Gedanken zu:

Vielleicht gibt es ein Leben nach dem Tod" von Thyrael

 

Vielleicht gibt es ja ein Leben nach dem Tod? Vielleicht habe ich in der Minute meines Sterbens die Wahl, ob ich in meinem Körper bleiben will, um zu versuchen,  ihn am Leben zu erhalten, oder ob ich vor der Wahl stehe, zum Licht zu laufen, und damit in die nächste Dimension, das sogenannte Leben nach dem Tod, einzugehen.  

Oder ob ich weder in meinem Körper bleibe noch zum Licht gehe, sondern einfach in der Gegend herum schwebe, oder laufe wie auch immer meine Daseinsform dann aussehen mag. Ich werde alles, was so passiert, hier in der Sterblichen-Welt weiterhin verfolgen können, werde mich aber nicht bemerkbar machen können und kann auch nicht wahrgenommen werden.  

Oder vielleicht geht es ja doch, dass ich mich bemerkbar machen kann, sich aber dort, wo ich mich dann befinden werde, so etwas wie eine Gesellschaft entwickelt hat,  sterben ja schließlich genug Leute pro Tag, die es mir bei Strafe verbietet, mit den Sterblichen zu kommunizieren. Ich wäre gerne so etwas wie eine verlorene Seele, die ihre ewige Ruhe nicht findet. 

Aber wahrscheinlich gibt es all das nicht, wir Menschen, und ich als unbedeutendes Individuum, sind nur eine Anhäufung von Atomen zu Zellen zu Gewebe zu einem Organismus, welcher durch biochemische Prozesse  und einem ausgeklügelten Regelsystem sich selber immer wieder regeneriert und repariert, und durch die Einheit, welche zentral alle Sinnesreize, wahrgenommen durch eben die Sinnesorgane, verarbeitet, und auf so komplexe wie auch von Individuum zu Individuum verschiedene Art und Weise darauf reagiert, kontrolliert wird.  

Dass bei einem Tod dieses Organismus einfach nur die Elektro-Impulse, die durch sein Nervensystem zucken, aufhören werden, generiert zu werden und die Reparaturfunktionen dieses Zellenhaufens aufhören werden zu arbeiten. 

Die kleinen biochemischen Kraftwerke und Fabriken ihre Maschinerie für immer stilllegen. 

Die Reinigungsfirmen und Polizeibüros schließen und ihre Tätigkeit einstellen. 

Das ganze Land innerhalb von Stunden herrenlos wird und sich jeder illegale Einwanderer jetzt ungestraft zeigen und mit seiner destruktiven Arbeit beginnen kann.  

Die Professoren im Gehirn und die Architekten in den Knochenmarkkammern ihre Streitigkeiten beilegen, sich die Hand geben und für die langjährige Zusammenarbeit danken. Ihre Büros, Labore, und Dokumentationsräume mit einer Träne in den Augen verlassen werden, mit der Gewissheit nie wieder zurückzukommen.  

Sie alle, die Polizisten, die Feuerwehrmänner, die Reinigungskräfte, die Armee, die Konstrukteure, die Baumeister, die Professoren und die Mitarbeiter des Transportunternehmens, welche durch Abschaltung der Hauptpumpe, welche immer für einen konstanten und der Situation angepassten Verkehrsfluss sorgte, festsitzen, begeben sich allesamt an ihre Terminals, um die letzte Eingabe in den Großrechner zu tätigen, die noch möglich ist:  

"shutdown –h now.“ 

Mit einer letzten kleinen Träne in den Augen und einem traurigen verschluckten Schluchzen im Hals bestätigen alle gleichzeitig ihre Eingabe und verfolgen, inzwischen kaum mehr wahrnehmungsfähig, die Ausgabe auf dem Terminalbildschirm: 

=> 'shutting down system...'

=> 'terminating all programs and tasks...'

=> 'preparing for run level 0...'

=> 'run level 0 reached!'

=> 'all communication ports have been closed!'

=> 'all locks have been opened.'

=> 'deactivating power plant...' 

Die Zeichen auf dem Monitor werden immer schwächer, was aber niemand mehr mitbekommt. Als man die Zeichen fast kaum noch sehen konnte, erscheint noch eine Ausgabe auf dem Bildschirm, welche selbst in ihrem kurzen Dasein, bis sie vollständig verblasst, die letzte typische Nachricht darstellte, die ein sterbendes Individuum an die Nachwelt hinterlässt: 

=> 'Good bye... I love you, don’t forget me.'