An Immoral Offer

Ailia/Trevor
Fantasy
ab 18
beta by Indiansummer
Trevor und Ailia sind Mutanten mit besonderen
Fähigkeiten
Während Ailia ihre Kräfte zur Bekämpfung des Verbrechen einsetzt, nutzt sie
Trevor hauptsächlich zu seinem eigenen Vorteil. Aber da es nur zwei erwachsene
Mutanten auf dieser Welt gibt, ist eine zumindest einseitige Anziehung nicht
abzustreiten. Trevor lässt keine Gelegenheit aus, Ailia zu sagen, was er möchte
und vor allem, wo er sie gern hätte – in seinem Bett.
Bis eine Situation eintritt, in der er genau das fordern kann.
Eine Nacht –
gegen hundert Menschenleben…
Prolog Teil 1 Teil 2 Teil 3 Teil 4 Teil 5 Teil 6 Teil 7
Teil 8 Teil 9 Teil 10 Teil 11 Teil 12 Teil 13 Teil 14
Prolog
„Ailia?“
Sie hörte Kevin Shendors Stimme in der Stille der Nacht klar und deutlich,
obwohl der Mann sich auf der anderen Seite des Häuserblocks befand. Aber sie
reagierte nicht, weil etwas anderes ihre Aufmerksamkeit fesselte.
Sie befanden sich jetzt einige Straßen von dem Juweliergeschäft entfernt, dessen
Besitzer wiederholt Anzeige erstattet hatte, weil aus seinem Geschäft
Schmuckgegenstände verschwanden, ohne dass es zu einer Beschädigung der Tür und
Fenster kam und ohne, dass sich die Alarmanlage in Betrieb setzte. Die hiesige
Polizei und die Versicherungen stellten den Mann als Spinner und Betrüger dar,
bis sich ein Kommissar dazu herab und eine Nacht das Haus bewachen ließ. Es
passierte wieder, obwohl vollständig ausgeschlossen werden konnte, dass jemand
das Geschäft betrat.
So landete der Fall auf dem Tisch von Ailias Vorgesetztem Captain Delaron als
ein Fall von „paranormaler“ Aktivität und sie war hier, um zu untersuchen, ob
man die Möglichkeit in Betracht ziehen musste, auf eines der wenigen
parapsychisch begabten Kinder zu stoßen, das sich einen Spaß erlaubte und noch
nicht wusste, dass seine Chancen, das Erwachsenenalter zu erreichen, äußerst
gering waren.
Ailia seufzte bei diesem Gedanken. Außer ihr gab es keinen Menschen mit starken
mentalen Fähigkeiten, der es geschafft hatte, das Auftreten der mentalen Kräfte
zu überleben.
Dann schüttelte sie die unglücklichen Gedanken zur Seite und konzentrierte sich
wieder. Irgendetwas war hier. Vor ihr, in der Dunkelheit. Sie spürte keine
Gedanken, aber das war nicht weiter verwunderlich, wenn es ein Mutant war, den
sie verfolgte. Und deshalb konnte sie Kevins Gegenwart jetzt auch nicht
gebrauchen. Ein normaler Mensch dachte so laut, dass man es meilenweit hören
konnte, zumindest, wenn man über Ailias telepathische Fähigkeiten verfügte.
Sie schloss die Augen, um sich besser konzentrieren zu können und eine fremde
mentale Präsenz traf sie wie ein Schlag. Ihr Herz setzte für einen Moment fast
aus.
Es war ein Mutant.
Aber plötzlich bezweifelte sie, dass es ein Kind war, das sie vor sich hatte.
Ihr waren viele der unglücklichen Kinder begegnet, die nach SECRET ONE gebracht
wurden, weil man glaubte, ihnen beim Auftreten der Kräfte helfen zu können, aber
keines dieser Kinder war so ... stark.
Sie blieb stehen und musterte die Dunkelheit. Es war keine Angst, die sie
verspürte. Einerseits, weil sie wusste, dass sie über eine exzellente
Spezialkampfausbildung verfügte und andererseits, weil ihre mentalen Kräfte
nicht auf die Telepathie beschränkt waren. Genauso perfekt wie die Telepathie
beherrschte sie die Telekinese und die Hypnosuggestion und es erschien ihr
unwahrscheinlich, dass sie jemals ernsthaft in Gefahr schweben konnte.
Es sei denn, dieser Mutant hatte eine Waffe. Aber wenn er oder sie schießen
wollte, wäre es längst geschehen. Er oder sie spielte. Mit einem Schlag war ihr
klar, dass sie seit einer Stunde seine Spur verfolgte, ohne ihn zu verlieren,
aber auch ohne ihm näher zu kommen.
Frustriert verengten sich ihre Augen, während sie weiterhin in die Dunkelheit
starrte.
„Komm raus“, sagte sie laut und deutlich. „Ich weiß, dass du da bist, Mutant.“
Ein Lachen drang aus der Dunkelheit zu ihr, das ihr einen Schauer über den
Rücken laufen ließ. Und ehe sie reagieren konnte, warf sie etwas von den Beinen.
Noch überrascht darüber, dass sie das Lachen vor sich gehört hatte und er jetzt
plötzlich in ihrem Rücken war, rollte sie sich zur Seite, sprang auf und
erstarrte.
Obwohl sie in dem fahlen Licht der entfernten Lampen nicht viel erkennen konnte,
sah sie, dass es ein Mann war. Seine Augen schimmerten in der Dunkelheit wie die
einer Katze und ihr dämmerte plötzlich, dass er wahrscheinlich sehr viel besser
sah als sie. Ihr Körper spannte sich, als er langsam näher kam und sie ein
Grinsen in seinem Gesicht erkennen konnte.
„Wer bist du?“, stieß sie hervor und die Anspannung ihres Körpers setzte sich in
ihrer Stimme fort.
„Wer fragt das?“ Seine Stimme war dunkel und das eigenartige Gefühl, das seine
Präsenz auslöste, verstärkte sich. Dann griff er an.
Ailia konnte später nicht mehr sagen, warum sie sich auf den Kampf einließ.
Warum sie ihn nicht mit Hilfe ihrer telekinetischen Kräfte lahm legte und auf
Hilfe wartete. Vielleicht weil sie spürte, dass er noch immer spielte. Als sie
begann, seine Angriffe abzuwehren und selbst anzugreifen, spürte sie, dass sie
einen Gegner getroffen hatte, der ihr in seinen Fähigkeiten gleich stand und
ihre Gedanken wirbelten durcheinander.
Er war gut. Er war ein Mutant. Und er war mindestens so alt wie sie. Wer war er?
Einmal bemerkte sie zu spät, dass sie ihre Deckung vernachlässigte und er sie
hätte empfindlich treffen können, wenn er nicht ... gezögert hätte. Und sie
begriff, dass er noch immer spielte. Warum? Ihr nächster Schlag warf ihn von den
Beinen und triumphierend stürzte sie sich auf ihn, nur um schmerzhaft auf dem
Asphalt zu landen, dort wo sein Körper noch vor einer Sekunde gelegen hatte.
Sie fuhr herum und sprang auf, als sein Lachen in ihrem Rücken erklang.
Teleporter. Wieso hatte sie nicht gleich daran gedacht?
Ihre Faust schoss so überraschend und schnell vor, dass er nicht damit gerechnet
hatte, kollidierte mit seinem Magen und warf ihn gegen die Hauswand. Er
schnappte nach Luft, sah sie auf sich zustürzen und sie rechnete damit, gegen
die leere Wand zu laufen. Doch er sprang ihr entgegen, fing ihre Hände und warf
sie herum gegen die Hauswand.
Plötzlich sah Ailia sich mit der Tatsache konfrontiert, bewegungslos zwischen
der Wand und seinem Körper zu hängen, während seine Arme ihre Hände auf ihrem
Rücken festhielten.
Sie spürte seinen gesamten Körper, der sich gegen sie presste und jede seiner
Bewegungen durch die dünne Kleidung, die sie trug. Und sie atmete scharf ein,
als ihr bewusst wurde, was das hartes war, das sich gegen ihren Bauch presste.
Gott! Sie riss den Kopf hoch und sah sein Gesicht nur wenige Zentimeter von
ihrem entfernt. Seine Augen glänzen noch immer und trotz des diffusen Lichts
konnte sie seine Gesichtszüge erkennen. Markante Wangenknochen und scharf
geschnittene, schmale Lippen, die jetzt aufeinander gepresst waren, als kämpfe
er um seine Beherrschung.
Plötzlich wurde ihr heiß. Sie fühlte mit jedem ihrer Sinne seinen Körper, seine
Nähe und es nahm ihr den Atem. Ein eigenartiges Gefühl bildete sich in ihrem
Unterleib, zwischen ihren Beinen und ihr Verstand versuchte ihr panisch zu
sagen, sie solle etwas tun.
Dann hörte sie ihn nach Luft schnappen und sah seine Augen sich erstaunt weiten.
Mühsam kämpfte sie um ihre Beherrschung und stieß hervor: „Wer zum Teufel bist
du?“
„Ailia?“, hörten sie im gleichen Moment Kevins näher kommende Stimme. „Ailia?
Luzy? Wo steckst du denn?“
„Ailia? Oder Luzy?“, fragte der unbekannte Mutant und schaute mit schief
gestelltem Kopf auf sie hinunter. „Luzy ist besser, glaube ich. Hat so einen
Hauch von Luzifer.“ Dann senkte er seinen Kopf und Ailias Herz blieb fast
stehen. „Schade, dass wir nicht noch etwas Zeit haben, uns zu ...ähm ...
unterhalten“, murmelte er und presste seine Lippen kurz auf ihren Mund. Ailia
war zu schockiert und zu fasziniert, um zu reagieren. „Trevor. Trevor O‘Delta“,
sagte er dann. „Bye, Luzy. Hoffe, wir sehen uns noch einmal wieder.“
Sie keuchte erschrocken auf, als es leise ‚Plop‘ machte und sie allein gegen die
Wand sank. Eine ganze Weile noch starrte sie in die Luft, ehe sie endlich auf
Kevins Rufen reagierte.
Ailia stütze den Kopf auf die Hände und betrachtete das halbvolle
Glas, das vor ihr stand. Sie fühlte den Alkohol, der ihre Sinne benebelte, aber
die gewünschte Entspannung stellte sich nicht ein.
Alles, was sie wollte, war abschalten. Deshalb saß sie jetzt in dieser
verräucherten Bar am Ende der Welt und trank ein Glas nach dem anderen.
Gestern hatte es Nana erwischt, eine der hoffnungsvollsten Nachwuchsmutanten,
mitten im Training. Mitten in der Konzentration war sie ausgetickt, hatte
krampfartige Anfälle bekommen und mit Schaum vor dem Mund zusammengebrochen.
Ailia kannte diesen Anblick und sie hasste ihn. Wie viele Mutanten fanden sie
auf dieser Welt? Man konnte sie an den Fingern abzählen und bis jetzt gab es nur
zwei Menschen, die jemals das Erwachsenalter erreicht hatten, die die schwere
Phase des Auftretens der mentalen Kräfte überlebt hatte. Nur sie selbst und ...
‚Vergiss es’, sagte sie sich selbst. ‚Nur ich selbst und *er*.’
‚Plop‘ machte es neben ihr, als dieser *er* neben ihr materialisierte.
Erschrocken schaute sie sich um, doch die Bar war so leer, dass niemand sein
ungewöhnliches Erscheinen bemerkt hatte.
„Hi, Luzy“, grinste er sie spöttisch an.
„Willst du mir den Abend verderben?“, fragte sie müde.
„Hab gehört, dass du etwas niedergeschlagen bist.“ Er schwang sich neben ihr auf
den Barhocker. „Und da habe ich gedacht, du würdest dich freuen, mich zu sehen.“
Er fixierte eine Flasche hinter der Bar und ließ sie langsam zu sich herüber
schweben.
„Geh einfach wieder. Ich will deine Gesellschaft nicht.“ Mürrisch hob sie den
Kopf und beobachtete, wie die Flasche über den Tresen schwebte und dann vor
Trevor zum Halten kam. Trevor war ein Dreifachmutant, wenn man von der
Veränderung seiner Sinne einmal absah und sie hasste den Gedanken, dass er damit
über eine Fähigkeit mehr verfügte als sie selbst.
„Wir Mutanten müssen zusammenhalten“, teilte er ihr mit. „Ich bin der einzige
Freund, den du hast.“
Ailia schüttelte den Kopf. „Du bist nicht mein Freund. Du stehst auf der
falschen Seite. Wenn wir etwas sind, dann Feinde.“ Sie kippte ihr Glas hinunter
und füllte es neu.
Trevor lachte. „Gut, sind wir halt Feinde. Aber du solltest dich daran erinnern,
dass ich dir schon das Leben gerettet habe.“
„Na und? Ich deins auch.“ Damit gab sie zu, dass sie eben doch nicht unbedingt
Feinde waren. Sie arbeitete auf der Seite des Gesetzes, setze ihre besonderen
Fähigkeiten zu diesem Zweck ein, er nicht.
Er hatte eine Schwäche für sie, was er oft genug betonte - seit jenem Tag vor
sieben Jahren - und das war der einzige Grund, aus dem er ihr manchmal half. Um
ihr dann immer wieder auf die Nerven zu gehen, dass sie ihm etwas schulde und er
eine gute Möglichkeit kannte, um ihre Schuld zu verringern.
Und sie hasste es, wenn er sie mit diesem süffisanten Grinsen betrachtete und
gar nicht aussprechen musste, was er meinte. „Wie hast du mich gefunden?“
„Ich spüre dich überall auf, Luzy“, meinte er sanft. „Deine Ausstrahlung
lokalisiere ich um den halbe Erdball.“
Ailia knurrte missmutig. Das war etwas, das sie nicht vermochte. Neben der Gabe
der Teleportation, Telekinese und einer leichten Telepathie, waren alle Sinne
Trevors übernatürlich entwickelt: sensibilisierte mentale Ortung, seine Augen,
sein Gehör und sein Geruchsinn. Manchmal, wenn er sie – aus ihr unerfindlichen
Gründen - bei einem Fall begleitete, kam er ihr vor wie ein Jäger oder wie ein
Raubtier, das seine Beute verfolgte.
Einmal hatte er versucht zu erklären, wie einfach sich ein Mensch durch seinen
Geruch verriet, jedes einzelne Gefühl, ob Angst, Unsicherheit und Stolz. Und
nicht zu vergessen, betonte er, wie so oft mit einem schmutzigen Grinsen,
Erregung. Als Ailia den Blick fast verlegen abwandte, fügte er noch hinzu, dass
der Geruch einer erregten Frau wie eine Droge wirkte, unwiderstehlich.
„Toll“, lenkte sie ihre Gedanken ab. „Dann müsstest du spüren, dass ich meine
Ruhe haben möchte.“
„Hm, so richtig aufheiternd bist du nicht. Aber ich habe dich lange nicht
gesehen...“
„Ich habe dich nicht vermisst“, unterbrach sie ihn. Obwohl sie wusste, dass es
keinen Sinn hatte, griff sie nach seinem Geist. „Verschwinde.“
Er lachte auf. Wie jedes Mal, wenn sie es versuchte. „Du kannst mich nicht
beeinflussen. Müsstest du eigentlich nun langsam wissen, my little Hypno.“
„Ich will, dass du gehst.“ Ihre Stimme klang müde.
„Und ich langweile mich. Wenn ich mit dir zusammen bin, ist mir nie langweilig.“
Er trank sein Glas aus. „Vielleicht sollten wir uns gemeinsam betrinken. Du
liegst sowieso eher unter dem Tisch als ich. Ich bring dich dann heim.“
„Besoffen sollte man nicht teleportieren. Irgendwo gibt es bestimmt ein Gesetz,
das das unter Strafe stellt.“
„Wer sollte mich daran hindern?“ Seine Stimme hatte wieder einmal diesen
arroganten Unterton angenommen. „Ich liebe dieses Leben und den Gott, der mich
mit diesen Gaben ausgestattet hat. Luzy, du bist dumm, wenn du daraus keinen
Nutzen ziehst.“ Er legte wieder den Kopf schief.
„Das muss der Teufel gewesen sein. Ein Gott hätte niemals zugelassen, dass du
überlebst, während wirklich fähige Kinder wahnsinnig werden, wenn sie nicht das
Glück haben, gleich zu sterben...“ Ihre Stimme verklang und mühsam versuchte
sie, die Tränen zurück zu halten, die sich in ihren Augen bei der Erinnerung an
Nana bildeten.
Trevor ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. „Noch immer kein Glück gehabt?“,
fragte er spöttisch. „Ihr solltet aufhören, die Welt so krampfhaft nach Mutanten
zu durchsuchen. Wenn welche überleben, fallen sie irgendwann von allein auf.“
„Halt endlich den Mund!“, schrie sie übergangslos.
„Was ist passiert?“ Plötzlich war jeglicher Spott aus seiner Stimme
verschwunden.
Sie schüttelte den Kopf, als ihr die Verzweiflung die Kehle zuschnürte. Er
überraschte sie immer wieder.
Es wurde stillschweigend hingenommen, aber trotzdem nicht gern gesehen, dass er
immer wieder an ihrer Seite auftauchte. Da er keinerlei Hemmungen hatte, seine
zum Glück nur schwachen telepathischen Gaben einzusetzen, konnte auch kaum etwas
vor ihm geheim gehalten werden. Es machte ihm Spaß, ein gesamtes Einsatzkommando
an der Nase herum zu führen, mitten in hochgeheimen Verhandlungen aufzutauchen
und sich darüber zu freuen, dass das leitende Personal die Nerven verlor.
Niemand wagte es, ihm die Stirn zu bieten oder etwas gegen ihn zu unternehmen.
Keine von beiden Seiten. Weder ihre Seite, noch die Drahtzieher auf der Seite
des Verbrechens. Sein Name war bekannt und jeder wusste, dass er sehr
ungemütlich werden konnte, wenn man etwas gegen seinen Willen tat. Und da er so
ziemlich unangreifbar war, legte er sich mit jedem an.
Er war arrogant, frech und beleidigend offen. Und soviel wie Ailia wusste, war
er auch stinkreich. Sie hatte keine Ahnung, woher er das Geld hatte und wollte
es eigentlich auch nicht wissen, aber er brauchte sich um nichts Sorgen zu
machen.
Aber manchmal war er der einzige, der sie verstand. Weil er ein Mutant war.
Obwohl er ihre Gedanken nicht lesen konnte, fing sie an zu reden. Von Nana, von
den wenigen Kindern, die sie fanden und bei denen sie hofften, ihnen über die
schwere Zeit mit Hilfe des medizinischen Fortschritts helfen zu können. Und wie
sie immer wieder scheiterten.
Trevor sagte knallhart das, was in SECRET ONE niemand wahrhaben wollte. „Wenn es
einem Mutanten bestimmt ist, das Erwachsenalter zu erreichen, dann schafft er
das ohne eure Hilfe. Er schafft es oder er schafft es nicht. So wie wir beide.“
Sie stützte wieder den Kopf auf die Hände. „Ich verliere langsam die Hoffnung,
dass es jemals andere Mutanten außer uns geben wird.“
Er schenkte ihr eins seiner unwiderstehlichen Grinsen, und sie fragte sich zum
wiederholten Mal, warum jemand, der über solche Gaben verfügte, auch noch so
toll aussehen musste. „Wir sind einzigartig, Luzy. Das verbindet uns.“ Dann
trank er sein zweites Glas aus. „Du und ich, wir könnten die Welt
beherrschen...“ Er grinste wieder. „Soll ich dich heimbringen? Kostenloser
Sofortexpress?“
„Vergiss es. Du kommst nicht ins Hauptquartier.“
„Du willst heut’ Nacht zurück? Lügnerin. Wo übernachtest du?“, fragte er
scheinheilig. „Kann ich mitkommen?“
Ailia warf ihm einen bösen Blick zu. „Du bist der Letzte, den ich mit in mein
Zimmer nehmen würde!“
„Lügnerin.“ Er stand auf und beugte sich zu ihr. „Soll ich dir sagen, was ich
alles mit dir tun würde?“
„Ich will es nicht wissen!“ Ihre Stimme wurde fast panisch. Sie stürzte ihr Glas
hinunter und versuchte sich abzulenken, ehe ihr Körper auf seine Worte reagierte
und sie verriet. Sein schmutziges Grinsen und das Funkeln seiner Augen sagten
ihr jedoch, dass das bereits passiert war. Wütend erhob sie sich und fuhr ihn
an: „Du bist der letzte Mensch, mit dem ich ins Bett gehen würde. Der
Allerletzte!“
Er hob seine Hand und legte seine Finger unter ihr Kinn. „Luzy, du bist heute
wirklich gar nicht nett drauf. Früher oder später liegst du in meinem Bett.
Versprochen...“
Mit einem Knall stürzte die Luft in das entstehende Vakuum, als er verschwand
und sie starrte noch eine Weile auf die leere Stelle.
„Darauf kannst du lange warten“, murmelte sie müde und verdrängte den Gedanken,
dass sie sich manchmal wünschte, ihn im Kampf gegen das Verbrechen an ihrer
Seite zu haben, immer, nicht nur, wenn es ihm gerade in seinen Plan passte.
„Und was machst du beruflich, Ailia?“
Ailia schreckte hoch, lächelte kurz und überlegte, was sie antworten sollte.
Gestern noch schien es ihr eine gute Idee gewesen zu sein, am Klassentreffen
teilzunehmen. Sich endlich einmal so zu fühlen, als würde sie ein normales Leben
führen, endlich einmal einen normalen Abend verbringen.
Jetzt saß sie in einer schicken roten Seidenbluse, einem langen schwarzen Rock
und hohen Schuhen, in denen sie kaum laufen konnte, in einer Gaststätte und war
dummen Fragen ausgeliefert. Die Blicke ihrer ehemaligen Klassenkameraden hingen
an ihrem Gesicht und warteten auf eine Antwort.
Ich verbringe meine Zeit damit, mein Leben einzusetzen, um für eure Sicherheit
zu sorgen. Damit ihr euer sicheres normales Leben leben könnt.
„Hm“, sagte sie dann laut. „Ich arbeite als Chefsekretärin in einem großen
Unternehmen.“
Die Gedanken der anderen drängten sich ihr fast unwillkürlich auf. Was? Mehr
nicht? Und sie schloss demonstrativ ihren Geist und verfluchte ihre exzellente
telepathische Begabung.
„Bist du verheiratet?“, fragte Eileen, eine blonde, schlanke Frau neugierig.
„Kinder?“
„Weder noch“, gab Ailia belustigt zur Antwort und trotz der stehenden
Mentalblockade spürte sie das Mitleid der anderen. Scheiß Idee, dachte sie. Ich
hätte nie herkommen dürfen. Aber manchmal, wenn die Verantwortung zu schwer auf
ihren Schultern drückte, wünschte sie sich, mit einem dieser normalen Menschen
tauschen zu können. Einfach aufzuhören, anders zu sein. Einfach kein Mutant
sein.
Die Fragen rissen nicht ab. „Hast du einen Freund?“ Jeder andere hatte sie
genauso über sich ergehen lassen müssen, aber alle anderen hatten normale
Antworten.
Ailia schüttelte den Kopf.
„Du lebst allein?“ Diesmal war es Laura, die fragte.
„Nun ja, ich würde sagen, es ist eine WG“, gab Ailia zur Antwort und trank einen
Schluck Rotwein aus ihrem Glas. Viele nette Menschen in Uniform, jeder hat eine
Kabine, jeden Tag Kampftraining, jeden Tag Mentaltraining. Nein, allein lebte
sie nun wirklich nicht. Ihr Job war einer der bestbezahltesten der Welt, und sie
konnte von sich selbst behaupten, dass sie neben ihren einzigartigen mentalen
Fähigkeiten, eine exquisite Spezialkampfausbildung besaß. „Ich bin, glaube ich,
selten allein.“
„In einer WG? Ist ja irre.“
Ja, kannst du dir nicht vorstellen, in deiner heilen Welt mit Ehemann und zwei
Kindern im kleinen Eigenheim, was? Sie lächelte jedoch weiter, hörte den
belanglosen Gesprächen zu und versuchte sich zu entspannen. Versuchte nicht
daran zu denken, dass sie morgen wieder in der Einsatzbasis erwartete wurde.
Sie sah sich um. Die Gaststätte war voller Menschen, die dicht gedrängt an
kleinen Tischen saßen. Ein gemütliches Lokal und trotzdem hatte Ailia das
Gefühl, als gehöre sie nicht hierher. Sie lauschte den langweiligen Gesprächen
der anderen und das befremdliche Gefühl verstärkte sich immer mehr.
So war sie fast froh, als die Tür aufging und sie das vertraute Gesicht ihres
Mitarbeiters Kevin Shendor erblickte, der sie abholen und ins Hotel bringen
wollte.
Sie seufzte jedoch, als sie in Kevins grüne Augen blickte und verschloss
demonstrativ ihren Geist. Es passierte nicht oft, dass sie einen Auftrag nicht
allein erledigen konnte und Kevin war mehr als glücklich, zu wissen, dass sie
erst morgen abreisen würden und er noch ein paar Stunden ihre Gesellschaft
genießen konnte.
Ailia wappnete sich gedanklich schon darauf, einen total enttäuschten Kevin auf
sein Zimmer zu schicken und ihm zum hundertsten Mal zu erklären, dass sie
einfach nicht auf ihn stand.
„Du willst schon gehen?“, fragte Susan und musterte Kevin neugierig.
Ailia war aufgestanden und hatte nach ihrer Jacke gegriffen. Sie nickte. „Ich
hatte einen langen Tag. Ich bin müde“, log sie einfach und bemerkte, dass Kevin
ihre Rechnung bezahlte.
„Kevin!“, fuhr sie ihn genervt an, doch sie wurden unterbrochen, weil die Tür
aufgerissen wurde und sieben Männer mit erhobenen Maschinenpistolen in den Raum
stürmten.
Ein unglaublicher Tumult brach in dem Raum los, als die Hälfte der Menschen wild
aufsprang, während die andere schrie oder wie erstarrt auf den Plätzen sitzen
blieb.
Weder Ailia noch Kevin verzogen eine Miene, doch in ihren Köpfen arbeitete es.
Ailia hatte keine Ahnung, wer diese Männer waren, oder was sie wollten und sie
schloss halb die Augen, um sich konzentrieren zu können, als sie ihre
telepathischen Fühler ausstreckte. Dann jedoch schnappte sie erschrocken nach
Luft.
Der Tumult verstummte schlagartig, als einer der Männe die Waffe in die Luft
richtete und schoss.
„Ruhe jetzt!“, donnerte er. „Es wird niemandem etwas passieren, wenn ihr euch
vernünftig verhaltet. Hinsetzen.“
Ein lähmendes Schweigen erfüllte den Raum und Ailia versuchte abzuschätzen, wie
viele der Männer sie mit Hilfe ihrer telekinetischen Kräfte gleichzeitig
ausschalten konnte. Auf keinen Fall alle sieben. Sie biss die Zähne zusammen.
In diesem Moment öffnete sich wieder die Tür und eine Person betrat den Raum,
von der sie gedacht bzw. gehofft hatte, sie würde sie nicht so bald wieder
sehen. Alle Blicke im Raum drehten sich, als der dunkelhaarige Mann mit dem
scharf geschnittenen Gesicht und den kühlen, grauen Augen zur Tür hinein
geschlendert kam, kurz einen Blick in die Runde warf und „Oh“, sagte. „Störe
ich?“
Ailia ließ sich keine Regung anmerken. Was wollte er hier? Gehörte er dazu?
Die Männer mit den Maschinenpistolen schauten ihn wie erstarrt an. „O’Delta?“,
fragte der Anführer vorsichtig. „Gibt es einen Grund, dass Sie hier sind?“
Damit erledigte sich schon einmal Ailias eine Frage. Was wollte er dann?
Mit einer lässigen Bewegung kramte Trevor in den Taschen seines Ledermantels,
beförderte ein Päckchen Zigaretten hervor und entzündete eine. Dann grinste er
Ailia an.
„Hallo, Luzy.“ Ein weiterer kühler Blick traf Kevin. „Dreamboy“, nickte er nur.
„Was macht ihr hier? Einen kleinen Privatkrieg führen? Das ist aber nicht meine
Vorstellung von einem romantischen Abend.“
Kevin knirschte mit den Zähnen, doch Ailia warf ihm einen warnenden Blick zu.
Trevor sah wieder den Anführer der Männer an. „Wer ist der Chef von dem Ganzen?“
„Amdol“, sagte der Mann und klang in Trevors Gegenwart gar nicht mehr so
selbstbewusst.
Trevors Augenbrauen hoben sich und Ailia schnappte wieder nach Luft. Sie wusste
es schon aus den Gedanken des Mannes, doch nur bekam sie die endgültige
Bestätigung. Amdol handelte mit Menschen. Vor allem natürlich mit Sklaven auf
unterentwickelten Planeten, aber selbst das war illegal. Leider war es bisher
noch nicht gelungen, seiner habhaft zu werden und die Nachfrage nach billigen
Haussklaven war Schrecklicherweise enorm. Vielleicht nicht hier auf Terra, aber
auf Kolonien in weit entfernten Sternenregionen, dort, wohin der Gesetzesarm
Terras nicht reichte und wo sich Planetenverwalter zu Alleinherrschern
aufgeschwungen hatten.
Allerdings hatte Ailia nicht gewusst, dass sie sogar die Frechheit besaßen,
einfach in eine Gaststätte zu stürmen und Menschen zu kidnappen, aber sie hatte
sehr wohl schon von entführten Raumschiffen, Flugzeugen und auch Bussen gehört.
„Haben Sie etwas dagegen, O’Delta?“, fragte der Mann zögernd.
„Nein“, antwortete Trevor gleichgültig, zog an seiner Zigarette und ließ seinen
Blick durch die Gaststätte schweifen. „Solange ihr mir Luzy hier lasst.“
Kevin fluchte jetzt laut und Ailia funkelte Trevor an. Plötzlich schienen die
Augen jeder Person im Raum an ihnen zu kleben.
„Trevor, du weißt, was diese Männer vorhaben?“, begann sie ruhig.
„Sicher“, grinste er fast belustigt. „Bringt’ ne Stange Geld, würde ich sagen.“
Dann sah er sie plötzlich von oben bis unten an. „Luzy, ich habe dich noch nie
in so einem schicken Outfit gesehen. Was machst du hier?“
„Ich glaube nicht, dass dich das irgendetwas angeht“, zischte sie böse. Dann
besann sie sich wieder. „Du könntest das Ganze hier verhindern?“
„Warum sollte ich?“, erkundigte er sich spöttisch.
„Verdammt“, schrie Kevin unbeherrscht. „Ailia, tue etwas, du hast die Macht
dazu!“
Trevor verzog ironisch den Mund. „Unsere kleine Ailia weiß genau, dass sie nicht
sieben Personen zur gleichen Zeit ausschalten kann, richtig? Und dass es nicht
ohne Tote und Verletzte abgehen würde, wenn sie deinem Ratschlag jetzt folgen
würde. Sie liebt die Menschen zu sehr, um auch nur ein einziges Leben zu
riskieren.“ Er runzelte die Stirn. „Ich frage mich nur, wieso.“
„Wie viel willst du?“, stieß Ailia durch ihre Zähne hindurch.
„Was?“, tat Trevor erstaunt.
„Geld! Wie viel willst du?“
„Wer hat gesagt, dass ich von Geld rede?“ Er zog wieder an seiner Zigarette und
diesmal wurde Ailia heiß, als sein Blick sie traf.
Sie schluckte krampfhaft. Er würde das nicht wagen. Nein, das würde er nicht
wagen..
„Was soll das?“, mischte sich Kevin ein. „Wenn es irgendeine Möglichkeit gibt,
das Ganze hier unblutig zu beenden, dann tu es. Was willst du?“
Trevors Blick ließ Ailia nicht los und es amüsierte ihn, dass sie jetzt etwas
blass aussah. „Ich will Luzy“, sagte er einfach. „Eine Nacht gegen das Leben
dieser Menschen.“
Ailia erstarrte und fühlte unerklärbarer Weise, wie sich ein eigenartiges Gefühl
in ihrem Bauch bildete. Ich will Luzy.
„Gott, du bist doch wirklich das Allerletzte“, schrie Kevin und war schon fast
drauf und dran, sich auf den anderen Mann zu stürzen, als sich eine
Maschinenpistole in seine Richtung bewegte.
„Immer mit der Ruhe, junger Freund“, sagte eine kühle Stimme.
Kevins Hände ballten sich zu Fäusten. Ailia hatte noch immer keinen Ton von sich
gegeben und Kevin stieß hervor. „Du wirst das nicht tun, Ailia. Niemals. Ich
werde niemals zulassen, dass dieses...“
Ailia schluckte wieder, ehe sie ihn unterbrach. „Sei still, Kevin.“ Dann sah sie
Trevor an. „Du wirst dafür sorgen, dass keinem dieser Menschen ein Haar gekrümmt
wird?“
„Ailia!“, fuhr Kevin fast panisch auf.
Trevor nickte langsam.
„Ailia, es gibt eine andere Lösung. Du kannst das nicht tun. Nicht mit ihm.“
Ailias Blick wanderte durch den Raum. Sie wog noch einmal die Chancen ab, doch
das Ergebnis war immer wieder das gleiche. Das Leben von vielleicht hundert
Menschen stand gegen eine Nacht mit *ihm*. Sie schluckte wieder, ehe sie den
Kopf drehte und ihm die Antwort gab: „Ja.“
„Die ganze Nacht, Luzy“, sagte Trevor leise. „Du gehörst die ganze Nacht mir.
Gilt der Handel?“
„Ja“, erwiderte sie fest und fühlte sich doch, als hätte sie gerade ihr
Todesurteil unterschrieben. Doch sie erwiderte seinen Blick sehr kühl. „Du
bekommst nicht mich. Nur meinen Körper.“
Trevor zuckte mit den Schultern. „Ich nehme, was ich kriegen kann.“
Kevin fluchte auf. Er wollte auf Trevor losgehen, doch Ailias Hand griff nach
seinem Arm.
„Jetzt reiß dich zusammen!“, fuhr sie ihn an und beobachtete, wie Trevor mit dem
Anführer der Männer ein paar Worte wechselte. Ihr Magen zog sich bei dem
Gedanken an das, was sie gerade beschlossen hatte zu tun, zusammen.
Herrgott noch mal, wies sie sich selbst zurecht, mit ihm ist es auch bloß Sex.
Augen zu und durch.
Sie sah die Männer nicken und den Raum verlassen. Und sie bekam plötzlich keine
Luft mehr, als sich Trevor umdrehte und auf sie zukam.
„Ailia“, beschwor sie Kevin wieder. „Das ist kein Pakt, an den du dich halten
musst.“
„Luzy würde niemals ein gegebenes Wort brechen, stimmt’s?“ Trevor zündete sich
eine neue Zigarette an. „Nicht mal eins, das sie einem Menschen ausliefert, den
sie verabscheut.“ Er lächelte dieses Grinsen, das Ailia das Blut ins Gesicht
trieb und blies den Rauch in die Luft.
„Er ist ein Schwein, Ailia.“ Kevin klang verzweifelt. „Er tut das nur, um dich
zu demütigen. Ich möchte mir gar nicht vorstellen, was er mit dir vorhat.“
„Oh, stell’ s dir ruhig vor, Dreamboy“, spottete Trevor und zog wieder an seiner
Zigarette.
Ailia riss ihm mit einer wütenden Bewegung die Kippe aus den Fingern, warf sie
zu Boden und zertrampelte sie. Trevor sah sie sehr amüsiert an und grinste schon
wieder, als sie ihm den Zeigefinger in die Brust bohrte. „Wenn du noch so eine
dämliche Zigarette rauchst, wirst du auf eine andere Nacht warten müssen“,
fauchte sie gereizt.
„Du bist wirklich der widerwärtigste Mensch, der mir je begegnet ist“, erklärte
Kevin gerade und sein Gesicht färbte sich rot. „Du hättest wirklich all diese
Menschen hier ihrem Schicksal ausgeliefert, oder?“
„Mich gehen diese Menschen einen Scheißdreck an“, sagte Trevor und freute sich,
dass Kevin noch röter wurde. Dabei war er sich nicht einmal sicher, was er getan
hätte. Aber der Gedanke, Ailia zu bekommen, war einfach zu verlockend gewesen.
Wenn sie nein gesagt hätte, hätte er weiter darüber nachgedacht. Hatte sie aber
nicht. Es war ihm in dem Moment klar geworden, als er sie hatte blass werden
sehen.
„Gott“, stieß Kevin hervor. „Was muss das doch für ein Scheißgefühl sein, wenn
du solche Tricks brauchst, um sie in dein Bett zu kriegen!“
„Kevin!“ Ailia holte tief Luft.
Trevor dagegen schien die Bemerkung überhaupt nicht zu stören. Er grinste sogar
noch breiter, als er sagte: „Tja, Dreamboy. Aber ich *habe* sie in meinem Bett.
Etwas, wovon du nur träumst.“
Kevin sah rot. Er stürzte nach vorn auf einen, ihn wie ein Insekt betrachtenden,
Trevor und lief gegen eine unsichtbare Wand. „Du elendes Schwein!“, tobte er und
klang fast hysterisch. „Ailia, du bleibst hier. Du bleibst hier! Wir finden eine
andere Lösung.“
Trevor streckte seine Hand in Ailias Richtung aus. Ailias Mut sank zum ersten
Mal in ihrem Leben ins Bodenlose und sie fragte sich, ob sie wirklich stark
genug war, diese Nacht durchzustehen. Doch sie zwang sich, ihm diese Schwäche
nicht zu zeigen und legte ihre Hand in seine. Trevor sah ein letztes Mal auf
Kevin.
„Ich bringe sie nach SECRET ONE. Morgen.“
Und Ailia setzte hinzu. „Tue mir einen Gefallen, Kevin. Flieg zurück und mach
kein Drama daraus.“
Sie hörte Kevins Antwort nicht mehr, weil sie den charakteristischen Schmerz der
Entstofflichung spürte und die Umgebung schlagartig wechselte.
Sie materialisierten vor einem Herrenhaus, das auf den Klippen
direkt am Meer stand. Ailia zog einen Moment scharf die Luft ein und wollte ihm
ihre Hand entziehen, doch er hielt sie fest, lächelte sein berühmtes Grinsen und
zog sie mit sich.
Die Tür wurde ihnen von einem Butler geöffnet, der aus einem der uralten Filme
entsprungen schien. Er musterte sie mit einem undefinierbaren Blick und senkte
den Kopf.
„Mylord, ich habe Euch heute noch gar nicht zurück erwartet.“ Dann sah er Ailia
an. „Miss...?“
Trevor schob sich an ihm vorbei. „James, das ist Lady Ailia. Sei so freundlich
und bring eine Flasche Wein auf mein Zimmer.“
Ailia meinte, ein überraschtes Aufleuchten in den Augen des Butlers zu sehen,
doch sie kam nicht dazu, weiter darüber nachzudenken, den Trevor zog sie mit
sich die Stufen hinauf.
„Ich zeige dir das Haus später“, meinte er unbekümmert. „Wenn du es sehen
willst.“
Ailia wollte gar nichts. Nur einfach wieder verschwinden. Sie war nervös und
kämpfte zum ersten Mal in ihrem Leben damit, ihm das Zittern ihrer Hände nicht
zu zeigen.
Er öffnete eine Tür, wahrscheinlich die zu seinem Schlafzimmer. Da er immer noch
ihre Hand hielt, blieb ihr nichts anderes übrig als ihm zu folgen.
Es war sein Schlafzimmer.
An der oberen Seite des Zimmers stand ein riesiges, altmodisches Doppelbett,
genauer ein Himmelbett, das von vier hölzernen Pfosten eingerahmt wurde. Daneben
befand sich eine Kommode. Auf der anderen Seite des Zimmers stand ein
Schreibtisch, auf dem jede Menge Papiere lagen. Ailia erkannte eine weitere Tür
und nahm an, dass das Zimmer über ein eigenes Bad verfügte.
Trevor ließ sie endlich los und öffnete die Tür zum Balkon. „Möchtest du hinaus?
Der Ausblick ist wirklich sehenswert.“
Ailia zuckte mit den Schultern, trat jedoch an ihm vorbei, hinaus auf den
Balkon, der so groß war, dass man schon fast Veranda zu ihm hätte sagen können.
Es verschlug ihr fast den Atem, als sie auf das jetzt beinahe schwarze Meer
hinaus blickte. Obwohl es noch nicht ganz Mitternacht war, konnte sie nirgendwo
ein Licht erkennen. Sie trat an das Geländer heran und starrte hinunter,
dorthin, wo die Wellen gegen den Fels krachten, auf dem das Haus errichtet
worden war.
Ein eigenartiges Gefühl stieg in ihr hoch. Sie hatte nicht gewusst, dass Trevor
ein solches Haus besaß. Wahrscheinlich gab es eine Menge Dinge über ihn, die sie
nicht wusste.
Sie hörte die Tür gehen und James mit Trevor reden. Mit der Weinflasche und zwei
Gläsern in der Hand folgte er ihr auf den Balkon. Ailia drehte sich um und
lehnte sich gegen das Geländer. Er drückte ihr die Gläser in die Hand und
entkorkte die Flasche. Ailia fühlte sich so nervös wie noch nie in ihrem Leben.
Und das Grinsen, das seine Mundwinkel umspielte, trug nicht dazu bei, ihre
Nervosität abflachen zu lassen.
Als er die Gläser ausschenkte, brachte sie heraus. „Ich will nichts trinken.“
Er sah sie mit schief gelegtem Kopf an. „Trink das Glas, Luzy. Du siehst aus,
als könntest du es gebrauchen“, sagte er und für den spöttischen Ton in seiner
Stimme hätte sie ihm am liebsten die Faust ins Gesicht geschlagen. Er lehnte
sich neben sie gegen das Geländer und starrte in die Nacht. „Ich habe dich noch
nie nervös erlebt. Ich finde es süß.“
Ailia schoss das Blut in den Kopf. „Ich bin nicht nervös“, zischte sie, setzte
das Glas Wein an und kippte es hinunter.
„Ich habe davon geträumt, weißt du.“ Er drehte den Kopf zu ihr und lächelte.
„Allerdings musste ich in meinem Traum nicht etwas … ähm … nachhelfen. Oder, na
gut, auch ein wenig…“
Nett ausgedrückt. Ailia antwortete nicht. Plötzlich stellte sie fest, wie
eigenartig grau seine Augen in dem Licht erschienen, das durch die offene Tür
auf den Balkon fiel. Gut, sie hatte ihn noch nie richtig angesehen, jedenfalls
nicht unter dem Blickpunkt Ich-werde-heute-Sex-mit-ihm-haben.
Er sah toll aus, das war nicht abzustreiten. Die Frauen flogen auf ihn und
selbst auf SECRET ONE schwärmte die eine oder andere hinter seinem Rücken, wenn
er mal wieder einen seiner alle Leute verrückt machenden Besuche veranstaltete.
Er war groß, bestimmt einen Kopf größer als sie, schlank, sehnig gebaut und
trotzdem breit in den Schultern, jedoch ohne massig zu wirken.
Seine dunklen Haare waren kurz geschnitten und standen immer etwas wirr auf
seinem Kopf herum, so als würden sie ihn nicht kümmern. Scharfe Wangenknochen,
ein markantes Kinn, schmale Lippen und dann diese eigenartig grauen Augen.
Manchmal schauten sie, als wären sie aus Eis und jetzt schienen Funken darin zu
glitzern und ließen das Grau heller erscheinen als es im Tageslicht war.
Ailia wusste, dass sich seine Sicht im Moment auf Nachtsehen umgestellt hatte,
und dass die Augen schillerten, wenn es komplett dunkel war, aber sie hatte ihn
noch nie so direkt dabei angesehen.
Sie wurde wieder rot, als ihre auffiel, dass sie ihn schon eine ganze Weile
anstarrte und drehte den Kopf.
Trevor lächelte erneut, ging um sie herum, so dass er jetzt vor ihr stand und
nippte an seinem Wein. Er war nicht so nah, dass es Ailia unbehaglich wurde,
aber irgendetwas in seinem Blick, ließ plötzlich einen Schauer ihre Wirbelsäule
hinauflaufen, der jedoch komischerweise nicht unangenehm war.
„Zieh dich aus, Luzy“, sagte er leise.
Ailia hätte fast ihr leeres Glas fallen gelassen. „Was…?“, fragte sie schwach
und umklammerte das Glas, um zu verbergen, dass ihre Hände zitterten.
Sie fühlte sich eigenartig. Ihr Verstand sagte, dass es eine Unverschämtheit
war, während ein anderer Teil meinte, sie habe sich auf das Spiel eingelassen,
sie hätte ahnen sollen, dass ein Trevor nicht mit einem beliebigen anderen Mann
vergleichbar war. Und dieser Teil war auch für das Prickeln verantwortlich, das
plötzlich durch ihren Körper fuhr, als sein Blick von ihrem Gesicht ihren Körper
abwärts glitt.
„Ich möchte, dass du dich ausziehst, Luzy“, wiederholte er, ohne die Stimme zu
heben. „Alles.“
Sie schluckte wieder. „Du bist wahnsinnig…“, flüsterte sie und erntete dafür
wieder ein sehr verruchtes Grinsen. „Du hast wirklich vor, das so richtig
auszukosten, ja?“
Er kam einen Schritt auf sie zu, stellte das Weinglas auf das Geländer, stützte
seine Hände zu ihren beiden Seiten ab und beugte sich zu ihr. „Ich denke schon,
dass mir so etwas vorschwebt“, hauchte er und Ailia hielt die Luft an, weil sein
Gesicht plötzlich nur noch wenige Zentimeter von ihrem entfernt war.
„Was ist, wenn ich es nicht tue?“, fragte sie genauso leise.
Er hob eine Augenbraue und zuckte mit den Schultern. „Dann tue ich es“, sagte er
einfach. Seine Hand hob sich und Ailia erstarrte, als seine Finger über ihren
Hals strichen und dann an der Knopfleiste ihrer Bluse entlang abwärts. „Ich
meine“, fuhr er fort und hob die Augen von seinen Fingern wieder zu ihrem
Gesicht. „Unser Deal sieht nicht vor, dass du dich wehrst, oder?“
Ailia hatte plötzlich sehr viel Mühe, überhaupt zu atmen. „Nein“, brachte sie
dann heraus.
Er nahm ihr das Glas aus der Hand, das sie immer noch umklammerte, stellte es
neben seines und meinte mit einem feinen Lächeln. „Wenn ich es tue, werde ich
ewig in Erinnerung behalten, dass meine kleine Luzy vor mir Angst hatte.“
„Gott, du bist ein…“, stieß Ailia wütend hervor und schlug ihm gegen die Brust.
„Ich bin nicht *deine* Luzy!“ Und schnappte nach Luft, als er sich im nächsten
Moment gegen sie presste.
„Heute Nacht, Luzy“, flüsterte er neben ihren Ohr, „…bist du es.“
Ailia schloss die Augen, als ein eigenartiger Sturm durch ihren Körper schoss
und eine ungewohnte Schwäche in ihren Beinen auslöste. Sie fühlte seinen Atem
neben ihrem Ohr und rechnete damit, dass er sie küssen würde, doch er lehnte
sich wieder zurück.
„Zieh dich aus, Luzy“, sagte er wieder.
Sie war für einen Moment froh, wieder atmen zu können. Dann sah sie ihn
zurücktreten und ihr Herz fing an zu klopfen. Sie konnte das nicht. Nicht vor
ihm. Nicht, wenn seine Blicke jeden ihrer Handgriffe verfolgten.
Plötzlich fühlte sie sich wirklich hilflos und ihm ausgeliefert, obwohl er
nichts anderes tat, als sie anzusehen. Und sie fragte sich, ob es nicht ein
Riesenfehler war, dem ganzen zuzustimmen. Doch sie hatte es nun einmal getan. Es
gab keinen Weg zurück. Durch das Eingehen auf seine Forderung rettete sie
Menschenleben, oder verhinderte, dass Menschen ein Schicksal ereilte, das
vielleicht schlimmer war als der Tod. Waren diese Menschen es wert, dass sie
ihren Stolz hinunter schluckte? Zögernd griff sie nach den Knöpfen ihrer Bluse.
„Zuerst den Rock“, murmelte er und Ailia hob überrascht den Kopf, weil seine
Stimme plötzlich heiser klang.
Wow, dachte sie, so hätte mich mal ein anderer Mann ansehen sollen. Seine Augen
schienen sie zu verbrennen, als sie langsam die Hände zu den Knöpfen des langen
Rockes bewegte und diese öffnete. Sie ließ Trevor nicht aus den Augen und für
einen Moment schien es ihr, als müsse er sich gewaltsam zwingen, gleichmäßig zu
atmen. Mit einem knisternden Geräusch rutschte der Rock zu Boden und blieb um
ihre Füße liegen.
Sein Blick schien an ihren Beinen zu kleben und es dauerte ein ganze Weile, ehe
er ihn anhob und in ihre Augen sah. „Die Bluse…“
Jetzt zitterten ihre Finger wieder, als sie Knopf für Knopf langsam öffnete. Sie
kam sich vor wie in einem Traum. Einem reichlich seltsamen Traum, wenn sie einem
Mann erlaubte, von ihr so etwas zu verlangen. Die Bluse rutschte ihre Schultern
hinunter und blieb auf dem Rock liegen. Ailia kam sich jetzt schon ziemlich
nackt vor und fühlte, wie sich ihre Wangen unter seinem Blick röteten.
Trevor sagte nichts mehr, weil er mehr damit zu kämpfen hatte, die Reaktion
seines eigenen Körpers zu verbergen. Sie sah einfach toll aus und er konnte noch
immer nicht recht glauben, dass sie wirklich da war.
Gut, nicht so ganz freiwillig, aber was machte das schon. Fakt war, er würde sie
haben, heute Nacht, und er schwor sich selbst, dass sie diese Nacht in ihrem
Leben nicht vergessen würde.
Jetzt fühlte er sich allerdings eher so, als würde er jeden Moment in seiner
Hose kommen. Sie war noch immer nervös und diese Nervosität zusammen mit der
herrlichen Röte ihrer Wangen trieb die Erregung in seinem Körper in eine
ungeahnte Höhe. Sein Mund war trocken und dabei trug sie noch immer diese
niedliche Unterwäsche.
„Weiter, Luzy“, krächzte er mühsam und fluchte lautlos, als sie ihm einen
eigenartigen Blick zuwarf.
Er biss die Zähne aufeinander und zwang sich, einfach zuzusehen, wie sie den BH
öffnete und er genauso wie der Slip auf dem Boden landete. Er benötigte wirklich
seine gesamte Selbstbeherrschung, um stehen zu bleiben und sich nicht einfach
auf sie zu stürzen und sie hier und jetzt sofort zu nehmen. Es wäre zu einfach.
Sie hatte ihn zu lange warten lassen, dachte er für sich. Es ist mein Recht,
diese Situation ein wenig auszunutzen und sie ein bisschen schwitzen zu lassen.
Ailias Wangen glühten. Sie wünschte sich, weglaufen zu können und bezwang mühsam
den Wunsch, zu versuchen, sich mit ihren Händen zu bedecken. Sie wusste genau,
sie würde wahnsinnig werden, wenn er sich mit einem spöttischen Grinsen daran
weidete, wie peinlich ihr die ganze Sache war. So reckte sie einfach das Kinn in
die Luft, ignorierte ihren hochroten Kopf und sah ihn herausfordernd an. Er
würde doch nicht Stunden nur starren, oder?
Trevor schaffte es endlich, seine Betäubung abzuwerfen. Er ging auf sie zu und
fragte sich einen Moment, warum sie die Situation nicht ausnutzte. Er nahm an,
dass sie einfach nur wollte, dass es schnell vorbei war und eine winzige Geste
ihrerseits in dieser Richtung würde reichen, um ihn die Kontrolle verlieren zu
lassen.
Dass sie es nicht tat, konnte eigentlich nur zwei Ursachen haben. Entweder, sie
verabscheute ihn so sehr, dass sie der Gedanke, die Initiative zu ergreifen,
einfach anekelte oder … sie wusste es nicht. Sein Schwanz wurde bei diesem
Gedanken noch ein wenig steifer. Er überlegte einen Moment und ihm ging auf,
dass ihm eigentlich nur zwei Personen bekannt waren, von denen er wusste, dass
sie mit ihr im Bett waren. Das konnten nicht alle sein. Oder? Nein, eigentlich
reichten sie, denn Trevor hatte schon all seine Beherrschung aufbringen müssen,
um diese beiden Männer nicht in dem Moment zu verprügeln, als er es aus deren
Gedanken erfahren hatte.
Ailia hatte sich nicht gerührt, als er sie erreichte, sondern sah ihm nur mit
großen Augen entgegen. Sie schluckte wieder und versuchte, ruhig zu atmen. Und
plötzlich fragte sich Trevor, ob ihre Nervosität nicht vielleicht eher mit ihrer
mangelnden Erfahrung zu erklären war.
Seine Hand hob sich, strich sanft über ihre Wange und fuhr dann über ihren Hals
zu ihren Brüsten. Sie war perfekt. Er hatte es geahnt, als er sie zum ersten
Mal, damals an dieser Wand, gesehen hatte. Ihr zierlicher und so anmutiger
Körper, ihre Bewegungen, als sie gegen ihn kämpfte, all das hatte ihn
fasziniert. Sie zitterte, als seine Finger über ihre Brust strichen und die
Brustwarzen sich automatisch aufrichteten.
Trevor sah, wie sich ihre Brust stoßweise mit ihrer Atmung hob und senkte und
sie ihre Zähne in ihre Unterlippe grub, wahrscheinlich, weil sie dagegen kämpfen
musste, seine Hand nicht wegzustoßen. Dieser Gedanke erregte ihn komischerweise.
Wie lange würde sie den Mund halten und sich beherrschen können? Seine Hand
umschloss ihre Brust, während die zweite ihre Hüften abwärts strich und ihren
Hintern umfing. Er lächelte still, als er sah wie sich ihre Hände zu Fäusten
ballten.
„Du bist wunderschön, Luzy“, flüsterte er und hörte sie tief einatmen.
Ailia wäre am liebsten weggerannt. Sie hatte plötzlich Angst. Keine Angst vor
ihm, sondern vor sich selbst. Ihr war die ganze Zeit nie der Gedanke gekommen,
dass ihr gefallen könnte, was er vorhatte.
Aber als seine Hände jetzt so federleicht über ihre Haut strichen, ging ihr zum
ersten Mal, seit ihrer Zustimmung auf, dass diese Nacht ganz anders verlaufen
könnte als sie sich vorgestellt hatte. Sie fühlte sich so eigenartig. Ihre Haut
schien hypersensibel und seine Finger schienen eine glühende Spur dort zu
hinterlassen, wo er sie berührt hatte.
Er beugte sich vor und zum ersten Mal berührten seine Lippen ihren Hals. „Ich
finde den Gedanken einfach fantastisch“, flüsterte er neben ihrem Ohr und Ailia
schloss die Augen. „…dass ich heute Nacht mit dir anstellen kann, was ich
möchte.“
Schlagartig schoss eine glühende Hitze zwischen Ailias Beine und sie fragte
sich, was zum Teufel mit ihr los war. Sie sollte ihm eine kleben und ihn
schleunigst daran hindern, so etwas zu sagen. Doch eine leise Stimme in ihrem
Kopf fragte flüsternd, was er denn vorhaben könnte.
Trevor schloss ebenfalls die Augen und atmete tief durch, als ihn der Geruch
ihrer Erregung traf. Damit hatte er nicht gerechnet. Jedenfalls jetzt noch
nicht. Er erwog einen kurzen Moment, sie doch sofort einfach auf dem Balkon zu
vögeln. Doch damit wäre sein schönes Spiel vorbei. Mit einem Grinsen ergriff er
ihre Hand und zog sie mit sich zurück ins Zimmer.
Ailia stolperte aus ihrer Kleidung, die noch auf dem Boden lag, heraus und
verlor fast die Balance, weil sie immer noch die hohen Absatzschuhe trug.
„Trevor, meine Sachen…“ begann sie, doch er unterbrach sie mit einem einfachen:
„Du brauchst sie eh nicht.“
Im Zimmer angekommen, blieb er vor dem Bett stehen und drehte sich zu ihr um.
Sie war schon wieder so herrlich errötet und er grinste, weil er genau wusste,
wie peinlich es ihr war, so komplett nackt neben ihm zu laufen. Er spielte kurz
mit dem Gedanken, ihr das Haus zu zeigen, ahnte jedoch, dass das für ihn
schlimmer wäre als für sie. Vielleicht später…
„Zieh mich aus“, befahl er leise.
„Kannst du das nicht selber“, murmelte sie und runzelte so süß die Stirn, dass
er sie am liebsten auf das Bett geworfen hätte. Allerdings schien sie gar keine
Antwort zu erwarten, denn ihre Finger hoben sich zu seinem Hemd. Und verharrten.
„Hast du jetzt auch wieder irgendwelche Wünsche, was ich zuerst ausziehen soll?“
Trevor lachte auf und schaffte es nicht, sich zu beherrschen. Er schlang seinen
Arm um ihren Hals und presste seine Lippen auf ihren Mund.
Ailia dachte, sie träfe der Schlag, als sich ihre Lippen berührten. Natürlich
war sie vorher geküsst worden. Oft, eigentlich. Aber das hier warf sie einfach
um. Sein Kuss war alles: Verlangen, Feuer, Leidenschaft… Seine Zunge drängte
zwischen ihre Zähne, während seine Hand in ihre Haare griff und ihren Kopf
festhielt. Und sie vergaß alles andere um sich herum, das einzige, was zählte,
waren seine Zunge und seine Lippen.
Er war derjenige, der seinen Kopf von ihr losriss und er war froh, dass Ailia
recht benommen dreinschaute und so das Chaos in seinen eigenen Augen nicht sehen
konnte. Seine Hose war plötzlich mehr als eng und er sagte sich, dass er sterben
würde, wenn er sich nicht gleich zwischen ihren Beinen vergraben konnte. Er
wollte sie jetzt. Sofort.
„Es ist egal, Luzy“, brachte er mit halbwegs normaler Stimme hervor und war
richtig stolz auf sich.
Ailia zuckte mit den Schultern. Sie versuchte, gleichgültig zu wirken, aber ihre
Hände zitterten schon wieder so verdächtig, als sie sein Hemd aufknöpfte. Er
ließ sie nicht aus den Augen und fast schien es ihr, als würde er genauso nach
Luft ringen wie sie. Sie schob das Hemd über seine Schultern, die Arme hinab und
es landete zu seinen Füßen genau so wie vorher ihre Kleidung. Ihr Mund wurde
plötzlich trocken und sie schaffte es nicht einmal mehr, ordentlich zu
schlucken. Fast automatisch strichen ihre Finger über seine nackte, vollkommen
haarlose Brust und sie stellte so für sich fest, dass er wirklich einen
fantastischen Körper hatte.
Trevor fing ihre Hand, ehe ihn ihre vorsichtigen Berührungen die Kontrolle
verlieren ließen. „Du willst mich doch sicherlich gar nicht anfassen, Luzy,
oder?“, fragte er und hoffte, dass seine Stimme wie gewohnt spöttisch klang.
Ailia starrte auf ihre Hand und dann auf ihn. „Nein“, sagte sie leise. Böse
Hand.
„Dann tue es nicht“, flüsterte er. „Mach weiter“, befahl er dann.
Sie runzelte zwar die Stirn, doch sie tat, was er sagte. Er dankte Gott dafür,
und kam zu dem Schluss, dass sie wirklich so unerfahren war wie er vermutet
hatte, da sie nicht merkte, was mit ihm los war. Er hielt die Luft an, als sie
die Knöpfte seiner Hose öffnete, sie über seine Hüften streifte und er hörte sie
scharf die Luft einziehen, als sich ihr seine Erektion entgegen streckte.
Neugierig wartete er, doch sie rührte sich nicht, sondern starrte wie
hypnotisiert auf seinen Unterkörper.
Ailia ging währenddessen durch den Kopf, dass sie noch niemals einen nackten
Mann in diesem erregten Zustand gesehen hatte. Es war immer dunkel gewesen, wenn
sie… Eigentlich sah er interessant aus. Und recht groß. Ob die anderen Männer
auch so groß gewesen waren? Sie fühlte plötzlich den ihr völlig unerklärbaren
Drang, ihn anzufassen, bezwang sich jedoch noch rechtzeitig und das Blut schoss
in ihr Gesicht.
„Luzy?“, fragte er amüsiert und ihr hochroter Kopf fuhr hoch. „Wolltest du mir
nicht meine Hosen ausziehen?“
„D-du brauchst die Hose doch jetzt nur r-runterrutschen zu lassen“, stotterte
sie und klang leicht panisch.
Er hob seine Augenbraue. „Sie ist recht eng. Und rutscht nicht von allein.“
Er war wahnsinnig. Ailias Herz begann zu hämmern. Trevor fand, dass ihre
herrliche Nervosität und Verlegenheit ihn für all die Stunden entschädigte, in
denen er von ihr geträumt hatte und fluchend aufgewacht war, weil sie nicht da
war. Für jeden dieser eisigen Blicke, mit denen sie ihn bedacht hatte.
„Heute noch, Luzy“, sagte er leise.
Kevin hatte Recht. Er wollte sie demütigen. „Nein“, flüsterte sie.
„Schade“, grinste Trevor. Wieder hob sich seine Hand und Ailia erschauderte, als
seine Finger über ihre Brüste strichen. „Schön zu wissen, dass es etwas gibt,
das dir Angst macht...
Sie fluchte, ging übergangslos in die Knie und zog seine Hosen bis zu seinen
Füßen. Er würde dafür büßen, schwor sie sich.
Trevor starrte auf ihren dunklen Lockenkopf hinab und gab sich einen kurzen
Moment der reizenden Vorstellung hin, wie es wäre, ihren Kopf zu ergreifen und
seinen steifen Penis zwischen ihre Lippen zu schieben. Doch er wusste genau,
dass er sie heute bestimmt zu einer Menge überreden konnte, aber garantiert
nicht dazu. Schade, aber nicht zu ändern.
So schnell wie sie auf den Knien war, war sie auch wieder oben und funkelte ihn
recht angriffslustig an. Trevor schloss mit einem einzigen Schritt den Abstand
zwischen ihnen und seufzte leise, als er ihren warmen Körper an seiner Haut
spürte. Seine Lippen fanden wieder ihren Mund und es erstaunte ihn etwas, dass
sie seinen Kuss so willig beantwortete.
Ailia dagegen musste wieder die Tatsache verdauen, dass sie an nichts anderes
denken konnte, wenn er sie küsste. Seine Zunge neckte sie, seine Hand umfing
ihren Hals, während die zweite sich um ihre Taille schlang und sie gegen ihn
presste. Überdeutlich spürte sie seine Erektion, die gegen ihren Bauch drückte
und das Pochen zwischen ihren Beinen wurde stärker. Automatisch hoben sich ihre
Hände, berührten seinen Körper und … er beendete den Kuss.
Sie sah schon wieder so benebelt aus, dass er fast gelächelt hätte, doch er
zwang sich, es nicht zu tun und ergriff ihre Hände. „Luzy, ich will nicht, dass
du mich anfasst, wenn du es nicht selbst willst“, sagte er ernst.
Ailia fragte sich, wieso ihr nie aufgefallen war, wie viel seine Augen
ausdrückten. Dieses eigenartige Grau brachte sie total durcheinander. Im Moment
sah er sie so durchdringend an, dass sie sich fühlte, als würde sie gleich
ohnmächtig werden.
„Vielleicht“, sinnierte er plötzlich, „… sollte ich dir helfen.“
Von was hatte er gesprochen?
Ohne sich um seine eigene Nacktheit zu kümmern, ging er zu der Kommode, griff in
eine Schublade und kam zu ihr zurück. Ailia runzelte schon wieder so niedlich
die Stirn und er fragte sich, ob sie wusste, was sie ihm damit antat.
Ehe sie sich jedoch besinnen oder etwas sagen konnte, hatte er sie auf seine
Arme genommen und trug sie zum Bett. Er legte sie auf das Laken, ließ sich neben
ihr fallen und beugte sich über sie. Sie hatte sich auf ihre Ellenbogen
aufgerichtet und blickte ihn beunruhigt an. Sie trug noch immer diese
hochhackigen Schuhe, aber das schien ihn nicht zu stören. Seine Hand strich über
ihren Bauch und er sah wie sich die Muskeln unter seiner zarten Berührung
zusammenzogen.
Einen kurzen Moment presste er seine Lippen auf ihren Bauch, ehe er zu ihrem
Gesicht hochblickte. Sie sah ihn mit einer Mischung aus Faszination und
Fassungslosigkeit an und er grinste leicht, weil er ahnte, dass sie mit etwas
anderem gerechnet hatte.
Wahrscheinlich damit, dass er sie einfach aufs Bett warf, ihr die Kleider vom
Leib riss und sie vögelte. Nun, irgend so ein Gedanke war tatsächlich in seinem
Kopf aufgetaucht.
Wieso ließ er sich soviel Zeit? Ailias Zähne gruben sich in ihre Unterlippe, als
sie beobachtete wie seine Lippen ihren Körper hinauf wanderten, ihre Brust
erreichten und sie seufzte leise, als sie seine Zunge spürte, die um ihre
Brustwarzen strich. Sie konnte die Zärtlichkeit, mit der er sie im Moment
behandelte nicht mit dem eiskalten, ätzenden Trevor in Verbindung bringen, den
sie kannte. Zwischen ihren Beinen wuchs der Druck und sie fühlte förmlich die
Feuchtigkeit, die sich dort bildete. Automatisch griff ihre Hand wieder um
seinen Hals.
Trevor grinste gegen ihre Haut. Von wegen, sie wollte ihn nicht anfassen. Doch
er wollte, dass sie das auch zugab. Er hob den Kopf und fing ihre Hand.
„Luzy“, schimpfte er. „Du sollst mich nicht berühren, weil du denkst, es gehört
dazu.“
Plötzlich sah sie, was er in der Hand hatte. Es war ein Seidenschal, den er
jetzt um ihr Handgelenk band, ihre zweite Hand ergriff und ihre Hände aneinander
fesselte.
„Was machst du da?“ brachte sie fassungslos hervor.
„Ich helfe dir“, erklärte er verschmitzt, hob ihre Hände über ihren Kopf und
verschnürte den Seidenschal am Kopfende. Sie musste sehr entsetzt sein, wenn sie
mit keiner Geste dagegen protestierte. Vorsichtig beugte er sich zu ihrem
Gesicht, hauchte einen Kuss auf ihre Lippen und sagte leise. „Wenn du es dir
anders überlegst, Luzy, wenn du mich wirklich berühren willst, weil du es
willst, dann sag es einfach. Oder zerreiß den Schal. Oder öffne ihn
telekinetisch.“
Ailia wusste, dass dieser Schal keineswegs dazu geeignet war, sie festzuhalten.
Eigentlich konnte nichts einen Telekineten festhalten. Trotzdem war es
Schwachsinn gewesen, ihn das tun zu lassen. Weil es sie vor eine Entscheidung
stellte. Wenn du mich berühren willst… Natürlich wollte sie das nicht. Sie
wollte es noch nie. Sie war nicht einmal freiwillig hier!
Dann dämmerte in ihrem Kopf die Erkenntnis, dass sie sich von ihm hatte ans Bett
fesseln lassen. Seine Hände strichen über ihren Körper und sie biss die Zähne
zusammen, um ein Stöhnen zu unterdrücken. Sie zog an den Fesseln und fühlte wie
sich der Seidenschal enger um ihre Handgelenke schloss.
Trevor hob den Kopf. Ihre fast schwarzen Augen glänzen im Schein des Lichtes und
er sah, wie sie keuchend durch den halb geöffneten Mund ein- und ausatmete. Das
war wirklich ein wahr gewordener Traum. Luzy, an seinem Bett festgebunden…
Federleicht strichen seine Finger über ihren Bauch und dann über ihre festen
Oberschenkel.
Welcher Teufel hatte sie eigentlich geritten? Ailia schnappte nach Luft, als
seine Finger an der Innenseite ihrer Schenkel wieder nach oben glitten. Er
berührte sie dort nicht, sondern beobachtete das Spiel seiner Finger, die jetzt
über ihren Bauch tanzen. Ailia verfluchte sich selbst. Sie fühlte eine Hitze in
ihrem Körper, die ihr in diesem Maß nicht bekannt war und wies sich darauf hin,
dass sie sich selbst in eine Situation gebracht hatte, die sie ihm auslieferte.
Und er wusste das. Sie sah es in seinen Augen, in seinen Gesten und in seinen
Berührungen. Er spielte mit ihr. Er nutzte den ganzen Abend schon aus, dass sie
nicht nein sagen würde und jetzt erst recht. Warum also protestierte sie nicht?
Und warum benahm sich ihr Körper, als würde er ihn haben wollen?
Seine Lippen waren plötzlich wieder auf ihrem Bauch, sie spürte seine Zunge und
biss die Zähne zusammen, um nicht wirklich zu stöhnen. Ihren Augen schlossen
sich, als seine Lippen höher wanderten und ihre Brust umschlossen. Sie fühlte
sein Knie, das zwischen ihre Beine drängte, sie etwas spreizte und war fast
erleichtert, als sie einen frischen Luftzug in der glühenden Hitze zwischen
ihren Beinen spürte.
Trevor wurde fast wahnsinnig, als der Geruch ihrer Erregung stärker wurde. Er
hatte damit gerechnet, dass sie die Fesseln sofort wieder löste und ihm
irgendeine Schlechtigkeit an den Kopf warf. Dass sie es nicht tat, erstaunte ihn
und trieb seinen Blutdruck in die Höhe.
Er war mittlerweile so steinhart, dass er glaubte zu zerspringen, doch er zwang
sich, das ganze noch hinaus zu zögern. Schließlich würde es nie wieder
passieren, dass er sie an sein Bett fesseln durfte. Er saugte an ihrer Brust,
spürte ihren abgehackten Atem und seine Finger glitten zwischen ihre Beine.
Ailia riss die Augen auf und konnte ein: „Oh Shit“, nicht zurück halten. Seine
Hand blieb dort und sie versuchte, ihre Beine wieder zusammen zu pressen, was
sein Knie jedoch verhindert. Seine Finger erkundeten sie und sie zerrte
verzweifelt an den Fesseln, weil sie nicht wollte, dass er sie so berührte. Dann
streifte sein Daumen ihre harte Klitoris und sie wimmerte auf, weil sie
plötzlich nicht mehr in der Lage war, sich zu beherrschen.
Trevor konnte kaum fassen, wie feucht sie war. Er fühlte ihr Beben, als sein
Daumen rhythmisch den sensiblen Punkt umkreiste und sie ihm unbewusst ihr Becken
entgegen schob.
Ailia glaubte zu sterben. Sie keuchte auf, als er einen Finger in ihr versenkte
und ihr Kopf flog zurück. Was war nur mit ihr los? Schauer jagten durch ihren
Körper, sie fühlte einen Schmerz zwischen ihren Beinen, den sie so nicht kannte
und hätte am liebsten geweint.
Plötzlich fuhr sie zusammen, als sie spürte wie sich sein Kopf ihren Körper
abwärts bewegte, über ihren Bauch… Sie riss den Kopf hoch.
„Trevor, was machst du da?“, stieß sie fast panisch hervor und das Blut schoss
in ihren Kopf, als sie ihn zwischen ihren Beinen liegen sah und dieses verruchte
Grinsen auf seinem Gesicht erschien. „Nein. Hörst du. Hör sofort auf damit!“
Doch sein Kopf senkte sich und Ailia riss an dem Seidenschal. „Mach mich sofort
los!“, kreischte sie auf. „Mach mich sofort… oh Gott…“ Sie fiel zurück in die
Kissen, als seine Zunge über ihr brennendes Fleisch glitt. „Oh Gott“, murmelte
sie hilflos, fühlte, wie er die harte Knospe in seinen Mund saugte und etwas wie
ein Stromstoß durch ihren Körper jagte. Sie bäumte sich auf, wollte ihn von sich
stoßen oder treten und wimmerte leise auf, weil das Gefühl einfach nur
fantastisch war.
Trevor hob kurz den Kopf und murmelte. „Luzy, hör auf zu zappeln, sonst muss ich
deine Beine auch festbinden.“
„Was?! Du …“ Sein Gesicht presste sich wieder zwischen ihre Beine und sie vergaß
alles, was sie sagen wollte. Seine Finger spreizten ihr Fleisch und seine Zunge
fuhr über ihre pochende Klitoris. Wieder nahm er sie in den Mund saugte und sie
zitterte unter ihm auf. „Oh Gott“, wimmerte sie wieder und schaffte es nicht
mehr, sich zu beherrschen. Ihre Hüften stießen ihm entgegen, bettelten, ihr das
zu geben, was sie brauchte, während ihr Mund sinnlose Worte murmelte und sie ihn
eigentlich beschimpfen wollte. „Trev… du verdammter … oh Gott … shit …“ Sie
schrie auf, als sich die Muskeln in ihrem Unterleib verkrampften, lustvolle
Schauer durch ihren Körper schickten und sie zittern und beben ließen.
Trevor traf es wie ein Schlag. Ihr Orgasmus öffnete die Schranken zu ihrem
Geist, ein mentaler Sturm raste durch seinen Kopf, als er sie spürte und seine
Stirn sank auf ihren Oberschenkel, als ihm einen Moment schwarz vor Augen wurde.
Er atmete genau so keuchend wie sie, als er es endlich schaffte, wieder den Kopf
zu heben und er sagte sich, dass es ein Wunder war, dass er nicht in genau
diesem Moment ebenfalls gekommen war. Er kroch ihren Körper hinauf und sah sie
den Kopf heben.
„Mach mich los, Trev!“, stieß sie hervor, doch er presste wortlos seine Lippen
auf ihren Mund.
Er fühlte ihre Spannung, fühlte wie sie an den Fesseln zog, als seine Zunge in
ihren Mund glitt. Ailia schmeckte sich selbst in seinem Mund, doch
eigenartigerweise fand sie das nicht abstoßend. Ihr Körper drängte sich ihm
entgegen und sie fühlte seine Erektion zwischen ihren Beinen. Plötzlich wollte
sie nichts anderes, als dass er sich endlich in sie versenkte.
Trevor hob den Kopf und sah sie keuchend an.
„Mach mich los“, sagte sie wieder und sah das feine Lächeln, das seine Lippen
umspielte.
„Nein“, antwortete er und fuhr mit der Zunge über ihre Lippen.
Ailia schluckte. „Dir gefällt der Gedanke“, flüsterte sie. „Dir gefällt der
Gedanke, dass ich dir ausgeliefert bin…“
„Ja“, murmelte er verzückt und küsste sie wieder.
Es war ein starkes Stück, das auch noch zuzugeben. „Du bist krank, weißt du
das?“
„Spiel mit, Luzy“, hauchte er und hob den Kopf.
Ailia starrte in seine Augen. Er stützte seine Arme neben ihren Schultern ab und
drückte sich selbst gegen ihre Mitte. Wenn er nicht bald in ihr war, würde er
sterben. Sie rührte sich nicht und die Begeisterung darüber schoss durch seinen
Körper. Ohne sie aus den Augen zu lassen, drang er langsam in sie ein, konnte
jedoch nicht verhindern, dass sich sein Gesicht verklärte.
Und Ailia sah es. Sie sah wie ein so glückliches Lächeln in sein Gesicht trat,
dass sie es kaum schaffte, weiter zu atmen. Dann war er in ihr und die
Empfindungen, die das durch ihren Körper schickte, benebelten ihre Sinne. Sie
hörte ihn aufstöhnen und seine Lippen pressten sich wieder auf ihren Mund.
„So eng, Luzy“, flüsterte er heißer. „Wahnsinn…“ Sie war so eng und heiß, dass
er einen Moment einfach nur in ihr verharrte, die Augen schloss und tief
durchatmete. Bis nicht mehr die Gefahr bestand, dass er sofort kam.
Dann begann er sich zu bewegen und ihr Kopf flog zurück. Automatisch schlangen
sich ihre Beine um seine Hüften und sie stöhnte genau so, weil die Leidenschaft
ihren Körper übermannte. Plötzlich wollte sie ihn auch berühren.
Wieder und wieder stieß er in sie, sie wand sich unter ihm und die leisen Töne,
die sie von sich gab, raubten ihm den Verstand. Dann riss mit einem hässlichen
Geräusch der Seidenschal und Ailias Arme schlossen sich um seinen Nacken. Seine
Bewegungen wurden wilder und sie kam ihm entgegen. Ihre Fingernägel kratzten
über seinen Rücken, seine Lippen lagen auf ihrem Hals, als sie stöhnend den Kopf
zurück warf.
Seine Hand wanderte zwischen ihre Körper, berührte sie und er hörte ihr
lustvolles Stöhnen, als ihn ihre Beine fester umklammerten. Ja Luzy, dachte er
wild und rammte in sie.
Ailia schrie wieder, als die Lichter in ihrem Kopf angingen und diesmal kam
Trevor übergangslos, als er sie spürte. Und sie spürte ihn. Schluchzend
umklammerte sie seinen Hals, als sich ihre Gedanken für einen Moment verbanden
und sie schweben ließen. Trevor vergrub sein Gesicht an ihrem Hals und hielt sie
fest, bis ihr gemeinsames Beben abebbte.
Es dauerte eine ganze Weile, ehe Trevor sich rührte. Er hob den Kopf, blickte in
Ailias benommenes Gesicht und grinste stolz.
„Bist du noch da, Luzy?“
„Hm“, seufzte sie und hörte ihn kichern. Das brachte sie dazu, die Augen zu
öffnen und sie versuchte, ihn böse anzufunkeln. Es missglückte völlig, wie ihr
sein Grinsen sagte.
Er strich ihr sanft die verschwitzten Haare aus der Stirn. „Es ist anders mit
einem Mutanten“, sagte er leise.
„Hm“, brachte sie hervor. Das war die Untertreibung des Jahrhunderts. Wieso
konnte sie nicht mehr reden?
Trevor lächelte wieder und erhob sich. „Ich seh mal nach unserem Wein. Rühr dich
hier nicht weg.“
Sie konnte nicht einmal reden. Wie sollte sie dann laufen? Allerdings schaffte
sie es, träge den Kopf zu heben und zu beobachten, wie er zur Balkontür
hinausging. Er hatte auch einen hübschen Hintern. Leise fluchend rollte sie auf
den Bauch und vergrub das Gesicht in den Kissen.
Es dauerte nicht lange, bis er wiederkam und sich auf die Bettkante setzte.
„Kannst du schon wieder mehr sagen, als hm?“, fragte er amüsiert, als er ihr das
gefüllte Glas reichte.
Ailia stöhnte auf und setzte sich, während sie das Glas entgegen nahm. „Wieso
hast du meine Sachen nicht mit rein gebracht?“ brummte sie mürrisch.
„Weil du sie nicht brauchst“, verkündete Trevor vergnügt und beobachtete schon
wieder, wie die Röte in ihre Wangen kroch. „Luzy, ich finde es einfach himmlisch
zuzusehen, wie du rot wirst“, sagte er leise, legte den Arm um ihren Hals und
zog sie zu sich. „Und wie du die Stirn runzelst…“
Ailia sagte sich, dass sie den Kopf wegdrehen konnte. Dass sie ihm eine böse
Bemerkung an den Kopf werfen konnte. Und dass sie ihn von sich stoßen konnte.
Sie tat nichts davon, sondern ihre Lippen öffneten sich, als sie seine trafen
und seine Zunge für einen kurzen Augenblick in ihren Mund huschte. Sie schmeckte
den Wein und noch immer eine Spur von sich selbst und seufzte leise.
„Möchtest du das Haus sehen?“, fragte Trevor und ließ sie los, als sie ihr Glas
ansetzte.
„Warum nicht?“ Sie zuckte mit den Schultern und lächelte schwach. „Ich habe eh
nichts Besseres vor.“
Er lachte, stand auf und griff nach seiner Hose. Ailia stellte das Glas auf den
Fußboden und schwang ebenfalls die Beine aus dem Bett. Als sie zur Balkontür
hinausgehen wollte, fing er ihren Arm. „Was hast du vor?“
Sie runzelte die Stirn. „Meine Sachen holen?“
Trevor zog sie an sich und murmelte heiser. „Ich hatte eher daran gedacht, dass
du nichts anhast.“
„Du trägst deine Hose“, stellte Ailia fest.
„Hm“, flüsterte er und fuhr mit der Zunge über ihren Hals.
Ailia presste ihre Hände gegen seine Brust. „Du möchtest, dass ich nackt neben
dir durch dieses Haus laufe?“ Er nickte und sah recht vergnügt aus. „Und du hast
eine Hose an?“ vergewisserte sie sich noch einmal.
„Ja“, erwiderte er leise. „Ich habe davon geträumt, dass du das tust.“
Ailia lachte auf. „Du *bist* krank. Und … vergiss es! Das einzige, was ich noch
ausziehen werde, sind diese Schuhe!“
Trevor schlang seine Arme um sie. „Lass sie an, ja? Du siehst fantastisch aus.
Nackt und nur mit dieses Schuhen.“
„Ich gehe nicht so durch dieses Haus“, stellte sie klar. „Es reicht jetzt, dass
du mich behandelst, als wäre ich deine Sexsklavin.“
Sexsklavin, ein wunderschönes Wort. Ihm lag schon auf der Zunge, dass sie sich
dazu heute Nacht bereit erklärt hatte, aber er verkniff es sich, weil er ahnte,
dass es sie zornig machen würde. Und er wollte sie auf keinen Fall zornig.
„Okay“, lenkte er ein. „Was hältst du davon, wenn ich dir erlaube, deine Bluse
zu tragen?“
„Wenn du … was?!“, fuhr sie auf, doch sie sah den Schalk in seinen Augen und
stieß ihm die Hand gegen die Stirn. „Nur die Bluse?“, erkundigte sie sich
genervt.
„Ja.“ Er würde sie anbetteln, wenn sie jetzt auch dagegen etwas hatte. „Und die
Schuhe. Ich hole sie dir“, versprach er eifrig und verschwand durch die
Balkontür.
Ailia schüttelte den Kopf und musste ein belustigtes Grinsen unterdrücken. Sie
blieb im Zimmer stehen und stellte erstaunt fest, dass ihr ihre Nacktheit
eigentlich gar nicht mehr peinlich war. Warum auch? Es waren ganz andere Dinge
geschehen… Sie, gefesselt an seinem Bett. Sein Kopf zwischen ihren Beinen… Die
Röte schoss wieder in ihren Kopf, als sie daran dachte.
Er kam wieder, ehe sie Zeit hatte, genauer darüber nachzudenken, und hielt ihr
mit einem verschmitzten Grinsen die Bluse hin, damit sie hinein schlüpfen
konnte. Die Seide schmiegte sich sanft und kühl an ihre erhitzte Haut und Trevor
war vor ihr, ehe sie selbst die Bluse schließen konnte. Seine Finger schlossen
die Knöpfe und Ailia hielt einen Moment die Luft an, als er so nah vor ihr
stand. Er betrachtete sie kurz und öffnete dann die drei obersten Knöpfe wieder.
„Okay?“, fragte er und legte den Kopf schief.
Ailia kam sich sehr verrucht vor, als sie seine Hand ergriff und sich von ihm
zur Tür hinaus führen ließ. Und als er dann noch in ihr Ohr flüsterte: „Also,
das ist sogar noch besser, als wenn du gar nichts anhättest. Zu wissen, dass
dein nackter Körper nur in diesem Hauch von Seide steckt…“, wurde ihr heiß.
Das Haus war riesig. Auf der oberen Etage, die sie zuerst besichtigten, befanden
sich hauptsächlich Gästezimmer, jedes jeweils mit einem eigenem Bad und einem
Balkon versehen. Trevor führte sie die breite Treppe hinunter.
„Hast du das Haus selbst eingerichtet?“, fragte Ailia neugierig.
Er schüttelte den Kopf. „Nein, hat ein Innenarchitekt getan.“
„Es ist toll.“ Ailia sah sich um. „Das war mir gar nicht aufgefallen, als du
mich diese Treppe hoch gezerrt hast.“
Er grinste, schlang kurz seine Arme um sie und presste sie gegen das Geländer.
„Du warst zu nervös, um irgend etwas zu sehen“, murmelte er und küsste sie kurz.
„Ich war nicht nervös“, stieß Ailia hervor. „Ich war nur…“ Er hob seine
Augenbrauen. „…nervös“, vollendete sie resigniert den Satz.
Er grinste wieder und zog sie weiter. „Warum, Luzy? Was hast du dir vorgestellt?
Dass ich dich schnappe, dir die Kleider vom Leib reiße, dich zu Boden werfe und
ordentlich durchfi…“
„Ähm“, unterbrach sie ihn, schon wieder sehr rot im Gesicht. „So ungefähr.
Allerdings habe ich schon auf ein Bett gehofft.“
Trevor lachte leise und war ihr einen schelmischen Blick zu. „Enttäuscht?“
Seit wann war er so nett? Seit er hat, was er schon seit sieben Jahren will…
Ailia wich seinem Blick aus. Sie musste ihm nicht antworten, oder? Dann blieb
sie wie erstarrt stehen, weil sie durch den großen Speisesaal in den Garten
getreten waren.
„Ein Pool“, flüsterte sie begeistert. Der Pool wurde angestrahlt und verlieh dem
Wasser eine unwirkliche Farbe. „Kann ich rein? Sicher, warum nicht? Oder?“ Sie
sah ihn an und fluchte leise, als schon wieder ein eigenartiger Ausdruck in
seine Augen getreten war.
„Ich brauche eine Dusche“, erklärte sie fest.
„Luzy“, murmelte Trevor und zog sie an sich. „Die Nacht ist noch lange nicht um.
Du kannst nicht jedes Mal duschen, wenn wir…“
„Oh Gott“, stieß Ailia hervor und starrte ihn an. Weil ihr jetzt erst aufging,
was er mit die ganze Nacht meinte. Sie hatte noch nie mit einem Mann mehr als
einmal in einer Nacht geschlafen. Und eine zweite bissige Stimme meldete sich in
ihr. Dir hat auch noch kein Mann so einen, nein zwei Wahnsinnsorgasmen besorgt,
oder? Stimmt, gab sie der Stimme Recht. Eigentlich hatte das außer ihr selbst
noch gar kein Mann geschafft. „Ich möchte trotzdem rein“, sagte sie und
versuchte, selbstsicher zu klingen. „Was dagegen, Erpresser?“
Trevor riss sie knurrend an sich. Seine Hand fuhr unter ihre Bluse und er
stöhnte leise, als seine Hand nur auf nackte Haut stieß. Und ihr Körper presste
sich an ihn. Was? Halt. Ihr Körper presste sich an ihn?
Aber es war so. Ailia reagierte fast instinktiv auf seinen Überfall. Seine Zunge
drängte zwischen ihre Zähne und sie stöhnte, als er sich selbst an ihrem Körper
rieb. Dann riss sie ihren Kopf von ihm los.
„Was ist nun?“, erkundigte sie sich atemlos. „Pool? Wer ist als erster drin?“ In
rasender Eile knöpfte sie ihre Bluse auf und streifte die hohen Sandalen ab.
Trevor warf ihr einen Na-Warte-Blick zu, während er mit seiner Hose kämpfte und
sie lachte, als sie in Richtung Wasser rannte. Er stolperte fast aus seinen
Hosen und stürzte ihr nach. Ailia kreischte auf, als sie seine Hände um ihre
Hüfte spürte und er sie mit sich ins Wasser riss. Prustend kam sie hoch und
schlug auf ihn ein.
„Bist du wahnsinnig?! Das Wasser ist kalt! Ich hätte einen Herzschlag bekommen
können!“
Er schaute sie lauernd an. „Reiß aus, Luzy“, murmelte er und bewegte sich auf
sie zu.
Ailia überlegte nicht lange. Sie wendete und tauchte weg. Sie musste fast
lachen, als er die Verfolgung aufnahm und sie ihn hinter sich her kraulen hörte.
Plötzlich fühlte sie sich so ausgelassen wie noch nie. Kichernd tauchte sie zur
Seite weg, wich ihm aus, spritzte ihm Wasser ins Gesicht und wurde ihn doch
nicht los. Irgendwann trieb er sie in die Enge und sie stoppte am Beckenrand und
drehte sich zu ihm um. Trevor war im nächsten Moment auf ihr. Seine Hände
griffen Halt suchend neben ihrem Kopf nach dem Beckenrand, als er sich gegen sie
presste und seine Lippen auf ihren Mund senkte.
„Verloren“, flüsterte er triumphierend.
Ailia grinste, während sie sich an seinen Schultern festhielt, um nicht unter zu
gehen.
„Ich denke, als Verlierer schuldest du mir etwas“, murmelte er weiter und seine
Lippen strichen über ihren Hals.
„So?“, flüsterte Ailia und neigte ihren Kopf zur Seite. „Was denn?“
„Schling deine Beine um meine Hüften und ich zeige es dir“, stieß er heiser
hervor und küsste sie kurz und hungrig.
Ailia lächelte. Sie fühlte seine harte Erregung an ihrem Bauch und wunderte
sich, dass ihre Nervosität gänzlich verschwunden war. Plötzlich wusste sie ganz
sicher, dass Trevor es niemals darauf angelegt hatte, sie demütigen zu wollen.
Nie. Er wollte einfach sie. So wie er es gesagt hatte. Ihre Beine schlangen sich
um seine Hüften und sie zog scharf die Luft ein, als er im nächsten Moment in
ihr war.
„Verliererin?“, fragte er keuchend und Ailia korrigierte sich etwas. Ein wenig
nutzte er die Situation schon aus… Und ein wenig zu sehr gefiel es ihm…
„Hm?“, murmelte sie und sah ihn durch gesenkte Lider an.
Er lachte auf und ihr Kopf flog zurück gegen den Beckenrand, als er wieder und
wieder in sich stieß und das Wasser um sie herum zum Kochen brachte. Es war, als
wären ihre Körper füreinander geschaffen. Ihre Hüften trafen in einem harten
Rhythmus aufeinander, als er immer wieder in ihrer feuchten Hitze verschwand und
Schweiß sich unter die nasse Haut mischte. Ihre Hände umklammerten seinen Hals,
sie wimmerte leise auf, als der Orgasmus durch ihren Körper fegte, ihn mitriss
und sich ihre Gedanken verbanden.
Trevor begann wieder zu denken, als er sie sanften Berührungen ihren Lippen an
seiner Schläfe spürte. Ihre Finger glitten zärtlich durch seine Haare. Er hob
den Kopf und glaubte zu träumen, als sie ihn genau so sanft küsste. Sie sagte
nichts, doch er ahnte, dass es sie ebenfalls vom Hocker riss. Es war anders mit
einem Mutanten.
Natürlich in erster Linie, weil sie ihre gegenseitigen Gedanken nicht lesen
konnten. Aber das war nicht alles. Den Orgasmus des anderen zu spüren, brachte
eine Nähe mit sich, mit der selbst Trevor nicht gerechnet hatte. Trevor wusste
genau, er hatte eine Schwäche für Ailia. Eine große. Und er hätte so ziemlich
alles getan, um sie in sein Bett zu bekommen. Zum Glück wusste sie das nicht.
Aber sie so zu spüren, war mehr als er begreifen konnte und er glaubte plötzlich
nicht mehr, dass ihm diese eine Nacht reichen würde.
Er ließ sich seine Gedanken nicht anmerken, als er sie genau so sanft küsste und
dann mit ihr zurück zu der Leiter schwamm, an der sie aus dem Pool klettern
konnten. Er sah sie in der Luft der Nacht erschaudern und flüsterte nur. „Ich
hole Handtücher.“
Ailia blieb stehen und sschaute ihm nachdenklich nach. Sie schlang ihre Arme um
sich selbst, weil es sie plötzlich fröstelte, obwohl es sehr warm war. Und ihr
fiel ein, dass sie noch nicht einmal wusste, wo sich dieses Haus befand. Trevor
kam wieder und sie wickelte sich in ein flauschiges, dickes Badetuch, während
sie ein zweites um ihren Kopf schlang.
„Du ziehst aber wieder deine Bluse an, ja?“, fragte er misstrauisch. „Und die
Schuhe?“
Ailia verdrehte die Augen. „Ja, mein Erpresser.“ Er war schon wieder dabei, in
seine Hose zu schlüpfen und Ailia musterte ihn plötzlich recht wachsam. „Hast du
das auch geträumt? Im Pool?“
Er verschloss seine Hose und schenkte ihr ein sehr schmutziges Grinsen. „Luzy,
du willst nicht wissen, was ich alles geträumt habe…“
„Nein?“, fragte sie schwach. Oh Gott, sie schwirrte bestimmt schon Jahre durch
seine Träume.
„Nein“, stellte er klar, machte einen Schritt auf sie zu und griff nach dem
Handtuch.
Irgendwie interessierte sie plötzlich brennend, was er geträumt hatte. „Du
würdest es mir nicht erzählen?“, erkundigte sie sich und versuchte, nicht allzu
interessiert zu klingen. Und machte: „Hey!“, als er ihr mit einem Ruck das
Handtuch wegzog.
„Nein“, verkündete er grinsend und hob ihre Bluse auf. Es freute ihn zu sehen,
dass ihr das so gar nicht mehr peinlich war, sondern sie ihn noch immer recht
neugierig musterte. Wieder half er ihr in die Bluse.
„Warum nicht?“, fragte Ailia und bemerkte, dass er diesmal einen Knopf mehr
offen ließ.
Trevor sank auf die Knie, hob ihren Fuß an und verschnürte ihre hochhackige
Sandale. Sie starrte fassungslos auf seinen Kopf, bis er ihn hob und leise
sagte. „Meine Träume hatten schon sehr viel mit einer Sexsklavin zu tun.“
„Oh“, machte Ailia und fragte sich, wieso ihr Körper auf Grund dieser Bemerkung
schon wieder solch eine Hitze zwischen ihre Beine schickte. Sie sollte ihn dafür
ohrfeigen! Als sie ihren zweiten Schuh trug, richtete er sich wieder auf. Sie
schluckte kurz und fragte leise. „Was hast du mit mir gemacht?“
Trevor lächelte, nahm ihre Hand und ging mit ihr zurück ins Haus. „Eine Menge
unanständiger Dinge“, antwortete er nur und warf ihr einen vergnügten Blick zu.
„Ans Bett fesseln war eins davon.“
„Ganz schön krank“, hauchte sie.
„Ja“, bestätigte er und machte eine Handbewegung durch den Raum. „Das ist unser
Esszimmer. Manchmal verspüre ich das komische Bedürfnis, eine Party zu
veranstalten und dafür eignet sich der Raum sehr gut.“
Er zog sie weiter in einen kleineren Raum, in dem sie einen großen Herd und auch
einen großen Tisch, wahrscheinlich für die Zubereitung von Speisen, erkennen
konnte. „Die Küche“, erklärte er unnötigerweise.
„Ich möchte es wissen“, sagte Ailia plötzlich und wurde wieder rot, als er
erstaunt den Kopf drehte. „Was du geträumt hast.“
„Nein, Luzy“, antwortete er lächelnd. Dann blieb er stehen und drehte sich zu
ihr um. Und sein Grinsen jagte ihr plötzlich Schauer über den Körper. Er trat
ganz nah an sie heran und hob die Hand zu ihrem Gesicht. „Wir könnten ein Spiel
spielen.“
„Was für ein Spiel?“ Ihre Stimme hörte sich plötzlich gar nicht mehr wie ihre
eigene an.
„Du möchtest Informationen“, erklärte er grinsend und küsste sie sanft auf den
Mund. „Ich habe sie. Was gibst du mir dafür?“
Eine Art erotischer Schauer kribbelte über Ailias Haut. Es war verrückt, sich
auf solch ein Spiel mit ihm einzulassen. „Was möchtest du?“, fragte sie trotzdem
und versuchte, nicht ganz so atemlos zu klingen.
Seine Finger zeichneten die Linie ihres Kiefers entlang und er senkte kurz den
Kopf, um seine Zunge seinem Finger folgen zu lassen. „Setz dich auf den Tisch.“
Ailia, reiß aus.
Ailia ignorierte die Warnung in ihrem Kopf. Da war wieder ein Lauern in seinen
Augen und ihre Neugier war stärker. Sie setzte sich auf den Tisch und sah ihn
erwartungsvoll an.
„Jetzt musst du deine Frage stellen“, erläuterte er das Spiel.
„Okay.“ Ailia starrte in die Luft, während ihre Beine gedankenverloren vor sich
hin schlenkerten. „Du hast mich ans Bett gefesselt? Mit richtigen Handschellen?“
„Ja“, nickte er und winkte ab, als sie weiter sprechen wollte. „Komm schon, das
war eine einfache Forderungen und eine einfache Antwort. Jetzt bin ich dran.“ Er
vergrub seine Hände in seinen Hosentaschen und versuchte den Sturm in seinem
Körper nieder zu zwingen. Er hätte nie für möglich gehalten, dass sie sich
darauf einlassen würde. „Lassen wir es langsam angehen, ja? Ich möchte, dass du
noch zwei Knöpfe deiner Bluse öffnest.“
Ailia verdrehte die Augen. „Was wird das am Ende? Sex auf diesem Tisch?“ Sie
sah, wie er die Luft anhielt, als sie die zwei Knöpfe öffnete. Warum fand sie
den Gedanken gar nicht schlimm? „Hatten wir Sex auf einem Tisch? Und ich will
nicht nur ein ja oder nein!“
Trevor grinste wieder. „Ja. Und du lagst auf deinem Bauch.“
Erneut schoss das Blut in ihre Wangen. „Oh Gott“, flüsterte sie, klang aber
eigenartigerweise nicht entsetzt. „Wie viele Jahre träumst du schon?“
„Ich bin dran, Luzy“, korrigierte er sie. „Heb die Bluse hoch. Bis zu deiner
Taille.“
Oh. Oh. Ailia sah ihn nervös an. Das war doch nicht weiter schlimm. Er hatte
schon mehr von ihr gesehen, oder? Zögernd griffen ihre Finger zum Saum der Bluse
und sie schob sie ihre Schenkel hinauf. Ein feines Lächeln umspielte seinen Mund
und sie zwang sich, ihn ruhig anzusehen. „Was noch?“, überlegte sie. „Ich habe
nicht sonderlich viel Erfahrung in solchen verrückten Sachen…“
Trevor musste ein Lächeln unterdrücken.
„Wo noch?“
„Im Fahrstuhl“, sagte er leise. „Auf der Toilette. Immer, wo ich es gerade
wollte. Meistens im Bett.“
Ailia runzelte schon wieder misstrauisch die Stirn. „Wollte ich es auch?“
„Luzy“, schimpfte er gespielt. „Wie oft soll ich dir die Regeln noch erklären?
Ich möchte, dass du deine Beine spreizt“, setzte er dann mit einem feinen
Lächeln hinzu.
Sie starrte ihn schockiert an. In seinen Augen brannte schon wieder ein solches
Feuer, dass sie froh war zu sitzen. Und ihre Hemmschwelle war durch die
vergangenen Stunden beträchtlich gesunken. Plötzlich war sie furchtbar
neugierig, wohin er dieses Spiel treiben wollte. Sie ließ ihn nicht aus den
Augen, als sie ihre Beine öffnete und sah fasziniert, wie er nach Luft
schnappte. Löste sie diese Reaktion aus? Das, was sie tat? Fantastisch.
„Ich wette“, fuhr sie leise fort. „Ich war nicht immer ganz freiwillig dabei…“
„Nein“, murmelte er und konnte seine Augen nicht von ihr losreißen. Dieses Bild,
wie sie auf dem Tisch saß, brannte sich für immer in seinen Kopf. Es war wie
eine Einladung. Er brauchte nur hinzugehen, sich zwischen ihre Beine zu drängen
und…
„Trev“, riss sie ihn aus seinen Gedanken. „Also ein nein reicht mir jetzt
eindeutig nicht.“
Wie in Zeitlupe bewegte er sich auf sie zu und blieb vor ihr stehen. Ihre Augen
glänzten und er sah, wie ihre Zunge herausschnellte, als sie ihre Lippen
befeuchtete. „Nein“, fuhr er heiser fort. „Du hast immer behauptet, du willst
mich nicht und ich soll mich zum Teufel scheren. Und hast dann meinen Namen
geschrieen, wenn du gekommen bist…“
„Warum bin ich jetzt nicht überrascht?“, fragte sie verspielt und sah plötzlich
die Spannung in seinem Körper. Er kämpfte mit sich, stellte sie überrascht fest.
Er würde sie jetzt am liebsten auf diesem Tisch vögeln, doch er kämpfte dagegen,
weil … warum eigentlich? Weil ihm das Spiel zu gut gefiel? Sie atmete tief
durch, als ein Zittern durch ihren Körper lief. Wahnsinn. Ein wenig verrückt,
aber Wahnsinn. Vor allem, weil sie jetzt den Nerv hatte zu bemerken, dass es ihn
unwahrscheinlich erregte.
„Berühr dich, Luzy“, sagte er plötzlich und seine Stimme klang rau.
Ailia grub ihre Zähne in ihre Unterlippe. „Also dafür“, begann sie langsam,
„musst du mir schon eine Menge erzählen…“
„Okay.“ Seine Stimme klang gedehnt. Er beugte sich zu ihr und stützte seine
Hände zu beiden Seiten neben ihrem Körper an, so dass sie gezwungen war, sich
etwas zurück zu lehnen.
Es knisterte jetzt zwischen ihnen fast greifbar und Ailia fühlte wieder die Röte
in ihre Wangen steigen. Ihre Hand glitt zwischen ihre Beine und sie sah ihn
schlucken, ehe er anfing zu reden.
„Da war dieser Traum, in dem du mich angebettelt hast…“, begann er und Ailia
hörte plötzlich überdeutlich, wie schwer es ihm fiel, überhaupt noch zu reden.
„So?“ Ihre Finger berührten ihr geschwollenes Fleisch und sie war selbst darüber
erstaunt, wie feucht sie schon wieder war.
„Ja“, flüsterte er heiser. „Ich … wollte, dass du es dir selbst machst … Und du
hast mich angefleht… dich endlich zu …“ Er schloss einen Moment die Augen, als
er sah, wie sie leise seufzte und ihn nicht aus den Augen ließ.
„Ich kann mir gar nicht vorstellen“, murmelte sie, „dass ich so etwas tue…“
Schauer jagten über ihren Körper und sie spreizte ihre Beine noch weiter, als
sie den pochenden Knoten rieb.
Der Geruch ihrer Erregung raubte ihm den Verstand. Seine Augen wanderten zu
ihren Fingern und er verspürte den fast nicht zu beherrschenden Wunsch, auf die
Knie zu fallen und sein Gesicht in ihr zu vergraben. „Du hast gebettelt, Luzy“,
fuhr er leise fort. „Und dann habe ich deine Hände fest gebunden, damit du dir
nicht selbst helfen kannst…“
„Das war aber böse von dir…“, fuhr sie auf und er konnte sich nicht beherrschen
und stieß einen Finger in ihre Hitze. Ailia seufzte. Der Druck in ihrem
Unterleib wurde übermächtig, doch sie wollte ihn noch eine Weile reden hören.
„Ja, nicht?“, stieß er hervor, während sein Finger sie langsam fickte. „Und du
hast fast geweint. Du hast gesagt, du würdest alles tun…“ Er konnte kaum
glauben, dass sie das hier wirklich tat und er würde wahrscheinlich ewig davon
träumen. Eine Luzy, die sich selbst befriedigte, während er ihr schmutzige Dinge
erzählte. Es musste einen Gott geben, der das hatte wahr werden lassen.
„Alles?“, murmelte Ailia und zitterte, als er leise lachte.
Sein Kopf senkte sich und sein Mund schloss sich um ihre Brust. Sie presste sich
an ihn und selbst durch den Stoff der Bluse spürte er die Hitze ihres Körpers.
Er wollte antworten, doch in diesem Moment wimmerte sie auf, stieß sich selbst
gegen seine und ihre eigene Hand und er fühlte ihre Kontraktionen, noch ehe ihr
mentaler Orgasmus durch seinen Geist jagte.
„Oh Gott“, flüsterte sie hilflos und er schlang einen Arm um ihren Hals und zog
ihren Kopf an seine Brust, während ihr Körper bebte. Sein Finger war noch immer
in ihr, als sie den Kopf wieder hob und ihn etwas benommen anlächelte. „Puh“,
machte sie und klang fast verblüfft und er küsste sie sanft, weil sie wieder rot
wurde.
„Spielen wir weiter, Luzy?“, erkundigte er sich heiser.
Sie antwortet nicht gleich, sondern versuchte erst einmal, ihren rasenden Puls
zu beruhigen. „Du bist dran“, stieß sie dann hervor und sah seine Augen
aufleuchten.
„Yeah“, murmelte er begeistert. „Das ist die Luzy, die ich kenne…“ Er zog seinen
Finger aus ihr und hob die Hand vor ihr Gesicht. „Leck ihn ab.“
Er war nicht nur ein bisschen, sondern ganz schön krank.
Als sie nicht sofort reagierte, griff er nach ihrer Hand, die noch immer
zwischen ihren Beinen ruhte und zog ihre Finger an seinen Mund. Fasziniert
beobachtete Ailia, wie er ihre Finger in seinen Mund saugte und verspürte ein
Kribbeln in ihrem Unterleib, als sie seine Zunge spürte. Sicherlich war sie auch
krank.
Sie fasste seine Hand, die noch immer vor ihrem Gesicht hing ließ ihre Zunge
über seinen feuchten, mit ihren eigenen Säften benetzten Mittelfinger gleiten.
Er erstarrte mitten in seinem Tun, ließ ihre Hand sinken und schaute sie mit
halb geöffneten Mund an. Schlagartig war seine Hose mehr als zu eng und er
presste sich zwischen ihre Beine, gegen die Tischkante, um sich etwas
Erleichterung zu verschaffen.
Dann saugte sie seinen Finger in ihren Mund, während ihn ihre Augen nicht
verließen und er stöhnte leise, als er sah, wie ihre Lippen an seinem Finger auf
und ab glitten.
„Verdammt“, murmelte er.
Ailia war einfach nur begeistert über seine Reaktion. Er sah aus, als würde er
gleich die Beherrschung verlieren, und dass sie dafür verantwortlich war, raubte
ihr ebenfalls fast den Verstand. Seine Augen hingen an ihrem Mund. Sie ließ sich
extra Zeit und ließ ihre Zunge noch einmal heraus schnellen, um seinen Finger
sehr gewissenhaft sauber zu lecken. Sie hatte nicht einmal geahnt, dass sie
etwas Derartiges jemals in ihrem Leben tun würde. „Ich wette“, sagte sie dann,
ohne seine Hand loszulassen. „Ich weiß, was du noch geträumt hast…“
„Ja“, brachte er heraus, ohne die Augen von ihren Lippen zu lösen und sie reizte
ihn noch einmal, indem sie mit der Zunge ihre Lippen befeuchtete.
„Erzähl es mir“, forderte sie.
„Ich….“ Er schluckte. „Ich war wütend auf dich. Weiß nicht mehr, warum. Du hast
mir wieder einmal irgendwelche Schimpfwörter an den Kopf geworfen und ich habe
mir in meiner Fantasie vorgestellt, welch schöne Möglichkeit es gibt, deinen
Mund zu stopfen…“
Ailia schüttelte missbilligend den Kopf. „Wirklich böse…“ Er hatte wirklich eine
rege Fantasie. Nein, eher eine sehr erregende Fantasie. Einer plötzlichen
Eingebung folgend, ließ sie ihre Hände zum Bund seiner Hose wandern. „Red
weiter.“
Trevor stöhnte auf, als er fühlte, wie sie die Knöpfe der Hose öffnete. „Ich
habe dich gefesselt…“
Ailia hob kurz den Kopf und blickte ihn stirnrunzelnd an. „Du hast eine Schwäche
für Fesseln, oder?“
„Ich hatte zu oft deine Faust im Gesicht, das verfolgt mich bis in meine
Träume“, verteidigte er sich. Dann schnappte er nach Luft und sein Kopf sank
gegen ihre Schulter, als sie in seine Hose griff und seine Erektion umfing.
„Du hast mich also gefesselt. Und dann?“
Seine Lippen strichen über ihren Hals, während er sich selbst in ihre Hand
stieß. Er würde diese Nacht nie vergessen. Das war schon einmal sicher. „Deine
Hände waren in deinem Rücken zusammengebunden“, fuhr er flüsternd fort. „Ich
habe dich auf deine Knie gezwungen…“ Er stöhnte wieder, weil sie fester zugriff.
„Meine Hand in deinen Haaren vergraben, so dass du nicht ausweichen konntest und
meinen Schwanz zwischen deine Lippen geschoben…“
„Schon für diesen Traum sollte ich dich verprügeln“, murmelte Ailia, ohne ihre
Tätigkeit, an eben diesem Körperteil auf und ab zu pumpen, zu unterbrechen.
„Du konntest mich nicht mehr beleidigen“, schnurrte er neben ihrem Ohr. „Weil du
mehr damit beschäftigt warst, mein Sperma zu schlucken…“
„Du bist wirklich ein verfluchter…“ Sie kam nicht dazu, den Satz zu vollenden,
weil er sie auf den Tisch zurückstieß, seine Hosen noch ein Stück seine Hüften
hinab schob und zwischen ihre Beine drängte.
„Ich weiß, Luzy. Ich weiß…“ Seine Hände umfingen ihr Hinterteil, er hob es an
und positionierte sich vor ihrem Eingang. „Was wolltest du sagen, Luzy?“ Er
lachte leise, als er sah, wie ihr Kopf zurückflog und ihre Beine ihn umfingen.
Sie war wirklich eine kleine, verflucht heiße Person. Irgendwie hatte er es
geahnt. „Möchtest du es, Luzy? Willst du, dass ich dich auf diesem Tisch
vögele?“
„Ja doch“, murmelte sie benommen und schnappte nach Luft, als er sich mit einem
einzigen Stoß in ihr vergrub. „Ja, verdammt…“
Es war um einiges später, als sie wieder sein Schlafzimmer
betraten. Ailia musste jetzt noch schmunzeln, wenn sie daran dachte, wie viele
Zimmer dieses Haus hatte und dass Trevor sie regelrecht angebettelt hatte, es
auch noch auf einem anderen Tisch zu tun. Allerdings jetzt in der Position
seines Traumes… Und dann auf dem Sofa…
Sie grinste in sich hinein und stellte fest, dass sie sich so müde fühlte wie
lange nicht. Müde und einfach restlos befriedigt. Sie hatte nicht mehr auf die
Uhr gesehen, nahm jedoch an, dass es irgendwann gegen Morgen war. Vielleicht
vier oder fünf. Es interessierte sie nicht. Eigentlich interessierte sie gar
nichts mehr außer Schlaf.
„Ich werde jetzt duschen“, erklärte sie, als er die Tür hinter ihr schloss.
„Mit mir?“, fragte er und klang schon wieder neugierig.
Ailia schlang einen Arm um seine Taille und lehnte sich an ihn. „Du kannst doch
unmöglich schon wieder wollen…“, murmelte sie und presste ihre Lippen gegen
seine nackte Haut.
Er lachte leise. „Ich glaube, irgendwann ist auch mein Limit erreicht. Aber ich
möchte auch duschen. Also? Zusammen?“ Er wartete ihre Antwort nicht ab, sondern
begann, ihre Bluse aufzuknöpfen. Sie sah schläfrig aus und er nahm an, dass sie
jetzt wirklich langsam müde wurde. Er auch, aber die Vorstellung, dass er nur
diese einzige Nacht hatte, vertrieb einen Teil seiner Müdigkeit. Seine Hand gab
Ailia einen Schups, so dass sie auf der Bettkante zum Sitzen kam und er sank auf
die Knie, um ihr ihre Schuhe auszuziehen.
Dann streifte er seine eigene Hose ab und zog sie wieder hoch.
„Du wirst mir doch nicht in der Dusche einschlafen, oder?“, fragte er und ein
Hauch seines allgegenwärtigen Spottes war wieder da.
Ailia schloss die Augen, als das warme Wasser ihren Körper hinab strömte. Sie
fühlte seine Hände, die sie einseiften, ihre Haare einschäumten und sanft ihren
Kopf massierten. Und sie fühlte sich plötzlich einfach nur wohl. Ein leises
Seufzen drang durch ihre Lippen, als seine Hände sie auch zwischen den Beinen
wuschen und ein sanfter Schauer über ihren Körper ran.
„Du siehst aus, als willst du gleich schnurren, Luzy“, murmelte er belustigt,
während er den Seifenschaum aus ihren langen Haaren spülte. Er fand, dass sie
himmlisch aussah und wünschte sich, mehr als diese Nacht zu haben. Tja, dachte
er im gleichen Atemzug sarkastisch, du kannst nicht alles haben…
Er wusch sich selbst, stellte dann das Wasser ab und wickelte sich und sie in
ein dickes flauschiges Handtuch. Ohne etwas zu sagen, nahm er Ailia auf seine
Arme und trug sie zum Bett. Sie kuschelte sich an ihn, als wäre es die normalste
Sache der Welt und ihm ging auf, dass sie ihn vor vierundzwanzig Stunden noch in
den Hintern getreten hätte, wenn er nur eine derartige Andeutung gemacht hätte.
Zärtlich strich er über ihr Gesicht. Sie sah ihn erstaunt an, als er wieder
aufstand.
„Bleib sitzen.“
Als er wieder kam, hatte er einen Kamm in der Hand und zog sie mit dem Rücken zu
sich. Und Ailia schloss wieder die Augen. Sie wollte nicht wissen, warum er sie
behandelte, als wäre sie etwas sehr kostbares. Sie hatten seit sieben Jahren
mehr böse Worte gewechselt als irgendwelche anderen Menschen. Sie hatten sich
gestritten, sie hatten gegeneinander gekämpfte. Aber sie hatten auch miteinander
geredet. Eben weil er als Mutant manchmal der einzige Mensch war, der sie
verstand. Doch Ailia glaubte an das, was sie mit ihrer Arbeit tat. Etwas, was er
zwar nicht verurteilte, aber worüber er lächelte.
Du glaubst an das Gute im Menschen, hatte er einmal gesagt, du würdest
dich opfern, um eine neue bessere Welt zu schaffen. Eine Welt ohne Verbrechen,
ohne Hass, ohne Neid… Die Menschen sind nicht so gut, wie du denkst. Sie sind
egoistisch, selbstsüchtig und bestechlich. Du wirst sie niemals ändern.
Sie hatte sich manchmal gewünscht, ihn an ihrer Seite zu haben. Als einen
wirklichen Partner, auf den man sich verlassen konnte, weil sie manchmal
jemanden brauchte, der ihr zeigte, dass es nicht immer richtig war, an eine
friedliche Lösung zu glauben.
Sie erinnerte sich an einen Tag vor drei Jahren, als sie nach Brasilien flog,
weil Gerüchten zufolge eigenartige Dinge in einem Dorf passierten, die auf das
Vorhandensein eines Mutanten deuteten. Er war ihr gefolgt und sie war im
Nachhinein froh darüber. Sie fanden einen Mutanten. Ein Kind. Vielleicht elf
oder zwölf, Ailia wusste es nicht mehr. Ein Kind mit einer gewaltigen Macht über
das Feuer. Ein Kind, dessen Geist durch die Macht, die es besaß, in diesem
zarten Alter schon so vergiftet war, dass es nicht davor zurückschreckte, sie
einzusetzen, wenn man ihm seinen Willen nicht ließ. Sie hatten mit ansehen
müssen, wie der Junge seine Eltern verbrannte, weil er glaubte, es wäre deren
Schuld, dass Ailia und Trevor auftauchten…
Wäre sie allein gewesen, vielleicht hätte der Junge auch sie getötet. Weil sie
davor zurückschreckte, ein Todesurteil zu vollstrecken und noch immer daran
glaubte, dass es eine Möglichkeit geben musste, den kleinen Jungen wieder in ein
normales Leben zu integrieren. Ihm beizubringen, wie wertvoll Leben war und wie
wichtig zu verstehen, dass seine Gaben nicht dazu benutzt werden konnten, seine
Umgebung zu beherrschen.
Trevor hatte diese Skrupel nicht. Und noch heute konnte sie sich sehr genau an
seine Worte erinnern:
Mag sein, Luzy, dass ich auch nicht deinen Vorstellungen von einem braven
Mutanten entspreche. Ich nutze meine Fähigkeiten aus, um mir das Leben zu
ermöglichen, welches ich leben will. Das ist alles. Ich schwinge mich nicht zum
Monarchen einer Ortschaft auf und töte jeden Menschen, der einen Zweifel an der
Richtigkeit meiner Handlungen hervorbringt und das im Alter von zwölf Jahren.
Er hatte in ihr bleiches Gesicht gesehen und eiskalt gesagt: Ich werde nicht
in zehn Jahren gegen einen Supermutanten kämpfen, der die Weltherrschaft
anstrebt.
Ailia hatte dem Flammenball, der auf sie zuraste, hilflos entgegengeblickt.
Trevor nicht. Er hatte dem Jungen mit einem einzigen Gedankenbefehl das Genick
gebrochen und war mit ihr davon teleportiert.
Sie war damals weinend zusammengebrochen, schockiert und verzweifelt. Als dann
Delaron erklärte, dass Trevor wahrscheinlich das einzig richtige getan hatte und
er den Jungen damit vor einem Leben unter Drogen bewahrt hatte, begann sie, an
ihrer eigenen Einstellung zu zweifeln und fühlte den Wunsch, manchmal wirklich
jemanden an ihrer Seite zu haben, mit dem sie die große Verantwortung, die auf
ihren Schultern ruhte, teilen konnte.
Trevor hing seinen eigenen Gedanken nach, während er durch ihre Haare kämmte und
spürte, dass jegliche Anspannung sie verlassen hatte. Doch seine Gedanken gingen
nicht so tief greifend wie Ailias, sondern eher in die Richtung, dass es schön
wäre, Einfluss auf die Zeit zu haben und sie mal einen Moment still stehen zu
lassen. Seufzend legte er den Kamm beiseite und strich sanft über die weichen,
dunklen Locken.
Ailia drehte sich um und war erstaunt, einen fast zärtlich zu nennenden Ausdruck
in seinem sonst so harten Gesicht zu sehen. Er löste das Handtuch von ihrem
Körper, warf sein eigenes, das er um seine Hüften geschlungen hatte, neben das
Bett und zog sie neben sich, als er sich auf der Matratze ausstreckte. Es war
noch immer sehr warm und er fühlte, wie sie sich an seine Seite kuschelte,
während er auf dem Rücken lag und zum Himmel seines Bettes starrte.
„Möchtest du geweckt werden?“, fragte er plötzlich. „Oder ausschlafen?“
„Schlafen, denke ich“, murmelte sie und malte sinnlose Muster auf seiner Brust.
„Ich denke mal, Jim ist erfahren genug, um nicht durchzudrehen, wenn ich nicht
Punkt neun im Stützpunkt bin.“ Sie grinste. „Egal, welche Schauermärchen Kevin
erzählt.“
„Jim ist in Ordnung“, bestätigte Trevor und das war ein großes Lob aus seinem
Mund. „Was ich von dem verliebten Gockel, den du deinen Partner nennst, nicht
behaupten kann.“
„Hör auf“, brummte Ailia. „Kevin ist auch in Ordnung. Auf seine Art. Er ist nur
manchmal etwas… kompliziert.“
„Weil er in dich verknallt ist.“ Er schmunzelte und strich über ihre Haare.
„Weißt du, was ich mich immer gefragt habe? Warum du nie mit ihm im Bett warst.
Ich meine, er geht dir doch bestimmt laufend damit auf den Geist.“
„Du auch“, nuschelte sie gegen seine Haut und hörte ihn leise lachen. „Nicht
mein Typ.“
„Aha“, machte er nur. „Darf ich dich etwas fragen?“
„Nein.“
„Es gab nicht viele Männer in deinem Leben, oder? Mit denen du im Bett warst?“
Ailias Kopf fuhr hoch. „Was? Wieso? Warum?“, fragte sie alarmiert.
Er lächelte leicht und strich ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht. „Du warst so
nervös. Echt nervös, meine ich. Fast so, als hättest du Angst.“ Er beugte sich
vor und küsste sie sanft. „Ich denke“, sagte er leise, „wenn es nicht so wäre,
hättest du bemerkt, was mit mir los war und dass ich das ganze Spiel nie hätte
durchziehen können, wenn du einen Schritt in meine Richtung gemacht hättest…“ Er
sah wieder die leichte Röte, die in ihre Wangen kroch, doch sie blickte ihn
weiter unverwandt an. „Ich bin froh, dass du nichts getan hast. Es hätte sonst
wahrscheinlich wirklich damit geendet, dass ich dich einfach aufs Bett geworfen
hätte und…“
„Ja gut“, unterbrach sie ihn. „Ich kann mir das schon vorstellen.“ Sie seufzte.
„Nein“, gab sie dann zu. „Es waren nicht viele.“
Er grinste. „Ich kenne zumindest zwei.“
„Was?!“
„Tut mir Leid.“ Er zuckte entschuldigend mit den Schultern. „Ist mir halt so
zugeflogen mit ihren Gedanken…“
Ailias Augen verengten sich. „Du hast nicht absichtlich nach solchen
Informationen gesucht?“
„Nur ein bisschen…“, kicherte er.
Sie fluchte leise und ließ ihren Kopf wieder auf seine Schulter sinken. „Fünf“,
sagte sie dann.
Fünf. Trevor schluckte. „Wow“, schaffte er dann hervor zu bringen. „Ohne mich?“
„Ja“, brummte sie missmutig.
„Mehr als einmal pro Person?“
Ihr Kopf hob sich wieder. „Was ist das jetzt für eine Frage?“
„Also ich hatte selten mit ein und derselben Person mehrmals Sex. Es ist
nervtötend, die Gedanken der Frau zu lesen und das, obwohl ich ein schlechter
Telepath bin und du bist exzellent in dieser Hinsicht…“ Er verstummte und
schluckte, weil er plötzlich den Schmerz in ihren Augen sah. „Shit.“ Sein Arm
schlang sich um ihren Hals und er zog sie an sich. “Natürlich. Das ist der
Grund. Warst du deshalb nervös?”
“Wie oft soll ich dir noch sagen, dass ich nicht nervös war! Ich fand einfach
den Gedanken entsetzlich, mit dir… Du bist so unmöglich frech und unverschämt.
Und ich habe schon mit irgendetwas idiotischen gerechnet… Na und!“, fuhr sie ihn
an, als sie sein Grinsen sah. „Dann war ich halt nervös. Aber ich wusste vorher,
dass ich deine Gedanken nicht lesen kann. *Darum* habe ich mir keinen Kopf
gemacht.“
„Jetzt bist du nicht mehr nervös“, flüsterte er und küsste sie sanft. „Und jetzt
ist der Gedanke auch nicht mehr entsetzlich…“
Ailia stützte ihren Kopf auf ihren angewinkelten Arm. „Ich halte meine
Versprechen“, sagte sie leise und sah ihn einen Moment die Kiefer aufeinander
pressen. „Die ganze Nacht…“
Er drehte den Kopf und sah sie eine ganze Weile an. „Ich bereue nicht, dass ich
dich erpresst habe. Und ich habe deshalb auch kein schlechtes Gewissen.“
„Hast du so was?“ Sie tat erstaunt.
„Ja!“, knirschte er. „Manchmal. Selten. Jetzt auf gar keinen Fall. Es hat dir
genauso gut gefallen wie mir.“ Manche Leute muss man eben zu ihrem Glück
zwingen. Das sagte er nicht laut, weil er ahnte, dass es ihr nicht gefallen
würde. Und er wollte auf keinen Fall ein friedliches Ende dieser Nacht
riskieren. Auch wenn ihm ihre Bemerkung, dass sie hier nur ein Versprechen
einlöste, bitter aufstieg.
Ailia hob ihre Hand und fuhr mit den Fingern über seinen Oberarm. „Es war ganz
nett“, sagte sie und musste grinsen, als sie das Funkeln in seinen Augen sah.
„Reiz mich nicht“, warnte er sie leise.
Sie beugte sich zu ihm und fuhr über seine Brust. „Du bist etwas verspannt“,
stellte sie dann fest.
„Möglich“, knurrte er noch immer sehr leise und holte tief Luft, als ihre Lippen
über seine Brust fuhren und ihre Zunge seine Brustwarzen umkreiste. Seine Hand
umfing ihren Hals und presste sie an sich.
„Hm“, murmelte Ailia gegen seine Haut. „Eigentlich wäre es interessant, dich mal
an dem Bett festzubinden.“
Oh Gott! Fast übergangslos schoss das Blut in seinen einen bestimmten
Körperteil. Er riss ihren Kopf hoch und seine Lippen verschlangen ihren Mund.
Doch er hatte ihren Händen keine Beachtung geschenkt und stöhnte übergangslos
auf, als sie seinen Penis umschlossen.
„Luzy“, murmelte er erstickt und hörte sie leise lachen.
„Das ist wirklich Wahnsinn, wie du auf mich reagierst“, flüsterte sie begeistert
und er verfluchte sich selbst. „Du stehst auf Fesseln, was?“
Er dankte Gott, dass sie diese verrückten Gedanken nicht zu Beginn der Nacht
schon hatte. Oder diesen herrlichen Mut, die Initiative zu ergreifen. Wenn sie
geahnt hätte, was sie mit ihm anstellen konnte, wahrscheinlich hätte er sie in
dieser Nacht des öfteren angefleht. Ihn ans Bett fesseln!? Er sollte sie
schleunigst davon abhalten, solche Ideen weiter auszuspinnen. Doch sie schien
die Sprache, die sie am Anfang der Nacht verloren hatte, doppelt und dreifach
zurück erhalten zu haben.
„Was macht eine Frau eigentlich mit einem Mann, der am Bett festgebunden ist?“,
erkundigte sie sich spielerisch, während ihre Finger an seinem nun steinharten
Penis auf und ab wanderten.
Er umklammerte ihren Hals mit zurück geworfenem Kopf, ohne fähig zu sein, eine
Antwort zu formulieren. Eigentlich war er froh, noch atmen zu können.
„Ich wette, ich müsste dann etwas mit meinem Mund tun“, grinste Ailia und
presste ihre Lippen auf seinen Bauch. „Aber das werde ich nicht tun. Ich habe
das noch nie gemacht, weißt du“, erklärte sie ernsthaft. „Und ich denke, ich
werde das auf keinen Fall an dir das erste Mal ausprobieren.“
Noch nie?! „Noch … nie?“, stieß er hervor.
Sie rieb ihre Wange an seinem Bauch und beobachtete ihre Hände, die seinen Penis
umfangen hielten. Eigentlich war es ein Wunder, dass er sie einfach so gewähren
ließ. Selbst sein Penis ist schön, ging es ihr durch den Kopf und ein vertrautes
warmes Gefühl bildete sich zwischen ihren Beinen.
„Nein“, sagte sie leise und schwang ein Bein über seine Hüften.
Trevor stöhnte und öffnete die Augen, als sie sich rittlings auf ihn setzte und
sich selbst an ihm rieb. Der Geruch ihrer Erregung schwebte schon wieder in der
Luft und Trevor sagte sich, dass ein bestimmter Teil an ihm sicherlich in den
nächsten vierzehn Tagen streiken würde. Doch es war ihm egal. Seine Hände
umfingen ihre Hüften, er fühlte die Nässe zwischen ihren Beinen und hoffte, sie
würde sich nicht allzu viel Zeit lassen. Seine jetzige Position ließ ihm nicht
viel Spielraum, das zu beeinflussen. Aber um nichts in der Welt wollte er jetzt
etwas anderes, als dass sie ihn ritt.
Ailia warf den Kopf zurück und schloss die Augen, als sie sich anhob und langsam
auf ihm niederließ.
„Oh Gott, Luzy“, murmelte er wieder, als er sah, wie sich ihr Gesicht verklärte.
Es war fast zuviel. Sie auf sich sitzen zu sehen... Und dann fing sie an, sich
auf und nieder zu bewegen und er glaubte zu sterben. Ihr Körper glänzte im Licht
der schwachen Lampe und er sah diese perfekten, kleinen Brüste auf und nieder
schwingen. „Luzy, bitte“, flüsterte er erstickt und krallte seine Finger in ihre
Hüften. „Schneller…“
Sie passte sich dem Rhythmus an, den er vorgab und wimmerte leise, weil das
Gefühl, wie er immer wieder in ihr verschwand einfach nur toll war. Und der
Gedanke, dass sie es diesmal war, die Macht über ihn hatte, trieb ihren
Blutdruck in die Höhe. Sie hörte seine sinnlosen, gemurmelten Worte, spürte, wie
er ihr entgegen stieß und seine Finger, die sich beinahe schmerzhaft in ihre
Hüften krallten. Wieder und wieder ließ sie sich auf ihm fallen.
Trevor hielt es nicht mehr aus. Seine Hand wanderte zwischen ihre Beine, fand
den geschwollenen Knoten und ehe Ailia protestieren und ihn noch eine Weile
quälen konnte, jagten die Bewegungen seiner Finger ihre Erregung steil in die
Höhe.
„Ja“, stieß er hervor, als sie gegen ihn rammte und seine Finger ihre Klitoris
im Rhythmus ihrer Bewegungen trafen. „Ja, Luzy, ja … oh Gott … ja…“
Ailia schrie auf, ihr Kopf flog zurück, als der Orgasmus sie mit einer immensen
Macht überrollte. Sie schluchzte auf, fühlte seine Arme, die sie umfingen und
wie er noch ein paar Mal nach oben stieß. Dann mischte sich seine Ekstase in
ihre und sie fiel mit ihm zusammen auf das Bett, keuchend und mit geschlossenen
Augen, während sie sich aneinander klammerten, bis sich ihre Gedanken wieder
voneinander lösten.
Ailia hatte die Augen geschlossen. Er rollte sie sanft zur Seite, zog sie in
seine Arme und griff nach der dünnen Decke. Sie kuschelte sich an ihn, während
er telekinetisch das Licht löschte und Sekunden später verrieten ihm ihre
ruhigen Atemzüge, dass sie eingeschlafen war.
Meine Luzy, dachte er müde, strich mit den Lippen über ihre Stirn und
schloss die Augen. Er wäre gern noch wach geblieben und hätte es genossen, sie
im Arm zu halten, doch die verrückte Nacht forderte auch von ihm ihren Tribut.
Keine fünf Minuten nach ihr schlief er auch.
Ailia erwachte von ungewohnten Geräuschen. Möwen. Meeresbrandung… Etwas
orientierungslos hob sie den Kopf und sah sich um. Es war hell und
wahrscheinlich später Vormittag. Sie lag auf dem Bauch und sie war allein.
Schlagartig war die Erinnerung an die vergangene Nacht wieder da und sie vergrub
ihr Gesicht im Kissen. Dann hörte sie die Tür zum Bad gehen und schielte zur
Seite. Ein Trevor mit nassen, verstrubbelten Haaren, nur mit einem Handtuch um
die Hüften grinste sie an.
„Morgen, Luzy. Gut geschlafen?“
„Hm“, brummte sie und fühlte, wie er sich auf der Bettkante niederließ. Seine
Hand strich über ihre Haare und sie sagte sich, dass die Nacht vorbei war und
sie seine Hand jetzt wegschlagen sollte.
„Ich mache Frühstück. Was möchtest du? Kaffee? Tee?“
Und sie sollte jetzt schnellstens das Haus verlassen, einem sich sicherlich
Sorgen machenden Delaron gegenübertreten und Kevins nervende Fragen beantworten.
Doch stattdessen hörte sie sich selbst: „Kaffee“, sagen.
„Okay.“ Trevor sprang auf, griff nach seiner Hose und zog sie über. Während er
die Knöpfe verschloss, betrachtete er lächelnd, wie sie den Kopf, mit den
verwuselten Haaren, in den Kissen vergrub. „Ich habe deine Sachen auf den Tisch
gelegt. Du willst bestimmt auch duschen. Komm dann einfach runter. Du weißt doch
noch, wo die Küche ist, ja?“
Ailia war froh, dass ihr Gesicht weiterhin von dem Kissen verborgen wurde. Sie
würde nie vergessen, wo die Küche war.
Als sie sich erhob, musste sie ein Stöhnen unterdrücken. So also fühlte man
sich, wenn man die ganze Nacht Sex hatte. Wahnsinn. Ihr tat jeder Muskel weh und
zwischen den Beinen hatte sie ein etwas wundes Gefühl. Trotz allem fühlte sie
sich einfach fantastisch.
Die Dusche lockerte ihre verspannten Muskeln etwas und sie fühlte sich noch
blendender, als sie nach ihrer Kleidung griff und hinein schlüpfte. Die Bluse
sah etwas mitgenommen aus, aber das konnte sie nicht ändern. Und schließlich war
sie in spätestens einer Stunde wieder in SECRET ONE und konnte in ihre normale
Alltagskleidung schlüpfen.
Trevor hob den Kopf, als sie die Küche betrat und lächelte, als er bemerkte, wie
sich wieder ein Hauch von Rot auf ihren Wangen bildete.
„Luzy“, murmelte er neckend. „Nach dieser Nacht sollte sich deine Schüchternheit
eigentlich gelegt haben...“
Ailia fluchte leise. „Du könntest wenigstens den Anstand haben und darüber
hinweg sehen.“
Er goss ihr Kaffee ein und lachte. „Oh nein. Ich finde es viel zu süß, wenn du
rot wirst.“ Dann ließ er sich auf den Stuhl neben ihr fallen. „Geht es dir gut?“
„Sicher.“ Sie musterte den Tisch. Da waren frisch gebackene Brötchen, Butter,
Marmelade und Wurst und sie fühlte plötzlich Heißhunger in sich aufsteigen. „Wo
steht denn nun eigentlich dieses Haus?“, erkundigte sie sich neugierig.
„Chile“, grinste er.
„Oh. Chile? Hast du es schon lange?“
Er nickte. „Ein paar Jahre.“ Dann beugte er sich zu ihr. „Wenn ich gewusst
hätte, dass es dir so gut gefällt, hätte ich dich schon eher eingeladen.“
Ailia kaute an ihrem Brötchen und musterte ihn mit einem Funkeln in den Augen.
„Also an eine Einladung kann ich mich nicht erinnern…“
Er lehnte sich zurück und sein berüchtigtes spöttisches Grinsen war wieder da.
„Du siehst sehr erholt aus, Luzy.“
Sie verschluckte sich fast an dem Brötchen und fing an zu husten. Trevor lachte
und beobachtete amüsiert ihr hochrotes Gesicht. Doch es stimmte. Mit diesen
glänzenden Augen und der gesunden Farbe ihres Gesichtes gefiel sie ihm noch
besser.
Sie trank noch schnell ein paar Schlucke Kaffee. „Das macht die Meeresluft“,
erklärte sie ernsthaft.
„Das macht der viele tolle Sex“, gluckste er und griff nach seiner Tasse. Und
der tolle Sex machte auch hungrig, stellte er für sich fest, als er sie das
dritte Brötchen verputzen sah.
„Quatsch.“ Sie sah sich um. „Wo steckt dein James?“
„Er weiß, dass er mir am frühen Morgen nicht über den Weg laufen soll, wenn ich
Besuch habe.“
„Aha“, machte Ailia und runzelte die Stirn. „Passiert das oft?“
„Neugierig?“
Sie wurde wieder rot.
„Nein“, antwortete er zu ihrem Erstaunen trotzdem. „Ich bevorzuge es, die Frauen
nicht mit in dieses Haus zu nehmen. Ich möchte gehen können, wenn ich bekommen
habe, was ich wollte.“
„Oh.“ Ailia hob den Kopf und sah ihn nachdenklich an.
„Du bist eine Ausnahme, Luzy“, sagte er leise. „Du warst es schon immer. Für
mich.“
„Du bist wirklich ein seltsamer Mensch, weißt du das?“ Da war etwas in seinen
Augen, was sie irritierte. Obwohl noch immer dieses Grinsen um seinen Mund lag,
sagten ihr seine Augen, dass er seine Worte todernst meinte. Und es fiel ihr
plötzlich schwer zu atmen.
„Also, was ist?“, brach er das Schweigen und stand auf. „Wie wäre es mit einem
Soforttransport nach SECRET ONE?“ Er versuchte, belustigt zu klingen, doch Ailia
hörte plötzlich die feinen Hintergrundnuancen. „Und wenn sie dich zu einer
Psychologin schicken, lass wenigstens ein gutes Haar an mir“, spottete er
weiter, griff nach ihrer Hand und zog sie mit zur Tür. „Ich meine, ich würde dir
gern noch einen romantischen Spaziergang anbieten, aber ich glaube, da ist
irgend so eine wichtige Sache, die deine Mutantenanwesenheit erfordert und
schließlich ist die Nacht vorbei und dein Versprechen…“
„Trev“, unterbrach sie ihn und blieb stehen.
Er fluchte und drehte sich zu ihr um. „Kleb mir eine, Luzy. Komm schon. Ich
möchte einen Grund haben, dich so schnell wie möglich nach SECRET ONE zu
bringen.“
„Hör auf mit dem Scheiß“, flüsterte sie und schnappte nach Luft, als er sie
gegen die Wand presste.
Seine Lippen lagen auf ihrem Mund und obwohl sie wusste, dass es jetzt nichts
mehr gab, dass sie zwang, das zuzulassen, öffneten sich ihre Lippen automatisch
und sie stöhnte leise, als sie seine Zunge fühlte. Er fluchte wieder, riss
seinen Kopf von ihr los und starrte sie an.
Und Ailia spürte überdeutlich den Grad seiner Erregung. Sie lächelte schwach.
„Etwas unersättlich, was?“
Er schnappte nach Luft, als er ihre Hand spürte, die sich gegen seine Hose
presste. „Hör auf“, stieß er hervor und sein Kopf sank auf ihre Schulter, als
sie genau das nicht tat.
Ailia schloss die Augen, hörte seine Stöhnen, als sie ihn durch die Hose
massierte und ein feines Lächeln umspielte ihren Mund. Und Trevor fiel fast aus
allen Wolken, als er spürte wie sie seine Hose öffnete.
„Luzy…“ Er klang hilflos, fast verzweifelt und ein: „Oh Gott“, kam über seine
Lippen, als sie auf die Knie sank. Er konnte nicht mehr denken, geschweige denn
begreifen, was hier gerade passierte. Seine Hände stützen sich gegen die Wand,
seine Stirn sank dagegen und er glaubte sich jetzt wirklich im Himmel, als sich
Ailias Lippen um seinen Schwanz schlossen. „Gott, Luzy“, murmelte er und schloss
die Augen.
Ailia wusste selbst nicht, warum sie es tat. Oder woher sie den Mut nahm.
Vielleicht weil sie sich wirklich einfach so fantastisch fühlte… Ihre Zunge
schnellte heraus, fuhr an seiner steifen Länge entlang, ehe sie ihn in den Mund
nahm. Sie hörte ihn leise aufkeuchen, fühlte, wie seine Hüften nach vorn
stießen, als wolle er sich selbst tiefer in ihrem Mund vergraben und begann zu
saugen. Auf Grund der Laute, die er ausstieß, nahm sie an, dass es nicht ganz so
verkehrt war, was sie tat, auch wenn er sie gegen die Wand presste und ihr kaum
noch Platz zum bewegen ließ. Sie nahm an, dass er im Moment wenig Einfluss auf
das hatte, was er tat. Es begeisterte sie. Und er schmeckte gut. Sie fühlte
seine samtige Haut, das Pochen seiner Erregung und schloss ebenfalls die Augen.
Ihre Hand umfing seinen Schaft, folgte den Bewegungen ihrer Lippen, wenn sie ihn
immer wieder tief in ihren Mund saugte.
Trevor fühlte, dass sein Körper kurz vor der Explosion stand. Es war nicht zu
fassen. Das war Luzy. Es war Morgen. Mittag, um genau zu sein und es bestand
kein Zwang mehr, sich an irgendein Versprechen zu halten. Und sie tat *das*!
Seine Zähne gruben sich in seine Unterlippe und seine Hand fuhr zu ihren Haaren,
als er ihren Kopf gegen sich presste. Jeglicher Gedanke daran, dass das ihr
erstes Mal war, schien sich in seinem Kopf in Luft aufgelöst zu haben, als er
tief in ihren Mund stieß, seine Hand in ihre Haare krallte, aufstöhnte und
schlagartig kam.
Ailia kannte die Theorie. Trotzdem war sie überrascht, als sie plötzlich die
warme Flüssigkeit in ihrem Mund schmeckte und schluckte krampfhaft. Er ließ ihr
gar keine andere Wahl, ging es ihr kurz durch den Kopf, als sie spürte, wie sie
von ihm gegen die Wand gepresst wurde. Doch entgegen ihrer Vorstellung war es
nicht unangenehm, ja nicht einmal eklig. Es war ein Teil von ihm und nach dieser
Nacht schockierte Ailia so schnell nichts mehr. Schließlich war sein Kopf mehr
als einmal zwischen ihren Beinen vergraben gewesen und sie konnte sich noch
genau erinnern, wie sie seine Haare umklammert hatte und sein Gesicht gegen ihre
Mitte drückte. Deshalb leckte sie jetzt fast schmunzelnd die Reste seines
Spermas von ihren Lippen und fühlte, wie er auf die Knie sank und seine Arme um
sie schlang.
„Oh Gott, Luzy“, flüsterte er erstickt und vergrub sein Gesicht an ihrem Hals.
„Ich liebe dich, Luzy. Verdammt…“
Ailia erstarrte, während ihr Herz fast aussetzte. „Was?“, brachte sie heraus.
Sein Kopf fuhr hoch und einen Moment sah sie etwas wie Panik in seinen Augen.
„Hab ich das jetzt gesagt? Oh Gott“, murmelte er. „Nein, also ich meine… schau
nicht so entsetzt… das war… die Hitze des Augenblicks … da sagt man so was… Luzy,
du hast gerade deinen Mund um meinen …! Vergiss, was ich gesagt habe!“
„Ja“, antwortete sie schwach. Er hat gesagt Ich liebe dich und ich soll es
vergessen?! Wie zum Teufel sollte das gehen?
Er sprang auf, verschloss seine Hose und zog sie mit sich hoch. Zum ersten Mal
seit sie ihn kannte, wich er ihrem Blick aus.
Und Ailia ging plötzlich auf, dass es einiges erklären würde. Eigentlich sein
ganzes Verhalten in dieser Nacht. Er hatte sich nicht wie jemand benommen, der
sie einfach einmal flachlegen wollte. So wie er es immer so schön betont hatte.
Nein, er hatte alles getan, damit sie diese Nacht nie vergessen würde. Sehr
erfolgreich, wie sie sich nun heimlich eingestand.
„Können wir?“, fragte er und schaute sie noch immer nicht an.
Sie nickte und legte ihre Hand in seine. Übergangslos spürte sie den Schmerz der
Entstofflichung und sie materialisierten auf dem betonierten Vorplatz zum
Verwaltungsgebäude in SECRET ONE. Er wollte seine Hand von ihr lösen, doch sie
hielt sie fest und machte einen Schritt auf ihn zu. Endlich drehte er seinen
Kopf und blickte in ihre Augen. Er sah so unwahrscheinlich verlegen aus, dass
Ailia schmunzeln musste.
„Ich bin dir nicht böse“, sagte sie leise und ließ ihn los.
Es war nur der Abklatsch seines sonst so spöttischen Grinsens, der nun in seinem
Gesicht erschien, als er kurz den Kopf neigte. Dann machte es ‚Plop’ und er war
verschwunden.
Nur um in seinem Haus einen Moment später zu materialisieren und im nächsten
Augenblick wütend die Faust gegen die Wand zu dreschen. „Verflucht!“ schrie er
unbeherrscht und erntete einen indignierten Blick von James, der gerade dabei
war, den Küchentisch abzuräumen…
***********
Ailia seufzte, strich ihren Rock glatt und betrat das Gebäude. Irgendwie hoffte
sie, niemandem über den Weg zu laufen, aber sie hätte ahnen sollen, dass es
zumindest eine Person gab, die dringend auf ihr Erscheinen wartete.
„Ailia!“ Kevin stürzte aus der Cafeteria und blieb atemlos vor ihr stehen. „Ich
habe mir Sorgen gemacht! Es ist Mittag!“
„Ja und?“, fragte sie müde.
„Geht es dir gut?“
„Ja, Kevin.“
Er musterte sie, als würde er ihr nicht glauben. „Delaron will dich sprechen,
sobald du ankommst“, sagte er dann. „Er… er macht sich ebenfalls Sorgen.“
Ich wette, nicht so viel wie du, dachte Ailia bissig. „Ich muss mich umziehen“,
erklärte sie dann und hoffte, dass Kevin endlich verschwand. Aber er folgte ihr
bis zu ihrer Kabinentür. Ailia drehte sich genervt um. „Kevin, ich gehe allein
in meine Kabine.“
„J-ja d-doch“, stotterte der blonde große Mann. „Ich möchte nur sicher gehen,
dass es dir gut geht. N-nach diesem ... ähm... traumatischen E-erlebnis.“
„Es. Geht. Mir. Gut.“ Sie knallte ihm die Tür vor der Nase zu und war froh,
allein zu sein.
Einen Augenblick später sank sie auf das Bett und schloss die Augen. Ich liebe
dich, Luzy. Sie hatte noch immer den Geschmack seines Spermas in ihrem Mund und
fragte sich, warum sie nie auf diesen Gedanken gekommen war. Ich liebe dich,
Luzy. Ihre Hand strich über ihre Augen und sie zwang sich, wieder aufzustehen
und die ungewohnte schicke Kleidung endlich loszuwerden.
Bilder der Nacht stiegen in ihrem Kopf hoch, als sie die hochhackigen Sandalen
in den Schrank zurück stellte und sie seufzte leise. Kein Wunder, dass er
immerzu von ihr träumte…
Sie schlüpfte in ihre Jeans, ein einfaches Shirt und sagte sich, dass es besser
war, das Gespräch mit Jim gleich hinter sich zu bringen.
Der ältere Mann mit den schon grauen Haaren lächelte ihr entgegen, als sie sein
Büro betrat und Ailia sagte sich, dass er eigentlich gar nicht so sorgenvoll
aussah wie Kevin es dargestellt hatte.
„Du siehst nicht aus, als müsste ich dich sofort zu einer Psychologin schicken“,
schmunzelte er.
Ailia runzelte nur die Stirn.
„Kevin war leicht panisch“, erklärte der Kommandant von SECRET ONE. „Er wollte
sogar ein Einsatzkommando losschicken, um dich zu retten.“
Ailias Stirnrunzeln verstärkte sich. „Warum bist du nicht besorgt, Jim?“
„Wie geht es dir?“
„Gut.“
„Ich war besorgt“, sagte der Mann leise. „Ich bin immer noch besorgt und du
weißt, wo sich Nathalies Büro befindet, wenn du mit jemandem reden willst.
Manchmal geschehen Dinge, die niemand vorhersehen kann und wir müssen
Entscheidungen treffen, die uns schwer fallen. Ailia, manchmal habe ich Angst,
dass du dir selbst zu viel zumutest. Ich weiß nicht, welche Frau die
Entscheidung getroffen hätte, die Nacht mit einem Mann zu verbringen, den sie
verabscheut…“
„Es ging um Menschenleben“, antwortete Ailia und klang etwas geistesabwesend.
„Natürlich“, nickte Delaron.
„Wie hast du Kevins geplanten Einsatz verhindert?“
„Ich habe ein wenig Nachforschung betrieben. Vielleicht überrascht es dich, zu
erfahren, dass dein Freund 1,5 Millionen Galax dafür bezahlt, damit die anderen
Menschen in der Gaststätte auf freien Fuß kommen. Ich meine, das kam auf deinen
Einsatz drauf.“ Delaron sah, wie ihr Mund offen stehen blieb und seufzte.
„1,5 Millionen?“, fragte sie schwach.
Er nickte. „Er hat es nicht erwähnt, oder?“
„Nein.“
„Hab ich mir gedacht.“ Delaron lächelte. „Ich möchte, dass du mit Nathalie
sprichst, wenn du denkst, du schaffst es allein nicht. Ich möchte dich nicht in
einen Einsatz schicken, wenn ich mir nicht sicher bin, dass du psychisch voll
auf der Höhe bist. Es wäre zu gefährlich.“
„Es geht mir gut“, wiederholte Ailia wieder.
„Du siehst auch gut aus“, schmunzelte Delaron und sein Lächeln wurde stärker,
als er sie erröten sah.
Ailia stand auf. „Ich kann gehen, oder?“
Er nickte. Sein Blick folgte ihr und als sie schon fast an der Tür war, stoppte
er sie noch einmal. „Ailia?“
Sie drehte sich um. „Ja?“
„Trevor ist vernarrt in dich. Er würde niemals etwas tun, das dich verletzt.“
Ailia schloss die Augen und atmete tief durch. „Ich weiß“, sagte sie leise und
schloss die Tür hinter sich.
Zwei Wochen waren vergangen. Zwei Wochen, in denen Ailia kein Lebenszeichen von
Trevor vernommen hatte. Und das hieß schon viel, weil er sonst kaum drei Tage
verstreichen ließ, ohne sich irgendeinen dummen Grund einfallen zu lassen, aus
dem er unbedingt mit ihr reden wollte.
Ihr Alltag hatte sie wieder. Da im Moment kein Auftrag auf sie wartete, der
einen Mutanten erforderte, verbrachte sie die Tage hauptsächlich damit, den
potentiellen Mutantenkindern, die auf SECRET ONE lebten, bei der Ausbildung und
Beherrschung ihrer Kräfte zu helfen.
Delaron hatte ihr Urlaub angeboten, doch sie war froh darüber, ihre Gedanken
durch die Arbeit ablenken zu können und nahm an, dass sie ausschließlich über
eine einzige Person nachdenken würde, wenn sie jetzt auf Urlaub bestand.
Sie ging Kevin aus dem Weg und verschloss demonstrativ ihren Kopf vor den
Gedanken der anderen Stationsmitglieder. Es schien niemanden zu geben, der nicht
über diese eine Nacht Bescheid wusste und die Meinungen über Trevors
unverschämte Forderung gingen sehr weit auseinander.
Der größte Teil der Frauen beneidete sie. Ein Teil der Männer war entsetzt, ein
anderer Teil bewunderte Trevors Mut, seinen Wunsch mit einer solchen Erpressung
durchzusetzen. Ein Teil der Menschen hatte Mitleid mit ihr, ein anderer Teil
dachte, dass sie bestimmt eine tolle Nacht gehabt hatte. Und ein weiterer Teil
der Männer, zu dem auch Kevin zählte, war schlicht und ergreifend neidisch.
Ailia hatte es so satt, die Gedanken anderer zu hören. Und sie hatte es so satt,
über Trevor nachzudenken. Ab und zu spielte sie doch tatsächlich mit dem
Gedanken, Nathalie aufzusuchen, nur um einfach mit irgendwem darüber zu reden,
auch wenn diese Person den Titel Psychologin trug. Doch sie schreckte davor
zurück, sich einem Nichtmutanten anzuvertrauen. Natürlich war Nathalie an ihre
Schweigepflicht gebunden, aber Ailia wusste genauso gut, dass die blonde Frau zu
schwärmen anfing, sobald das Gespräch auf einen ganz bestimmten grauäugigen
Mutanten kam.
„Morgen, Ailia“, schreckte eine fröhliche Stimme sie aus ihren Gedanken hoch und
Ailia fluchte lautlos, als sich Kevin an ihren Tisch setzte.
„Ich habe dich lange nicht gesehen“, plauderte der blonde Mann freundlich los
und schenkte sich Kaffee ein. „Mir kommt es bald so vor, als würdest du mir aus
dem Weg gehen.“
Ailia lächelte gezwungen. „Kevin, ich bin eine exzellente Telepathin. Ich *bin*
dir aus dem Weg gegangen.“
„Oh.“ Er besaß sogar den Anstand, rot zu werden. „Es tut mir Leid“, sagte er
dann zerknirscht. „Ailia, du weißt, was ich für dich empfinde und dass es mich
einfach beschäftigt, zu wissen, dass du gegen deinen Willen...“
„Kevin.“ Sie hob ihre Stimme nicht, doch er verstummte und rührte in seinem
Kaffee. Dann seufzte sie. „Kevin, du bist ein netter Mensch, aber du weißt auch,
dass ich nicht dasselbe für dich empfinde, wie du für mich.“
„Ja“, antwortete er leise und sah sie traurig an. „Ich mache mir trotzdem um
dich Sorgen. Du bist meine Partnerin. Zumindest bei den Fällen, bei denen du
nicht allein arbeiten kannst. Vielleicht solltest du wirklich mit jemandem
reden.“
„Garantiert nicht mit dir“, murmelte Ailia und trank einen Schluck Kaffee.
„Nein“, rief er erschrocken. „Nein, das meine ich auch nicht.“
„Es geht mir gut.“
Kevin sah sie skeptisch an. „Du siehst nicht gut aus.“
Ailia seufzte. Würdest du auch nicht, wenn du halbe Nächte damit verbringst, von
Trevor zu träumen. „Ich schlafe nicht gut“, antwortete sie nur und zuckte
zusammen, als er seine Hand auf ihren Arm legte. Ruckartig zog sie ihre Hand
weg, ehe seine Gedanken zu ihr vordringen konnten. „Kevin!“
„Es tut mir Leid“, wiederholte er. „Ailia, ich verstehe das nicht. Ich mag dich
wirklich und du erträgst es nicht einmal, wenn ich dich bloß trösten will und
trotzdem hast du dich dazu bereit erklärt, mit O’Delta eine Nacht zu
verbringen?“
„Kevin, ich will mit dir nicht darüber reden“, fuhr sie ihn an. „Ich will mit
niemandem darüber reden. Warum kapiert das einfach keiner?! Schau mich nicht so
mitleidig an! Ich bin nicht vergewaltigt worden!“
Kevin sah sie nicht an, sondern beschäftigte sich mit seinem Brötchen. „Also,
ich denke schon, dass es etwas in dieser Richtung genannt werden sollte“,
entgegnete er trotzig. „O’Delta ist ein Schwein, Ailia. Er geht dir seit Jahren
damit auf den Geist und nun endlich zu bekommen, was er schon immer wollte...
Mein Gott, das musste ihn ungeheuer befriedigen! Ich kann mir nur zu gut
vorstellen, was er dir angetan hat und ich denke wirklich, dass du mit einer
Psychologin darüber reden solltest.“
Ailia war blass geworden und zwang sich mit aller Gewalt, nicht in seinen Kopf
zu schauen und seine kranken Fantasien zu sehen. „Kevin“, begann sie ruhig. „Du
gehst mir auch seit Jahren auf den Geist...“ Er sah sie sehr verletzt an, doch
Ailia beachtete es nicht. „Würdest du etwas von den Dingen tun, die sicherlich
durch deinen Kopf spuken, wenn du endlich die Chance hast zu bekommen, was du
willst?“
Der blonde Mann schluckte krampfhaft und starrte sie fassungslos an.
Ailia stand auf. „Es war die schönste Nacht meines Lebens und ich will nie
wieder... Hörst du? ... nie wieder mit dir darüber sprechen.“ Ohne ein weiteres
Wort drehte sie sich um und verließ die Cafeteria.
Und Kevin sah aus, als wolle er gleich anfangen zu weinen.
************
Als würde das noch nicht reichen, bekam Ailia den nächsten Schock, als sie ihre
Kabine betrat und Trevor auf ihrem Bett saß. Er sprang auf.
„Ich muss mit dir reden.“ Ailia sah ihn an wie ein Gespenst und er fluchte
unterdrückt. „Verdammt, nein. Muss ich nicht.“ Und war wieder verschwunden.
Sie verschloss die Tür, lehnte sich dagegen und fragte sich, warum ihr Herz
gegen ihre Brust hämmerte, als wäre sie ein paar Kilometer gerannt. Er war schon
so ziemlich an jedem Ort in SECRET ONE materialisiert, aber hatte es noch nie
gewagt, die Privatsphäre ihrer Kabine zu verletzen. Noch ehe ihr Herz sich
wieder beruhigt hatte, machte es ‚Plop‘ und er war wieder da.
„Warum bist du so blass, Luzy?“, erkundigte er sich misstrauisch.
Ailia schloss kurz die Augen, sank an der Tür zu Boden und sah zu ihm hoch. „Was
willst du?“, fragte sie müde und ihr ging auf, dass sie von all dem Trubel
wirklich die Nase voll hatte.
„Können wir nicht ... einen Kaffee trinken gehen?“ Er runzelte die Stirn und
vergrub seine Hände in den Hosentaschen, als wüsste er sonst nicht wohin mit
ihnen.
„Trev, es gibt keinen Menschen in diesem Komplex, der nicht weiß, was du
angestellt hast. Glaub nur nicht, dass ich mich mit dir hier irgendwo sehen
lasse.“ Sie schlang ihre Arme um ihre Knie und lehnte den Kopf an die Tür. „Dir
ist schon klar, dass es eine immense Missachtung meiner Privatsphäre ist, dass
du einfach hier herein teleportierst, ja?“
„Ja“, gab er zu und setzte sich wieder auf die Kante ihres Bettes. „Willst du
auf dem Fußboden sitzen bleiben?“
„Was willst du hier? Ich glaube, mir fällt nicht ein einziger plausibler Grund
ein, der dich zwingen könnte, direkt in meine Kabine zu teleportieren. Aber du
warst noch nie verlegen mit Ausreden. Bin gespannt, was du jetzt vorbringst.“
„Ich wollte mit dir reden“, murmelte er undeutlich.
„Fang an.“
Trevor fluchte und sprang wieder auf. Ailia beobachtete, wie er ohne sie
anzusehen in dem Zimmer auf und ab schritt. Dann holte er tief Luft. „Luzy, was
ich gesagt habe... also ich meine, was ich gesagt habe, als du... Verdammt!“
Ein Trevor, der nicht wusste, was er sagen sollte. Einfach süß. „Was hast du
gesagt?“ fragte sie scheinheilig.
Er funkelte sie an.
„Ich glaube mich zu erinnern, dass du mich angefahren hast, ich soll das ja
vergessen“, fuhr sie fast liebenswürdig fort und sah, wie ihm wahrscheinlich zum
ersten Mal in seinem Leben das Blut ins Gesicht schoss.
Trevor biss die Zähne zusammen und knirschte. „Ich wollte nur sichergehen,
dass... du es auch... vergessen hast.“ Er vergrub wieder seine Hände in den
Taschen. „Ich befand mich in einem... Zustand, in dem man nicht... ähm...
zurechnungsfähig... ist und deshalb... was ich sagen will, ist ...“
Ailia lächelte schwach. „Ich nehme an, du willst sagen, dass ich den Worten ‚Ich
liebe dich, Luzy’ aus deinem Mund keinen Glauben schenken soll?“
Er wurde noch röter. Ailia fand, dass ihm diese Farbe auch außerordentlich gut
stand und sie hatte plötzlich große Lust, noch ein wenig darauf herum zu reiten.
„Ich kann dich beruhigen“, sagte sie. „Ich habe das nie geglaubt.“
Er räusperte sich kurz. „Gut.“
„Aber eigentlich“, fuhr sie dann mit einem spöttischen Grinsen fort. „...ist es
komisch, dass mir nicht auch so etwas ... entschlüpft ist. Ich glaube, ich
befand mich auch in einem... uhm... solchen Zustand...“
Er sollte sie erwürgen. Stattdessen starrte er wortlos mit schmalen Augen in ihr
Gesicht und ihm ging plötzlich auf, dass es vierzehn Tage her war, dass er sie
das letzte Mal gesehen hatte und vor sich selbst seit vierzehn Tagen nicht
zugeben wollte, dass er Angst hatte, ihr wieder gegenüber zu treten. Eben weil
er *das* zu ihr gesagt hatte. Und er Angst hatte, sie würde ihm bei der
nächstbesten Gelegenheit ins Gesicht lachen.
Ihre Augen ließen ihn genauso wenig los und er hätte gern gewusst, was in ihrem
Kopf vor sich ging. Sie sah müde aus, irgendwie traurig und... Er holte wieder
Luft und brach das Schweigen. „Ich hätte nicht kommen sollen.“
Sie lehnte den Kopf wieder zurück gegen die Tür. „Nein, hättest du nicht.“
„Du siehst schlecht aus, Luzy“, sagte er leise und bemerkte, wie sie die Augen
schloss.
„Fang du nur auch noch an“, brummte sie genervt. „Ich bin müde. Ich habe diese
ganzen mitleidigen Blicke satt! Ich habe Kevin satt! Und ich habe dich satt!
Verschwinde einfach wieder!“ Sie war lauter geworden und fluchte dann leise.
„Lass mich einfach in Ruhe. Lasst mich alle einfach in Ruhe. Das ist alles, was
ich brauche. Ruhe.“ Sie zuckte zusammen, als er sich plötzlich neben sie setzte
und ebenfalls an die Tür lehnte. „Was an dem ‚Verschwinde‘ hast du nicht
verstanden?“
„Ich habe auch nicht gut geschlafen... in den letzten vierzehn Tagen...“
„Warum?“, fragte sie sarkastisch. „Weil du Angst hattest, ich könnte jedem
erzählen, was du gesagt hast?“
„Nein, ich...“ Er stockte. „Ja, schon“, gab er dann zu und verdrehte die Augen,
als sie ihn ironisch ansah.
Ailia lachte plötzlich auf. „Was ist los, Trev? Angst, dass jemand von deiner
kleinen Schwäche für mich erfahren könnte?“ Sie lehnte sich zu ihm und verspürte
zum ersten Mal seit vierzehn Tagen wieder eine Art richtiger Belustigung. „Ich
kenne da noch ein paar mehr Schwächen von dir“, murmelte sie spöttisch. „Solche,
die in direktem Zusammenhang mit irgendwelchen Fesselspielchen...“
Seine Hand schoss zu ihrer Seite und krallte sich in ihre Haare, als er ihren
Kopf hochriss. „Halt. Deinen. Verdammten. Mund“, stieß er wütend hervor. „Ich
habe keine Schwäche für dich! Ich wollte dich in meinem Bett und ich hatte dich!
Damit ist die Sache erledigt!“
„Ich war nicht diejenige, die ‚Ich liebe dich’ gesagt hat“, sagte Ailia spitz.
„Ich habe das nicht so gemeint“, knurrte er.
„Wie meint man es, wenn nicht *so*?“
Er sah das belustigte Funkeln in ihren Augen und verfluchte sich zum hundertsten
Mal in diesen vierzehn Tagen. Er verfluchte seine Gedanken, seine Träume, die
nicht besser wurden, und seine Dummheit, diese Worte ausgesprochen zu haben. Und
seinen bescheuerten Körper, der schon wieder auf ihre Nähe reagierte. Er sollte
schleunigst das Weite suchen.
„Luzy“, stieß er drohend hervor. „Wenn du irgendjemandem ein Wort davon
erzählst, werde ich dir deinen süßen Hals umdrehen.“
„Sicher“, murmelte Ailia belustigt. Dann küsste er sie, kurz und hart, und im
nächsten Moment knallte die Luft in das entstandene Vakuum, als sein Körper
verschwand.
Ailia starrte noch eine ganze Weile auf die Stelle, an der er noch vor einem
Augenblick gesessen hatte. Und auf ihren Lippen brannte sein Kuss.
***********
Der Alarm gellte durch SECRET ONE.
Ailia streifte in rasender Eile ihre Kleidung über und stürzte zur Tür hinaus.
Es war Mitternacht, doch ihre Instinkte waren gut genug geschult, um sie sofort
hellwach werden zu lassen. Der Alarm galt allein ihr. Mutantenalarm. Sie
verfluchte zum hundertsten Mal, dass sie nicht auch ein Teleporter war und kam
keuchend auf dem Hubschrauberlandeplatz an.
„Rein mit dir“, kommandierte der Pilot Mark Travis und sie sprang in den
Hubschrauber, der im gleichen Moment startete.
„Was ist passiert?“
Mark berichtete in kurzen Worten, dass ein Einsatzkommando, das einen Drogenring
sprengen sollte, in eine Falle gelockt worden war und diese Männer jetzt
eingekesselt gegen eine Übermacht kämpften. Ailia nickte ruhig und konzentrierte
sich auf die Umgebung. Sie flogen schnell, doch Ailia wusste, dass Mark ein sehr
guter Pilot war, da er sie schon öfter zu einem gefährlichen Einsatzort geflogen
hatte.
Es war ein altes Fabrikgebäude und Ailia, die mit ihren mentalen Sinnen hinaus
esperte, erkannte sofort die aussichtslose Situation der vier eingekesselten
Agenten, die gegen eine Übermacht von vielleicht fünfzehn oder zwanzig schwer
bewaffneten Männern kämpfte.
Sie wies Mark an, den Hubschrauber still zu halten, damit sie aussteigen konnte
und ließ sich sanft zu Boden schweben. Mark hob grüßend die Hand, ehe er
wegdrehte und das Weite suchte, weil die ersten Maschinengewehrsalven in
Richtung des Hubschraubers abgeschossen wurden.
Ailia konzentrierte sich als Erstes auf den telekinetischen Schirm, der sie vor
den Kugeln der Angreifer schützte und huschte, durch die schwarze Kleidung in
der Dunkelheit wirkungsvoll verborgen, in das Gebäude. Ihre Leute hatten sich am
entgegen gesetzten Ende der Halle verschanzt, die Wand im Rücken und von wenigen
großen Kisten notdürftig vor den Kugeln geschützt.
Sie überlegte, was sie am besten tun sollte. Zwanzig, ja selbst fünfzehn
Personen waren zu viel - auch für sie. Ihre telekinetischen Finger griffen nach
den Männern, die ihr am nächsten standen. Wieder einmal wünschte sie sich einen
Mutanten an ihre Seite. Und sie wünschte sich, all ihre Skrupel vergessen zu
können. Wie einfach wäre es, die Hälfte der Männer zu hypnotisieren und sie zu
zwingen, auf die andere Hälfte zu schießen. Sie würde es natürlich nicht tun,
weil es ihr Kodex einfach verbot. Menschenleben mussten so weit wie möglich
geschont werden.
Deshalb waren die ersten Männer nur verblüfft, als ihnen eine unsichtbare Kraft
die Waffen aus den Händen zog.
„Scheiße!“, hörte sie einen schreien und die Schüsse der anderen wurden lauter,
weil sie ihre Bemühungen verdoppelten.
Schweiß bildete sich auf ihrer Stirn, als sie zuschlug. Da sie gleichzeitig
ihren Schirm noch aufrechterhalten musste, reichten ihre Kräfte nicht, um alle
Männer unter Kontrolle zu bekommen. Ein Teil bemerkte, was los war und drehte
sich feuernd um, in der Hoffnung durch den wilden Kugelhagel vielleicht den
Verursacher des ganzen zu erwischen.
Ailias Gedanken griffen hinaus. Sie schaffte ein derartiges Chaos in der
schmutzigen Halle, dass sie sich kaum noch selbst richtig konzentrieren konnte.
Jetzt war es nicht mehr möglich, auf jedes Menschenleben Rücksicht zu nehmen.
Ihre Leute bemerkten, dass sie plötzlich unverhofft Unterstützung erhielten und
verdoppelten ihre Bemühungen ebenfalls. Da Ailias Sinne weit offen standen,
vernahm sie natürlich auch den Schmerz und den Todesschrei, wenn ein Mann starb.
Das war etwas, womit sie sich nie würde abfinden können. Sie biss die Zähne
aufeinander, sah Körper zur Seite fliegen, auf den Boden krachen und hörte die
Schreie.
Plötzlich bemerkte sie, wie sich auf der anderen Seite der Halle das Tor öffnete
und neue bewaffnete Männer den Raum stürmten. Sie fluchte leise und betete, dass
die Soldaten, die Delaron sicherlich ebenfalls alarmiert hatte, bald eintrafen.
Eine Kugel traf einen ihrer Leute und Tränen traten in ihre Augen, als sie den
Mann sterben fühlte. Warum standen ihr nicht mehr Mutanten zur Verfügung? Warum
nicht?
Sie sprang die Treppe hinunter, um einen besseren Überblick über das Kampffeld
zu haben, während sie telekinetisch versuchte, die Männer erneut zu der Tür
hinaus zu drängen. Doch wenn sie das tat, vernachlässigte sie wieder den Rest,
der sich dann ungehindert zu den drei noch lebenden Männern vorarbeiten konnte.
„Verdammt!“, stieß sie hervor und ein weiterer Gedankenbefehl von ihr, ließ den
ihr am nächsten robbenden Mann zur Seite fliegen. Plötzlich wandten sich die
Waffen ihr zu und sie schaffte es kaum, ihren Schirm so zu verstärken, dass
keine Kugel sie erreichte. Hilflos sah sie, wie sich die Deckung ihrer Leute
langsam in Kleinholz verwandelte, weil die zweite Gruppe jetzt ungehindert
vordrang.
Sie wusste, dass es zuviel für sie war. Und trotzdem wagte sie es, ihren Schirm
ein wenig zu schwächen, weil sie die Energie brauchte, um die zweite Gruppe
aufzuhalten. Dass es ein Fehler war, wurde ihr klar, als ein stechender Schmerz
in ihren Arm fuhr. Sie sank zu Boden, aktivierte mit einem Befehl, den ihr ihr
Überlebensinstinkt diktierte, den Komplettschirm um sich selbst und versuchte,
den Schmerz unter Kontrolle zu bekommen.
Ein kurzer Blick auf ihren Arm sagte ihr, dass die Kugel nur das Fleisch
getroffen hatte und sie biss die Zähne aufeinander, um den Schmerz unter
Kontrolle zu bekommen. Sie wollte sich gerade erheben, als neben ihr eine
Gestalt materialisierte.
Ailia war noch nie so froh gewesen, sein Gesicht zu sehen. Allerdings sah er
weder freundlich noch nett aus. Sondern eher so, als hatte er vor, jemanden
umzubringen.
Das Feuer war schlagartig verstummt, als Trevor erschienen war und die Männer
sahen ihn mit teilweise bestürzten und teilweise fast ängstlichen Augen an.
Ailia bemerkte, dass sich ihre drei Leute im hinteren Teil der Halle
aufrichteten und neugierig zu erfahren versuchten, was das Ende der Schüsse
bewirkt hatte.
„Wer ist dafür verantwortlich?“, fragte Trevor laut und jeder hörte den mühsam
unterdrückten Zorn in seiner Stimme.
„Wir“, begann ein großer, dunkelhaariger Mann. „...haben strikten Befehl, keinen
der Männer lebend aus der Halle entkommen zulassen“, erklärte er zögernd.
„Das ist mir scheißegal!“, tobte Trevor plötzlich los. „Ich will wissen, wer auf
die Idee gekommen ist, auf *sie* zu schießen!“ Sein Finger schien Ailia, die ihn
plötzlich fassungslos anstarrte, fast aufzuspießen. „Ich habe den *strikten*
Befehl gegeben, dass niemand diese Frau anrührt! Bei wem ist das noch nicht
angekommen?!“
Der Mann blickte sehr betreten drein. „Uns hat niemand gesagt, dass sie hier
auftaucht...“
„Es gibt nur eine einzige Mutantin auf dieser Welt“, brüllte Trevor weiter. „Und
ich werde diejenigen zur Verantwortung ziehen, die so dumm sind, das zu
übersehen! Um was für einen Schwachsinn geht es hier eigentlich? Drogen? Ihr
seid in der Überzahl?! Wieso benötigt ihr so lange, dass es einer Mutantin, die
nicht einmal Teleporter ist, möglich ist, hier aufzutauchen?!“
Der Mann bekam plötzlich keine Luft mehr, weil eine unsichtbare Gewalt seine
Kehle zudrückte. Ailia war noch immer zu keiner Reaktion fähig und sah
fassungslos zu, wie einige der Männer durcheinander flogen, weil Trevors
telekinetische Kräfte mit ihnen spielten.
„Diese Frau steht unter meinem Schutz! Sie anzugreifen oder zu verletzen
bedeutet das gleiche, als würdet ihr mich verletzen! Geht das in eure
stumpfsinnigen Hirne hinein?!“, schrie er den nach Luft japsenden Mann an. „Ist
es zuviel verlangt, das zu verstehen?!“
Dessen Hände griffen nach der unsichtbaren Fessel um seinen Hals und ihm traten
fast die Augen aus dem Kopf, als er zu Boden sank.
Das reichte, um die eigenartige Starre, die Ailia befallen hatte, zu lösen. „Trev!“,
stieß sie hervor und umklammerte seinen Arm. „Hör auf. Hör auf damit.“ Ihr wurde
schwarz vor Augen und sie lehnte einen Moment ihren Kopf gegen seinen Arm.
Es schien anzukommen, denn Trevor atmete tief durch, als er um seine
Beherrschung kämpfte. „Verschwindet! Alle! Sofort.“ Dann fixierte er den
dunkelhaarigen Mann noch einmal stechend. „Richte Lewis einen schönen Gruß von
mir aus. Und sagt ihm, ich werde darauf zurückkommen.“
Niemand hatte den Namen Lewis erwähnt, aber alle wussten von Trevors, wenn auch
geringer, telepathischer Fähigkeit.
Der Mann war blass, als er nickte und Ailia brauchte nicht in seinen Kopf hinein
zu sehen, um zu wissen, dass er froh war, nicht in Lewis Haut zu stecken.
Dann fuhr sie zusammen, als es trotzdem noch ein Mann wagte, seine Waffe zu
heben und ihre Hand umklammerte Trevors Arm, als dessen Kopf herum fuhr und der
Mann wie vom Blitz getroffen zusammenbrach, während sein Kopf in einem seltsamen
Winkel von seinem Körper abknickte.
„Hat noch jemand das selbstmörderische Bedürfnis, einen Helden zu spielen?“,
fragte er sarkastisch und beobachtete mit eisigen Augen, wie sich die Männer
langsam zurückzogen. Bis nur noch die Toten liegen blieben. „Fordere jemanden
an, der die drei da hinten abholt, Luzy“, wies Trevor sie an und in seiner
Stimme schwang noch immer ein Hauch Aggressivität mit.
Sie nickte und war irgendwie froh, dass er ihr einen Teil der Verantwortung
abnahm. Einfach weil er da war. Sie rief Mark über Funk und es dauerte keine
zehn Minuten bis der Hubschrauber auf dem Vorplatz der Halle landete. Ailia
wollte ebenfalls einsteigen, doch Trevor zog erbost ihren Arm zur Seite.
„Spinnst du eigentlich?“, zischte er zornig und teleportierte mit ihr direkt in
die Krankenstation von SECRET ONE.
***************
Ron Stendal hetzte keine fünf Minuten später mit zerwuselten Haaren und einem
sehr müden Blick zur Tür herein. Ailia lächelte schwach. Schließlich war es
jetzt halb drei und er war bestimmt aus einem schönen Traum gerissen worden.
Trevor lehnte sich mit verschränkten Armen gegen den halbhohen Schrank im
Behandlungsraum und verfolgte mit noch immer zornigen Augen, wie der Arzt seine
Geräte aus dem Schrank nahm.
„Ziehen Sie den Pullover aus, Ailia“, wies er sie dann an und suchte nach dem
Desinfektionsset.
Ailia starrte Trevor an und dieser starrte mit einem
Denk-nicht-einmal-daran-dass-ich-gehe-Blick zurück. Sie fluchte lautlos und
versuchte, den engen schwarzen Pullover über ihren Kopf zu ziehen. Der rechte
Ärmel war zerfetzt, dort wo die Kugel hineingeschlagen war und ihr Blut hatte
den ganzen Stoff getränkt.
Trevor stieß sich vom Schrank ab, als er sah, dass Stendal noch immer mit dem
Suchen nach Was-auch-immer beschäftigte war.
„Ist die Kugel noch drin?“, fragte er, als er mit plötzlich sehr vorsichtigen
Bewegungen, den kaputten Ärmel ihren Arm hinabstreifte.
Ailia schloss einen Moment die Augen, als der Schmerz übermächtig wurde und
stieß dann hervor. „Ich glaube schon.“
„Toll hingekriegt“, knurrte er gereizt. „Das hast du wirklich toll hingekriegt.“
Er trat hinter sie und zog ihr den Pullover über den Kopf. „Die hätte in deinem
Herzen sitzen können!“
Sie antwortete nicht und Stendal war endlich mit seiner Suche fertig und schob
Trevor rigoros zur Seite. „Ihr Anwesenheit hier gefällt mir überhaupt nicht,
O’Delta“, sagte er kühl. „Am besten, Sie verschwinden.“
„Mir ist so scheißegal, was Ihnen gefällt, Doc“, zischte Trevor und nahm seine
Position an dem Schrank wieder ein. Er wollte es sich nicht anmerken lassen,
aber als er ihren Schmerz gespürt hatte, war er schweißgebadet aus seinem Schlaf
erwacht und hatte zum ersten Mal in seinem Leben wirklich Angst gehabt. Um sie.
Würde er ihr natürlich nie sagen, aber der Gedanke, dass sie sterben könnte, ja,
dass es in ihrem Job durchaus im Bereich des Möglichen lag, dass solch ein
Unfall passierte, machte ihm wirklich Angst.
Fast nervös durchkramte er die Taschen seiner Hosen nach seinen Zigaretten und
war fast erleichtert, das zerknautschte Päckchen zu finden.
Allerdings hob in diesem Moment Stendal seinen Kopf und sein Blick sagte Trevor,
dass der Arzt ihn umbringen würde, wenn er es wagen würde, in dem
Behandlungsraum eine Zigarette anzuzünden. Mutant oder nicht...
Fluchend steckte er das Päckchen wieder in seine Hosentasche.
„Ich muss die Kugel entfernen“, erklärte der Arzt und spritzte ein
Betäubungsmittel in die Wundgegend.
„Ich kann es machen“, sagte Ailia leise. „Dann müssen Sie nicht schneiden.“
„So ein verfluchter Scheiß“, mischte sich Trevor erbost ein. „Wenn es einer tut,
dann ich. Luzy, du siehst eh aus, als würdest du lieber ohnmächtig werden.“
Sie funkelte ihn trotz ihrer Blässe an, ließ jedoch zu, dass er sich neben sie
hockte und ihren Arm fixierte. Das begeisterte Stendal nun doch ein wenig. Zu
sehen, wie es in der Wunde arbeitete, die Eintrittstelle sich etwas öffnete und
zusammen mit einem neuen Blutschwall die Kugel aus dem Arm schwebte.
Trevor stand auf und lehnte sich wieder gegen den Schrank. Jetzt war er
einerseits erleichtert, dass es noch einmal so glimpflich abgegangen war und
andererseits noch immer wütend, weil sie sich einer derart gefährlichen
Situation ausgesetzt hatte. Er beobachtete, wie Stendal die Wunde säuberte,
desinfizierte, dann sorgfältig nähte und verband.
„Schonen Sie sich eine Weile“, sagte er dann, stand auf und streifte die
Handschuhe von seinen Händen. „Es ist nur eine Fleischwunde und der Knochen
wurde zum Glück nicht verletzte, aber sie braucht Zeit zum Heilen. Machen Sie
Urlaub oder so etwas...“
„Urlaub ist eine sehr gute Idee“, ließ sich Trevor vernehmen und Stendals Kopf
fuhr zu ihm herum.
„Ich habe nicht mit Ihnen gesprochen, O’Delta“, sagte er eisig. „Sie sollten
sich gleich gar nicht in der Nähe befinden, wenn ich von Ailia und Urlaub rede.
Es ist sowieso eine Frechheit von Ihnen, hier aufzutauchen, nach dem, was Sie
getan haben.“
„Uh“, machte Trevor. „Sagen Sie bloß, Sie können mich nicht leiden, Doc. Wie
kommt das nur?“
Stendal schüttelte missbilligend den Kopf und sah dann Ailia an. „Es spricht
eigentlich nichts dagegen, wenn Sie in Ihrer Kabine schlafen, aber ich würde Sie
gern wenigstens diese Nacht hier behalten.“
Ailia stand auf, griff nach ihrem Pullover und betrachtete ihn stirnrunzelnd.
„Nein, Ron. Ich hasse Krankenstationen. Erinnert mich so an meine Arbeit mit den
Mutantenkindern. Ich schaue Morgen wieder bei Ihnen vorbei, okay?“
„Ich möchte Sie jetzt nicht bis zu Ihrer Kabine laufen lassen...“
„Hehe“, ließ sich Trevor, ungeachtet von Stendals bösem Blick, vernehmen. „Ich
bin doch da. Sie bekommt einen Null-Sekunden-Transport.“
„Ailia?“, vergewisserte sich der Arzt. „Ich kann den Sicherheitsdienst holen.
Oder Sie bleiben besser hier. Mir gefällt der Gedanke gar nicht, ihn in Ihrer
Nähe zu wissen.“
„Es ist okay, Ron.“ Ailia lächelte schwach. „Er hat mir möglicherweise das Leben
gerettet. Also sehen Sie ihn nicht so böse an.“
Trevor lächelte den Arzt spöttisch an, griff Ailias Hand und teleportierte.
„Ein wirklich unhöflicher Mensch“, erklärte Trevor, als sie in ihrer Kabine
materialisierten.
Ailia ließ den Pullover achtlos fallen und kramte in ihrem Schrank nach einem
weiten Shirt, das sie komplikationslos über ihren Kopf ziehen konnte. Und sie
machte sich keine Gedanken darüber, dass sie noch immer nur ihren BH trug. Erst
als Trevor in ihren Sessel fiel, hob sie den Kopf. „Mach es dir nicht zu
bequem“, sagte sie warnend.
„Luzy, ich werde dich nicht allein lassen.“
„Ich *werde* den Sicherheitsdienst holen.“
„Schau mal.“ Er sprang wieder auf und kam auf sie zu. „Wenn dir nun schlecht
wird. Oder du ohnmächtig wirst oder...“
„...oder gar nichts passiert“, setzte sie seinen Satz sarkastisch fort.
„Du kannst mit dem Arm im Moment gar nichts tun. Du kannst dich nicht einmal
ausziehen“, argumentierte er.
„Du wirst das schon gleich gar nicht tun!“, fuhr sie ihn erbost an. „Ich bin
Telekinetin. Ich brauche deine Hilfe nicht!“ Sie bemerkte erstaunt, dass er
plötzlich sehr verletzt aussah. Ein Gesichtsausdruck, den sie an ihm nicht
kannte.
„Luzy, du unterstellst mir jetzt nicht wirklich, dass ich das ausnutzen will,
ja?“ Er klang auch verletzt.
„Es wäre nicht das erste Mal, dass du irgend etwas ausnutzt!“, konnte sie sich
jedoch nicht verkneifen zu sagen. „Und jetzt geh. Ich will mich umziehen und ich
will ins Bett. Du hast doch gehört, dass ich Urlaub brauche.“
„Luzy, du bist angeschossen worden! Ich werde dich jetzt nicht allein lassen.“
Ailia verdrehte die Augen, schnappte ihr Shirt, als ihr aufging, dass sie noch
immer in ihrem BH mit ihm diskutierte und verschwand im Bad. Es *war* nicht
einfach. Doch sie schaffte es, mit Hilfe ihrer telekinetischen Kräfte ihre Hose
auszuziehen, den BH abzubinden und das Shirt überzuziehen. Das Duschen verschob
sie wohlweislich auf den nächsten Tag.
„Du bist doch immer noch da“, murmelte sie, als sie das Bad verließ und sah,
dass er es sich im Sessel bequem gemacht und die Beine auf den Tisch gelegt
hatte. „Ich werde dich ignorieren.“
„Wie geht es dir?“, erkundigte er sich, ohne ihren Worten Beachtung zu schenken.
Ailia krabbelte in ihr Bett, kroch unter die Bettdecke und löschte das Licht.
Ohne zu antworten.
„Luzy?“, nervte er weiter.
„Mir geht es blendend und es würde mir noch besser gehen, wenn ich jetzt
schlafen könnte. Und wenn ich allein wäre.“
„Versprich mir, nie wieder so eine Dummheit zu machen.“
Sie hörte ein Rascheln vom Sessel her und hob argwöhnisch den Kopf. „Was machst
du da?“
„Ich versuche, es mir bequem zu machen.“
„Warum gehst du nicht einfach?“
„Ich habe dir nicht das Leben gerettet, um dann zu erfahren, dass du an einer
Komplikation gestorben bist, weil niemand da war, der es bemerkte“, erklärte er
ernsthaft.
Ailia drehte sich um, so dass sie in seine Richtung blickte, obwohl es zu dunkel
war, um etwas zu erkennen. „Du benimmst dich recht seltsam, weißt du das?“
„Hast du Schmerzen?“
„Nein. Die Spritze wirkt noch.“
„Du solltest wirklich über Urlaub nachdenken.“
Sie schloss die Augen.
„Ich wüsste einen schönen Platz, an dem du dich erholen kannst“, fuhr er fort.
Ailia musste unbewusst grinsen, bis ihr einfiel, dass er im Dunkeln recht gut
sehen konnte. Sofort wurde sie wieder ernst. „Sag es nicht.“
„Ich verspreche dir sogar, meine Finger von dir zu lassen.“ Er lachte leise.
„Zumindest bis die Verletzung geheilt ist.“
„Nein.“
„Nein?“
„Nein.“
„Warum nicht?“
„Ich bin nicht ernsthaft verletzt und ich brauche keinen Urlaub. Und wenn ich
welchen mache, dann in sehr großer Entfernung von dir.“
Er kicherte wieder. „Es gibt keine großen Entfernungen zu mir.“
„Ich werde jetzt schlafen, Trev.“
„Okay“, antwortete er nur.
Ailia fiel plötzlich ein, dass er ihr in der ganzen Zeit, seit er sie zu Stendal
gebracht hatte, nicht einen einzigen seiner berühmt-berüchtigten Blicke
zugeworfen hatte. Nicht einmal, als sie in ihrem knappen Spitzen-BH vor ihm
gestanden hatte. Sie runzelte die Stirn. Wenn sie sich recht entsann, hatte er
wirklich einfach nur besorgt ausgesehen. „Trev?“
„Hm?“
„Die Couch geht auszuziehen.“ Eine Weile herrschte einfach nur Stille und sie
hörte nicht einmal, dass er sich bewegte. Ailia betätigte wieder den
Lichtschalter. „Also, entweder du gehst oder du legst dich auf die Couch. Aber
bald, denn ich möchte wirklich schlafen.“
Er sprang auf, lächelte sie mehr als erfreut an und hantierte an der Couch, bis
er den Mechanismus zum Ausziehen gefunden hatte.
„Im Schrank ist auch noch eine Decke und ein Kopfkissen“, brummte Ailia.
Trevor warf die Decke und das Kissen auf die Couch. „Weck mich, wenn du
irgendein Problem hast, ja?“
Ailia löschte das Licht, als sie sah, wie er begann, seine Hose aufzuknöpfen.
Wieder hörte sie ihn, diesmal mit der Decke, rascheln und dann flüstern. „Schlaf
gut, Luzy.“
„Schlaf gut.“ Ailia schloss die Augen, nur um sie fünf Minuten später wieder
aufzumachen. „Trevor?“
„Ich denke, du willst schlafen?“
„Was hast du eigentlich gemeint, als du sagtest, ich stehe unter deinem Schutz?“
„Gute Nacht, Luzy!“, verkündete er.
Ailia schmunzelte, als sie sich in ihre Decke kuschelte und nun endgültig die
Augen schloss.
*************
Ailia erwachte am nächsten Morgen durch ein Klopfen an ihrer Tür. Und sie
fluchte lautlos, als sie Kevins Stimme hörte.
„Ailia? Bist du schon wach?“
Sie fluchte wieder und vergrub ihr Gesicht in ihrem Kissen. Bis eine
verschlafene Stimme von ihrer Couch knurrte:
„Bringst du ihn zum Schweigen oder soll ich ihm den Schock seines Lebens
versetzen.“
Ach ja. Trevor war hier. Ailia hob wieder ihren Kopf und starrte einen Moment in
Trevors müdes Gesicht. Dann sagte sie nur laut:
„Kevin, ich bin erst seit drei im Bett. Und krank. Lass mich einfach in Ruhe.“
„Tut mir Leid“, rief Kevin durch die Tür. „Jim will dich sehen... später...“
„Okay.“ Ailia schloss ihre Augen wieder.
„Geht es dir gut?“
„Ich bring ihn um“, fluchte Trevor jetzt von seinem Platz aus. „Wie spät ist es
eigentlich?“
„Halb neun“, antwortete Ailia leise nach einem Blick auf die Uhr.
„Hör zu, du Spinner da draußen“, sagte er laut. „Wenn du nicht in drei Sekunden
verschwunden bist, wirst du erleben, wie ich mich benehme, wenn ich sehr
ungemütlich werde!“
„Sei still!“, fuhr ihn Ailia erschrocken an. „Er wird jetzt die ganze
Einsatzbasis in Alarmzustand versetzen!“
Doch es war zu spät. Sie hörte Kevins entsetzten Aufschrei. „Ailia! Bist du von
Sinnen?! Wieso ist er noch da? Hat er dich bedroht?!“
„Ich werde ihn lynchen“, knurrte Trevor, sprang auf und griff nach seiner Hose.
„Nein!“ Ailia wollte ebenfalls aus dem Bett springen, als ein stechender Schmerz
durch ihren Arm fuhr, weil sie ihn unbewusst falsch belastet hatte. Mit einem
Aufstöhnen blieb sie auf der Bettkante sitzen und schloss einen Moment die
Augen.
Trevor zog in der Bewegung seine Hose hoch und war schon fast an der Tür, als er
sie hörte und herumfuhr. Er stürzte zum Bett und ging in die Hocke. „Luzy?“,
fragte er besorgt. „Was ist los? Schmerzen?“
„Shit“, murmelte sie. „Ich hasse euch alle. Ich will endlich meine Ruhe haben.“
„Ich jage ihn zum Teufel“, erklärte er ernsthaft. „Leg dich wieder hin.“
Ailia griff mit ihrem linken, gesunden Arm nach seiner Hand, ehe er aufspringen
konnte. „Wenn du so halbnackt an die Tür gehst, werde *ich* dich lynchen!“
„Ailia?“, fragte Kevin wieder. „Ist alles in Ordnung?“
„Ja“, knirschte sie zwischen den Zähnen hindurch. „Außer, dass ich jetzt wach
bin...“
Trevor lächelte sie fast freundlich an. „Ich kann dir Schmerztabletten besorgen
gehen“, bot er ihr an.
„Habe ich dich zu meinem persönlichen Krankenpfleger ernannt?“
„Möchtest du lieber, dass ich ihn...“ Sein Kopf wies zur Tür. „...herein lasse?“
Ailia fluchte und kippte wieder in ihr Bett.
„Braves Mädchen“, grinste Trevor, als er sah, wie sie die Bettdecke bis an ihr
Kinn zog. „Mal sehen, ob euer Doc heute Morgen mit mir redet...“
Er war verschwunden, ehe Ailia das schwache: „Dein Shirt...“ über die Lippen
gebracht hatte.
Es dauerte jedoch keine zehn Minuten, bis er wieder zurück war. Mit einer
Flasche Wasser und Schmerztabletten. „Er sah leicht schockiert aus, als ich
plötzlich in seinem Behandlungsraum materialisierte“, kicherte er und löste eine
Tablette in einem Glas Wasser auf. Dann setzte er sich auf ihre Bettkante und
reichte ihr das Glas.
Ailia musterte ihn skeptisch. „Du wirst mir langsam unheimlich.“ Sie trank das
Wasser in kleinen Schlucken und hoffte, dass die Wirkung nicht zu lange auf sich
warten ließ. Das Pochen in ihrem Arm steigerte sich langsam zu einem Schmerz,
der ihre Sinne benebelte. Allerdings nicht so sehr, dass ihr nicht auffiel, wie
beunruhigend nackt sein Oberkörper noch immer war. „Ziehst du dir jetzt endlich
etwas an?“
„Ich dachte eher, ich ziehe wieder etwas aus und schlafe noch ein wenig...“
Ihr Kopf fuhr plötzlich hoch. „Du hast nicht nackt geschlafen, oder?“
„Ich schlafe immer nackt“, verteidigte er sich.
„Bist du jetzt eigentlich total durchgeknallt?“, erkundigte sie sich erbost.
„Ich verbiete dir, in meinem Zimmer nackt auf meiner Couch zu schlafen!“
„Schlaf einfach, Luzy“, sagte er sanft, strich ihr fast zärtlich über die Wange
und stand auf.
Ailia schloss demonstrativ die Augen, als er seine Hose wieder auszog und unter
seine Decke kroch. Die Erinnerung an seinen Körper war noch frisch genug. Sie
benötigte kein neues Bild, ihr reichten die Bilder ihrer Träume.
***********
Sie wachte zum zweiten Mal auf, weil sie hörte, wie die Dusche ging. Ein Blick
auf die Uhr sagte ihr, dass es halb elf war und sie jetzt wirklich auch
aufstehen konnte. Trevors Sachen waren verschwunden. Das erleichterte Ailia,
weil sie wusste, dass er sie mit in die kleine Duschkabine genommen hatte und
den Raum hoffentlich voll bekleidet verlassen würde.
Es dauerte jedoch noch zehn Minuten, ehe sich die Tür öffnete. Als er bemerkte,
dass sie wach war, grinste er sie an. „Also das ist doch wirklich ein
Karnickelstall. Wenn sie schon von euch verlangen, dass ihr hier lebt, könnten
sie euch doch wenigstens eine ordentliche Wohnung zur Verfügung stellen. Wie
fühlst du dich?“
„Keine Schmerzen im Moment“, sagte Ailia leise und stand auf. „Hast du jetzt
nicht langsam mal etwas zu tun?“
Er ignorierte ihre Frage und stellte lieber seine eigene. „Was denkst du will
Jim von dir?“
„Woher soll ich das wissen?“, brummte sie missmutig.
„Gehen wir zusammen frühstücken?“
„Willst du wirklich riskieren, dass ein Einsatzkommando die Cafeteria stürmt?“,
erkundigte sie sich genervt und schob ihn zur Seite. „Ich will jetzt duschen.“
„Sicher, dass du keine Hilfe brauchst?“ Er wich lachend aus, als sie mit der
gesunden Hand nach ihm schlug.
Als sie die Duschkabine verließ, war er verschwunden und sie runzelte die Stirn,
weil sie sich nicht vorstellen konnte, dass er ging, ohne sich zu verabschieden.
Sie durchsuchte ihren Schrank und kleidete sich mühsam mit Hilfe ihrer
telekinetischen Kraft an. Dabei ging ihr durch den Kopf, dass sie wirklich auf
Hilfe angewiesen wäre, wenn sie keine Mutantin wäre. Sie hängte ihren Arm in
eine Schlinge, damit sie ihn nicht so viel bewegte und war erleichtert zu
fühlen, wie das leise Pochen schwächer wurde.
Trevor tauchte noch immer nicht wieder auf und Ailia weigerte sich, das Gefühl,
dass sie in ihrem Inneren verspürte, als Enttäuschung zu bezeichnen. Sie
schlenderte zur Cafeteria und war sehr froh, dass um diese Zeit so gut wie
niemand hier war. Sie trank einen Kaffee, aß ein Brötchen und fragte sich, was
sie jetzt anstellen sollte. Vielleicht war Urlaub doch kein so schlechter
Gedanke...
Dann machte sie sich auf den Weg zu Delaron. Es war nur Mark, der ihr über den
Weg lief und sie war sehr froh darüber. Mark lächelte freundlich und fragte, wie
es ihr ginge. Dann erzählte er, dass zwei der geretteten Männer ebenfalls
verletzt waren und sich in der Krankenstation befanden. Aber zumindest lebten
sie noch.
„Wenn du Trevor siehst“, fügte er zum Abschied noch hinzu. „Sag ihm Danke von
allen. Auch wenn er nur aus einem Grund aufgetaucht ist...“ Er schmunzelte. „Er
hat den drei Männern das Leben gerettet.“
Ailia nickte und klopfte an Delarons Tür. Und sie war sehr schockiert, Trevor
vor Delarons Schreibtisch sitzen zu sehen.
„Komm rein, Ailia“, sagte der Kommandant und ignorierte ihr misstrauisches
Stirnrunzeln.
Ailia setzte sich, warf Trevor einen scheelen Blick zu, den dieser nur mit
seinem gewöhnlichen Grinsen beantwortete. „Ich glaube, ich mag überhaupt nicht,
dass ihr hier zusammen sitzt.“
Delaron lächelte. „Als erstes möchte ich dir sagen, wie froh ich bin, dass du
noch lebst. Und dass du auch noch recht munter auf den Beinen bist.“
Sie antwortete nicht gleich. Ihr Blick huschte von Delaron zu Trevor und wieder
zurück und sie hatte das ungute Gefühl, dass etwas in der Luft hing, das ihr
überhaupt nicht gefallen würde. „Schön“, murmelte sie missmutig und sah Trevor
wieder an. „Was willst du hier?“
Doch es war Delaron, der antwortete. „Trevor ist genau wie ich der Ansicht, dass
du Urlaub benötigst und Zeit, um deine Verletzung auszukurieren.“
„Jim!“, fuhr Ailia auf. „Sag jetzt bitte nicht, was ich denke.“
„Würden Sie draußen warten, Trevor?“, bat Delaron und Ailia staunte, als Trevor
wortlos aufstand und den Raum verließ.
„Ailia“, fuhr Delaron ernst fort, als sich die Tür geschlossen hatte. „Du hast
seit Jahren keinen richtigen Urlaub gehabt. Eben weil immer die Gefahr bestand,
dass wir deine Hilfe benötigen und wir sofort auf dich zurückgreifen müssen.“ Er
seufzte. „Ailia, wahrscheinlich bin ich einer der wenigen Menschen auf dieser
Station, die deinem speziellen Freund vertrauen... zumindest, wenn es um dich
geht.“
Ailia grub die Zähne in ihre Unterlippe und zwang sich gewaltsam, nicht in
Delarons Kopf zu schauen.
„Ich möchte, dass du Urlaub machst. Trevor hat mir zugesichert, dass er dich
jeden Abend zur Kontrolle in Stendals Praxis bringt und dass er dich, wenn wir
deine Hilfe benötigen, sofort zum Einsatzort teleportiert. Natürlich werden wir
auf deine Hilfe nur im Notfall zurückgreifen.“ Delaron lehnte sich zurück. Er
verkniff sich ein Schmunzeln, weil er genau bemerkte, dass Ailia weder
schockiert noch entsetzt aussah. Sondern einfach nur erstaunt und ein wenig
fassungslos. „Er hat etwas von einem Haus erzählt. Auf den Klippen. Und davon,
dass es dir gefallen hat...“
Ailia hatte endlich ihre Sprach wieder gefunden. „Du vertraust ihm?“
„Ich denke, er macht sich wirklich Sorgen um dich“, fuhr Delaron fort. „Und ich
auch. Wir können es uns nicht leisten, unsere einzige Mutantin zu verlieren. Und
ich finde, dass Trevors Vorschlag für dich und für uns sehr akzeptabel ist.“
„Du...“, fragte sie zögernd und mit einem Stirnrunzeln, „...hast keine Bedenken,
obwohl dir doch klar sein muss, dass Trevor damit nur seine eigenen Interessen
verfolgt?“
Delaron lächelte. „Das ist ein Problem zwischen euch beiden“, sagte er leise.
„Ich weiß natürlich, dass er den Vorschlag nicht ganz... uneigennützig gemacht
hat. Nur, so ganz furchtbar kann der Gedanke für dich nicht sein, wenn du
zugelassen hast, dass er in deiner Kabine übernachtet...“
Ailia wurde rot. „Hat er das gesagt?!“
„Nein. Das hat dein lieber Partner Kevin schon getan.“
„Gott, Kevin ist wirklich unmöglich“, fluchte Ailia leise.
Der Kommandant nickte. „Er lässt sich ein wenig zu sehr von seinen Gefühlen
mitreißen. Aber ich habe ihn sehr deutlich gebremst. Im Gegensatz zu Kevin ist
mir vollkommen klar, dass niemand – auch kein Trevor – etwas tun kann, das du
nicht zulässt.“
Ailia starrte ihn an und die feine Röte in ihren Wangen vertiefte sich, als ihr
die volle Bedeutung seiner Worte aufging. Und ihr wurde plötzlich schlagartig
klar, dass es damals vor vier Wochen in dieser verrückten Nacht nicht anders
gewesen war. Sie hatte es zugelassen...
„Mach Urlaub, Ailia“, sagte Delaron wieder. „Erhol dich und genieß einfach die
freie Zeit, die dir jetzt gegeben wurde.“
Sie schluckte und stand auf. „Hoffentlich ist deine Entscheidung richtig...“,
murmelte sie leise und weigerte sich, das feine Lächeln des Kommandanten zu
beachten.
***********
Trevor sah sie erwartungsvoll an, als sie den Raum verließ.
„Ich möchte gar nicht wissen, wie du das gemacht hast“, brummte sie missmutig
und machte sich auf den Weg zurück zu ihrer Kabine.
„Packen wir jetzt, Luzy?“, erkundigte er sich begeistert. „Dann kannst du in
einer Stunde am Pool liegen und ich werde ein überfälliges Gespräch mit einem
gewissen Lewis führen...“
„*Wir* packen gar nicht!“, knirschte sie. „Ich packe!“
Trevor vergrub vergnügt seine Hände in seinen Jeans und schlenderte neben ihr
her.
Das Packen gestaltete sich als noch schwieriger. Weil er es sich auf ihrem Bett
bequem machte und ihre Wahl der Sachen kommentierte.
„Vergiss die Badesachen nicht“, erklärte er ernsthaft. „Es sind fast 35 Grad am
Tag und du wirst froh sein, wenn du dich abkühlen kannst. Sonnencreme? Ja. Nein,
du brauchst keinen Pullover. Es ist heiß!“
Ailia verdrehte genervt die Augen. „Sei endlich still.“
„Meinetwegen kannst du auch den ganzen Tag im Bikini herumlaufen“, fuhr er
unvermindert fort und lachte auf. „James wird aus allen Wolken fallen...“ Er hob
den Kopf. „Luzy, du solltest mich das tun lassen. Ich sorge schließlich auch in
den nächsten Wochen für dich..."
Delaron hatte unmöglich Recht. Ailia erhob sich und ging auf das Bett zu, auf
dem er noch immer lag und ihr jetzt recht belustigt entgegen grinste. Nun ja,
Ailia gab zu, dass es sicherlich sehr lächerlich aussah, wie sie mit ihrem in
einer Schlinge hängenden Arm versuchte, sehr drohend auszusehen. „Wenn ich
Urlaub in deinem blöden Haus machen soll“, stieß sie jedoch böse hervor.
„...bedeutet das nicht, dass du dir irgendwelche anderen Frechheiten heraus
nehmen darfst. Verstanden?“
„Ja doch“, murmelte er und grinste immer noch.
„Und dieses blöde Grinsen solltest du auch lassen.“
„Luzy, das geht nicht. Mir gefällt der Gedanke viel zu sehr, dich in den
nächsten Wochen um mich herum zu haben...“
Und Ailia fluchte wieder.
Ailia lag mit geschlossenen Augen am Pool und döste vor sich hin.
Es waren erst wenige Tage vergangen, seit sie Trevors Haus betreten hatte und
sie hätte niemals für möglich gehalten, dass sie sich einfach wohl fühlen würde.
Selbst jetzt konnte sie sich noch an den völlig schockierten Ausdruck in James
Gesicht erinnern. Dessen Unterkiefer war heruntergeklappt, als er Ailia erkannte
und der Ausdruck wurde noch ungläubiger, als ihn Trevor anwies, das zweite
Schlafzimmer für Ailia herzurichten. Ailia war selbst überrascht darüber
gewesen, weil sie doch irgendwie damit gerechnet hatte, er würde andere Versuche
in dieser Richtung starten. Dass er es nicht tat, erstaunte sie.
Und es erstaunte sie noch mehr, als sie feststellte, dass es dabei blieb. Er war
so um sie bemüht, dass sie manchmal lächeln musste und trotzdem trat er ihr nie
zu nahe. Nachdem sie gesehen hatte, dass ihr Schlafzimmer durch eine Tür mit
Trevors verbunden war, hatte sie rigoros einen Schlüssel gefordert, den er ihr
ohne mit der Wimper zu zucken aushändigte und nicht einmal mit seinem berühmten
Grinsen erwähnte, dass er Teleporter war. Ailia hätte es nicht für möglich
gehalten, aber er ignorierte die verschlossene Tür nicht ein einziges Mal.
Tagsüber verschwand er des Öfteren. Er sagte ihr nicht, was er tat und sie
fragte nicht, weil sie annahm, es würde sich mit den Grundsätzen ihrer eigenen
Tätigkeit nicht vereinbaren.
Sie frühstückten zusammen, sie aßen gemeinsam zu Abend und irgendwann stellte
Ailia fest, dass sie sich wohl fühlte. Dass sie sich entspannte. Und dass es ihr
hier gefiel.
Sie erwischte sich des Öfteren dabei, wie sie zur Uhr sah und überlegte, wann er
wiederkommen könnte. Dann freute sie sich, wenn er auftauchte, genoss ihre
Gespräche und das feine Gefühl, dass jemand da war, der sich um sie sorgte.
Jeden Abend, vor dem Essen, brachte er sie nach SECRET ONE. Stendal begutachtete
die Verletzung, verband sie Wunde neu und hatte erst am gestrigen Abend erwähnt,
dass Ailia schon jetzt sehr erholt aussähe. Trotzdem waren die Blicke, die er
Trevor zuwarf, nicht freundlicher geworden.
Allerdings machte der Arm ihr Probleme. Die Verletzung schmerzte und da sie sich
die Tabletten für die Nacht aufheben wollte, nahm sie tagsüber nur im äußersten
Notfall eine. Es nervte sie, den Arm nicht benutzen zu können, da es der rechte
war und sie mit links einfach kein richtiges Gefühl hatte. Aber da musste sie
durch. Stendal behauptete, die Heilung schreite voran, aber sie benötige Zeit.
Und Ailia nahm sie sich. Sie schlief und faulenzte den ganzen Tag. Jetzt war sie
auch fast eingenickt, als ein Schatten auf sie fiel.
„Luzy, ich denke, du hast jetzt außerdem noch die Schlafkrankheit“, hörte sie
seine ihr so bekannte spöttische Stimme.
„Hm“, machte sie nur und schirmte mit der Hand ihre Augen ab, damit sie zu ihm
aufsehen konnte. „Wieso bist du schon da?“
Trevor würde natürlich nie zugeben, dass es ihn eine unwahrscheinliche Kraft
kostete, das Haus überhaupt zu verlassen. Aber er hatte sich geschworen, einfach
vorzugeben, sie wäre wirklich nur sein Gast und er würde sein Leben wie bisher
leben. Dass das eine blöde Idee war, wusste er selbst und heute fiel ihm einfach
nichts mehr ein, wie er sich bis zum Abend ablenken konnte. Und sie jetzt in dem
niedlichen Bikini und der Armschlinge in dem Liegestuhl zu sehen, machte es
nicht viel besser.
„Ich habe nichts weiter zu tun“, erklärte er und fiel in den Liegestuhl neben
ihr. „Ich habe gedacht, ich kann dich dazu überreden, mit mir ein Stück am
Strand spazieren zu gehen.“
„Laufen?“, fragte Ailia und klang, als hätte er etwas sehr Schlimmes gesagt.
Trevor lachte. „Komm, du Faulpelz. Oder soll ich einen Rollstuhl beschaffen?“
Ailia grinste. „Du willst mich durch den Sand schieben?“
„Ich könnte dich schweben lassen.“
Sie stand auf. „Okay, meinetwegen. Ich hole mir etwas zum Überziehen.“
„Also, das musst du...“ Er fing an zu husten, als ihm aufging, was er sagen
wollte und erntete einen eigenartigen Blick von ihr.
„Was?“
„Also, du musst selbst wissen, ob du in der Hitze etwas anziehen willst“,
beendete er den Satz und lächelte sie an.
„Wo ist deine Badehose?“, fragte sie scheinheilig.
Er war froh, dass seine Hose verbarg, wie sein Körper auf sie reagierte. Er
würde garantiert nicht in eine Badehose steigen und sie mit der Nase darauf
stoßen. Sein Blick folgte ihr, als sie im Haus verschwand und er lächelte
erneut, als sie wiederkam, nur eine lange Bluse übergezogen hatte und noch immer
barfuss war.
„Laufen wir hinunter oder teleportieren wir?“
Trevor nahm ihre Hand. „An den Strand können wir von hier aus nicht laufen.“
Schlagartig wechselte die Umgebung und sie materialisierten im Sand. Ein kühler
Wind blies vom Meer her und sandte eine erfrischende Brise über Ailias Haut.
„Du bist braun geworden“, sagte Trevor leise, ohne ihre Hand loszulassen und ein
eigenartiges Kribbeln bildete sich in ihrem Bauch.
Sie lachte und klang fast verlegen. „Ich liege ja auch den ganzen Tag in der
Sonne.“
Als müsste er sich dazu selbst überwinden, drehte er sich um und zog sie mit
sich. Ailia sagte sich, dass sie ihm ihre Hand entziehen sollte, doch es fühlte
sich einfach richtig an, so neben ihm über den Sand zu schlendern.
„Es gefällt dir hier, ja?“, fragte er nach einer Weile.
Ailia antwortete nicht gleich. Sie starrte irgendwie verträumt auf die Wellen,
die über den Sand rauschten und lauschte den Schreien der Möwen, die ihr in
diesen wenigen Tagen so vertraut geworden waren. „Ja“, gab sie dann zu.
Er lächelte wieder und Ailia stellte fest, dass sie das spöttische und
sarkastische Grinsen schon eine Weile nicht mehr in seinem Gesicht gesehen
hatte. Plötzlich blieb er stehen und hob ihre Hand zu seinem Mund. Ohne sie aus
den Augen zu lassen, pressten sich seine Lippen gegen ihre Handinnenfläche.
„Schön“, murmelte er.
Und Ailia fühlte ihre Knie weich werden. Dann ließ er ihre Hand los und ging
weiter, als wäre nichts geschehen, während Ailia sich krampfhaft bemühte, ihren
rasenden Herzschlag zu beruhigen.
**********
„Wenn du willst, kann ich dich mal in meinen Club mitnehmen.“
Ailia hob den Kopf und sah erstaunt zu ihm hoch. Sie lag auf der großen
Eckcouch, ihren Kopf auf ihren linken Arm gestützt und schaute sich einen Film
an, während er neben ihr lehnte und in einem Buch las. „Was für ein Club?“
„Ein Tanzclub.“
„Ich kann mit dem Arm nicht tanzen.“
Trevor schmunzelte. „Es ist auch ein Spielclub. Und außerdem meinte ich es ja
nur, falls du dich hier langweilst.“
„Ich langweile mich nicht. Der Club gehört dir?“
Er nickte.
„Ist da irgendetwas illegal daran?“, fragte sie mit einem Stirnrunzeln und hörte
ihn leise lachen.
„Was sollte an einem Tanzclub illegal sein?“, erkundigte er sich amüsiert.
„Womit verdienst du eigentlich dein vieles Geld?“
„Wird das ein Verhör, Luzy?“
„Nein“, brummte sie, griff nach dem Kissen am Fußende der Couch, legte es unter
ihren Kopf und starrte wieder in den Fernseher.
In diesem Augenblick steckte James seinen Kopf zur Tür herein. „Kann ich noch
etwas für Sie tun. Mylady? Mylord?“
„Nein, James“, schüttelte Trevor den Kopf. „Geh schlafen.“
Ailia überlegte, dass James in diesen wenigen Tagen, die sie jetzt hier war
bedeutend höflicher zu ihr geworden war. Sie sah ihn nicht oft. Er schien wie
ein Geist durch das Haus zu huschen und trotzdem fand sie nie einen Anlass zur
Klage. Das Haus war sauber. Er sorgte für die Anlieferung von Lebensmitteln und
Getränken. Er deckte den Frühstückstisch. Nur um das Kochen des Essens musste
sie sich selbst kümmern oder Trevor tat es, wenn er da war. Trevor hatte ihr
erklärt, sie hätten einmal versucht eine Köchin einzustellen, die dann aber
weder mit James noch mit seiner Mutantenpersönlichkeit zurecht gekommen war.
Daraufhin hatten sie beschlossen, es sein zu lassen, da Trevor, wenn er ein
warmes Essen wollte, jederzeit in eine Stadt teleportieren und dort Essen gehen
konnte.
Ailia lächelte in Gedanken daran, dass sie jetzt abends immer frische Blumen in
ihrem Zimmer vorfand und nicht annahm, dass Trevor dafür verantwortlich war.
Trevor hielt sich vorbildlich an ihr Verbot, ihr Schlafzimmer zu betreten.
Der Butler nickte und schloss leise die Tür.
„Aktien“, nahm Trevor das Gespräch wieder auf. „Aktien, Immobilien... Ich bin an
verschiedenen Unternehmen beteiligt, die jedes Jahr große Gewinne abwerfen. Ich
besitze mehrere Spielclubs, einen Tanzclub und ein Bordell.“
„Ein Bordell?!“, fuhr Ailia auf.
Er zuckte mit den Schultern. „Ist ein Exklusivbordell und es läuft blendend.
Wenn du nur eine Ahnung hättest, welche Persönlichkeiten dort ein und
ausgehen...“ Er grinste spöttisch. „Du würdest vor manchem hohen Tier keinen
Respekt mehr haben.“
Ailia legte den Kopf wieder auf das Kissen. „Ich weiß das von den 1,5 Millionen
Galax“, sagte sie, ohne ihn anzusehen und fühlte, wie sich sein Körper neben ihr
anspannte. Doch er antwortete nichts. „Warum, Trev?“, fragte sie weiter, als das
Schweigen länger andauerte.
„Was – warum?“, erkundigte er sich leise. „Warum ich das Geld bezahlt haben?
Oder warum ich dich in dem Glauben gelassen habe, du wärst der einzige Preis?“
„Beides“, murmelte sie.
„Meine Geschäftskontakte gehen auch in Kreise, von denen du nichts hören willst,
Luzy“, begann er gedankenverloren. „Diese Menschen fürchten mich aufgrund meiner
Fähigkeiten, aber sie wissen auch, dass ich ein fairer Geschäftspartner bin. Ich
stelle Forderungen, aber ich biete immer eine gerechtfertigte Gegenleistung.
Auch wenn ich ein Mutant bin, kann ich doch in eine Falle laufen, die mich das
Leben kostet. Schließlich bin ich nicht unsterblich. Und ich möchte nicht in der
ewigen Angst leben, dass halbe Syndikate hinter mir her sind und ein Kopfgeld
auf mich ausgesetzt haben. Mit Geld kann man jeden kaufen...“ Er schwieg eine
Weile und Ailia hob noch immer nicht den Kopf, sondern starrte in den Fernseher,
obwohl sie gar nicht mehr mitbekam, was dort lief. „Aber ich wollte nicht, dass
du es erfährst.“
„Warum nicht?“, flüsterte sie.
Er schwieg.
„Hättest du das Geld auch bezahlt, wenn ich nein gesagt hätte?“
„Ich weiß nicht“, gab er ehrlich zu. „Vielleicht...“ Sicherlich, wenn er die
Bitte in ihren Augen gesehen hätte. „Ich habe geahnt, dass du nicht nein sagst.“
Plötzlich klang er fast wieder spöttisch. „Dich kann man vielleicht nicht mit
Geld kaufen, Luzy. Aber mit Menschenleben...“
„Du bist ein Schwein, Trevor“, sagte sie ruhig. Und sie fragte sich plötzlich,
wie ihre Antwort gelautet hätte, wenn nicht Trevor, sondern Kevin diese
Forderung gestellt hätte. Plötzlich war sie sich nicht mehr so sicher, ob die
Antwort die gleiche gewesen wäre. Soviel zu den hochgeschätzten Menschenleben...
Ailia konzentrierte sich jetzt wieder auf den Film. Es war ein Liebesfilm und
ein total verkitschter dazu, aber er lenkte sie herrlich von ihren
schuldbewussten Gedanken ab. Hatte sie nur ja gesagt, weil irgendein dummer Teil
ihres Körpers ihn wollte und sie sich das selbst nicht zugeben wollte? Und es
eine schöne Ausrede war, es zu tun, weil sonst Menschen starben?
Trevor starrte wieder in sein Buch. Er hörte Ailia neben sich ab und zu kichern
und unterdrückte mühsam ein Seufzen. Ihr Kopf lag direkt neben ihm und er sah,
wie sie mit belustigten Augen den Film verfolgte. Vor vier Wochen war es ihm als
eine blendende Idee erschienen, diese Nacht zu fordern. Weil er hoffte, dass
diese blöde Schwäche für sie vorbei war, wenn er sie in seinem Bett gehabt
hatte. Er war so ein Idiot gewesen. Er wollte, dass sie die Nacht nicht vergaß.
Doch er hatte nicht damit gerechnet, dass sich sein Plan gegen ihn selbst wenden
würde.
Bitter presste er die Lippen zusammen und sah kurz zum Fernseher. Er war genau
so ein verknallter Trottel wie der Idiot in dem Film. Vielleicht sollte er auch
vor Ailia auf die Knie fallen und ihr seine Liebe gestehen... Er fluchte
lautlos, musterte ihren dunklen Lockenkopf neben sich und kämpfte gegen den
Drang, ihr einfach über die Haare zu streichen. Nein, wies er sich dann
selbst zurecht, du bist nicht verliebt in sie. Das ist einfach nur ...
Ja, was eigentlich? Das Schlimmste war, dass er es gesagt hatte. Etwas, das
ihn noch immer beschäftigte.
Sie regte sich neben ihm, um eine bessere Position zu finden und ihr Kopf
streifte seine Hüfte. Sie schien es nicht zu bemerken, aber Trevor fühlte sich,
als wäre ein elektrischer Schlag durch seinen Körper gefahren. Plötzlich war er
sehr froh, dass sie verletzt war, weil er sonst sicherlich nach irgendeinem
Vorwand gesucht hätte, ihr näher zu kommen. Und sich wahrscheinlich eine
wunderschöne Abfuhr eingehandelt hätte.
Gott, dachte er missmutig und verfolgte wie dämlich sich der Held des
Filmes verhielt. Ich sollte verschwinden und mir irgendeine Frau suchen, die
ich flachlegen kann. Ich brauche einfach mal wieder Sex. Doch er wusste
genau, dass es nicht funktionieren würde. Wie es in den letzten vier Wochen nie
funktioniert hatte. Er sah ihre Augen, ihre Lippen, ihren Körper, sobald er eine
andere Frau anblickte und sein Verlangen erlosch. Um in seinen Träumen
wiederzukehren...
Ailia kicherte wieder und Trevor warf das Buch zur Seite. „Ich gehe schlafen“,
verkündete er und sprang auf. „Gute Nacht, Luzy.“
Sie sah ihn erstaunt an und antwortete nur leise. „Gute Nacht.“
Ailia war eingeschlafen. Irgendwann wachte sie wieder auf und stellte fest, dass
sie noch immer auf der Couch lag. Sie seufzte, schaltete den Fernseher aus und
stieg die Treppen zu ihrem Schlafzimmer hinauf. Es war weit nach Mitternacht und
eine erfrischende Kühle zog sich durch das Haus.
Ailia trat noch einmal auf ihren Balkon hinaus und atmete tief die salzige
Meeresluft ein. Es war wirklich schön hier. Sehr ruhig, ja, aber das störte sie
nicht, da es eine Erholung zu dem restlichen Stress in ihrem Leben war.
Plötzlich hörte sie ein Scheppern, als hätte jemand eine Flasche zu Boden fallen
lassen und hob überrascht den Kopf. Sie verrenkte sich den Hals, um über die
Brüstung auf den anderen Balkon zu sehen, der zu Trevors Zimmer gehörte und sah,
dass bei ihm noch Licht brannte. Hatte er nicht gesagt, er wolle schlafen.
Es schepperte wieder. Ailia huschte in ihr Zimmer zurück und lauschte an der
Verbindungstür. Dann klopfte sie zögernd. „Trevor? Alles okay?“
Sie hörte sein Fluchen und musste grinsen, als es jetzt auch noch polterte.
„Lass mich in Ruhe!“, hörte sie undeutlich und runzelte die Stirn. Er klang sehr
... betrunken.
„Geht es dir gut?“
„Nein!“, fauchte er gereizt. „Aber das ist nicht dein Problem!“ Natürlich war
es ihr Problem! Er sank auf sein Bett und schloss die Augen. Und hörte wie
der Schlüssel der Verbindungstür umgedreht wurde.
„Trev?“, fragte sie und klang fast besorgt, als sie ihren Kopf unsicher durch
die Tür steckte.
„Mach die Tür zu“, knurrte er gereizt. „Und schließ sie ab!“
Ailia zögerte. Sie warf einen Blick durch das Zimmer und ein komisches Gefühl
stieg in ihr auf, weil es ihr so vertraut war. Dann sah sie die Scherben einer
Flasche vor der Wand liegen und stutzte. Es sah aus, als hätte jemand eine
Flasche gegen die Wand geworfen... Trevor lag auf dem großen Bett, eine andere
Flasche in der Hand und hatte die Augen geschlossen. Er trug noch immer seine
Jeans und sein Shirt und der Geruch von starkem Alkohol lag in der Luft.
„Ist... ist irgendetwas passiert?“, erkundigte sie sich erschrocken und betrat
endlich das Zimmer.
„Nein“, murmelte er müde, ohne die Augen zu öffnen. „Verschwinde, Luzy.“
Wahrscheinlich sollte sie das wirklich. Doch sie bewegte sich zögernd auf sein
Bett zu und setzte sich auf die Bettkante. Er sorgte seit einer Woche für sie.
Sicherlich war es ganz normal, dass sie sich jetzt Sorgen um ihn machte. „Du
bist betrunken.“ Es war eine Feststellung.
„Na und?“ Er lachte, setzte sich auf und trank wieder einen Schluck aus der
Flasche. „Wen interessiert’s? Luzy, welchen Teil von verschwinde hast du nicht
verstanden?“
Ailia zog ihm die Flasche aus der Hand und stellte sie neben das Bett. Seine
Lippen verzogen sich zu seinem berühmten, spöttischen Grinsen und er hob fragend
seine Augenbrauen. „Warum trinkst du? Was ist passiert?“
„Ich will schlafen“, knurrte er und versuchte zu ignorieren, dass der Gegenstand
seiner schlaflosen Nächte auf seinem Bett saß. Keinen halben Meter neben ihm.
„Mit Hilfe von Alkohol?“, fragte sie ungläubig.
„Ja“, fauchte er und beugte sich zu ihr. „Halbtot. Traumlos!“
Ailia erstarrte, als sie seinem brennenden Blick begegnete und der feine Geruch
nach Alkohol ihre Sinne traf. Und es traf sie wie ein Schlag. Traumlos.
Oh Gott.
„Geh, Luzy“, sagte er müde. „Bitte geh. Ich möchte dir nicht wehtun.“
Ihr Herz hämmerte plötzlich wieder gegen ihre Brust. Er war ihr so nah, dass sie
das feine Schillern in seinen auf Nachtsicht umgestellten Augen sehen konnte.
Seine Haare waren noch mehr durcheinander als sonst, weil er sicherlich darin
herumgewühlt hatte und sie konnte den Hauch von Verzweiflung in seinem Blick
sehen. Sie sollte wirklich gehen. Er war betrunken. Es war durchaus möglich,
dass er die Beherrschung verlor, doch sie schaffte es nicht, den Blick von
seinen Augen zu lösen.
Trevor war betrunken. Sonst hätte er gegen den Drang gekämpft. So aber lächelte
er nur irgendwie verzweifelt und lehnte sich langsam zu ihr. Ailia rührte sich
nicht, sondern sah ihn nur mit großen Augen an. Dann berührten seine Lippen ihre
und sie schloss die Augen. Es war ein sanfter Kuss, ganz vorsichtig, als hätte
er Angst, sie würde sich im nächsten Moment zurückziehen. Eigentlich war es nur
ein Hauch und trotzdem fühlte sie, wie sich ihre Kehle zuschnürte. Zärtlich
strich seine Zunge über ihre Lippen, die sich automatisch öffneten, und sie
seufzte leise, als seine Zunge ihre berührte. Sie schmeckte den Alkohol und ihn,
und die Erinnerung an diese eine fantastische Nacht stieg wieder in ihr hoch. Er
berührte sie nicht, außer mit den Lippen und seiner Zunge, aber Ailia spürte wie
plötzlich ihr ganzer Körper auf seine Nähe reagierte.
Dann hob er den Kopf und sah sie verzweifelt an. „Geh, Luzy.“
Sie holte stoßweise Luft und sie sah in seinen Augen, dass er es todernst
meinte. Und sie sprang auf.
Trevor angelte nach der Flasche und sank wieder auf das Bett zurück. Seine Augen
fixierten die Tür, die sich hinter ihr schloss und er setzte die Flasche an, als
der Schlüssel herum gedreht wurde.
Er sah elend aus und fühlte sich wahrscheinlich auch so. Dennoch saß er schon am
Frühstückstisch, als Ailia herunter kam und starrte in seinen Kaffee.
Fast schüchtern lächelte sie ihn an, ehe sie sich neben ihn setzte und leise:
„Morgen, Trev“, sagte.
Er drehte den Kopf und grinste sie schief von der Seite her an. „Böse?“
„Nein.“ Es stimmte. Sie war ihm nicht böse. Vielleicht wäre sie es gewesen, wenn
er in seiner ihm eigenen arroganten Art irgendeinen Annäherungsversuch gestartet
hätte. Aber sie hatte die Verzweiflung in seinen Augen gesehen und wusste, dass
er gegen sich selbst kämpfte. Er hatte es wahrscheinlich schon die ganzen Tage,
ohne dass es ihr aufgefallen war und das ließ ihn plötzlich in ihrer Achtung
steigen. „Nein“, wiederholte sie, „bin ich nicht.“
„Schön“, murmelte er und starrte wieder in seinen Kaffee.
„Du siehst scheußlich aus, Trev.“
Er kicherte. „Ich fühle mich scheußlich.“
„Hast du die Flasche noch getrunken?“
„Ich denke schon.“
Sie sah nachdenklich zu, wie er in seinem Kaffee rührte, als wäre es die
wichtigste Sache der Welt. „Vielleicht“, begann sie zögernd, „...ist es doch
keine so gute Idee, dass ich hier bin?“
Er biss die Zähne zusammen, dann hob er den Kopf und musterte sie aus schmalen
Augen. „Du wirst, verdammt noch mal, hier bleiben. Der Rest ist mein Problem.
Verstanden?“
„Ich möchte nicht, dass du...“
„Luzy!“, fuhr er sie an und sie zuckte zusammen, als sie den scharfen Ton seiner
Stimme hörte. „*Ich* weiß, dass du nur aus einem einzigen Grund in meinem Bett
warst! Weil ich dich erpresst habe! Und du brauchst keine Angst zu haben, ich
werde es nicht wieder tun! Ich hatte, was ich wollte.“
„Schön“, stieß Ailia hervor, während sie unerklärlicher Weise fühlte, wie Tränen
versuchten in ihre Augen zu treten. Sie blinzelte sie fort, ehe er sie sehen
konnte und hoffte, dass ihre Stimme vollkommen normal klang. Allerdings hatte
sie auch keine Lust mehr, mit ihm zusammen zu frühstücken und stand wieder auf.
„Ich gehe spazieren.“
Trevor sah ihr nach und sein Kopf sank auf die Tischplatte, als sich die Tür
hinter ihr schloss.
„Lady Ailia ist eine sehr bemerkenswerte Person“, sagte eine trockene Stimme
hinter ihm, doch Trevor rührte sich nicht.
„Ich weiß, James“, murmelte er gegen den Tisch.
„Und wenn ich mir eine Bemerkung erlauben darf, Mylord“, fuhr James fort. „Dann
waren das sehr harte Worte aus Ihrem Mund.“
„Wer hat dich um deine Meinung gefragt“, knurrte Trevor. „Und wieso schleichst
du hier herum und lauschst?“
James verzog seinen Mund zu etwas, das er Lächeln nannte. „Erpresst?“,
erkundigte er sich amüsiert.
„Nerv mich nicht, James!“
James setzte wieder seine todernste Miene auf und begann gelassen, den
Frühstückstisch abzuräumen. „Ich werde Lady Ailia ihr Frühstück am Pool
servieren“, erklärte er dann, während er Kaffee und Brötchen auf ein Tablett
packte.
Und Trevor teleportierte, als er seinen verräterischen Butler in den Garten
verschwinden sah.
************
Er tauchte den ganzen Tag nicht wieder auf.
Ailia versuchte, nicht an ihn zu denken. Sie durchstöberte die Bibliothek,
wanderte durch das Haus, schwatzte mit dem immer so einsilbigen James und
spazierte am Strand entlang, nachdem sie mit Hilfe ihrer telekinetischen Kräfte
die Klippen hinab geschwebt war.
Sie wollte vor sich selbst natürlich nicht zugeben, dass sie ihn vermisste und
redete sich ein, dass sie zornig über seine Bemerkung sein sollte. Doch sie
wusste genau so, dass er es nur gesagt hatte, um sie zu verletzen.
Als er auch gegen Abend nicht erschien und damit zum ersten Mal seit sieben
Tagen ihren Besuch bei Doktor Stendal verpasste, begann sie sich Sorgen zu
machen. Sie telefonierte mit dem Stützpunkt und Stendal beruhigte sie und sagte,
dass es nicht schlimm wäre, wenn sie einen Tag nicht käme, da die Verletzung
sehr gut heilen würde. Sie solle nur den Verband wechseln, wenn es möglich wäre.
Sie verschob das erst einmal, obwohl ihr James frisches Verbandszeug in ihr
Zimmer gestellt hatte. In diesem Haus schien es auch an nichts zu fehlen.
Dann aß sie allein. Zum ersten Mal seit einer Woche und ihr Blick wanderte immer
wieder zu seinem leeren Platz.
James beruhigte ihre nervös gestellten Fragen und erklärte ihr, dass es öfter
passierte, dass Trevor für einige Zeit verschwand. Wahrscheinlich musste er sich
einfach nur irgendwo abreagieren.
„Aber er hat versprochen, dass er mich jeden Abend zurück bringt“, erklärte
Ailia stur.
„Vielleicht hat er es vergessen, weil er sturzbetrunken ist“, antwortete James
mit einem feinen Lächeln.
Sie sah ihn mit großen Augen an. „Wo könnte er denn sein?“
„In einem seiner Clubs, nehme ich an. Vielleicht…“ James zögerte, weil sie
plötzlich so traurig aussah. „Vielleicht in seinem Bordell.“
„Oh“, machte Ailia bestürzt und starrte auf ihr Essen. Plötzlich hatte sie gar
keinen Hunger mehr. Warum tat ihr der Gedanke so weh, er könnte bei einer
anderen Frau sein?
„Wissen Sie was, Ailia?“, störte James ihre Überlegungen. „Wie wäre es, wenn Sie
es sich im Wohnzimmer bequem machen und ich Ihnen eine schöne Flasche Rotwein
öffne?“
Sie lächelte schwach. „Damit ich genau so betrunken werde?“ James hob nur seine
Augenbraue und sie fing an zu lachen. „Okay, James.“
Drei Stunden später war sie – ihren eigenen Angaben zufolge – angeheitert und
verfolgte kichernd einen Film im Fernsehen. Es war eine köstliche Parodie,
leider wurde über einen Film hergezogen, den sie nicht kannte, da sie in ihrem
bisherigen Leben wenig ferngesehen hatte. Und sie amüsierte sich köstlich.
Bedauerlicherweise brachte sie James nicht dazu, mit ihr zu trinken und hatte
den Butler dann frustriert weggeschickt, nachdem er ihr noch eine neue Flasche
aus dem Keller geholt hatte.
Sie versuchte, es sich so bequem wie möglich auf der Couch zu machen. Leider
konnte sie nur auf der linken Seite liegen, da die rechte gehandikapt war. Das
brachte sie wieder auf den Gedanken, dass sie den Verband wechseln sollte. Aber
im Moment konnte sie sich nicht dazu überwinden, den herrlichen Platz auf der
Couch zu verlassen und beschloss, es vor dem Zubettgehen zu tun.
Seufzend goss sie sich telekinetisch ihr Weinglas wieder voll und verfolgte mit
schmalen Augen, wie die Flasche zurück auf den Tisch schwebte. Dann musste sie
kichern. Eigentlich war es sehr bequem, über diese Kräfte zu verfügen.
Eine Stunde später schlief sie.
************
Trevor plagte ein fürchterlich schlechtes Gewissen, als er mitten in der Küche
materialisierte. Erst vor zwei Minuten war ihm bewusst geworden, dass er in
seinem unbändigen Drang, abzuschalten, vergessen hatte, dass er sie jeden Abend
zu dem Arzt bringen sollte.
Er lauschte in das Haus, hörte den Fernseher und seufzte, weil er ahnte, was
jetzt auf ihn zukam. Wahrscheinlich würde sie darauf bestehen, dass er sie noch
heute Nacht in den Stützpunkt zurückbrachte. Eigenartigerweise war er nüchtern.
Er verstand sich selbst nicht, hatte aber bis auf zwei Bier darauf verzichtet,
sich einfach besinnungslos zu betrinken. Er grinste schief. Vielleicht weil er
wusste, dass man betrunken miserabel Karten spielte.
Zögernd ging er auf das Wohnzimmer zu, um die Couch herum und musste grinsen,
als sein Blick auf die wie ein Engel schlafende Ailia fiel. Gut, Engel war
sicherlich nicht der richtige Ausdruck für sie… Dann bemerkte er die leere
Flasche Wein neben der Couch und sah eine noch halbvolle auf dem kleinen Tisch
stehen.
„Luzy?“, fragte er leise und ging in die Hocke. Sie reagierte nicht. Eigentlich
hatte er auch nicht damit gerechnet. Nicht nach dieser Menge Alkohol. Vorsichtig
berührte er ihre Schulter und schüttelte sie leicht. „Luzy?“
„Hm?“, murmelte sie, ohne die Augen zu öffnen.
„Wach auf, Luzy. Du kannst nicht hier unten schlafen.“ Sie sah einfach süß aus,
wie sie sich so an das Kissen kuschelte.
„Wo warst du?“, nuschelte sie undeutlich.
Hatte sie ihn vermisst? Ein schöner Gedanke. Dann fiel ihm wieder ein, was er
getan hatte. „Luzy, es tut mir Leid. Wir teleportieren gleich morgen früh zum
Doc, ja?“
„Hm“, machte sie wieder.
Trevor schob einen Arm unter ihren Oberkörper und richtete sie auf. „Ich bringe
dich jetzt ins Bett ja?“ Ohne auf ihre Zustimmung zu warten, langte sein zweiter
Arm unter ihre Knie. In einer fließenden Bewegung hob er sie auf seine Arme und
fiel fast aus allen Wolken, als sie ihren Kopf an seine Brust lehnte, um sich an
ihn zu kuscheln. „Ich nehme das als ja“, sagte er zu sich selbst und begann, die
Treppen zum Obergeschoss empor zu steigen.
Sie war nicht nur schlank und zierlich, sie war auch noch federleicht. Trevor
atmete den Duft ihrer Haare ein und schloss einen Moment die Augen, als die
Erinnerung an diese eine Nacht wieder in ihm hochstieg.
Mit einem kurzen Gedankenbefehl deaktivierte er den Fernseher und öffnete die
Tür zu ihrem Zimmer. Mit einem bitteren Lächeln ging ihm auf, dass er damit zum
ersten Mal das Verbot übertrat, das sie aufgestellt hatte.
Er legte sie auf das Bett und achtete darauf, dass sie sich nicht auf den
verletzten Arm rollte. Ailia blinzelte müde. Seine Finger strichen einen Moment
liebevoll über ihr Gesicht und er betrachtete sie seufzend. Er würde ihr die
Hosen ausziehen. Aber mehr auf gar keinen Fall.
„Hey, Luzy“, sagte er leise. „Du willst doch nicht in den Hosen schlafen, oder?“
Eigentlich wäre es viel besser, sie würde ‚doch’ sagen. Besser für ihn.
Natürlich sagte sie gar nichts, sondernd rollte sich zur Seite und zog ihr
Kissen an sich.
Gedankenverloren fuhren seine Finger über ihre Taille und dann über ihre Hüften.
Dann gruben sich seine Zähne in seine Unterlippe. Sie würde ihn umbringen, wenn
sie wüsste, dass er hier an ihrem Bett saß.
Bring es hinter dich und verschwinde! Schnell öffnete er die Knöpfe ihrer
Hose und streifte sie ihre Hüften hinab. Sie murmelte irgendetwas leise vor sich
hin und bewegte ihre Hüften, als wolle sie ihm helfen. Trevor atmete tief durch,
als er auf die langen schlanken Beine blickte und amüsiert feststellte, dass sie
sich die Fußnägel schwarz lackiert hatte. Er wollte nach der Decke greifen und
sie zudecken, als sie wieder seufzte.
„Trev…“
Sein Kopf fuhr hoch und er starrte sie an. „Luzy?“, fragte er vorsichtig, aber
sie reagierte nicht, sondern kuschelte sich weiter an ihr Kissen.
Träumte sie? Von ihm? Ihm wurde schlagartig heiß, als er an seine eigenen
Träume dachte und schluckte. Als wäre er hypnotisiert, sah er in ihr Gesicht und
ließ seine Finger über die nackte Haut ihrer Beine tanzen. Jetzt würde sie ihn
wirklich umbringen, wenn sie aufwachte. Sie lächelte im Schlaf und Trevor fand
es plötzlich überaus faszinierend, sie dabei anzusehen. Er stütze seinen einen
Arm neben ihrem Körper ab, während seine zweite Hand weiter über die zarte Haut
ihres Oberschenkels streichelte.
„Trev…“, murmelte sie wieder und diesmal hatte er sich nicht verhört.
Ein fast glückliches Lächeln huschte über sein Gesicht. Seine Finger glitten an
ihrem Bein hinab und an der Innenseite wieder nach oben. Sie seufzte erneut und
hob automatisch ihr Bein etwas an, als wolle sie… Trevor atmete tief ein und
sagte sich, dass er jetzt ganz schnell verschwinden sollte. Er schaffte es
nicht, seine Hand lag zwischen ihren Schenkeln, er spürte ihre Wärme und sah den
zufriedenen Ausdruck in ihrem Gesicht, mit dem sie sich an das Kissen schmiegte.
„Luzy?“, flüsterte er wieder und wünschte sich, sie würde aufwachen und ihm eine
kleben. Dann verfluchte er diesen Wunsch, sich selbst und ließ seine Hand
vorsichtig höher wandern, bis sie die Mitte zwischen ihren Schenkeln erreichte
und seine Finger den feuchten Stoff ihres Slips berührten. Er wurde übergangslos
steinhart und stöhnte unterdrückt. Wenn sie von ihm träumte, dann war das
wirklich ein recht netter Traum.
Und er warf all seine Bedenken in den Wind. Seine Finger schoben den Stoff zur
Seite und er hörte sie seufzen, als er in ihre feuchte Nässe stieß.
Oh je, Luzy, dachte er amüsiert und begann, sie sanft zu erkunden. Sie
wurde noch feuchter und als sein Daumen über ihre geschwollene Klitoris fuhr,
atmete sie tief ein und presste sich selbst gegen seine Hand. Es war fast
zuviel. Trevor spürte wie seine Hose immer enger wurde, während er seinen Finger
in sie stieß. Ailias Zähne gruben sich in das Kissen und sie wimmerte leise im
Schlaf. Und Trevor hätte sie jetzt am liebsten wachgerüttelt, ihr den Slip vom
Leib gerissen und sich auf sie gestürzt.
Wie konnte man denn im Schlaf solche Laute ausstoßen? Wenn man betrunken war?
Was träumte sie eigentlich?
Sie war mittlerweile so feucht, dass die Nässe seine Finger hinunter rann und
ihren gesamten Slip tränkte. Trevor wäre zu gern mit dem Kopf zwischen ihren
Beinen verschwunden, aber er wusste, dass das jetzt nicht möglich war. Deshalb
ließ er seinem Finger einen zweiten folgen und genoss das Gefühl, wie sich ihre
Muskeln um ihn zusammenzogen. Er fühlte ihr Zittern und presste seinen Daumen
gegen ihre geschwollene Klitoris. Sie kam übergangslos. Ein leises Stöhnen
entrang sich ihrem Mund, ihre Muskeln umkrampften seine Finger und er fühlte wie
das Beben durch ihren Körper lief und ihr mentaler Orgasmus durch seinen Geist
jagte. Ehe sie mit einem zufriedenen Lächeln zurück in das Kissen sank.
Trevor zog vorsichtig seine Finger aus ihr. Er stand selbst kurz vor dem
Explodieren, konnte sich jedoch nicht davon abhalten, seine Finger zu seinem
Mund zu führen. Mit einem verklärten Gesichtsausdruck lutschte er an seinen
eigenen Fingern, schmeckte sie, so vertraut und betrachtete ihr jetzt so
friedliches Gesicht im Schlaf.
Ich liebe sie, dachte er plötzlich, während er an seinem Finger nuckelte.
Er seufzte, strich ihr noch einmal sanft über das Gesicht und beugte sich über
sie.
„Ich liebe dich“, hauchte er leise und küsste sie zärtlich auf die Stirn.
„Lieb dich auch“, nuschelte Ailia undeutlich und Trevor sprang auf und stürzte
in sein Zimmer, ehe er in seiner Hose kam.
***************
Er erwachte am nächsten Morgen mit einem herrlich zufriedenen Gefühl. Möglich,
dass es etwas damit zu tun hatte, dass er sich in der Nacht, nachdem er aus
Ailias Zimmer gestürzt war, mehr als einmal selbst befriedigt hatte. Möglich.
Aber er war, mit der Erinnerung an sie, in seiner Hand gekommen, hatte ihr
Gesicht vor seinem inneren Auge gesehen und ihre Worte immer wieder und wieder
gehört. Lieb dich auch…
Sie hatte geschlafen. Na und? Wenn sie es im Traum sagte, konnte es doch keine
Lüge sein, oder?
Vergnügt vor sich hin pfeifend, duschte er, zog sich an und starrte dann auf die
Verbindungstür. Auf einmal ging ihm auf, dass sie vielleicht nicht so sehr
erfreut war, wenn sie sich noch an etwas von der Nacht erinnerte.
Vorsichtig klopfte er an die Tür. „Luzy? Bist du wach?“ Er hörte sie etwas
murmeln und öffnete vorsichtig die Tür.
Sie lag noch im Bett. Ihr Kopf fuhr hoch und sie sah ihn recht verblüfft an.
„Wieso ist die Tür nicht abgeschlossen?“, fragte sie und klang noch sehr
verschlafen.
„Ähm… ich habe dich heute Nacht in dein Zimmer gebracht“, begann er zögernd.
„Ja?“ Ailia runzelte die Stirn und kramte in ihrem Kopf nach einer Erinnerung.
Sie musste auf der Couch eingeschlafen sein. „Wo warst du?“ Irgendetwas war sehr
verschwommen in ihrem Kopf. Und es kam ihr so vor, als hätte sie diese Frage
schon einmal gestellt.
„Es tut mir Leid“, gab er zerknirscht zu und betrat das Zimmer. „Ich habe es dir
schon gesagt, ich werde dich jetzt gleich zum Doc bringen…“
„Nein, nein“, wehrte Ailia ab und sah fassungslos, dass er sich einfach auf ihre
Bettkante setzte. „Ich habe mit Ron telefoniert. Er sagte, ich solle nur den
Verband wechseln.“ Sie runzelte wieder die Stirn. „Das habe ich, glaube ich,
nicht gemacht…“
„Also ich habe es auch nicht gemacht“, grinste er. „Aber ich kann dir jetzt
helfen.“
Ailia fiel plötzlich ein, dass sie noch immer im Bett lag und wollte erschrocken
die Decke bis an ihr Kinn ziehen, als sie bemerkte, dass sie Kleidung trug. Im
Gegensatz zu den anderen Nächten. Es erleichterte sie ein wenig. „Gut“, stimmte
sie dann zu und schwang die Beine aus dem Bett, so dass sie neben ihm saß.
„Ehrlich?“ Trevor klang überrascht.
„Mach schon“, murmelte sie müde. „Ich denke, wenn ich es allein mache, dauert es
länger.“
Er schmunzelte und schob den kurzen Ärmel ihres Shirts über ihre Schulter.
„Halt fest“, wies er sie an und begann, den Verband zu lösen.
„Wo warst du nun?“
„Hab Karten gespielt“, nuschelte er leise.
Ailia sah ihn nicht an und versuchte auch zu ignorieren, dass er so nah neben
ihr saß. Sie trug noch immer ihre Kleidung vom Vortag, nur ohne die Hosen und
sie hatte ein eigenartiges Gefühl im Kopf. „War ich sehr betrunken?“
„Nein. Du hast geschlafen. Natürlich sehr tief durch den Alkohol…“ Er trug den
schmutzigen Verband zum Tisch und kam mit dem neuen zurück. „Die Wunde sieht
sehr gut aus. Der Doc wird bestimmt bald die Fäden ziehen.“
„Ich habe geschlafen?“, fragte sie ungläubig. „Ich bin nicht aufgewacht? Hast du
mir die Hosen ausgezogen?“
„Hm. Du hast zwar irgendwas vor dich hin gemurmelt, aber wach warst du, glaube
ich, nicht.“ War sie garantiert nicht, sonst hätte sie ihm eine gescheuert.
„Ich habe im Schlaf geredet? Das mache ich nie.“
„Gestern hast du es. Was hast du eigentlich geträumt?“ Er musste sich wirklich
bemühen, ein unbeteiligtes Gesicht zu bewahren. Und das war mehr als schwer, als
ihr das Blut in den Kopf schoss.
„I-ich w-weiß nicht…“, stotterte sie erschrocken. Oh Gott, da war irgendetwas
mit ihm gewesen, ging es ihr durch den Kopf. Sie hatte sich an ihn gelehnt.
Seine Finger hatten sie gestreichelt. Sie wagte nicht, ihn anzusehen, als sie
fragte. „Was habe ich denn gesagt?“
„Meinen Namen…“, hauchte er und konzentrierte sich darauf, ihren Arm mit ruhigen
Händen neu zu verbinden.
„Deinen…Namen?“, piepste Ailia und wäre jetzt wirklich froh gewesen, wenn sie im
Erdboden hätte versinken können.
„Schien dir zu gefallen … dein Traum…“ Sie war jetzt so rot, dass er nur mühsam
ein Grinsen unterdrücken konnte. Mit einer Klammer befestigte er den Verband und
begutachtete sein Werk. „So, alles in Ordnung. Heute Abend vergesse ich unseren
Besuch nicht.“ Er hob den Kopf und begegnete ihrem unsicheren Blick. Ihre
Unterlippe zitterte nervös.
„Hab ich … hab ich noch etwas gesagt?“
„Nein“, log er leise.
„…oder getan?“ Irgendetwas war hier mächtig faul. Ailia schluckte und
verschwommen tauchten Bilder in ihrem Kopf auf. Er trug sie die Treppe hinauf.
Sie lehnte sich an ihn, als wäre es die selbstverständlichste Sache der Welt.
Plötzlich konnte sie sich haargenau an das Gefühl seiner Brust unter ihrer Wange
erinnern. An die Wärme seines Körpers… oder war das der Traum? Seine Finger, die
über ihre nackten Beine strichen…
„Nein, Luzy. Du hast nichts getan.“ Er wich ihrem Blick nicht aus. Sie sah zu
fantastisch aus mit diesen glühenden Wangen. Unbewusst hob sich seine Hand und
strich ihr eine Haarsträhne hinter ihr Ohr. Sie schien die Luft anzuhalten und
er lächelte.
Und Ailia schoss es plötzlich heiß durch den Körper, weil die Erinnerung an
leise Schauer, die sie erschütterten, in ihr aufstieg. Sie schnappte nach Luft
und ihre Augen wurden größer. „Was … hast du getan?“
Trevor atmete tief durch. „Ich habe deinen Traum etwas realer werden lassen…“
„Oh Gott…“ Jetzt wurde sie blass und dann wieder rot. „Was hast du…?“
Er senkt den Kopf und flüsterte neben ihrem Ohr. „Ich habe dafür gesorgt, dass
dein Höhepunkt echt war…“
Ailia schlug ihre gesunde Hand vor ihren Mund. Seine Finger zwischen ihren
Beinen… Oh Gott… Dann spürte sie seine Lippen an ihrem Hals, federleicht.
„Sei nicht böse“, hauchte er. „Ich konnte nicht anders…“
Plötzlich musste sie leise lachen. „Du bist wirklich verrückt, weißt du das?“
Seine Lippen waren immer noch an ihrem Hals und Trevor fiel aus allen Wolken,
als sie ihren Kopf kurz an seinen lehnte.
„Ich wette, du hattest dann auch ein Problem“, kicherte sie. „Was hast du
gemacht?“
Seine Stirn sank auf ihre Schulter und er grinste. „Ich wette“, sagte er dann.
„Du kannst dir genau vorstellen, was ich gemacht habe…“
Und sie lachte wieder.
Amelie ließ ihren Blick über die mit Menschen gefüllte Tanzfläche gleiten. Ein
Lächeln huschte über ihr Gesicht, weil sie wusste, dass der größte Anteil an der
Berühmtheit des Tanzclubs auf ihre Kosten ging. Sie hätte sich niemals träumen
lassen, dass sie einmal einen Club dieser Größenordnung leiten würde. Natürlich
wusste sie, dass sie gut war. Exzellent, und sie hatte ein begnadetes Talent mit
Menschen umzugehen. Sie konnte freundlich und gewinnend sein, sich aber im
nächsten Moment in eine eiskalte berechnende Frau verwandeln, wenn jemand den
Interessen des Clubs zuwider handelte.
Aber sie war eine Frau. Und eine gut aussehende noch dazu. Amelie wusste, dass
das in der Position, die sie jetzt innehatte, nicht alltäglich war. Sie war
mittelgroß, schlank, hatte dunkle lange Haare und grüne Augen in einem schmalen
feinen Gesicht und jeder, der sie das erste Mal sah, dachte an eine niedliche,
kleine Sekretärin, die gerade Mal den großen Chef vertrat. Bis Amelie den Mund
öffnete und diese Menschen sehr schnell wieder auf den Boden der Tatsachen
zurückholte.
Als sie damals vor vier Jahren den Club übernommen hatte und vor dem Besitzer,
dem Mutanten Trevor O’Delta stand, war ihr das Herz zum ersten Mal in ihrem
Leben in die Hosentasche gerutscht. Er musterte sie mit einem Blick, der bis in
ihre Seele zu dringen schien und sie wusste damals mit absoluter Gewissheit,
dass er sie komplett scannte. Ihre Gedanken, ihre Gefühle, alles… Der Zorn war
in ihr hochgestiegen, weil sie annahm, dass er wie alle anderen Clubbesitzer
war, die sich eine schicke Vorzeigedame leisten wollten und , die sie dann im
Hinterkämmerchen flach legten. Wahrscheinlich waren diese Gedanken in ihrem Kopf
zu lesen gewesen, denn er lächelte undurchsichtig und sagte den einen Satz, der
Amelies Leben komplett veränderte.
„Sie sind engagiert, Miss Amelie.“ Und er setzte etwas hinzu, das Amelie niemals
vergessen würde. „Sie werden eine Wohnung und einen Wagen bekommen. Ich werde
Ihnen ein kleines Vermögen bezahlen, damit Sie sich leisten können, was Sie
möchten. Dafür verlange ich absolute Loyalität. Sie wissen, wer ich bin und dass
ich Ihre Gedanken lese. Viele Menschen macht das nervös. Ich hoffe, Sie gewöhnen
sich daran. Was Sie in Ihrer Freizeit tun, ist mir völlig egal. Aber wenn Sie
den Club vertreten, werden Sie den Club repräsentieren. Und nur den Club.“
Er sagte es in einem trockenen, sarkastischen Ton und Amelie schwor sich, dass
sie seinen Anforderungen gerecht werden würde. In den ersten Monaten hatte sie
wirklich damit gerechnet, dass er, wie viele andere ihrer Auftraggeber,
Annäherungsversuche starten würde und sie dachte darüber nach, wie sie darauf
reagieren sollte. Schließlich sah er wirklich gut aus und die Aura von
Gefährlichkeit, die ihn umgab, war fast unwiderstehlich.
Er tat es nie und jetzt, nach vier Jahren, lachten sie beide darüber. Irgendwann
saßen sie abends bei einem Glas Wein zusammen und Trevor erzählte ihr, wie
amüsiert er ihren gedanklichen Zwiespalt verfolgt hatte. Obwohl es ihr peinlich
war, lächelte sie und er meinte, sie wäre wirklich eine attraktive Person und
wenn sie nicht eine so erstklassige Clubmanagerin wäre, würde er sicherlich
darüber nachdenken. Amelie hatte die Stirn gerunzelt und als eine der wenigen
Menschen erfahren, dass es für einen Mutanten nicht einfach war und er sich in
dem Augenblick von ihr trennen würde, wenn er sie in seinem Bett hatte, da er es
sich nicht leisten konnte, eine liebeskranke Managerin zu beschäftigen. Amelie
hatte sich selbst gratuliert und von diesem Tag an waren sie Freunde geworden.
Er vertraute ihr.
Jetzt allerdings schaute sie etwas verblüfft von der Galerie aus hinunter als
sie ihn erkannte. Er war da und hatte nicht zuerst bei ihr vorbei gesehen? Das
war eigenartig. Dann sah sie die zierliche Frau mit den dunklen, langen Locken
an seiner Seite und sie musste schmunzeln. Wo fand er eigentlich all diese toll
aussehenden Frauen? Diese hier trug ein eng anliegendes schwarzes Kleid, das in
schmalen Spagettiträgern endete und recht kurz war. Amelie schüttelte den Kopf.
Plötzlich runzelte sie die Stirn, als sie erkannte, dass diese Frau einen Arm in
einer Schlinge trug, die um ihren Hals hing und ihr Oberarm verbunden war. Fast
fassungslos beobachtete sie, wie Trevor die Hand der Frau ergriff und mit ihr
die Treppe hinaufkam. Sie konnte sich nicht erinnern, dass er jemals in der
Öffentlichkeit Frauen gegenüber irgendein Zeichen von echter Zuneigung gezeigt
hatte.
Sie kam nicht dazu, weiter darüber nachzudenken, da Trevor mit seiner Begleitung
auf sie zu steuerte. Noch seltsamer. Er war ihr immer aus dem Weg gegangen, wenn
er mit einer Frau hier war und hatte ihr einmal grinsend erklärt, es würde die
Damen so eifersüchtig machen.
„Hallo, Am“, begrüßte er sie freundlich und küsste sie wie gewöhnlich auf die
Wange.
Amelie musste ihn so verdattert angesehen haben, dass er lächelte. „Ich muss ein
paar Gespräche führen, Am. Das hier ist Ailia, eine …“ Er grinste. „…alte
Freundin von mir. Sie möchte gern den Club sehen. Ailia, das ist Amelie. Sie
leitet meinen Club.“
Ailia stutzte, weil er sie ansprach und ihren Namen verwendete. Bestimmt zum
ersten Mal. Doch sie reichte Amelie höflich, wenn auch, die linke Hand. „Hallo.“
Amelie ließ sich nichts anmerken, dafür war sie zu professionell. Doch als Ailia
sie musterte, fuhr ein eigenartiger Schauer über ihren Körper und sie sah Trevor
unsicher an.
„Ich bin in spätestens einer Stunde wieder da. Lass sie mir nicht aus den
Augen“, sagte er noch, ehe er sich umdrehte und wieder verschwand.
Amelie verstand überhaupt nichts mehr und hatte keine Ahnung, was sie mit dieser
Ailia anstellen sollte. Wenn Trevor irgendeine Tussi, die er flach legen wollte,
mitbrachte, konnte er sich doch auch selbst um sie kümmern, oder? Eigentlich
waren all diese Frauen arm dran, wenn er ihre Gedanken lesen konnte.
Ailia lachte plötzlich neben ihr auf, hakte sich bei ihr unter und zog sie mit
sich. „Köstlich, Amelie. Vielleicht sollte ich Ihnen sagen, dass ich Ihre
Gedanken ebenfalls lese… Also, was gibt es Sehenswertes in diesem Club?“
Amelie blieb verdutzt stehen. „Sie sind eine Mutantin? Wie Trevor?“
Ailia nickte. „Dummerweise kann er teleportieren und ich nicht. Das ist schon
blöd, aber dafür bin ich ein besserer Telepath. Also versuchen Sie einfach, ein
bisschen… ähm … undeutlicher zu denken, ja?“
„Aber…“ Amelie schüttelte den Kopf. „Dann müssen Sie Luzy sein?“
„Wissen Sie, ich bevorzuge Ailia. Das ist einfach mein Name. Wenn sich so ein
besserwisserischer Supermutant einbildet, mir einen Namen geben zu … Halt.“ Sie
stutzte. „Was wissen Sie von mir?“
„Uhm… nichts?“ Amelie lächelte verlegen und zog Ailia mit sich. „Er hat sie
erwähnt… ähm…öfter…“
Ailia krauste die Stirn. „Nicht sehr nette Dinge da in Ihrem Kopf. Das werde ich
mir merken.“ Sie musste lächeln. „Keine Angst, Amelie, das beeinträchtigt Ihre
Stellung nicht. Sie können ja nichts dafür, dass Sie Ihre Gedanken nicht
verbergen können. Ich könnte Ihnen ein paar Tricks sagen, die es Ihnen
ermöglichen. Als kleine Rache sozusagen…“
Amelie lachte. „Ich habe immer gedacht, er schwärmt für Sie. Was er natürlich
nie zugeben würde. Wie sind Sie jetzt an seine Seite gekommen?“
„Mein Chef hat mich zu Urlaub verurteilt. In einem Haus auf den Klippen…“ Ailia
grinste schief und hob ihren verbundenen Arm. „Krankheitsbedingter Ausfall.“
Jetzt riss es Amelie fast von den Socken. „In seinem Haus?! Sagen Sie bloß, Sie
haben James kennen gelernt?“
„Oh ja“, schmunzelte Ailia. „Netter Mann, wenn er dann mal auftaut.“
Amelie lachte. „Ich bin eine der wenigen Frauen, die dieses Haus gesehen hat.
Ihm muss wirklich etwas an Ihnen liegen. Kommen Sie, fangen wir mit der
Besichtigung an.“ Amelie lächelte scheinheilig. „Möchten Sie auch die
Hinterzimmer für spezielle Behandlungen sehen?“
„Oh. Oh“, machte Ailia. „Das hoffe ich doch…“
Zwei Stunden später fand Trevor zwei kichernde Frauen in einer abgeschiedenen
Ecke bei einer Flasche Rotwein wieder. Er hatte ein schlechtes Gewissen, weil
seine Gespräche so lange gedauert hatten, aber als er jetzt das Lachen der
beiden Frauen hörte, musste er grinsen.
Er fiel in einen Sessel und stellte seinen Whisky auf den Tisch.
„Trev“, fuhr ihn Ailia vorwurfvoll an. „Du hast gesagt, du besitzt nur ein
Bordell! Du hast dabei die Hinterzimmer in deinen Tanzclubs vergessen zu
erwähnen?“
Trevor sah Amelie fast entsetzt an, doch die zuckte nur mit den Schultern. „Du
hast gesagt, ich soll ihr alles zeigen.“
„Doch nicht *die* Zimmer!“
Ailia lachte. „Wie hast du gedacht, sollte sie es vor mir geheim halten?“,
erkundigte sie sich honigsüß.
Amelie stand auf. „So, ich werde jetzt wieder einmal nach dem Rechten sehen. Ich
wünsche euch noch einen schönen Abend. Würde mich freuen, wenn wir uns noch
einmal wieder sehen, Ailia“, verabschiedete sie sich mit einem Lächeln.
Ailia nickte. „Sie ist nett“, sagte sie dann zu Trevor.
„Sie ist erstklassig.“ Er wechselte den Platz zu ihr auf das Ledersofa. „Gefällt
dir der Club?“
„Hm. Ganz schön was los.“ Ailia beobachtete die Tanzenden. „James meinte
gestern, es wäre möglich, dass du in deinem Bordell bist“, meinte sie plötzlich.
„Ich war hier“, antwortete er leise.
„In den speziellen Hinterzimmern?“
Sie sah ihn nicht an und ein feines Lächeln huschte um seine Mundwinkel. „Nein.
Ich habe Karten gespielt. Ich gehe niemals zu den Frauen, die ich bezahle.“
„Aha.“ Ailia drehte den Kopf und sah in seine jetzt wieder leicht schillernden
Augen. „Das war schon ganz schön krass da hinten. Jetzt ahne ich, woher du deine
Fesselfantasien hast.“
Er lachte leise. „Jedes Bordell hat ein SM-Zimmer und glaube mir, Luzy, für das,
was da drin abgeht, hab ich nichts übrig.“
„Da waren Fesseln“, stellte Ailia klar.
„Sicher. Und ich gebe zu, diese Fesselsache hat für mich insoweit einen Reiz,
weil man seine Partnerin dahin bringt, die Beherrschung zu verlieren. Es gefällt
mir, zu sehen, wie eine Frau auf meine Berührungen reagiert, wie es sie fast
wahnsinnig macht…“ Er grinste, weil er sah wie sie schon wieder rot wurde. „…
und sie darauf wartet, dass ich sie erlöse. Das da hinten, ist etwas ganz
anderes. Derjenige, der in den Ketten hängt, wartete darauf, ausgepeitscht zu
werden, gedemütigt zu werden und er oder sie steht drauf…“
„Krass“, kommentierte Ailia, der beim Beginn seiner Schilderung schon wieder
ganz heiß geworden war. „Hast du es mal gesehen?“
„Ja.“ Er nickte. „Da sind meistens eine Menge Zuschauer dabei. Dann wird die
Demütigung echter. Ich bin gegangen, weil ich es einfach nur ekelhaft fand. Aber
der Mann in den Fesseln war eindeutig erregt.“ Er grinste schief. „Und der Mann,
der ihn ausgepeitscht hat, auch.“
Ailia schüttelte sich. „Das klingt wie in einem Horrorfilm.“
„Möchtest du tanzen?“
*************
Es war spät in der Nacht, als sie in dem Herrenhaus wieder ankamen. Ailia
lächelte verträumt als sie an die vergangenen Stunden dachte. Sie hatten
getanzt, sich unterhalten und sie hatte gelacht, so viel wie lange nicht.
Es war eigenartig, aber dieses ihr so neue Verhalten, das Trevor an den Tag
legte, gefiel ihr. Eine böse Stimme in ihrem Kopf sagte ihr natürlich, dass er
das nur tat, weil er ein Ziel verfolgte und Ailia redete sich ein, dass diese
Stimme Recht hatte. Aber es gefiel ihr trotzdem.
Schon als er ihr am Beginn des Abends das Kleid aufs Bett legte und sagte, er
wolle ihr heute seinen Club zeigen, hatte sie ihn mit einem misstrauischen Blick
angesehen und erklärt, dass es nichts zu bedeuten hätte, wenn sie zuließ, dass
er, während sie schlief irgendwelche Dinge mit ihrem Körper anstellte. Er hatte
sie angegrinst und erklärt, sie solle doch einfach mal das Kleid anziehen. Sie
hatte ihn vor die Tür geschickte und es getan. Zusammen mit den schwarzen hohen
Schuhen und als sie vor dem Spiegel stand, beschloss sie, einfach mit zu gehen.
Und sie bereute es nicht. Noch immer lächelnd materialisierten sie im Vorraum
des Hauses und sagte sich, dass sie lange nicht so einen schönen Tag gehabt
hatte.
„Ich bin gar nicht müde“, murmelte sie leise, als sie ihm die Stufen hinauf
folgte.
Trevor grinste sein berühmtes Grinsen. „Wir könnten noch einen Schlaftrunk
nehmen. Aber ich wette, du unterstellst mir dann irgendwelche Hintergedanken.“
„Du hast Hintergedanken. Immer“, stellte sie klar. „Und wenn du dieses Grinsen
im Gesicht hast, dann sowieso.“
„Kommst du trotzdem mit?“, forderte er sie heraus und öffnete einladend seine
Schlafzimmertür. „Oder hast du Angst?“
„Du lockst mich nicht aus der Reserve!“, verkündete Ailia vergnügt und
stolzierte an ihm vorbei in sein Zimmer.
Die Tür zum Balkon stand offen und eine angenehme Frische strömte herein. Trevor
beobachtete, wie sie auf den Balkon hinaus trat und ging zur Zimmerbar. Er mixte
zwei Drinks mit wenig Alkohol, weil er plötzlich auf keinen Fall wollte, dass
der Alkohol ihre Sinne benebelte.
Ailia starrte hinaus auf das Meer und irgendwie erinnerte es ihn plötzlich an
diese eine Nacht. Er unterdrückte ein Seufzen und reichte ihr den Drink. Diesmal
sah sie jedenfalls eindeutig nicht nervös aus.
„Dieses Haus ist fantastisch“, sagte sie leise.
„Ich bin im Normalfall wenig hier“, antwortete er. „Wirklich nur, wenn ich
denke, ich brauche einfach mal Ruhe.“
„Langweilt sich James nicht ganz allein?“
Trevor kicherte. „James sieht zwar etwas versnobt aus, aber er ist es nicht. Ich
bin mal unverhofft ausgetaucht und erwischte ihn dabei, wie er in der
Abstellkammer ein junges Mädchen aus dem nahe gelegenen Dorf vögelte.“
Ailia sah ihn an, als hätte er den Verstand verloren. „Du spinnst.“
Trevor lachte. „Er sah hoch, während die junge Dame noch auf allen vieren war,
verschloss seine Hose und sagte in seinem gewohnten trockenen Ton. Ich habe noch
gar nicht mit Ihnen gerechnet, Mylord. Ich bitte um Verzeihung.“
Ailia fing ebenfalls an zu lachen. „Oh Gott, ich kann das gar nicht glauben.“
Sie nippte an ihrem Glas und starrte erneut hinaus auf das Meer. „Ich sollte
mich bei dir bedanken. Dafür, dass du mich zu diesem Urlaub überredet hast.“
„War das jetzt die Bedankung?“ Er runzelte spöttisch die Stirn. „Also, ich hätte
das dann gern richtig gehört. Damit ich es in ewiger Erinnerung behalten kann…“
Ailia drehte sich um, lehnte sich mit dem Rücken gegen das Geländer und sah ihn
schmunzelnd an. „Du nutzt gern bestimmte Situationen aus, hm?“
„Oh ja.“ Er stellte sein Glas auf die Brüstung, trat um sie herum und stützte
seine Arme zu ihren beiden Seiten gegen das Geländer. „Komm schon, Luzy. Sag es
für mich.“
Ailias Herz begann schneller zu schlagen, weil sie plötzlich wieder an ihre
erste Nacht erinnert wurde, in der er haargenau die gleiche Position eingenommen
hatte. Nur, dass sie jetzt vor Nervosität kaum denken konnte. Und deshalb sah
sie das feine Funkeln in seinen Augen und genau so das unterdrückte Verlangen.
Schlagartig wurde ihr warm.
„Was möchtest du hören?“, fragte sie leise, ohne sich zu rühren.
„Oh“, machte er gespielt. „Muss ich dir denn alles sagen?“ Er war ihr so nah,
dass ihr Duft ihm in die Nase stieg und er verfluchte seinen mutierten
Geruchsinn, der alles noch viel deutlicher machte.
„Danke, Trev“, flüsterte sie und küsste ihn sanft auf den Mund. „Für diesen
schönen Urlaub.“
Gott, diese Worte aus ihrem Mund zu hören… Trevor schluckte. Sie schien in einer
fantastischen Stimmung zu sein, wenn er ihr solche Worte entlocken konnte. „Das
Vergnügen ist ganz meinerseits“, gab er charmant zurück und sah ihr spöttisches
Grinsen. „Luzy“, tadelte er sie. „Du darfst nicht alles wieder kaputt machen,
indem du es durch dein Lächeln verrätst.“
„Ich denke, da ist noch eine Entschuldigung für gestern Nacht fällig“, erklärte
Ailia.
„Wieso? Du fandest das ganz gut.“
„Ich habe geschlafen!“
„Na und?“ Er lachte ihr ins Gesicht. „Du bist gekommen.“ Endlich hatte er es
geschafft, die herrliche Röte wieder in ihr Gesicht zu zaubern.
„Ich finde das schon etwas unverschämt von dir“, erklärte sie und sah ihn
unverwandt an.
„Was hast du geträumt?“
Ailias Augen verengten sich. Plötzlich schien die Luft zwischen ihnen geladen zu
sein, so als bräuchte man nur noch ein Zündholz, um eine Explosion zu entfachen.
„Träumst du immer noch von mir?“, fragte sie leise.
Seine rechte Hand löste sich vom Geländer und fuhr ihren nackten Arm hinauf.
„Ja“, flüsterte er.
„Immer noch solches Fesselzeugs?“
Sie klang, als hätte sie wirklich Mühe zu atmen und Trevor starrte verzückt auf
ihren halbgeöffneten Mund, durch den sie stoßweise Luft holte. „Nein… doch
manchmal … mir gefällt der Gedanke, dass du drum bettelst…“
Ailia fragte sich, warum ihre Knie sich wie Pudding anfühlten. „Ich bettele
nicht…“, brachte sie heraus und hoffte, es klang normal.
„Luzy“, murmelte Trevor und sein Gesicht war nur noch wenige Zentimeter von
ihrem entfernt. „Bitte kleb mir eine, bevor ich irgendetwas Dummes in der
Richtung wie ‚Ich möchte, dass du dich ausziehst’ sage.“
Ailia hob ihren gesunden Arm um seinen Hals und fuhr durch seine dunklen, wirren
Haare. „Ich denke nicht, dass ich das heute ohne Hilfe schaffe…“
Er benötigte eine Weile, ehe die Worte in seinen Kopf durchsickerten.
Wahrscheinlich starrte er sie sehr entgeistert an, denn sie fing an zu lächeln.
„Was…?“, brachte er dann mühsam heraus.
„Etwas begriffsstutzig?“, flüsterte Ailia, beugte ihren Kopf nach vorn und fuhr
mit der Zunge über seine Lippen. Sie hörte ihn scharf die Luft einziehen und
wurde im nächsten Moment gegen das Geländer gepresst. Seine Hand fuhr in ihre
Haare und hielt ihren Kopf fest, als seine Zunge in ihren Mund stieß. Er stöhnte
leise und Ailia fühlte überdeutlich seine Erregung durch den dünnen Stoff des
Kleides.
Trevor glaubte sich fast wirklich in einem seiner Träume. Vielleicht war er doch
vollkommen betrunken in seinem Bett gelandet und gab sich wieder seinen
Fantasien hin. Dann traf der Geruch ihrer Erregung seine mutierten Sinne und er
spürte, wie sie ihre Hüften gegen seine Erektion presste. Mit einem Aufstöhnen
riss er seinen Kopf von ihr los und starrte sie keuchend an. „Sag jetzt nicht“,
stieß er hervor, „dass das ein Spiel ist.“
„Sieht es so aus?“ Ailia fand es plötzlich einfach fantastisch zu sehen, wie er
um seine Beherrschung kämpfte. Ihre Lippen wanderten über seinen Hals,
knabberten an seiner Haut und sie spürte wie sich seine Hand in ihren Haaren
verkrampfte.
„Bist du betrunken, Luzy?“ Oh Gott, er würde sterben, wenn sie aufhörte.
„Nun ja“, meinte sie leise, während ihre linke Hand mühsam begann, die Knöpfe
seines Hemdes zu öffnen. „So ganz nüchtern bin ich nicht.“ Er schloss die Augen,
als ihre Lippen die Haut berührten, die ihre Finger frei legten. „Zumindest
mache ich mir im Moment keine Gedanken darüber, wohin das führen soll…“
„Also ich weiß, wohin das führt“, murmelte er heißer, ohne sich zu rühren, da er
nicht wollte, dass sie ihre Tätigkeit unterbrach. Er wusste genau, dass sie das
nicht meinte, aber er hatte im Moment auch keine Lust, sich über ein Morgen den
Kopf zu machen.
Sie versuchte, ihm mit einer Hand das Hemd von den Schultern zu streifen und er
half ihr, indem er es einfach zu Boden rutschen ließ.
„Du riechst gut“, flüsterte sie.
Ihre Zunge umspielte seine Brustwarzen und als sie ihn sanft biss, fuhr er
zusammen und riss sie an sich. Wo zum Teufel hatte sie das denn jetzt her? Er
hob sie an, fühlte wie sie Halt suchend ihre Beine um ihn schlang und mit dem
Arm seinen Hals umklammerte.
Er fühlte die Nässe zwischen ihren Beinen durch den Stoff seiner dünnen Jeans
und wurde fast wahnsinnig. Unbewusst presste er sie gegen das Geländer und rieb
sich selbst an ihrer Mitte. Bis sie ihn unterbrach.
„Nicht hier… Bett …“ Sie klang genau so atemlos wie er sich fühlte.
Mit ihr zusammen, drehte er und stürzte zurück in sein Schlafzimmer. Ihr Arm,
hämmerte sein kaum noch klar denkender Kopf, denk an ihren Arm. Er sank zu
Boden, als er sie auf der Bettkante absetzte. Und für einen Moment konnte er
einfach nur zu ihr hoch starren. Sie holte keuchend Luft, ihre Wangen waren
gerötet und die dunklen Augen glänzten im Licht der schwachen Lampe.
„Wie zum Teufel zieht man dieses Kleid aus?“, schaffte er wieder an das
naheliegendste zu denken.
„Über den Kopf“, half sie ihm.
„Steh auf.“ Trevor erhob sich ebenfalls, nahm ihr vorsichtig die Armschlinge ab
und warf sie zur Seite. Dann zog er ihr mit einer schnellen Bewegung diesen
Hauch von Nichts über den Kopf. „Setzen“, kommandierte er wieder und sah ihr
feines Lächeln.
„Wie wäre es, wenn du deine Hose jetzt ausziehst?“, erkundigte sie sich und sank
auf die Bettkante. „Ich glaube, das letzte Mal, hatte ich keine Gelegenheit, dir
dabei zuzusehen…“
Das Grinsen, das in sein Gesicht trat, verursachte schlagartig einen neuen Druck
zwischen ihren Beinen. Ohne sie aus den Augen zu lassen, knöpfte er die Hose auf
und streifte sie seine Beine hinab. Und blieb stehen. „Gefällt dir, was du
siehst, Luzy?“, schnurrte er und ging vor ihr in die Knie.
Ein Schauer lief über ihre Haut, als er den Kopf senkte und seine Lippen über
die glatte Haut ihrer Schenkel fuhren. Sie lehnte sich auf ihrem gesunden Arm
zurück und schloss einen Moment die Augen. Dann fühlte sie seine Finger am Bund
ihres Slips und hob kurz die Hüften an, damit er ihn ihre Beine hinabgleiten
lassen konnte.
„Verdammt, Luzy“, murmelte er heißer. „Der Geruch deiner Erregung raubt mir noch
den Verstand.“ Seine Finger fuhren an ihren Beinen nach oben, verharrten auf
ihren Knien und spreizten sie.
Ailia wunderte sich, dass sie diesmal so überhaupt keine Verlegenheit empfand.
Der Gedanke, dass er sie in dem Augenblick roch, in dem sie feucht wurde,
erregte sie unwahrscheinlich. Trotzdem schaffte sie es zu sagen: „Ohne die
Schuhe…“
Er lächelte, zog ihr erst den linken und dann den rechten Schuh aus. Fasziniert
beobachtete Ailia, wie seine Lippen ihr Bein hinaufwanderten. Er kniete jetzt
direkt zwischen ihren Knien, die seine Hände noch immer in ihrer Position
hielten.
Irgendetwas in ihr schrie danach. Dass er sie endlich berührte, doch er neckte
sie nur und seine Lippen verharrten vor ihrer Mitte, knabberten an der zarten
Haut der Innenseite ihrer Oberschenkel und wanderten dann zu ihrem Bauch. Ailia
hatte den Kopf in den Nacken gelegt. Sie spürte seine Finger an ihrem anderen
Bein hinaufgleiten und seufzte leise.
„Oh Gott“, murmelte sie fast frustriert, als auch seine Finger anstatt zwischen
ihre Beine, über ihre Hüften strichen. Unbewusst stieß sie sich ihm entgegen und
wimmerte leise, als sie sich gegen seine Brust presste. Seine Hände schoben sie
auf die Bettkante zurück.
„Sei nicht so ungeduldig“, schimpfte er gespielt, obwohl seine eigene Erektion
anfing zu schmerzen.
„Oh Trev … verdammt“, flüsterte sie, fühlte wie seine Hände ihre Beine weiter
spreizten und sein Kopf zwischen ihren Beinen versank. „Ja… oh Gott… ja …
bitte…“
Seine Zunge fuhr kurz über ihr feuchtes Fleisch. „Ich dachte, du bettelst nicht,
Luzy“, grinste er und seine Hände fuhren ihre Schenkel hinauf.
„Mach…ich…nicht…“, brachte sie stoßweise hervor und kippte rückwärts auf das
Bett, als sich seine Lippen um ihre Klitoris schlossen und er zu saugen begann.
Wieso machte sie das so wahnsinnig?! Ihre Hüften schienen sich zu
verselbständigen, stießen ihm entgegen und sie schnappte nach Luft, als er einen
Finger in sie stieß. „Oh Gott…ja…“
Es war wie ein kleines Sterben. Alles in ihr zog sich zusammen, verdichtete sich
an einem Punkt und wartete nur darauf, sich zu entladen… und er hob seinen Kopf.
„Verflucht!“, schrie sie unbeherrscht auf.
„Luzy“, murmelte er verzückt. „Ich glaube, ich möchte das Bitte doch gern mal
hören…“
Ailia stöhnte auf. „Du bist ein verfluchter…“ Sein Daumen streifte über ihre
geschwollene Klitoris und sie stammelte weiter. „…verfluchter…Mist…kerl…“ Seinem
Finger folgte ein zweiter, sie stießen in einem steten Rhythmus in sie und er
senkte den Kopf, um mit seiner Zunge den sich ihm entgegen reckenden Knoten zu
umfahren. „Trev! Komm schon…“, jammerte Ailia, wollte nach seinen Haaren
greifen, doch er fing ihre Hand ein. „Trev, bitte…bitte…“
Er saugte die pochende Perle in seinen Mund und das war alles, was sie brauchte.
Ailia schrie, als der Orgasmus sie mit ungeahnter Wucht traf, ihre Muskeln sich
um seine Finger zusammenzogen und sich ihr Körper aufbäumte. Trevor lehnte seine
Stirn an sie und atmete tief durch, als der Sturm durch seinen Kopf jagte.
„Das … war … gemein“, keuchte Ailia und fühlte seine Lippen ihren Körper hinauf
wandern.
„Rutsch hoch“, sagte er leise, während er ihr folgte. Ihre Hand umfing seinen
Kopf, fuhr durch seine Haare, als sich seine Lippen um ihre noch von dem
Spitzen-BH bedeckte Brust schlossen. Seine Hände trafen sich kurz auf ihrem
Rücken, um den Verschluss zu öffnen und im nächsten Moment flog ihr BH neben das
Bett. Dann waren seine Lippen auf ihrem Mund und sie stöhnte wieder, als sie ihn
zwischen ihren Beinen spürte.
Er achtete sorgfältig darauf, ihren verletzten Arm nicht zu berühren und ein
eigenartiges Gefühl durchflutete Ailia, weil sie das Feuer in seinen Augen sah
und wusste, dass er nichts lieber tun würde, als ihr buchstäblich den Verstand
aus dem Kopf zu vögeln. Sie strich ihm fast zärtlich über sein Gesicht.
„Ich will dich“, flüsterte er heiser. „Ich will dich mehr als irgendetwas
anderes auf dieser Welt, Luzy.“
„Ich weiß“, hauchte sie und küsste ihn sanft. Sie rieb sich an ihm, spreizte die
Beine einladend noch weiter und fühlte ihn dazwischen gleiten.
„Ich will dir nicht wehtun. Also versuchen wir die sanfte Tour, ja?“, murmelte
er keuchend und drang in sie ein.
Ailia schloss die Augen, als die Sensation ihre Sinne übermannte. Es fühlte sich
so richtig an, ihn in sich zu spüren, so fantastisch, so… Sie seufzte, spürte
seine Anspannung und eine ihr völlig unbekannte Zärtlichkeit stieg in ihr hoch.
Ihre Beine schlangen sich um seine Hüften und er stieß mit einem Aufstöhnen
tiefer in sie.
Trevor war im Himmel. Sie in seinem Bett, er in ihr und sie ließ es freiwillig
zu. Sie wollte ihn auch und mit ihren am gestrigen Abend geflüsterten Worten im
Kopf, schnellte seine Erregung in dem Maß in die Höhe, wie er seine Stöße
beschleunigte. Er sah wie ihr Kopf keuchend zurück flog, ihr Körper ihm
antwortete und er war einfach nur glücklich. Natürlich machte er sich keine
Illusionen. Aber wenn sie zugab, dass sie ihn ebenso wollte, wie er sie, bestand
zumindest die Chance, dass es auch eine Wiederholung der heutigen Nacht gab…
„Morgen, Luzy.“
Ailia blinzelte, öffnete die Augen und schaute in Trevors sie amüsiert
angrinsendes Gesicht. Postwendend schloss sie ihre Augen wieder, rollte
demonstrativ auf die andere Seite und… stöhnte unterdrückt auf, als der Schmerz
durch ihren Arm schoss.
„Verflucht“, knurrte sie missmutig und drehte sich wieder auf den Rücken. „Du
kannst dir dein zufriedenes Grinsen schenken.“
„Ich würde es eher befriedigt nennen…“ Er lachte leise und rutsche an ihre
Seite. „Komm schon, Luzy. Sei nett zu mir. Ich hätte gern so einen schönen
Morgen danach…“
„Wir sind hier nicht in einem schmalzigen Liebesfilm“, murmelte Ailia, obwohl
sie sich das Lachen verkneifen musste. „Außerdem hattest du den beim letzten Mal
schon, wenn ich mich recht entsinne…“
„Ja?“ Seine Hand kroch unter der Decke zu ihrem nackten Bauch.
„Ja“, nickte sie und musste jetzt doch kichern. „Es kann natürlich sein, dass du
dich nicht mehr so richtig daran erinnerst, weil du mehr zu verarbeiten hattest,
was du gesagt hast…“
Trevor grinste, berührte mit den Lippen federleicht ihre Schulter und hauchte:
„Vielleicht sollte ich dir beichten, dass du im Schlaf noch mehr gesagt…“
Ihr Kopf schoss herum und ihr fast erschrockener Blick ließ ihn schmunzeln.
„Was?!“
„Hm“, machte er und seine Lippen wanderten zu ihrem Hals. „Etwas, das mich zu
der Annahme verleitet, dass da jemand ist, der sich selbst belügt.“
Oh nein! Was für einen Schwachsinn hatte sie denn gesagt. „Was… was habe
ich gesagt?“ Sie fühlte sich plötzlich ganz eigenartig, als hätte sie Angst vor
seiner Antwort.
Trevor schlang seinen Arm um ihren Hals und zwang sie, sich wieder zu ihm
umzudrehen. Seine Lippen strichen kurz über ihren Mund, ehe er seine Stirn an
ihre lehnte. Und Ailia spürte plötzlich, wie er Verbindung zu ihrem Geist
aufnahm. Es war neu, aber nicht das erste Mal, dass sie sich rein telepathisch
unterhielten. Diesmal jedoch sandte er gleichzeitig Bilder.
Sie sah sich selbst, schlafend, fühlte seine Zärtlichkeit, als er ihr die Haare
aus der Stirn strich, sich zu ihr beugte und sie auf die Stirn küsste.
Ich liebe dich, Luzy.
Lieb dich auch.
Sie fuhr zurück, brach den telepathischen Kontakt und starrte ihn aus panisch
geweiteten Augen an. Er sagte nichts, wich ihrem Blick jedoch auch nicht aus,
sondern wartete ruhig auf ihre Reaktion. Ailia konnte jetzt nicht einmal
behaupten, dass er sie anlog. Seine Erinnerungen konnte er nicht verfälschen.
Vielleicht hatte er deshalb diese Methode gewählt.
„Ich würde sagen“, brach er dann das Schweigen, „…du kannst dich nicht einmal
damit herausreden, dass es die Hitze des Augenblicks war…“
„Ich habe geschlafen…“, brachte sie schwach hervor.
„Eben.“
Ailia warf panisch die Decke von sich und sprang auf. „Ich liebe dich nicht“,
stieß sie hervor und suchte nach ihrem Kleid. „Niemals! Vielleicht bin ich von
dir etwas… angezogen… Weil der Sex toll ist… Das ist alles! Ich liebe dich
nicht!“ Ohne ihn noch einmal anzusehen, stieß sie die Tür zu ihrem Zimmer auf
und ließ sie hinter sich wieder zuknallen.
Trevor seufzte, verschränkte die Hände hinter dem Kopf und starrte zur Decke.
Toll hingekriegt, Blödmann, sagte er zu sich selbst.
Vielleicht hätte er sich besser gefühlt, wenn er gewusst hätte, dass Ailia an
der anderen Seite der Tür zusammensank und ihr Gesicht in den Händen vergrub.
***********
Es war gegen Mittag, als Delaron anrief. Er entschuldigte sich mehrmals und bat
dann Ailia nur um eine kleine telepathische Überwachung in einem berühmten
Nachtclub Los Angelos. Sie sollte nichts weiter tun, als den Club scannen und
einfach den Abend genießen, Mark und Kevin würden sie begleiten. Ailia sagte zu,
eigentlich war sie sogar froh darüber, weil sie plötzlich Angst hatte, den Abend
mit Trevor in dem Haus zu verbringen.
Trevor hatte mit den Schultern gezuckt und gemeint, warum nicht einmal den Abend
in einem anderen Club als seinem eigenen verbringen. Er ignorierte Ailias
Hinweis, dass er den Abend nicht in dem Club verbringen musste und sagte nur,
sie könne reden wie sie wolle, er würde nicht von ihrer Seite weichen.
Ailia trug wieder das schwarze kurze Kleid, hatte diesmal jedoch ihre Haare
hochgesteckt und eine breite silberne Kette umgehängt. Trevor lächelte, als sie
die Treppe hinunter kam und griff nach ihrer Hand.
„Bereit für eine Begegnung mit Dreamboy?“, fragte er spöttisch. „Wozu ist seine
Anwesenheit eigentlich nötig?“
Ailia grinste schwach. „Ich wette, er hat Jim genervt.“
Die beiden Männer warteten schon auf sie. Während Mark Trevor herzlich begrüßte,
fiel Kevins Begrüßung reichlich frostig aus. Dafür nahm er Ailia in Beschlag und
begann, sie mit Fragen zu bombardieren. Trevor verkniff sich eine bissige
Bemerkung, weil er den Abend nicht gleich mit einem Streit beginnen wollte und
folgte Mark in den Club.
Sie suchten sich einen freien Tisch und diesmal verdrehte Trevor die Augen, als
Kevin es so arrangierte, dass er neben Ailia saß und Trevor ihr gegenüber. Ailia
warf ihm einen kurzen warnenden Blick zu, sagte aber ebenfalls nichts.
Der Club war genau so voll wie Trevors, aber nicht ganz so groß. Trevors Augen
musterten unauffällig die Einrichtung und die Organisation durch unscheinbare
Aufpasser. Einige Dinge entsprachen nicht seinem Geschmack, aber darüber ließ
sich bekanntlich streiten.
„Wonach suchen wir eigentlich?“, fragte er, nachdem ihnen zwei Flaschen Wein
serviert worden waren.
„Du musst gar nichts machen, Trevor“, erklärte Kevin hochmütig. „Das ist Ailias
Job.“
Trevor musterte ihn mit einem eisigen Grinsen. „Nach was suchst du denn, Luzy?“,
erkundigte er sich dann gelangweilt.
„Es wird vermutet, dass in den Hinterzimmern zu diesem Club geheime Absprachen
in Verbindung mit dem Menschenhandel stattfinden. Und ehe wir eine Großrazzia
starten, wollen wir uns vergewissern, dass es auch so ist“, erklärte Kevin, ohne
ihn anzusehen.
Trevor schmunzelte nur und wurde dann von Mark in ein Gespräch gezogen, der die
Spannung am Tisch genau so bemerkte.
Mit Fortschreiten des Abends und dem Genuss von Alkohol lockerte sich die
Atmosphäre etwas. Mark nutzte die Gelegenheit, um etwas über den zweiten
Mutanten der Welt zu erfahren und Kevin gab sich, je später es wurde, redlich
Mühe, sich seine Abneigung gegen Trevor nicht allzu sehr anmerken zu lassen.
Jeder der Männer wollte mit Ailia tanzen und sie gab lächelnd nach. Trotz des
noch immer in der Armschlinge hängenden Arms, kam sie mit allen der drei
wunderbar zurecht. Aber sie war sehr froh, dass Trevor anzügliche Bemerkungen
wegließ und Kevin seine Befragung, mit der sie schon gerechnet hatte, nicht
durchführte.
Alles in allem schien es ein lustiger Abend zu werden. Sie fanden bis zu diesem
Moment keine Anzeichen, die den Verdacht Delarons bestätigten, beschlossen aber,
noch ein wenig zu bleiben.
Ailia, etwas erhitzt vom Tanzen, ging zur Bar und kam mit einem Getränk an den
Tisch zurück, das der Barkeeper als Elcapona bezeichnete. Sie hatte keine so
richtige Ahnung, was darin war, aber es sah köstlich aus. Es schmeckte auch so,
wie Ailia feststellte, als sie kurz an dem dicken Strohhalm saugte, der in der
schaumig weißen Flüssigkeit steckte. Irgendwie süß und fruchtig.
Trevor runzelte die Stirn, als sie sich wieder an den Tisch setzte. „Was ist das
für Zeug? Betrink dich bloß nicht. Sonst schläfst du wieder ein und redest
irgendwelches Zeug.“
Ailia funkelte ihn böse an.
„Ailia redet im Schlaf?“, erkundigte sich Mark amüsiert.
Trevor grinste, ohne Ailia aus den Augen zu lassen. „Nur wenn sie betrunken
ist.“
Kevin biss die Zähne zusammen. „Du solltest wenigstens den Anstand haben und uns
nicht noch mitteilen, dass du sie im Schlaf siehst!“
Trevor lächelte weiter undurchsichtig und Ailia sagte nur eisig. „Ich bin auf
der Couch eingeschlafen, Kevin!“
„Sie hat ein eigenes Schlafzimmer, Dreamboy“, grinste Trevor. „An Schlafzimmern
mangelt es in meinem Haus nicht.“
Kevin antwortete nicht, dafür horchte Mark neugierig auf. „Wie groß ist denn das
Haus?“
Als Trevor begann, sein Haus zu beschreiben, wurden Marks Augen immer größer und
Kevin recht bleich. „Wow“, stieß er dann hervor. „Du wohnst da allein? Direkt
auf den Klippen? Kein Wunder, dass Ailia so schön braun ist. Wie groß ist der
Pool?“
Ailia lauschte schmunzelnd wie die beiden sich in ein Gespräch über Häuser,
Pools, Gästezimmer und Butler vertieften. Sie zwang sich gewaltsam, nicht in
Kevins Richtung zu lauschen oder zu schauen und nahm ihr Glas in die Hand.
Gedankenverloren musterte sie das Gedränge auf der Tanzfläche bis Marks Lachen
ihre Aufmerksamkeit wieder auf das Geschehen am Tisch lenkte.
„Ailia“, kicherte der dunkelhaarige Mann. „Ich habe mal gehört, Männer finden es
sehr erotisch, wenn eine Frau aus einem Strohhalm trinkt.“
Ailia sah ihn einen Moment an, als habe er den Verstand verloren, ehe ihr die
Röte ins Gesicht schoss.
„Mark!“, fuhr Kevin auf. „So eine Bemerkung hätte ich von Trevor erwartet, aber
nicht von dir!“
Mark musste schon mehr getrunken haben als Ailia bemerkt hatte, denn er lachte
nur. „Kevin, tu nicht so als ob du nicht drauf stehst!“
Ailia wusste gar nicht, wohin sie schauen sollte, weil Kevin nun genau so rot
wurde und Trevor sie mit einem feinen Lächeln um den Mund musterte.
„Ich stehe nicht darauf!“, fuhr Kevin Mark an. „Ich finde es erniedrigend, so
etwas von einer Frau zu verlangen!“
„Echt?“ Mark stutzte. „Dir hat noch nie eine Frau einen geblasen?“
„Müssen wir dieses Thema vor Ailia diskutieren?!“, giftete Kevin.
„Also ich finde es toll“, redete Mark unvermindert weiter und Ailia musste jetzt
ebenfalls lächeln, als sie Kevins Verlegenheit bemerkte. „Ich verstehe gar
nicht, was du hast. Was ist mit dir, Trevor?“
Trevor sah weiterhin nur Ailia an. „Ich mag es auch“, sagte er nur.
„Warum überrascht mich das jetzt nicht?“, kam es von Kevin sarkastisch. „Ich
kann mir absolut nicht vorstellen, was euch das gibt, eine Frau auf die Knie zu
zwingen!“
„Wer redet denn von zwingen?“ Mark schüttelte den Kopf. „Vielleicht sollten wir
mal eine Frau fragen. Ailia?“
Ailia sah sich plötzlich mit drei Augenpaaren konfrontiert, die sie neugierig
anstarrten. „I-ich?“, stotterte sie verblüfft.
„Hast du es schon mal getan?“ Mark schien eindeutig zu viel getrunken zu haben,
wenn er plötzlich solche Fragen stellte. „Wir wollen ja nicht wissen, wer es
war, aber hatte es dir gefallen? Und ihm?“
Trevor zwang sich mühsam, ein ernstes Gesicht zu behalten, als er dem
fassungslosen Ausdruck in Ailias Gesicht begegnete. Amüsiert stützte er sein
Kinn auf seine Hand. „Ja, Luzy, das würde uns schon mal interessieren.“
„Dich braucht das gar nicht zu interessieren!“, zischte Kevin schon wieder von
der Seite.
Ailia funkelte Trevor an und sah dann zu Mark. „Ja, ich habe es getan. Einmal.
Und ich denke, es war...interessant.“
„Interessant?!“, brachte Kevin hervor.
„Ja“, antwortete sie liebenswürdig. „Ich weiß zwar nicht, ob es mit einem
anderen Mann auch so wäre. Vielleicht sollte ich es einmal probieren...“ Trevors
Augen verengten sich bei ihren Worten, „aber dieser eine hat ganz schön die
Kontrolle über sich verloren. Das fand ich schon toll. Vor allem, weil er dann
Dinge gesagt hat, die er im Normalfall niemals über die Lippen gebracht
hätte...“ Trevor sah jetzt eindeutig so aus, als wolle er sie erwürgen und sie
lächelte ihn unschuldig an. „Ist das so? Macht das alle Männer so schwach?“
Markt lachte, ohne die Spannung zu bemerken, die plötzlich am Tisch herrschte.
„Ich glaube schon. Ich habe allerdings gehört, dass es anders herum genau so
sein soll. Hab mich bloß noch nicht überwinden können, das mal bei einer Frau
auszutesten.“
„Gott, ihr seid ekelhaft.“ Kevin lehnte sich zurück und kippte sein Bier
hinunter. „Könnten wir jetzt das Thema wechseln? Das ist ja peinlich!“
„Was?“ Ailia ignorierte seinen Einwand und starrte Mark an. „Du willst, dass
eine Frau dir einen bläst und wenn sie das von dir verlangen würde, kneifst du?“
Mark verzog das Gesicht. „Also der Gedanke, mit meinem Kopf zwischen ihren
Beinen zu verschwinden, hat schon etwas Eigenartiges an sich...“
„Gefällt es dir, Luzy?“, fragte Trevor sanft.
Sie drehte den Kopf und begegnete seinem wissenden Blick. Hitze stieg in ihre
Wangen und verursachte ein Kribbeln, das ihr Rückrat hinauf lief, als sie sah
wie er seine Zähne in seine Unterlippe grub. „Ja“, antwortete sie leise.
„Gefällt es dir?“
„Oh ja.“ Sein Grinsen sandte ein Pochen zwischen ihre Beine. „Es macht eine Frau
hilflos. So hilflos, dass sie anfängt zu betteln...“
Ailia schnappte ihr Glas und saugte demonstrativ an ihrem Strohhalm, um nicht
antworten zu müssen. Was auch...
„Echt?“ Mark sah Trevor neugierig an.
„Probier es einfach aus, Mark“, antwortete dieser, während er beobachtete, wie
sich Ailias Lippen um den Strohhalm schlossen. Mark hatte Recht. Das hatte etwas
Erotisches. Vor allem, wenn man wusste, wie sich diese Lippen an einem
bestimmten Körperteil anfühlten.
Ailias Augen hatten sich verengt. Sie sah seinen Blick und weil sie genau
wusste, woran er jetzt dachte, fiel ihr gar nicht im Traum ein, den Strohhalm
loszulassen. Na warte, dachte sie belustigt, während sie weiter an der cremigen
Flüssigkeit nuckelte.
Trevor wurde heiß. Sie war ein verdammtes Miststück. Er sagte sich, dass er
seine Augen abwenden und sich mit Mark unterhalten sollte, doch er sah das
Funkeln in diesen dunklen Augen und starrte wie hypnotisiert auf ihren Mund.
Wieso hatte Mark davon angefangen?! Doch es war zu spät. Die Erinnerung war da
und er fühlte einen bestimmten Körperteil erwachen.
Ailia setzte das Glas ab, fuhr gedankenverloren mit der Zunge über ihre Lippen
und leckte Reste des Getränks mit weg. Amüsiert bemerkte sie, wie Trevor die
Zähne zusammenbiss, lächelte ihn freundlich an und schloss ihre Lippen erneut um
den Strohhalm. Es war wirklich fantastisch zu sehen, wie ihn das aus der Fassung
brachte.
Er würde sie gleich erwürgen. Sie saugte mit halb geschlossenen Augen wie
weggetreten an dem Strohhalm und Trevor wettete, dass jeder, der sie
beobachtete, wusste, worüber sie gerade nachdachte. Natürlich außer den Beiden
an ihrem Tisch. Kevin, weil er zu blöd und Mark, weil er zu betrunken war, es zu
bemerken. Trevors Hand umkrampfte sein Glas, während er zuschaute, wie sie
schluckte und stöhnte unterdrückt auf. Sie machte das mit Absicht. Und mit
diesem verruchten Grinsen im Gesicht, das er an ihr nicht kannte und das ihn in
den Wahnsinn trieb.
Bleib ruhig, Mann, wies er sich selbst zurecht. Sie spielt.
Ailia überlegte, wohin ihn das treiben könnte. Leider war ihr Glas leer und sie
musste es notgedrungen auf den Tisch zurückstellen. Natürlich nicht, ohne noch
einmal ihre Lippen zu befeuchten. Sie konnte förmlich Trevors lautlosen Fluch
hören und fühlte sich einfach himmlisch.
Mark hatte sein angefangenes Thema schon wieder vergessen und schwatzte auf
Kevin ein, der einfach nur froh war, dass das Thema gewechselt hatte. Trevor
musterte mit einem jetzt düsteren Blick Ailia, die beschloss, dass es einfach
fantastisch wäre, es noch auf die Spitze zu treiben. Kurz entschlossen schnappte
sie ihr Glas und machte sich auf den Weg zur Bar.
Da es schon reichlich spät war, hatten sich die Mengen gelichtet und Ailia sagte
sich, dass sie, wenn sie einmal unterwegs war, auch gleich noch die Toilette
aufsuchen konnte. Eine erfrischende Kühle schlug ihr in dem gefliesten Raum
entgegen und sie musterte ihr erhitztes Gesicht im Spiegel mit einem Grinsen.
Ein paar Haarsträhnen hatten sich gelöst und sie steckte sie, so gut es mit
einer Hand ging wieder fest, ehe sie ihren Lippenstift erneuerte.
Dann machte es hinter ihr ‚Plop‘ und sie starrte Trevors Spiegelbild an wie
einen Geist. Ein sehr hinterhältiges Lächeln umspielte seine Lippen, als er sie
umdrehte und ihr den Lippenstift aus der noch immer bewegungslos in der Luft
hängenden Hand nahm und auf das Waschbecken legte.
„Netten Platz hast du ausgesucht, Luzy“, sagte er und schob sie kurzerhand in
eine der Toiletten.
Ailias Herz fing an zu hämmern. „Bist du wahnsinnig!“, kreischte sie fast
panisch und wollte an ihm vorbeidrängen bzw. ihn telekinetisch zur Seite
schieben, als die Tür aufging und sie gerade noch einen Blick auf zwei
eintretende junge Frauen werfen konnte, als Trevor die Tür schloss und
verriegelte.
„Spinnst du eigentlich?“, zischte sie und wollte ihn von sich stoßen, doch es
war zu eng in der schmalen gefliesten Kammer und er lächelte nur, als er seine
Hände neben ihrem Kopf abstützte.
„Luzy, ich habe ein Problem, an dem du Schuld bist“, hauchte er.
„Na und?“, fuhr sie ihn so leise wie möglich an. Sie hörte vor der Tür die zwei
Frauen schwatzen und wusste, dass sie jetzt auf keinen Fall aus der Tür treten
konnte.
„Das war nicht nett von dir, weißt du“, fuhr er sanft fort und strich mit der
Hand über ihren nackten Oberarm ihre Schulter hinauf. „Eigentlich ist es mein
gutes Recht, wenn ich jetzt von dir verlange, mein Problem zu beseitigen.“
„Du kannst mich mal“, fauchte sie und stieß mit der Hand gegen seine Schulter.
Er presste sich übergangslos gegen sie und sie schnappte nach Luft, als sie den
harten Beweis seines Problems an ihrem Bauch spürte. „Ich kann nichts dafür,
dass du so leicht erregbar bist“, murmelte sie halbherzig, während ihr durch den
Kopf ging, dass es Wahnsinn war wie er auf ein paar Gesten von ihr reagierte.
„Oh, das kannst du schon.“
Ehe sie reagieren konnte, lagen seine Lippen auf ihrem Mund und seine Zunge
drängte zwischen ihre Zähne. Und sie fragte sich, ob ihr Körper bescheuert war,
als sie die Hitze spürte, die in ihr hochstieg. Ihre Hand krallte sich in sein
Shirt und jeglicher Gedanke daran, ihn von sich zu stoßen, war verschwunden.
Dann vernahm sie im Unterbewusstsein, das Zuschlagen der Tür und riss ihren Kopf
von ihm los. „Bist du verrückt“, keuchte sie. „Wir sind auf einer Toilette.
Einer Damentoilette, um es genau zu sagen. Du wirst nicht hier...“ Sie drängte
an ihm vorbei zur Tür.
Doch sein Arm schlang sich um ihre Taille, zog sie zurück und drückte sie mit
dem Gesicht voran gegen die Wand. „Oh doch, ich werde...“, flüsterte er neben
ihrem Ohr und Ailia schloss die Augen, als er ihre freie Hand ergriff, auf ihrem
Rücken festhielt und die andere über ihrem Körper auf Wanderschaft gehen ließ.
„Ich werde dich umbringen, wenn du nicht aufhörst!“, zischte sie böse und wieder
ging die Tür und das Geplapper zweier Frauen erfüllte den Vorraum.
„Mach nicht so laut, Luzy“, hauchte er, als seine Hand unter ihrem Kleid
verschwand. „Du willst doch bestimmt nicht, dass die da draußen mitbekommen, was
wir hier tun?“ Seine Lippen strichen über ihren Hals. „Dir ist schon klar, dass
ich Erregung rieche, ja? Ich habe es schon an dem Tisch bemerkt, Luzy. Und hier
ist es zehnmal deutlicher. Also lüg mich nicht an...“ Er spürte sie zittern und
lächelte gegen ihre Haut. Wenn sie so komplett dagegen wäre, hätte sie ihre
telekinetischen Kräfte längst zum Einsatz gebracht. Seine Finger fuhren unter
den schmalen String, den sie trug und trafen auf die verräterische Nässe. „So
feucht, Luzy“, murmelte er amüsiert und sah, wie sie mit den Zähnen knirschte.
Du wirst das bereuen!, sagte sie telepathisch, weil sie wahrscheinlich
ihre Stimme nicht mehr leise genug unter Kontrolle hatte. Doch ihre Stirn sank
gegen die Wand, als seine Finger sanft ihre Klitoris umfuhren und dann in sie
eintauchten. Sie spürte seine Erektion in ihrem Rücken und ihre Beine wurden
schwach. Wieso nur spielte ihr Körper bei ihm so verrückt?
Er biss sie zärtlich in den Hals und ließ ihren Arm los. Ohne dass seine Finger
das Spiel zwischen ihren Beinen unterbrachen, zog er mit der anderen Hand den
String ihre Hüften hinab.
Ailia Hand wanderte die kalte Wand hinauf und presste sich auf ihren Mund, um
ein verräterisches Stöhnen zu unterdrücken, weil sie draußen noch immer die zwei
Frauen schwatzen hörte.
Das war ein Alptraum, ging es ihr durch den Kopf. Ich lasse nicht zu, dass er
das tut. Hier!? Sie hörte, wie er mit seiner Hose hantierte und das
Geräusch eines Reißverschlusses. Das Pochen zwischen ihren Beinen verstärkte
sich zu einem Schmerz, als sein Daumen über den sensiblen Knoten fuhr und sich
gegen ihn presste.
„Oh Gott, Trev“, flüsterte sie erstickt und drückte sich gegen seine Hand.
„Still, Luzy“, hauchte er und drängte ihre Beine etwas auseinander, soweit es
der String zuließ.
Ailia grub die Zähne in ihre eigene Hand und schwor sich, dass er dafür bezahlen
würde. Danach. Jetzt dachte sie erst einmal, dass sie sterben würde, wenn er sie
nicht sofort vögelte. Sie seufzte auf, als sie sein Glied zwischen ihren Beinen
spürte und seine Hände an ihren Hüften, als er sie etwas aushob und mit einem
unterdrückten Stöhnen in sie stieß.
Sie wimmerte auf, Trevor schlang seinen Arm um sie und legte seine Hand auf
ihren Mund. „Pst, Luzy“, kicherte er und verharrte kurz, weil die zwei Frauen
vor der Tür erschrocken lauschten.
„Hast du das gehört?“, fragte die eine. „Was war das?“
„Keine Ahnung. Vielleicht eine defekte Leitung“, mutmaßte die andere.
Ailia lehnte schwer atmend an der Wand und hoffte, dass die beiden endlich den
Raum verließen. Trevors Hand lag noch immer auf ihrem Mund, als er ein weiteres
Mal in sie stieß und sich tiefer in ihr vergrub. „Shit...“, presste sie hervor,
doch die Worte wurden zum Glück von seiner Hand verschluckt. Sie würde ihn
umbringen...
„Hallo?“, fragte die eine Frau wieder. „Ist da jemand?“
Ailia fluchte lautlos und hoffte, dass Trevor sich nicht bewegen würde. Er tat
ihr den Gefallen nicht, wahrscheinlich weil er sich einfach an ihr für ihren
Auftritt mit dem Strohhalm rächen wollte. Shit, Shit, Shit...dachte sie
und grub die Zähne in seine Hand, um nicht laut zu schreien.
„Es sind bestimmt defekte Leitungen“, meinte die andere Frau gelangweilt. „Komm
lass uns gehen.“
Ja, geht!, schrie Ailia und spürte Trevors mentales Lachen. Er holte
genau so keuchend Luft wie sie. Seine Hand hielt ihren Mund umklammert, während
die zweite mit ihrer Klitoris spielte, sie neckte und sanft rieb, während er
wieder und wieder tief in ihr verschwand.
Komm für mich, Luzy, wisperten seine Gedanken und Ailia schloss leise
wimmernd die Augen.
Sie hörte die beiden Frauen noch immer kichern und verfluchte Trevor, sich
selbst und ihr Spiel mit dem Strohhalm und glaubte ohnmächtig zu werden, wenn
sie weiter versuchen würde, sich zu beherrschen. Ihr Körper stand in Flammen,
sie spürte die nahende Explosion der Entladung und wusste genau, dass seine Hand
ihren Schrei höchstens dämpfen konnte.
Verdammt, geht, dachte sie wütend und fühlte das Zittern, dass sie
durchlief.
Lass dich gehen, Luzy, vernahm sie ihn wieder und verfluchte ihn mental,
komm für mich...
Er rammte in sie, presste seine Hand gegen sie und in dem Augenblick, als sich
die Tür hinter den beiden Frauen schloss, brach der Orgasmus mit solcher Wucht
auf Ailia herein, dass ihr schwarz vor Augen wurde und sie mit einem Aufschrei
gegen die Wand sank.
Yeah! Er warf sich gegen sie und vergrub sich in ihr, als er ihr folgte
und sich ihre Gedanken in einem Taumel der Ekstase verbanden.
Ailia schien kurz weggetreten gewesen zu sein, denn sie begann erst wieder zu
denken, als er sich aus ihr zurückzog und mit einer raschen Bewegung ihren Slip
wieder in die richtige Position rückte. Übergangslos stieg der Zorn in ihr hoch.
Sie fuhr herum und schlug im schneller ins Gesicht, als er reagieren konnte.
Selbst mit links.
„Du bist der unmöglichste Mensch, den ich kenne!“
Trevor ignorierte das Brennen seiner Wange, lehnte seine Hand neben ihren Kopf
und beugte sich zu ihr, so dass sie wieder bis zur Wand zurück weichen musste.
„Ich bin der Beste, den du je hattest“, erklärte er sanft, hauchte ihr einen
Kuss auf die Lippen und war im nächsten Moment verschwunden.
Ailia sank auf die Toilette und es dauerte eine ganze Weile, ehe sie sich
aufraffte, um die Spuren ihrer Eskapade zumindest notdürftig zu beseitigen.
Als sie zurück an den Tisch kam, hätte sie Trevor am liebsten
erwürgt, weil er sie mit einem derart süffisanten Grinsen bedachte, dass sie am
liebsten im Erdboden versunken wäre.
„Ailia“, rief Kevin, der zum Glück gar nichts bemerkte. „Wo warst du denn so
lange? Wir haben uns schon Sorgen gemacht!“
„Ich habe mich ein wenig umgesehen“, stieß sie hervor und stürzte ihr Glas
Wasser hinab.
„Hast du etwas ... interessantes entdeckt?“, erkundigte sich Trevor scheinheilig
und sie überlegte, ob es viel Aufsehen erregen würde, wenn sie ihm das Glas an
den Kopf warf.
„Nein!“, giftete sie ihn an. „Ich denke, es ist sowieso Zeit zu gehen. Wir
finden hier nichts mehr.“
„Kein Problem.“ Er sprang auf und auch Kevin und Mark kamen zu der Ansicht, dass
sie sich auf den Weg machen konnten.
Ailia ignorierte Trevor komplett und stürmte allen voran aus dem Club. Trevor
schlenderte mit in den Taschen vergrabenen Händen hinterher. Er überlegte, was
er tun sollte, wenn Ailia darauf bestand, in den Stützpunkt gebracht zu werden,
doch sie sagte nichts dergleichen. Sie verabschiedete sich von den beiden
Männern, die ihr noch einen schönen Urlaub wünschten, wandte sich dann an ihn
und streckte ihre Hand aus.
„Können wir?“ Ihre Stimme klang kalt wie Eis.
Sie waren kaum materialisiert, als sie seine Hand los ließ, als hätte sie sich
verbrannt und an ihm vorbei die Treppen hinauf stürzte.
„Schlaf gut, Luzy“, rief er ihr hinterher, während er ihr langsamer folgte und
noch hörte, wie sich ihre Tür mit einem lauten Knall hinter ihr schloss.
Seufzend betrat er sein Schlafzimmer, hörte wie rigoros der Schlüssel der
Verbindungstür umgedreht wurde und ging auf den Balkon, um noch eine letzte
Zigarette zu rauchen.
Ailia währenddessen kochte vor Wut. Dass er das gewagt hatte! Wenn die beiden
Frauen nicht gerade in dem Augenblick gegangen wären, hätten sie nicht mehr
verbergen können, was da gerade in der Toilette ablief. Ailia wurde im
Nachhinein noch rot, wenn sie daran dachte, dass ihr in diesem Moment so
ziemlich alles egal gewesen war. Und er hatte das gewusst. Und es darauf
angelegt.
Zornig riss sie sich das Kleid vom Körper, löste den Verband und stürzte in die
Dusche, um alles, was sie an ihn erinnerte, von ihrem Körper zu waschen. Ihr
Zorn hatte sich, trotz dem sie das Wasser noch einmal auf kalt gestellt hatte,
nicht abgekühlt. Sie verband ihren Arm neu und kroch mit noch viel wütenderen
Gedanken unter ihre dünne Decke und starrte die Verbindungstür an.
Und ihr kam plötzlich eine sehr schöne Idee. Sie schloss die Augen und griff
hinaus in den Pararaum.
********
Trevor hatte ebenfalls geduscht, sich aufs Bett geworfen und starrte irgendwie
gedankenverloren zur Decke, als er eine Berührung an seinem Körper spürte. Sein
Kopf fuhr hoch und natürlich war niemand da. Er zuckte zusammen, als es wieder
war, als streiche eine unsichtbare Hand über die Haut seines Bauches hinab zu…
Oh Shit! Er wollte aufspringen, doch die gleiche Kraft stieß ihn zurück
auf das Bett und ehe er die Gedanken für eine Teleportation sammeln konnte,
umschloss etwas seines Penis und begann ihn zu streicheln.
Trevor Hände ballten sich zu Fäusten, weil er wusste, dass nur eine einzige
Person dafür in Frage kam. „Luzy!“, knirschte er zwischen seinen Zähnen
hindurch.
Was ist denn, Trev?, fragte sie unschuldig.
Du wirst das bereuen! Sein Körper reagierte, allein durch den Gedanken,
dass sie es war, die ihn berührte, wenn auch nur mit ihren telekinetischen
Kräften. Komm rüber und mach es richtig!
Wo wäre denn da der Spaß, kicherte sie. Stell dir einfach vor, es wäre
mein Mund. So wie heute bei dem Strohhalm, ja?
Er fluchte lauthals. Sie drückte ihn gegen die Laken, er konnte sich nicht
rühren und starrte hilflos seinen Körper hinab, dorthin wo sein erigierter Penis
kerzengerade in die Luft stand. Er würde ihr den Verstand aus dem Kopf vögeln,
wenn sie damit fertig war. Schweiß perlte auf seiner Stirn und sein Atem
beschleunigte sich, als sie den Druck verstärkte und kurz gegen die empfindliche
Spitze schnippte. Obwohl er die Zähne zusammenpresste, konnte er nicht
verhindern, dass sich ein Stöhnen zwischen seinen Lippen hindurchdrängte. Und
ihr leises Lachen in seinem Kopf trieb ihn in den Wahnsinn.
Und er konnte nichts tun. Er konnte nicht einmal seine Hände bewegen, um das
alles zu beschleunigen, an einen Kampf gegen ihre telekinetischen Kräfte
brauchte er in dem Zustand, in dem er sich jetzt befand, gleich gar nicht zu
denken.
Luzy, du bist ein hinterhältiges Miststück!
Gefällt es dir nicht?
Sie klang schmollend und er stellte sich vor wie sie ihre Lippen verzog.
Fluchend versuchte er seine Hüften zu bewegen und ächzte auf, weil es keinen
Sinn hatte. Er fühlte, wie Schauer über seinen Körper liefen und sein Kopf flog
zurück.
Tut dir Leid, was du getan hast?
Nein!!!
Sein mentaler Schrei klang sehr verzweifelt und Ailia lachte wieder. Schade.
Trevor fluchte, als ihre Berührung plötzlich schwächer wurde, bis sie ganz
verschwand. Und er konnte sich noch immer nicht rühren. Luzy? fragte er
nach einer Weile und schrie als er keine Antwort bekam. „Luzy, du elendes
Miststück! Hör auf damit!“
Er schrie fast auf, als sich als Antwort ihre Kraft um seinen Penis zusammen zog
und ihm fast schwarz vor Augen wurde, weil sein Körper fast ekstatisch bebte.
Tut es dir Leid?
Das nein lag ihm schon wieder auf der Zunge, aber er ahnte, dass sie das
eine ganze Weile hinziehen konnte. „Ja doch, verflucht!“, stieß er hervor.
Sag es.
Ihr den Verstand aus dem Kopf vögeln war eindeutig nicht schlimm genug. Es tut
mir Leid.
Wie wäre es jetzt mit betteln?
Ich bringe dich um!!! Er bäumte sich auf und schwor sich, sie für all das
bezahlen zu lassen. Wenn er wieder klar denken konnte…
Das klang nicht, als würdest du um etwas bitten… Ein Hauch, sanft als
wären es ihre Lippen strich an seinem Penis auf und ab. Das könnte meine
Zunge sein, Trev…
Trevor stellte sich vor, es *wäre* ihre Zunge. Schon seit einer Weile, sie
musste da nicht extra noch drauf hinweisen. In seinem Kopf tauchte die Vision
seines Traumes auf. Sie in Handschellen, ohne die Möglichkeit, verhindern zu
können, dass er in ihren Mund stieß. Eine wirklich schöne Vision. Er fluchte
wieder, weil die Berührung verklang.
Luzy… flüsterte er, komm schon … bitte…
Die Berührung war wieder da, hauchzart erst und dann stärker umschloss sie ihn
und jagte seinen Puls in die Höhe. Oh Gott, ja…
Mach weiter, Trev…
Bitte…bitte…bitte…
Er kam übergangslos mit einem Schrei und sein Sperma spritzte auf seinen Bauch,
ohne dass er es verhindern konnte. Und es war ihm auch egal. Schauer der
Erleichterung und Lust jagten durch seinen Körper und er sank vollkommen
erschlafft zurück auf das Bett. Sein eigener Herzschlag dröhnte in seinen Ohren,
während er keuchend nach Luft rang.
Es dauerte bestimmt zehn Minuten, ehe er sich wieder soweit sammeln konnte, nach
einem Taschentuch griff und die Sauerei auf seinem Bauch beseitigte. Sie sollte
das machen, dachte er zornig, am besten mit ihrer verfluchten Zunge!
Er warf das Taschentuch zerknüllt neben das Bett, als er sie wieder spürte.
Nette Vorstellung. Hat mir gefallen.
Er teleportierte übergangslos, materialisierte in ihrem Bett, berührte sie und
teleportierte zurück in sein eigenes Schlafzimmer. Ailia schrie erschrocken auf,
weil sie mit dem plötzlichen Überfall nicht gerechnet hatte. Sein Körper presste
sie unter sich gegen das Bett, während er sie fast wütend anstarrte.
„So du kleines Aas“, stieß er hervor. „Dann wirst du auch gefälligst da
schlafen, wo du hin gehörst! In meinem Bett!“
„Du bist überheblich“, antwortete Ailia hochmütig und knurrte fast gereizt, als
er mit einem bösen Grinsen sein Knie zwischen ihre Beine drängte. „Lass das!“
„Uh“, machte er nur gehässig. „So feucht. Hat dich meine Vorstellung etwas
angemacht, kleine Mutantin?“
„Nein, überhaupt nicht“, log Ailia ohne mit der Wimper zu zucken, funkelte ihn
genau so an wie er sie, während sie sich gleichzeitig plötzlich gegen ihn
presste. „Vielleicht hat es mich einfach angemacht, dich betteln zu…“
Seine Lippen krachten auf ihren Mund, ehe sie den Satz vollenden konnte. Ihre
Hände hoben sich halb abwehrend, doch er fing sie und drückte sie zu beiden
Seiten ihres Kopfes gegen das Laken.
„Mein Arm“, beschwerte sich Ailia.
„Luzy“, fauchte er wütend. „Ich werde dich jetzt noch einmal ordentlich vögeln
und dann ist endlich Ruhe!“
„Ich will nicht“, schmollte sie.
Trevor senkte den Kopf, so dass sich ihre Lippen fast berührten und knurrte: „Luzy,
wenn du nicht aufhörst, deine Lippen so aufreizend zu bewegen, werde ich meinen
Plan verwerfen und stattdessen meinen verdammten Traum wahr machen!“
„Welchen?“
Er stöhnte auf, hörte sie lachen und presste seine Lippen auf ihren Mund,
während er zwischen ihre Beine drängte…
*********
Als Ailia erwachte, war das erste, was sie spürte, ein warmer Körper an ihrem
Rücken und seine Arme, die sie noch immer umschlangen. Es war hell im Zimmer,
die Sonne wahrscheinlich schon eine Weile aufgegangen und sie fragte sich, warum
sie der Gedanke, in Trevors Bett zu liegen, nicht störte.
Nach dem letzten wilden, fast aggressiven Sex in der Nacht, hatten sie sich
erschöpft aneinander geklammert und waren nur noch eingeschlafen. Ohne ein
weiteres Wort zu wechseln.
Jetzt lehnte sie wie selbstverständlich an ihm und fand das Gefühl auch noch
schön. Seufzend wollte sie seine Arme von sich lösen, um aufzustehen, doch er
zog sie noch näher an sich.
„Reiß nicht wieder aus, Luzy“, murmelte er verschlafen und vergrub sein Gesicht
an ihrem Hals.
Ailia schloss die Augen und atmete tief durch. „Trev? Dir ist schon klar, dass
das niemals gut gehen kann mit uns beiden, ja?“
Warum eigentlich nicht? „Ich will jetzt nicht darüber nachdenken“, flüsterte er
jedoch nur. „Ich will einfach nur genießen, dass du hier bist...“
Sie antwortete nicht, sondern seufzte nur leise.
„Warum probieren wir nicht aus“, fuhr er leise fort, „...wie es ist, sich
einfach zu vertragen?“
„Wir haben uns in der ersten Woche sehr gut vertragen. Wir wissen, wie das ist.“
Er kicherte und küsste sie auf den Hals. „Ich meinte das auch in der Richtung,
dass du in meinem Bett schläfst...“
Ailia drehte sich zu ihm um und sah ihn zweifelnd an.
„Schau mal“, fuhr er sanft fort und grinste schelmisch. „Du hast Urlaub. Du
sollst dich erholen und gesund werden. Und es ist toller Sex, den wir zusammen
haben. Streit es ja nicht ab!“ Seine Augen verengten sich, als sie zum Reden
ansetzte. „Und du kannst mir jetzt auch nicht mehr erzählen, dass du mich nicht
leiden kannst. Du hättest nie zugelassen, was du zugelassen hast. Also, was
spricht dagegen? Ich könnte dir natürlich noch ein wenig bei der Entscheidung
helfen...“ Er zog sie an sich. „Ich weiß, was du magst...“
Seine Lippen waren schon wieder an ihrem Hals und Ailia fing seinen Kopf ein,
der sich an ihrem Körper abwärts bewegte. „Stop...“ Sie holte tief Luft. Damit
hatte er schon einmal Recht. Er wusste es wirklich... „Ich weiß es nicht, Trev.
Ich habe nie über eine Beziehung nachgedacht, geschweige denn darüber, mit
jemandem einfach nur ins Bett zu gehen.“
„Also davon habe ich nicht geredet“, stellte er klar, während seine Zähne noch
immer an ihrem Hals knabberten. „Nicht nur Sex, Luzy. Ich möchte deinen Urlaub
mit dir verbringen, in deiner Nähe sein, mit dir reden...“ Er kicherte. „...und
natürlich mit dir schlafen...“ Dann hob er den Kopf und sah sie ernst an. „Wenn
du nein sagst, ist es auch okay. Zumindest, wenn du trotzdem hier bleibst. Oder
wenn du sagst, du nimmst die Version, die nur aus Sex besteht... Ich...“ Er
seufzte. „...lasse mich auf alles ein.“
Er meinte das todernst. Ailias Kehle schnürte sich zu und sie fragte
sich, ob es nicht für alle Diskussionen schon zu spät war. Sie hatte nie, mit
keinem anderen Mann, etwas empfunden, das ihr nur annähernd so zu schaffen
machte wie ihre Gefühle für ihn. Er machte sie wütend, er brachte sie zum Lachen
und er schaffte es, dass sie die Kontrolle über sich selbst verlor. Er kreiste
in ihrem Kopf, wenn er nicht einmal da war... Hatte er Recht? Sagte sie wirklich
etwas im Schlaf, was sie sich selbst nicht zugeben wollte?
Dann erinnerte sie sich plötzlich an den gestrigen Morgen und die
Gedankenbilder, die er an sie übertragen hatte. Da sie mehr als erschrocken über
die Worte gewesen war, die aus ihrem Mund kamen, hatte sie dem Rest wenig
Bedeutung geschenkt. Doch das traf sie jetzt wieder wie ein Hammer. Er hatte es
zuerst gesagt. Ich liebe dich, Luzy. Zum zweiten Mal. Eine Träne bildete sich in
ihrem Auge und rollte ihre Wange hinab.
„Was ist los, Luzy?“, fragte er sanft und fuhr mit dem Daumen über ihre Wange.
Ailia schlang wortlos die Arme um seinen Hals und vergrub ihr Gesicht an seiner
Brust.
„Heißt das ja?“, erkundigte er sich und hoffte, seine Stimme würde normal
klingen. Ein bisschen von seinem alten Spott wäre auch ganz gut. Zumindest
sollte sie nicht so klingen, wie sie wahrscheinlich klang. Nervös.
„Ja“, hauchte sie. „Und ich weiß, dass das ein Riesenfehler ist.“
Wahrscheinlich hatte sie sogar Recht. Er schaffte es jetzt schon nicht, sie aus
seinem Kopf zu bekommen. Es würde noch schlimmer werden, wenn sie nach SECRET
ONE zurückkehrte und sich in die alte, ihn komplett ablehnende Ailia zurück
verwandeln würde. Doch dann sagte er sich, dass sie dazu sicherlich genau so
wenig in der Lage war wie er selbst. Sie war es in den letzten vier Wochen
nicht, und da war nur die Erinnerung an eine Nacht, zu der er sie erpresst
hatte.
Er nahm ihr Gesicht in seine Hände, küsste sie zärtlich und antwortete:
„Sicher.“
Ailia blinzelte, um die Tränen zu vertreiben und fragte erstickt. „Trev, du tust
das alles nicht nur, weil du mich in deinem Bett willst.“ Es war keine Frage und
es klang auch nicht so.
Er schloss einen Moment die Augen, ehe er leise sagte. „Nein.“
„Oh Gott“, schluchzte Ailia plötzlich auf und vergrub ihr Gesicht wieder an
seinem Hals.
Trevor fuhr gedankenverloren über ihre dunklen Haare. „Ich habe es mir
eingeredet. Und sicherlich war es auch am Anfang einfach der Reiz... wie es
wäre, eine Mutantin zu vögeln...“ Er sah eine Weile versonnen in die Luft. „Ich
hatte – vielleicht gegen deinen Willen – mehr mit dir zu tun, als mit
irgendeinem anderen Menschen. Natürlich siehst du auch toll aus, Luzy, aber du
bist auch die einzige Frau, die mich abgewiesen hat...“
„Das hat deinen Stolz verletzt“, murmelte sie gegen seine Haut.
„Auch“, gab er zu. „Ich habe mir geschworen, dass ich dich irgendwann haben
werde. Und habe mir selbst eingeredet, dass das alles ist... meinen verletzten
Stolz befriedigen...Ich habe mich selbst belogen...“
„Wieso?“, schniefte sie. „Du hast doch jetzt, was du wolltest.“
„Eben. Und es reicht mir nicht. Ich habe gehofft, dass es aufhört. Wenn ich dich
hatte.“ Er seufzte. „Ich habe seit dieser verrückten Nacht keine andere Frau
gehabt...“ Ailias Kopf fuhr hoch und sie sah ihn jetzt reichlich fassungslos an.
Er zuckte nur mit den Schultern. „Es ging nicht. Ich habe dich gesehen... immer
wieder...“
„Oh je“, sagte Ailia leise. „Das klingt recht...“ Verliebt. Sie schluckte. „D-du
hast das ernst gemeint, ja? Als du gesagt hast, du...“ Sie brachte es nicht
fertig, das auch auszusprechen.
„Ja.“ Aber er klang irgendwie verzweifelt. „Ich glaube schon... Und wenn du
jetzt lachst, werde ich...“
„Shh“, stoppte sie ihn leise und verschloss mit ihren Finger seinen Mund. „Das
ist nichts, worüber ich lachen würde. Nie.“
„Davor hatte ich Angst.“
„Was?“, flüsterte Ailia gequält. „Der arrogante selbstsichere Trevor hat vor
irgendetwas Angst?“
Er lachte auf und klang überhaupt nicht selbstsicher. „Vielleicht vergisst du
dieses ganze Gespräch gleich mal wieder“, murmelte er fast verlegen.
Ailia lächelte ebenfalls, küsste ihn kurz auf den Mund und meinte nur. „Ganz
bestimmt nicht. Wie wäre es mit Frühstück?“
Ailia verbrachte den wahrscheinlich ersten richtigen Urlaub ihres
Lebens.
Natürlich wusste sie, dass sie noch vielleicht zwei Wochen hatten. Sie war nie
der Typ gewesen, der ohne guten Grund der Arbeit fern blieb und je mehr sie
spürte, dass sie ihren Arm besser bewegen konnte und die Schmerzen nachließen,
um so öfter schweiften ihre Gedanken wieder zu ihrer Arbeit in SERCRET ONE.
Trevor gab sich alle Mühe, sie abzulenken. Sie teleportierten um die halbe Welt,
besichtigten Sehenswürdigkeiten, gingen ins Theater, tanzen in seinem Club oder
genossen einfach die Ruhe in seinem Herrenhaus. Ailia konnte sich nicht
erinnern, jemals so ruhig und ausgeglichen gewesen zu sein. Doch sie wusste,
dass all das irgendwann ein Ende haben musste und sie es nicht länger
hinausziehen sollte, als möglich.
Trevor wusste das genauso und als Stendal eines Abends meinte, die Verletzung
sähe jetzt so gut verheilt aus, dass er Ailia zumindest empfehlen würde, ihre
Tätigkeit mit den Mutantenkindern wieder aufzunehmen, ahnte er, dass ein Ende
ihrer gemeinsamen Zeit in greifbare Nähe gerückt war.
Schweigend teleportierten sie zurück zum Herrenhaus. Er ließ ihre Hand nicht
los, als er mit ihr in den Garten hinaus trat, an den Pool und gedankenverloren
in den Sonnenuntergang starrte. „Wann gehst du?“, fragte er.
Sie zuckte unbestimmt mit den Schultern. „Morgen?“
Er nickte, ohne sie anzusehen und ließ sie los. „Ich muss noch ein paar
Telefonate führen“, murmelte er.
Ailias Blick folgte ihm, als er zurück ins Haus ging. Er log. Vielleicht nicht
über die Telefonate, aber sie waren ganz sicher nicht so dringend, dass er sie
sofort führen musste. Es störte sie jedoch nicht, weil sie ahnte, dass er allein
sein wollte.
Deshalb schlenderte sie durch den Garten und hing ihren eigenen Gedanken nach.
Sie lebte jetzt wirklich seit vier Wochen mit ihm hier zusammen, so als wären
sie ein Paar. Ailia hatte das bisher nie erlebt und sie nahm an, er auch nicht.
Eben weil es mit normalen Menschen nicht möglich gewesen wäre. Vor zwei Monaten
noch wäre ihr der Gedanke, dass ihr Trevors Gesellschaft einmal gefallen könnte,
absurd erschienen. Obwohl sie, wenn sie ehrlich war, an manchen Tagen seine
Gesellschaft der eines jeden anderen Menschen vorgezogen hatte. Weil er ein
Mutant war und viele ihrer Probleme besser verstand als jeder andere. Aber seine
dauernden zweideutigen Anspielungen, seine direkten Aufforderungen in Bezug auf
Sex, hatten sie genervt. Sicherlich war es auf ihre mangelnde Erfahrung zurück
zu führen und sicherlich hatte sie sich ganz einfach unsicher in diesem Thema
gefühlt, weil sie ihm nicht in der gleichen unverschämten Art kontern konnte.
Jetzt musste sie schmunzeln, wenn sie an die erste Nacht und ihre Nervosität
dachte. Plötzlich lernte sie ihn von einer Seite kennen, die sie bei seiner
manchmal überheblichen arroganten Art nicht erwartet hatte. Natürlich war er
frech. Und unverschämt. Sie brauchte sich bloß an ihren Schock erinnern, als er
ihr an diesem Abend ganz locker befahl: Zieh dich aus, Luzy. Eigentlich
war es ein Wunder, dass sie ihr Weinglas nicht hatte fallen lassen. Aber sie
hatte nicht geahnt, dass er es schaffen würde, sie ihre Abneigung vergessen und
selbst ihre Hemmungen fallen zu lassen. Jetzt, nachdem sie zumindest für ihren
Urlaub die Schranken geklärt hatten, hatte er ihr mit einem feinen Lächeln
erzählt, dass er sich in jener Nacht geschworen hatte, es so zu tun, dass sie es
nie vergaß. Und er hatte es geschafft. Obwohl sie es nie für möglich gehalten
hätte.
Sie seufzte. Die Sonne war jetzt untergegangen und sie schlenderte langsam
zurück zum Pool. Noch war es nicht so dunkel, dass sie nichts sah und
schließlich war der Weg nicht weit. Trevor war weder am Pool noch in der Küche
und Ailia runzelte die Stirn, als sie den gedeckten und nicht angerührten
Abendbrottisch bemerkte.
Auch James war nirgendwo zu sehen und Ailia stieg die Stufen zu den
Schlafzimmern hinauf. Sie klopfte schon lange nicht mehr und öffnete auch jetzt
nur seine Tür und huschte in das Zimmer.
Er lehnte am Geländer seines Balkons, neben sich ein Glas mit einer goldgelben
Flüssigkeit und blies gedankenverloren den Rauch seiner Zigarette in die Luft.
Sicherlich hatte er ihr Eintreten bemerkt, seine Ohren waren genauso wie seine
Nase und seine Augen von der Mutation betroffen, doch er rührte sich nicht.
„Heh“, sagte Ailia leise, schlang ihre Arme um ihn und schmiegte sich an seinen
Rücken. „Hättest du mit dem Rauchen nicht bis morgen warten können?“ Sie sagte
nicht bis ich weg bin, doch er wusste auch so, was sie meinte.
Er schnippte die Zigarette die Klippen hinab. „War meine erste Zigarette seit
vier Wochen.“
„Ich weiß.“ Das hatte sie auch gewundert. In ihrer Gegenwart hatte er es nie
getan, weil er wusste, dass es sie störte. Ob er geraucht hatte, wenn er
woanders war, konnte sie nicht wissen, zumindest hatte sie es nie bemerkt. „Der
Tisch ist gedeckt.“
„Ich habe keinen Hunger.“
Ihre Finger fuhren unter sein Shirt und strichen über die nackte Haut seines
Bauches. Sie konnte die Muskeln spüren, die sich unter ihrer Berührung
zusammenzogen und seufzte, weil ihr das alles so vertraut war. Er reagierte auf
sie genau so wie sie auf ihn. Und nichts hatte sich in den vier Wochen daran
geändert. „Wünsch dir etwas, Trev“, flüsterte sie. „Das ist unsere letzte Nacht.
Und du hast einen Wunsch frei.“
Er schloss die Augen und kämpfte gegen die Verzweiflung, die er fühlte. „Muss
ich mich gleich entscheiden?“
„Was?“, machte Ailia gespielt fröhlich. „Sind da nicht noch irgendwelche Träume,
die du ausleben willst?“
Er kippte sein Glas hinunter, schmiss es wütend die Klippen hinab und
beobachtete mit schmalen Augen, wie es an der Felswand zerschellte. „Luzy, in
meinen Träumen war ich immer etwas zornig auf dich und wollte dich einfach nur
dazu bringen, dass du endlich zugibst, dass du mich haben willst... Ich bin
weder zornig, noch muss ich dich dazu bringen, es zu sagen. Ich weiß es. Du hast
es in den letzten Tagen oft genug gesagt.“
Ailia lächelte müde. Wie wahr. „Ich werde das hier vermissen.“
„Ich auch“, antwortete er ruhig und drehte sich endlich um. „Ironie des
Schicksals, Luzy“, sagte er spöttisch und strich ihr sanft eine Haarsträhne
hinter ihr Ohr. „Jetzt hatte ich, wovon ich jahrelang träume und noch ein
bisschen mehr. Und es reicht mir trotzdem nicht.“ Er presste seine Lippen auf
ihre Stirn. „Vielleicht wäre es einfacher gewesen, weiter mit meinen Träumen zu
leben, als mit der Erinnerung an die Realität.“
„Vielleicht...“ Sie lehnte sich an ihn und fühlte seine Arme, die sie umfingen
und seine Lippen auf ihren Haaren.
„Ich habe einen Wunsch“, sagte er plötzlich. „Einen dummen Wunsch, aber darauf
kommt es jetzt auch nicht mehr an. Lüg mich an, Luzy, und sag, dass du mich
liebst. Ich möchte einfach hören, wie es aus deinem Mund klingt.“
Sie hatte nie mit einem normalen Wunsch gerechnet. Aber auch nicht damit. Sie
wäre weniger überrascht gewesen, wenn er sich gewünscht hätte, seine
Fesselfantasie wahr werden zu lassen, weil sie dann gewusst hätte, es wäre ein
Spiel. Das hier war kein Spiel. Und sie überlegte, ob es eine Lüge wäre, wenn
sie es sagen würde. Konnte sie einen Menschen wie Trevor lieben? Hätte sie das,
was sie miteinander geteilt hatten, mit einem Menschen tun können, in den sie
nicht verliebt war?
„So schwer, Luzy?“, fragte er und klang irgendwie enttäuscht.
Sie hob den Kopf und sah in seine grauen Augen, in sein ihr so vertrautes
Gesicht, sah wie er die Lippen aufeinander presste, wie immer, wenn er mit sich
selbst kämpfte. „Ich weiß nicht“, sagte sie leise, „...ob es eine Lüge wäre,
wenn ich es sage.“
Damit hatte er wahrscheinlich überhaupt nicht gerechnet, denn für einen Moment
schaute er einfach nur fassungslos drein, ehe er heraus brachte. „Was...?“
Ihre Stirn sank wieder gegen seine Brust. „Ich. Weiß. Es. Nicht. Was ich für
dich empfinde, ist stärker als alles, was ich jemals für einen Menschen
empfunden habe. Aber ich weiß genau so, dass wir auf verschiedenen Seiten
stehen...“
„Also so verschieden sind die auch nicht...“ Er klang noch immer so, als würde
er träumen.
„Ich stehe hinter meinem Job. Ich glaube daran, Trev. Ich glaube, dass das,
wofür ich kämpfe, richtig ist.“ Sie spürte seine Hände, die durch ihre Haare
fuhren und seufzte. „Es würde nicht funktionieren. Die Gegensätze sind zu groß.“
„Ich liebe dich, Luzy“, sagte er langsam. „Und ich würde es riskieren.“ Seine
Hände umfassten ihren Kopf und er hob ihr Gesicht zu sich. „Ich bin in
Sekundenbruchteilen an jedem beliebigen Punkt der Erde. Und ich kann den
Gedanken, dass du dich in Gefahr begibst, sowieso nicht ertragen, also, warum
soll ich in dem Moment nicht auch an deiner Seite stehen...“
„Trev“, versuchte sie ihn zu unterbrechen.
„Aber das heißt nicht, dass ich irgendetwas tue, wenn ich es nicht mit meinen
Interessen vereinbaren kann“, fuhr er fort, ohne ihren Einwand zu beachten.
„Schau, Luzy, ich bin dir bisher immer auf den Geist gegangen. Warum soll ich es
nicht weiter tun? Mit der schönen Veränderung, dass du dich jetzt über meinen
Besuch freust?“
„Ist das so eine Art Beziehung, von der du redest?“, erkundigte sie sich
schwach.
„Definitiv“, nickte er, lächelte plötzlich und küsste sie kurz auf den Mund. „Es
wäre einen Versuch wert. „Wie wäre es mit einem Pakt? Ich bekomme jede freie
Minute, die du hast und du ... ähm... natürlich mich...“ Er grinste. „...und
meine Hilfe, wenn du sie brauchst?“
„Ein blöder Pakt“, murmelte Ailia und musste sich das Lachen verkneifen. „Kevin
wird durchdrehen.“
„Du brauchst ihn nicht mehr. Ich bin von nun an dein Partner“, erklärte er
großspurig.
Ailia fing jetzt doch an zu lächeln. „Du bist nicht mein Partner. Du bist eine
unerwünschte Person auf SECRET ONE...“
„Weißt du, wie egal mir das ist? Und außerdem muss ich doch morgen gleich mal
ein Wörtchen mit Jim reden“, unterbrach er sie. „Wenn ich ihm sage, dass du mich
liebst und ohne mich nicht leben kannst...“
„Heh!“ Sie schlug ihm gegen die Brust. „Du bist der einzige, der das andauernd
sagt.“
„Was? Streitest du es immer noch ab?“ Er klang wie eine Herausforderung.
Und Ailia nahm sie an. Grinsend reckte sie ihr Kinn in die Luft. „Ja.“ Seine
Arme umschlangen sie, hoben sie hoch und als sie sah wie er mit einem sehr
verruchten Grinsen seine Zähne in seine Unterlippe grub, wurde ihr heiß. Halt
suchend schlang sie ihre Beine um seine Hüften. „Was wird das?“
„Ich habe mir das mit dem Wunsch anders überlegt“, verkündete er.
„Oh. Was möchtest du jetzt?“ Sie beugte sich nach vorn und fuhr mit ihrer Zunge
aufreizend über seine Unterlippe.
„Ich werde dich ans Bett fesseln...“
Sie kicherte. „Ich wusste es...“
„...und dich solange wahnsinnig machen, bis du es endlich sagst“, erklärte er
und war schon auf dem Weg in sein Schlafzimmer.
„Und wenn ich es gleich sage?“, murmelte sie und ihre Lippen wanderten über
seinen Hals, während sie auffordernd ihre Hüften an ihm rieb.
„Untersteh dich!“
„Ich liebe dich, Trev.“
„Ich habe das nicht gehört!“
„Du darfst mich trotzdem ans Bett fesseln“, kicherte sie und biss ihn in den
Hals. Er schnappte nach Luft. „Und ich werde mich sehr dagegen sträuben, das
noch mal zu sagen“, versprach sie ihm.
„Sehr schön“, stieß er hervor und fiel mit ihr zusammen auf das Bett. „Und wenn
du es mir zu schnell sagst, dann muss ich mir etwas anderes einfallen lassen.“
„Was denn?“, erkundigte sie sich neugierig.
Seine Hand verfing sich in ihren Haaren und er küsste sie wild. „Vielleicht
würde ich gern hören, dass du schon immer ganz verrückt nach mir warst.“
Ailia versuchte ernst zu bleiben. „Das stimmt aber gar nicht.“
„Wollen wir wetten, dass du es trotzdem sagst?“
Sie fing an zu lachen und zog seinen Kopf zu sich herab. Nur um ihm ins Ohr zu
flüstern: „Niemals.“
Er lachte ebenfalls leise. „Herausforderungen haben mir schon immer gefallen.“
Und er wusste, dass es eine tolle Nacht werden würde.
Und der Gedanke, dass es nicht die letzte war, gefiel ihm noch besser.
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