A Promise Forever

Pic by anja25ive

 

Ailia/Tec'or

Fantasy

ab 18

beta by Indiansummer

Ailia und Tec’or wachsen als Kinder zusammen auf dem Planeten Avalon auf, und obwohl Tec’or kein Mensch ist, sind sie die besten Freunde und verlieben sich ineinander. Dann beginnt der Krieg und alle D’arjos müssen den Planeten verlassen. Ailia und Tec’or werden im Alter von fünfzehn Jahren getrennt und glauben beide nicht daran, dass sie sich jemals wieder sehen...

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Teil 1   Teil 2   Teil 3   Teil 4   Teil 5   Teil 6   Teil 7   Teil 8   Teil 9   Teil 10   Teil 11  Teil 12

 

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Teil 1



Vergangenheit



Ailia huschte aus dem Haus ihrer Eltern, sah kurz in den Garten und war froh, niemanden zu sehen. Sie kroch durch die nur ihr bekannte Lücke im Zaun und rannte den kaum sichtbaren Pfad durch die Bäume den Hügel hinauf. Sie wusste, dass Tec’or auf der Anhöhe auf sie warten würde. Da ihr Vater ihr, nachdem sie durch den Scheunenboden ihres Nachbarn gebrochen waren, eine Woche Stubenarrest aufgebrummt und strikt verboten hatte, Tec’or zu besuchen, beschlossen sie, sich auf geheimen Wegen zu treffen.

Ailia fand es gemein, dass ihr Vater von Stubenarrest sprach. Schließlich konnte weder sie noch Tec‘or etwas dafür, dass der Scheunenboden instabil war. Sonst hätte gar niemand mitbekommen, dass sie beide da oben saßen und durch die Bretter beobachteten, was ihr Nachbar mit einer jungen Dame aus dem Dorf anstellte. Tec’or hatte ihr am Vortag erzählt, dass er eigenartige Laute aus der Scheune gehört hatte und Ailia, die wusste, wie gut seine Ohren waren, war sofort Feuer und Flamme, als er vorschlug, auf den Boden zu klettern und nachzusehen.

Ihr Nachbar fand es nicht so gut, als die beiden Zwölfjährigen durch das Dach ins Heu krachten, während er hinter der Frau kniete. Dummerweise hatte er sie erkannt, obwohl sie aus der Scheune flitzten, ehe er seine Hosen hochziehen konnte.

Ailia wurde von ihrem Vater sofort auf ihr Zimmer geschickt, während sich Tec’or eine Ohrfeige einfing, weil er wissen wollte, ob das, was die beiden da getan hatten, das war, was Erwachsene unter Sex verstanden, weil es so ganz anders aussah, als sie es in der Schule gelernt hatten. Tec’or flüsterte Ailia noch ins Ohr, er werde seine Mutter fragen und versprach ihr die Antworten für den heutigen Tag.

Natürlich wusste Ailia in der Theorie, was da zwischen Mann und Frau abging. Sie hatten es in der Schule durchgesprochen, aber es in Natur zu sehen, war schon etwas anderes.

Deshalb war Ailia jetzt mehr als neugierig, als sie atemlos auf dem Felsplateau ankam.

Tec’or war schon da, wie üblich und schaute ihr aus seinen gelben Augen mit einem schelmischen Grinsen im Gesicht entgegen. Er war ein D’arjo, aber Ailia hatte sich niemals darüber Gedanken gemacht. Seit sie denken konnte, lebten Menschen und D’arjos gemeinsam auf dem Planeten Avalon, obwohl beide Rassen nicht von dieser Welt stammten.

Ailia machte sich auch keine Gedanken darüber, dass Tec’or so anders aussah.
Er war ihr bester Freund und es störte sie nicht, dass seine Augen gelb waren und mit der darin stehenden länglichen, schwarzen Pupille an die von Katzen erinnerten. Und es war für sie auch kein Problem, dass an Tec’ors Fingern manchmal Krallen ausfuhren, wenn er sich sehr aufregte und seine Eckzähne etwas länger waren als die von Menschen, interessierte sie gleich gar nicht. Ailia fand es eher extrem cool und wünschte sich selbst welche.

Mit einem Stirnrunzeln warf sie sich neben ihn ins Gras. „Und?“ Er grinste noch breiter und Ailia stieß ihn böse an. „Hast du gefragt?“

Tec’or verschränkte die Hände hinter dem Kopf und grinste in den Himmel. „Meine Mom hat gesagt, dass es nicht nur eine Stellung beim Sex gibt, sondern ganz viele und der Fantasie keine Grenzen gesetzt sind.“

„Auf dem Bild in der Schule sah das ganz anders aus“, überlegte Ailia laut. „Außerdem kann ich mir immer noch nicht vorstellen, wie das geht, dass der Penis dann steif wird.“

„Mom hat gesagt, das passiert erst, wenn ein Mann erregt ist“, erklärte Tec’or mit wichtiger Stimme.

Ailia lachte. „Das muss ja so sein. Deiner ist ja ganz wackelig, wenn du pinkelst.“

Tec’or fuhr hoch und sah sie wütend an. „Beobachtest du mich beim Pinkeln?“

„Also, ich war neugierig...“

„Das ist unfair. Ich mache das auch nicht!“

„Annabell sagte, dass D’arjo anders aussehen als Menschen und ich wollte wissen, ob das stimmt“, verteidigte sich Ailia. „Und es stimmt nicht“, setzte sie dann hinzu und kreischte im nächsten Moment auf, als sich der D’arjo auf sie hechtete. Sie wollte flüchten, doch er griff blitzschnell in ihre langen Haare und hielt sie fest.

„Das war gemein, Lucie“, knurrte er mit aufgestellten Haaren und setzte sich auf sie, als sie nach ihm trat.

„Geh runter von mir!“, schrie sie ihn böse an und schlug nach seinem Gesicht.

Tec’or lachte nur. Obwohl sie gleichaltrig waren, war er einen Kopf größer als sie und auch stärker. Natürlich würde Ailia das niemals zugeben. Er fing ihre Arme und hielt sie neben ihrem Kopf fest. „Ich will auch wissen, ob sich Menschen von D’arjos unterscheiden.“

„Spinnst du?!“, kreischte Ailia erschrocken.

„Komm schon. Das ist nur fair.“

„Ich werde nie wieder mit dir reden!“, tobte Ailia mit hochrotem Kopf. „Oder mit dir spielen. Ich werde zu Annabell gehen!“

Tec’or fluchte, gab sie frei und fiel neben ihr ins Gras. „Du bist zickig.“

„Ich ziehe nicht meine Hosen runter, damit du gucken kannst!“

„Da werde ich dich halt auch mal beim Pinkeln beobachten“, stänkerte er, während er schon überlegte, wie er das am Besten anstellen konnte.

Ailia schlug ihm gegen die Brust. „Wenn du das tust, werde ich dich verprügeln!“, drohte sie.

„Pass auf.“ Tec’or setzte sich und sah sie neugierig an. „Ich... ich lasse dich noch mal gucken und du mich?“

Ailia musterte ihn aus schmalen Augen. Nun, sie hatte nur einen kurzen Blick erhaschen können und das ganze Mal aus der Nähe...? Interessant. Sie sah sich um. „Nicht hier.“ Und sprang auf, griff seine Hand und zog ihn mit sich.

Sie rannten noch ein Stück den Berg hinauf. Diese Gegend kannten sie beide wie ihre Westentasche, da sie den größten Teil ihrer freien Zeit damit verbrachten, die Gegend zu durchschnüffeln. Trotzdem rang Ailia genauso wie der D’arjo nach Atem, als sie den Eingang zu der Höhle erreichten, die sie vor kurzem entdeckt hatten.

„Wir gehen rein“, bestimmte Ailia.

„Da sieht man doch gar nichts“, meckerte Tec’or, folgte ihr jedoch, da er viel zu neugierig war, um jetzt noch zu kneifen.

Und außerdem war Ailia seine beste Freundin, da kaum einer der Jungs mit einem D’arjo spielen wollte, der ihnen schon allein kräftemäßig so überlegen war, von seinen anderen Fähigkeiten wie exzellentem Geruch und Gehör einmal abgesehen. Ailia fand all diese Sachen toll. Er konnte sie nachts führen, wenn sie gar nichts mehr sah. Er konnte Spuren verfolgen und er hörte Menschen, die sie eventuell bei einem Streich erwischen konnten, bevor der Mensch nur ahnte, dass sich irgendwo ein paar Lausbuben verbargen.

„Okay.“ Ailia blieb stehen. „Du zuerst.“

„Zusammen.“

„Du traust dich nicht.“

„*Du* traust dich nicht! Ich wette, du kneifst.“

Das war auch noch so etwas. Sie wetteten um die unmöglichsten Sachen, um Kleinigkeiten, nur weil einer den anderen übertrumpfen wollte.

„Ich kneife nicht!“, fuhr sie ihn an. „Gut, zusammen.“ Ihre Hände griffen zu den Knöpfen ihrer Hose. Sie wartete, bis Tec’or es ihr gleich tat, ehe sie sie öffnete. Ailia war nervös und ein Blick in Tec’ors gerötetes Gesicht sagte ihr, dass er sich ähnlich unwohl fühlte. Aber sie waren beide starrköpfig genug, das niemals zuzugeben. Sie ließ ihn nicht aus den Augen, als sie die Hose langsam über ihre Hüften streifte und sah, dass er das gleiche tat. Allerdings hingen seine Augen jetzt wirklich neugierig an ihrem Unterleib und dem zarten Flaum, der sich in den letzten Monaten zwischen ihren Beinen gebildet hatte und sie wurde noch röter. Bis sie ihre Augen ebenfalls an seinem Körper abwärts wandern ließ. Das war...interessant. Natürlich kannte sie die Abbildungen, die sie in der Schule gezeigt bekamen. Aber es war etwas anderes, das ganze in Natur zu sehen.

„Wow“, sagte sie leise und machte einen Schritt auf ihm zu. Im Gegensatz zu Tec’or hatte sie keine Mutter und irgendwie Probleme, mit ihrem Vater über derartige Dinge zu reden. Sicherlich wunderte sich ihr Vater, dass sie noch nie *peinliche* Fragen gestellt hatte und nahm an, dass Ailia alles in der Schule lernte, was sie wissen wollte. Er wäre sicherlich nie auf den Gedanken gekommen, dass Ailia den D’arjo beauftragte, seine Mutter über all das auszufragen.

Jetzt musterte Tec’or sie misstrauisch und hochrot im Gesicht. Doch Ailia hatte plötzlich vergessen, dass sie ebenfalls mit herunter gelassener Hose vor ihm stand. „Kann ich...kann ich ihn anfassen?“

„Nein!“, fauchte der D’arjo entsetzt und wurde noch röter.

„Warum nicht?“ Er wich zurück, als Ailia einen Schritt näher kam. „Du fasst ihn doch auch an, wenn du pinkelst.“

„Das ist etwas anderes!“

„Jetzt bist du zickig!“, hielt Ailia ihm vor.

Tec’or reckte wütend seinen Kopf nach vorn. „Dann will ich dich auch anfassen!“

„Was?!“

Er nickte. „Deine Brüste. Ich weiß, dass sie in den letzten Monaten angefangen haben zu wachsen.“

Ailia schoss das Blut ins Gesicht. Sie verfluchte ihren Körper, der anfing, ihr so deutlich zu zeigen, dass sie doch nicht der Junge war, der sie sich zu sein wünschte. Und Tec musste sie nicht auch noch mit der Nase darauf stoßen. „Okay“, knurrte sie zurück und zerrte ihre Hose wieder hoch.

„Zieh dein Shirt aus“, verlangte der D’arjo. „Oder hast du plötzlich Angst?“

„Ich habe vor nichts Angst!“, erklärte Ailia hochmütig und zog ihr Shirt über den Kopf. Irgendwie befriedigte es sie zu sehen, dass seine Augen plötzlich groß wurden und an ihren kleinen Brüsten zu kleben schienen. Und es störte sie überhaupt nicht, dass seine Augen gelb waren und eine längliche schwarze Pupille aufwiesen. „Ich zuerst.“ Ehe er protestieren konnte, schloss sie den Abstand zwischen ihren Körpern und griff nach seinem Penis.

Der D’arjo knurrte mit gesträubten Haaren missmutig, doch das Knurren verstummte abrupt, als plötzlich eine völlig unbekannte Empfindung durch seinen Körper schoss, als ihre Finger zaghaft über seinen kleinen schlaffen Penis strichen. Er fühlte sich irgendwie komisch...nicht unangenehm. Wie versteinert starrte er abwärts auf ihre Hände.

Ailia kicherte leise. „Ist das nicht komisch, wenn einem so was zwischen den Beinen rumbaumelt?“

Tec’or konnte nicht antworten, weil er viel zu gefangen in den Empfindungen war, die plötzlich durch seinen Körper fuhren. Da war ein Druck, der in seinen Unterleib zu schießen schien und das war angenehm und unangenehm zugleich.

„Oh“, machte Ailia plötzlich und starrte auf seinen Penis in ihren Händen, der sich zu bewegen schien. „Wow. Tec, das ist aber komisch. Er... er wächst...“

„Ja“, schaffte auch Tec’or fasziniert zu sagen.

„Ich denke, das passiert nur bei...“ Sie kicherte wieder, „...Erregung. Was fühlst du, Tec?“

„Es ist ... angenehm...“

„Ja?“ Sie sah erstaunt hoch in sein Gesicht. „Dir gefällt, wenn ich dich anfasse?“ Sie klang fassungslos.

„Ich weiß nicht“, knirschte der D’arjo zwischen den Zähnen hindurch. „Es fühlt sich gut an.“

Ailia senkte ihre Augen wieder zu seinem Unterleib. „Das ist besser als in einem Lehrbuch“, erklärte sie interessiert. „Hast du das schon mal an dir beobachtet?“

„Früh, wenn ich aufgewacht bin. Mom hat gesagt, das wäre normal“, murmelte Tec’or und wünschte sich plötzlich, sie möge mit ihrer Untersuchung noch eine Weile fortfahren.

„Geht das von allein wieder weg?“

„Ja“, nickte er.

Ailia umschloss seinen Penis mit ihrer Hand und stellte erstaunt fest, dass er noch größer und steifer wurde. „Das ist ja Irrsinn“, murmelte sie fassungslos.

Tec’or schloss die Augen, weil ihm plötzlich so komisch wurde. „Shit“, stieß er hervor und Ailia bemerkte erstaunt, dass er zitterte.

„Was ist mit dir? Tut das weh?“

„N-nein...j-ja“, stotterte er vollkommen durcheinander. „Irgendwie schon... aber es ist auch toll...“

„Toll? Wow... Der ist jetzt richtig hart.“ Ailia beugte sich nach vorn, um genauer zu betrachten, was sie tat.

„Shit...“ Tec’or war gegen die Wand gesunken und fragte sich weit entfernt, was mit ihm los war. Irgendetwas in ihm spielte verrückt. Von ihrer Hand ging Hitze aus und er fühlte sich, als würde er gleich explodieren. Was im nächsten Moment auch passierte.

„Iiihhh!“, schrie Ailia erschrocken, als die warme Flüssigkeit durch ihre Finger rann und sie fuhr, angeekelt ihre Hand schüttelnd, zurück.

Tec’or seufzte nur und rutschte mit geschlossenen Augen an der Wand zusammen, ein verträumter Ausdruck im Gesicht.

„Tec?“, fragte sie nach einer Weile und nachdem sie ihre Hand an ihrer Hose abgewischt hatte. „Geht’s dir gut?“

„Ja“, murmelte der D’arjo und klang wie aus einer anderen Welt. Sie hockte sich neben ihn und er öffnete endlich wieder seine Augen. „Also das kannst du meinetwegen noch mal machen“, grinste er und zog seine Hose hoch.

„Spinnst du? Meine ganze Hand klebt von dem Zeug. Und hör auf, so dämlich zu grinsen.“

„Das war dann wohl das, was wir als Orgasmus in der Schule hatten“, verkündete der D’arjo vergnügt und sah Ailia an. „Jetzt bin ich dran.“

„Und das war echt toll?“, fragte sie neugierig und verdrehte die Augen, als er seine Hand ausstreckte und mit den Fingern vorsichtig die kleinen, knabenhaften Brüste berührte. „Lass bloß deine Krallen drin“, murmelte sie und fühlte sich irgendwie nervös.

Tec’or nickte, während ihm durch den Kopf ging, dass ihrer beider Eltern es sicherlich nicht gutheißen würden, wenn sie wüssten, was sie gerade taten. Ailia fühlte die Röte in ihr Gesicht zurückkehren, aber sie schwor sich, dass sie sich nicht anmerken lassen würde, wie fürchterlich peinlich ihr die ganze Sache war. Sie grub ihre Zähne in ihre Unterlippe. Wie würde sie denn dastehen, wenn sie schreiend davon rannte, während er so cool geblieben war...

„Tec?“

„Hm?“ Der D’arjo klang abwesend und starrte irgendwie verzückt auf ihre Brust und seine Hände. „Frauen können auch einen Orgasmus bekommen“, fiel Ailia ein. „Ich will auch wissen, wie das ist.“

„Ich habe keine Ahnung, was ich da machen soll.“

„Ich auch nicht.“ Sie stieß seine Hand zur Seite. „Das reicht!“ Blitzschnell zog sie ihr Shirt wieder über den Kopf. „Aber ich werde es heraus finden.“

 

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Gegenwart
 


Ailia erwachte und das Erste, was sie spürte, war der Schmerz in ihrem Bein. Ihr Körper verkrampfte sich unbewusst, als sie um Luft rang und versuchte, den Schmerz unter Kontrolle zu bekommen. Sie schloss die Augen wieder, hatte jedoch registriert, dass sie sich in einem Bett befand und das Zimmer ganz nach einer Krankenstation aussah. Übergangslos stieg die Erinnerung in ihrem Bewusstsein hoch.

Alarmsirenen... Alarmstufe Rot... Passagiere hetzten an ihr vorbei, um irgendwo einen Platz zu finden, wo sie sich anschnallen konnten... Das Schiff vibrierte und das Dröhnen des überlasteten Schiffsrumpfes drang in ihre von Panik erfüllten Gedanken vor... ein Wurmloch... das Schiff stürzt in ein Wurmloch...wir werden sterben...

Nun, sie war anscheinend nicht tot. Allerdings sah diese Krankenstation auch nicht wie die auf dem Passagierraumer aus, der sie zurück auf den Planeten Avalon bringen sollte. Ailia erinnerte sich noch, endlich einen freien Platz gefunden und die Gurte geschlossen zu haben, als das Chaos über das Schiff hineinbrach. Sie wurde in den Gurten hin und her geworfen, sie hörte Schreie, sah Explosionen, sah Feuer ausbrechen und der letzte Gedanke, bevor sie das Bewusstsein verlor war: Ich werde sterben.

Gut, sie war also nicht tot. Jedenfalls schmerzte ihr Körper zu sehr, um als tot bezeichnet zu werden.

„Sind Sie bei Bewusstsein, Terranerin?“, fragte eine Stimme und Ailia riss entsetzt die Augen auf.

Grelles Licht blendete ihre Augen und für einen Moment musste sie blinzeln, ehe sie etwas erkennen konnte. Ihr Herz hämmerte in ihrer Brust, während ihre Gedanken sich überschlugen.

Wir haben Frieden. Der Friedensvertrag wurde vor einem Monat unterzeichnet...

Trotzdem legte sich eine eiserne Klaue um ihr Herz, als sie die Schmerzen ignorierend den Kopf drehte und in die gelben Katzenaugen einer d’arjotischen Frau blickte, die neben ihrem Bett stand.

Eine D’arjo. Ailia schluckte, weil es Jahre her war, dass sie einer oder einem D’arjo zum letzten Mal persönlich gegenüber gestanden hatte. Genau genommen fünfzehn Jahre, weil zu diesem Zeitpunkt alle d’arjotischen Bürger Avalons den Planeten verlassen hatten, da der Krieg ausgebrochen war.

„Ich sehe, Sie sind wach“, fuhr die D’arjo kühl fort. „Haben Sie Schmerzen?“

Ailia war noch immer etwas orientierungslos. „Ja“, versuchte sie zu sagen und war sehr froh, sich noch an all die d’arjotischen Worte zu erinnern, die ihr in ihrer Kindheit so leicht über die Lippen gekommen waren. Ihre Stimme klang nur wie ein Krächzen.

„Nicht, dass es mich irgendwie interessieren würde“, fuhr die D’arjo fort und zog eine Spritze auf. „Ich finde den Gedanken an Terraner auf unserer Krankenstation einfach nur entsetzlich...“

Ailia fragte sich kurz, ob der Friedensvertrag wirklich unterzeichnet worden war. Aber sie nahm an, dass man sie, wenn nicht, wahrscheinlich einfach hätte sterben lassen. Sie zuckte zusammen, als ihr die D’arjo die Spritze nicht gerade sanft in den Arm jagte, fühlte jedoch sofort die Wirkung und atmete auf.

„Wo bin ich?“, wagte sie zu fragen.

„Ich bin nicht berechtigt, Ihnen irgendwelche Auskünfte zu geben“, antwortete die D’arjo noch immer recht kühl. „Allerdings ist es überraschend, einer Terranerin zu begegnen, die unsere Sprache spricht. Obwohl...“ Sie stockte kurz und warf Ailia einen eigenartigen Blick zu. „In Ihrem Fall war das ja zu erwarten...“

„Was meinen Sie?“, erkundigte sich Ailia schwach. „Was ist mit mir?“

„Ihre Verletzungen sind nicht lebensgefährlich. Ihr Bein war gebrochen. Wir haben den Knochen stabilisiert und Wachstumshormone injiziert. Außerdem haben Sie am ganzen Körper Prellungen und kleinere Schnittverletzungen, die jedoch nicht besorgniserregend sind. Sie dürfen das Bein in den nächsten drei Wochen nicht belasten, sollten aber beginnen, mit den Krücken zu laufen.“

„Aha“, machte Ailia nur und fragte dann noch: „Was... was ist mit den anderen Passagieren?“

Die D’arjo zuckte mit den Schultern. „Einundzwanzig Personen wurden auf unserer Krankenstation behandelt. Ich nehme an, der Rest hat den Unfall nicht überlebt.“ Sie war schon an der Tür, ehe sie sich noch einmal umdrehte. „Es wird jemand kommen, der sich mit Ihnen unterhalten will und der auch eventuelle Fragen beantwortet.“

Ailia nickte und starrte die Tür an, die sich hinter der D’arjo schloss. Seufzend lehnte sie den Kopf zurück, weil sie fühlte, wie ihre Lider schwer wurden.

Wo war sie? Das d’arjotische Hoheitsgebiet befand sich weit ab von der Route, die ihr Raumschiff geflogen war. Sollte das Wurmloch sie so weit in den Raum geschleudert haben? Sie hatte plötzlich Angst, weil sie ahnte, dass es trotz Unterzeichnung des Friedensvertrages genügend D’arjos geben würde, die einem Menschen nicht gerade friedlich gegenüber standen. An eine Heimkehr würde sie wohl in nächster Zeit nicht denken können. Sie sollte froh sein, wenn sie überlebte. Allerdings nahm sie an, dass man sie nicht zusammengeflickt hatte, um sie dann zu töten.

Traurig dachte sie an ihren Verlobten Kevin, der auf Avalon auf sie wartete und sich jetzt sicherlich Sorgen machte. Genau wie ihr Vater. Ailia hatte im Moment keine Möglichkeit, eine Nachricht zu senden, damit diese Menschen wenigstens wussten, dass sie noch lebte. Kevin würde panisch reagieren, ihr Vater... auch...

Ailia seufzte, als ihre Gedanken zu Kevin wanderten. Ihr Vater hatte sie mit dem jungen Mann bekannt gemacht. Er arbeitete als rechte Hand ihres Vaters in dessen Firma und galt in Firmenkreisen bereits als Nachfolger, wenn ihr Vater in den Ruhestand gehen sollte. Der perfekte Schwiegersohn. Ailia hatte damals nur den Mund verzogen, als er ihr vorgestellt wurde, weil sie genau wusste, was ihr Vater bezweckte.

Aber Kevin war nett. Er sah auch gut aus. Blond, lustige grüne Augen und ein Gesicht, das ständig zu lächeln schien. Er war zuvorkommend, freundlich und zurückhaltend. Er drängte sie nicht und irgendwann stellte Ailia fest, dass sie ihn mochte. Gut, so hatte sie sich die Liebe nicht vorgestellt. Irgendwie fehlte das Feuer und die Leidenschaft, die sie in ihrer Kindheit begonnen hatte zu spüren, aber Kevin war wie ein Anker in ihrem Leben, an den sie sich klammern konnte, wenn ihr eigenes Temperament mit ihr durchging. Jemand, der sie wieder auf den Boden zurückholte, wenn Emotionen sie überwältigten. Jemand, der die Firma ihres Vaters übernehmen konnte, die Ailia erbte. Der perfekte Schwiegersohn.

Ihr Vater war sehr froh über die Entscheidung und sagte manchmal lächelnd, Kevin hätte aus dem kleinen Wildfang, der nur Blödsinn im Kopf hatte, eine Lady gemacht. Ailia schmunzelte bei diesen Gesprächen und ihr ging durch den Kopf, dass der Anstifter des Blödsinns nur in fünfzig Prozent der Fälle sie selbst gewesen war. Jedoch würde sie Kevin nicht darauf hinweisen, dass sie den größten Teil ihrer Kindheit an der Seite eines rauflustigen D’arjos verbracht hatte, dessen Fantasie, wenn es um das Aushecken von Blödsinn ging, viel größer war als ihre. Und dessen Fantasie später in Richtungen ging, die Kevin schockierend fand, als Ailia einmal versuchte, ihn ebenfalls in die Richtung zu schubsen...

Jetzt schmunzelte Ailia fast bei der Erinnerung und sie überlegte kurz, was dieser D’arjo aus seinem Leben gemacht hatte. Und mit einem Lächeln auf den Lippen driftete sie in den Schlaf.
 

 

Teil 2
 


Ailia erwachte, als die Tür aufging. Ein schlanker D’arjo betrat den Raum, zog sich einen Stuhl an ihr Bett und musterte sie genauso kühl wie die Krankenschwester vorher.

„Mein Name ist Raklan“, sagte er und die Art und Weise, wie er sie betrachtete, gefiel Ailia überhaupt nicht. „Ich bin der Kommandant dieses Schiffes.“

Sie zog ihre Decke bis an ihr Kinn, was ihr ein spöttisches Verziehen seiner Mundwinkel einbrachte.

„Dürfte ich Ihren Namen erfahren?“ Er war noch immer recht höflich, doch Ailia hörte genauso den kalten Unterton und wusste, dass dieser Mann es gewohnt war, Befehle zu erteilen.

„Ailia“, sagte sie leise. „Ailia Luciana el Tek’aro.“

Raklan lehnte sich zurück und verschränkte die Arme. „Der Captain Ihres Schiffes hat mich über den netten Unfall, der Ihnen passiert ist, bereits informiert. Vielleicht interessiert es Sie, zu wissen, dass Sie sich im Sektor Hayok befinden. Recht weit vom terranischen Hoheitsgebiet entfernt.“

Ailia ließ sich keine Regung anmerken. Hayok war so ziemlich der abgelegenste Winkel des d’arjotischen Imperiums. Allerdings auch sehr weit vom eigentlichen Kriegsschauplatz entfernt und sicherlich nicht direkt von den Folgen des Krieges betroffen. Ob das gut oder schlecht war, wagte Ailia jetzt nicht einzuschätzen.

Der D’arjo musterte sie noch immer stechend und fuhr fort, als sie nicht reagierte. „Wir waren zufällig in der Nähe, als ihr Schiff materialisierte. In einem sehr desolaten Zustand“, erklärte er spöttisch. „Mit mehr oder weniger lebenden Terranern an Bord. Nun, mein Schiff ist nicht gerade das, was Sie vielleicht unter einem Passagierraumschiff verstehen. Eigentlich ist es ein Handelsschiff.“

Er machte wieder eine Pause und Ailia hatte das ungute Gefühl, dass ihr der Schock erst noch bevor stand. „Ja?“, fragte sie zögernd.

Raklan verzog schon wieder spöttisch den Mund. „Eigentlich haben wir die verletzten Menschen aus nur einem Grund geborgen. Weil wir davon ausgingen, recht preisgünstig an neue Ware zu gelangen...“

Ailia starrte ihn eine ganze Weile an, ehe durchsickerte, was das für eine Ware war. Und sie wurde blass. „Es... es existierte ein Friedensvertrag“, brachte sie hervor.

„Wissen Sie“, fuhr Raklan fort. „Das ist mir so egal. Ich hätte genauso gehandelt, wenn wir noch mitten im Krieg ständen. Hier, in dieser Gegend, interessiert es niemanden, wer wen abschießt. Und es wird niemand nach Ihnen fragen...“ Sein Grinsen wurde jetzt sogar richtig ekelhaft und Ailia, die eigentlich der Meinung war, dass D’arjos ein faszinierendes Gesicht hatten, sagte sich, dass dieser hier ein ausgesprochen hässliches Exemplar war. „Es besteht immer eine große Nachfrage nach Menschen. Vor allen nach Frauen... Ich weiß gar nicht, warum.“ Raklan lehnte sich vor und Ailia musste sich zwingen, nicht zurück zu weichen. „Sicherlich wundern Sie sich, warum ich Ihnen das alles erzähle, ja?“

Das stimmte. Sie runzelte die Stirn. „Sie haben doch bestimmt allen anderen erzählt, dass sie vorhaben, sie zu verkaufen.“

„Nein, Ailia, das habe ich nicht“, erklärte Raklan ironisch. „Es ist nicht nötig, da sie zeitig genug erfahren, was sie erwartet. Allerdings ist es auch schwer, es ihnen zu erklären, wenn sie nur bruchstückhaft D’arjo sprechen.“ Er zuckte mit den Schultern. „Meine Kunden sind daran gewöhnt, dass ungewöhnliche Sklaven eine gewisse... Eingewöhnungszeit brauchen.“

Obwohl Ailias Herz noch immer hämmerte, wich sie dem Blick Raklans nicht aus. „Warum erzählen Sie es mir?“

„Nun...“ Raklan lehnte sich zurück. „Es gibt da ein kleines Problem, dass Ihren Verkaufswert, Ailia, etwas ... mindert.“

Ailia schluckte. Wenn er feststellte, dass sie ihm nichts nützte, würde er sie dann kaltblütig umbringen? „Meine... Verletzung?“

„Nein.“ Raklan grinste jetzt eindeutig süffisant und sie konnte sehr gut die vier Reißzähne in seinem Mund erkennen. „Ihre Verletzung wird heilen. Aber meine Kunden bevorzugen Frauen, die nicht bereits von einem D’arjo beansprucht werden. Vielleicht erzählen Sie mir einfach einmal, wer für die nette Narbe an Ihrer rechten Schulter verantwortlich ist? Eigentlich reicht mir sein Name. Vielleicht würde er einen genau so netten Preis bezahlen, um Sie wieder zu bekommen?“

Ailias Hand fuhr automatisch zu ihrer Schulter, als die Erinnerung schlagartig auf sie einstürmte. Natürlich wusste sie, was dort zu sehen war und manchmal stand sie abends vor dem Spiegel, berührte die vier kleinen Narben und ging schmunzelnd die ganzen Ausreden durch, die ihr schon eingefallen waren, wenn jemand sie darauf angesprochen hatte. Sie hatte keinem Menschen die Wahrheit gesagt. Weil es wahrscheinlich niemand verstanden hätte. Und sie bis heute nicht verstand, warum sie damals nicht schreiend aufgesprungen und davon gelaufen war.

„Ailia?“, störte Raklan, jetzt eindeutig hart, ihre Überlegungen.

„Tec’or von Gemlandor“, sagte sie leise und bemerkte das erstaunte Hochziehen seiner Augenbrauen.

Raklan erhob sich, jetzt wieder höflich und nickte zum Abschied. „Es war nett, sich mit Ihnen zu unterhalten.“

Ailia grub ihre Zähne in die Unterlippe, als die Tür sich schloss und die Erinnerungen in ihrem Kopf hochstiegen.

 

~*~*~*~

Vergangenheit

 

Ailia saß zwischen den Beinen Tec’ors, lehnte mit dem Rücken an ihm und genoss die Wärme seines Körpers in der abendlichen Kühle. Er hatte seine Arme um sie geschlungen, den Kopf gegen den Felsen in seinem Rücken gestützt und die Augen geschlossen.

Zwei Jahre waren seit dem interessanten Zwischenspiel in der Höhle vergangen und in diesen zwei Jahren war Ailia zu der Ansicht gekommen, dass Tec’or die einzige Person war, mit der sie reden konnte und die sie verstand. Und ihr war vollkommen egal, dass er ein D’arjo war. Ihrem Vater gefiel es überhaupt nicht, dass Ailia noch immer den größten Teil ihrer Freizeit mit Tec’or verbrachte und nicht zusammen mit den anderen kichernden Mädchen ihrer Klasse sehnsüchtig irgendwelchen Jungs hinterher schwärmte.

Eigentlich war Annabell das einzige Mädchen, mit dem Ailia neben Tec’or öfter verkehrte und sie bezeichnete sie als ihre beste Freundin. Trotzdem schüttelte sie manchmal über Annabells kindliche Naivität den Kopf, doch sie verkniff sich jede Bemerkung, wenn die Mädchen die Köpfe zusammenstecken, mit roten Wangen einem der Jungs nachstarrten und darüber schwärmten, wer mit wem gehen wollte.

Sie fand es lächerlich. Und sie fand die Jungs lächerlich, die manchmal genauso kicherten wie die Mädchen und deren Köpfe noch viel röter wurden, wenn sie versuchten, zweideutige schmutzige Bemerkungen von sich zu geben. Ailia wettete für sich sogar, dass sie nicht einmal wussten, was sie da sagten. Und alle wären bestimmt sehr schockiert gewesen, wenn Ailia ihren Mund aufgemacht hätte.

Denn es war so. Ailia war neugierig. Und sie hatte in Tec’or jemanden gefunden, dessen Neugier noch um einiges größer war als ihre. Und jemanden, der keine Hemmungen hatte, auch illegale Wege zu finden, um seine Neugier zu befriedigen. Ailia konnte sich noch sehr gut an den Tag erinnern, als sie und Tec’or unter dem Vorwand, Hausaufgaben machen zu wollen, in ihrem Zimmer verschwanden und Tec’or ein Buch hervor holte, das er in der Bibliothek seines Vaters gefunden hatte und die beiden Teenager die nächsten Stunden damit verbrachten, die Bilder auszuwerten und einzelne Abschnitte zu lesen. Natürlich kicherten sie, schließlich waren sie damals erst dreizehn gewesen und fanden viele der Sachen komisch oder abstoßend.

Aber Ailia ließ es keine Ruhe, dass Tec’or diese Orgasmussache so toll gefunden hatte und wollte keine Ruhe geben, ehe sie dieses Erlebnis auch geteilt hatte und es selbst einschätzen lernte. Als ihr Tec’or dann erklärte, dass er mit seiner eigenen Hand das gleiche erreichen konnte und halbe Nächte mit dem, von dem sie jetzt wussten, dass es Masturbieren hieß, verbrachte, fand Ailia eine Stelle in dem Buch, in der erklärt wurde, dass eine Frau dasselbe erreichen konnte, wenn sie sich berührte.

Sie hatte Tec’or damals erklärt, dass sie das auch probieren wolle, was dieser überhaupt nicht abstoßend fand, sondern sogar neugierig fragte, ob er zuschauen könnte. Ailia hatte es abgelehnt, weil sie doch erst einmal allein wissen wollte, wie es war, doch Tec’or war viel zu neugierig, um es lange dabei zu belassen.

So kam es, dass sie beide mehr oder weniger erfolgreiche Versuche starteten, sich selbst und später, sich gegenseitig zu berühren. Ailia erzählte nie jemanden davon, nicht einmal Annabell, da diese schon ganz entsetzt reagierte, als einmal das Thema Sex aufkam und erklärte, sie fände schon Küssen eklig.

Ailia fand Küssen einfach fantastisch. Tec’or auch und nach Annabells entsetzter Reaktion kam Ailia zu der Ansicht, dass D’arjos vielleicht in dieser Hinsicht viel offener waren, weil sie sowieso gern ihre Zunge benutzten. Allerdings schreckten sie beide vor dem eigentlichen Sexakt zurück, aber sie gaben sich gegenseitig das Versprechen, dass sie es das erste Mal zusammen probieren wollten. Wenn sie beide soweit waren. So vergnügten sie sich mehr damit, gegenseitig ihre Körper zu erkunden und stellten fest, dass das sehr befriedigend sein konnte.

Ailia grinste nach Annabells entsetzter Reaktion in sich hinein und fragte sich, wie Ann reagieren würde, wenn sie gewusst hätte, wo Ailia ihre Lippen überall schon hatte. Und Tec’or war in dieser Hinsicht noch sehr viel experimentierfreudiger, vor allem mit seiner Zunge - sicherlich auch so eine D’arjossache. Er hatte ihr einmal gesagt, dass dieser bestimmte Geruch, der von ihr ausging, wenn ihr etwas besonders gefiel, ihn wahnsinnig machte und Ailia musste ihn einmal bremsen, indem sie ihm gegen die Stirn schlug, weil er plötzlich seine Zähne ins Spiel brachte und so knurrte, dass es Ailia mit der Angst zu tun bekam. Tec’or war so über sich selbst erschrocken, dass ihm Ailia nicht lange böse sein konnte, obwohl sie einen wunderschönen blauen Fleck mit seinen Zahnabdrücken im Oberschenkel hatte. Danach musste sie ihm hundert Mal versichern, dass sie ihn trotzdem liebte.

Am nächsten Tag hatte er ein d’arjotisches Aufklärungsbuch aufgetrieben und Ailia, die die Sprache genau so gut las wie sie sie sprach, erfuhr mit großen Augen, dass richtige Bisse beim Verkehr zwischen D’arjos nicht ungewöhnlich waren. Ja, es bedeutete eher, dass der jeweilige Partner den anderem mit einem Zeichen versah, das aussagte, dass sie zusammen gehörten. Tec’or hatte sie stürmisch geküsst und gesagt, er würde sie nicht beißen, aber wenn sie es zulassen würde, würde er aller Welt zeigen, dass er sie liebte.

Das Ganze war jetzt ein Jahr her. Ailia verbrachte jede freie Minute mit Tec’or. Ihr Vater schien zu ahnen, dass da mehr war als eine Freundschaft, doch er sprach sie nie darauf an. Oder er wollte es nicht wahr haben, dass seine Tochter mit einem D’arjo zusammen war. Jedenfalls behandelte er Tec’or zwar höflich, aber immer etwas distanziert und Ailia begann sich langsam unwohl zu fühlen, wenn sie die Blicke bemerkte, die ihr Vater Tec’or manchmal zuwarf.

Deshalb zog sie es vor, Tec’or zu besuchen, weil sich dessen Eltern immer freuten, sie zu sehen. Und nachdem Auris, Tec’ors Mutter, Ailia einmal zur Seite genommen und mit ihr ein Gespräch von Frau zu Frau geführt hatte, bei dem Ailia einen hochroten Kopf bekommen hatte, war ihr klar, dass Tec’ors Eltern Bescheid wussten. Auris erklärte mit einem feinen Lächeln, dass es unter D’arjos auch sehr schwer war, so etwas zu verbergen, da ihre empfindlichen Nasen kleinste verräterische Düfte an anderen Wesen wahrnahmen. Und es nicht zu übersehen war, dass Tec’or nur nach ihr roch und umgekehrt. Dann folgte ein Gespräch über Verhütung und das, obwohl Ailia erklärte, dass sie nicht zusammen schliefen und am liebsten ausgerissen wäre. Jedenfalls schienen Tec’or Eltern nichts dagegen zu haben, meinten aber, dass andere Menschen möglicherweise nicht dieses Verständnis aufbringen würden.

Wie schmerzhaft das sein konnte, war ihnen heute in der Schule klar geworden, als ein jüngere Junge mit dem Finger auf sie zeigte, als sie sich mit Tec’or unterhielt, und gerufen hatte: „Ailia liebt’n D’arjo!“

Es klang wie ein Schimpfwort und obwohl sie sich nichts anmerken ließ, bemerkte sie doch die Blicke, die ihr einige Mitschüler zuwarfen und es tat ihr weh. Als dann noch ein Schüler böse zu Tec’or meinte: „Mein Dad sagt, bald werden wir alle D’arjos von unserem Planeten vertreiben“, reichte es ihr.

Ehe Tec’or reagieren konnte, war sie aufgesprungen, hatte dem Jungen ins Gesicht geschlagen und war aus dem Raum gestürzt.

Sie hatten sich erst am Abend wieder getroffen, hier an diesem Felsen und Tec’or hatte Ailia einfach an sich gezogen, als sie anfing zu weinen und gesagt, er würde sie nie verlassen.

„Miss Chan hat ihn verwarnt“, flüsterte er in ihr Ohr, als sie sich an ihn lehnte. „Ich will nicht, dass du traurig bist, Lucie. Ich habe schon schlimmere Dinge gehört.“

Ailia schniefte leise. Er nannte sie nie Ailia. Als sie sich das erste Mal begegneten, waren sie beide sieben und Tec’or lernte erst die terranische Sprache. Er fand Ailia zu schwer und meinte, als er erfuhr, dass sie einen zweiten Vornamen besaß, dass dieser sowieso schöner sei. Jetzt fand Ailia, dass ihr Name aus seinem Mund einfach wie ein Kosewort klang und es machte ihn einzigartig, da nur er sie Lucie nannte und niemand anders sonst.

„Warum hat er so etwas gesagt? Warum sollten die D’arjos den Planeten verlassen?“, fragte sie verwirrt.

Tec’or seufzte. „Mein Vater sagt auch, dass es zu Unruhen auf einzelnen Planeten gekommen ist, die schnell in eine ernsthafte Auseinandersetzung umschlagen können.“

Ailia drehte den Kopf und sah ihn nachdenklich an. Manchmal kam er ihr viel erwachsener vor als sie selbst. Vielleicht hatte es damit zu tun, dass er größer und kräftiger als die schmalen kindlichen Jungen in ihrem Alter war. Wenn sie ihn schätzen müsste, wäre er locker mit sechzehn oder siebzehn durchgegangen, aber sie wusste, dass das für einen D‘arjo normal war. Meist benahm sich Tec’or nicht so, aber heute sah er sie genauso ernst und erwachsen an.

„Was heißt das?“

Er berührte sanft mit den Lippen ihren Mund. „Wenn ein Krieg ausbricht, sind D’arjos auf menschlichen Welten nicht mehr sicher“, sagte er leise.

Ailia schlang ihre Arme um seinen Hals. „Ich will nicht, dass du gehst“, flüsterte sie erstickt. „Ich will ohne dich nicht mehr leben.“

Er drehte sie wieder und zog sie mit dem Rücken zwischen seine Beine. „Ich bleibe bei dir“, schnurrte er und seine Zunge fuhr über ihren Hals. „Ich liebe dich, Lucie.“

„Ich liebe dich auch.“ Sie lehnte den Kopf zur Seite und ihr ging durch den Kopf wie fantastisch es war, die Vibrationen seines Schnurrens an ihrer Haut zu spüren. Ein Lächeln huschte über ihre Lippen, als seine Finger ihre Hose aufknöpften und sie seufzte leise.

„Lucie“, flüsterte er und sie hörte die unterdrückte Erregung in seiner Stimme. „Dieser Geruch macht mich verrückt. Wieso geht das bei dir so schnell. In den Büchern stand, bei einer Frau dauert das länger...“

Ailia kicherte und griff hinter sich. „Also, ich fühle, bei dir geht das auch recht schnell...“

„Bei Männern ist das normal“, murmelte er und ließ seine Finger in dem schmalen Slip verschwinden. Sie war so feucht und mittlerweile wusste er, dass es diese Feuchtigkeit war, die ihm sein Geruchsinn anzeigte und dass es bedeutete, sie war genau so erregt wie er. Er knurrte leise, presste seine Lippen gegen ihren Hals, während seine Finger sie streichelten. Ihr gefiel das und es gab Tage, an denen er sie fast wahnsinnig machte, indem er sie nur neckte, ehe ihr seine Finger oder seine Zunge die Erlösung brachten, nach der sie verlangte. Jetzt allerdings wollte er ihr nur nah sein und der Druck in seiner eigenen Hose war zu stark, als dass er die Beherrschung dazu aufgebracht hätte. Denn er wusste, wenn er mit ihr fertig war, würde sie sich mit ihm beschäftigten und das war etwas, was er liebte.

Ihre kleine Hand in ihrem Rücken massierte ihn durch den Stoff seiner Jeans und er knurrte wieder, als er Druck in seinem Körper stärker wurde. „Hör auf“, fauchte er leise und biss sie in den Hals.

Ailia kicherte. „Warum denn?“, fragte sie verspielt und rieb sich an ihm. Sie wusste genau, wie schnell er die Beherrschung verlor und es gefiel ihr, wenn sie die Ursache war. „Ich fasse dich gern an.“ Ihre Hand umfing die dicke Beule in seiner Hose. Sie griff fester zu, als er einen Finger in ihr verschwinden ließ. Schauer huschten über ihre Haut und sie stöhnte leise. Sie fühlte, wie er sich gegen ihre Hand stieß und lächelte.

„Lucie“, knurrte er warnend, schlang seinen zweiten Arm um sie und presste sie an sich. Eigentlich war es keine Warnung. Oder doch. Eigentlich wollte er, dass sie sich nachher zu ihm umdrehte und ihren süßen Kopf dorthin bewegte, wo jetzt ihre Hand war. Und er wollte nicht in seiner Hose kommen. Ihr Kichern sagte ihm jedoch, dass genau das passieren würde. Sie kannte ihn zu gut. Beherrschung war nicht unbedingt eine Stärke von ihm.

Ailia fühlte sein Zittern. Seine Finger rieben sie und für einen Moment spürte sie die Spitzen seiner Krallen. Komischerweise ließ das ihre Erregung in die Höhe schnellen und Tec’or zog scharf die Luft ein, als der Geruch stärker wurde.

„Verdammt!“, stieß er hervor. Seine Finger spürten den harten Knoten zwischen ihren Beinen und sie keuchte auf, als er ihn zwischen seine Finger nahm. Unbewusst presste sich ihre Hand in ihrem Rücken härter um seine in der Hose versteckte Erektion und der D’arjo fauchte auf. „Oh Gott, Lucie...Lucie...“, knurrte er, weil der Sturm, der durch ihn tobte, einfach zu groß wurde. Sie hatten sich immer abwechseln befriedigt. Nie zur gleichen Zeit, und dass sie ihn jetzt nicht losließ, sondern keuchend ihren Finger um ihn schloss, brachte ihn um den Verstand.

Er hörte ihr Aufstöhnen, presste seine Finger gegen sie und grub seine Zähne in ihre Schulter, als sie leise schrie und ihn im gleichen Moment sicherlich unbewusst erbarmungslos quetschte. Er folgte ihr übergangslos, knurrend und die Zähne noch immer in ihrer Schulter vergraben.

Es dauerte eine ganze Weile, ehe sie beide wieder auf dem Boden ankamen und ihm aufging, was er getan hatte.

„Scheiße“, murmelte er verstörte, fuhr instinktiv mit der Zunge über die Verletzung ihrer weichen Haut und fühlte sie zittern. „Es tut mir Leid“, flüsterte er erstickt und irgendwie verzweifelt. „Bitte, Lucie...“

„Du hast mich gebissen“, hauchte sie und klang irgendwie fassungslos.

Tec’or zog sie an sich, ohne seine Lippen von dem Biss zu lösen. „Es tut mir Leid“, murmelte er gegen ihre Haut. „So Leid...“ Seine Zunge leckte das Blut auf. Er tat das instinktiv, ohne darüber nachzudenken, aber es war gut, weil er verräterische Flecken auf ihrem engen Top verhinderte.

Ailia starrte in den Sonnenuntergang. Obwohl ihre Schulter brannte, fühlte sie sich wie in einem Traum. „Du hast mir dein Zeichen gegeben“, flüsterte sie verträumt und fühlte ihn den Atem anhalten.

„Du bist nicht böse?“, fragte er ungläubig.

„Irgendwie... nicht...“ Sie lehnte sich an ihn. „Mach weiter mit deiner Zunge. Das nimmt den Schmerz.“

„Ja?“ Er klang verzückt, als er wieder begann, über die Verletzung zu lecken. „Meine Frau“, flüsterte er neben ihrem Ohr. „Du bist meine Frau, Lucie...“

Und sie nickte lächelnd. Es klang so gut. Und so richtig.
 

 

Teil 3

Gegenwart



Ailia seufzte und strich sich über die Augen, als die Erinnerungen abklangen.

Sie waren so naiv gewesen. Ein halbes Jahr später brach der Krieg aus und alle D’arjos verließen Avalon. Sie mussten es. Erste Anschläge auf d’arjotische Mitbürger hatten gezeigt, dass es nur noch eine Frage der Zeit war, bis die Situation auch auf Avalon eskalieren würde. Ailia erinnerte sich noch genau an den Tag, an dem Tec’or ging und sie beide weinend aneinander hingen, bis ihre Eltern sie trennten. Sie war fünfzehn und als das Raumschiff startete und sie ihm schluchzend nachsah, war sie der Meinung, dass sie ohne ihn niemals weiter leben konnte. Dass sie sich niemals wieder verlieben würde, weil sie den Rest ihres Lebens an ihn denken würde.

Anfangs hatte sie die Hoffnung, dass der Krieg nicht lange dauernd würde. Sie wartete auf ihn, obwohl die Hoffnung mit jedem Jahr kleiner wurde. Menschliche Jungs interessierten sie nicht. Sie waren kindisch und lächerlich in ihrer Art und Ailia verglich die farbigen Augen immer wieder mit dem hellen Gelb Tec’ors.

Es dauerte eine ganze Weile, ehe sie sich von Annabell überreden ließ auszugehen, andere Jungs zu treffen und zu vergessen. Irgendwann kam sie zu dem Schluss, dass sie es versuchen sollte. Und wurde so grenzenlos enttäuscht.

Als sie zum ersten Mal einen anderen Jungen küsste, fühlte sie gar nichts. Er stellte sich dumm an und als er anfing, wie ein Irrer mit seiner Zunge in ihren Mund zu stoßen, stieß sie ihn angeekelt von sich. Er nannte sie prüde und zickig, doch Ailia kehrte ihm den Rücken zu und zischte böse, er hätte wohl erst mal Unterricht nehmen sollen.

Sie vermisste Tec, sie träumte von ihm und je älter sie wurde, umso deutlicher kristallisierte sich der Gedanke in ihrem Kopf heraus, dass ihr Verhältnis mit dem D’arjo recht ungewöhnlich war.

Ihr erstes Mal war ein Fiasko und sie fragte sich danach, ob es mit Tec’or anders gewesen wäre. Und sie verfluchte sich, es nie getan zu haben. Zumindest steckte der D’arjo ihren Körper in Brand und zwar in einer Art und Weise, wie es nie wieder ein anderer Mann schaffte.

Die ganzen Dinge, die sie mit dem D’arjo getan hatte, stießen bei vielen der Jungen in ihrem Alter auf Unverständnis und Ablehnung und irgendwann hielt Ailia einfach ihren Mund. Natürlich saß in ihr die Hoffnung, eines Tages einen Mann zu finden, mit dem sie genau so offen und neugierig umgehen konnte. Jemanden, der sie nicht komisch ansah, wenn sie ungewöhnliche Ideen hatte, sondern jemanden, der es ausprobierte und erst dann sagte, ob es ihm gefiel oder nicht.

Ailia seufzte wieder, griff nach den Krücken neben ihrem Bett und versuchte sich in ein paar Gehversuchen.

Sie war jetzt dreißig Jahre alt und hatte langsam die Hoffnung aufgegeben, diesen Mann zu finden. Kevin war zumindest einfühlsam genug, sie nicht zu drängen und sein Verlangen nach Sex war zu Ailias Erleichterung nicht sonderlich stark ausgeprägt. Sie nahm an, dass sie mit ihm gut zurechtkommen würde. Auch wenn es ihrer Beziehung an Leidenschaft fehlte, aber nach all den Jahren nahm Ailia sowieso an, dass sie diejenige war, der es an Feuer fehlte und sie froh sein konnte, einen Mann wie Kevin gefunden zu haben, den das nicht störte.

Ailia konzentrierte sich auf das Laufen mit den beiden Krücken und fühlte, wie ihr der Schweiß ausbrach. Es war nicht so einfach wie sie es sich vorgestellt hatte und erforderte vor allem in ihren Armen eine ungeheure Kraft. Man hatte sie aus der Krankenstation in ein eigenes Zimmer verlegt, ohne dass sie einen der anderen Menschen zu Gesicht bekam. Wahrscheinlich hatte man Angst, dass sie irgendetwas sagte, was diese Menschen noch nicht wissen sollten. Ein, manchmal zweimal am Tag schaute die d’arjotische Krankenschwester nach ihr, doch sie redete nur das Nötigste und reagierte auch nicht auf Ailias Versuche, ein Gespräch in Gang zu bringen.

Ailia fühlte sich einsam. Auch wenn es ihr an nichts mangelte und man sie sogar recht luxuriös untergebracht hatte. Sicherlich bedeutete das, dass man sich eine Menge davon versprach, sie zuvorkommend zu behandeln.

Sie selbst allerdings hatte berechtigte Zweifel daran, dass ein Tec’or, den sie das letzte Mal vor fünfzehn Jahren gesehen hatte, irgendwelche horrende Summen für sie zahlen würde. Ja, sie nahm sogar an, dass er lachen würde, wenn man ihm erzählte, dass irgendein Pirat eine Menschenfrau gefangen genommen hatte.

Wie mochte es ihm ergangen sein? Ob er verheiratet war? Kinder hatte?

Sie hatte sich jahrelang gewünscht, ihn wieder zu sehen. Doch der Gedanke, dass das jetzt passieren könnte, machte ihr komischerweise Angst. Auf ihre Fragen antwortete ebenfalls niemand, man ließ sie im Ungewissen, was ihr weiteres Schicksal betraf. Ailia nahm allerdings an, dass, solange man sie so zuvorkommend behandelte, es entweder noch keine Nachricht gab oder eben eine positive vorlag. Es konnte auch nicht ohne Weiteres davon ausgegangen werden, dass Tec’or noch lebte, aber nach Raklans Reaktion auf den Namen nahm Ailia an, dass dieser dem Händler ein Begriff war.

Keuchend setzte sie sich nach einer halben Stunde wieder auf ihr Bett. Am liebsten hätte sie die Krücken in eine Ecke geschmissen, doch sie wusste, dass ihr Kreislauf die Bewegung brauchte. Und zum Glück hatte man sie so mit Schmerzmitteln voll gepumpt, dass sie zumindest in dieser Richtung keine Probleme hatte.

Zwei Wochen waren seit dem Unfall vergangen und einige der wenigen Dinge, die ihr die Krankenschwester und der noch schweigsamere Arzt mitgeteilt hatten, war, dass die Verletzung gut heilte. Durch die Knochenzellen, die dem Bruch zugeführt worden waren, in Verbindung mit den Wachstumshormonen, war der Knochen zusammengewachsen, durfte jedoch noch nicht belastet werden.

Ihr Atem hatte sich gerade wieder beruhigt und sie wollte erneut aufstehen, als die Tür aufging und der Arzt ihre Kabine betrat, dicht gefolgt von Raklan.

„Ich grüße Sie, Ailia“, sagte der hässliche D’arjo mit seinem schiefen Grinsen. „Ich möchte Sie bitten, mir zu folgen.“

„Was ist passiert?“

Raklan lächelte vergnügt. „Natürlich hätte es auch seinen Reiz gehabt, Sie näher kennen zu lernen. Aber ich habe eine Menge Geld mit der Bedingung erhalten, meine Krallen von Ihnen zu lassen. Ich denke, Sie verlassen uns heute.“

Ailias Herz fing wie verrückt an zu hämmern und sie wusste, dass es den empfindlichen Ohren der D’arjos nicht verborgen blieb.

„Folgen Sie mir.“

Ächzend stemmte sie sich mit den Krücken wieder hoch und fluchte lautlos, als ihr klar wurde, dass sie jetzt durch das halbe Schiff hinken sollte. „Ist es weit?“, wagte sie zu fragen.

„Ich bin sicher, Sie schaffen es“, meinte Raklan ungerührt und war schon zur Tür hinaus.

Es dauerte noch einmal eine halbe Stunde, ehe sie in dem langsamen Tempo die Strecke bis zum Gleiterhangar zurückgelegt hatte. Diese Zeit reichte, um die Nervosität zur Nebensächlichkeit werden zu lassen, weil sie mehr damit zu tun hatte, sich auf den Krücken vorwärts zu bewegen und gegen die Schweißausbrüche zu kämpfen.

Deshalb war sie einfach nur erleichtert, als sich endlich die Schotten zum Hangar öffneten und hinkte hinter Raklan durch die Tore.

Es waren zwei D’arjos, die dort warteten, und in dem Moment, in dem Ailia sie sah, fühlte sie, wie sich ihre Kehle zuschnürte und Tränen in ihre Augen traten. Beide sahen sie an. Der ältere D’arjo, Tec’ors Vater Acto, einfach nur erleichtert, während sie dem anderen D’arjo keine Regung im Gesicht ansah. Doch es bestand kein Zweifel. Sie erkannte sein Gesicht, als wäre es gestern gewesen. Das schmale, markant geschnittene Gesicht, die noch immer kurzen, schwarzen Haare, die den Blick auf die spitz auslaufenden Ohren frei ließen und diese gelben Katzenaugen, die soviel ausdrücken konnten, wenn sie wollten.

„Tec“, schluchzte Ailia, ohne es zu wollen, während die Krücken zu Boden knallten und sie dem D’arjo um den Hals fiel. In diesem Moment dachte sie nicht und ihr Körper reagierte wie von allein. Sie fing an zu weinen und wusste selbst nicht warum. Weil die Anspannung abfiel... Erleichterung...

Acto starrte einen Moment fassungslos auf seinen Sohn, dessen Gesicht einen kurzen Moment fast weich wurde, ehe er seine ausdruckslose Miene wieder aufsetzte, aber trotzdem die Hände hob und Ailias Oberarme umfing.

„Es ist okay“, murmelte Tec’or leise. „Beruhige dich.“

Ailia löste sich fast verlegen von ihm und strich sich über sie Augen. „Oh Gott, ich bin eine Heulsuse. Du ... du bist erwachsen geworden, Tec.“

Der D’arjo nickte stumm, ehe er Raklan über Ailias Kopf hinweg fixierte. „Ich nehme an, damit ist die Angelegenheit erledigt?“

Raklan neigte diensteifrig den Kopf. „Es war mir eine Ehre, mit Euch Geschäfte zu machen, Lagan."

Acto hatte sich nach Ailias Krücken gebückt und reichte sie ihr mit einem freundlichen Lächeln. „Du hast dich zu einer jungen Dame entwickelt, Ailia. Ich freue mich wirklich, dich zu sehen. Wenn auch die Umstände etwas... weniger schön sind.“

Tec’ors jetzt recht gereizter Blick wanderte von Raklan zu Ailia. „Er hat dich nicht angerührt, Ailia?“

„Nein.“ Sie schüttelte den Kopf und starrte ihn einen Moment verblüfft an. Ailia? Aus einem unergründlichen Grund fühlte sie schon wieder Tränen in ihre Augen treten und blinzelte schnell, um sie zu vertreiben. ‚Was erwartest du?’, wies sie sich zurecht.

„Sein Glück“, sagte der D’arjo nur, drehte sich um und ging auf den Gleiter zu, der im Hangar stand.

Ailia blickte nachdenklich auf seinen Rücken, dann zu Acto, doch der ältere D’arjo schüttelte nur irgendwie betrübt den Kopf.

„Geht es mit Laufen, Ailia?“, erkundigte er sich freundlich.

Ailia schaffte es, ein missglücktes Lächeln auf ihre Lippen zu bringen. „Sicher. Es ist ja nicht mehr weit.“

Trotzdem war sie mehr als froh, endlich im Gleiterinnern angekommen zu sein und fiel in einen der Sessel. Acto setzte sich neben sie und Tec’or verschwand kurz, wahrscheinlich, um dem Piloten Anweisungen zu geben.

„Und, Ailia“, begann Acto ein Gespräch. „Wie geht es dir?“

„Gut“, murmelte sie und fühlte eine eigenartige Nervosität in sich hochsteigen, als Tec’or zurückkam und sich in den Sessel ihr gegenüber setzte. „Den Umständen entsprechend. Acto, ich werde alles zurückzahlen, was ihr...“

„Einen verdammten Dreck wirst du tun“, fauchte Tec’or dazwischen und beachtete Actos zornigen Blick gar nicht.

Ailias Kopf war bei dieser Bemerkung in seine Richtung gefahren und sie sah ihn fassungslos, ja fast entsetzt an. Er erwiderte den Blick ungerührt.

„Ignorier ihn, Ailia“, sagte Acto leise. „Er ist für seine Unhöflichkeit bekannt. Natürlich wirst du nichts an uns zurückzahlen. Wir sind froh, dir helfen zu können. Irgendwie hatte ich gehofft, von Tec wenigstens ein Ich freue mich, dich zu sehen zu hören...“

Ailia sah, wie Tec’or seine Zähne aufeinander biss und fragte sich, was in diesen vielen Jahren geschehen war, um aus dem lebenslustigen Jungen, an den sie sich erinnerte, diesen Mann zu machen, der sie ansah, als bereue er, sie überhaupt gerettet zu haben. Unsicher schaute sie wieder Acto an. „Ich habe nicht daran geglaubt, dass Raklans Rechnung aufgeht. Was geschieht jetzt mit mir?“

„Wir werden dich nach Hause zurückbringen“, erklärte Acto. „Leider lässt es unser Zeitplan nicht sofort zu. Wir haben dringende Geschäfte zu erledigen, die uns weiter in das d’arjotische Imperium hineinführen. Aber sobald es unser Zeitplan zulässt, werden wir Avalon ansteuern. Lebst du noch dort?“

Ailia nickte, obwohl in ihrem Kopf ein fürchterliches Durcheinander herrschte. Es sah jetzt so aus, als müsste sie sich auf eine längere Zeit an Bord des d’arjotischen Raumschiffs einstellen.

Acto lächelte freundlich. „Ich habe dich gar nicht so schweigsam in Erinnerung“, versuchte er, sie aufzumuntern. „Natürlich werden wir deinen Vater informieren, damit sich niemand Sorgen macht. Er lebt doch noch, oder?“

„Ja“, brachte sie heraus und wurde unter Tec’ors sie musternden Blick immer nervöser.

Sicherlich merkte das auch Acto und versuchte, die Situation etwas zu entschärfen. „Und bist du verheiratet? Kinder?“

Sie schüttelte den Kopf. „Ich... ich bin verlobt. Ich werde im Sommer heiraten.“

„Das freut mich für dich“, erwiderte Acto und bedachte Tec’or nochmals mit einem zornigen Blick. „Tec, wenn du nicht aufhörst, ihr Angst einzujagen, verschwinde aus dem Raum.“

Ailia musste ihm Recht geben und wunderte sich, dass Tec’or überhaupt mit hier war, wenn ihm ihre Anwesenheit so offensichtlich missfiel.

„Es tut mir Leid“, sagte sie leise, „dass ich euch solche Umstände bereite.“

„Vergiss es“, kam es von Tec’or bedeutend ruhiger und Ailia bemerkte erstaunt, wie verblüfft Acto plötzlich hochsah, als könne er nicht fassen, dass Tec’or seinen Befehl befolgte.

Ailia lächelte ihn schüchtern an. „Ich habe mir immer gewünscht ... euch noch einmal zu sehen.“ Sie hätte lieber dich gesagt, wagte es jedoch bei seinem Gesichtsausdruck nicht.

Acto stand auf. „Ich denke, ich lasse euch mal allein. Ailia, er sieht zwar aus, als hätte er vor, dich zu fressen, aber er war derjenige, der gedroht hat, Raklans ganze Sippe auszurotten, wenn er dir ein Haar krümmt.“

Tatsächlich?

Tec’or knurrte gereizt, als ihn Ailia verblüfft ansah. Dann schlossen sich die Türen hinter Acto und sie war mit dem D’arjo allein. Ein unangenehmes Schweigen breitete sich aus und Ailia rutschte unbehaglich auf ihrem Stuhl hin und her.

„Du hast dich kaum verändert“, brach Tec’or plötzlich die Stille.

„Nein?“ Sie lächelte nervös. „Du... auch nicht sehr. Du bist halt... erwachsen.“

„Ja.“

Sie konnte sich nicht erinnern, dass es jemals schwer gewesen war, sich mit ihm zu unterhalten. Aber dieser D’arjo, der jetzt vor ihr saß, war ihr fremd. „Was...hast du so gemacht?“

„Gekämpft.“

Ailia schluckte. „Gekämpft?“, brachte sie dann hervor.

„Wir hatten Krieg“, erwiderte er ironisch. „Ich habe Terraner abgeschossen.“

Sie sah ihn stumm an und wunderte sich kurz, welche Reaktion er jetzt erwartete. „Der Krieg ist vorbei“, sagte sie dann.

„Ja.“

„Wie geht es... deiner Mutter?“, erkundigte sie sich zögernd.

Einen kurzen Moment flackerte es in seinen gelben Augen. „Sie ist tot.“

„Oh.“ Ailia schluckte wieder. „Das... tut mir Leid.“

„Ein terranischer Jäger hat ihr Schiff abgeschossen“, setzte er noch hinzu.

Ihr Mund fühlte sich plötzlich trocken an und sie befeuchtete ihre Lippen mit der Zunge. „Tec, das tut mir so Leid“, flüsterte sie und wieder traten Tränen in ihre Augen. „Bist du deshalb so... anders?“

Er starrte sie an und für einen Moment richteten sich die Haare auf seinem Kopf auf. „Anders?“, fragte er sarkastisch. „Ich bin keine Fünfzehn mehr.“

„Nein“, antwortete Ailia traurig.

Sie hatte davon geträumt, ihn noch einmal zu treffen, geträumt, was sie alles sagen wollte, geträumt, wie sie gemeinsam in alten Erinnerungen schwelgen würden. Kein einziges Wort davon kam über ihre Lippen. Es war etwas von dem jungen Tec’or in seinen Zügen. Die schmalen Augen, die Art und Weise, wie er die Lippen verzog. Er war noch gewachsen und etwas breiter in den Schultern geworden, hatte aber noch immer die schlanke sehnige Gestalt, die sie an ein Raubtier erinnerte, wenn er sich bewegte. All das war ihr trotz der langen Zeit irgendwie noch immer vertraut. Und trotzdem umgab ihn eine Art Kälte, die ihr Angst machte.

„Wo ist der lebenslustige Tec hin, an den ich mich erinnere?“, fragte sie leise.

„Er ist im Krieg gestorben“, antwortete er genauso leise. „Gestorben, als seine Freunde im terranischen Feuer explodierten... Gestorben, als seine Mutter zu einer Staubwolke wurde... Gestorben, als er zusehen musste, wie sich ganze Planeten in Gluthöllen verwandelten.“ Er stand auf und vergrub seine Hände in seinen Hosentaschen. „Ich weiß, dass Avalon nicht im Zentrum des Krieges lag.“

Diesen Moment nutzte Acto, um wieder zur Tür hinein zu schauen. „Wir erreichen die AMORRI in fünf Minuten.“

Ailia stemmte sich hoch und angelte nach ihren Krücken. „Wo lebst du, Tec?“

„Auf dem Schiff“, meinte er gleichgültig. „Wir sind Händler. Zu unserer Flotte gehören zwanzig Schiffe.“ Er beobachtete, wie sie mit den Krücken hantierte. „Sobald wir die AMORRI betreten, wird dich ein Arzt untersuchen. Ich möchte sicher gehen, dass diese Stümper keinen Mist gebaut haben.“

Ailia lächelte schwach. „Plötzlich besorgt?“, konnte sie sich nicht verkneifen zu fragen.

Er funkelte sie schon wieder gereizt an, sagte jedoch nichts mehr, als er sie vor sich aus dem Raum treten ließ.
 

Teil 4

 

Tec’or war an diesem Abend zum ersten Mal froh, als sich die Türen seiner Kabine hinter ihm schlossen. Er hatte mehr als einmal die eigenartigen Blicke seines Vaters gesehen, der wahrscheinlich nicht fassen konnte, an seinem Sohn seit langer Zeit wieder eine Gefühlsregung zu entdecken.

Er warf sich aufs Bett und schloss die Augen. Als ihn die Information über Ailias Unfall erreichte, hatte er neben der grenzenlosen Wut auf diesen unverschämten Idioten zum ersten Mal seit langer Zeit wieder Angst verspürt. Ailia war eine Erinnerung, die er weit nach hinten in seinen Kopf geschoben hatte – die Erinnerung an seine Kindheit und eine heile Welt. Sie jetzt in Gefahr zu wissen, weckte all das, was er verdrängt hatte. Bis ihn nur noch ein einziger Gedanke beherrschte: Wenn sie auch noch stirbt... Er hatte Jahre benötigt, um den Panzer um sich selbst zu errichten, der ihn abschirmte. Der ihn schützte. Es hatte ihm den Ruf eines eiskalten Rechners eingebracht, eines D’arjos, der wusste, was er wollte und seinen Willen gnadenlos durchsetzte.

Als er heute ihren dunklen Lockenkopf durch die Gleiterschotten treten sah, ihre dunklen, noch immer so vertrauten Augen, in denen die Tränen schimmerten und als sie ihm wortlos um den Hals fiel, stürzte sein mühsam errichtetes Kartenhaus in sich zusammen.

Natürlich besaß er genug Selbstbeherrschung, sich das nicht anmerken zu lassen, doch das Chaos in seinem Körper reichte, um ihn durcheinander zu bringen. Plötzlich schien es erst gestern gewesen zu sein, als sie sich weinend aneinander klammerten, ihre Eltern sie auseinander zerrten und ihn in das Raumschiff verfrachtet hatten. An diesem Tag blieb ein Teil von ihm auf Avalon zurück. Später als er älter war und schon mit etwas bissigeren Blicken in die Welt schaute, redete er sich ein, es wäre eine jugendliche Verliebtheit gewesen. Schließlich war sie nur eine Terranerin – und das Wort mittlerweile ein Schimpfwort.

Er begann D’arjos, reihenweise flach zu legen, suchte das Vergessen in deren nur allzu willigen Körpern und träumte von braunen Augen und krallenlosen Händen. Bis ihn der Krieg in seinen Bann zog und mit jedem D’arjo, den er sterben sah, ein weiterer Teil von ihm selbst starb. Es gab Tage, an denen er sich wünschte, endlich auch zu sterben. Sein Vater nannte ihn herzlos und einen Eisblock, auch wenn er seine kühle Art, Geschäfte abzuschließen, schätzte. Und als die Nachricht von Auris Tod sie erreichte, war es, als hätte man ihm den letzten Anker, der ihn am Leben hielt, genommen.

Wo ist der lebenslustige Tec’or hin?

Er fluchte leise. Er hatte genau ihr Zusammenzucken gesehen, als er Ailia sagte. Ailia und nicht Lucie. Er nahm an, dass er sie in dem Augenblick, in dem das Lucie über seine Lippen gekommen wäre, einfach umarmt und sich gewünscht hätte, sie nie wieder loszulassen. Glücklicherweise hatte sein Vater nach ihrer Hochzeit gefragt und das Wissen um ihre Verlobung beruhigte das Chaos in seinem Kopf etwas. Und er schaffte es, den Idioten, in den er sich fast verwandelt hätte, zurück zu drängen.

Was hatte er erwartet? Fünfzehn Jahre waren vergangen. Es war sein Problem, dass er keine Beziehung auf die Reihe brachte. Wie auch? Die meisten Frauen hatten Angst vor seiner Art und sahen ihn lieber von hinten als von vorn. Auch wenn er für d’arjotische Verhältnisse nicht schlecht aussah. Und auch, wenn viele eine Nacht mit ihm nicht ausschlugen. Aber das war alles.

Ailia schien kein Problem zu haben, wenn sie heiraten wollte. Spät, aber immerhin.

Es beruhigte ihn etwas, vom Arzt zu erfahren, dass man sie ordentlich versorgt hatte, die Genesung jedoch einfach noch Zeit brauchte. Mit dem letzten Rest seiner Beherrschung brachte er sie zu der Kabine, die sie in den nächsten Monaten bewohnen sollte. Acto hatte sich schon verabschiedet. Tec’or wusste, dass es eigentlich nichts Wichtiges gab, das ihn wegrief, sondern dass Acto seine eigenen Gründe hatte, ihn mit Ailia allein zu lassen.

„Ich möchte nicht, dass du die Kabine verlässt“, erklärte er ihr, nachdem sie sich kurz umgesehen hatte und ihr trauriges Lächeln schnürte ihm die Kehle zu.

„Von einer Gefangenschaft in die Nächste?“, hatte sie gefragt.

„Nein. Es sind zu viele D’arjos an Bord, die im Krieg gegen Terra Angehörige verloren haben. Es dient nur deiner Sicherheit.“ Seine Stimme klang wunderschön gefühllos, auch als sich ihre Augen wieder mit Tränen füllten. Aber er setzte noch hinzu. „Mit mir oder Acto kannst du die Kabine natürlich verlassen.“

Sie fuhr sich durch die Haare und er drehte sich zur Tür um, weil die Geste schon wieder einen Schwall Erinnerungen in ihm hochsteigen ließ. Er war schon fast draußen, als sie leise sagte:

„Ich bin froh, dich noch einmal treffen zu können.“

Er hatte die Augen geschlossen, ohne dass sie es sah, nickte stumm und flüchtete.

Und jetzt lag er auf seinem Bett, verfluchte sich selbst und wusste genau, dass er in dieser Nacht wenig Schlaf finden würde.

~*~*~*~

Ailia dagegen schlief wie eine Tote. Trotz ihrer Nervosität war die Anspannung der letzten beiden Wochen von ihr abgefallen. Sie war in Sicherheit. Jedenfalls so sicher wie ein Mensch auf einem d’arjotischen Schiff sein konnte.

Sie erwachte am nächsten Morgen frisch und ausgeruht und war erstaunt, dass sie nicht einmal geträumt hatte. Nachdem sie geduscht hatte, inspizierte sie die Kabine. Sie war schmucklos eingerichtet. Ein breites Bett, eine PC-Konsole, an der sie wahrscheinlich Zugriff in das Bordnetz erhielt, eine Fensterfront, die im Moment nichts anderes als gelbe Punkte auf schwarzem Hintergrund zeigte, also das Echtbild von draußen und die kleine Duschkabine. Das war alles. Nicht mehr, als ihr auf Raklans Schiff zur Verfügung gestanden hatte. Aber auch nicht weniger.

Ihr Magen knurrte und sie sah sich die Computerkonsole genauer an. In terranischen Schiffen war es möglich, über das bordinterne System auch Essen zu bestellen und nach Tec’or Ankündigung am gestrigen Abend wagte sie nicht, die Kabine zu verlassen.

Zum Glück erinnerte sie sich auch noch an die d’arjotische Schrift und vertiefte sich in die einzelnen Menüpunkt auf dem aktivierten Bildschirm. Sie war so vertieft, dass sie gar nicht nach der Zeit sah und fuhr zusammen, als der Summer ihr einen Besucher ankündigte.

„Ja“, rief sie, weil sie nicht wusste, wie sie die Tür sonst öffnen sollte. Es schien richtig zu sein, denn die Tür fuhr zischend auf und Tec’or betrat den Raum.

Allerdings sah sein Gesichtsausdruck nicht freundlicher aus als am Vortag. Aber Ailia konnte auch nicht ahnen, dass er gerade mit seinem Vater diskutiert hatte, weil er sich hatte weigern wollte, sich in den nächsten Wochen um Ailia zu kümmern. Acto war seit langer Zeit einmal wieder laut geworden und hatte wütend geschrieen, dass Ailia auf dem Schiff des Sklavenhändlers besser aufgehoben war und er nicht so ein Drama hätte machen sollen, wenn er die Terranerin gar nicht hier haben wollte.

Tec’or war blass geworden und der Gedanke, dass Raklan vorhatte, Ailia genau wie die anderen Terraner und Terranerinnen an irgendwelche D’arjos zu verkaufen, schnürte ihm die Kehle zu.

Er war wortlos aus Actos Kabine gestürzt und stand jetzt hier.

„Hallo, Tec“, begrüßte ihn Ailia freundlich. „Kann man über dieses System etwas zu Essen bestellen?“

„Ja.“ Er nickte. „Wenn du möchtest, können wir in der Cafeteria frühstücken.“

„Ehrlich?“ Ihre Augen leuchteten, als sie sich erhob und den Raum nach ihren Krücken durchsuchte.

Tec’or bückte sich und reichte sie ihr. „Kommst du allein klar? Ich meine, überhaupt... mit allem?“

„Sicher.“ Sie lächelte schwach. „Ich musste es die ganzen vergangenen vierzehn Tage. Und jetzt wird es von Tag zu Tag besser.“

Es war nicht weit bis in die Kantine. Ailia fühlte sich eigenartig. Sie begegneten einigen D’arjos, von denen manche sie nicht beachteten, andere sie neugierig und andere wiederum komplett feindselig anschauten. Tec’or war genau so wortkarg wie am Vortag, wurde allerdings auch von keinem anderen D’arjo angesprochen.

Ich würde ihn auch nicht ansprechen, ging es Ailia durch den Kopf. So grimmig wie er schaut.

„Setz dich“, unterbrach er ihre Gedanken. „Ich bringe dir etwas mit.“

Sie nickte, lehnte die Krücken an die Wand und setzte sich auf einen der freien Stühle. Es war unheimlich, so komplett nur von D’arjos umgeben zu sein und zu wissen, dass es kaum einen Monat her war, seit der Friedensvertrag unterzeichnet worden war.

Tec’or kam zurück und stellte Kaffee und Brötchen vor sie auf den Tisch. Jedenfalls sah es aus wie Kaffee und schien etwas Ähnliches zu sein. Ailia hatte plötzlich keine Lust mehr, sich von seiner bösen Miene einschüchtern zu lassen.

„Du arbeitest also mit deinem Vater zusammen?“, begann sie.

„Ja.“

„Womit handelt ihr?“

„Mit allem. Größtenteils Raumschiffteile, Gleitern, Privatjachten. Aber auch mit allen anderen technischen Güter und Maschinen, wenn es verlangt wird.“ Er sah sie kurz an. „Wir vertreiben die Teile, die dein Vater produziert.“ Sie erwiderte seinen Blick und Tec’or ging einen Moment durch den Kopf, dass er sich an jeden ihrer Gesichtszüge erinnern konnte. Auch nach diesen fünfzehn Jahren. Aber die Unsicherheit, die sie ausstrahlte, irritierte ihn. In seiner Erinnerung gab es kaum etwas, was seiner Ailia Angst gemacht hätte. Aber schließlich hatte das Leben auch ihn verändert.

„Bist du... verheiratet?“, fragte sie zögernd und war komischerweise wirklich neugierig auf seine Antwort.

„Nein.“

Das war alles. Ailias Zähne gruben sich in ihre Unterlippe. „Eine... Freundin?“

„Nein.“

Jetzt klang er eindeutig gereizt.

„Tec, ich verstehe nicht, warum du auf Raklans Forderungen eingegangen bist“, sagte sie leise. „Du siehst eher aus, als wäre es dir lieber, ich wäre ganz weit weg. Aber ich habe gemeint, was ich sagte. Ich werde euch alle Aufwendungen ersetzen...“

„Lucie!“, fuhr er auf und hätte sich im nächsten Moment am liebsten selbst auf den Mund geschlagen. Ein kaum sichtbares Lächeln huschte über ihre Lippen und er knirschte zwischen den Zähnen hindurch: „Ich hätte nie zugelassen, dass dir etwas passiert, solange ich es verhindern kann. Und wenn du noch einmal davon anfängst, dass du mir oder Ac irgendetwas schuldest, werde ich nicht mehr freundlich sein.“

„Du bist jetzt freundlich?“, murmelte sie und kämpfte mühsam gegen das Lächeln, das immer breiter zu werden drohte. Sie trank einen Schluck von dem Kaffeegetränk.

„Jeder D’arjo an Bord dieses Schiffes wird dir bestätigen, dass ich im Moment sehr freundlich bin“, erklärte er kühl und sah genau, wie sie sich das Lächeln verkneifen musste. „Ich könnte dir dann das Schiff zeigen, aber ich weiß nicht, wie weit du schon laufen kannst. Oder wir besorgen einen Rollstuhl.“

„Du willst mich in einem Rollstuhl durch das Schiff schieben?“ Sie klang amüsiert. „Nein, danke.“

„Die nächsten Wochen werden schwer für dich werden. Die wenigsten D’arjos auf diesem Schiff finden den Gedanken an eine Terranerin an Bord schön.“

„Ich werde es überleben.“ Sie spielte gedankenverloren mit dem Brötchen. „Und schließlich werde ich heimkehren. Im Gegensatz zu den anderen Menschen, die mit mir an Bord waren.“

Tec’or zuckte mit den Schultern. „Möglich, dass du nicht pünktlich zur Hochzeit erscheinst.“

„Möglich“, sagte sie leise. Das war ihr kleinstes Problem. Kevin würde den Termin einfach um ein paar Wochen oder Monate verschieben.

Er lächelte etwas missglückt. „Ich habe gedacht, du bist längst verheiratet. Hast ein paar Kinder und so...“

Ailia seufzte. „Hat sich halt nicht so ... ergeben...“

„Und jetzt hast du ihn getroffen? Den Traummann?“ Tec’or hoffte, es klang nicht so bissig wie er es dachte.

Ailia starrte auf ihr Brötchen, hob dann den Kopf und murmelte. „Ich glaube, ich bin satt. Können wir ... gehen?“

Seine Augenbrauen schossen in die Höhe. Er hatte das als Junge schon getan und Ailias Kehle schnürte sich zu. „Sicher“, sagte er dann nur, ohne seine Frage noch einmal zu wiederholen, während er nachdenklich beobachtete, wie sie seinem Blick auswich.

Vor ihrer Kabine drehte sie sich zu ihm um. „Es ist sehr anstrengend für mich, mit den Krücken zu laufen. Ich werde mich einfach noch ein wenig hinlegen.“

Tec’or nickte. Er stand jetzt so nah vor ihr, dass er den Duft, der von ihr ausging wahrnehmen konnte. Es war nur ihr eigener, was bedeutete, dass es schon eine Weile her war, dass sie mit ihrem Verlobten näher zusammen war. Der leichte Geruch nach Seife war unterlegt mit dem Geruch, der zu ihr gehörte und Tec’or kämpfte gegen den Drang, sie einfach in den Arm zu nehmen und zu sagen, dass sie sich keine Sorgen zu machen bräuchte.

„Wenn du etwas brauchst... oder Hilfe... Du erreichst mich über das Bordnetz. Möchtest du heute Abend in deiner Kabine essen?“, fragte er zögernd.

Ailia hob den Kopf und schaute in seine gelben Augen. „Würdest du... mir Gesellschaft leisten?“

Wieder war da diese Unsicherheit in ihrer Stimme, die ihn irritierte. Er nickte langsam. „Wenn du es möchtest...“

Im gleichen Moment musste er den Kopf drehen, weil ein Strahlen in ihre Augen getreten war, das seine Kehle zuschnürte. Mühsam kämpfte er darum, dass sein Gesicht den gleichgültigen Ausdruck behielt, den alle von ihm kannten, aber seiner Stimmte traute er nicht mehr.

Deshalb neigte er zum Abschied nur den Kopf und drehte sich um. Aber das leise Lächeln, das ihre Lippen umspielt hatte und das ihm noch immer so vertraut war, ließ ihn in den nächsten Stunden nicht los.

 

Teil 5
 


„Verflucht“, schimpfte Ailia und sah zum zehnten Mal auf die Uhr. Es war fast Mittag, Tec’or noch immer nicht aufgetaucht und ihr Magen knurrte mit jeder Minute lauter.

Sie befand sich jetzt vierzehn Tage auf dem Schiff. Seit einer Woche durfte sie die Krücken weglassen und sollte sich bemühen, allein zu laufen. Es schmerzte und sie kam langsamer voran, aber sie freute sich über jeden Fortschritt.

Tec’or war nicht viel gesprächiger geworden, verhielt sich aber auch nicht komplett abweisend. Acto hatte ihr in den vergangenen Tagen versucht zu erklären, dass Tec’or eine Menge Leute, Freunde, seine Mutter – verloren hatte und der Krieg aus ihm einen sehr verbitterten D’arjo gemacht hatte. Er tat Ailia Leid, aber die Nähe, die sie in ihrer Kindheit geteilt hatten, war verschwunden.

Sie wagte nicht, tiefer in ihn zu drängen, weil sie Angst hatte, er würde ihr den Eingriff in seine Privatsphäre übel nehmen. Und trotzdem genoss sie seine Gegenwart. Sie hätte Stunden damit verbringen können, ihn einfach nur anzusehen und in Erinnerungen zu schwelgen. Natürlich sah sie schnell weg, wenn er es bemerkte und tat völlig unbeteiligt, doch ihr Blick wanderte immer wieder zu ihm.

Jetzt allerdings war sie wütend, weil er sie einfach hängen ließ, ohne ihr Bescheid zu geben. Und deshalb beschloss sie, dass es nicht so schlimm sein konnte, die Cafeteria einmal allein aufzusuchen.

Es waren nur wenige D’arjos anwesend, stellte sie fest, als sie mühsam den Weg bis in die Kantine gehinkt war. Manchmal traf sie ein verwunderter oder ärgerlicher Blick, aber die offene Feindschaft schien verschwunden. Zögernd steuerte Ailia einen Tisch an, an dem nur eine einzelne D’arjo saß.

„Hallo“, sagte sie schüchtern und musste über den fassungslosen Blick der Frau lächeln. „Ich würde mich gern zu Ihnen setzen. Bitte sagen Sie mir, wenn Sie das stört, ich verstehe es vollkommen.“

Es dauerte eine Weile, ehe die D’arjo ihre Sprache wieder gefunden hatte. „Nein, es ist kein Problem. Bitte setzen Sie sich, Ailia.“

Ailia stellte ihr Tablett auf den Tisch und sah sie verblüfft an. „Sie kennen meinen Namen?“

Die Darjo lächelte freundlich. „Ich bin Tara, Schiffspsychologin. Es gibt niemanden an Bord, der Ihren Namen nicht kennt. Dazu ist das Schiff zu klein. Und auch wenn viele, dazu zähle ich mich ebenfalls, Terranern gegenüber skeptisch und misstrauisch sind, wünscht Ihnen doch niemand das Schicksal, das Sie getroffen hat.“

„Welches Schicksal?“ Ailia verstand gar nichts mehr.

„Ausgerechnet *ihm* zu gehören...“ Tara sah sich um. „Wieso sind Sie überhaupt allein hier? Ich nahm an, Tec’or hat Ihnen verboten, Ihre Kabine zu verlassen.“

„Hat er. Ja“, antwortete Ailia geistesabwesend. „Ich gehöre ihm?“

Die D’arjo schluckte fast erschrocken. „Er hat Sie gekauft, Ailia. Und es möchte weiß Gott niemand mit Ihnen tauschen. Allein der Gedanke, auf *sein* Wohlwollen angewiesen zu sein. Niemand versteht, warum er es überhaupt getan hat. Obwohl...“ Sie hob witternd den Kopf und Ailia erinnerte sich plötzlich an die feinen Nasen der D’arjos. „Dafür scheint er Sie nicht gekauft zu haben.“ Sie grinste verschmitzt. „Obwohl er darin klasse sein soll, behaupten die wenigen, die... Etwas dominant, aber klasse... Ist Ihnen nicht gut, Ailia?“

„Was? Nein. Doch.“ Ailia war kreidebleich geworden und umklammerte ihre Kaffeetasse. Gekauft? Sie hatte angenommen, er hätte eine Art Lösegeld für sie bezahlt. Er hatte sie richtig gekauft? Wie eine Ware?

„Oh Gott!“ Tara sah plötzlich genauso blass aus wie sie selbst. „Ailia, das sieht gar nicht gut für Sie aus. Ich denke, ich verschwinde mal. Ich stehe nicht sonderlich auf Wutausbrüche. Nicht einmal, wenn ich sie nicht abbekomme.“

Ailia folgte ihrem Blick und entdeckte einen wirklich sehr zornig aussehenden Tec’or in der Tür, der mit gesträubten Haaren die Tische scannte und dann auf sie zugestürzt kam. Wortlos packte er ihren Arm, zerrte sie hinter dem Tisch hervor und in Richtung Ausgang. Ailia stolperte, weil sie ihm mit dem schmerzenden Bein kaum folgen konnte.

„Au!“, fluchte sie und Zorn stieg in ihr hoch. „Tec!“

Er reagierte nicht, ließ sie allerdings auch nicht los. Sie blieben vor einer fremden Kabinentür stehen und Tec’or stieß sie durch die geöffneten Schotten.

„Verdammt!“ Ailia stolperte wieder und fuhr zu ihm herum. Sie kam nicht dazu weiter zu sprechen, denn in dem Moment, als sich die Tür schloss, tobte er los.

„Ich hatte dir verboten, deine Kabine allein zu verlassen! Das ist ein D’arjoschiff, Ailia! Und ich habe die Befehlsgewalt auf diesem Schiff! Ich verlange, dass du dich an diese Befehle hältst!“ Seine gelben Augen schienen Funken zu sprühen, während seine Haare kerzengerade in die Luft standen.

Er war wirklich wütend, doch Ailia reckte trotzig das Kinn in die Luft. „Ich hatte Hunger!“

„Na und?!“, schrie er außer sich. „Ich will dich allein nicht auf diesem Schiff sehen! Und ich werde dich einsperren, wenn du dich nicht daran hältst!“

„Ich bin nicht deine Gefangene!“, schrie sie zurück.

„Du bist viel mehr als das!“, brüllte er wütend.

In Ailias Kopf tickte etwas aus. „Es stimmt, ja?“, stieß sie hysterisch hervor. „Du hast mich gekauft? Warum hast du das getan, Tec?!“

„Ich will, dass du Avalon lebend wieder siehst!“

„Indem du mich kaufst!? Ich gehöre dir nicht! Verstanden?!“ Sie wollte an ihm vorbei zur Tür drängen, doch sein Arm stoppte sie.

„Du gehst da jetzt nicht raus“, sagte er gefährlich leise.

„Wie willst du mich daran hindern?! Fesseln?“ Sie fuhr herum und stieß ihm die Hand gegen die Brust. „Bist du wirklich das Arschloch, für das dich alle hier an Bord halten?“

„Ich will nur, dass dir nichts passiert. Das heißt nicht, dass ich die Situation ausnutzen würde.“

„Ausnutzen!“, kreischte Ailia auf. „Komm mir bloß nicht zu nah! Ich will hier raus. Wo bin ich überhaupt? Ist das deine Kabine?“ Sie sah sich panisch um und wurde blass. Weil ihr hysterischer Verstand ihr plötzlich eine Menge Ausnutzungsvarianten vorgaukelte. „Oh Gott, Tec, das ist nicht wahr!“ Sie wich zurück und bemerkte gar nicht, dass er sie einfach nur fassungslos anstarrte. „Komm ja nicht auf den Gedanken, von mir irgendetwas als Dankbarkeit zu fordern“, schrie sie ihn an. „Ich werde keinen Sex mit dir haben!“

Sein Unterkiefer klappte nach unten, weil das im Augenblick so ziemlich der letzte Gedanke war, der durch seinen Kopf schwirrte.

„Ich mag keinen Sex! Ich werde dich treten und schreien und...“ Sie hatte nicht aufgepasst, stolperte rückwärts über einen im Raum stehenden Stuhl und krachte auf den Boden. „Shit. Au!“, fing sie an zu jammern, als der Schmerz durch ihr Bein schoss. Ihre Hände umklammerten ihren Oberschenkel und sie fühlte eine wohlbekannte Übelkeit in sich aufsteigen, die eine nahende Ohnmacht ankündigte.

Ihre Worte lösten die Starre, die Tec’or befallen hatte. Mit einem Satz war er bei ihr und sank neben ihr zu Boden.

„Geh weg“, wimmerte Ailia. „Es tut so weh Tec. Ist es wieder gebrochen?“

Ohne ihre Proteste zu beachten, nahm er sie auf seine Arme und trug sie schnurstracks zur Krankenstation. Es dauerte nur fünfzehn Minuten, in denen der Arzt röntgte, sie beruhigte und ihr ein schmerzlinderndes Medikament spritzte. Doch diese Zeit reichte, um die Panik abklingen zu lassen. Wortlos nahm Tec’or sie wieder auf seine Arme und trug sie zurück. Als sie an ihrer Kabinentür vorbei kamen, öffnete sich Ailias Mund. Sie schloss ihn jedoch wieder, weil er einfach nur knurrte und die Haare aufstellte.

Wieder in seiner Kabine, legte er sie vorsichtig auf dem Bett ab und zog ihr die Schuhe aus. Ailia wich sofort an das Kopfende zurück, beobachtete, wie er seine Schuhe ebenfalls wegkickte und sich an die Metallstreben des Fußendes lehnte und sie fast amüsiert anstarrte. Ein Blick, den sie in den vergangenen Wochen noch nie an ihm gesehen hatte.

„Du magst keinen Sex?“, fragte er nach einer Weile und klang belustigt.

„Nein“, zischte sie. „Und ich will nicht mit dir darüber reden!“

„Lucie, du spinnst. Ich kann mich an sehr vieles erinnern, was wir beide miteinander getan haben und was in direkten Zusammenhang mit Sex stand. Du hattest eine Menge Spaß daran.“

„Wir haben nicht miteinander geschlafen!“

„Nein. Aber so ziemlich alles getan, was man in diesem Zusammenhang sonst noch tun kann. Und es hat dir gefallen. Wieso magst du keinen Sex?“

„Wieso bin ich hier? Ich will in meine Kabine!“, fuhr sie auf.

„Weil ich Antworten möchte.“

„Muss ich dazu in deinem Bett liegen?“

„Lucie, ich werde dich nicht vergewaltigen.“

„Das würde dir auch keinen Spaß machen!“

„Was sagt dein Zukünftiger zu deinen Abneigungen?“

„Ich gehe jetzt!“ Sie wollte aus dem Bett springen, doch er war schneller hochgefahren und stieß sie einfach wieder zurück.

Ailia schnappte nach Luft, weil er seine Hände zu beiden Seiten ihres Körpers auf das Bett stützte und sie damit, ohne sie zu berühren, festhielt. Einen Augenblick war er ihr so nah, dass sie die hellen Funken in den gelben Augen sehen konnte und ihr wurde warm, weil sie damit rechnete, dass er sie küssen würde und nicht wusste, wie sie reagieren sollte.

Er tat es nicht, sondern sah sie nur ruhig an, aber er registrierte sehr wohl die Hitze, die in ihre Wangen stieg.

„Du bleibst hier“, sagte er leise und lehnte sich langsam wieder zurück ans Fußende. „Wovor hast du Angst, Lucie?“

„Ich will in meine Kabine“, erklärte sie stur.

Tec’or verzog das Gesicht, stand auf und mixte zwei Drinks an der kleinen Zimmerbar. „Es interessiert mich nicht, was du willst“, erklärte er kühl. „Ich sagte, du bleibst hier.“ Er reichte ihr den Drink. „Vielleicht sollte ich dich gleich hier einquartieren, damit du nicht wieder auf den Gedanken kommst, allein durch das Schiff zu spazieren.“

Ailia musterte ihn aus schmalen Augen. „Tara hatte vor dir Angst. Langsam verstehe ich, warum.“

Er lächelte amüsiert. „Du hast vor mir keine Angst. Dir macht der Gedanke an Sex zu schaffen. Und das ist etwas, was mir absolut nicht in den Kopf will.“ Er ließ sich ebenfalls wieder auf das Bett fallen. „Schließlich habe ich dich als ein Mädchen kennen gelernt, das recht verrückt nach bestimmten Dingen war... Also, was ist schief gegangen?“

Sie funkelte ihn an. „Wie oft soll ich dir noch sagen, dass ich nicht darüber reden will?“ Wütend trank sie einen Schluck des scharfen Getränks.

„Ich habe eine Menge Geld für eine Sexsklavin bezahlt.“

Ailia spuckte den Drink über das halbe Bett und Tec’or fing an zu lachen. Noch fassungsloser als seine Worte machte sie jedoch das Lachen. Der harte Ausdruck seines Gesichtes verschwand und der junge D’arjo, mit dem sie ihre Kindheit geteilt hatte, blitzte in seinen Augen.

„Kleiner Scherz, Lucie“, murmelte er belustigt.

„Ich finde das nicht witzig“, sagte sie, als ihr ihre Stimme wieder gehorchte.

Nachdenklich beobachtete er sie über den Rand seines Glases hinweg. „Jetzt weiß ich, dass das, was wir als Kinder getan haben...ungewöhnlich war, Lucie. Ich habe eine Menge Mädchen mit dem schockiert, was ich tun wollte oder von dem ich gern wollte, dass sie es tun. Und keine von denen war auch nur andeutungsweise so begeistert bei der Sache wie du. Oder so schnell auf Touren zu bringen... Was ist schief gegangen?“

Ailia fühlte wie die Röte in ihr Gesicht kroch und lächelte schwach. Seine Worte und auch die Art und Weise wie er es, ohne Verlegenheit zu empfinden, sagte, erinnerte sie plötzlich wieder an das vertraute Verhältnis, dass sie miteinander geteilt hatten. Keiner von ihnen beiden hatte Hemmungen gehabt, den anderen etwas zu fragen oder zu sagen, was er wollte. „Ich habe eine Weile gebraucht, ehe ich den Versuch startete, einen anderen Jungen zu treffen.“

„Eine Weile?“

„Zwei Jahre.“

Tec’or hob die Augenbrauen, sagte jedoch nichts.

„Ich habe auch ein paar Jungs schockiert. Oder sie mich, keine Ahnung. Ich habe keinen gefunden, der mich je wieder so schnell auf Touren brachte...“

„Was ist mit... wie heißt er eigentlich?“

„Kevin.“ Sie starrte in die Luft. „Kevin ist... nett.“ Tec’or schnaubte kurz, ehe er sein Glas hinunter kippte. Ailia warf ihm einen bedeutungsvollen Blick zu. „Warum bist du nicht verheiratet?“

Er wandte seine Augen nicht von ihr ab. „Ich bin auf Dauer unerträglich.“

„Wieso? Du warst einer der nettesten Menschen... ich meine, D’arjos, die ich kannte.“

Er zuckte mit den Schultern. „Vielleicht wäre ich es geblieben, wenn... ohne den Krieg. Aber es hat keinen Sinn, darüber zu philosophieren. Ich habe alles gehasst, als damals das Raumschiff startete. Und ich hasste mit jedem Tag mehr.“ Plötzlich war sein Gesicht wieder die harte Maske, die Ailia in den letzten Wochen so oft gesehen hatte. „Ich habe nach der Frau gesucht, die so ist wie du.“ Er klang spöttisch, ehe er wieder an seinem Glas nippte. „Vielleicht haben wir beide zu viel geträumt. Das Leben ist hart und du kannst nur überleben, wenn du genau so hart bist.“

Ailia starrte in die goldgelbe Flüssigkeit. „Ich bin nicht hart“, sinnierte sie. „Ich bin nur... müde. Und jetzt werde ich Kevin heiraten und mit ihm zusammen die Firma meines Vaters zu neuen Höhen führen.“

Tec’or lachte auf. „Klingt wirklich toll. Und ich dachte immer, du wärst etwas romantisch veranlagt.“

„Die Romantik verschwindet ganz schnell, wenn du feststellst, dass du dich selbst viel besser befriedigen kannst als dein Partner“, murmelte sie.

„Yeah! Das ist die Lucie, an die ich mich erinnere. Offen und ehrlich. Hast du mal mit Kevin so gesprochen?“, murmelte er schon wieder belustigt.

„Spinnst du?“ Sie kippte ihr Glas hinunter. „Er hat mal gesagt, er würde sich dafür schämen, in seiner Jugend masturbiert zu haben. Ich meinte, das wäre normal und er sah mich an, als hätte ich einen Knall.“

Er lachte trocken. „Nun, mich können Frauen sehr gut befriedigen. Und ich habe mir abgewöhnt, ein schlechtes Gewissen zu haben, wenn ich sie einfach nur benutze.“

„Nicht nett“, kommentierte Ailia.

„Und ich habe mir auch abgewöhnt, darauf zu warten, dass sie das tun, was ich möchte. Ich fordere es einfach.“ Er grinste und sie sah die Reißzähne in seinem Mund blitzen.

„Gar nicht nett“, wiederholte sie.

„Nein, ich weiß. Aber viele Frauen stehen drauf.“ Er stand auf. „Noch einen?“

„Nein. Mir ist der eine schon in den Kopf gestiegen. Sie stehen auf was?“

„Das man ihnen sagt, was sie tun sollen.“

„Du bist ganz schön überheblich, weißt du das?“

Er nahm ihr das Glas ab und stellte es zurück an die Bar. „Ja. Ich mag es auch, Befehle zu erteilen.“

Ailia verzog das Gesicht. „Ist mir auch schon aufgefallen“, murmelte sie missmutig.

Tec’or lächelte freundlich und Ailia ging auf, dass er heute mehr lächelte wie in den ganzen vierzehn Tagen zusammengerechnet nicht. „Ich bestelle etwas zu Essen. Der Doc hat gesagt, du sollst das Bein heute schonen.“

„Ich glaube, ich möchte jetzt wirklich in meine Kabine.“

„Fang nicht wieder davon an“, knurrte er böse.

„Du... du wirst das nicht ausnutzen... mit dem Kaufen?“

„Nein!“ Jetzt klang er wirklich wütend. „Lucie, ich mag ein egoistisches Arschloch sein, aber es gibt genug Frauen, die mir freiwillig geben, was ich haben will! Und so nötig habe ich es auch nicht!“

„Tut mir Leid“, murmelte sie, ohne ihn anzusehen.

„Meine Kabine ist viel schöner als deine“, argumentierte er dann und wies zu der offenen Tür, die Ailia noch nicht beachtete hatte. „Und sie hat einen virtuellen Balkon.“

„Was?!“ Sie fuhr hoch und schwang die Beine aus dem Bett.

„Lucie“, schimpfte Tec’or. „Du bist die schlimmste Patientin, die ich kenne!“ Ehe sie protestieren konnte, hatte er seinen Arm um ihre Hüfte geschlungen. „Stütz dich auf mich.“

„Das ist lächerlich“, murmelte Ailia und versuchte, seine Nähe zu ignorieren. Das war nicht einfach, wenn er sie so fest gegen sich presste.

„Stimmt“, gab er zu und hatte sie im nächsten Moment auf seine Arme gehoben. „Gewachsen bist du auch nicht mehr, was?“

Ailia umklammerte erschrocken seinen Hals. Doch dann blieb ihr jedes Wort im Hals stecken, als er mit ihr durch die Tür trat. Der Balkon war vielleicht zwei Mal fünf Meter groß und diese Fläche gehörte zur Kabine, sicherlich genauso wie das Geländer. Und ihr Blick ging hinaus in eine virtuelle Dschungelwelt.

Tec’or setzte sie ab und blieb hinter ihr stehen, als sie ihre Hände auf das Geländer stützte und fassungslos hinaus starrte. „Die Wand des Raumschiffs beginnt zirka einen halben Meter hinter dem Geländer“, erklärte er und Ailia spürte seinen Atem an ihrem Hals.

„Ist das... D’arjo?“, fragte sie leise.

„Ja. Es ist das gleiche System wie auf den Holodecks und ich habe die Möglichkeit, zehn verschiedene Szenarien zu programmieren.“

„Wow.“ Sie war wirklich beeindruckt.

„Also? Wir essen auf dem Balkon?“

Allerdings hätte Ailia antworten können, was sie wollte. Er begann einfach das Essen zu holen, das der kabineninterne Service geliefert hatte.

 

Teil 6

 

„Ich finde, du solltest dir diesen Befehlston abgewöhnen, wenn du mit mir redest“, erklärte Ailia und verschränkte die Arme vor der Brust.

Tec’or runzelte die Stirn. „Was für einen Befehlston?“

„Es muss heißen: Möchtest du dir heute Abend mit mir einen Film ansehen? Und nicht: Wir schauen uns heute Abend einen Film an.“ Ihr Zeigefinger piekste in seine Brust. „Du kannst nicht davon ausgehen, dass ich Lust dazu habe.“

„Nein?“

„Nein.“ Sie erwiderte seinen Blick ungerührt und ohne die Miene zu verziehen, obwohl sie gern gewusst hätte, was jetzt in seinem Kopf vorging.

Irgendwie hatte das Gespräch in seinem Bett und das anschließende Essen auf seinem Balkon, das jetzt eine Woche zurücklag, einen Teil der Distanziertheit, mit der sie bisher umgegangen waren, beseitigt. Vielleicht war es, weil sie zum ersten Mal darüber gesprochen hatten, dass es in ihrer Kindheit eine Verbindung zwischen ihnen gegeben hatte.

Sein Stirnrunzeln verstärkte sich. „Du hast also keine Lust?“

Sie verdrehte die Augen. „Das habe ich nicht gesagt. Ich mag es nur nicht, wenn man mir Befehle erteilt.“

„Hm“, machte der D’arjo und musterte sie komisch. „Dann hättest du es aber sehr schwer gehabt, wenn dich Raklan mit den anderen zusammen verkauft hätte...“

Ailia stöhnte frustriert auf. „Wahrscheinlich hätte ich mich bei der erstbesten Gelegenheit selbst umgebracht“, knirschte sie zwischen den Zähnen hindurch. „Darum geht es jetzt aber nicht.“

„Nein? Ich denke schon. Weil das gerade kein Befehl war. Der hätte dann eher so geklungen: Du siehst dir heute Abend mit mir einen Film an.“ Er grinste schief. „Und das ist ein sehr harmloser Befehl. Wenn Raklan dich verkauft hätte, hättest du sicher ganz andere...“

„Tec!“

„Du siehst dir also mit mir keinen Film an?“

„Doch!“

„Worüber regst du dich dann auf?“

Wahrscheinlich war es sinnlos, diese Diskussion weiter zu führen. Sie ging zu der Sitzecke in der rechten Hälfte des Raumes und ließ sich in die Polster fallen. „Hast du auch schon beschlossen, was ich sehen soll?“

„Nein.“ Er stellte eine Flasche Wein auf den Tisch und setzte sich neben sie. „Ich verstehe dein Problem nicht. Da ich davon ausgehen kann, dass du jetzt eh nichts Besseres vorhast...“ Sie funkelte ihn an, weil er sich noch immer weigerte, sie allein durch das Schiff laufen zu lassen. „...habe ich gedacht, du würdest dir gern einen Film ansehen.“

„Du hast beschlossen, dass ich mir mit dir einen Film ansehe“, korrigierte sie ihn.

„Ich denke, du hast ein Problem, mit Autorität umzugehen.“ Er drehte den Kopf und lächelte sie an. „Ich wette, du sagst Kevin immer, was er tun soll.“

Ailias Augen verengten sich. „Ich will ein Glas Wein. Mach die Flasche auf.“

Tec’or hob belustigt die Augenbrauen. „Süß. Aber damit lockst du mich nicht aus der Reserve.“ Er öffnete die Weinflasche und reichte ihr das volle Glas. Dann beugte er sich zu ihr und flüsterte. „Vielleicht hättest du es im Bett auch so machen sollen. Mit den Befehlen. Ich kann es nur empfehlen. Dann hättest du vielleicht auch bekommen, was du möchtest.“

„Wenn du bekommen hättest, was du möchtest, wärst du verheiratet“, meinte sie schnippisch und nippte an dem Wein. „Wie machst du das? So in der Art: Heh Süße, sieh zu, dass du auf deine Knie kommst und mir einen bläst?“

„Lucie!“, schimpfte er gespielt, doch seine Augen funkelten. „Ich bin schon etwas weniger vulgär. Neugierig?“

Sie lachte auf. „Nein.“ Und lehnte sich gegen die Couch. „Also, was sehen wir uns an?“

Er lachte leise. „Ich finde es schön, noch einmal Zeit mit dir zu verbringen“, sagte er dann.

„Ach, plötzlich?“, brummte Ailia nur. „Mir kam es eher so vor, als wäre ich eine Plage.“ Sie drehte endlich den Kopf, weil er noch immer so beängstigend nah neben ihr saß und sah das belustigte Lächeln, das seine Lippen umspielte. „Aber wenigstens lächelst du wieder. Du solltest es öfter tun. Es hat mir schon immer gefallen.“

„Dir hat eine ganze Menge an mir gefallen“, murmelte er und seine Augen schlossen sich halb. „Ich habe nicht einmal deinen Geruch vergessen...“

Ailia hatte plötzlich Mühe zu atmen. Das Kind war aus seinen Zügen verschwunden und hatte einem Mann Platz gemacht, der sie genauso faszinierte. Einem Mann, der wusste, was er wollte und das mit seinem ganzen Verhalten ausstrahlte. Auch die Unsicherheit, die sie die ersten Tage in seiner Nähe gespürt hatte, war verschwunden. Zum ersten Mal seit langer Zeit spürte sie wieder dieses Kribbeln im Bauch, vor allem, wenn er sie ansah oder wie jetzt eine zweideutige Bemerkung machte. ‚Reiß dich zusammen!’, wies sie sich zurecht. ‚Du willst in ein paar Monaten heiraten!

Er blinzelte plötzlich, als schrecke er aus einem Traum hoch und griff nach seinem Glas. „Was möchtest du gern sehen?“, fragte er und der fast weiche Ausdruck in seinem Gesicht war verschwunden. „Ich nehme an, die Frage war jetzt richtig, oder?“

Ailia lachte. Die Anspannung, die gerade noch ihren Körper beherrscht hatte, fiel von ihr ab. Sie lehnte sich an ihn, legte die Beine auf den Tisch und sah zu ihm hoch. „Action. Keine Love-Stories. Die hasse ich, weil sie so unreal sind.“

„Action ist realer?“, erkundigte er sich belustigt und legte seine Beine neben ihre. Ein kurzer Befehl aktivierte den Holomonitor, der einen Teil des Zimmers einnahm und das Licht wurde dunkler. „Wir haben oft zusammen ferngesehen“, setzte er noch leiser hinzu und sah kurz auf ihren dunklen Lockenkopf, der an seiner Schulter lehnte.

„Hm“, machte Ailia. „Ich habe das lange nicht getan. Einfach mit jemandem gemütlich einen Film anschauen...“

Er lachte leise. „Ich auch nicht. Die wenigen Male, die eine Frau hier in meinem Zimmer war, kann ich zählen und dann habe ich die Action im Bett bevorzugt.“

Ailia griff nach ihrem Glas und schmunzelte. „Nun, dann genieß es. Ich glaube, auf deinem Schiff kann sich niemand vorstellen, mit dir einen Film anzuschauen.“

Tec’or ging auf, dass er auch nie auf den Gedanken gekommen wäre, das zu tun. Warum auch? Er wäre gezwungen gewesen, sich mit der Frau zu unterhalten... nett zu sein... Der Gedanke behagt ihm nicht. Warum also war es mit Ailia anders?

Er starrte in den Film, ohne die Handlung recht zu verfolgen und hing seinen eigenen Gedanken nach. Ailias Gesellschaft gefiel ihm. Und es gefiel ihm, mit ihr zu reden. Natürlich reagierte auch sein Körper auf sie, vielleicht war das ganz natürlich, weil die Erinnerungen an ihre gemeinsame Kindheit durch ihre Nähe wieder wachgerufen worden waren. Aber es war auf keinen Fall so, dass er das nicht unter Kontrolle hatte oder den unwiderstehlichen Wunsch verspürte, sie flach zu legen, um einfach für einen kurzen Moment alles andere zu vergessen.

Ihre Worte ‚Ich mag keinen Sex’ hatten ihm einen Schreck eingejagt und noch viel mehr entsetzte ihn, dass sie ihm zutraute, die Situation, in der sie sich befand, auszunutzen. Obwohl, gestand er sich selbst jetzt ein, das bei seinem gewöhnlichen Verhalten vielleicht eine natürliche Annahme war.

Somit konnte er ihr nicht einmal einen Vorwurf daraus machen. Er wusste, dass man ihn und sein aufbrausendes Temperament auf dem Schiff regelrecht fürchtete und diese Tatsache war ihm ziemlich egal. Aber dass Ailia vor ihm Angst haben könnte, gefiel ihm gar nicht.

„D’arjos drehen genauso lächerliche Filme wie wir“, murmelte sie neben ihm, als sich zwei D’arjos wie Wildkatzen aufeinander stürzten.

„Was erwartest du?“, fragte er amüsiert und trank einen Schluck aus seinem Glas, „von einem Actionfilm?“

Sie griff nach seiner Hand. „Hast du mir das je gezeigt mit den Krallen?“ Sie fuhr neugierig mit dem Daumen über seine jetzt fast menschlich aussehenden Finger. Die Nägel liefen spitz zu und waren härter als ein menschlicher Fingernagel.

„Ich weiß nicht“, antwortete er leise und starrte auf seine Hand in ihren.

„Na los. Fahr die Krallen mal aus.“ Trotzdem zuckte sie zusammen, als sich die Haut an den Spitzen seiner Finger zurückzog und die Krallen zu einer beachtlichen Länge von einem Zentimeter wuchsen. „Gott“, murmelte sie fasziniert. Seine Hände waren jetzt wirklich Waffen und so unrealistisch schien die Filmszene gar nicht mehr. „Damit kannst du jemanden richtig verletzen. Hast du sie schon mal eingesetzt?“ Sie hob den Kopf und schaute ihn neugierig an.

Tec’or entzog ihr seine Hand. „Nein. D’arjos sind nicht die Raubtiere, als die sie dargestellt werden. Außerdem war ich nie im Nahkampf unterwegs. Ich war Jägerpilot“, sagte er kühl.

„Ich meinte ja auch nicht im Krieg.“ Er sah sie nicht an, sondern starrte mit ausdruckslosem Gesicht auf den Holofilm. „Ich habe dich nie für ein Raubtier gehalten“, setzte sie noch hinzu.

Er biss die Zähne zusammen und Ailia bemerkte, wie seine Kiefermuskeln arbeiteten. „Es waren Raubtiere“, stieß er hervor. „Auf beiden Seiten. Gnadenlose Raubtiere... aggressiv, angriffslustig und erbarmungslos. Und schießwütig.“

Wortlos schlang sie ihre Arme um ihn und lehnte den Kopf wieder an seine Schulter. „Der Krieg ist vorbei, Tec“, flüsterte sie.

Er nickte düster, ohne sich zu rühren. „Hast du Menschen verloren, die dir etwas bedeuteten?“

„Nein“, sagte sie leise. Natürlich hatte sie von den vielen Toten gehört und manchmal war eine Person dabei gewesen, die sie kannte. Ein Geschäftspartner. Ein Mensch, der in ihrer Heimatstadt wohnte... Aber sie wusste genau, dass er das nicht meinte.

Plötzlich hob sich seine Hand und strich über ihre Haare. „Sei froh.“

„Willst du... darüber reden?“

„Nein.“ Trotzdem fühlte sie jetzt auch seinen zweiten Arm um ihren Rücken, als er sie an sich zog und sein Gesicht in ihren Haaren vergrub. „Nein.“ Aber er ließ sie auch nicht los, als wäre sie der Halt, den er plötzlich brauchte.

Ailia fiel es schwer, sich weiter auf den Film zu konzentrieren. Tränen drohten in ihre Augen zu treten und sie wünschte sich, irgendetwas sagen zu können, was seinen Schmerz linderte. Doch sie wusste, dass es da nichts gab. Deshalb hielt sie ihn einfach nur fest und hoffte, dass es ihre Nähe war, die er sich im Moment wünschte.

~*~*~*~

Sie erwachte am nächsten Morgen mit einem dumpfen Gefühl im Kopf und sah sich etwas orientierungslos um. Sie war noch immer in Tec’ors Zimmer. Allerdings hatte er die Couch ausgezogen und sie zugedeckt. Ailia nahm jedenfalls an, dass er es getan hatte, denn sie musste eingeschlafen sein.
Sie stand auf und sah sich in dem leeren Zimmer um. Am Bildschirm blinkte eine Nachricht:

Verlass das Zimmer nicht. Wenn du duschen möchtest, findest du Handtücher und einen Bademantel im Schrank.

Toll. Sie konnte sich nicht einmal an das Ende des Films erinnern. Es war eine ganze Weile her, dass sie einfach so vor dem Fernseher eingeschlafen war und auch noch so fest schlief, dass sie gar nichts um sich herum mitbekam. Allerdings musste der ungewohnte Genuss von Alkohol eine Rolle gespielte haben. Das sagte ihr jedenfalls ihr Kopf.

Missmutig durchsuchte sie Tec’ors Schrank und verschwand im Bad. Als sie es verließ, war von einem Tec’or noch immer weit und breit nichts zu sehen. Sie zog den Bademantel enger um ihre Schultern und trat hinaus auf den Balkon. Sein Programm schien einen Tag und Nachtrhythmus zu haben, denn die Lichtverhältnisse waren im Moment anders. Wahrscheinlich ging gerade die Sonne auf, auch wenn man sie nicht sehen konnte.

Ailia stützte ihre Hände gedankenverloren auf das Geländer und starrte in die virtuelle Welt hinaus. Früher hatte sie sich immer gewünscht, D’arjo einmal zu besuchen. Tec’ors Eltern wollten sie einmal mitnehmen, sie waren damals neun, wenn sie sich recht erinnerte, aber ihr Vater hatte es nicht erlaubt.

Im anderen Zimmer hörte sie das Summen der Tür und Tec’ors Schritte, als er auf den Balkon zukam.

„Bist du schon lange wach?“, fragte er und lehnte sich mit der Schulter an die Tür. Sein Blick huschte über ihre zierliche, nur von seinem ihr viel zu großen Bademantel verhüllte, Gestalt und er atmete tief durch.

Ailia drehte den Kopf zu ihm. „Nein. Ich war wohl ganz schön weggetreten gestern, oder?“

Er lächelte. „Hast du Hunger?“

„Hm.“ Sie sah wieder hinaus in die Dschungellandschaft. „Jetzt habe ich einen Teil von D’arjo zumindest einmal gesehen.“

Sie hörte sein leises Lachen. „Du warst ziemlich wütend, als dein Vater dir damals verbot, mit uns Urlaub zu machen.“

„Heute kann ich ihn verstehen. Seine einzige Tochter, nur in Begleitung von D’arjos... nein, er hätte es nie zugelassen...“

Tec’or stieß sich von der Tür ab und trat hinter sie. Ailia rührte sich nicht, obwohl ihr Herz einen Satz machte und es ihr plötzlich schwer fiel zu atmen.

„Kann ich... mein Zeichen sehen?“, fragte er leise neben ihrem Ohr.

„Tec, ich...“ Ailia wollte sich umdrehen, doch seine Hände griffen plötzlich nach ihren Schultern und hielten sie fest. Sie brachte auch kein Wort mehr heraus, als sie spürte, wie seine Finger in ihre nassen Haare fuhren und die langen Locken zur Seite schoben.

„Mir ist nie wieder jemand mit solchen Haaren begegnet“, murmelte er, während er seine Finger in den Kragen des Bademantels schob und ihn ein Stück ihre Schultern hinabstreifte.

Ailia wagte nicht, sich zu rühren. Sie spürte mit jeder Faser ihres Köpers seine Gegenwart in ihrem Rücken und eine ihr unerklärliche Schwäche breitete sich in ihren Gliedern aus.

Federleicht, kaum spürbar strichen seine Finger über die Narben an jener Stelle, an der er sie gebissen hatte. „Hast du es jemals jemandem gesagt?“, flüsterte er.

Sie schüttelte stumm den Kopf und schloss die Augen, als er den Kopf senkte und mit der Zunge über die Bissstelle fuhr. Ihre Hände umklammerten Halt suchend das Geländer, als sie fühlte, wie die Hitze durch ihren Körper fuhr und die Stelle, die er mit seiner Zunge berührte, wie Feuer brannte. Unbewusst neigte sie den Kopf zur Seite und er nahm die Einladung an. Seine Lippen strichen sanft über die zarte Haut und sie spürte seinen heißen Atem an ihrem Hals.

Bis er mit einem Ruck den Kopf hob und sie los ließ. Sie zog den Bademantel wieder über ihre Schultern und drehte sich um.

Tec’or starrte sie mit einer Mischung aus Verlangen und Verzweiflung an. „Es tut mir Leid“, sagte er leise. „Ich wollte nicht...“

Sie würde es nicht verstehen. Sie war ein Mensch. Kein Mensch konnte die Gefühle begreifen, die einen D’arjo durchströmten, wenn er mit seinem eigenen Zeichen konfrontiert wurde. Er selbst hatte es nicht gewusst, bis er ihre Schulter gesehen hatte und er verstand plötzlich, warum Raklan ihn kontaktiert hatte.

Menschen war es egal. Aber kein D’arjo würde eine Frau kaufen, die das Zeichen eines anderen trug. Sein Zeichen. Und er verspürte plötzlich eine unerklärbare Wut auf diesen Kevin, der sich etwas aneignen wollte, das ihm gehörte.

Ailia hatte ihre Sprache wieder gefunden. Sie lächelte scheu. „Hast du viele Frauen gebissen?“, fragte sie und klang irgendwie schüchtern.

„Nein“, brachte er heraus. Keine Einzige. Obwohl es ihm nicht anzusehen war, spielte sein Körper verrückt und er zwang sich gewaltsam, an etwas Unverfängliches zu denken. „Essen. Du hast gesagt, du hast Hunger? Gehen wir Essen?“ Er sah sie die Stirn runzeln und betete, dass sie sich darauf einließ, ehe er die Beherrschung verlor und forderte, was sein Zeichen versprach.

„Okay“, murmelte sie und ging an ihm vorbei ins Zimmer, um nach ihren Sachen zu suchen.
 

 

Teil 7

 

„Hallo.“

Ailia grüßte zurück, als sie Tara an einem der Tische in der Cafeteria entdeckte. Die junge D’arjo lächelte freundlich und auch die Frau an ihrer Seite musterte Ailia nicht unbedingt feindlich.

„Möchten Sie sich zu uns setzen?“, fragte die D’arjo.

Sie nickte, sah sich dann aber noch einmal um. „Es ist natürlich möglich, dass ich gerade wieder einen Wutanfall provoziere.“ Dann setzte sie sich zu den beiden Frauen. Es war jetzt das zweite Mal in dieser Woche, dass Tec’or sich morgens nicht bei ihr gemeldet hatte. Sie nahm an, dass er wirklich beschäftigt und verhindert war, aber das sollte ihn nicht davon abhalten, ihr Bescheid zu geben, wenn er ihr schon verbot, ihre Kabine zu verlassen. Am ersten Tag bestellte sie sich gegen Mittag Essen in der Kabine, heute hatte sie dazu einfach keine Lust.

„Mein Name ist Berona“, stellte sich die andere D’arjo vor.

„Es ist nett, Sie kennen zu lernen“, entgegnete Ailia höflich und goss sich Kaffee ein.

„Ich hoffe, Sie bekamen beim letzten Mal nicht zuviel Ärger“, begann Tara.

„Nein.“ Ailia lächelte.

„Tec’or ist für seine Wutausbrüche bekannt“, erklärte Berona. „Die meisten an Bord sind froh, wenig mit ihm zu tun zu haben, eben weil er auch wegen Kleinigkeiten in die Luft geht. Sein Vater muss dann jedes Mal wieder gerade biegen, was Tec’or verbockt hat.“

„Welche Funktion haben Sie an Bord?“

„Ich bin Pilotin“, sagte Berona lächelnd. „Meine Arbeit auf der Brücke bedingt, dass ich ein wenig von diesen Zwistigkeiten mitbekomme.“

„Er soll ruhiger geworden sein“, mischte sich Tara ein.

Berona nickte. „Ich habe ihn zum ersten Mal Lächeln sehen. Ich glaube vor drei Tagen. Und ich bin jetzt seit zwei Jahren auf diesem Schiff.“

Die beiden D’arjos sahen Ailia neugierig an. „Was?“, machte diese. „Sie denken jetzt nicht, das hat etwas mit mir zu tun?“

Tara lächelte verschmitzt. „Er verbringt sehr viel Zeit mit Ihnen, Ailia. Sehr viel mehr als jemals mit irgendeiner anderen Frau.“

Ailia runzelte die Stirn. „Wir... kennen uns“, sagte sie dann leise. „Von früher. Von vor dem Krieg. Wir haben als Kinder zusammen gespielt.“ Sie zuckte mit den Schultern. „Ich hatte ihn gern.“

„Ja?“ Tara war erstaunt.

„Deshalb hat er Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt und das Schiff bis an die Belastbarkeit strapaziert“, grinste Berona. „Ich habe damals gedacht, jetzt ist er total durchgeknallt. Wir haben kaum geschlafen in diesen vierzehn Tagen bis wir den Treffpunkt mit Raklan erreichten.“

Ailia schmunzelte und das Thema wanderte wieder ab in einen anderen Bereich. Sie genoss es, sich endlich auch einmal mit anderen D’arjos auf diesem Schiff zu unterhalten und fand die beiden Frauen ausgesprochen nett. Leider wurde das gemütliche Frühstück unterbrochen, als sich die Tür öffnete und ein Tec’or mit einem undefinierbaren Gesichtsausdruck in den Raum stürmte.

Er kam langsam an ihren Tisch, nickte kurz in Richtung der beiden D’arjos und sagte. „Komm mit, Ailia.“

„Ich unterhalte mich hier gut. Du musst dir keine Sorgen machen, mir passiert schon nichts. Und außerdem...“

Er stützte seine Hände auf den Tisch und sah sie einfach nur mit gesträubten Haaren und funkelnden Augen an. Und Ailia wusste plötzlich, dass sie hier als Argument vorbringen konnte, was sie wollte. Er würde sie notfalls mit Gewalt aus der Cafeteria zerren. Wie beim letzten Mal.

„Verdammt!“, fluchte sie leise, knallte das Besteck auf den Tisch und stand auf. „Das ist idiotisch und du weißt das genau!“

Tara und Berona verfolgten das Gespräch mit großen Augen, Tara recht blass und Berona sehr, sehr interessiert.

Tec’or sagte keinen Ton, sondern schob sie vor sich her in Richtung Ausgang. Ailia fluchte weiter vor sich hin und wollte schnurstracks an seiner Kabinentür vorbeilaufen, als er ihre Hand packte und sie in den Raum schob.

„Das ist Freiheitsberaubung“, erklärte sie missmutig.

„Ailia“, sagte er und klang gefährlich leise. „Ich weiß nicht, wie ich dir sonst noch beibringen soll, dich an meine Befehle zu halten.“

„Wo warst du?“

„Ich hatte zu tun.“

„So viel, dass du mir nicht einmal eine Nachricht hinterlassen konntest?“

„Ich bin dir keine Rechenschaft schuldig.“ Noch immer eigenartig ruhig setzte er sich an seinen Schreibtisch vor dem Terminal und begann, auf die Tastatur zu hämmern.

Ailia schaute ihm eine Weile zu. „Was machst du da?“

„Ich muss arbeiten.“

Sie ging langsam auf ihn zu. „Warum bin ich hier?“

„Weil ich dich hier unter Kontrolle habe“, erklärte er und hob kurz den Blick. „Also tu mir den Gefallen und setz dich irgendwo hin. Lies was, schau dir einen Film an, aber stör mich nicht.“

„Du reißt mich aus einem netten Gespräch mit zwei netten D’arjos, um mich in deine Kabine zu sperren und hast nicht einmal Zeit für mich?!“ Sie schrie zum Ende fast. „Du hast einen Knall!“ Wutentbrannt stürmte sie zur Tür, wunderte sich einen Moment, warum er so ruhig sitzen blieb und knallte dann gegen die Tür, die sich nicht öffnete. Für einen Moment war sie einfach nur verdutzt, weil sie so daran gewöhnt war, dass sich Türen von allein vor ihr öffneten. „Du bist ein verfluchter Scheißkerl“, sagte sie leise.

„Du wirst die Kabine nicht verlassen“, sagte er liebenswürdig und lächelte mit seinen blitzenden Reißzähnen, ehe er seine Nase wieder in die Papiere auf dem Tisch steckte.

Ailia kochte vor Wut. „Wie lange gedenkst du, mich hier einzusperren?“

„Bis jemand Zeit hat, den Türcode deiner Kabine so zu programmieren, dass ich dich dort einschließen kann“, erklärte er, ohne aufzusehen. „Ich habe es satt, mir Gedanken darüber zu machen, ob du sicher bist oder nicht.“

„Ich lasse mich von dir nicht einsperren!“, tobte Ailia. „Es kann noch ewig dauern, bis sich die Gelegenheit ergibt, mich nach Avalon zu bringen.“

„Du bist diejenige, die Befehle missachtet“, meinte er lakonisch.

„Du kannst mich mal!“ Zornig lief sie in dem Raum auf und ab, funkelte seinen Rücken an, doch sie weckte damit keine Reaktion bei ihm. „Habt ihr meinen Vater informiert?“

„Ja“, antwortete er nur.

„Was hat er gesagt?“

„Könntest du still sein, Ailia?“

Ailia, äffte sie ihn in Gedanken nach. Er sagte immer Ailia, wenn er wegen irgendetwas sauer war oder ihm etwas nicht gefiel, das sie tat. „Das fällt mir sehr schwer, da ich mich im Moment langweile.“

„Ich kann daran nichts ändern. Es ist deine Schuld.“

Eine Weile herrschte Schweigen und Ailia starrte mit verschränkten Armen auf seinen Rücken. Er schien sich vollkommen auf das zu konzentrieren, was er tat und sie vergessen zu haben. Arroganter Mistkerl, ging es ihr durch den Kopf und ihr ging auf, dass ihr wirklich nichts anderes übrig blieb, als in der Kabine auszuharren. Ihre Lippen verzogen sich zu einem kleinen Lächeln. Nun, sie konnte so ein Spiel auch spielen.

Gelangweilt schlenderte sie in seinem Rücken auf und ab, warf ihm ab und zu einen Blick zu und summte vor sich hin. „Willst du etwas trinken, Tec?“

„Nein“, antwortete er geistesabwesend.

Ailia mischte sich ein Glas Wasser mit Zitrone und bummelte auf ihn zu. „Was machst du eigentlich?“

„Ich bereite die Frachtpapiere vor.“ Er sah nicht hoch, auch nicht, als sie neben ihm stehen blieb, obwohl er ihre Nähe fast körperlich spürte. Er war genauso wütend auf sie wie sie auf ihn, doch jetzt wusste er, dass er gar nichts erreichen würde, wenn er sie anschrie. Was war so schwer daran zu verstehen, dass ihr Leben in Gefahr war, wenn sie allein auf dem Schiff war? Gut, ihr Leben vielleicht nicht, aber ihre Gesundheit.

„Ist das viel Arbeit?“

Sie klang beiläufig, als würde sie ein unverfängliches Gespräch führen, doch die Spannung in Tec’ors Körper wuchs, weil er ahnte, dass sie irgendetwas im Schilde führte.

„Es geht“, antwortete er einsilbig und wäre fast zusammengezuckt, als sie sich plötzlich neben ihm auf den Schreibtisch setzte und die Beine übereinander schlug. Er starrte kurz auf ihre Knie und dann schnell wieder auf den Bildschirm.

„Sag mal, Tec“, fuhr sie fort, „was macht dein Vater eigentlich? Ich habe ihn eine ganze Weile nicht gesehen.“ Sie starrte gedankenverloren in die Luft, ließ ihre Beine baumeln und berührte dabei fast versehentlich seinen Oberschenkel.

Tec’or hätte am liebsten mit den Zähnen geknirscht. „Ich muss arbeiten.“

„Hm.“ Sie stützte ihre Hand auf den Tisch und beugte sich zum Bildschirm. Und versperrte ihm die Sicht. „Was für Waren liefert ihr diesmal?“

„Lucie“, sagte er warnend. „Verschwinde von dem Tisch.“

„Du klingst etwas verspannt“, tat Ailia erstaunt und lächelte freundlich, ohne ihre Position zu verändern. „Das sind Teile eines Antriebs, stimmt’s?“

„Stimmt. Mach jetzt, dass du von dem Tisch weg kommst“, knurrte er gereizt und zog den Packen Papier unter ihrer Hand hervor. Ihr Duft stieg ihm in die Nase und weil er ahnte, dass sie das mit Absicht tat, wurde er noch zorniger.

„Mir ist langweilig“, maulte sie schmollend und sein Kopf fuhr hoch. Er konnte sich an so einiges erinnern in ihrem Zusammenhang, aber nicht daran, dass sie jemals schmollte. Ailia strahlte ihn an. „Ich dachte schon, du willst mich gar nicht ansehen. Könntest du vielleicht noch diesen wütenden Blick abstellen? Der gefällt mir gar nicht“, sagte sie vergnügt und baumelte wieder mit den Beinen.

Seine Hand schoss vor und stoppte die Bewegung ihres Beines, indem sie sich auf ihren Oberschenkel legte. „Treib es nicht auf die Spitze.“

Ailia beugte sich nach vorn und sagte leise. „Öffne die Tür.“

„Das werde ich nicht tun“, antwortete er genauso leise und seine Haare richteten sich auf. In diesem Moment wusste er allerdings nicht genau, ob es daran lag, dass er wütend war, oder ob ihre Nähe den Schauer der Erregung auslöste, der durch seinen Körper fuhr oder beides.

Ailias Augen verengten sich. Er wich ihrem Blick nicht aus. Seine Hand lag noch immer auf ihrem Oberschenkel und sie fühlte die Hitze durch den Stoff der Hose. Sie rührte sich auch nicht, als sie plötzlich die Krallen spürte.

„Ich könnte mir natürlich auch noch eine bessere Beschäftigung für den Rest des Nachmittags vorstellen“, sagte er plötzlich. „Etwas, das du auch im Sinn hattest?“

„Ganz bestimmt nicht“, erklärte sie freundlich, obwohl sie innerlich kochte, weil er den Spieß umgedreht hatte.

„Dann solltest du vielleicht endlich von dem Tisch verschwinden? Ehe ich es als Einladung auffasse?“, schnurrte er, ohne seine Augen von ihr anzuwenden.

„Du weißt genau, dass das keine Einladung ist“, zischte Ailia.

„Nein?“ Er grinste plötzlich und seine Finger strichen über ihren Oberschenkel. Ailia wollte seine Hand zur Seite schlagen, doch er fing sie, ehe sie ihn treffen konnte. „Du solltest nicht spielen, wenn du nicht verlieren kannst, Lucie.“

„Nicht ich denke im Moment nur mit einem Körperteil“, entgegnete sie spitz und zerrte an ihrer Hand.

Er gab sie lachend frei. „Lass mich arbeiten, Lucie.“

„Lass mich gehen.“

Er schob sie rigoros zur Seite und heftete die Augen wieder auf den Schirm. Ailia stieß ihm zornig die Hand gegen die Brust. „Tec, das kannst du nicht machen! Du kannst mich nicht einsperren!“

„Natürlich kann ich das.“

„Nein. Nein. Nein!“ Wütend gab sie seinem Stuhl einen Schubs, so dass er vom Tisch wegglitt. „Ich habe das so satt! Du kannst mich nicht behandeln, als wäre ich...“

„Du bist es!“, schrie er zornig. Er fuhr hoch, schlang seinen Arm um sie und riss sie an sich. „Lucie, ich kann mit dir alles tun, was ich möchte! Wie gut kennst du unsere Gesetze eigentlich? Ich habe dich nicht nur gekauft! Du trägst nebenbei auch noch mein Zeichen! Das gibt mir mehr Rechte als du dir vorstellen kannst!“

„Lass mich los!“, kreischte Ailia hysterisch und schlug auf ihn ein. „Lass mich sofort los!“ Sie versuchte, nach ihm zu treten, doch er hob sie einfach hoch und nahm ihr damit den Boden unter den Füßen. „Verflucht!“ Sie wurde gegen seinen Körper gepresst, konnte sich kaum noch rühren und schnappte nach Luft, weil ihr in diesem Moment noch etwas bewusst wurde, mit dem sie gar nicht gerechnet hatte.

Tec’or schloss einen Moment die Augen und atmete tief durch, um seine Beherrschung wieder zu gewinnen. Zwischen D’arjos wäre das jetzt ein Spiel, aber er wusste genau, dass Ailia todernst meinte, was sie sagte. Er setzte sie auf der Couch ab, fing ihre Hände und hielt sie neben ihrem Körper fest, als er vor ihr auf die Knie sank. Sie zitterte, obwohl sie ihn noch immer zornig anfunkelte und ihm war vollkommen klar, dass der Streit sie nicht erregte. So wie ihn.

„Lucie“, sagte er sanft und sah zu ihr hoch. „Ich habe Angst, dass irgendjemand auf dem Schiff die Beherrschung verliert und dir etwas antut. Sie haben Angehörige verloren, Freunde, Männer... Der Krieg ist erst wenige Wochen vorbei und so schnell kann niemand vergessen.“

Ihr Atem beruhigte sich etwas und die Verzweiflung kehrte in ihre Augen zurück. „Ich komme mir vor wie eine Gefangene...“, flüsterte sie erstickt.

„Ich weiß. Aber es dient nur zu deiner Sicherheit“, antwortete er leise. „Akzeptier es, Lucie. Es wird nicht ewig dauern. In spätestens sechs Monaten bist du wieder auf Avalon.“

„Es macht mich wütend...“

„Es macht mich auch wütend, wenn du mir einen Schreck einjagst und mich voll schreist, wenn ich mir Sorgen mache“, sagte er mit einem feinen Lächeln.

Ailia runzelte die Stirn. „Es macht dich nicht nur wütend“, sagte sie nachdenklich und sah auf ihre Hände, die er noch immer festhielt.

Er seufzte. „Nein.“ Ihre Augen hingen an seinem Gesicht und er sah die Spur Unsicherheit hinter dem Ärger.

„Erklär es mir“, bat sie einfach.

„Im Normalfall bin ich wütend und nichts als wütend. Nur, dass du nicht der Normalfall bist, Lucie. Du trägst mein Zeichen. Ich habe nicht gewusst, was das bedeutet, bis ich es sah. Mein Körper reagiert auf dich, auch wenn ich es nicht will. Sex zwischen D’ajos ist nicht immer zärtlich. Auch, wenn ich es nicht wahrhaben will, wir waren einmal Raubtiere und der Sex eine Art Machtkampf. Natürlich ist das jetzt nicht mehr der Fall, aber etwas von dem alten Blut fließt in unseren Adern. Und der Zorn auf dich, deine Reaktion und deine Wut putschen meine Hormone mächtig an...“

„Hast du das unter Kontrolle?“, erkundigte sie sich skeptisch. „Ich steh so schon nicht auf Sex, aber wenn, dann sollte er nicht auch noch gewalttätig sein.“

Ich hoffe es, dachte er und sagte in einem lustigen Ton. „Was, Lucie? Über zärtlichen Sex mit mir würdest du nachdenken?“

„Was?!“, machte sie erschrocken und hüpfte fast auf der Couch hoch. „Das habe ich nicht gesagt! D-du w-würdest es w-wollen?“, stotterte sie dann verdutzt. „Obwohl ich...“ Sie stockte, weil sie verlobt sagen wollte, doch dann ging ihr auf, dass sie an Kevin keinen Gedanken verschwendet hatte, sondern etwas anderes sie beschäftigte. „Obwohl ich ein Mensch bin?“

„Es war mir früher egal“, sagte er nachdenklich. „Aber in den letzten Jahren habe ich wirklich geglaubt, Menschen einfach nur zu hassen. Bis Raklan sich meldete und ich feststellte, dass mir dein Schicksal keineswegs gleichgültig ist und als du dann vor mir standest...“ …spielte mein Körper nach fünfzehn Jahren wieder verrückt.

„Sex mit mir ist fürchterlich“, murmelte sie müde und wich seinem Blick aus.

Tec’or bezweifelte das, sagte es aber nicht laut. „Ich würde dich niemals zu etwas drängen, das du nicht willst.“

„Es sei denn, deine d’arjotischen Hormone drehen mit dir durch“, brummte sie und sah ihn endlich wieder an.

Er grinste schief. „Für den Fall verspreche ich dir den besten Sex deines Lebens.“

Ailia schnaubte nur.

„Was?“, tat er erstaunt. „Glaubst du mir nicht? Ich bin gut.“ Er beugte sich zu ihr, noch immer ohne ihre Handgelenke loszulassen. „Lucie, du warst auch gut. Ich kann mir nicht vorstellen, was diese Idioten getan haben, um dir den Spaß zu nehmen.“

Ailia konnte ihm nicht ausweichen, weil sie erstens die Lehne im Rücken hatte und zweitens ihre Arme zu kurz waren. Hitze stieg in ihre Wangen, doch sie wich seinem Blick nicht aus. „Es tat weh. In deinen blöden Büchern stand nie, dass es wehtut.“

„Es tat weh?“, fragte er fassungslos.

„Jetzt weiß ich, dass es beim ersten Mal immer wehtut. Bei Menschen. Aber ich war nicht darauf vorbereitet und er hat sich angestellt wie ein Idiot. Verdammt!“ Sie zog an ihren Händen, doch er ließ sie nicht los. „Tec!“

„Erzähl weiter.“

„Könntest du mich loslassen?“

„Nein.“

„Du machst mich nervös!“, stieß sie böse hervor und ein feines Lächeln umspielte seine Lippen.

„Nervös?“, fragte er unschuldig, lehnte sich jetzt so weit zu ihr, dass er sie fast berührte und kniete mittlerweile zwischen ihren Beinen, obwohl sich Ailia nicht erinnern konnte, wann er sich dorthin gedrängt hatte. Das eigenartige Kribbeln in ihrem Körper war wieder da und sie hielt unwillkürlich die Luft an, als ihr aufging, dass sie auf der Couch saß und er fast auf ihr lag. „Wie ging es weiter, Lucie?“

Ailia Mund fühlte sich plötzlich trocken an und sie befeuchtete ihre Lippen mit ihrer Zunge. Die Hitze schoss in ihr Gesicht, als seine Augen im gleichen Moment zu ihrem Mund wanderten. „Nichts weiter“, stieß sie mühsam hervor und sah, wie sich seine Haare aufrichteten. „Tec“, flüsterte sie erstickt, weil sie genau wusste, dass D’arjos nur aus zwei Gründen ihre Haare aufstellten. Und wütend schien er im Moment keineswegs zu sein.

Er hob seinen Blick endlich von ihrem Mund zu ihren Augen und starrte sie an. Er fühlte, wie sich ihre Brust bei jedem Atemzug hob und senkte, sah die Röte in ihren Wangen und wünschte sich, sie einfach an sich reißen und küssen zu können. Einfach das zu tun, was ihm sein d’arjotisches Blut befahl. Nimm dir, was dir gehört... Doch da war auch ein Hauch von Angst in ihren Augen und das war es, was ihn den Griff seiner Hände öffnen ließ. „Erzähl es mir“, bat er leise.

Ailia rührte sich nicht. Ihr Herz hämmerte in ihrer Brust und sie fragte sich, warum sie ihn jetzt nicht einfach von sich stieß. „Es gibt nicht mehr viel zu erzählen“, sagte sie nur. „Ich habe nie das Gefühl gehabt, dass mich einer der Männer wirklich erregte. Vielleicht ist es nicht die richtige Einstellung, wenn man schon mit dem Gedanken an die Sache geht, dass es sowieso keinen Spaß macht...“

„Lucie, dich haben manchmal schon Worte erregt.“

Ailia senkte den Kopf. „Vielleicht habe ich zu viele Vergleiche zu dir gezogen“, murmelte sie nur. „Sie haben mich alle so ganz anders behandelt als du. Klar, sie waren noch jung und unerfahren, wussten es nicht besser, aber ich hatte auch nie das Gefühl mit ihnen so reden zu können wie mit dir...Der Gedanke, mit ihnen etwas von dem zu tun, was wir getan haben, hat mich angeekelt. Sie kamen mir so gefühllos vor, als würden sie gar nicht merken, ob ich auf sie reagiere oder nicht.“ Sie seufzte. „Vielleicht haben sie es auch nicht. Sie hatten ja nicht deine Nase...“

Seine Hände umfingen ihre Hüften und er zog sie an sich. Sie ließ es geschehen, auch dass sie von der Couch rutschte und auf seinen Oberschenkeln zu sitzen kam. Plötzlich hatte sie einfach nur das Bedürfnis, sich an ihm festzuhalten. Automatisch schlangen sich ihre Arme um seinen Hals und ihr Kopf sank gegen seine Schulter.

Und selbst die Angst verklang, obwohl sie den Grad seiner Erregung deutlich zwischen ihren Beinen spürte, weil sie darauf saß.

„Ich wäre lieber bei dir geblieben“, flüsterte er neben ihrem Ohr und atmete den Duft ihrer Haare ein.

Sie nickte wortlos, während sie noch immer seinen Hals umklammerte. Sie fühlte seine Hände beruhigend über ihren Rücken streichen, spürte seine Lippen an ihrem Hals und hatte zum ersten Mal seit langer Zeit das Gefühl, dass sie hier nichts vortäuschte, sondern wirklich einfach wollte, dass er sie festhielt.

Nach einer Weile hob er den Kopf und sah sie an. „Versprich mir, nicht mehr allein auf dem Schiff herum zu wandern.“

„Ich weiß nicht, ob ich...“ Sie verstummte. Seine Augen bohrten sich in ihre und sie war ihm so nah, dass sie seinem Atem auf ihrem Gesicht spüren konnte. „Ja“, murmelte sie dann. „Versprich mir, dass du mich nicht den ganzen Tag hier allein lässt.“

„Werde ich nicht“, sagte er ernst, beugte sich kurz vor und hauchte ihr einen vorsichtigen Kuss auf die Lippen. „Und jetzt werde ich die Papiere zu Ende bringen, okay?“

Sie lächelte schwach. „Okay.“ Seine Hände ließen sie los und sie stand auf.

Tec’or fiel wieder in den Sessel vor der Computerconsole. „Ich habe jede Menge Bücher in dem kleinen Schrank dort, du findest bestimmt etwas, das dir gefällt“, sagte er nur noch, ehe er sich wieder in die Daten auf dem Bildschirm vertiefte.

Ailia seufzte leise. Auf ihren Lippen spürte sie noch immer seine Berührung und sie wunderte sich kurz, dass er in dem Sessel sitzen konnte und so unbeteiligt aussah, obwohl sie genau wusste, dass die Beule in seiner Hose nicht kleiner geworden war. Der junge, übermütige Tec’or hätte nie Ruhe gegeben, ehe sie nicht sein Problem beseitigt hätte. Oder er hätte es selbst getan.

Schweigend fischte sie sich ein Buch aus seinem Schrank und fiel wieder auf die Couch.
 

 

Teil 8

 

„Ailia, du siehst wirklich gut aus“, staunte Acto und umarmte die Menschenfrau kurz. „D’arjotische Mode sieht an Menschen auch nicht schlecht aus.“

Ailia strahlte ihn an und setzte sich an den Tisch auf den Platz neben ihm. Tec’or warf seinem Vater einen belustigten Blick zu, ehe er sich ebenfalls setzte und sagte: „Es war eine Katastrophe, dieses Kleid zu kaufen.“

Ailia trat unter dem Tisch nach ihm und funkelte ihn böse an. Vor zwei Tagen hatte das Schiff an einer Raumstation angedockt und sie hatte Tec’or solange genervt, bis er sie zu einem Besuch mitgenommen hatte. Bei dem sie jede Menge Kleidung, unter anderem dieses Kleid, erstanden. Ailia hatte erklärt, die allgemeine Bordkleidung – Hose und Shirt – seien langweilig und sie bräuchte etwas neues, um die restlichen Monate zu überstehen. Tec’or hatte sich aufgeführt wie ein Schießhund, war nicht von ihrer Seite gewichen und hatte jeden und jede D’arjo, die ihr zu nah kam, wütend angeknurrt. Natürlich sah auch Ailia die manchmal feindseligen Blicke und war froh, ihn an ihrer Seite zu haben, aber als er dann noch fast mit in die Umkleidekabine kommen wollte, hatte es ihr gereicht.

Das Kleid bestand aus einem schwarzen glänzenden Stoff, der sich eng an ihren Körper anschmiegte und in einem losen flatternden Rock endete. Der Stoff schillerte bei jeder Bewegung und betonte damit extra ihre schlanke Figur. Tec’or gefiel dieses Kleid. Am Besten jedoch gefiel ihm, dass es trotz der halblangen Ärmel so weit ausgeschnitten war, dass er sein Zeichen an ihrer Schulter sehen konnte, wenn er hinter ihr stand. Leider konnte er sie nicht überreden, die Haare hochzustecken und nun fielen diese über ihren Rücken und verdeckten die Narben.

Acto hatte sie zum Abendessen in seine Kabine eingeladen und Ailia war froh, wieder einmal mit einem anderen D’arjo reden zu können.

„Ich habe eine Nachricht von deinem Vater“, sagte er, als sie saß und schob ihr den kleinen Speicherwürfel über den Tisch. „Es ist nur eine Aufzeichnung. Über diese Entfernung kommen keine Direktgespräche zustande, aber ich denke, du wirst dich freuen, von ihm zu hören.“

„Ja, das stimmt“, antwortete sie erfreut. Sie befand sich jetzt fast zwei Monate auf dem D’arjoschiff und war mehr als froh, eine Nachricht aus ihrer Heimat zu empfangen. „Er macht sich sicherlich Sorgen.“ Sie lächelte kurz. „Jetzt komme ich doch noch zu meinem Urlaub unter D’arjos.“

„Schön, dass du es als Urlaub siehst“, mischte sich Tec’or liebenswürdig ein und sah seinen Vater an. „Du kannst dir nicht vorstellen, was sie für einen Zirkus macht, weil sie ihre Kabine allein nicht verlassen soll.“

Acto schmunzelte. „Mir gefällt der Gedanke auch nicht, dich einzusperren, aber es ist sicherer für dich. Jedenfalls im Moment. Irgendwann wird die Zeit kommen, in der Menschen und D’arjos wieder zusammen leben, aber ich denke, das wird noch dauern.“ Er schenkte Ailia und Tec’or Wein ein. „Trotzdem freut es mich, dich gesund und munter hier zu haben.“

Wehmütig schaute Ailia in ihr Glas. „Ich habe immer wieder an euch gedacht. Jedes Mal, wenn neue Leute in euer Haus eingezogen sind...“

„Man hat es nicht gleich abgerissen?“, erkundigte sich Acto amüsiert.

Sie schüttelte den Kopf.

„Ich habe auch oft an dich gedacht“, sagte der ältere D’arjo nachdenklich. „Wir hatten dich sehr gern. Auris ganz besonders. Sie würde sich freuen...“

„Ich hätte sie auch gern noch einmal gesehen“, murmelte Ailia traurig.

„Es ist acht Jahre her.“ Acto nahm einen Schluck aus seinem Glas. „Ich weiß noch, als wäre es gestern, wie wir von Avalon gestartet sind und Auris einen heulenden Tec trösten musste.“

„Ac!“, fuhr Tec’or auf und wurde zum ersten Mal, seit Ailia ihn wieder getroffen hatte, rot.

Acto grinste nur. „Er hat so viel geweint. Und dann nie wieder. Wahrscheinlich hat er all die Tränen, die er hatte, mit fünfzehn ausgeschüttet.“

„Können wir vielleicht diese Kindheitssentimentalitäten lassen!“, giftete Tec’or.

„Ich habe auch geweint“, sagte Ailia lächelnd. „Mein Vater war richtig böse auf mich, weil ich nichts anderes mehr getan habe. Ich hatte keinen Hunger mehr, keine Lust, mit Freunden auszugehen...Ann hat sich große Mühe gegeben, mich aufzuheitern. Ohne Erfolg.“

„Wie geht es Annabell?“, erkundigte sich Acto, während sie begannen zu essen.

„Nun, Ann ist verheiratet, hat zwei süße Mädchen und lebt noch immer auf Avalon. Ihr Mann arbeitet in der Firma meines Vaters.“

„Das freut mich für sie.“

„Gibt es viele Menschen, die... verkauft wurden?“, fragte Ailia zögernd. „Während des Krieges?“

Acto wurde ernst. „Es gibt einen Markt für menschliche Ware, das stimmt. Aber in offiziellen Bereichen geht es hauptsächlich um billige Arbeitskräfte. Das, was Raklan vorhat, ist illegal, aber wir besitzen im Moment nicht die Position oder Macht, etwas daran zu ändern.“ Dann sah er Ailia nachdenklich an. „Es verwundert mich etwas, dass man dir überhaupt die Gelegenheit gab, Tec’or zu erwähnen.“

Ailia runzelte die Stirn. „Ähm... Raklan hat mich danach gefragt.“ Ihr Blick huschte zu Tec’or, der sie nur ausdruckslos ansah und wieder zurück zu Acto. „Sie haben Tecs Zeichen gesehen...“

Actos Mund klappte auf, dann fuhr sein Kopf zu Tec’or herum. „Dein... Zeichen?“, fragte er fassungslos und irgendwie schockiert.

Tec’or zuckte ungerührt mit den Schultern.

„Du hast sie gebissen?“ Actos Haare richteten sich auf. „Und sie dann auf Avalon zurückgelassen?!“ Seine Stimme wurde lauter, bis er zum Schluss fast schrie.

Ailias schaute nervös von einem zum anderen. „Was ist los? Ich möchte jetzt keinen Streit verursachen.“

„Kennt sie die Bedeutung?“, knurrte Acto seinen Sohn an. „Hat sie sie damals gekannt?“

„Nein!“, fauchte Tec’or mit gesträubten Haaren zurück. „Ich kannte sie selbst nicht! Ich war fünfzehn und habe ganz einfach die Beherrschung verloren! Und außerdem spielt es keine Rolle! Sie ist ein Mensch!“

„Was für eine Bedeutung?“, erkundigte sich Ailia verstört.

„Raklan hätte sie nie verkaufen können!“ Acto nahm einen langen Schluck aus seinem Glas und sah dann Ailia an. „Ein D’arjo zeichnet nur die Frau, mit der er den Rest seines Lebens verbringen will. Es ist so etwas wie ein Versprechen, Ailia. Ich habe nicht geahnt, dass euer Verhältnis so... eng war. Ich hätte niemals zugelassen, dass du auf Avalon bleibst.“

„Was?“, fragte sie schwach. „Aber das ist doch Unsinn. Wir waren Kinder. Wir...“

„Das spielt keine Rolle“, unterbrach Acto sie schroff. „Es waren Tecs Instinkte, die ihm sein Handeln vorgaben. Er hat nie eine Frau gebissen.“

„Das kannst du doch gar nicht wissen“, murmelte Ailia und blickte verzweifelt in Tec’ors Richtung, um zu sehen, dass er ihr Recht gab. Doch der D‘arjo starrte nur auf seinen Teller und erwiderte ihren Blick nicht. „Nie?“, quietschte sie leise.

Tec’or schüttelte den Kopf und sah hoch. „Jetzt kenne ich die Bedeutung schließlich“, knirschte er zwischen den Zähnen hindurch und funkelte seinen Vater an.

„Weiß dein Verlobter davon?“, erkundigte sich Acto plötzlich und Tec’or knurrte auf.

„Es sind Menschen, Ac!“

„Sei still!“ Acto brachte ihn mit einer herrischen Handbewegung zum Schweigen. „Ailia?“

„Wovon denn?“, fragte diese schüchtern. „Ich habe niemanden von mir und Tec erzählt und von dem Biss schon gleich gar nicht. Mein Vater wäre durchgedreht und hätte eher gedacht, Tec wolle mich umbringen. Niemand hätte es verstanden.“

„Wieso hast du es verstanden?“

„Hörst du jetzt auf, sie zu nerven!“, mischte sich Tec’or ein.

„Ich sagte, sei still!“, brüllte der D’arjo. „Du solltest eher darüber nachdenken, dass du endlich das Versprechen annimmst, das du ihr gegeben hast!“

„Ac“, sagte Ailia leise. „Tec hat Recht. Wir waren Kinder. Wir wussten nicht, was wir tun oder welche Bedeutung es hat. Ich habe es nie in einem anderen Zusammenhang gesehen, als dass Tec die Beherrschung verloren hat...“

Acto sah sie ernst an. „Wenn eine D’arjo zulässt, dass ein Mann sie zeichnet, nimmt sie sein Versprechen an. Ich weiß, dass ich das in deinem Fall nicht ganz so sehen darf, aber du hast es zumindest unbewusst verstanden, sonst wärst du postwendend und entsetzt zu deinem Vater gerannt.“

„Mir war die Bedeutung nicht klar und Tec auch nicht. Das Einzige, was wir gelesen haben, war, dass es nicht ungewöhnlich zwischen D’arjos ist, die sich lieben. Und wir waren ineinander verliebt. Das streitet niemand ab.“

Acto schüttelte den Kopf. „Du kannst unmöglich heiraten.“

Tec’or lachte auf und schlug mit der Faust auf den Tisch. „Mach dich nicht lächerlich, Ac. Es sind fünfzehn Jahre vergangen!“

„Das ist mir durchaus bewusst“, erklärte Acto ungerührt. „Aber ich bin nicht blind. Deine Reaktion auf Raklans Funkspruch, dein unmögliches Verhalten auf dem Flug dorthin... und jetzt? Du benimmst dich, als würdest du es sehr ernst nehmen, dass Ailia unter deinem Schutz steht. Zu ernst, um es einfach abzutun. Du gibst es dir vielleicht nicht zu, aber der D’arjo in dir reagiert auf das Zeichen. Du kannst es abstreiten und leugnen, aber in deinem Inneren weißt du, dass dein Zeichen sie als dein Eigentum ausweist. Und du willst sie allen Ernstes an einen Menschen abgeben?“

„Ich will diesen Schwachsinn nicht mehr hören!“ Tec’or fluchte unbeherrscht, sprang auf und stürzte zur Tür hinaus.

Ailia war blass geworden, blieb jedoch sitzen, obwohl ihr Herz wie verrückt klopfte. Sein Eigentum... Das hatte Tec gemeint, als er sagte: Du bist viel mehr als das... „Ich bin niemandes Eigentum“, erklärte sie, doch ihre Stimme zitterte.

Acto seufzte. „So ist das auch nicht gemeint. Es ist nur so, dass jeder D’arjo, der dieses Zeichen sieht, weiß, dass du einem anderen gehörst. Wahrscheinlich bist du sogar auf diesem Schiff sicher, solange du Kleidung trägst, die Tecs Zeichen so schön offen zeigt. Noch besser wäre natürlich zusätzlich sein Geruch an dir.“ Er lächelte schwach. „Er ist sonst so impulsiv. Sein Zeichen zu sehen und trotzdem nicht auf die Einladung zu reagieren, muss ihn eine Menge Beherrschung kosten. Das hätte ich Tec gar nicht zugetraut.“

Sie trank ihren Wein aus und stand auf. „Ich denke, ich gehe jetzt, Ac. Dann bin ich jetzt sicher auf dem Rückweg? Allein?“

„Ich wollte dich nicht vor den Kopf stoßen“, sagte der D’arjo zum Abschied. „Vielleicht sind meine Gedankengänge wirklich nicht richtig. Weil du ein Mensch bist und nicht nachvollziehen kannst, was ein D’arjo empfindet, wenn eine Frau seinen Geruch oder sein Zeichen trägt. Aber du hast zumindest das Recht, es zu wissen.“

Ailia umarmt ihn kurz. „Ich danke dir.“

 

Teil 9
 


Ailia war vollkommen durcheinander, als sie den Weg zu ihrer Kabine allein zurückschlenderte. Ihr gingen die vielen Ausreden durch den Kopf, die sie sich hatte einfallen lassen, wenn sie jemand auf die Narben an ihrer Schulter ansprach. Sie war in ein Brett mit Nägeln gestürzt. Sie war durch einen Zaun gekrochen und an den Nägeln hängen geblieben. Sie hatte einen zurück schnippenden Ast mit Dornen gegen die Schulter bekommen. Nicht einmal Annabell wusste die Wahrheit, obwohl sie diese als ihre beste Freundin bezeichnete.

Wer hätte verstanden, wenn sie gesagt hätte: ‚Das war ein D’arjo’? Niemand. Ihr Vater hätte wahrscheinlich die Polizei gerufen und Tec’or verhaften lassen.

Sie hatte es nie erzählt und die Erinnerung wie etwas Kostbares aufgehoben, das sie mit niemandem teilen wollte. Es war ihr sichtbares Andenken an den einzigen Jungen, den sie wirklich geliebt hatte. Manchmal stand sie abends allein vor dem Spiegel, starrte sich selbst an, betrachtete ihre Schulter und wünschte sich nichts sehnlicher, als in der Zeit zurück zu reisen und irgendwie zu verhindern, dass er Avalon verließ.

Vor seiner Tür blieb sie stehen und überlegte. Tec’or hatte so zornig ausgesehen, als er zur Tür hinausgestürmt war. Sie wusste nicht, ob es ihm Recht war, wenn sie ihn jetzt noch einmal störte. Aber dann sagte sie sich, dass es manchmal richtig war, einfach zu reden. Sie und Tec hatten es immer getan, auch wenn sie sich gestritten hatten.

Seine Tür öffnete sich sofort, nachdem sie um Einlass gebeten hatte.

Ihre Augen irrten suchend durch den Raum und fanden schließlich seine hochgewachsene Gestalt auf dem virtuellen Balkon. Er hielt ein Glas in der Hand, lehnte mit dem Rücken am Geländer und starrte sie mit einer Mischung aus Zorn und Fassungslosigkeit an.

„Was willst du?“, stieß er fast aggressiv hervor. „Ich werde mich nicht in dein Leben mischen. Egal, was mein Vater sagt. Er hat noch nie verstanden, dass man Menschen nicht mit unseren Maßstäben messen kann.“

Ailia schlang ihre Arme um sich selbst, als sie zu ihm auf den Balkon hinaustrat. „Ich weiß, Tec.“

„Ich glaube auch nicht, dass mir damals bewusst war, was ich tat.“

„Es war uns beiden nicht bewusst.“ Sie blieb vor ihm stehen und sah zu ihm hoch. Für einen Moment richteten sich seine Haare wieder auf. „Tec, ich denke, wir waren ein wenig anders als andere Jugendliche. Ich habe nie wieder einen derart neugierigen und experimentierfreudigen Jungen getroffen. Die logische Folge war, dass wir irgendwann die Kontrolle verloren.“

Er starrte kurz in sein Glas und dann wieder in ihre Augen. „Nein“, sagte er leise. „In dem Fall hat Ac schon Recht. Ich habe nicht die Kontrolle verloren, sondern einfach dem Bedürfnis eines D’arjos nachgegeben. Ohne die Folgen zu kennen. Vielleicht hätte ich mich beherrschen können, wenn ich es gewusste hätte. Vielleicht… Sicher bin ich mir nicht.“

„Ich hätte es nicht erwähnen sollen. Aber ich wusste nicht, dass er es nicht weiß.“

Tec’or lächelte schwach. „Er hätte es spätestens gesehen, wenn deine Haare zur Seite gerutscht wären.“

„Acto meinte, dein Zeichen gäbe mir die Sicherheit, mich frei an Bord zu bewegen“, sagte sie zögernd. „Warum hast du das nicht gesagt?“

Er trank das Glas aus. „Du auch noch einen?“ Ailia schüttelte den Kopf und folgte ihm ins Zimmer hinein. „Mein Zeichen ohne meinen Geruch würde auf eine Menge Unverständnis stoßen“, sagte er dann. „Es würde kaum ein D’arjo verstehen, warum ich nicht mit dir schlafe, obwohl du mein Zeichen trägst. Es würde eher zu der Annahme verleiten, dass ich dich ablehne und nicht zu deiner Sicherheit beitragen.“

„Oh.“ Ailia fuhr sich nervös durch die Haare. „Du… verstehst es?“

„Ich weiß, dass mein Zeichen weder für dich noch für mich zum damaligen Zeitpunkt die Bedeutung hatte, die es haben sollte. Und ich weiß, dass fünfzehn Jahre sehr viel verändern. Es ist einfach unmöglich, dass wir noch das Gleiche empfinden wie in unserer Kindheit. Dazu ist zu viel Zeit vergangen, zu viel passiert…“ Er legte den Kopf schief und grinste. Es war ein schelmisches Grinsen, in dem sehr viel von dem fünfzehnjährigen Jungen steckte. „Menschen gehen andere Versprechen ein… Verlobungen…“

Ailia starrte ihn an, als er stehen blieb und sich gegen den Tisch lehnte.

„Liebst du ihn?“, fragte er dann.

Sie antwortete nicht sofort. Urplötzlich stieg die Erinnerung an die Kindheit in ihr hoch. An den jungen D’arjo, der sie im Arm hielt, der sie küsste, der ihr nette Dinge und manchmal auch schmutzige Sachen ins Ohr flüsterte. Erinnerungen an das Gefühl, seine Nähe zu genießen, in seinen Armen zu liegen und an die Reaktionen ihres Körpers auf seine Berührungen. Und ihr war schlagartig klar, dass sie nichts von all dem mit Kevin verband. „Nein“, sagte sie leise.

„Eine Heirat ist ein ähnliches Versprechen wie ein Biss“, fuhr er fort und sah nicht aus, als überrasche ihn ihre Antwort. „Ich könnte es nie und ich denke auch, dass ich nie wieder jemanden treffe, der Gefühle von solcher Intensität in mir weckt wie du damals. Wie schaffst du es, ihn zu heiraten?“

„Es ist nicht dasselbe“, flüsterte Ailia erstickt und ihre Kehle schnürte sich zu. „Ehen werden nicht nur aus Liebe geschlossen. Sie können auch Zweckverbindungen sein. Kevin ist nett. Er kennt und versteht meine Probleme und er ist der ideale Partner für meinen Vater…“

Tec’or antwortete nicht, doch sie sah ihm genau an, dass er mit ihrer Meinung nicht übereinstimmte. Tränen stiegen in ihr hoch und sie blinzelte krampfhaft, um sie zu vertreiben. Kevin wusste es. Sie hatte ihm nie gesagt, dass sie ihn liebte. Sie hatte es nie zu jemandem gesagt, außer zu dem D’arjo, der jetzt vor ihr stand und plötzlich ihr ganzes Weltbild durcheinander brachte. War es Kevin gegenüber unfair? Aber sie hatte ihn nie belogen. Und er gewann durch den Kontakt mit ihrer Familie eine Menge. Und wenn sie ihm im Bett nicht genügte, sie hatte nichts dagegen, wenn er seine Bedürfnisse noch woanders stillte. Eine einsame Träne rollte ihre Wange hinunter, als dieser Gedanke durch ihren Kopf fuhr. So weit war es schon…

Tec’or streckte die Hand aus und zog sie an sich. Sein Blick ließ sie nicht los, als er seine Finger zu ihrem Gesicht hob und sanft die Träne von ihrer Wange wischte.

Ailia schniefte. „Es wäre einfacher, wenn ich noch… wenn ich nicht so gefühllos wäre“, schluchzte sie. „Vielleicht könnte ich mich in ihn verlieben, wenn ich… Was ist mit mir nur passiert, Tec?“

„Wovor hast du Angst, Lucie?“, fragte der D’arjo. „Hat dir jemand Gewalt angetan?“

Sie schüttelte den Kopf. „Ich fühle nichts. Und der Gedanke, es einfach über mich ergehen zu lassen, ist widerlich. So als würde man mich benutzen…“

Seine Hand fuhr um ihren Hals und in ihre Haare. „Hast du es mal so ausprobiert wie wir früher? Ohne den eigentlichen Sex-Akt?“ Er senkte den Kopf und seine Zunge fuhr über ihre nassen Wangen.

Ailias Hand griff nach seinem Unterarm. „Manchmal…“ Ihre Augen schlossen sich und die Tränen flossen ungehindert weiter. „Ich habe nicht viele Menschen getroffen, die das gern tun… eine Frau mit dem Mund befriedigen…“

Der D’arjo schnurrte leise. „Dummköpfe.“

Übergangslos fühlte sie sich in die Luft gehoben und umklammerte erschrocken seinen Hals. „Tec, was…“ Fast entsetzt bemerkte sie, dass er mit ihr auf das Bett zuging. “Nein, Tec…”

Ohne ihren Einwand zu beachten, legte er sie auf dem Bett ab und beugte sich über sie. „Ist Kevin dafür zu begeistern?“

Ailia richtete sich auf ihre Ellenbogen auf. Weiter kam sie nicht, weil er über ihr lehnte und sie blockierte. „Ich will gehen.“

„Ich denke, er tut es nicht“, murmelte der D’arjo, ohne ihren Worten zuzuhören. Seine Haare richteten sich wieder auf und er senkte den Kopf, um mit der Zunge kurz über ihre Lippen zu fahren. „Ich werde deine Erinnerung etwas auffrischen.“

Ailia war vollkommen durcheinander. Sie zitterte plötzlich und wusste nicht, ob sie Angst hatte oder ob ihr der Gedanke gefiel. Sie wusste nur, dass sie furchtbar nervös war und seine Nähe sie kaum noch atmen ließ.

„Nein, Tec“, flüsterte sie und wollte sich aufrichten. „Ich will nicht…“

Er hob kurz den Kopf und sie erstarrte. „Leg dich hin.“ Sie schüttelte stumm den Kopf und schnappte nach Luft, als er sich im nächsten Moment gegen sie presste und sie in die Matratze drückte. Ein leises, fast amüsiertes Schnurren kam aus seiner Kehle, als er gegen ihre Lippen hauchte. „Ich dachte, man hat dir erklärt, dass ich gern sage, was ich will.“

Ailia wollte antworten, dass sie das deshalb nicht auch haben wollte, doch seine Lippen verschlossen ihren Mund und sie vergaß alles, was sie sagen wollte. Ein leises Seufzen kam aus ihrer Kehle, als sich ihr Mund öffnete und sie seine Zunge und die Spitzen seiner Reißzähne spürte. Sie hätte weinen können, weil es so vertraut war. Automatisch schlangen sich ihre Arme um seinen Hals, als sie ihm antwortete. Sie spürte seine harte Erregung durch den dünnen Stoff ihres Kleides, aber zum ersten Mal seit langer Zeit machte sie sich darüber keine Gedanken. Weil sie wusste, dass er ihr nicht die Kleider vom Leib reißen und sie drängen wollte, ihn endlich aufzunehmen. Er hatte ihr ein Versprechen gegeben und das würde er halten.

Tec’or hob den Kopf und atmete genau so keuchend wie sie selbst. Einen Moment starrten sie sich einfach nur an, dann huschte ein feines Lächeln um seine Lippen. „Bleibst du jetzt liegen?“

„Kann sein… ich … enttäusche dich“, flüsterte sie und wurde feuerrot.

Er drückte ihr einen schnellen Kuss auf den Mund. „Lass das meine Sorge sein.“

Ailia ließ ihn los und sank in das Laken. Er lächelte wieder, fast beruhigend, ehe er den Kopf senkte und seine Lippen über ihren Hals glitten. Zart, fast sanft berührten sie ihre Haut und einen Augenblick spürte sie wieder seine Zähne. Es war schön. So als hätte sie eine Zeitreise gemacht und sie war wieder das junge unschuldige Mädchen, das ihren Gefühlen freien Lauf ließ, wenn der D’arjo sie berührte.

Sie schloss die Augen und unbewusst umkrampften ihre Finger das Laken, als seine Zunge ihr Dekollete erreichte und dann über den Stoff glitt, der ihre Brüste bedeckte. Sie wölbte den Rücken, streckte sich in seine Berührungen und seufzte, als er den Mund um die bedeckte Spitze schloss und sie wieder die Zähne spürte.

Tec’or schmunzelte unbewusst und ließ seine Hand tiefer wandern. Seine Hose wurde schlagartig zu eng, als er ihr Seufzen hörte und der feine Geruch ihrer Erregung seine empfindliche Nase traf. Er hatte fast vergessen, dass es bei ihr immer so war und wunderte sich einen Moment, weshalb sie sagte, sie fühle nichts. Ein leises Knurren kam aus seinem Hals und er glitt ihren Körper hinab. Kurz überlegte er, ob er ihr das Kleid ausziehen sollte, entschied sich jedoch dagegen, weil er sie dazu wieder von dem Laken hochscheuchen musste und froh war, dass sie sich entspannte.

Ailia fühlte, wie er den Rock des Kleides nach oben schob, als seine Finger an der Außenseite ihrer nackten Schenkel nach oben wanderte. Seine Lippen pressten sich auf ihren Bauch und der seit langem vermisste Druck bildete sich zwischen ihren Beinen. Er knurrte wieder und ihr fiel ein, dass er es mit seiner Nase bemerkte. Sie musste fast lachen, weil selbst sein Knurren so vertraut war. Es war etwas tiefer als in ihrer Erinnerung und er klang auch nicht so, als würde er gleich die Beherrschung verlieren, aber es war sein Knurren.

Mit einer schnellen Bewegung zog er ihr den dünnen Slip die Beine hinab. Dann zog er ihr die Schuhe aus, die sie komplett vergessen hatte und ihr Kopf fuhr hoch, als sie seine Lippen an der Innenseite ihres Knöchels spürte. Er kniete jetzt zwischen ihren Beinen und für einen kurzen Moment fühlte sie Scham, weil ihr Unterleib so komplett nackt vor ihm ausgebreitet lag. Er verflog sofort, als sie seinem Blick begegnete und in seinen Augen das Feuer sah, das sie bei vielen Männern vermisst hatte. Tec’ors Augen ließen sie nicht los, als seine Lippen an der Innenseite ihrer Schenkel nach oben wanderten.

„Nicht gefühllos“, hauchte er gegen ihre Haut und seine Finger strichen über das feuchte Fleisch zwischen ihren Beinen. „Gefällt es dir, Lucie?“

Ailias Kopf sank zurück. „Ja“, murmelte sie verträumt und wusste genau, dass sie genug Zeit haben würde, auszukosten, was er mit ihr tat. Der Druck zwischen ihren Beinen wurde stärker. Manchmal hatte sie das auch mit einem anderen Mann gespürt, aber es war zu schnell vorbei gewesen und die Enttäuschung umso größer.

Tec’or ließ sich Zeit. Seine Zunge glitt über ihr mittlerweile brennendes Fleisch, erkundete jeden Zentimeter von ihr und biss sie sanft, als sie sich ungeduldig an ihn presste. Ailias Hände krallten sich wieder in das Laken, als würde sie Halt brauchen, um die Beherrschung nicht zu verlieren. Automatisch spreizten sich ihre Beine weiter und der D’arjo knurrte lauter, als er den pochenden Knoten ihrer Klitoris in seinen Mund saugte.

Ailia hätte fast geschrieen. „Oh Gott“, murmelte sie und stöhnte auf, als er einen Finger in sie stieß. „Tec…“

Sein Mund ließ sie nicht los, sie spürte seine Zähne und sein Knurren an ihrer Haut und wimmerte leise, als seinem Finger ein Zweiter folgte. Die Feuchtigkeit rann an ihr hinab auf das Laken und sie glaubte zu zerspringen, wenn er nicht gleich etwas tat. Seine Finger glitten in einem steten Rhythmus in sie hinein, fickten sie qualvoll langsam, während seine zweite Hand sich auf ihren Bauch legte und sie zum Stillhalten zwang.

Ailia wurde fast wahnsinnig und dieses Gefühl im Zusammenhang mit einer sexuellen Handlung war ihr seit langer Zeit unbekannt. Ihr Kopf flog hin und her, während ihre Hände fahrig über das Laken fuhren.

„Tec, bitte…“, flüsterte sie hilflos und sein Knurren wurde lauter. Irgendetwas in ihrem Innern zog sich zusammen, sie spürte, wie sich die Welle bildete, an die sie sich kaum noch erinnern konnte. „Tec…“ Ihre Fersen gruben sich in das Laken und sie wimmerte wieder, als sich die Bewegungen seiner Finger verstärkten und seine Zunge die verstärkte Feuchtigkeit wegleckte. Seine aufgerichteten Haare kitzelten die Innenseite ihrer Schenkel und ihre Hüften wollten sich aufbäumen, seinem Gesicht und seiner Hand entgegen, doch er verstärkte den Druck seiner Hand auf ihrem Bauch.

„Tec, bitte“, schluchzte sie fast und wand sich unter seinem Mund. „Bitte…ja…“

Und er gab ihr, was sie wollte. Mit einem Aufschrei bäumte sie sich auf, als er ihre Klitoris wieder in seinen Mund saugte, sich die Muskeln in ihrem Unterleib übergangslos in lustvollen Schauern zusammenzogen und die Finger umkrampften, die er bis zum Anschlag in sie rammte.

Tec’or zitterte plötzlich genauso wie die Menschenfrau unter ihm, weil der Geruch ihrer Erregung einfach zu stark wurde und er regelrecht fühlte, wie die Wellen der Lust durch ihren Körper schossen und nur langsam wieder abebbten. Einen Moment lehnte er seine Stirn gegen ihren Schenkel, kämpfte um seine Beherrschung und gegen den Drang, einfach seine Hose zu öffnen und sich in ihr zu vergraben. Sie würde jetzt garantiert nichts dagegen haben. Nicht, solange sie noch nicht wieder auf dem Boden angekommen war.

Mühsam kroch er ihren Körper hinauf, küsste ihren noch immer vom Stoff des Kleides bedeckten Bauch, ihr Dekollete, ihren Hals und schnurrte gequält, weil der Druck in seiner eigenen Hose begann zu schmerzen. Dann öffnete Ailia ihre Augen und er vergaß einen Moment alles, was er sagen wollte. Es war eine ganze Weile her, dass ihn eine Frau so angesehen hatte.

Sie hob ihre Hand und strich ihm zärtlich übers Gesicht. Und wieder rollten Tränen ihre Wangen hinab. „Tec, das war … fantastisch“, flüsterte sie schluchzend und schlang ihre Arme um seinen Hals. „So fantastisch.“

Er vergrub sein Gesicht an ihrem Hals, atmete ihren Duft ein und wünschte sich nichts anderes, als ewig so liegen zu bleiben. Sie strich über seine Haare, Tränen liefen noch immer aus ihren Augen und sie schniefte leise.
„Wieso bin ich denn nur so eine Heulsuse?“, murmelte sie und Tec’or hob den Kopf.

„Ich wusste, dass du Unrecht hast“, sagt er leise und küsste sie sanft. „Du bist nicht gefühllos, Lucie.“

Ailia wurde plötzlich bewusst, dass er noch immer komplett angezogen war und sich seine harte Erregung gegen ihren Oberschenkel presste. Der junge Tec’or hätte sie jetzt gedrängt, sein eigenes Verlangen zu befriedigen, der ältere schien sich besser unter Kontrolle zu haben. Sie fuhr mit dem Zeigefinger über seine Lippen und lächelte, als er den Mund öffnete und ihren Finger hineinsaugte.

„Ich werde mich jetzt um dich kümmern“, versprach sie und ihr blieb fast die Luft weg, als seine Augen aufloderten. „Ich habe allerdings nicht mehr allzu viel Übung darin…“

Tec’or knurrte auf und küsste sie wild. „Ist mir egal“, stieß er hervor und ließ zu, dass ihn Ailia auf den Rücken drehte. Er würde sterben, wenn sie nicht gleich etwas tat und nahm an, dass sie tun konnte, was sie wollte, er sowie innerhalb von einer Minute kommen würde. „Ziehst du dein Kleid aus?“

Ailia hob die Augenbrauen, doch er sah sie so bettelnd an, dass sie ohne zu zögern zum Saum ihres Kleides griff und es über den Kopf zog. Tec’or schnurrte auf, hob den Kopf und fuhr kurz mit der Zunge über ihre sich sofort verhärtende Brustwarze. Ihre Hand strich über seine Brust, unter sein Shirt und sie fühlte, wie sich seine Muskeln unter ihren Fingern zusammenzogen. Sie musste lächeln, als sie ihn leise stöhnen hörte und öffnete die Knöpfe seiner Hose. Eigentlich wollte sie ihn ebenfalls nackt sehen, einfach nur, weil sie eine Erinnerung an den erwachsenen Tec’or mitnehmen wollte, doch er fing ihre Hände, als sie die Hose seine Hüften hinabstreifen wollte.

„Schnell, Lucie“, knurrte er. Er schlang seine Hand um ihren Hals, in ihre Haare und küsste sie kurz und hart, als sie fragend die Augenbrauen hob. „Schnell. Die ganz schnelle Version.“ Ohne ein weiteres Wort schob er ihren Kopf an seinem Körper abwärts.

Ailia hätte sich lieber mehr Zeit gelassen. Irgendwie verspürte sie den Wunsch, seinen erwachsenen Körper kennen zu lernen und zu erforschen. Aber sie nahm an, dass seine Beherrschung nur noch an einem seidenen Faden hing. Seine Erektion reckte sich ihr entgegen, stolz und kerzengerade.

Fasziniert strich sie über die samtene Haut, senkte den Kopf und fuhr mit der Zunge über die Spitze. Sein Knurren wurde lauter und seine Hüften hoben sich, als er versuchte, sich selbst zwischen ihre Lippen zu drängen. Er schien wirklich gleich die Nerven zu verlieren und deshalb nahm sie ihn, ohne ihr Spiel fortzusetzen, einfach in den Mund und saugte ihn tief in ihre Kehle. Er bebte und ihre Finger umfassten seine harten Hoden, während ihre Lippen an ihm auf und abglitten. Es dauerte keine Minute und Ailia kam gar nicht dazu, das Ganze ein wenig länger zu genießen, als sich seine Hand in ihre Haare krallte, ihren Kopf fixierte und er sich tief in ihren Mund stieß.

Gleichzeitig mit seinem Fauchen und Aufbäumen spritzte die warme Flüssigkeit in ihrem Mund. Wäre es ihr möglich gewesen, hätte sie wahrscheinlich gelacht. So aber konnte sie nur schlucken, während er sich in ihrem Mund ergoss, sein Körper unkontrolliert zuckte und dann erschlaffte. Ailia ließ ihn los. Sie leckte die Reste seines Spermas von seinem Penis und kroch seinen Körper hinauf.

„Also“, kicherte sie und küsste seinen Hals. „Das wäre jetzt selbst für den jungen Tec eine sehr schnelle Vorstellung gewesen.“

Tec’or lachte abgehackt, ohne die Augen zu öffnen. Er atmete noch immer schwer und murmelte dann. „Wow, ich hatte vergessen, *wie* verrückt dieser Geruch mich macht...“

„Mit D’arjos ist es nicht so?“ Sie klang erstaunt.

„Nicht so intensiv. Nur an diesen bestimmten Fruchtbarkeitstagen des Jahres. Dann senden sie den Geruch aber permanent aus und da das manchmal für das männliche Umfeld leicht... ablenkend ist, nehmen viele Frauen Hormonblocker, um es zu verhindern. Das beeinflusst aber nicht den Wunsch nach Sex, sondern verhindert eine Schwangerschaft.“

„Oh“, machte Ailia. Sie fühlte seinen Arm, der sich um sie schlang und schmiegte sich an ihn.

Tec’or fuhr sanft mit den Lippen über ihre Stirn. „Das war nicht nett von mir“, flüsterte er. „Eher eine Art Überfall.“

Ailia lächelte. „Tec, nach dem, was du getan hast, hätte ich dir alles erlaubt.“ Ihre Hand kroch wieder unter sein Shirt und schlang sich um seine nackte Brust. „Ich hätte dich auch gern nackt gesehen...“

„Kein Problem“, murmelte er, allerdings ohne sich zu rühren. „Ich bin im Moment wieder ich selbst.“

„Darf ich?“, fragte sie, richtete sich auf und beugte sich über ihn.

Tec’or öffnete endlich die Augen. „Mach, was immer du willst, Lucie“, schnurrte er.

Ailia grinste, setzte sich rittlings auf ihn und griff nach dem Saum seines Shirts. „Aufrichten“, kommandierte sie und zog ihm das Shirt über den Kopf.

Er nutzte die Gelegenheit, um noch einmal mit den Lippen ihre Brust zu berühren, während sie mit dem Shirt kämpfte. Ailia lachte und drückte ihn auf die Matratze zurück.

„Das ist unfair“, schimpfte er, verschränkte jedoch die Hände hinter dem Kopf, als sie seine Beine abwärts rutschte und dabei seine Hose mit hinabzog. Mit funkelten Augen verfolgte er, wie sie die Hose neben das Bett fallen ließ und dann den Kopf hob und ihn einfach nur ansah. Er erwiderte ihren Blick ohne Verlegenheit, doch sein Körper reagierte allein auf die Art und Weise wie sie ihn musterte.

Ailia lächelte wieder, beugte sich über ihn und küsste noch einmal die Spitze seines halbsteifen Penis, der sofort in ihrer Hand anschwoll. „Du hast einen schönen Körper“, flüsterte sie. „Aber das habe ich als junges Mädchen schon festgestellt.“ Ihre Zunge umzirkelte die Spitze und Tec’ors Mund öffnete sich, als er sie beobachtete. Gewaltsam zwang er sich, nichts zu tun, sondern sie einfach gewähren zu lassen.

„Wieso hast du wenig Übung?“, brachte er dann hervor. „Gefällt das terranischen Männern auch nicht?“

Sie saugte ihn kurz in ihren Mund, spielte mit ihrer Zunge und ließ ihn wieder los. „Ich habe wenig Lust dazu verspürt, wenn sie nicht bereit waren, das Gleiche für mich zu tun“, flüsterte sie und blies gegen die empfindliche Spitze.

Tec’or erschauderte. Sie saß auf seinen Beinen und verhinderte dadurch, dass er seine Hüften in dem Maß bewegte, wie er es gern gewollte hätte, doch zum ersten Mal störte er sich nicht daran, eine Frau tun zu lassen, was sie wollte. Ja, es gefiel ihm mehr als gut, ihr einfach zuzusehen.

Und Ailia ließ sich jetzt Zeit. Genüsslich erkundete sie jeden Zentimeter von ihm mit ihrer Zunge, saugte ihn in ihren Mund, gab ihn wieder frei und begann ihr Spiel von neuem. Irgendwann schaffte es Tec’or nicht mehr, seine Hände hinter seinem Kopf verschränkt zu lassen. Die Krallen bohrten sich in das Laken des Bettes, als sie ausfuhren und er knurrend gegen Ailias Gewicht auf seinen Beinen kämpfte. Von wegen, sie war aus der Übung! Wahrscheinlich verlernte man nie, was man einmal meisterhaft beherrscht hatte.

„Lucie...“, stöhnte er und klang fast verzweifelt.

Ein berauschendes Gefühl von Macht strömte durch ihren Körper und das Pochen zwischen ihren Beinen war wieder da. Sie verstärkte die Bewegungen ihres Mundes und fühlte im gleichen Atemzug die Nässe und den Druck zwischen ihren Beinen zunehmen.

Der D’arjo knurrte auf, klang jetzt fast aggressiv und als sein Kopf hochfuhr, sah sie einen Hunger in seinen Augen, der ihr den Atem raubte. Ehe sie reagieren konnte, hatte er sich aufgebäumt, ihre Schultern ergriffen und sie auf den Rücken geworfen. Seine Lippen waren auf ihrem Mund, seine Zunge zwischen ihren Zähnen und irgendwo entfernt nahm sie wahr, dass sie seine Erregung zwischen ihren Beinen spürte.

Sie keuchten beide, als er seinen Kopf von ihr löste und sie aus brennenden Augen ansah. Ihre Finger klammerten an seinen Schultern und die schweißnasse Haut ihrer Körper klebte aneinander.

„Ich will dich, Lucie“, stieß er hervor.

Das war ihr in dem Moment klar gewesen, als er sie auf den Rücken geworfen hatte. Und dass er es sagte, obwohl sie die Spitze seiner Erektion an ihrem Eingang spürte und nur ein einziger Stoß ihn dahin bringen würde, wohin er wollte, schnürte ihr die Kehle zu. Sie konnte nur ahnen, welche Beherrschung es ihn kostete.

„Ja, Tec“, flüsterte sie und wusste plötzlich, dass es stimmte.

Er knurrte auf, einen Moment huschte Erleichterung über sein Gesicht, dann pressten sich sein Lippen auf ihren Mund und er stieß vorwärts, tief in sie hinein. Die Sensation überwältigte Ailias Sinne. Ihr Kopf flog zurück. Stöhnend öffnete sich ihr Mund, sie fühlte seine Lippen und Zähne an ihrer Kehle und fühlte zum ersten Mal seit langer Zeit, dass es richtig war. Und sich richtig anfühlte. Tec’or bewegte sich nicht. Er verharrte in ihr, abwartend, als fürchte er ihre Reaktion und hob dann den Kopf.

„Okay?“ Er klang angespannt, als stände er kurz vor dem Explodieren und Ailia schlang ihre Arme um seinen Hals.

„Ja“, flüsterte sie und ein verkrampftes Lächeln huschte über sein Gesicht. „Ja, Tec. Ja.“

Er lachte auf und ihre Beine umschlangen ihn, als er anfing, sich zu bewegen und jeder tiefe Stoß sie dem Himmel ein Stück näher brachte. In einem Rhythmus, der Jahrhunderte alt war und es keine Rolle spielte, dass es ein D’arjo und eine Menschenfrau waren, die dieses Erlebnis teilten.

 

Teil 10
 


Ailia erwachte am nächsten Morgen und sah sich einen Moment orientierungslos um. Erst dann fiel ihr auf, dass sich ein warmer Körper gegen ihren Rücken presste und ein Arm sie an seinem Körper festhielt.

Sie lächelte und schloss wieder die Augen. Tec’or schien gespürt zu haben, dass sie erwacht war, denn er hob kurz den Kopf und zog sie noch enger an sich.

„Gut geschlafen, Lucie?“, fragte er und drückte sein Gesicht in ihre Haare.

„Hm“, machte sie müde. Bilder der vergangenen Nacht huschten durch ihren Kopf. Ihre schweißnassen Körper, die sich aneinander klammerten, er in ihr und sie, die seinen Namen schrie, als er in ihr kam und sie ihm folgte. Gefühle, die durch ihren Körper tobten, von denen sie wusste, dass es sie gab, sie sie aber in den vergangen Jahren nie ausgelebt hatte…

„Sehr schön“, murmelte er und ihr Geruch stieg ihm in die Nase. Jetzt sagte nicht nur sein Zeichen, dass sie ihm gehörte und es erfüllte ihn mit Stolz.

Ailia kuschelte sich an ihn. „Na los. Sag es schon.“

„Was denn?“

Ich habe die ganze Zeit gewusst, dass du spinnst“, äffte sie seine Stimme nach und er lachte leise.

„Ähm… Ja, habe ich“, gab er dann zu. „Aber ich fand, es wäre keine Lösung, dich ans Bett zu fesseln und dir zu zeigen, dass ich Recht habe.“

„Heh!“ Sie fuhr herum und musste auch lachen, als sie sein Grinsen sah. „Das hätte nicht funktioniert, weil ich dann tierisch wütend auf dich gewesen wäre.“

„Ich bin mir da nicht so sicher“, murmelte er und strich sanft mit der Zunge über ihre Lippen. „Stell es dir doch vor. Du, festgezurrt und ich mit dem Kopf zwischen deinen Beinen und meine Zunge, die…“

„Hör auf!“ Ailia schlang die Arme um seinen Hals und küsste ihn. In ihrem Bauch tanzten schon wieder Schmetterlinge und sie fragte sich, was denn nun mit ihr los war.

„Ich wette, du hättest nicht lange geschimpft“, fuhr er fort und drehte sie mit einer schnellen Bewegung auf den Rücken. „Ich wette, du hättest ganz schnell festgestellt, dass ich sehr gut mit meiner Zunge bin.“

Das war er wirklich. Ihr blieb schon bei dem Gedanken daran wieder die Luft weg. „Was wird jetzt, Tec?“

Er wusste genau, was sie meinte und er hatte genau so wenig wie sie eine Antwort auf diese Frage. „Das ist kein guter Zeitpunkt, darüber nachzudenken“, sagte er leise, während seine Lippen über ihren Hals wanderten.

Ailias Hände fuhren durch seine Haare. „Warum?“, erkundigte sie sich verspielt. „Weil da ein Teil von dir schon wieder ganz andere Ideen hat?“

„So könnte man es ausdrücken“, schnurrte er und Ailia vergaß alles, als sein Kopf ihren Körper hinab unter die Decke wanderte.

Eine halbe Stunde später schafften sie es aufzustehen. Ailia fühlte sich so wohl wie lange nicht in ihrem Leben und verdrängt jeglichen Gedanken an die Zukunft weit nach hinten in ihrem Kopf. Gut, es bestand sicher kein Zweifel daran, dass sich ihre Wege wieder trennen würden, aber sie konnte die Zeit, bis es so weit war, wenigstens genießen.

Tec’or schien ähnlich zu denken, denn er kam nicht wieder auf ihre Frage zurück. Aber er wich auch nicht von ihrer Seite. Sie gingen essen, sie besuchten das Freizeitdeck, er nahm sie sogar erstmals auf das Holodeck mit und programmierte eine d’arjotische Landschaft, damit sie das Gefühl bekam, den Planeten doch betreten zu haben.

Ab und zu bemerkte sie, wie ein oder eine D’arjo in ihre Richtung witterte und wenn vorher ein feindseliger Ausdruck auf dem Gesicht gelegen hatte, verschwand er und machte Verwunderung, wenn nicht gar Respekt Platz.

Ailia war das fast ein wenig unangenehm, weil sie wusste, dass die D’arjos mit ihrer feinen Nase ihre Beziehung zu Tec’or rochen und Tec’or amüsierte sich köstlich darüber, als sie das sagte. Er erklärte ihr, dass die Informationen, die den D’arjos die Nase lieferte, ein wichtiger Bestandteil der Kommunikation waren und niemand es anders kannte.

„Weißt du“, sagte sie später am Abend, als sie in der Cafeteria zusammen aßen. „Ich denke, unter Menschen wäre die Beziehung mit einem D’arjo schwerer zu erklären oder anders ausgedrückt, es würde auf mehr Unverständnis und wahrscheinlich auch Abneigung stoßen als das hier der Fall ist.“

Tec’or nickte langsam. „Möglich.“

Sie nippte an ihrem Weinglas. „Mein Vater würde ausflippen, wenn er es wüsste.“

„Und Kevin?“

Sie zuckte mit den Schultern. „Wahrscheinlich würden mich beide für komplett wahnsinnig halten.“

„Du solltest ihn nicht heiraten“, sagte er leise. „Du solltest gar keinen Mann heiraten, der dich nicht auch ordentlich…“, er grinste breit, „…vögeln kann.“

Ihr Kopf schoss hoch und sie fühlte die Hitze, die in ihre Wangen kroch. Er sah sie einfach nur an als wären seine Worte die natürlichste Sache der Welt.

„Sicher“, brachte sie heraus.

Tec’or legte den Kopf schief. „Es ist süß, wenn du rot wirst. Ich kann mich gar nicht erinnern, dass dir das als Kind auch so oft passiert ist“, erklärte er und grinste wieder.

Ailia verdrehte die Augen. „Es hilft mir sehr viel, wenn du mich noch mit der Nase darauf stößt.“

Er lachte und am Nachbartisch drehten sich einige D’arjos erstaunt um. Ailia musste schmunzeln, weil sie annahm, dass es nicht oft passierte, dass jemand Tec’or lachen hörte.


~*~*~*~


Es war schon spät, als sie die Cafeteria verließen. Ailia fühlte die Müdigkeit in ihren Gliedern, weil die ganze sportliche Betätigung des heutigen Tages ihren Tribut forderte und murmelte etwas in der Art, dass sie wahrscheinlich einen tierischen Muskelkater bekommen würde. Ihre Schritte wurden vor ihrer Kabine langsamer, doch der D’arjo nahm wortlos ihre Hand und zog sie hinter sich her.

„Tec, ich…“, begann sie, als sich die Tür seiner Kabine hinter ihr schloss, doch er unterbrach sie.

„Du wirst jetzt hier wohnen.“

„Wie bitte?“, entfuhr es ihr.

„Ich habe deine Sachen schon hierher bringen lassen.“

„Wie bitte?!“, wiederholte sie, diesmal ein wenig lauter.

Der D’arjo runzelte die Stirn. „Ich habe gesagt, du wirst…“

„Ich habe gehört, was du gesagt hast.“ Ailia verschränkte die Arme vor der Brust. „Du kannst nicht über meinen Kopf hinweg entscheiden, was ich tun soll! Du kannst nicht einfach irgendeine Entscheidung fällen, die mich betrifft, ohne mit mir darüber zu reden!“

Tec’or machte einen Schritt auf sie zu und irgendetwas in seinem Blick jagte ein eigenartiges Gefühl durch ihren Körper. Unwillkürlich wich sie einen Schritt zurück und spürte plötzlich die Kabinenwand im Rücken. Der D’arjo blieb vor ihr stehen, ohne sie zu berühren, doch nah genug, um ihr plötzlich das Atmen schwer zu machen.

„Lucie“, begann er leise. „Du stehst unter meinem Schutz. Du trägst meinen Geruch. Du trägst mein Zeichen. Du wirst gefälligst auch in meiner Kabine wohnen!“

„Du bist verrückt, Tec“, murmelte sie schwach, ohne seinem brennenden Blick auszuweichen. „Du hast gestern noch gesagt, das mit dem Zeichen wäre bedeutungslos, weil es vor fünfzehn Jahren geschah und ich bin bestimmt nicht die erste Frau, die deinen Geruch trägt und…“

Übergangslos presste er sich an sie und stützte seine Ellenbogen zu beiden Seiten ihres Kopfes gegen die Wand. „Die erste, die meine Zeichen und meinen Geruch trägt“, flüsterte er heiser und Ailia fühlte eine ihr völlig unbekannte Schwäche in ihren Beinen. Sein Kopf senkte sich und seine Lippen strichen über ihren Mund zu ihrem Hals.

„Tec…“ Ailias Stimme verklang in einem Seufzen, als er sie sanft in den Hals biss.

„Und du gehörst mir“, hauchte er gegen ihre Haut.

„Das ist … unfair“, murmelte sie und schloss die Augen. Sie sollte ihm wirklich diese besitzergreifenden Gedanken ausreden. Später. Im Moment gefiel ihr die Art und Weise, wie er es aussprach, viel zu gut. Und es war sehr schwer, zu denken, während er leise knurrte und an ihrem Hals knabberte. Unbewusst neigte sie den Kopf zur Seite und murmelte. „Ich will erst unter die Dusche, Tec…“

Er lachte leise. „Meinetwegen.“ Und löste sich von ihr.

Ailia schien wie aus einem Traum zu erwachen. Tec’or fasste wieder ihre Hand und zog sie zur Duschkabine. Sie wurde plötzlich von Panik ergriffen. Irgendwie ging das alles viel zu schnell.

„Tec! Was wird das?“ Er reagierte nicht, sondern zog sie hinter sich her in das kleine Bad. „Ich denke, das ist eine blöde Idee“, fuhr sie fort und wollte ihm ihre Hand entziehen. „Tec, ich will nicht…“

Sein Arm schlang sich um ihre Taille und er presste sie an sich. „Du redest zuviel, Menschenfrau“, schnurrte er leise und rieb seine Hüften an ihr. Ailia schnappte nach Luft. „Ich denke“, fuhr er fort, „ich habe ein Problem, das nicht mehr lange warten kann. Wir sollten uns also beeilen.“

Ailia spürte sein Problem deutlich und versuchte mühsam, ernst zu bleiben. „Du warst schon als Kind unersättlich. Wie hast du die letzten Wochen ohne Sex überstanden?“ Sie stockte. „Du hattest doch keinen, oder?“, fragte sie misstrauisch.

„Nein“, murmelte er und zog ihr das Shirt über den Kopf. „Deine Nähe macht mich ziemlich an.“ Sein Hemd folgte, dann ihre Hose und ihr BH. „Ich musste mich öfter an meine Selbstbefriedigungsversuche aus der Kindheit erinnern.“

Ailia kicherte, dann sank seine Hose zu Boden und seine Erregung reckte sich ihr entgegen.

„Lucie, wenn du nicht in der Duschkabine gevögelt werden möchtest, sollten wir das Duschen endlich hinter uns bringen“, knurrte er und schob sie unter das Wasser.

„Ich habe noch nie mit jemandem zusammen geduscht“, sagte sie und strich über seine nackte Brust. D’arjos hatten außer im Genitalbereich keine Körperbehaarung und sie konnte jeden Muskel unter seiner Haut fühlen. Es gefiel ihr. Er gefiel ihr und sie erinnerte sich wehmütig daran, dass es ein Ende haben würde.

Tec’or griff nach dem Shampoo, drehte Ailia und schäumte ihre Haare und danach seine eigenen ein. Seine Hände strichen über ihre Haut, er hörte ihr leises Stöhnen und war froh, dass das Wasser den Geruch ihrer Erregung verbarg. Dann nahm sie ihm die Seife aus der Hand und ließ seinem Körper die gleiche Behandlung zukommen wie er ihrem. Als ihre Hände dann jedoch seinen steinharten Schaft umschlossen und sanft massierten, knurrte er auf, schlang seinen Arm um ihren Hals und presste seine Lippen auf ihren Mund. Sie ließ ihn nicht los, sondern griff fester zu und sein Verstand begann, sich zu verabschieden. Er drängte sie rückwärts gegen die Wand der Duschkabine, ohne seine Lippen von ihr zu lösen.

Ailia fühlte, wie er sich härter in ihre Hand stieß und Schauer durchfuhren ihren Körper. Er reagierte schneller und aggressiver auf alles, was sie tat, als jeder menschliche Mann, dem sie begegnet war. Der Gedanke, dass sie es war, die ihn die Beherrschung verlieren ließ, gab ihr ein Gefühl von Macht und sandte ein köstliches Pochen zwischen ihre Beine. Sie wollte auf die Knie sinken, doch Tec’or hielte sie fest. Seine Hände wanderten zu ihrem Hintern, umfassten ihre Oberschenkel und er hob sie an. Instinktiv umklammerte Ailia seinen Hals und seine Hüften und japste auf, als er einen einzigen Stoß nach vorn machte, in sie rammte und gegen die Wand pinnte.

„Tut mir Leid“, knurrte er und küsste sie kurz. „Ich konnte nicht mehr warten.“

Ailia Kopf flog rückwärts gegen die Wand, als er begann, sich zu bewegen. Sein Kopf sank gegen ihren Hals, seine Zähne schabten über ihre Haut und sie umklammerte seinen Hals, während jeder Stoß sie gegen die Wand presste, wenn er tief in ihr verschwand. Bis die Lichter in ihrem Kopf angingen, sie aufwimmerte, ihre inneren Muskeln sich um ihn zusammenzogen und ihn über die Kante schickten. Mit einem Fauchen entlud er sich in ihr und hielt sie fest bis ihr keuchender Atem sich beruhigte.

„Oh Gott“, murmelte Ailia und hörte ihn leise auflachen. Seine Zunge leckte über ihren Hals.

Dann gab er sie frei, stellte sie auf ihre Füße und stellte das Wasser ab. „Es fällt mir sehr schwer, meine Hände von dir zu lassen“, erklärte er nebenbei und reichte ihr ihren Bademantel.

Ailia schlüpfte hinein und sah, dass er sich nur ein Handtuch um die Hüften schlang. „Wer hat eigentlich meine ganzen Sachen hierher gebracht?“, erkundigte sie sich misstrauisch. „Wann hast du das angeordnet?“

„Heute früh“, antwortete er lakonisch, griff nach einer Flasche im Badschrank und ging zur Tür. „Komm mit.“

„Heute früh?“, entfuhr es ihr. „Tec, ich verstehe das nicht.“ Sie folgte ihm zurück ins Zimmer. „Du weißt genau, dass es ein Ende hat, wenn du mich nach Avalon zurückbringst?“ Sie stockte plötzlich. „Du… bringst mich doch nach Avalon zurück?“

Seine Haare richteten sich, trotzdem sie noch nass waren, auf. „Ja, Lucie“, sagte er ernst. „Wenn du es willst…“ Er schlang seine Arme um sie, hob sie hoch und trug sie zum Bett.

„Wenn ich es will…?“, fragte sie vorsichtig, als er sie auf der Bettkante absetzte.

Er nickte. „Leg dich hin.“

„Was?“ Sie sah ihn verständnislos zu ihm hoch.

Tec’or grinste, legte seine Hand auf ihre Brust und drückte sie nach hinten. „Rutsch etwas höher“, wies er sie an und kniete im nächsten Moment über ihr. Seine Finger öffneten ihren Bademantel, während ihn Ailia nur mit großen Augen anstarrte. Dann hob er die kleine Flasche, die er in der Hand hielt, hoch.

„Massageöl“, erklärte er. „Meine unbeherrschte Aktion in der Dusche hat schließlich nicht dazu beigetragen, deinen Muskelkater zu verhindern.“ Er senkte kurz den Kopf und fuhr mit der Zunge über ihre jetzt nackten Brüste. „Und bleib bitte auf dem Bademantel liegen. Ich möchte das Öl nicht im ganzen Bett haben.“

Ailia fühlte sich wie in einem Traum. Er zog ihre Arme aus den Ärmeln des Bademantels, wies sie an, sich nicht zu bewegen und goss etwas von dem Öl auf ihren Bauch. Es war warm und mit langsamen massierenden Bewegungen verteilten seine Hände das Öl auf ihrem Körper. Er ließ sich Zeit und sie fand plötzlich, dass es nichts Entspannenderes gab, als seine geschickten Hände, die jeden Zentimeter von ihr berührten. Ailia blieb einfach liegen. Seine Finger strichen über ihre Brüste, ihre Schultern und ihre Arme.

„Leg die Hände über den Kopf“, flüsterte er leise und seine Lippen strichen über ihren Hals, während seine Hände das Öl an ihren Seiten hinunter zur Hüfte einmassierten. „Du bist wunderschön, Lucie“, murmelte er und sah das Lächeln, das über ihre Lippen huschte.

Sie hatte die Augen geschlossen, gab sich ganz den Empfindungen hin, die seine Hände auf ihrem Körper auslösten und er fand wirklich, dass er nie etwas schöneres gesehen hatte, als ihren nackten Körper auf seinem Bett und die vom Öl glänzende Haut in dem dämmrigen Licht. Seine Finger wanderten ihre Beine abwärts, massierten ihre Füße, die Zehen und er küsste sanft die zarte Haut ihres Knöchels, bevor er sie kurz biss.

Er hörte ihr Seufzen und ein leises Knurren kam aus seiner Kehle. Sie gehörte ihm. Seine Hände strichen ihre Schenkel wieder nach oben, spreizten ihre Beine, während seine Finger sie massierten und er knurrte wieder, als sie es einfach geschehen ließ und der Geruch ihrer Erregung seine Nase traf. Als seine Finger den Bereich zwischen ihren Beinen erreichten, wimmerte sie leise und ihre Beine öffneten sich weiter in der stummen Bitte um mehr. Tec’or senkte den Kopf, gab kurz dem eigenen Bedürfnis nach und leckte über das feuchte Fleisch. Er kniete zwischen ihren Beinen und kämpfte einen Moment gegen seine eigene Erregung. Aber er bezwang sie, weil er mit ihr noch nicht fertig war.

„Dreh dich um, Lucie“, flüsterte er heiser und seine Erregung schnellte schlagartig in die Höhe, als sie seiner Aufforderung sofort nachkam. Diesmal begann er an ihren Füßen und er hörte sie leise: „Oh Gott, Tec…“ murmeln.

Seine Haare richteten sich auf, während er sanft das Öl auf ihrer Haut verteilte. Er stützte sein Knie zwischen ihren Beinen ab, rieb es an ihrer Mitte und knurrte lauter, als sie aufstöhnte und sich in seine Berührung presste. Seine Zunge fuhr über ihren Rücken, einen kurzen Moment gab er seinem eigenen Zwang nach und biss sie zärtlich in die Hüfte, ohne dass seine Finger ihre Tätigkeit unterbrachen. Dann war er an ihren Schultern angelangt, streifte ihre noch immer nassen Haare zur Seite und massierte mit festen Kreisen das Öl in ihre Haut.

„Es klingt fast, als versuchst du zu schnurren, Lucie“, wisperte er neben ihrem Ohr, biss sie kurz in den Hals und fühlte ihr Erschaudern. „Gefällt es dir?“

„Ja“, murmelte sie verträumt und es stimmte. Sie könnte die ganze Nacht damit zubringen, dass seine Hände ihren Körper verwöhnten.

Er lachte leise und zog mit einer schnellen Bewegung das Handtuch von seinen Hüften. „Mir gefällt es auch“, sagte er leise und rieb sich selbst an ihrem Rücken.

Sie lächelte mit geschlossenen Augen, fühlte seine Lippen und Hände ihren Rücken wieder abwärts wandern und stöhnte auf, als er sie gar nicht mehr sanft in die Hüfte biss. Sein Knie drängte ihre Beine auseinander, während seine Hände ihre Hüften anhoben

Ailia hatte noch nie in ihrem Leben mehr als einmal Sex pro Nacht gehabt. Doch die Berührungen seiner Hände und sein Knurren sagten ihr deutlich, was er wollte. Sie war so feucht zwischen ihren Beinen und wieder fühlte sie seine Zähne an ihrer Hüfte, als er sie dort streichelte und einen Finger in sie stieß. Stöhnend presste sie sich in seine Berührungen und wunderte sich kurz, wie er ein derartiges Verlangen in ihr wecken konnte, obwohl das vor ihm niemand geschafft hatte.

Tec’or zog sie an den Rand des Bettes und Ailias Finger krallten sich in das Laken, als sie auf ihren Knien landete und er sich gegen ihren Hintern drückte. Sie spürte seine Erektion und sein Knurren wurde lauter, während seine Hände ihre Hüften umfingen und er sich hinter ihr positionierte. Ihre Zähne gruben sich in ihre Unterlippe. Mit einem Fauchen stieß er vorwärts, in sie hinein und presste sie gegen die Kante des Bettes. Ailia konnte sowieso nicht viel tun. Sie wusste auch nicht, warum sie sich schon wieder fühlte, als würde sie gleich sterben, wenn er sie nicht ausfüllte und als er es endlich tat, konnte sie nur die Augen schließen, ihr Gesicht im Laken vergaben und leise stöhnen. Seine sanfte Massage hatte ihren Körper schon auf ein so erregtes Level gehoben und es brauchte nicht viel, um sie über die Kante zu stoßen. Seine Finger wanderten um ihren Körper, sie schnappte nach Luft, als sie die Krallen spürte und schrie übergangslos, als er sie berührte.

„Oh Gott, Tec... Tec...“

Der D’arjo knurrte wieder. Der verrückte Geruch benebelte seine Sinne, zu spüren, wie ihre inneren Muskeln ihn umkrampften und sie seinen wilden Stößen begegnete, reichte. Er biss zu, nicht so, dass er sie verletzte, aber er hörte, wie sie krampfhaft Luft holte und unter ihm erzitterte, als er sich ein letztes Mal in ihr vergrub und seinen Samen in sie abgab, ehe er auf ihr zusammenbrach.

Ailia war die Erste, die sich wieder rührte und unter ihm murmelte. „Tec, du bist schwer...“

Er fühlte sich, als könnte er nie wieder aufstehen. „Hm“, machte er schwach, schlang jedoch seinen Arm um sie und zog sie mit sich hoch auf das Bett.

Ailia kuschelte sich an ihn, fühlte, wie er ihr zärtlich die verschwitzten Haare aus der Stirn strich und seufzte leise.

„Eigentlich hatte ich das jetzt nicht vor“, murmelte er gedankenverloren und hörte sie kichern. „Irgendwie scheint sich meine Beherrschung in Luft aufzulösen, sobald ich dich berühre...“

Sie legte ihr Kinn auf seine Brust und lächelte leicht. „Ich habe dich sowieso nur recht unbeherrscht in Erinnerung. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie das sein soll, wenn du dich beherrschst...“

Seine Hand fuhr in ihre Haare und er hob kurz den Kopf, um seine Lippen auf ihren Mund zu pressen. Sein leises Knurren jagte schon wieder Schauer über ihre Haut. „Ich bin ein Meister der Beherrschung“, erklärte er ernst.

Ailia lachte auf. „Lügner.“ Sie legte ihren Kopf an seine Schulter und strich sanft über seine Brust. „Du wirst mich nicht noch einmal beißen, ja?“, fragte sie leise.

Er antwortete nicht und irgendwie war sie froh darüber, weil es ihr sagte, dass er darüber nachdachte und ihr nicht einfach eine beruhigende Antwort hin warf. Als er nach ein paar Minuten noch immer nichts gesagt hatte, hob sie den Kopf.

„Wie verhindert es eine d’arjotische Frau? Wie lehnte sie es ab?“

Tec’or strich ihr sanft über die Wange. „Indem sie ihre Krallen und Zähne einsetzt...“

Ailia schluckte und sah ihn aus großen Augen an.

„Allerdings“, fuhr er fort, „...passiert es im seltensten Fall, dass ein Mann es gegen den Willen der Frau versucht.“ Sein Daumen fuhr über ihre Unterlippe und sein Körper spannte sich, als ihre Zunge herausschnellte und ihn berührte.

„Du ... wolltest es...“

Er schloss die Augen und nickte. „Aber ich habe es nicht getan.“ Dann öffnete er sie wieder und das Verlangen in ihnen stockte Ailias Atem. „Ich werde es nicht tun, Lucie“, versprach er ernst und ihre Kehle schnürte sich zu. „Nur, wenn du es zulässt... oder gar nicht...“

Wortlos schlang sie ihre Arme um seinen Hals und fühlte, wie er sie enger an sich zog und sein Gesicht in ihren Haaren vergrub. Sie wusste, dass sie nicht die körpereigenen Waffen einer D’arjos besaß, um ihrem Willen Nachdruck zu verleihen. Aber es gab kein anderes Wesen, und schon gleich gar keinen Menschen, dem Ailia mehr vertrauen würde, als dem D’arjo, der sie jetzt festhielt als wolle er sie nie wieder loslassen.

 

Teil 11
 


Die nächsten Wochen erschienen Ailia wie ein Traum. Sie diskutierte nicht mehr mit Trevor darüber, dass er sie einfach übergangen und sie regelrecht in seine Kabine verfrachtet hatte.

Sie fand es einfach nur noch schön, weil es etwas war, das sie noch nie erlebt hatte. Manchmal schwatzten sie bis tief in die Nacht, erzählten sich gegenseitig all die Dinge, die sie zusammen nicht erleben konnten, weil der Krieg sie getrennt hatte. Ailia schlief in Tec’ors Armen ein und wachte in seinen Armen wieder auf. Wenn es doch einmal passierte, dass er Abends länger zu tun hatte und sie allein in dem Bett lag, vermisste sie ihn und grübelte darüber nach, was werden würde, wenn er sie nach Avalon zurückbrachte.

Acto vertraute ihr einmal an, dass ein plötzlich freundlich lächelnder Tec’or seiner Mannschaft etwas unheimlich war und jeder mit einem Ausbruch in der nächsten Zeit rechnete. Doch die D’arjos mit ihrer feinen Nase schienen zu ahnen, dass Ailias Geruch, der natürlich an Tec’or genau so haftete wie seiner an ihr, eine große Rolle an der plötzlichen guten Laune hatte. Acto sprach nie wieder über den Biss und die damit einher gehende Verantwortung. Ailia nahm an, dass Tec’or noch einmal mit ihm geredet und ihm seinen Standpunkt laut und deutlich dargelegt hatte.

Jetzt ließ Tec’or sie sogar allein auf dem Schiff herumspazieren. Er schärfte ihr zwar ein, Bereiche, die für den täglichen Schiffsverkehr benötigt wurden, wie zum Beispiel den Maschinenraum, zu meiden und sich auf die Freizeitdecks und die Cafeteria zu beschränken, aber er hatte keine Angst um ihre Sicherheit mehr. Sein Geruch zusammen mit seinem Zeichen würden jeden D’arjo warnen.

Ailia fühlte sich so frei wie lange nicht. Sie unterhielt sich mit Tara, die ihr fast eine gute Freundin geworden war, lernte jede Menge andere D’arjos kennen, die sich zuerst zögernd, aber dann, als sie Ailia näher kennen lernten, auch offener mit ihr unterhielten.

Sie lachte über Tec’ors Verhalten, wenn er einen anderen D’arjo, der sich nur ein wenig intensiver mit ihr unterhielt, wütend anknurrte und hörte auf zu lachen, wenn Tec’or sie dann anfunkelte, einfach an sich riss und leise in ihr Ohr fauchte, er werde ihr heute Nacht zeigen, dass sie nur ihm gehöre und schon der Gedanke daran, Schauer der Erregung über ihren Körper schickte. Was natürlich Tec’or noch verrückter machte, weil seine Nase es ihm mitteilte und Ailia sich das Lachen verkniff, wenn er sich so fantastisch eifersüchtig und besitzergreifend verhielt, weil er sie einmal wortlos geschnappt hatte, hinter sich her in seine Kabine gezerrt, ihr einfach nur die Kleider vom Leib gerissen hatte und nebenbei geknurrt hatte, wenn sie nicht aufhöre, diesen Duft auszusenden, werde er sie gar nicht mehr aus dem Bett lassen.

Sie fand es einfach toll, wie er auf sie reagierte und war über sich selbst mehr als erstaunt, weil sie auf ihn genauso schnell ansprang. Ein zweideutiger Blick aus diesen gelben Augen, ein Wort, ein leises Knurren – sie kannte ihn und dass sie ihn die Beherrschung verlieren lassen konnte, wenn sie das gleiche tat, machte ihr Spaß und ließ sie schon erbeben, wenn er bloß den Raum betrat.

Jetzt schlenderte Ailia mit einem sehr zufriedenen Grinsen in Tec’ors Kabine und warf ihre Badesachen in den Reinigungsschacht. Der D’arjos sah kurz vom Computer hoch, lächelte und vertiefte sich wieder in seine Abrechnung.

„Tec, ich habe eben etwas fantastisches erlebt“, schwatzte sie los und setzte sich wieder einmal neben ihn auf den Tisch.

„Auf dem Freizeitdeck?“, erkundigte er sich spöttisch, ohne die Augen vom Schirm zu lösen.

„Da war dieser D’arjo.“ Plötzlich hatte sie seine ungeteilte Aufmerksamkeit und musste sich das Lachen verkneifen. „Keine Ahnung, wie er hieß. Ich habe ihn auf alle Fälle noch nie gesehen. Und er schaute mich ganz böse an, so als wolle er das ganze Wasser für sich alleine und stellte seine Haare auf, als ich einfach an ihm vorbeigehen wollte.“

Tec’or stellte seine Haare ebenfalls auf. „Und?“

„Ich trug schon meinen Bikini“, erklärte sie belustigt. „Ich bin einfach an ihm vorbei und habe ganz unauffällig meine Haare über die Schulter geworfen...“ Sie fing an zu lachen. „Ich habe noch nie erlebt, wie sich ein gereizter D’arjo im Nullkommanichts in eine Miezekatze verwandelt. Nur weil er dein Zeichen gesehen hat. Seine Augen sind bald aus seinem Kopf gefallen und er hat sich noch zehnmal entschuldigt, dass er mich so angefahren hat“, kicherte sie weiter.

„Sein Glück“, knurrte Tec’or jetzt ebenfalls gereizt und wandte seine Aufmerksamkeit wieder dem Bildschirm zu.

Ailia grinste, weil seine Haare noch immer von seinem Kopf abstanden, hob ihre Hand und fuhr sanft darüber. Der D’arjo erstarrte, jedoch ohne seine Augen vom Schirm zu lösen. „Ich werde mich nie an diese eigenartigen Haare gewöhnen“, murmelte sie. „Worüber bist du jetzt wütend?“

„Wir werden diese Waren morgen liefern. Ich muss die Frachtpapiere fertig stellen“, sagte er nur.

„Hm“, machte Ailia und sah vergnügt, wie sich seine Kiefermuskeln anspannten. „Stört es dich, wenn ich dir ein wenig zusehe?“, erkundigte sie sich unschuldig.

„Ja“, knurrte er und seine Augen fuhren zu ihren Beinen, als sie sie übereinander schlug. „Jetzt nicht, Lucie.“ Seine Finger huschten über die Eingabetastatur und er zog scharf die Luft ein, als sie sich in Richtung Bildschirm beugte und ihr Geruch seine Sinne traf. „Lucie!“, zischte er böse.

Sie lächelte freundlich. „Tec, du kannst knurren wie du willst, du machst mir keine Angst.“ Sie hob ihre Hand und strich mit den Fingern über seinen Unterarm. „Weißt du, ich war mit deiner Behandlung in den vergangenen Tagen auch nicht immer einverstanden und ich kann mich auch nicht erinnern, dass du immer so richtig auf den passenden Moment gewartet hast...“

„Lucie...“ Es war eine Warnung. Dann fuhr sein Kopf hoch. „Womit warst du nicht einverstanden?“

Ailia rutschte noch ein wenig auf dem Tisch in seine Richtung. Er wollte sie stoppen, doch sie fing seine Hände und hielt sie zu ihren beiden Seiten auf dem Tisch fest. „Nun, einfach so aus der Cafeteria gezerrt zu werden...“, begann sie langsam und streifte ihre Schuhe von ihren Füßen. „Dann werden mir die Kleider vom Leib gerissen...“ Tec’or starrte sie jetzt mit brennenden Augen an und biss die Zähne aufeinander, als sie ihr Bein hob und mit dem Fuß an seinem Schenkel entlang fuhr.

„Du hattest nichts dagegen“, stellte er klar, ohne dass sich seine Haare anlegten oder er versuchte, seine Hände unter ihren heraus zu ziehen.

„Du hast jetzt auch nichts dagegen“, sagte sie spöttisch, ließ sein Hände los und beugte sich zu seinem Gesicht. Zärtlich verschränkte sie ihre Hände in seinem Nacken. „Du bist nur eine große fauchende Miezekatze, die gleich die Beherrschung verliert“, flüsterte sie und fuhr mit ihrer Zunge sanft über seine Lippen.

„Das möchtest du gern“, knurrte er heiser, stieß sie aber auch nicht von sich.

Ailia lachte leise. Sie kannte seine Schwäche für irgendwelche Spielchen mit der Zunge ganz genau und der Ausdruck in seinen gelben Augen machte sie selbst ganz schwach. Aber es wäre sehr dumm, ihm das jetzt zu zeigen. Deshalb fuhr sie einfach fort, ihn mit ihrer Zunge zu necken, strich über seine Wange und dann zu seinem Hals.

Tec’or hatte die Augen geschlossen. Irgendwo in ihm sagte eine lästige Stimme, dass er ihr verbieten sollte, ihn von seiner Arbeit abzulenken und klarstellen, dass sie nicht mit ihm anstellen konnte, was sie wollte und vor allem, wann sie wollte. Er schaffte es nicht, diese Worte zu formulieren, sondern umklammerte mit den Händen die Tischkante, um sie nicht an sich zu reißen, während ihre Lippen federleicht über seine Haut glitten und die zärtlichen Berührungen ihrer Zunge ein Feuer in seinem Körper entfachten, das nur sie löschen konnte. Seine Hose wurde schlagartig zu eng und er fluchte lautlos.

„Wie lange denkst du, hältst du das aus?“, schnurrte sie neben seinem Ohr und saß im nächsten Augenblick rittlings auf seinem Schoß.

„Lucie...ich...“, stieß er hervor und in diesem Moment tat sie etwas, womit er nicht gerechnet hatte. Sie grub ihre stumpfen Zähne in seinen Hals. Tec’ors Krallen fuhren aus, als er seine Arme um sie schlang und auffauchte.

Alle D’arjos hatten eine Schwäche für Bisse. Und er anscheinend besonders. Ailia fühlte sich übergangslos hochgerissen und umklammerte seine Hüften mit den Beinen, als er mit ihr in Richtung Bett stürzte. Die Wildheit in seinen Bewegungen und sein Knurren trieben ihren Blutdruck in die Höhe. Sie umfing seinen Kopf, presste ihre Lippen auf seinen Mund und stöhnte, als seine Zunge sich zwischen ihre Zähne drängte.

Er fiel mit ihr zusammen auf das Bett, während er an ihrem Shirt zerrte und sie ungeduldig die Knöpfe seiner Hose öffnete. Im nächsten Moment flog ihr Shirt zur Seite, ihr BH folgte und er streifte ihre Hose die Beine hinab. Ailia zog ihn wieder an sich. Er fiel auf sie, verschlang ihren Mund erneut und fühlte ihren zierlichen Körper, der sich ihm entgegen bäumte. Der Geruch ihrer Erregung begann abermals, ihn wahnsinnig zu machen und ihre Zähne, die plötzlich wieder an seinem Hals knabberten, ließen ihn auffauchen. Seine Hand krallte sich in ihre Haare, löste ihre Lippen von seinem Hals und er starrte in ihren Augen, in denen das gleiche Feuer loderte wie in seinen eigenen.

„Mein“, flüsterte er.

„Dein“, bestätigte sie heiser und ohne sie aus den Augen zu lassen, drängte er zwischen ihre Beine und stieß im nächsten Moment in sie. Ihre Lippen krachten aufeinander und ihre Beine umklammerten seine Hüften, während sie seinen wilden Stößen begegnete und dann den Kopf in den Nacken warf, als die Leidenschaft sie übermannte.


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Eine ganze Weile später kuschelte sich Ailia zufrieden und müde in Tec’ors Schoß, während dieser endlich dazu kam, seine Frachtpapiere zu vervollständigen.

Sie wäre auch auf dem Bett liegen geblieben, doch er hatte seine Hose angezogen, sie wortlos auf seine Arme gehoben und mit zurück zu dem Sessel vor der Computerkonsole genommen. Ailia war es vollkommen egal, dass sie gar nichts trug. Sie lehnte sich an seine Brust, hörte seinen Herzschlag, seinen gleichmäßigen Atem und fühlte sich einfach nur zufrieden. Unbewusst lauschte sie dem Klacken der Tastatur, während Tec’or die Daten eingab, schloss die Augen und atmete den Duft ein, der von seiner nackten Brust in ihre Nase stieg. Sie wusste nicht, was die D’arjos rochen, kein Mensch konnte es sich vorstellen, aber Tec’ors Geruch war ihr mittlerweile so vertraut geworden, dass sie ihn mit geschlossenen Augen erkennen würde. Er hatte geschwitzt, genau wie sie und obwohl der Geruch nach Sex ebenfalls noch an ihren Körpern klebte, war es ihr nicht unangenehm. Sie hätte ewig so liegen können, ihn spüren, auch wenn ihn im Moment andere Dinge beschäftigten, und einfach nur seine Nähe genießen.

Tec’or tippte fast mechanisch die Daten ein. Es hatte ihn unwahrscheinlich viel Willenskraft gekostet, sich wieder an diesen Tisch zu setzen, doch er wusste, wenn er neben Ailia im Bett geblieben wäre, wären ihm in spätestens zehn Minuten die Frachtbriefe egal gewesen. Und es erschreckte ihn etwas, dass sie soviel Macht über ihn hatte. Selbst jetzt, wenn diese kleine zierliche Portion einfach nur an ihn gelehnt in seinem Schoß lag und sich an ihn kuschelte, spürte er ihren Körper mit jeder Faser seines eigenen. Natürlich spielte es eine Rolle, dass sie nichts an hatte. Das machte die Sache nicht einfacher. Keine andere Frau hätte gewagt, seinen Zorn heraus zu fordern, indem sie ihn von seiner Arbeit ablenkte. Er nahm sogar an, dass er bei jeder anderen Frau, die es versucht hätte, explodiert wäre.

Warum also tat er es bei ihr nicht?

Ihre gleichmäßigen Atemzüge sagten ihm, dass sie entweder eingeschlafen war oder kurz davor stand und er lächelte leicht. Fast zärtlich pressten sich seine Lippen in ihre dunklen Locken, ohne dass er seine Augen vom Schirm löste.

Wieso besaß sie nach fünfzehn Jahren noch immer diese Macht über ihn?

Sie hatte ihn einfach in den Hals gebissen. Mit diesen lächerlichen stumpfen Zähnen... Tec’or spürte noch immer den Abdruck, obwohl er wusste, dass da nichts mehr zu sehen war.

Seine Menschenfrau...

Fast verzweifelt presste er seine Kiefer zusammen, als er darüber nachdachte, dass er sie nicht gehen lassen wollte. Und der Gedanke an diesen Kevin einen Schmerz in seinem Körper aufsteigen ließ, der ihn ängstigte. Wo zum Teufel war sein Schutzpanzer, wenn er ihn brauchte?

Ailia regte sich auf seinem Schoß, um eine bequemere Position zu finden. Er musste schon eine Weile tatenlos auf den Schirm gestarrt haben, denn sie fragte müde: „Bist du fertig mit den Frachtbriefen?“

„Nein.“ Er strich gedankenverloren über ihre Haare, während seine zweite Hand um ihren Nacken wanderte. „Nein, verdammt...“ Ein leises, fast gequältes Knurren drang aus seiner Kehle, als er den Kopf senkte und sie sanft in den Hals biss.

Ailia seufzte leise, dann dirigierte er die Holotastatur wieder zu sich heran und vervollständigte die Daten auf dem Schirm. Ihre Finger malten sinnlose Muster auf seine Brust. „Ich liebe dich“, flüsterte sie und klang fast traurig.

Tec’or riss übergangslos ihren Kopf hoch und presste seine Lippen auf ihren Mund. „Ich will nicht, dass du gehst“, knurrte er heiser und lehnte seine Stirn an ihre. „Verdammt, ich will es nicht...“

Sie wollte es auch nicht. Der Gedanke, wieder allein zu sein, ihn noch einmal zu verlieren, schnürte ihr die Kehle zu. Aber sie hatte auch keine Ahnung, wie eine Zukunft an seiner Seite aussehen sollte oder ob es überhaupt möglich war. Deshalb antwortete sie nicht, sondern schlang nur ihre Arme um ihn und hielt sich an ihm fest, während er seufzte und versuchte, sich auf das zu konzentrieren, was auf dem Bildschirm stand.

********************

Es war einfach eine Verdrängung von Tatsachen. Aber es dauerte eine ganze Weile, genau zwei Monate, ehe das Gespräch noch einmal auf die Zukunft kam.

Eigentlich wollte Ailia nicht darüber nachdenken, sondern lieber weiter in den Tag hinein leben, an Tec’ors Seite, und sich nicht selbst damit konfrontieren, dass ihr Vater und Kevin daheim auf sie warteten.

Doch als Acto ihr eines Mittags in der Cafeteria mitteilte, dass sich das Schiff in Richtung des terranischen Hoheitsgebietes bewegte und sie entweder Avalon direkt anfliegen oder ihren Vater kontaktieren wollten, damit er sie abholte.

Tec’or sagte gar nichts, aber er sah sie auch nicht an, während Acto auf ihre Antwort wartete. Und Ailia saß einfach da, blass und wortlos, weil sie keine Antwort wusste.

Acto schien zu verstehen, was in ihr vorging, denn er drängte sie nicht weiter, sondern sagte nur, ein Flug über Avalon würde einen Umweg für das Schiff von vierzehn Tagen bedeuten und es wäre ihm lieb, wenn sie ernsthaft darüber nachdenken würde. Damit stand er auf und ließ sie allein mit seinem Sohn, der genau so betreten in die Welt schaute wie die Menschenfrau.

Die Krallen des D’arjos trommelten auf der Tischplatte und Ailias Augen wanderten wie magisch angezogen zu seinen Fingern. Und in ihrem Kopf kreiste nur ein Gedanke. Ich werde ihn nie wieder sehen, wenn ich das Schiff verlasse.

„Lucie?“, fragte Tec’or, als das Schweigen begann, ungemütlich zu werden.

Sie seufzte und hob endlich den Blick zu seinem Gesicht. Seine gelben Augen starrten sie unverwandt an und sie sah die Frage in ihnen genau. „Was?“, wollte sie trotzdem wissen.

„Wirst du gehen?“

„Habe ich eine andere Wahl?“ Ihre Stimme klang traurig und sie stützte ihren Kopf auf ihre Hände. „Habe ich eine Wahl?“

Der D’arjo nickte. „Du könntest damit beginnen, indem du diese Hochzeit absagst.“

Sie fuhr sich durch die Haare. „Mein Vater benötigt jemanden, der sein Unternehmen fortführt. Einen Nachfolger. Jemanden, der nicht alles zerstört, was er aufgebaut hat.“ Sie sah ihn verzweifelt an. „Er hat das für mich getan, Tec. Damit mein Leben und meine Zukunft gesichert ist.“

„An meiner Seite wärst du genau so sicher“, sagte er einfach. „Deine Anteile an der Firma bleiben dir erhalten, über deine Gewinnzuweisungen kannst du von jedem Planeten des Universums aus verfügen. Und wenn dein Kevin so spitzenmäßig ist, kann er die Firma leiten. Ohne dich zu heiraten.“

Es stimmte. Aber es bedeutete ebenso ein Leben entfernt von Avalon, ein Leben unter D’arjos und ein Leben ohne den Segen ihres Vaters. Er würde niemals die Verbindung zu einem D’arjo gutheißen. Vielleicht würde er sie enterben.

Es ist mir egal, schrie eine Stimme in ihrem Kopf. Ich habe genau so das Recht auf Glück wieder jeder andere Mensch.

„Es ist deine Entscheidung, Lucie“, fuhr Tec’or fort. „Und ich werde sie akzeptieren, egal wie sie ausfällt.“

Sie griff nach seiner Hand und fühlte Tränen in ihren Augen. „Ich liebe dich“, sagte sie weich.

Der D’arjo beugte sich zu ihr und flüsterte. „Ich liebe dich auch.“ Er strich ihr über die Wange, schlang seine Hand um ihren Nacken und starrte sie an. Im Moment war ihnen beiden egal, dass sie sich in der Cafeteria befanden und sie nicht allein waren. „Für mich wirst du immer meine Menschenfrau sein.“ Die Träne kullerte ihre Wange hinab und er küsste sie sanft auf den Mund. „Denk einfach darüber nach, Lucie.“

Und er hoffte, dass er wirklich stark genug war, ihre Entscheidung zu akzeptieren.

 

Teil 12

 

Denk einfach darüber nach. Als ob das so einfach wäre.

Tec’or befand sich auf der Brücke und Ailia lag auf seinem Bett, starrte an die Decke und versuchte, sich klar zu machen, was sie wollte.

Eigentlich gab es daran keinen Zweifel. Sie wollte den D’arjo. Ohne Wenn und Aber. Wahrscheinlich traf man wirklich nur einmal die Liebe seines Lebens und wenn es bei ihr ein D’arjo sein sollte, warum nicht. Trotzdem musste sie sich vor Augen halten, dass ein Leben an seiner Seite sie zum Außenseiter, sowohl auf terranischer als auch d’arjotischer Seite machen würde. Sie würde mehr D’arjos als Menschen sehen und wahrscheinlich mit dem Wissen zurecht kommen müssen, dass man ihre Beziehung zu Tec’or verurteilte.

Dann sagte sie sich, dass sie zum ersten Mal in ihrem Leben mit einem Mann zusammen glücklich war und niemand das Recht hatte, ihr das zu verwehren oder zu verurteilen. Niemand. Kein Mensch. Kein D’arjo. Nicht ihr Vater. Und schon gleich gar nicht Kevin. Vielleicht war es sogar ehrlicher, Kevin mit der Wahrheit zu konfrontieren und ihm ein Leben in einer scheinbar heilen Ehe zu ersparen.

Ailia war als Kind ein Rebell gewesen. An der Seite eines D’arjos, der genau so viel Blödsinn im Kopf hatte wie sie, war sie mit der Erfahrung aufgewachsen, dass man alles haben konnte, wenn man nur frech genug war, es zu verlangen. Der Rebell war gestorben, als der D’arjo Avalon verlassen musste und sie nicht mehr die Energie aufbrachte, aus der Schablone zu entfliehen, in die ihr Vater und die Gesellschaft Avalons sie zwängte.

Sie hatte Tara aufgesucht, weil sie einfach jemanden brauchte, mit dem sie reden konnte und wenn diejenige noch den Titel Bordpsychologin trug, war es umso besser. Tara schmunzelte über ihre Bedenken und erklärte ihr, dass ein Leben unter D’arjos für sie weniger schwer wäre, als umgekehrt unter Menschen, da D’arjos manchmal ihrer Nase mehr vertrauten als ihren Augen. Ihre Anwesenheit an Bord sorgte für ein viel entspannteres Klima, weil eine gewisse Person plötzlich weniger von Wutanfällen heimgesucht wurde und es kaum zu glauben war, wie die Anwesenheit einer Frau einen D’arjo verändern konnte. Tara meinte sogar, sie würde sich versetzen lassen, wenn Ailia das Schiff verließ, weil sie sich nicht einmal vorstellen wollte, wie Tec’or sich dann benahm. Es war ein Scherz und Ailia musste ebenfalls lächeln.

Dann wurde sie aus ihren Gedanken gerissen, als die Tür summend aufging und Tec’or wieder kam. Ohne sich zu rühren, die Hände noch immer hinter dem Kopf verschränkt, sah sie ihn an und wusste plötzlich schlagartig, dass es ihr den Rest geben würde, ihn noch einmal zu verlieren.

„Dein Vater hat sich gemeldet“, sagte der D’arjo leise und blieb vor dem Bett stehen. „Er kommt mit einem Schiff und will dich abholen.“ Er legte den Kopf schief, als er sprach, hatte die Hände in seinen Taschen vergraben und Ailias Kehle schnürte sich zu. „Er denkt, er erspart uns dadurch den Umweg nach Avalon...“

„Es... besteht doch keine Gefahr für ihn, oder? Wenn er andockt?“

„Nein.“ Tec’or lächelte müde. „Jeder weiß, dass es dein Vater ist, Lucie. Man respektiert dich auf diesem Schiff. Jetzt.“

„Er traut dir nicht“, sagte sie bitter. „Er glaubt nicht, dass ihr euer Versprechen haltet und mich nach Avalon bringt.“

„Viele Menschen stehen D’arjos misstrauisch und skeptisch gegenüber. Genauso wie es umgedreht ist...“ Er schwieg einen Moment und musterte plötzlich den Boden zu seinen Füßen. „Es ist vollkommen natürlich nach dem Krieg.“

Ailia richtete sich auf, rutschte ans Fußende und setzte sich auf die Kante des Bettes. Sie griff nach seinen Händen und zog ihn an sich, zwischen ihre Beine. Tec’or starrte fast verzweifelt auf ihren dunklen Lockenkopf, als sie die Arme um ihn schlang und die Wange gegen seinen Bauch presste. „Denkst du, es würde funktionieren? Mit uns beiden?“

Seine Finger fuhren durch ihre Haare. „Ja“, flüsterte er. „Ich weiß nicht, warum ich mir so sicher bin. Warum gerade bei dir, Lucie...“ Sie hob ihr Gesicht zu ihm. „Ich will dich nicht gehen lassen“, stieß er hervor und seine Hände umfingen ihren Kopf. „Alles in mir schreit danach, dich festzuhalten, obwohl ich weiß, dass ich es nicht darf... Dass ich nicht das Recht habe...“

„Halt mich fest, Tec“, flüsterte sie erstickt. Sie vergrub ihr Gesicht in seinem Shirt und fühlte seine Hände, die sie gegen ihn pressten.

Mit einem erstickten Knurren legte er den Kopf in den Nacken und schloss die Augen.

Bis sie plötzlich sagte: „Ich will bei dir bleiben.“

Für einen Moment war er wie erstarrt, brachte weder ein Wort hervor noch konnte er sich rühren. Dann umkrampfte seine Finger ihre Haare und hoben ihr Gesicht an. „Was?“, fragte er fassungslos.

„Ich will bei dir bleiben, Tec“, sagte sie leise. Er sank auf die Knie, ohne seinen noch immer fassungslosen Blick von ihr zu lösen. Seine Haare richteten sich auf und er knurrte leise, als sich Ailia nach vorn beugte und ihn küsste. „Ich liebe dich, Tec. Ich will dich nicht noch einmal verlieren.“

Er war im nächsten Moment auf ihr und sein Gewicht presste sie gegen die Matratze. „Ich lasse dich das nicht zurücknehmen“, stieß er hervor und ihr Lächeln fuhr wie ein Stromstoß durch seinen Körper. Im nächsten Augenblick lagen seine Lippen auf ihrem Mund. Genauso schnell hob er den Kopf wieder. „Du bleibst?“, wollte er noch einmal wissen.

Ailia kam nur dazu zu nicken, dann küsste er sie wieder, während er gleichzeitig knurrte. Sie spürte, wie sich sein Körper an ihr rieb und musste über seinen Übermut fast lachen. Tec’or knurrte lauter und biss sie in den Hals. „Sag es noch mal“, forderte er.

„Ich. Bleibe. Bei. Dir.“

Seine Hände waren überall auf ihr, krochen ungeduldig unter ihr Shirt, strichen über die nackte Haut und Ailia war sich sicher, dass seine Zähne diesmal rote Spuren auf ihrer Haut hinterließen.

Ihre Hände umschlangen seinen Kopf. „Tec“, sagte sie sanft. „Ich bin jetzt noch eine ganze Weile bei dir.“

„Ich werde sterben“, knurrte er. „Wenn ich nicht *gleich* *in* dir bin!“

Sie lachte auf, hörte den Knopf ihrer Hose wegknallen, als er zu ungeduldig daran zerrte und schimpfte: „Heh!“

Der D’arjo war nicht mehr zu halten. Nicht dass sie ihn aufhalten wollte, aber diesmal riss er ihr wirklich die Kleider vom Leib, warf sie zur Seite und starrte mit brennenden Augen auf sie hinab, als er sich seine eigene Kleidung vom Leib zerrte. Der wilde Ausdruck in seinem Gesicht ließ ihren Atem stocken. Dann war er auf ihr, sie fühlte seine Haut an ihrer und seine Zähne kratzten über ihren Bauch. Sie schnappte nach Luft, als er zubiss und sein Knurren sandte ein köstliches Pochen zwischen ihre Beine.

„Oh Gott, Tec“, wimmerte sie leise, als seine Zähne tiefer wanderten und sie spreizte die Beine. Er war diesmal alles andere als sanft. Doch gerade die Unbeherrschtheit war es, die Ailia den Verstand verlieren ließ. Seine Zunge leckte zwischen ihren Beinen, er biss übermütig zu, brachte sie zum Schreien und knurrte wieder, weil sie unter ihm so ungeduldig zappelte und seinen Kopf umklammerte.

„Tec! Ich...sterbe...auch...gleich!“, brachte sie heraus und ihre Hände krallten sich in das Laken zu ihren Seiten, als seine Hände mit ausgefahrenen Krallen ihre Knie ergriffen, noch weiter spreizten und er sein Gesicht in ihr vergrub. „Tec!!“, schrie sie auf, als etwas in ihrem Kopf explodierte. Automatisch fuhren ihre Hände zu seinem Kopf, klammerten sich in seine Haare und sie presste ihn gegen sich, während sich die Muskeln in ihrem Unterleib in lustvollen Schauern verkrampften.

Der D’arjo biss wieder zu. Der Geruch ihrer Erregung war zuviel. Die Anspannung in Erwartung ihrer Antwort, die Erleichterung jetzt... Seine Nerven hatten blank gelegen und nur darauf gewartet, sich entladen zu können. Die Art und Weise, wie ihre Finger an seinen Haaren zerrten, trug nicht dazu bei, seine Beherrschung aufrecht zu erhalten. Er riss den Kopf hoch, hechtete sich fast hoch und hörte, wie sie zischend ihre Luft ausstieß, als er sich in sie rammte.

Ailia umklammerte seinen Hals. Im Moment hatte er mehr von einem Raubtier als an jedem anderen Tag. Knurrend und mit gesträubten Haaren bewegte er sich wieder und wieder tief in sie hinein. Ihre Beine umschlangen seine Hüften, als sie ihm genau so wild begegnete. Es war so gut. In diesen Moment brachte er sie dazu, alles andere zur Nebensächlichkeit verschwinden zu lassen. Einzig und allein das Gefühl von ihm, tief in ihr, zählte. Wieder lagen seine Zähne an ihrem Hals und er fauchte leise. Ailia fühlte, wie sich die Welle in ihrem Körper erneut bildete. Sie handelte nur noch instinktiv, als sie seinen Kopf umfing und gegen ihre Schulter presste.

„Tue es!“, keuchte sie und schrie auf, als sich übergangslos seine Zähne in das weiche Fleisch senkten und im gleichen Moment der Orgasmus ihren Körper erschütterte. Sie bäumte sich auf, den Mund keuchend geöffnet und spürte wie er sich noch einmal in sie rammte, ohne die Zähne von ihrer Schulter zu lösen und sein Körper erzitterte, als er ihr folgte.

 

~*~*~*~



Ailias Vater ließ keine Zeit verstreichen. Er hatte sich wahrscheinlich postwendend zu dem Zeitpunkt, an dem er hörte, dass die AMORRI auf dem Weg ins terranische Hoheitsgebiet war, in sein Schiff gesetzt und auf den Weg gemacht.

Ailia fasste beruhigend Tec’ors Hand. Sie standen in dem kleinen, an die Brücke angrenzenden Besprechungsraum und warteten, dass man ihren Vater, der gerade angedockt hatte, hierher brachte. Sie bevorzugten vorerst einen neutralen Platz, da sie nicht wussten, wie er auf die Neuigkeit reagieren würde.

Allerdings zuckte Ailia erschrocken zusammen, als sie neben ihrem Vater Kevin den Raum betreten sah. Weder ihr Vater noch Kevin sahen sehr glücklich oder beruhigt aus und warfen den D’arjos im Raum misstrauische Blicke zu.

Acto unterbrach das Schweigen, indem er einfach auf seinen ehemaligen Nachbarn zuging und ihm die Hand reichte.

„Harris. Ich freue mich wirklich, dich gesund und lebendig zu sehen“, sagte er höflich und reichte auch Kevin die Hand.

Harris nickte, obwohl er sich unbehaglich fühlte. „Hallo Acto. Darf ich dir Kevin O’Niell vorstellen. Mein zukünftiger Schwiegersohn.“

Acto neigte leicht grüßend den Kopf. „An meinen Sohn Tec’or wirst du dich sicherlich noch erinnern?“

Harris nickte und schaute endlich in Richtung seiner Tochter, die nicht von der Seite des hochgewachsenen D’arjos gewichen war. „Tec’or“, grüßte er förmlich und dieser reichte ihm die Hand.

Dann lag Ailia in seinen Armen und er war mehr als erleichtert, seine Tochter gesund und wohlbehalten wieder zu finden. „Wir haben uns solche Sorgen gemacht, Ailia“, flüsterte er leise mit Tränen in den Augen. „Niemand hat daran geglaubt, irgendjemanden von diesem Schiff lebend wieder zu sehen.“

„Ich habe es selbst nicht geglaubt“, schniefte Ailia und löste sich von ihm.

Tec’ors Haare richteten sich auf, als auch Kevin sie kurz umarmte. Acto stieß ihn in die Seite und warf ihm einen warnenden Blick zu.

„Vielleicht setzen wir uns“, schlug der ältere D’arjo diplomatisch vor.

Harris schüttelte den Kopf. „Wir haben nicht viel Zeit. Sag uns einfach, wie viel Auslagen du hattest. Ich werde natürlich alles ersetzen…“

Ehe Tec’or dazwischen fahren konnte, antwortete Acto freundlich. „Setz dich bitte, Harris und Sie auch, junger Mann. Ailia befindet sich jetzt fünf Monate auf meinem Schiff und ich denke, ein paar Stunden Zeit werdet ihr erübrigen können.“

Ailia war erleichtert, dass Acto so ruhig blieb und Tec’or sich ebenfalls unter Kontrolle hatte. Dann fühlte sie den besorgten Blick ihres Vaters.

„Ich hoffe, es geht dir gut und du hattest nicht zu viele Unannehmlichkeiten?“

Sie schüttelte den Kopf. „Nein, Daddy. Ich muss sogar sagen, dass ich mich ausgesprochen wohl fühle.“

Tec’or setzte sich neben sie, während er aus schmalen Augen ihren Vater und auch Kevin musterte. Es kostete ihn eine unwahrscheinliche Beherrschung, den Mann nicht einfach mit Ailias Entscheidung zu konfrontieren, doch er hatte ihr versprochen, dass er sie reden lassen würde. Allerdings hatte er weniger freundlich darauf reagiert, dass sie eine dünne Jacke über das schulterfreie Top trug und damit sein Zeichen verdeckte. Ailia hatte eine Stunde auf ihn eingeredet und ihm versucht zu erklären, dass ihr Vater durchdrehen würde, wenn er es sehen würde. Und dass er es auch niemals verstehen würde. Tec’or verstand das überhaupt nicht und grollte deshalb noch immer leise vor sich hin.

Ailia erzählte gerade in kurzen Worten, wie es zu dem Unfall gekommen war und was passierte, als die Überlebenden auf Raklans Schiff verfrachtet wurden. Harris wurde blass, genau so wie Kevin.

„Um Gottes Willen“, stieß er hervor. „Man hat diese Menschen verkauft? Verkauft?“

„Es ist illegal, Dad“, beruhigte ihn Ailia. „Aber weder Acto noch Tec hatten die Macht, es zu verhindern. Sie konnten nur für meine Sicherheit sorgen, indem sie den Preis zahlten, den Raklan verlangte.“

„Mein Gott…“ Harris starrte fassungslos erst Acto und dann Tec’or an. „Woher wusstet ihr davon?“

„Raklan erfuhr von Ailia meinen Namen“, sagte Tec’or nur.

Jetzt sah Harris unverständig auf Ailia. „Du bist wirklich davon ausgegangen, dass sie dir helfen, obwohl fünfzehn Jahre Krieg dazwischen lagen?“, erkundigte er sich ungläubig.

Ailia atmete tief durch. „Raklan kam zu der Ansicht“, sagte sie leise. „Und er hatte Recht. Tec’or kam, so schnell es ihm möglich war. *Obwohl* fünfzehn Jahre Krieg zwischen heute und unserer letzten Begegnung lagen!“ Ihre Stimme hatte sich gegen Ende etwas gehoben und sie sah die leichte Irritation im Gesicht ihres Vaters. Sie seufzte. Kevin sah weniger überrascht aus. Wahrscheinlich hatte ihr Vater ihn über ihre Kindheit informiert, denn von ihr hatte er kein Wort darüber erfahren.

„Das war wirklich sehr nett von dir, Tec’or“, sagte Harris gerade. „Wir sind dir unendlich dankbar, dass du Ailia vor größerem Schaden bewahrt hast.“

Der D’arjo nickte düster. „Kein Problem. Es war selbstverständlich.“

„Ich verstehe es trotzdem nicht“, begann Harris unsicher.

„Du hast es auch damals nicht verstanden, Dad“, sagte Ailia leise. „Du wolltest es nicht sehen, aber mein Verhältnis zu Tec ging weit über eine normale Freundschaft hinaus.“

Ihr Vater wurde wieder blasser und selbst Kevin schluckte nervös. „D-du willst sagen…i-ihr habt…ihr hattet…“ Er schaffte nicht, es auszusprechen.

„Ja“, antwortete Ailia einfach und lächelte Tec’or an. „Ich habe ihn geliebt.“ Der D’arjo legte den Kopf schief und Ailia sah wieder ihren Vater an. „Dad, es tut mir Leid, ich werde nicht mit nach Avalon zurückkommen.“

Harris schnappte jetzt nach Luft wie ein Fisch auf dem Trockenen. Kevin hielt sich bemerkenswert gut, wenn man davon absah, dass er recht bleich war und Tec’or fast ängstlich musterte. „Das kannst du nicht machen“, stieß er dann hervor, als er wieder reden konnte.

„Ich liebe ihn“, sagte sie leise. „Ich werde nicht noch einmal zuschauen, wie er aus meinem Leben verschwindet.“

„Aber… aber das geht nicht. Du kannst keinen D’arjo heiraten!“

„Das habe ich auch nicht vor“, antwortete Ailia sanft. „D’arjos kennen solch ein Hochzeitszeremonial nicht. Sie geben sich einander ein Versprechen und besiegeln es. Sie benötigen keine Verträge und kein Ritual, weil sie eine feine Nase und Augen im Kopf haben.“ Acto schmunzelte und Ailia griff nach Tec’ors Hand. „Kein D’arjo wird anzweifeln, dass ich zu Tec gehöre und er zu mir.“

„Ich verstehe nicht…“, begann Harris.

Acto lächelte und tippte sich an die Nase. „Sie ist komplett von Tecs Geruch umgeben und er von ihrem“, erläuterte er und sah die beiden Menschen noch blasser werden. „Kein D’arjo kann das übersehen. Es ist deutlicher als eine Heiratsurkunde.“

„Ich wünsche mir, dass du mich verstehst, Dad“, sagte Ailia wieder. „Auch du, Kevin. Es tut mir wirklich Leid und ich hatte tatsächlich vor, ein Leben an deiner Seite zu führen. Jetzt allerdings bezweifle ich, dass es für einen von uns beiden wirklich glücklich gewesen wäre. Du verdienst jemanden, der dich liebt, Kevin.“

Der blonde Mann sah sie fast traurig an. „Vielleicht hast du Recht, Ailia. Obwohl der Gedanke, dich an einen D’arjo zu verlieren recht … unheimlich ist…“

Tec’or knurrte leise und Ailia drückte seine Hand.

Harris schüttelte immer noch fassungslos den Kopf. „Ich verstehe das nicht. Nach all den Jahren… Du hast es nie gesagt. Dass du ihn liebst, meine ich.“

„Du hast ihn immer so misstrauisch angesehen, wenn er in unserem Haus war. Ich habe mich bei seinen Eltern wohler gefühlt.“

Harris blickte von ihr zu Acto. „Du und Auris, ihr habt es gewusst?“

Acto wurde ernst. „Wir wussten, dass zwischen den beiden etwas mehr als Freundschaft ist, ja“, bestätigte er. „Aber wir wussten nicht alles. Das habe ich erst durch Raklan erfahren.“

„Ac!“, fuhr Ailia erschrocken auf.

„Dein Vater hat das Recht, die Wahrheit zu erfahren.“

„Er würde es nie verstehen!“

„Was würde ich nicht verstehen?“, fragte Harris dazwischen, jetzt wieder recht bleich.

„Vielleicht ziehst du die verfluchte Jacke endlich aus“, knurrte Tec’or.

Ailia schlug ihm auf die Finger. „Nein!“, schimpfte sie jetzt ernsthaft böse. Dann sah sie ihren Vater wieder an. „Dad, ich möchte wirklich, dass du mich verstehst. Ich liebe ihn. Ich habe für keinen anderen Menschen jemals etwas empfunden, was nur annähernd so groß war wie das für Tec. Ich habe nicht geahnt, dass es nach fünfzehn Jahren noch genau so stark sein kann, nicht bis ich ihm gegenüber stand. Bitte versteh, dass ich einfach glücklich sein möchte.“

Harris sah sie traurig an und dann zu Tec’or. Der D’arjo war ihm unheimlich, die gelben Augen, die Reißzähne… und ihm war völlig unverständlich, wie sich Ailia in seiner Nähe wohl fühlen konnte. „Liebst du sie?“, fragte er trotzdem.

„Ja“, antwortete Tec’or einfach. „Ich liebe sie.“

Ailia lächelte, griff wieder nach seiner Hand und lehnte sich kurz an ihn.

Harris zweifelte noch immer. „Wirst du sicher sein? So allein unter D’arjos?“

Ailia nickte. „Ich lebe jetzt fünf Monate hier. Und ich weiß, wovon ich rede, wenn ich sage, dass die D’arjos mich als eine der ihren akzeptieren.“

„Wieso? Ich verstehe es nicht…“ Harris klang hilflos und ihm ging durch den Kopf, dass ein derartiges Verhältnis auf einem terranischen Schiff niemals möglich wäre.

„Sie gehört zu mir“, antwortete Tec’or leise.

Harris blickte ihn fast verzweifelt an und schaute dann hilfesuchend zu Acto. Dieser lächelte fein. „Nicht einmal Raklan wagte es, Ailia schlecht zu behandeln, geschweige denn, an einen D’arjo zu verkaufen. Und zu diesem Zeitpunkt hatte Ailia Tec fünfzehn Jahre nicht gesehen.“

Ailia wurde wieder blass.

„Warum nicht?“, fragte Harris schwach.

„Weil sie sein Zeichen trägt“, erklärte Acto ruhig. „Und es keinen D’arjo gibt, der es wagen würde, sich über diesen Anspruch hinweg zu setzen. Und es spielt keine Rolle, dass sie ein Mensch ist.“

„Sein Zeichen…?“

„Verflucht!“, schimpfte Ailia wieder.

„Ein D’arjo beißt die Frau, die er für sein Leben wählt“, fuhr Acto ungerührt fort. „Und sie stimmt zu, indem sie es ihn tun lässt…“

Die beiden menschlichen Männer zogen entsetzt die Luft ein, während Ailia Acto zornig anfunkelte. „Danke, Ac! Wirklich sehr sensibel!“

„Oh Gott, das ist… barbarisch“, flüsterte Kevin fassungslos und Harris starrte seine Tochter nur kreidebleich an.

„Er gibt ihr in diesem Moment ein Versprechen. Dass er immer für sie da sein wird, dass er für sie sorgen wird und dass er sie schützen wird.“ Actos Finger trommelten auf der Tischplatte. „Hätte ich es damals gewusst, ich hätte nicht zugelassen, dass Ailia auf Avalon bleibt.“

„Sie waren Kinder!“, fuhr Harris auf, und der Gedanke, dass sich die Reißzähne im Mund des D’arjos in die Haut seiner Tochter senkten, ließ ihn schaudern. „Sie wussten nicht, was sie tun! Sie war blind. Verliebt. Naiv!“

Ailia Augen verengten sich. „Nun, jetzt bin ich alt genug, um meine eigenen Entscheidungen zu fällen, ja?“ Mit einer zornigen Bewegung zog sie die Jacke von ihren Schultern und drehte sich so, dass auch Acto Tecs neues Zeichen sehen konnte.

Ein strahlendes Lächeln huschte über das Gesicht des älteren D’arjos und Tec’or brummte. „Sie hat sich eine Stunde geweigert, ohne die Jacke das Zimmer zu verlassen.“

Die kleinen Verletzungen waren noch nicht ganz verheilt und somit noch deutlicher zu sehen, als das alte Zeichen auf der Kindheit. Harris sah jetzt wirklich aus, als wolle er gleich ohnmächtig werden, während Kevin einfach nur fassungslos vor sich hin starrte.

„Ich werde bei Tec bleiben“, sagte Ailia ernst und zog die Jacke wieder über ihre Schultern. „Mit oder ohne deinen Segen. Es ist mir egal.“

Harris schluckte. „Ich…werde mich an den Gedanken…gewöhnen müssen…“

„Das ist ein Anfang“, kommentierte Acto und klang fast vergnügt. „Also? Möchtet ihr immer noch sofort das Schiff verlassen oder darf ich euch einladen, ein paar Tage meine Gäste zu sein?“

 

~*~*~*~

Epilog

 

Lachend folgte Ailia Tec’or durch die Tür ihrer gemeinsamen Kabine.

Vor einer Stunde hatten sich ihr Vater und Kevin verabschiedet und waren nach Hause geflogen. So richtig glücklich sah weder Harris noch Kevin aus, doch sie hatten sich umarmt und mit den Worten verabschiedet, dass man sich wenigstens zwei Mal im Jahr versuchen wollte zu sehen. Es war ein Anfang. Wie Tec’or vorausgesagt hatte, würde Kevin wohl die Firma ihres Vaters übernehmen, als Geschäftsführer, wenn Ailia sie irgendwann erbte. Doch bis dahin war hoffentlich noch eine lange Zeit und ihr Vater hatte genug Gelegenheit, sich an seinen so ungewöhnlich aussehenden Schwiegersohn zu gewöhnen.

„Vielleicht musst du mich irgendwann noch auf terranische Art heiraten“, kicherte sie und fühlte, wie der D’arjo sie hoch hob und zum Bett trug.

„Ich bezweifle, dass du einen Menschen findest, der die Zeremonie durchführt“, sagte er ernst, ließ sie auf das Bett fallen und war im nächsten Augenblick auf ihr.

Ailia stemmte die Hände gegen seine Schultern, weil er schon wieder damit beschäftigt war an ihrem Hals zu knabbern und es ihr dann sehr schwer fiel, zusammenhängende Sätze zu bilden. „Du würdest es tun?“, fragte sie erstaunt.

„Natürlich“, nickte er. „Wenn es wichtig für dich ist.“

Rührung stieg in ihr hoch und sie strich ihm zärtlich übers Gesicht. Tec’or schnurrte leise und lehnte sich in ihre Berührung. „Mein D’arjo“, flüsterte sie und hörte ihn knurren, als er sich gegen sie presste.

„Ja“, bestätigte er. „Dein…“

Seine Lippen lagen auf ihren, ehe sie etwas antworten konnte. Deshalb schlang sie nur ihre Arme um seinen Hals, während ihr kurz durch den Kopf ging, wie erleichtert sie über den Ausgang des Gespräches mit ihrem Vater war. Und dann verabschiedete sich ihr Verstand für eine ganze Weile…
 


E n d e