nicht mehr möglich…“, keuchte er heiser.

Ihre Hände fuhren seinen Rücken hinab und streiften den Slip über seine Hüften. Mit einem verspielten Lächeln rieb sie sich selbst an seiner Erektion, entlockte ihm ein Aufstöhnen und murmelte. „Ich denke schon. Was soll denn passieren, wir kennen beide das Ende…“

„Wie wahr“, knurrte er, küsste sie kurz und hart, ehe er seinen Slip seine Beine hinunter schob, zur Seite warf und sich wieder auf sie stürzte.

Buffys Kopf fiel zurück, als er sich den Weg über ihren Hals hinab zu ihren Brüsten küsste und seine Finger den Verschluss des BHs öffneten.

„Ich wäre dir fast in die Dusche gefolgt… vor ein paar Tagen“, kicherte er plötzlich, ehe er eine der dunklen Warzen in seinen Mund saugte. Ihre Hände fuhren in seine Haare und pressten seinen Kopf gegen sich.

Sie stöhnte enttäuscht, als er ihre Brust wieder los ließ und seine Lippen über ihren Bauch strichen. Mit einer schnellen Bewegung zog er den schmalen String ihre Beine hinab und ließ ihn neben dem Bett fallen.

Seine Hände strichen über ihren Körper und Buffy erschauerte. Sie fühlte ein köstliches Pochen zwischen ihren Beinen, rieb sich auffordernd an ihm und erntete nur sein leises Lachen.

Es wunderte sie etwas, dass sie so extrem reagierte, obwohl sie genau wusste, dass sie für ihn nichts in der Art empfand wie für die anderen Männer, bei denen sie dachte, es wäre Liebe.

Vielleicht lag es einfach daran, dass sie dem Ganzen zum ersten Mal mit  Gelassenheit und Leichtigkeit entgegensah, weil sie sich keine Gedanken darüber machen musste, am nächsten Tag etwas erklären zu müssen.

Möglich, dass es das war, was Spike meinte, als er behauptete, alles wäre einfacher, wenn der Partner wüsste, es wäre nur eine Nacht und nur Sex.

Ihre Finger krallten in seine Haare und sie bäumte sich stöhnend auf, als seine Lippen ihren Bauch abwärts wanderten.

„Luv, du hast einen verflucht kleinen heißen Körper“, murmelte er und klang fast belustigt.

Sie hob seinen Kopf an und stieß hervor: „Ich sagte, du sollst aufhören, solchen Schwachsinn zu erzählen!“ Sie sah die feinen Schweißperlen auf seiner Stirn und wunderte sich, warum er sich noch immer soviel Zeit ließ.

„Ich rede gern... dabei“, hauchte er. Er ließ sie nicht aus den Augen, als seine Hände über ihre Oberschenkel fuhren, zur Innenseite glitten und nach oben wanderten.

Buffy hatte sich auf ihre Ellenbogen aufgerichtet, die Zähne in ihre Unterlippe gegraben und sah ihn mit großen Augen an. Wieder lief ein Zittern über ihren Körper und ihr Verlangen zu sehen, trieb ihn an den Rand seiner Beherrschung, obwohl er dafür bekannt war, es lange hinaus zögern zu können.

Dann erreichten seine Finger ihre Mitte und ihr Mund öffnete sich, auch wenn ihn kein Laut verließ. „Gefällt dir das, Luv?“

Sie zog scharf die Luft ein, als seine Finger sie berührten. Er lag zwischen ihren Beinen, beobachtete sie noch immer mit diesem Feuer in den Augen, während sein Daumen ihre Klitoris umkreiste. „Ja“, flüsterte sie.

Er presste seine Lippen auf ihren Bauch. „Ich kann deine Wünsche schließlich nicht erkennen.“ Mit einem verschmitzen Grinsen sah er zu ihr hoch. „Also muss ich sie erfragen...“ Es war das erste Mal, dass er die Gedanken der Frau, mit der er im Bett war, nicht lesen konnte und ein eigenartiges Gefühl bildete sich in ihm, als ihm aufging, dass andere Menschen es immer so empfanden. Sie mussten erkunden, was der andere mochte, oder erfragen…

Als er allerdings mit dem Kopf tiefer wandern wollte, stieg Panik in Buffy auf und sie griff nach seinen Haaren. „Nein, nein, nein“, murmelte sie und schob sich selbst seinen Körper abwärts. „Ich komme nicht vor dir, verstanden? Keine Spielchen, Spike“, flüsterte sie und küsste ihn sanft. „Lass es uns einfach tun, ja. Ich will nicht meine Beherrschung verlieren, solange du sie noch hast. Verstanden?“

Er keuchte auf, als seine Erektion unverhofft mit der Nässe zwischen ihren Beinen konfrontiert wurde. Er wollte nicht, dass es zu schnell vorbei war, aber ihre Bewegungen unter ihm verursachten einen eigenartigen Nebel in seinem Gehirn.

Dann küsste sie ihn und ihre Zunge drängte sich in seinen Mund, während ihre Hände ihn an sich zogen. Der Drang, sich in ihr zu vergraben und den kurzen Moment der Ekstase zu genießen wurde übermächtig, doch er riss seinen Kopf von ihr los.

„Es passiert nichts... solange ich meine Mentalblockade... aufrecht erhalte“, keuchte er.

Buffy schlang ihre Arme um seinen Hals. „Ich will nicht, dass du in meinen Kopf schaust!“ knurrte sie. „Fick mich einfach!“

Dieser eine Satz reichte, um ihn völlig die Kontrolle verlieren zu lassen. Sie sagte das F-Wort! Davon würde er ewig träumen. 

Mit einem einzigen Stoß vergrub er sich in ihr und ihr Kopf flog zurück. Sie war so feucht und heiß, dass er kurz die Augen schloss, als die Sensation seine Sinne übermannte.

Irgendwie schien ihr Körper perfekt zu ihm zu passen. Seine Lippen pressten sich auf ihren Mund und sie wimmerte leise, als er begann sich zu bewegen, als wolle er sich mit jedem einzelnen Stoß tiefer in ihr vergraben.

Ihre Fingernägel zogen Spuren auf seinem Rücken, ihre Beine umklammerten seine Hüften und er stöhnte auf, weil er ahnte, dass er es nicht mehr lange hinaus zögernd konnte.

„Buffy“, flüsterte er heiser und biss sie in den Hals.

Sie bäumte sich auf, als seine Zunge über ihren Hals fuhr und den salzigen Schweiß aufleckte, begegnete seinen harten Stößen mit der gleichen Wildheit, in der er sie führte.

Dann spürte sie seine Hand, die zwischen ihre Körper wanderte und stieß einen erstickten Schrei aus, als sein Mittelfinger über die geschwollene Knospe rieb und sie fühlte, was sich in ihr aufbaute.

Er hob seinen Kopf. Feiner Schweiß perlte auf seiner Stirn und Buffy sah die angespannten Kiefermuskeln, sah wie er darum kämpfte, sich selbst zurück zu halten.

„Ja“, flüsterte sie erstickt. „Ja, ja, ja...“

Er knurrte auf, verschlang ihren Mund und seine Stöße wurden noch schneller und härter. Buffy war nicht mehr in der Lage, es zurück zu halten. Sie schrie auf, als die Wellen der Lust ihren Unterleib zusammen zogen und Schauer sie schüttelten, als der Orgasmus sie übermannte.

Spikes Kopf flog übergangslos zurück und er brachte noch ein: „Ach du Scheiße...“ heraus, ehe er ihr folgte.

Und dann traf es Buffy. Aber nicht in der Art und Weise, wie sie es erwartete hatte.

Sein Orgasmus öffnete die Schranken zu seinem Geist. Aber es waren nicht seine nebensächlichen Gedanken, die auf sie einströmten.

Die Wellen seiner Lust trafen auf ihre, vermischten sich zu einer Ekstase, die ihnen die Sinne raubte und sie abheben ließ. Sie *fühlten* einander, spürten die Schauer, die ihre Körper durchjagten, spürten den Moment der Euphorie, wenn alles andere zur Nebensächlichkeit verschwamm, als wären sie eine einzige Person.

Zitternd und hilflos klammerten sie sich aneinander, während ihre Gedanken, verbunden in einem bunten Chaos aus Licht und Lust, durcheinander wirbelten bis das Zittern ihrer Körper abebbte und sie beide allein und einsam in ihren eigenen Köpfen zurück ließ.

Spikes Stirn war auf ihre Brust gesunken. Er atmete genau so keuchend wie Buffy und sein Herz hämmerte so laut, dass er glaubte, es müsste im ganzen Haus zu hören sein.

Es kostete ihn eine unwahrscheinliche Anstrengung, überhaupt den Kopf zu heben. Buffys Augen öffneten sich in dem Moment, in dem er den Kopf hob und er sah in ihnen die gleiche Verwirrung, die auch ihn erfasst hatte.

„Was war *das* jetzt?“ fragte sie schwach und klang überhaupt nicht wie sie selbst.

„Keine Ahnung“, stieß er hervor und rollte neben sie. Mit blicklosen Augen starrte er zur Decke, während er versuchte zu verarbeiten, was gerade geschehen war. „Keine Ahnung“, wiederholte er dann, „Aber es war großartig.“

Buffy war noch nicht in der Lage, normal bzw. logisch zu denken. Sie wusste nur eins: Großartig war die Untertreibung des Jahrhunderts.

Zumindest, wenn man Sex bisher auf die Art und Weise erfahren hatte wie Buffy und sie nahm an Spike auch. Was das bedeutete, darüber wollte sie jetzt schon gleich gar nicht nachdenken.

Fast hilflos fuhr sie sich durch ihre verschwitzten Haare, fühlte sich müde wie lange nicht und hatte nur noch den Wunsch, sich zusammenzurollen und zu schlafen. Eine angenehme Befriedung, die sie so nicht kannte, hatte sich in ihr breit gemacht.

„Luv?“ kam es vorsichtig von der Seite, doch sie schüttelte den Kopf.

„Ich kann nicht denken. Und ich will jetzt nicht reden“, murmelte sie nur.

Spike rutschte an ihre Seite und schlang einen Arm um sie. „Darf ich hier bleiben, Luv?“ bat er leise. „Ich wollte schon immer mal neben der Frau einschlafen, die ich ...“ Ihr Kopf schoss herum und sie funkelte ihn an. Mit einem Grinsen küsste er sie auf den Mund und fuhr fort. „...mit der ich geschlafen habe.“   

Er würde es sich für später aufheben, ihr mitzuteilen, dass sie das Wort, das sie so hasste, selbst verwendet hatte. Jetzt wollte er erst einmal nichts lieber, als sie festhalten und genießen, dass er zum ersten Mal in seinem Leben keinen bitteren Nachgeschmack spürte.

Es war anders mit einem Mutanten.

Da sie es nicht ablehnte, zog er die Decke über ihre Körper und schmiegte sich fast glücklich an ihren Rücken. Trotz des Chaos‘ in seinem Kopf, fühlte er sich einfach nur zufrieden. Er sah, dass sie die Augen geschlossen hatte, presste ein letztes Mal seine Lippen gegen ihren Hals und flüsterte leise.

„Schlaf gut...“

Teil 11 

Als Buffy erwachte, war sie allein. Es war hell und ein Blick auf die Uhr sagte ihr, dass es fast elf war. Das bereitete ihr kein Kopfzerbrechen schließlich war sie erst nach vier Uhr im Bett gewesen.

Etwas anderes gab ihr viel mehr zu denken. Spike. Sie konnte nicht einfach wieder ihre Augen schließen und sich in die Welt der Träume flüchten. Heute musste sie zumindest darüber nachdenken.

Seufzend stand sie auf und schlich zum Bad. Da Spike ihr Bett schon verlassen hatte, ging sie davon aus, dass er ebenfalls Zeit benötigte, um zu verarbeiten, was passiert war.

Während sie duschte, schwirrten die vielfältigsten Gedanken durch ihren Kopf. Aber sie konnte es drehen und wenden wie sie wollte. Sie hatte mit dem einzigen Mann geschlafen, mit dem sie nie schlafen wollte. Und es war fantastisch gewesen.

Weil er ebenfalls ein Mutant war.

Der einzige Mutant auf dieser verdammten Welt.

„Scheiße“, flüsterte sie zu sich selbst und wickelte sich in ein Handtuch.

In ihrem Zimmer schlüpfte sie in bequeme Freizeithosen, ein T-Shirt und bemerkte erstaunt, dass ihr wunderschönes Abendkleid ordentlich auf einem Bügel an ihrem Schrank hing.

Sie lächelte schwach, denn sie konnte sich nicht erinnern, in der Nacht noch irgendeinen Gedanken an das Kleid verschwendet zu haben.

Sie fand Spike an seinem Lieblingsplatz - rauchend und auf den Stufen der Veranda zum Garten. Wortlos setzte sie sich neben ihn und starrte ebenfalls in das Grün.

Spike schnippte die Zigarette die Stufen hinab, drehte den Kopf und sah sie an.

„Ausgeschlafen?“ Er sah ernst aus und seine Haare schauten noch wüster aus als sonst.

„Hm.“ Buffy nickte und lächelte schwach.

Er streckte seinen Arm aus, zog sie an seine Seite und legte ihn um ihre Schultern. Buffys Kehle schnürte sich zusammen. Da war nichts Anmaßendes oder Besitzergreifendes in dieser Geste, sondern eine Hilflosigkeit, die ihr die Tränen in die Augen trieb.

Sie lehnte sich an ihn, weil sie den Halt genau so brauchte und schloss die Augen, als seine andere Hand um ihren Hals fuhr und er sie sanft auf ihre Haare küsste.

„Was jetzt, Luv?“ fragte er und klang genau so hilflos, wie Buffy erwartet hatte.

Ihre Stirn lehnte an seiner Wange und der Duft seines Rasierwassers stieg ihr in die Nase. „Keine Ahnung“, murmelte sie leise.

„Scheiße...“ Gedankenverloren spielten seine Finger mit den wirren Strähnen ihrer Haare. „Wer hätte das für möglich gehalten... Wir hätten das schon viel eher ausprobieren sollen.“

Sie stieß ein abgehacktes Lachen aus. „Ich habe nie auch nur im Entferntesten daran gedacht...“

„Nie?“ Als würde sie sein Grinsen spüren, hob sie den Kopf und sah ihn misstrauisch an. „Na und?“ verteidigte er sich. „Ich habe höchstens mal ganz kurz daran gedacht.“

„Aber daran gedacht…?“ Sie klang ungläubig.

Er kicherte, beugte kurz den Kopf vor und küsste sie schnell. „Selten, Luv. Nur manchmal, wenn du dich mit deinem heißen kleinen Körper auf mich gestürzt hast und...“

„Ich habe... was?“ unterbrach sie ihn fast entsetzt.

„Du wolltest andauernd kämpfen“, verteidigte er sich. „Je älter ich wurde, umso öfter entstand da so ein Gedanke in meinem Kopf, dass ich dich einfach auf dem Boden festpinnen und ordentlich vögeln sollte.“  

Ihr Mund klappte auf und das Blut schoss in ihren Kopf. „D-das ist n-nicht dein Ernst...“

„Nein“, beruhigte er sie schnell. „Ich habe mich für diese Gedanken geschämt und ganz schnell versucht, auf andere zu kommen. Was auch recht... gut funktioniert hat. Bis auf... letzte Nacht halt...“

Letzte Nacht. Ihre Augen trafen sich und für einen Moment verloren sie sich beide in den Bildern der letzten Nacht. Buffy war die erste, die den Blick abwandte.

„Komm mit zurück nach SECRET ONE“, sagte Spike plötzlich leise. 

„Was?!“ Sie fuhr zurück und starrte ihn fassungslos an. „Spinnst du?“

„Du kannst das Leben, das du dir wünschst, nicht führen. Nie. Aber du...“

Buffy schnitt ihm mit einer harten Handbewegung das Wort ab. „Hast du es deshalb getan? Hast du deshalb vorgegeben, nett zu sein?“ Sie wollte nicht so verletzt klingen wie sie sich dann anhörte. 

„Nein!“ fuhr er auf. „Natürlich hattest du Recht. Rupert sucht nach einer Möglichkeit, dich wieder zur Mitarbeit zu bewegen. Und ich habe ihn für bescheuert erklärt, als er mich schickte, um mit dir zu reden. Ich hatte nie vorgehabt, nett zu sein. Ich bin nie nett!“

Sie presste die Lippen aufeinander. „Du hast gestern Abend bewiesen, wie gut du dich verstellen kannst. Also lüg mich nicht an.“ Sie stand auf. „Und du kannst es vergessen. Egal, was du tust. Ich gehe nicht zurück.“ Ohne ihn eines weiteren Blickes zu würdigen, drehte sie sich um und ging ins Haus.

Spike fluchte leise, ehe er aufsprang und ihr folgte. „Du weißt genau, dass du Unrecht hast. Ich wäre nie auf den Gedanken gekommen, dich flachzulegen, um dich zu einer Mitarbeit zu überreden! Ich wäre eher davon ausgegangen, dass das die richtige Methode ist, dich für immer aus meinem Leben zu vertreiben!“

„Ich bin nicht in deinem Leben!“ kreischte Buffy. „Und ich werde es nie sein!“

„Wir hatten großartigen Sex“, hielt er ihr vor. „Das ist etwas, was du mit keinem anderen Mann der Welt haben kannst. Schon allein aus diesem Grund ist es Schwachsinn, sich zu streiten oder zu trennen.“

Sie schlug ihm übergangslos ins Gesicht. „Du bist doch wirklich das allerletzte!“ schrie sie hysterisch. „Glaubst du wirklich allen ernstes, ich würde das ganze wiederholen? Egal wie „toll“ es war?! Ich mag einmal auf deinen gespielten Unsinn hereinfallen! Weil ich selbst in solch einer melancholischen Stimmung war! Das bedeutet nicht, dass du ab jetzt zu mir gerannt kommen kannst, wenn du scharf auf Sex bist!“

Nein? Schade.     

„Das habe ich nie gesagt!“ fauchte er böse. „Ich habe einfach die Möglichkeit in Erwägung gezogen, unsere gemeinsamen… Bedürfnisse aufeinander abzustimmen!“

Buffy sah rot. „Es gibt keine gemeinsamen Bedürfnisse zwischen uns!“ schrie sie hysterisch und stieß ihn gegen die Brust. „Ich kann vielleicht einmal durchdrehen, aber nicht immer wieder. Für mich bedeutet, miteinander schlafen, eine Menge Gefühle miteinander teilen! Mit dir teile ich gar nichts! Und ich könnte es nie, weil du ein arroganter Scheißkerl bist!“

„Es gibt keinen anderen Menschen auf dieser Welt, mit dem du guten Sex haben kannst!“ giftete er gehässig und flog im nächsten Moment rückwärts, als ihn diesmal Buffys Faust am Kiefer traf. Seine Finger wischten das Blut von seiner Lippe und er starrte sie aus schmalen Augen zornig an. „Letzte Nacht hast du eine Menge Gefühle mit mir geteilt!“

„Wir hatten Sex“, erklärte sie eisig. „Mehr nicht.“

Er kam langsam näher und blieb vor ihr stehen. „Das waren eine Menge Gefühle: Feuer, Leidenschaft, Verlangen…“ Seine Lippen verzogen sich zu einem spöttischen Grinsen. „Alles Dinge, die wahrhaft guten Sex ausmachen.“ Er beugte sich zu ihr und hob die Augenbrauen. „Nur keine Liebe, Luv. Die ist nur etwas für sentimentale Träumer. Du solltest es endlich begreifen. Du kannst alles auf dieser Welt haben. Neuerdings sogar fantastischen Sex. Aber keine Liebe…“

„Raus“, stieß sie hervor und ihre Lippen zitterten. „Raus aus diesem Haus!“

Spike richtete sich auf. „Dieses Haus gehört mir genau so wie dir.“

„Dann gehe ich!“

Sie stürmte an ihm vorbei in Richtung Haustür und er fluchte wieder, ehe er sie fing und dafür den dritten Schlag ins Gesicht kassierte… der ihn jetzt wirklich wütend machte.

„Es reicht!“ schrie er sie an und seine Hände umfingen ihre Handgelenke. „Das ist jetzt kein Spaß mehr!“

„Es war nie Spaß!“

„Du benimmst dich wie ein Kind!“ Da sie jetzt anfing, nach ihm zu treten, zog er sie an sich, ohne ihre Handgelenke loszulassen. „Du drehst durch, weil ich dich mit der Wahrheit konfrontiere!“

„Du bietest mir an, dein Sexspielzeug zu werden!“ kreischte sie hysterisch. „Ich finde das unverschämt! Und ekelhaft! Und…“ Ihr fiel nichts mehr ein.

„Das ist nicht wahr“, knirschte er zwischen den Zähnen hindurch.

„Und jetzt lass mich los!“ Ihre Stimme überschlug sich und er wurde nach hinten geschleudert, als sie telekinetisch seinen festen Griff trennte. Allerdings hatte sie in ihrer Rage wenig Kontrolle über ihre Kräfte.

Spike verfluchte sich später für seine Blödheit, ihr nicht wehtun zu wollen. Zurückschlagen war manchmal die einzige Lösung.

Nur sein Training verhinderte, dass nicht mehr passierte. Seine Instinkte übernahmen die Kontrolle über seinen Körper, er wendete im Sturz und verhinderte, dass er mit dem Hinterkopf gegen die Tischplatte knallte.

Was sich nicht vermeiden ließ, war, dass er sich mit den Händen abfangen musste und dabei mit dem Handgelenk vom Tisch abrutschte und auf den Boden krachte.

Ein stechender Schmerz schoss durch seinen Arm und er wunderte sich, nicht gleichzeitig Knochen brechen zu hören.

„Verflucht!“ Mit der rechten Hand umschloss Spike sein linkes Handgelenk, als könnte das den Schmerz etwas mildern. Fast schlagartig schwoll das Gelenk an und verfärbte sich bläulich. „Wie viel hast du in deiner Ausbildung gelernt? Gar nichts?!“ stieß er durch zusammen gebissene Zähne gepresst hervor.

Mit großen Augen beobachtete Buffy, wie er sich hochstemmte, ohne sein Gelenk loszulassen. Sie wusste, was er meinte.

Man hatte ihnen eingetrichtert wie gefährlich es war, in einem zornigen Zustand mentale Kräfte einzusetzen und die beiden, auch wenn es hart klang, dazu ermuntert, Ärger und auch Wut auf physische Art auszutragen.   

Ein wütender Mutant, zumindest ein Telekinet, konnte mit einem Gedankenbefehl töten. Ein Faustschlag richtete meist weniger Schaden an. Sie hatte es nicht getan, sondern ihre Wut mental reagieren lassen.

„Ich hatte keine Chance gegen deinen Griff“, verteidigte sie sich schwach und sah, wie er sein Handgelenk abtastete.

Er hob den Kopf und fixierte sie stechend. „Dann zumindest hättest du in der Lage sein müssen, die Wut zu verdrängen und gezielt zu handeln. Es wäre ein Einfaches gewesen, nur meinen Griff zu lösen!“ Dann wandte er seine Aufmerksamkeit wieder seiner Hand zu und fluchte. Er war kein Arzt, hatte aber schon genug Verletzungen gesehen und nahm deshalb an, dass das Gelenk verstaucht war. Im günstigsten Fall.

„Ich… werde dich zur… Notaufnahme fahren“, piepste Buffy vorsichtig und kam näher. Seine Hand sah gar nicht gut aus und ihr Zorn auf ihn verpuffte zu einer Menge Schuldgefühle. „Wir sollten es vielleicht… bandagieren?“

„Bleib ja, wo du bist!“ fuhr er sie an und sie zuckte erschrocken zusammen.

„Ich hole eine Bandage“, sagte sie schnell und stürzte ins Bad.

Als sie wieder kam, hatte er sich einfach auf den Stubentisch gesetzt und sah ihr missmutig entgegen. Unsicher blieb sie vor ihm stehen. Er streckte die unverletzte Hand aus. „Gib her.“

„Spike, jetzt hörst du mit dem Scheiß auf“, knirschte sie zwischen den Zähnen hindurch. „Ich weiß, wie man eine Hand verbindet, um sie ruhig zu stellen. Alles habe ich nicht verlernt!“

Er hob den Kopf und seine blauen Augen trafen ihre. Da war Zorn in seinem Blick, aber Buffy erwiderte ihn ungerührt. „Ich wollte dich nicht verletzen, das weißt du genau!“

Wortlos hielt er ihr sein Handgelenk hin und biss wieder die Zähne zusammen, als sie sich neben ihn setzte und vorsichtig die Bandage darum wickelte.

Krampfhaft versuchte er, sich auf den Schmerz zu konzentrieren und redete sich ein, es würde ihm absolut nichts bedeuten, dass sie neben ihm saß.

Ihre Unterstellung schwelte noch immer in seinem Kopf, trieb seinen Puls in die Höhe, und es würde nicht gerade für ihn sprechen, wenn er sich benahm, als würde ihm ihre Nähe gefallen.

„Fertig“, sagte sie leise und hob den Kopf. „Denkst du, es ist gebrochen?“

Er zuckte mit den Schultern. „Weiß nicht. Ich hoffe nicht.“ Er stand auf und ging zur Tür. Erst dort drehte er sich wieder um und sah sie fragend an. „Was ist, fährst du mich, oder soll ich ein Taxi rufen?“ erkundigte er sich bissig.

Buffy schnappte ihren Autoschlüssel, stürzte an ihm vorbei und funkelte ihn dabei an, während sie  fauchte: „Es tut mit leid!“

Spike verbarg sein Grinsen, als er ihr zum Auto folgte.

 

*******************

 

Glücklicherweise war das Handgelenk nicht gebrochen. Der Arzt in der Notaufnahme des Krankenhauses diagnostizierte eine Verstauchung, die allerdings schmerzhafter sein konnte als ein Bruch, und verordnete Ruhe und Kühlen.

Buffy war einerseits erleichtert, fühlte sich aber trotzdem scheußlich schuldig. Als der Arzt dann noch die kleinen Verletzungen in Spikes Gesicht behandelte und Spike den wohlgemeinten Ratschlag gab, man könne seine Probleme nicht mit der Faust lösen, war sie puterrot geworden, denn sie hatten die Verletzungen durch eine Schlägerei erklärt.

Natürlich ohne zu erwähnen, dass Buffy darin verwickelt war. Spike hatte sie stumm und ruhig angesehen und sie war noch röter geworden.

Da er die Hand schonen musste, fiel es auch aus, sein Auto zu holen. Was wiederum bedeutete, er war ans Haus gebunden. Was wiederum zur Folge hatte, dass sich Buffys Laune merklich verschlechterte.

Sie zog sich um, nachdem sie wieder im Haus waren, und kam gerade die Treppe hinunter, als sie Spikes Stimme hörte. Er telefonierte und deshalb waren es nur seine Antworten, die sie vernahm.

„Nein, ich denke nicht, dass ich die Hand in einer Woche benutzen kann! Und das ist nicht meine Schuld! Wer ist denn auf die blöde Idee gekommen, mich hierher zuschicken?!“

Buffy blieb stehen. Man musste nicht viel Fantasie entwickeln, um zu erahnen, mit wem er telefonierte. Mit SECRET ONE.

„Rupert, deine kleine Supermutantin ist ein wenig gewalttätig und wenn du sie zur Mitarbeit bewegen willst, dann scher dich gefälligst selbst her!“

Buffy hörte ihn im Zimmer auf und ab gehen. Wahrscheinlich musste er seinen Frust über Giles’ Antworten irgendwie abbauen.

„Wenn du meine Hilfe brauchst, schick jemanden, der mich abholt. Ganz einfach! Nein, ich werde sie nicht fragen!“

Sie gab sich einen Ruck. Schließlich war es nie ihre Art gewesen, sich irgendwo zu verstecken und zu lauschen.

„Ich denke gar nicht daran, sofort zurück zu kommen. Ich habe Urlaub. Und bin krank geschrieben. Aus welchem Grund sollte ich mich in diese Karnickelställe einsperren, wenn ich mich hier am Strand erholen kann?!“

Buffy blieb in der Tür stehen und hörte ihn fluchen.

„Melde dich einfach, wenn du meine Hilfe brauchst“, sagte er und klang genervt. „Nein, werde ich nicht. Ich habe sie gefragt. Sie hat nein gesagt. Punkt. Mir reicht ein fast gebrochenes Gelenk.“ Er schickte einen Blick zur Decke. „Rupert“, knirschte er dann. „Du weißt, wie ich bin. Ich kann sie nicht an ihren Haaren nach SECRET ONE schleifen. Obwohl mir diese Idee sehr gefallen würde… Nein, ich werde sie…“ Er stockte, weil er Buffy plötzlich in der Tür stehen sah.

„Ich werde es nicht, Rupert. Ich melde mich, sobald ich wieder arbeiten kann. Bis dann.“ Er trennte die Verbindung und murmelte. „Blauäugiger Idiot!“

Dann warf er das Telefon auf die Couch und drehte sich zu Buffy um. „Lauscht du neuerdings?“

„Dein Geschrei war nicht zu überhören“, antwortete sie schnippisch. „Außerdem wollte ich dir die Schmerztabletten geben, die ich in der Apotheke geholt habe.“ Sie knallte ihm die Schachtel gegen die Brust. „Heißt das, ich habe dich jetzt noch länger auf dem Hals?“

Er knurrte etwas Unflätiges und warf sich auf die Couch.

„Es stimmt also?“ Sie folgte ihm und blieb neben der Couch stehen. „Du bist nur hier, weil du mich überreden sollst, wieder in eurem Verein mitzumachen?“

Spike schloss demonstrativ die Augen. Das Gespräch mit Giles hatte seinen Zorn wieder hoch geputscht und er verspürte jetzt keine Lust auf ein erneutes Streitgespräch mit ihr. Sein Gelenk pochte nervtötend genug. Er brauchte einfach Ruhe.

Dann hörte er sie gehen und atmete erleichtert auf. Giles gab teilweise ihm und seiner „bezaubernden“ Art die Schuld an dem Unfall und genau so an Buffys Weigerung.

Spike war der Meinung, dass da schon etwas Wahres daran war, aber Giles kannte seine Art, mit Menschen umzugehen, und er wusste auch, mit welchem Zorn Buffy SECRET ONE verlassen hatte. Mit Zorn hauptsächlich auf ihn. Hatte Giles wirklich erwartet, Buffys gesamte angestaute Wut würde verrauchen, wenn ausgerechnet er, Spike, hier auftauchte?   

Sie kam zurück und er öffnete die Augen. Eigentlich fand er den Gedanken, noch ein wenig länger zu bleiben, gar nicht so schlimm.

Es wäre nur schön, diesen ärgerlichen Ausdruck aus ihrem Gesicht zu vertreiben. Die Schuldgefühle, die er gesehen hatte, hatten ihm viel besser gefallen.

Buffy hielt ihm einen mit Eiswürfeln gefüllten Plastikbeutel vor die Nase und er hob erstaunt die Augenbraue. „Plötzlich besorgt um mich?“

Sie ließ den Beutel fallen und er sprang fast von der Couch, als er auf seiner Brust landete und die Kälte durch sein dünnes T-Shirt zur Haut durchdrang.

„Hast du Hunger?“ blaffte sie ihn an.

Uhh, sie schien tatsächlich so etwas wie ein schlechtes Gewissen zu haben. Auch wenn man es ihr nicht ansah. Nun, er musste es ihr aber deshalb nicht unbedingt leicht machen, oder?

„Ich esse nichts, was du kochst“, knurrte er und verzog das Gesicht. „Mir ist noch übel von deinem letzten Versuch.“

Buffys Augen verengten sich. Klar, dass er das nicht vergessen hatte. „Glaub nur nicht, dass ich wegen dir so einen Aufwand veranstalten würde. Sag mir einfach, wo ich bestellen soll. Italiener, Chinese oder McDonald?“

Teil 12 

Es gefiel Spike wunderbar, wie sie ihn versorgte. Natürlich mit diesem missmutigen Gesichtsausdruck und nicht ohne immer wieder zu betonen, was für eine Plage er doch wäre und sie das alles gar nicht tun müsste, weil er sich schließlich nicht das Bein gebrochen hatte und außerdem Telekinet sei.

Spike wünschte sich fast, das Bein gebrochen zu haben, denn dann hätte er keine Gelegenheit ausgelassen, sich durch das Haus zu bewegen und sie dabei als Gehhilfe zu verwenden.

Trotz ihrer gemurmelten Proteste kümmerte sie sich rührend um ihn und er verkniff sich jede Bemerkung, die das erwähnen würde.

Es gefiel ihm viel zu gut, wie sie immer wieder das Eis erneuerte, fragte, ob er etwas bräuchte und dabei immer so herrlich die Stirn krauste, dass er sich zusammen reißen musste, um nicht aufzuspringen und… nun ja, diesen Gedanken dachte er besser nicht zu Ende.

Eigentlich fühlte er sich pudelwohl, von dem Pochen seines Gelenks einmal abgesehen, das auch die Schmerztabletten nicht ganz beseitigen konnte. Er verbrachte den ganzen Nachmittag im Liegestuhl im Garten und bekam sogar Kaffee serviert.

Es war wieder einmal einer dieser heißen Tage, an denen man sich eigentlich so gar nicht bewegen wollte und an denen sich der Schweiß auf der Haut schon vom Nichtstun bildete.

Buffy ging am Abend, als die Hitze etwas zurückgegangen war, noch eine Runde joggen. Sie wollte es natürlich nicht zugeben, aber Spikes geschwollenes Handgelenk zu sehen, hatte ihr einen Heidenschreck eingejagt, weil sie genau wusste, dass sehr schnell, sehr viel mehr hätte passieren können. Und dabei spielte es keine Rolle, ob sie die betreffende Person mochte oder nicht.

Ihr Zorn hatte einen Menschen verletzt, ohne dass sie sich in einer echten Notlage befunden hatte.

Als sie wieder ins Haus zurückkam, verflog ein Teil ihres schlechten Gewissens, weil sie feststellte, dass er das Bad blockierte. Wütend klopfte sie an die Tür.

„Du weißt genau, dass ich joggen bin!“ rief sie laut. „Und dass ich danach gern duschen würde, weil ich keine Lust habe, mich so verschwitzt auf die Couch zu legen. Sieh zu, dass du fertig wirst.“

„Das ist gar nicht so einfach, Luv“, schimpfte er von drinnen. „Mit einer Hand…“

„Oh nein!“ Buffy wurde blass. „Komm bloß nicht auf den Gedanken, dass ich dir helfe. Du bist Telekinet! Also verhalte dich entsprechend!“ Sie hörte ihn poltern und dann prusten. „Was machst du da drin? Badest du etwa?“

„Natürlich!“ giftete er zurück. „Duschen ist noch viel komplizierter.“

„Wie lange soll das dauern?!“

„Wenn du mir hilfst, bin ich bestimmt…“

Buffy drehte sich um und rannte die Treppen hinunter. Sie wollte den Rest gar nicht hören.

Trotzdem konnte sie nicht verhindern, dass Bilder eines nackten Spikes in ihrer Erinnerung aufstiegen. Alles, was sie wollte, war diese letzte Nacht verdrängen und er trug nicht dazu bei, wenn er immer wieder solche Anspielungen machte.

Sie wettete sogar mit sich selbst, dass es ihm sehr gut in den Kram passen würde, wenn sie ab und zu mit ihm ins Bett ging.

Damit schlug er zwei Fliegen mit einer Klappe, nein, eigentlich drei. Er befriedigte seinen Sexualtrieb, Sex zwischen Mutanten war gar nicht so schlecht und er musste niemandem erklären, warum es nichts anderes als Sex war.

Wie sie dabei dachte oder sich fühlte, war ihm schon immer egal gewesen. Buffy fühlte erneut diese Wut in sich aufsteigen. Und sie schwor sich, egal wie gut es war, sie würde niemals damit leben können, einfach herzuhalten, nur damit er seine Bedürfnisse befriedigte.

Und was ist mit deinen? erkundigte sich eine lästige Stimme in ihrem Kopf. Er würde deine auch befriedigen. Und gar nicht mal so schlecht.

Nein, antwortete sie sich selbst. Ich könnte mir selbst nicht mehr in die Augen sehen.

Es dauerte fast eine Dreiviertelstunde, ehe er wieder kam und Buffy warf ihm einen vernichtenden Blick zu, als sie an ihm vorbei ins Bad rauschte. Das war auch so etwas. Sie wusste genau, dass er das mit Absicht machte.

Sie hatte schon gegessen, einfach weil sie nicht mit ihm zusammen essen wollte, und ging nach dem Duschen in ihr Zimmer.

Nachdenklich blieb sie vor dem Bücherregal stehen, weil sie heute auch keinen Drang verspürte, sich mit ihm um die Couch zu streiten.

Ihr fiel ein Buch in die Hände, dass sie vor langer Zeit einmal gekauft hatte und erst beim Lesen erschrocken bemerkte, dass es sich um einen recht pornografisch gefärbten Roman handelte. Sie hatte das Buch weggelegt, als die Schilderung zu detailgetreu wurde und sich nicht überwinden können, es zu Ende zu lesen.    

Spikes Worte stiegen in ihrem Kopf hoch: Wer noch nie einen Blowjob gegeben hat, hat eindeutig Hemmungen. Hatte sie Hemmungen?

Langsam zog sie das Buch aus dem Regal und beäugte das eingeknickte Eselsohr, das markierte, an welcher Seite sie sich befand.

Wahrscheinlich hatte sie doch Hemmungen, denn da waren kaum 20 Seiten, die sie gelesen hatte.

Okay, sagte sie sich und warf sich mitsamt dem Buch auf ihr breites Bett. Sicherlich würde es Spike als Feigheit hinstellen, dass sie sich in die Abgeschiedenheit ihres Zimmers flüchtete, doch es war ihr egal.

 

Es dauerte fast eineinhalb Stunden, bis es klopfte und Buffy fast erschrocken im Bett hoch hüpfte.

Erst jetzt fiel ihr auf, wie ihre Wangen glühten und dass sie den Blick kein einziges Mal von dem Buch gelöst hatte.

Puh, dachte sie fassungslos und fuhr durch ihre noch immer feuchten Haare. Das ist schon Irrsinn, was manche Leute schreiben.

„Buffy?“ fragte Spike vor der Tür. „Kann ich rein kommen?“

„Nein!“ kreischte sie auf.

„Redest du jetzt nicht mehr mit mir? Warum kommst du nicht runter?“ nervte er weiter.

„Ich will dich nicht sehen!“

„Hast du etwas an?“

„Natürlich habe ich etwas an!“ giftete sie. „Verschwinde!“

Fassungslos beobachtete sie, wie sich die Türklinke senkte und er seinen Kopf zur Tür hinein steckte. „Ich möchte dir ein Friedensangebot machen“, grinste er sie an.

„Du wirst nicht in dieses Zimmer kommen!“ Er tat genau das und alles, was Buffy tun konnte, war, ihn noch fassungsloser anstarren. Dann sah sie, dass er eine Flasche Wein und zwei Gläser in der Hand hielt und schüttelte den Kopf. „Vergiss es! Hörst du? Raus mit dir, ich brauche deine hinterhältigen Einschmeichelversuche nicht!“

Ungerührt warf er sich neben sie aufs Bett. „Komm schon. Ich verspreche dir, mich wie dein netter Bruder zu benehmen.“ Er grinste wieder und Buffy knirschte mit den Zähnen, weil sie es ungerecht fand, dass er so verflucht süß grinsen konnte. „Es sei denn natürlich, du willst, dass ich mich nicht nur wie dein Bruder verhalte…“

„Spike, du fliegst so was von raus, wenn du noch eine einzige Anspielung in diese Richtung machst“, murmelte sie.

Er goss die Gläser voll, stellte die Flasche neben ihr Bett und reichte ihr ein Glas. „Heißt das, wir machen uns einen gemütlichen Abend. In deinem…“ Er verschluckte die Anspielung Bett. „…Zimmer?“

Buffy nippte an dem Wein. Seit er hier war, tranken sie andauernd Alkohol. Das war auch etwas, was schleunigst aufhören musste. „Ich bin in mein Zimmer gegangen, weil ich keinen gemütlichen Abend mit dir haben möchte.“

Spike verzog gespielt schmollend das Gesicht. „Ich langweile mich, Luv. Ich habe Schmerzen.“ Er hob anklagend seine Augenbrauen in ihre Richtung. „Wegen dir. Du kannst mir das nicht abschlagen.“

„Ich will nicht, dass du in meinem Bett herum lungerst“, knurrte sie, rutschte ans Kopfende des Bettes und lehnte sich dagegen.

„Ich wüsste auch bessere Sachen, als darin herum zu lungern, aber du… Au!“

Buffy hatte ihm einfach das Buch, das sie noch immer in ihrer Hand hielt, vor den Kopf geschlagen. „Wo hast du dein Eis?“

„Unten“, brummte er und rieb sich die Stirn. Dann stützte er sich auf seinen linken Arm und betastete mit den Fingern der rechten Hand das Gelenk. „Es sieht schon besser aus.“ Probeweise versuchte er die Finger zu bewegen, verzog aber sofort schmerzverzerrt das Gesicht.

Buffy lehnte sich zu ihm und betrachtete den Arm. „Du spinnst. Es ist gerade mal 9 Stunden her. Morgen wird das Gelenk noch mehr geschwollen sein.“

Er hob den Kopf. „Da wird mein Auto wohl noch eine Weile in L.A. stehen bleiben müssen.“

Sie sah ihn eine Weile an, ehe sie sagte. „Ich wollte es wirklich nicht. Es tut mir leid.“

Er nickte. „Ich weiß.“ Dann nahm er noch einen Schluck aus seinem Glas, ehe er fort fuhr. „Vielleicht solltest du darüber nachdenken… spring mich nicht gleich an! ...wenigstens das mentale Training wieder aufzunehmen. Ich meine, es kann wirklich gefährlich werden, wenn du deinen Zorn nicht unter Kontrolle hast.“

„Das passiert mir nur mit dir!“ fauchte sie schon wieder gereizt. „Du bist die einzige Person, die mich immer wütend macht. Wenn du weg bist, werde ich keine Probleme mehr haben!“

„Du wirst mich vermissen“, stänkerte er.

„Werde ich garantiert nicht.“ Buffy trank ihr Glas aus.

„Es ist viel schöner, in dem großen Haus nicht allein zu sein“, behauptete Spike, nahm ihr das Glas ab und wollte es neu füllen.

Als er sich aufrichtete, fiel sein Blick auf das Buch, mit dem sie ihm an den Kopf geschlagen hatte und dass jetzt neben dem Bett auf dem Fußboden lag. Er stellte das Glas auf den Fußboden und angelte danach.

„Wenn du nur solche Liebesschnulzen liest, wirst du nie kapieren…“

„Gib das Buch her!“ kreischte Buffy auf und wurde puterrot.

Spike lachte nur, wich ans Fußende zurück und betrachtete den Titel. „Fesselnde Leidenschaft, das klingt schon total sentimental“, grinste er und schlug das Buch auf. „Das wahre Leben ist…“

Buffy stürzte sich auf ihn und wollte ihm das Buch aus der Hand reißen. Spikes gesunder Arm schlang sich um ihren Hals und drückte sie auf das Bett, während er das offene Buch mit dem anderen Arm festhielt und seine Augen den Text scannten.

„Das ist mein Buch!“ schrie Buffy wütend und stieß ihm ihre Finger in die Rippen.

„Oh“, machte Spike plötzlich und Buffy fluchte. Zum Glück konnte er nicht sehen, wie fürchterlich ihr Gesicht glühte. „Ihre Zunge umfuhr seine Eichel, leckte in sanften Strichen seinen steinharten Schwanz auf und ab…“ las er laut vor und Buffy wäre am liebsten im Erdboden versunken. „Buffy!?“ kicherte er amüsiert. „Wolltest du dich weiterbilden?“

„Verschwinde aus meinem Zimmer!“ Zum ersten Mal war sie mehr als froh, in seinem Schwitzkasten zu stecken und ihn nicht ansehen zu müssen. Sie hörte, wie er mühsam mit der verletzten Hand die Seiten weiter blätterte und fing an zu strampeln.

„Mit einem leisen Klicken verschlossen sich die Handschellen um das Metallgestänge des Bettes, fesselten ihre Hände damit wirkungsvoll über ihrem Kopf und sie wimmerte auf, als er mit einem wissenden Lächeln ihre Beine spreizte und mit dem Kopf dazwischen verschwand“, zitierte Spike weiter. „Buffy, Buffy… das ist aber interessant…“

Sie hatte es endlich geschafft, sich zu befreien und stürzte sich auf das Buch. „Gib das sofort her!“

Lachend warf er sich auf sie, hielt sie mit seinem Gewicht fest und schielte wieder in das Buch. „Sie saugte ihn tief in ihren Mund, hörte sein lustvolles Stöhnen, und…“

„Spike!“ Buffy schlug nach ihm und wurde noch röter.

Er fand es einfach herrlich zu sehen, wie peinlich ihr die ganze Sache war. „Du hättest mich doch nur fragen brauchen, wenn du etwas wissen willst, kleine Schwester“, murmelte er amüsiert und stellte begeistert fest, dass sie noch röter wurde. „Ich hätte mich auch zur Verfügung gestellt, wenn du es mal ausprobieren…“

Sie stieß ihn von sich und er fing an zu lachen, als er auf dem Rücken landete und ihn eine sehr wütende Buffy auf das Bett presste. „Du wärst der Allerletzte, mit dem ich irgendetwas, was in diesem Buch erwähnt wird, ausprobieren würde!“

Ihre Augen funkelten so wütend, dass ihm heiß wurde und er plötzlich mit jeder Faser seines Körpers wahrnahm, dass sie auf ihm saß. „Weißt du“, trieb er es trotzdem noch auf die Spitze. „Eigentlich ist es eine Schande, dass dich noch nie jemand in den Mund…“

Ihre Hand schloss sich um seine Kehle. „Ich warne dich“, zischte sie todernst und sein Lachen verebbte zu leisem Glucksen.

Er hob leicht den Kopf, bis sein Gesicht nur noch wenige Zentimeter von ihrem entfernt war und sagte leise. „Da ist so eine Erinnerung in meinem Kopf…“ Ihre Augen verengten sich und seine Lippen verzogen sich zu einem süffisanten Grinsen. „An eine kleine heiße Person, die sagte: Fick mich…“

„Verdammt!“ schrie sie dazwischen und stieß ihn auf das Bett zurück. „Du bist wirklich nichts weiter als ein verdammter Dreckskerl!“ Röter konnte sie zum Glück nicht mehr werden, aber ihre Wut steigerte sich noch, als sie ihn erneut so dämlich grinsen sah. „Ich wusste, dein Friedensangebot ist eine Schwachsinnsidee!“ fuhr sie ihn an.

Spike fand es einfach fantastisch, dass sie auf ihm sitzen blieb und es nicht einmal zu merken schien. „Es war Spaß, Luv. Ich hätte nie im Traum damit gerechnet, dass du über ein derartiges Buch verfügst. Ich habe dich immer für so… unschuldig gehalten…“

Er fing wieder an zu lachen. Buffy krallte ihre Hände in sein T-Shirt und beugte sich zu ihm. „Du wirst dich jetzt aus diesem Zimmer scheren…“

„Hast du dich beim Lesen selbst befriedigt?“

Sie sah ihn an, als könnte sie nicht glauben, was sie gerade gehört hatte. Ihr Mund öffnete und schloss sich wieder, ohne dass ein Wort ihre Lippen verließ.

„Ich werte das mal als Nein“, kicherte er belustigt.

„Gott, ich hasse dich“, stieß sie hervor, als sie endlich ihre Sprache wieder gefunden hatte. „Du bist ein Schwein, Spike! Ein ekelhaftes, perverses…“

„Aber, aber!“ unterbrach er ihre Beleidigungen. „Es war eine einfache Frage. Du hättest ja einfach nein sagen können. Und Selbstbefriedigung ist weder ekelhaft noch pervers. Wozu glaubst du, will ich dir den Vibrator schenken. Bestimmt nicht, damit du ihn als Zimmerdeko aufstellst.“

„Verschwinde endlich!“ schrie sie ihn jetzt fast hysterisch an.

„Du sitzt auf mir“, erinnerte er sie. „Aber das stört mich überhaupt nicht. Ich muss sogar sagen, es gefällt mir ganz gut.“

Dabei bewegte er seine Hüften in eindeutiger Weise unter ihr und ihr wurde schlagartig bewusst, was er mit ganz gut meinte.

Wie von der Tarantel gestochen fuhr sie zurück. Was war nur mit ihr los? Wieso verlor sie so schnell die Nerven mit ihm?

Ihr Gesicht glühte noch immer und sie langte fast hektisch nach der Flasche Wein, füllte ihr Glas neu und kippte es hinunter, während sie beobachtete, dass Spike sich aufrichtete und sie immer noch so verflucht angrinste. Sie schwor sich, sein diesjähriges Geburtstagsgeschenk niemals niemals aufzumachen.

„Hast du noch mehr solche Bücher?“ fragte er versöhnlich.

„Raus aus dem Zimmer!“ sagte sie eisig.

Er sah sie fast beleidigt an. „Ich weiß wirklich nicht, worüber du dich aufregst. Vielleicht bist du etwas erregt nach dem Lesen von dem ganzen erotischen Zeugs und ich könnte…“

„Sag es nicht!“ Ihr ausgestreckter Finger tippte in seine Richtung. „Und wenn ich vollkommen heiß und erregt wäre, du wärst der letzte, an den ich dann denke! Ich würde eher noch einmal zu Riley gehen!“

Jetzt sah er nicht nur beleidigt aus, sondern klang auch noch so. „Du kannst auf dieser Welt nur mit einem einzigen Menschen tollen Sex haben! Und zwar nicht mit Riley!“

„So toll war es auch nicht!“ schmiss sie ihm ins Gesicht und sah, wie sich seine Miene versteinerte.

„Du wirst noch zeitig genug merken, dass ich der Einzige bin, der dich ordentlich…“ Er machte eine Pause, ehe er das Wort extra betonte. „…*ficken* kann.“ Mit diesen Worten sprang er auf, stürzte zur Tür und knallte sie hinter sich zu.

„Ich brauche niemanden, der mich ordentlich… oh verflucht!“ Sie warf ihm das Buch hinter her. „Ich brauche gar niemanden! Ich brauche gar keinen Sex!“ Zornig fiel sie auf das Bett zurück und griff wieder nach dem Weinglas.

 

******************

So toll war es auch nicht! Sie war wohl von Sinnen!? 

Spike knallte seine Tür ebenfalls hinter sich zu, warf sich auf sein Bett und starrte zur Decke. Es gab keine Frau, die ihn nicht toll fand und zum ersten Mal konnte er behaupten, dass es ihn genau so vom Hocker gerissen hatte, eben weil der kalte Guss nicht kam, ja es eher noch besser wurde, als er ihren Orgasmus fühlte.

Er hatte nicht für möglich gehalten, dass es so etwas gab. Und sie sicherlich auch nicht.

Sie sagte das nur, um ihm eins auszuwischen. Aus Rache, weil er sie mit dem Buch aufgezogen hatte.

Trotzdem spürte er Zorn in sich und wünschte sich, hinüber gehen und ihr ihren kleinen süßen Verstand aus dem Kopf vögeln zu können. Solange, bis sie zugab, wie fantastisch es gewesen war. Und ihn anbettelte, sie ordentlich zu ficken.

Ein Lächeln stahl sich auf seine Lippen, als er es sich vorstellte und er fühlte, wie sein Schwanz noch etwas härter wurde. Oh ja, er würde sie dazu bringen können, eine Menge zuzugeben…

Seine Finger tasteten sich zu den Knöpfen seiner Hose, öffneten sie und befreiten seinen Schwanz.

Warum hatte sie das Buch gelesen? Weil er sie damit aufgezogen hatte, noch nie jemanden mit dem Mund befriedigt zu haben?

Er wurde noch ein wenig härter und begann, automatisch an sich selbst auf und ab zu streicheln.

Das war auch eine sehr schöne Vorstellung. Und es würde ihre Beleidigungen im Keim ersticken. Er schmunzelte, nahm seinen Schwanz fester in seine rechte Hand, als in seinem Kopf das Bild einer Buffy aufstieg, die vor ihm auf die Knie sank und ihre Lippen um seine mittlerweile steinharte Erektion schloss. Ganz tief saugte Fantasiebuffy ihn in ihren Mund, seine Finger krallten sich in ihre Haare und ein Gefühl von Stolz raste durch seinen Körper, weil er wusste, dass er der erste war.

Er stöhnte leise auf, stellte sich ihre Zunge vor und ihre Lippen, die an seinem Schwanz auf und ab glitten. Oh ja, Luv, dachte er euphorisch. Ich würde erst in deinem Mund kommen, würde zusehen wie du mein Sperma schluckst und dann würde ich dich auf den Boden werfen, deine Beine spreizen… wie in dem Buch…  vielleicht wären Fesseln auch ganz gut…  würde dich lecken bis du um Gnade bettelst und ich wieder hart bin, um dich noch einmal ordentlich zu ficken…

Sein Stöhnen wurde lauter. Er hatte die Augen geschlossen, sah ihr Bild, ihren so makellosen Körper, die schlanken Beine, die sich für ihn spreizten und hörte ihr Betteln: Bitte, fick mich, Spike… bitte bitte fick mich…

Sein Körper bäumte sich auf, als er im Orgasmus explodierte. In diesem Moment interessierte es ihn überhaupt nicht, dass er die ganze Sauerei auf seiner Hand und Hose verteilte, alles was er spüren konnte, war die Ekstase, die seinen Körper beben ließ.

Erschlafft sank er auf das Bett zurück und schloss  einen Moment die Augen.

 

**************

 

Buffy in ihrem Zimmer jedoch dachte, sie träfe der Schlag, als sie ihn spürte. Vielleicht war es, weil die Bilder, die das Buch suggeriert hatte, sie doch ein wenig erregt hatten, doch sie war gut im Ignorieren von Tatsachen und dass sie etwas feucht zwischen den Beinen geworden war, konnte schließlich eine Menge Ursachen haben. Zum Beispiel die Hitze.

Als dann jedoch seine Ekstase durch ihren Kopf jagte, presste sich ihre Hand auf ihren Mund und sie wimmerte leise, weil seine Schauer ihren Körper schüttelten.

Wie konnte er?! Wie konnte er so wütend aus dem Zimmer rennen und sich dann keine Viertelstunde später einen runterholen? Oh Gott. Sie biss sich selbst in ihre Lippe, als ihr aufging, dass sie mit den Worten des Buches dachte. Wie konnte er nur!?

Mit zitternden Beinen stand sie auf und rannte zur Tür, um im nächsten Moment wütend gegen seine zu hämmern. „Bist du jetzt total übergeschnappt?“

Spike benötigte einen Moment, ehe das Wummern gegen die Tür durch die Watte, die ihn noch immer einhüllte, durchdrang. Allerdings war er noch nicht in der Lage, eine Antwort zu formen.

„Ich will nicht, dass du in deinem Zimmer…“ Sie stockte. „…tust, was auch immer du getan hast!“

Wovon redete sie eigentlich? Seine Fantasybuffy war bedeutend ruhiger gewesen. Er kicherte albern. Deren Mund war ja auch wirkungsvoll verschlossen gewesen.  

Sie schlug wieder gegen die Tür. „Hast du verstanden?! Dir ist vielleicht nicht ganz klar, DASS ICH DICH SPÜRE?!!“

 Sie… WAS?! Spike saß im nächsten Moment kerzengerade im Bett. Hatte sie jetzt tatsächlich gesagt, was er gehört hatte?

Buffy knirschte mit den Zähnen als er noch immer nicht antwortete. „Wie du willst!“ zischte sie zornig und schrie laut. „Ich gehe jetzt in mein Zimmer und befriedige mich auch selbst! Wir werden ja sehen, ob du dann deine Sprache wieder findest!!!“

Teil 13

Buffy stürzte zurück, während ihr durch den Kopf ging, dass sie erst noch einmal in dem Buch nachlesen musste, was genau sie da mit sich anstellen sollte.

Der Frau in dem Buch schien es jedenfalls sehr gut gefallen zu haben. Und der Gedanke, dass er sie dann genau so spürte, befriedigte ihre Rachegelüste ungemein.

Spike dagegen sprang panisch hoch, verschloss hektisch seine Hose und beseitigte wenigstens einen Teil der Spuren auf seiner Kleidung, ehe er zur Tür rannte.

Wenn sie ihn gespürt hatte, so wie vergangene Nacht er sie, wollte er gar nicht darüber nachdenken, wie es ihm ging, wenn er sie jetzt spürte. Er würde sich wahrscheinlich den Rest der Nacht selbst befriedigen und sie noch mehr durchdrehen…

Buffy schrie erschrocken auf, als er ihre Tür aufriss. Sie wollte ihm ausweichen, doch er umfing einfach ihre Taille, warf sie auf das Bett und presste sich im nächsten Moment gegen sie.

„Was willst du mit dem Buch, Luv?“ schnurrte er neben ihrem Ohr.

Buffy war viel zu geschockt, um zu antworten. Ihre rechte Hand umklammerte das Buch, während sie die Linke gegen seine Brust stemmte.

„Lass es mich tun“, flüsterte er, hob den Kopf und sah in ihre grünen, jetzt verdammt unsicher schauenden Augen. „Lass es mich tun, Luv. Es besteht keine Notwendigkeit, dass du es selbst tust.“

Jetzt hat er den Verstand verloren... Buffy fühlte sich von einer seltsamen Starre befallen, die auch nicht abfiel, als er den Kopf senkte und sie küsste. Seine Zunge schnellte heraus, fuhr über ihre Lippen und dann dazwischen. Das Buch fiel aus Buffys Hand und die zweite Hand, die sie gegen seine Brust gepresste hatte, erschlaffte.

„Ja, Luv?“, hauchte er gegen ihren Mund.

Oh nein… Sie brachte kein Wort über die Lippen, als sie spürte, wie seine Finger sich in den Bund der Freizeithose schoben und sie über ihre Hüften zogen. Sie wollte wirklich nein sagen. Und ihm eine kleben.

Doch ihre Hände sanken kraftlos an ihre Seiten, während er die Hose samt Slip ihre Beine hinab streifte und sich dann wieder über sie beugte.

Fast sanft strichen seine Finger über ihr Gesicht und sein Daumen fuhr über ihre Unterlippe. Der Blick in ihren Augen sagte ihm, dass sie noch immer kaum begriff, was vor sich ging und er lächelte den Hauch seines berühmten Lächelns.

„Möchtest du wissen, woran ich gedacht habe, Luv? Vorhin?“ Sie schüttelte den Kopf und er lächelte wieder. „An diese Lippen…“

Sie schnappte nach Luft, erschrocken. Schließlich war es nicht schwer sich vorzustellen, was ihre Lippen in seiner Fantasie angestellt hatten. Komischerweise wurde ihr nicht gleich schlecht, so wie das erste Mal, als sie davon gelesen hatte.

„Ich erspare dir das Fantasieren“, versprach er und legte den Zeigefinger über ihren Mund. „Die Wirklichkeit ist immer ungleich besser.“

Und dann wanderte sein Kopf abwärts und Buffy kam sich vor wie in einem Traum. Weil sie nichts tat, sich nicht wehrte, sondern ihn gewähren ließ, als hätte er sie verhext.

Seine Lippen pressten sich auf ihren Bauch, sie fühlte seine Hände, die ihre Beine spreizten und schlug sich die Hand vor den Mund. Sie musste das träumen. In der Realität würde sie nie zulassen, dass Spike…

„Oh Gott“, entfuhr es ihr, als er einen Finger in sie stieß und schloss die Augen. Es war, als würde er genau wissen, was sie brauchte. Sein Daumen strich in sanften Kreisen über ihre geschwollene Klitoris, brachte sie dazu, automatisch das Becken etwas anzuheben.

„So feucht, Luv“, grinste er zwischen ihren Beinen. „Weil du mich gespürt hast oder war es doch das Buch?“

Beides… Wieso tue ich nichts? fragte sie sich verzweifelt.

Dann bäumte sie sich überrascht auf, als er den Daumen durch seine Zunge ersetzte.

„Verdammt…“, flüsterte sie hilflos. Das musste doch ein Traum sein. Spike würde nie… Sie war nicht mehr in der Lage weiter zu denken, als seine Finger sich in ihr bewegten und seine Zunge begann, sie zu erkunden.

„Oh Gott… oh Gott“, war alles, was sie murmeln konnte und ihre Hände krallten sich in die Bettdecke, als ihr Kopf zurück flog.

Spike fühlte, wie sie sich unter ihm aufbäumte. Er hatte geahnt, dass sie genau so gut schmeckte wie es war, sie zu vögeln und biss übermütig zu.

Sie schrie auf und dieser Laut putschte seine Hormone mächtig an. Seine Finger stießen immer wieder in sie, während sie sich unter ihm wand und ihm ihre Hüfte entgegen stieß.

Er neckte sie, leckte kurz über den pochenden Knoten und fühlte sie wimmernd erschlaffen, als er den Kopf hob, um kurz darauf sein Spiel von neuem zu beginnen.

„Verdammt“, jammerte Buffy und das war etwas, was ihm besonders gut gefiel.

Hatte er nicht irgendetwas in dieser Richtung geträumt? Allerdings wollte er sie nicht zu lange quälen, weil es sie sicher wütend machen würde.

Später, wenn sie wieder klar denken konnte. Und deshalb gab er ihr, was sie wollte.

Seine Zunge presste sich gegen ihre Klitoris, er saugte sie in seinen Mund, registrierte wie sie aufzitterte und ihre Muskeln sich zusammenzogen und dann jagte ihr Orgasmus durch seinen Geist.

Aufstöhnend ließ er sie los, seine Stirn sank gegen ihren Oberschenkel und er schloss die Augen. Für einen Moment nahm er nichts um sich herum wahr, weil alles, was er spürte sie war und die Ekstase, die durch ihren und gleichzeitig seinen Körper fegte.

Übergangslos fühlte er sich selbst regieren, spürte wie seine Erektion gegen seine Hose drückte und stöhnte wieder.

Als die Lichter verloschen, schaffte er es, den Kopf zu heben und kroch Buffys Körper aufwärts, während er hektisch seine Hose öffnete. Das war mühsam, weil er nur eine Hand zur Verfügung hatte.

„Luv“, flüsterte er heiser, doch sie war noch nicht wieder auf dem Boden angelangt. „Du wirst mich jetzt nicht wegschicken, ja?“ Seine Lippen glitten über ihren Hals, über ihre Wange zu ihrem Mund.

Sie reagierte noch immer nicht und in einem anderen Augenblick hätte ihn das unheimlich stolz gemacht. Im Moment jedoch glaubte er zu zerspringen, wenn er sich nicht gleich in ihr vergraben konnte.

„Luv?“ hauchte er fragend gegen ihre Lippen. Sein Schwanz spürte die Nässe zwischen ihren Beinen, drängte wie von selbst vorwärts und ein Rest von Spikes Verstand teilte ihm mit, dass sie nicht nein gesagt hatte und er das einfach als ja werten konnte.

Er stieß nach vorn, hinein in ihre feuchte Hitze und fühlte sie unter sich erzittern. Fast verzückt schlossen sich einen Moment seine Augen, als wolle er den Augenblick genießen, dann fühlte er ihre zarten Finger um seinen Hals und öffnete die Augen wieder.

Sein Blick traf ihren und ihm stockte der Atem. Er würde niemals vergessen, wie sie ihn jetzt ansah.

Es war noch nicht genug Zeit vergangen, um sie vollkommen zur Besinnung gelangen zu lassen. Da war eine Verletzlichkeit in ihrem Blick, eine Art Zuneigung und ein Hauch von Zorn, und all das schickte einen Schauer der Erregung durch seinen Körper, der ihn erzittern ließ.

Buffy zog seinen Kopf zu sich herab. Sie atmete noch immer keuchend und fühlte sich wie in einem Traum, trotzdem brachte sie mühsam hervor. „Das war unfair.“

Er küsste sie hungrig, drängte die Zunge zwischen ihre Zähne und verlor sich im Spiel ihrer Lippen. Ja, war es. Ich bin ein Dreckskerl. Sag es ruhig, Luv.

Ihre Beine umklammerten ihn, als er anfing sich zu bewegen. Sie war noch immer zu benommen und zu gefangen in der vergangen Ekstase, um ihm ernsthaft böse zu sein.

Ihr Körper verlangte nach ihm, begegnete seinen wilden Stößen, während ihre Finger sich in seinen Rücken krallten, ihr Kopf zurück flog und sie stöhnend seinen Namen murmelte.

Bis die Lichter ein zweites Mal angingen und sich ihre Gedanken diesmal verbanden.

Buffy konnte sich nicht vorstellen, dass es etwas auf der Welt gab, das mehr verband, als zu diesem Zeitpunkt die Gefühle des anderen zu teilen. Schluchzend klammerten sie sich aneinander und wenigstens in diesem Augenblick waren all der Streit, all der Zorn und all die Wut verschwunden. Das einzige, was zählte, war die Lust, die sie füreinander empfanden, die ihren Verstand ausschaltete und sie einfach nur noch fühlen ließ…

Spike war der erste, der wieder zu Bewusstsein kam und stemmte sich mühsam hoch.

Buffy öffnete die Augen, auch wenn sie sich noch nicht zu irgendeiner Regung fähig fühlte.

„Bring mich nicht gleich um“, murmelte er leise. „Ich gehe einfach, Luv. Okay? Ich bin sofort weg.“

Sie rührte sich nicht, sondern beobachtete nur mit großen Augen, wie er seine Hose richtete und in Richtung Tür verschwand.

Es war eine Flucht, ohne Zweifel. Dann fiel ihr ein, dass er sie um ihre Zustimmung gebeten hatte. Zu diesem Zeitpunkt war sie kaum in der Lage gewesen zu denken, geschweige denn zu sprechen.

Seufzend legte sich ihre Hand über ihre Augen und sie blies sich selbst kühle Luft über ihr verschwitztes Gesicht. Der selbstsichere Spike hatte Angst vor ihrer Reaktion.

Die Tür klackte hinter ihm ins Schloss und ein leises: „Verfluchter Mist…“, kam über ihre Lippen.

In dem anderen Zimmer sank Spike mit dem Rücken gegen die geschlossene Tür zu Boden und vergrub sein Gesicht in seinen Händen. „Verdammte Scheiße“, fluchte er unbeherrscht, lehnte den Kopf zurück gegen die Tür und schloss die Augen. Es konnte nicht noch schlimmer werden, oder?

********

Buffy schlief wie eine Tote, trotz ihrer vorherigen Bedenken und sogar, ohne von ihm zu träumen. Jedenfalls erinnerte sie sich nicht daran.

Und sie erwachte am nächsten Morgen so ausgeruht und ausgeschlafen, dass sie sich vor sich selbst schämte. Sollte da nicht wenigstens ein kleines schlechtes Gewissen vorhanden sein? Oder ein scheußliches Gefühl, weil sie doch zugelassen hatte, dass er das tat?

Sie fühlte nichts dergleichen, außer einem leichten Ärger auf ihn. Aber damit konnte sie umgehen, schließlich war das ein Zustand, an den sie gewöhnt war.

Spike saß in der Küche, nippte an seinem Kaffee und schaute ihr mit einem undefinierbaren Gesichtsausdruck entgegen. Eigentlich sah er fast schuldbewusst aus und das war etwas, was ihr sehr gut gefiel.

Es verdrängte sogar die Verlegenheit, die plötzlich in ihr aufstieg, als sie sich daran erinnerte, wo sich gestern Nacht sein Kopf befunden und was er mit seiner Zunge angestellt hatte.

„Was macht deine Hand?“ fragte sie gespielt munter. So tun, als wäre nichts Weltbewegendes geschehen, war immer noch die beste Lösung. Es war ja auch nichts Weltbewegendes geschehen. Sie hatten Sex. Na und. Viele Menschen hatten Sex.

Er lächelte schwach. „Du hattest recht. Sie tut mehr weh als gestern. Kaffee?“

Seine nächtlichen Aktivitäten hatten sicherlich nicht dazu beigetragen, das Gelenk zu schonen.

Buffy holte sich eine Tasse aus dem Schrank und sah beunruhigt zu, wie er ihr Kaffee eingoss. „Ich werde Anya anrufen und mit ihr dein Auto holen“, sagte sie dann.

Spike zuckte mit den Schultern. „Meinetwegen.“ Dann hob er endlich den Kopf und sah sie an. „Buffy, ich…“

„Nein“, unterbrach sie ihn erschrocken. „Fang nicht an, ja? Keine Erklärungen, keine Entschuldigungen, keine dummen Sprüche.“

Er fluchte leise. „Wir müssen reden.”

„Nein, müssen wir nicht. Wir müssen gar nichts!” Sie funkelte ihn über ihre Kaffeetasse hinweg an und setzte sie dann wieder auf den Tisch. „Was geschehen ist, ist geschehen und damit ist es erledigt. Kein Grund, ein Wort darüber zu verlieren.“

„Du weißt genau, dass das Schwachsinn ist!” fuhr er auf. Er hatte keine Ahnung, wieso sie so einen unbeteiligten Gesichtsausdruck zustande brachte, aber er machte ihn wütend. „Ich hatte das nicht geplant!“

„Das wäre ja auch noch schöner“, antwortete Buffy trocken. Er sah etwas durcheinander aus und sie fand, dass ihm das ausgezeichnet stand.

„Du kannst nicht abstreiten, dass dir gefallen hat, was wir… ich getan habe!“

Sie wurde rot. „Schau, Spike“, begann sie langsam und ignorierte ihren roten Kopf. „Ich will gar nicht wissen, was da schon wieder in deinem Kopf herum schwebt. Aber wenn es in die Richtung SECRET ONE geht, dann würde ich dir raten, deinen Mund zu halten. Und wenn…“

„Buffy!“ fuhr er sie laut an. „Ich verschwende im Moment keinen einzigen Gedanken an SECRET ONE.“ Ihre Augen verengten sich ärgerlich, doch ehe sie weiterreden konnte, fuhr er fort. „Du behauptest, mich nicht ausstehen zu können, aber du spürst genau so wie ich, dass da etwas ist zwischen uns…“

Buffys Mund klappte auf. „Da ist… etwas… zwischen uns?“ echote sie verblüfft.

„Ja!“ knirschte er.

„Du spinnst!“ Sie sprang auf, doch er fing ihr Handgelenk und hielt sie fest.

„Hör auf, davon zu laufen!“ Seine Hand umschloss ihr Gelenk und er hob den Kopf zu ihr. „Der Sex zwischen uns ist großartig. Du genießt ihn genau so wie ich. Wir wären doch komplett bescheuert…“

„Ich will den Rest nicht hören“, sagte sie eisig. „Und wenn du wirklich noch eine Woche in diesem Haus wohnen willst, solltest du alle Gedanken, die mich, dich und Sex in einem Zusammenhang betreffen ganz schnell vergessen.“ Sie riss ihre Hand los und stürzte zur Tür.

„Du lügst dich selbst an!“ schrie er ihr hinterher und vergrub wütend sein Gesicht in seinen Händen, als er auch noch die Haustür gehen hörte. Was rede ich eigentlich für einen Schwachsinn? Da ist etwas zwischen uns…

Er war am heutigen Morgen über sich selbst erschrocken, als er aufwachte, sich an Buffy erinnerte und schon wieder hart wurde.

Das war keine Reaktion, die er erwartet hatte oder vorhersehen konnte. Dann ging ihm auf, dass es zum ersten Mal in seinem Leben eine Frau gab, mit der er mehr als einmal geschlafen hatte. Und die er noch immer begehrte.

Er stöhnte leise auf. Aber es war tatsächlich so. Er wollte sie. Er hatte sie heute früh bloß ansehen brauchen, nur zu sehen, wie ihn ihre grünen Augen anfunkelten und er wollte nichts anderes, als sie an sich reißen, hinauf zum Bett tragen oder sie einfach über den Küchentisch legen.

Das war mehr als verrückt und zum ersten Mal konnte er verstehen, wovon andere Menschen sprachen, wenn sie behaupteten, verrückt nach Sex zu sein.

Dummerweise tat sie so, als würde sie nicht das gleiche empfinden. Aber eigentlich sollte sie es. Er konnte ihr zumindest den Traum von einem ausgefüllten Sexualleben wahr machen.

Er lehnte sich im Küchenstuhl zurück und fuhr sich durch die Haare. Plötzlich fiel ihm ein, was sich ihm alles für Möglichkeiten öffneten, wenn er immer wieder auf die gleiche Frau in seinem Bett traf.

Man konnte eine Menge ausprobieren, jedes mal etwas Neues. Er würde sie kennen lernen, ihre Vorlieben erforschen. Und sie seine…

Sie wäre doch dumm, es abzulehnen. Ihren Traum von der Liebe ihres Lebens konnte sie sich eh abschminken. Und ordentlichen Sex konnte sie nur mit ihm haben.

Jetzt musste er nur noch dafür sorgen, dass sie das auch einsah. Wo war eigentlich ihr Problem?

Er wusste, wie romantisch sie in dieser Hinsicht war und auch wenn er sie deshalb so oft belächelte, insgeheim rührte ihn ihre Verträumtheit.

Dass etwas daran war, sagte ihm schon seine Reaktion auf das Einlösen ihrer Wettschuld. Zu hören wie sie diese drei Worte sagte, auch wenn sie nicht ernst gemeint waren, hatte ihn gelinde gesagt, schockiert. Und er hatte sich einen kurzen Moment gewünscht, sie wären ernst gemeint.

Doch im nächsten Moment hatte er sich selbst dafür ausgelacht und sich an seine eigenen Worte erinnert: Liebe war etwas für sentimentale Schwachköpfe.

Er mochte Buffy, egal wie wütend sie ihn manchmal machte, er mochte ihre Art, das Funkeln ihrer Augen und er mochte definitiv, wie sie seinen Namen schrie, wenn sie…

Und sie mochte ihn in dieser Hinsicht auch. Vielleicht nicht nur in dieser Hinsicht, überlegte er, als er sich daran erinnerte, wie besorgt sie gewesen war, als sie feststellte, dass sie ihn verletzt hatte.

Er seufzte wieder. Wieso war es schwer, einzusehen, dass sie beide einander brauchten? Zumindest im Bett?

************

Buffy warf einen letzten Blick in den Spiegel und lächelte sich selbst an. Sehr schön. Nicht zu sexy, aber auch nicht zu unauffällig. Sie trug nur eine enge schwarze dreiviertellange Jeans, ein weißes einfaches Top und ihre Plateausandalen, die sie ein wenig größer erschienen ließen als sie war. Ein dezentes Make-up rundete das Outfit ab.

So, sie sollte gewappnet sein für dieses Gespräch, um das Riley sie gebeten hatte. Er wollte sie zum Essen einladen und obwohl ihm Buffy schon in der Redaktion gesagt hatte, dass er sich keine Hoffnungen machen sollte, fühlte sie sich, als wäre sie es ihm schuldig.

Irgendwie konnte sie verstehen, wie der Mann sich fühlte. Schließlich war nichts passiert, was ihn zu der Annahme verleiten konnte, dass etwas schief gegangen war.

Und nach dem gestrigen Gespräch mit Anya war Buffy der Meinung, dass es dringend nötig war, ihre Gedanken von einer bestimmten Person abzulenken, die in ihrem Haus wohnte.

Anya war vor Neugier fast gestorben und hatte sie sofort mit Fragen durchlöchert, als sie ins Auto stieg. Obwohl mit diesem netten Xander verheiratet, begann sie zu schwärmen, wenn sie bloß an Spike dachte und Buffy hätte ihr am liebsten erzählt, was Spike für ein arroganter Mistkerl war.

Doch sie log auch Anya nicht an. Der Abend war schön gewesen und auch der Rest. Das stritt sie entgegen Spikes Vorhaltungen nicht ab. Es *war* phantastisch und sie wusste genau, dass es wirklich mit keinem anderen Mann so sein konnte.

Dummerweise kannte sie Spike lange genug, um nicht einem einzigen Wort aus seinem Mund wirklich zu vertrauen. Oder, nein, nicht dummerweise, sondern glücklicherweise, denn sie nahm an, wenn es nicht so wäre, würde es nicht lange dauern und sie würde sich in so ein schmachtendes Huhn wie Anya verwandeln.

Buffy glaubte an Liebe und es wäre sehr einfach, in Spike den richtigen Mann dafür zu sehen. Doch da sie ihn kannte, wusste sie, dass es ihr das Herz brechen würde. Der Gedanke, dass alles, was er in ihr sah, ein Sexobjekt war, würde sie zerstören.

*Sie* konnte sehr gut eine Weile ohne Sex leben. Und wenn sie doch das Bedürfnis verspürte, war es Zeit darüber nachzudenken, mit wem.

Also, sagte sie zu ihrem Spiegelbild, verbringe einen netten Abend mit Riley. Nimm ihm seine Sorgen, er hätte irgendetwas falsch gemacht und vergiss diesen blauäugigen Mistkerl.

Das war gar nicht so einfach, da dieser schon wieder im Wohnzimmer herum lungerte und aufsprang, als er sie die Treppen herunter kommen hörten.

Nachdem sie ihm den restlichen Sonntag erfolgreich aus dem Weg gegangen war, schien er heute nicht so leicht aufgeben zu wollen.

„Buffy, du...“ Er stockte, als er sie sah und runzelte die Stirn. „Was hast du vor?“

„Ich gehe aus“, verkündete sie nur und stolzierte an ihm vorbei.

„Pass auf, dass du dir nicht die Beine brichst“, stänkerte er und folgte ihr. „Für die Schuhe braucht man doch bestimmt einen Führerschein. Mit wem?“

Sie drehte sich um und zauberte ein freundliches Lächeln in ihr Gesicht. „Es geht dich zwar nichts an, aber ich gehe mit Riley Essen.“

Spike starrte sie an, als hätte sie zwei Köpfe. „Habe ich gerade Riley verstanden? Der Riley, mit dem du...?“ Er wackelte zweideutig mit den Augenbrauen.

Ihre Augen verengten sich. „Ich werde nicht mit dir diskutieren“, knurrte sie leise. „Und ich will auch deine Meinung nicht hören. Scher dich ins Wohnzimmer und kühl deinen Arm!“

Wie immer tat er genau das Gegenteil. „Wieso zum Teufel gehst du mit ihm Essen?“ fragte er belustigt. „Hat er dir heute auf der Arbeit die Ohren voll gesülzt, wie sehr er dich doch liebt und dass er ohne dich nicht leben kann?“

Buffy schlug ohne mit der Wimper zu zucken zu. Wieder einmal. Allerdings sah er sie ungerührt an, einzig und allein der Ausdruck seiner Augen wurde etwas härter.

Sie beachtete ihn nicht weiter, wollte an ihm vorbei zur Tür drängen, doch er griff nach ihrem Oberarm. „Es wird nie funktionieren, Luv. Egal wie oft du es versuchst.“

Sie stieß ihn wütend und fast verzweifelt von sich. „Es ist mein Problem! Nicht deins!“

„Es ist meins, wenn du tränenüberströmt zurück in dieses Haus kommst“, antwortete er ruhig.

„Dann halte dir die Ohren zu und schlaf!“ fuhr sie ihn an. Sie hatte niemals vor, die Beziehung mit Riley wieder aufleben zu lassen und allein der Gedanke, noch einmal mit Riley zu schlafen, verursachte Übelkeit in ihr. Aber das waren Dinge, die ihn nichts angingen.

Spike biss die Zähne zusammen. Sie hatte nicht wirklich vor, noch einmal in das Bett dieses Pappkameraden zu kriechen, oder?

Warum eigentlich störte ihn der Gedanke derart?

Die Klingel riss ihn aus seinen Überlegungen und Buffy schob ihn zur Seite, damit sie die Tür öffnen konnte.

„Du musst dir das nicht antun!“ stieß er hervor. „Es ist der totale Schwachsinn, es zu versuchen!“

„Halt dich aus meinem Leben raus!“ schrie sie zornig und sah ihn trotzig die Lippen zusammen pressen. Einen kurzen Augenblick verfingen sich ihre Augen und sie schnappte nach Luft, als sie etwas sah, was sie nie erwartet hätte zu sehen: Eifersucht.

Trotzdem drehte sie sich um, öffnete schnell die Tür und huschte hinaus.

Spike hatte sich nicht gerührt, auch nicht, als sie die Tür hinter sich zuknallte. Es dauerte eine Weile, ehe er wütend ausholte und mit der Faust gegen das Holz drosch, während er sich wünschte, es wäre das Gesicht dieses Idioten.

Zornig ging er zurück ins Wohnzimmer und durchstöberte die Zimmerbar, die dank ihm immer ordentlich gefüllt war.

Mit dem gefüllten Glas Whisky in der Hand sank er in den Sessel und starrte brütend in die Luft. Vielleicht sollte er auch ausgehen, sich irgendeine Frau schnappen und sich selbst ums vergessen vögeln.

Um die Erinnerung an sie aus seinem Kopf zu bekommen. Um ihr zu zeigen, dass ihn überhaupt nicht störte, was sie tat!

Er lachte bitter und kippte das Glas hinunter. Es würde sie überhaupt nicht interessieren und es würde die Erinnerung an sie nur noch deutlicher und einzigartiger machen.

Fluchend füllte er das Glas neu. Ihm wurde regelrecht schlecht bei dem Gedanken, dass dieser Riley mit Buffy redete, sie berührte und sie vielleicht küsste. Und er bekam vor sich selbst Angst, als ihm aufging, wie wütend es ihn machte, dass Buffy das Ganze zuließ.

Mit schmalen Augen musterte er das Glas in seiner Hand.

Du sitzt ganz schön tief in der Scheiße, sagte er zu sich selbst, stellte das Glas weg und griff nach der Flasche.

Teil 14

„Wir... bleiben Freunde, ja?“ fragte Riley hoffnungsvoll, als er das Auto vor ihrem Haus parkte.

Buffy nickte und lächelte fast traurig. „Sicher, Riley.“ Sie beugte sich zu ihm und küsste ihn kurz auf die Wange. „Gute Nacht. Wir sehen uns Morgen.“

Sie öffnete die Autotür und stieg aus. Mit einem letzten Winken verabschiedete sie sich noch einmal und stieg die Stufen zu ihrem Haus empor.

Das Gespräch mit Riley hatte sie etwas beruhigt. Es hatte ihr Leid getan zu wissen, dass sie seine Gefühle verletzt und ihn nach dieser Nacht allein zurück gelassen hatte. Auch wenn sie ihm die Wahrheit nicht erklären konnte, wusste er doch jetzt, dass es nicht seine Schuld war.

Und sie hasste ihr Leben wieder einmal etwas mehr. Weil es ein Leben war, in dem sie einen netten Mann wie Riley vor den Kopf stoßen musste und in dem sie Sex mit Spike vom Hocker riss.

Seufzend öffnete sie die Tür und rechnete schon wieder mit einem von Spikes Wutanfällen.

Allerdings war es still im Haus. Verdächtig still, wenn man bedachte, dass es gerade zehn und Spike sicherlich noch nicht im Bett war. Neugierig geworden schielte sie ins Wohnzimmer und sah seinen blonden zerzausten Haarschopf auf der Couch liegen.

„Hi, Luuv…“, nuschelte er, ohne den Kopf zu heben, und Buffy musste sich ein Grinsen verkneifen. „S-schon surück...?“

Buffy erinnerte sich plötzlich wieder an den Ausdruck in seinen Augen, als sie gegangen war, und betrat langsam das Wohnzimmer.

Konnte es tatsächlich sein, dass Spike der Gedanke wütend machte, sie mit einem anderen Mann ausgehen zu sehen? Es würde seine Beleidigungen erklären. Er war schon immer bekannt dafür gewesen, sehr verletzend zu werden, wenn er sich selbst angegriffen fühlte.

„Hast du getrunken, Spike?“ fragte sie überflüssigerweise.

„Nein.“ Er schüttelte den Kopf und sah etwas benommen zu ihr hoch.

„Du siehst betrunken aus“, kicherte Buffy und konnte sich selbst nicht erklären, warum ihr das so gefiel. Aber der Gedanke, dass er zur Whiskyflasche gegriffen hatte, weil er sich an ihrem Date störte, hatte etwas für sich.

Er kämpfte sich mühsam hoch und blieb schwankend auf der Couch sitzen. „Quatsch“, verkündete er ernsthaft. „Wo iss dein Traumjunge?“ Er verzog das Gesicht zu einem missglückten Grinsen. „Extra in Schale geschmissen... für nischts...“

Buffy setzte sich neben ihn, mit genügend Abstand. „Hast du den ganzen Abend getrunken?“ erkundigte sie sich amüsiert.

Er langte neben die Couch, hob die fast leere Flasche hoch und schüttelte den Kopf. „Ein... swei Gläser...“ Im nächsten Augenblick polterte die Flasche zu Boden und er rutschte an ihre Seite. „Leischtest du mir ein bischen...Gesellschaft...?“

„Nein.“ Sie schüttelte den Kopf und stand auf. „Komm, Spike. Ich helfe dir die Treppen rauf.“ Sie wollte nach seinen Armen greifen, doch er schlang sie um sie und lehnte seine Wange an ihren Bauch.

„Meine Buffy“, murmelte er und Buffy presste ihre Hand auf ihren Mund, um nicht laut zu lachen.

Wenn er sich Morgen noch daran erinnerte, würde er sicherlich im Erdboden versinken wollen. Gedankenverloren fuhr sie durch seine Haare und fühlte, dass er sich noch enger an sie kuschelte.

„Los, Spike. Aufstehen“, kommandierte sie dann und zog den sehr widerstrebenden Spike hoch.

„Kann allein laufen...“, schimpfte er, stolperte und wäre gefallen, wenn Buffy nicht geistesgegenwärtig zugegriffen hätte.

„Pass auf, du Dummkopf. Sonst brichst du dir die Hand doch noch“, brummte sie, während sie ihn stützte, indem sie den Arm um seine Hüfte schlang.

Das schien ihm sehr gut zu gefallen, denn er legte seinen Arm um ihre Schultern und flüsterte in ihr Ohr. „Wollte schon immer mal ins Bett gebracht werden... von dir...“

„Klar doch.“ Mühsam schleppte sie seine schwankende Gestalt in Richtung Treppe. Er fing an zu lachen und brachte sie fortwährend aus dem Gleichgewicht, weil sie in den Schuhen Mühe hatte zu laufen.

„Warte“, fluchte sie leise und lehnte ihn an das Treppengeländer. „Wäre ja zu blöd, wenn wir beide fallen.“ Sie bückte sich und streifte mit einer schnellen Bewegung die Schuhe von ihren Füßen.

„Was machst du?“ erkundigte er sich und schien plötzlich munterer zu werden. „Ziehst du den Rest auch aus?“

„Das könnte dir so passen!“ knirschte sie und griff wieder nach seinem Arm. „Komm schon. Ich bin kein Babysitter und ich muss morgen wieder arbeiten. Ich möchte auch ins Bett.“

Er schlang wieder seinen Arm um ihre Schultern. „In meins...?“ hauchte er neben ihrem Ohr und küsste ihren Hals.

Shit. Shit. Shit. Buffy atmete tief durch und versuchte, ihn zu ignorieren. „Garantiert nicht... Spike, hör auf!“

Er drängte sie gegen das Geländer der Treppe, ohne seine Lippen von ihrem Hals zu lösen.

Buffy stemmte ihre Hände gegen seine Schulter. „Hör auf, du betrunkener...“ Seine Lippen wanderten über ihre Wange und verschlossen ihren Mund, ehe sie den Satz vollenden konnte.

Zum Glück für Buffy verlor er die Balance, umklammerte ihre Schultern und fing wieder an zu lachen.

Bring ihn ins Bett und verschwinde! ermahnte Buffy sich selbst und schob ihn rigoros vorwärts in Richtung seines Zimmers.

Er protestierte lauthals, murmelte vor sich hin, dass es ihm sehr gut ginge und er allein laufen könne und klammerte im nächsten Moment wieder an Buffys Arm.

„Gott oh Gott“, fluchte Buffy erneut und gab ihm einen Schubs, der ihn endlich auf sein Bett fallen ließ. „Wie kann man sich nur so betrinken?“

Kopfschüttelnd blieb sie stehen und überlegte, ob sie ihn jetzt sich selbst überlassen konnte. Aber er war schon wieder dabei, sich aufzurappeln und würde vermutlich anfangen durchs Haus zu schleichen, wenn sie ihn jetzt allein ließ.

Dass er kein Aufstehen im Sinn hatte, wurde ihr erst klar, als er wieder seine Arme um sie schlang und sie aufs Bett zog.

„Spike!“, schimpfte sie genervt.

Er kicherte nur, schmiegte sich an sie und schloss die Augen. „Sei still und schlaf“, murmelte er und Buffy stöhnte leise.

„Das kannst du vergessen“, zischte sie. „Ich denke gar nicht daran, in deinem Bett zu schlafen.“

Spike ließ sie noch lange nicht los, hob aber plötzlich den Kopf. „Isch habe ja meine Sachen noch an“, sagte er etwas orientierungslos und Buffy nutzte den Moment, sich aus seiner Umarmung zu lösen.

„Natürlich“, knurrte sie. „Und du wirst auch darin schlafen, es sei denn, du ziehst sie selber aus.“

Er strahlte sie an und sie überlegte, ob er die ganze Flasche getrunken hatte. „Du gefällst mir in meinem Bett“, kicherte er und zog sie an sich. „Eigentlich gefällst du mir überall...“

Buffy stemmte wütend ihre Hände wieder gegen seine Brust. „Hör jetzt endlich auf mit dem Scheiß und schlaf!“ Sie wollte sich aufrichten, doch diesmal legte sich sein Arm über ihren Bauch.

„Kann ohne disch nicht schlafen...“

Sie stöhnte unterdrückt. „Das nächste Mal lass ich dich unten und dann kannst du zusehen, wie du zurecht kommst“, warnte sie ihn und schob seinen Arm zurück.

„Bischt gemein“, nuschelte er und rollte sich wie ein kleines Baby zusammen.

Buffy seufzte, als sie bemerkte, dass er Jeans trug und diese auch noch recht eng anliegend waren. Sicherlich sehr unbequem.

Und sie wusste jetzt schon, dass sie es bereuen würde. Trotzdem beugte sie sich über ihn. „Ich werde dir noch aus den Hosen helfen und dann ist aber wirklich Schluss. Dann gehe ich in mein Zimmer, verstanden?“

Er grinste sehr albern und nickte eifrig. Wahrscheinlich fand er den Gedanken, dass sie ihm die Hosen auszog besser als alles andere. Sein dämliches Grinsen vertiefte sich sogar noch, als sie nach den Knöpfen der Hose griff, sie zusammen mit dem Reißverschluss öffnet und die Hose über seine Hüften zerrte.

„Mach mit!“ schimpfte sie, stellte dann erleichtert fest, dass er Unterwäsche trug und zog ihm die Hose die Beine hinab aus.

„Jetzt würde ich gern mal deine Gedanken lesen“, brummte sie, weil er immer noch so blöd grinste, als sie die Hose neben seinem Bett fallen ließ. Im nächsten Moment hatte er sie schon wieder umarmt und zog sie neben sich auf das Bett. „Verflucht, Spike!“

„Still jetzt!“, knurrte er, vergrub sein Gesicht in ihren Haaren und schloss die Augen.

„Ich bin so blöd“, murmelte Buffy vor sich hin, während sie überlegte, wie groß der Fehler war, jetzt auch einfach die Augen zu zumachen. Riesengroß, antwortete sie sich selbst.

„Ich will nicht in den Hosen schlafen“, sagte sie trotz ihrer Gedanken.

Das schien ihn plötzlich wieder putzmunter werden zu lassen. „Ich helfe dir.“

„Vergiss es!“ fuhr sie ihn erschrocken an und fühlte seine Hände schon an den Knöpfen ihrer Hose. Es war sehr bezeichnend, dass er selbst im volltrunkenen Zustand wusste, was er zu tun hatte. Sie schlug seine Hände zur Seite, streifte ihre Hosen die Beine hinab und ließ sie neben dem Bett fallen.

„Ich will jetzt endlich schlafen!“, brummte sie mit einem Seitenblick über ihre Schulter.

Spike schmiegte sich an ihren Rücken. Er schob ihre Haare zur Seite, presste noch ein letztes Mal seine Lippen gegen ihren Hals und murmelte fast glücklich.

„Schlaf gut...“ Buffy schloss die Augen und weigerte sich das noch gehauchte: „Meine... Buffy...“ zu hören.

******************

Zum Glück erwachte Buffy mit der Helligkeit, die zum Fenster des Zimmers hinein kam. Sie warf einen Blick auf Spikes Uhr und stellte beruhigt fest, dass sie noch fast zwei Stunden Zeit hatte, ehe sie auf Arbeit musste.

Mit offenen Augen starrte sie eine ganze Weile vor sich hin, ohne wahr zu nehmen, dass Spike sie noch immer an seinen Körper gepresst hielt und sein Gesicht an ihrem Hals vergraben hatte.

Seufzend sagte sie sich, dass das etwas war, was ihr in ihrem Scheißleben verwehrt wurde. Neben jemandem aufwachen, den man liebte.

Selbst Spikes Körper fühlte sich gar nicht so schlecht an. Sie wollte sich vorsichtig erheben, doch sein Arm gab nicht nach.

„Hey“, flüsterte sie. „Du betrunkene Schlafmütze, lass mich endlich los.“

„Hm“, murmelte er im Schlaf. Im nächsten Moment schoss sein Kopf nach oben, um sich gleich darauf stöhnend in ihren Haaren zu vergraben. Es dauerte eine Weile, wahrscheinlich bis das Dröhnen in seinem Schädel abklang, und er hob wieder den Kopf.

„Luv?“ Er klang so fassungslos, dass Buffy lächeln musste.

„Bist du nüchtern? Ja? Schön. Dann wäre es vielleicht mal möglich, dass du mich loslässt?“ erkundigte sie sich belustigt.

Das tat er natürlich noch lange nicht, sondern beugte sich über sie, so dass er in ihr Gesicht sehen konnte. „Wie kommst du in mein Bett?“ fragte er vorsichtig, um das Dröhnen in seinem Schädel nicht wieder anschwellen zu lassen, ehe sich sein Kopf senkte und seine Lippen sanft ihre Schulter berührten.

Buffy schloss die Augen. „Ich muss zur Arbeit...“

Spikes Augen wanderten kurz zur Uhr und ein leises Lächeln huschte über seine Lippen. „Wo hast du den Traumjungen gelassen?“ flüsterte er neben ihrem Ohr, ehe er ihr Ohrläppchen zwischen seine Zähne nahm.

„Spike...“

„Ja, Luv?“ murmelte er, ließ ihr Ohrläppchen los und glitt mit den Lippen über ihren Hals zu ihrer Schulter.

„Wieso geht es dir so gut?“

Es ging ihm beschissen, aber er würde sie doch jetzt nicht einfach aus seinem Bett steigen lassen.

„Weil du in meinem Bett bist“, kicherte er und unterdrückte ein Stöhnen, weil das Kichern sich als Beben in seinem Kopf fortsetzte. „Wie habe ich es geschafft, dich hinein zu bekommen?“ Das würde ihn wirklich brennend interessieren.

„Du hast dich total lächerlich benommen“, begann sie, fühlte sich im nächsten Moment an der Schulter gedreht und mit dem Rücken gegen die Matratze gepresst.

„Lächerlich?“ fragte er verdutzt.

„Du warst sturzbetrunken, konntest nicht mehr laufen, hast dich an mir festgeklammert und andauern meine Buffy gemurmelt“, fuhr sie fort und erlebte zum ersten Mal, dass er rot anlief. Und sie fand, dass ihm diese Farbe auch sehr gut stand.

„Nicht nur das“, grinste sie und es war herrlich, den leichten Schreck in seinen Augen zu sehen. „Du hast auch noch behauptet, ohne mich nicht schlafen zu können...“

„Was?!“ Spike starrte sie an, als würde er ihr kein Wort glauben. Das musste ein Witz sein, denn er würde niemals etwas derart Schwachsinniges sagen. Allerdings grinste sie so vergnügt, dass er davon ausgehen musste, dass es die Wahrheit war. Seine Augen verengten sich. „Und da hast du, so fürchterlich selbstlos wie du bist, dich entschlossen, mir meinen Wunsch zu erfüllen?“

Er betonte das Wort Wunsch noch immer so, als würde er ihr nicht glauben. „Du warst etwas festhaltend...“, erklärte sie missmutig und stemmte wieder einmal ihr Hand gegen seine Brust. „Und jetzt scher dich zur Seite und lass mich endlich aufstehen.“

„Du gefällst mir in diesem Bett“, schnurrte er, griff nach ihrer Hand, zog sie von seiner Brust und presste sie neben ihrem Kopf gegen das Kissen. Sein Kopf senkte sich und seine Lippen glitten über die zarte Haut ihrer Kehle. „Hast du den armen Riley endlich in die Wüste geschickt?“

Buffy biss die Zähne zusammen, um ein Aufseufzen zu unterdrücken. „Nein“, stieß sie dann hervor und grinste plötzlich.

„Ich gehe heute Abend mit ihm ins Kino“, log sie dann. Spikes Kopf schoss übergangslos hoch und sie fing an zu lachen, als er sie fast zornig anfunkelte. „Gott, Spike, gestern Abend dachte ich noch, ich spinne, aber es stimmt. Du bist eifersüchtig!“

„Richtig, du spinnst!“ fauchte er. „Meinetwegen kannst du dich mit Riley verabreden sooft und solange du willst! Es interessiert mich nicht!“

„Schön zu wissen“, kicherte Buffy. „Dann wirst du dir ja auch keine Sorgen machen, wenn ich heute Nacht nicht nach Hause komme...“

Er war auf ihr, ehe sie Luft holen konnte und seine Lippen krachten auf ihren Mund. Seine gesunde Hand krallte sich in ihre Haare, während er ihren Mund verschlang und seine Zunge zwischen ihre Zähne stieß.

Buffy spürte seinen Körper, der sich in der gesamten Länge gegen sie presste und stöhnte leise, als sie seine Erregung fühlte.

Fast wütend riss er seinen Kopf von ihr los. „Du willst deinen kleinen Normalo vögeln?“ knurrte er heiser. „Ich denke, du brauchst einen ordentlichen Vergleich, damit du weißt, wie scheußlich er abschneidet!“

Nicht eifersüchtig? Haha. „Einen ordentlichen?“ fragte sie und versuchte spöttisch zu klingen.

Seine Augen schienen dunkler zu werden und das Feuer in ihnen jagte ihren Puls in die Höhe. Er ließ ihre Haare los, doch eine unsichtbare Kraft drängte ihre Hände über ihren Kopf und fixierte sie dort.

Buffys Mund öffnete sich halb, als sie ihn herausfordernd anstarrte. Man konnte vieles von ihm sagen, aber langweilig war er weiß Gott nicht.

Dann tauchte seine Hand unter ihr dünnes Top und ein leises Stöhnen drängte sich über ihre Lippen.

Er küsste sie kurz und hart, ehe er über ihren Lippen verharrte und hervor stieß: „Du kannst es leugnen wie du willst, du wirst immer mich irgendeinem Normalo vorziehen!“

„Angeber!“ fauchte Buffy zurück und überlegte, ob sie den Kampf gegen seine telekinetischen Kräfte aufnehmen oder ihm die Vorstellung, sie wäre ihm ausgeliefert, gönnen sollte. Dafür, dass er sich so eifersüchtig benahm, sollte sie ihm eigentlich diesen Gefallen tun…

Er küsste sie wieder, stöhnte in ihren Mund, während seine gesunde Hand ihr Top nach oben schob und die kleinen festen Brüste entblößte.

Buffys Augen schlossen sich, als seine Finger über die empfindlichen Brustwarzen strichen. Dann fühlte sie die gleiche Kraft, die ihre Hände fixierte, an ihrem Slip, spürte wie er ihn fast grob ihre Beine hinab zerrte.

Ohne seine telekinetischen Kräfte wäre er mit der verletzten Hand tatsächlich gehandikapt gewesen. So aber war er in der Lage, viele Dinge gleichzeitig zu tun.

Buffy bäumte sich auf, als sein Kopf abwärts kroch und diesmal seine Zunge über ihre Brustwarzen fuhr.

Er drängte zwischen ihre Beine, sie fühlte seine Erektion und wusste nicht, wann und wie er seinen Slip losgeworden war.

Spike presste sie wieder auf das Laken zurück, hob den Kopf und sah ihr ins Gesicht. „Du wirst an mich denken, wenn er dich morgen fickt!“

Das war zuviel! Buffy fauchte wie eine Wildkatze auf und warf ihre mentale Kraft gegen seine. Seine Augen verengten sich, als sich seine Konzentration verstärkte.

Buffy allerdings machte den Fehler, sich nur auf das Befreien ihrer Hände zu konzentrieren. In dem Augenblick, als sie es schaffte, die mentale Fessel zu lösen, lachte er auf, spreizte telekinetisch ihre Beine und vergrub sich mit einem einzigen Stoß bis zum Anschlag in ihr.

Seine Lippen erstickten ihren Protest, seine Hand verfing sich wieder in ihren Haaren, während sein Gewicht sie festhielt und er es einen Moment genoss, von ihrer Hitze umschlossen zu sein.

Buffy schlug ihrer Fingernägel in seine Haut, als sie sich wieder unter ihm aufbäumte. Ein Zittern durchlief ihren Körper, weil sie sein Aufstöhnen hörte.

Er riss ihren Kopf nach hinten, verschlang ihren Mund in einem verzehrenden Kuss, den sie genau so wild beantwortete. Es schien, als wären sie plötzlich von Sinnen.

Spike begann sich zu bewegen, mit harten wilden Stößen nagelte er sie jedes Mal fest gegen die Matratze und glaubte, den Verstand zu verlieren, als ihre Nägel Spuren auf seinem Rücken hinterließen und er die erstickten Laute hörte, die ihren Mund verließen.

Oh ja, sie würde an ihn denken! Keuchend hob er den Kopf, starrte in ihre Augen und sie starrte zurück, während er sich immer wieder tief in sie stieß.

Schweiß perlte auf ihrer Stirn, sie atmete genau so abgehackt wie er und konnte den Blick aus seinen Augen nicht lösen, denn er sagte, was er nicht aussprechen wollte: Mein.

Ihre Zähne gruben sich in ihre Unterlippe, sie fühlte die Schauer, die sie durchbebten als Vorboten etwas viel größeren und ihre Augen schlossen sich.

„Nein!“ stieß Spike hervor und riss an ihren Haaren. „Sieh mich an, Luv!“

Ihr Mund öffnete sich, als ihr Blick seinen traf. Mit einem Knurren rammte er sich in sie. Sie explodierte schreiend und er folgte übergangslos, als ihr Orgasmus durch seinen Geist jagte, dann brach er auf ihr zusammen.

Ihre Arme schlossen sich um ihn, hielten ihn fest, während er zitternd sein Gesicht an ihrem Hals vergrub und sie beide nichts anderes wahrnahmen, als die Schauer, die ihre in diesem Moment verbunden Hirne erschütterten.

Und wieder fühlte sich Buffy, als hätte sie etwas verloren, als das Beben verklang und sich die mentale Blockade wieder aufbaute. Und sie beide einsam und allein in ihre eigenen Körper zurückkehrten.

Spike stemmte sich auf seine Ellenbogen hoch. Er sah sie an, ungewöhnlich ernst, ehe er seine Hand hob und ihr fast zärtlich eine verschwitzte Haarsträhne aus dem Gesicht strich.

Sie atmete noch immer schwer, konnte sich aber ein belustigtes Grinsen nicht verkneifen. „Ich hatte nie vor, heute mit Riley ins Kino zu gehen“, sagte sie dann und klang sehr amüsiert.

„Nein?“ fragte er perplex.

Sie fing über seinen verdutzten Gesichtsausdruck an zu lachen, schob ihn zur Seite und langte nach ihrem Slip.

Spike blieb auf dem Rücken liegen, beobachtete, wie sie ihn anzog und aufstand. „Warum hast du es dann gesagt?“

Buffy war schon an der Tür, als sie sich noch einmal umdrehte. „Du bist süß, wenn du eifersüchtig bist…“, sagte sie kichernd und schloss schnell die Tür hinter sich, als sie das Kissen fliegen kommen sah.

Spike stöhnte auf, sank wieder auf das Bett zurück und beschloss, als erstes die Kopfschmerzen zu beseitigen, ehe er über ihre Worte genauer nachdachte.

Teil 15 

Buffy benötigte bis Mittag, um sich selbst das irritierende Geständnis zu machen, dass sie ihm nicht böse war. Sie verstand sich selbst nicht, verstand nicht, was in ihr vorging und schon gleich gar nicht die verrückten Reaktionen ihres Körpers auf ihn.

Schon dass sie in seinem Bett geschlafen hatte, sprach nicht gerade für einen gesunden Menschenverstand. Wer also sollte es ihm verübeln, wenn er am nächsten Morgen die Situation ausnutzte? Was natürlich nicht erklärte, warum er es ihm so einfach gelang, sie in Flammen zu setzen.  

Sie seufzte und starrte eine ganze Weile mit leeren Augen auf ihren Bildschirm. Sie sollte es endlich zugeben. Es gefiel ihr. Zumindest das, was er im Bett mit ihr anstellte. 

Ihr Magen zog sich bei diesem Gedanken zusammen. War es so einfach? Geh mit ihm ins Bett, hab deinen Spaß und streich ihn für den Rest der Zeit aus deinen Gedanken? Konnte sie das?  

Gedankenverloren kaute sie an ihrem Kugelschreiber. Sie bezweifelte, dass sie dazu in der Lage war und überlegte, was sie tun sollte. Dadurch, dass sie sich das Haus teilten, wurde die Lage nicht leichter.  

Vielleicht stellte sie sich die falschen Fragen. Was wollte sie überhaupt? Zumindest, wenn sie mal ihren kindischen Traum vom normalen Leben wegließ, den sie ja nun wirklich vergessen konnte. Nach den Erfahrungen mit Spike würde sie nie, aber auch nie wieder den Versuch starten, mit einem normalen Mann zu schlafen.  

Na gut, wies sie sich zurecht, „nie“ ist vielleicht etwas hoch gegriffen, aber wenn Spike weg ist, wird es eine ganze Weile dauern, ehe ich es tue. Da war sie sich sicher. Vielleicht sollte sie sein Geburtstagsgeschenk doch auspacken? Wenn sie es überhaupt bekam…  

Schließlich waren es noch fast drei Monate bis zu ihrem Geburtstag. 

„Wisst ihr was?“ riss eine Stimme Buffy aus ihren Gedanken und ihr Kopf fuhr hoch.  

Wesley stand in der Tür seines Büros und fächelte sich mit einer Akte Luft zu. „Ich denke, wir haben uns eine Pause verdient und gehen jetzt mal Essen.“ 

Das letzte, was Buffy wollte, war mit Wesley und Riley Essen gehen, doch Riley war schon begeistert aufgesprungen. „Ich habe einen Mordshunger!“ 

Buffy verdrehte die Augen, aber da sie in der letzten Stunde schon kein vernünftiges Wort zu Papier gebracht hatte, redete sie sich ein, eine Pause wäre ganz gut. 

Sie gingen nur auf die gegenüber liegende Straßenseite in ein kleines Restaurant namens Towards Inn. Es war nicht viel los, die heiße Mittagszeit vertrieb einen Großteil der Menschen in die klimatisierten Räume und so wählten sie einen Vierertisch am Fenster und nahmen die Karten entgegen. 

Buffy studierte sie ausführlich, lauschte dem Smalltalk zwischen Riley und Wesley und wünschte sich an einen einsamen Strand.  

Aber sie konnte Wesley schlecht schon wieder um Urlaub bitten, nachdem Riley in der letzten Woche einen Großteil ihrer Berichte mit übernommen hatte.  

Deshalb lächelte sie, bestellte einen Salat und beteiligte sich nur ab und zu an den Gesprächen der beiden Männer. 

Bis sie den Schock ihres Lebens bekam, als Spike am Fenster vorbei ging.  

Oh Gott, er würde doch nicht… Er würde. Was auch sonst. Die Tür des Restaurants öffnete sich und er betrat das Lokal.  

Buffy hätte ihn am liebsten erwürgt, als er mit seinem berüchtigten Grinsen auf ihren Tisch zusteuerte und ihren bösen Blick vollkommen ignorierte. 

„Hallo, Luv“, begrüßte er sie und klang fast erfreut. „Ich wusste gar nicht, dass du hier zu Mittag isst.“ 

Buffy knirschte mit den Zähnen und zwang ein fürchterliches Lächeln auf ihre Lippen. „Was machst du denn hier?“ 

„Ich war spazieren. Kann ja nichts weiter tun, mit dem Arm hier.“  

Erst jetzt bemerkte Buffy, dass er den Arm in einer Schlinge trug, wahrscheinlich, um ihn nicht unnötig zu bewegen.  

Spike grinste die beiden Männer am Tisch an und reichte als erstes Riley die Hand. „Hallo. Riley, wenn ich mich recht entsinne? Und Sie müssen Wesley sein,  Buffys Chef?“  

Er gab auch Wesley die Hand. Dieser nickte freundlich und Buffy fühlte sich bemüßigt, ihn vorzustellen. „Das ist Spike, mein Stiefbruder.“ 

„Ah“, machte Wesley. „Freut mich, Sie kennen zu lernen. Möchten Sie sich zu uns setzen?” 

„Nein!“ entfuhr es Buffy, aber die missbilligenden Blicke von Wesley und Riley brachten sie zum verstummen.  

Spike grinste ungerührt und setzte sich. 

„Mir war gar nicht bekannt, dass Buffy einen Bruder hat“, fuhr Wesley fort. „Sie sind auch lange nicht in der Stadt gewesen, oder? Ich kenne eigentlich fast jeden dieser wenigen Einwohner.“ 

„Sieben Jahre“, antwortete Spike höflich. „Ich bin vor sieben Jahren ausgezogen und nur ab und zu auf Besuch hier. Das letzte Mal vor drei Jahren, als unsere Eltern gestorben sind.“ 

„Ach ja“, erinnerte sich Wesley. „Sie waren auch auf der Beerdigung?“ 

„Doch, das stimmt“, fiel Riley ein. „Jetzt weiß ich auch, woher ich Ihr Gesicht kenne. Sie standen neben Buffy damals.“ 

Spike nickte und schmunzelte, weil er fühlte, dass Buffy immer mehr kochte. Die Kellnerin brachte ihm eine Karte und schenkte ihm ein hinreißendes Lächeln, das er fast unbewusst erwiderte.  

Um kurz darauf Buffys ihn fast erdolchenden Blick zu begegnen.  

„Was ist los, Schwesterchen?“ fragte er belustigt. „Schlechte Laune? Hast du schlecht geschlafen?” 

“Wie bist du in die Stadt gekommen?” knirschte sie zwischen den Zähnen hindurch und fing wieder die irritierten Blicke Wesleys und Rileys auf.  

Spike wusste, was sie eigentlich fragen wollte. Spionierst du mir nach?  

„Gelaufen“, erklärte er lächelnd. „Es war ein netter Spaziergang bei diesem schönen Wetter.” 

“Was machen Sie eigentlich beruflich, Spike?” fragte Wesley. 

„Ich arbeite an einem wissenschaftlichen Projekt für Militärzwecke. Mehr darf ich dazu nicht sagen.“ Die Kellnerin brachte seinen Kaffee.  

„Danke“, grinste er sie an und freute sich über das Funkeln in Buffys Augen. Anscheinend war er nicht der einzige, der Eifersucht empfand. „Gehört Ihnen die Zeitung, Wesley?“ 

Wesley nickte. „Es ist nur ein kleines Blatt und die Auflage nicht sonderlich hoch, aber es reicht, um davon leben zu können.“ 

„Ich habe mich immer gewundert, was Buffy hier hält“, fuhr Spike fort. „Außer, dass der Ort einen herrlichen Strand hat, ist es doch ein recht langweiliges verschlafenes Örtchen.“ 

Buffys Augen verengten sich. „Niemand verlangt, dass *du* hier bleibst. Aber da du schon zwei Wochen in unserem *Kaff* aushältst, kann es so schlimm nicht sein, oder?“ 

„Ich glaube, sie mögen sich nicht sonderlich“, raunte Riley Wesley zu, dessen Blicke immer wieder irritiert zwischen den Beiden hin und her huschten. 

Spike grinste Buffy ungerührt an. „Er hat auch seine erfreulichen Seiten“, sagte er leise, aber nur Buffy verstand den Wink.  

Die Kellnerin unterbrach den Dialog und servierte das Essen.  

Spike runzelte die Stirn, als er Buffys Teller sah. „Salat, Luv? So wirst du nie groß und stark werden.“ 

“Wieso nennt er dich Luv?” fragte Riley neugierig dazwischen.  

„Weil er sich meinen Namen nicht merken kann!“ giftete Buffy und stöhnte gleichzeitig fast entsetzt auf. „Tut mir leid, Riley. Ich wollte dich nicht anfahren. Aber ich bin heute etwas…durcheinander.“ 

„So?“ tat Spike besorgt. „Warum denn? Zuviel Stress auf Arbeit?” Mit einem Lächeln drehte er den Kopf zu Riley. „Sie war schon das ganze Wochenende etwas… durcheinander. Aber nein, natürlich kenne ich ihren Namen. Luv ist einfach…“ 

„…etwas, was niemand wissen will!“, fuhr Buffy dazwischen.  

Spike grinste sie breit an. „…ein süßer Kosename. Für die kleine Furie meiner Kindheit.“ 

„Du hast mir das Leben zur Hölle gemacht!“ zischte sie ihn an. „Und du tust es jetzt noch!“  

Wesley schmunzelte nun genau so wie Riley. „Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass unsere nette freundliche Buffy zur Furie werden kann. Aber man hört immer wieder von den Zankereien zwischen Geschwistern. Allerdings habe ich Buffy auch noch nie so zornig erlebt wie jetzt gerade.“ 

„Oh, das ist noch gar nichts“, begann Spike. 

„Du wirst jetzt deinen verdammten Mund halten!” knurrte Buffy.   

„Wir haben uns als Kinder des Öfteren geprügelt und ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich nicht immer gewonnen habe“, fuhr er fort, ohne ihren Einwand zu beachten.  

Buffy stieß mit der Gabel in ihren Salat, als wäre es Spike, den sie aufspießen wollte. „Du hättest mich immer gewinnen lassen müssen. Das wäre das ordentliche Verhalten eines Gentleman gewesen.“ 

„Dreizehnjährige sind niemals Gentlemen“, hielt er ihr entgegen. 

„Neunundzwanzigjährige sollten es endlich sein!“ 

Er runzelte die Stirn und fragte unschuldig. „Habe ich irgendetwas getan, was dich zu einer anderen Annahme verleitet?“ 

Wesley fing an zu lachen. „Das ist köstlich. Ihr zwei. Es wundert mich, dass in eurem Haus nicht die Fetzen fliegen. Seid ihr eigentlich miteinander verwandt?“ 

„Nein!“ fuhren beide zusammen auf und Buffy erklärte. „Mein Vater heiratete seine Mutter, als ich zehn war.“ 

„Was ist mit Ihrer Hand passiert, Spike?“ erkundigte sich Riley. 

Buffy warf ihm einen Wehe-wenn-du-einen-Ton-sagst-Blick zu und Spike grinste wieder.  

„So dumm es klingt, ich bin einfach nur gestolpert und habe mich beim Fallen blöd abgefangen. Leichte Verstauchung des Gelenks“, erklärte er nur und seine Augen trafen kurz Buffys. „Nun, es hat den Vorteil, dass ich diesen netten Ort so noch ein wenig länger genießen kann.“ 

Wesley lächelte. “Vielleicht sollten Sie die Zeit nutzen und diese geschwisterlichen Streitereien endlich begraben. Manchmal ist es gut, wenigstens noch einen einzigen Familienangehörigen zu haben.“  

Wesley hatte mit seinen Worten nichts weiter bezweckt, doch in Buffys Kehle bildete sich ein Kloß. Es war einfach nur höflich gemeint, doch selbst Spikes allgegenwärtiges Grinsen schien einen Moment lang zu verschwinden.  

„Meine Rede“, sagte er leise und sah Buffy an. 

Die jedoch wich seinem Blick aus und stocherte in ihrem Salat herum, als wäre es die wichtigste Sache der Welt.  

Buffy war mehr als froh, das Mittagessen zu beenden und in ihr Büro zurückkehren zu können, doch es war nicht einfach, sich den Rest des Tages auf etwas anderes zu konzentrieren, als Spikes Gesicht.  

Plötzlich schien er überall in ihrem Kopf herum zu geistern. Die Art, wie er lächelte, wie sich seine Augen verdunkelten, wenn er etwas Zweideutiges sagte, die Art wie er den Kopf zur Seite neigte, wenn er sie ärgern wollte und wie es sich anfühlte, wenn seine Lippen sie berührten und seine Hände über ihren Körper strichen.  

Sie stützte ihren Kopf auf ihre Hände und seufzte. Gott, lass nicht zu, dass ich anfange, mich in ihn zu verlieben…  

„Was ist, Buffy?“ fragte Riley vom anderen Schreibtisch aus. 

„Nichts.“ Sie hob den Kopf und täuschte ein beruhigendes Lächeln vor. „Etwas müde, das ist alles.“

 

*************

 

Der Tag zog sich endlos hin und je näher der Feierabend rückte, umso nervöser wurde Buffy. Doch dann warf sie trotzig den Kopf in den Nacken, als sie zu ihrem Auto ging, und sagte sich, dass Spike der letzte Mann der Welt wäre, der auch nur einen Hauch Nervosität verdiente.  

Sie parkte das Auto vor dem Haus, wappnete sich schon darauf, seinem schelmischen Grinsen zu begegnen und öffnete die Tür. Jedenfalls wollte sie es, doch sie war abgeschlossen. Was wiederum bedeute: Er war nicht da.  

Wieso ist er nicht da? dachte sie böse, schloss auf und betrat das leere Haus. Hat er heute seine Vorliebe fürs Wandern entdeckt und schleicht immer noch in der Gegend herum?  

Missmutig stieg sie die Stufen hinauf, huschte kurz unter die Dusche und überlegte, ob sie sich etwas zu Essen bestellen sollte. Und warum hatte sie schlechte Laune, weil er nicht da war? Sie sollte froh darüber sein.  

Sie entschied sich für Chinesisch, bestellte das Essen, ohne in den Kühlschrank zu sehen, weil sie gar nicht wissen wollte, wie Spike diesen wieder voll gepackt hatte.  

Vielleicht hatte er ja im Laufe des Tages eine dieser heißen Tussis kennen gelernt und meinte, jetzt selbst noch einmal so einen Versuch zu starten? Warum zum Teufel war sie nicht wirklich mit Riley verabredet? 

Es klingelte. Sie nahm das Essen in Empfang, setzte sich allein auf die Couch und schaltete den Fernseher an. Warum zum Teufel tat ihr der Gedanke weh, er könnte bei einer anderen Frau sein?  

Ich bin so blöd, dachte sie missmutig, während sie gedankenverloren das Essen in sich hinein schaufelte, auf den Bildschirm starrte und gar nichts sah.  

Sie musste sich gewaltsam zwingen, die Umgebung nicht nach seiner mentalen Präsenz abzusuchen. Auch wenn sie seine Gedanken nicht lesen konnte, war sie in der Lage, ihn zu lokalisieren, aber in genau diesem Moment würde er sie auch spüren und das war das letzte, was sie wollte.

 

****************

 

Spike währenddessen saß im Kino, allein, und starrte auf die Leinwand, ohne etwas zu sehen.  

Er wusste genau, Buffy erwartete, ihn anzutreffen, wenn sie nach Hause kam, aber nach ihrem giftigen Verhalten am Mittag und den am Morgen gesagten Worten: Du bist süß, wenn du eifersüchtig bist, war er der Meinung, er könnte sie auch ein wenig zappeln lassen.  

Jedenfalls hoffte er, sie würde zappeln.  

Der Film zog sich ewig hin, wurde auch nicht interessanter und gegen zehn hielt es Spike nicht mehr aus und verließ das Kino. 

 Er nahm sich ein Taxi und hoffte irgendwie, dass Buffy noch nicht im Bett verschwunden war. Schließlich würde es seinen ganzen schönen Plan zerstören, wenn sie einfach die Ruhe hatte, ins Bett zu gehen. 

Er grinste breit, als er die Tür öffnete und den Fernseher hörte. 

Buffy saß auf der Couch, ihre Hände um die angezogenen Knie geschlungen, in ihrem niedlichen kurzen Schlafanzug und drehte nicht einmal den Kopf, als er das Zimmer betrat.  

Wortlos setzte er sich neben sie, warf einen kurzen Blick in den Fernseher und runzelte die Stirn, als er bemerkte, dass es ein Dokumentarfilm über den Einsatz von Technik in der Landwirtschaft war.  

Im Moment erklärte der Sprecher die Vorzüge eines bestimmten Mähdreschers und Spike fing an, noch breiter zu grinsen. „Möchtest du den Beruf wechseln?“ fragte er unschuldig. „Land kaufen?“ 

Sie reagierte nicht, sondern sah weiter starr in den Fernseher, als würde sie interessieren, was dort kam. 

„Ich weiß nicht, man braucht bestimmt einen extra Führerschein für einen Mähdrescher“, fuhr er sanft fort und rutschte näher. 

„Wo warst du?“ Sie sah ihn noch immer nicht an. 

„Im Kino“, antwortete er nur und fand es interessant zu sehen, wie ihre Kiefermuskeln im Schein der Stehlampe spielten. Es stimmte. Sie sieht auch süß aus… 

„Schöner Film?“ stieß sie hervor. 

“Weiß nicht…” Er kam nicht dazu, weiter zu sprechen, denn Buffy fluchte laut, sprang auf und wollte aus dem Wohnzimmer stürzten. Sein Arm schoss vor, fing sie um die Taille ab und zog sie wieder auf die Couch. „Ich habe nicht viel von dem Film mitbekommen“, beendet er seinen Satz, ohne sie loszulassen und ignorierte, wie sie ihre Hände gegen seine Brust stemmte. 

„Ich will das nicht wissen!“ fauchte sie ihn böse an. „Und jetzt lass mich los. Ich bin müde!“ 

Spike grinste. „Du willst nicht wissen, warum ich nichts von dem Film mitbekommen habe?“ 

„Nein! Ganz sicher nicht! Hör auf!” schrie sie hysterisch, als er sie auf seinen Schoß zog. „Nimm deine Hände von mir! Du kannst nicht ernsthaft glauben, ich würde zulassen, dass du mich anfasst, nachdem du im Kino…“ Sie wehrte sich ernsthaft, versuchte wieder auf die Beine zu kommen, aber es endete nur damit, dass sie am Ende rittlings auf seinem Schoß saß. „Verflucht, du…“ 

„Luv“, murmelte er verzückt. „Du bist auch süß, wenn du eifersüchtig bist…“ 

„Ich bin nicht eifersüchtig!“ schrie sie ihn an und schlug gegen seine Brust. „Du bist ein…“ 

„Ich habe nichts von dem Film mitbekommen, weil ich an dich gedacht habe“, sagte er leise. 

„…unmöglicher Idiot“, beendete sie ihren Satz und erstarrte im gleichen Moment. „Was?“ brachte sie dann schwach hervor. Er sah zu ihr auf, ruhig und wortlos, während seine Arme noch immer ihre Taille umschlangen und sie auf seinem Schoß festhielten. „Du…du warst allein im Kino?“ Sie klang ungläubig. 

„Sicher. Was hast du gedacht?“ erkundigte er sich belustigt, obwohl er es genau wusste.  

Sie antwortete nicht. Was auch? Es reichte, dass er so wissend grinste. Sie musste es ihm nicht noch mit Worten auf die Nase binden.  

„Warum warst du im Kino?“ flüsterte sie, ohne sich zu rühren. 

Er grinste verschmitzt. „Ich wollte wissen, ob du auch süß bist, wenn du eifersüchtig bist.“ 

Buffy starrte ihn fassungslos an. Ihre Arme ruhten auf seinen Schultern, ihre Gesichter nur wenige Zentimeter voneinander entfernt. Sie konnte nicht fassen, dass er ihr gerade erzählte, er wollte sie mit Absicht wütend machen. Nein, stopp, eifersüchtig!  

„Das war gemein“, sagte sie tonlos.

Spike lehnte sich etwas nach vorn, bis sich ihre Gesichter fast berührten. „Möchtest du dich dafür rächen?“ hauchte er gegen ihre Lippen.

Teil 16

„Möchtest du dich dafür rächen?“

Ein Schauer der Erregung fuhr durch Buffys Körper und verdichtete sich an dem Punkt zwischen ihren Beinen. Das war ganz falsch. Aber die Herausforderung, die in seinen Augen leuchtete, trieb ihren Puls in die Höhe.

„Möglich“, flüsterte sie und seine Hände schlossen sich enger um ihre Hüften. Buffy zog scharf die Luft ein, als sie seine Erregung spürte. „Ich könnte jetzt hoch gehen und mich endlich in mein Bett legen, weil ich sehr müde bin.“

Spike schluckte, als sie sich selbst gegen ihn presste. „Das… würdest du tun?“ fragte er heiser. „Allein?“

Sie nickte. Seine Hände hielten sie fest, als er sich gegen ihre Mitte stieß, sicherlich, um sich selbst etwas Erleichterung zu verschaffen.

Ihre Finger verschränkten sich hinter seinem Kopf, verkrampften sich ineinander, als sie mühsam ein Stöhnen unterdrückte. Allerdings konnte sie nicht verhindern, dass sich ihr Mund halb öffnete, weil sie mühsam versuchte, ruhig zu atmen.

Spike starrte ihren Mund an und sagte sich, dass er sterben würde, wenn sie das tatsächlich tat. „Hast du auf mich gewartet?“ flüsterte er und hob den Blick wieder zu ihren Augen.

„Nein“, antwortete sie scharf und ihre Oberschenkel umschlossen ihn, zwangen ihn zum stillhalten, als er sich wieder selbst an ihr reiben wollte.

Spike erstarrte, atmete langsam ein und aus, als müsse er sich selbst beruhigen. Dass sie es plötzlich war, die diese Macht über ihn hatte, verlieh ihr ein Gefühl von Stärke.

Sie hatte geglaubt, es wäre allein ihr Körper, der so verrückt auf ihn reagierte und jetzt merkte sie, dass es ihm ähnlich zu gehen schien.

Der Gedanke jagte ihren Blutdruck in die Höhe und eine Feuchtigkeit zwischen ihre Beine, die jetzt nicht mehr zu verbergen war. Jedenfalls nicht durch den dünnen Stoff ihres Pyjamas.

Wahrscheinlich würde sie einen nassen Fleck auf seiner Hose hinterlassen. Im Moment war ihr das alles herzlich egal, weil das Gefühl des rauen Jeansstoffs einen Teil des Drucks von ihr nahm, wenn sie sich leicht auf ihm bewegte.

Spike stöhnte auf und seine Finger wanderten unter den Stoff der kurzen recht weiten Hose, umschlossen ihren nackten Hintern und zogen sie an sich.

Buffy knurrte unwillig und stellte ihre eigenen Bewegungen ein. Ihre Augen blitzten, als sie seinen fast fragenden Blick bemerkte und ein leises, fast verruchtes Lächeln huschte über ihre Lippen, als sie sich an eine Stelle in ihrem Buch erinnerte.

Spike wurde übergangslos steinhart, als er das Lächeln bemerkte.

„Ich denke“, sagte sie leise und fuhr mit den Fingern durch seine Haare. „Ich habe es verdient, eine kleine Rache auszuleben.“

Dem Zustand seiner Erektion nach zu urteilen, schien ihm der Gedanke auch zu gefallen. Sie beugte sich nach vorn und strich sanft mit den Lippen über seine.

Spike war der Meinung, dass er das gleiche Recht hatte, aber meilenweit davon entfernt, jetzt so etwas zu sagen. Sie konnte mit ihm anstellen, was sie wollte, Hauptsache, es beseitigte das Problem in seiner Hose.

„Woran hast du gedacht?“ brachte er mühsam hervor.

„Erst einmal daran, dass du dich jetzt nicht rührst“, antwortete sie leise. „Und dass du deine Hände von mir entfernst.“

Er hob kurz seine Augenbrauen. „Wenn du ausreißt, fange ich dich. Und dann lebe ich meine Rache aus“, versprach er ernsthaft.

Ein Schauer rann Buffys Rückrat hinauf und sie erwog kurz, genau das zu tun. Aber damit hätte sie ihm die Kontrolle gegeben und das wollte sie im Moment überhaupt nicht. Ihre Hand fuhr unter sein Kinn und hob seinen Kopf zu ihrem Gesicht an. „Und deine Drohungen solltest du auch gleich runter schlucken! Verstanden?“

“Ja”, hauchte er, während es in seinen Augen blitzte, und Buffy presste kurz ihren Mund auf seinen.

Sie hatte nie im Traum gedacht, mal so etwas zu tun, aber als sie jetzt seine begeisterten Reaktionen spürte, fühlte sie sich noch stärker.

Seine Hände ließen sie los und sie stand auf. Spike rührte sich wirklich nicht, sondern sah nur zu, wie sie die kurze Hose des Pyjamas von ihren Hüften streifte und sein Mund wurde trocken.

Das Oberteil bedeckte ihre Hüften, reichte aber nicht weiter als zu ihrer Scham und ließ einen kleinen Blick auf die dunklen Haare zwischen ihren Beinen zu.

Spike hoffte, sie würde das auch noch ausziehen, sagte aber nichts, weil es zu dem Spiel gehörte, dass er seinen Mund hielt.

Er wusste allerdings nicht, wie lange er das schaffen würde und merkte sich vor, dieses Buch ganz schnell mal zu lesen, weil er ahnte, dass ihre Ideen von dort her kamen.

Leider behielt sie das Oberteil an, setzte sich langsam wieder auf seinen Schoß und griff mit den Fingern zur Knopfleiste seines Hemdes. Spike biss die Zähne zusammen, stieß die Luft aus und fragte dann. „Könntest du nicht erst einmal meine Hose öffnen?“

Buffy fand den Stoff der Jeans recht angenehm. „Nein“, antwortete sie fast vergnügt, strich ihm dann spielerisch über die Stirn und entfernte die entstandenen Schweißtropfen. „Ist dir warm?“

„Ein wenig“, stieß er hervor, während sie sein Hemd aufknöpfte und mit den Fingernägeln über die darunter liegende Haut strich. „Luv…?“

Es klang fast bettelnd und Buffy hob den Kopf. Er sah sie so flehend an, dass sie fast schwach geworden wäre. Aber nur fast. In dem Buch hatte der Mann auch gebettelt.

Mit einem wissenden Lächeln senkte sie den Kopf, berührte mit den Lippen seine Brust und streifte ihm das Hemd von den Schultern. Allerdings nur soweit, dass es auf seinen Armen hängen blieb und damit die Bewegungen seiner Hände einschränkte.

Spike schloss einen Moment die Augen. Ihre Hände und ihre Lippen auf seiner nackten Haut zu spüren und zu wissen, dass es nur noch seine Hose war, die ihn von ihr trennte, war fast zuviel.

Schmerzhaft drückte seine Erektion gegen den Stoff der Jeans und er bezweifelte, dass er ihr Spiel lange durchhalten würde.

„Nur die Hose... Luv...“, bat er wieder und Buffy zitterte plötzlich genauso wie er, weil seine Worte etwas in ihr weckten, von dem sie nicht einmal wusste, dass es in ihr schlummerte.

Sie küsste ihn und das wahnsinnige Prickeln in ihr wurde noch stärker, als sie bemerkte, dass er sie wirklich einfach tun ließ, was sie wollte, ohne sie zu drängen.

Sie konnte nur ahnen, welche Beherrschung es ihn kostete. Das hatte noch kein Mann für sie getan, nun, eigentlich hatte sie noch nie einen Gedanken daran verschwendet, so etwas zu fordern.

Ihre Finger wanderten zum Bund seiner Hose, öffneten sie und ein Seufzen löste sich von seinen Lippen, als sein steifer Schwanz ins Freie sprang und sich seine Augen einen Moment erleichtert schlossen.

Buffy war mehr als nur begeistert. Sie konnte diese Reaktion auslösen. Sie konnte einen Mann wie Spike dazu bringen, die Beherrschung zu verlieren. Vorsichtig berührten ihre Finger die samtene Haut seines Penis, strichen sanft an ihm auf und ab, und mit einem erstickten Schrei flogen seine Augen wieder auf.

„Luv, ich...“ stieß er gequält hervor und verstummte, als er ihren Blick auffing. Und er wusste plötzlich, dass er nichts tun würde, um sie zu drängen. Gar nichts.

Sie sah so schüchtern aus, fast verlegen, aber daneben auch unermesslich neugierig und er wusste mit absoluter Gewissheit, dass es das erste Mal war, dass sie das tat: einen Mann einfach nur erforschen.

Buffy war wirklich fasziniert. Ihre Finger fuhren über ihn, umfingen die samtene Härte, pumpten langsam an ihm auf und ab und ihr Daumen glitt vorsichtig über die empfindliche Spitze.

Dann hörte sie ihn wieder nach Luft schnappen und sah mit einem fast verklärten Lächeln in sein Gesicht. „Er ist gar nicht so... eklig... wie ich immer dachte...“

„Oh Scheiße!“ stieß Spike stöhnend hervor. „Luv, bitte... tu etwas... was auch immer... ich halte das nicht mehr aus!“

Die Muskeln in seinem Bauch zogen sich zusammen, als sie ihn los ließ und mit den Fingern seinen Bauch hinauf fuhr. Sein Schwanz schwang gegen ihre Scham und er grub die Zähne in die Unterlippe, um nicht zu schreien, während er dagegen kämpfte, nicht sofort zu kommen. Buffy strich im sanft übers Gesicht und er flüsterte wieder.

„Bitte, Luv...“

„Ja?“ hauchte sie und ihre Zunge fuhr über seine Lippen. Sie schmeckte den Schweiß und fühlte fast körperlich seinen Kampf.

„Reit mich, Buffy“, bettelte er verzweifelt und schloss erleichtert die Augen, als sie sich selbst anhob, ihre Arme um seinen Hals legte und sich langsam auf ihm nieder ließ.

Der Ausdruck in seinem Gesicht raubte ihr den Atem. Erleichterung, Verzücken und ganz einfach Hingabe...

Sie ließ sein Hemd seine Arme hinab wandern und gab damit seinen Händen ihre volle Bewegungsfreiheit wieder. Als sich seine Augen erneut öffneten und sie lächelte, huschte auch ein Lächeln über seine Lippen.

„Na los, Luv!“ flüsterte er heiser, während sich seine Hände auf ihre Hüften legten. „Tu es. Reit mich.“

Sie ließ ihre Finger durch seine schweißnassen Haare gleiten, als sie ihren Kopf zu ihm beugte, ihn küsste und ihre Zunge in seinen Mund drängte. Und dann erfüllte sie ihm seinen Wunsch.

************

Es war eine ganze Weile später, als er mit ihr auf seinen Armen aufstand und sie die Treppe hinauf trug. Buffy war schleierhaft, weshalb er schon wieder laufen konnte und murmelte an seinem Hals.

„Was hast du vor?“

„Dich ins Bett bringen.“

Sie blinzelte kurz, als er seine Zimmertür öffnete. „Mein Bett ist in dem anderen Zimmer.“

Er grinste, legte sie auf seinem Bett ab und setzte sich auf sie.

„Du bist schwer“, beschwerte sich Buffy müde.

Er beachtete sie nicht, sondern öffnete die Knöpfe ihres Schlafanzugoberteils.

„Was machst du da eigentlich?“ fragte sie, ohne sich zu rühren und runzelte die Stirn.

Spike grinste, beugte sich kurz zu ihr und küsste sie auf den Mund. „Ich hätte dich nackt bevorzugt“, flüsterte er. „Da unten. Jetzt möchte ich dich wenigstens nackt in meinem Bett haben.“

„Ich habe nicht gesagt, dass ich in deinem Bett bleibe“, nörgelte sie missmutig, wehrte sich aber nicht, als er ihr das Oberteil von den Schultern streifte und seine Lippen langsam über ihre nackten Brüste fuhren.

„Ich gehe jetzt duschen, Luv“, hauchte er. „Und wenn du dann verschwunden sein solltest, drehe ich den Spieß um.“ Er stützte seine Hände neben ihrem Kopf ab und sah in ihre Augen. „Ich bin ein Meister darin...“

Mit einem bedeutungsvollen Heben seiner Augenbrauen, stand er auf und ging zur Tür. Dort drehte er sich noch einmal um, sah, wie sich Buffy auf ihre Ellenbogen aufrichtete und lächelte. „Du siehst himmlisch aus auf diesem Bett. Nackt. Deck dich nicht zu, ja?“

Ihr Mund klappte auf, doch er hatte die Tür schon wieder geschlossen, ehe sie antworten konnte. Komischerweise fühlte sie keine Verlegenheit, so völlig nackt seinen Blicken ausgesetzt zu sein, weil sie sich wirklich so fühlte: himmlisch.

Sie sah das Verlangen in seinem Blick, den Hunger und das Feuer und sie fühlte sich einfach himmlisch. Und sie fragte sich, wann sie aufgehört hatte, nach Liebe zu fragen. Zumindest das wusste sie genau, in Spikes Augen würde sie alles finden, nur keine Liebe.

Allerdings war es eine Frechheit anzunehmen, sie würde sich hier zu seinem Vergnügen auf dem Bett rekeln. Mit einem Grinsen im Gesicht kroch sie unter die Bettdecke und löschte telekinetisch das Licht.

Spike kam zehn Minuten später wieder, blieb in der Tür stehen und sagte: „Irgendwie habe ich erwartet, dich wieder aus deinem eigenen Bett zu holen.“ Er betätigte den Lichtschalter.

„Enttäuscht?“ piepste Buffy kichernd unter der Decke hervor, die sie bis an ihr Kinn hoch gezogen hatte. „Ich bin zu müde, um noch zu laufen. Hab mich unten ein wenig verausgabt...“

Ihre Augen wanderten über seinen Körper und blieben an dem schmalen Handtuch hängen, das er um seine Hüften geschlungen hatte. Er hatte einen tollen Körper, ohne Zweifel, aber das hatte sie schließlich vorher gewusst. Warum also wurde ihr Mund jetzt schon allein bei seinem Anblick trocken?

„So?“ Er kam näher, langsam fast wie ein Raubtier und blieb vor dem Bett stehen. Ein einziger Gedankenbefehl fegte die dünne Decke von ihrem Körper und sie quietschte erschrocken auf.

Jetzt schoss die Röte in ihr Gesicht, doch sie warf trotzig den Kopf in den Nacken und stützte sich wieder provozierend auf ihre Ellenbogen.

Spike legte den Kopf schief, ohne sich zu rühren. Es hatte eine Menge fantastisch aussehende Frauen in seinem Leben gegeben, aber keine von denen hatte je sein Blut so kochen lassen wie die kleine Furie mit ihren wilden blonden Haaren und den ihn jetzt herausfordernd anfunkelnden grünen Augen auf seinem Bett. Er würde ewig so stehen und sie ansehen können, beobachten wie die herrliche Röte in ihren Wangen sich vertiefte und ihr Atem begann, schneller zu gehen.

Im nächsten Moment zog eine unsichtbare Hand das Handtuch von seinen Hüften. Er reagierte nicht, konnte aber sehen wie Buffy schluckte. Wahrscheinlich war sie über ihren eigenen Mut erschrocken.

„Wäre sonst ungerecht“, schaffte sie zu sagen, während ihre Augen wie magisch angezogen zu seinem Unterleib wanderten.

Spikes Zähne gruben sich grinsend in seine Unterlippe, als er sie nach Luft schnappen hörte, weil sie sah, wie sein Körper auf ihre Blicke reagierte. „N-nur noch eins im ... Kopf ...hm?“ brachte sie zu seinem Erstaunen trotzdem hervor und versuchte sogar, frech zu klingen.

Er grinste noch breiter, ließ sich aufs Bett sinken und kroch über sie. Buffy versuchte, ihm ungerührt entgegen zu starren.

„Möchtest du ihn in die Hand nehmen, Luv?“ schnurrte er und wurde komplett steif, als sich die Röte in ihrem Gesicht vertiefte. „Ich bin jetzt nicht mehr ganz so... ungeduldig“, fuhr er fort und ließ seine Lippen über ihren Hals gleiten. „Ich denke, ich halte es durch, wenn du mich gern ein wenig erforschen möchtest.“

„Will ich nicht“, wisperte sie.

„Lügnerin“, hauchte Spike und seine Zunge fuhr um ihre aufgerichteten Brustwarzen. „Ich wette, in deinem Kopf kreisen eine Menge netter Ideen... die du gelesen hast? Das vorhin war aus dem Buch, ja?“

„Nein“, log sie unverfroren und hörte sein Kichern.

Sein Knie schob sich zwischen ihre Beine, spreizte sie und presste sich gegen die noch vom letzten Zwischenspiel feuchte Mitte.

„Ich fand es toll“, flüsterte er heiser und seine Hand fuhr ihren Körper hinab zwischen ihre Beine. Buffys Arme gaben nach und sie sank auf das Bett zurück. „Ich mag es, wenn du mich berührst“, fuhr er fort und seine Stimme sandte Schauer über ihren Körper. „Du darfst alles machen, was du willst, Luv. Meinen ganzen Körper erforschen... so wie ich deinen erforsche...“

Sie bäumte sich auf, als sein Finger in sie drang und sein Daumen die noch immer geschwollene Klitoris berührte. Ihre Finger klammerten sich Halt suchend in seine Haare und sie wimmerte leise auf, als seine Lippen ihren Bauch berührten und er sie sanft biss.

„Ich könnte Stunden damit zubringen... dich einfach nur berühren... dich schmecken...“ Seine Zunge ersetzte kurz seinen Daumen und sie stieß einen erstickten Schrei aus. „Und dich dann einfach bis zur Besinnungslosigkeit ...“ Er stockte kurz und grinste gegen ihr feuchtes Fleisch. „...ficken.“

Ihr Kopf flog zurück und sie presste sich selbst bettelnd gegen sein Gesicht.

Komischerweise störte sie seine Ausdrucksweise im Moment überhaupt nicht. Es war eher so, dass es sie verdammt anmachte.

„Dann tu’s doch“, stieß sie hervor und schrie wieder auf, als sie seine Zunge fühlte, die die Feuchtigkeit zwischen ihren Beinen aufleckte.

„Oh Gott... ja...“ Ihre Knie umklammerten seinen Kopf, als ihre Beherrschung sich verabschiedete und nur noch seine Zunge und das harte Spiel seiner Finger wichtig wurden.

Spike ließ sich mitreißen. Er hätte es durchaus noch eine Weile hinziehen können, aber zu sehen, dass sie auf ihn genau so verrückt reagierte wie er auf sie, ließ alles andere zur Bedeutungslosigkeit verschwinden. Sie schrie auf, als sie kam und in dem Augenblick, in dem ihr Orgasmus ihn erreichte, vergrub er sich mit einem einzigen Stoß in ihr.

Jegliches rationales Denken war vergessen. Ihre Lippen trafen sich in einem wilden Kampf. Buffy schmeckte sich selbst in seinem Mund, aber nicht einmal das störte sie, weil alles, was zählte nur der Gedanke war, dass er sie ihretwegen tatsächlich bis zur Bewusstlosigkeit vögeln konnte.

Vielleicht war es wirklich das, was sie beide brauchten. Eine Ablenkung von der Realität, ihr kurzes Durchdrehen und das Aufgehen in einer Verbindung, die sich ein normaler Mensch nicht vorstellen konnte und die eine Nähe schaffte, die Nichtmutanten niemals verstehen würden.

Als sie sich später aneinander schmiegten, wieder von der Decke bedeckt, zog Spike Buffy in seine Arme, küsste sie kurz auf die Schläfe und fragte leise: „Könntest du dir vorstellen, den Rest meines Urlaubs auch in meinem Bett zu verbringen?“

Er lag auf dem Rücken und Buffys Kopf lehnte an seiner Schulter. Bei seiner Frage hob sie ihn und sah ihn nachdenklich an. „Ich weiß nicht...“ Sie schlang einen Arm um seinen Bauch und legte den Kopf wieder auf seine Schulter. „Ich habe Angst.“

„Wovor?“

Sie seufzte. „Angst davor, mich in dich zu verlieben.“

Seine Hand strich über ihre Haare. Es war eine unbewusste zärtliche Geste und auch wenn er nicht antwortete, wusste Buffy, dass er ihre Bedenken verstand. Und im Moment machte er sich nicht einmal darüber lustig.

Sie hob noch einmal den Kopf und sah ihn mit einem schwachen Lächeln an. „Morgen lässt du dir bitte keine Ausrede einfallen, um in meiner Mittagspause irgendwo aufzukreuzen.“

„Nein?“ erkundigte er sich gespielt enttäuscht. „Ich langweile mich...“

„Deine Schuld. Kühl deinen Arm, entspann dich und träum von mir.“

Seine Augenbrauen hoben sich verblüfft. „Ich soll von dir träumen?“

„Sicher. Warum nicht.“ Sie zuckte mit den Schultern.

„Und wenn du heim kommst, lässt du meine Träume wahr werden?“ fragte er herausfordernd und Buffy verdrehte die Augen.

„Ganz bestimmt nicht. Wer weiß, was für Schweinereien du träumst.“

„Ich könnte sie dir erzählen...?“ bot er ihr an.

Sie vergrub ihr Gesicht in seiner Armbeuge. „Ich möchte jetzt schlafen“, murmelte sie undeutlich.

Er lachte, zog sie an sich und löschte das Licht. Buffy kuschelte sich an ihn und hoffte, dass sie nicht zuviel darüber nachdachte, was er denn träumen könnte.

Teil 17 

„Spike?“ schrie Buffy, kaum, dass sie die Haustür hinter sich geschlossen hatte, warf ihre Tasche in die Ecke und stürmte ins Wohnzimmer.  

Er war in ihr Buch vertieft und sah überrascht hoch, als sie wie ein Wirbelwind ins Zimmer geschossen kam, ein Blatt Papier vor seinem Gesicht schwenkte und im nächsten Moment auf seinen Schoß hopste.  

„Rate, was das ist!“ forderte sie, noch immer so vollkommen aufgeregt, dass sie weder seinen erstaunten Gesichtsausdruck, noch sein nach Luft schnappen wahr nahm, als sie es sich auf seinem Schoß gemütlich machte.  

Sie ließ ihn nicht einmal zu Wort kommen, sondern breitete den Brief vor seiner Nase aus, während sie wie ein kleines Kind herum zappelte. „Dies ist eine Anfrage von Lindsey McDonald!“ Er runzelte die Stirn und sie schlug ihm erbost auf die Brust. „Das ist der Redakteur des Daily Mirror!“ schimpfte sie, als müsste er das wissen. 

Nur, sagte ihm das auch nicht viel mehr. „Ja?“ erkundigte er sich vorsichtig. 

„Oh man!“ stöhnte Buffy auf, lehnte sich an ihn und strampelte mit den Beinen in der Luft. „McDonald möchte, dass ich eine Kolumne für den Mirror schreibe!“ platzte sie dann heraus und wedelte wieder mit dem Brief vor seiner Nase. „Lindsey McDonald! *Der* Lindsey McDonald möchte, dass ich für ihn schreibe! Gott, ich fasse es nicht! Er schreibt, er hätte einige meiner Artikel gelesen und ihm gefalle mein Stil. Mein Stil!“ betonte sie noch einmal und Spike musste grinsen, als er die Begeisterung in ihrem Gesicht sah.  

Buffy sprang wieder auf und lief im Zimmer auf und ab. „Ich habe übermorgen einen Termin mit ihm“, murmelte sie aufgeregt. „In L.A. Du kommst doch mit, Spike? Ja? Ich sterbe vor Aufregung, wenn ich da allein hin fahre.“ Sie sah ihn kurz an, nahm dann ihre Wanderung wieder auf. „Oh Gott, ich kann es nicht fassen. McDonald! Ich muss einkaufen gehen. Ich habe nichts zum Anziehen! Fährst du mit?“ 

Er nickte, noch immer amüsiert grinsend, weil sie gar nicht merkte, dass sie ihn nicht einmal sprechen ließ. 

„Sehr schön!“ rief sie glücklich und sprang wieder auf seinen Schoß. „Wesley war ganz aus dem Häuschen“, fuhr sie überschwänglich fort und Spike ging kurz durch den Kopf, dass Wesley nicht der einzige war. „Wenn mein Name im Mirror erscheint, bedeutet das eine immense Werbung für unsere kleine Tageszeitigung! Hör auf, so blöd zu grinsen! Das ist ein wahnsinniges Lob für mich. Eine Kolumne für den Mirror schreiben ist ungefähr so wie... wie...“ Sie stöhnte, weil ihr kein ordentlicher Vergleich einfiel. „Es ist einfach nicht zu toppen!“ 

„Worüber sollst du denn schreiben?“ schaffte er es endlich, auch zu Wort zu kommen. 

„Darüber reden wir, wenn ich dort bin.“ Sie lachte auf. „Nun, es gibt nichts, worüber ich nicht schreiben kann. Also, kein Problem!“ 

„Nun, dann sollten wir deinen Erfolg gebührend feiern.“ 

Buffy drehte den Kopf und sah ihn aus schmalen Augen an. „Ich wette, du hast schon wieder nur eins im Kopf. Vergiss es!“ 

„Buffy“, schimpfte er mit seiner unschuldigsten Miene. „Ich lade dich zum Essen ein. Klingt das gut?“ 

„Essen?“ vergewisserte sie sich noch einmal. 

„Wenn du allerdings weiter so auf meinem Schoß herum zappelst, kann es sein, dass ich doch auf andere Gedanken komme“, grinste er breit. Das war eine blanke Lüge, denn die Gedanken hatte er schon, seit sie da saß, aber zuzugeben, dass er wirklich nichts anderes im Kopf hatte, war noch viel peinlicher.  

Buffy war mit ihren Gedanken schon wieder ganz woanders. „Es ist ein Stück zu fahren. Wesley hat mir frei gegeben, so dass wir morgen los und uns irgendwo ein Motel nehmen können.“ 

„Mir egal“, murmelte er nur. „Ich habe eh nichts Besseres vor.“  

„Ich brauche etwas zum Anziehen“, überlegte Buffy weiter. 

„Du hast einen ganzen Schrank voll.“ Spike fiel plötzlich ein, dass er das Buch, in dem er gelesen hatte, noch immer in der Hand hielt und wollte es diskret auf den Fußboden fallen lassen. 

Buffy jedoch war viel zu hyperaktiv, um irgendetwas zu übersehen. „Das ist mein Buch!“ rief sie erschrocken und wäre aus seinem Schoß gesprungen, wenn er sie nicht festgehalten hätte. „Du warst in meinem Zimmer?!“ 

Er zuckte unbehaglich mit den Schultern. „Es war nicht abgeschlossen...“ 

„Spinnst du eigentlich“, schimpfte sie erbost. „Ich schließe mein Zimmer nie ab. In meinem Haus! Das bedeutet nicht, dass du in meinen Sachen schnüffeln kannst.“ 

„Ich habe nur das Buch genommen. Ehrlich.“ 

„Ich glaube dir kein Wort“, verkündete sie. 

„Hast du es schon zu Ende gelesen?“ erkundigte er sich neugierig. Er lächelte, als er bemerkte, wie sie wieder einmal rot wurde.  

„Nein“, brummte sie und wich seinem Blick aus.  

Spike hob seine Hand unter ihr Kinn und drehte ihr Gesicht in seine Richtung. „Ich bin schon bis zu der Szene gekommen, die dir gestern Abend im Kopf herum schwebte.“ 

Buffy wurde noch röter. „Ich kann dich nicht leiden“, piepste sie.  

„Wenn du Handschellen gehabt hättest, hättest du sie benutzt?“ fragte er und sein Grinsen wurde noch breiter.  

Buffy fluchte innerlich. Sie griff nach seiner Hand, zog sie zur Seite und knurrte nur: „Jemand sollte dir lieber endlich mal einen Knebel verpassen!“ 

„Das stand da nicht drin“, murmelte er belustigt. „Aber ich glaube, einen Teil der Szene hast du weggelassen...“ 

„Ich habe nie an das Buch gedacht!“ schrie sie erschrocken, ehe er weiterreden konnte, weil sie genau wusste, was er meinte.  

„...dafür, Luv, hätte ich noch eine Weile länger durchgehalten“, fuhr er ungerührt fort. Seine Hand hob sich wieder und seine Finger fuhren über ihre Lippen. Buffy hörte auf zu atmen und merkte es nicht einmal. „Ich habe es eine Frau noch nie bis zum Ende durchziehen lassen“, hauchte er leise, ohne seine Augen von ihren Lippen zu lösen. „Aber du dürftest es...“ 

„Du bist ekelhaft“, quietschte Buffy nervös.  

„Oh“, machte er amüsiert. „Gestern fandest du den bestimmten Teil an mir ‚Gar nicht so ekelhaft’ und warst recht neugierig.“ 

„Ich war... nicht bei Sinnen...“ 

Er lachte, küsste sie kurz auf den Mund und murmelte. „Lügnerin.“ Buffy wollte aufstehen, doch er schlang seinen Arm um sie und hielt sie fest. „Jetzt weiß ich auch, warum das Buch Fesselnde Leidenschaft heißt. Die Betonung liegt auf Fesseln.“ 

Sie fluchte wieder und vergrub ihr Gesicht an seiner Brust, damit sie ihn nicht mehr ansehen musste. „Könntest du jetzt aufhören, von dem Buch zu reden“, stieß sie hervor.  

Spike strich über ihre Haare, fing eine Strähne und drehte sie gedankenverloren um seinen Finger, während er in die Luft starrte. „Weißt du, das ist etwas, worüber ich nie nachgedacht habe...“ 

„Über Fesseln? Wie schön!“ murrte sie missmutig. 

„Nein.“ Er lachte. „Darüber wie viel verschiedene Möglichkeiten es gibt, wie viele Spielarten und dass man die Frau mit jedem Mal besser kennen lernen kann...“ Er klang fast wehmütig und Buffy wagte nicht, sich zu rühren. „Ich habe das noch nie so empfunden, aber wenn ich so etwas jetzt lese, finde ich den Gedanken, all die Dinge einmal auszuprobieren einfach toll. Ich meine, wenn ich mit einer Frau nur einmal ins Bett gehe, wäre ich nie auf den Gedanken gekommen, sie gleich mit irgendetwas ... ähm... zu konfrontieren.“ 

„Aber mich?!“ Ihr Kopf schoss hoch und sie sah ihn leicht panisch an. „Dieses Buch enthält wenige Dinge, die ich einmal ausprobieren möchte!“ 

„Ehrlich?“  

Verdammt, warum klingt er so enttäuscht? Buffy atmete tief durch. „Spike, du wirst in spätestens zwei Wochen wieder verschwunden sein. Und bis dahin werde ich nicht dein sexuelles Versuchskaninchen spielen! Es reicht, wenn mein Körper mich verrät und ihm der Sex mit dir gefällt.“ 

Spike runzelte die Stirn. „Es gefällt nur deinem Körper?“ 

„Natürlich. Schließlich war ich bisher der Meinung, ich könnte nur mit einem Mann schlafen, den ich auch liebe. Ich verstehe bis heute nicht, wieso das jetzt anders ist. Ich weiß, was du für ein Mensch bist und mein logischer Verstand sollte mir eigentlich sagen, dass ich dich zum Teufel schicken soll.“ Sie schaute versonnen in die Luft und merkte nicht einmal, wie ernst er sie plötzlich ansah. „Aber wenn du mich berührst, tickt irgendetwas in meinem Kopf aus... und das verstehe ich nicht...“ Sie blickte ihn wieder an und hob erstaunt die Augenbrauen, als sie den eigenartigen Ausdruck in seinem Gesicht sah. „Was ist?“ 

Spike schien wie aus einem Traum zu erwachen und blinzelte kurz. „Nichts“, meinte er gespielt munter. „Vielleicht ist dein Körper klüger als dein Kopf“, sagte er spöttisch. „Ich meine, wer würde schon so einen tollen Körper wie meinen ablehnen?“  

Er konnte sie täuschen, er sah es an dem Lächeln, das über ihre Lippen huschte, aber sich selbst etwas vormachen, konnte er nicht. Sie lehnte ihren Kopf wieder an ihn, er schlang seine Arme um sie, hielt sie fest und ihm ging durch den Kopf, dass er sich daran gewöhnen könnte. 

                                  **************** 

Spike fuhr. Seine Hand hatte sich schon wieder soweit beruhigt, dass er sie ohne Schmerzen ruhig am Lenkrad liegen lassen konnte und mehr musste er ja nicht tun. Zumindest mit links. Buffy war viel zu aufgeregt und nervös, um fahren zu können. 

„Was würdest du nur ohne mich machen“, lästerte er, als sie ins Auto stiegen und sie auf den Beifahrersitz fiel. 

„Ich würde Riley mitnehmen“, erklärte sie und grinste vergnügt, als er den Mund verzog. Eigentlich war sie sehr froh, dass er zur Verfügung stand und sie sich keine Gedanken darüber machen musste, wie sie sich Riley vom Leib hielt.

Sie fuhren zügig und erreichten L.A. gegen Nachmittag. Spike hatte darauf bestanden, nicht eines der billigen Motels in den Vororten zu buchen, sondern bis ins Zentrum zu fahren und sich ein Hotel zu nehmen. Buffys Protest, dass sie sich das nicht leisten könne, hatte er im Keim erstickt und erklärt, er würde zahlen. 

Deshalb folgte ihm Buffy jetzt in den Fahrstuhl eines Exklusivhotels, in das sie allein nie gegangen wäre und fragte sich wütend, wieso Spike sich benahm, als würde er hier tagtäglich verkehren.  

Er hatte eine Suite gebucht und als sie die Zimmer betraten, kam sich Buffy vor wie in einem Film. „Wow“, murmelte sie, während Spike dem Hotelpagen Trinkgeld gab und ihn entließ.  

Neugierig inspizierte sie das große Zimmer mit dem riesigen Doppelbett, warf einen Blick in das luxuriös ausgestattete Bad und trat hinaus auf den Balkon.  

„Gefällt es dir?“ fragte Spike, lehnte sich an den Türrahmen und entzündete seine Zigarette. 

„Ist das kein Nichtraucherzimmer?“ Buffy lehnte sich über das Geländer. „Schau.“ Sie wies auf ein großes Gebäude, das sich hinter den Häusern der gegenüber liegenden Straßenseite erhob. „Das ist der Mirror-Turm.“ 

Spike stellte sich neben sie. „Gehst du allein oder willst du mich dabei haben?“ 

„Allein. Was würde McDonald denn von mir denken? Dass ich nicht allein für mich sprechen kann?“ Sie drehte sich um und musterte ihn grinsend. „Bist du tatsächlich so reich oder versuchst du bloß anzugeben?“ 

„Ich gebe nie an“, sagte er mit einem feinen Lächeln und blies den Rauch in die Luft.  

Buffy schnaubte. „Lügner.“ 

„Mein Job wird gut bezahlt. Du müsstest es wissen, denn ich glaube für die wenigen Aufträge, bei denen du geholfen hast, hast du auch eine Menge Geld erhalten.“ Er schnippte die Zigarette über die Brüstung, kam auf sie zu und stützte seine Hände zu ihren beiden Seiten auf das Geländer. „Das ist auch eine Sache, die ich nicht verstehen kann...“ 

„Rede nicht weiter“, unterbrach sie ihn leise. Er sah sie an, mit diesen verfluchten blauen Augen und sie wunderte sich, wie sie sich jemals hatte einreden können, seine Augen wären kalt. Er sagte eine Menge damit. Vielleicht drückten sie nicht unbedingt Wärme aus, aber jede Menge anderer Dinge und sie atmete tief durch.  

„Küss mich einfach“, flüsterte sie und seine Lippen pressten sich auf ihre.  

Geld war gleich gar kein Grund, für Giles zu arbeiten. Sie konnte sich mit dem, was sie tat, ihr bescheidenes Leben leisten, ohne groß auf etwas zu verzichten. Sie brauchte kein Leben, eingepfercht in einen Militärkomplex, in dem sie Befehle ausführen musste, an die sie nicht immer glaubte.

 

*************

 

Buffy hatte sich Lindsey McDonald anders vorgestellt. Sie hatte ihn einmal im Fernsehen und einmal von weitem auf einer Presseveranstaltung gesehen, doch als sie ihm jetzt gegenüber saß und er sie mit seinen blassblauen Augen fast wohlwollend von oben bis unten musterte, musste sie sich zusammen reißen, um ihn nicht zu fragen, ob ihm ihr Schreibstil gefiel oder er sie wegen ihres Aussehens zu sich bestellt hatte. Der Mann war etwas älter als sie, nicht viel und sie wunderte sich, wie er in diesem Alter schon zu einer derart berühmten Person geworden war. 

Wenn er Buffy nicht so komisch gemustert hätte, hätte sie ihn einfach als attraktiv bezeichnet. Sein Blick ließ sie den Eindruck ganz schnell wieder vergessen. 

Eine Sekretärin, die garantiert nicht wegen ihrer Intelligenz eingestellt worden war, servierte ihr einen Kaffee und Buffy nippte ab und zu an dem Getränk, während sie McDonalds Angebot lauschte und beobachtete, wie die Sekretärin aus dem Raum stöckelte. 

An dem Angebot war an sich nichts auszusetzen. McDonald erwähnte, dass ihm der frische, manchmal etwas sarkastische Stil, mit dem sie ihre Berichte im Sunnydale-Kurier verfasste, gefiel und er sich vorstellen könnte, einige Kolumnen von ihr zu veröffentlichen.  

Es sollten vorerst nicht viele sein, aber seine Zeitung hätte es sich zur Aufgabe gemacht, junge Talente zu fördern und sich dafür bestimmte Seiten vorbehalten.

Buffy gefiel schon nicht, mit welcher Herablassung er den Namen ihrer kleinen Zeitung aussprach. Aber es spielte keine Rolle, wie er darüber dachte, wenn er nur ihre Artikel veröffentlichte.  

Deshalb schaute sie auch nicht in seinen Kopf, sondern hörte ihm mit einem aufgesetzten Lächeln zu, stellte ab und zu einige Fragen und sagte sich, dass ihr Respekt vor diesem Mann durch die unmögliche Art, in der er mit ihr umging, um einiges gesunken war.  

Natürlich würde sie sich hüten, das zu sagen. Er musste wahrscheinlich nur mit dem Finger schnipsen und ihre kleine Zeitung gäbe es nicht mehr. Das war etwas, was sie Wesley nie antun würde.  

Sie unterzeichnete einen Vertrag, der als erstes vorsah, dass sie vier Artikel schrieb, von denen wöchentlich einer veröffentlicht wurde. Je nachdem, wie die Artikel ankamen, würde man weiter sehen.  

Buffy war damit zufrieden. Sie sollte über das tägliche Leben schreiben, eine Kolumne über die Hektik des Alltags, Beziehungsstress und Auseinandersetzungen am Arbeitsplatz.  

Das war nichts, was sie zurückschreckte. Sie hatte ähnliche Berichte für ihre Zeitung geschrieben und wusste anhand der vielen Leserbriefe, wie gut ihre in dieser Hinsicht doch recht ironische Art ankam. 

McDonald stand auf und reichte ihr die Hand. „Es war nett, mit Ihnen zu verhandeln, Buffy. Ich darf Sie doch Buffy nennen, ja?“ 

Buffy runzelte die Stirn, nickte jedoch. “Sicher, Mr. McDonald.“ 

„Lindsey, meine Liebe. Lindsey”, berichtigte er sie lächelnd. 

Unbehaglich entzog sie ihm ihre Hand und widerstand dem Wunsch, sie am Rock ihres schicken Kostüms abzuwischen. 

„Nun, darf ich Sie noch zu einem kleinen Drink einladen?“ fragte er höflich und deutete durch eine Tür, die in einen Raum führte, der wahrscheinlich besonderen Besprechungen diente und etwas gemütlicher eingerichtet war, als sein Büro. 

Buffy, trete ihm in den Arsch und komm` da raus! hörte sie plötzlich eine Stimme in ihrem Kopf. Ihre Augen verengten sich, als ihr klar wurde, dass Spike ohne Skrupel das Gespräch und sicherlich noch einiges mehr in McDonalds Kopf verfolgte hatte.  

Er hatte darauf bestanden, vor dem Mirror-Turm auf sie zu warten und jetzt wusste sie, dass er nur so nah wie möglich an dem Gebäude sein wollte, weil es ein Lauschen erleichterte. 

Sie lächelte McDonald an. „Natürlich. Es wäre mir ein Vergnügen.“ 

Buffy!  

Sie blockte seine beginnende Tirade ab, indem sie ihren Geist verschloss und folgte McDonald in den Nachbarraum. Er lächelte wieder sein scheußlich schmieriges Grinsen und Buffy musste sich zusammennehmen, um ihr eigenes Lächeln zu behalten.  

Wie ein Gentleman reichte er ihr ein Glas Sekt – oder war es gar Champagner, sie hatte keine Ahnung.  

„Auf gute Zusammenarbeit, Buffy“, sagte er leise und berührte ihr Glas mit seinem. 

„Auf gute Zusammenarbeit“, wiederholte sie und hoffte, sie würde nicht so viel mit ihm zusammen arbeiten müssen. 

Vielleicht schaust du mal in seinen Kopf, nervte die Stimme in ihrem Inneren schon wieder. Du kannst nämlich vergessen, dass es dein Schreibstil ist, der ihn anmacht!  

Buffy ignorierte ihn.  

„Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, eventuell Ihre kleine Zeitung ganz zu verlassen?“ erkundigte sich McDonald noch immer höflich. 

„Nein.“ Buffy schüttelte den Kopf. “Ich denke, dazu ist es im Moment auch noch zu früh.“ Sie trank einen Schluck aus dem Sektglas. „Sie sehen bestimmt eine Menge junger Journalisten kommen und gehen, Lindsey. Warten wir einfach ab, wie meine Kolumne ankommt, dann sehen wir weiter.“ 

„Oh, machen Sie sich da mal keine Sorgen. Wer einmal im Mirror geschrieben hat, für den steht die Welt offen.“ Sein Lächeln vertiefte sich, aber seine Augen wanderten zu Buffys Dekollete und ihre Augenbrauen hoben sich ironisch. „Glauben Sie mir, meine Liebe, ich könnte eine Menge Dinge für Sie tun.“ 

Buffy musste sich mühsam ein Lachen verkneifen. Allerdings sah sie nicht mehr ein, warum sie auf den feinen Spott verzichten sollte, wegen dem er doch ihre Artikel so mochte. „Oh, das glaube ich auch. Ich nehme an, da gibt es sicherlich auch einige Dinge, die ich für Sie tun könnte?“ fragte sie süß. „Als Gegenleistung sozusagen?“ 

Spike fing in ihrem Kopf an zu lachen. Diese schönen Dinge willst du doch gar nicht machen, Luv!  

McDonald kam einen Schritt näher. „Ähm, bitte nennen Sie es nicht so. Ich würde Ihnen gern einen Gefallen tun. Wenn Sie natürlich im Gegenzug bereit wären, etwas zu unserem… ähm… gegenseitigen Verständnis beizutragen, würde das mir entgegen kommen.“ 

Wenn du ihm nicht die Meinung sagst, tue ich es! 

„Das ist aber überaus freundlich von Ihnen“, säuselte Buffy. „Wie vielen Frauen unterbreiten Sie denn täglich dieses Angebot?“ 

McDonald riss die Augen auf. „Bitte?“ 

„Wie viele dumme Provinzjournalistinnen fallen denn auf dieses verlockende Angebot herein?“ fragte sie mit einem hinreißenden Lächeln. „Ich denke, ich werde in meiner ersten Kolumne darüber nachdenken, wie weit eine Frau kommen kann, wenn sie mit dem richtigen Mann ins Bett steigt.“ 

McDonald wurde blass, dann rot und knallte dann sein Sektglas auf den Tisch. „Vielleicht haben Sie mich etwas missverstanden, Miss Summers. Und natürlich muss ich Sie darauf hinweisen, dass wir in unserer Kolumne keine Namen erwähnen und auch nicht bedeutende Menschen in Misskredit bringen.“ 

„Oh, ich habe vollstes Verständnis dafür und werde natürlich keine Namen erwähnen“, antwortete Buffy höflich. „Wenn Sie mich jetzt entschuldigen. Ich habe noch einen weiten Heimweg. Sie erhalten meine erste Kolumne per e-mail. Auf Wiedersehen.“ Sie lächelte wieder und setzte breit hinzu. „Lindsey.“ 

McDonald allerdings behielt die Nerven genau so gut. Ein gekünsteltes Lächeln verzog seine Lippen, als er sich genau so höflich verabschiedete. Und Buffy wusste, dass sie vier Kolumnen schreiben würde und keine einzige mehr.

Teil 18 

„Ich will nichts hören!“ fuhr Buffy Spike an, der mit einem süffisanten Grinsen im Gesicht und in den Hosentaschen vergrabenen Händen, auf dem Vorplatz des Mirror-Turms, auf sie wartete. 

Er fing an zu lachen, als sie an ihm vorbei rauschte und in Richtung Hotel stürzte. „Hast du mal in seinen Kopf geschaut? Nein? Das ist sehr dumm. Du wärst wahrscheinlich sehr viel unhöflicher geworden“, prustete er, als er ihre Seite erreichte. 

„Sei still!“ 

„Deine Lippen haben ihn sehr inspiriert...“, kicherte er weiter. 

Buffy fuhr herum, krallte ihre Hände in sein T-Shirt und zischte ihm böse ins Gesicht. „Ich. Will. Nichts. Hören! Ich weiß selbst, dass er ein Arschloch ist. Ich werde diese vier Kolumnen schreiben, vielleicht veröffentlicht er sie auch, und das war’s!“ Noch immer wütend, eigentlich mehr auf McDonald und sich selbst, weil sie in dem Mann immer etwas wie ein Vorbild gesehen hatte, stieß sie Spike von sich und rannte fast in Richtung Hotel weiter.  

Spike folgte ihr noch immer grinsend nach. McDonald hätte nichts Dümmeres tun können, zumindest Buffy gegenüber.  

Er war sich nicht sicher, wie eine andere Frau reagiert hätte, weil er schließlich eine blendende Karriere versprach und nicht einmal so übel aussah. Für jemanden, der partout weiter kommen wollte, konnte er ein fantastisches Sprungbrett sein. 

In ihrer Suite schmiss Buffy schon wie eine Verrückte ihre Sachen in die Reisetasche.  

„Und ich habe mir extra noch dieses dämliche Kostüm gekauft“, fluchte sie leise. „Ich hätte in Jeans und T-Shirt dort aufkreuzen sollen.“  

Sie wollte keine Antwort und Spike gab ihr auch keine. Ohne ihn zu beachten, zog sie das Kostüm aus, knüllte es zusammen, warf es auf den Boden und löste die einfache Spange, die ihre Haare bändigte. „Man müsste ihn anzeigen!“ 

„Luv“, sagte er endlich recht gelassen, unterbrach ihren Packungswahn, indem er ihre Handgelenke fasste und sie zu sich umdrehte. „So etwas passiert tagtäglich auf der Welt und es gibt sicherlich eine Menge Frauen, die sein Angebot angenommen hätten. Also hör auf, dich aufzuregen.“ 

„Ich werde ihm schon meinen Schreibstil zeigen! Er wird sich wundern!“ knurrte sie unheilverkündend. „Lass mich los. Ich will heim.“  

Sie zerrte an ihren Händen, doch er lachte und zog sie an sich, indem er ihre Hände hinter ihrem Rücken festhielt. Buffys Augen funkelten zornig. „Du bist auch nicht viel besser! Dich interessiert überhaupt nicht, was ich denke. Wie ich mich fühle. Ich möchte bloß wissen, was plötzlich mit meinem Körper los ist, dass alle auf ihn scharf sind!“ 

Spike schob sie in Richtung Bett. „Hör auf, mich zu beleidigen, nur weil du auf McDonald sauer bist“, murmelte er amüsiert. „Dir gefällt mein Körper genau so wie deiner mir.“ 

„Mein Körper gefällt dir erst seit du weißt, dass Sex mit einer Mutantin anders ist. Ich könnte stockhässlich sein und du würdest...“ Sie kippte aufs Bett und konnte sich nicht einmal abfangen, weil er ihre Hände noch immer auf ihrem Rücken festhielt. „Verdammt!“  

Spike presste sich gegen sie und da sie nur Slip und BH trug, rieb sich der raue Stoff seiner Jeans auf ihrer bloßen Haut. „Was, Luv?“ fragte er spöttisch. „Was würde ich?“ 

„Du würdest mich keines Blickes würdigen, wenn ich keine Mutantin wäre!“ schimpfte sie und versuchte, ihre Handgelenke aus seinem Griff zu befreien. „Ich bin überhaupt nicht dein Typ. Du hast dich immer über mich lustig gemacht. Und ich fühle mich benutzt!“ 

Er hob erstaunt die Augenbrauen. „*Ich* bin überhaupt nicht *dein* Typ...“, begann er, „...aber ich beschwere mich nicht darüber.“   

„Weil es nicht stimmt. Du siehst toll aus... Oh shit!“ Sie hätte sich am liebsten die Zunge abgebissen, weil ihr diese Worte einfach so heraus gerutscht waren und sein Grinsen schlagartig breiter wurde. Sie sollte vielleicht einmal erst denken und dann reden. „Ich meine natürlich, du bist nicht mein Typ! Überhaupt nicht!“ 

Er lächelte fein. „Du bist eine kleine streitsüchtige Furie“, murmelte er faszinierte. „Und ich finde, du siehst hinreißend aus, wenn deine Augen so funkeln und deine Haare so wild...“ Sie fauchte fast wie eine Wildkatze und er lachte leise. „Und du hast einen verdammt heißen Körper. Alles in allem macht dich das recht... einzigartig.“ 

„Hör auf mit dieser Süßholzraspelei“, murrte sie missvergnügt. „Das zieht bei mir nicht.“ 

„Und Benutzen, Luv, ist ein scheußliches Wort“, fuhr er ungerührt fort. „Wir tun uns gegenseitig einen Gefallen, wenn du es schon so bezeichnen willst... Außerdem gefällt es dir genau so wie mir auch. Es wäre eine verdammte Lüge, es abzustreiten.“ Er stützte sich auf seinen linken Arm, hielt ihre Handgelenke mit einer Hand fest und zog die rechte unter ihrem Körper hervor.  

Buffy starrte ihn mit großen Augen an und atmete tief durch, als seine Finger eine sanfte Linie zwischen ihren Brüsten hindurch zu ihrem Bauch fuhren. „Es gefällt dir mehr als gut, Luv“, hauchte er. „Sogar gegen deinen Willen...“  

„Nein“, stieß sie hervor, doch ihre Augen flackerten, als er den Blick hob und kurz spöttisch den Mund verzog.  

„Du würdest es dir selbst leichter machen, wenn du es einfach akzeptierst“, murmelte er belustigt. „Wir beide, Luv, passen wunderbar zusammen. Im Bett.“ 

Sein selbstsicheres Grinsen jagte ihren Puls in die Höhe. Sie bäumte sich gegen ihn auf und zischte: „Ich hasse mich dafür!“    

„Ja?“ knurrte er, jetzt eindeutig verärgert und presste seine Lippen auf ihren Mund. Kurz und hart. Seine Augen funkelten plötzlich genau so zornig wie ihre. „Dann gefällt mir dein Hass! Wenn er dich dazu bringt, wie eine Rakete abzugehen, dann kannst du mich meinetwegen hassen, solange du willst!“ Seine Hand fuhr zu ihren Haaren, krallte sich in ihnen fest und riss ihren Kopf nach hinten. Sie bäumte sich wieder auf, als sich seine Lippen auf ihren Hals senkten. „Hass mich, Luv!“ stieß er hervor und biss wütend zu.  

Hass mich und lass mich vergessen, dass du mich hasst.  

Buffy schloss die Augen. Der Zorn auf ihn raste durch ihre Adern und sie fragte sich verzweifelt, ob sie krank war, weil das ihrem Körper scheißegal war. Sie wusste, dass sie verloren hatte, als sie zuließ, dass er sie aufs Bett warf.  

Seine Lippen brannten eine Spur aus Feuer über ihre Haut und ihr Körper erzitterte, als sie seine Zähne wieder spürte und seine Finger den Frontverschluss ihres BHs öffneten.  

Sie hasste ihn dafür, dass er das tun konnte, dass seine Berührungen sie alles andere vergessen lassen konnten.  

„Ja, Luv“, flüsterte er heiser, als er ihr Beben spürte. Er redete sich ein, es wäre ihm scheißegal, wie sie über ihn dachte und trotzdem fraß der Zorn über ihre Worte in ihm, als er ihr telekinetisch den Slip von den Beinen zerrte.  

Er ließ ihre Hände nicht los, sagte sich, dass es ihn nicht interessierte, ob sie ihn mochte,  da er sie einfach nur flachlegen wollte. Es erfolgte keine Gegenwehr, obwohl es für sie ein leichtes gewesen wäre, ihn durchs halbe Zimmer fliegen zu lassen und das machte ihn noch wütender.  

Seine Finger öffneten die Knöpfe seiner Hose, befreiten seine Erektion und er drängte zwischen ihre Beine. Sie hasste sich selbst? Gut, und er würde sie ficken, bis sie seinen Namen schrie, bis sie sich an ihn klammerte, bis sie bettelte und sie endlich begriff, dass da niemals Hass war!     

Dann hörte er ein ersticktes Schniefen und erstarrte. Und sein ganzes mühsam errichtetes Kartenhaus brach mit einem Schlag über ihm zusammen.  

Er hob seinen Kopf, blickte in ihr Gesicht mit den noch immer geschlossenen Augen und sah die Träne, die aus ihrem Augenwinkel über ihre Wange rann.  

Und fühlte sich wie das allerletzte Schwein. 

„Scheiße“, flüsterte er hilflos und ließ ihre Hände los. Buffy rührte sich nicht, sie öffnete nur ihre Augen, als er die Hand hob und mit dem Daumen die Träne von ihrer Wange wischte.  

„Es tut mir leid, Buffy“, stieß er verzweifelt hervor. „Verfluchte Scheiße... es tut mir leid...“  

Seine Stirn sank auf ihre Brust und er verfluchte sich selbst für sein unbeherrschtes Temperament. Aber mehr als das, was er fast im Zorn getan hätte, erschreckte ihn ihre Aufgabe.  

Er wusste, warum Tränen über ihre Wangen liefen und warum sie sich nicht wehrte. Weil ihr Körper auf ihn reagierte, weil er sie dazu bringen konnte, die Beherrschung zu verlieren. Und weil sie es tief in ihrem Inneren nicht wollte.  

Er war immer davon ausgegangen, dass es doch kein Problem sein könnte, einfach ein wenig heißen Sex miteinander zu teilen. Er hätte ahnen müssen, dass es für seine kleine romantische Buffy nicht das gleiche war. 

Dann fühlte er ihre Hand, die sich um seinen Hals legte. „Spike?“ fragte sie leise, während ihre Finger durch seine Haare fuhren.  

Er hob den Kopf. Jeglicher Zorn war aus ihrem Blick verschwunden. Geblieben waren Fragen, ein Hauch Verzweiflung und das Verlangen, das er gegen ihren Willen geweckt hatte.  

„Ich bin ein Riesenidiot, Luv. Sag es ruhig. Ich bin der gottverdammte Dreckskerl, als den du mich immer bezeichnest und ich...“ 

Sie zog wortlos seinen Kopf zu sich herab und verschloss seinen Mund mit ihren Lippen.  

Spike war zu überrascht, um zu reagieren und schloss seine Augen, als er ihre Zunge spürte, die sich fast zärtlich in seinen Mund stahl und mit seiner spielte. Seine Kehle schnürte sich zu.  

Ihre Hände hielten seinen Kopf umfangen, fuhren sanft über seine Wangen, wieder um seinen Hals und spielten mit seinen Haaren. Er stöhnte gegen seinen Willen, plötzlich wollte er es nicht mehr, wollte ihren Körper nicht benutzen und sie zwingen, sich selbst zu vergessen.  

Doch sie küsste ihn, als würde er ihr etwas anderes bedeuten, als ein schneller Fick des Vergessens. Ihre Lippen berührten sich sanft, ihre Zunge stieß spielerisch gegen seine, forderte sie heraus, neckte sie...  

Spike stöhnte wieder, löste seinen Kopf von ihr und starrte schwer atmend in ihre grünen Augen. „Nein...“, brachte er verzweifelt hervor.  

„Doch“, flüsterte sie, schlang ihre Beine um ihn und zog ihn gegen ihre Mitte. „Du weißt genau, dass ich es will. Du hast mich dahin gebracht. Also bring es zu Ende.“  

Er fühlte es, die Feuchtigkeit zwischen ihren Beinen, auf die seine Erektion traf. Sein Zögern ließ ein leises, fast trauriges Lächeln über ihr Gesicht huschen.  

Wieder zog sie seinen Kopf zu sich, lehnte ihre Stirn an seine und hauchte. „Schlaf mit mir. So als würde ich dir etwas bedeuten…“ 

„Scheiße…“, keuchte er auf, brachte es aber nicht mehr fertig, das Angebot, das sie machte, abzulehnen. Er drang in sie ein, langsam und ohne seine Stirn von ihr zu lösen.  

Ihre Augen blieben verbunden, Buffy atmete nur seufzend ein, als er sie ausfüllte und ein Teil des Drucks zwischen ihren Beinen verschwand.  

Spike verharrte in ihr, genoss einen kurzen Moment das Gefühl, von ihrer Hitze umschlossen zu sein, dann stützte er seine Ellenbogen neben ihrem Kopf auf die Matratze und küsste sie sanft. 

Buffys Hände fuhren über seinen Rücken unter sein T-Shirt und strichen über die nackten Muskeln. Ihre Hände verkrampften sich, als sie plötzlich spürte, wie er Kontakt zu ihrem Geist aufnahm.  

Ihre Augen flogen auf, während sie erschrocken die Luft einzog. Es war nur eine leichte Verbindung, sie spürte seine mentale Präsenz, spürte das Verlangen, das durch seinen Körper tobte und er zurück hielt, weil er sich eigentlich selbst verfluchte.  

Sie spürte die Schauer der Erregung, die ihn zittern ließen und ihr eigener Körper begann ebenfalls zu zittern. Zögernd gab sie einen Teil ihrer mentalen Blockade frei und wusste in dem Moment, in dem er die Luft scharf einzog, dass er sie genau so spürte. 

Dann begann er sich zu bewegen, langsam, als wolle er jeden Zentimeter von ihr erforschen und Buffy seufzte wieder, weil sich jetzt ihre Empfindungen verdoppelten. Sie fühlte, was er fühlte und er spürte sie. Ihre Arme umklammerten ihn und wieder traten Tränen in ihre Augen, doch diesmal war es nicht die Verzweiflung, sondern es war, weil sie nicht fassen konnte, was gerade passierte.  

Sie nahmen nichts mehr um sich herum wahr, ihre Körper bewegten sich in einem steten Rhythmus, doch in ihrem Geist waren sie verbunden.  

Es war Lust pur, sich parallel hochschaukelnde Ekstase und diesmal glaubte Buffy wirklich zu sterben, als seine Stöße schneller und das Chaos in ihren Gedanken größer wurde.  

Sie explodierte ohne Vorwarnung, ohne weitere Stimulation seinerseits und er folgte übergangslos. Sie konnten sich später beide nicht mehr erinnern, wer geschrieen hatte, doch ihre Gedanken verbanden sich in einem Taumel von Licht.  

Wimmernd und schluchzend klammerten sie sich aneinander, bebten gemeinsam, genossen das Abklingen der Lust und fühlten, wie mit der Ruhe die Befriedigung einkehrte, die sie erschlaffen ließ. 

Buffy blinzelte, als sie endlich, ihr schien es Stunden später, die Augen aufschlug und das grelle Licht der Sonne sie blendete. Spike lag noch immer auf ihr, atmete keuchend und rührte sich nicht.  

Sie fuhr sich über die Augen und murmelte. „Lebst du noch, Spike?“   

“Ich glaube nicht”, antwortete er, ohne den Kopf zu heben und rollte zur Seite. „Eine schöne Art zu sterben…“ 

„Woher hast du das gewusst?“ fragte sie und drehte den Kopf zu ihm. 

Er grinste schief. „Ich wusste es nicht. War nur so ein Gefühl…” 

„Das war… Irrsinn.“ 

Es klang so verträumt, dass sich seine Kehle wieder zuschnürte. Er drehte sich zu ihr, schlang einen Arm um sie und presste seine Lippen gegen die nackte Haut ihrer Schulter.  

„War es, Luv“, flüsterte er. „Und bitte glaub mir. Es tut mir wirklich leid. Ich wollte nicht… ich meine, es ist mein verfluchter idiotischer Stolz…” 

„Shhh.“ Buffy legte ihre Finger auf seinen Mund, doch er redete weiter. 

„Ich will nicht, dass du dich hasst, hörst du? Ich will, dass du genau so viel Spaß daran hast wie ich. Möglich, dass ich der arrogante Dreckskerl bin, als den du mich bezeichnest, aber ich benutze dich nicht. Ich *brauche* dich. Und du bedeutest mir etwas. Mehr als jemals irgendeine Frau auf dieser Welt. Glaubst du mir?“ Er hob zögernd seinen Blick und sah in ihre aufgerissenen Augen. Und sah sie langsam den Kopf schütteln. Er lächelte schwach, fast verlegen. „Ich würde mir auch nicht glauben… denke ich mal…“ Seufzend stand er auf und zog seine Hose wieder hoch. 

Buffy benötigte eine ganze Weile länger, ehe sie sich aufrappeln konnte und es störte sie nicht einmal, dass sie nackt auf dem Bett lag und Spike anfing, seine Sachen zusammen zu packen.  

Ich brauche dich. Du bedeutest mir etwas.  

Natürlich hatte sie den Kopf geschüttelt und behauptet, sie würde ihm nicht glauben. Aber dummerweise glaubte sie ihm und sie sagte sich, dass sie wahrscheinlich keinen größeren Fehler machen konnte.  

 

                                  ************

 

„Du könntest wirklich einfach in den Sessel gehen“, beschwerte sich Buffy, als er am Abend, nachdem er die Strecke von LA heim in Rekordzeit zurückgelegt hatte, wie üblich die Couch herunterklappte und sich neben sie legte.  

„Ich liege gern neben dir“, grinste er sie an, stopfte sich ein Kissen unter den Kopf und schlug sein Buch auf. Besser gesagt Buffys Buch. 

„Das ist nicht wahr!“ kreischte Buffy auf, griff nach dem Buch, doch er zog es lachend aus ihrer Reichweite. „Gib es her. Hast du keine anderen Probleme?“ 

“Ich möchte schon wissen, wie es ausgeht. Schau deinen Film und lass mich lesen“, murmelte er nur. 

Buffy wandte ihm erbost den Rücken zu und schaltete telekinetisch den Fernseher an. „Ich wollte dich nur noch einmal daran erinnern: Du wirst nichts, was in diesem Buch erwähnt wird, mit mir ausprobieren!“ 

„Was?“ kicherte er. “Ich darf dich nicht ans Bett fesseln?” 

„Wenn hier irgendjemand ans Bett gefesselt wird, bist du das!” giftete sie zurück.   

„Ich habe nichts dagegen…“  

Buffy fuhr herum und sah ihn fast entsetzt an. „D-du willst, dass ich dich ans Bett fessle?“ 

Seine Augenbrauen hoben sich. „Ich habe gesagt, ich würde es dich tun lassen. Aber ich denke, das würde dir nicht gefallen, weil du dann…“ Er beugte sich zu ihr und stupste mit dem Finger gegen ihre Lippen. „…wahrscheinlich etwas mit deinem Mund anstellen müsstest. Und wir wissen ja, dass du da gewisse… ähm… Hemmungen hast.“ Er grinste breit, als sie wieder rot wurde. 

„Ich habe keine Hemmungen! Ich finde es eklig!“ fuhr sie auf. 

„Buffy“, murmelte er leise. „Niemand verlangt, dass du etwas tust, was du nicht willst. Und deshalb denke ich, es wäre besser, ich fessle dich…“ 

„Du bist doch krank.“ 

„…und dann würde ich dich schön langsam deine Beherrschung verlieren lassen“, hauchte er und küsste sie kurz auf den Mund. „Weil ich keine Probleme damit habe. Ich finde es sogar mehr als fantastisch, dich zu schmecken und mit meiner Zunge zu erforschen.“ Ihr wurde heiß, aber das lag nicht nur an dem Blut, dass in ihren Kopf schoss. „Und du wärst mir ausgeliefert. Du könntest nichts tun, um es zu beschleunigen… außer betteln…“ 

Buffy drehte sich wortlos wieder um und starrte in den Fernseher. „Nie“, versprach sie dann ernsthaft. „Aber auch wirklich nie!“  

Spike schmiegte sich einen kurzen Moment an ihren Rücken und berührte sanft mit den Lippen ihren Hals. „Es wäre umgekehrt das gleiche, Luv. Auch wenn du es dir nicht vorstellen kannst, aber es gibt dir Macht. Ein Mann, dessen Schwanz du zwischen deinen Lippen hast, tut alles, was du willst.“ 

Buffy reagierte nicht, sondern versuchte, sich auf den Film zu konzentrieren.  

Spike lachte leise, ließ sie los und sie hörte wie er das Buch wieder aufschlug.  

Und ihre Gedanken schweiften ab. Als sie das Buch das erste Mal in Händen hatte, es war sicherlich sechs oder mehr Jahre her, war sie entsetzt und von einigen Szenen, selbst auf den ersten zwanzig Seiten, angeekelt gewesen.  

Vor allem diese Beschreibung der Sache mit dem Mund die Spike so zu gefallen schien. Es war ihr eklig und demütigend vorgekommen, als sie detailliert beschrieben bekam, wie die Frau auf die Knie sank, die Hose des Mannes öffnete und seinen Penis in den Mund nahm.  

Jetzt sah sie es in einem anderen Licht. Sie war bis zur Hälfte von dem Buch vorgedrungen, hatte hauptsächlich weiter gelesen, weil es ihren Stolz verletzte, aufzuhören und weil Spike behauptete, sie hätte Hemmungen.  

Doch dann war Spikes Kopf zwischen ihren Beinen verschwunden und sie hatte die Ekstase kennen gelernt, von der die Autorin des Buches schrieb. Daraufhin begann sie zu grübeln.   

Spike schien gern über solche Dinge zu sprechen, seine Offenheit und wie er ohne Verlegenheit zu empfinden jetzt neben ihr dieses Buch verschlang, machten sie nachdenklich.  

Natürlich war sie weit davon entfernt, seiner Neugier nachzugeben und tatsächlich einige der Dinge, die in dem Buch erwähnt wurden, auszuprobieren.

Aber Spikes Worte rührten etwas in ihr. Es gibt dir Macht... Vor einigen Wochen noch hätte sie ihn ausgelacht.  

Aber jetzt, da sie wusste, wie sie auf seine Berührungen und manchmal nur seine Worte, reagierte, ahnte sie, dass an den Worten etwas Wahres war. In jener Nacht auf der Couch hatte sie einen Vorgeschmack darauf bekommen, was es hieß, die Kontrolle beim Sex zu haben.  

Sie hatte sie nie gehabt, vorher. Jedenfalls nicht in der Art und Weise wie sie es in jener Nacht gespürt hatte. Spikes Reaktionen hatten ihr gezeigt, dass er beides zu mögen schien – ihr die Kontrolle zu geben hatte ihn genau so angemacht wie die Kontrolle zu haben.  

Für sie hatte Sex nie eine große Rolle gespielt, war ihr nie sonderlich wichtig erschienen, doch Spikes Worte weckten gegen ihren Willen so etwas wie Neugier. 

Das Problem war eigentlich nur, dass es Spike war, der Mann, den sie mit Sex am allerwenigsten in Zusammenhang gebracht hatte, der Mann, der die ärgerlichste Person ihrer Kindheit war und der Mann, mit dem sie in den letzten neun Monaten ihres Lebens kein Wort gewechselt hatte, weil sie ihm nicht verzeihen wollte, dass er sie so enttäuschte hatte.  

Und den sie jetzt anfing, gern zu haben.  

Er kicherte neben ihr und ehe er etwas sagen konnte, meinte Buffy trocken. „Ich will es nicht wissen.“ 

Natürlich hätte sie ahnen sollen, dass das etwas war, was ihn noch nie gestörte hatte. „Also das Buch enthält auch Dinge, die ich nicht tun würde“, erklärte er dann amüsiert. 

„So?“ murmelte sie spitz. „Was denn?“  

„Ich würde nicht wollen, dass du mir meinen Hintern versohlst, nachdem du mich ans Bett gefesselt hast“, meinte er dann. „Und mich macht auch der Gedanke nicht an, mit einem Vibrator in den Hintern gef...“  

„Es reicht!“ unterbrach ihn Buffy erschrocken und wurde schon allein von dem Bild, das seine Worte herauf beschworen, feuerrot. Zum Glück konnte er das nicht sehen, weil sie ihm noch immer den Rücken zukehrte und in den Fernseher sah. 

„Auf Sex mit einem Mann kann ich auch verzichten“, fuhr er grinsend fort und senkte seine Augen wieder in das Buch. „Wie bist du eigentlich auf den Gedanken gekommen, dieses Buch zu kaufen?“ 

„Ich habe es von Anya zum Geburtstag bekommen.“ 

Er lachte leise. „Die liebe Anya...“ Dann drehte er den Kopf und sah ihren Rücken an. „Was hältst du davon, wenn wir Morgen noch einmal schön ausgehen?“ 

„Wohin?“ 

„Weiß nicht. Wenn du noch einmal tanzen willst, können wir ins Bronze gehen oder einfach ins Kino?“ 

Buffy drehte sich zu ihm um. „Wann fährst du?“ 

Er zuckte mit den Schultern. „Ich denke spätestens Ende der Woche. Meiner Hand geht es jetzt schon bedeutend besser, ich werde es nicht länger hinausziehen können.“ 

„Natürlich nicht“, antwortete sie fast erschrocken.  

Spike warf ihr einen nachdenklichen Blick zu. „Geh jetzt nicht gleich in die Luft, aber du könntest immer noch darüber nachdenken, ob du vielleicht doch...?“ 

Buffys Augen wurden hart. „Warum stellst du die Frage? Weil du selbstlos möchtest, dass ich meine hervorragenden mentalen Fähigkeiten der Menschheit zur Verfügung stelle, oder weil du mich in deiner Nähe haben möchtest, um nicht auf deine sexuellen Bedürfnisse verzichten zu müssen?“ 

„Vergiss, dass ich gefragt habe“, brummte er und senkte seine Augen in das Buch.  

Buffy drehte ihm wieder den Rücken zu und er war froh darüber. Weil er genau wusste, dass ein egoistischer Teil von ihm sie wirklich aus dem letzteren Grund haben wollte.  

Der Gedanke zu gehen und sie vielleicht in den nächsten Monaten nicht wieder zu sehen, störte und beunruhigte ihn. Er hatte nie das Bedürfnis verspürt, seine Gefühle an einen bestimmten Menschen zu binden und weigerte sich auch jetzt noch, das, was zwischen ihm und Buffy war, als etwas anderes als sexuelle Anziehung zu bezeichnen.  

Aber es war nicht abzustreiten, dass sie etwas verband. Und er sie vermissen würde, wenn er allein in seiner Kabine in SECRET ONE schlief. Und es war mehr als unangenehm, dass sie nicht das gleiche empfand.  

Er starrte eine ganze Weile auf die Zeilen, ohne zu lesen. Als sie damals in der Nacht sagte, sie hätte Angst, sich in ihn zu verlieben, hatte er sie verstanden.  

Jetzt sagte er sich, dass sie sich ruhig in ihn verlieben konnte. Dann hätte sie nichts mehr gegen seine Anwesenheit oder dagegen, dass er Zeit mit ihr verbringen wollte. Ihm ging sogar etwas ironisch durch den Kopf, dass sie niemals Angst haben musste, dass er sie betrog. Nach den Erfahrungen, die sie miteinander geteilt hatten, würde Spike jetzt lieber nur noch seine eigene Hand vögeln, als irgendeine normale Frau auf dieser Welt.  

Was denke ich hier eigentlich? Lautlos fragte er sich selbst, wann er so schwachsinnig sentimental geworden war.  

Das klang fast so, als würde er in dem, was zwischen ihnen war, eine Beziehung sehen. Er würde Buffy nie das geben können, was sie sich wünschte. Alles, was er ihr geben konnte, war fantastischer Sex.  

Aber Buffy wollte Liebe.  

Gewaltsam zwang er sich, die Zeilen in dem Buch weiter zu lesen. Vielleicht war es doch besser, er verschwand so schnell wie möglich, ehe er ihr tatsächlich das Herz brach.

Teil 19 

Es war recht spät, als Buffy den Fernseher ausschaltete und einen Blick zu Spike warf, der mit dem Buch auf der Brust eingeschlafen war. Vorsichtig nahm sie das Buch aus seinen Händen und legte es neben die Couch.  

Seine Worte hatten ihr einen Stich versetzt, auch wenn er es nicht so meinte. Natürlich musste er wieder zurück nach SECRET ONE und sicherlich wollte er sie nur auf die Möglichkeit hinweisen, dass sie mitkommen könnte. Wenn sie wollte. Ohne dass eine Arbeit in der Forschungsstation überhaupt in Frage kam. 

Buffy stand auf, holte eine Decke und breitete sie über Spikes Körper aus. Sie würde es nie tun. Sie würde nicht zulassen, dass er ihre Gefühle verletzte.  

Vielleicht war es besser so. Wenn er ging und ab und zu wieder kam - sie wusste, dass er das tun würde - konnten sie es bei einer reinen sexuellen Angelegenheit belassen.  

Sie würde es genießen und ihn den Rest der Zeit vergessen. Mit einem fast melancholischen Lächeln fuhr sie ihm durch die Haare. Er drehte sich im Schlaf und zog die Decke näher an sich. 

„Schlaf gut“, murmelte sie leise und verließ das Zimmer. 

Spike erwachte gegen Morgen und sah sich etwas orientierungslos um. Enttäuschung breitete sich in ihm aus, als er feststellte, dass Buffy ihn zwar zugedeckt hatte, aber dann in ihr eigenes Bett verschwunden war. 

Du bist wirklich ein sentimentaler Trottel, sagte er sich und überlegte, ob er einfach weiterschlafen oder zu ihr hinauf gehen sollte. Eigentlich hatte sie ihm ihren Standpunkt klar gemacht, indem sie ihn nicht weckte und er sollte es akzeptieren.  

Doch der böse Teil in ihm meinte, dass die Zeit, die er noch hier war, viel zu kurz war, um sie damit zu verbringen, ihre starrköpfigen Ansichten zu akzeptieren. 

Seufzend stand er auf, schlurfte die Treppe hinauf und öffnete die Tür zu ihrem Zimmer. Er würde noch genügend Nächte allein schlafen müssen.  

Buffy wurde nicht wach, als er seine Kleidung ablegte und zu ihr unter die Bettdecke kroch. Sollte sie später danach fragen und seinetwegen sollte sie auch schimpfen. Jetzt wollte er sie im Arm halten, wenn er schlief. 

                                   **************** 

„Denk nicht einmal daran!” murmelte Spike warnend, als er Buffy mit dem Wasserschlauch Blumen gießen sah und sie ihn sehr hinterhältig angrinste.  

Er lag seit Mittag im Liegestuhl, weil er nach der gestrigen Nacht, die sie erst im Kino und dann im Bronze verbracht hatten, mit einem Kater kämpfte und sonnte sich. Buffy ging es besser, aber sie hatte auch nicht so viel getrunken, sondern mehr getanzt.  

Spike jedenfalls hatte Kopfschmerzen, sie wurden zwar langsam besser, aber er hasste diesen scheußlichen Schmerz einfach. Seine fürchterliche Müdigkeit trug auch nichts zur Besserung seines Zustandes bei.   

„Wenn du nicht bald aus der Sonne gehst, bekommst du einen Sonnenstich!“ rief Buffy belustigt. „Ich glaube, du brauchst eine Abkühlung.“ 

Er hätte sich denken können, dass man einer Buffy mit einem Wasserschlauch nicht trauen durfte. Schließlich hatte er in seiner Kindheit genug Erfahrungen damit gemacht.  

Es war so weit gegangen, dass keiner von ihnen sich mehr im Garten sonnte, sondern zum Strand ging. Wieso also war er auf die blöde Idee gekommen, eine siebenundzwanzigjährige Buffy wäre erwachsener als eine sechzehnjährige? 

Fluchend sprang er auf, als ihn der kalte Wasserstrahl traf.  

„Du elendes kleines Miststück!“ schrie er böse und stürzte in ihre Richtung, als sie auf seinen Kopf zielte und seine Haare einweichte. Zum Glück trug er nur die Badehose. Er konnte sich erinnern, von ihr einmal in seinen Sachen fast ertränkt worden zu sein.  

Buffy kreischte auf, ließ den Schlauch fallen und ergriff die Flucht in Richtung Haus. Spike rannte hinter ihr her.  

Er nahm zwei Stufen auf einmal, sah wie sie um die Ecke huschte und die Treppe zu ihrem Zimmer hinauf stürzte.  

Na warte, dachte er gehässig und hechtete auf sie, als sie gerade die obersten Stufen der Treppe erreichte. Buffy schrie auf und fing lachend an, wie eine Wildkatze um sich zu schlagen.  

Spike schlang seinen Arm um ihre Taille, dankte Gott, dass sie so klein war, und schleppte sie in Richtung Bad.  

„Was soll das!?“ stieß Buffy, noch immer lachend hervor, als er die Badtür telekinetisch öffnete und mit ihr vor der Wanne in die Knie ging. Als er sie über die Wanne lehnte, ging ihr wahrscheinlich auf, was er vorhatte und sie schlug wie eine Furie nach ihm. 

Spike fing ihre Hände, hielt sie auf dem Rücken fest und drehte telekinetisch den Wasserhahn auf. 

„Du wirst das bereuen!“ schrie Buffy erbost und kreischte wieder, als die Brause herüber schwebte und über ihrem Kopf zum Halten kam. Sie fing an zu strampeln, doch Spikes Gewicht drückte sie über den Wannenrand und sie prustete wütend, als das Wasser ihre Haare durchnässte und in ihr Gesicht lief. 

„Sag, dass es dir leid tut“, forderte er kichernd, ohne sie los zu lassen. 

„Du spinnst wohl!“ giftete Buffy und erstarrte plötzlich, weil sie haargenau fühlte *wie* sehr er die Situation genoss. Ihr wurde heiß und sie erinnerte sich, dass das etwas war, was sie eventuell einmal ausprobieren wollte. Von hinten… natürlich, ohne ihm zu sagen wie neugierig sie war.  

Mit einem Grinsen bäumte sie sich auf und hörte ihn leise stöhnen, als er sich gegen sie presste, um sie festzuhalten. Das war schon einmal sehr schön. Sie schüttelten den Kopf, weil das Wasser noch immer auf ihre Haare rauschte. 

„Komm schon, Luv“, murmelte er und klang zu Buffys Belustigung etwas atemlos. „Ich kann dich noch eine Weile hier festhalten.“ 

Nun, vielleicht färbte seine Art langsam auf sie ab. Buffy rieb ihren Hintern an seiner Erektion und prustete durch das Wasser.  

„Ich finde, das fühlt sich so an, als würde dir das ausnehmend gut gefallen.“ Es schien ihm einen Moment die Sprache zu verschlagen und sie kicherte.  

„Luv“, sagte er nach einer Weile langsam und heiser. “Klingt das wie eine Herausforderung?“ 

„Dich macht so ziemlich alles an, oder?” stänkerte sie weiter und fühlte, wie sich der Griff um ihre Hände verstärkte. „Das ist ganz schön übel. Wenn man so von seinen Hormonen beherrscht wird…“ 

Spike knirschte mit den Zähnen. Die Brause flog zur Seite und das Wasser stellte sich ab. Allerdings ließ er sie nicht los. „Du willst spielen?” 

“Nein”, antwortete sie unschuldig und warf sich gegen ihn.  

Spike stieß sie zurück. „Ich denke, ich weiß, was du willst“, knurrte er heiser, nahm ihre Handgelenke in eine Hand und griff mit der anderen zum Bund ihrer kurzen Freizeithose. 

„Nein!“ schimpfte Buffy gespielt und bäumte sich wieder auf, als er ihr einfach die Hosen die Hüften hinab zog.   

Er lachte leise auf und seine Hand strich über ihre jetzt nackte Hüfte und ihren Bauch. Buffy biss die Zähne zusammen, um nicht zu stöhnen und ihm zu zeigen, dass ihr das genau so gefiel. Allerdings wanderten seine Finger dann zwischen ihre Beine und trafen auf die verräterische Feuchtigkeit. 

„Böses Mädchen“, murmelte er plötzlich amüsiert neben ihrem Ohr, während er sanft über ihre schon geschwollene Klitoris strich. „Da bin ich wohl nicht der einzige, der von seinen Hormonen beherrscht wird. Hast du’s schon mal so getan?“ fragte er lauernd. 

„Ja! Laufend!“ Buffys Kopf sank nach vorn, als seine Finger das Spiel zwischen ihren Beinen fortsetzten und sie drängte rückwärts gegen ihn. 

„Lügnerin“, flüsterte er und seine Badehose wanderte seine Hüften hinab. 

„Lass meine Hände los!“ forderte Buffy. Er lachte leise und drängte mit seinen Knien ihre Beine auseinander.  

„Warum denn?” fragte er belustigt. „Wenn ich Handschellen hätte, würde ich sie jetzt fesseln…“ 

„Hey!” schrie sie böse auf, bäumte sich erneut auf und wurde im nächsten Moment von ihm hart gegen den Badewannenrand gedrückt. Komischerweise und eigentlich gegen ihren Willen, schoss etwas wie ein Stromstoß durch ihren Körper, als sie hart gegen den Emaillerand prallte.  

„Spike!“ Sie spürte seine Erektion zwischen ihren Beinen und wurde noch feuchter. Oh Gott, vielleicht war alles egal, was er sagte. Er sollte einfach tun, was er vorhatte.  

„Ich habe dich gewarnt, Luv“, fuhr er fort und das eigenartige erotische Kribbeln ihre Wirbelsäule entlang wurde stärker.  

Buffys Zähne gruben sich in ihre Unterlippe. Sie antwortete nicht. Plötzlich fiel es ihr recht schwer zu atmen und sie schloss einen Moment die Augen.  

Im nächsten Moment schrie sie erschrocken auf, als er seine Hand zwischen ihren Beinen hervor zog und ihr mit der flachen Hand auf den Hintern schlug.  

„Spinnst du!“ wetterte sie böse, als er wieder lachte. „Ich steh da auch nicht drauf!“  

Seine Finger strichen zärtlich über ihren Hintern. „Du hast eine kleine Strafe verdient“, schnurrte er und Buffy knurrte böse. „Sag, dass es dir leid tut.“ 

„Es tut mir nicht leid!“ Seine Hand klatschte wieder auf die nackte Haut. „Au! Ich werde das mit dir auch machen! Darauf kannst du dich verlassen! Ich werde dich ans Bett fesseln! Au! Und dir mit einer Peitsche den Hintern versohlen! Du hast gesagt, du willst so etwas nicht! Au! Ich werde mich rächen! Du wirst das so was von bereuen. Du…“   

Spike schaffte es nicht länger, sich zu beherrschen. Ihr Schimpfen, ihre Bewegungen unter ihm, all das reichte, um ihn so steinhart werden zu lassen, dass es schmerzte.  

Mit einem einzigen Stoß vergrub er sich in ihr und stoppte damit schlagartig ihre Schimpftirade. Sie war so feucht, dass sie all ihre Worte Lügen strafte und er verharrte kurz, einfach um das Gefühl zu genießen. Sie wollte es zwar nicht zugeben, aber er wettete für sich, dass es eine Menge Spaß machen würde, mit ihr einige der verrückten Sachen aus dem Buch auszuprobieren. 

Buffy stieß ihm ungeduldig den Hintern entgegen. „Bist du eingeschlafen, oder was?“  

Spike lachte wieder, beugte sich nach vorn und küsste sie auf die Schulter. „Du bist einzigartig, Luv“, hauchte er leise, zog sich etwas aus ihr zurück und stieß wieder zu. Sie stöhnte auf und dieses Geräusch jagte seinen Blutdruck in die Höhe. 

„Oh Gott...“, keuchte Buffy auf, als er wieder in sie stieß. Sie würde später darüber nachdenken, dass er es wagte, sich so eine Frechheit zu erlauben.  

Im Moment war das Gefühl, dass seine harten schnellen Stöße in ihr auslösten einfach nur atemberaubend und ihre Augen schlossen sich, als seine Hand wieder zwischen ihre Beine glitt und seine Finger ihre Klitoris berührten.  

Er hielt ihre Hände noch immer auf ihrem Rücken fest, so dass sie keine Chance bekam, irgendetwas anderes zu tun, als sich ihm hinzugeben. Der leise Zorn auf ihn deswegen verflüchtigte sich in nichts, als ihr Körper unter seinen Berührungen erzitterte und ihr Mund öffnete sich halb.  

Die nassen Haare verdeckten ihr Gesicht, das Wasser lief über ihre Haut und ihren Nacken, doch sie nahm, außer der Ekstase in sich, nichts mehr wahr.  

Sie schrie auf, als sie kam und die Muskeln in ihrem Unterleib sich um ihn zusammenzogen. Spike stöhnte auf, fühlte die Wellen ihres Orgasmus, die ihn überrollten und vergrub sich tief in ihr, als er ihr folgte. Eigentlich war es unmöglich, ihr nicht zu folgen, wenn er sie so fühlte, nicht wenn er sich in diesem Zustand der Erregung befand.  

Atemlos und keuchend sank er gegen ihren Rücken, fühlte sie auf dem Rand der Wanne erschlaffen und ließ endlich ihre Hände gehen.  

Buffy benötigte ca. zwei Minuten, um wieder etwas zu Verstand zu kommen. Dann warf sie sich herum, stieß einen überraschten Spike auf den Rücken und saß im nächsten Moment auf ihm.  

Spike schnappte nach Luft, als er mit dem Rücken auf die kalten Fliesen krachte, doch er rührte sich nicht, sondern sah mit einem fast amüsierten Grinsen zu ihr hinauf, als sie sich über ihn beugte und ihre Hände neben seinem Kopf abstützte. Ihre kurzen Hosen wanderten von selbst wieder ihren Hintern hinauf und Spike ging kurz durch den Kopf, dass telekinetische Fähigkeiten nicht immer von Vorteil waren.  

Das Wasser aus ihren Haaren tropfte in sein Gesicht und er fand, dass sie selbst jetzt, mit den durchweichten Haaren einfach fantastisch aussah.  

„Du bist ein verdammter hinterhältiger Bastard“, knurrte sie und funkelte ihn böse an.   

„Warum denn?“ fragte er unschuldig und seine Hände fuhren ihre nackte Oberschenkel hinauf. 

Ihre Augen verengten sich. „Nimm deine verfluchten Hände von mir!“  

Er lachte auf. „Mir gefällt das Gefühl deiner Haut unter meinen Händen“, murmelte er und hob überrascht den Kopf, als sich das Wasser wieder anstellte. „Buffy, du kleines Aas, was hast du jetzt wieder vor?“ 

Die Brause der Wanne hob sich und schwebte über sein Gesicht. Plötzlich umspielte ein teuflisches Grinsen Buffys Lippen. 

„Buffy!“ warnte er sie. „Du wirst das ganze Bad einweichen! Wer soll die Sauerei wieder sauber ...“ Das Wasser schaltete um und ergoss sich eiskalt in sein Gesicht. Fluchend und prustend bäumte Spike sich auf, doch diesmal waren es ihre telekinetischen Kräfte, die ihn auf dem Boden festhielten. 

„Sag, dass es dir leid tut“, wiederholte sie seine Forderung. 

Spikes mentale Finger griffen hinaus, kämpften mit dem Duschkopf, doch sie war in dieser Hinsicht genau so stark wie er. Langsam bildete sich unter ihren Körpern eine Wasserlache.  

„Was soll mir leid tun?“ fragte er und fing an zu lachen, als sie ihm wütend auf die Brust schlug. „Dass du wie eine eingeweichte Ratte aussiehst? Dass ich dir den Hintern versohlt...“ 

„Das hast du nicht!“ schrie sie wütend.  

„Oder soll ich mich dafür entschuldigen, dich gevögelt zu haben?“  

„Für alles!“ fauchte sie.  

Spike schlang seine Arme um ihre Taille und richtete sich auf. Die Brause schwebte noch immer über seinem Kopf und das Bad schwamm mittlerweile, aber darüber machte sich im Moment keiner von beiden einen Kopf. „Buffy, meine kleine Wildkatze, wie kann mir etwas leid tun, das eine solche Ekstase in dir auslöst?“  

Er presste seine Lippen auf ihren Mund, spürte wie sich das Wasser abstellte und die Brause in die Wanne zurück flog. Ein bestimmter Teil seiner Anatomie reagierte schon wieder und Buffy riss ihren Kopf von ihm los. 

Sie stieß ihn zurück auf die Fliesen und beugte sich über ihn. „Du bist wirklich unersättlich, hm? Wie hast du das all die Jahre durchgehalten?“ 

„Ich muss ein wenig vorarbeiten“, kicherte er. „Für die sexfreien Wochen, die bald vor mir liegen…“ Allein der Gedanke daran verursachte ein komisches Gefühl in seinem Bauch und er zwang sich gewaltsam, seine Überlegungen in eine andere Richtung laufen zu lassen. 

Buffy musste gegen ihren Willen ebenfalls grinsen. „Du hast doch deine Hand und außerdem kannst du zu deinem normalen Verhalten und deinen One-Night-Stands zurückkehren.“ 

„Buffy!” Er verzog das Gesicht. „Ich bezweifle, dass mich nach dem, was ich mit dir erlebt habe, jemals wieder der Drang befällt, eine andere Frau flach zu legen.“ 

Buffy wurde übergangslos todernst. “Was?” fragte sie schwach. “Du willst jetzt nicht andeuten, dass du vorhast, für den Rest deines Lebens zu mir zu kommen, wenn du…?“ Ihre Stimme verklang. Eigentlich musste sie seine Antwort nicht hören, um zu wissen, dass genau das in seinem Kopf herum schwebte. 

„Doch…?” kam es fragend aus seinem Mund, ohne dass er ihrem Blick auswich. 

„Oh Gott“, murmelte sie erstickt und sprang auf.  

Spike fluchte leise, als sie aus dem Bad stürzte und stand ebenfalls auf. Er griff nach einem Handtuch, trocknete sich ab und warf einen genervten Blick in das Chaos im Bad.  

Seufzend richtete er seine Badehose, hoffte, dass sich seine Erregung von allein verflüchtigte und begann erst einmal, Ordnung in dem Bad zu schaffen. 

Vielleicht brachte das etwas Ordnung in seine chaotischen Gedanken und er war danach fähig, ein paar vernünftige Worte mit ihr zu wechseln…

Teil 20

 

Buffy war weder im Garten, noch im Wohnzimmer oder der Küche. Spike suchte sich erst einmal trockene Sachen heraus, ehe er an ihre Zimmertür klopfte.

 

Obwohl sie es sich in den vergangenen Tagen abgewöhnt hatten, auf so etwas wie eine Privatsphäre zu bestehen und Spike noch vor einer Stunde bedenkenlos in ihr Zimmer marschiert wäre, wusste er jetzt, dass sie sich nicht ohne Grund dahin zurück gezogen hatte.

 

Sie wollte allein sein. Aber er wollte sie jetzt nicht allein lassen.

 

Sie stand vor ihrem Fenster, die Arme über der Brust verschränkt und starrte hinaus, ohne etwas zu sehen. Spike öffnete leise die Tür und schloss sie wieder. Dann trat er hinter sie und blieb stehen, ohne sie zu berühren.

 

„Buffy?“ fragte er leise und zögernd.

 

Buffy schluckte. „Ich denke, ich kann das nicht, Spike. Nicht auf Dauer. Ich… es würde mich… zerstören…“

 

Er legte seinen Arm um ihre Schulter, zog sie mit sich zum Bett und setzte sich neben sie auf die Bettkante.

 

Sie sah ihn mit großen Augen an, als er die Hand hob und ihr zärtlich eine Haarsträhne hinters Ohr strich. „Erklär es mir, Luv“, bat er nur. „Ich verstehe es nicht.”

 

„Ich weiß jetzt, dass du Recht hattest”, begann sie. „Ich werde niemals dieses normale Leben führen können, das ich mir wünsche. Ich werde niemals heiraten, niemals Kinder haben und niemals heimkommen und wissen, dass da jemand ist, mit dem ich mein Leben teile, neben dem ich aufwache und den ich liebe. Aber tief in meinem Inneren wünsche ich mir, es gäbe eine Möglichkeit, mir dieses Leben zu verwirklichen.“

 

Sie starrte versonnen in die Luft, während er nur schweigend ihren Worten folgte. „Und ich kann nichts gegen das tun, was ich empfinde. Ich kenne dich jetzt 17 Jahre meines Lebens, Spike. Ich weiß, wie verletzend und kalt du sein kannst. Ich weiß, wie du über meine Gefühle und Wünsche gelächelt hast. Und ich kenne mich. Ich will nicht den Rest meines Lebens damit verbringen zu weinen, weil ich mich in dich verliebe und jedes Mal, wenn wir uns sehen, spüre, dass du diese Gefühle nicht erwiderst und der einzige Grund, aus dem du kommst, ist, dass du scharf auf Sex bist. Es würde mich zerstören…“

 

Er senkte kurz den Kopf und hob dann seine Augen wieder zu ihrem Gesicht. „Da du mich kennst, würdest du dich vielleicht nicht in mich verlieben?“

 

„Ich würde es, Spike“, antwortete sie traurig. „Ich bin eine sentimentale Träumerin und ich würde es. Egal, wie unmöglich du dich benimmst. Weil das, was wir erleben, wenn wir miteinander schlafen, eine Nähe mit sich bringt, die kein anderer Mensch fühlen kann. Vielleicht empfindest du das nicht so, aber ich tue es…“ Seine Augen ließen sie nicht los und sie schluckte wieder. „Ich fange an, dich gern zu haben und…“

 

„…das ist doch nicht schlimm“, sagte er hilflos. „Ich habe dich auch gern.“

 

„Du hast mich gern in deinem Bett. Du hast mich gern, weil ich die einzige Person bin, mit der du tollen Sex haben kannst. Du hast mich nicht gern, weil ich ich bin.“ Sie hielt seinem Blick stand und es war das erste Mal, dass sie weder Zorn noch Sarkasmus in seinen Augen sah. Er war einfach nur todernst.

 

Spike schaute sie eine ganze Weile an. “Egal, was du jetzt denkst, Buffy“, begann er. „Da ist ein Teil, den du weggelassen hast.  Ich kenne dich ebenfalls 17 Jahre. Wir haben in den 17 Jahren mehr gestritten, als uns miteinander unterhalten. Wir haben uns geprügelt und wir haben uns manchmal wieder versöhnt. Ich denke, du kennst mich besser als irgendein anderer Mensch auf dieser Welt und ich dich. Und ob du es glaubst oder nicht, ich habe in dir immer etwas anderes gesehen als in irgendeiner anderen Frau auf dieser Welt. Weil du bist wie ich. Weil du eine Mutantin bist. Du bist die einzige Frau auf dieser Welt, deren Tränen mir zu schaffen machen.”

 

Er hob seine Hand, legte sie um ihren Hals und beugte sich zu ihr. „Der Sex ist fantastisch, Luv. Ich weiß, dass ich nie deinen romantischen Vorstellungen entsprechen kann und ich will das auch gar nicht versprechen, weil ich weiß, dass ich es nicht halten kann. Aber ich habe dich gern. Sex gehört zum Leben und wir beide sind klasse darin. Zusammen. Wir brauchen einander. Ich möchte nur, dass du darüber nachdenkst. Ich will dich nicht verletzen und ich will dir nicht das Herz brechen. Ich kann dir keine Liebe versprechen, weil ich nicht an wahre Liebe glaube. Aber ich kann dir versprechen, für dich da zu sein. Wann immer du mich brauchst.“

 

Buffy schluckte wieder. Sie glaubte ihm jedes Wort und ihre Kehle schnürte sich zu. Sein Blick ließ sie nicht los, seine blauen Augen sahen sie einfach nur an, ohne etwas zu fordern und ohne ihr einen Vorwurf zu machen. Sie seufzte.

 

„Ich weiß es nicht...“, flüsterte sie dann.

 

Ein Ich habe dich gern aus Spikes Mund bedeutete sicherlich eine Menge mehr als sie ahnte. Sie würde sogar eine Wette mit sich selbst abschließen, dass er das noch nie zu einer Menschenseele gesagt hatte.

 

Schließlich hatte er selbst immer so ironisch behauptet, jegliche Gefühle wären etwas Sentimentales und sie zu erlauben, bedeutete, sich selbst zu schwächen.

 

Manchmal stimmte das tatsächlich.

 

Dann wenn ein Telepath in den Kopf der anderen Person schaute und feststellte, dass das Ich liebe dich über alles, das die Person gerade noch ausgesprochen hatte, eigentlich gar nichts bedeutete.

 

Jedenfalls nicht das, was man sich selbst darunter vorstellte. Deshalb beruhigte sie seine Ehrlichkeit. Spike würde nie etwas sagen, was er nicht auch dachte.

 

Er küsste sie sanft auf den Mund. „Du bist so etwas wie meine Familie, nicht, weil wir zusammen aufgewachsen sind, sondern weil du eine Mutantin bist. Du machst mich zornig, du treibst mich in den Wahnsinn, du beleidigst mich und du bringst mich dazu, den Verstand zu verlieren. Und du bist die einzige Person, der ich all diese Dinge verzeihe.“

 

Sie lächelte schwach. „Ich frage mich auch, warum ich dich in all den Jahren nicht längst zum Teufel gejagt, oder selbst alle Brücken hinter mir abgebrochen habe.“

 

„Eben“, bestätigte er und grinste schief. „Dummerweise gibt es außer dir niemanden, der die Probleme eines Mutanten wirklich versteht.“

 

„Wenn es andere Mutanten gäbe...“, fragte sie zögernd. „Würdest du jetzt los stürzen und ausprobieren, ob es mit denen ähnlich ist?“

 

Spike musterte sie eine Weile ernst. „Würdest du es nicht tun? Um die Liebe zu finden, nach der du suchst?“

 

Ihre Zähne gruben sich in ihre Unterlippe, als sie sich beschämt eingestand, dass er wahrscheinlich Recht hatte.

 

Seine Hände umfassten ihren Kopf und er sagte leise. „Wenn es viele Mutanten auf dieser Welt gäbe, wären wir vielleicht nie in dieser Situation. Vielleicht wäre ich nie der geworden, der ich bin. Vielleicht hättest du schon gefunden, was du suchst. Es hat keinen Sinn, sich den Kopf darüber zu zerbrechen. Wir sind allein. Die einzigen noch lebenden Mutanten sind Kinder und ob sie das Erwachsenalter erreichen, ist mehr als fraglich.“

 

Er zog sie an sich und Buffy lehnte ihren Kopf gegen seine Schulter. „Manchmal sollte man mit dem zufrieden sein, was man haben kann.“

 

Vielleicht sollte man das, ging es Buffy durch den Kopf. Sie fühlte seine Hand, die über ihre Haare strich, beruhigend und geistesabwesend, und ihr Herz zog sich zusammen, als sie darüber nachdachte, dass sie bald wieder allein war.

 

***************

 

Er erwähnte das Gespräch mit keinem Wort mehr und verschwand am Abend in seinem Zimmer, ohne es voraus zusetzen oder danach zu fragen, ob sie mit ihm kam.

 

Buffy grübelte eine ganze Weile vor sich hin. Sie ging in ihr eigenes Bett, wälzte sich schlaflos hin und her, während sie überlegte, wie einfach ihr Leben doch gewesen war.

 

Er war verschwunden, weil er ihr die Entscheidung überließ und das machte ihr zu schaffen. Sie redete sich ein, sie wäre nicht wie er. Sie sagte sich, sie könne sich in ihr Bett legen und schlafen, als würde es ihn nicht geben, weil sie ihn nicht brauchte.

 

Irgendwann, weit nach Mitternacht, gab sie frustriert auf. Der Gedanke, dass nur eine Zimmertür sie davon trennte, wenigstens noch ein paar Tage in seinen Armen zu schlafen und etwas zu genießen, was normale Menschen immer haben konnten, war stärker.

 

Leise huschte sie über den Flur, öffnete die Tür zu seinem Zimmer und kroch zu ihm unter die Bettdecke. Er hatte genau so wenig geschlafen wie sie, aber er sagte keinen Ton, sondern schlang seine Arme um sie, vergrub sein Gesicht in ihren Haaren und hielt sie fest, als wolle er sie nie wieder loslassen.

 

Buffy schloss die Augen, umarmte ihn genau so Halt suchend wie er sie und hätte am liebsten geweint. In diesem Moment zählte nicht die Erinnerung oder der Gedanke an die Ekstasen, die sie geteilt hatten, sondern einzig und allein der Gedanke, dass da jemand war, an dem man sich fest halten konnte.

 

Es war wie eine stumme Absprache.

 

Und dann war es Buffy, die seinen Kopf zwischen ihre Hände nahm, ihn sanft küsste und leise sagte, sie wolle keine der Nächte, die er noch hier war, allein schlafen.

 

Spike hatte nichts geantwortet, sondern sie nur stumm angesehen, als sie genau so wortlos ihr dünnes Nachthemd über ihren Kopf zog und ihn wieder küsste.

 

In dieser Nacht liebten sie sich langsam und zärtlich. Ohne ein Wort zu sagen, redeten sie mit ihren Berührungen. Und es war sehr viel später, als sie, einander im Arm haltend, verschwitzt und erschöpft, aber endlich zufrieden, einschliefen.

 

**********************

Spike musterte Buffy über das Schachbrett hinweg mit schmalen Augen und sie grinste zurück. Sie saßen sich auf ihrem Bett im Schneidersitz gegenüber und Spike beobachtete, wie sie die Figuren aufstellte und ihn dann wieder hinterhältig anlächelte.

 

„Du hast im seltensten Fall gegen mich gewonnen. Wie kommst du darauf, dass du es heute schaffst?“

 

„Ich habe viel gespielt in den letzten Jahren“, meinte er nur.

 

„Du wirfst nicht mehr das Schachbrett durch die Gegend, wenn du verlierst?“ erkundigte sie sich honigsüß.

 

„Ich möchte gern erleben, wie du dich benimmst, wenn du verlierst“, antwortete er genau so sanft.

 

„Ha!“ machte Buffy. „Davon kannst du vielleicht träumen! So.“ Sie lehnte sich zurück. „Du darfst beginnen.“

 

Ein feines Lächeln umspielte seine Lippen. „Wie wäre es mit einer kleinen Wette?“

 

Buffy lachte auf. „Um den Sieg in einem Schachspiel?“

 

„Warum nicht? Ich wette gern.“ Er hob fragend seine Augenbrauen. „Und du auch.“

 

Das stimmte. Vor allem, wenn er die Herausforderung aussprach. Und vor allem, wenn die Chance, dass er gewann,  so niedrig war. „Dann komme ich wohl doch noch in den Genuss des Heiratsantrags auf den Knien?“

 

„Du bist aber gehässig, Luv“, murmelte er.

 

„Und ich darf es auf Video aufnehmen!“ forderte sie weiter. „Was soll ich tun?“ Das Grinsen in seinem Gesicht ließ schlagartig jedes Blut aus ihrem Kopf entweichen. „Vergiss es! Vergiss auch nur einen einzigen Gedanken daran!“

 

„Also“, schimpfte er. „Woher willst du wissen, was ich denke?“

 

„Oh, ich kenne diesen hinterhältigen Blick! Und ich sage NEIN.“ Sie funkelte ihn böse an.

 

„Darf ich dich ans Bett fesseln?“ fragte er mit einem Lauern in der Stimme.

 

„NEIN!“ kreischte sie auf. „Lass dir gefälligst etwas Normales einfallen. Etwas, das mich nicht zu deinem Sexspielzeug degradiert!“

 

„Hey! Glaubst du der Gedanke, vor dir auf die Knie zu fallen und einen dämlichen Heiratsantrag zu machen, ist schön?!“ verteidigte er sich gekränkt.

 

„Das ist überhaupt nicht schlimm! Du musst dir nur ein bisschen Mühe geben, dass es auch echt klingt!“

 

„Das ist überhaupt nicht einfach“, erklärte er genervt. „Okay, dann möchte ich, dass du mir Frühstück am Bett servierst.“ Buffy atmete auf, als er mit dieser relativ einfachen Forderung heraus rückte, dann setzte er hinzu. „Nackt.“

 

Sie verdrehte die Augen und schickte ein Stoßgebet zum Himmel. „Denkst du eigentlich noch an etwas anderes als an Sex?“

 

„Ich habe jetzt nur an das Frühstück gedacht“, murmelte er unschuldig und grinste wieder.

 

„Das ist viel schwerer und zeitaufwendiger als meine Forderung. Ich mache nur mit, wenn du das Ich liebe dich auch noch mit verwendest.“

 

Spike stöhnte auf. „Das ist unfair. Du willst das auf Video aufnehmen und dich noch hundert Mal daran ergötzen!“

 

„Du willst dich auch nur daran ergötzen, wie ich nackt mit dem Frühstückstablett ins Zimmer komme!“ hielt sie ihm vor.

 

„Du bleibst das ganze Frühstück bei mir?“

 

„Nackt?!“

 

Er nickte. „Auf der Bettdecke. Nicht darunter.“

 

„Okay“, knirschte sie zwischen den Zähnen hindurch und sagte sich, dass er sowieso nie gewinnen würde. „Mach deinen ersten Zug.“

 

Spike grinste wieder, griff nach einem seiner Bauern und zog ihn nach vorn.

 

Zwei Stunden später saßen beide noch immer sehr vertieft vor dem Brett. Die Figuren hatten bedenklich abgenommen und je weiter das Spiel fortschritt, umso stiller wurden sie. Im Moment schweiften Buffys Gedanken etwas ab, weil Spike am Zug war und schon seit 10 Minuten angestrengt auf das Brett starrte.

 

Er schien wirklich viel gespielt zu haben, denn so einfach, wie sie geglaubt hatte, ihn besiegen zu können, war es nicht.

 

Buffy hatte in den letzten Jahren hauptsächlich gegen den Computer gespielt, weil es für einen Telepathen nicht sonderlich anreizend war, gegen normale Menschen zu spielen. Auch wenn man sich vornahm, nicht in deren Kopf zu schauen, war die Versuchung doch groß.

 

Spike zog seine Dame vor, hob den Kopf und lächelte fein. „Dein Spiel.“

 

Buffy wandte ihre Augen wieder dem Brett zu und vertiefte sich in die Stellungen der einzelnen Figuren darauf.  

 

Es gab mehrere Möglichkeiten, seinen König in die Enge zu treiben, den Beginn ihrer Falle hatte er wahrscheinlich übersehen und deshalb überprüfte sie jetzt erst einmal gewissenhaft seine Figuren, um zu ergründen, ob er eine ähnliche Falle plante wie sie selbst. Es schien nicht so und deshalb zog sie ihren letzten Turm in Position.

 

Spike sah sie kurz an, doch sie beachtete ihn nicht, sondern beobachtete konzentriert das Spielfeld und hoffte, er würde den Zug tätigen, auf den sie wartete. Er benötigte wieder zehn Minuten, sicherlich weil er eine Falle ahnte und nach ihr suchte.

 

Buffy musste zugegeben, dass ihm eigentlich nicht sonderlich viele Möglichkeiten blieben, doch als er dann seinen Läufer dorthin verrückte, wohin sie ihn haben wollte, hätte sie am liebsten gejubelt.

 

Aber sie behielt ihr ernstes konzentriertes Gesicht, tat als suche sie das Spielfeld nach weiteren Möglichkeiten ab und ging dann mit einem feinen Lächeln zum Angriff über.

 

„Schach“, sagte sie leise.

 

Spike starrte geschockt erst auf das Brett, dann auf sie und dann wieder auf das Brett.

 

„Das war aber hinterhältig, Luv“, murmelte er, während er nach einem Ausweg suchte. Als erstes musste er seinen König aus der Schusslinie bringen, aber als er das Umfeld jetzt unter genau diesem Gesichtspunkt betrachtete, erkannte er das Ausmaß der Falle, die sie errichtet hatte. Seine Zähne gruben sich in seine Unterlippe.

 

Eine fantastische Falle. Wieso hatte er sie übersehen? Er hob seine Augen, begegnete ihrem Lächeln und murmelte leise. „Miststück.“

 

„Ts. Ts“, machte Buffy grinsend. „Nicht schimpfen. Spielen.“

 

Er senkte seine Augen wieder auf das Spielfeld. Viele Möglichkeiten hatte er nicht mehr. Eigentlich konnte er nur seine Dame opfern, sah aber dann, dass sie selbst damit gerechnet hatte und er dann ihrer Dame das Feld öffnete. Fluchend gab er sich schon einmal selbst zu, dass er verloren hatte.

 

„Komm schon, Spike. Zieh es nicht so lange hin“, kicherte sie.

 

Miststück, dachte er wieder, hob endlich seine Hand und machte seinen Zug. Es war egal, welchen und deshalb verrückte er einfach nur den König.

 

Buffy rückte ihre Dame sofort nach. „Schach“, verkündete sie wieder.

 

Spike knirschte mit den Zähnen und verspürte überhaupt keine Lust, den letzten Zug zu machen. Doch dann erinnerte er sich an ihre letzte Wette und mit welcher Ehrlichkeit sie ihn hatte gewinnen lassen. Seufzend machte er seinen letzten Zug und sie rückte strahlend nach.

 

„Schach. Matt!“ Buffy hüpfte quietschend in die Luft, ignorierte seinen eisigen Gesichtsausdruck und klatschte in die Hände. „Ich hole die Kamera!“

 

„Stopp. Stopp. Stopp.“ Spike fing ihre Handgelenke, ehe sie das Bett verlassen konnte.

 

„Was ist los?“ fragte sie verblüfft.

 

„Nicht jetzt.“

 

„Nicht jetzt?“ wiederholte sie erstaunt. „Warum nicht jetzt?“

 

„Du willst, dass es echt klingt, ja?“ knurrte er zwischen den Zähnen hindurch. „Mich macht ein verlorenes Spiel wütend und ich kann jetzt nicht echt klingen.“

 

„Ich bezweifle, dass du es jemals kannst“, antwortete sie vergnügt. „Willst du kneifen?“

 

„Nein!“ fuhr er auf.

 

Das würde seinen Stolz mehr verletzen als jedes blamable Hinknien und Buffy wusste das. Er würde nie eine Wettschuld nicht einlösen.

 

„Was zickst du dann herum?“ fragte sie spöttisch.

 

Spike zog sie wieder auf das Bett zurück. „Ich werde es richtig machen“, versprach er und lächelte plötzlich wieder.

 

„Dieses Grinsen gefällt mir überhaupt nicht“, meinte Buffy argwöhnisch.

 

„Buffy!“ Spike verschränkte seine Hände hinter ihrem Kopf und sah sie an. „Du bist mein kleiner romantischer Liebling und du bekommst die Vollversion.“

 

Oh Gott. Sie musste ihn etwas entsetzt angesehen haben, denn er grinste wieder.

 

„Angst?“ erkundigte er sich vergnügt und fand den Gedanken gar nicht mehr so schlimm. „Du hast es doch gefordert, also bekommst du es auch. Lass dich überraschen.“                     

Teil 21

Buffy hatte den ganzen Tag auf Arbeit ein schlechtes Gefühl. Sie ahnte, dass ihr irgendetwas an dem, was Spike plante, überhaupt nicht gefallen würde.

Sie kam auch erst sehr spät aus der Redaktion heraus, da sie mit Wesley absprechen wollte, wie weit sie in ihrer Kolumne für den Mirror gehen sollte. Wesley war genau so entsetzt wie Riley gewesen, als sie ihnen von McDonald erzählte und hatte sich mehr als gefreut, dass Buffy nicht zu den Frauen gehörte, die für ihre Karriere alles taten.

Deshalb war es jetzt gegen halb acht, als sie die Haustür aufschloss und ihr der Geruch nach Essen entgegen strömte. Gut, Spike schien wieder einmal in Kochlaune zu sein. Das war an sich nicht schlimm.

Als sie jedoch einen Blick ins Wohnzimmer warf, blieb sie erst einmal wie vom Donner gerührt stehen. Spike hatte einen kleinen runden Tisch aufgestellt – Buffy konnte sich weit entfernt erinnern, das Teil auf dem Dachboden gesehen zu haben. Eine weiße Decke zierte den Tisch, an dem zwei ihrer Küchenstühle standen. Und der Tisch war gedeckt. Wie in einem Fünf-Sterne-Restaurant: Servietten, jede Menge Besteck und Kerzen.

„Hallo, Luv“, sagte seine Stimme hinter ihr und sie fuhr zusammen.

„Was wird das?“ fragte sie neugierig.

Spike grinste. „Geh duschen. Zieh dich chic an und komm wieder runter.”

„Chic anziehen?“ spottete sie. „Hast du die Kamera schon montiert?“

“Scher dich hoch, eh das Essen kalt wird!”

Lachend presste sie sich kurz an ihn und ignorierte das flaue Gefühl in ihrem Magen. „Ich bin wirklich wirklich gespannt auf deine Vorstellung.“ Angriff war schon immer die beste Verteidigung.

Er funkelte sie böse an und sie lachte wieder, küsste ihn kurz auf den Mund und tänzelte dann die Treppen hinauf. Oben blieb sie noch einmal stehen. „Wie chic wünschst du es denn?“

„Dein spezielles Bitte-fick-mich-Outfit ist schon okay!“ fauchte er, ehe er wieder in der Küche verschwand.

Buffy beeilte sich, weil sie jetzt wirklich neugierig war. Sie duschte schnell, föhnte ihre Haare trocken, warf wieder einmal einen genervten Blick in den Spiegel, als diese ihr Spiel so gar nicht mitmachen wollten und überlegte dann, was sie anziehen könnte.

Sie entschied sich für ein Kleid, weil sie den Tisch gesehen hatte und annahm, dass er ein vornehmes Lokal darstellen sollte. Ein leises Kichern kam aus ihrer Kehle, als sie darüber nachdachte, dass Spike manchmal ganz schön verrückt sein konnte.

Schon der Abend in der Oper hatte ihr das gezeigt. Es war ein einfaches Kleid mit Spagettiträgern, rot, dass sich eng an ihren Körper schmiegte und dessen loser flatternder Rock ihre Oberschenkel umspielte und in deren Mitte endete. Buffy warf einen Blick in ihren Spiegel und grinste. Eindeutig nicht Bitte-Fick-mich-mäßig, aber nett.

Barfuss und vergnügt vor sich hin lächelnd, schlenderte sie die Treppe wieder hinunter. Spike hatte sich ebenfalls umgezogen, trug jetzt seine vielgeliebte schwarze Jeans und ein weißes Shirt und grinste genau so wie sie.

Buffy fragte sich kurz, wieso er grinste. Er sollte keinen Spaß an der Einlösung seiner Wettschuld haben. Dann wäre ja die ganze Freude ihrerseits dahin.

„Setz dich“, sagte er nur und sie ging an ihm vorbei ins Wohnzimmer. Er hatte die Vorhänge zugezogen und damit eine Art Dunkelheit geschaffen, die nur von den Kerzen auf dem Tisch erleuchtet wurde.

Buffy fühlte sich plötzlich ganz eigenartig, als er ihr den Stuhl zurecht rückte, dann den Wein entkorkte und die beiden Gläser einschenkte. Der Tisch war mit Essen zugebaut und sie erkannte jetzt, dass er das keineswegs gekocht haben konnte.

Sicherlich hatte er irgendein Restaurant angerufen und sich alles liefern lassen. Im Hintergrund spielte leise Musik und verstärkte den Eindruck der Unwirklichkeit noch.

Dann setzte er sich, hob sein Glas und prostete ihr zu. „Auf einen schönen Abend, Luv.“

Buffy hob ihr Glas ebenfalls. „Also langweilig bist du wirklich nicht“, murmelte sie, ehe sie an dem dunklen, schweren Wein nippte.

„Was möchtest du essen?“

Sie beäugte kurz die vielen Dinge auf dem Tisch und entschied sich dann für die gebackenen Hühnerschenkel mit Reis, während er sich eins der kleinen Koteletts und Fritten nahm. „Wieso das Essen?“ wollte sie neugierig wissen.

„Also, Luv”, schimpfte er gespielt. „Wenn ein Mann einer Frau einen Heiratsantrag macht, dann lädt er sie erst zu einem schönen Essen ein, sie tanzen ein wenig miteinander…“

„Wir werden auch noch tanzen?“ unterbrach sie ihn erstaunt.

Er verdrehte die Augen und fuhr dann fort. „…sie reden miteinander und irgendwann im Laufe des Abends…“

„…wirst du mir eine schöne Vorstellung geben“, führte sie seinen Satz zu Ende. „Das gefällt mir. Wo ist die Kamera?“

„Könntest du vielleicht das Teil mal vergessen?”

„Nein!“ Buffy kaute gedankenverloren. „Ich möchte mich noch ein paar Jahre daran erinnern, dich auf deinen Knien erlebt zu haben”, kicherte sie dann.

„Du bist ganz schön rachsüchtig“, brummte er, während er zum hundertsten Mal an diesem Tag darüber nachdachte, ob es eine Möglichkeit gäbe, sich aus der Affäre zu ziehen.

Es gab keine und er seufzte schon einmal bei dem Gedanken, sich selbst zum Idioten zu machen. Er hätte doch auf seine erste Version bestehen sollen, vielleicht hätte er sich mehr angestrengt, wenn am Ende eine Buffy auf den Knien gewinkt hätte.

„Wieso rachsüchtig“, grinste sie. „Es war eine Wette. Du wolltest um ein Schachspiel wetten. Vergiss das bitte nicht.“

Dummerweise hatte sie vollkommen Recht. Er nippte an dem Wein, während er ihr über den Rand des Glases böse Blicke zuwarf.

„Weißt du, Spike“, murmelte sie belustigt. „So wie du mich anschaust, schaut kein Mann die Frau an, der er einen Heiratsantrag machen möchte. Und wenn du nachher immer noch so schaust, nehme ich dir das nicht ab. Dann musst du noch ein paar Mal üben.“

„Ich *muss* dir dann deinen süßen Hals umdrehen, *Liebling*!“

Sie lachte auf. „Schatz, dein Ton gefällt mir heute gar nicht.“

Spike kippte sein Glas hinunter und füllte es neu. Dann funkelte er sie an. „Okay, es war eine blöde Idee. Also hol die Scheißkamera und lass es uns hinter uns bringen.“ Er warf sein Besteck auf den Tisch und sprang auf.

Buffy war genau so schnell auf den Beinen und griff nach seiner Hand. „Jetzt hast du dir die ganze Arbeit gemacht“, schmollte sie und drückte ihn wieder auf den Stuhl zurück. Ehe er wieder aufstehen konnte, saß sie auf seinem Schoß. „Jetzt werden wir auch zu Ende essen“, erklärte sie, ignorierte sein Augenverdrehen und nahm seine Gabel. Sie spießte ein Stück Brokkoli auf und führt die Gabel zu seinem Mund.

„Buffy, das ist…“ Er verstummte, weil sie ihm den Brokkoli einfach in den Mund schob. Buffy nahm gedankenverloren eine der Fritten von seinem Teller. „Buffy, das ist Schwachsinn“, führte er seinen Satz kauend zu Ende.

Buffy legte ihren Finger auf seinen Mund. „Es war eine schöne Idee“, sagte sie leise und küsste ihn. „Also lass es uns zu Ende spielen.“

„Kann ich nicht erst den Scheiß mit dem Heiratsantrag erledigen, damit ich das hinter mir habe?“ murmelte er genervt.

Buffy legte ihren Arm um seinen Hals. „Du bist etwas verspannt“, kicherte sie und fuhr mit den Fingern durch seine Haare. „Mein lieber großer Bruder hat Angst, ein paar bestimmte Worte zu sagen, weil sie Gefühle ausdrücken, obwohl es nicht einmal etwas ist, das du tatsächlich fühlst.“

„Ich habe keine Angst!“ knurrte er und schlang seinen Arm um ihre Taille. „Ich hasse es, solchen Schwachsinn zu sagen.“

Buffys Lächeln verlor sich nicht. „Du wolltest, dass ich drei bestimmte Worte zu dir sage“, erinnerte sie ihn dann sanft. „Zu diesem Zeitpunkt fandest du es keinen Schwachsinn.“

Er lehnte seinen Kopf gegen ihre Schulter, atmete tief den Duft ihres Parfüms ein und murmelte leise. „Das war ein leicht sentimentaler Moment. Ich habe so was auch.“

Sie drückte kurz ihre Lippen gegen seine Haare. „Weißt du, was dein Problem ist, Spike?“ flüsterte sie neben seinem Ohr.

„Sag’s mir, Frau Psychiaterin“, brummte er, ohne den Kopf zu heben.

„Du könntest es nicht einmal sagen, wenn du tatsächlich etwas empfinden würdest. Du denkst, es ist ein Zeichen von Schwäche. Du redest so viel, Spike, in den unmöglichsten Momenten und jetzt hast du einfach Angst. Obwohl es nichts anderes als die Einlösung einer Wettschuld ist.“ Gedankenverloren spielten ihre Finger mit den kurzen Haaren in seinem Nacken.

Spike hob den Kopf. „Du spinnst“, stieß er hervor, wütend über sich selbst.

„Sicher.“ Buffy küsste ihn kurz, stand auf und nahm ihren Platz auf der anderen Seite des Tisches wieder ein. „Und jetzt reiß dich zusammen und lass uns einen schönen Abend haben.“

Seine Augenbrauen hoben sich überrascht. „Erlässt du mir die Wettschuld?“

Buffy lachte. „Das kannst du so was von vergessen! Den Tag, an dem ich *dir* eine Wettschuld erlasse, wirst du nie erleben.“

Spike verzog das Gesicht, goss sich und ihr die Gläser wieder voll und redete sich ein, dass es seinen Stolz viel mehr verletzen würde, wenn sie es tatsächlich täte.

Weil er genau wusste, sie würde für den Rest ihres Lebens darauf herum reiten. Deshalb sagte er sich, lieber sich einmal blamieren, als für den Rest seines Lebens bei jeder sich bietenden Gelegenheit.

***********

Dummerweise war Buffy keinesfalls so gelassen wie sie sich gab. Schließlich kannte sie sich und ihr ging kurz durch den Kopf, dass es wahrscheinlich für sie auch besser wäre, sie würden das Ganze vergessen.

Es war einfach nur ihr Stolz, der es ihm nicht so einfach machen wollte und sie hoffte, sie würde vor Rührung nicht tatsächlich losheulen, wenn er auf seine Knie sank. Zuzutrauen wäre es ihr. Sie glaubte schließlich an die vom ihm als schwachsinnig und sentimental bezeichneten Dinge.

Deshalb versuchte sie, sich jetzt erst einmal abzulenken, genoss das gute Essen, den Wein, seine recht verkrampfte Miene und schwatzte munter drauf los. Spike antwortet einsilbig, entgegen seiner sonstigen Redegewandtheit, und sie sagte sich, dass es die ganze Mühe schon wert war, einen verlegenen Spike zu erleben.

Sie hätte jedenfalls nicht so ein Drama um ihre Wettschuld gemacht. Sie nahm sogar an, dass er sein Frühstück ganz schnell vergessen hätte, wenn sie sich ein wenig nackt auf seinem Bett geregelt hätte.

„Was grinste du schon wieder so?“ fragte er misstraurig.

„Mir ging gerade durch den Kopf, was wäre, wenn ich verloren hätte“, antwortete sie belustigt.

„Oh, das wäre sehr viel amüsanter geworden.“

„Ich habe überlegt wie lange du wohl gefrühstückt hättest...“

Ein Lächeln huschte über seine Lippen. „Wir können das ruhig trotzdem ausprobieren. Nur, um das heraus zu bekommen.“

„Mal sehen“, meinte sie nur und griff wieder nach ihrem Wein.

„Wirst du jetzt experimentierfreudig, Luv?“ horchte er auf. „Weil... ich hätte da noch so ein paar...“

„Spike!“ Sein Grinsen trieb ihr das Blut ins Gesicht. Seit wann wurde sie nur dermaßen schnell rot?

Ihr Rotwerden schien sein Selbstvertrauen wieder aufzubauen, denn sein Grinsen wurde schmutziger. „An was denkst du gerade?“

„An nichts!“

„Ich wette...“, begann er.

„Du wettest jetzt erst einmal gar nicht!“ fuhr sie auf, ehe er seinen Satz vollenden konnte.

Er grinste, stand auf und streckte ihr die Hand hin. „Ich habe dir einen Tanz versprochen.“

Sie ergriff seine Hand, legte ihre andere auf seine Schulter und fühlte, wie er sie an sich zog. Mit einem Gedankenbefehl stellte er die Musik lauter und begann, sich mit ihr zu bewegen.

Buffy schmiegte sich an ihn. Es gefiel ihr, mit ihm zu tanzen, schon damals auf dem Ball nach der Oper und selbst jetzt, in dieser unwirklichen und doch gewohnten Umgebung bildete sich ein eigenartiges Gefühl in ihrem Bauch, als sie sich zu dem langsamen Rhythmus drehten.

Sie fühlte seinen Herzschlag, seinen Atem neben ihrem Ohr und sie hätte am liebsten die Augen geschlossen, um den Moment nicht enden zu lassen. Vielleicht war es das Essen, oder der Wein, oder die Kerzen... Sie fühlte sich wie in einem Traum.

„Hat dir jemals jemand einen Heiratsantrag gemacht?“ fragte er plötzlich, ohne dass er zu tanzen aufhörte.

Buffy hob den Kopf und sah ihn an. „Nein“, schüttelte sie dann den Kopf und lächelte fast traurig. „Ich denke, dazu war die Zeit zu kurz, die ich mit den jeweiligen Personen verbrachte habe.“

„Ich habe dich immer für deinen Mut, eine Beziehung zu wagen, bewundert.“

Sie seufzte. „Ich habe dich bewundert wie schnell du so eine Scheißnacht wegsteckst. Und dich in die Nächste stürzt.“

„Ich war nie verliebt“, war seine einfache Antwort.

Das Lied wechselte und wurde etwas schneller. Spike tanzte weiter und Buffy hatte nichts dagegen. Sie schwiegen jetzt beide und hingen ihren eigenen Gedanken nach.

Es störte weder ihn noch sie, dass es ihr Wohnzimmer war und sie neben ihrem Couchtisch tanzten, im Augenblick schienen sie vergessen zu haben, wo sie sich befanden.

Als das Lied endete und wieder ein langsames zu spielen begann, zog Spike Buffy an sich, schlang seine Arme um sie und lehnte seinen Kopf gegen ihren.

Buffy schloss die Augen. Ihr ging durch den Kopf, dass das etwas war, was sie nie mit einem der Männer, mit denen sie versucht hatte, eine Beziehung zu führen, getan hatte. Spike schien ihr vertrauter als irgendeiner dieser Männer.

Sicherlich, weil sie ihn seit 17 Jahren kannte, vor allem seine schlechten Seiten. Die guten hatte sie wahrscheinlich erst in der letzten Woche kennen gelernt und sicherlich war es auch, weil sie sich ihm gegenüber nicht verstellen musste.

Sie konnte die Person sein, die sie war – eine Mutantin. Und eigentlich konnte man in ihrem Zusammenleben in der letzten Woche durchaus eine Art Beziehung sehen. Natürlich eine, die sich hauptsächlich auf den Sex bezog, aber sie hatten auch jede Menge Zeit außerhalb des Bettes miteinander verbracht.

Etwas, was Buffy noch vor zwei Wochen nicht für möglich gehalten hätte.

Sie musste geseufzte haben, denn Spike küsste sie sanft auf die Haare und fragte belustigt. „Was ist los, Luv. Müde?“

Buffy hob ihr Gesicht zu ihm und lächelte. „Nein. Dein ganzer romantischer Abend hier macht mich etwas melancholisch... Und ich wünsche mir, ein vollkommen normaler Mensch zu sein.“

„Romantisch?“ grinste er. „Ich bin nie romantisch.“

„Haha“, machte sie sarkastisch.

Spike lachte leise auf, blieb stehen und nahm ihr Gesicht in seine Hände. „Ich würde deine Behauptung jetzt gern widerlegen, aber ich glaube...“ Er küsste sie und Buffy blieb fast das Herz stehen, als ihr aufging, was er vorhatte. „...ich muss die Romantik noch ein wenig verschärfen“, beendete er seinen Satz.

Ihre Hände griffen nach seinen Armen und sie wollte plötzlich alles, nur nicht hören, was er vorhatte zu sagen. „Nein...“, flüsterte sie.

Er grinste sein schelmisches Grinsen und ihre Knie wurden weich. „Ich liebe dich, Buffy“, sagte er weich, nahm ihre Hände in seine und sank vor ihr auf die Knie.

Buffy konnte ihn einfach nur hilflos mit halb geöffnetem Mund anstarren, als er ihre Hand küsste, mit diesen verfluchten blauen Augen zu ihr aufsah und den Kopf schief legte.

„Möchtest du meine Frau werden?“

Oh Scheiße! Wieso klang das so echt? „W-Wow“, stotterte sie völlig durcheinander.

„Das ist aber die falsche Antwort“, schimpfte er recht amüsiert.

Das war ganz verkehrt. Aber Buffy schaffte es trotzdem nicht, einen klaren Gedanken zu fassen. „W-was?“ brachte sie gerade so heraus.

Spike hatte es plötzlich gar nicht mehr so eilig aufzustehen. Die Verwirrung und Unsicherheit in ihrem Gesicht gefielen ihm viel zu gut. „Buffy, weder Wow noch W-was ist das, was ein Mann nach dieser Frage hören will. Also mach gefälligst mit.“ Sie sah ihn an, als hätte er den Verstand verloren. „Ja oder Nein“, half er ihr freundlich. „Und wage es nicht, Nein zu sagen. Mein Aufwand hier verdient ein Ja.“

„Gott“, murmelte sie, löste ihre Hand aus seinem Griff und fuhr durch seine Haare. „Du bist wirklich ein wenig verrückt, Spike.“ Das war eindeutig untertrieben.

Er schlang seine Arme um sie und lehnte seine Wange gegen ihren Bauch. „Komm schon“, bettelte er. „Spiel mit.“

Sie hob sein Gesicht zu sich an, beugte sich zu ihm und küsste ihn sanft. „Ja.“ Dann löste sie sich fast verlegen von ihm und ging zurück zu ihrem kleinen Tisch.

Spike stand auf und folgte ihr. Sie nahm ihr Weinglas in die Hand, lehnte sich gegen den Tisch und seufzte, als sie das Grinsen in seinem Gesicht bemerkte.

„Es war gut, ja?“ konnte er sich nicht verkneifen und blieb vor ihr stehen.

Buffy verzog das Gesicht und nippte wortlos an dem Wein. Natürlich war es gut gewesen und viel zu echt, um sie vollkommen kalt zu lassen.

„Du hattest Unrecht. Ich kann es doch sagen.“ Seine Zähne gruben sich in seine Unterlippe, als er sie herausfordernd ansah.

Buffy stellte das leere Glas auf den Tisch. „Ich gehe schlafen“, antwortete sie nur und schob ihn zur Seite.

„Was ist jetzt los?“ stöhnte er auf und war im nächsten Moment an ihrer Seite. „Dieser Wetteinsatz war deine Idee. Du kannst jetzt nicht beleidigt sein, weil ich das so klasse hinbekommen habe!“

Natürlich war es nicht seine Schuld. Sie selbst war so dumm, sich zu wünschen, er würde mehr für sie empfinden, als vielleicht Freundschaft und er würde nicht nur mit ihr ins Bett gehen, weil sie die einzige Mutantin auf dieser Welt war.

„Es war eine dämliche Idee“, sagte sie leise und hoffte, er würde nicht merken, welchen Nerv er getroffen hatte. „Du hast es toll hingekriegt. Und wir wissen jetzt beide, was für ein fantastischer Schauspieler du bist. Gute Nacht!“

Sie rauschte an einem völlig verdutzten Spike vorbei, die Treppen hinauf und er hörte ihre Tür knallen. Er verstand überhaupt nichts mehr und fuhr sich nachdenklich durch die Haare.

Seine Augen wanderten die Treppe hinauf, aber er war sich im Moment nicht sicher, ob er ihr folgen sollte oder nicht. Deshalb nahm er sein Weinglas, holte seine Zigaretten und setzte sich auf die Verandatreppe.

Es war dunkel geworden und die Sterne leuchteten an dem klaren Himmel. Gedankenverloren zog Spike an der Zigarette, während er hinauf starrte und den Kopf gegen das Geländer lehnte.

Er hatte getan, was sie verlangt hatte. Und es schien den ganzen Abend, als hätte sie ihren Spaß daran, ihn damit aufzuziehen, bestimmte drei Worte nicht aussprechen zu können. Weshalb war sie dann so überrascht, als er es doch tat?

Die Erinnerung an ihr Gesicht tauchte in seinem Kopf auf und er sah etwas wie Angst in ihren Augen, als ihr klar wurde, was er vorhatte. Warum Angst? Und plötzlich traf ihn die Erkenntnis wie ein Schlag.

Seine Augen schlossen sich und er biss die Zähne aufeinander. Er war ein Riesenidiot. Aber warum hatte sie gerade das gefordert?

Weil sie wollte, dass du dich ein wenig dämlich anstellst, gab er sich selbst die Antwort. Dummerweise hast du es nicht, sondern hast ihr gezeigt, wie es sein könnte, wenn sie ihr schönes sentimentales normales Leben hätte.

Er war ein Idiot.

Teil 22 

Buffy hatte ihr Kleid über den Kopf gezogen, es in die Ecke geworfen und war aufs Bett gefallen. Sie weinte nicht. Irgendwie schien der Punkt überschritten, an dem sie in Tränen ausbrach, sobald sie daran erinnert wurde, was sie nicht haben konnte.  

Sie konnte Spike nicht einmal einen Vorwurf machen. Er hatte seinen Teil der Wette erfüllt und das gut.  

Seufzend kroch Buffy unter die Bettdecke, rollte sich wie ein kleines Kind zusammen und zog die Decke bis an ihr Kinn.  

Ich sollte wirklich etwas gegen diese scheußliche Sentimentalität tun, sagte sie sich selbst und versuchte sarkastisch zu klingen. Einen Teil von seiner Bissigkeit könnte er mir ruhig abgeben. 

Dabei konnte sie nicht einmal behaupten, dass sie weniger ironisch und sarkastisch veranlagt war als er. Schließlich sprachen ihre Texte einen eigenen Stil, aber in dieser einen Sache war sie hoffnungslos verträumt.  

Sie starrte blicklos vor sich hin, merkte gar nicht, wie die Zeit verrann und bemitleidete sich selbst.  

Und sie war gar nicht erstaunt, als sich ihre Tür leise öffnete und Spike ins Zimmer trat. Es war nur der Mondschein, der das Zimmer erleuchtete, doch Spike sah, dass sie noch wach war und setzte sich auf die Bettkante. 

„Tut mir leid, Spike“, sagte sie leise. „Ich bin die bescheuerte sentimentale Ziege, als die du mich schon einmal bezeichnet hast.“ 

„Kann ich mit rein?“ war das einzige, was aus seinem Mund kam. 

Sie rutschte wortlos zur Seite, sah ihn seine Hosen ablegen, dann kroch er zu ihr unter die Bettdecke und schlang seine Arme um sie.  

Buffy schmiegte sich an ihn, fühlte seinen ihr mittlerweile so vertraut gewordenen Körper und kämpfte gegen die Tränen. Ihr Kopf lag an seiner Schulter und Spikes Hand strich über ihre Haare.  

„Als du es damals zu mir gesagt hast, Luv“, sagte er plötzlich. „...habe ich mich gefühlt, als hättest du mir ins Gesicht geschlagen. Ich wollte mich über dich lustig machen, dir ins Gesicht lachen und dir sagen, wie wunderschön rührselig ich das finde.“  

Er schwieg einen Moment und fühlte sie in seinen Armen erstarren. „Ich habe es nicht gekonnt, weil … nun, weil es mich berührt hat.  Egal, ob es ernst gemeint war oder nicht…“  

Seine Lippen pressten sich gegen ihre Haare. „Ich wollte dir nicht wehtun. Ich ahne, was in dir vorgeht und es tut mir mehr als leid, dass ich den ganzen Mist wieder hoch geputscht habe.“ 

Buffys Finger fuhren unter sein T-Shirt, strichen über die nackten Muskeln seines Bauches und sie flüsterte. „Ich hätte es nie verlangen dürfen. Ich kenne mich doch am besten und hätte ahnen müssen, dass ich anfange zu flennen, wenn du das wirklich so rüber bringst, dass ich es glaube.“ Sie fühlte sein Lächeln förmlich und schloss einen Moment die Augen. 

„Du hast nicht geweint“, sagte er dann. 

„Nein“, brummte sie. „Ein wenig Verstand habe ich noch.“ Ihre Finger streiften sein T-Shirt nach oben und sie senkte den Kopf, um mit den Lippen seinen Bauch zu berühren.  

Spike hielt die Luft an, als er ihre Zunge spürte, die zu seinen Brustwarzen wanderte und sie vorsichtig umzirkelte. „Was machst du da, Luv?“ hauchte er.  

„Ich muss mich daran erinnern, dass du und ich ein Sex-Beziehung führen“, murmelte sie gegen seine Haut.  

Eigentlich war das keine schöne Aussage, doch Spikes Körper reagiert. Als dann noch ihre kleine Hand seinen Bauch hinab fuhr und unter den Bund seines Slips huschte, schnappte er nach Luft. Seine Augen schossen sich und ein leises Stöhnen kam von seinen Lippen, als sie ihn in die Hand nahm.  

Buffy fühlte begeistert, wie er reagierte. Vielleicht war es, weil sie die Ablenkung jetzt brauchte oder weil sie einfach vergessen wollte, dass sie in wenigen Tagen wieder allein war.  

Er berührte sie nicht, es war wie an jenem Tag im Wohnzimmer. Seine Hände hatten sie losgelassen, griffen haltsuchend nach dem Bettlaken und sein Atem beschleunigte sich. Sie ahnte, dass er ihr Gelegenheit geben wollte, seinen Körper zu erforschen und sie lächelte. 

Es war das erste Mal, dass sie ihn auszog. Er richtete sich auf, als sie ihm sein T-Shirt über den Kopf streifte und als sie seinem Blick begegnete, schlang sie kurz ihre Arme um seinen Hals und küsste ihn wild.  

Er antwortete genau so hungrig, presste sie an sich und sie fühlte seine harte Erektion, die sich gegen ihren Oberschenkel drückte. Dann sank er auf das Bett zurück, sah ihr zu wie sie ihr T-Shirt zur Seite warf und seine Zunge fuhr über seine plötzlich trockenen Lippen.  

Der Drang, sich einfach auf sie zu werfen, wurde übermächtig, doch er kämpfte ihn nieder und zwang sich, einfach abzuwarten, was sie vorhatte.  

Buffy streifte ihren Slip ab, ließ ihn neben das Bett fallen und fuhr dann wieder mit den Fingern federleicht über seinen Bauch hinab zum Bund seines Slips. Er hob seine Hüften an, als sie den Slip seine Beine hinabstreifte, ihn ebenfalls fallen ließ, die Decke zur Seite stieß und wie ein kleines Raubtier seinen Körper hinauf krabbelte. 

Spike stöhnte auf, als sie den Kopf wieder zu seinen Brustwarzen senkte und seine Hand schlang sich um ihren Hals. Buffy rutschte zur Seite, damit ihre Finger seinen Körper berühren konnten und sie spürte, wie er sich unter den sanften Berührungen aufbäumte.  

Sie fühlte seine Hand, die sich in ihre Haare klammerte, als ihre Finger seinen Penis umschlossen und ihn zärtlich auf und ab strichen. Ein leises Lächeln huschte über ihre Lippen.  

Er fühlte sich gut an in ihrer Hand, warm und hart und sie wunderte sich, weshalb sie bei keinem der anderen Männer die Gelegenheit bekommen hatte, das zu tun. Neugierig legte sie ihre Wange auf seine Brust und beobachtete das Spiel ihrer Finger.  

Er schien noch größer zu werden in ihrer Hand und Spikes unterdrücktes Stöhnen sagte ihr, dass es ihm gefiel. Das Echo seiner Erregung meldete sich zwischen ihren Beinen und sie fühlte den Druck, den das Teil in ihrer Hand so gut beseitigen konnte. 

„Luv…“, flüsterte Spike gequält. 

Sie presste ihre Lippen auf seinen Bauch, tröstend, und fühlte, wie sich die Hand in ihren Haaren verkrampfte. Und übergangslos spürte sie seine Spannung, es war eine Art Elektrizität, die die Luft aufzuladen schien und sie hob ihren Kopf. 

Spike sah sie mit halb geöffnetem Mund an, in seinen Augen eine Mischung aus Fassungslosigkeit und mühsam unterdrückter Erregung. Ein Schauer rann ihren Rücken hinab und er schnappte nach Luft, als sich ihre Finger fester um ihn schlossen. 

„Luv“, hauchte er wieder, diesmal eindeutig fasziniert. 

Buffy senkte ihren Kopf wieder, strich mit den Lippen über seinen Bauch und fühlte wie sich seine Muskeln unter ihr zusammenzogen. In ihrer Erinnerung stiegen die Gefühle hoch, die sie übermannten, wenn er mit dem Kopf zwischen ihren Beinen verschwand und sie holte tief Luft.  

Es schien ihm ähnlich zu gehen, obwohl er nicht einmal sicher sein konnte, dass sie tat, was er sich gerade vorstellte. Mit einem leisen Lächeln ließ sie ihre Zunge heraus schnellen und fuhr über seinen Bauch abwärts.  

Ihre Hand umfing noch immer seinen harten Schaft und als sie den Kopf hob und seinen vom Verlangen getrübten Blick begegnet, fühlte sie die Macht, von der er gesprochen hatte. Er bettelte wortlos, allein mit seinen Augen und ein Schauer rann durch ihren Körper. 

Vorsichtig ließ sie ihre Zunge über seine Eichel gleiten, testete seinen Geschmack und stellte fest, dass es gar nicht unangenehm war. Er schnappte nach Luft und bäumte sich auf, doch sie drückte ihn auf das Bett zurück und flüsterte. „Hilf mir.“ 

„Du machst das schon... richtig...“ Er konnte die Worte kaum formen. 

Buffy öffnete ihre Hand, um mit der Zunge an der Ader der Unterseite entlang zu fahren und dann an der anderen Seite wieder nach oben, erkundete jede Kurve, während sie ihn weiterhin in der Hand hielt. Sie konnte fühlen, wie er darum kämpfte, seine Hüften still zu halten. Seine Hand hatte ihre Haare losgelassen und krallte sich in das Bettlaken, sicherlich, weil er ahnte, er würde sie drängen, wenn er es nicht täte. Sie fuhr fort, ihn zu erkunden, langsam und neugierig. 

„Gott, Luv“, keuchte er erstickt. „Bitte...“ 

„Was?“ Sie schaute überrascht hoch. 

„Nimm ihn... in den Mund...“, brachte er heraus und sein Kopf sank zurück, als sie sich über ihn beugte.  

Ein Seufzen entrang sich seinem Mund, als ihre Zunge an seinem Schaft entlang fuhr und sich ihre Lippen über den Kopf stülpten. Sie bewegte sich langsam abwärts und fragte sich neugierig, wie viel von ihm sie aufnehmen konnte. 

„Denk an... die Zähne“, murmelte er leise. 

Sie öffnete ihren Mund ein wenig, so dass ihn nur noch ihre Lippen umschlossen als sie fort fuhr. Seine Hand hob sich wieder, legte sich nur auf ihren Kopf und fuhr durch ihre Haare. „Das ist…toll, Luv“, stieß er hervor wie um ihr Mut zu machen. „Verdammt ...toll...“ 

Seine Hand führte sie, leitete sie wieder aufwärts und wieder abwärts. Es war Wahnsinn, noch dazu, weil es das allerletzte war, womit er gerechnet hatte.  

Ihr heißer Mund umschloss ihn, schnell fand sie den richtigen Rhythmus und Spike kämpfte gegen die sich verabschiedende Beherrschung. Er wollte sie nicht erschrecken.  

Eigentlich war jetzt der Zeitpunkt gekommen, an dem er andere Frauen dazu gebracht hatte, aufzuhören, aber da es jetzt Buffy war und keine Gefahr bestand, eine unangenehme Überraschung zu erleben, kämpfte er gegen sich selbst. Weil es durchaus sein konnte, dass die Überraschung sie erschreckte. 

„Buffy“, stieß er hervor und stoppte mit der Hand die Bewegungen ihres Kopfes. „Hör auf...“ Er klang scheußlich und wollte eigentlich alles nur nicht, dass sie aufhörte. 

Sie sah ihn erstaunt und unsicher an. „Warum?“ 

„Wenn nicht...“ brachte er zwischen den keuchenden Atemzügen heraus. „Musst du dich entscheiden, ob du schluckst oder...“  

Sie wurde rot und er schloss die Augen, weil sie einfach nur süß aussah und er glaubte zu sterben, wenn sie nicht gleich etwas tat. Und dann senkte sie ihren Kopf wieder und Spike schnappte nach Luft. 

„Gott, Luv!“ fluchte er und seine Hand verkrampfte sich in ihren Haaren. „Erinnere dich... an... meine Warnung...!“ 

Seine Hüften bäumten sich gegen seinen Willen auf, als er kam und im gleichen Moment, in dem sein mentaler Orgasmus ihren Kopf erreichte, fühlte sie seinen Samen in ihrem Mund.  

Sie hatte damit gerechnet, weil sie es gelesen hatten und trotzdem schreckte sie überrascht zurück. Schluckend kämpfte sie um die Kontrolle, die ihr zu entgleiten drohte, weil seine Ekstase durch ihren Geist raste und sie zittern ließ.

Spikes Hand hielt ihren Kopf fest, sie fühlte sein Beben, fühlte wie er sich einfach gehen ließ, sich ihr hingab und das Gefühl von Macht kehrte zurück.  

Sie schluckte mehrmals, fühlte ihn dann erschlaffen und hob den Kopf. Übergangslos bäumte er sich auf, warf sie auf den Rücken und seine Lippen lagen auf ihrem Mund, ehe sie dazu kam, einen klaren Gedanken zu fassen.  

Seine Zunge drängte zwischen ihre Zähne, kostete den Geschmack von sich selbst und sein Stöhnen erinnerte schon fast an ein Knurren. Ein unbändiger Stolz stieg in ihr auf und musste in ihren Augen zu lesen sein, als er den Kopf hob.  

Er lächelte ebenfalls, fuhr mit der Zunge um ihre Lippen, als wolle er die letzten Reste, die sich von ihm noch dort befanden, ablecken. „Fantastisch, Luv“, flüsterte er begeistert und küsste sie wieder.  

Sie musste lachen, als sein Kopf diesmal ihren Körper abwärts wanderte. Er hob ihn und sah grinsend zu ihr hoch. „Ich denke, ich muss zusehen, dass du in den gleichen Genuss kommst, okay?“ 

                                  **************** 

Es war sehr viel später, nachdem sie sich noch einmal richtig geliebt hatten, als sich Buffy wieder an ihn kuschelte und müde die Augen schloss. Auf Spikes Gesicht lag noch immer ein seliges Grinsen und obwohl sie es nicht sehen konnte, schien sie es doch zu spüren.  

„Ich will dieses blöde Grinsen jetzt nicht jeden Tag sehen, wenn du mich anschaust“, brummte sie. 

„Das wird sehr schwer, Luv“, kicherte er und presste seine Lippen gegen ihre Haare. „Ich bin so wahnsinnig stolz auf dich.“ 

Buffy hob den Kopf. „*Ich* bin stolz auf mich.“ 

Er küsste sie begeistert. „Hat es dir gefallen?“ 

Sie vergrub ihr Gesicht an seiner Brust und murmelte undeutlich. „Hm... schon...“  

Spike lachte leise. „Schön. Sonst wäre es nämlich für mich nur halb so Klasse.“ 

„Es war nicht eklig…so wie ich dachte“, gab sie verlegen zu, ohne den Kopf zu heben. 

Kichernd strich er über ihren blonden Locken, schloss die Augen und fühlte sich himmlisch. Sie kuschelte sich an ihn, als wäre es die normalste Sache der Welt und nicht etwas, wegen was sie ihn vor nicht einmal zwei Wochen noch als komplett durchgeknallt bezeichnet hätte. Und es fühlte sich einfach richtig an, sie im Arm zu halten. 

„Luv“, fragte er nach einer Weile leise.  

„Hm?“ Sie klang müde und er erinnerte sich, dass sie am nächsten Tag wieder auf Arbeit musste. 

„Ich finde, wir beide passen sehr gut zusammen. Was wäre anders bei der Beziehung, die du dir so wünschst?“  

„Was?“ Sie hob überrascht den Kopf. Er sah nicht aus, als würde er einen Witz machen, sondern einfach nur neugierig. „Ich verstehe nicht…“ Ihre Stimme verklang, weil sie genau wusste, was er meinte und ihr Kopf sank wieder gegen seine Schulter. „In meiner Traumbeziehung gibt es Liebe“, sagte sie einfach.  

Er schwieg eine Weile und Buffy rechnete schon gar nicht mehr damit, dass er noch etwas sagen würde. „Warst du verliebt? In einen der drei?“ 

„Ich habe es geglaubt…“ Sie hörte sich an, als wäre sie mit ihren Gedanken sehr weit weg. „Ein wenig schon, denke ich…“ Dann hob sie den Kopf und sah in sein vom Mondlicht beleuchtetes Gesicht. „Worüber zum Teufel denkst du nach?“ erkundigte sie sich mit gerunzelter Stirn. 

„Ich war einmal dabei, als ein Mann zu seiner Freundin sagte, dass er sie liebt und im gleichen Atemzug darüber nachdachte, wo er am billigsten ein bestimmtes Ersatzteil für sein Motorrad her bekam. Und das ist kein Einzelfall.“ Er strich gedankenverloren über ihr Gesicht. „Die Menschen lügen sich an, besonders in dieser Hinsicht.“ 

„Was genau willst du eigentlich sagen?“ 

„Vielleicht gibt es die Liebe gar nicht, von der du träumst“, murmelte er leise und sah sie schwach lächeln. Er zog sie an sich, küsste sie kurz und fühlte wie sie wieder mit dem Kopf auf seine Schulter sank. „Wenn ich dich im Arm halte, fühle ich mich wohl.“ 

Buffy Augen schossen auf, doch sie rührte sich nicht, weil er fast wie zu sich selbst sprach. 

„Ich hatte das Gefühl noch nie, weißt du. Ich könnte einfach so liegen, dich im Arm halten und den Rest der Welt vergessen.“ Seine Finger spielten mit ihren Haaren. „Und wenn du nicht da bist, denke ich an dich. Ganz schön bescheuert…“ 

Ihre Zähne gruben sich in ihre Unterlippe und sie hoffte, er würde das Klopfen ihres Herzens nicht hören. Dann fühlte sie seine Lippen auf ihrer Stirn. 

„Ich werde dich vermissen“, flüsterte er und er klang nicht einmal so, als erwarte er eine Antwort. Er sprach einfach aus, was ihm durch den Kopf ging. „Schlaf gut, Luv.“ 

Sie schlang ihren Arm um ihn, während sie gegen die Tränen in ihren Augen kämpfte. Doch sie antwortete nicht, sondern schloss ihre Augen wieder, schmiegte sich an ihn und hoffte, trotz seiner Worte schlafen zu können. Ich werde dich vermissen…

Teil 23

Spike blieb noch zwei Tage. Buffy weigerte sich, genauer über seine Worte nachzudenken, weil sie dann zumindest sich selbst gegenüber hätte zugeben müssen, dass diese Gefühle ausdrückten, die er doch eigentlich ablehnte. Sie nahm sogar an, dass es Spike nicht bewusst war, vielleicht nicht einmal, was er da eigentlich gesagt hatte.

Doch durch ihren Kopf kreiste es. Und sie fragte sich: Was ist Liebe eigentlich? Ist Liebe so wie sie in ihren Büchern beschrieben stand? So wie sie es sich vorgestellt hatte?

Auf Arbeit erwischte sie sich dabei, dass sie auf ihren Bildschirm starrte, gar nichts tat und grübelte. Sie hatte geglaubt, die Männer zu lieben, mit denen sie den Versuch einer Beziehung startete.

Jetzt war ihr klar, dass sie für keinen der drei und auch nicht für Riley etwas empfunden hatte, was nur annähernd mit dem zu vergleichen war, was sie fühlte, wenn Spike sie ansah oder berührte. Spike konnte alles in ihr auslösen: Ärger, Zorn, Wut, Freude, Lust und Verlangen. Und das in einer Stärke, wie sie es noch nie erlebt hatte. In seinen Armen konnte sie sie selbst sein. In seinen Armen konnte sie vergessen.

War das Liebe? Sie wusste, dass sie ihn vermissen würde. Die letzten zwei Wochen hatten ihr gezeigt, wie es sein konnte, wenn man mit jemanden zusammen lebte.

Es gefiel ihr und sie bedauerte, dass sein Urlaub zu Ende war. Auch wenn SECRET ONE sich kaum vier Autostunden von Sunnydale entfernt befand, war nicht abzusehen, wann Spikes Arbeit es zulassen würde, ihr wieder einen Besuch abzustatten. Und sie weigerte sich strikt, SECRET ONE jemals wieder zu betreten.

Und sie weigerte sich genau so strikt, ihre Gefühle für ihn als Liebe zu bezeichnen. Verlangen, ja. Sexuelle Anziehung, ja. Zuneigung… okay. Aber Liebe?

Gedankenverloren kaute sie auf ihrem Kugelschreiber, als sie sich an seine Frage in dieser Nacht erinnerte. Was wäre in dieser Beziehung, die sie sich immer gewünscht hatte, anders? Ihr Kopf sank auf ihre Hand und sie seufzte leise, als sie sich selbst die Antwort gab: Gar nichts.

Ich bin so komplett blöd, ging es ihr durch den Kopf. Gewaltsam zwang sie sich, sich wieder mit ihrer Arbeit zu beschäftigen. Spike würde morgen früh fahren und es stand in den Sternen, wann sie ihn wieder sah.

Er würde sie vermissen. Na und? Natürlich würde er sie vermissen, weil sie die einzige Person war, mit der er tollen Sex haben konnte. Deshalb würde sie ihn auch vermissen. Und zwar nur deshalb!

Es klang selbst in ihrem Kopf bescheuert und sie seufzte wieder. Was war schlimmer? Sich gar nicht zu verlieben oder sich in den einzigen Mann verlieben, der sich weigerte, jemals über Liebe nachzudenken?

**********

Spike erwachte, als Buffys Wecker klingelte und hörte, wie sie sich seufzend die Decke über den Kopf zog. Er schlang seine Arme um sie und küsste sie kurz auf den Hals. „Frühstücken wir noch gemeinsam?“

„Hm“, brummte sie nur zustimmend und überlegte, ob sie sich nach dieser Nacht vielleicht krank melden sollte.

Sie hatten nicht über die Zukunft gesprochen. Kein einziges Wort. Das einzige, was sie in dieser Nacht getan hatten, war vergessen, dass sich ihre Wege am nächsten Tag trennen würden. Sie hatten sich geliebt, als gäbe es kein Morgen. Buffy wusste jetzt nicht mehr wie oft sie seinen und er ihren Namen geschrieen hatte.

Sie klammerten sich aneinander und gingen auf in der Ekstase, wenn sich ihre Gedanken verbanden. Es war gegen Morgen, als sie erschöpft voneinander ließen, Spike sie an sich zog und sie endlich einschliefen.

Und es erschien ihr unwahrscheinlich kurz bis zu dem Zeitpunkt, an dem der Wecker klingelte.

„Ich will nicht aufstehen“, murmelte sie und fühlte seinen nackten Körper in ihrem Rücken.

„Ich auch nicht“, flüsterte er und sie wussten beide, dass sie das eigentliche Aufstehen nicht meinten. „Aber ich muss.“

„Ja“, seufzte sie und warf endlich die Decke zur Seite.

Spike blieb liegen bis sie aus dem Bad zurückkam. Er hörte sie schweigend in ihrem Schrank kramen, sich anziehen und dann die Treppe hinunter gehen und stand ebenfalls endlich auf.

Eigentlich hatte er noch Zeit. Es würde reichen, wenn er gegen Mittag fuhr, doch er wollte einfach noch ein wenig Zeit mit ihr verbringen.

Buffy lächelte schwach, als er endlich in die Küche kam, die Haare verstrubbelt und noch nass. Er erwiderte ihr Lächeln genau so schwach.

„Ab morgen wird mein Kühlschrank wieder leer werden“, versuchte sie zu scherzen, als sie ihm Kaffee einschenkte.

„Mit dem, was ich gehortet habe, kommst du eine Weile hin“, murmelte er, ohne sie anzusehen. „Du solltest wirklich endlich kochen lernen. Sonst muss ich jemanden einstellen.“

Sie setzte sich an den Küchentisch. „Ich und der Herd stehen auf Kriegsfuß“, erklärte sie spöttisch. „Die Lieferservice hier im Umkreis finden das sehr gut.“

„Buffy?“ Er hob endlich den Kopf und sah sie an.

„Hm?“

„Kann ich... dich anrufen? Ich meine, einfach so, nur um zu wissen, wie es dir geht?“ erkundigte er sich zögernd und klang fast unsicher.

Buffy sah ihn eine Weile ernst an. „Du hättest mich in all den Jahren immer anrufen können. Du bist mein Stiefbruder.“

„Du hast mich auch nie angerufen. Außer als... Mom und Dad starben...“, entgegnete er. „Du weißt, dass ich das nicht meine.“

„Nein?“

„Nein!“ fuhr er auf und kippte ärgerlich seinen Kaffee hinunter. „Ich kann nicht sagen, was in SECRET ONE auf mich wartet, wohin mich mein nächster Auftrag führt und wie lange er dauern wird. Ich möchte einfach nur wissen, ob du dich über einen Anruf freuen würdest!“

„Spike, mir ist vollkommen klar, dass ich dich eine ganze Weile nicht sehen werde, wenn du heute aus dieser Tür gehst“, sagte sie sanft.

„Das ist nicht die Antwort auf meine Frage!“

„Ich werde nicht hier sitzen, mir die Augen aus dem Kopf weinen und auf einen Anruf von dir warten. Ich werde mein Leben weiter leben.“ Sie sah, wie sich seine Augen verhärteten und ihre Kehle schnürte sich zu. „Es wäre schön, ab und zu mit dir zu telefonieren“, setzte sie noch hinzu.

„Du weißt“, begann er dann noch immer zögernd, „...dass noch immer die Möglichkeit besteht, dass du...“

„Nein!“ unterbrach sie ihn scharf.

Spike warf entnervt sein Messer auf den Tisch. „Buffy, mit diesen Kräften wurde dir eine große Verantwortung übergeben...“

„Ich habe sie mir nicht gewünscht!“

„Du hast sie aber! Und du solltest zumindest darüber nachdenken, ob es nicht deine Pflicht wäre, die Macht, die du besitzt, für etwas Gutes einzusetzen.“ Er griff nach ihrem Handgelenk, als sie aufstehen wollte. „Setz dich hin und hör mir zu. Ich glaube an das, was ich tue. Ich weiß, dass es Menschenleben rettet und dass es dazu dient, das Verbrechen zu bekämpfen. Du kannst das Gleiche, Luv. Du bist genau so stark wie ich. Zusammen sind wir unschlagbar. Wir brauchen dich.“ Ihre Lippen pressten sich zusammen und er setzte leise hinzu. „Ich brauche dich.“

Buffy riss ihre Hand von ihm los und sprang auf. Sie zitterte am ganzen Körper und stieß hervor.

„Du bist einfach nur selbstsüchtig! Dich hat es jahrelang nicht interessiert, dass es außer dir noch einen weiteren Mutanten auf dieser Welt gibt. Es gibt nur einen einzigen Grund, aus dem du möchtest, dass ich dich begleite!“ Tränen traten in ihre Augen, doch sie kämpfte gegen die Verzweiflung, die in ihr hochstieg. „Weil du mich in deinem Bett willst!“

„Das ist nicht wahr!“ knirschte er durch die Zähne hindurch und stand ebenfalls auf. „Verflucht, du magst mich genau so gern in deinem Bett!“

„Ich frage dich nicht, ob du deinen Job aufgibst und hier bleibst! Ich weiß, dass das nicht möglich ist!“ Sie schnappte sich ihre Jacke vom Haken, langte nach den Autoschlüsseln und stürzte zur Tür.

Spike war schneller dort als sie und blockierte den Ausgang. „Würdest du es wollen?“

„Was?“ fauchte sie gereizt.

„Dass ich hier bleibe?“

„Du lebst für diesen Job, Spike, du kannst nicht hier bleiben! Ich würde nie etwas Derartiges verlangen! Und das ist auch nicht der Punkt!“

„Sondern?“ fragte er stirnrunzelnd.

„Der Punkt ist, dass du einzig und allein aus eigennützigen Gründen fragst. Dich interessiert ein zweiter Mutant nicht. Gut, das ist eine schöne Ausrede, aber du würdest dieses Angebot genau so machen, wenn ich der einzige normale Mensch wäre, mit dem du ordentlichen Sex haben kannst!“ Sie wollte ihn zur Seite schieben, doch er fing ihre Hände und zog sie an sich.

„Buffy, bitte geh jetzt nicht so wütend. Ich hatte gehofft, über diesen Punkt sind wir hinweg“, bat er leise.

Buffy blinzelte, um die Tränen zu vertreiben, die noch immer in ihren Augen glitzerten. „Ich bin nicht wütend, ich bin enttäuscht.“

Seine Lippen waren auf ihrem Mund, ehe sie überhaupt den Gedanken an Gegenwehr formen konnte. Und egal wie wütend sie war, ihr Körper reagierte auf ihn, ohne dass sie darauf einen Einfluss hatte. Sie spürte seine Zunge, seinen ihr so vertraut gewordenen Geschmack und hätte weinen können.

Spike riss seinen Kopf von ihr los und stieß atemlos hervor. „Du willst mich genau so wie ich dich! Hör auf, es abzustreiten oder dich selbst zu belügen, Luv! Wir brauchen uns gegenseitig!“

Sie stemmte die Hände gegen seine Brust. „Lass mich gehen, Spike.“

Spike umfing ihre Oberarme und schüttelte sie. „Hör endlich auf zu träumen! Ich habe nicht vor, aus deinem Leben zu verschwinden! Eigentlich ist es doch das, was du immer wolltest: eine Beziehung!“

„Ich kann auf eine Beziehung verzichten, wenn alles, was du willst, mein Körper ist!“ schrie sie ihm ins Gesicht und stieß ihn von sich. „Zu etwas, was man Beziehung nennen kann, gehört mehr als Sex!“

„Wir hatten mehr als Sex in den letzten 14 Tagen!“ schrie er zurück. Sie sah ihn stumm an, ohne sich zu rühren und Spike fluchte leise.

Buffy wandte ihren Blick auch nicht ab, als sie ruhig fragte. „Könntest du dir vorstellen, dich in mich zu verlieben?“

„Was?“ Seine Stimme klang schwach, kaum wie er selbst und etwas wie Angst flackerte in seinem Blick.

Sie lächelte traurig, schob ihn zur Seite und öffnete die Tür.

Spike rührte sich nicht, seine Augen folgten ihr, als sie an ihm vorbei hinaus in die Sonne ging. „Buffy...?“ hörte sie ihn leise.

Sie blieb stehen, ohne sich umzudrehen und sagte nur. „Ich beginne, mich in dich zu verlieben, Spike. Und ich weiß nicht, ob ich das durchstehe. Ich glaube nicht, dass ich das auf Dauer ertragen kann. Leb wohl.“

Sie sah weder sein fassungsloses entgeistertes Gesicht, noch den Schmerz in seinen Augen, weil die Tränen anfingen zu laufen und sie halb blind zu ihrem Auto stürzte, die Tür aufriss und hinein fiel.

Spike blieb einfach im Türrahmen stehen, als hätte ihn eine Starre befallen und seine Augen folgten ihr, ohne dass er so richtig begreifen konnte, was sie ihm gerade gesagt hatte. Sehr viel später sank seine Stirn gegen das warme Holz und er schloss die Augen.

**********

Er war weg, als sie am Abend nach Hause kam. Natürlich hatte sie damit gerechnet, er wurde in SECRET ONE erwartet, aber es tat trotzdem weh. Ein einsamer Zettel lag auf dem Küchentisch und die Tränen traten schon wieder in ihre Augen, als sie seine Handschrift erkannte: Verzeih mir.

Wütend knüllte sie den Zettel zusammen, sank auf den Küchenstuhl und fing an zu weinen. All die Tränen, die sie in den vergangenen Jahren verborgen hatte, die sie nicht geweint hatte, weil sie nur sich selbst bemitleidete, stürzten jetzt aus ihren Augen und sie fragte sich, ob sie nicht glücklicher gewesen war, als sie all das nicht kannte, was sie und Spike gemeinsam getan hatten.

Es dauerte eine Weile, ehe sie sich aufraffte und sich einredete, er wäre keine ihrer Tränen wert. Sie hätte gern Anya angerufen, schreckte jedoch davor zurück, weil sie nicht daran erinnert werden wollte, dass Anya in ihrer Jugend ebenfalls mit Spike geschlafen hatte.

Sie wollte an gar nichts mehr erinnert werden, was sie mit ihm in Verbindung bringen konnte.

Die nächsten Tage wurden die Hölle. Immer wieder fixierte sie das Telefon, wünschte sich, dass es klingelte und nahm nicht ab, wenn es das dann tatsächlich tat.

Der Anrufbeantworter schaltete sich ein und sie blieb mit bleichem Gesicht auf ihrer Couch sitzen, wenn er sich wieder ausschaltete und niemand darauf gesprochen hatte. Manchmal fühlte sie sich versucht, das Telefon in die Hand zu nehmen und ihn anzurufen, doch ihr eigener Stolz hinderte sie daran.

Außerdem stand sowieso nicht fest, ob sie ihn erreichen würde, da ihr nur die Nummer seiner Kabine in SECRET ONE bekannt war.

Und in den Nächten, wenn sie allein in ihrem Bett lag und wieder einmal von ihm träumte, verwünschte sie sich selbst und ihre Dummheit.

Sie versuchte sich abzulenken, indem sie die Arbeit an der ersten Kolumne begann und wie um sich selbst zu verspotten, legte sie ihren ganzen Sarkasmus in ihre Texte.

Vierzehn Tage später erschien der erste Daily-Mirror mit ihrem Beitrag und die Redaktion ihrer kleinen Tageszeitung wurde mit Leserbriefen überschwemmt. Dazu kam die Post, die ihr vom Mirror zugesandt wurde und ein Teil ihrer Traurigkeit löste sich auf, als sich selbst ein Lindsey McDonald persönlich bei ihr meldete und zu dem Erfolg gratulierte.

Am Abend dieses Tages war das erste Mal seit Spikes Abreise, dass sie ausging und sich von Wesley und Riley zu einer kleinen Erfolgsfeier einladen ließ. Die beiden waren mehr als enthusiastisch, weil sich der Umsatz ihrer Zeitung schlagartig erhöhte und plötzlich viele Leser nach Artikeln von Buffy Summers fragten.

Wesley meinte noch scherzhaft, dass Buffy bitte noch nicht auf die Idee kommen sollte, seine Zeitung zu verlassen und Buffy kam zum ersten Mal seit langer Zeit der Gedanke, wirklich einfach alles hinter sich abzubrechen und zu verschwinden.

Sie tat es natürlich nicht. Schließlich war es die erste Kolumne und sie hatte nur einen Vertrag über drei weitere unterschrieben. Aber ihr wurde wieder einmal bestätigt, dass das etwas war, was sie wirklich konnte: Schreiben.

Allerdings schaffte sie es noch immer nicht, das Telefon abzunehmen, wenn es klingelte, sondern wartete, bis sich der Anrufbeantworter einschaltete und sie feststellte, dass es nicht Spike war.

Sie nannte sich selbst lächerlich und dumm, aber trotzdem klopfte ihr Herz noch immer wie verrückt, wenn das Telefon klingelte und sie fühlte fast etwas wie Enttäuschung, wenn es dann doch nicht Spike war.

Vielleicht, ging es ihr später durch den Kopf, hatte ihn ihr Sprechen von Liebe derart abgeschreckt, dass er ganz schnell vergessen hatte, wie toll der Sex war und legte schon wieder fleißig irgendwelche anderen Frauen flach.

Dieser Gedanke tat ihr noch mehr weh als alles andere und sie stürzte sich eifriger in ihre Arbeit als je zuvor. Auch ihre zweite und dritte Kolumne wurde ein voller Erfolg und die Berge an Leserbriefen, die beantwortet werden mussten, wurden immer größer.

Buffy merkte kaum, wie schnell die Zeit verging, sie vergrub sich in ihre Arbeit, störte sich nicht an Wesleys und Rileys manchmal eigenartigen Blicken oder deren Aufmunterungsversuchen, wenn sie sie zu einem Mittagessen oder einem Abendessen einluden.

Zwei Monate vergingen, in denen sie nichts von Spike hörte oder sah. Sie redete sich ein, es würde ihr nichts ausmachen. Trotz dem sie sein Angebot abgelehnt hatte, unterbreitete McDonald ihr einen Vertrag für weitere Kolumnen und sie nahm an, weil der Erfolg und die vielen Leserbriefe sie von ihren eigenen Problemen ablenkten.

Sie konnte sich mit Arbeit sehr gut ablenken. Aber nachts, wenn sie allein war in dem großen Haus, kamen die Träume, gegen die sie machtlos war.

Sie konnte sich an jede Geste von ihm erinnern, an das Gefühl seiner Lippen und seiner Hände auf ihrer Haut und sie fluchte jedes Mal aufs neue, wenn sie aufwachte und ihr Körper zitterte, weil die Erregung des Traums nicht abflaute.

Und sie probierte es aus, das, was der Frau in dem Buch so gefallen hatte: sie berührte sich selbst, stellte sich in ihrer Fantasie eine Menge hübscher Männer vor, die keinerlei Ähnlichkeit mit Spike hatten und scheiterte jedes Mal aufs neue.

Es war sein Grinsen, der Blick aus seinen blauen, so leidenschaftlichen Augen und der Gedanke an seine Berührungen, die sie jedes Mal über die Kante schubsten.

Und sie hasste ihn dafür.

Teil 24

„Alles Gute zum Geburtstag!“

Buffy lächelte, als ihr eine strahlende Anya um den Hals fiel. „Danke, An“, flüsterte sie.

„Wie schön, dich endlich wieder lachen zu sehen“, neckte Anya sie. „Kein Mann ist es wert, zu lange um ihn zu trauern.“

Buffy lächelte weiter, obwohl sich ihr Herz wieder zusammen zog. Sie hatte Anya letztendlich von sich und Spike erzählt. Es war sowieso nicht zu verbergen, mit welcher Trauermiene sie durch die Gegend lief.

Anya hatte sich wie eine gute Freundin verhalten, hatte sie getröstet, zusammen mit ihr Eis gegessen und auf alle Männer und speziell einen geschimpft.

Jetzt trat Anya lachend an ihr vorbei ins Haus und Buffy konnte ihren Mann Xander begrüßen, der hinter ihr gewartet hatte. „Hallo, Xander.“

„Alles Gute, Buffy.“ Xander umarmte sie ebenfalls. „Wesley und Riley schon da?“

Buffy nickte. „Wesley hat seine neue Freundin mitgebracht. Geh bloß nicht so offensichtlich darauf ein, wie jung sie ist“, flüsterte sie kichernd.

„Schätze, das macht meine Frau schon“, murmelte Xander. Er folgte Buffy ins Wohnzimmer, begrüßte die beiden Männer und die junge Frau, die sich als Dawn vorstellte.

Buffy war froh, endlich einmal wieder andere Menschen in dem Haus zu haben und beschloss, demnächst immer einmal wieder eine Party zu veranstalten. Leisten konnte sie sich jetzt eine Menge mit den zusätzlichen Einnahmen aus den Veröffentlichungen ihrer Kolumnen.

„Außerdem haben wir noch mehr zu feiern“, rief Wesley und stand auf. „Der Daily Mirror veröffentlicht morgen Buffys 10. Kolumne und das ist schon eine Feier wert!“

Riley zog Wesley zurück auf die Couch. „Und für den Sunnydale-Kurier ist es noch viel mehr wert…“

Buffy fühlte sich endlich einmal wieder wohl. Sie hatte Essen in einem nahe gelegenen Restaurant bestellt, das bei allen gut ankam und je später es wurde, umso lustiger wurden ihre Gäste.

Selbst ihr Lachen klang endlich wieder wie ihr eigenes. Entgegen ihren Befürchtungen versuchte Riley nichts, was sie als Annäherungsversuch auffassen konnte, auch wenn sie seine Blicke manchmal spürte.

Sie hätte sich gewünscht, dass er genau wie Wesley eine Freundin mitbrachte, aber genau so wenig wie sie über Spike, konnte er vielleicht nicht über sie hinweg kommen.

Etwas melancholisch nippte sie an ihrem Wein, lauschte den Gesprächen der anderen und hing ihren Gedanken nach.

Bis es klingelte.

„Oh“, fuhr Anya auf. „Erwartest du noch jemanden?“

Buffy stellte ihr Glas auf den Tisch und hoffte, niemand würde bemerken, dass ihre Hand zitterte.

„Nein“, sagte sie zögernd, als sie die Blicke der anderen auf sich spürte. Sie erwartete zumindest keinen, der klingeln würde.

Anya sah sie zwar komisch an, hielt jedoch den Mund und Buffy war froh darüber. Ihr Herz klopfte sowieso schon genug und sie nahm an, dass sie fürchterlich blass war, als sie an der Tür ankam.

Es war, als müsste sie sich selbst Mut zusprechen. Und dann öffnete sie die Tür und ihre ganzen guten Vorsätze brachen übereinander zusammen, als dort tatsächlich ein etwas verlegen aussehender Spike stand, der die Hände in den Hosentaschen vergraben hatte und sie mit schief gestelltem Kopf fast schüchtern ansah.

„Happy Birthday, Luv“, sagte er leise, während seine Augen ihr Bild in sich aufsogen. Sie schien schmaler geworden zu sein und sie trug das rote Kleid, das sie auch an jenem Abend, als er die Wette verloren hatte, trug.

Fast schmerzhaft stieg die Erinnerung in seinen Kopf und er musste darum kämpfen, sie nicht einfach in seine Arme zu reißen.

„Oh Gott“, schluchzte Buffy auf und schlug sich die Hand vor den Mund. All das, was sie über zwei Monate erfolgreich verdrängt hatte, stieg in ihr hoch und mit der Erinnerung kamen die Tränen.

Spike sah bloß die Tränen und sagte sich, dass ihm egal war, ob sie ihn gleich wieder von sich stoßen würde. Wortlos machte er einen Schritt auf sie zu, schlang seine Arme um sie und fühlte sie gegen seine Brust sinken.

Sie wehrte sich nicht und sie stieß ihn auch nicht von sich und er atmete einen Moment tief den Duft ihrer Haare ein, der ihm genau so schmerzlich vertraut war wie der Rest von ihr.

Beruhigend strich seine Hand über ihre Haare, während er sinnlose Worte, die weder er noch sie registrierte, in ihr Ohr murmelte.

Über ihren Kopf hinweg sah er Anya in der Tür zum Wohnzimmer auftauchen. Die junge Frau erstarrte, ihr Blick traf Spikes und sie drehte sich, ohne etwas zu sagen, wieder um und ging ins Wohnzimmer zurück.

Es dauerte noch eine ganze Weile, ehe sich Buffy beruhigte und den Kopf hob und ihn im nächsten Moment von sich stieß. „Du Scheißkerl!“

„Kann ich rein kommen?“ fragte er sanft und ihr Blick fiel auf die kleine Reisetasche neben ihm.

Etwas wie Angst flackerte in ihren Augen. „Was wird das? Nimm ein Hotel, Spike. Bitte nimm ein Hotel…“

„Wir müssen reden“, sagte er genau so sanft wie vorher, doch sie schüttelte wild den Kopf. Dann schob er sich an ihr vorbei in den Flur.

Er warf kurz einen Blick ins Wohnzimmer, um Hallo zu sagen und ging dann die Treppe hinauf.

Buffy folgte ihm. „Wieso hast du geklingelt?“

Spike setzte die Tasche ab und drehte sich zu ihr um. „Ich habe nicht mit einem freundlichen Empfang gerechnet…“ Aber auch nicht mit Tränen. Eher mit einer Faust in meinem Gesicht. Sie sah noch immer nicht aus, als hätte sie sich gefangen und er verfluchte sich selbst, den Mut nicht eher gefunden zu haben.

„Lass deine Gäste nicht zu lange allein“, meinte er freundlich. „Ich mache mich nur etwas frisch, dann komme ich runter.“

„Spike, ich…“

„Buffy, jetzt nicht. Lass uns reden, wenn wir allein sind.“

Buffy atmete tief durch und erinnerte sich wieder an die Menschen unten in ihrem Wohnzimmer und daran, dass es ihre Feier war. Sie hob den Kopf, drehte sich um und verließ sein Zimmer.

Anya, die einzige, die wusste, was zwischen Spike und ihr wirklich gewesen war, sah ihr fragend entgegen, doch sie schüttelte nur den Kopf und brachte ein missglücktes Lächeln auf ihren Lippen zustande.

Wesley musterte sie aus schon recht glasigen Augen. „Freut mich, dass dein Bruder auch noch Zeit fand, zu deinem Geburtstag zu kommen.“

„Stiefbruder“, korrigierte sie automatisch. „Ich habe nicht mit ihm gerechnet.“

Wesley klopfte ihr auf die Schulter. „Hauptsache, du freust dich. Wenn ihr schon nur noch die zwei einzigen eurer Familie seid…“

Dawn stützte ihn, als er nach vorn kippte. „Ich glaube, es ist besser, wir gehen“, murmelte sie und sah Riley fragend an, der das Auto fuhr.

Riley zuckte mit den Schultern.

In diesem Moment betrat Spike das Wohnzimmer und Buffy fühlte schon wieder diese fürchterliche Schwäche in sich aufsteigen. Er setzte sich in den freien Sessel und öffnete das Bier, das er sich mit herein gebracht hatte.

„Du bist reichlich spät, Spike“, unterbrach Anya recht kühl die entstandene Stille.

Spike sah sie erstaunt an, dann fuhr sein Blick zu Buffy, die ihn fast ausdruckslos musterte.

Sie weiß es?

Dann blickte er wieder Anya an. „Ich bin vor zwei Stunden erst in L.A. gelandet. Sehr viel schneller ist die Strecke bis hierher nicht zurück zu legen“, erklärte er dann.

„Aha“, machte Anya und fing sich dafür einen eigenartigen Blick ihres Mannes ein.

Die anderen schienen von der plötzlich herrschenden Spannung nichts mitzubekommen, denn die Gespräche flammten wieder auf. Selbst Wesley schüttelten einen Teil seiner durch den Alkohol ausgelösten Benommenheit ab und beteiligte sich wieder an den Gesprächen.

„Ja“, sagte Riley gerade zu Spike. „Unsere Buffy ist jetzt eine erfolgreiche Kolumnenschreiberin.“

„Ich weiß.“ Spikes Augen verfingen sich mit den grünen Buffys. Sie hatte bisher vermieden, ihn persönlich anzusprechen. „McDonald hat also den Vertrag verlängert.“ Es war eine Feststellung.

„Ja“, antwortete sie leise.

„Ich habe sie gelesen. Alle“, fuhr er fort und sah sie schlucken.

„Du müsstest mal die Berge von Leserbriefen sehen, die täglich bei uns eingehen“, prahlte Wesley, als wäre es sein Verdienst. „Wir müssen schon mit lesen, weil Buffy das gar nicht schafft.“

Spike lächelte undefinierbar. „Das freut mich.“ Hat McDonald sein zweites Angebot erneuert?

Nicht dein Problem, oder?

Seine Augen verengten sich, aber nur Buffy schien es zu bemerken.

Wesley plapperte weiter von den neuesten Erfolgen seiner Zeitung, schwärmte von einer Erhöhung der Auflage und musste dann von Dawn gebremst werden, indem diese leise sagte, es wäre Buffys Geburtstag und er solle endlich aufhören, von der Arbeit zu reden.

Es war weit nach Mitternacht, als sich ihre Gäste verabschiedeten. Zuerst gingen ihre Arbeitskollegen, während Anya und Xander noch eine Weile sitzen blieben.

Buffy und Anya räumten ab, während Spike und Xander noch eine Zigarette auf der Terrasse rauchten.

„Kommst du klar?“ fragte Anya leise, als sie allein in der Küche waren.

Buffy nickte stumm. Sie wollte nicht zuviel sagen, weil sie Spikes Indiskretion in Bezug auf Gedanken anderer Menschen kannte.

„Ich lynche ihn eigenhändig“, schwor Anya, „...wenn er dich wieder als weinendes Wrack zurück lässt!“

„An!“ fuhr sie erschrocken auf. „Ich habe nicht... geweint...“

„Nein, Süße“, murmelte Anya sarkastisch. „Zum Glück nie. Tritt ihm in den Hintern, egal wie süß er aussieht, wenn er dir zu nah kommt. Männer wie Spike werden Frauen wie wir nie in unserem Leben halten. Traurig, aber wahr. Schnapp dir Riley, den hast du sicher bis an dein Lebensende.“

„Solche Worte aus deinem Mund.“ Buffy grinste schwach.

Anya verzog die Lippen. „Ich mag dich, Buffy. Und ich hasse es zu sehen, wenn du unglücklich bist.“ Anya umarmte sie kurz, ehe sie laut nach ihrem Mann rief.

Sie verabschiedete sich noch immer recht frostig von Spike. Xander zuckte entschuldigend mit den Schultern und folgte seiner Frau aus dem Haus.

Buffy schloss die Tür und atmete tief durch, ehe sie sich umdrehte.

***********

„Ich bin ein Idiot, Luv.“ Spike stand in der Tür zum Wohnzimmer, lehnte gegen den Türrahmen und hatte seine Hände vor seiner Brust verschränkt.

„Warum jetzt, Spike?“ fragte sie traurig. „Warum jetzt und in all den Wochen nicht? Kein Lebenszeichen... kein Anruf... gar nichts. Warum jetzt?“

Er seufzte. „Weil ich ein Feigling bin...“

Nun ja, da waren sie schon zwei... „Ich bin müde“, sagte sie nur und ging an ihm vorbei die Treppen zu ihrem Zimmer hinauf.

Er war keine Sekunde später an ihrer Seite. „Luv, bitte.“

„Spike, ich habe jetzt nicht die Nerven zu reden“, stieß sie hervor und fühlte die Tränen schon wieder in ihre Augen steigen. Seit wann war sie nur so eine Heulsuse?

Du wirst jetzt nicht weinen, wies sie sich zurecht. Nicht vor ihm. Niemals. Spike griff nach ihrer Hand und sie fuhr wütend herum. „Was willst du?!“

„Reden, Luv. Nur reden. Bitte“, bat er leise.

Wahrscheinlich zum ersten Mal an diesem Abend sah sie ihn richtig an und stellte fest, dass er unsicher wirkte und genau so müde wie sie. Und diese Müdigkeit hatte nichts mit der jetzigen Uhrzeit zu tun, sondern rührte tiefer.

„Bitte“, sagte er noch einmal. „Ich muss Sonntagabend wieder fahren. Lass uns reden, ja?“ Er öffnete einladend seine Tür.

Zögernd, fast gegen ihren Willen, trat Buffy in sein Zimmer und ihre Kehle zog sich zusammen. Sie hatte in den vergangenen Wochen keinen einzigen Blick hinein geworfen, sondern versucht, sich einzureden, dieses Kapitel ihres Lebens wäre vorbei.

Spike lehnte sich gegen seinen Schreibtisch, sah wie sie fast verloren im Raum stehen blieb und ein fast wehmütiger Ausdruck über ihr Gesicht huschte.

„Ich... habe angerufen“, begann er vorsichtig.

„So?“ Sie drehte sich zu ihm um und verschränkte die Arme vor ihrer Brust. Allerdings sah es nicht abwehrend aus, sondern eher, als versuche sie sich selbst festzuhalten.

„Ich habe wieder aufgelegt, wenn der Anrufbeantworter anging“, fuhr er fort.

„Warum?“

Er starrte eine Weile auf den Fußboden zu seinen Füßen, hob dann den Kopf und sah sie an. „Ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Buffy, deine letzten Worte haben mich ...überrascht... nein... erschrocken. Verflucht.“ Er fuhr sich nervös durch die Haare. „Ich habe nicht damit gerechnet. Ich reagiere panisch, wenn... Ich hatte verdammt noch mal Angst!“

„Schön.“ Buffy schluckte. „Das war mir alles vollkommen klar. Warum bist du jetzt hier?“

„Ich bin geflüchtet und habe mich tagelang dafür verflucht, dich verletzt zu haben. Ich habe mir eingeredet, dass ich dich kennen müsste, deine Träume, deine Wünsche, weil ich mich oft genug darüber lustig gemacht habe. Und ich habe mir gesagt, dass ich kein verfluchtes Recht habe, dir dein Leben noch schwerer zu machen.“

Buffy sah ihn nur mit großen Augen an. Eine einzelne Träne bildete sich in ihrem Augenwinkel und rollte gegen ihren Willen ihre Wange hinunter.

Spike stand auf, ging auf sie zu und blieb vor ihr stehen. Zögernd hob er seine Hand, strich mit dem Daumen über ihre Wange und fing die Träne.

„Ich träume von dir, Luv. Ich denke an dich, in jeder freien Minute und ich sehe dein Gesicht, wenn ich die Augen schließe. Der Gedanke, dich hier zu wissen und nicht bei dir zu sein, macht mich krank.“

Buffy wagte nicht, sich zu rühren. Sie hatte mit einer Menge gerechnet. Damit, dass er ihr wieder erzählte, wie toll der Sex zwischen ihnen war und was sie doch für ein Dummkopf wäre, darauf zu verzichten.

Damit, dass er noch einmal davon anfing, sie überreden zu wollen, mit ihm nach SECRET ONE zu kommen.

*Damit* allerdings hatte sie nicht gerechnet.

Ein schwaches Lächeln huschte über seine Lippen, als er sah, wie sich ihr Mund öffnete und sie ihn wieder schloss, ohne etwas zu sagen. „Du hast mir eine Frage gestellt, Luv. Damals vor zehn Wochen und ich habe dir keine Antwort gegeben...“

„Scheiße...“, piepste sie kaum hörbar und hoffte, nicht doch noch ohnmächtig zu werden.

Spike holte tief Luft, wie um sich selbst Mut zu machen. „Ja, Luv, ich denke... ich könnte es mir vorstellen“, sagte er dann. „Ich fühle mich zu elend, um zu behaupten, dass zwischen uns nur sexuelle Anziehung ist. Ich habe mich noch nie so gefühlt und noch nie hat eine Frau meine Gedanken so beherrscht wie du.“ Sie sah ihn so fassungslos und blass an, dass er Angst hatte, sie würde wirklich umkippen. „Möchtest... möchtest du etwas trinken?“

„Redest du...“, schaffte sie endlich hervor zu bringen. „Redest du von... Liebe?“

„Ich weiß nicht“, murmelte er kläglich und wusste es wirklich nicht. Schließlich hatte er sein bisheriges Leben damit verbracht, über Gefühle wie Liebe zu lachen.

Jetzt fehlten ihr die Worte wieder völlig. Sie schaute so verloren drein, dass Spike einfach seine Arme um sie schlang, sie an sich zog und sein Gesicht in ihrem Haar vergrub. „Ich habe deinen Kolumnen gelesen und mir vorgestellt, es wäre ein Teil von dir, den ich in meinen Händen halte...“

Sie schluchzte auf und umklammerte mit ihren Händen sein Shirt. Der Geruch seines Aftershaves stieg in ihre Nase und sie hätte weinen können, weil es ihr so vertraut war. Seine Hand strich wieder über ihre Haare, fuhr durch die blonden Strähnen und um ihren Hals.

„Ich hasse mich selbst für meine Feigheit, Luv.“ Seine Finger legten sich unter ihr Kinn und hoben ihr Gesicht zu sich an. „Hör auf zu weinen, Buffy“, flüsterte er, strich mit seinen Lippen über ihre und fühlte sie zittern. „Bitte hör auf zu weinen. Meinetwegen schrei mich voll, schlag auf mich ein oder schmeiß mich aus dem Haus. Damit habe ich gerechnet...“

Er warf all seine Bedenken über den Haufen, als wie wieder aufschluchzte, hob sie auf seine Arme und trug sie zum Bett. Vorsichtig setzte er sie auf der Bettkante ab, ging zu seiner Reisetasche und holte ein kleines Päckchen hervor.

Buffy hatte ihre Sprache noch immer nicht wieder gefunden, sondern beobachtete ihn mit großen Augen, wie er vor ihr in die Hocke ging. „Alles Gute zum Geburtstag, Luv“, sagte er leise und hielt ihr sein Geschenk entgegen.

Mit bebenden Fingern griff sie nach dem kleinen Päckchen und ließ es in ihren Schoß sinken. „Das... kann nicht sein, was du... eigentlich kaufen wolltest...“

Er grinste und sein Grinsen trieb ihr die Röte ins Gesicht. „Das heißt nicht, dass das alles ist“, murmelte er zweideutig. „Mach es auf. Ich hoffe, es gefällt dir.“

Ihre Hände zitterten noch immer, als sie das Schmuckband löste und das flache Kästchen öffnete.

„Oh Gott“, entfuhr es ihr, als ihr Blick auf die filigrane Kette im Inneren fiel. Es war eine einfache schmale Silberkette, mit einem kleinen Anhänger in Form eines Sechsecks, der mit winzigen rubinroten Steinchen besetzt war.

Fast ehrfürchtig strichen ihre Finger über den Schmuck. „Es ist... wunderschön“, sagte sie leise und ließ die Kette durch ihre Finger gleiten. Dann hob sie ihre Augen von der Kette zu ihm. „Danke.“

Seine Augen leuchteten auf. „Freut mich, dass sie dir gefällt. Ich war mir nicht sicher, ob du mehr auf Silber oder Gold stehst...“

„Silber“, flüsterte sie und sein Lächeln vertiefte sich. Dann sah sie ihn ernst an. „Ich hätte den Hörer nicht abgenommen... wenn ich gewusst hatte... dass du am anderen Ende bist...“

„Warum nicht?“ erkundigte er sich nur.

Buffy starrte auf ihre Hände und die Kette, die ihre Finger immer noch hielten. „Ich wollte deinen Sarkasmus nicht hören. Ich wollte nicht am Telefon anfangen zu weinen, nur weil ich deine Stimme höre. Ich wollte dich vergessen…“

„Hat es funktioniert?“ unterbrach er sie.

Sie seufzte. „Nein.“

Spike erhob sich und setzte sich neben sie. „Ich weiß, es klingt bescheuert“, begann er langsam. Sie sah ihn nicht an, sondern starrte weiterhin auf den Schmuck in ihren Händen.

Er hob seine Hand und drehte ihren Kopf zu sich, ehe er fort fuhr. „Denkst du, wir… könnten es… versuchen?“

„Wie…?“ fragte sie hilflos.

„Es sind nur vier Stunden Fahrt von SECRET ONE hierher. Ich… könnte versuchen herzukommen, sooft ich kann… wenn ich nicht unterwegs bin… Ich werde dich anrufen… ich werde… Verdammt, Buffy, schau mich nicht so entsetzt an!“ Seine Finger schlangen sich in ihre Haare. „Ich will nicht noch einmal solche 10 Wochen. Ich möchte nur… eine Chance…?“

Sie sah noch immer recht blass und fassungslos aus, schaffte aber zumindest hervor zu bringen: „Redest du von… einer Beziehung?“

Er nickte. „Ja. Definitiv.“

Buffy sprang auf und er ließ sie los. Sie legte sein Geschenk auf den Tisch und fuhr sich nervös durch die Haare, ehe sie sich umdrehte. „Das klingt wie Irrsinn… aus deinem Mund…“

Spike kippte auf das Bett zurück und schloss die Augen. „Gott, ich weiß.“

„Ist das auch wieder so eine Show?“

„Was?!“ Er fuhr hoch und starrte sie entsetzt und zornig an.

„Spike, du kannst dich nicht innerhalb von zehn Wochen in einen anderen Menschen verwandeln…“

Buffy wich zurück, als er aufsprang und auf sie zu stürzte. Der Tisch im Rücken stoppte sie und im gleichen Moment presste sich sein Körper gegen ihren.

„Buffy“, knirschte er zwischen den Zähnen hindurch und funkelte sie wütend an. „Ich habe verdammte scheiß Wochen hinter mir! Ich habe schlecht geschlafen, von dir geträumt und halbe Nächte mit masturbieren verbracht! Ich glaube, ich werde verrückt, wenn du mir jetzt unterstellst, dass ich eine Show abziehe! Ich habe noch nie etwas ernster gemeint!“ Die letzten Worte schrie er ihr fast ins Gesicht.

Er meinte das tatsächlich ernst. Buffy schluckte, als das, was er sagte, mit vollster Deutlichkeit in ihr Bewusstsein drang. Und noch deutlicher wurde es dadurch, das er im Moment, trotz dem er seinen Körper gegen sie presste, in keinster Weise erregt war.

„Du und ich…?“ quietschte sie.

Er nickte wortlos.

„Das ist… verrückt…“

Spike lehnte sich zu ihr. „Das ist es, was du immer wolltest, Luv. Mit mir kannst du es haben. Möglich, dass wir uns nicht so oft sehen, wie Menschen, die zusammen leben…“ Ein ersticktes Lachen kam aus ihrem Mund. „Möglich, dass ich es nicht immer schaffe, die richtigen Worte zu finden… die du gern hören möchtest…“

Sie schlang ihren Arm um seinen Hals und presste ihre Lippen auf seinen Mund.

Schlagartig reagierte sein Körper und sie musste fast lächeln. Er stöhnte leise auf, als würde er noch immer versuchen, um seine Beherrschung zu kämpfen, riss seinen Kopf von ihr los und flüsterte in ihr Ohr. „Heißt das ja, Luv?“

Sie lehnte ihre Stirn gegen seine Schulter. „Hast du an mich gedacht? Wenn du halbe Nächte damit verbracht hast zu…“

Er kicherte, weil ihre Stimme verklang und er ahnte, dass sie wieder herrlich rot im Gesicht war.

„Sicher, Luv. Ich mag vielleicht nicht der perfekte romantische Mann sein, den du dir wünschst, aber in einem kannst du dir ganz sicher sein: Ich werde dich nie betrügen. Nicht einmal in meinen Gedanken.“

Sie musste auch lachen. Es klang wie eine Phrase, doch für sie beide war es die absolute Realität. „Ich hab’s auch getan, weißt du…“

Spikes Lippen strichen über ihren Hals. „Und hast du dabei an mich gedacht?“ fragte er atemlos.

„Ich habe versucht, es nicht zu tun.“ Er erstarrte unmerklich und sie fuhr fort. „Es hat nicht funktioniert.“

„Möchtest du die Originalversion?“ erkundigte er sich schnurrend und seine Hände strichen ihre nackten Oberarme nach oben.

Und Buffy schloss die Augen, als sie leise hauchte. „Ja…“
 

Teil 25

Epilog

Buffy fiel müde auf ihre Couch und schloss einen Moment die Augen. Es war Donnerstag, ihr Geburtstag somit 5 Tage her. Ein Lächeln huschte über ihre Lippen, als sie an das Wochenende dachte, das Spike und sie hauptsächlich im Bett verbracht hatten.

Samstagmittag hatte das Telefon geklingelt und eine besorgte Anya erkundigte sich, wie sie sich fühle.

Himmlisch, murmelte Buffy damals, weil in genau diesem Moment Spike an ihrem Nacken knabberte und Anya hellhörig fragte, ob sie noch im Bett läge.

Sie fühlte sich immer noch himmlisch, auch wenn Spike abreisen musste und noch nicht genau sagen konnte, wann er wieder kam. Aber sie wusste, dass es zumindest den Hauch einer Chance gab, dass sie doch noch das fand, was sie suchte: Liebe.

Ich liebe ihn, ging es ihr verträumt durch den Kopf. Sie hatte es ihm gesagt und mit den Fingern seinen Mund verschlossen, als er anfing zu stottern.

Sie wollte ihn in diesem Moment nicht irgendetwas sagen hören und weil sie genau wusste, dass er noch nicht so weit war, die Worte ebenfalls zu sagen, wollte sie, dass er still war. Doch sie war sich sicher. Irgendwann würde er es.

Und bis dahin konnte sie warten und genießen, wie verliebt er sich verhielt. Sie hatte mehr als einmal in sich hinein geschmunzelt, wenn sie die Blicke bemerkte, mit denen er sie beobachtete.

Da war ein Hunger und ein Verlangen in seinen Augen, das ihr die Röte ins Gesicht trieb und gleichzeitig stand eine Wärme in ihnen geschrieben, die all seine spöttischen Bemerkungen über Gefühle Lügen strafte.

Sie war puterrot geworden, als er sein zweites Geschenk für sie auspackte und er hatte gelacht, als sie behauptete, das Ding tatsächlich als Dekoration in ihr Zimmer zu stellen.

Grinsend hatte er gemeint. „Tu es, Luv, und schau ihn an, wenn du dich einsam fühlst, wenn du wieder allein in deinem Bett liegst. Vielleicht kommen dir doch noch andere Ideen, wie du ihn benutzen kannst... Und vor allem: Denk an mich, wenn du ihn benutzt.“

Heute lachte sie selbst über ihre Schüchternheit und nach diesen zwei Tagen sowieso. Sie hatte eine Menge getan und ihn ans Bett fesseln war nur eins davon.

Allerdings hatte sie nicht zugelassen, dass er das gleiche tat, weil er ihr fluchend und jammernd geschworen hatte, dass sie alles bereuen würde, was sie mit ihm anstellte.

Der Gedanke, was er alles mit ihr tun könnte, jagte einen Schauer der Erregung ihre Wirbelsäule hinab und sie gab sich, während sie sich auf der Couch entspannte, kurz der faszinierenden Vorstellung hin.

Das köstliche Pochen zwischen ihren Beinen, das den Gedanken folgte, sagte ihr, dass er Recht hatte und sie es ihn irgendwann tun lassen würde.

Genau so wie er mit dem Vibrator recht hatte... Es hatte nur zwei Tage gedauert, ehe sie sich das Teil genauer angesehen hatte. Vor allem, wenn er fast jeden Tag anrief und sie die teilweise so zweideutigen und schmutzigen Dinge aus seinem Mund hörte, wenn er ihr erzählte *wie* sehr er sie vermisste...

Als jetzt das Telefon klingelte, musste sie lachen. Sie angelte nach dem Hörer und warf sich wieder auf die Couch. „Hallo?“

„Ich bin’s.“

Buffy grinste still vor sich hin. „Du wirst diesen Monat eine immense Telefonrechnung haben“, prophezeite sie ihm.

„Diensthandy“, erläuterte er. „Habe die freundliche Genehmigung bekommen, es auch privat zu nutzen.“

„Wo bist du?“ erkundigte sie sich erstaunt, weil sie wusste, dass sein Zimmeranschluss in SECRET ONE auf seinen Namen lief.

„London.“

„London?“ Oh je, das würde wirklich teuer werden.

„Und ich sitze hier allein in einem Restaurant, esse zu Mittag und langweile mich...“, fuhr er fort. „Was machst du gerade?“

„Ich liege auf der Couch und ruhe mich nach einem stressigen Arbeitstag aus“, kicherte sie. „Wie spät ist es bei dir?“

„12 Uhr 30.“

„Oh. Hier ist es halb 9...“

„Ich weiß, Luv“, grinste er. „Bist du müde?“

„Etwas. Es ist Wahnsinn, wie die Leute auf meine Kolumne reagieren. Ich weiß gar nicht, welchen Brief ich zuerst beantworten soll. Was isst du Schönes?“

Sie konnte sein Lächeln förmlich spüren. „Ich bin schon beim Nachtisch, Luv. Ich hatte Lachs mit Reis und jetzt esse ich irgendeine joghurthaltige Nachspeise. Ich habe den Namen vergessen.“

„Klingt lecker...“

Jetzt lachte er leise. „Ich werde etwas Schönes für dich kochen, wenn ich wieder da bin. Und wir es schaffen, das Bett zu verlassen.“

„Schaffen wir das?“ fragte sie kokett.

„Nun, ich schaffe es vielleicht. Du bestimmt nicht, weil ich vorhabe, dich daran fest zu binden.“

„Soso“, murmelte sie und fühlte schon wieder dieses Kribbeln zwischen den Beinen. „Und du denkst, ich lasse mir das einfach so gefallen?“

Da war der leise Hauch einer Herausforderung in ihrer Stimme und Spike schluckte kurz. „Ja“, flüsterte er dann in das Telefon. „Was hast du an, Luv?“

Buffy riss kurz die Augen auf. „Was?“ Er lachte wieder leise. „Was habe ich wohl an? Ich habe geduscht und trage jetzt meine Freizeitkleidung, Shirt, legere Hose...“

„BH?“

„Jaa“, sagte sie gedehnt und hielt die Luft an.

„Zieh Shirt und Hose aus“, hauchte er in das Handy und warf kurz einen Blick durch das halbleere Restaurant.

Oh Gott! „Was?“ brachte sie hervor und wusste, wie fürchterlich ihre Stimme klang.

„Mach schon, Luv“, bat er nur.

„Warte kurz.“ Sie legte das Telefon kurz beiseite. Sicherlich bin ich jetzt tatsächlich ein wenig verrückt geworden, ging ihr durch den Kopf, als sie ihr Shirt über den Kopf zog und die Freizeithose abstreifte. Nur in BH und Slip legte sie sich wieder auf die Couch und griff nach dem Telefon. „Okay. Erledigt.“

Seine Stimme klang gepresst. „Was hast du jetzt an?“

„BH und Slip“, gab sie fast vergnügt zu.

„Welchen?“

Buffy sah ihren Körper abwärts. „Nichts super erotisches, wenn du das wissen willst. Einfache weiße Spitze und ein bequemer Slip.“

Spike holte tief Luft. „Ich finde, an dir sieht alles erotisch aus. Als ich damals so unverhofft in dein Zimmer kam und du vor dem Spiegel standest, nur in diesen süßen Dessous...nun, da wurde meine Hose mir schon ziemlich eng.“

Damals schon? „Wie sieht es jetzt aus?“ erkundigte sie sich grinsend und erinnerte sich, wo er war.

„Nun“, fuhr er langsam fort. „Die Vorstellung, dass du dich halbnackt auf der Couch rekelst, macht mich etwas an.“

„Etwas?“ fragte sie nach und strich mit den Fingern über ihren Bauch. „Ich denke, dann sollte ich noch etwas nachhelfen und vielleicht den BH ablegen?“

„Ja... das könntest... du.“ Er hörte sie rascheln und schloss kurz die Augen. „Hast du?“

„Hm.“

„Berühr dich, Luv“, flüsterte er.

„Du bist unmöglich“, kicherte sie.

„Fahr mit deinen Fingern zu deiner Brustwarze, reibe sie zwischen deinen Fingern... stelle dir vor, es sind meine Lippen und meine Zunge“, hauchte er in das Telefon und Buffy fühlte die Hitze, die in ihrem Körper aufstieg.

Das Kichern erstarb auf ihren Lippen und die Bilder, die seine Worte beschworen, bildeten sich in ihrem Kopf. „Spike, du...“, stieß sie hervor, doch er unterbrach sie.

„Ich weiß, wie sie sich anfühlen, wenn sie sich durch meine federleichten Berührungen verhärten und du anfängst, schneller zu atmen, weil es dich erregt.“

Sie schloss die Augen, lauschte seiner Stimme, während ihre Finger mit ihren Brustwarzen spielten.

„Stellst du dir vor, dass ich es bin, Luv?“

„Ja“, murmelte sie.

„Schön.“ Er atmete auch etwas schneller, doch Buffy hatte mehr damit zu tun, die Reaktion ihres Körpers auf seine Worte zu verkraften. „Dann können wir weiter machen, ja? Fahr mit deinen Fingern deinen Bauch hinab unter deinen Slip. Du hast ihn doch noch an, oder?“

„Ja...“ Ihre Finger glitten zwischen ihre Beine und sie seufzte leise, als sich der Druck schlagartig verstärkte und sie zitterte, als sie die geschwollene Klitoris berührte. Unbewusst spreizte sie die Beine, um sich besser erreichen zu können.

„Bist du feucht, Luv?“ flüsterte seine Stimme an ihrem Ohr.

„Ja...“, hauchte sie und hörte ihn leise stöhnen.

„Ich weiß ganz genau, was deine Finger jetzt fühlen. Ich wünsche mir, bei dir zu sein und dir zuzusehen...“

Buffy schnappte nach Luft. „Zusehen...?“

„Oder dich berühren. Mit meiner Zunge erkunden... jeden einzelnen Zentimeter von dir...“

„Oh Gott...“ Sie wurde noch feuchter bei dem Gedanken, während sie sanft ihre Klitoris umkreiste und sie leicht rieb.

„Was machst du gerade, Luv?“ bohrte er drängend weiter.

„Ich... kann... nicht...“

„Erzähl es mir“, bettelte er leise. „Bitte...“

Sie keuchte auf. „Spike, du... bist unmöglich...“ Ihr Körper zitterte wieder und sie fühlte die Schauer hinab in ihren Unterleib laufen.

„Bitte, Luv“, piepste er am anderen Ende.

Ihr Mund öffnete sich halb, als sie abgehackt Luft holte. „Ich... streichle... mich...“

„Zwischen den Beinen?“

„Ja...“

„Gott, Luv“, wisperte er und klang genau so atemlos wie sie. „Ich möchte jetzt da sein, mein Gesicht zwischen deinen Beinen vergraben und dich in den Himmel lecken...“

Ihr Kopf flog zurück. „Spike...“, wimmerte sie auf.

„Komm für mich, Luv“, flüsterte er heiser. „Lass mich hören, wie das allein meine Worte schaffen... Fick dich selbst, Luv, bitte... tu es für mich...“

Buffy schluchzte auf. „Hass das... Wort...“, brachte sie heraus. Doch sie war weit davon entfernt, etwas anderes zu tun, als er wollte. Sie stieß ihren Finger in ihren feuchten Kanal, während ihr Daumen weiterhin die pochende Klitoris umkreiste und stöhnte wieder.

„Buffy?“ bettelte er wieder. „Sag es mir, Luv. Sag mir, dass du mit gespreizten Beinen auf der Couch liegst und dich selbst fickst.“

Manchmal war er wirklich ein schmutziges Schwein. „Ja“, flüsterte sie, presste ihren Daumen gegen sich selbst und das Telefon fiel aus ihrer Hand, als etwas in ihrem Kopf explodierte. “Spike...“, stöhnte sie auf. Ihr Kopf flog zurück, während ekstatische Schauer ihren Körper schüttelten und sich ihre Augen schlossen bis das Zittern abebbte.

Atemlos starrte sie eine ganze Weile in die Luft, ehe sie wieder auf dem Boden ankam und nach dem Telefon angelte, das neben der Couch lag. „Spike?“

Er lachte leise, klang jedoch reichlich angespannt. „Wieder da, Süße?“ erkundigte er sich süffisant und Buffy war froh, dass er ihr rotes Gesicht nicht sah.

„Du bist wirklich unmöglich“, schimpfte sie verlegen und versuchte zu ignorieren, dass sie fast nackt auf der Couch lag.

„Du auch, denn du hast mitgemacht“, spottete er.

Ihre Augen verengten sich. „Wie geht es dir?“

„Gut“, murmelte er belustigt. „Ich finde, du klingst fantastisch, wenn du kommst. Selbst durchs Telefon.“

„Was macht dein Problem in deiner Hose?“

Es erfolgte eine kurze Pause und sie grinste. „Das ist noch da“, sagte er dann und klang seltsam.

„Schön. Dann wäre es vielleicht an der Zeit, sich damit zu beschäftigen“, meinte sie amüsiert.

„Buffy!“ Jetzt klang er regelrecht erschrocken. „Ich sitze in einem Restaurant!“

„Schmutzfink! Telefonsex in einem Restaurant!“ schimpfte sie gespielt. „Aber schließlich stört mich das wenig. Ich würde jetzt gern den Reißverschluss deiner Hose öffnen und deinen schönen steifen Schwanz in die Hand nehmen.“

„Buffy!“ zischte er.

„Ich würde vor dir zwischen deine Knie sinken, meine Finger sanft über die samtene Haut streichen lassen...“ Es polterte am anderen Ende und sie kicherte, als sie ihn unterdrückt fluchen hörte.

„Bleib dran, Luv. Bleib um Gottes Willen dran!“ stieß er hervor und sie hörte eine Weile nichts außer den Geräuschen seiner Schritte.

Gedankenverloren streichelte sie sich wieder selbst und ihr ging amüsiert durch den Kopf wie surreal diese Situation war.

„Buffy?“ fragte er plötzlich.

„Ja?“ antwortete sie leise. „Wo bist du jetzt?“

„Auf der Toilette!“

Buffy lachte auf.

„Ich kann mir schlecht mitten im Restaurant einen runterholen!“

Sie verstummte und fragte dann atemlos. „Wirst du es jetzt tun?“

„Hilfst du mir dabei?“ schnurrte er an ihrem Ohr.

Sie holte tief Luft. „Öffne deine Hose.“

„Habe ich schon...“

„Etwas ungeduldig… böse, böse…“ Sie kicherte wieder.

„Ich weiß. Ich weiß. Würdest du jetzt wieder auf deine Knie sinken und dort weitermachen, wo du gerade warst?“

„Das scheint wirklich eine spezielle Vorliebe von dir zu sein, was?“ Er stöhnte frustriert und sie lächelte wieder. „Du magst also meine Lippen? Und meine Zunge?“

„Oh ja“, murmelte er heiser und schloss die Augen, während seine Hand seinen harten Schaft umschloss. „Was würdest du tun, wenn du hier wärst?“

„Ich würde…“ fing sie an zu überlegen.

Spike hielt den Atem an, sie konnte es durch das Telefon regelrecht spüren.

„…auf meine Knie sinken.“

„Ja…“ Seine Hand umklammerte das Handy, genau so wie seine andere seinen Schwanz. Erleichtert stieß er die Luft aus. „Und dann…?“

„Dann würde ich deinen schönen steifen Schwanz in die Hand nehmen, mit beiden Händen umschließen…“

Er schloss kurz die Augen, als er es sich vorstellte und seine Hand pumpte auf und ab. Vielleicht war es tatsächlich krank, das ganze auf der Toilette eines Restaurants zu tun. Doch er war weit davon entfernt, sich darüber einen Kopf zu machen.

„Und dann meinen Kopf zu dir beugen und mit der Zunge die Spitze umfahren…“

Er stöhnte auf und allein dieses Geräusch sandte wieder einen Schauer über Buffys Körper. „Verdammt“, flüsterte er.

„Geht’s dir gut, Spike?“ fragte sie vergnügt.

„Mach weiter, Luv…“, brachte er erstickt hervor. „Bitte…“

Sie lachte. „Dann sauge ich ihn in meinen Mund, fahre an ihm auf und ab, während meine Lippen ihn fest umschließen.“

„Ja…“ Sein Verstand begann sich zu verabschieden. Nur noch die Bewegungen seiner eigenen Hand wurden wichtig.

„Und meine Zunge umrundet die Spitze…“

Er stöhnte gequält auf. „Du müsstest hier sein, Luv… Meine Hand ist nicht das gleiche.“

„Gib dir Mühe“, wies sie ihn belustigt zurecht. „Schließlich habe ich das noch nicht oft gemacht.“

„Was? Telefonsex?“ grinste er.

„Nein!“

„Du machst es trotzdem gut, Luv“, flüsterte er. „Ich habe gewusst, dass deine Lippen perfekt dafür sind.“

„Sei jetzt still, sonst höre ich auf.“

Um Gottes Willen, nein!

„Spike?“

„Ja?“

„Ich denke, du schmeckst auch gut. Ich könnte Stunden damit zubringen, deinen Schwanz zu erkunden… erst die Unterseite, dann an der Oberseite nach oben und sanft über die empfindliche Spitze…“

„Scheiße“, keuchte er auf.

„Schließ deine Hand fest um ihn, denn ich sauge dich jetzt tief in meinen Mund, du fühlst meine Zähne und ich weiß genau, wie du dich aufbäumen würdest, weil du fast ausflippst…“

Er wimmerte auf. „Buffy, du bist so verdammt… Wahnsinn… Du bist Wahnsinn…“

„Komm für mich, Spike“, wiederholte sie flüsternd seine Worte. „Stoß dich tief in meinen Mund und komm für mich…“

„Luv…!“

Sie hörte ihn nach Luft schnappen, sein Stöhnen und dann Totenstille am anderen Ende der Leitung. Nachdem sie einer Weile seinem keuchenden Atem gelauscht hatte, fragte sie vorsichtig. „Spike?“

„Ja?“ Und er klang wie aus einer anderen Welt.

„Wieder da, Süßer?“ erkundigte sie sich im gleichen Tonfall wie er vorher. „Du klingst auch toll.“

„Wow“, murmelte er noch immer fassungslos. „Buffy, ich muss dich sehen.“

„Du bist in London“, erinnerte sie ihn vorsichtig.

„Ich buche den verdammten Rückflug um! Ich sollte Freitag nach San Fancisco fliegen und am nächsten Morgen den Flieger nach Rio nehmen. Ich buche das um! Buffy, ich kann auch von Los Angelos nach Brasilien fliegen, ich werde…“

„Spike“, unterbrach sie seinen Redeschwall. „Wann kommst du in San Fancisco an?“

Einen Moment herrschte Stille am anderen Ende, dann sagte er. „19 Uhr Ortszeit.“

„Ich hole dich vom Flieger ab. Buch einfach dein Zimmer auf 2 Personen um.“ Wieder herrschte Stille und nach einer Weile fragte Buffy. „Bist du noch da?“

„Du willst nach San Francisco kommen?“

„Es sind nur ca. 7 Stunden mit dem Auto und ich…“

„Du willst wirklich kommen?“ fragte er wieder und klang völlig fassungslos.

„Hm“, murmelte sie und schockte ihn noch einmal. „Brauchst du Hilfe in Brasilien?“

Jetzt hatte es ihm völlig die Sprache verschlagen und alles, was sie hörte, waren seine schnellen Atemzüge.

„Ich habe hier natürlich noch ein wenig zu organisieren. Denn ich werde weder meinen Job beim Sunnydale-Kurier, noch die Kolumnen im Mirror aufgeben und ich werde keine Befehle entgegen nehmen. Aber ich könnte dir helfen… Spike? Alles in Ordnung?“ Sein Schweigen wurde langsam unheimlich und sie bekam schon Angst, dass er von der Toilette gekippt war. Doch dann hörte sie seine Stimme.

„Ich liebe dich, Luv.“

Jetzt fehlten ihr die Worte, weil sie damit nun überhaupt nicht gerechnet hatte. „Was?“ piepste sie schwach und fühlte sich einer Ohnmacht nahe.

„Ich liebe dich“, sagte er wieder.

Sie war mehr als froh, noch immer auf der Couch zu liegen. „Könntest… könntest du das noch mal sagen, wenn ich… vor dir… stehe?“

„Versprochen.“ Sie hörte ihn mehrmals tief Luft holen, als müsse er sich selbst beruhigen. „Ich habe nicht viel zu tun… in Brasilien. Ein… ein einfacher telepathischer Überwachungsauftrag. Du könntest Montag wieder auf Arbeit sein… wenn wir direkt nach Los Angelos fliegen…“

Der Tonfall seiner Stimme ließ sie schmunzeln. „Spike? Du klingst scheußlich. Geht’s dir gut?“

„Du hast mich etwas vom… ähm… Hocker gerissen“, murmelte er und klang verlegen. „Ich sitze auf der Toilette, starre die Tür an und frage mich, wann mich der Inhaber des Restaurants vermisst und denkt, ich will die Zeche prellen.“

„Wenn das deine ganzen Sorgen sind…“

„Verflucht, Luv. Ich gehe jetzt. Wir treffen uns in San Francisco?“

„Ich werde da sein.“

„Toll.“ Er klang schon wieder verträumt.

Buffy kicherte. „Bis dann. Und… ähm… sagst du’s noch mal?“, bat sie leise.

„Ich liebe dich.“

„Ich liebe dich auch. Bis Freitag.“ Mit einem Knopfdruck unterbrach sie die Verbindung, drückte das Telefon gegen ihre Brust und seufzte glücklich.

Das schien ein turbulentes Leben zu werden, das sie jetzt vorhatte zu führen…
 

 

Ende

 

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