
Bild von Indiansummer
Titel: Smell of Protection - the Original
Ailia/Tec'or
ab 18
Inhalt: Ailia beginnt die erste Arbeit nach ihrem abgeschlossenen
Studium Exobiologie auf der Station DAYLIGHT auf dem Planeten D’arjo. Sie schafft es einen Monat später ihren Gleiter Not zu landen, ohne dass jemand weiß, dass sie vom Kurs gewichen ist. Um zur Station zurück zu kommen, können ihr nur intelligenten Bewohner des Planeten D’arjo helfen, die sich auf einer Entwicklungsstufe ähnlich dem terranischen Mittelalter befinden…
~*~*~*~*~
„So ein gottverdammtes Scheißding!“
Ailia trat wütend mit dem Fuß gegen das Metallgehäuse des kleinen Gleiters. Sie hatte das Fluggerät nach ein Systemtotalausfall mit Mühe und Not mitten zwischen den Bäumen auf dem Boden aufsetzen können. Jetzt gab es keinen Ton mehr von sich.
Missmutig sah sie sich um und fluchte. Es sollte ihr erster Ausflug auf diesem Planeten werden. Delaron, der Stationsleiter der Basis DAYLIGHT, hatte sie darauf hingewiesen, sich strikt an die geplante Route zu halten, damit im Notfall jeder wusste, wo man sie suchen sollte. Da sie darauf bestanden hatte, allein zu fliegen.
Sie hatte es natürlich besser gewusst.
Weil sie nicht ahnen konnte, dass die Technik auf diesem von Terra weit entfernten Planeten – um es harmlos auszudrücken – etwas veraltet war. Sie war gewöhnt, mit den besten, neuesten und hochwertigsten Apparaten und Transportmitteln ausgestattet zu werden.
Vielleicht war sie etwas verwöhnt. Vielleicht. Vielleicht war sie auch etwas überheblich.
Als Delaron davon sprach, wie oft es hier zu Ausfällen der Technik auf Grund von Materialermüdung und Alterserscheinungen kam, hatte sie nur mild gelächelt und gedacht, er würde übertreiben, um ihr als Neuling in seiner Station etwas Angst einzujagen.
Dass Delaron nicht übertrieben hatte, wurde ihr spätestens klar, als der Antrieb des Gleiters anfing zu stottern und die Software sich stufenweise abschaltete.
Als sie vor acht Monaten auf Terra das Angebot erhalten hatte, ihre ersten Erfahrungen nach ihrem Studium, Exobiologie, auf dem urwüchsigen Planeten D’arjo zu sammeln, hatte sie begeistert zugestimmt. D’arjo war für seine vielseitige Flora und Fauna bekannt und ihrer Meinung nach eine exzellente Möglichkeit für sie, in die Praxis umzusetzen, was sie gelernt hatte. Und D’arjo verfügte im Gegensatz zu den anderen zur Auswahl stehenden Planeten über intelligente Bewohner. Begeistert stürzte sie sich in die Vorbereitungen und lernte die Sprache der Bewohner, die sich selbst als D’arjos bezeichneten, weil sie vorhatte, sich auch ausführlich mit den Eingeborenen zu unterhalten. Es fiel ihr leicht, fremde Sprachen zu lernen, und sie war jetzt, nach acht Monaten, überzeugt, eine Unterhaltung mit einem oder einer D’arjo führen zu können. Sie wollte es schon allein deshalb, weil die D’arjos im Gegensatz zu Menschen von katzenähnlichen Raubtieren abstammten und sie sich vorstellen konnte, dass es sehr interessant war, diese Spezies zu studieren.
Jetzt allerdings verfluchte sie sich selbst für ihren Leichtsinn.
Denn es war nichts anderes. Nachdem sie einen Monat lang auf DAYLIGHT mit Routinearbeiten und dem Sortieren der Daten ihres Vorgängers beschäftigt gewesen war, hatte sie Delaron regelrecht mit Bitten bombardiert, sie endlich den Planeten erkunden zu lassen. Ihr erster Rundflug in Begleitung des Piloten Mark Travis allerdings hatte sie zu dem Ergebnis kommen lassen, dass sie unmöglich irgendetwas in Richtung ihrer Forschungen vollbringen konnte, wenn sich ein nörgelnder Mensch an ihrer Seite befand, der von ihrem Fachgebiet keine Ahnung hatte.
Sie war noch nie verlegen darin gewesen, ihren Willen kund zu tun und auch durchzusetzen und deshalb gab es Delaron nach stundenlangen Diskussionen auf, ihr erklären zu wollen, dass ein Ausflug allein auf dem Planeten nicht ungefährlich war. Er gab ihr die Genehmigung, schärfte ihr jedoch dringlichst ein, sich an die geplante Route zu halten.
Sie hatte es natürlich besser gewusst. Besser gesagt, sie hatte alle Bedenken über den Haufen geworfen, weil sie immer wieder durch interessante Dinge, die sie alle erforschen wollte, abgelenkt wurde und erst jetzt, nachdem das Malheur passiert war, feststellte, wie weit sie sich von der eigentlichen Route entfernt hatte.
Toll. Sehr schön, Ailia, hast du toll hin bekommen.
Sie hatte keine Ahnung, wo sie war. Das Funkgerät funktionierte auch nicht mehr und sie überlegte, ob es Sinn hatte zu verzweifeln. Aber schließlich siegte ihr Optimismus und ihr Selbstbewusstsein. Sie war mit beidem reichlich ausgestattet und da sie noch nie schüchtern gewesen war, sagte sie sich, es dürfte kein Problem sein, die nächste Stadt der D’arjos zu finden und sich dort nach irgendeiner Transportmöglichkeit umzusehen, die sie zurück in den Stützpunkt bringen konnte.
Sie durchgraste ihren Kopf nach all dem, was sie über D’arjos bis jetzt erfahren hatte. Soviel sie wusste, lebten die D’arjos auf einer Entwicklungsstufe, die mit dem terranischen Mittelalter vergleichbar war. Das hieß natürlich: keine Autos und keine Flugzeuge, im höchstem Fall konnte sie mit einem Pferdefuhrwerk rechnen, oder mit etwas, was einer Pferdekutsche am nächsten kam.
Sie kicherte in Gedanken an den Aufruhr, den sie verursachen würde, wenn sie an die Schleuse DAYLIGHTs mit einer Kutsche vorfuhr. Die D’arjos waren sehr freundliche, hilfsbereite Wesen, die sich mit dem Bau eines Stützpunktes auf ihrer Welt einverstanden erklärt hatten und nur verlangten, dass sich niemand in ihr Leben einmischte. Einige wenige D’arjos verkehrten regelmäßig im Stützpunkt, wenn sie handeln oder Güter tauschen wollten. Aber Ailia hatte außer auf Bildern und in Filmen noch keinen D’arjo zu Gesicht bekommen.
Okay, sagte sie sich, dies ist deine Möglichkeit, D’arjos in ihrer natürlichen Umgebung kennen zu lernen. Sieh zu, was du draus machst.
Sie hatte ihre Überlegungen noch nicht beendet, als sie hinter sich ein Knacken im Gehölz hörte und erschrocken herum fuhr. Und ihr Herz setzte für einen Moment fast aus, als sie die hoch gewachsene, schlanke Gestalt hinter den Bäumen hervor treten sah. Die Gelegenheit, ihre Kenntnisse der d’arjotischen Sprache zu testen, kam eher als erwartet.
Etwas Nervosität machte sich in ihr breit, als sie den D’arjo näher kommen sah und dieses Gefühl mochte sie absolut nicht. Er schien ein Jäger zu sein, denn er trug eine armbrustähnliche Waffe und war komplett in dunkles Leder gekleidet. Die eng anliegenden Hosen endeten in halber Wadenhöhe über den festen Lederstiefeln. Die kurze über dem Hosenbund endende Jacke bestand ebenfalls aus dunklem, fein gearbeitetem Leder und wurde an der Vorderseite mit Schnüren zusammengehalten. Jetzt allerdings trug er sie offen und Ailia konnte erkennen, dass er darunter ein eng anliegendes shirtähnliches Hemd trug, das aus Stoff bestand.
Er kam näher und zum ersten Mal sah Ailia die eigenartigen Gesichter der D’arjos in der Realität und sie war einfach nur fasziniert. In dem schmalen markant geschnittenen Gesicht dominierten die Augen und die waren es auch, die den Blick eines Außenstehenden sofort anzogen. Sie waren gelb, manchmal mit einem Stich ins grün und besaßen die aufrecht stehende, längliche Pupille, wie man es von terranischen Katzen her kannte.
Alle D’arjos besaßen schwarze Haare, die im Alter ein wenig angrauten. Der D’arjo, der jetzt vor ihr stand, hatte seine Haare im Gegensatz zu den vielen Bilden, die sie gesehen hatte, recht kurz gehalten. Sie standen im Moment ein wenig von seinem Kopf ab, vor allem im Nacken und Ailia erinnerte sich, gelesen zu haben, dass D’arjos sie bei Gefahr oder Ärger oder Wut aufrichteten. Die vier Reißzähne, die ihnen ein manchmal gefährliches Aussehen verliehen, konnte sie jetzt nicht sehen, da er den Mund geschlossen hielt und war eigentlich ganz froh darüber. Sein schmales Gesicht mit den markanten Wangenknochen war fast menschlich zu nennen, wenn die gelben Augen den Eindruck nicht sofort wieder verwischt hätten.
Ailia bezwang ihr Zögern und sagte einfach. „Hallo. Ich freue mich wirklich, in dieser Einöde jemanden zu treffen.“
Wenn er überrascht war, in seiner Sprache angeredet zu werden, ließ er es sich nicht anmerken, sondern zog nur fast prüfend die Luft ein, als würde er etwas wittern. Ailia ignorierte sein Schweigen und redete weiter. „Mein Name ist Ailia Delani. Ich habe, wie du siehst...“ Sie zeigte auf ihren Gleiter. „.. ein kleines Problem mit meinem Fortbewegungsmittel. Vielleicht könntest du mir sagen, wo ich die nächste Stadt ... oder ein Dorf finde?“
Er antwortete noch immer nicht, sah aber jetzt eindeutig misstrauisch aus und musterte erst ihren Gleiter und dann wieder sie. „Wo ist dein Mann?“, fragte er dann mit einer dunklen, weich klingenden Stimme.
„W-was? W-wer?“, stotterte sie verdattert und sah ihn an, als hätte er den Verstand verloren. Denn das Wort, das er verwendete, wurde laut ihrer Kenntnis mit Bettgefährte übersetzt und das konnte er doch auf keinen Fall gemeint haben. Oder?
„Du bist allein?“, fragte er wieder und sah noch misstrauischer aus. Seine Augen verengten sich, als er wieder zu wittern schien und Ailia wurde es unheimlich. „Es stimmt, da ist kein zweiter Geruch. Ihr Menschen seid ein komisches Volk.“
Das war weniger schön. „Ähm“, begann sie von neuem. „Ich möchte ja deine Zeit nicht überstrapazieren, aber würdest du mir bitte sagen, wie ich in die nächste Stadt komme?“
Er legte den Kopf schief. „Die nächste Stadt ist zirka sechs Tagesritte von hier entfernt.“
Tagesritte! „Oh“, brachte sie nur heraus und fuhr sich durch die Haare. „Shit.“ Ailia, du bist eine Idiotin. Eine Riesenidiotin. Dann besann sie sich erst einmal auf das nahe Liegendste. „Wie heißt du eigentlich?“
„Tec’or el Gemlandor“, sagte er leise.
„Weißt du, ob es in der Stadt eine Möglichkeit für mich gibt, zurück zu dem terranischen Stützpunkt zu gelangen, Tec‘or?“
Tec’or musterte sie noch immer eigenartig. Diese Menschfrau schien nicht sonderlich intelligent zu sein, wenn sie sich allein und ohne den beschützenden Geruch ihres Mannes auf dem Planeten bewegte. Aber sich in diesem Zustand in eine Stadt zu wagen, war einfach nur dumm.
„Ich glaube nicht“, sagte er nur, weil er keine Lust hatte, sich noch lange mit ihr zu unterhalten. Er war eigentlich nur dem eigenartigen Geräusch des abstürzenden Gleiters hinterher gegangen.
„Was?“ Jetzt klang sie eindeutig entsetzt und das gefiel ihm noch viel weniger. „Wieso nicht? Ich ... ich meine, ich muss doch irgendwie wieder zu meinem Stützpunkt kommen. Ich dachte, D’arjos sind so hilfsbereit.“
Sie war wirklich dumm. Dann erinnerte er sich an die wenigen Kontakte mit Menschen und ihm fiel ein, dass er sich damals schon gewundert hatte, weil nur sehr wenige von ihnen einen anderen Geruch außer ihrem eigenen mit sich herum trugen. Damals hatte er sich gewundert, aber es nicht weiter beachtet, weil es bloß Menschenmänner waren und er einfach angenommen hatte, diese hätten noch keine Partnerin gewählt. So wie er selbst auch. Aber jetzt stand diese Frau vor ihm und er roch außer ihrer Unsicherheit nichts. Und er überlegte, ob bei den Menschen eine Frau den Schutz eines Mannes nicht unbedingt brauchte. „Du solltest eine Stadt ohne männliche Begleitung nicht betreten“, sagte er nur und verschwieg, dass das nicht alles war.
Das wurde ja immer schöner. Ailia runzelte die Stirn. „Hör mal, Tec. Ich muss zum Stützpunkt zurück. Wenn ich das nicht allein kann, besteht die Möglichkeit, dass du mich begleitest. Ich meine, ich bezahle dich... falls du nichts Besseres vorhast.“
„Nein.“ Innerlich kämpfte er mit sich. Er konnte diese Frau schlecht hier allein in der Wildnis zurück lassen. Aber das allerletzte, was er wollte, war, sich die Bürde aufzuhalsen, eine Frau beschützen zu müssen. Eine Menschenfrau!
„Na toll!“, fluchte sie. „Was willst du? Wie viel? Habt ihr Geld? Waren? Waffen? Komm schon, Tiger, du kannst mich nicht hier sitzen lassen. Du bist jetzt einmal hier.“
Bei dem Wort ‚Waffen‘ machte es in seinem Kopf klick und er erinnerte sich an die exzellent gearbeiteten Gegenstände, die er schon im Stützpunkt umgetauscht hatte. War es den Aufwand wert? Dann überlegte er, dass es eine Verantwortung von begrenzter Dauer war und er es als „Übung“ auffassen könnte. Und der nächste Punkt war, dass mit der Übernahme der Verantwortung auch angenehme Seiten verbunden waren und wenn er sie so ansah…
„Hör mal“, schwatzte sie unvermindert weiter, ohne seinen sie abschätzenden Blick zu bemerken. „Bring mich einfach in die Stadt und sorg dafür, dass ich zum Stützpunkt gelange. Wenn ich das schon nicht allein kann. Wieso eigentlich nicht? Was sind das für frauenfeindliche Verhältnisse hier? Darüber hat mich niemand aufgeklärt. Ich möchte...“
„Waffen“, unterbrach er ihren Redeschwall. „Zwei Gewehre mit je hundert Schuss Munition, eine neue Armbrust inklusive einhundert Bolzen, ein Schwert aus dem Material, das ihr Stahl nennt, und der Ersatz aller Auslagen, die ich durch dich habe.“ Er war bestimmt der erste D’arjo, der einen Lohn dafür bekam, einer Frau seinen Schutz anzubieten.
Ailia schaute ihn verdutzt an. „Du bist ganz schon teuer. Okay, bekommst du alles. Was für Auslagen?“
Er verzog sein Gesicht zu einem Grinsen, das jeden Terraner in den Schatten stellte, und sie sah die Reißzähne in seinem Mund funkeln. „Ich bringe dich bis zur Station. Wir brauchen ein Herero, Kleidung, Nahrung und Unterkunft. Ich schätze, es sind ungefähr vierzig bis fünfzig Tagesritte, je nachdem wie du durchhältst.“
Sie hörte nur Herero und fünfzig Tage und ihre Beine wurden schwach. Sie war mehr als eine Riesenidiotin. Sie sank gegen die Metallwand des Gleiters und für einen Moment war ihr egal, was der D’arjo dachte. Wenn sie hier blieb, bestand die Wahrscheinlichkeit, dass ein Suchtrupp aus der Station sie entdeckte. Diese Wahrscheinlichkeit war natürlich sehr gering, da sie dummerweise erheblich vom Kurs abgewichen war. Sie könnte sich jetzt noch dafür ohrfeigen. Und wenn sie hier blieb, war dieser D’arjo weg und seinen Worten nach zu urteilen, war es nicht ganz ungefährlich, als Frau allein in eine Stadt zu gehen.
Tec’or sah sie blass werden und hoffte, sie würde nicht noch ohnmächtig werden, wie so viele d’arjotische Frauen, wenn der Stress zu groß wurde. Doch sie fing sich schneller als er dachte.
„Okay. Ich brauche noch einiges aus dem Gleiter.“ Ohne seine Antwort abzuwarten, kletterte sie ins Innere und überflog die Einrichtung. Sie nahm an, dass er nicht scharf auf ein Riesengepäck war und schnappte nur schnell ihren kleinen Minilaptop, ihren Analysator, ihr kleines Mikroskop, den Proben- und den Notfallkoffer, weil sie langsam mit allem rechnete, und packte alles in einen Rucksack. Sie wollte gerade aussteigen, als ihr noch etwas einfiel und sie griff auch noch die handliche Strahlerpistole und hinterließ eine schriftliche Nachricht auf dem Sitz des Gleiters. Sollte der Gleiter doch auf der Suche nach ihr entdeckt werden, wussten die anderen Menschen zumindest, was sie vorhatte.
Mit ihrem neu erwachten Selbstbewusstsein sprang sie aus dem Gleiter. „Meinetwegen kann es losgehen.“
Und fühlte sich plötzlich wie auf einem Abenteuertrip. Wann konnte man schon mehr über die Bevölkerung eines fremden Planeten erfahren?
Als sie hinter dem D’arjo her stolperte und sie aus dem Wald hinaus traten, stieß sie einen überraschten Schrei aus. Auf der Wiese stand ein Herero und sah ihnen mit gespitzten Ohren entgegen. Es war gesattelt und da Ailia annahm, dass es Tec’or gehörte, lief sie auf das Tier zu. Es sah nur von weitem einem terranischen Pferd ähnlich. Als sie näher kam, erkannte sie, dass es auf krallenbewehrten Pfoten lief. Es hatte glattes, glänzendes, schwarzes Fell und nur einen kurzen Stummelschwanz. Den breiten muskulösen Hals zierte eine dichte schwarze Mähne, die den Hals halb bedeckte. Auch der Kopf war breit und verengte sich nach vorn zu einer schmalen Nase, um die der Zaum gelegte war. Ailia erkannte kein Gebiss und nahm an, dass so etwas auf diesem Planeten nicht benutzt wurde. Sie sah das Muskelspiel unter dem kurzen Fell und fühlte fast die gespannte Kraft, die dem Tier innewohnte.
„Es ist wunderschön“, flüsterte sie und streckte ihre Hand aus, als der Kopf des Herero herum fuhr und es sie mit gefletschten Zähnen anknurrte. „Gott!“ Ailia sprang wie von der Tarantel gestochen zurück und hörte den D’arjo amüsiert lachen.
„Er hat Hunger“, erklärte er leichthin. „Da wird er immer etwas missmutig.“ Er gab dem Tier einen leichten Klaps hinter die Ohren, ergriff die Zügel und schwang sich in den Sattel. Dann streckte er ihr auffordernd die Hand hin.
„Gehe ich richtig in der Annahme, dass es ein Fleischfresser ist?“, fragte sie entsetzt bei dem Gedanken, sich auf den Rücken dieses Tieres zu setzen.
„Natürlich. Steig auf.“
„Ähm, ich glaube, ich laufe lieber“, meinte sie zögernd und fuhr zusammen, als der D’arjo fast genau so wie sein Reittier knurrte.
„Steig endlich auf, Menschenfrau! Egal, welche Sitten in deiner Heimat gelten, auf D’arjo wirst du nicht laufen, während ich reite!“ Er sah jetzt genauso bedrohlich aus wie sein Tier mit den aufgerichteten Haaren und Ailia beschloss, ihn nicht noch mehr zu verärgern.
„Reg dich ab“, konnte sie sich jedoch nicht beherrschen zu sagen, griff nach seiner Hand und wurde von ihm auf den Rücken des Herero gezogen. Sie saß jetzt hinter ihm auf dem blanken Rücken des Tieres und fühlte sich sehr unwohl.
„Halt dich an mir fest“, wies er sie an und sie umklammerte, ohne zu überlegen, seine Hüften, als sich das Tier in Bewegung setzte und sie alle Mühe hatte, nicht einfach von dem Rücken zu rutschen. Und sie verfluchte sich zum hundertsten Mal für ihre Dummheit.
***********
Einen Tag später kam Tec’or zu der Ansicht, dass der Preis, den er verlangt hatte, viel zu niedrig war. Nachdem die Menschenfrau am vorigen Abend einfach von dem Herero gerutscht war, sich auf eine seiner Decken gelegt hatte und eingeschlafen war, schien sie am nächsten Morgen trotz des Muskelkaters bestens gelaunt zu sein und fing an, ihn mit Fragen zu bombardieren. Ihr Mund schien nicht still zu stehen und er wünschte sich sehnlichst, niemals seiner Neugier nachgegeben zu haben. Sie ließ sich auch von seinen kurzen manchmal patzigen Antworten nicht abschrecken, sondern erklärte frei heraus, sie müsse das Sprechen in D’arjo üben, um sich besser verständigen zu können. Nach sechs Stunden wusste sie mehr über ihn als irgendein anderer D’arjo und das, obwohl er ihr nur die notdürftigsten Antworten auf all ihre nervtötenden Fragen gegeben hatte, und er wünschte sich eine der ruhigen, schweigsamen, d’arjotischen Frauen an seine Seite.
Ailia dagegen genoss den Ritt. Das Herero, das auf den Namen Damaron hörte, war am Morgen, nachdem es ein halbes rehähnliches Tier verspeist hatte, sehr viel friedlicher und ließ sich von Ailia sogar hinter den Ohren kraulen. Obwohl ihr jeder Muskel im Körper wehtat, freute sie sich, dass die Sonne schien und sie die Gegend genießen konnte, als wäre sie im Urlaub. Es störte sie auch nicht, dass der D’arjo immer verdrießlicher auf ihre Fragen antwortete.
Sie hatte schon eine Menge über ihn erfahren. Wie sie schon angenommen hatte, lebte er von der Jagd und dem Handel mit Fellen. Jedenfalls im Moment. Sein Vater besaß im Norden eine Hererozucht, die er später einmal übernehmen sollte. Doch jeder D’arjo wurde, wenn er ein bestimmtes Alter erreicht hatte, allein in die Welt geschickt, um Erfahrungen zu sammeln und zu lernen, sich durchzuschlagen. Nach Ailias Ansicht ein grausamer Brauch und sie nahm an, dass einige Söhne dabei ihr Leben ließen. Doch es stand ihr nicht zu, darüber zu urteilen. Tec’or jedenfalls schien mit seinem Leben sehr zufrieden zu sein und den wenigen Worten nach zu urteilen, die sie aus ihm heraus bekommen hatte, war sein Name in dieser Gegend auch nicht ganz unbekannt. Er hatte noch zwei Brüder, beide jünger und noch nicht aus dem Elterhaus geworfen und eine Schwester, über die sie jedoch außer, dass sie bei ihrem Mann lebte, gar nichts erfuhr.
Das Herero, das er ritt, stammte aus der Zucht seines Vaters und war sein ganzer Stolz.
Als sie am Abend rasteten, fühlte sich Ailia nicht mehr ganz so zerschlagen wie am Abend zuvor, dafür verschwitzt und schmutzig.
Tec’or sattelte Damaron ab und ließ an dem kleinen Flüsschen, an dem sie ihr Lager aufschlugen, trinken. Er war froh, dass Ailia endlich einmal ihren Mund hielt, rieb das Tier trocken und entzündete ein Feuer.
„Kann ich irgendetwas helfen?“, störte sie die Ruhe schon wieder.
„Kannst du kochen?“
„Nein.“
„Jagen?“
„Nein.“
„Was willst du dann machen?“, erkundigte er sich spöttisch und freute sich, als sie die Lippen zusammen kniff. In ihrem Menschengesicht konnte man viel besser lesen, als im Gesicht einer D’arjo. Sie schien nie gezwungen gewesen zu sein, sich zu beherrschen oder ihre Gefühle zu verbergen.
„Ich würde mich gern mal ein bisschen frisch machen“, murmelte sie dann mürrisch. „Besteht irgendeine Gefahr, wenn ich mal ein Stück den Fluss aufwärts gehe?“
„Nein.“ Er runzelte kurz die Stirn, griff aber in seine Satteltaschen und warf ihr eine Seife und ein Handtuch zu. „Etwas weiter oben wird der Fluss so breit und tief, dass du baden kannst. Aber pass auf Schlangen auf.“
Ailia fing die Seife, roch kurz daran und fand den Geruch nach Kräutern angenehm. Ohne ein weiteres Wort drehte sie sich um und verschwand zwischen den Bäumen. Und Tec’ors Unterkiefer klappte nach unten. Sie war nicht nur geschwätziger als eine D’arjo. Sie war auch bedeutend mutiger. Das ließ sie in seiner Achtung plötzlich ein ganzes Stück steigen. Ihm würde niemand glauben, dass diese Frau in einem Fluss gebadet hatte. Niemand.
Es dauerte eine ganze Weile, ehe sie wieder kam und seine empfindlichen Ohren hörten schon das Geräusch ihrer Schritte, als er ihren erschreckten Aufschrei, ein Zischen und danach ihr Fluchen hörte. Wenn sie noch fluchen konnte, entschied er, war ihr nichts passiert. Deshalb beschloss er zu warten und sah sie nur neugierig an, als sie in den Schein des Feuers trat.
„So ein dummes Tier“, schimpfte sie und hielt ihm einen Legato, ein hasenähnliches Nagetier, vor die Nase. „Es hat mich erschrocken. Ich dachte, es ist eine Schlange.“
Tec’or starrte mit großen Augen auf den Legato und dann auf Ailia. „Wie hast du ihn getötet?“, fragte er erstaunt und sah sie vielsagend gegen die unscheinbare Waffe an ihrer Hüfte deuten. „Du trägst eine Waffe?“ Jetzt klang er eindeutig fassungslos. Menschen waren nicht nur seltsam. Sie waren verrückt.
„Du trägst doch auch eine, oder?“ Sie setzte sich neben ihn. „Kann man es essen?“
„Ja, es schmeckt sogar sehr gut“, brachte er heraus.
„Siehst du!“ Ailia lachte. „Jetzt habe ich auch schon etwas zu unserer Reise beigetragen.“
Seine Augen hingen an ihrer Waffe. „Ist das so ein Gerät, das Feuerkugeln speit?“, fragte er vorsichtig und beäugte die Waffe sehnsüchtig.
Ailia verdrehte die Augen, weil seine Gedanken so offensichtlich in seinem Gesicht standen. „Meinetwegen erhöhe deinen Preis um so eine Waffe!“ Sie setzte sich neben ihn, ohne sein erfreutes Grinsen weiter zu beachten. „Was machen wir jetzt mit dem Tier?“
„Entweder gibst du es Damaron oder wir müssen ihm das Fell abziehen und es ausnehmen“, meinte er achselzuckend.
„Damaron?“ Ailia schielte zu dem Herero, das alle viere von sich gestreckt neben dem Wasser lag und wahrscheinlich schon schlief. „Er hat heute schon genug gefressen, oder? Außerdem hast du gesagt, es schmeckt gut. Ich würde sagen, wir nehmen es aus.“
„Wir?“, erkundigte er sich und grinste wieder. „Ich schätze, das ist auch nichts, was du kannst, oder?“ Er zog sein Messer aus seinem Gürtel. „Ihr Menschen seid mehr als seltsam. Was kannst du eigentlich überhaupt?“
„Was willst du damit andeuten? Dass ich nutzlos bin?“ Ailia konnte kaum fassen, was er sagte. „Ich bin eine Forscherin. Ich habe Exobiologie studiert und als Zweitbeste meines Jahrgangs abgeschlossen. Ich spreche sechs Sprachen. Ich kann so ziemlich alles fliegen, was eine einzelne Person fliegen kann. Ich kann mit einer Waffe umgehen. Ich...“
„Das ist alles nichts, was dir das Überleben sichernd würde, oder täusche ich mich?“, fragte er und sie zweifelte nicht daran, dass er sie verspottete.
„Na und!“, fauchte sie gereizt. „Gib das Messer her und zeig mir doch einfach wie es geht!“
Wenn es ihn überraschte, so ließ er es sich nicht anmerken, sondern begann, ohne Umschweife zu erklären. Und Ailia fand, dass es kaum einen Unterschied gab, ob man ein Tier sezierte oder ob man es ausnahm. Tec’ors Messer war nicht ganz so scharf wie ihr Skalpell und deshalb stand sie kurz auf, um in ihrer kleinen Utensilientasche nach einem Skalpell zu suchen. Der D’arjo sah sie hin und wieder verwundert an, als sie sich so konzentriert über den Legato beugte und so verbissen seinen Anweisungen folgte, als stünde sie in den Praxisräumen der Universität.
Sie fuhr nur ein einziges Mal zusammen, als er ihr im Innern des Legato etwas zeigen wollte und sie sah, wie die Krallen an seinen Händen ausfuhren. „Gott“, murmelte sie. „Nimm bloß die gefährlichen Dinger zu dir.“
Es dauerte keine halbe Stunde und der Legato war ausgenommen und das Fell zum Trocknen gespannt.
Ailia ging noch einmal zum Fluss, um sich die Hände zu waschen. Als sie wieder kam, roch es schon verführerisch nach gebratenem Fleisch und selbst Damaron hatte seinen Kopf wieder gehoben und schnüffelte in Richtung Feuer. Da es noch eine Weile dauern würde, bis das Fleisch gar war, beschloss Ailia, sich die Zeit ein wenig zu vertreiben und ihre Erlebnisse in einer Art Tagebuch in ihrem Minilaptop festzuhalten.
Tec’or lag auf einen Ellenbogen gestützt neben dem Feuer, drehte hin und wieder den Legato und beobachtete unter gesenkten Lidern die Menschenfrau. Zum Glück war sie jetzt still. Das gab ihm selbst etwas Zeit zum Nachdenken.
Er sollte seinen Anspruch auf sie geltend machen. Er musste es, bevor sie die Stadt erreichten, wenn er nicht vorhatte, sich jede Menge vermeidbaren Ärger einzuhandeln, doch da es sich um eine Menschenfrau handelte, die sich noch dazu so unvorhersehbar verhielt, zögerte er. Er konnte sie absolut nicht einschätzen. Sie redete zuviel mit Worten und zu wenig mit ihrem Körper und deshalb nahm er an, dass sie seine Körpersprache genau so wenig verstand. Ganz zu schweigen von der Sprache des Geruchs. In dieser Hinsicht war sie komplett taub. Ein Zustand, den er sich überhaupt nicht vorstellen konnte. Eine d’arjotische Frau in ihrer Lage hätte ihm schon längst klar gemacht, dass sie seinen Schutz brauchte und ebenso bereit war, den Preis dafür zu zahlen. Diese Menschenfrau schien nicht einmal zu wissen, warum sie Schutz benötigte, geschweige denn, was es bedeutete. D’arjotische Frauen waren recht scharf auf seinen Schutz, doch er war der Verantwortung meist aus dem Weg gegangen, da es genügend andere D’arjo gab, die die damit verbundene Verantwortung gern auf sich nahmen. Ailia hatte diese Wahl nicht, erst wenn sie die Stadt erreichten, aber Tec’or war sich sicher, dass sie absolut keine Ahnung davon hatte.
Seine Gedanken wurden abgelenkt, als er sah, wie sie ein kleines Gerät aus ihrem Rucksack nahm, es aufklappte und darauf herum hämmerte. Er beobachtete sie eine Weile und sagte sich dann, da sie ihn den ganzen Tag mit Fragen gelöchert hatte, stände ihm dieses Recht ebenso zu.
Neugierig richtete er sich auf und rutschte neben sie. „Was machst du da?“
Ailia wandte ihre Augen nicht vom Bildschirm ab. „Ich werde meine Erlebnisse aufschreiben und die ganze Reise dokumentieren. Ich denke, das wird sehr interessant.“
„Du kannst schreiben?“ Es wurde immer seltsamer.
„Sicher“, grinste sie. „Du nicht?“
„Ich schon.“
Jetzt hob sie endlich ihren Kopf und sah ihn von der Seite an. „Aber?“
„Kaum eine d’arjotische Frau.“
„Sag noch einmal, Menschen sind komisch.“
Tec’or betrachtete erstaunt das kleine Gerät, das sie auf ihren Knien abgelegt hatte. „Und da schreibst du das alles rein?“
„Das ist ein Computer“, erklärte sie. „Er speichert alles, was ich schreibe und darin ist mehr Platz als in hundert Büchern.“
„Da drin?“ Tec’or lachte und beugte sich über den Bildschirm. „Das ist lächerlich.“
Ailia schmunzelte nur und fand es amüsant, wie er neugierig mit den Fingern über den Bildschirm fuhr. Jetzt sah sie von den Krallen nur die Spitzen und seine Hände unterschieden sich kam von einer menschlichen. Unbewusst hob sie ihre Hand und griff nach seiner. „Würdest du das mit den Krallen noch mal machen?“, erkundigte sie sich neugierig und fuhr mit dem Daumen über die Spitzen seiner Finger.
Er hob den Kopf und ihr wurde bewusst, wie vertraulich diese Geste wirkte und wie nah er sich plötzlich neben ihr befand. Doch er schien damit kein Problem zu haben, denn er grinste nur und sie zuckte zusammen, als die Krallen ausfuhren.
„Uh!“ Dann fesselten die Biologin in ihr seine Hände mehr als alles andere. „Wow“, murmelte sie leise und strich über die zirka einen Zentimeter langen, spitzen Krallen. „Die Haut der Finger zieht sich zurück… Bei den Zehen auch?“
„Ja“, brachte er heraus und zwang sich, nicht laut zu lachen.
Sie schien es seinem Gesicht anzusehen, lachte auf und ließ seine Hand los. „Tut mir leid. Ich bin gewöhnt, alles zu untersuchen, was mir unter die Hände kommt. Ich sehe überall Forschungsobjekte.“
„Was ist Exobiologie?“
Sie war erstaunt, dass er sich das Wort gemerkt hatte und es sogar richtig aussprach. „Die Erforschung von Pflanzen und Tieren auf fremden Planeten.“
„Warum macht man so etwas?“
Ailia zuckte mit den Schultern. „Neugier?“
„Wer sorgt für deinen Lebensunterhalt?“
Was war das schon wieder für eine Frage? „Ich?“, meinte sie stirnrunzelnd.
Tec’or sah sie nachdenklich an. „Womit?“
Ailia klappte den Laptop zusammen und drehte sich zu ihm um. „Mit meiner Arbeit. Ich forsche… Ich dokumentiere, was ich erforsche.“ Sie überlegte, wie sie es ihm am besten erklären konnte. „Ich handle mit den Informationen.“
Er sah immer noch sehr nachdenklich aus. „Bist du krank oder hat deine Familie dich verstoßen?“
„Wieso das jetzt?“ Ailia war mit ihrem Latein am Ende.
„Wieso bist du allein mitten in der Wildnis? Wo ist der Mann, der dafür sorgen sollte, dass dir nichts passiert? Weshalb lässt irgendein Mann zu, dass du dich einer derartigen Gefahr aussetzt?“
Ailia starrte ihn mit offenem Mund an und wusste nicht, was sie sagen sollte. Sie war keine Sozialwissenschaftlerin, die auf das Zusammentreffen unterschiedlicher Kulturen vorbereitet wurde. Allerdings hatte sie sich soweit unter Kontrolle und fragte ihn nicht, ob er eine Meise hatte. Er kannte es nicht anders. Sicherlich waren Frauen in dieser Gesellschaftsordnung mit nicht sonderlich vielen Rechten ausgestattet und benötigten den Schutz einer männlichen Person. „Tec“, begann sie zögernd. „Es ist für dich vielleicht schwer zu verstehen, aber in meiner Heimat benötige ich keinen Mann, der mich beschützt oder der für mich sorgt. Ich war auch nicht darauf vorbereitet, dass dies auf dieser Welt üblich ist, sonst hätte ich mich wahrscheinlich an die … Anweisungen meines … ähm … Vorgesetzen gehalten …“
„Du hast eine Anweisung missachtet?“
Oh, das war sicherlich sehr schlecht. „Nun ja, so was in der Art“, gab sie zu. „Ich sollte eine bestimmte Route fliegen, damit jeder weiß, wo er suchen soll, wenn etwas passiert. Ich bin etwas … von der Route abgewichen.“
„Das war sehr dumm.“ Tec’or schüttelte den Kopf.
Ailia stöhnte. „Ja doch. Ich weiß das. Und deshalb sitze ich jetzt hier und habe die nächsten Wochen Zeit, darüber nachzudenken!“
„Du wärst besser dran, wenn du jemanden hättest, der dich von solchen Dummheiten abhält“, meinte er nur.
Ihre Augen funkelten wütend. „Jetzt habe ich ja dich!“, giftete sie sarkastisch.
Und Tec’or stellte fest, das ihn zum ersten Mal eine Frau so wütend ansah. Er roch ihre Wut und seine Haare stellten sich unwillkürlich auf.
„Fang jetzt bloß nicht wieder an zu knurren!“ Sie sprang auf und ging zum Feuer. „Auf mich macht das keinen Eindruck!“
Jetzt drohte sie auch noch. Er konnte es nicht fassen, weil ihm das in seinem Leben einfach noch nie passiert war.
„Wann ist das Tier genießbar?“ Als er nicht gleich antwortete, kam sie wieder zurück, blieb mit verschränkten Armen vor ihm stehen und schaute zu ihm hinunter. „Wir haben eine Vereinbarung. Ich bezahle dich, damit du mich zur Station bringst. Kommst du damit klar, wenn du mich nicht so behandelst wie eine d’arjotische Frau und auch damit, dass ich mich wahrscheinlich nicht so verhalte? Wenn nicht, muss ich mir einen anderen Führer suchen.“
Er sollte es ihr endlich sagen. Doch er stand nur geschmeidig auf, blieb vor ihr stehen und sagte leise. „Ich habe dich bisher nicht wie eine d’arjotische Frau behandelt. Und ich habe es dir schon einmal gesagt. Du wirst auf dieser Welt keinen Führer finden. Nur jemanden, den du um Schutz bitten kannst. Und du hast wie jede d’arjotische Frau das Recht, die Person, die dich schützt zu wechseln, wenn du mit ihr nicht zufrieden bist.“ Das war sehr zweideutig, doch er glaubte noch immer nicht, dass sie es verstand.
Ailia runzelte die Stirn. „Ich habe nicht gesagt, dass ich mit dir nicht zufrieden bin. Was heißt, um Schutz bitten?“
Gott, er konnte nicht so viel reden wie sie und schon gleich gar nicht darüber. Seufzend ging er an ihr vorbei zum Feuer. „Lass uns Essen“, sagte er müde und nahm den Legato vom Feuer.
„Du … bringst mich zur Station?“ Sie klang zögernd.
Tec’or zerteilte den Legato und reichte ihr ein Stück. „Ja.“ Er würde es sicherlich irgendwann bereuen.
**************
Die nächsten Tage vergingen wie im Flug. Ailia hatte die kurze Auseinandersetzung schon am nächsten Morgen vergessen und nahm ihre stundenlange Befragung wieder auf. Sie musste alles, was sie sah, kommentieren, stellte Fragen zu verschiedenen Pflanzen und Tieren, denen sie begegneten, und sie mussten mehr als einmal Halt machen, weil sie von irgendeiner Pflanze eine Probe mitnehmen wollte. Tec’or verstand zwar den Sinn dieser Aktion nicht, aber er schaffte es auch nicht, ihr die Begeisterung und Freude über jede neue Pflanze, die in ihrem Köfferchen verschwand, zu nehmen, indem er weiter ritt.
Manchmal musste selbst er lächeln, wenn er sah, mit welchem Enthusiasmus und mit welcher Energie sie irgendetwas tat. Sie wollte alles wissen. Sie nervte ihn mit Fragen über die Jagd und über Fellbearbeitung. Sie wollte wissen, wie seine Armbrust funktionierte und wie man ein Schwert handhabte. Sie lernte Damaron zu versorgen, ihn zu satteln und am vierten Tag bestand sie darauf, einmal im Sattel zu sitzen und ihn zu lenken, während er sich mit dem Sitz auf dem bloßen Rücken seines Lieblingshereros begnügen musste.
Tec’or wusste selbst nicht, warum er es zuließ. Aber als sie dann quietschte und anfing zu lachen, nachdem sie es geschafft hatte, Damaron zu einem Galopp zu bewegen und er sich an ihr festklammern musste, damit er nicht vom Rücken rutschte, ging ihm durch den Kopf, dass er lange nicht so viel Spaß hatte wie mit dieser Menschenfrau. Sie schien nie schlechte Laune zu haben und steckte ihn mit ihrer Lebensfreude einfach an. Und sogar ihre Wissbegier, die so völlig untypisch für eine Frau war, fing an, ihm zu gefallen.
Am fünften Abend, als sie ihr Lager aufschlugen, und Ailia begann, davon zu reden, wie neugierig sie auf die Stadt war, zog sich Tec’ors Magen zusammen. Schweigend versorgte er Damaron, überließ es Ailia, sich um das Essen zu kümmern und verschwand im Wald.
Ailia runzelte kurz die Stirn, nahm jedoch an, dass er wie so oft irgendwo eine Stelle am Wasser kannte, wo er baden wollte und störte sich nicht weiter daran. Als er jedoch nach einer Stunde noch immer nicht zurückgekehrt war, fing sie an, sich Sorgen zu machen. Sie nahm das Essen vom Feuer und folgte der Richtung, die er gegangen war.
Er lehnte am Waldrand an einem Baum und starrte gedankenverloren hinaus in die Steppe, in die Richtung, in der die Stadt lag. Ailia sah an seinen noch nassen Haaren, das er im Fluss gewesen sein musste und wunderte sich, warum er nicht zum Lager zurückkam. Er sah sie nicht an, doch sie wusste, dass ihm seine Ohren und sicherlich auch seine Nase ihr Kommen längst verraten hatten.
„Was hast du, Tec?“, fragte sie unruhig.
Der D’arjo fühlte sich eindeutig unwohl. „Ich denke darüber nach“, begann er zögernd, ohne sie anzusehen. „die Stadt allein aufzusuchen.“
„Wieso das?“ Ailia klang erschrocken.
„Ich kann alles besorgen, was wir brauchen, während du hier draußen wartest.“
Ailia ging um ihn herum und stellte sich vor ihn, so dass er sie ansehen musste. „Warum denn?“ Er wich ihrem Blick aus. „Ich würde die Stadt gern sehen.“
„Ich kann dich nicht schützen.“ Er hob den Kopf und sah sie endlich an. „Nicht, ohne dass du mein Zeichen und meinen Geruch trägst.“
Ailia starrte ihn mit großen Augen an und sagte leise. „Vielleicht solltest du mir endlich mal alles erklären? Was passiert, wenn ich ohne deinen Schutz die Stadt betrete?“
„Jeder D’arjo wird es riechen. Er wird riechen, dass es keinen Mann gibt, unter dessen Schutz du stehst und dir seinen … Schutz anbieten…“
„Ja?“
„Vielleicht … oder wahrscheinlich mehrere. Sie würden um das Recht kämpfen. Um deine Gunst…“
„Echt?“ Ailias Augen wurden immer größer.
Tec’or lächelte leicht. „Der Sieger übernimmt dich und damit deinen Schutz. Und das Wichtigste ist, anderen zu zeigen, dass du ihm gehörst, indem er dir sein Zeichen mit seinem Geruch verpasst. Es hält jeden anderen davon an, irgendwelche Ansprüche an dich zu stellen.“
„Warum … gibst du mir nicht … dein Zeichen?“, fragte sie zögernd.
Der D’arjo legte den Kopf schief. „Es ist ein Biss.“
„W-was?“ Ailia glaubte, sich verhört zu haben. Das war ein Witz? Das musste ein Witz sein. „D-du meinst … wirklich … d-du müsstest mich beißen? Beißen!?“ Sie umarmte sich selbst, als sie anfing zu frösteln und ihre Augen wie magisch von den Reißzähnen in seinem Mund angezogen wurden.
„Ja.“
„D-das ist barbarisch“, murmelte sie verzweifelt. „Und tut weh. Kannst du machen, dass es nicht so sehr weh tut?“ Jetzt spielte sie wirklich mit dem Gedanken, sich von ihm beißen zu lassen. War sie wahnsinnig?
„Das Zeichen allein reicht nicht, Ailia“, sagte er ernst. „Mein Geruch zusammen mit meinem Zeichen…“
„Und wie soll das passieren?“ erkundigte sie sich genervt. „Lass dir nicht jedes Wort aus der Nase ziehen. Wie, zum Teufel, kommt dein Geruch an … Oh Gott!“ Sie schlug die Hand vor den Mund, als sie es endlich verstand.
Er verzog den Mund. „Genau so.“
Das war wirklich die barbarischste Welt, die sie je gesehen hatte. „Die armen Frauen“, stieß sie hervor. „Das ist doch grausam, wenn sie sich immer beißen lassen müssen!“
„Mit diesen Zähnen“, meinte er nur und grinste so, dass sie seine Zähne sehr gut sehen konnte, „gehört ein wenig Gewalt zum Sex.“
„Man könnte nicht erklären, dass ich ein Mensch bin und man mich anders behandeln muss?“ Als er den Kopf schüttelte, fuhr sie fort. „Was ist mit den Frauen? Was ist, wenn sie den Mann nicht wollen?“
„Jede Frau will den Schutz eines Mannes. Wenn sie mit ihrem aktuellen nicht mehr zufrieden ist, verweigert sie den … Sex.“
„Das kann sie?“, fragte Ailia ungläubig.
„Natürlich. Der Geruch verliert sich und sagt ihrer Umgebung, dass sie einen neuen Schutz sucht. Und sie lässt die neuen Bewerber um sich kämpfen. Und bekommt den besten.“
Das klang für die Männer auch nicht gerade nett.
„Es ist nicht immer einfach für den Mann und eine große Verantwortung, wenn er sich darauf einlässt, den Schutz einer Frau zu übernehmen. Er muss für den Lebensunterhalt sorgen, für eine Unterkunft und für die Familie…“
„Wie … lange hält das an. Der Geruch meine ich … danach?“
„Ein paar Tage.“
Ailia fuhr sich nachdenklich durch die Haare. „Und dann muss ein Mann auch dafür sorgen, dass er seinen Geruch immer wieder erneuert und seine Frau in dieser Richtung zufrieden stellt, weil sie ihm sonst den Laufpass gibt?“
„Das ist im seltensten Fall ein Problem. Wir waren einmal Raubtiere, Ailia, wie die Hereros…“
„Du meinst, ihr paart euch auch so? Oh Gott, jetzt weiß ich auch, was das mit der Beißerei ist.“ Ailia begann vor ihm hin und her zu laufen. Wahrscheinlich war es noch verrückter, selbst darüber nachzudenken. Die Alternative war, die nächsten Wochen keine Menschseele zu sehen und auf all die interessanten Sachen, die so eine Stadt barg, zu verzichten. Sie sah Tec’or scheel an. „Ich bin ein Mensch. Gibt es da nicht irgendwelche … Hemmungen? Schranken?“
„Warum? Du bist ein Frau.“ Er zuckte mit den Schultern. „Ich glaube nicht, dass da ein großer Unterschied ist und ich bin sicher, dass keiner meiner Artgenossen, zögern würde, dir seinen Schutz anzubieten.“
„Du hast gezögert“, hielt sie ihm vor.
„Ich wollte die Verantwortung nicht übernehmen.“
Gott, wenn sie irgendwann ihre Freundin Annabelle wieder traf und ihr das erzählte! Sie war ein Monat auf einem fremden Planeten und überlegte, ob es schlimm wäre, mit einem D’arjo zu schlafen. Das war nicht mehr zu toppen. Solch eine Möglichkeit hatte nicht einmal Annabelles verrückter Verstand erwogen und die war, wenn es darum ging, sich etwas Vergnügen in Form von Sex zu verschaffen, sehr viel hemmungsloser als Ailia.
Und irgendwie reizte Ailia der Gedanke. Sie war noch nie schüchtern gewesen, etwas Neues auszuprobieren und wenn es Tec’or ihr anbot... Er schien jedenfalls kein Problem damit zu haben.
Der D‘arjo lehnte noch immer an dem Baum und rührte sich nicht, sondern sah sie nur neugierig und abwartend an. Er konnte sehen, wie es in ihr arbeitete und die widersprüchlichsten Emotionen über ihr so leicht lesbares Gesicht huschten. Der Schreck und das Entsetzen waren verschwunden, wahrscheinlich war es mehr der Gedanke an seine Zähne, der sie geschockt hatte, und weniger der Gedanke an den Sex.
Ailia musterte ihn noch immer nachdenklich. „Okay“, sagte sie dann langsam und seine Haare richteten sich schlagartig auf, als die Erregung durch seinen Körper schoss. Doch sie streckte ihm abwehrend ihre Hand entgegen, als er sich vom Baum abstieß und mit einem ihr Schauer über den Körper jagenden Verlangen in den Augen auf sie zu schlich. „Stopp!“, rief sie erschrocken. „Stopp. Stopp. Stopp. Tec, Menschen fallen nicht wie Hereros übereinander her, ja! Könnten wir vielleicht vorher drüber ... reden?“
„Reden?“, fragte er verständnislos, legte den Kopf schief und knurrte leise.
Nicht reden? Shit. Auf was ließ sie sich hier nur ein? Doch sie wich nicht zurück, obwohl sie sich zum ersten Mal unsicher fühlte. „Küssen sich D’arjos?“
„Küssen?“, echote er fragend.
Küssen auch nicht. Toll! Ehe sie weiter reden konnte, hatte er sie erreicht. Sie fühlte sich übergangslos von starken Armen herum gewirbelt und seinen schlanken sehnigen Körper, der sich gegen ihren Rücken presste. Ihr wurde himmelangst, als das Knurren sich verstärkte und die Spitzen seiner Zähne ihren Hals entlang fuhren. „Tec“, murmelte sie hilflos. „Das ... funktioniert... so ... nie...“
Er lachte leise und biss sie sanft in den Hals, während seine Hände an ihrer Hose hantierten. Ailia wollte sich umdrehen, sie wollte ihn berühren und sie wollte, dass er sie berührte, doch er ließ es nicht zu und das machte sie wütend. Sie warf den Kopf in den Nacken, ignorierte das Gefühl seiner Zähne an ihrem Hals und stieß ihm den Ellenbogen in den Bauch. Er knurrte lauter, erregter, war jedoch für einen Moment überrascht, den Ailia nutzte, um sich zu drehen und ihn rückwärts gegen den Baum zu stoßen.
Sie warf sich gegen ihm, um zu verhindern, dass er seinen Plan weiter verfolgen konnte und zischte ihn an. „Jetzt hör mir bitte einmal zu!“ Da war ein amüsiertes Funkeln in seinen Augen und sie stellte fest, dass er gefährlich und einfach atemberaubend aussah mit den aufgestellten Haaren und den blitzenden Reißzähnen in seinem halbgeöffneten Mund. Und sie spürte genau so seine Erregung, da es keine Luft zwischen ihren Körpern gab.
Das war ja sehr schön. Aber es war an der Zeit, dass sie sein Level ebenfalls erreichte. Und davon war sie im Moment noch weit entfernt.
„Redest du immer so viel?“, erkundigte er sich und klang einfach nur neugierig.
„Ja!“ Ailias auf seiner Brust ruhende Hände hielten ihn gegen den Baum gedrückt. Ihr war schon klar, dass er sie jederzeit von sich stoßen konnte, aber jetzt schien er einfach neugierig zu sein, was sie eigentlich wollte. „Ich bin es nicht gewöhnt, einfach geschnappt und durchgevögelt zu werden, ja? Ich muss erst einmal in Stimmung kommen, ich möchte dich berühren. Ich möchte, dass du mich berührst...“
„In Stimmung kommen? Ich dachte, du hättest dich entschieden?“, fragte er erstaunt.
„So schnell geht das nicht!“ Ailia seufzte und fuhr nachdenklich über seine Brust. Dann blickte sie ihm in die gelben Augen, in denen noch immer sein Verlangen brannte, und lächelte, weil sie annahm, dass er jetzt einfach darauf Rücksicht nahm, dass sie ein Mensch war und er eine D’arjo sicherlich schon längst auf den Boden geworfen und gevögelt hätte. „Ich werde es dir zeigen, okay?“, sagte sie leise und ihre Hände wanderten zum Bund seiner Hose.
Seine Augen weiteten sich, als sie seine Hose öffnete, aber er rührte sich nicht. Er war viel zu erstaunt und auch zu neugierig auf das, was sie vorhatte. Ihre Hände streiften seine Hosen über seine Hüften und einen Moment fühlte er sich unbehaglich, als sich der Beweis seiner Erregung ihr entgegen streckte. Dann fühlte er ihre Finger, die über die nackte Haut seines Bauches tanzen, tiefer, bis sie seine Erektion umschlossen und ein überraschtes Knurren drang aus seiner Kehle.
Sie wandte ihren Blick nicht von ihm ab, sah seine Überraschung und sah, wie die Leidenschaft seinen Blick trübte und er leise stöhnte, als sie ihn sanft streichelte. „Ich mag es“, sagte sie leise, „einen Mann zu berühren und ich mag es, wenn man mich so berührt. Könntest du dir vorstellen, das gleiche mit mir zu tun?“ Seine Augen hatten sich halb geschlossen und sie fühlte ihn zittern. „Du kannst mich dann haben wie du willst, auch auf deine Art, aber erst möchte ich, dass du mich berührst, damit ich ... bereit für dich bin, ja?“
Tec’or glaubte zu sterben, wenn sie noch eine Weile weiter machte. „Ja“, stieß er hervor, schlang seine Arme um sie und wirbelte sie herum, so dass sie am Baum lehnte. Er hatte das noch nie getan, aber die Art und Weise, wie sie ihn behandelte, ließ weder Angst noch Schamgefühl aufkommen. Ailias Finger waren schon wieder auf ihm unterwegs, versuchten, ihm sein Hemd über den Kopf zu streifen und er half ihr, obwohl er nicht vorgehabt hatte, seine Kleidung abzulegen.
Fasziniert strichen ihre Finger über die nackte Haut. „Du hast einen fantastischen Körper“, murmelte sie und schmunzelte, als er ihr Shirt über den Kopf zog und dann mit den Knöpfen ihrer Hose kämpfte. Sie kickte die Hose von ihren Beinen und sein Knurren verstärkte sich wieder. Wortlos zog sie ihn an sich und hoffte, dass er die Beherrschung erst verlor, wenn es sie ebenfalls nicht mehr interessierte. Sein Kopf senkte sich an ihren Hals und sie fühlte die Vibrationen des Knurrens an ihrer Kehle, als er sie, noch immer sanft, biss. Dann wanderten seine Hände tiefer und sie seufzte, als er sie zwischen den Beinen berührte. Er schien keinerlei Erfahrung damit zu haben, sondern erforschte einfach, was er fühlte und Ailia umklammerte seinen Hals, als seine Finger den sensiblen Punkte streiften und ein Stromstoß durch ihren Körper jagte.
Tec’or zog überrascht die Luft ein, als ein völlig neuer Geruch seine empfindliche Nase traf. Ein Geruch, der ihn schwindlig werden ließ und der Drang, sie auf den Boden zu werfen und sich in ihr zu vergraben, wurde fast übermächtig. Er fühlte die plötzliche Feuchtigkeit zwischen ihren Beinen und hob verblüfft den kopf.
„Es ist okay“, flüsterte sie und die Leidenschaft in ihren Augen ließ ihn fauchen. „Mach weiter, ja? An diesem Punkt ... ja ... genau ... so...“
Ihr Körper presste sich gegen seine Hand, ihr Kopf flog zurück gegen den Baumstamm und der wahnsinnig erregende Duft brachte ihn um den Verstand. Knurrend biss er sie wieder in den Hals, während sich ihr Körper ihm entgegen bog und ihre Hände ein seinen Haaren klammerten und sie wimmerte leise, als sie seine Zähne fast schmerzhaft spürte.
Um Tec’ors Beherrschung war es geschehen. Er riss sie von dem Baum weg, stieß sie zu Boden, so dass sie auf ihren Knien landete und warf sich auf ihren Rücken. Ailia war zu benommen, um irgendwie zu reagieren. Zwischen ihren Beinen tobte ein Schmerz, der um Erlösung bettelte und alles, was sie spürte, war seine Erektion, die sich von hinten zwischen ihren Beine drängte, um ihr das zu geben, was ihr Körper wollte. Sie dachte nicht mehr daran, dass es ein D’arjo war und für einen Moment hörte die Erde auf sich zu drehen, als er mit einem Knurren in sie stieß und sich seine Zähne in ihre Schulter bohrten. Wimmernd sank ihr Kopf nach vorn, während er sich mit wilden Stößen anfing zu bewegen, ohne seine Zähne aus ihr zu lösen und auch ohne, dass er aufhörte zu knurren.
Es war Wahnsinn. Der Schmerz war nebensächlich im Vergleich zu dem Gefühl, ihn tief in sich zu spüren und der animalischen Art und Weise, in der er handelte, zu begegnen.
Ailia fühlte wie sich Woge in ihrem Innern anstaute und nur darauf wartete, ihre Gefühle zu überschwemmen, da lösten sich seine Zähne von ihr und mit einem lauten Knurren stieß er ein letztes Mal in sie und presste sie durch sein Gewicht mit auf den Boden, als er auf ihr zusammen brach. Ailia fluchte frustriert.
Er rollte von ihrem Rücken zur Seite und sie war drauf und dran, ihn anzufahren, doch er sah sie auf eine Art und Weise an, die ihr den Atem stocken ließ. Zögernd hob er seine Hand und strich fast ehrfürchtig über die Bissstellen in ihrer Schulter.
„Tec“, flüsterte sie leise, doch er schien sie kaum wahrzunehmen, sondern senkte den Kopf, um kurz mit der Zunge über die vier kleinen Wunden zu fahren. Sie erschauderte. „Tec“, begann sie wieder und er hob fragend den Kopf. „Dieses Gefühl, das du zum Schluss hattest...“
„Ja?“
„Haben das d’arjotische Frauen auch?“
Er nickte zögernd und runzelte die Stirn.
„Ich hätte es auch gern...“ sagte sie leise.
Der D’arjo holte tief Luft und fragte entgeistert. „Nicht in dem Moment, wo ich in dich eindringe...?“
Ailia schüttelte den Kopf. D’arjoptische Frauen waren wirklich glücklich, wenn das so einfach war.
„Was... kann ich tun?“ Er würde so ziemlich alles tun. Sie roch so wunderbar nach ihm, sie trug sein Zeichen und ihr erregender Duft lag noch immer in der Luft. Er würde alles für sie tun.
„Würdest du mich noch einmal berühren, so wie vorhin?“
Er nickte und hörte sie seufzen, als seine Hand über ihren Körper hinunter zwischen ihre Beine fuhr. In diesem Moment sprach ihr Körper mit ihm in einer Art und Weise, die er nach den vorangegangen Tagen nicht für möglich gehalten hätte. Sie bettelte um seine Berührungen und während seine Finger sie streichelten, begann er wieder, an ihrem Hals zu knabbern.
Sie umklammerte seinen Kopf und wünschte sich kurz, er würde sie küssen, doch all diese Gedanken verschwammen angesichts der Dinge, die seine Finger mit ihr anstellten.
„Ja...“, flüsterte sie zusammenhanglos und fing an zu zittern. „Ja ... ja ...ja...“
Tec’or konnte anhand ihrer Reaktionen feststellen, dass es verschiedene Zonen zwischen ihren Beinen gab, die jede anders auf seine Berührung ansprach und er fragte sich kurz, wie eine D’arjo reagieren würde, wenn er das tat. Sein Finger erkundete ihr feuchtes Fleisch, stieß in den Kanal, der sonst einem anderen Körperteil von ihm vorbehalten war und sie schnappte nach Luft. Sein eigener Körper reagierte sprunghaft auf die Verstärkung der Feuchtigkeit und damit des betäubenden Geruchs, doch er schwor sich, ihr jetzt erst zu geben, was sie wollte. Er konnte jedoch nicht verhindern, dass er wieder anfing zu knurren und ihre Augen flogen auf.
Seine Augen hingen an ihrem Gesicht, er sah, wie sie keuchend nach Luft rang und ihr Blick sich verklärte, als die Leidenschaft übermächtig wurde. Unbewusst ließ er sich mitreißen, seine Hand presste sich gegen sie und zum ersten Mal in seinem Leben sah er einer Frau ins Gesicht, als sie im Orgasmus explodierte.
Er wurde übergangslos steinhart, als ihr Kopf zurückflog und sie ihm, sicherlich ohne es zu ahnen, ihre Kehle anbot. Knurrend beugte er sich über sie, seine Zähne schrammten über die empfindliche Haut, ohne sie zu verletzen und seine Zunge leckte den salzigen Schweiß von ihrer Haut. Vielleicht war das der Grund, warum D’arjos sich nicht oder äußerst selten in dieser Position paarten. Es war gefährlich, wenn die Leidenschaft sie übermannte und die Zähne benutzt wurden und das ganze in einer Körperregion passierte, wo eine Verletzung leicht tödlich enden konnte.
Tec’or wusste genau, dass Ailia davon keine Ahnung hatte, ja dass sie keinen Gedanken daran verschwendete, aber zu sehen, wie sie sich ihm entgegen bog und ihre schutzlose Kehle unter seiner Zunge vibrierte, jagte Schauer der Erregung durch seinen Körper. Ihre Beine schlangen sich um seine Hüften und zogen ihn an sich und selbst wenn er es vorgehabt hätte, es wäre ihm jetzt nicht mehr möglich gewesen, sich zu beherrschen. Sein Körper vibrierte, als er den Drang, seine Zähne wieder in sie zu schlagen, nieder kämpfte, als er in sie stieß. Er hob den Kopf, als er anfing, sich zu bewegen und fand es plötzlich überaus faszinierend, sie dabei anzusehen. Die eigenartigen, dunklen Augen waren halb geschlossen und sie atmete keuchend, wenn sich ihre Hüften bei jedem harten Stoß trafen. Jetzt gehörte sie ihm. Sie war die erste Frau, die ihm allein gehörte, und der Gedanke gefiel ihm. Auch der Gedanke, die Verantwortung dafür zu übernehmen, sie sicher zu der menschlichen Station im Norden zu bringen.
Sein Kopf senkte sich wieder und seine Zunge fuhr über ihre Kehle. Er würde sie nicht beißen, weil er sie nicht verletzen wollte und so begnügte er sich damit, seine Lippen und seine Zunge über ihre Haut wandern zu lassen. Dann besann er sich auf ihre Worte und murmelte gegen ihre Haut, ohne seine Bewegungen zu unterbrechen. „Funktioniert es ein zweites Mal?“
Ailia schlang ihre Arme um seinen Nacken. „Ja“, stieß sie hervor und stöhnte, als sich seine Hand zwischen ihre Körper bewegte. „Oh Gott… ja …“ Sie schrie, als die Lichter in ihrem Kopf angingen und sie für einen Moment nichts anderes fühlte als die Wellen der Lust, die durch ihren Körper jagten.
Tec’or knurrte begeistert und biss sie sanft in den Hals, als er sich ein letztes Mal in ihr vergrub und auf ihr zusammensackte.
Ihre Hände fuhren gedankenverloren durch seine Haare und ihr fiel auf, dass sie sich anders als menschliches Haar, irgendwie fester, anfühlten. „Das war schön, Tec“, murmelte sie und fiel aus allen Wolken, als er anfing zu schnurren. Sie kicherte. „Süß.“ Sie strich ihm sanft übers Gesicht mit den halbgeschlossenen Augen und das Schnurren wurde lauter. Sie hätte ewig so liegen bleiben können, aber dann erinnerte sie sich an ihr Feuer und ihr Essen und an Damaron, der jetzt sicherlich ihr gesamtes Abendessen verschlungen hatte. „Wir sollten zum Feuer zurückgehen, oder?“
Er nickte und fing an, sich nach seinen Sachen umzusehen.
***********
Ailia fiel es am nächsten Morgen sofort auf. Er sah sie anders an.
Sie kannte die Blicke, die ihr Männer zuwarfen, wenn sie scharf darauf waren, sie flach zu legen. Aber so schaute er nicht. Da war ein gewisser Hunger und sie nahm an, dass das kleinste Entgegenkommen von ihrer Seite in Sex enden würde.
Und da war auch ein gewisser Stolz.
Aber das war es nicht allein. Er sah sie an, als wäre sie etwas wirklich Kostbares. Etwas, das man nicht aus den Augen lassen durfte. Etwas, das man beschützen musste.
Er sah sie an, als würde sie ihm gehören. Und komischerweise beruhigte sie das ungemein. Denn soviel wusste sie jetzt. Mit seinem Zeichen und seinem Geruch hatte er ihr ein Versprechen gegeben. Er würde für sie da sein. Sie würde sich auf ihn verlassen können.
Es war gegen Abend, als sie die Stadt erreichten und Ailia reckte neugierig den Kopf. Sie saß wieder hinter Tec’or auf dem Herero und hatte angenommen, dass ihr Erscheinen für einen gewissen Aufruhr sorgen oder doch zumindest Neugierige anziehen würde.
Es geschah nichts dergleichen. Ab und zu traf sie ein neugieriger Blick und das war alles. Ab und zu hörte sie ein: „Hallo, Tec’or! Auch mal wieder in der Stadt“, sah ihn zurück grüßen, doch im Großen und Ganzen schenkte ihnen niemand Beachtung, als würde tagtäglich eine Terranerin diese Stadt betreten.
„Ich falle gar nicht auf“, flüsterte sie Tec’or zu, als sie an einem Gasthof hielten und abstiegen.
Er lächelte. „Warum auch? Du gehörst zu mir.“
So einfach.
Er drückte Damarons Zügel einem jungen D’arjo in die Hand, der ihn in den Stall bringen sollte. „Pass auf, dass er genug Fleisch bekommt. Er wird sonst unleidlich“, wies er ihn an.
Ailia folgte ihm neugierig und aufgeregt ins Innere des Gasthofes. Die Stadt unterschied sich nicht sehr von den Städten, die sie aus terranischen, alten Filmen kannte. Die D’arjos bauten hauptsächlich mit Holz und kannten noch kein Glas. Die Fenster waren entweder offen oder mit Stoff verhängt.
Als sie den Gastraum betraten, rief ein D’arjo, der hinter dem Tresen stand, erstaunt: „Tec, du alter Gauner! Sieht man dich auch mal wieder!“
Ailia sah sich neugierig um. Ein paar D’arjos saßen an den Tischen, hatten die Köpfe gehoben und musterten die Neuankömmlinge. Eine weibliche D’arjo bediente die Gäste und schäkerte mit zwei jüngeren D’arjos, die wie Halbwüchsige aussahen und recht wild umher schauten.
„Hallo, Roman. Ich brauche ein Zimmer für heute Nacht und einen Tipp, wo ich hier ein gutes Herero kaufen kann.“
Roman lachte und schaute Ailia an. Diese fand, es wäre eine tolle Gelegenheit, ihre Sprachkenntnisse mal an einem anderen D’arjo zu testen. „Hallo, ich bin Ailia. Ich komme von der Station im Norden und hatte einen kleinen Unfall mit meinem ... äh … Fluggerät. Gehört Ihnen dieser Gasthof?“
Roman nickte und schmunzelte noch immer. „Tec“, sagte er dann, „du bist immer für eine Überraschung gut. Erst schlägst du all die Wahnsinnsangebote der besten Frauen dieser Stadt aus und dann findest du eine Menschenfrau.“ Er hob witternd den Kopf und Ailia fand den Gedanken, dass jeder wusste, was passiert war, plötzlich gar nicht mehr so schön. „Es waren noch nie Menschen in unserer Stadt“, sagte er dann freundlich.
Ailia wollte gerade antworten, als eine Bewegung neben Tec’or sie ablenkte. Sie drehte den Kopf und sah die beiden Halbwüchsigen neben Tec’or stehen. Unwillkürlich rückte sie näher an Tec’or, als sie sah, wie die beiden in ihre Richtung witterten. Tec’ors Haare richteten sich auf und er grollte leise, jedoch ohne sich zu bewegen. Die beiden rührten sich ebenfalls nicht und stellten nicht einmal ihre Haare auf. Ailia hatte plötzlich das Gefühl, dass hier eine Unterhaltung stattfand, die keiner Worte bedurfte und die sie mit ihren beschränkten Sinnen nicht nachvollziehen konnte.
Tec’ors Körper spannte sich wie eine Feder, ob dieser wortlosen Provokation. Sein Knurren wurde lauter und sein Blick schien den beiden Hitzköpfen nicht zu gefallen, denn sie wandten sich ab und setzen sich wieder an ihren Tisch.
„Kinder“, meinte Roman achselzuckend und Tec’ors Haare legten sich wieder.
„Tec’or, na so eine Überraschung.“ Die D’arjo, die bedient hatte, stellte ihr Tablett auf die Theke und Ailias Mund klappte auf, als sie an ihn heran trat, sich kurz an ihm rieb und ihn sanft in den Hals biss. „Nett, dich mal wieder zu sehen“, schnurrte sie.
„Hallo, Tara“, sagte er leise und zog ihren vertrauten Geruch ein. Es war der Geruch nach vielen Männern, all den Gästen, die keine einsame Nacht verbringen wollten oder für eine kurze Stunde etwas Entspannung suchten.
„Du kannst dein Stammzimmer haben“, meinte Roman und reichte ihm den Schlüssel. „Es ist zufällig frei. Bis morgen früh besorge ich dir die Namen aller Hererohändler in der Stadt. Wollt ihr oben essen?“
„Ja. Und danke schon mal.“ Tec’or nahm den Schlüssel, griff Ailias Hand und zog sie mit sich. Seine Sinne benebelten sich einen Moment, als sie vor ihm die Treppe hinauf stieg.
Sie roch so herrlich nach ihm und er konnte nicht mehr verstehen, wie er es geschafft hatte, seine Bedürfnisse mit einer Frau wie Tara zu befriedigen.
Ailia hatte ihre Sprache und auch ihre Neugier wieder gefunden. „Beißen Frauen Männer auch? So richtig, meine ich. So wie du mich?“
„Nein.“ Er schüttelte belustigt den Kopf.
Sie warf ihren Rucksack auf das Bett und grinste ihn an. „Hätte es dir gefallen, wenn ich dich auch so gebissen hätte, wie dieses Flittchen vorhin?“
Seine Haare richteten sich schlagartig auf, als ihm heiß wurde und Ailia lachte. „Ha! Du könntest mich gar nicht anlügen. Deine komischen Haare verraten dich!“ Sie kam auf ihn zu und stieß ihm den Zeigefinger in die Brust. „Soll ich dir mal was sagen, du beißwütiges Raubtier? Wenn ich solche Zähne hätte wie du, würde ich dich beißen! Und wenn es nur deshalb ist, damit du mal weißt, wie weh das tut!“
Er senkte leise knurrend Kopf und hauchte neben ihrem Ohr. „Vielleicht würde ich dich lassen…“ Ailia konnte sich nicht rühren, als sich seine Lippen zu ihrem Hals bewegten und sie seine Zähne spürte. „Tat es sehr weh?“
„Ja“, flüsterte sie, obwohl sie sich an den Schmerz gar nicht mehr erinnern konnte und hörte ihn leise lachen.
„Du kannst mich auch nicht anlügen. Dein Geruch verrät dich…“
Sie fuhr überrascht zurück. „Mein Geruch sagt, ob ich lüge?“
Er nickte.
„Was sonst noch?“
Er kam nicht dazu zu antworten, weil es klopfte und Tara mit dem Essen vor der Tür stand. Sie stellte es auf den Tisch und verschwand wieder, nicht ohne Tec’or ein verführerisches Lächeln zu schenken. Ailia setzte sich und funkelte ihn an. „Du müsstest doch eigentlich auch nach mir riechen, oder?“
„Tue ich auch.“
„Das stört sie wohl nicht?“
„Weißt du, nach wie vielen Männern sie riecht?“, grinste er und freute sich, dass Taras Verhalten sie ärgerte.
Nach dem Essen warf Ailia sich aufs Bett und packte ihren Laptop wieder aus.
„Stört es dich, wenn ich noch ein wenig nach unten gehe und mir die neuesten Informationen besorge?“, fragte der D’arjo.
„Nein“, murmelte Ailia geistesabwesend, während ihre Finger über die Tastatur huschten. Dann schien angekommen zu sein, was er sagte und ihr Kopf fuhr hoch. „Was?“ Sie sprang auf. „Ich komme mit. Das ist doch kein Problem, oder? Sag nicht, dass das ein Problem ist. Ich möchte so gern etwas von der Stadt sehen, mich unterhalten und andere Leute kennen lernen.“
Tec’or runzelte die Stirn. Er würde sie lieber sicher und wohlbehütet in diesem Zimmer sehen. Und er wollte auf keinen Fall, dass sie zu vielen anderen D’arjos begegnete und anfing, darüber nachzudenken, ob jemand anders besser war als er. Aber ihren Worten zufolge, schien sie sich auch in dieser Hinsicht von d’arjotischen Frauen zu unterscheiden. „Ich will nicht, dass du zuviel mit anderen D’arjos sprichst“, sagte er trotzdem und konnte nicht verhindern, dass sich ein Knurren in seiner Kehle bildete.
Ailia war zuerst verärgert über diesen wie einen Befehl klingenden Satz, dann fiel ihr ein, was er über die Rechte d’arjotischer Frauen erzählt hatte und sie lächelte leicht. Sie blieb vor ihm stehen und sah ihn ernst an. „Tec, auch wenn das für dich jetzt eigenartig klingt, aber du darfst mich nicht mit d’arjotischen Maßstäben messen. Ich habe mit dir eine Vereinbarung getroffen, die beinhaltet, dass du mich zur Station bringst. Ich *möchte*, dass du mich zu der Station bringst. Du und niemand anders. Ich werde meine Meinung nicht morgen oder übermorgen wieder ändern, nur weil vielleicht einer deiner aufprotzenden Artgenossen versucht, mich zu beeindrucken.“
Sie konnte ihm viel erzählen. Er legte den Kopf schief. „Sicher“, meinte er ironisch. Warum sagte sie so etwas? Schließlich war es vollkommen normal, dass eine Frau den stärksten D’arjo als Schutz wünschte. Es gab keinen vernünftigen Grund, ihm irgendwelche Lügen zu erzählen. Aber es irritierte ihn, dass sein Geruchsinn ihm nicht signalisierte, dass sie log.
Ailia sah ihm an, dass er ihr nicht glaubte, aber daran konnte sie nichts ändern. Und sie würde ganz bestimmt nicht auf die Gelegenheit verzichten, mehr vom d’arjotischen Leben kennen zu lernen. Sie nahm seine Hand und zog den widerstrebenden D’arjo zur Tür. „Komm schon, du misstrauischer Kater. Im Moment kann doch nichts passieren, oder?“
Und fuhr zusammen, als er sie plötzlich knurrend gegen die Tür presste und sanft in den Nacken biss. „Ich werde um dich kämpfen“, fauchte er leise neben ihrem Ohr und seine Stimme jagte einen Schauer über ihren Körper. „Ich habe noch keinen Kampf verloren.“
Ihre Augen schlossen sich, als seine Zunge über die Bissstellen an ihrer Schulter fuhr.
Oh Gott, es war echt krank, dass ihr der Gedanke gefiel.
Dann ließ er sie los und öffnete die Tür. Und Ailia hatte große Mühe, ihm mit ihren plötzlich weichen Knien zu folgen.
Es wurde ein netter, und für Ailia wirklich erfahrungsreicher Abend. Der Gasthof war am Abend ein Anlaufpunkt für all jene, die sich einfach unterhalten und Neuigkeiten austauschen wollten, da es weder Fernsehen noch Radio gab, um zu erfahren, was sonst um sie herum passierte.
Die D’arjos hatten Anfang etwas Mühe zu begreifen, dass diese Menschenfrau, die so eindeutig nach Tec’or roch, sich an ihren Gesprächen beteiligte, neugierige Fragen stellte und sich nicht verkneifen konnte, ihre Meinung zu all den Dingen zu sagen, die sie hörte. Ab und zu traf sie der prüfende Blick eines fremden D’arjo und Ailia fühlte, wie sich Tec’or verspannte und diesen D’arjo mit Blicken fast erdolchte. Doch er beruhigte sich schnell wieder, weil er merkte, dass im Moment kein anderer D’arjo wagen würde, Ailias Zugehörigkeit zu ihm in Frage zu stellen.
Als sie spät in der Nacht ihr Zimmer betraten, war Ailia noch erstaunter, als Tec’or zu ihr unter die Decke kroch, nur seine Arme um sie schlang und erklärte, es würde den Geruch an ihr verlängern, wenn er zusammen mit ihr in einem Bett schliefe. Sie war davon ausgegangen, dass er darauf bestehen würde, seinen Anspruch auf sie zu erneuern und hatte schon überlegt, wie sie ihm erklären sollte, dass er sie nicht jedes Mal beißen konnte, weil sie sonst bald keine heile Stelle am Körper hätte. Dass er nichts dergleichen versuchte, überraschte sie und sie nahm sich vor, ihn am nächsten Morgen noch einmal ausführlich über diese seltsamen Schutzbeziehungen, die zwischen D’arjos herrschten, auszufragen.
In dieser Nacht genoss sie es einfach nur, in seinen Armen zu liegen, seinem leisen Schnurren zu lauschen und sagte sich, dass es gar nicht so schlimm war, auf diese Art und Weise zu reisen.
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Am nächsten Morgen kam sie nicht dazu, all ihre Fragen los zu werden, weil die Aussicht, loszugehen und ein Herero zu kaufen, sie viel zu sehr aufregte. Sie zappelte schon am Frühstückstisch dermaßen aufgeregt herum, dass sich Tec’or belustigt fragte, ob alle Menschen sich so lächerlich benahmen. Dabei freute sie sich einfach nur.
„Ich hatte noch nie ein Tier. Nicht einmal Fische“, erklärte sie ihm, als die Straße zum Mietstall hinab liefen.
Wieso jemand auch Fische halten sollte, war ihm unklar, doch er sagte nichts.
„Wie viel kostet ein Herero? Verträgt es sich mit Damaron? Was ist mit Sattel und Zaumzeug? Hast du soviel Geld?“, bombardierte sie ihn fortwährend mit Fragen.
„Mach dir keine Sorgen. Wir kaufen alles, was du brauchst.“ Belustigt lächelnd betrat er den Mietstall und betrachtete der Reihe nach die Tiere in den einzelnen Boxen.
„Oh Gott.“ Ailia hatte noch nie in ihrem Leben so viele lebende Tiere auf einem Haufen gesehen. Die meisten, die sie bisher untersucht hatte, waren tot. „Ich wüsste gar nicht, welches ich nehmen soll. Die sind ja alle toll.“
Tec’or schüttelte den Kopf. „Die meisten sind nichts wert. Natürlich würden sie für den Ritt bis zur Station reichen, aber ich bin zu sehr Hererozüchter als dass ich zulassen würde, dass du ein minderwertiges Tier reitest.“
„Oh“, machte Ailia nur und betrachtete die Hereros in den kleinen, aber sauber eingestreuten Boxen. Einige waren gerade gefüttert worden und fauchten wild durch die Gitterstäbe. Der ganze Stall war recht dunkel, aber sauber und die Tiere schienen gepflegt. Ailia gefiel jedes Tier, doch Tec’or hatte an jedem etwas anderes auszusetzen.
Der Besitzer des Stalls, der sich ihnen mit dem Namen Quarlon vorstellte, bemerkte sofort, dass er Tec’or nichts vormachen konnte. „Kommt mit“, sagte er, nachdem Tec’or jedes Tier, das er ihnen angeboten hatte, ablehnte. „Ich habe noch ein wirklich schönes Herero, das ich eigentlich für die Zucht vorgesehen habe, aber wenn du mir den entsprechenden Preis bezahlt, verkaufe ich es auch.“
Ailia verließ sich voll auf Tec’or. Das Herero lag in einer Box etwas abseits und hob neugierig den Kopf. Tec’or sagte eine Weile nichts, sondern beobachtete nur schweigend, wie Quarlon das Tier hoch trieb, damit sie es sich in Ruhe ansehen konnten. Es war nicht ganz so groß wie Damaron und hatte einen schlanken edlen Kopf mit großen ausdrucksstarken Augen. Den muskulösen Hals bedeckte keine Mähne und sie sahen, wie die Muskeln unter der Haut spielten, als es den Hals wölbte und witternd die fremden Gerüche einzog. Auch das Fell dieses Tieres glänzte, doch nicht in Damarons dunklem Nachtschwarz, sondern mit einem Stich ins Grau. Ailia sah, dass sich die Farbe des Fells die Beine hinab weiter erhellte, bis sie an den Pfoten in Weiß endete. Sie fand das Tier himmlisch, sagte aber nichts, weil es Tec’ors Entscheidung war. Doch sie jubelte innerlich als er nach dem Preis fragte. Es folgte eine Feilscherei, bei der sie abschaltete, und eine halbe Stunde später führten sie das Herero, komplett gesattelt und getrenst, aus dem Stall.
Ailia fühlte sich so stolz wie noch nie in ihrem Leben, als sie mit dem Tier an ihrer Hand die Straße zum Gasthof zurück liefen. Ihre Hand fuhr immer wieder über das weiche Fell und sie lächelte glücklich, als das Herero schnurrte.
„Du kannst ihr einen Namen geben“, sagte Tec’or amüsiert.
„Es ist ein Weibchen?“ Ailia betrachtete das Herero mit neuer Ehrfurcht.
„Ich hatte nie vor, ein männliches Tier zu kaufen. Das gäbe zuviel Probleme mit Damaron“, meinte er nur.
Im Gasthof angekommen, quartierten sie das Herero in der Box neben Damaron ein und beobachteten, wie dieser aufstand und seine neue Nachbarin durch die Gitterstäbe musterte.
Ailia war kaum wieder aus dem Stall heraus zu bekommen. „Ich kann es nicht fassen“, murmelte sie immer wieder. „Ich habe ein Herero. Ein richtiges, echtes Herero. Noch dazu ein besonders schönes. War das viel Geld? Ist es zu teuer gewesen?“
Tec’or zog sie hinter sich her. „Wir haben noch eine Menge einzukaufen, wenn wir Morgen weiter wollen. Vor allen Kleidung. Du kannst nicht immer in diesem auffälligen Zeug herum laufen."
„Was ist falsch an meiner Kleidung?“, fragte sie spitz.
Er grinste, beugte sich kurz zu ihr und knurrte in ihr Ohr. „Sie verdeckt mein Zeichen.“
Dazu fiel ihr einfach nichts ein. Und vielleicht war es auch nicht ganz übel, etwas luftigere Kleidung zu tragen, da die Temperaturen mit zirka zwanzig bis fünfundzwanzig Grad schon sommerlich warm zu nennen waren.
Sie verbrachten den ganzen Nachmittag damit, Kleidung, extra Decken, Handtücher und Seife zu kaufen und den Rest des Abends mit der Anprobe der Sachen.
Tec’or amüsierte sich köstlich über Ailia, die keine Ahnung davon hatte, wie sie was anziehen sollte und sich darüber totlachte, wie dumm sie sich anstellte.
„Das ist echt kompliziert“, schimpfte sie belustigt, stellte dann jedoch fest, dass sich die Kleidung weich und bequem an ihren Körper schmiegte. Sie trug jetzt genau wie Tec’or eine dünne lederne Reithose, über die Frauen jedoch noch ein Tuch schlangen, wahrscheinlich damit eine Teil ihrer Figur vor den neugierigen Blicken anderer D’arjos geschützt wurde. Ailia war der Meinung, dass sie sich das schenken konnten, wenn die Frau im gleichen Atemzug ein Oberteil trug, das ähnlich einem Top nur von schmalen Lederstreifen über ihren Schultern gehalten wurde und ihren Hals und die Arme frei ließ. Zu dem ganzen gehörte eine Jacke, ebenfalls aus weichem Leder, die Ailia jetzt jedoch nicht probierte, weil es einfach zu warm war. Selbst das Fehlen von Unterwäsche, die D’arjos nicht zu benutzen schienen, störte sie jetzt, da sie die Kleidung anhatte, nicht, obwohl sie den ganzen Rückweg in den Gasthof darüber geschimpft hatte.
„Wie sehe ich aus?“, fragte sie den D’arjo, der am Tisch lehnte und sie mit großen Augen ansah. „Entspricht das mehr deinen Vorstellungen?“ Seine Haare stellten sich wortlos auf und sie grinste. Ihre Augen wanderten zu ihrer Schulter und sie fuhr unbewusst mit den Finger über die noch nicht verheilten Abdrücke seiner Zähne, die nun für jeden deutlich sichtbar waren. „Das ist schon ein komischer Brauch, weißt du das? Eure Frauen müssen doch total vernarbt sein, wenn sie sich jedes Mal Bisse einfangen, wenn ihr Sex habt.“
„So oft ist das nicht.“ Tec’or konnte seinen Blick nicht wieder von ihr los reißen. Sein Zeichen zusammen mit seinem unverkennbaren Geruch an ihr, lösten ein Gefühl in ihm aus, das er in dieser Stärke noch nicht erlebt hatte: Stolz.
„Was heißt: So oft ist das nicht?“ Ailia sah ihn verblüfft an. „Ich denke, der Geruch muss immer wieder erneuert werden?“
Er nickte. „Ja, je nachdem, wie lange er sich hält. Meistens so alle sieben bis zehn Tage. Wenn die Frau das Zeichen einmal trägt, ist es nicht unbedingt nötig, es jedes Mal zu erneuern. Aber es stimmt schon, manche D’arjos können sich weniger beherrschen als andere und deren Frauen tragen manchmal eine Menge Zeichen. Aber sie sind stolz darauf.“
Ailia kam langsam näher und blieb vor ihm stehen. „Habe ich das jetzt richtig verstanden? Ihr schlaft nur miteinander, um diese Verbindung wieder aufzufrischen?“ Sie klang ungläubig.
„Oder wenn die D’arjo Kinder möchte. Dann beginnt ihr Körper Duftstoffe auszusenden, die einen Mann ... etwas heiß ... machen.“ Er lächelte leicht. „Es ist so ähnlich wie das, was passiert war, als ich dich berührt habe...“
„Was ist da passiert?“, piepste Ailia erstaunt.
Er runzelte die Stirn. „Der Geruch, der von dir ausging war ... Wahnsinn...“, sagte er zögernd.
Oh Gott. Er riecht Erregung. *Das* ist Wahnsinn. Obwohl sie es sich bei seiner empfindlichen Nase hätte denken können.
Sie musste ihn so fassungslos angesehen haben, dass er neugierig wurde. „Wie zeigen Menschen, dass sie zusammen gehören?“
Ja, wie zeigen sie es? Ailia fuhr sich durch die Haare. „Sie ... sie sagen es. Und die Umwelt merkt es, wenn zwei Menschen zusammen leben. Oder sie heiraten und dann wird schriftlich festgehalten, dass diese zwei einen Bund geschlossen haben. Aber das passiert eher selten, da eine Heirat auch wieder schriftlich gelöst werden muss, wenn man sich wieder trennt.“
„Wie wählt eine Menschenfrau einen Mann?“
Das war eine eindeutig schwere Frage. „Ich weiß gar nicht, wie ich dir das erklären soll“, murmelte sie. „Man begegnet sich, findet sich nett oder nicht. Man verbringt Zeit miteinander, um sich besser kennen zu lernen. Man geht zusammen ins Bett. und manchmal verliebt man sich ineinander und stellt fest, dass es der Richtige ist.“
„Das klingt ... seltsam.“ Tec’or gab sich wirklich Mühe, zu verstehen was sie sagte. „Was ist Verlieben?“
Ailia seufzte. „Liebe ist ein Gefühl. Ein sehr starkes Gefühl, das man für jemanden anders empfindet. Es ist mehr, als jemanden gern haben oder jemanden mögen. Wahre Liebe bedeutet, dass man alles miteinander teilt: Leidenschaft und Verlangen, aber genauso Trauer und Wut. Und wahre Liebe ist zeitlos...“ Sie lachte. „Gott, ich weiß nicht, ob es wahre Liebe wirklich gibt. Romantische Geschichten sind voll davon. Aber Liebe ist, jemanden wirklich, wirklich gern zu haben. Irgendwie mehr als gern. Verstehst du das?“
„Nicht so richtig“, gab er ehrlich zu. „Eine D’arjo wählt ihren Mann nach seiner Stärke. Das sichert ihr erstens Schutz und zweitens den Lebensstandard, den sie braucht, um sich und ihre Kinder zu versorgen. Ein D’arjo hat seine Frau zweifelsfrei gern, aber er akzeptiert es, sie zu verlieren, wenn sie einen Kampf fordert, damit er beweisen muss, dass er seine Stärke noch besitzt. Es sichert das Überleben der Frau, sich immer den stärksten Partner zu suchen.“
Ailia war schockiert. „Das ist barbarisch.“
„Nein. Indem die Frau sich einen starken Mann nimmt, sorgt sie dafür, dass ihre Nachkommen ebenfalls die Stärke besitzen, die sie brauchen, um sich fortzupflanzen.“
„Was ist, wenn er alt wird und schwächer?“
Tec’or grinste. „Bevor eine Frau ihren derzeitigen Mann ablehnt, sollte sie schon überlegen, ob es noch genügend Angebote geben wird, die ihr einen Besseren sichern.“
„Ach so.“ Ailia musterte ihn nachdenklich. „Und du hattest bisher noch keine Frau für dich? Warum nicht?“
„Jeder D’arjo sollte sich Zeit lassen, um seine Stärke und Kampfkraft zu trainieren und sich selbst ohne größere Gefahr einschätzen lernen. Ich hatte einfach nicht die Lust, mich auf die Verantwortung einzulassen.“
„Kann ein D’arjo eine Frau anlehnen?“
„Sicher. Auf die gleiche Art. Wenn eine Frau keinen Geruch mehr trägt, geschah das durch ihren oder durch seinen Willen. Wenn es wegen ihm war, wird er sich natürlich auf keinen Kampf einlassen, sondern sie dem nächstbesten Bewerber geben.“
Ailia verschränkte die Hände vor der Brust. „Du hättest es auch ablehnen können, mir zu helfen. Warum hast du es nicht getan? Dabei konntest du nicht einmal ahnen, dass ich mich auf diese Bedingungen einlasse.“
Tec’or lachte. „Ich bin ehrlich. Mir ist der Gedanke, dass du keine Ahnung davon hast, erst später gekommen, als ich merkte, dass du keinerlei Signale in dieser Richtung aussendest.“ Ailia fing auch an zu lachen. „Ich hätte dich nie allein da draußen gelassen. Das hätte niemand. Und dann sagtest du, du willst nur bis zur Station und du bezahlst dafür.“ Er zuckte mit den Schultern. „Da dachte ich, warum nicht mal so eine Verantwortung auf Zeit ausprobieren.“
Ailia runzelte die Stirn. „Dafür nimmst du es ja jetzt reichlich ernst.“
Der D’arjo musterte plötzlich den Fußboden, doch dann hob er den Kopf und sah sie an. „Ich habe nicht geahnt, was es für ein Gefühl ist, wenn eine Frau nur meine Zeichen trägt und nur nach mir riecht“, sagte er leise.
Er blickte sie so glücklich an, dass ihr plötzlich keine Worte mehr einfielen. Sie schlang ihre Arme um seinen Hals und drückte ihn an sich. „Seit ich dich kenne“, flüsterte sie, “wünsche ich mir, wenigstens einmal deine Nase zu haben.“ Er schnurrte leise mit seinem Gesicht an ihrem Hals und Ailia fragte sich zum wiederholtem Mal, wie es sein konnte, dass diese Wesen sich auf der einen Seite so wild und kämpferisch gaben und sich im nächsten Moment in schnurrende Katzen verwandelten. Sie nahm sein Gesicht in ihre Hände. „Menschen, Tec, beißen sich nicht. Aber sie küssen sich.“ Vorsichtig und sanft presste sie ihre Lippen auf seinen Mund und fühlte ihn erstarren.
Er zog seinen Kopf zurück und schaute sie fragend an. Ailia lächelte. Zögernd und unsicher bewegte sich sein Kopf wieder auf sie zu, bis sich ihre Lippen berührten. Sie wollte ihn nicht drängen und auch nicht erschrecken und überließ es ihm, dieses reine Berühren der Lippen wieder abzubrechen. Und seufzte leise, als er es tat.
„Ihr Menschen seid wirklich seltsam“, murmelte er, noch im Bann des Gefühls das ihre Lippen auf seinen ausgelöst hatten. Er hob seine Hand und strich über ihre Schulter bis hin zu seinem Zeichen. „Du siehst sehr schön aus in dieser Kleidung.“
Ailia kicherte. „Ich glaube, dir ist völlig egal, was ich anhabe. Hauptsache, du kannst sehen, wo du deine Zähne hattest, stimmt’s?“
Tec’or zog sie lächelnd an sich. Seine Zunge fuhr über die Narben und er atmete tief den herrlichen Duft ein, der ihm gehörte. Er könnte sich daran gewöhnen. Sein Gesicht vergrub sich an ihrem Hals und er schloss die Augen, als er wieder leise anfing zu schnurren.
Ailia war einfach nur hingerissen. Es war das erste Mal, das ein Mann ihr ohne den Hintergedanken, sie innerhalb der nächsten Minuten flach legen zu wollen, eine derartige Zärtlichkeit schenkte. Er schien gar nicht auf den Gedanken zu kommen und Ailia schob die Idee, auszuprobieren, ob sie ihn umstimmen konnte, von sich, weil es ihr gefiel, einfach von ihm im Arm gehalten zu werden.
Ihre Beziehungen zu Männern auf der Erde waren im Allgemeinen davon geprägt, sich selbst die sexuelle Befriedigung zu geben, die sie brauchte. Sie war nie schüchtern gewesen zu sagen, was sie wollte, oder wenn es darum ging, irgendwelche Experimente anzustellen. Grinsend dachte sie an eine Wette mit Annabelle, bei der es darum ging, wer es schneller schaffte, einen Mann auf der Damentoilette zu verführen. Annabelle hatte gewonnen und sie erinnerte sich jetzt noch lachend an die schockierten Gesichter einiger Frauen, die die unmissverständlichen Geräusche aus einer der Toiletten vernahmen und eiligst die Toilette verließen. Ailia liebte Sex und das war wahrscheinlich auch der Grund, aus dem sie selbst der Gedanke an Sex mit einem D’arjo nicht unbedingt abgeschreckt hatte. Aber sie hatte noch nie, wirklich noch nie, eine Nacht einfach nur in den Armen eines Mannes geschlafen.
Und sie hatte auch noch nie erlebt, dass ein Mann sie so ansah wie Tec’or. Besitzergreifend, fast ehrfürchtig und unheimlich stolz. Und sie wusste genau, es spielte für ihn absolut keine Rolle, dass sie ein Mensch war, auf seine d’arjotische Weise hatte er sie gern.
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Am nächsten Morgen allerdings war Ailia mehr als stolz, als sie ihr Herero aus dem Stall holte und mit Tec’ors Hilfe all ihr Gepäck darauf festband, ehe sie aufstieg.
„Ich habe beschlossen, sie Selina zu nennen“, verkündete sie und er nickte zustimmend.
„Ein schöner Name.“
Es war etwas neu, jetzt allein im Sattel zu sitzen und niemanden vor sich zu haben, an den man sich im Notfall festklammern konnte, aber Tec’or beruhigte sie und meinte, sie würden den Tag ruhig angehen lassen, damit sie sich an ihr Reittier und dieses an sie gewöhnen konnte.
Selina war ein sanftmütiges Tier und reagierte sensibel auf alles, was Ailia vom Sattel aus tat. Als sie später ruhig nebeneinander her trabten, erinnerte sich Ailia an einen Bekannten, der auf der Erde schon einmal geritten war und erzählte, wie fürchterlich man im Trab geschüttelt wurde und wie schreckhaft Pferde sich mitunter aufführten. Sie hatte damit keine Probleme, aber wahrscheinlich lag es daran, dass sich Hereros auf ihren samtweichen Pfoten leicht schaukelnd bewegten, so dass der Reiter die Erschütterungen gar nicht spürte.
Tec’or lachte, als sie ihm von terranischen Pferde erzählte. „Bei einem Herero wirst du nicht erleben, dass es flüchtet. Hereros greifen zuerst an, bevor sie Angst haben. Eigentlich habe ich bisher nur ein einziges Mal erlebt, dass Damaron so etwas wie Furcht verspürte. Und das war, als ich ein Sumpfgebiet durchqueren wollte und der Boden unter seinen Pfoten nachgab.“ Er grinste bei der Erinnerung. „Ich habe damals beschlossen, seinem Instinkt zu vertrauen und einen anderen Weg genommen.“
Sie rasteten kurz über Mittag und dann am frühen Abend, weil Tec’or sich noch um frisches Fleisch für die Hereros kümmern wollte.
„Wir könnten sie auch selbst jagen lassen, aber da Selina noch nicht an uns gewöhnt ist, kann es sein, dass sie nicht von selbst zurückkommt“, erklärte er, als er das Herero an einem Baum festband. Damaron hatte sich schon wieder einen Platz zum Schlafen gesucht und träge die Augen geschlossen. Tec’or vergewisserte sich trotzdem noch einmal. „Du hast kein Problem, wenn ich jetzt eine Weile weg bin?“
„Nein.“ Sie setzte sich ans Feuer und packte ihren Laptop aus. „Ich habe eine Waffe. Ich habe Damaron, der mich verteidigt. Und ich habe etwas zu tun. Kein Problem. Geh nur.“
Er lächelte leicht und meinte nur, es wäre viel einfacher mit ihr zu reisen, als mit einer D’arjo. Auch wenn sie sehr viel mehr reden würde... Ailia warf ihm einen Stock hinter her, als er lachend zwischen den Bäumen verschwand.
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Am dritten Tag begann Selina, sich eigenartig zu verhalten. Ailia merkte es schon am Morgen, als sie leise maunzte, während sie ihr den Sattel auflegte. Damaron spitzte die Ohren und hob witternd seine Nase, blieb aber ansonsten noch recht ruhig.
Sie folgten dem Lauf des Flusses und den ganzen Tag über hatte Ailia das Gefühl, dass sich das Herero unwohl fühlte. Sie schüttelte immer wieder den Kopf, schnurrte und maunzte gleichzeitig und reagierte manchmal überhaupt nicht auf Ailias Hilfen.
„Was hat sie denn nur?“, murmelte sie bedrückt und bemerkte Tec’ors grinsenden Blick nicht, weil sie zu beschäftigt damit war, Selina zu kraulen und zu beruhigen.
Als allerdings Damaron anfing, seine Mähne aufzustellen und leise zu knurren, beschloss Tec’or, dass es Zeit war, den Tag für heute enden zu lassen. Er sah sich nach einem Rastplatz für die Nacht um und führte sie zum Waldrand.
„Sattel Selina ab und lass sie laufen“, sagte er nur, während er selbst Damaron von Sattel und Zaumzeug befreite.
„Warum? Läuft sie jetzt nicht mehr weg?“ Ailia war ernsthaft besorgt.
„Sie hat jetzt andere Sorgen.“ Er stapelte seinen Sattel neben Ailias, nahm sie an die Hand und zog Ailia neben sich auf den Boden. „Entspann dich, Ailia. Und lass den beiden ihren Spaß.“ Er lehnte sich an den Baum in seinem Rücken und amüsierte sich über Ailias verblüfftes Gesicht.
„Was? Du meinst, sie...“ Ihr fassungsloser Blick wanderte zu den beiden Hereros, die sich schnüffelnd umkreisten. Damaron knurrte mit aufgestellter Mähne und plusterte sich so auf, dass er noch einmal so groß wirkte. „Oh Gott. Wenn er meine Selina beißt, trete ich ihm in den Hintern!“, schimpfte Ailia.
Tec’or lachte, zog sie an sich und legte ihr den Arm um die Schultern. Ein leises Knurren kam aus seiner Kehle, als er ihr ins Ohr flüsterte. „Er wird sie beißen.“
„Oh nein. Mein schönes Herero“, jammerte Ailia und sah doch irgendwie fasziniert, wie sich die beiden Katzen belauerten.
Selina schnurrte lauter und rieb ihren Kopf an Damarons. Mit einem wilden Knurren stürzte sich das Herero auf das weibliche Tier. Und Selina knurrte ebenfalls, als er seine Zähne in ihren Nacken grub und sie gegen den Boden drückte, als er sie bestieg.
Ailia konnte ihre Augen nicht mehr abwenden. Sie hatte schon Katzen bei der Paarung beobachtete, auch andere Raubtiere, das brachte einfach ihr Studium mit sich, aber als sie jetzt die zwei Hereros sah, erinnerte sie sich plötzlich an das Knurren des D’arjos neben ihr, als er sich in ihr vergraben hatte und ihr wurde heiß. Es war so wild und animalisch, dem der Hereros so ähnlich…
Tec’or schmunzelte über ihren gebannten Blick und biss sie spielerisch in den Hals. Ailia erschauderte, als sie die Spitzen seiner Zähne spürte und ihr Körper reagierte. Tec’ors Kopf fuhr hoch und er starrte sie fassungslos an. Mit einem verlegenen Lachen schlug sich Ailia sie Hand vor den Mund.
„Oh Gott, du merkst das … das ist … peinlich …“
Seine Augen schienen sich zu verdunkeln, als die Erregung durch seinen Körper fuhr. Es war das Letzte, was er erwartete hatte. Und der Geruch, der ihn plötzlich umschwebte, benebelte seine Sinne dermaßen, dass er sich am liebsten wie Damaron benommen hätte. Doch irgendwo war ein Rest von Verstand, der ihn an Ailias Worte beim letzen Mal erinnerte. Er zog sie an sich und seine Haare richteten sich auf. Ailias Hände strichen über sein Gesicht, sanft und zärtlich, und als ihm einfiel, dass sie ihn mit diesen Händen nie verletzen oder fortscheuchen konnte, fing sein Körper an zu zittern. Dann waren ihre Lippen auf seinem Mund und er knurrte überrascht auf. Sie lachte leise und neckte ihn, indem sie mit ihrer Zunge über seine Lippen fuhr.
Tec’ors Körper stand in Flammen. Er hatte keine Ahnung, warum sie es schon wieder wollte, obwohl sein Geruch immer noch spürbar an ihrem Körper hing, aber es war ihm egal. Mit einem Grollen warf er sich auf sie, presste sie gegen den Boden und biss sie in den Nacken, während seine Hände ungeduldig damit beschäftigt waren, ihre Hose ihre Hüften hinab zu ziehen.
Ailia stöhnte und schwor sich, ihn das nächste Mal festzubinden, damit sie endlich Gelegenheit bekam, seinen Körper zu erforschen. Dann bewegte sich seine Hand zwischen ihre Beine und sie vergaß jeden anderen Gedanken. Ihr Hintern hob sich ihm entgegen, drängte sich gegen seine Hand und sie nahm kaum wahr, dass sich sein Knurren verstärkte und seinen Körper vibrieren ließ. Tec’ors Zähne wanderten über ihren Rücken, bissen sie sanft in die Hüfte, ohne dass das Knurren verklang.
Der Geruch wurde zu stark. Genauso stark wie bei einer D’arjo in dieser bestimmten Phase und doch irgendwie anders, aber Tec’or erzog er Kontrolle. Und Ailias drängende Bewegungen taten ein Übriges. Mit einem Fauchen stieß er in sie und hörte sie leise aufstöhnen. Dieses Stöhnen, das im Gegensatz zu einer D’arjo nicht genau so ein Fauchen war wie sein eignes, setzte einen Funken in deinem Kopf wieder in Gang. Er knurrte wieder leise, während er anfing, sich zu bewegen, doch seine Hand wanderte um ihren Körper herum, ihren Bauch hinab zwischen ihre Beine. Er dachte in diesem Moment nicht daran, dass seine Krallen ebenfalls ausgefahren waren, doch sie waren nicht so scharf, dass sie sie verletzten, als er sie sanft berührte.
Ailia reichte es. Sie spürte die Krallen und ihr Körper schüttelte sich in einem so plötzlichen Orgasmus, der sie selbst überraschte. Sie bäumte sich auf und für einen Moment jagten die Schauer über ihre Haut, als ihr Körper zitterte und ein Wimmern entrang sich ihrer Kehle.
Tec’or knurrte lauter, als er es spürte und seine Zähne bissen in ihren Nacken. Fest, aber nicht so fest, dass er sie verletzt hätte. Seine Frau. Sie war seine Frau. Mit einigen wilden Stößen überschritt er selbst die Kante und brach mit einem Grollen auf ihr zusammen.
Ailia benötigte eine ganze Weile, ehe sie überhaupt in der Lage war, wieder zu denken, geschweige denn, sich zu rühren. Dann spürte sie Trevors Gewicht, der noch immer auf ihrem Rücken lag.
„Du bist schwer“, murmelte sie. „Geh runter von mir.“
Er fuhr zurück, als hätte er sich verbrannt und erinnerte sich erst dann, dass sie keine Krallen besaß, die ihre Forderung unterstützen konnten. Ailia zog ihre Hosen wieder an, lehnte sich neben ihn und sah ihn stirnrunzelnd an.
„Was war das jetzt?“
Er schnurrte leise und strich zu ihrem Erstaunen mit seinen Lippen über ihren Mund. „Hab vergessen, dass du keine Krallen hast…“
„Warum sollte ich sie benutzen, wenn ich welche hätte?“, fragte Ailia entgeistert.
Fast schien es, als hätte er ihre Frage gar nicht gehört, weil er mehr damit beschäftigt war, ihren Hals mit seiner Zunge zu untersuchen, doch dann hörte sie ihn murmeln. „Ich habe schon schlechte Erfahrung damit gemacht. Es gibt D’arjos, die benehmen sich danach wie deine Selina gerade.“
Ailia hatte gar nicht mehr an die Hereros gedacht und hob jetzt erstaunt den Kopf. Damarin schlich jetzt mit gesenktem Kopf schnurrend um Selina herum, versuchte sich ihr zu nähern, doch jeder seiner Versuche wurde mit einem fauchenden Prankenhieb belohnt. Sie war entsetzt, doch das waren Tiere. Sie konnte nicht verstehen, wie eine Frau, die gerade ein fantastisches Erlebnis mit einem Mann geteilt hatte, ihn eine Minute später fauchend aus ihrem Bett jagte.
„Menschen tun das nie, oder? Wie auch, ohne Krallen und Zähnen“, antworte er sich gleichzeitig selbst und war begeistert. Sie würde ihn nie wegjagen. Er konnte ewig neben ihr liegen, seinen Duft an ihr genießen und sie festhalten.
Ailia griff in seine Haare und zog seinen Kopf von ihrem Hals weg. „Nein. Und sie schlafen auch nicht nur miteinander, um einen Geruch zu erneuern!“
„Sie riechen ja auch nichts“, kicherte er. „Warum dann?“
„Weil es Spaß macht.“
Tec’or wurde übergangslos ernst.
Sie fuhr mit ihren Fingern über seine Wange, die Linie seines Kiefers entlang und dann über seine Lippen. „Aus diesem einen einzigen Grund. Wann immer sie Lust dazu haben…“
Er schluckte, als er anfing, genauer über ihre Worte nachzudenken.
In diesem Moment jaulte Damaron, weil Selina ihn wahrscheinlich getroffen hatte und Ailia sah hoch. „Sie ist gemein. Erst jammert sie den ganzen Tag und jetzt jagt sie ihn weg.“
„Wenn sie es nicht tun würde, würde er sie nicht in Ruhe lassen“, sagte Tec’or leise. Ailia hatte den Kopf an seine Brust gelehnt und müde die Augen geschlossen. Er strich ihr sanft über den Kopf.
„Du würdest dich auch so benehmen?“, kicherte sie leise und kuschelte sich an ihn.
„Nein.“ Er schwieg eine Weile und sie dachte schon, er wollte nicht weiterreden. „Aber es gibt D’arjos, die eine Frau sich nicht anders vom Hals hält. Vielleicht bin ich auch einfach noch zu jung…“ Er grinste plötzlich. „Es sei denn, du sendest diesen verrückten Duft aus. Dann kann ich nicht widerstehen.“
„Das will ich ja gar nicht.“ Ailia hob den Kopf und blickte ihm in die gelben und doch so ausdrucksstarken Augen. „Und ich möchte, dass du mir sagst, wenn du Lust darauf hast. Oder…“ Sie lächelte. “…du versuchst mich zu verführen…“
„Ich will immer“, sagte er sanft.
„Das ist dann doch ein bisschen viel.“ Ailia lehnte ihren Kopf wieder an seine Brust. „Ich möchte schließlich irgendwann in der Station ankommen.“
Tec’or schlang seine Arme um sie und presste sie an sich. Er fühlte sich so zufrieden wie noch nie in seinem Leben und das, obwohl oder gerade weil die Menschenfrau sich so anders als eine D’arjo verhielt. Und sie gehörte ihm. Gut, nur für eine begrenzte Zeit, aber ihm. Sie roch nach ihm, jetzt wieder so deutlich, dass es niemand übersehen konnte, und sie sagte Dinge, die so unwahrscheinlich waren, dass er sie kaum glauben konnte. Zögernd drückte er seine Lippen in ihre Haare. Sie schien es zu lieben, ihre Lippen zu benutzen und er nahm an, dass der Sex zwischen Menschen, da sie weder über Zähne noch Krallen verfügten, sehr viel sanfter und zärtlicher ablief, als zwischen D’arjos. Irgendwann würde er sie danach fragen. Wenn es wirklich stimmte, was sie sagte, und Menschen schliefen, wann immer sie Lust hatten, miteinander, würde das eine sehr schöne Reise werden. Und er schwor sich, sie nicht zu oft zu beißen…
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Eine Stunde später begann es zu dämmern und Tec’or entzündet ein Feuer. Die beiden Hereros beobachteten sich noch immer mit wachen Blicken und Damaron maunzte ab und zu herzerweichend.
Ailia stand auf und streckte sich. „Ich würde gern baden. Besteht irgendeine Gefahr im Fluss?“
Tec’or schüttelte den Kopf.
Sie ging zu den Satteltaschen und entnahm ihnen Seife und ein Handtuch. Als sie die Seife in den Händen hielt, kam ihr ein Gedanke und sie warf dem D’arjo einen nachdenklichen Blick zu.
„Tec?“
Er hockte neben dem Feuer und sah fragend hoch.
„Würdest du … mitkommen?“
Er sah so vollkommen erstaunt aus, dass sie lachen musste. „Wieso jetzt plötzlich? Du hattest nie Angst.“
Ailia ging auf ihn zu, griff seine Hand und zog ihn wortlos hinter sich her zum Fluss. Am Wasser blieb sie stehen und drehte sich zu ihm um.
„Weißt du, Tec“, begann sie und ihre Hände fingen an, ihn wie selbstverständlich von seiner Kleidung zu befreien. „Ich mag es, dich anzufassen und ich habe einfach keine Gelegenheit dazu, wenn du dich wie ein Herero auf mich stürzt.“ Sie schmunzelte, als er den Kopf schief legte und sie anknurrte. „Ich möchte dich berühren und deinen ganzen Körper erforschen“, fuhr sie fort und zog ihm das Shirt über den Kopf. „Wenn ich damit fertig bin, kannst du mich haben, wie immer du auch willst. Aber bis dahin wirst du mich nicht anrühren. Denkst du, du kriegst das hin?“
Sein Knurren verstärkte sich und er senkte kurz den Kopf, rieb seine Wange an ihrer und biss sie sanft in den hals. „Wenn du es möchtest…“, schnurrte er leise und hoffte, er würde die Beherrschung aufbringen, durchzustehen, was auch immer sie vorhatte. Ihre Hände öffneten seine Hose und streiften sie seine Beine hinunter.
Ailia lächelte und fuhr mit den Fingern über seine nackte, unbehaarte Brust. „Möchtest du mich ausziehen oder soll ich es selbst tun?“
Seine Hände ballten sich zu Fäusten. „Tu du es“, flüsterte er heiser und sie nickte, weil sie ahnte, dass er sonst die Beherrschung verlor.
Sein Blick ließ sie nicht los und das Verlangen in seinen Augen zusammen mit dem offensichtlichen Beweis seiner Erregung, der sich ihr entgegenstreckte, ließ ihren Körper zittern. Sie griff nach der Seife, fasste seine Hand und zog ihn ins Wasser.
Das Wasser war nicht kalt und sie hatten eine Stelle ausgesucht, in der die Strömung nicht allzu stark war. Ailia blieb stehen und drehte sich wieder zu Tec’or um. Er sah neugierig aus und obwohl sie sein Verlangen sah, wusste sie, dass er sich große Mühe geben würde zu tun, was sie wollte. Das Wasser reichte ihnen gerade bis zu den Oberschenkeln und sie wies ihn an, kurz unterzutauchen.
Tec’or konnte seinen Blick nicht von ihr losreißen. Sie war trotz ihres fremdartigen Aussehens so wunderschön mit ihrer gebräunten, weichen Haut, den kleinen festen Brüsten und natürlich seinem nicht zu übersehenden Zeichen an der Schulter. Dann begann sie, seinen Körper einzuseifen und er ging voll in der zärtlichen Berührung ihrer Hände auf. Sein Blick verließ sie nicht, er sah sie lächeln, als ihre Finger über die sich anspannenden Muskeln fuhren und schnappte nach Luft, als ihre Lippen ihren Fingern folgten und ihre Zunge sanfte Kreise um seine Brustwarzen fuhr. Doch er rührte sich nicht, obwohl sich seine Hände wieder zu Fäusten ballten und das Verlangen, sie an sich zu reißen, übermächtig wurde. Ihre Lippen wanderten zu seinem Hals und als sie ihn mit ihren stumpfen Zähnen biss, jaulte er genau so jämmerlich wie Damaron und seine Augen schlossen sich hilflos.
Ailia lachte leise. „Keine Panik. Ich werde dich nicht zu sehr quälen.“ Sie fühlte ihn unter ihren Händen zittern, als diese seinen Bauch hinab fuhren und sich um seine Erektion schlossen. „Du hast einen wunderschönen Körper, weißt du das?“, flüsterte sie, während seine Finger ihn streichelten und sein Knurren sich verstärkte. Er öffnete seine Augen wieder und sie sah das Flehen in seinem Blick. Ailia presste ihre Lippen kurz auf seinen Mund, ließ sie seinen Hals und seine Brust hinab wandern. „Wenn du irgendetwas, was ich tue, nicht willst, dann sag es“, hauchte sie leise gegen seine Haut und sank auf die Knie.
Tec’or starrte entsetzt auf ihren Kopf, als sie ihre Lippen gegen seinen Bauch drückte, während ihre Hände noch immer seinen Penis umschlossen. Er ahnte, was sie vorhatte, auch wenn es ihm schwer fiel, es zu glauben. Ein einziges Mal hatte ihn eine Frau darum gebeten, aber darüber wollte er jetzt ganz bestimmt nicht nachdenken…
Aber dass eine Frau es bei ihm tat? Und das hatte sie vor, oder? Das Zittern seines Körpers verstärkte sich im gleichen Maß wie das Knurren anschwoll. Dann fuhr ihre Zunge über die Spitze seines Penis und er fauchte, als etwas ähnlich einem Stromstoß durch seinen Körper ging. Er würde das nicht aushalten. Nie. Die Krallen seiner Hände fuhren aus und der Drang, sich auf sie zu werfen, wurde so übermächtig, dass er die Augen wieder schloss, einfach, um sie nicht zu sehen.
Ihre Lippen schlossen sich um ihn, saugten ihn tief in ihren Mund, während ihre Hände seinen Schaft umschlossen und die Bewegungen ihrer Lippen unterstützten. Tec’or wimmerte leise. Das Gefühl, in der Hitze ihres Mundes vergraben zu sein, war so unbeschreiblich und sein Körper reagierte unkontrolliert, als er die Hüften nach vorn stieß, um noch tiefer in sie zu dringen. Ailia spürte es und saugte stärker, weil sie nicht wollte, dass er sich unnötig quälte. Und Tec’or dachte nicht mehr. Er wusste nicht, ob es richtig war und ob es das war, was sie beabsichtigte, aber er hatte keine Möglichkeit mehr, es zurück zu halten. Mit einem Knurren explodierte er und kam in ihren Mund. Ailia hielt ihn fest, während die Schauer seinen Körper schüttelten und schluckte die kaum anders als menschliches Sperma schmeckende Flüssigkeit.
Tec’ors Beine gaben nach. Er sank in das Wasser vor ihr und fühlte ihre Arme, die sich um ihn schlossen, als er sein Gesicht in ihrer Halsbeuge vergrub.
Ihre Hand fuhr durch seine Haare. „Hat es dir gefallen?“
Er konnte nur nicken, weil ihm seine Stimme einfach nicht gehorchte und sie lächelte glücklich. Sie hielt ihn eine ganze Weile einfach nur fest. Es schien eine Ewigkeit vergangen, ehe er den Kopf hob und sie mit diesen leuchtenden, gelben Augen ansah, die ihr mittlerweile so vertraut geworden waren. Lächelnd hob sie ihre Hand und strich ihm sanft über die Wange. „Was möchtest du jetzt tun?“
Er wusste es nicht. Weil sein Gehirn im Moment noch keinen klaren Gedanken fassen konnte. Zögernd senkte er seinen Kopf und berührte mit seinen Lippen ihren Mund, so wie sie es schon oft getan hatte. Ailia seufzte leise und er ahnte, dass dieses Küssen für Menschen eine große Bedeutung hatte. Dann spürte er überrascht, wie sich ihre Lippen öffneten und ihre Zunge ihn berührte.
Ihre Hände umfassten seinen Kopf und sie verwarf den Gedanken, den Kuss abzubrechen. Er würde sich schon bemerkbar machen, wenn es ihm unangenehm war. Doch zu ihrem Erstaunen öffneten sich seine Lippen ebenfalls und als sie die vorsichtigen Versuche seiner Zunge spürte, schoss die Erregung durch ihren Körper. Sie war froh, dass er es im Moment nicht riechen konnte, weil sie sich im Wasser befanden und er wahrscheinlich seine tollen Kussversuche sofort aufgegeben hätte.
Tec’or war fasziniert. Er hatte nicht geahnt, welche Empfindungen es in ihm auslösen konnte, sie zu schmecken und gleichzeitig den zweiten fremden Geschmack – seinen eigenen – zu spüren. Er knurrte leise und seine Arme pressten sie an sich.
Ailia schrak ein wenig zusammen, als sie die Spitzen seiner Fangzähne an ihren Lippen spürte und seine Zunge, die jeden Winkel ihres Mundes zu erforschen schien. Doch das war es, was sie sich gewünscht hatte. Dass er sie küsste. Und dem Beben seines Körpers und dem leisen Knurren nach zu urteilen, schien es ihm zu gefallen. Sie löste ihren Kopf von ihm und sah den erneuten Hunger in seinen Augen.
„Du kannst so verrückte Dinge mit deiner Zunge anstellen, Tec“, flüsterte sie. „Du kannst das Gleiche mit mir tun, was ich mit dir gemacht habe…“
Er knurrte wieder leise und seine Haare richteten sich auf. Doch er rührte sich nicht, ließ sie allerdings auch nicht los. „Ich habe es schon einmal getan“, erwiderte er leise.
„Das ist … schön…“ Ailia war sich nicht sicher, ob es schön war, weil er nicht gerade begeistert aussah.
„Sie hat mich fort gescheucht, als sie bekommen hatte, was sie wollte“, fuhr er fort und sein Knurren klang jetzt eindeutig aggressiv.
„Ohne dich …?“ Sie wusste es, auch ohne dass er antworte, an dem verletzten Blick in seinen Augen. „Oh Gott.“ Sie schlang ihre Arme um seinen Hals und zog ihn an sich.
„Sie war eine Freundin meines Vaters und ich so jung… Ich habe mich zwar gewundert, weil der Geruch ihres Mannes so unzweifelhaft an ihr hing, doch ich war einfach zu unerfahren…“
„Was hast du gemacht? Hast du selbst…?“
„Selbst?“ Er klang entgeistert. „Nein, ich bin zu einer Dienerin gegangen. Zu jemanden, der es nicht wagen konnte, mich wegzuschicken…“ Seine Stimme brach ab und Ailia war sich nicht sicher, ob sie den Rest hören wollte. „Ich war so wütend… und ich habe meine Wut an ihr ausgelassen. Sie war meine Lieblingsdienerin. Und ich habe sie aus ihrem Bett gezerrt und sie mitten in den Räumen der Bediensteten genommen, vor den Augen all der anderen Frauen. Sie hat so böse geknurrt, aber nicht gewagt, sich zu wehren…“
„Das war … gemein“, sagte Ailia leise und fühlte ihn nicken.
„Ich habe versucht, es wieder gut zu machen. In der nächsten Nacht. Doch es war nie wieder das gleiche…“
Ailia strich über seine aufgestellten Haare. Sie hatte nicht das Recht, ihn zu verurteilen. Sie wusste, dass derartige Dinge auch auf der Erde passiert waren und es in einem Zeitalter, in dem es Herren und Bedienstete gab, dazu gehörte. Und sie ahnte, dass es sicherlich auch auf der Erde Frauen gab, die einen Mann derartig quälten.
„Du musst es nicht tun, Tec.“
Seine Zunge leckte sanft über ihren Hals, bevor er sie kurz biss. „Es hat mir gefallen, doch es hat mich genauso erregt und dann mit diesem Schmerz weggeschickt zu werden…“
Ailia hob sein Gesicht zu ihrem und presste ihren Lippen auf seinen Mund. „Tec, ich habe es noch nie getan und ich werde es auch nie tun. Wenn ich etwas tue, das einen Mann erregt, dann deshalb, weil ich es auch will.“
Er lächelte und seine Augen leuchteten wieder. „Ich würde dich auch gern berühren.“
Ailia stand auf, zog ihn mit hoch und breitete ihre Arme aus. „Fang an.“
Und dann musste sie sich zusammen reißen, um ihn nicht zu drängen, sich zu beeilen, als seine Hände sie einseiften und er es genoss, jeden Zentimeter ihres Körpers zu berühren. Sie hörte ihn scharf die Luft einziehen, als der Geruch ihrer Erregung in seine Nase stieg, doch er fuhr mit seiner Tätigkeit fort. Dass D’arjos ihre Zunge gern benutzten, war ihr schon aufgefallen, aber als er jetzt begann, ihren Körper mit seiner Zunge zu erforschen, wurden ihre Beine schwach. Übergangslos fühlte sie, wie er sie auf seine Arme nahm, zum Ufer trug und im weichen Gras ablegte. Sie war froh, nicht mehr stehen zu müssen, sie hätte es wahrscheinlich keine Minute mehr geschafft.
Tec’or fing ihre Hand, mit der sie über seine Brust streichen wollte und knurrte leise. „Wenn du mich jetzt berührst, kann ich das nicht mehr tun…“
Okay. Ihre Hände sanken an ihre Seiten und sie schloss die Augen, als sein Mund über ihre Brüste ihren Bauch hinab wanderte. Zwischen ihren Beinen bildete sich ein Schmerz und sie stöhnte leise, als er sie sanft in den Bauch biss.
Der Geruch ihrer Erregung war jetzt so stark, dass er sich kaum noch beherrschen konnte. Er knurrte heiser und biss sie in die Innenseite ihres Oberschenkels.
Ailia schnappte nach Luft, doch seine Zunge leckte über die Verletzung und der leichte Schmerz war vergessen, als seine Zunge zwischen ihren Beinen ankam. Ihre Beine spreizten sich weit und sie stieß ihm ihre Hüften entgegen, weil der Druck in ihrem Inneren nach Erlösung schrie.
Tec’or knurrte lauter. Es war herrlich. Sie roch und schmeckt so fantastisch, dass er den Rest seines Lebens damit verbringen konnte. Und ihr Körper wand sich unter ihm in dem stummen Betteln, ihr mehr zu geben. Alles, was er wollte, war, ihr das zu geben. Knabbernd erkundete er sie, ihren Geschmack, und leckte sanft über ihr nach ihm schreiendes Fleisch.
Ailia wimmerte leise, weil sie glaubte zu sterben. Sie dachte nicht mehr über seine Zähne nach, die sie verletzen konnten, oder über seine Krallen. Seine Zunge stellte so unglaubliche Dinge mit ihr an, dass sie nur noch schluchzen konnte und die Hand vor den Mund presste, um nicht zu schreien.
Tec’or hatte nicht geglaubt, dass der Geruch noch stärker werden konnte. Er fauchte und biss sie leicht, als seine eigene Erregung übermächtig wurde. Ailia stieß sich gegen sein Gesicht und konnte den Schrei nicht mehr zurück halten, als sie explodierte.
Und Tec’or verlor die Beherrschung, als er ihren Schrei hörte. Er warf sich auf sie und rammte im gleichen Atemzug, in dem seine Zähne an ihrem Hals lagen, in sich. Es war ein sanfter Biss, ohne ihre Haut zu verletzen und doch so stark, dass er nicht loslassen musste, während er sich selbst immer wieder tief in sie stieß. Ailia schwebte noch immer weit entfernt von der Realität und das Gefühl von ihm tief in ihr, katapultierte den Sturm in ihrem Innern auf ein nie gekanntes Maß. Sie spürte seine Zähne an ihrem Hals und ihr Kopf flog zurück, während sich ihre Hände um seinen Nacken schlangen und seinen Kopf an sich pressten. Ihr zweiter Orgasmus war sanfter und sie erzitterte nur leicht in dem Moment, in dem Tec’or mit einem Grollen kam.
Er rollte von ihr, ohne seine Arme von ihr zu lösen und kuschelte sich an ihre Seite. „Hat es dir gefallen?“, fragte er das Gleiche wie sie und Ailia lachte.
Sie drehte ihren Kopf und küsste ihn sanft. „Es war wunderschön.“
**********
Drei Tage später erreichten sie eine zweite Stadt. Tec’or erklärte ihr, dass sie den Namen Amorin trug und kleiner war als Kemu, die Stadt aus der sie kamen. Es existierte nur ein einziges Gasthaus, in dem sie ein Zimmer für die Nacht mieteten und die Hereros einstellten.
Selina hatte sich wieder beruhigt, nachdem sie Damaron am nächsten Tag noch einmal erlaubt hatte, sich ihr zu nähern. Tec’or erklärte Ailia, dass es vollkommen normal war, dass ein weibliches Tier auf die Nähe eines männlichen reagierte. Der Körper des weiblichen Herero bereitete sich darauf vor, fruchtbar zu werden und würde Gerüche, die das männliche Tier anzogen, aussenden.
„Heißt das, sie bekommt jetzt ein Junges von Damaron?“, hatte Ailia entgeistert gefragt und Tec’or hatte belustigt genickt.
„Es ist anzunehmen.“
Ailia hatte aufgeschrieen und ihr Herero umarmt. „Dann habe ich nicht nur ein Herero, sondern jetzt gleich zwei! Wie lange dauert es? Bekommt sie es, bevor wir die Station erreichen? Kann es Probleme geben?“
„Hereros tragen ungefähr zweihundert Tage“, dämpfte Tec’or ihre Begeisterung.
„Oh.“ Ailia war enttäuscht. „Ich hätte es gern gesehen…“
Sie betraten den Gasthof und der Wirt, ein Mann, den Tec’or nicht kannte, begrüßte sie freundlich. Er warf Ailia einen neugierigen Blick zu, beachtete sie jedoch nicht weiter, sondern reichte ihnen die Schlüssel für ihr Zimmer.
Doch im Gastraum erhob sich ein D’arjo, der mit seinen Freunden an einem Tisch saß, und dort wahrscheinlich schon reichlich ein Getränk genossen hatte, das mit etwas ähnlichem wie Alkohol versetzt war.
„Eine Menschenfrau“, sagte er langsam und kam witternd näher.
Tec’ors Haare stellten sich auf. „Und?“, knurrte er leise.
„Ich wusste gar nicht, dass sich Menschenfrauen an unsere Gesetze halten“, fuhr der D’arjo fort.
Tec’or antwortete nicht, doch seine gesamte Haltung verriet seine Spannung. Sein Geruch an Ailia war noch deutlich und eigentlich nicht zu übersehen, doch dieser D’arjo schien anderer Meinung zu sein.
„Hab schon mit Menschen zu tun gehabt“, fuhr der D’arjo fort. „Ich denke, ich hätte auch gern mal eine Menschenfrau.“ Er knurrte genauso wie Tec’or und seine Freunde jaulten im Hintergrund.
Ailias Herz setzte fast aus und Tec’or sagte noch immer relativ ruhig. „Sie gehört mir.“
Und Ailia war noch nie so froh über eine derartige Formulierung gewesen.
Doch der D’arjo lachte. „Beweis es.“
„Benutz deine Nase!“, fauchte Tec’or.
„Sie ist eine Menschenfrau“, spuckte der D’arjo aus.
„Ich will hier keinen Ärger!“, schrie der Wirt, doch niemand beachtete ihn.
Ailia sah entsetzte, dass jetzt auch Tec’or wütend knurrte. Sie wollte etwas sagen, wollte ihn davon abhalten, aber sie wusste genau, dass kein Wort ihn im Moment erreichen würde.
Der fremde D’arjo griff zuerst an. Mit einem wilden Fauchen stürzte er sich auf Tec’or, der seinen Angriff mühelos parierte. Ailia presste ihre Hände vor den Mund, um nicht zu schreien, als sie beobachtete, wie sich die zwei D’arjos unter Fauchen und Knurren gegenseitig attackierten. Tec’or hatte nicht gelogen. Er war gut. Der andere D’arjo war größer und kräftiger, aber einerseits durch den Alkoholkonsum beeinträchtigt und andererseits besaß er nicht Tec’ors Gewandtheit und Schnelligkeit.
Ailia sah krallenbewehrte Hände vorschnellen, sah wie die zwei Körper gegeneinander prallten und hörte wie betäubt den Jubel der anderen D’arjos im Raum, die jeden anfeuerten, der einen Treffer landete. Sie hatte Angst. So große Angst wie noch nie in ihrem Leben und zu sehen, wie die Krallen manchmal Tec’or nur um Haaresbreite verfehlten, trug nicht dazu bei, irgendetwas von ihrer Starre zu nehmen.
Tec’ors Faust landete im Magen des fremden D’arjo, während seine zweite Hand gegen seine Hals flog. Er war wütend. So wütend wie lange nicht. Es gab Regeln auf dieser Welt und zu sehen, wie sie jemand so offensichtlich brach, ließ das Blut in seinen Adern in Rage kreisen. Seine Krallen verhakten sich in der Kleidung des D’arjo und landeten in der Haut. Er hörte ihn aufheulen und schlug dem Mann ohne mit der Wimper zu zucken ins Gesicht. Seine Augen schienen Blitze zu versprühen, als der D’arjo auf den Boden krachte und liegen blieb. Knurrend musterte er die Runde.
„Diese Frau gehört mir!“, fauchte er und seine Haare vibrierten durch das Knurren, das seinen Körper schüttelte. „Nur mir!“
Ailia wollte schon erleichtert aufatmen, als Tec’ors Hände sie packten und auf einen der Tische warfen.
Oh Gott, nein.
Sie wollte sich aufbäumen, wollte sich umdrehen und ihn fragen, ob er den Verstand verloren hatte, doch seine Hände hielten sie mit Gewalt auf dem Tisch fest.
Er kann das nicht tun.
Dann fühlte sie, wie seine Hände ihre Hose über ihre Hüften hinab zogen und sie schluchzte leise. Sie ahnte, dass er etwas tat, was zu diesem Kampf dazu gehörte und dass das Schlimmste, was sie tun konnte, war, jetzt empört zu schreien. Ihre Zähne gruben sich in ihre Unterlippe, als sie hörte, wie er seine eigene Hose öffnete und Tränen traten in ihre Augen.
Er darf das nicht tun.
Sie dachte nicht an all die D’arjos, die sich noch im Raum befanden, sondern einzig und allein daran, dass es Tec’or war, dessen Arm sie auf dem Tisch fest bannte, so dass sie sich nicht rühren konnte und er vorhatte, sie jetzt und hier zu vögeln.
Das ist eine Vergewaltigung, schoss es ihr durch den Kopf. Er kann das nicht machen. Er kann nicht…
In diesem Moment gruben sich seine Zähne mit einem Knurren in ihre Schulter und er stieß in sie. Der Schmerz in ihrer Schulter verband sie mit dem Schmerz zwischen ihren Beinen und sie spürte das Blut in ihrem Mund, als ihre Zähne sich in ihre Lippe gruben, weil sie versuchte, nicht zu schreien. Sie biss die Zähne zusammen und versuchte zu ignorieren, dass es Tec’or war, der ihrem Körper das antat. Es dauerte nicht lange und er knurrte wild, als er kam und ließ sie los.
Noch immer grollend verschloss er seine Hose und drehte sich zu der gaffenden Menge um. „Sie ist meine Frau! Hat irgendjemand noch Einwände?“
Einige der D’arjos winselten und wandten beschämt die Blicke ab. Der D’arjo, der ihn heraus gefordert hatte, lag noch immer auf dem Boden und Tec’or sah, dass er Blut spuckte und seinem Blick auswich.
Knurrend packte er Ailias Hand, die mühsam ihre Hose hochzog, und zerrte sie hinter sich her. Ailia sah nichts, weder die D’arjos, die Tec’or jetzt mit einem gewissen Respekt anschauten, noch den Wirt, der einfach nur froh war, dass nicht mehr kaputt gegangen war, sie war blind durch die Tränen in ihren Augen und stolperte, nur von der Hand Tec’ors gehalten, die Treppe hinauf.
Das Zimmer war kleiner als ihr letztes, mit nur einem schmalen Bett, das an der Wand stand, und Ailia sank auf das Bett.
Tec’or schien ihren Zustand im Moment nicht zu bemerkten. „Ich kümmere mich um etwas zu Essen“, sagte er mit unterdrückter Aggressivität in seiner Stimme und verschwand wieder.
Ailia setzte sich, lehnte sich mit dem Rücken gegen die Wand und zog die Beine an. Ihr Kopf sank auf ihre Knie und sie fühlte die Tränen ihre Wangen hinab laufen.
Als Tec’or wieder kam, hatte sie sich nicht gerührt. Sie fühlte, wie er sich auf das Bett setzte und konnte sein Erstaunen förmlich spüren. Müde hob sich ihr Kopf und sie sah ihn zusammen zucken, als er ihr tränenüberströmtes Gesicht sah. Seine Haare hatten sich noch immer nicht wieder gelegt, doch seine Augen schauten sie jetzt vollkommen verständnislos an.
„Was ist mit dir?“, fragte er leise. Sie sollte stolz auf ihn sein. Jede D’arjo wäre stolz auf ihn. Dann sah er das Blut an ihrer Lippe und fühlte, wie sich sein Herz zusammenzog. Er kroch vorsichtig neben sie und bemerkte erschrocken, wie sie zurück fuhr. „Ailia?“
Ailia schniefte leise. „Du hast mir weh getan“, flüsterte sie.
„Ich habe dich auch das letzte Mal gebissen und…“
„Das meine ich nicht“, unterbrach sie ihn leise. „Ich habe dir einmal erklärt, dass ich bereit sein muss, bevor du… Du hast es jetzt nicht gerochen, oder? Ich war nicht erregt, ich war gar nichts. Und es hat mir wehgetan … du hast mir wehgetan, als du … in mich…“ Sie brach ab, weil die Tränen wieder ihre Wangen hinab liefen.
Tec’or starrte sie fassungslos an. Sie sah so verletzt aus und so traurig und er wusste eigentlich nicht richtig, warum.
„Was hätte der andere D’arjo getan, wenn er gewonnen hätte?“, schluchzte sie plötzlich.
„Das Gleiche.“
Ailia schluckte, als sie ihn ansah. „Tec, ich hätte es nicht zugelassen. Ich hätte meine Waffe gezogen und benutzt und mir wäre völlig egal gewesen, was dieser blöde Kampf bedeutet.“
Er sah geknickt aus und das, obwohl er nicht zu wissen schien, was sein Handeln für Ailia bedeutete. Mit schief gelegtem Kopf rutschte er näher. „Deine Lippe ist verletzt…“ murmelte er leise und Ailia schloss die Augen, als sein Kopf sich ihr näherte und seine Zunge über ihre Lippen fuhr. „Ich wollte dich nicht verletzen“, sagte er erstickt. „Wenn du möchtest, kann ich…“
„Nein!“ Sie fuhr zusammen und der Gedanke, dass er sie jetzt berührte, war ihr einfach unerträglich. „Nein, Tec.“ Sein Gesicht fiel in sich zusammen und die Traurigkeit, die sie plötzlich in seinen Augen sah, machte es sehr schwer, ihm wirklich böse zu sein. Nein, eigentlich war sie ihm nie böse gewesen. Er hatte getan, was jeder andere D’arjo in der gleichen Situation getan hätte. Dass es ihre Gefühle verletzte, konnte er nicht ahnen. Sie hob ihre Hand um seinen Nacken und zog ihn an sich. „Tec, mir tut jetzt alles weh. Meine Schulter brennt, ich bin zwischen den Beinen wund, ich fühlte mich scheußlich … benutzt. Ich würde es jetzt nicht ertragen, wenn du mich dort berührst. Halt mich einfach fest, ja?“
Er schnurrte leise und leckte die Tränen von ihren Wangen. Sie sollte stolz auf ihn sein, doch jetzt hatte er nur Angst, dass sie ihn von sich stoßen könnte. „Du darfst mir auch weh tun“, bot er ihr an und hoffte, es würde reichen, um ihren Ärger zu besänftigen.
Ailia schluchzte auf und schlang ihre Arme um ihn. „Bist du verrückt, Tec?“, weinte sie leise. „Ich könnte dir nie wehtun.“ Sie presste ihre Lippen auf seinen Mund. „Nie, hörst du? Nie…“ Sie sank neben ihm auf das Bett, ohne ihre Umarmung zu lösen und vergrub ihr Gesicht an seiner Brust.
Tec’ors Lippen und seine Zunge fuhren über die neuen Verletzungen seines Bisses und das Brennen ließ komischerweise nach. De Tränen liefen noch immer über ihre Wangen und sie fühlte seine Zunge, die die salzige Flüssigkeit aufleckte und die sanft ihren Mund berührte, um den Schmerz der Verletzung, die ihre eigenen Zähne verursacht hatten, ebenfalls abzuschwächen. Ihre Augen schlossen sich und sie seufzte leise, als er sich an sich schmiegte, sein so vertrautes Schnurren in ihr Ohr drang und seine Arme sie festhielten, um ihr den Kummer zu nehmen, den er noch immer nicht verstehen konnte.
***********
Ailia hatte nicht geahnt, dass es ihr solche Probleme bereiten würde. Tec’or hatte seine Arme um sie geschlungen und schlief, während sie die halbe Nacht wach lag.
Ihr Körper schmerzte, aber es war nicht der körperlich Schmerz, der an ihr zehrte. Der Gedanke, dass so etwas auf dieser Welt normal war und dass es jederzeit wieder passieren konnte, machte ihr Angst. Sie gab nicht Tec’or die Schuld. Er hatte das getan, was er für richtig hielt, und sie hatte in seinen Augen die völlige Verständnislosigkeit über ihr Entsetzen und ihren Schmerz gesehen. Er war verzweifelt, weil er es nicht verstand und nicht wusste, wie er ihr helfen sollte. Das Einzige, was sie ihm vorhalten konnte, war, dass er es ihr nicht vorher gesagt hatte. Aber wenn sie ehrlich gegenüber sich selbst war, musste sie zugeben, dass allein ihre Überraschung der Grund gewesen war, dass sie nicht gehandelt hatte. Hätte sie es vorher gewusst, sie hätte ihn nie tun lassen, was er getan hatte. Und über die Folgen einer derartigen Ablehnung seines Rechts wollte sie jetzt lieber nicht nachdenken.
Trotzdem fühlte sie sich verraten, gedemütigt und einfach nur benutzt. Sie wollte weinen, doch ihre Augen blieben trocken, während sie blicklos in die Dunkelheit starrte. Sie hatte Tec’or vertraut. Sie vertraute ihm auch jetzt noch, denn sie wusste, dass es niemals seine Absicht gewesen war, sie zu verletzen. Sie hatte den Schmerz in seinen Augen gesehen und wusste, dass er sich elend fühlte, obwohl er sie nicht verstand. Und trotzdem zog sich ihr Magen bei dem Gedanken an diese barbarische Welt zusammen. Zum ersten Mal hatte sie ihr grenzenloser Optimismus verlassen und sie wollte nur noch in die sichere Geborgenheit der terranischen Station. Um sie nie wieder zu verlassen. Der Gedanke, noch Tage, Wochen und vielleicht Monate auf dieser Welt unter diesen Wesen zu verbringen, erschien ihr so ungeheuerlich, dass sie sich am liebsten verkrochen hätte.
Sie hatte all das als einen riesigen Spaß angesehen. Ihr ganzes Leben hatte nur aus Spaß bestanden. Ihre Kindheit, ihr Studium an einer der angesehendsten Universitäten Terras und dann das Angebot, hier auf diesem Planeten zu arbeiten. Es war einfach so, wie es sein sollte. Es gab keine Probleme, es gab keine Hindernisse. Ihr Weg stand ihr in allen Dingen offen. Selbst der Totalausfall des Gleiters hatte ihren Optimismus nicht unbedingt gedämpft. Wenn sie jetzt daran dachte, dass sie einfach in eine Stadt marschieren wollte und in ihrer grenzenlosen Naivität dachte, die D’arjos würden sie ohne weiteres zum terranischen Stützpunkt bringen...
Sie war so dumm gewesen. Und so überheblich. Und so leichtsinnig. So naiv.
Dies hier war eine Welt, die sich grundlegend von Terra unterschied. Sie hatte ihre eigenen Gesetze, ihre eigenen Regeln und Vorschriften, die ein Fremder akzeptieren musste.
Und sie hatte plötzlich Angst, es nicht zu schaffen. Sie hörte Tec’ors Atmen, kuschelte sich an ihn und überlegte, ob sie es schaffen würde, mit der Erinnerung an das, was er getan hatte, zu leben und zu akzeptieren, dass er es wieder tun könnte. Dass er es wieder tun würde, wenn es die Gesetze seiner Welt erforderten. In ihren Augen war es eine Vergewaltigung. Aus seiner die einzige Möglichkeit, um ihren Status als die Person, die zu ihm gehörte und die unter seinem Schutz stand, wieder herzustellen.
Plötzlich war sie froh, so schockiert und wie erstarrt gewesen zu sein, dass ihr ein Gedanke an Gegenwehr gar nicht gekommen war. Sie konnte sich nicht vorstellen, wie die D’arjos und vor allem Tec’or darauf reagiert hätten. Eigentlich wollte sie es sich nicht vorstellen. Das, was passiert war, war schlimm genug.
Und doch war es gerade dieses Handeln, das ihr den Schutz Tec’ors sicherte.
Seufzend schlossen sich ihre Augen und sie fiel in einen unruhigen Schlaf. Doch die Angst vor sich selbst und in gewisser Weise jetzt auch vor ihm, bereitete ihr eine Menge schlechter Träume.
*************
Tec’or bemerkte sofort, dass etwas anders war.
Die Art, wie sie ihn ansah, wenn sie dachte, er würde es nicht bemerken. Sie war schweigsamer geworden, als würde sie den ganzen Tag vor sich hin grübeln. Und er begann, ihre muntere Stimme zu vermissen, die vielen Fragen, die sie stellte und ihr Lachen.
Sie reisten am nächsten Morgen weiter. Und obwohl es ein wunderschöner Tag war, die Sonne schien und die Vögel um sie herum zwitscherten, spürte Tec’or die bedrückte Stimmung, die von ihr ausging. Das Schlimmste aber war, das er ihre Unsicherheit roch und dahinter Angst. Und das machte ihm mehr zu schaffen, als er sich eingestehen wollte.
Sie wechselten nur wenige Worte miteinander und trabten in einem langsamen Tempo weiter Richtung Norden.
Am Abend, als sie das Nachtlager aufschlugen und die Tiere versorgt waren, hielt es Tec’or nicht mehr aus. Er setzte sich neben sie an das Feuer und fühlte sich so unsicher wie noch nie in seinem Leben.
„Ailia“, sagte er leise. „Red mit mir, bitte. Ich verstehe es nicht...“ Er hob seine Hand, fuhr über ihre Schulter und bemerkte erschrocken, wie sich ihr Körper versteifte.
„Ich weiß nicht, was ich sagen soll“, antwortete sie genauso leise und starrte in die Flammen.
Seine Stimme war nur ein Hauch. „Du hast Angst.“ Ailia zuckte zusammen und schloss die Augen. Tec’or schluckte, ehe er weiter sprach. „Gut, dann rede ich. D’arjotische Frauen sind eigentlich relativ ängstlich. Wenn sie aus ihrer gewohnten Umgebung gerissen werden. Wenn sie allein sind. Sie gehen nicht allein im Fluss baden. Sie tragen keine Waffen. Und sie weichen außerhalb ihres Hauses nicht von der Seite ihres Mannes. Es sei denn, sie fordern einen Kampf...“ Er schwieg eine Weile, ehe er fort fuhr. „Aber in einer einzigen Situation haben sie niemals Angst. Gegenüber einem Mann. Und manchmal kämpfen sie auch gegen den Mann. Sie fordern ihn heraus, sie fordern von ihm zu beweisen, dass er die Macht besitzt, seinen Willen durchzusetzen. Und die einzige Möglichkeit, bei der sie es fordern können, ist der Sex...“
Ailia drehte den Kopf zu ihm und sah ihn erstaunt an. „Du meinst, sie *wollen*, dass er sie dazu zwingt?“, fragte sie entgeistert.
„Es ist ein Spiel. Das allerdings mit Zähnen und Krallen ausgetragen wird.“
„Ich habe keine Zähne oder Krallen...“
„Nein. Ich weiß. Aber ich wollte damit eigentlich auch sagen, dass das, was ich gestern getan habe, in den Augen von D’arjos nichts anderes ist. Ich habe den Kampf um dich gewonnen und die Beziehung vor den Augen des Herausforderers besiegelt.“ Er wich ihrem Blick nicht aus, obwohl er das Unverständnis und den Schmerz sah. „Jede D’arjo wäre stolz auf mich...“
„Ich weiß“, sagte sie traurig, hob ihre Hand und fuhr über sein Gesicht. Er schnurrte leise und lehnte seine Wange in ihre Berührung. „Wenn auf Terra jemand, meist ein Mann einer Frau, seinen Willen aufzwingt, gilt das als Verbrechen. Ich kann die Erinnerung an das, was du getan hast, nicht ertragen. Ich fühle mich verletzt, seelisch und körperlich, und benutzt und ... verraten...“
„Du solltest dich nicht so fühlen“, sagte er hilflos.
„Ich habe nie damit gerechnet, dass du mir weh tun könntest“, seufzte sie. „Nicht auf diese Art. Ich kam mir so hilflos vor. So ausgeliefert...“
Tec’or zog sie an sich und war im Moment einfach nur froh, dass sie ihn nicht von sich stieß. Sie war hilflos. Und das wurde ihm erst jetzt mit erschreckender Klarheit bewusst. Er vergrub sein Gesicht in ihren Haaren. Zu diesem Zeitpunkt war es gut, dass sie sich nicht gewehrt hatte, aber sie besaß nie die Chance, sich zu wehren. Nicht gegen seine Zähne und seine Krallen. Plötzlich verstand er auch ihre Angst und wunderte sich, dass sie bisher so mutig gewesen war.
„Ich wollte dir nie weh tun, Ailia“, flüsterte er erstickt. „Und wenn es eine andere Möglichkeit gäbe, würde ich es tun... Glaub mir... Aber in einer derartigen Situation habe ich keine andere Wahl. Hätte ich es nicht getan, wäre ich in den Augen der anderen D’arjos nichts wert gewesen und es hätte einen weiteren Kampf gegeben...“
„Ich weiß, Tec, ich weiß“, murmelte sie leise und schlang ihre Arme um ihn. „Aber ich habe Angst vor mir selbst, weil ich nicht weiß, wie ich reagiere, wenn es wieder passiert.“
Er nahm ihren Kopf in seine Hände. „Ailia, es ist völlig untypisch, dass ein D’arjo den Geruch eines anderen nicht akzeptiert. Ich habe es selbst noch nie erlebt und ich denke, dass die Wahrscheinlichkeit nicht sehr groß...“
„Tec, dazu muss dein Geruch an mir sein und im Moment ist der Gedanke, dass du und ich ... ich meine, dass wir ... Ich kann es nicht.“ Sie sah die Traurigkeit in seinen Augen, doch er sagte nichts, sondern berührte nur sanft mit seinen Lippen ihren Mund.
„Wir haben Zeit“, sagte er leise. Noch.
***************
Die nächsten Tage verbrachten sie fast ununterbrochen damit, sich über die Unterschiede zwischen Terra und D’arjo zu unterhalten.
Ailia wurde in dem Maß wieder gesprächiger, in dem der Schmerz in ihrem Körper abklang. Sie meinte, sie wolle auf keinen Fall noch so eine Überraschung erleben und er solle ihr jetzt jede Kleinigkeit über d’arjotische Rechte, Pflichten und Gepflogenheiten erzählen. Und ihr alter Optimismus und ihr Selbstbewusstsein begannen, sich langsam wieder aufzubauen.
Tec’or war froh, sie wieder reden und vor allem lachen zu hören. Und da er es nicht anders gewöhnt war, störte es ihn auch nicht, wenn sie sich jeden Abend nur in seinen Arm kuschelte und schlief. Sein Geruch hing noch immer deutlich genug an ihr und es bestand kein Zwang, sie zu etwas zu drängen, was sie vielleicht nicht wollte.
Anhand ihrer Erzählungen wusste er jetzt, dass eine terranische Frau, im Gegensatz zu einer D’arjo, erst selbst so erregt sein musste, dass sie feucht genug wurde, um den Mann schmerzfrei in sich aufzunehmen. Das war es, was er roch, diesen unwiderstehlichen Geruch, der ihm den Verstand raubte. Er verstand auch, dass es für eine Frau eine Erniedrigung war, wenn ein Mann mit Gewalt und ohne ihre Zustimmung ihren Körper benutzte und ihr damit wissentlich Schmerzen zufügte. Und er verstand auch, dass sie enttäuscht darüber war, dass er es – wenn auch nicht wissentlich – getan hatte, weil sie ihm vertraut hatte.
Sie war ihm nicht böse. Dazu schaute er viel zu geknickt und schuldbewusst drein und Ailia wünschte sich, wie eine D’arjo stolz auf ihn sein zu können, da er für sie gekämpft hatte. Und konnte sich trotz allem nach dieser kurzen Zeit nicht überwinden, mehr zuzulassen, als eine Umarmung oder seine sanften verschmusten Zärtlichkeiten, die er so zu mögen schien.
Es war am fünften Tag, als sie einen weiteren Gasthof betraten und Ailia auffiel, wie einige D’arjos witternd die Köpfe hoben. Tec’or schob sie rigoros vor sich her zu ihrem Zimmer und schloss die Tür.
Ailia fuhr sich nervös durch die Haare, als sie sich zu ihm umdrehte. „Der Geruch verschwindet, ja?“
Tec’or nickte stumm.
„Wieso jetzt schon? Hast du nicht gesagt sieben bis zehn Tage?“ Sie klang panisch.
Er kam auf sie zu und sie wich zurück, bis der Tisch mitten im Raum sie stoppte. „Vielleicht ist es bei Menschen anders“, sagte er leise. „Er ist noch da, aber so schwach, dass er wahrscheinlich spätestens morgen früh verschwunden ist.“
„Nein, Tec. Nein, ich kann das nicht.“ Ailia schüttelte den Kopf und schaute ihn mit großen Augen an.
Der D’arjo sah sie so unwahrscheinlich traurig an, dass sie schlucken musste, hob seine Hand und strich ihr sanft eine der dunklen Locken aus dem Gesicht. „Wenn ich es nicht tue, wird es morgen einen Kampf geben. Und der Sieger wird dir wieder wehtun. Und es würde mir mehr wehtun als dir, wenn ich es wäre. Und es würde mir noch mehr wehtun, zu sehen, dass es ein anderer tut. Ich werde es nicht zulassen, Ailia.“
„Nein“, flüsterte sie und wusste doch, dass es ihm todernst war.
„Es gibt für dich auf dieser Welt keine andere Möglichkeit.“ Tec’ors Finger zeichneten versonnen die Linie ihres Kiefers nach, fuhren unter ihr Kinn und hoben ihr Gesicht an. „Du hast Recht, Ailia, du bist hilflos und ich werde nicht zulassen, dass das jemand ausnutzt und dir weh tut. Wenn ich es hier und heute tue, kann ich dafür sorgen, dass es dir gefällt.“ Er küsste sie sanft auf den Mund. „Ich kann dir nicht versprechen, dass es nie wieder eine derartige Situation geben wird und so schrecklich der Gedanke für dich ist, ich werde wieder genauso handeln, weil ich es muss, um dich zu schützen. Aber ich kann dir versprechen, dass ich alles tun werde, um es zu verhindern. Aber dazu gehört mein Geruch. An dir.“ Seine Hand fuhr um ihren Nacken. „Wenn ich wüsste, dass der Grund für deine Ablehnung dein Wunsch nach dem Schutz eines anderen D’arjos ist, würde ich es auf einen Kampf ankommen lassen, aber ...“
„Nein!“, fuhr sie ihn entsetzt an. „Du weißt genau, dass ich das nicht will!“
„Eben. Ich weiß das und deshalb lass es zu, Ailia... Vertrau mir. Ich werde dir nicht wehtun.“
Ailia schlang ihre Arme um seinen Körper und presste ihre Wange an seine Brust. „Ich habe nicht geglaubt, dass es etwas gibt, das mit derartig mitnimmt. Gott, ich war für alles im Zusammenhang mit Sex zu haben, Tec. Für so ziemlich jede Spielart, die nichts mit Gewalt zu tun hat. Und seit ich dich kenne, sehe ich sogar einen Reiz in deinen Zähnen... Aber im Moment sehe ich bei dem Gedanken daran nur dich, wie du mich auf diesen Tisch geworfen hast...“
Tec’or schnurrte leise und leckte über ihren Hals. „Wir sollten schleunigst etwas tun, dass du diese Erinnerung loswirst.“
„Ich denke, das wird ... schwierig.“ Ailia klang geknickt.
„Wir haben die ganze Nacht“, flüsterte er und sie hörte sein Schnurren neben ihrem Ohr. „Vielleicht solltest du deine Augen schließen und dir vorstellen, ich wäre jemand anders?“
Ailia musste plötzlich lächeln. „Tec, das ist unmöglich. Ich kenne niemanden, der Krallen trägt und so knurrt wie du.“
„Oh“, machte er nur. „Ich kann das, glaube ich, auch nicht verhindern...“ Seine Zunge fuhr über sein Zeichen an ihrer Schulter. „Ich fange an, es zu mögen, deinen Körper zu erforschen..."“
„Das ist schön“, seufzte Ailia und schloss ihre Augen, als seine Finger die Knoten der Lederriemchen ihres Oberteils lösten und es über ihren Kopf zogen. Sie fühlte eine unwahrscheinliche Rührung in sich aufsteigen, als seine Hände so sanft wie noch nie über ihre Haut strichen. Da waren weder Krallen, noch die Spuren seiner Zähne und sie seufzte wieder leise, als er seine Lippen gegen ihren Hals presste und das leise Schnurren Vibrationen an ihrer Haut verursachte.
Tec’or hatte sich geschworen, auf ihre Zustimmung zu warten und zwang sich selbst dazu, so sanft wie möglich zu sein, um die Kontrolle nicht zu verlieren. Dazu war Zeit, wenn er spürte, dass sie reagierte. Und so lange er es schaffte, nicht in die D’arjos eigene Wildheit zu verfallen, konnte er sich einreden, es wäre nichts anderes als die tagtäglichen Berührungen und damit seine eigene Erregung unter Kontrolle halten. Sein zweiter Biss war noch nicht komplett vernarbt und er fühlte sie erschaudern, als seine Zunge darüber fuhr.
Seine Menschenfrau.
Nach den vielen langen Gesprächen, die sie jetzt geführt hatten, schien es ihm fast ein Wunder, dass sie sich überhaupt auf diese Schutzbeziehung, die zwischen D’arjos herrschte, eingelassen hatte. Dazu gehörte Mut. Und er nahm an, dass es jetzt ebenfalls nur ihrem Mut zu verdanken war, wenn sie versuchte, ihre Angst zu überwinden, um ihre Beziehung wieder zu besiegeln. Und er war doppelt so stolz auf sie.
Seine Hände streiften die Hosen von ihren Beinen und er sank zu Boden, als er sie von ihren Füßen streifte. Ailias Finger fuhren durch seine Haare, die unwillkürlich begannen, sich aufzurichten. Er schlang die Arme um ihre Hüften und presste sein Gesicht an ihren Bauch. Sie war so verletzlich...
Dann stand er wieder auf, nahm sie auf seine Arme und trug sie zum Bett. Ailia schlang die Arme um seinen Hals und küsste ihn. Sie wollte ihm sein Hemd über den Kopf ziehen, doch er fing ihre Hände und schüttelte den Kopf, obwohl sie das Verlangen in seinen Augen sehen konnte.
Er streckte sich neben ihr aus und schnurrte leise. „Lass mich wieder gut machen, dass ich dir wehgetan habe.“ Ailia schluchzte, als er den Kopf senkte und seine Zunge ihren Hals entlang zu ihrer Kehle fuhr und er sie sanft biss. Er zog sich sein Hemd selbst über den Kopf und warf es zur Seite. Ailia hob wieder ihre Hand, doch er ergriff sie und führte sie über ihren Kopf. „Ich schaffe das nicht“, knurrte er heiser über ihrem Mund, „wenn du mich anfasst...“
Ailia nickte und ihre Augen schlossen sich, als sein Kopf tiefer wanderte. Er steckte ihren Körper in Brand. Und er ließ sich Zeit. Als wäre es ihm egal, wie viele Stunden er damit verbrachte. Seine Lippen, seine Hände, seine Zunge streichelten sie und liebkosten sie, als wäre sie etwas so unwahrscheinlich Kostbares und Tränen traten in ihre Augen. Diese D’arjos gaben sich so wild, sie taten so gewalttätige Dinge. Und sie hätte nie für möglich gehalten, dass er Ewigkeiten damit zubringen konnte, ihren Körper zu verwöhnen.
Sie hörte ihn lauter Knurren, als die vertraute Feuchtigkeit zwischen ihre Beine schoss und sie den pochenden köstlichen Schmerz spürte, den nur er beseitigen konnte. Er hob den Kopf und grinste sie so vergnügt an, dass sie lachen musste. Seine Zähne gruben sich spielerisch in ihren Bauch und Ailias Bedenken lösten sich schlagartig in Luft auf.
Dann fuhr seine Zunge über das empfindliche Fleisch zwischen ihren Beinen, kostete die so erregend duftende Feuchtigkeit und seine Sinne begannen sich zu benebeln. Doch er zwang den Drang, sich endlich in ihr zu vergraben, nieder, obwohl der Schmerz in seiner Hose innerhalb von Sekunden so angestiegen war, dass er es kaum noch aushielt. Ailia wimmerte leise unter ihm, als er fortfuhr, sie mit seiner Zunge zu necken. Ihre Beine spreizten sich weiter und ihre Hüften hoben sich ihm entgegen.
„Tec“, flüsterte sie, „bitte...“ Sein Knurren zwischen ihren Beinen verstärkte das Zittern ihres Körpers. Dann schlossen sich seine Zähne um den pochenden Punkt und Ailia schrie, als er daran saugte. Ihr Körper bäumte sich auf und ihre Knie umklammerten seinen Kopf, hielten ihn fest, während der Orgasmus sie schüttelte und sie nichts mehr sah, außer den bunten Lichtern, die in ihrem Kopf explodierten, als sich das unbeschreibliche Gefühl in ihrem Körper ausbreitete.
Völlig erschlafft sank sie zurück und fühlte, wie er, diesmal eindeutig erregt knurrend, mit den Zähnen über ihren Bauch hinauf zu ihren Brüsten fuhr. Sein Körper bebte und sie ahnte nur, welche Anstrengung es ihn kostete, sich nicht einfach auf sie zu stürzen. Sie öffnete die Augen, begegnete seinem brennenden Blick und ließ ihre Hände zu seiner Hose wandern. Er überließ es völlig ihr, die Hose seine Hüften hinab zu streifen, während er sich einfach nur über ihr abstützte und sie mit einem wilden Fauchen ansah. Sein Fauchen wurde zu einem Knurren, als ihre Hände ihn berührten und sie ihn an sich zwischen ihre Beine zog.
„Ja, Tec“, keuchte sie. „Verdammt, ja. Ja.“
Tec’or maunzte fast wie sein Herero, als er in sie eindrang. Ailias Hände umschlangen seinen Hals und ihre Lippen verschlangen seinen Mund, als er begann, sich zu bewegen. Sie schmeckte sich selbst in seinem Mund und fragte sich plötzlich, wovor sie eigentlich Angst gehabt hatte. Tec’or knurrte, seine Zunge stieß in ihren Mund. Sie fühlte die Spitzen seiner Fangzähne, doch jeglicher Gedanke daran, dass er ihr wehtun könnte, war vergessen. Ihre Beine schlangen sich um seine Hüften, als seine Bewegungen stärker wurden, er seinen Kopf von ihr losriss und sie mit einem wilden Knurren in den Hals biss.
Er verletzte ihre Haut nicht, doch es wäre ihr in diesem Moment egal gewesen. Ihre Arme umklammerten seinen Kopf, als wolle sie ihn nie wieder los lassen und ihr Kopf flog zurück, als erneut Schauer über ihren Körper liefen und sie fühlte, wie er ein letztes Mal in sie stieß und dann auf sie sank, ohne seine Zähne von ihrem Hals zu lösen.
Sie strich über seine noch immer abstehenden Haare und hörte ihn leise schnurren. „Tec“, flüsterte sie leise. „Du bist der netteste Mann, den ich je getroffen habe.“
Er rollte zur Seite und zog sie an sich. Dann kicherte er. „Du bist auch die netteste Frau, die ich bisher getroffen habe.“ Seine Zunge fuhr kurz über ihre Lippen, als sie erstaunt den Kopf hob. „Du scheuchst mich danach niemals fort.“
Ailia lachte auf. „Nein. Das werde ich garantiert niemals tun.“
Er schnurrte wieder und biss sie verspielt in den Hals. „Ich finde das schön.“
Ailia legte den Kopf auf seine Brust und fühlte sich, als hätte man ihr eine riesige Last von den Schultern genommen. Beruhigt schlossen sich ihre Augen.
In dieser Nacht schlief sie zum ersten mal seit Tagen wieder tief und fest.
**************
Ihr Selbstbewusstsein saß wieder am richtigen Platz.
Tec’or merkte es spätestens am nächsten Morgen, als sie den Gastraum betraten und ein einzelner D’arjo witternd den Kopf reckte. Ailia versteckte sich zwar hinter Tec’ors Rücken, giftete jedoch über seine Schulter:
„Benutz deine Nase! Ich gehöre zu ihm! Verstanden! Auch wenn ich ein Mensch bin!“
Der D’arjo schaute so verdutzt drein, dass Tec’or lachen musste. „Sie ist manchmal etwas ungestüm“, entschuldigte er sich belustigt und zog Ailia hinter sich her zu einem der Tische. „Er muss es prüfen“, beruhigte er sie.
Ailia stützte ihr Kinn auf ihre Hand. „Was ist, wenn ich lautstark verkünde, dass ich keinen blöden Kampf will?“
„Wenn kein Geruch an dir hängt, kannst du reden soviel du willst“, grinste er.
„Aber beim letzten Mal. Dieser Spinner hat den Geruch ignoriert.“ Der Wirt stellte ihr Frühstück auf den Tisch. „Das nächste Mal werde ich ihn in Grund und Boden reden. So lange, bis er das kämpfen vergisst!“, schwor sie.
„Reden alle Menschenfrauen so viel wie du?“, erkundigte er sich neugierig.
„Ich rede viel? Keine Ahnung, wahrscheinlich nicht.“ Sie begann, so hungrig wie lange nicht, das Essen in sich hinein zu stopfen und verkündete zwischendurch, dass man einen Vertrag mit D’arjo über die Lieferung von einheimischen Lebensmitteln machen sollte. Das, was sie bisher auf DAYLIGHT verzehrt hatte, wäre unzumutbar gewesen. „Eigentlich hätte Delaron mich warnen müssen“, murmelte sie und war mit ihren Gedanken schon wieder ganz woanders. „Wenn er mich über diese komischen Verhältnisse aufgeklärt hätte, wäre ich vielleicht nicht so leichtsinnig gewesen.“
Tec’or lächelte sie verzückt an. „Ich bin froh, dass du leichtsinnig warst.“
Und Ailia lachte. „Eigentlich erfahre ich auf diese Art und Weise mehr über den Planeten als in Monaten auf der Station.“
„Menschen haben nie eine unserer Städte besucht. Warum eigentlich nicht?“
„Weiß nicht.“ Ailia zuckte mit den Schultern.
„Habe ich dir erzählt, dass ich schon ein paar Mal auf der Station war?“
Ihr Kopf fuhr erstaunt herum. „Nein. Was hast du da gemacht?“
„Gehandelt. Waffen gegen irgendwelche Utensilien, die ihr Menschen unbedingt untersuchen wolltet.“
Ailia sah ihm genau an, dass die Dinge, die er verkauft hatte, in seinen Augen nicht sonderlich viel wert waren. Sie würde sich, wenn sie zurückkam, erkundigen, was das eigentlich war. Dann fiel ihr etwas ein. „Wenn wir in der Station ankommen, darf ich dich untersuchen?“
„Was?“, entfuhr es ihm verblüfft. „Untersuchen?“
„Ich schätze, wir haben noch nicht sonderlich viele Informationen über D’arjos. All diese Sachen, weißt du: Körpertemperatur, Puls, Atemfrequenz, Blutuntersuchungen, Genanalysen… Ja?“ Sie sah ihn so begeistert an, dass er es einfach nicht schaffte, es abzulehnen, sich aber unbehaglich fragte, wie sie an das Blut kommen wollte, das sie zu untersuchen gedachte.
**********
Zwei Tage später passierte der Unfall.
Sie ritten durch ein größeres Waldgebiet und befanden sich auf einem engen Pfad, auf dem sie nicht nebeneinander reiten konnten. Tec’or hatte Ailia den Vortritt gelassen, weil sie es unbedingt wollte und eigentlich auch nichts dagegen sprach. Sehr große Gefahren drohten einem D’arjo auf diesem Planeten kaum.
In diesem Moment knackte das Unterholz vor Ailia und ein hundegroßes, bärenähnliches Tier sprang auf den Weg. Ailia war so erschrocken, dass sie einen Augenblick gar nichts tat. Tec’or erklärte später, der Bär hätte sie nie beachtet und wäre einfach weiter gelaufen. Aber Selina, die von Ailia keine bremsende Hilfe bekam, deutete das als Aufforderung anzugreifen. Mit einem Knurren sprang sie den Bären an und dieser wendete gereizt und stellte sich dem Angriff.
Ailia blieb im Sattel bis Selina gelandet war. Ihre Hände umklammerten die Zügel, die ihr jedoch keinen Halt gaben. Sie war nie geritten und es war nur Selinas wunderschönem weichem Gang zu verdanken, dass sie sich bisher so gut gehalten hatte. Ein brennender Schmerz stach in ihren Oberschenkel und Selinas nächster Sprung ließ sie in hohem Boden in das Gebüsch fliegen.
Trotzdem hatte sie noch soviel Geistesgegenwart, um herum zu rollen, ihre Waffe zu ziehen und auf den Bären anzulegen.
Tec’or schrie, sie solle verschwinden, als er Damaron angreifen ließ und Selina zur Seite stand. Der Bär knurrte und fauchte, während er sich auf die Hinterbeine stellte und mit den Krallen nach Selina langte. Ailia wartete nicht, bis Tec’or heran war, oder bis Selina den ersten ernsthaften Kratzer abbekam. Sie schoss.
Selina sprang bei dem Geräusch zur Seite und der Bär brach mit einem Brüllen zusammen, als der Phaserstrahl seine Brust traf. Tec’or zügelte Damaron und sprang ab.
„Welchen Teil von ‚Verschwinde’ hast du nicht verstanden?!“, fauchte er gereizt und half ihr auf die Füße. Doch seine Gereiztheit verbarg nur seine Überraschung über ihre schnelle und plötzliche und vor allen treffsichere Reaktion.
Ailias Bein knickte unter ihr weg, als der Schmerz durch ihren Körper fuhr. „Au!“ Sie sah das Blut auf ihrem Oberschenkel und ihr wurde schlecht.
„Wir müssen weg hier“, sagte Tec’or. „Der Kamuri lebt in Rudeln. Und der Blutgeruch wird den Rest anziehen.“
„Ich blute“, stellte Ailia mit zitternder Stimme fest.
Der D’arjo begutachtete kurz ihr Bein. „Eine der Krallen hat dich erwischt. Aber die Verletzung ist nicht schlimm. Wir werden uns später darum kümmern. Steig auf und lass und verschwinden.“
Nicht schlimm?! Sie fühlte sich, als würde sie gleich sterben. Tec’or griff nach Selinas Zügeln und untersuchte kurz das Herero. „Sie hat auch ein paar Schrammen abbekommen. Komm steig auf. Wir werden den Fluss durchqueren und damit unsere Spur verwischen. Die Kamuri hassen das Wasser.“ Er hob den Kopf, als Ailia nicht reagierte und sah, dass sie kreidebleich war. „Was ist mit dir?“
„Ich … ich bin verletzt.“ Ailia klang fassungslos.
Er runzelte die Stirn. „Ja?“
„Ich werde mich jetzt um diese Blutung kümmern. Und ich werde jedes dieser blöden Tiere abschießen, wenn es in meine Nähe kommt. Ich verblute!“
Tec’or hob sie wortlos an und setzte sie auf Selina. „Du verblutest nicht. Und wir werden keines dieser Tiere ohne zwingenden Grund töten. Es reicht, dass wir dieses eine hier liegen lassen müssen“, sagte er ernst.
„Ich kann nicht reiten. Das Bein ist wie taub“, jammerte Ailia und konnte nicht fassen, dass er so herzlos war.
Tec’or lachte plötzlich, griff nach Selinas Zügeln und zog das Herero hinter sich her. „Ailia, du hast gerade ohne zu zögern und kaltblütig ein Kamuri getötet und jetzt wirft dich ein kleiner Kratzer um?“
„Oh Gott! Du dummer, dummer D’arjo. Mir wird schlecht, wenn ich mein Blut sehe. Ich werde umkippen. Ich werde ohnmächtig. Mein Bein fühlt sich an, als wäre es abgehackt worden.“
Er lachte wieder.
Ailia war nicht gewöhnt, Schmerzen zu ertragen. Das hatte sie schon zu dem Zeitpunkt gemerkt, als Tec’or ihr wehgetan hatte. Doch der Schmerz damals war erstens mehr seelisch gewesen und zweitens nichts im Vergleich zu dem Brennen jetzt in ihrem Bein.
Sie fluchte lautlos über Tec’ors Gelassenheit und darüber, dass er ihr keine Beachtung schenkte. Es schien für ihn nichts weiter als ein Kratzer zu sein, aber Ailia sah panisch, wie das Blut ihre Hose tränkte und fluchte lauter.
„Tec, das hört nicht auf mit bluten!“, schrie sie böse. „Ich war noch nie verletzt. Ich habe Angst!“
Die Hereros tasteten sich vorsichtig durch das seichte Wasser des Flusses. Es war nicht tief, doch Ailia spürte, wie es ihre Füße umspülte und der Gedanke, dass es tiefer werden könnte und ihre Wunde dem Wasser, das sicherlich mit hunderten d’arjotischen Keimen versetzt war, ausgesetzt wurde, trug nicht dazu bei, sie zu beruhigen.
Als Tec’or nicht reagierte, wetterte sie weiter vor sich hin und war froh, als sie merkte, wie das Wasser flacher wurde und sie das andere Ufer erreichten. Der D’arjo führte die Tiere zum Waldrand, stieg ab und trat an Ailias Herero heran. Sie funkelte ihn böse an und sah ihn grinsen.
„Wenn du noch so schimpfen kannst, kann es nicht schlimm sein“, stellte er amüsiert fest und half ihr von Selina.
„Tec, ich finde das nicht witzig!“, fuhr sie ihn an. „Es tut fürchterlich weh. Hunderte von Viren und Bakterien nisten sich ein und werden eine Entzündung verursachen. Vielleicht werde ich mein Bein verlieren!“ Sie sank an einem Baum zu Boden.
„Zieh die Hose aus“, wies Tec’or sie an und fragte sich, was eigentlich Viren und Bakterien waren. „Und wegen so einer Verletzung verliert niemand ein Bein.“
„Du weißt doch gar nichts!“ Ailia stand wieder auf, kämpfte wütend mit ihrer Hose und hinkte zu ihren Satteltaschen.
„Setz dich endlich hin.“
Ailia, die keine Lust hatte, nackt herum zu laufen, ignorierte ihn und suchte nach dem einzigen Slip, der noch zu ihrer terranischen Kleidung gehörte. Dann griff sie nach dem Notfallkoffer und hinkte zurück zu dem Baum. Ihr Gesicht wurde schon wieder blass, als sie den Schnitt, den die Kralle des Kamutsi verursacht hatte, begutachtete. Sie wusste aus ihrer Studienzeit, dass es ihr keinerlei Probleme bereitete, ein Tier zu sezieren oder zu verarzten. Sie nahm auch an, dass sie keine Probleme hatte, einen Menschen zu verarzten. Aber sich selbst?! Bei dem Gedanken wurde ihr übel.
Tec’or beugte sich zu ihr. „Er ist nicht tief. Und in ein paar Tagen, wirst du darüber lachen.“
Ailia fand den Schnitt mit einem halben Zentimeter unwahrscheinlich tief und mit zirka zehn Zentimetern unwahrscheinlich lang. Noch immer sickerte Blut aus der Wunde und sie wollte gar nicht darüber nachdenken, welcher Dreck an den Krallen des Kamutsi geklebt hatte.
„Ich werde Wasser holen, ihn ein wenig säubern und verbinden.“
„Du wirst überhaupt nichts tun!“, kreischte sie panisch auf und wühlte in ihrem Notfallkoffer. Natürlich war sie so gegen ziemlich alle gefährlichen Erreger D’arjos geimpft. Aber da sie nicht wusste, ob man auf Terra jeden Erreger kannte und ob man auch mit derartigen Situationen gerechnet hatte, wusste sie nicht. Und sie würde garantiert kein Risiko eingehen. „Ich werde den Schnitt nähen.“ Das klang sehr mutig und sie hatte keine Ahnung, wie sie sich überwinden sollte, in ihr eigenes Fleisch zu stechen.
„Kannst du das?“, fragte Tec’or erstaunt.
Ailia hatte eine Ampulle mit einem örtlichen Betäubungsmittel gefunden und packte die Spritze aus. Soweit kein Problem. Als sie jedoch mit der Spritze in der Hand den Schnitt betrachtete, wurde ihr wieder schlecht.
„Was hast du vor?“, erkundigte sich der D’arjo verblüfft.
„Gott, ich kann das nicht“, murmelte sie. „Tec, kannst du das machen?“ Er hörte ihr mit großen Augen zu, als sie ihm die Funktion der Spritze erklärte.
„Du meinst, du fühlst dann nichts mehr?“
„Es ist eine örtliche Betäubung, damit ich den Schnitt nähen kann, ohne Schmerzen zu empfinden. Aber pass auf, dass du nicht mit den Fingern in die Wunde kommst!“ kommandierte sie. „Und fass die Spitze der Spritze nicht an!“
Tec’or hatte keine Hemmungen. Er war zu neugierig und konnte sich auch nicht vorstellen, dass so ein winziger Stich in ihre Haut ihr wehtun könnte. Ailia schielte ab und zu auf ihr Bein. „Ja, genau so. Au! Vorsichtig!“
Und seufzte erleichtert, als der Schmerz verklang und sie sich mit neuem Enthusiasmus der Verletzung widmen konnte. Sie wusch ihre Hände mit dem Desinfektionsmittel und desinfizierte den Schnitt mit äußerster Gründlichkeit. Tec’or sah ihr noch immer verblüfft zu.
„Es tut jetzt nicht mehr weh?“
„Nein.“ Konzentriert fädelte Ailia den Faden in die Chirurgennadel und desinfizierte alles noch einmal, bevor sie den ersten Stich ansetzte. Sie spürte noch immer ein flaues Gefühl im Magen, doch der Schmerz war verschwunden und damit ihrer Meinung nach die Gefahr, umzukippen.
Tec’or rührte sich nicht von der Stelle. Er war viel zu fasziniert von dem, was sie tat. Er hatte gesehen, wie d’arjotische Mediziner Wunden behandelten und nähten, doch dass Ailia etwas Derartiges tat, erstaunte ihn unermesslich. Und davon, dass es eine Möglichkeit gab, den Schmerz auszuschalten, hatte er noch nie gehört.
„Ich hoffe nur, dass es sich nicht entzündet“, murmelte Ailia, als sie den vernähten Schnitt noch einmal mit der Desinfektionslösung säuberte und die Verletzung verband.
Dann gab sie die Tinktur Tec’or. „Geh und wasch Selinas Verletzungen“, wies sie ihn an.
„Was ist das?“ Tec’or roch mit gekräuselter Nase an der Flasche. „Es stinkt.“
„Es tötet alle Erreger, die eine Wunde infizieren können“, erklärte sie und fing nur einen verständnislosen Blick auf. Dann kam ihr ein Gedanke. Sie stand auf, hinkte zu ihrer Satteltasche und suchte das kleine Mikroskop.
Tec’or tat, was sie ihm aufgetragen hatte, doch Selina war gar nicht erfreut über die Behandlung und fauchte gereizt.
„Es brennt sicherlich etwas“, rief Ailia und nahm einen Objektträger aus dem Kasten.
Der D’arjo gab seine Bemühungen, Selina zu helfen, auf und kam zurück.
„Pass auf.“ Sie zog ihn neben sich und griff seine Hand. „Ich werde dir kurz in den Finger stechen, um an einen Tropfen Blut zu kommen.“
Tec’or runzelte die Stirn, sagte jedoch nichts, sondern beobachtete nur, wie sie seinen Finger über den Objektträger hielt und den Blutstropfen auffing. Sie deckte das Blut mit einer Glasplatte ab und schob es unter das Mikroskop. Es war ein schwaches, mit Batterielicht betriebenes Mikroskop, das nur über eine 1000fache Vergrößerung verfügt. Ailia erklärte dem D’arjo kurz, wie er die Okulare bewegen und einstellen musste und reichte ihm das Gerät.
„Er vergrößert alles, was man darunter legt“, sagte sie, als er die Augen gegen die Linsen presste und ihm ein erstaunter Laut entfuhr. „Das ist dein Blut. Siehst du die vielen Teilchen, die darin herum schwimmen?“
Er nickte und konnte seine Augen nicht wieder davon losreißen.
„Jedes Teilchen erfüllt in deinem Blut eine Funktion, die dich am Leben erhält“, fuhr sie fort. „Wenn du krank wirst, verändert sich etwas in deinem Blut, das bei einer Untersuchung gesehen werden kann. Und dann gibt es Lebewesen, die so klein wie diese Teilchen und noch viel kleiner sind. Wenn du dich verletzt, können diese Lebewesen über die Wunde in deinen Körper eindringen und Schaden anrichten. Sie sind dafür verantwortlich, wenn sich eine Wunde entzündet.“
„So kleine Tiere?“, flüsterte er fassungslos. „Was passiert jetzt? Etwas verändert sich.“
Ailia lächelte. „Wenn du dich verletzt, hört es doch irgendwann von allein auf zu bluten, ja? Weil dein Körper in dem Moment, wo dein Blut mit der Luft in Kontakt tritt, reagiert und die Wunde versucht, mit Schorf zu schließen. Wir sagen dazu, das Blut gerinnt. Genau das passiert jetzt auch, weil das Blut an der Luft ist.“
„Das ist ... fantastisch“, murmelte er. „Kann man noch mehr damit ansehen?“
Sie grinste und ahnte, dass er eine Beschäftigung für den Rest des Tages gefunden hatte. „Alles, was du willst...“
Und er tat es. Alles, was er finden konnte, wanderte im Laufe des restlichen Tages unter das Mikroskop. Haare, Dreckkrümel, Holzstückchen, Pflanzen, Hererofell, Hautstückchen...
Ailia hatte die Augen geschlossen und beantwortete murmelnd all die Fragen, mit denen er sie bombardierte. Er sah Zellen. Er sah kleine krabbelnde Milben in dem Dreck. Er stach sich noch einmal in den Finger, um die Bewegungen in seinem Blut zu bewundern.
und plötzlich sah er Ailia mit anderen Augen an.
„Das alles schaust du dir an, wenn du die Pflanzen und Tiere auf einem fremden Planeten untersuchst?“
Ailia nickte. „Ich sehe die Unterschiede zu Menschen und terranischen Pflanzen und Tieren und ich sehe Gemeinsamkeiten. Es ist interessant.“
„Ich finde es auch interessant.“ Er lächelte und presste seine Augen wieder an das Mikroskop.
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Drei Tage später erreichten sie die Stadt Anua, eine größere Handelsmetropole. Ailias Bein schmerzte noch immer, hatte sich jedoch glücklicherweise nicht entzündet.
Sie mieteten wieder ein Zimmer in einem Gasthof, in dem sie auch die Hereros unterstellten. Ailia verband ihr Bein noch einmal neu, nachdem sie die Wunde wieder gesäubert hatte und sank auf das Bett.
„So viele schreckliche Sachen, wie ich in den letzten drei Wochen erlebt habe, habe ich mein ganzes Leben nicht erlebt“, murmelte sie.
„Je mehr du erlebst, um so mutiger wirst du, weil du mehr Erfahrung sammelst“, antwortete Tec’or lakonisch und scheuchte sie von dem Bett wieder hoch. „Wir sehen uns den Markt an. Er wird dir gefallen.“
Er ignorierte ihren Protest und ihr Argument, ihr Bein brauche Ruhe, und meinte nur, eine derart geringe Verletzung heile viel besser, wenn sie sich bewegen würde. Außerdem würde das ihre Gedanken davon ablenken, immer auf den Schmerz zu achten.
Ailia nannte ihn hartherzig und behauptete, er würde sie schikanieren.
Tec’or lachte, nahm ihre Hand und zog sie mit sich. Und es war tatsächlich so. Der Markt nahm Ailia gefangen. Sie hüpfte begeistert von Stand zu Stand und redete noch mehr als sonst. Tec’or schmunzelte nur. In dieser Hinsicht unterschieden sich Menschenfrauen kaum von d’arjotischen Frauen.
Ailias Augen wurden plötzlich groß, als sie einen Stand entdeckte, an dem Schmuck angeboten wurde. „Oh mein Gott“, rief sie ehrfürchtig und schlug die Hände vor den Mund, als sie die vielen fein gearbeiteten Ketten, Ringe und Amulette sah.
Und der Händler sah seine Stunde gekommen. „Eine Menschenfrau!“, rief er entzückt. „Und sie trägt keinen Schmuck. Welch eine Schande! Schau dir nur an, was ich für schöne Sachen habe, die deinen Hals zieren können.“
Tec’or verdrehte hinter Ailias Rücken die Augen. Dann sah er ihre Finger sehnsüchtig über die filigranen goldenen und silbernen Ketten gleiten und lächelt.
„Silber“, sagte er leise neben ihrem Ohr. „Ich denke, Silber steht dir.“
Der Händler nickte eifrig und breitete die Ketten vor ihr aus. Ailia sah, dass jeder Anhänger anders gearbeitet war. Es gab keine zwei Stücke, die komplett gleich aussahen, da wahrscheinlich jedes für sich einzeln von Hand gefertigt wurde.
„Es ist alles wunderschön“, hauchte Ailia und nahm die Anhänger einzeln in die Hand. Es schienen Zeichen oder Runen zu sein, die jeweils mit irgendwelchen farbigen Edelsteinen versetzt waren.
„Diese Amulette haben verschiedene Bedeutung“, erklärte Tec’or. „Es gibt einmal Schutzamulette, Glück bringende Amulette und Amulette, die andere Bedeutungen haben. Dabei ist auch die Wahl des Edelsteins wichtig. Dieser grüne hier nennt sich Quart und steht immer in Verbindung mit Heilung. Er wird auf dem Schutzamulett gegen Krankheit angebracht. Der blaue Stein ist ein Aurona und ziert nicht nur Ketten, sondern auch Häuser und wichtige Gegenstände, und soll den Träger vor Gefahr, einem Fluch oder bösen Träumen schützen.“ Er nahm eine Kette in die Hand, an deren Ende ein Ornament mit einem rubinroten Stein befestigt war. „Gefällt sie dir?“
Der Händler grinste und meinte, das Rot würde ihr garantiert stehen.
Alia nickte. „Mir gefallen alle.“ Und ihr war so ziemlich egal, was es für ein Schutzamulett war, da sie sowieso nicht an diesen Schnickschnack glaubte.
„Wir nehmen sie“, wie Tec’or den Händler an, der ihm lächelnd die Kette überreichte und die Münzen entgegen nahm.
Tec’or legte die Kette um Ailias Hals und verschloss sie in ihrem Nacken. Das Silber legte sich kühl auf ihre Haut und der rote Stein funkelte im Licht der Feuer, die angezündet worden waren.
„Ich wusste, er steht dir, Menschenfrau“, sagte der Händler und grinste Tec’or an.
Ailias Finger berührten den Stein, als sie Tec’or weiter über den Markt folgte. „Was ist das nun für ein Stein?“, fragte sie dann neugierig.
Tec’or blieb stehen und drehte sich zu ihr um. „Der Iruna ist der Stein der Zuneigung“, meinte er sanft. „Ein D’arjo schenkt ihn seiner Frau, wenn er sie sehr gern hat.“
„Oh.“ Ailia hob den Kopf und sah in seine gelben Augen. „Echt?“, piepste sie.
Er hob seine Hand, strich mit den Krallen über ihren Hals bis zu dem Stein und nickte. „Ja.“
Ailia trat ganz dicht an ihn heran. „Und was schenkt die Frau dem Mann?“
„Sie schickt ihn nicht weg“, meinte er leise und Ailia schlang wortlos ihre Arme um ihn und presste ihre Wange gegen seine Brust.
„Danke“, flüsterte sie und küsste ihn kurz auf den Mund.
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„Auf der anderen Seite des Marktes finden jeden Abend Schaukämpfe statt“, erklärte Tec’or, als sie weiter schlenderten.
„Schaukämpfe?“
Er legte den Kopf schief und grinste verlegen. „Nun ja, Kämpfe zwischen D’arjos halt. Um eine Frau.“
„Was?!“ Ailia blieb stehen. „Du … du meinst, so wie in dem Gasthof wegen mir? Öffentlich?“
Tec’or nickte. „Manche Frauen stellen sich selbst zur Verfügung. Manche Töchter werden von ihren Eltern hergebracht. Dann, wenn ihnen die Auswahl an Männern dort, wo sie herkommen, nicht reicht. Wollen wir hingehen?“ Er klang aufgeregt.
„Genau so wie damals in dem Gasthof?“, fragte sie entsetzt.
„Ja, so laufen die Kämpfe ab.“ Er sah sie so bittend an, dass sie es ihm nicht abschlagen konnte.
„Aber du willst nicht mitkämpfen?“, erkundigte sie sich misstraurisch.
„Nein.“ Tec’or lachte. „Obwohl sich manche D’arjos mehr als eine Frau nehmen, wenn sie über den Reichtum verfügen, sie alle zufrieden zu stellen…“
Sie folgte ihm zögernd durch all die vielen D’arjos auf die andere Marktseite. Tec’or zog sie an seine Seite, als er eine kleine Treppe hinaufstieg. Sie erklommen ein Podest, von dem aus sie einen guten Blick über die anderen D'arjos direkt in die kleine Arena hatten.
Ailia reckte den Kopf. Tec’or blieb hinter ihr stehen und flüsterte: „Ich sehe mir einen guten Kampf immer gern an.“
Sie runzelte die Stirn. „Ich glaube nicht, dass es mir gefällt.“
An der Seite neben dem Kampfplatz stand eine schlanke zierliche D’arjo. Sie beobachtete mit gesträubten Haaren, wie sich die beiden D’arjos im Sand vor ihr attackierten. Die Zuschauermenge jaulte, knurrte und johlte mit jedem Treffer, der gelandet wurde, und quittierte jeden Fehler, den einer der beiden Kämpfer machte, mit Buh-Rufen.
Ailia schielte kurz zu Tec’or und sah ihn fasziniert den Bewegungen der Kämpfer folgen. Er lächelte kurz, als er ihren Blick bemerkte.
„Sie sind gut, alle beide“, sagte er leise.
„Wie läuft so ein Kampf ab?“
„Ja nachdem, wie viele Bewerber es gibt“, erklärte er. „Sind es nur zwei, kämpfen diese. Sind es mehr, findet ein Vorausscheid statt und die Sieger der Vorrunden kämpfen dann gegeneinander.“ Er senkte den Kopf zu ihrem Ohr. „Sieh dir die D’arjo an. Ihr eindeutiger Favorit ist der rechte Mann. Er wird auch gewinnen, denke ich. Und da er ihren Blick spürt, spornt ihn das umso mehr an.“
Ailia war es gar nicht aufgefallen. Doch wenn sie jetzt die Blicke beobachtete, die die D’arjo zwischen den beiden Männern hin und her schickte, sah sie es auch.
„Ihr gefällt der Kampf auch“, schnurrte Tec’or und biss sie in den Hals.
Ailia legte den Kopf zur Seite, damit er ihren Hals besser erreichen konnte und grinste. „Wie dir?“
„Hm“, brummte er nur, lehnte seinen Kopf an ihren und verfolgte mit schmalen Augen weiter den Kampf.
Die Menge tobte, je hitziger die beiden D’arjos aufeinander einschlugen. Ailia fühlte Tec’ors Körper in ihrem Rücken, nahm seine Wärme war und hörte das leise Knurren, mit dem er die Handlungen der beiden kämpfenden D’arjos beurteilte. Sie konnte es selbst nicht glauben, aber seine Nähe beruhigte sie ungemein. Seufzend lehnte sie sich an ihn und fragte sich, weshalb ein D’arjo etwas schaffte, was noch kein Mensch vollbracht hatte: dass sie ihm bedingungslos vertraute.
Mit einem Aufschrei brach einer der beiden Kämpfer zusammen und der Sieger knurrte aggressiv. Tec’ors Körper spannte sich. Ailias Augen weiteten sich, als der Sieger vor der D’arjo nieder kniete und sie zischte:
„Das hast du nicht gemacht!“
Tec’or biss sie wieder knurrend in den Hals. „Ich werde es das nächste Mal...“
In diesem Moment sprang der D’arjo wieder auf und riss die Frau zu Boden. Ailia schnappte nach Luft und schlug ihre Hände vor die Augen, obwohl sie genau wusste, dass das folgen würde. Tec’or griff nach ihren Handgelenke und zog ihre Hände von ihrem Gesicht. Er schlang seine Arme um sie, so dass ihre Arme wirkungsvoll neben ihrem Körper gefesselt waren.
„Nicht“, flüsterte Ailia entsetzt und schloss ihre Augen, als der D’arjo in der Arena seine Zähne in die Schulter der Frau grub, ihren Rock die Hüften hinauf schob und mit einem wilden Knurren in sie stieß.
„Mach die Augen auf“, flüsterte Tec’or und fuhr mit der Zunge über ihre Wange. „Es ist nicht entsetzlich. Es ist nicht demütigend. Er setzt einfach ein Zeichen.“ Ailia schlug die Augen auf und verfolgte mit in die Unterlippe gegrabenen Zähnen, wie der fremde D’arjo seine Prämie vögelte. „Ab heute steht sie unter seinem Schutz. Und niemand wird es mehr anzweifeln.“
Ailia schluckte krampfhaft.
Der D’arjo erhob sich und sie sah, wie sich die Frau an seiner Seite rieb und mit gesträubten Haaren knurrte. Ailia konnte sich nicht rühren, weil Tec’or sie noch immer fest hielt und sie sah, wie der D’arjo die Frau noch einmal an sich riss. Sie knurrte lauter und ihre Zähne gruben sich in seinen Hals, als er sie mit einem Fauchen auf seine Arme nahm und vom Platz trug. Und die Menge begrüßte johlend die nächsten Kämpfer.
Diese Welt *war* barbarisch. Und trotzdem wurde Ailia jetzt mit aller Deutlichkeit klar, mit welcher exakten Klarheit hier eine Zugehörigkeit demonstriert wurde. Ohne, dass ein einziges Wort fiel, wusste jeder, dass der D’arjo die Verantwortung für die Frau übernommen hatte. Sie konnte ab heute auf seinen Schutz, seine Zuwendung und seine Versorgung zählen. Und auf sein Vertrauen. Er würde ihre Forderungen erfüllen und er würde für sie da sein. Und er hatte sein Leben und seine Gesundheit riskiert, um ihr seine Stärke und seine Fähigkeit zu beweisen.
Ailia schluckte wieder, als ihr das alles klar wurde. Sie hatte damals nur den Schmerz gesehen, den ihr Tec’or zugefügt hatte. Unwissentlich. Aber sie hatte keinen Gedanken daran verschwendet, wie sie ihn verletzt haben musste. Durch ihr Entsetzen und durch ihre Ablehnung.
Sie drehte sich um und er sah erstaunt die Tränen in ihren Augen. „Es tut mir leid, Tec“, flüsterte sie.
„Was...?“
„Ich hätte stolz auf dich sein müssen“, schluchzte sie und schlang ihre Arme um ihn. „Ich bin so dumm gewesen... Du hast viel mehr getan, als je ein Mann für mich getan hat. Und ich?“ Die Tränen liefen über ihre Wangen, während er sie mit großen Augen einfach nur anstarrte. „Ich habe dich verurteilt. Ich war entsetzt. Ich habe dich weggestoßen. Ich bin so eine Idiotin... Ich hätte diejenige sein sollen, die es durch die Erfahrung, die das Alter meiner Art mit sich bringt, schafft, sich auf eine völlig fremde Zivilisation einzustellen. Und es ist so beschämend, dass du derjenige warst, der Verständnis dafür aufbrachte, weil ich mein Entsetzen über eure Gepflogenheiten nicht verbergen konnte. Es tut mir so Leid, Tec. Du musst so enttäuscht von mir gewesen sein...“
„Shhh“, murmelte er hilflos und nahm ihr Gesicht in seine Hände. „Es spielt keine Rolle mehr. Ich verstehe dich.“
„Ich sollte diejenige sein, die dich versteht. Und ich brauchte dazu so viele Tage länger als du.“ Sie schniefte kurz. „Tec, ich schwöre dir, jetzt weiß ich, wie stolz ich auf dich sein kann. Sein muss! Weil du mein D’arjo bist... auch, wenn es zeitlich begrenzt ist ... Weil du für mich da bist... Weil du mich mit deinem Leben beschützt... Ich bin so stolz darauf, zu dir zu gehören...“
Tec’ors Augen leuchteten bei ihren Worten in einer Art und Weise, die sie nicht beschreiben konnte.
„Und wenn ich mich das nächste Mal so unheimlich dumm benehme, tritt mich in den Hintern und sag, ich solle mich gefälligst wie eine D’arjo benehmen.“
Er schnurrte leise, fuhr mit der Zunge über ihre Lippen und die tränenbedeckten Wangen. „Ich bin stolz, dass du mich um Schutz gebeten hast.“
Ailia lächelte leicht. „Obwohl ich gar nicht wusste, was es bedeutet...“
„Jetzt weißt du es, und lehnst mich trotzdem nicht ab.“
„Nein.“ Sie schüttelte den Kopf und sagte ernst. „Werde ich auch nicht. Ganz sicher nicht.“ Und mir wäre tierisch scheißegal, wenn du einen Kampf verlierst.
Tec’or lächelte glücklich und drehte sie wieder, so dass sie den nächsten Kampf beobachten konnten. Er ließ sie nicht los, sondern zog sie an sich und atmete tief ihren so herrlich nach ihm duftenden Geruch ein. Und plötzlich schoss der Gedanke durch seinen Kopf, wie schön es wäre, wenn es keine zeitliche Begrenzung in ihrer Beziehung geben würde. Er hatte sie jetzt schon unwahrscheinlich gern. Und der Gedanke, dass er bald wieder allein war, ohne ihren vertrauten Geruch, ohne ihren Körper, der sich jede Nacht an ihn schmiegte und selbst ohne all ihre vielen Fragen, stimmte ihn traurig.
**********
Am nächsten Morgen zogen sie weiter.
Tec’or erklärte, dass es noch zirka zwanzig bis dreißig Tagesritte waren und sie sich in der nächsten Stadt mit genügend Lebensmitteln und anderen Dingen, die sie benötigten, versorgen mussten, da im Norden weniger Städte und Dörfer auf ihrer Route lagen. Ailia verließ sich voll auf ihn. Sie hatte keine Ahnung, wo sie sich befanden und wäre allein hoffnungslos verloren gewesen. Sie ließ sich von ihm anhand des Aufgehens der Sonne erklären, welche der d’arjotischen Himmelsrichtungen sich wo befand und wie sie sich in Richtung Norden orientierte, aber Ailia war sich sicher, dass sie sich ohne ihn verlaufen würde.
Manchmal ging ihr durch den Kopf, dass man sicherlich eine weltweite Suche nach ihr veranstaltete, aber sie hatte keine Möglichkeit, den Stützpunkt zu verständigen. Das einzige, was sie hoffen konnte, war, dass man den Gleiter und damit ihre Nachricht gefunden hatte und damit rechnete, dass sie irgendwann wieder im Stützpunkt ankam.
Einmal sah sie weit oben am Himmel einen Gleiter fliegen, doch ehe sie reagiert hatte und winkend von Selina gesprungen war, verschwand der Gleiter wieder hinter dem Horizont.
Eigentlich gefiel ihr diese Reise. Sie hatte sich daran gewöhnt, jeden Abend ihr Lager aufzuschlagen, ein Feuer anzuzünden und sich um das Essen zu kümmern. Sie schrieb ihr Tagebuch, vervollständigte ihre Notizen über alles, was ihr begegnete und ihr kleiner Koffer mit den Proben, die sie sammelte, um sie im Stützpunkt auszuwerten, wurde immer voller.
Ihre Verletzung heilte ohne Probleme und Tec’or sah noch einmal neugierig zu, als sie die Fäden zog und feststellte, dass es ein d’arjotischer Arzt nicht besser gekonnte hätte.
Und sie genoss die Ruhe und die Entspannung, wie sie es in dem Maß vorher noch nie getan hatte. Ihr Leben war so einfach geworden...
Eines Abends, Tec’or lag auf dem Rücken, kaute gedankenverloren auf einem Grashalm und starrte in den sternenübersäten Himmel, während Aiias Kopf auf seiner Brust ruhte, fragte sie neugierig: „Wie alt bist du eigentlich?“
„Fündunddreißig Jahre.“
Ailia rechnete kurz in Gedanken um, und kam zu dem Ergebnis, dass das zirka einunddreißig terranischen Jahren entsprach. Damit war er ungefähr fünf Jahre älter als sie. „Wie alt werden D’arjos?“
Er zuckte mit den Schultern. „Neunzig, Einhundert, Einhundertzehn ... Manche sterben auch mit Vierzig.“
„Und mit welchem Alter nehmen sich D’arjos gewöhnlich eine Frau?“
Tec’or lächelte. „Viele probieren es schon sehr zeitig aus, doch diese Bindungen halten selten, weil ein junger D’arjo noch recht schwach und unerfahren ist. Die meisten echten Verbindungen werden im Alter von fünfunddreißig bis vierzig Jahren geschlossen. Und das ist auch die Zeit, in der D’arjos heimkehren.“
„Und du hast es nie probiert?“ Ailia klang ungläubig.
„Vielleicht war es nicht normal. Aber der Gedanke, mich auf Kämpfe einlassen zu müssen und eigentlich zu wissen, dass ich sie verliere...“ Er schüttelte den Kopf. „Dazu war ich mir zu schade. Es war einfacher, mich an die Frauen zu wenden, die einfach nur ihren Körper anboten, so wie Tara. Und wenn ich es mir jetzt recht überlege, war es richtig. Mir fällt es schwer genug, darüber nachzudenken, dass du bald nicht mehr da bist. Und das ohne einen Kampf...“
Ailia hob den Kopf. „Ich werde dich nie vergessen“, sagte sie leise.
Er lächelte wehmütig. „Ich dich auch nicht, Menschenfrau. Ich dich auch nicht.“
Und Ailia fragte sich, ob D’arjos wirklich nicht wussten, was Liebe war. Bei jedem Menschen, der sie so behandeln und ansehen würde wie Tec’or, wäre sie sich sicher. Bei einem D’arjo nicht. Obwohl sie sich schwer vorstellen konnte, wie jemand, der etwas für sie empfand, sie einfach ohne mit der Wimper zu zucken gehen lassen würde, wenn ein anderer einen Kampf gewann?
‚Und ich’, fragte sie sich dann. ‚Ich habe einen D’arjo unwahrscheinlich gern. Fange ich an, mich in ihn zu verlieben?’
Seufzend legte sie ihren Kopf wieder auf seine Brust. Darauf hatte sie niemand vorbereitet…
Daran hatte sie nicht einmal im Traum gedacht. Ihr Job war es, fremde Lebewesen zu untersuchen, Tiere, Pflanzen und intelligente Bewohner fremder Planeten. Er sah nicht vor, diese flach zu legen oder sich gar in sie zu verlieben.
Zögernd, weil sie unsicher war, ob sie eine derartige Frage stellen durfte, hob sie wieder den Kopf. „Tec?“
„Hm?“
„Was … Was empfindet ein D’arjo, wenn er eine Frau durch einen Kampf verliert?“, erkundigte sie sich leise.
Er hatte die Hände hinter dem Kopf verschränkt und starrte in den Sternenhimmel. Es war eine schwere Frage, da er selbst noch nie in dieser Situation gewesen war. „Ich habe es bisher zweimal gesehen. Das erste Mal war ein Freund von mir“, begann er zögernd. „Der schnappte sich die nächste freie Frau. Das zweite Mal, war bei meinem jüngeren Bruder Ark’tor. Er war viel zu jung, um eine Frau verteidigen zu können und sie kam wahrscheinlich zu der gleichen Ansicht. Es endete in einem Kampf, den mein Bruder natürlich verlor. Er … er war sehr … traurig …“ Tec’or würde den Tag nie vergessen, an dem er seinen Bruder weinen gesehen hatte. Kurz darauf hatte er selbst sein Elternhaus verlassen und sich geschworen, erst die nötige Stärke zu entwickeln, ehe ihm das Gleiche passierte wie Ark’tor.
„Ich kann mir das überhaupt nicht vorstellen. Wenn ich jemanden wirklich gern habe und dann wird er mir einfach so weggenommen…“ Ailia schluckte, als er endlich seinen Blick von den Sternen löste und sie mit seinen gelben Augen ansah. „Mir wäre so scheißegal, ob er stark ist oder nicht…“
„Weil du ein Mensch bist. Es würde ja auch nie passieren, solange die Frau mit ihm zufrieden ist und seinen Geruch trägt“, sagte er nur.
Das stimmte. Und schließlich trennten sich Menschen auch, wenn einer von beiden mit der Beziehung nicht mehr einverstanden war. Und sicherlich verletzte es dann einen von beiden oft genug sehr.
Sie legte ihrem Kopf wieder auf seine Brust, kuschelte sich an ihn und schloss die Augen. Und träumte davon, eine D’arjo zu sein und an Tec’ors Seite bleiben zu können.
*************
„Das ist wirklich lustig.“ Tec’or saß auf dem breiten Bett, lehnte am Kopfende und hatte Ailias Laptop auf den Knien. Konzentriert verfolgten seine Augen die Gestalt auf dem Bildschirm, die er mit den Curortasten lenkte.
Ailia grinste vor sich hin, während sie ihre noch feuchten Haare kämmte. Sie hatte nicht geahnt, dass ein einfaches Computerspiel ihn derart faszinieren konnte. Seit Stunden starrte er jetzt auf den Bildschirm und konnte nicht glauben, dass diese Gestalt da von ihm bewegt wurde, sie ein Schwert zog und kämpfte oder mit Pfeil und Bogen irgendwelche Monster tötete. Die Gespräche wurden in der terranischen Sprache geführt und Ailia bemerkte erstaunt, dass Tec’or sie zwar nicht sonderlich gut, aber doch zumindest fast verständlich sprach.
„Wie lange kann man das spielen?“
Ailia lachte leise. „Selbst wenn du die ganze Nacht durchspielst, wirst du das Ende heute nicht erreichen.“
Tec’or hob kurz den Kopf und lächelte, als er sie mit ihren Haaren kämpfen sah. „Ich wollte das gern mal tun.“ Er klappte den Laptop zu und legte ihn zur Seite.
„Was?“, fragte sie verdutzt.
„Komm her.“
Neugierig kroch sie zu ihm aufs Bett. Er zog sie zwischen seine Beine und drehte sie, so dass sie mit dem Rücken zu ihm saß. „Seit ich dich kenne, habe ich mich gefragt, warum Menschen solche Haare haben“, flüsterte er neben ihrem Ohr und sie schloss die Augen, als er anfing, mit der Bürste durch die Locken zu fahren. „Ich meine, sie haben keine Bedeutung. Du kannst sie nicht aufstellen. Du kannst mit ihnen gar nichts machen…“
Ailia schmunzelte. „Sie sind Schmuck“, sagte sie leise.
„Sie sind schön. So weich…“ Fast ehrfürchtig strich die Bürste über ihren Kopf, ihre Schultern hinab.
Ailia hatte schon überlegte, die Haare etwas zu kürzen, da sie sich auf dieser Reise als etwas unhandlich herausstellten. Doch als sie jetzt seine Hände zusammen mit der Bürste spürte, verwarf sie den Gedanken. Wenn sie so hätte schnurren können wie er, hätte sie es sicherlich getan. Es schienen Stunden vergangen, als er die Bürste zur Seite legte, seine Arme um sie schlang und seine Zunge über seine Zeichen fuhr.
Sie waren jetzt fast dreißig Tage unterwegs und er hatte sich noch immer nicht daran gewöhnt, dass es ihr egal war, ob sein Geruch noch an ihr hing oder nicht. Sie spürte nie, dass er sie zu irgendetwas drängte, obwohl er sofort auf sie einging, wenn sie ihm signalisierte, dass sie ihn wollte.
Ailia lehnte sich in seine Berührungen und genoss das Gefühl seiner Zunge und seiner Zähne auf ihrer Haut. Sie mochte diese zärtlichen Berührungen, von denen sie jetzt wusste, dass es einfach ein Zuneigungsbeweis zwischen D’arjos war und die nie, es sei denn, sie zeigte es ihm, in Sex endeten. Weil der Sex zwischen D’arjo im Normalfall nicht sonderlich zärtlich war.
Einer Eingebung folgend, drehte sie sich zu ihm um. Er sah sie überrascht, neugierig und mit diesem unterschwelligen Verlangen an, als wüsste er, dass sie wieder einmal entschieden hatte, sie bräuchte mehr. Ailia verkniff sich ihr Grinsen, als ihr aufging, dass sie seit sie mit ihm zusammen war, wirklich sehr wild auf Sex war. Das würde sie ihm natürlich nicht sagen. Sollte er ruhig glauben, alle Menschen wären so.
Ihre Hände wanderten über seine Brust. Sie küsste ihn sanft auf den Mund und ihre Lippen glitten weiter über seinen Hals.
Tec’or zog scharf die Luft ein, als sie ihn in den Hals biss und knurrte leise. Seine Hand vergrub sich in ihren Locken, als er ihren Kopf an sich presste. Alle D’arjos hatten ein Ding für Bisse und das Gefühl ihren stumpfen Zähne an seinem Hals ließ seine Beherrschung rapide schwinden. Doch ihr Gewicht auf seinem Schoß verhinderte, dass er irgendetwas anderes tun konnte als abzuwarten, was sie vorhatte. Und dass sie etwas vorhatte, sagte ihr schelmischer Blick, der ihn traf, als sie wieder den Kopf hob.
Ihre Hände fuhren zum Bund seiner Hose, öffneten sie und streichelten über seine schon wieder erwachte Erektion. „D’arjo wollen wirklich immer“, kicherte sie und er knurrte lauter. „Es reicht der Gedanke, dass ich es will, ja?“
Er umschlang ihre Hüften und wollte sie zur Seite werfen, doch sie stoppte ihn mit einem Kuss. „Warte“, flüsterte sie gegen seine Lippen. „Bleib sitzen.“ Sie stand auf und streifte ihre eigenen Hosen ihre Beine hinunter. Sein hungriger Blick folgte jeder ihrer Bewegungen und sie sah wie er die Luft einzog, als der Geruch ihrer Erregung ihn traf. Dann kletterte sie wieder zu ihm aufs Bett und setzte sich rittlings auf seinen Schoß.
Tec’or knurrte, als er sie die Nässe zwischen ihren Beinen an seiner empfindlichen Erektion spürte und grub seine Zähne in ihren Hals. Ailia fühlte die Krallen seiner Hände an ihren Hüften, hob sich selbst kurz an und sah das grenzenlose Erstaunen in seinem Blick, als er den Kopf hoch riss, während sie sich langsam auf ihm nieder ließ.
„Hast du es schon mal auf diese Art getan?“, schnurrte sie und fuhr mit der Zunge über seine Lippen. Seine Hüften stießen nach oben, als es ihm zu lange dauerte und Ailia schnappte nach Luft, als er plötzlich ganz tief in ihr ruhte.
„Immer … für … eine … Überraschung … gut“, stieß er mühsam hervor und sein Kopf flog zurück, als sie begann sich zu bewegen. Es war neu für ihn, nicht viel tun zu können, da sie die Kontrolle über die Bewegungen seiner Hüfte hatte. Aber zu sehen, wie sich ihr Körper bewegte und sich ihr Gesicht verklärte, reichte zusammen mit dem unbeschreiblichen Geruch ihrer Erregung, um ihn wahnsinnig werden zu lassen.
Und als sie dann die Zähne in seinen Hals bohrte, ohne ihn verletzen zu können, brüllte er auf und schlang seine Arme um ihren Körper. Er fühlte sie im Orgasmus zittern, ohne dass sie ihre Zähne von seinem Hals löste und seine Augen schlossen sich, als sie auf ihm erschlaffte. Es dauerte eine Ewigkeit, ehe einer von beiden wieder in der Lage war, sich zu rühren.
************
Es war am neunundvierzigsten Tag, als sie die Station DAYLIGHT erreichten.
Ailia war einerseits total aufgeregt und auf der anderen Seite bedauerte sie das Ende der Reise. Tec’or schien es ähnlich zu gehen, auch wenn er es sich nicht anmerken ließ.
Aber in der letzten Nacht vor der Ankunft auf der Station war er es, der sich auf seine unbeschreibliche d’arjotische Weise auf sie stürzte. Um es gleich im Anschluss auf die terranische Art wieder gut zu machen. Ailia musste lachen, wenn sie an diese abrupte Änderung seiner Art, sie zu behandeln, dachte. Sie schliefen kaum in dieser Nacht, sondern sanken nur gegen Morgen, eng umschlungen und vollkommen befriedigt, auf ihre Decken und klammerten sich aneinander, als wollten sie sich nie wieder loslassen.
Als jetzt allerdings die Silhouette der Station am Horizont auftauchte, macht Ailias Herz vor Freude einen Satz und sie schrie:
„Los, Tec! Lass uns ein Wettrennen veranstalten!“
Sie jauchzte, als sie Selina antrieb und der D’arjo knurrte herausfordernd, als sich Damaron streckte. Im Galopp flogen die beiden Hereros den sanft ansteigenden Hang zur Station hinauf. Ailia bemerkte nicht, dass Tec’or sein Herero zum Schluss etwas zügelte, um sie gewinnen zu lassen und kam mit einem aufgelassenen Lachen vor der Station zum stehen.
Mark Grave, der Sicherheitsoffizier der Station, stand vor der Eingangstür und war einen Moment zu verblüfft, um sich zu rühren.
„Hallo!“, winkte Ailia. „Ich bin wieder da.“
Mark klappte seinen Mund auf und wieder zu, ohne ein Wort hervor zu bringen. In diesem Moment öffnete sich die Tür und Nadine Charis, Wissenschaftsoffizierin, stürzte in Begleitung des Stationsleiters Jim Delaron aus der Tür.
„Oh mein Gott!“, schrie die blonde junge Frau. „Ailia! Es ist wirklich Ailia!“
Die drei Menschen sahen so fassungslos aus, dass sogar Tec’or grinste.
Delaron fing sich als erster. „Wir hätten es wissen müssen. Wir hätten wissen müssen, dass Ailia es fertig bringt, einen D’arjo dazu zu überreden, sie hierher zu bringen.“
Ailia strahlte von ihrem Herero herab. „Darf ich euch Tec’or el Gemlandor vorstellen. Er war so … nett, mir den Weg zu zeigen.“
Tec’ors konzentriertem Blick entnahm sie, dass er versuchte, dem auf Terranisch geführtem Gespräch zu folgen.
Delaron nickte freundlich in seine Richtung. „Willkommen auf DAYLIGHT, Tec’or. Steigt ab und kommt rein, ich glaube, ihr habt viel zu erzählen. Mark, ruf die Suchgleiter zurück. Unsere verloren gegangene Exobiologin ist wieder da.“
Tec’or stieg nicht ab, sondern sagte zu Ailia in D’arjo. „Ich werde weiter reiten.“
„Bist du verrückt!“, zischte sie böse und griff in Damarons Zügel. „Ich schulde dir die Bezahlung und ich werde nicht zulassen, dass du dich so spät noch auf den Weg machst. Und du hast mir versprochen, dich untersuchen zu lassen. Und…“
„Ich will die Bezahlung nicht“, sagte er leise.
„Tec! Scher dich von Damaron herunter!“ Damaron knurrte und Ailia schlug im ohne mit der Wimper zu zucken leicht gegen das Maul. „Komm schon, Tec. Wir haben Gästequartiere. Du kannst jetzt noch nicht gehen.“
Seufzend stieg er ab und sie führten die Tiere in die Boxen auf der Station, die für die Untersuchung einheimischer Tierarten vorgesehen waren. Er sollte es hinter sich bringen und verschwinden.
***********
„Du bist den ganzen Weg her geritten?“ Nadine klang fassungslos.
Sie saßen im Besprechungsraum an einem der langen Tische: Delaron, Mark Grave, Nadine und die beiden Techniker Clark Demens und Ralph Garond, die kurz nach ihrer Benachrichtigung ihre Suche nach Ailia abgebrochen hatten. Auch Tec’or saß mit am Tisch, sah aber nicht so aus, als würde er sich sonderlich wohl fühlen.
„Ja. Die ersten Tage nicht“, schnatterte Ailia, obwohl sie seit einer Stunde ununterbrochen redete, noch immer munter. „Da bin ich auf Tecs Herero mit geritten, doch dann haben wir in der nächsten Stadt Selina gekauft. Für mich. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie viele Tiere da angeboten wurden. Hunderte. In einem riesigen Stall.“
Tec’or grinste bei ihren enthusiastischen Erklärungen. Ihm entgingen die neugierigen und auch teilweise ihn vorsichtig taxierenden Blicke der anderen Menschen nicht.
„Wie, zum Teufel, hast du es geschafft, ihn dazu zu bringen, dich hierher zu schaffen?“ Delaron schüttelte immer wieder den Kopf. „Ich weiß, dass D’arjos sehr hilfsbereit sind, aber noch kein einziger ist auf unsere Frage, ob jemand uns mit in eine Stadt nehmen könnte, eingegangen.“
„Nein?“, fragte Ailia verblüfft. „Warum nicht? Tec?“ Sie sah, wie er sich mühsam ein Lachen verkniff und stieß ihn an. „Warum nicht, Tec?“
„Warum sollte jemand einen Mann in die Stadt begleiten?“, fragte der D’arjo in gebrochenem Terranisch und zwang sich, ernst zu bleiben.
Ailia jedoch fing an zu lachen. „Sie hätten einfach in die Stadt marschieren können, ja?“ Sie schlug die Hände vor den Mund. „Ohne dass es jemanden interessiert hätte?“
„Sicher. Warum sollte es?“
Die Blicke der anderen Menschen gingen zwischen ihnen hin und her.
„Weißt du, Jim“, fuhr Ailia fort. „Es hat niemanden, die ganze Reise nicht, interessiert, dass ich ein Mensch bin. Wenn ihr eine Stadt sehen wollte, geht einfach rein. Von Vorteil ist es jedoch, D’arjo zu sprechen.“
„Das ist toll!“, rief Nadine aufgeregt. „Ich wollte schon immer mal eine der Städte besuchen und mit den D’arjos reden.“
„Du nicht!“, kreischte Ailia erschrocken und wurde blass. „Du nicht, Nadine. D-die Männer können in die Stadt. Du nicht. Oder, Tec? Kann sie in die Stadt?“
Der D’arjo zog langsam die Luft ein und schüttelte den Kopf. „Nein, sollte sie nicht.“
Ailia zog das dünne Hemd, dass sie über der freizügigen d’arjotischen Kleidung trug, enger um ihre Schultern. Sie hatte vorgezogen, Tecs Bissspuren vorerst zu verbergen, und ihr wurde komisch, als jetzt die fassungslosen Blicke der Menschen auf ihr ruhten.
„Warum nicht, Ailia?“, fragte Nadine verblüfft. „Du bist doch auch in den Städten gewesen.“
Tec’or sah sie ernst an. „Eine Frau sollte ohne männlichen Schutz keine Stadt betreten.“
Nadine runzelte die Stirn. „Ich kann doch in Begleitung eines Menschen gehen. Dann habe ich doch Schutz.“
„Es ist komplizierter.“ Ailia zögerte und warf Tec’or einen unsicheren Blick zu. „D’arjos benutzen weniger ihre Augen, um festzustellen, ob du einen Schutz hast oder nicht. Sie benutzen ihre Nase…“
„Also ich verstehe gar nichts.“ Nadina sah Tec’or an, der ihren Blick offen erwiderte.
„Ich rieche, dass du keinen Mann hast. Und genau so wird es jeder D’arjo riechen. Sie werden dir ihren Schutz anbieten und um dich kämpfen“, sagte er einfach.
„Er riecht … Was?!“ Nadine wurde blass, dann rot, dann wieder blass und sah Ailia an. „Hat um dich jemand gekämpft?“, erkundigte sie sich entsetzt.
„Einmal. Tec“, antworte Ailia einsilbig, weil sie an diesen Tag eigentlich nicht erinnert werden wollte. „Aber das war nicht gewollt. Der D’arjo, der Tec’or heraus gefordert hatte, ignorierte die d’arjotischen Gesetze, weil ich ein Mensch bin. Seine Nase hätte ihm eigentlich deutlich sagen müssen, dass … ähm … nun ja …“ Sie brach ab und Tec’or verkniff sich mühsam ein Grinsen.
„Wenn eine Frau den Geruch eines Mannes und sein Zeichen trägt, kann ihr nichts passieren“, stellte Tec’or klar.
„Ein Mensch kann aber doch gar nicht merken, wenn der Geruch verfliegt“, sagte Ailia nachdenklich.
„Ähm“, mischte sich Mark ein. „Das ist ja alles schön und gut. Wo kriegt sie den Geruch her? Was war mit dir, Ailia?“
„Sie steht unter meinem Schutz“, sagte Tec’or leise und Ailia lächelte ihn dankbar an.
„Sie hat deinen Geruch getragen?“ Mark runzelte verständnislos die Stirn.
„Sie trägt ihn noch“, murmelte der D’arjo, ohne dass seine Augen Ailia verließen. „Genau so wie mein Zeichen.“
„Wie zum Teufel trägt man einen Geruch? Kann man den kaufen? So etwas wie Parfüm?“ Mark ließ nicht locker.
Nadine jedoch sah wie Ailia feuerrot anlief und zog scharf die Luft ein. „Gott, nein, ich glaube das nicht. Du hast nicht …? Oder doch? Du hast … mit ihm …?“
Jetzt hatten es auch die drei Männer verstanden und starrten Ailia, die plötzlich sehr verlegen den Tisch musterte, fassungslos an. Doch dann siegte ihr Selbstbewusstsein und sie hob den Kopf. „Es ist mir vollkommen egal, wie ihr darüber denkt.“
„Ist die Kette sein Zeichen?“, fragte Nadine leise und Tec’or kicherte.
„Nein.“ Ailias Finger spielten mit dem roten Stein. „Sie ist ein Geschenk.“ Ihr Blick wurde weich, als sie in Tec’ors Gesicht sah und das Leuchten seiner Augen bemerkte.
„Sie ist schön.“ Nadine musterte den D’arjo unsicher. „Was ist es für ein Zeichen?“
Tec’or lächelte so, dass sie seine Zähne sehen konnte. „Ein Biss.“
„Er hat dich gebissen!“ Die junge Frau presste ihre Hand vor den Mund, um einen Aufschrei zu unterdrücken. „Ich gehe nirgends wo hin“, stellte sie klar. „Das ist barbarisch.“
Ailia stützte ihr Kinn auf ihre Hand. „Nein, ich denke, das solltest du auch nicht. Aber ich möchte nicht, dass einer von euch die d’arjotischen Gesetze verurteilt. Ich hatte fünfzig Tage Zeit, sie kennen zu lernen. Und es war nicht immer leicht…“ Sie drehte leicht den Kopf wieder zu Tec’or. „Aber jetzt weiß ich es. An dem Augenblick, an dem mir Tec seinen Geruch und sein Zeichen verpasste, gab er mir ein wortloses Versprechen. Ein Versprechen, das jeder D’arjo der Frau gibt, die ihn um Schutz bittet. Er wird für sie sorgen, für sie kämpfen und sein Leben für sie riskieren, wenn es nötig wird. Ich habe eine ganze Weile gebraucht, ehe ich das verstanden haben…“
Tec’or hob seine Hand um ihren Nacken und zog sie an sich. „Ich bin stolz auf dich“, flüsterte er in seiner Sprache und fuhr kurz mit den Lippen über ihre, während sich seine Haare aufstellten.
Und die Blicke der Menschen hingen fassungslos an dem Anblick des D’arjo mit den gesträubten Haaren bei dieser so eindeutigen Geste und Nadine seufzte leise, einfach weil es so zärtlich wirkte. Ailia würde noch eine ganze Menge zu erzählen haben.
**************
„Sie ist tragend!“ Begeistert fuhr Ailia mit dem Ultraschallgerät über Selinas Bauch.
Tec’or stand neben ihr und beobachtete ihr Tun misstrauisch. „Wie siehst du das?“
„Schau!“ Ailias Finger deuteten auf den Bildschirm, während sie ihm das Bild erklärte. Doch sein Blick wurde immer unverständlicher.
„Ich sehe nichts“, erklärte er.
Ailia klappte das Gerät wieder zusammen und schob es aus Selinas Box. „Glaube mir einfach. Sie ist tragend.“
Der D’arjo hatte sich bereit erklärt, erst am nächsten Morgen weiter zu reisen, aber verlangt, dass ihre ganzen Untersuchungen bis spätestens zum Morgen abgeschlossen waren.
Obwohl Ailia Selina gern behalten hätte, wusste sie doch, dass sie wahrscheinlich nicht die Zeit und richtigen Möglichkeiten haben würde, das Herero ordentlich zu versorgen. Seufzend strich sie der großen Katze über den Kopf und kraulte sie hinter den Ohren. „Ich würde das Junge gern sehen“, sagte sie traurig.
Tec’or drehte ihr den Rücken zu und verließ wortlos die Box. Er sollte gehen. Einfach gehen...
„Tec?“ Ailia verschloss die Box, ließ das Ultraschallgerät mitten im Gang stehen und folgte ihm. „Tec.“
Der D’arjo blieb stehen, ohne sich umzudrehen.
„Was ist, Tec?“, fragte sie zögernd.
„Ich habe gewusst, dass es eine blöde Idee ist noch zu bleiben“, murmelte er. Er sah die Tränen in ihren Augen, als sie um ihn herum ging.
„Ich bin egoistisch“, flüsterte Ailia. „Ich will nicht, dass du einfach aus meinem Leben verschwindest. Ich will nicht, dass du eine Erinnerung wirst. Ich ... ich will, dass du bei mir bleibst...“
„Das geht nicht“, sagte er sanft. „Du weißt das ganz genau. Das hier...“ Seine Hand beschrieb einen Kreis. „...ist deine Welt, in die ich nicht ... gehöre.“ Er nahm ihr Gesicht in seine Hände, als er die einsame Träne bemerkte, die über ihre Wange rollte und presste seine Lippen auf ihre. Das war auch etwas, was er vermissen würde.
Ailia schlang ihre Arme um ihn. „Nimm mich mit, Tec.“
Er schloss die Augen und atmete den Duft ein, der von ihren Haaren aufstieg. Ihr Geruch, unterlegt mit seinem. So klar. So eindeutig. So unmissverständlich.
Es tat weh. Er hatte es geahnt, nein, er hatte es gewusst.
„Ich will nicht, dass du weinst, Ailia“, flüsterte er hilflos und hörte, wie sie anfing zu schluchzen.
Es dauerte eine Weile, bis sie sich wieder beruhigte, den Kopf hob und ihn verlegen anlächelte. „Gott, ich bin kindisch. Du musst wirklich denken, ich bin eine dämliche Heulsuse.“ Sie fuhr sich mit der Hand über die geröteten Augen und schniefte kurz. „Hör mir nicht zu, Tec.“
„D’arjos tun so was nicht, Ailia“, sagte er ernst. „Aber wenn es nach mir ginge, ich würde dich schnappen, auf dein Herero werfen und mit dir zusammen verschwinden.“
Ailia hob die Hand und strich über seine Wange. „Wir sind beide kindisch, weißt du das?“
„Ich will nicht, dass mein Geruch an dir verschwindet“, fuhr er fort. „Ich will nicht, dass du den Geruch eines anderen Mannes trägst. Ich bin genau so egoistisch wie du...“ Er senkte den Kopf und sie spürte zitternd seine Zähne an ihrem Hals. „Ich habe nicht geahnt, dass es so weh tut.“
Tec’or schlief in dieser Nacht in Ailias Kabine und sie verschwendeten beide kaum einen Gedanken an Schlaf.
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Schweigend sattelte Tec’or am nächsten Morgen Damaron und packte sein restliches Gepäck auf Selina. Ailia hatte ihr Versprechen gehalten und ihn mit all den Waffen versorgt, die er am Beginn ihrer Beziehung gefordert hatte, obwohl er mehr als einmal gesagt hatte, er wolle sie nicht haben.
Jetzt stand sie neben ihm. Sie waren allein auf dem Vorplatz, da die anderen Menschen sich schon von dem D’arjo verabschiedet und diskret den Platz geräumt hatten.
„Was hast du jetzt vor, Tec?“
„Ich werde heimkehren“, sagte er leise. „Ich bin alt genug, um auf der Ranch meines Vaters zu arbeiten und sie später zu übernehmen.“
Ailia fühlte sich plötzlich, als würde sie keine Luft mehr bekommen. „Versorg Selina gut“, stieß sie hervor. „Und ihr Junges.“
Tec’or atmete tief durch, ehe er sich umdrehte. Frag sie. In ihren so fremdartig dunklen Augen schwammen schon wieder Tränen. „Wenn ... wenn du möchtest“, begann er zögernd. „Schicke ich eine Nachricht, wenn sie ... wenn sie es hat.“
„Ich kann es mir ansehen kommen?“ piepste Ailia und ihre eigentliche Frage lautete: Willst du, dass ich dich besuchen komme?
„Ja“, brachte er heraus.
Ailia kämpfte schon wieder mit den Tränen. Seit wann war sie eigentlich so weinerlich veranlagt. „Tec?“ Sie trat an ihn heran und sah zu ihm hoch.
„Ja?“
Nach dem, was sie über D’arjos wusste, war es Schwachsinn, etwas Derartiges zu sagen. Aber sie wusste genau, wenn sie es nicht tat, würde sie sich ewig Vorwürfe machen. „Ich kann mit einem Gleiter jeden Punkt des Planeten innerhalb kurzer Zeit erreichen...“
Seine Augenbrauen hoben sich, noch immer fragend.
„Wenn ... wenn du möchtest ...“ Die Worte erstarben in ihrem Mund. Es war dumm. Er war kein Mensch.
„Ja?“
Wie um sich selbst Mut zu machen holte sie noch einmal Luft. „Ich habe hier eine Aufgabe zu erledigen. Aber ich habe genau so freie Zeit, die ich verbringen kann wie ich will. Mit wem ich will...“
Was sie anbot, war für d’arjotische Begriffe ungeheuerlich und Tec’or wusste es. Er kannte keinen Mann, dessen Frau nicht in seinem Haus lebte und die dieser nicht versorgte. Er sah die Unsicherheit in ihren Augen. Sie kannte D’arjo jetzt gut genug, um zu wissen, dass ihr Angebot ihn verblüffen und wahrscheinlich entsetzen musste.
Doch der Gedanke, dass sie komplett aus seinem Leben verschwinden würde, war noch viel entsetzlicher. Er senkte den Kopf und fuhr mit der Zunge über ihre Lippen. „So, dass mein Geruch nie an dir verschwindet?“, schnurrte er leise.
Ailia schluchzte nickend auf, schlang ihre Arme um ihn und fühlte wie er sie an sich zog.
„Warte noch kurz einen Moment.“
Sie stürzte in die Station zurück. Tec’ors Blick folgte ihr erstaunt.
Als sie wieder auftauchte, hielt sie ein kleines schwarzes Armband in der Hand. Sie streifte es über Tec’ors Handgelenk. „Das ist ein Funkgerät“, erklärte sie aufgeregt und zeigte ihm, wie er die Knöpfe bedienen konnte. „Wir können miteinander reden, wenn wir uns nicht sehen...“ Sie sah unsicher in seine Augen. „Ich meine, wenn ... du willst.“
„Ohne, dass wir uns sehen?“ Er klang erstaunt und fuhr mit den Krallen ehrfürchtig über die schwarze Plastik.
„Ja, so weiß ich immer, wo du gerade steckst.“ Sie lächelte schüchtern über das Leuchten in seinem Gesicht. „Und du kannst mich jederzeit erreichen, wann immer du willst.“
Er hob den Kopf und sah sie an. „Ihr Menschen seid wirklich seltsam“, sagte er leise, hob seine Hand und legte sie um ihren Hals.
Ailias Augen schlossen sich, als sich sein Kopf senkte und sie seine Zähne an ihrem Hals spürte. Es war ein zärtlicher Biss, der sie nicht verletzte und sie seufzte leise. „Ich möchte auch nicht, dass du einen anderen Geruch trägst außer meinem.“
Tec’or knurrte neben ihrem Ohr. „Ich werde es nie. Nicht, solange du mich haben willst.“ Er ließ sie los, schwang sich auf Damaron und griff nach Selinas Zügeln. „Bis bald, Menschenfrau.“
Ailia lächelte. „Bis bald, D’arjo.“
Sie sah ihm nach, wie er die Tiere zu einer schnelleren Gangart antrieb und immer kleiner wurde. Aber sie fühlte sich nicht mehr ganz so traurig wie vorher. Es war nicht das erste Mal, dass Menschen Beziehungen mit intelligenten Bewohnern anderer Planeten eingingen. Ob es funktionierte, würde erst die Zukunft zeigen.
Das Lächeln blieb auf ihrem Gesicht bis er am Horizont verschwunden war und ehe sie sich umwandte, um in die Station zurück zu gehen, murmelte sie leise:
„Ich liebe dich, D’arjo.“
E n d e
