
Autor: Kristin
E-Mail Adresse: btvsfaith@web.de
Altersfreigabe: 16
Inhalt: Auf den ersten Blick scheint Sunnydale eine typische,
kalifornische Kleinstadt zu sein, in der sich niemand vor irgendetwas zu
fürchten braucht – zumindest so lange, bis auf einer Party im Hause der Summers
ein Mord passiert. Zuerst halten es alle für einen Racheakt, da das Opfer
Kontakte zu kriminellen Kreisen hatte, doch dann müssen die anderen Teenager
feststellen, dass auch sie sich in Gefahr befinden…
Paar(e)/Hauptcharakter(e):
Willow, Spike, Buffy/Angel, Cordelia/Xander
Disclaimer: I do not own the characters in this story, nor do I own any
rights to the television show "Buffy the Vampire Slayer". They were created by
Joss Whedon and belong to him, Mutant Enemy, Sandollar Television, Kuzui
Enterprises, 20th Century Fox Television and the WB Television Network.
Beta: Cloegirl
Das kursiv Geschriebene spielt in der Vergangenheit.
Teil 1 Teil 2 Teil 3 Teil 4 Teil 5 Teil 6 Teil 7 Teil 8 Teil 9 Teil 10 Teil 11 Teil 12 Teil 13
~*~*~*~
Teil 1
Laute Musik hallte durch die Straßen, untermalt von dem Grölen betrunkener Teenager. Man konnte meinen, die halbe Stadt hätte sich zu einem Rockkonzert versammelt, doch das war nicht der Fall.
Der Krach fand seinen Ursprung in einem kleinen, unscheinbaren Haus, welches in einer guten Nachbarschaft gelegen war – was natürlich sofort die Frage aufwarf, warum sich niemand beschwerte. Die Antwort darauf war genauso logisch wie simpel: war Sunnydale auch so schon eine Kleinstadt, in der sich jeder nur um seine eigenen Angelegenheiten zu kümmern pflegte, so waren um diese Zeit die meisten Bewohner in den Urlaub gefahren, sodass sich die Jugendlichen ungestört zu einer Party versammeln konnten.
Ein dunkelhaariges Mädchen verteilte verschiedene Getränke, wenn auch mehr über die Einrichtung als an die anderen Gäste, da sie selbst inzwischen alles andere als nüchtern war. So dachte sie auch nicht mehr an das kleine Kind, welches im oberen Stockwerk in seinem Zimmer schlafen sollte und hörte nicht die nackten Füße, die unsicher die Treppe hinunter tapsten – mitten ins Wohnzimmer, zwischen eine Bande betrunkener Teeanger.
„Hey, guckt mal, wen wir hier haben“, johlte ein Junge begeistert auf und schwankte, mit seiner leeren Bierflasche in der Hand, auf das verängstigte Kind zu, welches ihn mit großen Augen anstarrte und sich fragte, was dieses komische, menschenähnliche Ungestüm eigentlich von ihm wollte.
„Hol mir mal noch ’n Bier!“
„B-Bier?“, stotterte die kleine Gestalt vollkommen überfordert und neigte den Kopf in eine andere Richtung, um dem alkoholgeschwängerten Atem des Älteren auszuweichen, was die umstehenden Jugendlichen in schallendes Gelächter ausbrechen ließ.
„Ja, Bier, du kleine Rotznase“, erwiderte der Erste nun wütend und verpasste dem Kind einen kräftigen Stoß, sodass es nach hinten auf den Boden fiel. Tränen bildeten sich in den unschuldigen Augen und es hob schützend die Arme vors Gesicht, was den Älteren nur noch ärgerlicher werden ließ.
Er holte mit dem Fuß aus, um zuzustoßen, doch dabei geriet er ins Schwanken und fiel selbst hin, was seinem Opfer die Chance gab, zitternd aufzustehen und die Treppen hoch in sein Zimmer zu flüchten, so schnell es seine kleinen Beinchen tragen konnten.
Dort drehte es schnell den Schlüssel herum und lehnte sich anschließend mit dem Rücken an die Tür, sein Körper noch immer von ängstlichen Schluchzern geschüttelt. Die Hände hatte es fest auf die Ohren gepresst, in dem vergeblichen Versuch, den Krach aus dem unteren Stockwerk auszublenden.
Doch es sollte den Schrecken jenes Abends für den Rest seines Lebens nicht mehr vergessen.
~*~*~*~
Die Nacht hatte sich über Sunnydale gelegt und das einzige Licht war der schwache Schein des Mondes, der einen schmalen Streifen zwischen den Häusern erhellte. Die Bewohner hatten sich schon vor einiger Zeit zu Bett begeben, weshalb niemand die Gestalt bemerkte, die durch die Straßen schlich, sich immer wieder vorsichtig umsehend, in der Befürchtung, doch entdeckt zu werden.
Sie war vollkommen in schwarz gekleidet, sogar die Haare waren unter einer Kapuze versteckt und auch die Statur war im Schatten der Häuser nur schwer auszumachen, wodurch man nicht eindeutig feststellen konnte, ob es sich um eine weibliche oder eine männliche Person handelte. Selbst das Gesicht war von einer Maske bedeckt.
Die Gestalt überquerte nach einem kurzen Zögern die Straße, sodass für einen Augenblick das Mondlicht auf sie fiel und von einem Gegenstand in ihrer Hand reflektiert wurde. Ein silbernes Aufblitzen erhellte die Nacht wie es lediglich von Licht, das auf eine Klinge geworfen wurde, verursacht werden konnte.
Es war jedoch genauso schnell wieder verschwunden wie es gekommen war, weshalb man später nicht sagen können würde, ob es echt gewesen war, oder nur ein Streich der Augen.
~*~*~*~
Willows Blick wanderte nervös zwischen ihrem Fernseher und dem Fenster hin und her. Eigentlich hatte sie ihren Abend damit verbracht, einen neuen Film anzuschauen, aber dann hatte sie von draußen ein Geräusch gehört, als wenn jemand gegen eine Mülltonne gestoßen wäre.
Sie war aufgestanden, um nachzusehen, schließlich war es ungewöhnlich, dass um diese Zeit noch jemand in der Dunkelheit herumschlich, noch dazu in den Ferien, wo die meisten im Urlaub waren. Und es war bisher auch nicht so spät, dass diejenigen, die in der kalifornischen Kleinstadt geblieben waren, aus dem Bronze zurückkommen würden – aus ihrer Nachbarschaft ohnehin so gut wie keiner, sogar ihre Eltern waren fortgefahren.
Doch sie hatte niemanden entdecken können. Beim ersten Mal hatte sie sich nichts dabei gedacht, einfach mit den Schultern gezuckt und sich wieder ihrem Film zugewandt.
Als nur wenige Augenblicke später das Geräusch aber wieder erklang, war sie schneller beim Fenster und sie erhaschte tatsächlich noch einen Blick auf eine schwarz gekleidete Person, die die Straße entlang ging. Ein Stirnrunzeln legte sich auf ihr Gesicht. Was macht der- oder diejenige da draußen? Noch dazu in dieser Kleidung? Und warum weicht er den Laternen aus? Will er nicht gesehen werden? Oder macht er es vielleicht unbeabsichtigt? Jedenfalls sieht es zumindest nicht danach aus, als ob er irgendwo einbrechen will, beruhigte sich die Rothaarige selber, um sich anschließend wieder dem Fernseher zuzudrehen, den Gedanken an den Fremden beiseite schiebend.
~*~*~*~
Nur kurze Zeit später kam die Gestalt, die Willow gesehen hatte, an ihrem Ziel an: der Villa der Summers, wo deren Tochter eine Party gab, zu der beinahe jeder aus der Sunnydale High eingeladen war – Platz war ja genug da.
Die Person schlich sich in die Nähe von einem Fenster und sah hinein auf die teils mehr, teils weniger betrunkenen Teeanger.
„Ihr werdet schon sehen, was ihr davon habt“, erklang die gefühlslose Stimme, als sie sich an ein Ereignis aus ihrer Kindheit erinnerte.
Mit diesem Gedanken im Hinterkopf ging sie zielstrebig auf das zuvor ausspionierte Kellerfenster zu – früher oder später würde ganz sicher jemand hinunter gehen, um Nachschub zu holen.
Es war nicht allzu schwierig die Scheibe zu durchschlagen, da der Krach des splitternden Glases mühelos von der lauten Musik übertönt wurde.
Vorsichtig stieg die Gestalt durch den verbliebenen Rahmen ins Innere, wobei sie zufrieden feststellte, dass man die Scherben von der Tür aus nicht erkennen konnte. Sie verbarg sich hinter einem der Weinregale neben der Tür, um ihrem zukünftigen Opfer den Fluchtweg versperren zu können.
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„Dru? Würdest du bitte in den Keller gehen und noch mehr Bier holen?“, wandte sich Buffy an ihre Freundin, die sie daraufhin mit abwesendem Gesichtsausdruck ansah – die Blonde wollte überhaupt nicht wissen, was sie sich nun schon wieder eingeworfen hatte, hatte sie doch mehr als einmal versucht, die Studentin davon abzubringen. Man sollte meinen, sie wäre die Vernünftigere von beiden, immerhin war sie sieben Jahre älter, doch das war nicht der Fall.
Die Angesprochene nickte aber trotz ihres Zustandes, obgleich sie noch kurz zuvor mit den Sternen gesprochen hatte und machte sich auf den Weg nach unten. Ihr Blick schweifte dabei über die feiernden Jugendlichen und für einen Moment wimmerte sie leise.
„Arme, kleine Schäfchen, wissen nichts von dem Wolf. So viele tote Augen, so viele werden es sein“, murmelte sie, allerdings schenkte ihr keiner Beachtung, weil es allgemein bekannt war, dass sie nicht nur in Rätseln sprach, sondern zusätzlich meistens unter Drogeneinfluss stand. Deshalb konnte auch niemand ahnen, wie Recht sie mit dieser Vorhersage haben sollte.
Sie seufzte noch einmal und warf einen letzten Blick zu Angel, welcher bereits seit einiger Zeit Buffy mit ihr betrog. „Wir werden uns bald wieder sehen, mein dunkler Engel. Ihr Licht wird dich verbrennen, ihre Welt ist nicht die deinige.“
Mit diesen Worten steig sie die Treppe hinab, in dem Wissen, nicht mehr lebendig nach oben zu kommen. Sie öffnete die knarrende Tür zum Keller und trat in den dunklen Raum hinein. Gänsehaut bildete sich auf ihren Armen, doch nicht aus Angst – sie wusste ja ohnehin, was geschehen würde -, sondern wegen der Kälte, die ihr entgegenschlug.
Ihre Lippen umspielte ein kleines Lächeln und sie fragte sich, ob ihr Mörder von ihrem Verhalten überrascht sein würde. Sie zog die Tür hinter sich ins Schloss, wobei sie das Licht mit Absicht nicht einschaltete, und entfernte sich ein Stück von ihr, geradewegs auf einige Schnapsflaschen zu, als sie auch schon leise Schritte hinter sich vernahm.
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„Hey Buffy, deine Party ist der Hammer“, lobte Parker die High School Schülerin, woraufhin ihm gleich auch Xander zustimmte: „Ja, geile Fete, Buffster.“
„Danke“, erwiderte diese mit einem ausgelassenen Lachen. „Ich bin auch froh, dass ich mich nicht davon abbringen lassen habe. Ihr hättet Giles mal erleben sollen, als er davon erfahren hat. Er hat natürlich sofort seine Brille abgenommen und angefangen, sie zu putzen – mal ehrlich, ich frage mich wirklich, wie lange das die Gläser noch aushalten.
Und dann hat er gemeint, ich soll meinen Eltern nicht so viel Ärger machen, dabei sind die im Urlaub, die kriegen das doch überhaupt nicht mit. Er hat es danach auch noch fertig gebracht, mir einen Vortrag über die Gefahren von Alkohol zu halten und darüber, was auf solchen Partys alles passieren kann“, machte sich die Blonde über den Bibliothekar lustig.
„Ihr hättest wirklich sein Gesicht sehen sollen, als Buffy ihm gesagt hat, sie wäre bereits aufgeklärt – unbezahlbar“, mischte sich nun Cordelia ein. „Wenn man ihm so zuhört, könnte man tatsächlich meinen, man würde auf solchen Feiern umkommen, was bei ihm wahrscheinlich auch der Fall ist. Der kriegt ja praktisch schon einen Herzinfarkt, wenn eines seiner Bücher an der falschen Stelle im Regal steht.“
Bevor sie sich noch weiter über den netten, älteren Herrn auslassen konnte, wurde sie allerdings von Xander abgelenkt, der ihr etwas ins Ohr flüsterte. Ein herausforderndes Lächeln erschien auf ihren Lippen und mit einem vorsichtigen Blick in die Runde – schließlich wollte sie nicht, dass jemand von ihrer kleinen Liaison erfuhr – folgte sie dem Dunkelhaarigen. Sie hörte noch von weitem, wie sich Buffy bei Parker erkundigte, wo Angel blieb, doch sie kümmerte sich nicht weiter darum.
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Drusilla senkte den Kopf und schloss kurz die Augen, da ihr ein wenig schwindelig war. Das Mondlicht fiel auf ihre langen Haare und ließ sie geheimnisvoll schimmern. Sie war schöner als die meisten dachten, das musste auch die Person, welche nun direkt hinter ihr stand, zugeben.
„Ich wusste, dass du hier auf mich warten würdest“, eröffnete sie mit melodischer Stimme, nun etwas klarer im Kopf. Sie drehte sich langsam um und blickte in die mit gelben Kontaktlinsen bedeckten Augen der Gestalt, welche vor Schreck über ihre Reaktion einen Schritt zurückgewichen war. Ihr Blick glitt über die Studentin und für einen Moment hatte sie Zweifel an ihrem Vorhaben. Fragte sich, ob die junge Frau vor ihr wirklich die Richtige war, ob sie wirklich zu jenen Menschen gehörte, die sie so sehr hasste, die sie nicht respektierten.
Drusilla sah nicht aus wie eine typische kalifornische Cheerleaderin. Ihre Haut war so blass als habe sie niemals einen Sonnenstrahl gespürt und im Licht des Mondes, welches durch das kaputte Fenster fiel, sah sie aus wie eine dunkle Prinzessin. Am Tag war sie nicht hübscher als andere, doch jetzt, in der Nacht, schien es als wäre sie genau da, wo sie hingehörte.
Ihre Augen ähnelten zwei dunklen Edelsteinen, mit Weisheit gefüllt, wie sie keine Frau ihres Alters erlangt haben konnte. Sie wirkten beinahe schon ein wenig zu lebenssatt, des Wissens müde. Ob sie vielleicht doch mehr sah als andere? Ob es vielleicht doch nicht nur die Drogen waren, die sie seltsame Bilder in ihrem Geist sehen ließen? Schließlich schien sie sehr genau zu wissen, was nun folgen würde.
„Bring es zu Ende“, forderte Drusilla die Person vor sich auf, wobei sie noch immer lächelte. Diese schien sich wieder von ihrem anfänglichen Schock erholt zu haben und nickte emotionslos. Sie zog mit der linken Hand einen Dolch aus ihrem Gewand, während sie hinter Drusilla trat, um die andere Hand um ihren Hals zu legen, damit sie nicht doch noch weglaufen konnte. Selbst wenn sie schreien würde, würde es ihr überhaupt nichts nutzen, da sie niemand über die Musik hinweg hören würde – von hier unten schon gar nicht.
Mit einer schnellen, gezielten Bewegung rammte die Gestalt den Dolch in das Herz der Dunkelhaarigen, welche daraufhin aufkeuchte. Aber nicht aus Schmerz, den spürte sie nicht mehr, sondern wegen einer letzten Vision, die sie just in diesem Moment durchfuhr.
„Du wirst es finden… irgendwann wirst du finden, was du begehrst… rotes und blaues Feuer… er-erfriere… n-nicht…“, stieß sie mühevoll hervor, nach Luft schnappend, bevor jegliche Spannung aus ihrem Körper wich und sie mit leeren, toten Augen an die Decke starrte.
Die Gestalt ließ sie langsam zu Boden gleiten, wo sich mittlerweile eine Blutlache bildete. Sie warf noch einen letzten Blick auf die rätselhafte Schönheit, bevor sie sich wieder zu dem kaputten Fenster begab und im Schutze der Dunkelheit hinaus kletterte. Was hatte sie mit ihren Worten bloß gemeint? War sie so high gewesen, dass sie überhaupt nicht realisiert hatte, was eben geschah? Oder hatte sie tatsächlich mehr sehen können als andere?
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Suchend sah sich Buffy um. Wo war Drusilla denn bloß? Sie war bereits vor einer halben Ewigkeit in den Keller gegangen, um Bier zu holen, eigentlich müsste sie schon längst zurück sein.
„Xander? Hast du zufällig Dru gesehen?“, wandte sie sich an den Dunkelhaarigen, der soeben den Raum betreten hatte, ohne zu wissen, dass dieser niemanden gesehen haben konnte, da er gerade erst von einem Stelldichein mit Cordelia zurückkam.
„Nope, aber Bier ist auch keines mehr da. Hast du etwas dagegen, wenn ich runter geh und welches hol?“, erwiderte er lediglich unbekümmert.
Die Blonde runzelte daraufhin verwirrt die Stirn. „Was? Aber sie wollte doch vorhin welches holen. Bist du dir sicher?“
„Ich bin nicht blind, hier sind nur leere Flaschen“, meinte er empört, bevor er seine nicht gerade hohe Meinung über die Dunkelhaarige wieder einmal deutlich machte. „Wahrscheinlich war sie so zu, dass sie die Treppe runter geflogen ist – oder sie hatte schon vergessen, was sie eigentlich machen wollte, bevor sie überhaupt im Keller war.“
Buffy schüttelte daraufhin nur den Kopf, da sie wusste, wie zwecklos es wäre, ihn vom Gegenteil überzeugen zu wollen. Sicher, Drusilla war die meiste Zeit nicht ganz bei sich und redete dementsprechend auch oft wirr, aber sie war für gewöhnlich trotzdem zuverlässig – auch wenn es ihr völlig schleierhaft war, wie die Ältere ihr Studium schaffte. Andererseits erklärte das natürlich, warum sie damit immer noch nicht fertig war.
„Du holst das Bier und ich komm mit, um nachzuschauen, wo sie abgeblieben ist.“
Mit diesen Worten ging die High School Schülerin voraus in den Keller, dicht gefolgt von ihrem besten Freund. Sie war es auch, die die Tür zu jenem Raum, in welchem sich nur kurz zuvor der Mord abgespielt hatte, öffnete und das Licht einschaltete.
Ihr Blick schweifte über den Boden und blieb an einer Blutlache hängen, in welcher die Vermisste lag, was sie geschockt aufschreien ließ.
Xander zuckte deswegen erschrocken zusammen, bevor er über ihre Schulter schaute und ebenfalls den Grund ihres Entsetzens sah, was ihn schwer schlucken ließ. Übelkeit stieg in ihm auf und er bereute augenblicklich, was er gerade über Drusilla gesagt hatte. Mit einem fassungslosen Kopfschütteln schob er sich an der Blondine vorbei, um sich neben der regungslosen Dunkelhaarigen hinzuhocken und nach einem Puls zu suchen.
Es war allerdings keine Überraschung für ihn, dass dieser Versuch vergeblich war, war er sich doch bereits bei ihrem Anblick ziemlich sicher gewesen, dass sie tot sein musste. Er schüttelte den Kopf, wodurch er auch Buffy bestätigte, was sie eigentlich schon wusste.
Diese schluchzte kurz auf, bevor sie sich mit Tränen in den Augen an ihn wandte: „W-Was sollen wir d-denn jetzt machen?“
„Zuerst einmal die Polizei rufen und die anderen wegschicken – es ist besser, wenn das hier so wenige wie möglich sehen“, erwiderte er, entgegen seiner sonstigen Scherze, erst und drückte ihr aufmunternd die Hand, obgleich er sich selbst elend fühlte.

„Gott, Baby, bin ich froh, dass du okay bist“, begrüßte Angel am nächsten Morgen seine Freundin Buffy in deren Garten.
Diese sah ihn ein wenig verärgert an. „Wo warst du gestern?“
„Ich hatte Hausarrest aufgebrummt bekommen, tut mir leid“, erwiderte er reumütig, wobei sein schlechtes Gewissen schon beinahe echt war. Es war nie seine Absicht gewesen, sie in so einer Situation allein zu lassen. „Hast du eine Ahnung, wer das getan haben könnte?“
Die Blonde schüttelte auf diese Frage hin den Kopf und lehnte sich schutzsuchend an seine Brust, was ihn dazu veranlasste, seine Arme um sie zu legen und ihr einen tröstenden Kuss auf die Stirn zu hauchen.
„Wer ist bloß in der Lage, so etwas Grausames zu tun?“, schluchzte sie verzweifelt, da sie nicht wusste, was sie machen sollte. Sicher, Drusilla war nicht ihre beste Freundin gewesen, aber sie hatten sich dennoch sehr gut verstanden. Sie so leblos am Boden zu sehen, war ein gewaltiger Schock gewesen.
„Und was ist, wenn wir die Nächsten sind? Wenn er nicht aufhört, bis er uns alle umgebracht hat?“
„Nun mach aber mal halblang“, mischte sich Cordelia ein – wie immer nicht im Geringsten gerührt. „Klar, das, was da passiert ist, war schon ziemlich brutal, doch wundern sollte uns das nun wirklich nicht. Hast du dir schon mal die Leute angeguckt, mit denen die rum gehangen hat? Wahrscheinlich hat sie ihren Dealer ganz einfach nicht rechtzeitig bezahlt.“
Buffy sah die Dunkelhaarige fassungslos an, welche sich daraufhin unbeeindruckt die Haare über die Schulter warf, bevor sie von der wütenden Blondine angefaucht wurde: „Wie kannst du das sagen? Du hast sie doch gar nicht gekannt! Und du hast sie nicht da liegen sehen.“
„Ähm, Buff, ich sag das jetzt nicht gern, aber…“, setzte Xander an, der das Gespräch bisher schweigend verfolgt hatte, wurde jedoch sofort unterbrochen, da sich der Zorn der Angesprochenen nun auf ihn richtete. Ihre grünen Augen schienen Funken zu sprühen.
„Was aber?!“
„Aber…“, begann er erneut, um gleich darauf tief Luft zu holen und sich somit auf einen Wutausbruch gefasst zu machen, „unsere Queen C hier hat vermutlich Recht. Wir sollten uns nicht so viele Gedanken machen und die Sache der Polizei überlassen.“
„Weil die Polizei in Sunnydale ja für gewöhnlich so viel tut, um Verbrechen aufzuklären“, brummte die Blonde sarkastisch, gab jedoch fürs Erste Ruhe.
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Genüsslich zog Spike an seiner Zigarette. Er war bereits eine Weile sinnlos durch die Gegend gefahren, einfach nur, um aus dem Haus zu kommen, bevor ihm noch die Decke auf den Kopf fiel. Andere in seinem Alter hätten sich wahrscheinlich mit Freunden getroffen und mit diesen etwas unternommen, aber das konnte er nicht, da ihn so ziemlich jeder an der High School für einen Freak hielt.
Zugegeben, ganz unschuldig daran war er ja nicht, allein seine Kleidung schreckte die meisten Leute schon ab: an den Knien zerschlissene, ausgeblichene Jeans, Springerstiefel, ein enges, schwarzes Muscle-Shirt mit einigen Sicherheitsnadeln und ein langer Ledermantel. Dazu kamen dann noch seine platinblond gefärbten Haare, ein Augenbrauenpiercing und ein Totenkopfring.
Wobei ihm die Ruhe, die ihm dieses Outfit verschaffte, die meiste Zeit ganz Recht war, sogar die Lehrer wiesen ihn nur selten in seine Schranken.
Nur ab und zu dachte er, dass ein bisschen Gesellschaft vielleicht gar nicht so schlecht wäre.
Sein Blick glitt über die beinahe leere Straße und blieb an einem Mädchen hängen, welches eben aus einem Laden herauskam. Ihre langen, roten Haare wehten im lauen Sommerwind und sie hielt ihren Kopf gesenkt als wollte sie von niemandem gesehen werden.
Irgendetwas an ihr kam ihm bekannt vor, doch er kam einfach nicht darauf, was es war. Ebenso wenig wusste er, wieso sie so eine Anziehungskraft auf ihn auszuüben schien, dass er sich ernsthaft fragte, wie ihr Gesicht wohl aussehen mochte. Sonst machte er sich doch auch nie Gedanken über solche Dinge.
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Mit einem Lächeln schielte Willow durch ihre Haare über die Straße hinweg, wo ein blonder Punk stand. Sie hatte sehr wohl bemerkt, dass er sie anstarrte, doch sie traute sich nicht so richtig, offen zurückzusehen, aus Angst, er würde dann wegschauen, weil es ihm peinlich wäre. Schließlich war sie allgemein als „Streber“ bekannt und mit denen flirtete man nun einmal nicht.
Ein Seufzen drang über ihre Lippen und sie fragte sich nicht zum ersten Mal, warum man, wenn man intelligent war, nicht auch cool sein konnte. Wahrscheinlich lag es aber daran, dass die meisten Cheerleader und Footballspieler der Sunnydale High nicht gerade schlau waren. Und die wenigen, die sich auch für ihre Noten interessierten, würden das nur über ihre Leiche hinweg zugeben.
Obwohl der Platinblonde eigentlich nicht danach aussah als ob er viel auf die Meinung von anderen geben würde, eher das Gegenteil. Ob sie ihn vielleicht einmal ansprechen sollte? Aber auch wenn ihm egal war, was andere dachten, war sie sicher trotzdem nicht sein Typ. Demzufolge wäre es wohl besser, sie ginge nach Hause, bevor sie sich noch lächerlich machte.
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Am Abend trafen sich Buffy und Angel mit Amy und Oz im Bronze. Ursprünglich hatte auch Xander mitkommen wollen, sich dann aber doch anders entschieden, da er, um es mit seinen Worten zu sagen, „nicht das fünfte Rad am Wagen sein wollte.“
Was die anderen nicht wussten, war, dass er mit Cordelia auf einen alten Parkplatz am Rande des Waldes gefahren war.
„Hi, ihr beiden“, begrüßte die Blonde ihre Freunde mit einem Lächeln. Sie war bereits alleine zum Tisch gekommen, da der Dunkelhaarige noch etwas zu trinken holen wollte.
Der Gitarrist erwiderte ihren Gruß mit einem stummen Nicken, während seine Freundin die Jugendliche gleich mit Fragen überhäufte: „Mein Gott, Buffy, wie geht es dir? Bist du okay? Wir haben gehört, was auf der Party passiert ist. Hat die Polizei schon irgendeine Spur? Ich meine, ich konnte Dru zwar nicht so gut leiden, aber das hat sie nicht verdient. Hat man denn schon ihren Dealer gefunden?“
Ein Stirnrunzeln erschien auf dem Gesicht der Angesprochenen, für einen Moment war sie völlig überrumpelt.
„So weit ganz gut, ja, nein und nein – in der Reihenfolge. Und wie kommst du darauf, dass es ihr Dealer gewesen ist? Nur, weil er gesucht wird?“, erwiderte sie dann mit hochgezogener Augenbraue.
„Na ja, wer soll es denn sonst gewesen sein? Ich weiß, ihr wart befreundet, aber auch du kannst nicht leugnen, dass sie sich zeitweise in… zwielichtigen Kreisen herumgetrieben hat“, begründete Amy ihre Meinung, was die Andere kurz auf den Tisch blicken ließ, bevor sie entgegen hielt: „Du hast keinen Beweis dafür, genauso wenig die Polizei. Es könnte jeder gewesen sein.“
„Wieso verteidigst du diesen Typ, der ihr die Drogen verkauft hat? Kennst du den vielleicht auch noch?“, erkundigte sich ihre Freundin daraufhin schnippisch, war sie doch schon immer etwas eifersüchtig auf Drusillas Freundschaft mit Buffy gewesen. Ihre Augen sprühten Funken, diese und ihr kalter Ton verrieten, dass sie ziemlich sauer war, obgleich sie sich nach außen hin noch unter Kontrolle hatte.
„Nein, ich kenne ihn natürlich nicht. Was denkst du denn von mir? Ich glaube nur nicht, dass ihre Menschenkenntnis dermaßen schlecht war. Sie hätte besser aufgepasst, wenn sie sich mit ihm gestritten hätte“, fauchte die Blonde nun zurück, einerseits, weil sie das ungute Gefühl hatte, die Lösung des Rätsels nach dem Mörder wäre nicht so einfach und zum anderen, weil sie sich selbst auch schuldig fühlte. Immerhin war sie es gewesen, die die Studentin in den Keller geschickt hatte.
„Menschenkenntnis?“, lachte die Angesprochene spöttisch auf. „Du hast echt Nerven. Du redest von Menschenkenntnis bei der Wahl eines Drogendealers? Die kann ja wohl von Anfang an nicht sehr ausgeprägt gewesen sein, wenn sie sich in so was reinziehen lassen hat.“
Buffy öffnete den Mund, um etwas zu erwidern, jedoch kam ihr Oz zuvor, der sich den Streit bisher schweigend angehört hatte.
„Amy, Schatz, Dru war Buffys Freundin. Und abgesehen davon spricht man nicht schlecht über Tote. Ihr solltet euch beide etwas beruhigen“, schlug er in seiner gewohnt neutralen, ausdruckslosen Art vor, was ihm einen giftigen Blick seiner Freundin einbrachte. Sie verschränkte die Arme und sah betont gelangweilt zur Tanzfläche, die beiden anderen Personen am Tisch ignorierend.
Als Angel sich mit einem Bier und einer Cola in der Hand zu ihnen gesellte, herrschte noch immer Stille. Die Spannung in der Luft war beinahe greifbar, weshalb er sich wunderte, was wohl geschehen war.
„Liebes, was ist denn los?“, erkundigte er sich verwirrt und erhielt prompt ein unfreundliches: „Nichts!“, als Antwort.
Er runzelte die Stirn, um sich dann an die andere High School Schülerin zu wenden, woraufhin er exakt die gleiche Antwort erhielt.
„Ähm, Oz?“, richtete er seine Frage schließlich an den einzigen der drei, der noch bei klarem Verstand zu sein schien.
„Die beiden haben sich über das, was mit Dru passiert ist, gestritten“, klärte dieser ihn mit einem Schulterzucken auf. Dann wandte er sich wieder Amy zu, indem er seine Hände um ihre Taille legte und sie vorsichtig – er wusste ja nicht, wie sie reagieren würde, da sie offensichtlich zornig auf ihn war - auf die Schulter küsste.
Entgegen seiner Hoffnung war ihre einzige Reaktion jedoch ein kaltes: „Hör auf damit“, wobei sie ihn noch nicht einmal ansah.
„Warum bist du sauer auf mich?“, fragte er sie daraufhin, auch wenn er eine ungefähre Vorstellung darüber hatte. Aber er wollte seinen Verdacht lieber bestätigt haben, bevor er ein weiteres Mal ins Fettnäpfchen trat, weil er sich für das Falsche entschuldigte. Manchmal war ihm wirklich schleierhaft, was in ihrem Kopf vorging.
„Du hast dich auf ihre Seite gestellt“, erwiderte seine Freundin entrüstet und drehte sich nun doch zu ihm herum, um ihn beleidigt anzusehen.
Oz blickte entgeistert zurück, wusste er ja überhaupt nicht, wovon sie redete. Ein Stirnrunzeln legte sich auf sein Gesicht und er kniff verwirrt die Augen zusammen. „Wann?“
„Mein Gott, kannst du auch mal in Sätzen mit mir sprechen, immer wirfst du mir nur einzelne Worte hin“, regte sie sich nur weiter auf. Normalerweise störte es sie nicht, dass er nicht viel redete, aber im Moment war sie wütend auf ihn und da war ihr alles mögliche Recht, was sie ihm an den Kopf werfen konnte. „Wieso verbietest du mir den Mund?“
„A-Aber das hab ich doch gar nicht“, protestierte der Gitarrist, allerdings war ihm damit kein Erfolg vergönnt.
Amy erhob sich lediglich von ihrem Platz, verschränkte die Arme und gab nur ein bekräftigendes: „Doch, hast du!“, von sich, bevor sie aufgebracht aus dem Bronze rauschte.
Ihr Freund sah ihr einen Moment überrascht hinterher – sicher übertrieb sie ab und an etwas, aber so kannte er sie nicht -, um dann ebenfalls aufzustehen.
„Sorry, Leute“, verabschiedete er sich mit einem Schulterzucken und folgte der Verschwundenen.
Buffy hatte es sich inzwischen auf Angels Schoß bequem gemacht und ihre Arme um seinen Hals geschlungen, da er ja nichts für den Streit konnte. Das Thema um den Mord an Drusilla hatten sie bisher vermieden, was jedoch eher von seiner Seite ausging. Ihm kam ihr Tod ganz gelegen, weil er so nicht mehr länger befürchten musste, dass ihre Affäre bekannt wurde. Bisher wusste niemand davon und so sollte es auch bleiben, wollte er seine richtige Freundin doch nicht verlieren.
Auf gewisse Art und Weise liebte er die Blonde, sie war ihm eben nur manchmal nicht genug. Wenn es nach ihm gegangen wäre, dann wäre er lieber offiziell mit der Dunkelhaarigen zusammen gewesen, aber das hätte seinem Ansehen zu sehr geschadet.
„Wen hältst du für den Täter?“, wandte sich die Cheerleaderin nun doch an ihren Freund, der sich daraufhin erschrocken räusperte. Was sollte er jetzt sagen? Sollte er auf diese Frage eingehen? Oder sollte er abermals versuchen, ihr auszuweichen? Wenn er das zu oft tat, würde es ihr allerdings auch irgendwann auffallen.
„Ich weiß es nicht, Baby. Und du solltest dir auch nicht den Kopf darüber zerbrechen, das ist die Aufgabe der Polizei. Lass uns lieber tanzen gehen“, wollte er sie ablenken.
Buffy ging jedoch gar nicht auf seine Aufforderung ein, sondern ließ sich nicht von ihrem Thema abbringen.
„Ich hab Angst, Angel. Wer auch immer das getan hat, läuft frei da draußen herum. Was, wenn er es nicht nur auf sie abgesehen hat? Wenn er irgendein Psychopath ist, der wahllos mordet? Es könnte jeden von uns treffen, jeder von uns könnte der Nächste sein!“
Tränen schwammen in ihren grünen Augen, die ihn furchterfüllt und hilflos anblickten. Ihr Griff um seinen Nacken wurde fester als könnte er sie beschützen, so lange sie nur dicht genug bei ihm blieb. „Gott, ich wünschte wirklich, Amy und Oz wären nicht so überstürzt hier raus gerannt. Und Xander ist ganz alleine Zuhause.“
Der Dunkelhaarige strich ihr beruhigend über den Rücken, während er sie davon zu überzeugen versuchte, dass sie alle in Sicherheit waren.
„Oz hat Amy inzwischen sicher gefunden und zusammen sind sie sicher. Wenn sich der Mörder seine Opfer tatsächlich wahllos aussucht, wird er jemanden nehmen, der alleine ist. Und Xander ist wesentlich stärker als Dru, er kann sich ganz gut selbst verteidigen. Du brauchst dir wirklich keine Sorgen zu machen, das hier wird alles gut ausgehen, du wirst schon sehen. Es tut mir leid, Baby, aber ich muss jetzt los. Soll ich dich gleich nach Hause bringen?“, wechselte er schließlich das Thema, woraufhin ihn die Blonde vorwurfsvoll ansah.
„Du wirst dir diesen blöden Spitznamen nie abgewöhnen, oder?“, fragte sie ihn, ohne jedoch eine Antwort zu erwarten. „Immer musst du gleich wieder weg, obwohl du gerade erst gekommen bist, du könntest dir ruhig mal etwas mehr Zeit für mich nehmen“, warf sie ihm dann vor, was ihn zu einem zerknirschten: „Sorry“, veranlasste.
„Morgen hast du mich den ganzen Tag für dich. Soll ich dich nun heimbringen?“
„Nein, ich will noch dableiben. Ich hab vorhin Dawn und Faith gesehen, mit denen hab ich schon ewig nicht mehr geredet“, schlug sie sein Angebot aus.
„Okay, dann ruf mich an, wenn ich dich abholen soll. Ich möchte nicht, dass du mitten in der Nacht alleine nach Hause läufst.“
„Vielleicht können sie mich ja mitnehmen, dann musst du nicht noch einmal extra herkommen. Ansonsten ruf ich dich an“, gab sie nach, bevor sie sich mit einem Kuss von ihm verabschiedete.
~*~*~*~
Fröstelnd ging Cassie durch die enge, dunkle Gasse. Sie war noch bei einem Freund gewesen und dadurch ziemlich spät dran, weshalb sie sich für diese Abkürzung entschieden hatte. Inzwischen bereute sie diese Entscheidung aber, da eine erneute Auseinandersetzung mit ihrer Mutter wahrscheinlich weitaus weniger gruselig ausgefallen wäre.
Ihr Blick wanderte misstrauisch über die Müllcontainer, hinter welchen sich jederzeit Diebe verstecken konnten – oder auch Schlimmeres, wenn sie an den Zeitungsartikel von heute Morgen dachte. Da war nämlich eine Studentin kaltblütig ermordet worden.
Bei diesem Gedanken lief ihr ein kalter Schauer über den Rücken und sie schlang unbewusst ihre Arme um ihren Oberkörper. Doch die Kälte und Furcht in ihrem Inneren konnte sie damit nicht vertreiben. Warum musste hier auch nur alles so heruntergekommen und dreckig aussehen? Sicher war die Gasse schon bei Tag kein schöner Anblick, aber im Dunkeln wirkte sie wie aus einem Horrorfilm. Schatten krochen über den Boden und ein frischer Wind heulte durch die Nacht.
Mit ängstlich geweiteten Augen sah sie aufmerksam um sich, wobei sie allerdings trotzdem die kleine Gestalt am nächsten Müllcontainer übersah. So kam es auch, dass etwas an ihren Beinen entlang strich, als sie diesen passierte, was sie erschrocken aufschreien ließ. Sie sprang einen Schritt zurück und begann am ganzen Leib zu zittern, nur um gleich darauf die schwarze Katze zu bemerken, die auf der Suche nach Futter in dieser Gegend umher schlich.
„Puh, du hast mir vielleicht einen Schrecken eingejagt“, stieß Cassie erleichtert aus und musste schon beinahe lachen, weil sie nun schon vor einem kleinen Streuner Angst hatte. Das Lachen blieb ihr jedoch im Halse stecken, da sie in eben diesem Moment Schritte hinter sich vernahm.
Sie warf einen Blick über ihre Schulter, konnte aber niemanden entdecken. Möglicherweise hatte sie sich getäuscht? Nein, halt, da war es wieder und dieses Mal schien es auch die Katze bemerkt zu haben, sah sie doch neugierig zum Eingang der Gasse.
Cassie begann schneller zu laufen und suchte verzweifelt nach einem Ausweg. Umkehren konnte sie nicht, dann würde sie ihrem Verfolger direkt in die Arme laufen und an irgendeiner Türe zu klopfen wäre genauso zwecklos. Was sollte sie bloß tun? Sie würde es niemals bis auf die Hauptstraße schaffen.
Das Herz schlug ihr bis zum Hals und ihr Atem ging viel zu schnell, als sie ihren Gang erneut beschleunigte, nur um festzustellen, dass sich die Schritte hinter ihr ihrem Tempo anpassten. Sie zitterte mittlerweile am ganzen Körper und ihre Arme waren trotz der warmen Jacke mit Gänsehaut bedeckt.
Ihr Verstand verweigerte ihr nun endgültig den Dienst und in ihrem Kopf befand sich nur noch ein Gedanke: Renn! Renn wie du noch nie in deinem Leben gerannt bist!
Und sie gehorchte. Ihre Beine flogen förmlich über den Asphalt und sie sah die Schatten an den Wänden der Häuser nur noch vor ihren Augen verschwimmen, als sie die Gasse entlang floh, so schnell ihre Füße sie tragen konnten. Doch der Verfolger war ihr bereits dicht auf den Fersen.

Ihr Verstand verweigerte ihr nun endgültig den Dienst und in ihrem Kopf befand sich nur noch ein Gedanke: Renn! Renn wie du noch nie in deinem Leben gerannt bist!
Und sie gehorchte. Ihre Beine flogen förmlich über den Asphalt und sie sah die Schatten an den Wänden der Häuser nur noch vor ihren Augen verschwimmen, als sie die Gasse entlang floh, so schnell ihre Füße sie tragen konnten. Doch der Verfolger war ihr bereits dicht auf den Fersen.
„Cassie, warte!“, drang plötzlich eine Stimme durch ihr lautes Keuchen hindurch an ihre Ohren. Sie runzelte kurz die Stirn, brauchte sie in der Aufregung doch einen Moment, um zu erkennen, zu wem sie gehörte: Owen!
Dann war er es also gewesen, vor dem sie sich so erschrocken hatte? Dem Himmel sei Dank, sie glaubte nicht, dass sie diesen Lauf noch lange durchgehalten hätte. Ihre Lungen brannten jetzt schon und sie keuchte als wäre sie eben einen Marathon gelaufen. Erleichtert stoppte sie und drehte sich um, woraufhin sie ihre Vermutung bestätigt fand.
„Du hast deine Tasche bei mir liegen lassen“, erklärte der Dunkelblonde die Verfolgung. „Warum bist du vor mir weggelaufen?“
„Ich dachte… ich hab Schritte gehört und da das hier nicht gerade die freundlichste Gegend ist, hab ich gedacht… ach, vergiss es, das war dumm von mir“, winkte sie mit geröteten Wangen ab und nahm ihre Tasche dankend entgegen.
„Nein, das war es nicht. Das Einzige, was wirklich dumm von dir war, war, dass du alleine im Dunkeln durch diese Gasse gegangen bist, anstatt die Hauptstraße zu nehmen“, berichtigte er mit ernstem Gesichtsausdruck.
„Das nächste Mal, versprochen“, versicherte sie ihm, noch immer leicht geschockt, was ihn nur skeptisch die Augenbrauen hochziehen ließ.
„So wie die letzten drei Male, als ich dich darauf angesprochen habe, hm? Komm, ich begleite dich noch bis zu dir.“
~*~*~*~
„Amy, warte!“, rief Oz seiner Freundin hinterher, während er versuchte, sie einzuholen. „Es tut mir leid, ich wollte mich nicht auf Buffys Seite stellen.“
Obwohl ich es meiner Ansicht nach auch nicht getan habe, fügte er in Gedanken hinzu.
Inzwischen war er direkt hinter ihr und packte sie am Arm, um sie dazu zu bringen, ihn zumindest anzuschauen.
„Ich liebe dich doch“, versicherte er ihr, als er ihren verletzten Gesichtsausdruck sah. „Es tut mir wirklich leid.“
Sie sah ihn für einen Moment skeptisch an, suchte nach dem Anzeichen für eine Lüge in seinen Augen. Aber so sehr sie sich auch anstrengte, sie fand nichts – er meinte es wirklich so wie er es gesagt hatte. Ihr Herz pochte aufgeregt in ihrem Brustkorb, war es doch das erste Mal, dass er ihr seine Liebe gestand. Auch wenn die Umgebung – die Gasse hinter dem Bronze – wahrscheinlich nicht unromantischer hätte sein können.
Ein Lächeln erschien auf ihren Lippen, als sie erwiderte: „Ich liebe dich auch. Tut mir leid, ich hab wohl ein bisschen überreagiert.“
„Yeah“, stimmte Oz ihr zu. „Aber du kannst dich später bei Buffy entschuldigen.“
Bei diesen Worten erschien ein vorfreudiges Funkeln in seinen Augen und ihr Lächeln verzog sich zu einem Grinsen.
Er hob sie mit einer fließenden Bewegung hoch und lehnte sie ein paar Meter weiter gegen eine Wand, bevor er ihren Mund mit begierigen Küssen attackierte.
„Tzs, tzs, tzs, so etwas macht man doch nicht in aller Öffentlichkeit, also wirklich. Na, ihr werdet schon sehen, was ihr davon habt“, erklang ein leises Wispern, welches jedoch keinen der beiden erreichte, da sie viel zu sehr mit sich selber beschäftigt waren.
~*~*~*~
„Cordy, Xander, was macht ihr beide denn hier?“, begrüßte Buffy erstaunt ihre Freunde, welche sich gerade zu ihr setzten. Sie waren gleich angekommen, nachdem Angel gegangen war, sodass sie nicht dazu gekommen war, sich zu Dawn und Faith zu gesellen.
„Hey, Buff. Sagen wir, mir war dann doch langweilig und bevor ich mir den nächsten schlechten Film angucke, ertrag ich lieber noch eure Rummacherei. Wo hast du deine andere Hälfte denn gelassen?“, erklärte der Dunkelhaarige und zog neugierig eine Augenbraue in die Höhe.
„Und ich hab nie gesagt, dass ich nicht kommen würde. Immerhin muss ich mich nach einem Ersatz für Devon umsehen“, meinte Cordelia nur mit einem Schulterzucken. Dabei entging ihr völlig Xanders verletzter Gesichtsausdruck.
Buffy jedoch bemerkte den Blick ihres besten Freundes sehr wohl, wusste sie doch, dass er schon eine ganze Weile in die Dunkelhaarige verliebt war. Nur schien diese, was das betraf, mit Blindheit geschlagen zu sein.
„Angel musste leider schon wieder weg“, erwiderte sie mit einem enttäuschten Seufzen. „Und Amy und Oz haben sich gestritten und sind dann kurz nacheinander auch gegangen.“
Ein erstauntes: „Oh!“, verließ Cordelias Lippen. „Haben sie sich wieder vertragen?“
„Ich weiß es nicht. Zurückgekommen sind sie jedenfalls nicht. Ich hab kein gutes Gefühl bei der Sache“, erwiderte die Blonde leise und sah Hilfe suchend zu Xander, welcher ihr beruhigend eine Hand auf die Schulter legte.
„Oz wird sie schon gefunden haben und zu zweit sind sie sicher.“
Er sollte erst später erfahren, wie sehr er sich in diesem Punkt irrte.
~*~*~*~
Ein Stöhnen drang aus Amys Kehle, während Oz eine Spur aus Küssen von ihrem Hals zu ihrem Dekolleté zog und zugleich begann, die Knöpfe ihrer Bluse zu öffnen. Sie bemerkten noch nicht einmal annähernd die Gestalt, die sich ihnen mit leisen Schritten näherte, einen silbern glänzenden Gegenstand in der Hand.
„Wie kann man nur so unachtsam sein?“, murmelte sie leise, fast so als wäre sie von dem Pärchen vor sich enttäuscht. In Wirklichkeit machten sie ihr die Ausführung ihres Vorhabens jedoch nur leichter und darüber war sie eigentlich alles andere als böse.
Sie zog den Gegenstand nun ganz aus ihrem Kapuzenpullover hervor und hätten die küssenden Teenager ihren Blick nur für einen Moment mal voneinander abgewandt, dann hätten sie den Dolch vielleicht gesehen. Dann hätten sie sich vielleicht noch in Sicherheit bringen können. Dann wäre vielleicht nicht jede Hilfe zu spät gewesen.
Doch dem sollte nicht so sein.
Die Gestalt stand inzwischen direkt hinter Oz und holte bereits zum entscheidenden Stich aus, ohne dass einer der beiden Verliebten etwas davon merkte.
Amy hatte unter seinen Berührungen die Augen geschlossen, wodurch sie nicht sah, was mit ihrem Freund geschah. Metall schnitt erbarmungslos durch Fleisch, durchdrang seinen Körper als wäre er nur ein Blatt Papier. Scheinbar mühelos glitt die Klinge durch sein Herz hindurch und durchdrang auf der anderen Seite seine Haut.
Er öffnete den Mund zu einem letzten, erstaunten Schrei, den diese Welt jedoch nicht mehr hören sollte. Seine Stimme versagte und für wenige Sekunden durchfuhr ein unbändiger Schmerz seinen Körper, bevor er mit einem letzten Keuchen leblos nach vorn fiel.
Die Gestalt zog den Dolch mit einer einzigen schwungvollen Bewegung aus der Wunde, wodurch das Blut hervorquoll und ungebremst über seinen Rücken floss. Ein zufriedenes und zugleich grausames Lächeln erschien auf ihren Lippen, auch wenn man es hinter der Maske nicht sehen konnte.
Amy fühlte wie Oz’ Bewegungen stoppten und stattdessen eine warme Flüssigkeit auf ihre Haut tropfte. Plötzlich war sein Körper an ihren gelehnt und zuerst dachte sie sich nichts dabei, doch dann stutzte sie irritiert. Irgendetwas fühlte sich falsch an, fast so als würde lebloses Gewicht auf ihre Brust drücken und ihr das Atmen erschweren. Jegliche Spannung schien aus seinen Muskeln gewichen zu sein und er fühlte sich auf einem viel schwerer als sonst an.
„Oz?“, fragte sie unsicher, erhielt aber keine Antwort. Ein Stirnrunzeln legte sich auf ihr Gesicht und ihr erster Instinkt war es, die Augen zu öffnen, doch zur selben Zeit hatte sie auch Angst vor dem, was sie dann entdecken würde.
In ihrem Bauch machte sich Übelkeit breit und die Farbe verschwand von ihren Wangen. Was war passiert? Was würde sie vorfinden?
Erst ein leises Rascheln, welches unmöglich von dem Gitarristen gekommen sein konnte, da er sich nicht bewegt hatte, brachte sie schließlich dazu, ihre Lider zu heben. Und was sie sah, war noch viel grausiger als ihre schlimmsten Albträume, blickte sie doch geradewegs in die toten Augen ihres Freundes.
Ein entsetzter Schrei zerriss die Stille der Nacht, hallte schrill von den Wänden der Gasse wieder, so laut, dass sie versucht war, sich die Ohren zuzuhalten. Aber im selben Moment begriff sie auch schon, dass sie es war, die schrie, was sie verstummen ließ.
Stattdessen drangen geschockte Schluchzer über ihre Lippen und Tränen verschleierten ihre Sicht, als sie ihre Hände gegen Oz’ Schultern drückte, um sich ein wenig Luft zu verschaffen.
Ihre Brust hob und senkte sich im Rhythmus ihrer hysterischen Atemzüge und ihr Herz pochte so hart, dass sie glaubte, ihre Rippen müssten zerbersten. Sie konnte das Blut in ihren Ohren rauschen hören, während sie vergeblich versuchte, einen klaren Gedanken zu fassen. Ihr Blick fiel erneut auf ihren Freund und dieses Mal konnte sie den Brechreiz nicht unterdrücken. Es gelang ihr noch, den Kopf zur Seite zu drehen, bevor sie sich zusammenkrümmte und übergab.
Die Gestalt betrachtete Amys Reaktion die ganze Zeit über ungerührt und machte keine Anstalten, ihre Anwesenheit preiszugeben, oder auf die Blonde loszugehen. Eine kleine Jagd wäre wesentlich zufriedenstellender, konnte sie die brodelnde Eifersucht in ihr doch besser besänftigen. Aber gegen Oz wäre eine offene Konfrontation zu riskant gewesen, auch wenn er nicht so kräftig gebaut war wie beispielsweise die Footballspieler.
Sie legte ungeduldig den Kopf schief und fragte sich, wann die Andere denn endlich auf den Gedanken kommen würde, dass sie nicht allein sein konnte. Obgleich sie mit ihrer schwarzen Kleidung in der Dunkelheit nicht sonderlich auffiel, war sie doch ein wenig erstaunt, sie hatte die Cheerleaderin für etwas aufmerksamer gehalten, immerhin stand sie praktisch fast direkt hinter Oz.
Amys Magen hatte sich mittlerweile wieder ein wenig beruhigt und sie schnappte verzweifelt nach Luft, das Brennen in ihrem wunden Hals ignorierend. Schweißperlen standen auf ihrer Stirn und sie zitterte am ganzen Leib.
Das alles musste ein schrecklicher Albtraum sein, das konnte ganz einfach nicht wahr sein. Solche Dinge passierten vielleicht in Filmen, aber doch nicht im richtigen Leben. Sicher würde sie gleich schreiend und um sich schlagend in ihrem Bett aufwachen.
Doch sie schrie nicht. Sie schlug auch nicht um sich. Stattdessen kniete sie erstarrt auf dem Boden einer Gasse neben dem toten Körper ihres Freundes, der noch immer zum Teil an ihr lehnte.
Tränen rannen über ihre Wangen und sie fragte sie unwillkürlich, wann ihr Leben begonnen hatte, sich in diese Richtung zu verändern. Hätte sie sich doch bloß nie mit Buffy gestritten, dann wäre es überhaupt nicht dazu gekommen. Als Oz ihr eben seine Liebe gestanden hatte, hatte sie gedacht, sie wäre der glücklichste Mensch auf Erden und jetzt, nur wenige Minuten später, glaubte sie in der Hölle gelandet zu sein.
Sie schielte zaghaft zu ihrem Freund, um sich noch einmal davon zu überzeugen, dass das hier tatsächlich passiert war. Doch ihr Blick landete nicht nur auf dem Gitarristen, sondern ebenfalls auf den Schuhen einer anderen Person, was sie geschockt die Augen aufreißen ließ.
Ihr Atem beschleunigte sich ein weiteres Mal, falls das überhaupt noch möglich war und sie keuchte leise auf. Furcht umfasste mit eiserner Faust ihr Herz, während sie den Drang unterdrückte, die Gestalt vor sich direkt anzusehen.
Wenn diese erst einmal bemerkte, dass sie sie entdeckt hatte, dann hätte sie erst Recht keine Chance mehr.
Sie musste sich etwas einfallen lassen und das möglichst schnell. Es war nicht sehr weit bis zum Hintereingang des Bronze – sie konnte die Musik ja sogar noch hören -, sie müsste lediglich schneller dort sein als ihr Verfolger. Eine andere Möglichkeit gab es nicht.
Adrenalin rauschte durch ihren Körper, als sie die Muskeln anspannte, um plötzlich, ohne Vorwarnung, aufzuspringen und loszulaufen. Ihr Verstand war mit einem Mal seltsam klar und ihre Sinne geschärft, konnte sie doch deutlich die näher kommenden Schritte hinter sich hören.
~*~*~*~
„Cordy, hast du jemanden erreicht?“, wandte sich Buffy an ihre Freundin, die soeben versucht hatte, Oz auf seinem Handy anzurufen.
„Nein, es ist wohl ausgeschaltet. Mach dir nicht so viele Sorgen, die beiden sind bestimmt miteinander beschäftigt und wollen nicht gestört werden“, versuchte diese nun, die Blonde zu beruhigen. Normalerweise war sie nicht der Typ Mensch, der jemanden tröstete, aber momentan machte sie sich doch Sorgen um die andere Cheerleaderin. Sie schien seit der Sache mit Drusilla völlig durch den Wind zu sein und war nicht davon zu überzeugen, dass sie sich höchstwahrscheinlich täuschte und eben doch der Dealer der Studentin für den Mord verantwortlich war.
„Bist du dir sicher? Ich meine, es kann ebenso gut sein, dass sie noch immer einzeln da draußen rumlaufen, vielleicht genau in die Arme dieses Verrückten. Was ist, wenn ihnen etwas zustößt? Bei Drus Tod ging es nicht nur um Drogen, da steckt mehr dahinter, das spüre ich ganz einfach.“ Buffy sah verzweifelt zu ihren Freunden, die sich skeptische Blicke zuwarfen.
„Wenn er alleine wäre, hätte er sein Handy nicht ausgeschaltet. Er geht immer ran, so lange er nicht mit Amy zusammen ist. Du machst dir Sorgen, das ist nach dem, was passiert ist, verständlich, aber du darfst die Fakten dabei nicht vergessen.
Nichts deutet darauf hin, dass hier jemand rum läuft, der wahllos mordet. Du hast keine Beweise, ja noch nicht einmal eine logische Begründung für deine Vermutungen“, versuchte nun Xander sein Glück.
Er blickte seine langjährige Freundin um Einsicht bittend an, allerdings ohne Erfolg. Anstatt nachzugeben, setzte sie bereits zu einer neuen Erwiderung an, wurde jedoch unterbrochen, bevor auch nur ein Wort ihren Mund verließ.
„Oh, macht sich unsere kleine Buffy Sorgen um ihre Freunde?“, erklang hinter ihr eine spottende Stimme. Sie musste sich nicht umdrehen, um zu wissen, zu wem sie gehörte. Es gab nur einen, der es regelmäßig darauf anlegte, sie auf die Palme zu bringen, obwohl er sonst nur mit wenigen Leuten sprach: Spike.
„Zumindest habe ich Freunde, um die ich mir Sorgen machen könnte. Und was machst du überhaupt hier? War der Friedhof überfüllt?“, erwiderte sie in einer ähnlichen Tonlage, nur dass sie wesentlich verächtlicher klang.
Normalerweise ging ihr der blonde Punk einfach nur auf die Nerven, aber heute war er eine willkommene Ablenkung. So lange sie sich mit ihm stritt, zerbrach sie sich zumindest nicht den Kopf über Drusilla Tod.
„Autsch, das tat weh, Summers. Ich bin zutiefst verletzt“, gab dieser sarkastisch zurück und legte sich theatralisch eine Hand übers Herz. „Aber zumindest kann ich auf mich aufpassen und muss nicht Angst vor dem bösen Buhmann haben.“
„Wieso? Weil er denken wird, du bist nur ein Penner, wenn er dich sieht? Du scheinst ja noch nicht mal Geld für unzerrissene Jeans zu haben – oder ein
T-Shirt, das nicht von Sicherheitsnadeln zusammengehalten wird. Und von welcher Müllhalde hast du diesen uralten Fetzen, den du als Ledermantel bezeichnest?“, gab Buffy amüsiert zurück, ohne ihn auch nur eines Blickes zu würdigen.
„An deiner Stelle würde ich mir eher Sorgen um deinen Freund machen. Ist er nicht gerade raus gegangen?“
Spike zog provozierend seine vernarbte Augenbraue nach oben, bevor er sich nach vorn beugte und ihr die nächsten Worte direkt ins Ohr flüsterte: „Oder vielleicht ist er ja auch gar nicht in Gefahr, sondern selber der Mörder? Möglicherweise solltest du dir mal eher Gedanken darum machen, immerhin war er nicht da, als das mit Dru passiert ist – und das, obwohl er kommen wollte, richtig?“
Gänsehaut bildete sich auf Buffys Armen und für einen Moment war sie versucht, ihm zu glauben, da das, was er sagte, in ihren Ohren ziemlich plausibel klang. Dann schüttelte sie jedoch, geschockt über sich selbst, den Kopf.
Wie konnte sie das auch nur annäherungsweise in Erwägung ziehen? Sie liebte Angel doch, sie vertraute ihm.
Tust du das tatsächlich?, zweifelte eine Stimme in ihren Gedanken, welche sie aber schnell beiseite schob – nicht, weil sie sich ihrer Liebe zu ihm sicher war, sondern, weil sie sich nicht eingestehen wollte, dass sie diese Frage nicht so einfach beantworten konnte.
„Nein, war er nicht, er hatte zu tun. Mich würde allerdings interessieren, woher du das weißt?“, schoss sie zurück, entschlossen, auf keinen Fall preiszugeben, wie sehr er sie doch für einen Augenblick verunsichert hatte.
„Gerüchte, Summers, Gerüchte. Es gibt einige, die das vermuten. Du solltest deine Augen vielleicht mal aufmachen, bevor er das nächste Mal mit einem Messer zur dir ins Bett steigt“, riet Spike ihr mit dem Grinsen einer Katze, die gerade einen Vogel gefressen hatte.
„So viel Mist kann auch nur aus deinem Mund kommen“, erwiderte Buffy scheinbar unbeeindruckt. Jedoch konnte sie das flaue Gefühl, welches sich in ihrem Bauch ausbreitete, nicht ganz verdrängen und irgendetwas sagte ihr, dass sie sich später an seine Worte erinnern würde.

Das Herz schlug Amy bis zum Hals und sie schnappte erschöpft nach Luft, als sie nahezu blind die Gasse entlang hetzte. Sie verfluchte innerlich ihre Idee, Schuhe mit hohen Absätzen anziehen zu müssen, erschwerten sie das Laufen doch beträchtlich. Aber wie hätte sie auch ahnen können, dass dieser Abend so enden würde? Wenn sie jetzt stolperte, dann war alles vorbei.
Und als ob das Schicksal nur auf diesen Gedanken gewartet hätte, blieb sie plötzlich an einem losen Pflasterstein hängen und geriet ins Straucheln. Sie schloss erschrocken die Augen und fast hätte sie aufgeschrieen, doch dazu reichte ihre Kraft nicht mehr. Stattdessen stürzte sie und schlug sich die Knie auf.
Shit, fuhr es durch ihren Kopf und für einen Moment glaubte sie, ihr Herz würde aufhören zu schlagen, bevor sie sich hastig wieder aufrappelte und erneut losrannte. In ihrer Panik spürte sie nichts von dem Schmerz des Aufpralls und auch ihr Seitenstechen drang nur wie durch einen dichten, nebeligen Schleier zu ihr hindurch.
Ihr Blick fiel auf den Lichtschein, der um die Ecke strahlte und ihr Sicherheit versprach. Nur noch ein paar Schritte, dann wäre sie gerettet – trotz des Sturzes. Hoffnung flimmerte in ihr auf und für einen Moment glaubte sie wirklich daran, es zu schaffen, diesem Albtraum zu entkommen.
Doch genau diese Hoffnung war das, was ihr letztendlich zum Verhängnis werden sollte, sorgte sie doch dafür, dass ihre Schritte beim Anblick des Lichtstrahls in der Dunkelheit unbewusst langsamer wurden. Anstrengung und Aufregung forderten ihren Tribut und ermöglichten es der fremden Gestalt, zu Amy aufzuschließen und sie zu packen, um sie grob herumzureißen.
Als die Blonde der Hand um ihren Arm gewahr wurde, war es bereits zu spät, sie stolperte durch den Schwung der Drehung erneut und fand sich auch schon im nächsten Augenblick gegen eine Wand gedrückt wieder - Auge in Auge mit dem Mörder ihres Freundes.
Ungläubig starrte sie in das vermummte Gesicht der Gestalt, die sie festhielt und in diesem Moment wurde ihr klar, dass sie sterben würde. Dass sie niemals eine Chance gehabt hatte. Dass das alles ein grausames Spiel gewesen war, in welchem sie nicht entkommen hatte können.
Doch trotz ihres besseren Wissens war sie nicht bereit, diese Tatsache zu akzeptieren. Sie konnte noch nicht mit ihrem Leben abschließen, sie hatte ihre ganze Zukunft noch vor sich. Sie war nicht bereit, aufzugeben, sie würde sich bis zuletzt mit allen Mitteln dagegen wehren, egal wie aussichtslos ihr Kampf auch sein würde.
Mit schreckgeweiteten Augen schüttelte sie die Lähmung ab, die ihren Körper befallen hatte, und begann verzweifelt zu zappeln, in dem Versuch, sich irgendwie an der Gestalt vorbei zu winden. Nur ein paar Sekunden Vorsprung, das war doch schon alles, was sie brauchen würde.
Aber ihre Anstrengungen waren erfolglos, einerseits, weil sie keinen Platz hatte und andererseits, weil sie viel zu erschöpft und müde war. Vielleicht hatte sie eine Chance, wenn sie für ein wenig Ablenkung sorgte?
„Lass mich gehen. Bitte lass mich gehen. Ich hab nichts von dir gesehen, ich weiß nicht, wer du bist, ich bin keine Gefahr für dich. Ich… Ich mach alles, was du willst, aber bitte töte mich nicht. Ich hab dir doch überhaupt nichts getan“, flehte sie verzweifelt.
Inzwischen liefen erneut Tränen über ihre Wangen und sie zitterte, konnte sie das blanke Entsetzen, welches sie ergriff, als sie in diese kalten, leeren Augen blickte, doch nicht unterdrücken.
„Nichts getan? Du hast mir nichts getan?!“, lachte die Gestalt bitter auf und für einen Moment brannte der pure Hass in ihrem Blick. Amy hatte das Gefühl als würde ihre Haut darunter bei lebendigem Leibe verbrennen, doch als sie nieder sah, musste sie feststellen, dass dies nicht der Fall war – im Gegenteil, Gänsehaut überzog ihre Arme.
„Du würdest jetzt alles machen, was ich will? Ja, das glaub ich dir sogar. Aber weißt du was? Es ist zu spät. Du hast deine Chance schon lange vertan, du und deine feinen Freunde, die nicht hinter ihr eigenes Spiegelbild blicken können. Das hätte dir eher einfallen sollen. Jetzt, wo du am Boden bist, jetzt bittest und bettelst du um dein Leben – nur zu. Es wird dir nichts nützen. Jeder bekommt letztendlich, was er verdient, am Ende steht Gerechtigkeit. Warum sollte ich es anders machen als du selbst? Wieso sollte ich dich besser behandeln als du alle anderen behandelst? Du selber trittst Leute, die bereits am Boden liegen. Weshalb sollte ich es nun anders machen? Wenn dich jemand um Gnade gebeten hat, hast du sie gegeben? Hast du aufgehört, wenn man darum gefleht hat?“
Noch immer war die Stimme nicht mehr als ein Flüstern, aber das beruhigte Amy nicht im Geringsten. Selbst ein wütendes Schreien wäre ihr lieber gewesen als diese kontrollierte Verachtung, hätte es doch gezeigt, dass die Gestalt vor ihr trotz allem menschlich war, dass sie Gefühle und nicht nur blinde Rage kannte.
„N-Nein, aber ich w-wollte“, stammelte sie furchterfüllt, obgleich sie wusste, dass diese Verteidigung keinen Zweck haben würde.
„Du wolltest, ja. Abgehalten hat es dich allerdings nicht. Ich will auch vieles, ich will dich nicht töten, ich will nicht wegen Menschen wie dir zum Monster werden, aber das wird dir auch nicht weiterhelfen. Mir wird schlecht, wenn ich euch verlogenes Pack sehe, ich hab euch so unendlich satt! Ihr trampelt auf anderen herum als wären sie der Abfall unter euren Füßen, als wären sie nicht fähig zu fühlen. Ihr merkt noch nicht einmal, was ihr damit anrichtet, wie viele ihr damit kaputt machen, wie viele wegen Leuten wie dir auf einer Brücke stehen und hinuntersehen, bis sie irgendwann nicht mehr können und springen.
Warum plötzlich so still? Fällt dir dazu nichts mehr ein? Du weißt, dass ich Recht habe, nicht wahr?
Doch eure unendliche Arroganz ist auch das, was auch schwach macht. Ihr könnt ja noch nicht einmal zwischen euren Freunden und Feinden unterscheiden, müsst euch immer umdrehen, um nicht irgendwann mit einem Messer in eurem Rücken aufzuwachen – wie dein Freund, nur wird der sich keine Sorgen mehr darum machen müssen. Und dabei merkt ihr überhaupt nicht, wer euch wirklich gefährlich werden kann. Du würdest mich nicht erkennen, wenn ich direkt vor dir stehen würde.
Wie oft hab ich mir gewünscht, ihr würdet an euren eigenen Worten ersticken“, fuhr die kalte Stimme verbittert fort, bevor sie für einen Moment innehielt. Sie legte den Kopf schief als müsste sie überlegen, um dann ihre Gedanken amüsiert der entsetzten Blonden vor sich mitzuteilen.
„Vielleicht sollte ich dich ja tatsächlich am Leben lassen. Immerhin seid ihr alle nur Nachläufer und nicht die, die ich wirklich will. Ihr seid überhaupt nicht in der Lage, für euch selbst zu denken, ihr sagt und tut nur, was sie euch befiehlt. Vielleicht sollte ich dich leben lassen, um das Ganze interessanter zu machen. Dann kannst du wieder zu ihr rennen und ihr die Füße küssen, bevor du ihr sagst, dass ich hinter ihr her bin.“
Erneut glomm Hoffnung in Amy auf und sie nickte in dem Versuch, die Idee zu bestätigen, schien es doch ihr letzter möglicher Ausweg zu sein - sie hätte falscher nicht liegen können.
„Andererseits wäre das zu einfach. Ich will sie leiden sehen und das kann ich nicht, wenn ich mich gleich mit ihr befasse. Nein, ein paar kleine Präsente wären doch viel unterhaltsamer – solche, in denen du alle deine Freunde tot findest. Obwohl ich nicht glaube, dass sie sich wirklich für euch interessieren würde, aber es zeigt ihr, dass auch sie in Gefahr ist.
Es wird sie in Angst versetzen und diese Angst werde ich bis zum letzten Tropfen auskosten“, gab die Gestalt die ganze Wahrheit preis. Ein grausames Lächeln umspielte ihre Lippen und obgleich Amy es nicht sehen konnte, konnte sie es doch in den Worten hören.
Sie begann hilflos zu schluchzen und trotz des Wissens, dass es ihr nichts bringen würde, stieß sie ein letztes, verzweifeltes: „Bitte, bitte l-lass mich g-gehen“, aus. Ihre Brust hob und senkte sich unregelmäßig und ihr Herz pochte schon fast schmerzhaft gegen ihre Rippen. Es fühlte sich an, als würde ihr Kopf explodieren und sie wünschte sich in diesem Moment nichts sehnlicher, als dass es endlich enden würde, dass dieser Albtraum endlich vorüber wäre.
Ihr Blick wanderte ein letztes Mal zu dem Lichtstrahl, dem sie entgegen gerannt war – so nah und doch so fern. Traurigkeit spiegelte sich in ihren Augen wieder und sie hoffte, das, was sie nun erwarten würde, wäre besser als ihr bisheriges Leben. Menschen waren nicht fehlerlos, und sie war weiter von Unfehlbarkeit entfernt gewesen als die meisten anderen. Vielleicht würde sie wenigstens im Jenseits zwischen richtig und falsch unterscheiden können und vielleicht würde sie dort auch Oz wieder sehen. Dann hätte sie ihn nicht bereits verloren, obwohl sie sich gerade erst gefunden hatten.
Amy spürte, wie sich eine Hand über ihren Mund und ihre Nase legte, um ihr die Luft zum Atmen zu nehmen. Ihre erste Reaktion war es, erneut zu zappeln und sich zu wehren, doch sie war durch den Schock über Oz’ Tod und die Hetzjagd schon zu erschöpft. Obwohl ihre Sinne förmlich danach schrieen, etwas zu unternehmen, verweigerten ihre Muskeln ihr den Dienst.
Ihr Körper verlangte erfolglos nach Sauerstoff und sie merkte, wie ihre Sicht verschwamm, während ein brennender Schmerz ihren Brustkorb durchfuhr. Zuerst dachte sie an den Dolch, den die Gestalt bereits zuvor verwendet hatte, doch dann realisierte sie, dass es nichts damit zu tun hatte.
Es war auch gar nicht mehr wichtig, es zählte für sie nicht, wodurch sie starb, sondern wann. Und das war so oder so jetzt. Sie konnte nichts mehr dagegen tun, sie erstickte, um für Taten zu büßen, von denen sie noch nicht einmal wusste, sie begangen zu haben.
Ihr Ringen mit dem Tod dauerte nur wenige Augenblicke, bevor ihre Sinne endgültig schwanden und sie sich der wohltuenden Schwärze hingab – die leeren Augen vor sich das Letzte, was sie jemals sehen sollte.
~*~*~*~
Mit bebenden Händen legte Buffy die Zeitung zurück auf den Tisch, durch den Artikel, welchen sie eben zu lesen begonnen hatte, vollkommen betäubt.
Nein! Das kann nicht wahr sein, das darf alles nicht passiert sein!, schrie eine Stimme in ihrem Kopf, obgleich sie nach außen hin zu keiner Reaktion fähig war. Sie wollte sagen, dass sie Recht gehabt hatte, dass sie es von vornherein gewusst hatte, aber kein Wort drang über ihre Lippen, verschaffte ihr diese Tatsache doch keinerlei Genugtuung.
Und sie wünschte sich, dem wäre nicht so gewesen, wünschte sich, ihre Freunde wären da, um über ihre absurden Gedanken zu lachen. Wünschte sich, einmal daneben gelegen zu haben, auch wenn es ihr Vertrauen in Drusillas Menschenkenntnis erheblich erschüttert hätte. In diesem Moment wäre ihr nichts lieber gewesen, als dass die Studentin tatsächlich von ihrem Dealer getötet worden wäre, hätte sie das doch nicht noch mehr Freunde gekostet.
Aber dem war nicht so. Die Wahrheit lag vor ihr, stand in dicken, schwarzen Buchstaben als Überschrift auf einem Blatt Papier – ein Blatt Papier, welchem sie normalerweise keinen zweiten Blick geschenkt hätte.
Sie wollte schreien, wollte ihrer Wut und Empörung Luft machen, wollte etwas, irgendetwas zerschmettern, um diese schreckliche Hilflosigkeit loszuwerden, die sich in ihr ausgebreitet hatte. Doch sie konnte es nicht.
Sicher, da war Wut und auch Empörung, aber ihr fehlte die Kraft, sie fühlte sich als habe diese Nachricht jede Energie aus ihr gesaugt. Fühlte sich leer, enttäuscht und machtlos, was wahrscheinlich das Schlimmste von allem war.
Ihre Freunde waren tot, und sie hatte nichts tun können, um das zu verhindern, hatte ihnen nicht helfen können. Dabei hatte sie es geahnt! Hatte befürchtet, dass ihnen etwas zugestoßen war.
Warum hatte sie nicht darauf bestanden, ihnen gemeinsam mit Angel nachzugehen und sie zurück ins Bronze zu holen? Dann wären sie in Sicherheit gewesen, wären nicht einem verrückten Mörder in die Hände gefallen. Wieso hatte sie das zugelassen? Sie hätte sie vor diesem Schicksal bewahren können, wenn sie sich nur auf ihr Bauchgefühl verlassen hätte, anstatt auf ihrem Verstand.
Stumme Tränen rannen über ihre Wangen und dieses Mal war es ihr völlig gleich, dass ihre Mascara dadurch verwischte und schwarze Spuren auf ihrer Haut hinterließ. Es zählte nicht mehr, in diesem Moment war es nicht wichtig, obgleich sie sonst sehr viel Wert auf ihr Make-up legte –zu viel. Es war ihr egal, dass sie sich in einer gesellschaftlichen Position befand, in der sie sich eigentlich nicht ehrlich um das Schicksal anderer kümmern sollte.
Drei ihrer Freunde waren bereits tot und sie wusste nicht, wen es als nächsten treffen würde, konnte niemanden beschützen. Ja, sie konnte noch nicht einmal sagen, wann dieser Wahnsinn enden würde, hatte die Polizei doch nicht einmal den kleinsten Hinweis auf den Täter. Und sie selbst tappte über die Identität des Mörders auch komplett im Dunkeln, wusste gar nicht, ob sie ihn überhaupt kannte.
~*~*~*~
Ein verwirrtes Stirnrunzeln legte sich über Spikes Gesicht, als sein Blick auf den Zeitungsartikel fiel. Amy und Oz waren ermordet worden? Beinahe direkt hinter dem Bronze? Und niemand hatte etwas bemerkt?
Zugegeben, er konnte nicht gerade behaupten, sonderlich erschüttert darüber zu sein, kannte er die beiden doch nicht besonders gut. Er wusste lediglich, dass sie sehr gut mit Buffy befreundet gewesen waren – das sagte seiner Meinung nach genug über ihren Charakter aus. Zwei aufgeblasene Trottel weniger, die glaubten, die Welt würde ihnen gehören und alle anderen müssten den Boden küssen, auf dem sie liefen. Nein, Mitleid empfand er nun wirklich keines.
Er fragte sich viel mehr, wer wohl hinter dem Ganzen steckte? Wer hegte genügend Hass gegen sie, um sie zu töten? Das war dann doch ziemlich heftig, auch wenn ihr Benehmen in der High School meistens einfach nur überheblich und boshaft war.
Abgesehen davon waren die meisten ihrer Opfer zu feige, um sie auch nur schief anzusehen und die, die es sich trauten, wehrten sich auch so schon, sie müssten ihre Rache also nicht auf eine so heimtückische Art und Weise ausüben.
Und wie es in dem Artikel klang, hatte die Polizei bisher noch nicht einmal einen Verdächtigen, sie vermutete lediglich eine Verbindung zu dem Mord an Drusilla.
Ein trockenes, freudloses Lachen drang über Spikes Lippen und er schüttelte den Kopf. Er hatte ja schon immer gewusst, warum er die Sunnydale High insgeheim als den Schlund der Hölle bezeichnete, aber jetzt bekam dieser Name eine völlig neue Bedeutung.
Allerdings wüsste er nur zu gern, was „ihre Hoheit Buffy“ in diesem Moment machte. Ob sie heute wohl schon die Zeitung gelesen hatte? Er würde nur zu gern ihren geschockten Gesichtsausdruck sehen, wenn sie von dem Tod ihrer Freunde erfuhr. Obgleich er wusste, dass seine Freude an diesem Ereignis alles andere als fair war, konnte er es nicht verhindern. Die Feindschaft mit der Blonden war zu tief, als dass er Rücksicht auf ihre Gefühle nehmen würde – es war ja auch nicht so als hätte sie das irgendwann einmal für jemand anderen getan und den Toten tat es ohnehin nicht mehr weh.
Mit einem vorfreudigen Grinsen auf den Lippen schnappte er sich seinen Ledermantel und begab sich in die Garage, um sein Motorrad zu holen. Momentan würde er Buffy zwar noch nicht im Bronze vorfinden, aber wenn er schon mal halbwegs gute Laune hatte, konnte er ja zumindest versuchen, die kleine Rothaarige vom Vortag wieder zu treffen. Und wenn ihm das tatsächlich gelingen sollte, dann würde er sie nicht wieder nur wie ein elender Feigling aus der Ferne betrachten, sondern sie ansprechen.

Spike hatte nicht sehr weit fahren müssen, um die Rothaarige wieder zu finden, die ihm am Vortag aufgefallen war. Er hatte gerade eine Pause eingelegt und war dabei, in seinen Manteltaschen nach einer Zigarette zu suchen, als sie ein paar Meter weiter ins Espresso Pump gehen wollte.
Ein Grinsen legte sich auf seine Lippen, war sein Plan doch perfekt aufgegangen. Jetzt würde er nicht nur die Kleine kennen lernen, sondern er hätte auch gleich noch einen Zeitvertreib, bis Buffy heute Abend im Bronze wäre und er sich ein wenig an ihr rächen könnte.
Er gab die Suche in seinen Taschen auf und stieß sich von der Wand ab, gegen die er sich gelehnt hatte, um auf die Schülerin zuzugehen, wobei ihn erneut das Gefühl überkam, sie irgendwoher zu kennen. Aber er konnte sich beim besten Willen nicht daran erinnern, woher. Vielleicht sollte er sie einfach fragen? Dann hätte er ja zumindest einen Grund, sie anzusprechen.
„Hey Luv, kann es sein, dass ich dich irgendwoher kenne?“, setzte er sein Vorhaben auch gleich in die Tat um und stellte sich direkt vor ihr auf dem Gehweg, damit sie nicht einfach an ihm vorbeigehen konnte.
Die Rothaarige drehte sich daraufhin erschrocken um als wolle sie nachsehen, ob jemand hinter ihr stünde, mit dem er sprach. Doch als sie niemanden entdecken konnte, kam sie zu dem Schluss, dass er wohl tatsächlich sie gemeint haben musste.
Blut schoss ihr in die Wangen und sie senkte den Kopf noch tiefer, sodass ihre Haare ihr Gesicht verdeckten. Wieso sprach Spike ausgerechnet sie an? Was wollte er von ihr? Er redete doch sonst auch mit niemandem und jetzt, wo er plötzlich einmal den Mund aufmachte, sprach er ausgerechnet sie an? Ob er sie mit jemandem verwechselt hatte?
„I-Ich? Ähm, d-du gehst auf meine S-Schule“, würgte sie geschockt hervor, ihre Augen schreckgeweitet, wobei sie es noch immer nicht wagte, ihn anzusehen. Hätte sie ihn nur einmal kurz angeschaut, hätte sie vielleicht gemerkt, dass er der blonde Punk gewesen war, der sie am Vortag beobachtet hatte und den sie aufgrund ihrer Schüchternheit überhaupt nicht erkannt hatte.
„Wirklich? Du bist mir noch nie aufgefallen. Wie heißt du?“, erwiderte Spike irritiert und ein Stirnrunzeln legte sich auf sein Gesicht. Auch jetzt, da er wusste, woher er sie kannte, konnte er sich nicht an sie erinnern. Dabei war sie ihm gestern sofort ins Auge gefallen, er hätte sie in der Sunnydale High doch ebenfalls bemerken müssen – zumindest, wenn er denn mal anwesend war.
„W-Willow.“ Ihre Stimme zitterte bei dieser Antwort leicht und ein Teil von ihr wünschte sich, sie hätte den Mut, ihn zu fragen, wieso er überhaupt mit ihr redete. Sie öffnete erneut den Mund, um es zumindest zu versuchen, machte dann aber noch im letzten Moment ein Rückzieher.
„Bin ich so gruselig, oder warum schaust du mich nicht an, Luv?“, forderte sie der Platinblonde amüsiert auf. Er wusste, dass ihm die meisten Leute aus dem Weg gingen und eigentlich hatte er ihr auch keine Angst machen wollen, doch er konnte der Versuchung, sie wenigstens ein bisschen aufzuziehen, nicht widerstehen.
Willow hob ihren Kopf daraufhin zögerlich und sah ihm zum ersten Mal, seit sie ihm begegnet war, genauer an. Dabei kam sie nicht darum herum, unbewusst die Muskeln zu bewundern, die sich unter dem engen T-Shirt abzeichneten. Sie hatte ihn immer als Punk eingestuft, aber sie hätte nie vermutet, dass er ins Fitnessstudio gehen würde. Warum war ihr das vorher nie aufgefallen?
Weil du immer damit beschäftigt warst, ihn ja nicht schief anzusehen, erwiderte gehässig eine Stimme in ihrem Kopf, was sie dazu brachte, sich zu fragen, ob an den ganzen Gerüchten über Spike tatsächlich etwas dran war. Schließlich war er bisher ganz nett zu ihr gewesen, er hatte ihr noch nicht einmal gedroht.
Von diesen Gedanken beruhigt, wagte sie nun, ihren Blick noch ein Stück höher wandern zu lassen, sodass sie ihm direkt ins Gesicht sehen konnte. Seine platinblonden Haare waren durch den Motorradhelm, den er in der Hand hielt, verwuschelt worden und so konnte auch das Gel ein paar kurze Strähnen nicht davon abhalten, ihm in die Stirn zu fallen, was seinen Anblick bereits weitaus weniger Furcht einflößend wirken ließ. Auch seine unglaublich blauen Augen schienen eher zu einem typischen, kalifornischen Sunnyboy zu passen als zu einem Punk. Sie funkelten vergnügt und für einen Moment verlor sie sich in seinem Blick.
Dann aber legte er plötzlich den Kopf schief, wodurch der Kontakt unterbrochen wurde. Stattdessen durchbrach seine Stimme ihre Gedanken.
„Na bitte, geht doch. Ich werd dich nicht auffressen, Rotkäppchen“, kommentierte er belustigt und ein angenehmer Schauer jagte über ihren Rücken. Warum hatte sie diesen Akzent vorher nie bemerkt? Und diese hohen Wangenknochen?
Mit einem etwas freundlicheren Outfit hätte er wahrscheinlich jedes Mädchen, das er wollte, um den Finger wickeln können. Obwohl, wenn sie darüber nachdachte, dann musste sie zugeben, dass er sicher auch mit seinem Bad Boy Image kein Problem hatte, Mädchen anzusprechen. Immerhin hatte er gerade mal ein paar Sätze mit ihr gewechselt und sie hing praktisch schon an seinen Lippen, dabei war sie sonst alles andere als leicht zu beeindrucken.
Spike stellte inzwischen amüsiert fest, dass sie ihre Scheu ihm gegenüber wohl offensichtlich recht schnell verloren hatte. Hatte sie ihm im ersten Moment noch angesehen wie ein Reh, welches direkt in die Scheinwerfer eines Autos schaute, so wanderte ihr Blick nun ohne jedes Zeichen von Furcht über seinen Körper hinweg. Und was sie sah, schien ihr genauso zu gefallen wie sie ihm gefiel.
„Du wolltest gerade einen Kaffee trinken gehen, oder?“, riss er sie erneut aus ihren Überlegungen und gluckste ein wenig, als sie erschrocken blinzelte, nur um gleich darauf erneut rot anzulaufen.
„Äh, j-ja“, stotterte sie unsicher.
„Was hältst du davon, wenn wir zusammen gehen? Oder triffst du dich schon mit jemandem?“
„Nein, ich treffe mich mit niemandem. I-Ich würde mich freuen, wenn du mitkommst“, versicherte sie ihm eilig, von seinem Vorschlag völlig begeistert – sie vergaß dabei sogar fast zu stottern.
~*~*~*~
Genüsslich schmiegte sich Cordelia an Xander, wobei sie sich mal wieder fragte, warum nicht das ganze Jahr über Ferien sein konnten. Dann müsste sie sich nach so einer Nacht nicht am frühen Morgen aus dem Bett quälen, um pünktlich fertig zu werden, sondern konnte noch eine Weile liegen bleiben – so wie heute eben. Wobei sie sich jetzt wahrscheinlich auch nicht mehr fertig gemacht hätte, wenn sie in die Schule gehen müsste, da es bereits Nachmittag war.
„Xan?“, flüsterte sie, die Augen noch immer geschlossen. „Bist du schon wach?“
Sie erhielt daraufhin ein leises Brummen als Antwort und merkte, wie die Hand auf ihrem Rücken hoch zu ihrem Kopf fuhr, um ihr dort liebevoll durch die Haare zu streichen.
„Was hältst du davon, wenn ich heute bei dir bleibe? Eigentlich wollte ich mich mit Harmony treffen, aber ich hab keine Lust auf ihre dümmlichen Kommentare. Wir könnten diesen Tag wesentlich besser füllen, meinst du nicht?“, schlug sie mit süßer Stimme vor und öffnete die Augen.
Ihr Blick fiel auf Xander und sie stellte einmal mehr fest, dass er durchaus gut aussehend war, er müsste sich nur anders kleiden. Aber auch das würde ihr Problem nicht lösen, weil er dadurch noch immer nicht populär genug wäre. Er konnte schon froh sein, als ganz normaler Freund in Buffys und ihrer Clique akzeptiert zu werden.
„Oder wir könnten ins Kino zur Nachmittagsvorstellung gehen, da kennt uns keiner und wenn es erstmal dunkel im Saal ist, können wir auch rummachen.“
Ein herausforderndes Grinsen unterstützte ihren Vorschlag und sie begann, Küsse auf seinem Brustkorb zu verteilen, weshalb sie seinen verletzten Gesichtsausdruck überhaupt nicht bemerkte.
Xander erstarrte auf ihre Worte hin und für einen Moment fühlte er sich als habe sie ihm wieder einmal kalt lächelnd, ohne jede Vorwarnung einen Dolch in die Eingeweide gerammt. Warum tat sie das? Merkte sie denn nicht, wie es ihm dabei ging? Er liebte sie, und wenn er mit ihr zusammen war, hatte er das Gefühl, sie würde dasselbe für ihn empfinden.
Doch dann machte sie wieder einen unbedachten Kommentar, wies ihn wieder darauf hin, dass niemand von ihnen beiden erfahren durfte, dass ihre Beziehung ein Geheimnis bleiben würde, weil sie Angst davor hatte, ihr Gesicht zu verlieren.
Und holte ihn damit auf den Boden der Tatsachen zurück. Ein Kino also, Dunkelheit, damit sie auch ja keiner zusammen sah.
„Okay“, stimmte er schließlich trotz seiner Gedanken zu, war es doch der einzige Weg, auf dem er überhaupt mit ihr zusammen sein konnte. Der einzige Weg, auf dem er zumindest eine Zeit lang so tun konnte als wäre er nicht nur ein schmutziges, kleines Geheimnis für sie. Der einzige Weg, auf dem er wenigstens einen winzigen Teil von ihr sein Eigen nennen konnte.
~*~*~*~
„Wie kommt es eigentlich, dass du mir in der Schule noch nie aufgefallen bist?“, fragte Spike mit einem flirtenden Grinsen Willow, die ihm gegenüber saß.
Die beiden waren gemeinsam ins Espresso Pump gegangen und saßen nun zu zweit an einem kleinen Tisch.
„Vielleicht, weil du so gut wie nie in Algebra auftauchst, und das der einzige Kurs ist, den wir gemeinsam haben?“, schlug diese amüsiert vor. Während ihrer Unterhaltung mit dem Blonden hatte sich ein entspanntes Lächeln auf ihre Lippen gelegt und sie hatte festgestellt, dass er mitnichten so unfreundlich war wie die meisten behaupteten – im Gegenteil, er hatte sie innerhalb dieser halben Stunde wahrscheinlich öfter zum Lachen gebracht als alle anderen im gesamten letzten Jahr. Ja, er hatte sich noch nicht einmal über ihr anfängliches Stottern und ihre Schüchternheit lustig gemacht, wodurch sie relativ schnell lockerer geworden war und nun völlig unbefangen mit ihm reden konnte.
„Hey, ich war dieses Schuljahr schon da – mindestens zwei Mal.“ In seiner Stimme schwang ein belustigter Unterton mit und seine Augen funkelten vergnügt, als er schnell hinzufügte: „Aber ich denke, ich werde in Zukunft öfter dort auftauchen, jetzt, wo ich einen Grund hab, um hinzugehen.“
„So? Und du wirst nicht zu beschäftigt damit sein, sagen wir, den Lehrer zur Weißglut zu treiben und schon fünf Minuten, nachdem der Unterricht begonnen hat, mit einem Zettel für den Rektor wieder rauszufliegen?“, kommentierte sie trocken, dieses Mal durch sein indirektes Kompliment noch nicht einmal aus der Bahn geworfen.
„Nein, meine Aufmerksamkeit wird ja schon auf jemand anderen gerichtet sein. Du bist wesentlich interessanter als Zahlen – obwohl ich gegen deine Telefonnummer natürlich auch nichts einzuwenden hätte“, meinte er nur belustigt, was Willow allerdings wieder etwas ernster werden ließ.
Ihre alte Unsicherheit kehrte plötzlich zurück, erinnerte sie sich doch daran, wie verschieden sie eigentlich waren. Es war ja schon beinahe ein Wunder, dass er überhaupt im Augenblick mit ihr redete, aber auf längere Zeit würde das niemals funktionieren.
„Da gibt es etwas, das du wissen solltest, bevor wir weiterreden“, begann sie vorsichtig, was ihr einen verwirrten Blick Spikes einbrachte. „Ich… Die Schule ist mir sehr wichtig und ich… ich bin, kurz gesagt, genau das, was ihr alle als eine Streberin bezeichnen würdet… tut mir leid, wenn ich dich jetzt enttäuscht hab.“
Beklommen blickte sie auf ihre Kaffeetasse nieder und ihre Schultern sanken mutlos nach vorn, war sie sich doch sicher, er würde nun ohne ein weiteres Wort aufstehen und gehen.
Der Platinblonde schien ihr Problem aber nicht zu sehen. „Und was ist daran so schlimm?“
„Na, ich, du…“, stotterte sie verdattert. Was sollte das? Wollte er sich jetzt über sie lustig machen? Oder verstand er tatsächlich nicht, was sie damit meinte?
„Keiner will etwas mit Strebern zu tun haben und ihr macht euch auch immer alle lustig über mich“, erklärte sie dann betrübt, woraufhin er jedoch vehement den Kopf schüttelte.
„Ich mache mich ganz bestimmt nicht lustig über dich, Luv. Und wer auch immer es tut, ist ein Idiot. Es ist nicht Falsches daran, für den Unterricht zu lernen und es ist auch nicht verwerflich, wenn dir die Schule Spaß macht. Ich bin vielleicht nicht so oft da, aber das heißt noch lange nicht, dass ich deswegen andere, die es sind, niedermache.
Nur weil ich nicht auf deiner Seite stehe, stehe ich doch noch lange nicht auf der dieser ganzen Trottel, die sich entweder um so einen komisch geformten Ball prügeln oder mit Pompoms wedeln. Was für ein Sport das überhaupt sein soll, ist mir sowieso schleierhaft.
Ich hab kein Problem damit, wenn mein… wenn Mädchen nicht nur Helium im Kopf haben, damit sie überhaupt aufrecht gehen können“, beruhigte er sie dann mit einem überzeugenden Lächeln, welches Willow ein wenig aus der Fassung brachte, da sie ihn bisher höchstens grinsen sehen hatte, niemals ehrlich lächeln. Ob er überhaupt wusste, dass er damit noch umwerfender aussah als sowieso schon? In seinem Anblick versunken, bemerkte sie seinen Ausrutscher noch nicht einmal, weshalb sie auch nicht dagegen protestierte.
„Hast du Lust, noch irgendwohin zu gehen?“, erkundigte er sich dann, wobei er den Kopf leicht schief legte, das Lächeln noch immer auf seinen Lippen.
„Gern. Wir könnten ja ins Kino gehen, ich hab gehört, da würden zur Zeit ein paar ganz gute Filme laufen“, schlug sie begeistert vor und stand nach einem kurzen Zögern auf, um ihre leichte Sommerjacke wieder anzuziehen.
„Okay, du suchst den Film aus“, willigte Spike mit einem Schulterzucken ein, was sie auflachen ließ.
„Bist du dir sicher, dass du dir das antun willst? Abgesehen davon wäre es natürlich interessant, wie die anderen alle reagieren würden, wenn sie wüssten, was für ein Gentlemen du in Wirklichkeit bist.“
„Wie schon gesagt, ich hab ja schon was zum angucken. Und was das andere betrifft: nur für dich, Luv, nur für dich.“ Er zog neckend seine vernarbte Augenbraue nach oben, bevor er einen Geldschein auf den Tisch legte und dann seinen Arm um ihre Taille legte, um mit ihr zum Kino zu laufen.

An diesem Nachmittag saßen Xander und Cordelia gemeinsam im Kino, wobei sie jedoch wenig auf die Auswahl des Filmes geachtet hatten, war es ihnen doch viel wichtiger, ungestört zu bleiben. Und bei diesem schönen Wetter würde sich wohl kaum noch jemand hierher verirren.
„Warum bist du so abgelenkt?“, beschwerte sich die Dunkelhaarige auf einmal bei ihrem heimlichen Freund, die Küsse für eine Weile unterbrechend.
Dieser seufzte abwesend und legte unsicher den Kopf schief. Sollte er ihr die Wahrheit sagen? Aber was, wenn sie ihn dann gar nicht mehr sehen wollte? Es war ja offensichtlich, dass sie nicht richtig mit ihm zusammen sein wollte, ihn vor ihren Freunden versteckte. Könnte er damit leben?
Sicher, er war mit dem, was sie jetzt hatten, auch nicht ganz zufrieden, doch es war zumindest besser als gar nichts.
„Ich bin nicht abgelenkt“, stritt er halbherzig ab. Er hoffte, sie würde das Thema damit vergessen, da sie sich sonst auch nicht sonderlich für seine Gefühle interessierte, aber dieses Mal sollte er sich täuschen.
„Ja, klar“, schnaubte sie ironisch. „Deswegen hab ich auch das Gefühl, einen Eisklotz zu küssen. Was ist mit dir los?“
„Ich… Willst du das ernsthaft wissen, oder bist du nur beleidigt, weil du mal nicht im Mittelpunkt stehst?“, warf er ihr dann vor, wobei er sie ein wenig wütend ansah. Wie konnte sie das alles so kalt lassen? Empfand sie denn gar nichts für ihn? Was war er für sie? Ein Spielzeug?
Cordelia schüttelte jedoch nur genervt den Kopf. „Nein, ich will es nicht wirklich wissen, ich bin hierher gekommen, damit wir ungestört sein können und nicht um irgendwelche tiefgründigen Gespräche mit dir zu führen.“
Ihre Stimme klang gereizt und sie warf sich arrogant die Haare über die Schulter, bevor sie sich wieder nach vorn beugte, um ihn erneut zu küssen, seinen Einwand völlig übergehend. Aber sie kam nicht dazu, da der Dunkelhaarige ihr auswich und aufstand.
„So? Das Gefühl habe ich auch. Was bin ich eigentlich für dich? Du gibst einen Scheißdreck darauf, wie es mir hierbei geht, nicht wahr?“, brauste er nun auf. Blut stieg in seinen Kopf und er konnte sich nur noch mühsam beherrschen, hätte er sie doch am liebsten an den Armen gepackt und geschüttelt, bis sie zu Vernunft kam.
„Was? Nein, wieso? Ich hab den Eindruck gehabt, du hättest dabei auch deinen Spaß. Oder irre ich mich da?“, entgegnete sie etwas verwirrt. Sie verstand nicht, dass es ihm bei diesem Gespräch keineswegs um den Sex mit ihr ging – an dem hatte er nichts auszusetzen -, sondern vielmehr darum, wie sie ihn sonst behandelte.
„Wann soll ich denn Spaß haben? Dann, wenn du vor meiner Nase mit irgendeinem Kerl flirtest als ob ich gar nicht da wäre? Dann, wenn du mich vor deinen Freunden fast völlig ignorierst? Sogar Buffy redet öfter mit mir als du! Ich hab das hier satt, ich will richtig mit dir zusammen sein, ich mach bei diesem Versteckspiel nicht mehr mit!“ Xanders Stimme bebte inzwischen vor unterdrückter Wut und er konnte wirklich froh sein, dass sich in diesem Kinosaal tatsächlich keine weiteren Leute befanden, sonst wären sie wahrscheinlich bereits rausgeworfen worden.
„Was? Bist du wahnsinnig? Warum soll ich ausgerechnet mit dir eine Beziehung anfangen? Das würde meinen Ruf ja völlig ruinieren“, schrie Cordelia nahezu entsetzt auf, obgleich sie eher erschrocken als angewidert war. Diese Überraschung war es wohl auch, die ihre Worte jetzt im Nachhinein wesentlich grausamer klingen ließ als sie sie eigentlich gemeint hatte. Doch sie kam überhaupt nicht dazu, sich zu berichtigen, da sie bereits zornig von ihrem Freund angebrüllt wurde.
„Ach, dafür bin ich plötzlich nicht mehr gut genug! Vielleicht solltest du dich ja einmal daran erinnern, wie abartig du mich eigentlich finden musst, wenn du mal wieder bei mir ankommst und mit mir schlafen willst! Aber es ist gut zu wissen, was du wirklich von mir hältst. Ich weiß nicht, wie ich jemals etwas anderes von dir erwarten konnte, ich hätte es besser wissen müssen, statt mich in dich zu verlieben. Hab echt gedacht, ich hätte hinter dieser Maske die richtige Cordelia kennen gelernt, eine, die nicht so kalt und grausam ist. Anscheinend hab ich mich dabei getäuscht.“
Xander war während seiner Rede immer leiser geworden, seine letzten Worte waren kaum noch ein trauriges Flüstern. Die Wut, die ihm den Mut gegeben hatte, seine Freundin zu konfrontieren, war verraucht und wich einem bitteren Gefühl der Enttäuschung. Er schüttelte betrübt den Kopf, bevor er sich umdrehte, um das Kino zu verlassen.
„Warte!“, hielt ihn plötzlich eine gedämpfte Stimme auf – ihre Stimme. „Bitte geh nicht! Es tut mir leid. Ich hab das nicht so gemeint. Lass mich dir das doch bitte erklären.“
„Ich wüsste nicht, was es da noch zu klären geben soll. Du hast deine Meinung über mich ja wohl mehr als deutlich gemacht“, erwiderte er hart, nicht bereit so leicht nachzugeben. Dennoch stoppte er seine Schritte und wartete, ob sie tatsächlich noch mehr zu sagen hatte.
„Ich will mit dir zusammen sein – ich weiß nur nicht, wie ich das machen soll. Keiner kann mir sagen, was die anderen davon halten würden und ich wüsste auch nicht, wie ich darauf reagieren würde, wenn jemand über mich lästert. Ich wäre wahrscheinlich wütend und würde meinen Zorn an dir auslassen. Das will ich nicht. Ich mag dich, wirklich, ich weiß nicht, ob ich dich liebe, weil ich noch nie verliebt gewesen bin, aber ich mag dich mehr als alle meine Exfreunde zusammen“, beteuerte sie verzweifelt.
Sie wusste nicht, ob sie es wirklich fertig bringen würde, sich in der Öffentlichkeit mit ihm zu zeigen, aber eines wusste sie ganz sicher: Sie wollte Xander nicht verlieren, hatte sich viel zu sehr an seine Anwesenheit gewöhnt. Warum hatte sie das nicht früher bemerkt? Wieso fiel ihr erst jetzt, da er zu gehen drohte, auf, wie sehr sie ihn eigentlich vermissen würde?
Der Dunkelhaarige musste bei ihrem Kommentar leicht grinsen. „Wenn man die Anzahl deiner Exfreunde betrachtet, dann musst du mich schon sehr mögen“, gab er trocken zurück und drehte sich, durch ihr Geständnis überzeugt, wieder zu ihr herum. Dann wurde er jedoch wieder ernst.
„Cor, ich meine das hier wirklich ernst. Mir ist klar geworden, wie sehr ich dich brauche, nachdem ich Dru bei Buffy im Keller gesehen habe. Irgendwo da draußen läuft ein Mörder herum und jeder einzelne von uns könnte das nächste Opfer sein. Wenn es mich erwischt, dann will ich nicht mit dem Gedanken daran sterben, wie gerne ich einmal mit dir ins Bronze oder woanders hingegangen wäre – nicht heimlich, sondern so richtig, als Paar. Ich liebe dich und ich will, dass das auch jeder weiß… und dass unsere Freunde vielleicht auch einmal die Cordelia sehen, die ich kenne, dann würden sie uns auch verstehen.“
Mit diesen Worten überwand er schließlich den Abstand zwischen ihnen, um sie in seine Arme zu ziehen und ihr eine Strähne ihres Haares aus dem Gesicht zu streichen.
Cordelia schmiegte sich daraufhin an seine Brust und seufzte leise, bevor sie sanft erwiderte: „Ich denke, ich weiß, was du meinst. Und ich weiß nicht, ob ich es wirklich kann, versprechen kann ich dir nichts, aber ich will es zumindest versuchen, wenn es dich glücklich macht.“
~*~*~*~
Mit einem genervten Seufzen sah Willow in ihr Buch und fragte sich zum wiederholten Male, warum sie sich diese Quälerei überhaupt antat. Es war ja noch nicht einmal so, als wäre sie mit Buffy befreundet, ganz im Gegenteil. Die Blonde konnte sie nicht ausstehen und wenn sie ehrlich war, beruhte das auf Gegenseitigkeit. Allerdings bereitete es ihr schon eine gewisse Freude, zu sehen, dass diese den Tod ihrer Freunde nicht ganz so leicht nahm wie sie erwartet hätte. Genau genommen sah sie sogar ziemlich fertig aus, daran konnte auch die ganze Schminke nicht viel ändern.
„Das ist doch nun wirklich nicht schwer“, versuchte sie erneut den derzeitigen Lehrstoff zu erklären. „Du weißt, wie man die erste Ableitung einer Funktion bildet. Für die Bildung der Stammfunktion tust du, einfach gesagt, genau dasselbe, nur umgekehrt. Beispielsweise multiplizierst du also nicht mit dem Exponent, sondern du dividierst durch den Exponent.“
Buffy jedoch sah sie nur entgeistert an als wäre ihr plötzlich ein zweiter Kopf gewachsen, da sie nicht mal annähernd verstand, was ihr die Rothaarige damit sagen wollte.
„Hä? Wie kann man so was verstehen?“, fragte sie stattdessen verwirrt.
Wie gerne wäre sie jetzt im Bronze, aber nein, sie musste ja unbedingt Nachhilfe nehmen. Wieso glaubte Willow eigentlich, dass sie jetzt plötzlich etwas verstehen würde, was sie bereits den ganzen Nachmittag schon erfolglos versucht hatte? Konnten sie nicht einfach für heute Schluss machen? Morgen war auch noch ein Tag und sie hatte wirklich keine Lust, den ganzen Abend vor irgendwelchen Schulbüchern zu verbringen.
„Das ist gar nicht so schwer“, meinte Willow mit einem Kopfschütteln, was die Blonde jedoch herzlich wenig beeindruckte.
„Klar, dass du das sagst. Solche Streber wie du haben ja auch nichts besseres zu tun als zu lernen, das sieht man euch ja schon von Weitem an. Deine Klamotten würde ich noch nicht mal anziehen, wenn ich keine anderen mehr hätte“, erwiderte sie giftig und ließ dabei ihren Ärger an Willow aus, obgleich diese keineswegs daran Schuld war, dass sie jetzt hier sitzen musste. Im Gegenteil, sie sollte eigentlich froh sein, dass diese ihr half, so wie sie sie sonst immer behandelte.
„Weißt du was? Wenn du nicht bald ein bisschen freundlicher zu mir bist, dann geh ich. Ich bin nicht diejenige, die Hilfe braucht! Aber ich frage mich, woher du sie bekommst, wenn ich weg bin? So wie du jeden behandelst, wird sich wohl kaum jemand dazu bringen lassen, dir zu helfen. Und ich frage mich gerade ernsthaft, welcher Teufel mich eigentlich geritten hat, dass ich überhaupt hierher gekommen bin“, schoss Willow wütend zurück.
Den ganzen Nachmittag hatte sie sich jetzt schon solche Bemerkungen anhören müssen und sie hatte sich redlich darum bemüht, trotzdem ruhig und sachlich zu bleiben. Aber irgendwann platzte sogar ihr einmal der Kragen, sie sah es nicht ein, sich beleidigen lassen zu müssen, wo sie doch nur hatte helfen wollen.
Buffy starrte sie daraufhin völlig geschockt an. Was war denn auf einmal in Willow gefahren? So kannte sie sie ja gar nicht. Sonst schluckte sie ihren Ärger immer gleich hinunter, ja, sie versuchte noch nicht einmal, sich auf irgendeine Art und Weise gegen den Spott zu wehren, der ihr entgegengebracht wurde. Und jetzt schrie sie sie plötzlich an? Seit wann hatte sie denn so etwas wie ein Rückgrat bekommen?
Der Gesichtsausdruck der Blonden verfinsterte sich allerdings auf die Erkenntnis hin, dass die andere Schülerin Recht hatte. Nichts hielt sie davon ab, einfach zu gehen, ganz im Gegenteil, es würde ihr keiner verübeln können.
Verdammt, gib dir einen Ruck, du brauchst ihre Hilfe, ermahnte sich die Cheerleaderin innerlich, was sie schließlich dazu brachte, in den sauren Apfel zu beißen und sich zu entschuldigen.
„Tut mir leid, war nicht so gemeint“, nuschelte sie, woraufhin ihr Willow allerdings nur einen sarkastischen Blick zuwarf.
„Okay, es war so gemeint“, gab Buffy unumwunden zu, fuhr aber schnell fort, bevor die Andere einfach gehen konnte, „Aber ich werde ab jetzt meinen Mund halten. Du hast Recht, ich brauche deine Hilfe und deswegen sollte ich vermutlich auch etwas netter zu dir sein. Versteh mich nicht falsch, ich halte nicht viel von dir und du wahrscheinlich auch nicht mir, doch ich bin dir dankbar dafür, dass du mir hilfst. Auch wenn ich diese Hilfe nicht wirklich verdient hab.“
„Na schön, dann lass es uns noch einmal probieren“, gab die Rothaarige mit dem Ansatz eines Lächelns nach, innerlich jubelnd, da sie ihr Ziel erreicht hatte. Es war ihr dieses Mal tatsächlich gelungen, Buffy Summers nicht klein beizugeben.
Die beiden High School Schülerinnen vertieften sich daraufhin so sehr in ihre Aufgaben, dass sie die Geräusche aus dem Garten trotz des geöffneten Fensters nicht bemerkten. Dort schlich sich nämlich eine dunkelgekleidete Gestalt an der Hecke entlang bis zur Hauswand.
~*~*~*~
Mit zitternden Fingern tippte Xander Cordelias Nummer in sein Handy ein. Er hatte sich vorher bei den anderen erkundigt, ob sie heute im Bronze sein würden und bei den meisten war die Antwort negativ ausgefallen. Jetzt wollte er seine Freundin fragen, ob sie mit ihm zusammen hingehen würde, da er sich sicher war, dass es für sie anfangs leichter sein würde, wenn sie nur von Leuten gesehen werden würden, die sie nicht so gut kannten.
„Hi Xan“, unterbrach auf einmal am anderen Ende der Leitung die Stimme seiner Freundin, welche auf ihrem Display seine Nummer gesehen hatte, seine Gedanken.
„Hi Cordy. Ich wollte dich fragen, ob du vielleicht Lust hast, mit mir ins Bronze zu gehen? Zusammen, als Paar? Die anderen sind heute nicht da, du könntest dich also erst einmal daran gewöhnen, mit mir auszugehen“, schlug er nervös vor, während er innerlich flehte, sie solle ja sagen.
„Klar, gute Idee. Holst du mich ab?“, stimmte die Dunkelhaarige mit einem unbewussten Lächeln auf den Lippen zu. Obwohl sie das niemals für möglich gehalten hätte, freute sie sich sogar auf ihr erstes Date mit Xander.
„Ja, reicht dir eine halbe Stunde, um dich fertig zu machen?“
„Was? Eine halbe Stunde nur? Aber das schaff ich ja niemals!“, erwiderte sie auf seine Frage hin empört. Wie konnte er denn denken, sie würde in so kurzer Zeit fertig werden? Sie wusste ja noch nicht einmal, was sie überhaupt anziehen sollte. Was dachte er sich eigentlich? Dass sie sich irgendwelche Sachen überwerfen würde?
Wahrscheinlich denkt er sich gar nichts, es ist immerhin Xander, beruhigte sie sich dann selber, wodurch es ihr gelang, ihre Empörung nicht gleich an ihm auszulassen.
„Gib mir eine Stunde, okay?“, bat sie dann etwas ruhiger und machte sich gleichzeitig daran, ihren Schrank nach geeigneter Kleidung zu durchwühlen.
„Okay, ich bin in einer Stunde bei dir“, willigte Xander daraufhin ein, bevor er auflegte und lauthals zu jubeln begann: „Sie hat ja gesagt, sie hat ja gesagt!“

Vorsichtig schaute eine schwarz gekleidete Gestalt durch das geöffnete Fenster in Buffys
Zimmer hinein, wo die Blonde gemeinsam mit Willow über den Schreibtisch gebeugt
war. Die beiden waren völlig in ihre Aufgaben vertieft, weshalb sie noch nicht
bemerkt hatten, dass sie beobachtet wurden, was den Fremden die Stirn runzeln
ließ.
Was machten die
zwei gemeinsam im Haus der Summers? So weit er wusste, konnten sie sich doch
noch nicht einmal leiden, da waren sie bestimmt keine Freunde. Und dennoch war
die Rothaarige hier.
Ein leises
Grollen drang aus seiner Kehle, brachte ihre Anwesenheit seinen Plan doch ein
wenig durcheinander. Was sollte er jetzt machen? Sollte er trotzdem angreifen?
Auch auf die Gefahr hin, dabei eine Unschuldige zu verletzten?
Sein Blick
glitt durch das Zimmer und blieb für einen Moment an der geöffneten Tür hängen,
welche offensichtlich zum Flur führte, bevor er weiterschweifte und ihm eine
zweite Tür auffiel. Wohin sie wohl führen würde? Vielleicht in einen begehbaren
Kleiderschrank, das würde Buffy ähnlich sehen. Oder ein Bad.
Für einen Moment ärgerte er sich fast über den Luxus, den das gesamte Zimmer
ausstrahlte, aber dann erinnerte er sich an den Grund für sein Auftauchen und
dabei würde ihm das anschließende Zimmer, welches mit etwas Glück keinen zweiten
Ausgang hatte, ganz gelegen kommen.
Er sah erneut
zu den beiden Schülerinnen, nur um festzustellen, dass Buffy aufgestanden war,
während er sich umgesehen hatte, und sich nun schon fast im Flur befand.
„Ich komme gleich wieder“, hallte ihre Stimme noch kurz durch den Raum, bevor
sie ganz aus seinem Blickfeld verschwand, was ein Grinsen auf seine Lippen
zauberte.
Eine bessere
Gelegenheit konnte er nicht bekommen: Buffy war erstmal weg und Willow
offensichtlich noch immer in ihre Aufzeichnungen vertieft. Mit einer
schwungvollen, aber dennoch leisen Bewegung schwang er sich zum Fenster hinein
in das Zimmer, wo er elegant in der Hocke landete, hatte er so etwas doch nicht
zum ersten Mal gemacht. Wenn man jedes Mal heimlich verschwinden musste, sobald
man einmal abends fortgehen wollte, dann wurde man mit der Zeit doch recht
geschickt im Klettern.
Normalerweise
hätte die Rothaarige seine Landung auf den Füßen hören müssen, denn obwohl er
fast keinen Ton verursacht hatte, war es ihm nicht möglich gewesen, völlig
lautlos zu sein. Aber Willow schien mit ihren Gedanken wohl eher dabei zu sein,
wie sie Buffy ihre Schulaufgaben beibrachte – was seiner Meinung nach ohnehin
ein sinnloses Unterfangen war, besonders, weil diese es sowieso nicht mehr
brauchen würde, wenn er erstmal mit ihr fertig war. Die Ablenkung war ihm
allerdings durchaus willkommen, konnte er sich so ja völlig unbemerkt hinter sie
schleichen, wo er ihr schnell die Hand auf den Mund legte, um ihren
erschrockenen Schrei zu dämpfen.
Mit der anderen
Hand hielt er ihr die Klinge seines Dolches an die Kehle, wobei er sich immer
noch nicht in ihr Blickfeld begab, obgleich sie ihn ohnehin nicht erkannt hätte,
da sogar sein Gesicht von schwarzen Stoff bedeckt war und seine Augen im
Schatten seiner Kapuze lagen.
Willow war viel zu geschockt, um sich gegen ihn zu wehren, und selbst wenn sie
es versucht hätte, hätte sie wohl kaum eine Chance gehabt. Furcht stieg in ihr
auf und ihr Atem beschleunigte sich. Fast erwartete sie, einen stechenden Geruch
zu vernehmen und im nächsten Moment zusammenzubrechen, oder gar erstochen zu
werden, aber das schien nicht der Plan des Angreifers zu sein. Statt sie zu
verletzten, drängte er sie in Richtung des begehbaren Kleiderschrankes. Wieso
machte er das? Was wollte er von ihr? Wollte er sie einsperren, damit er sich
zuerst um Buffy kümmern konnte?
Buffy! Das
ist die Lösung!, schoss es ihr siedendheiß durch den
Kopf.
Sie musste ihr
eine Nachricht zukommen lassen und sie warnen. Dann könnte diese ihr vielleicht
helfen. Ihre Hand fuhr vorsichtig an ihrer Hose entlang und zum ersten Mal in
ihrem Leben war sie froh darüber, nicht so figurbetonte Kleidung zu tragen wie
die meisten anderen Teenager, hätte der Fremde doch sonst sicher gemerkt, dass
sich ihr Handy noch in ihrer Tasche befand. Sie durfte sich bloß nicht noch auf
den letzten paar Metern verraten.
Durch ihre
Gedanken abgelenkt stolperte sie über die Kante des teuren Teppichs, was ihren
Angreifer ärgerlich brummen ließ. Er sagte jedoch auch jetzt noch kein einziges
Wort, aus Angst, sie könnte ihn sonst erkennen. Inzwischen waren sie an der Tür
angekommen, weshalb er sie öffnete und Willow grob in den dahinter liegenden
Raum schubste, nachdem er sich kurz umgeschaut und sichergestellt hatte, dass es
offensichtlich keinen zweiten Ausgang gab.
Dann schlug er
die Tür wieder zu und die Rothaarige hörte noch, wie der Schlüssel herumgedreht
wurde, bevor sich die Gestalt mit leisen Schritten entfernte, auf der Suche nach
Buffy.
~*~*~*~
„Nervös?“, fragte Xander mit einem Blick zu seiner Freundin, welche sich unruhig
umsah.
„Ja – du bist sicher, dass niemand von unseren Freunden hier ist?“, erkundigte
sich Cordelia daraufhin noch einmal, was den Dunkelhaarige seufzen ließ, hatte
er mittlerweile doch aufgehört zu zählen, wie oft sie sein Versprechen
inzwischen schon angezweifelt hatte. Einerseits war er verletzt, weil sie
offensichtlich immer noch nicht bereit war, sich mit ihm in der Öffentlichkeit
sehen zu lassen.
Aber
andererseits konnte er vermutlich schon mehr als froh sein, dass sie überhaupt
mit ihm ins Bronze gekommen war und sich zumindest nach außen hin von dem
Gemurmel der Leute aus ihrer Schule relativ unbeeindruckt gab. Sie hatte sogar
Harmony kalt abblitzen lassen, als diese gefragt hatte, was sie denn mit einem
Loser wie Xander hier wolle.
Damit hatte sie
bereits wesentlich mehr zugegeben als die ganzen letzten drei Monate ihrer so
genannten Beziehung. Ein unbewusstes Grinsen schlich sich bei dieser Erkenntnis
auf seine Lippen, vielleicht gab es ja doch noch Hoffnung und sie würde auch
irgendwann ihren Freunden von ihnen erzählen – wenn diese es nicht schon durch
den üblichen Tratsch und Klatsch erfuhren, den sie zweifellos verursacht hatten.
„Mach dir nicht so viele Sorgen. Buffy nimmt Nachhilfe, Angel taucht sowieso nie
hier auf, ohne dass er vorher dazu genötigt wurde, Oz trifft sich mit seiner
Band und Amy kommt ohne ihn auch nicht. Wahrscheinlich tut sie ihr bestes, um
ihn vom Üben abzuhalten“, erwiderte er amüsiert, bevor er aufstand und Cordelia
seine Hand anbot. „Tanzt du mit mir?“
Die Cheerleaderin schnaubte daraufhin unbeeindruckt. „Du und tanzen? Du
stolperst doch höchstens über deine eignen Füße“, kommentierte sie trocken,
wobei ihr sein verletzter Gesichtsausdruck völlig entging.
Dennoch ließ er sich nicht so leicht abbringen, da er wusste, dass sie ihn damit
nicht hatte persönlich angreifen wollen. Sie wusste nur nicht, wann es besser
war, einfach mal den Mund zu halten, statt ihre Meinung ungerührt
herauszuposaunen.
„Dann kannst du
ja dafür sorgen, dass ich es lerne.“
„Hm, ja, vermutlich könnte ich das. Dann werden wir uns beim Frühlingsfest
zumindest nicht vollkommen blamieren“, willigte sie schließlich ein, was Xander
breit grinsen ließ. Träumte er, oder hatte sie gerade tatsächlich gesagt, sie
würde mit ihm zum Frühlingsball gehen? Obwohl dort praktisch die gesamte
Sunnydale High auftauchen würde?
„Kommst du jetzt, oder willst du dort noch eine Weile wie ein Trottel rum
stehen?“, riss Cordelia ihn sofort unsanft aus seinen Überlegungen.
Nope,
definitiv kein Traum, sie ist direkt und taktlos wie immer,
stellte er erleichtert fest, nur um gleich darauf endlich ihre Hand zu nehmen
und sie zur Tanzfläche zu führen.
~*~*~*~
Zur selben Zeit schlich eine schwarz gekleidete Gestalt durch das Haus der
Summers, auf der Suche nach Buffy, welche sich nichts ahnend in der Küche
aufhielt, wo sie nur schnell etwas zu trinken holen wollte. Sie hatte gerade die
Limoflasche zurück an ihren Platz gestellt, als sich die Haare in ihrem Nacken
plötzlich verdächtig aufstellten. Irritiert runzelte sie die Stirn und drehte
sich um, in der Erwartung, Willow hinter sich zu finden. Aber da war niemand,
sie musste sich getäuscht haben.
Ein Schauer
lief ihr über den Rücken und auf ihren Armen bildete sich Gänsehaut, als ihr
Blick unbewusst zu einem der Fenster im Wohnzimmer wanderte. Es war offen. Sie
erstarrte für einen Moment, konnte sie sich doch beim besten Willen nicht daran
erinnern, es aufgelassen zu haben. Im Gegenteil, sie war sich völlig sicher, es
am Abend zuvor fest verschlossen zu haben, also konnte es auch nicht durch einen
Windhauch wieder aufgeschwungen sein.
Irgendjemand
musste dort gewesen sein und Willow war es ganz bestimmt nicht gewesen, da sie
noch immer in ihrem Zimmer war und sich in den Schulbüchern vergraben hatte. Ob
sich einer von ihren Freunden einen schlechten Scherz erlauben hatte wollen?
Immerhin wussten alle, dass sie aufgrund der Morde momentan ziemlich leicht zu
erschrecken war. Und da sie alle von der unverschlossenen Hintertür wussten,
wäre es für sie auch kein Problem, unbemerkt in die Villa zu kommen.
Andererseits
konnte so jeder andere ebenfalls reinkommen, ohne zu klingeln, weshalb ihre
Eltern sie extra vor dem Urlaub ermahnt hatten, alles abzuschließen, wenn sie
alleine war – Willow konnte man ja nicht wirklich als Gesellschaft zählen, sie
musste ihr nur dabei helfen, ihre schulischen Leistungen ein wenig aufzubessern.
Die Frage war allerdings, ob sie nun tatsächlich abgeschlossen hatte, oder ob
sie es vielleicht vergessen hatte, was auch nicht zum ersten Mal wäre.
Mit einem
Seufzen ging Buffy zum Fenster, um es zu schließen, bevor sie, halb unsicher,
halb genervt, in den Raum fragte: „Xander? Ich hab deinen Scherz durchschaut, du
kannst rauskommen.“
Doch sie
erhielt keine Antwort, noch nicht einmal ein kleines Rascheln. Was sie nicht
wusste, war, dass die schwarze Gestalt ihre Abgelenktheit genutzt hatte, um
unbemerkt in die Küche zu schlüpfen.
Die Blonde
runzelte erneut die Stirn, um dann mit den Schultern zu zucken. Fein, wenn er
nicht rauskommen wollte, sollte er sich ihretwegen ruhig noch für eine Weile
verstecken. Wahrscheinlich würde er sowieso bald hinter irgendeiner Tür
hervorspringen, in dem Versuch, sie zu erschrecken.
Durch diesen
Gedanken beruhigt, begab sie sich zurück in die Küche, wo sie die Limogläser
stehen lassen hatte. Sie wollte sie gerade nehmen und damit wieder auf ihr
Zimmer gehen, als ihr Handy in ihrer Hosentasche zu vibrieren begann, was sie
verwirrt innehalten ließ. Versuchte Xander jetzt ihr mit Anrufen einen Schrecken
einzujagen? Sehr witzig, wirklich.
Dennoch holte
sie ihr Mobiltelefon heraus, um abzunehmen, nur um gleich darauf zu bemerken,
dass es gar nicht Xander war, der sie da anrief, sondern Willows Nummer. Was
wollte sie denn von ihr? Sie war doch nur ein Stockwerk höher in ihrem Zimmer,
wieso rief sie sie denn da an?
Ein Seufzen drang über ihre Lippen und sie drückte auf den grünen Kopf mit dem
Telefon darauf, um den Anruf anzunehmen.
„Ja?“, meldete sie sich ein wenig genervt.
„Er ist da – d-der Mörder, von dem s-sie in der Z-Zeitung schreiben, er ist hier
im Haus“, stammelte eine nervöse Willow am anderen Ende der Verbindung, was
Buffy buchstäblich das Blut in den Adern gefrieren ließ. Xander würde sie sogar
jetzt noch einen schlechten Scherz zutrauen, aber die Rothaarige würde sich ganz
sicher keinen Spaß daraus machen, sie hinters Licht zu führen.
Aus ihrem
Gesicht wich jegliche Farbe, da sie erkannte, dass das offene Fenster weder eine
Nachlässigkeit ihrerseits noch das Werk ihrer Freunde gewesen war. Wer auch
immer derjenige war, der Drusilla, Oz und Amy umgebracht war, er befand sich
ganz in ihrer Nähe. Wenn sie nicht aufpasste, würde sie die Nächste sein.
Ihr Atem beschleunigte sich unbewusst und sie verfluchte sich im gleichen
Augenblick innerlich dafür, ihr Handy auf laut gestellt zu haben, wodurch sie
möglicherweise ihren Standort verraten hatte. Sie beendete die Verbindung ohne
ein weiteres Wort und fuhr augenblicklich auf dem Absatz herum, um sich
umzusehen. Und ihr Blick fiel geradewegs auf eine schwarz gekleidete Gestalt,
deren Augen kalt in die ihrigen starrten.
Buffy schluckte
schwer und für einen Moment fühlte sie sich, als wäre sie zu Eis erstarrt. Sie
wollte sich bewegen, wollte kopflos wegrennen, doch ihre Glieder verweigerten
ihr den Dienst. Sogar ihr Verstand schien beim Anblick ihres Angreifers
auszusetzen, war sie doch zu keinem einzigen klaren Gedanken fähig.
Shit, shit, shit! Warum passiert so was immer mir? Ich hab immer geglaubt, so
etwas gäbe es nur in irgendwelchen Horrorstreifen und nicht im richtigen Leben!,
klagte sie verzweifelt, wobei sie sich zerstreut umsah.
Der Fremde
hatte inzwischen seinen Kopf schief gelegt und sah sie kalkulierend an als
wollte er abschätzen, ob sie zu fliehen versuchen würde, oder ob sie es
vielleicht sogar auf einen Angriff ankommen lassen würde. Er glaubte nicht, dass
sie sich ihrem Schicksal so wehrlos hingeben würde wie Drusilla es getan hatte.
Dafür besaß sie zu viel Feuer und Arroganz. Kampflos unterzugehen wäre ganz
einfach unter ihrer Würde. Und er musste wohl oder übel zugeben, dass sie durch
ihr Cheerleadertraining ziemlich fit war. Nein, sie war definitiv eine
Herausforderung, aber genau deswegen war er ja auch hier.
Was die Gestalt
bei ihrem Auftauchen nicht bedacht hatte, war, dass eine Küche, in der sich das
Opfer noch dazu sehr gut auskannte, nicht unbedingt der beste Platz für eine
Attacke war. Buffy hatte nämlich inzwischen ihren anfänglichen Schock überwunden
und so leise wie möglich die Schublade hinter sich geöffnet, um ein Messer
herauszunehmen. Ihre Hand schloss sich um den Griff und ein trügerisches Gefühl
von Sicherheit stieg in ihr auf, konnte sie sich doch nun ganz gut verteidigen.
Unglücklicherweise zeigte sich das Gefühl des kleinen Triumphes, den sie
errungen hatte, auch in ihren Gesichtszügen, was den Fremden skeptisch werden
ließ. Er hielt in seinen Schritten inne und sah argwöhnisch zu seinem Opfer,
anstatt weiter auf die Blonde zuzugehen. Warum war der Ausdruck von Angst
plötzlich aus ihren Augen verschwunden? Gerade hatte sie ihn noch angeschaut wie
ein scheues Reh, das in die Scheinwerfer eines Autos blickte, doch nun sah sie
auf einmal fast schon selbstbewusst aus. Sicher, da war noch immer Furcht, aber
sie stellte nur noch ein schwaches Flackern im Hintergrund dar.
Seine Augen verengten sich zu Schlitzen und er schnaubte ärgerlich, während er
abzuschätzen versuchte, was sie vor ihm verbarg und ob es eine kluge Idee wäre,
sie jetzt zu attackieren. Er könnte genauso gut einfach warten, bis sie zu
flüchten versuchte.
Andererseits
konnte sie natürlich auch nur bluffen und ihn hinhalten wollen. Am besten er
brachte diese Sache doch sofort hinter sich und gab dabei ein wenig Acht auf die
Hand, die sie bisher hinter ihrem Rücken verbarg.
Mit diesem
Entschluss zufrieden zog der Angreifer seinen Dolch hervor und überbrückte den
restlichen Abstand zu Buffy mit nur wenigen, selbstsicheren Schritten.

Am besten er brachte diese Sache doch sofort hinter sich und gab dabei ein wenig Acht auf die Hand, die sie bisher hinter ihrem Rücken verbarg.
Mit diesem Entschluss zufrieden zog der Angreifer seinen Dolch hervor und überbrückte den restlichen Abstand zu Buffy mit nur wenigen, selbstsicheren Schritten.
Er holte mit einer Hand aus und wollte mit der anderen ihren Arm festhalten, war jedoch nicht schnell genug, da sie sich just in diesem Moment duckte. Der Dolch verfehlte dadurch sein Ziel und als wäre das nicht schon genug, schaffte sie es auch noch, ihn mit ihrem Messer am Arm zu verletzen.
Es gelang ihm im letzten Moment, einen Schmerzensaufschrei zu unterdrücken, indem er die Zähne fest aufeinander presste. Dafür begannen seine Augen förmlich vor Wut zu glühen und er fuhr mit einem Grollen herum, um ihr zu folgen, hatte sie seine Abgelenktheit doch ausgenutzt und war an ihm vorbei geschlüpft. Was er nicht bemerkte, war, dass trotz der relativ geringen Größe der Wunde einige Tropfen Blut auf den Fußboden gefallen waren. Auch seine Verletzung selbst interessierte ihm in diesem Moment ziemlich wenig, da es ihm viel wichtiger war, Buffy wieder einzuholen.
Diese rannte inzwischen den Flur entlang in Richtung des Arbeitszimmers ihres Vaters, wobei sie sich in ihrer Hast jedoch nicht gerade darum bemühte, leise zu sein. Ihr Herz klopfte aufgeregt in ihrer Brust und ihr Atem war vor Aufregung beschleunigt, als sie sich mit erhobenem Messer hinter einer Ecke versteckte. Sie konnte nicht ewig weglaufen, ihre einzige Chance wäre es, den Täter auszuschalten. Wenn er hier entlang kam, dann könnte sie ihn noch einmal verletzen und ihn genug abschrecken, damit er verschwand. Danach könnte sie in Ruhe die Polizei rufen.
Für einen Moment wunderte sie sich, warum sie noch so klar denken konnte, obwohl sie sich in Lebensgefahr befand, aber sie verdrängte diesen Gedanken gleich wieder, um sich auf Wichtigeres zu konzentrieren. Angestrengt lauschte sie und sie musste tatsächlich nicht lange warten, bis sie zögerliche Schritte vernahm. Er folgte ihr also wirklich, sehr gut. Sie wartete noch kurz, um dann, genau in dem Augenblick, in welchem der Fremde um die Ecke bog, hervorzuspringen und mit dem Messer auf seine Brust zu zielen.
Ihr Angriff wurde allerdings mit einer schnellen Bewegung abgeblockt, war er doch aufgrund der plötzlichen Stille skeptisch geworden und vorsichtiger weitergegangen. Er nutzte ihre Verblüffung über diese geschickte Abwehr auch gleich, um ihr mit dem Fuß brutal das Messer aus der Hand zu treten, was sie schmerzerfüllt aufschreien ließ.
Ein grausames Grinsen schlich sich auf seine Lippen, da er glaubte, sie wäre nun völlig hilflos und würde sich ihrem Schicksal hingeben, aber auch dieses Mal sollte er sich täuschen.
Buffy machte auf dem Absatz kehrt und sprintete zur nächsten Tür, was ihn entnervt den Kopf schütteln ließ. Was erhoffte sie sich dadurch eigentlich? Dass sie entkam? Was für ein lächerlicher Gedanke!
Ein Schnauben erfüllte den Raum und er griff sich wütend den nächstbesten Aktenordner, um ihn ihr an den Kopf zu werfen, was sie straucheln ließ. Sie schaffte es jedoch entgegen seiner Erwartung irgendwie, sich auf den Beinen zu halten und zur Tür zu stolpern, welche sie schnell hinter sich abschloss.
Dann lehnte sie sich kraftlos dagegen, in dem Versuch, die Punkte, die vor ihrem Blickfeld tanzten, zu verdrängen – ohne Erfolg. Ihre Sicht wurde immer verschwommener und obwohl sie verzweifelt nach Luft schnappte, wurde ihr schwarz vor Augen. Das Letzte, was sie hörte, war ein wütendes: „Ich krieg dich noch!“, welches sie allerdings nicht mehr einer Person zuordnen konnte, weil sie die Stimme nur noch wie durch einen Nebelschleier hindurch wahrnahm.
Auf der anderen Seite der Tür warf sich die Gestalt inzwischen wütend mit der Schulter dagegen, in der Hoffnung, irgendwie zu Buffy hindurch zu dringen. In ihrem Zorn kam sie nicht auf die Idee, aus einem Ringblock auf dem Schreibtisch ein Stück Draht herauszudrehen und damit zu versuchen, das Schloss zu öffnen. So kam es auch, dass ihre Versuche noch immer nicht von Erfolg gekrönt waren, als sie in der Ferne den Klang von Polizeisirenen vernahm.
„Shit!“, fluchte sie ungehalten und fragte sich im nächsten Moment, wie man ihr eigentlich auf die Schliche gekommen war. Keiner kannte ihren Plan. Mit einem letzten verbissenen Blick auf die verhängnisvolle Tür steckte sie den Dolch wieder ein und flüchtete so schnell es ging durch das nächstbeste Fenster.
~*~*~*~
Mit einem schweren Schlucken legte Cordelia die Zeitung vom Vortag zur Seite und bereute es augenblicklich, sie nicht schon früher gelesen zu haben. Aus ihrem Gesicht war jegliche Farbe gewichen und sie starrte ausdruckslos die Wand an, im völligen Gegensatz zu ihrer sonstigen Gefühlskälte.
Sie fühlte sich als habe man ihr mit der offenen Hand ins Gesicht geschlagen und sie verfluchte sich gleichzeitig dafür, Buffy nicht geglaubt zu haben. Die Andere hatte es geahnt, hatte sie alle gewarnt und keiner von ihnen hatte sie ernst genommen. Stattdessen hatten sie nur gelacht und weitergemacht wie bisher.
Der letzte Tag war einfach wunderschön gewesen, sie war förmlich von Glück berauscht gewesen, als sie vorhin aufgewacht war.
Davon war jetzt nicht mehr viel übrig; die Realität war erbarmungslos auf sie nieder gekracht. Amy und Oz waren tot. Nichts und niemand würde sie jemals wieder zurückbringen.
Traurigkeit breitete sich in ihr aus und fast hätte sie laut aufgelacht über die Absurdität, dass ein kleiner Satz ihr Leben verändern konnte. Wie war das möglich? Sie waren doch noch ein paar Tage zuvor gemeinsam auf Buffys Party gewesen, da war noch alles in Ordnung gewesen. Da war noch kein kaltblütiger Psychopath rum gelaufen, der wahllos Leute ermordete.
Gott, ihr Leben lang hatte sie sich gewünscht, in Sunnydale würde einmal, nur ein einziges Mal etwas Interessantes geschehen, aber nun bereute sie diesen Wunsch. So etwas hatte sie damit ganz bestimmt nicht gemeint.
„Verstehst du jetzt, warum ich nicht mehr länger dieses Versteckspiel spielen wollte?“, fragte Xander plötzlich leise. Er hatte sich unbemerkt hinter sie gestellt und seine Arme um ihre Taille geschlungen, während sie gelesen hatte.
Sein Kommentar ließ sie aus ihrer Trance aufschrecken.
„Du hast es die ganze Zeit gewusst?“, wandte sie sich geschockt an ihn, woraufhin er jedoch den Kopf schüttelte.
„Nein, ich hab es auch erst heut Morgen gelesen und glaub mir, ich war genauso überrascht wie du. Aber jetzt bin ich umso erleichterter darüber, dass wir endlich richtig zusammen sind. Wenn mich dieser Kerl erwischt, dann hab ich nichts zu bereuen“, erwiderte er ungewohnt ernst.
Cordelia dreht sich auf seine Worte hin um, damit sie ihn ansehen konnte. Ihre Augen funkelten sehnsüchtig, trotz des Schleiers von Traurigkeit, der sich darüber gelegt hatte und ohne ihr kaltes Schutzschild aus Beleidigungen wirkte sie plötzlich viel verletzlicher, fast schon zerbrechlich. Die Nachricht über den Tod ihrer Freunde hatte sie härter getroffen als sie jemals zugeben würde. Sie legte ihren Kopf an seine Brust und schmiegte sich hilflos in seine Arme, ließ zum ersten Mal auch ihre letzte Schutzhülle vor ihm fallen.
„Ich glaub, es gibt da etwas, das ich dir sagen sollte“, murmelte sie leise in sein T-Shirt, bevor sie aufblickte und ihm direkt in die Augen sah. „Als du es mir gesagt hast, war ich mir meiner Gefühle nicht sicher, aber nachdem ich das hier gelesen hab, ist mir etwas klar geworden. Es gibt eine Person, ohne die ich nicht wüsste, was ich machen soll. Diese Person bist du, ich brauche dich, Xan und ich glaube“, erklärte sie, stockte jedoch dann für einen Moment, unsicher, ob sie ihm das wirklich sagen sollte.
Das Blut schoss ihr in die Wangen und dieser Augenblick war wohl der erste und zugleich auch der letzte, in dem jemand Cordelia Chase erröten sehen würde. „Ich glaube, ich hab mich in dich verliebt.“
Xander konnte sein Glück auf diese Aussage hin kaum fassen. Für eine Weile vergaß er die schrecklichen Ereignisse der letzten Tage und grinste nur von einem Ohr zum anderen. Cordelia liebte ihn! Und sie gab es ihm gegenüber auch noch offen zu. Das war weitaus mehr als er jemals von ihr erwartet hätte, es schien als würde ein Traum wahr werden.
Aber wie zerbrechlich solch ein Traum sein konnte, würde ihm erst später klar werden, wusste er zu diesem Zeitpunkt doch nicht, dass sich Amy und Oz ebenfalls ihre Liebe gestanden hatten. Und kurz darauf waren sie beide tot gewesen.
~*~*~*~
Als Buffy im Krankenhaus wieder zu sich kam, saß bereits ein Polizist an ihrem Bett, der sie über die Geschehnisse in ihrem Haus ausfragen sollte.
„Wie geht es dir?“, leitete er das Gespräch auf eine aus seiner Sicht freundliche Art ein. „Denkst du, du kannst mir erzählen, was gestern Abend passiert ist?“
„Mein Kopf tut noch weh, aber ansonsten bin ich okay“, erwiderte die Blonde mit einem Blick auf ihr verbundenes Handgelenk. Eigentlich wünschte sie sich nichts mehr als in Ruhe gelassen zu werden, doch sie wollte nicht, dass ihr Angreifer weiter frei da draußen herumlief und sich vielleicht schon das nächste Opfer suchte. Wenn ihre Aussage bei der Suche nach ihm irgendwie helfen würde, dann würde sie das Gespräch schon überstehen. „Was möchten Sie wissen?“
„Wir haben bereits von ihrer Freundin Willow Rosenberg…“, begann der ältere Herr in Uniform, wurde jedoch vehement von Buffy unterbrochen: „Wir sind keine Freunde! Sie gibt mir nur Nachhilfe!“
„Wir haben bereits erfahren, dass der Angreifer wahrscheinlich zum Fenster herein gekommen ist“, fuhr der Polizist von ihrem Ausbruch unbeeindruckt fort, war sie doch nicht die erste verwöhnte Tochter reicher Eltern, mit der er es zu tun hatte.
„Er hat sie dann bedroht und im Badezimmer eingesperrt, bevor er sich auf die Suche nach dir gemacht hat. Anscheinend warst du sein wirkliches Ziel, weswegen wir nicht davon ausgehen, dass es derselbe Täter ist wie bei den bisherigen Morden. Der hat bislang wahllos die Teenager getötet, die ihm unglücklicherweise über den Weg gelaufen sind. Hast du irgendeine Idee, wer dir vielleicht Angst machen wollte?“
„Angst machen? Das nennen Sie Angst machen? Der Typ wollte mich umbringen!“, brauste Buffy empört auf. Ihr Anblick war allerdings aufgrund des Verbandes um ihren Kopf nicht gerade Furcht einflößend.
„Es hat sich also um eine männliche Person gehandelt?“, erkundigte sich der Ältere ungerührt. Er hatte bereits mit zu vielen Leuten gearbeitet, die glaubten, die Welt drehe sich nur um sie, um die Blonde wirklich noch ernst zu nehmen.
Diese hingegen wurde auf seine Frage hin etwas unsicherer und überlegte für einen Moment, bevor sie antwortete: „Ich weiß nicht. Er hat erst geredet, als ich schon fast bewusstlos war und da auch nur durch die Tür hindurch.“
„Na schön, vielleicht erzählst du mir erst einmal, wie sich das alles abgespielt hat“, erwiderte der Polizist mit einem Augenrollen. Er hatte drei Tötungen aufzuklären und statt daran zu arbeiten, musste er sich mit so einem eingebildeten Gör herumschlagen, das einen, zugegebener Maßen verdammt schlechten, Scherz mit einem Mordanschlag verwechselte.
„Ich bin in die Küche gegangen, um etwas zu trinken zu holen, da hab ich gemerkt, dass im Wohnzimmer das Fenster auf war. Zuerst hab ich es für einen blöden Scherz von Xander, einem Freund, gehalten und es einfach zugemacht.
Aber dann hat Willow mich angerufen und gesagt, jemand wäre im Haus. Ich hab mich umgedreht und wollte mich verstecken, da war es schon zu spät.
Der Typ stand direkt vor mir und hat mich angesehen. Gott, dieser Blick, der war so kalt. Er hatte, glaub ich, gelbe Kontaktlinsen drin, genau hab ich es aber nicht gesehen, weil er die Kapuze so weit rein gezogen hatte. Den Rest von seinem Gesicht hab ich auch nicht gesehen, ich hab keine Ahnung, wer das war.
Jedenfalls hab ich aus dem Schrank hinter mir ein Messer genommen und ihn damit am Arm verletzt – denk ich zumindest. Er war dadurch kurz abgelenkt und ich bin weggerannt und hab mich hinter der nächsten Ecke versteckt.
Dort wollte ich ihn überrumpeln, aber er muss es gemerkt haben. Er hat mir das Messer aus der Hand getreten und ich bin zur nächsten Tür gerannt. Bevor ich die erreicht hab, hat er mich mit irgendwas am Kopf getroffen und mir ist schwindelig geworden.
Ich hab es gerade noch so geschafft, hinter mir zuzuschließen, danach ist dann alles um mich herum schwarz geworden“, berichtete sie dem eher uninteressierten Polizisten.
„Hast du irgendetwas erkennen können? Eine Narbe, ein Tattoo?“, drängte er noch einmal, in der Hoffnung den Fall dadurch möglichst schnell abschließen zu können.
„Nein, verdammt! Das sagte ich doch schon! Sein Gesicht war verhüllt, die Klamotten ziemlich weit und er hatte sogar Handschuhe an. Ich hab um mein Leben gefürchtet und Sie haben ernsthaft den Nerv, mich nach solchen Details zu fragen?! In Zukunft werd ich immer eine Digicam mit mir rumschleppen, das nächste Mal mach ich dann ein Foto“, erwiderte Buffy sarkastisch, „So weit ich weiß, ist es Ihre Aufgabe, den Kerl zu schnappen und nicht meine!“
„Ja, aber wir können leider Gottes nicht hellsehen und sind daher auf kriminaltechnische Beweise sowie die Hilfe von Zeugen angewiesen. Wir haben keine Fingerabdrücke oder ähnliches finden können, wir haben aber eine Probe von dem Blut in der Küche genommen.
Nur nützt uns das rein gar nichts, so lange wir keinen Verdächtigen haben, mit dem wir es vergleichen könnten“, erklärte der Polizeibeamte trocken, bevor er sich von Buffy verabschiedete, ihr noch eine Telefonnummer hinterließ und dann förmlich aus dem Raum rannte, froh, endlich verschwinden zu können.
~*~*~*~
„Hi, Baby“, begrüßte Angel seine Freundin und küsste sie, bevor er ein paar Blumen hinter seinem Rücken hervorholte. „Die sind für dich.“
„Danke, Angel, die sind wirklich schön. Bist du so lieb und stellst sie für mich in eine Vase?“, bat ihn Buffy mit einem Lächeln, während sie rätselte, wer ihn auf die Idee mit den Rosen gebracht hatte.
Normalerweise schenkte er ihr nur etwas, wenn er ein schlechtes Gewissen hatte – was ja nun oft genug vorkam -, aber die letzten beiden Tage hatte er alle seine Versprechen gehalten. Im Gegenteil, sie war diejenige gewesen, die ihn praktisch rausgeworfen hatte, weil sie mit Willow lernen musste.
„Klar. Wie geht’s dir? Ich hab mir Sorgen um dich gemacht, als ich gehört hab, was passiert war“, meinte der Dunkelhaarige, während er zum Waschbecken ging, um Wasser in die Vase mit den Blumen zu lassen.
Dabei rutschte der Ärmel seiner Lederjacke etwas zurück und enthüllte einen weißen Verband, was Buffy geschockt nach Luft schnappen ließ. Genau an dieser Stelle hatte sie den Angreifer mit einem Messer getroffen. Konnte es sein, dass Angel… nein, das war nicht möglich! Er liebte sie, er würde ihr niemals wehtun, das würde er ihr nicht antun, ganz sicher nicht.
Dennoch nagten Zweifel an ihr, weshalb sie ihn leise, fast schon ängstlich fragte: „Angel? Was hast du mit deinem Arm gemacht?“
„Mein Arm? Wieso…“, begann er irritiert, bevor sein Blick auf den Verband fiel. „Oh, das. Nichts weiter. Ich hab meiner Mum beim Gemüse schneiden geholfen und mich geschnitten.“
Ein Stirnrunzeln legte sich daraufhin auf ihr Gesicht. Was sollte das? Wieso belog er sie? Was hatte er zu verheimlichen?
„Du hilfst deiner Mutter sonst auch nie“, entgegnete sie scharf, wobei sie ihren Freund skeptisch ansah. Konnte sie ihm noch vertrauen? Sie liebte ihn, ja, aber empfand er auch wirklich dasselbe für sie? Oder spielte er ihr in letzter Zeit nur noch etwas vor?
Obgleich sie gerne etwas anderes geglaubt hätte, konnte sie nicht leugnen, dass er sich komischerweise immer kurzfristig entschuldigt hatte, bevor die Morde geschahen. Und er war gestern ebenfalls wütend auf sie gewesen. Was sollte sie denn jetzt noch glauben? Alle Beweise sprachen gegen ihn. Bisher waren es nur Indizien gewesen, die sie als völlig absurd abtun können hatte. Aber jetzt konnte sie das nicht mehr behaupten, nicht, nachdem sie die Wunde an seinem Arm gesehen hatte.
Andererseits hatte er ihr noch nie etwas getan. Zugegeben, sie wusste, dass er auch ziemlich brutal sein konnte, schließlich war er bereits mehr als einmal in eine Prügelei verwickelt gewesen. Doch niemals ihr gegenüber, zu ihr hatte er sich immer korrekt verhalten, auch wenn sie sich gestritten hatten. Würde er sie tatsächlich aus dem Hinterhalt heraus angreifen?
Auf der anderen Seite ging die Chance, dass er die gleiche Verletzung wie der Angreifer hatte und es trotzdem nicht gewesen war, gleich gegen Null. Ob sie es wollte oder nicht, sie konnte sich der berechtigten Zweifel in ihrem Kopf nicht entledigen.
Angel schob ihre Abwesenheit auf die Kopfschmerzen und er bemerkte dadurch auch nicht, dass sie an seiner Begründung zweifelte.
„Das wird bei mir wohl auch nicht zur Gewohnheit werden“, tat er es mit einem Schulterzucken ab, bevor er sie besorgt ansah. „Du siehst nicht gut aus, Baby.“
„Danke, das will jedes Mädchen hören“, erwiderte sie sarkastisch, nur um gleich darauf leise vorzugeben: „Ich bin müde.“
„Soll ich wieder gehen, damit du schlafen kannst?“
„Sei mir bitte nicht böse, aber ich glaube, das wäre gar keine so schlechte Idee. Tut mir leid“, ergriff sie die Möglichkeit, ihn für eine Weile loszuwerden. Ob sie es wollte oder nicht, allein die Vorstellung, er könnte etwas mit den Morden zu tun haben, jagte ihr Angst vor ihm ein. Sie brauchte Gewissheit.
„Nicht so schlimm. Ich komme morgen wieder“, stimmte Angel zu und verabschiedete sich mit einem Kuss von ihr.
Buffy wartete noch, bis er aus dem Zimmer verschwunden war, bevor sie die Nummer wählte, die ihr der Polizist gegeben hatte.
„Hier ist Buffy Summers. Ich wollte mich nur melden, weil… Ich hab vielleicht doch einen Verdacht, wer mich angegriffen haben könnte…“
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Buffy wartete noch, bis Angel aus dem Zimmer verschwunden war, bevor sie die Nummer wählte, die ihr der Polizist gegeben hatte.
„Hier ist Buffy Summers. Ich wollte mich nur melden, weil… Ich hab vielleicht doch einen Verdacht, wer mich angegriffen haben könnte…“
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„Hey Luv“, begrüßte Spike Willow am Handy. Ein Grinsen lag auf seinen Lippen und in der anderen Hand hielt er eine zur Hälfte aufgerauchte Zigarette.
„Hast du Lust, irgendwohin zu fahren?“
„Gerne. Woran hast du gedacht?“, erwiderte die Rothaarige begeistert, hatte sie doch nicht geglaubt, dass er sich so schnell wieder bei ihr melden würde. Im Gegenteil, sie hätte eher erwartet, er würde den Zettel mit ihrer Nummer wegwerfen, sobald sie sich wegdrehte – trotz seiner Versicherung, er fände sie toll.
„Wir könnten ins Bronze gehen, obwohl das nicht so ganz mein Club ist – zu viele Snobs“, schlug er vor, was sie auflachen ließ. Ja, da konnte sie ihm aus ganzen Herzen zustimmen.
„Was ist denn dein Club? Sofern es keine Rockerkneipe ist, könntest du ihn mir ja zeigen“, erwiderte sie und obwohl sie ihn gar nicht sehen konnte, spürte sie, wie ihr schon wieder das Blut in die Wangen schoss. Aber dieses Mal störte es sie nicht so sehr, war sie doch schon froh darüber, mit ihm reden zu können, ohne zu stottern.
„Das heißt natürlich nur, wenn du willst“, nahm sie ihren Vorschlag dennoch ein wenig zurück, da sie es nicht gewohnt war, mit jemanden so unbefangen zu sprechen.
„Klar, da muss ich nur aufpassen, dass dich mir keiner wegschnappt“, meinte Spike schlagfertig, um sie etwas zu ermutigen.
Er wusste nur zu gut, warum sie plötzlich wieder zurückhaltend geworden war, obwohl er sie noch gar nicht so lange kannte. Dennoch kam es ihm so vor, als wären sie schon lange befreundet. Da war eine seltsame Vertrautheit, die er sonst nicht kannte, ja, er versuchte noch nicht einmal mehr, ihr gegenüber sein Bad-Boy-Image aufrechtzuerhalten.
In ihr hatte er endlich jemanden gefunden, mit dem er reden konnte, ohne dass ein bestimmtes Verhalten von ihm erwartet wurde. Und nicht nur das, er mochte sie auch sonst sehr, sie ging ihm einfach nicht mehr aus dem Kopf. Er hoffte bloß, dass es ihr ähnlich erging.
„Also, was sagst du, Luv? Kann ich dich in einer halben Stunde abholen?“, erkundigte er sich gutgelaunt. Er wusste ja inzwischen, wo sie wohnte, weil er sie nach dem Kinobesuch heimgebracht hatte.
„Okay“, stimmte Willow glücklich lächelnd zu, bevor sie die Verbindung beendete und begann, in ihrem Schrank nach geeigneter Kleidung zu kramen, da sie Spike gerne beeindrucken wollte. Für einen Moment wünschte sie sich fast, Buffy oder Cordelia wären hier, um ihr zu helfen, denn egal wie gemein und eingebildet die beiden auch sein mochten, sie verstanden etwas von Mode.
Aber dann verdrängte sie diesen absurden Gedanken ganz schnell wieder, weil sie die beiden auf den Tod nicht ausstehen konnte.
~*~*~*~
„Wow! Wer bist du und was hast du mit der Willow gemacht, die ich kennen gelernt habe?“, fragte Spike mit hochgezogener Augenbraue, als er sie sah. Sie sah völlig verwandelt aus, er erkannte kaum den schüchternen Bücherwurm mit den weiten Pullovern in ihr wieder.
Stattdessen trug sie ein grünes Shirt mit aufgeschlitzten Ärmeln, welches ihre Augen nahezu zum Strahlen brachte. Dazu eine enge, dunkelblaue Jeans und unscheinbare Schuhe, da sie nicht ganz auf Bequemlichkeit verzichten wollen hatte. An ihren Hals schmiegte sich eine zarte, silberne Kette und an ihren Ohren baumelten etwas längere Anhänger, die vermutlich zu der Kette gehörten. Ihre Haare hatte sie mit einer Spange hochgesteckt und kleine Strähnchen fielen ihr ins Gesicht, hinter denen sie sich wenigstens ein bisschen verstecken konnte.
Kurz gesagt, sie sah seiner Meinung nach einfach wunderschön aus. Wenn sie die Idioten, die sie in der Sunnydale High immer ärgerten, so sehen könnten, würden sie sich förmlich um ihre Aufmerksamkeit reißen.
Willow hatte seinen Kommentar jedoch völlig falsch verstanden und das Lächeln, welches sich bei seinem Anblick auf ihr Gesicht gelegt hatte, wich einem gekränkten Ausdruck. Schüchtern sah sie zu Boden, um dann leise zu fragen: „Findest du es so schlimm?“
„Wie?“, entgegnete Spike daraufhin verblüfft, bevor ihm plötzlich dämmerte, was sie damit meinte. „Bloody Hell, nein, ganz bestimmt nicht! Im Gegenteil, du siehst absolut atemberaubend aus“, beeilte er sich ihr zu versichern.
„Wirklich?“, erkundigte sie sich noch immer etwas verunsichert, wagte es jedoch inzwischen wieder, ihm in die Augen zu sehen.
„Ja, wie ein kleiner Schmetterling“, erwiderte er, hätte sich im nächsten Moment aber gleich am liebsten die Zunge dafür abgebissen. Seit wann benahm er sich wieder wie William? Jetzt würde sie ihn garantiert für einen von diesen Weicheiern halten.
„Schmetterling?“, hakte sie auch tatsächlich irritiert nach und dieses Mal war er derjenige, der unsicher zu Boden sah. Er fuhr sich nervös mit der Hand durch die Haare und flehte innerlich, dass er sich nicht völlig lächerlich machen würde, wenn er ihr antwortete.
„Na ja… Ein Schmetterling kriecht ja erst als Raupe herum und dann verpuppt er sich, um dann als erwachsener Schmetterling erneut zu schlüpfen. Das war da Erste, an was ich gedacht hab, als ich dich sah, weil du auf einmal so wunderschön aussahst. Nicht, dass ich dich vorher hässlich fand, aber heute hast du etwas aus dir gemacht“, erkläre er etwas zögerlich, hatte er doch nicht die leistete Ahnung, wie sie das aufnehmen würde.
Seine Sorge war allerdings vollkommen unbegründet, da ihr Lächeln auf seine Worte hin nur noch breiter wurde. „So ein Kompliment hat mir nur bisher noch nie jemand gemacht… um ehrlich zu sein, hab ich bisher noch gar keine bekommen. Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet du so poetische Gedanken haben könntest?“, neckte sie ihn leicht. Es tat gut, mal nicht diejenige zu sein, die schüchtern auf ihre Füße starrte.
Spike schien daraufhin seine gewohnte Selbstsicherheit wieder zu finden und ließ diesen Kommentar natürlich nicht so einfach auf sich sitzen. „Dann wird es Zeit, dass du welche bekommst. Wer dich hässlich findet, hat Tomaten auf den Augen, Luv. Und was meine poetische Seite betrifft, die bringst nur du zum Vorschein – sofern sie denn überhaupt vorhanden ist, das wage ich nämlich noch zu bezweifeln“, bemerkte er trocken, seine kurze Unsicherheit überspielend.
„Komm, setz den Helm auf und steig hinter mir auf das Motorrad, damit wie los können. Ich fürchte allerdings, dafür musst du deine Haarspange raus machen.“
„Kein Problem, du kannst mir dann ja helfen, sie wieder rein zu machen“, konnte sie sich nicht verkneifen, bevor sie den Helm überstülpte und die Jacke, die sie bisher auf dem Arm getragen hatte, anzog.
~*~*~*~
Ein glückliches Seufzen drang über Willow Lippen, als sie mit Spike tanzte. Sie fühlte sie wie im siebten Himmel, alles schien perfekt zu sein. Dabei hätte sie jeden, der ihr noch vor ein paar Tagen gesagt hätte, dass Spike sich ausgerechnet für sie interessierte, in eine geschlossene Anstalt einweisen lassen. Und jetzt war sie mit ihm in einem Club, den sie vorher gar nicht gekannt hatte.
Vielleicht konnte daraus ja doch noch etwas mehr werden, er schien jedenfalls nicht gerade abgeneigt zu sein, das hatte sie inzwischen begriffen. Sie selbst hätte auch nichts dagegen, im Gegenteil. Nur war sie sich immer noch nicht sicher, warum ein Typ wie er ausgerechnet von ihr etwas wollte. Wenn er es wollen würde, könnte er an jeder Hand zehn Mädchen haben, die sich gegenseitig die Augen auskratzen würden.
Ihr Blick glitt über seinen Körper und sie stellte lächelnd fest, dass er dieses Mal nicht ganz in schwarz gekleidet war. Zwar hatte er genau wie sonst auch schwere Doc Martens und eine dunkle Jeans an, aber sein T-Shirt war dieses Mal weiß, wodurch sich seine Muskeln noch deutlicher abzeichneten. Darüber trug er im Gegensatz zu sonst keinen Mantel, sondern eine schwarze Lederjacke.
Seine blauen Augen funkelten und fast hatte sie das Gefühl, sie könnte auf den Grund seiner Seele sehen. Aber nur fast, denn da war noch ein Schatten, den sie nicht so ganz zuordnen konnte.
Das, was sie sehen konnte, zauberte ihr allerdings ein Strahlen auf die Lippen. Er mochte sie nicht nur aufgrund ihres Charakters, sondern ihm gefiel auch ihr Aussehen. Wenn Cordelia und Buffy sie bloß so sehen könnten, die würden vor Schock glatt umfallen – und hoffentlich nicht wieder aufstehen.
~*~*~*~
„Wo waren Sie gestern Abend gegen 20.00 Uhr?“, fragte der ältere Mann in Uniform Angel, welcher vor ihm im Verhörraum saß.
Dieser sah ihn wütend an. „Was wollen Sie eigentlich von mir? Ich war Zuhause und nein, es gibt keine Zeugen dafür. Sie glauben doch wohl nicht im Ernst, dass ich meine Freundin angreifen würde?“, erwiderte er fassungslos. Ihm war noch immer schleierhaft, wieso er überhaupt hier war. Wie war die Polizei auf ihn gekommen?
„Das weiß ich nicht, das müssen Sie mir schon sagen. Um ehrlich zu sein, halte ich es ohnehin nur für einen Scherz, der gründlich schief gelaufen ist, von daher sind Sie als Täter gar nicht so abwegig. Sie sind in die Wohnung ihrer Freundin gekommen, wollten sie erschrecken, aber sie hat Sie nicht erkannt, ist ausgerastet und hat Sie verletzt.
Dann ist sie weggerannt, Sie sind hinterher, haben ihr das Messer mit etwas zu viel Kraft aus der Hand geschlagen und als sie daraufhin wieder losgelaufen ist, wollten Sie sie aufhalten, indem sie etwas in ihre Nähe werfen, damit sie stehen bleibt. Sie haben sie nur dummerweise getroffen“, erklärte der Polizist seine Theorie gelangweilt, was Angel allerdings nur noch mehr in Rage brachte.
„Sie glauben ernsthaft an so einen Schwachsinn?! Ich würde doch niemals meine Freundin verletzten!“, brauste er auf.
„Ich habe ja auch nie behauptet, dass das Ihre Absicht gewesen ist. Der Treffer war Zufall, richtig? Abgesehen davon weiß ich nicht, was eure Generation am College oder der High School, wie sagt ihr so schön, cool findet“, hielt der Ältere dagegen, mit seinen Gedanken immer noch nicht so ganz bei dem Fall.
„Ich mache Ihnen einen Vorschlag: Sie geben mir freiwillig Ihre DNA-Probe, die wir dann mit der vergleichen können, die wir aus dem Blut in der Küche haben, danach steht es Ihnen frei zu gehen. Wie klingt das?“, schlug er anschließend vor, was Angel den Kopf zur Seite legen ließ. Er zögerte für einen Moment, da ihm der Gedanke, dass die Polizei in Zukunft möglicherweise seine DNA haben würde, nicht unbedingt gefiel, stimmte dann aber, mangels einer anderen Option, dennoch zu.
„Meinetwegen, wenn ich dann endlich von hier verschwinden kann.“
~*~*~*~
Mit einem Lächeln wollte sich Cordelia gerade von Xander, mit dem sie Essen gewesen war, verabschieden, als dieser sie jedoch aufhielt.
„Warte“, bat er sie, was sie dazu brachte, die Stirn zu runzeln und sich zurück auf den Sitz des Wagens fallen zu lassen. „Ich, ähm, ich hab da noch etwas für dich. Es ist nicht viel und wahrscheinlich auch nicht die Art von Schmuck, die du sonst trägst, aber… vielleicht gefällt es dir ja trotzdem“, erklärte er ein wenig unsicher und rutschte nervös auf seinem Platz hin und her, bevor er eine kleine Schachtel aus seiner Jackentasche holte.
Er öffnete sie mit zitternden Händen und zum Vorschein kam eine feingliedrige Kette mit einem kleinen, chinesischen Zeichen als Anhänger.
Ein überraschtes: „Oh“, verließ daraufhin Cordelias Lippen und sie sah erstaunt zu ihrem Freund, der es allerdings nicht wagte, sie anzusehen, aus Angst, sein Geschenk würde ihr nicht gefallen.
Seine Sorge war jedoch völlig unbegründet, da sich ein Strahlen auf ihrem Gesicht ausbreitete. „Sie ist wunderschön. Besonders, weil sie von dir ist“, erlöste sie ihn von seinem Bangen und er spürte, wie seine Wangen heiß wurden.
„Wirklich?“, hakte er noch einmal nach. „Du brauchst mir nichts vorzuspielen, wenn sie dir nicht gefällt, dann kannst du es mir sagen.“
„Wirklich, sie gefällt mir sehr“, beteuerte Cordelia, um sich anschließend zu ihm zu beugen und ihn zu küssen, wodurch sie ihre Antwort verdeutlichte. „Was bedeutet das Zeichen?“
„Liebe“, erwiderte Xander nur ungewohnt ernst und sah sie sehnsüchtig an. „Willst du echt schon reingehen?“, fragte er sie, von dieser Idee wenig begeistert, was sie zum Auflachen brachte.
„Du kannst ja mitkommen. Zumindest, wenn du kein Problem damit hast, dass du dann vor morgen nicht mehr wegkommst und dann höchstwahrscheinlich auch nicht ohne mich“, neckte sie ihn mit einem Grinsen und ließ ihre Augen begierig über seinen Körper wandern.
Sie brauchte Xander dieses Angebot jedoch keineswegs noch schmackhaft zu machen, da er bereits förmlich aus dem Auto sprang, um möglichst schnell mit ihr ins Haus zu kommen.
~*~*~*~
Ein lautes Scheppern ließ Cordelia aus ihrem Schlaf hochschrecken und sie runzelte verwirrt die Stirn. Was war das gewesen? Wer ging um diese Zeit noch im Garten umher? Ihre Eltern konnten es nicht sein, die waren im Urlaub und Xander schied ebenfalls aus, der lag direkt neben ihr.
Sie schlug vorsichtig die Decke zur Seite und stand dann möglichst leise auf, immer darauf bedacht, ihren Freund nicht zu wecken, da sie sich das Geräusch vermutlich ohnehin eingebildet hatte. Aber wenn das tatsächlich so war, warum war sie dann aufgewacht?
Ihr Blick wanderte zum Fenster und sie schob die Gardine ein wenig zur Seite, damit sie besser in den Garten hinuntersehen konnte. Und tatsächlich, da zwischen der alten, prächtigen Eiche und der Hecke, die das Grundstück umschloss, war ein Schatten. Sie konnte auf die Entfernung nicht ausmachen, was genau es war, doch es schien eben noch bei den Gartenmöbeln gewesen zu sein, da einer der Stühle umgefallen war. Das war also das Scheppern gewesen, was sie gehört hatte.
Nur leider beantwortete das auch nicht die Frage danach, wer oder was dort hinten hockte. Furcht stieg in ihr auf und sie fühlte sich unwillkürlich an den Tod ihrer Freunde erinnert. Ob sie wohl auch vorher noch irgendwelche gruseligen Schatten gesehen hatten?
Ein Schauer lief ihr über den Rücken, doch sie unterdrückte das Zittern ihrer Hände. Statt sich zurück zu Xander ins Bett zu flüchten, zog sie sich leise ein paar Klamotten über, um dann in die Küche zu schleichen. Dort nahm sie sich eines der größeren Messer – Buffy hatte es ja immerhin auch geholfen – und ging damit zur Gartentür, wo sie erneut einen Moment lang zögerte.
Sollte sie wirklich da hinausgehen? Dem Killer vielleicht direkt in die Arme laufen? Wäre es nicht viel sicherer, zurück zu Xander ins Haus zu gehen und ihn zu wecken?
Aber wenn sie sich täuschte und da vielleicht doch gar nichts war, wenn sie sich den Schatten nur eingebildet hatte, dann würde sie sich ziemlich lächerlich machen. Er würde sie für paranoid halten. Nein, es war besser, sie schaute selbst nach, ob an ihrer Befürchtung etwas dran war.
Mit diesem Entschluss zufrieden atmete sie noch einmal tief durch, bevor sie die Tür öffnete und in das mit Tau bedeckte Gras des Gartens trat.

Ein Seufzen drang über Buffys Lippen, als sie zurück an den Streit mit Angel dachte. Sie war bereits vor einer Woche aus dem Krankenhaus entlassen worden und heute war er bei ihr aufgetaucht, um mit ihr zu reden. Irgendwie hatte er wohl herausgefunden, dass sie diejenige gewesen war, die den Tipp an die Polizei gegeben hatte und dementsprechend sauer war er auch gewesen.
Sie hatten sich gegenseitig angeschrieen, bevor sie ihn schließlich praktisch rausgeworfen hatte. Eine Aufforderung, der er in diesem Moment nur allzu gerne nachgekommen war, da sie ihn ja, wie er es so schön gesagt hatte, ohnehin kein Vertrauen mehr schenkte. Obwohl sie nicht glaubte, dass er tatsächlich wusste, wie Recht er damit hatte.
Sie wusste wirklich nicht mehr, was sie ihm noch glauben konnte und was nicht, ob er sie erst seit kurzem belog oder schon die ganze Zeit über. Eigentlich konnte sie noch nicht einmal sagen, ob er sie überhaupt belog, weil die Polizei bisher zu sehr mit der Suche nach dem Mörder beschäftigt war, um die DNA-Proben zu vergleichen.
Wobei sie ohnehin das Gefühl hatte, von ihnen gar nicht ernst genommen zu werden, sie brachten den Angriff auf sie ja noch nicht einmal mit den Morden in Verbindung, obgleich alle Opfer zu ihrem Freundeskreis gezählt hatten.
Was sollte sie jetzt machen? Sie liebte Angel, ja, aber sie vertraute ihm nicht mehr so blind wie vorher, dafür sprach ganz einfach zu vieles gegen ihn.
Andererseits hätte er sie im Krankenhaus problemlos überwältigen können, wenn er es gewollt hätte. Und falls ihm dort zu viele Zeugen gewesen waren, die ihn im Flur gesehen hatten, hätte er es vorhin tun können – zumindest sofern er niemanden erzählt hatte, dass er sie besuchte.
Gott, sie wusste einfach nicht mehr weiter. Da waren so viele unbeantwortete Fragen. Wieso hatte der Täter zum Beispiel Willow im Badezimmer eingesperrt, anstatt sie anzugreifen? Hatte er es tatsächlich nur auf sie abgesehen gehabt? Aber weshalb dann erst einige ihrer Freunde töten? Und nicht gleich sie? Das war vollkommen unlogisch.
Vielleicht hatte die Polizei ja doch Recht und es war nur ein dummer Scherz gewesen, der gründlich schief gelaufen war. Obwohl wer auch immer sich so eine Art Scherz ausdachte auch nicht mehr ganz geistig gesund sein konnte.
~*~*~*~
Das Gras kitzelte an ihren Füßen und Cordelia fragte sich prompt, wieso sie zwar daran gedacht hatte, sich ein Küchenmesser zu besorgen, aber dafür noch nicht einmal Schuhe angezogen hatte. Andererseits könnte sie mit den High Heels, wenn es darauf ankam, wahrscheinlich auch nicht schneller laufen als barfuss.
Ihr Blick schweifte durch den Garten zur Hecke hin, wo sie zuvor den Schatten entdeckt hatte und sie suchte aufmerksam nach einem Hinweis, dass dort tatsächlich jemand war. Sie konnte jedoch nichts Ungewöhnliches entdecken, weswegen sie zögernd stehen blieb.
Hatte sie sich vielleicht getäuscht? War sie durch die Zeitungsartikel über diesen Mörder so aufgewühlt, dass sie sich jetzt schon Schatten einbildete? Hatte sie möglicherweise einfach nur Angst, das nächste Opfer zu sein?
Ein bitteres Auflachen entfuhr ihrer Kehle und hallte schaurig in der kühlen Nachtluft wieder. Bis vor ein paar Tagen wäre ihr einziger Gedanke über den Tod gewesen, ob man sie dann wohl immer noch als gut aussehend bezeichnen würde, oder ob mit der Essenz des Lebens auch ihre Schönheit aus ihrem Körper weichen würde.
Doch nun fürchtete sie sich davor, mehr als jemals zuvor. Denn sie hatte auf einmal etwas zu verlieren, ihr Leben war mehr geworden, als die modischste Kleidung zu tragen, überall beliebt zu sein und über andere zu lästern. Sie war nicht mehr das dumme, gehässige Gör. Sicher, sie war immer noch ein wenig hochnäsig und manchmal etwas zu direkt, aber es konnte wohl auch niemand verlangen, dass sie sich komplett veränderte. Sie war immer noch Cordelia, doch sie war zu Erkenntnissen gelangt, die sie einiges an ihrem Verhalten überdenken ließen – vor allem Xander gegenüber.
Himmel, was hatte sie bloß geritten, hieraus zu gehen? Wieso riskierte sie es, direkt in die Arme eines kaltblütigen Mörders zu laufen? War sie denn komplett verrückt geworden?
Gänsehaut überzog ihre Arme und plötzlich wirkte die Dunkelheit noch viel bedrohlicher als zuvor. Die Zweige der alten Eiche schienen sich in lange, skelettartige Finger zu verwandeln, die nach ihr greifen wollten und zu ihrer Rechten raschelte es leise im Gebüsch. In diesem Moment bemerkte sie nicht, dass sie all die seltsamen, unheimlich laut erscheinenden Geräusche um sich herum auch am Tag hörte, da ihre Sinne aufgrund ihrer Furcht geschärft waren und sie so die meisten Dinge zum ersten Mal bewusst wahrnahm.
Anstatt ruhig zu bleiben und sich zu sammeln, stolperte sie ängstlich rückwärts, um den fingerartigen Zweigen zu entrinnen. Ihre Augen waren schreckgeweitet und ihr Atem beschleunigte sich rapide, während sie auf dem nassen Gras entlang rutschte – hätte sie sich selbst in dieser Position gesehen, sie wäre vor Scham im Boden versunken.
Doch in diesem Moment war nichts mehr von ihrem sonstigen Stolz übrig, da die Furcht ihr ganzes Sein erfasste und sie Geräusche hören ließ, die in Wirklichkeit gar nicht existierten. Ebenso wie die Zweige des Baumes sich vor ihren Augen in Arme und Hände zu verwandelt haben schienen, so verwandelte sich das Säuseln des Windes in eine flüsternde Stimme. Wisperte Worte in ihr Ohr, die sie nicht verstand, nur um sie gleich darauf in ein grausames, kaltes Lachen zu verwandeln.
Ein Schauer jagte ihr über den Rücken und sie begann zu zittern. Was war hier bloß los? Warum hörte sie eine Stimme, sah aber niemanden? Wollte er mit ihr spielen? Sie am Boden sehen, bevor er ihr Ende besiegelte? Wenn er sich ihr doch wenigstens endlich zeigen würde, dann wüsste sie zumindest, wo er war und könnte versuchen, sich zu verteidigen. Dann wäre sie nicht so entsetzlich hilflos.
Ein Schluchzen entfuhr ihren Lippen und sie fragte sich unwillkürlich, ob man wohl an seiner Angst sterben konnte. Sie hatte einmal gehört, dass es durchaus möglich war, sich zu Tode zu fürchten, aber war das tatsächlich wahr? Und wenn ja, war es vielleicht genau das, was der Killer zu erreichen versuchte? War ihm seine alte Methode zu langweilig geworden und er versuchte es nun auf eine neue, ihrer Meinung nach weitaus psychopathischere Art?
Die Fingernägel ihrer linken Hand bohrten sich fest in die Erde, als sie versuchte, sich zu beruhigen, damit sie überhaupt erst einmal wieder klar denken konnte. Sie hatte ihren Rückzug gestoppt und sich zögernd aufgesetzt, um sich besser umsehen zu können. Ihr Blick wanderte über Blumen, Sträucher und Bäume, von dem Springbrunnen, der in der Mitte des riesigen Gartens prangte, über den Swimmingpool hin, bis zur Hecke, die das Grundstück abgrenzte.
In der Finsternis sahen diese Sachen alle völlig anders aus, viel gruseliger und bei den meisten war sie sich im ersten Augenblick nicht sicher, ob sich darin nicht doch eine Gestalt versteckte. Aber dann erinnerte sie sich an das Küchenmesser, welches sie noch immer fest umklammert hatte und sie begann, sich erfolgreich einzureden, dass ihr damit so schnell nichts passieren konnte. Ihre Sicht wurde wieder klarer und auch das Wispern in ihren Ohren verschwand, als sie vorsichtig aufstand.
Vielleicht war das ja tatsächlich nur ein Streich ihrer Sinne gewesen? Wenn nicht, hätte sich der Mörder schon lange gezeigt und dem Ganzen ein Ende bereitet, richtig? Sie musste sich das alles nur eingebildet haben, das war die einzig logische Erklärung.
Von diesem Gedanken beruhigt betrat Cordelia wieder das Haus und machte sich auf den Weg ins Bad, um die durchnässte, dreckige Kleidung loszuwerden und zu duschen. Dabei fiel ihr nicht einmal ansatzweise auf, dass die Tür nun geschlossen war, obwohl sie sie zuvor offen gelassen hatte. Genauso wenig erinnerte sie sich an den umgeworfenen Gartenstuhl, wegen dem sie eigentlich erst aufgewacht war.
Die Erschöpfung ihrer nächtlichen Erkundungstour forderte ihren Tribut und die Furcht, die in ihr aufgestiegen war, flaute wieder ab. Obgleich sie sich eben noch fast zu Tode geängstigt hatte, tat sie all diese Dinge, die sie zu sehen und zu hören geglaubt hatte, als ein Trugbild ihres überreizten Verstandes ab. Es war schon wirklich erstaunlich, wie Menschen manchmal über die simpelsten Sachen, wie eine streunende Katze, die lautstark in einer Mülltonne stöberte, erschraken, aber die wirkliche Gefahr völlig übersahen – selbst, wenn sie direkt neben ihnen lauerte. Wahrscheinlich konnte man sich so gut wie alles einreden, wenn man es nur lange genug versuchte.
Cordelia hatte ihr Messer bereits wieder in der Küche verstaut und hatte gerade die Badezimmertür hinter sich geschlossen, als sich die Wolken verschoben, die bisher den Mond verdeckt hatten, wodurch dessen Licht exakt auf jene Stelle neben der alten Eiche fiel, an der sie geglaubt hatte, eine Gestalt zu sehen. Und tatsächlich: dort prangten zwei frische Fußabdrücke im taubedeckten Gras.
~*~*~*~
Frustriert nahm Angel einen langen Zug von dem Bier, welches vor ihm stand. Er wusste nicht mehr, wie viele Flaschen er bereits getrunken hatte oder wie lange er schon in der Kneipe saß. Wenn er sich nicht täuschte, dann waren es wohl schon zwei oder drei Stunden, in denen er versucht hatte, sich genug zu betrinken, um nicht mehr an den Streit mit Buffy denken zu müssen.
Vielleicht hätte er lieber mit Whiskey anfangen sollen, dann wäre er jetzt vermutlich schon dabei, seinen Rausch auszuschlafen. Das, oder er hätte trinken sollen, bevor er überhaupt zu denken anfing. Dann würde er zwischen den Schlucken nicht wie betäubt in die Luft starren, sondern wäre inzwischen zu betrunken, um noch einen halbwegs klaren Gedanken fassen zu können. Nur schade, dass ihm diese Erlösung verwehrt blieb. Anstatt ihn vergessen zu lassen, verursachte das Bier lediglich ein warmes Gefühl in seinem Bauch und verschwommene Bilder seiner Freundin – nein, falsch, Exfreundin, sie hatte vorhin ja mit ihm Schluss gemacht – in seinem Kopf.
Wie konnte Buffy denn bloß glauben, er hätte irgendetwas mit den Morden zu tun? Traute sie ihm so etwas tatsächlich zu? Zugegeben, er hatte sie schon mehr als einmal mit einer anderen betrogen, aber es war doch immer noch ein gewaltiger Unterschied, ob man fremdging, oder jemanden kaltblütig ermordete. Er war kein Heiliger, trotz seines Spitznamens, das gab er ehrlich zu, doch das bedeutete ja wohl noch lange nicht, dass er ein Killer war. Wie konnte sie nur so etwas von ihm glauben? Liebte sie ihn denn etwa genauso wenig wie er sie? War ihre Beziehung auch für sie nur ein Mittel zum Zweck?
Immerhin war es für eine Cheerleaderin in der High School wesentlich cooler mit einem Studenten auszugehen als mit einem Gleichaltrigen. Und abgesehen davon hatte er nicht gerade wenige Verehrerinnen, also konnte sich Buffy sicher sein, dass etliche Mädchen eifersüchtig auf sie waren.
Aber wenn sie ihn tatsächlich nicht liebte, dann hätte er das doch längst merken müssen, oder? Schließlich war sie die Naive von ihnen beiden und nicht er. Sollte er sich wirklich so in ihr getäuscht haben? Nein, dieser Gedanke war vollkommen absurd. Er ließ sich nicht von einer kleinen Cheerleaderin verführen, niemand schlug ihn in seinem eigenen Spiel!
Mit einem arroganten Schnauben schüttelte Angel den Kopf, bevor er erneut einen tiefen Zug aus der Bierflasche nahm. Andererseits war es, wenn sie ihn liebte, natürlich noch viel erstaunlicher, dass sie ihn für einen Mörder hielt, obwohl das noch nicht einmal die Polizei vermutete. War sie möglicherweise einfach aufgrund des Angriffes auf sie zu durcheinander, um über ihre Behauptungen und deren Konsequenzen nachzudenken? Hatte sie in ihrer Panik überreagiert? Waren die Erinnerungen an jene Nacht wieder in ihr hochgestiegen, als sie den Verband an seinem Arm gesehen hatte? Es war aber auch ein gewaltiger Zufall, dass er sich genau dort verletzt hatte, wo sie den Täter mit einem Messer getroffen hatte.
Möglicherweise hatte sie die Polizei nur aus ihrer Furcht heraus auf ihn aufmerksam gemacht. Und jetzt wollte sie nicht mit ihm sprechen, weil es ihr peinlich war, deswegen der Rauswurf. Er müsste einfach nur noch einmal vernünftig und in Ruhe mit ihr über diese Sache reden, danach wäre alles wieder in Ordnung zwischen ihnen – zumindest soweit, wie es das eben vorher auch gewesen war. Ja, genau das würde er machen. Bisher war sie seinem Charme immer erlegen, also würde das wohl keine allzu komplizierte Aufgabe
werden.
Ein schiefes Grinsen, welches er in seinem stark alkoholisierten Zustand wahrscheinlich für unwiderstehlich hielt, legte sich auf seine Lippen und er erhob sich schwankend, um ein paar Geldscheine auf den Tresen zu werfen. Er machte gar nicht erst den Versuch, sie zu zählen, da ihm das einerseits ohnehin nicht gelungen wäre und es ihn andererseits auch nicht wirklich kümmerte – Geld war etwas, von dem er mehr als genug hatte.
Dann stolperte er zum Ausgang hin, wobei er sich unwillkürlich fragte, wieso er zwar die ganze Zeit lang über Buffy nachdenken musste, aber noch nicht einmal mehr richtig laufen konnte. Dieser Gedanke verschwand allerdings wieder genauso schnell wie er gekommen war und so dachte er auch nicht noch einmal darüber nach, ob es wirklich eine so gute Idee war, in diesem Zustand bei seiner Exfreundin aufzutauchen.
~*~*~*~
Ein wütender Fluch drang über die Lippen des Fremden, als er sah, wie sein Opfer die Tür ins Haus hinter sich schloss. Das war nicht fair! Der Plan war perfekt gewesen, alles hätte so gut geklappt.
Cordelia hatte den umfallenden Gartenstuhl gehört und ihn zwischen die Eiche und die Hecke entwischen sehen – wie er es erwartet hatte. Und sie war auch tatsächlich gedankenlos genug gewesen, um alleine in den Garten zu kommen. Während sie sich unsicher umgesehen hatte, hatte er sich zur Tür hingeschlichen und diese zugemacht, damit sie nicht ganz so schnell ins Haus flüchten konnte. Zwar wären es nur ein paar Sekunden gewesen, die er damit mehr Zeit gehabt hätte, aber manchmal reichten diese schon aus, um über Leben und Tod zu entscheiden. Alles war so gut vorbereitet gewesen und Cordelia hatte ebenfalls nach seinem Plan gehandelt.
Doch dann, gerade als er sich ihr zu erkennen geben wollen hatte, hatte ihn sein Vater auf dem Handy angerufen und wenn er nicht rangegangen wäre, hätte sie den Klingelton vielleicht erkannt – obwohl er stark bezweifelte, dass sich eine Cordelia Chase genug für ihre Umgebung interessierte, um zu wissen, welche Musik er hörte, auch wenn das wahrlich kein Geheimnis war. Dennoch war er lieber auf Nummer sicher gegangen, da er auch nicht wirklich hätte wegdrücken können, ohne sich gewaltigen Ärger einzuhandeln. Das nächste Mal musste er unbedingt daran denken, sein Handy auf lautlos zu stellen.
Cordelia war ihm jedenfalls vorerst entwischt, was allerdings noch lange nicht hieß, dass er aufgeben würde. Früher oder später würde sie ihm schon noch einmal in die Falle gehen. Und was die heutige Nacht betraf, so konnte er sich ja zumindest noch ein wenig umsehen, vielleicht fand er durch Zufall doch noch ein anderes geeignetes Opfer.
~*~*~*~
Ein vorfreudiges Grinsen legte sich auf die Lippen der Gestalt, als sie Angel auf dem Gehweg entdeckte, welcher offensichtlich gerade auf dem Weg zu Buffy war – ihre Villa war nur noch ein paar hundert Meter entfernt. Allerdings fragte sie sich wirklich, wieso er wohl so schwankte? War er denn so betrunken, dass er noch nicht einmal mehr geradeaus laufen konnte?
Und wenn ja, warum? Konnte er Buffys selbstverliebte Art ohne eine kräftige Portion Alkohol nicht ertragen? Das war doch mal eine interessante Entdeckung, wenn diese Tatsache bekannt werden sollte, und sei es nur als Gerücht, dann würde man der kleinen Eisprinzessin vielleicht endlich mal einen Dämpfer verpassen. Eine wirklich bedenkenswerte Idee.
Aber jetzt musste sie sich erst einmal um ihr eigentliches Vorhaben kümmern, eines, das die Blonde hoffentlich noch sehr viel härter treffen würde. Obwohl es für diese wahrscheinlich nichts Wichtigeres gab als ihre Beliebtheit. Mal sehen, wie beliebt sie noch sein würde, wenn man mitbekam, dass ihre Freunde alle ermordet wurden. Wer würde sich dann wohl noch mit ihr sehen lassen wollen?
Das Grinsen der Gestalt verbreiterte sich bei diesem Gedanken noch und sie schlich leise hinter Angel her, auch wenn sie bezweifelte, dass er sie bemerken würde, so lange sie ihn nicht praktisch anschrie. Er schien seine Umwelt kaum noch wahrzunehmen. Einerseits machte das die Jagd auf ihn ein wenig langweilig, da er wahrscheinlich gar nicht verstehen würde, was vor sich ging, bevor es zu spät war, andererseits könnte sie ihn so direkt vor Buffys Tür erledigen, weil er sich nicht sonderlich wehren würde. Das versprach eine nette Überraschung für die Cheerleaderin zu werden.

Angel schien seine Umwelt kaum noch wahrzunehmen. Einerseits machte das die Jagd auf ihn ein wenig langweilig, da er wahrscheinlich gar nicht verstehen würde, was vor sich ging, bevor es zu spät war, andererseits könnte sie ihn so direkt vor Buffys Tür erledigen, weil er sich nicht sonderlich wehren würde. Das versprach eine nette Überraschung für die Cheerleaderin zu werden.
Vorfreudig grinsend schlich die Gestalt hinter ihrem Ziel her, darauf bedacht, immer im Schatten zu bleiben, falls doch jemand aus einem Fenster auf die Straße hinunter blickte. Auch wenn sie bezweifelte, dass sich irgendeiner von diesen reichen Snobs dafür interessieren würde, was vor ihrem Anwesen geschah, solange es nicht sie selbst betraf. Es hatte eben definitiv seine Vorteile, in so einer Gegend auf die Jagd zu gehen.
Angel war inzwischen nur noch ein paar Meter von der Tür zur Villa der Summers entfernt und stolperte nun in Richtung der Klingel. Doch er sollte nicht mehr dazu kommen, diese zu drücken, da er genau in jenem Moment von hinten zu Boden gerissen wurde. Ein dumpfer Knall erklang, als er auf den Weg flog und ein erschrockenes Schnaufen entfuhr seiner Kehle. Durch seinen alkoholvernebelten Verstand hindurch begriff er im ersten Augenblick gar nicht, was eigentlich passiert war. Wieso war er mit so viel Schwung gefallen? War er wirklich so betrunken? Aber er war doch auch bis hierher gelaufen, ohne zu stürzen.
Ein Stirnrunzeln legte sich auf sein Gesicht und er sah sich verwirrt um, konnte allerdings niemanden entdecken, weil die Gestalt genau hinter ihm stand. Normalerweise hätte er ihre Präsenz so dicht an seinem Körper spüren müssen, doch momentan war er einfach zu betrunken dafür, was ein amüsiertes Funkeln in ihren ansonsten kalten Augen verursachte. So gefiel ihr der Dunkelhaarige wesentlich besser, endlich war er einmal da, wo er eigentlich hingehörte. Nur schade, dass er bereits nicht mehr zurechnungsfähig genug war, um sich darüber zu ärgern.
Für einen Augenblick spielte sie mit dem Gedanken, ihn am Leben zu lassen und mit ihrem Handy ein Foto seiner miserablen Lage zu machen, um dieses dann in der Schule auszuhängen. Über diese Blamage würde er wahrscheinlich nicht so schnell hinweg kommen. Sie verwarf den Gedanken jedoch gleich wieder, da die anderen Cliquenmitglieder daraus keine Lehre ziehen würden. Ein Foto an der Wand würde ihnen weder Angst machen, noch würde sie ihre Rache bekommen. Nein, mit Humor könnte sie nicht wirklich etwas ändern.
Ein Seufzen drang über die Lippen der Gestalt, bevor sie sich nach vorn beugte und Angel ein spöttisches: „Na? Wie fühlt es sich an, endlich mal derjenige zu sein, der am Boden liegt?“, ins Ohr flüsterte.
Dieser erstarrte daraufhin, war er sich doch sicher, diese Stimme irgendwoher zu kennen. Wenn er bloß nicht so betrunken wäre, dann wüsste er vielleicht, an wen sie ihn erinnerte. „Wer bist du und was willst du von mir?“, lallte er dann wenig beeindruckt, da er noch immer nicht begriffen hatte, in welch großer Gefahr er sich eigentlich befand, was sie amüsiert auflachen ließ.
„Du erkennst mich nicht? Nun ja, ich kann nicht sagen, dass ich darüber überrascht wäre – es ist ja nicht so, als würdest du dich für irgendwen außer dir selbst interessieren. Aber vielleicht hilft es dir ja weiter, dich daran zu erinnern, was mit deinen so genannten Freunden passiert ist? Ich hab mir gedacht, es würde dir möglicherweise Spaß machen, ihnen ein wenig Gesellschaft zu leisten?“, erkundigte sie sich in einem kalten Ton, der ihm Schauer über den Rücken jagte.
Was meinte sie damit? Wieso sollte er an seine Freunde denken? Was hatte sie mit ihm vor und warum fing sie ihn genau vor Buffys Eingangstür ab?
Die Falten auf seiner Stirn vertieften sich, während er versuchte wie durch einen dicken Schleier hindurch zu erraten, was sie damit wohl gemeint haben mochte. Seine Freunde waren tot, wie sollte er ihnen denn da Gesellschaft leisten? Und was Buffy betraf, zu ihr hatte er doch gerade eben sowieso gehen wollen. Was sollte das Ganze?
„Du begreifst es tatsächlich nicht, hab ich Recht?“, lachte ihn die Gestalt aus. Wie konnte man nur dermaßen schwer von Begriff sein? Angel musste wirklich verdammt viel Alkohol getrunken haben, um sich so aufzuführen. „Sagen wir, ich helfe dir, dich von dem Vorwurf, Buffy angegriffen zu haben, zu befreien – du bist der Nächste auf meiner kleinen Liste. Noch irgendwelche letzten Worte, die du gerne loswerden würdest?“
Diese Frage schien den Dunkelhaarigen nun endlich zur Besinnung zu bringen und er begriff schlagartig, was hier vor sich ging. Sie wollte ihn umbringen! Genauso wie sie es mit Drusilla, Amy und Oz getan hatte. Und sie musste es auch gewesen sein, die Buffy angegriffen hatte.
Plötzlich konnte Angel wieder klar denken, die Angst, die in ihm aufstieg, war stärker als der Alkohol, der durch sein Blut rauschte. Nur leider schien das nicht ganz den gleichen Einfluss auf seinen Körper zu haben, wie auf seinen Verstand, da ihm seine Umgebung immer noch leicht verschwommen vorkam.
Was sollte er jetzt tun? Kämpfen? Er wusste auch jetzt nicht, mit wem er es zu tun hatte und auch wenn er unter normalen Umständen die meisten anderen Personen, die er kannte, problemlos überwältigen könnte, war er sich nicht so sicher, ob er in seinem derzeitigen Zustand dazu in der Lage wäre. Er hätte niemals so viel trinken sollen.
„Wer bist du?“, wiederholte er stattdessen seine vorherige Frage, um sich ein wenig Zeit zu verschaffen, wobei er dieses Mal viel deutlicher sprach, wenn auch noch nicht ganz normal.
„Glaub nicht, dass du mich überwältigen könntest. Abgesehen davon, dass ich im Gegensatz zu dir bewaffnet bin, kannst du ja noch nicht einmal geradeaus laufen. Denkst du wirklich, du hättest so in einem Kampf eine Chance?“, fragte die Gestalt ihn belustigt und gluckste leise. Es war schon erstaunlich, wie naiv manche Leute doch sein konnten.
Aber vielleicht war es ja gar keine so schlechte Idee, ihm zu sagen, mit wem er es zu tun hatte. Immerhin würde das seine Demütigung vor seinem Tod noch vergrößern und er würde ohnehin nicht mehr dazu kommen, sie zu verraten.
Ihr Grinsen wurde noch ein Spur grausamer, als sie ihm mit unverstellter Stimme ansprach: „Erkennst du mich jetzt?“
Geschockt riss Angel die Augen auf. Nein, das konnte nicht sein, das war praktisch unmöglich! Er musste sich verhört haben. Er hatte einiges erwartet, doch nicht das. Bei allen Überlegungen, die er über die wahre Identität des Mörders angestellt hatte, war er noch nicht einmal in die Nähe der Wahrheit gekommen. Dieser Gedanke war eigentlich schon zu absurd, um wahr zu
sein.
„Du?“, erkundigte er sich noch einmal, nachdem er sich von seinem ersten Schock erholt hatte.
Und obwohl es mehr eine Feststellung als eine wirkliche Frage gewesen war, antwortete sie ihm: „Ja, ich. Das hast du nicht erwartet, was?“
„Nein. Nein, für so dumm habe ich dich nicht gehalten“, erwiderte er, nur um gleich darauf in ein haltloses, fast schon hysterisches Lachen auszubrechen. Seine Furcht war wie weggeblasen, stattdessen hielt er sich den Bauch und ließ die Gestalt Zeugin einer Szene werden, von der sie nicht geglaubt hatte, sie noch einmal zu Gesicht zu bekommen: Angel lachte, er grinste nicht, er lachte. Und er lachte über sie – mal wieder.
Wut brodelte in ihr auf und sie konnte sich nur mühsam davon abhalten, ihn anzubrüllen, wie er es wagen konnte, sie so zu verspotten, obwohl er sich eindeutig im Nachteil befand. Erneut hatte er ihre Ansicht bestätigt. Er würde sich niemals ändern, er hatte nichts Besseres verdient als das, was sie mit ihm vorhatte. Sollte er ruhig lachen, sollte er sie ruhig ein letztes Mal verspotten, es würde ihm nichts mehr nützen. Denn sie wäre diejenige, die zuletzt lachte. Er würde bereits den nächsten Sonnenaufgang nicht mehr erleben.
Das, und er würde in dem Wissen sterben, dass sie ihm dieses Mal überlegen gewesen war, dass er ohne den Schutz seiner so genannten Freunde hilflos war, dass sie weit über ihm stand. Sie würde ihre Vergeltung bekommen.
~*~*~*~
Gelangweilt blätterte Buffy in ihrem Buch. Sie hatte bereits vor etwa einer Stunde den Versuch, es wirklich lesen zu wollen, aufgegeben, da sie sich einfach nicht konzentrieren konnte. Sie musste die ganze Zeit über an Angel denken und daran, ob sie ihm nicht vielleicht doch Unrecht getan hatte.
Sicher, es sprachen viele Dinge gegen ihn und er hatte für keine der Taten ein Alibi, aber reichte das schon aus, um jemanden zu verurteilen, den man liebte? Sollte sie ihm nicht eigentlich vertrauen und zu ihm stehen, statt ihn zu verdächtigen? Was für ein Mensch war sie? Wie konnte sie ihren eigenen Freund eines Mordes beschuldigen, ohne irgendwelche Beweise dafür zu haben?
Er hatte sie so geschockt angesehen, als er heute Abend bei ihr aufgetaucht war – als hätte sie ihn hintergangen. Und in gewisser Weise hatte sie ja auch genau das getan. Sie hatte ihn bei der Polizei angeschwärzt und das nur, weil er zufällig an jener Stelle eine Wunde hatte, an welcher sie ihren Angreifer mit dem Messer verletzt hatte.
Wie hatte sie ihm bloß so etwas Grausiges zutrauen können? War er nicht immer gut zu ihr gewesen? Er war ihr gegenüber niemals brutal gewesen, ja bis zum heutigen Tag hatte er sie noch nicht einmal angeschrien. Selbst wenn er öfters in irgendwelche Streitereien verwickelt gewesen war, hatte er sie doch kein einziges Mal mit hinein gezogen.
Was sie zu diesem Zeitpunkt nicht wusste und auch später nie erfahren sollte, war, dass er sich bisher nicht richtig mit ihr gestritten hatte, weil sie ihm dafür ganz schlicht und einfach zu gleichgültig war.
Ein verzweifeltes Seufzen drang über ihre Lippen, als sie sich fragte, was sie bloß machen sollte. Sollte sie ihn anrufen und sich bei ihm entschuldigen? Oder sollte sie ihn erstmal in Ruhe lassen, damit er sich abreagieren konnte? Vielleicht würde er sich ja sogar von selber wieder bei ihr melden? Obwohl sie letzteres eher nicht glaubte, er war einfach zu wütend dafür gewesen – verständlicherweise. Man wurde ja immerhin nicht jeden Tag von seiner eigenen Freundin verdächtigt, ein Mörder zu sein.
Gott, wieso musste das alles nur so kompliziert sein? Reichte es denn nicht, dass in den letzten Tagen bereits drei ihrer besten Freunde getötet worden waren? Konnte sie denn nicht wenigstens Angel vertrauen und sich an seine Schulter lehnen, anstatt ständig nach irgendwelchen Indizien zu suchen, die ihn entweder belasteten oder von den Anschuldigungen freisprachen?
Tränen traten ihr in die Augen und sie war in diesem Augenblick froh, dass ihre Eltern es bisher noch nicht für nötig befunden hatten, sie anzurufen und zu fragen, wie es ihr ging, da sie ihnen dann wahrscheinlich von den ganzen Geschehnissen erzählt hätte. Nicht, dass sie deswegen ihren Urlaub unterbrochen hätten, nein, sie hätten höchstens ein paar Bodyguards für sie engagiert, um ihr eigenes Gewissen zu beruhigen. Aber so konnte Buffy sich wenigstens noch der Illusion hingeben, dass sie ihren Eltern nicht völlig egal war und dass sie heimkommen würden, wenn sie sie denn nur darum bitten würde.
Ein dumpfes Poltern unterbrach plötzlich ihre Gedankengänge und ließ sie verwirrt von ihrem Buch aufsehen. Was war das gewesen? Außer ihr war niemand im Haus und draußen ging auch kein Wind, der irgendetwas im Garten umgeworfen haben könnte. War vielleicht jemand an ihrer Tür? Der Knall hatte entfernte Ähnlichkeit mit einem Klopfen gehabt, aber sie war sich nicht sicher, warum jemand bei ihr anklopfen sollte. Sie hatten doch eine Klingel, wieso benutzte der Besucher nicht einfach diese?
Nein, sie musste sich getäuscht haben. Wahrscheinlich hatte nur eine streunende Katze draußen irgendwas herunter geworfen und dadurch das Poltern verursacht. Es gab niemanden, der sie um diese Zeit noch besuchen würde – außer Angel vielleicht, aber der war sauer auf sie, also würde er wohl kaum hier auftauchen.
Mit einem Kopfschütteln über ihre eigene Paranoia – immerhin drehte sich die Welt nicht nur um sie, auch wenn sie sich das nicht unbedingt gern eingestand – wandte sich Buffy wieder ihrem Buch zu, um endlich doch noch ein paar Seiten zu lesen. Für heute würde sie Angel aus ihren Gedanken verbannen, sie könnte sich morgen noch den Kopf darüber zerbrechen, wie sie sich bei ihm entschuldigen sollte, bis dahin hatte er sich hoffentlich etwas beruhigt.
~*~*~*~
Zu diesem Zeitpunkt hatte sich Angel wieder einigermaßen von seinem Lachanfall erholt und wandte sich grinsend an die Gestalt, die immer noch abwartend hinter ihm stand.
„Glaubst du ernsthaft, du könntest mich töten, ohne selber dabei draufzugehen? Ich bin stärker als du und das wissen wir beide“, bemerkte er gespielt selbstsicher.
Obwohl er, als ihm ihre wahre Identität offenbart worden war, für einen Moment die Gefahr, die von ihr ausging, vergessen hatte, war ihm durchaus klar, dass er sich nicht unbedingt in der besten Ausgangslage für einen Kampf befand. Sie war hinter ihm, wodurch er ihre Bewegungen nicht sehen konnte und sie hatte auch gesagt, sie wäre bewaffnet – diese beiden Dinge alleine hätten ihn normalerweise noch nicht zwingender Weise zum Scheitern verurteilt, aber der Alkohol würde ihn langsamer machen und auch seine Treffsicherheit beeinflussen.
Er war stolz und auch meistens ziemlich eingebildet, ja, doch er war nicht dumm genug, in diesem Zustand eine Auseinandersetzung zu riskieren, die ziemlich sicher für einen der Beteiligten tödlich enden würde. Nicht, wenn er es irgendwie verhindern konnte.
„Hm, lass mich überlegen… ja, definitiv. Ich bin wesentlich besser vorbereitet als du vielleicht denkst. Wärst du nicht zu selbstverliebt, um zu merken, was um dich herum passiert, wüsstest du, dass ich es durchaus mit dir aufnehmen kann. Abgesehen davon bist du, wie ich bereits sagte, stockbetrunken“, erwiderte die Gestalt unbeeindruckt und das Grinsen, welches während seines Lachanfalls verschwunden war, legte sich erneut auf ihre Lippen.
Also hatte er doch mehr Angst vor ihr, als er ihr gerne Glauben machen wollte, sonst würde er nicht versuchen, einen Kampf zu verhindern.
Angel schluckte indessen schwer, wurde ihm doch klar, dass sie sich nicht von ihrem Vorhaben abbringen lassen würde. Wenn er jetzt nicht kämpfte, dann würde er mit Sicherheit sterben… und wenn er kämpfte, dann wäre seine Chance, tatsächlich zu gewinnen, trotz seiner Prahlerei verschwindend gering. Aber er hatte keine Wahl, er musste es zumindest versuchen.
Alle Vorteile lagen bei ihr, das Einzige, was er jetzt noch für sich reservieren könnte, war der Überraschungseffekt: er müsste sie attackieren, bevor sie wusste, dass er bereit für einen Kampf war.
Mit diesem Gedanken im Hinterkopf richtete sich der Dunkelhaarige plötzlich für seinen betrunkenen Zustand erstaunlich schnell auf und fuhr herum, um die Gestalt in sein Blickfeld zu bringen und ihr damit einen weiteren Vorteil zu nehmen.

Alle Vorteile lagen bei der Gestalt, das Einzige, was Angel jetzt noch für sich reservieren könnte, war der Überraschungseffekt: er müsste sie attackieren, bevor sie wusste, dass er bereit für einen Kampf war.
Mit diesem Gedanken im Hinterkopf richtete sich der Dunkelhaarige plötzlich für seinen betrunkenen Zustand erstaunlich schnell auf und fuhr herum, um die Gestalt in sein Blickfeld zu bringen und ihr damit einen weiteren Vorteil zu nehmen.
Er erhob seine Faust noch während der Drehung und fast hätte er seine Zielperson damit auf die Nase getroffen, hätte sich diese nicht geistesgegenwärtig geduckt. Der Schwung seiner Attacke ließ ihn nach vorn stolpern und er konnte sich nur mit Mühe abfangen, was ihr die Chance gab, erneut hinter ihn zu treten.
Es hatte sie zwar zugegebenermaßen überrascht, dass er sie tatsächlich angriff – anscheinend war er doch nicht ganz der Feigling, für den sie ihn gehalten hatte -, aber sein Leben würde ihm das nicht retten.
Ihr Grinsen wurde auf diesen Gedanken hin nur noch breiter, bevor sie sich genau vor einigen aufgestellten Blumentöpfen platzierte.
Angel hatte indessen sein Gleichgewicht wieder gefunden und drehte sich abermals in ihre Richtung, um dann kopflos auf sie zuzustürmen, womit er exakt das tat, was sie von ihm erwartet hatte. Vielleicht hatte sie sich getäuscht, was seinen Mut betraf, besonders klug machte ihn das allerdings immer noch nicht. Sie wartete, bis er nur noch zwei oder drei Schritte von ihr entfernt war, dann wich sie schnell zur Seite aus.
Seine Augen weiteten sich erschrocken, als er die schweren Keramiktöpfe bemerkte und er ruderte mit den Armen, um zu bremsen. Seine Versuche ernteten jedoch keinen Erfolg und er stolperte direkt in die Blumentöpfe, wobei er zwei der etwas höher aufgestellten mit einem lauten Scheppern zu Boden riss.
Der Krach brachte die Gestalt dazu, für einen Moment unwillig das Gesicht zu verziehen, bevor sie sich neben den benommen Angel kniete, der sich den Kopf an einem der Töpfe angestoßen hatte und deswegen auch nicht mehr versuchte, aufzustehen.
Irgendwo in seinen Gedanken konnte er noch eine Stimme hören, die ihm sagte, er solle sich zur Wehr setzen, er dürfe jetzt nicht aufgeben, aber sie war viel zu weit weg, als dass er sie richtig wahrgenommen hätte. Um ihn herum schien sich alles zu drehen und er fragte sich, was er überhaupt hier draußen machte und wieso er nicht daheim in seinem Bett lag, wo er sonst seinen Rausch ausschlief. Diese Frage wurde jedoch gleich darauf von einer hasserfüllten Stimme unterbrochen, die wahrscheinlich von der verschwommen Gestalt vor seinen Augen kommen musste.
~*~*~*~
Buffy hatte sich gerade entschlossen, den Versuch, ihr Buch zu lesen, endgültig aufzugeben und ins Bett zu gehen, als sie ein lautes Scheppern innehalten ließ – zum zweiten Mal an diesem Abend. Und wieder schien es von draußen gekommen zu sein.
Ein Stirnrunzeln erschien auf ihrem Gesicht und sie sah ratlos zum Fenster, welches zum Swimmingpool hin zeigte. Konnte das wirklich eine streunende Katze gewesen sein? Sie hatte eigentlich gedacht, dass diese nach dem ersten Poltern verschwunden wäre, immerhin war für ein paar Minuten Ruhe gewesen, wenn auch nicht allzu lange.
Aber eingebildet hatte sie sich den Krach auch nicht, dessen war sie sich sicher, es war viel zu laut gewesen, um ein Produkt ihrer Fantasie zu sein.
War da draußen vielleicht doch jemand? Und wenn ja, was hatte er da zu suchen? Versuchte er, ihren Garten zu verwüsten? War es vielleicht sogar derselbe Angreifer wie vor einigen Tagen, der diesmal nicht ins Haus kam und ihr deswegen anderweitig Angst machen wollte?
Nein, das ist eher unwahrscheinlich, versuchte sie sich selbst zu beruhigen. Er war völlig lautlos gewesen und hat auf eine passende Gelegenheit gewartet, um mich zu überraschen, anstatt draußen zu randalieren.
Ein ratloses Seufzen drang über ihre Lippen und sie beschloss schließlich, einfach zur Tür zu gehen und nachzusehen, sonst würde sie wahrscheinlich den Rest der Nacht damit verbringen, sich den Kopf über irgendwelche Geräusche zu zerbrechen, für die es eine ganz harmlose Erklärung gab. Wer weiß, vielleicht war ja auch auf der Straße ein Unfall passiert, der das Scheppern verursacht hatte und das dumpfe Poltern hatte gar nichts damit zu tun gehabt?
~*~*~*~
„Ich sagte doch, dass du keine Chance hast“, erklärte die Gestalt kalt und ihre Augen blitzten wütend, während sie ihren Dolch erneut hervorholte, um ihn dann in Angels Brust zu stoßen.
Dieser sah sie noch geschockt an, da er nach dem Stoß auf den Kopf den Grund des Sturzes völlig vergessen hatte, aber er sollte nicht mehr dazu kommen, etwas zu erwidern. Seine Augen rollten in seinem Kopf zurück und er gurgelte noch einmal kurz, bevor seine Muskeln erschlafften und sein Blick brach.
Die Gestalt sah indessen ein letztes Mal auf ihr Opfer nieder, wobei sie gefühllos mit den Schultern zuckte, um dann den Dolch an dem Hemd des toten Dunkelhaarigen abzuwischen.
Anschließend stand sie auf und schaute noch kurz zur Tür des Hauses, in welchem just in diesem Augenblick das Licht anging.
Gut, Buffy findet mein Präsent also mit Sicherheit selbst, dachte sie erfreut, bevor sie sich schnell umdrehte und zur nächsten Ecke der Villa lief. Dort hockte sie sich möglichst dicht am Boden hin, wodurch ihre dunkle Kleidung mit dem Schwarz der Nacht verschwamm. Ihr Blick war nun wieder auf ihr Opfer gerichtet, während sie darauf wartete, dass das Schauspiel, wie sie es insgeheim nannte, begann.
~*~*~*~
Vorsichtig öffnete Buffy die Haustür und sie hielt gespannt den Atem an, als sie hinaus in die kühle Nachtluft trat. Gänsehaut bildete sich auf ihren Armen und sie verfluchte sich innerlich dafür, nicht eine leichte Sommerjacke mitgenommen zu haben. Auch wenn es tagsüber in Sunnydale meistens sehr warm war, war es abends doch relativ kalt. Aber sie hatte auch keine Lust, jetzt noch mal den ganzen Flur zurückzugehen, nur um sich eine Jacke zu holen, immerhin hatte sie ja auch nicht vor, länger hier draußen zu bleiben.
Ihr Blick glitt über die Einfahrt und sie runzelte die Stirn, da sie zuerst nichts Ungewöhnliches entdecken konnte, was möglicherweise den Krach verursacht hatte. Sie ging deswegen ein paar Stufen hinunter, um sich dann auch rechts und links neben der breiten Treppe umzusehen. Ihre Augen hatten sich inzwischen an die Dunkelheit gewöhnt, wodurch ihr auch die umgefallenen Blumentöpfe auffielen. Das war es also gewesen, was so gescheppert hatte.
Aber was hatte sie umgeworfen? Der Wind konnte es nicht gewesen sein und auch für streunende Katzen wären sie zu schwer gewesen. Wer auch immer das getan hatte, musste sie entweder mit Absicht umgestoßen haben, oder er war mit viel Schwung dagegen gestoßen.
Aus ihrem derzeitigen Blickwinkel konnte die Blonde Angel noch nicht erkennen, da er genau hinter den Blumen lag und auch so weit um die Treppe herum, dass sie ihren Kopf noch weiter hätte drehen müssen, um ihn zu entdecken. Und tatsächlich kam sie auch weiter auf die Keramiktöpfe zu, da sie zumindest nachschauen wollte, was genau kaputt gegangen war und was der Gärtner am nächsten Morgen sofort wieder in Ordnung bringen könnte.
Sie hatte die Treppe gerade umrundet, als ihr Blick schließlich doch auf ihren Freund fiel und sie geschockt nach Luft schnappen ließ. Ihre Augen waren weit aufgerissen und ein entsetztes: „Angel!“, drang über ihre Lippen, bevor sie sich erneut in Bewegung setzte und zu ihrem Exfreund rannte.
Was war bloß passiert? Wieso war er bei ihr vor der Haustür? Er war heute Nachmittag doch beleidigt und wütend verschwunden, ohne sie eines Blickes zu würdigen. War er gekommen, um sich bei ihr zu entschuldigen? Und wenn ja, auf wen war er hier getroffen? Weshalb lag er regungslos am Boden?
Diese und noch etliche andere Fragen rauschten durch ihren Kopf, während sie den Abstand zwischen ihnen überbrückte und sich vor ihm auf die Knie fallen ließ. Sie streckte ihre Hand aus, um ihn vorsichtig zu schütteln, da sein Gesicht von ihr abgewandt war, aber ohne Erfolg – er reagierte nicht.
„Angel?“, fragte sie ihn leise und fast schon ängstlich, da sie eine schreckliche Ahnung überkam. Er würde doch nicht…? Nein, daran durfte sie noch nicht einmal denken. Selbst ein kaltblütiger Mörder wäre nicht so dreist, ihren Exfreund genau vor ihrer Haustür umzubringen.
Trotzig schüttelte sie den Kopf, als wollte sie sich selbst von diesem Gedanke überzeugen, bevor sie Angel schließlich an den Schultern packte und ihn mühsam herumdrehte. Sie schloss dabei die Augen, wollte sich vor der schrecklichen Wahrheit verstecken, die sie eigentlich schon kannte, aber nicht zu akzeptieren bereit war. So lange sie es nicht sah, konnte sie es leugnen. So lange sie nicht sah, dass er wirklich tot war, konnte sie so tun als wäre er lediglich
bewusstlos.
Ihre Illusion wurde jedoch von ihrer eigenen Handlung zerstört, da ihre Hand nun auf einem feuchten Fleck auf Höhe seines Herzens ruhte. Sie wusste, dass er eine dunkelrote, fast schon schwarze Farbe haben würde, wenn sie ihn ansah, wusste, dass es Angels Blut war, welches nun auch ihre Finger bedeckte.
Eine Träne lief ihr über die Wange und sie schluchzte leise auf, bevor sie ihn in eine verzweifelte Umarmung zog, noch immer nicht bereit, ihn anzuschauen.
„Es tut mir leid, es tut mir so leid. Verzeih mir, bitte. Ich wollte das nicht, ich war so unendlich dumm. Wie konnte ich dir nur so was zutrauen?
Ich hätte es besser wissen müssen, ich hätte dir vertrauen sollen statt dich zu beschuldigen. Es ist alles meine Schuld. Wenn ich mich nicht mit dir gestritten hätte, dann wärst du jetzt mit mir im Haus gewesen und nicht hier… dann wärst du jetzt nicht tot“, schluchzte sie verzweifelt und mittlerweile versuchte sie auch nicht mehr, ihre Tränen zurückzuhalten.
Sie hatte ihn enttäuscht, hatte ihn im Stich gelassen. Hatte ihm vorgeworfen, genau das zu tun, was ihm nun selbst angetan worden war. Wie hatte sie nur so schlecht über ihn denken können? Er war ihr Freund gewesen, sie liebte ihn! Gehörte zu Liebe nicht auch Vertrauen? Wieso hatte sie bloß an ihm gezweifelt?
Schuldgefühle stürzten über sie herein, obgleich sie wusste, dass sie nichts hätte ändern können. Sie hätte ihn nicht beschützen können, hatte sich ja kaum selber vor ihrem Angreifer retten können. Wenn er es doch wenigstens bis zu ihrer Haustür geschafft hätte, dann hätte sie ihm vielleicht helfen können. Dann hätte sie vielleicht noch die Chance gehabt, sich bei ihm zu entschuldigen.
Inzwischen hatte sie es gewagt, ihre Augen wieder zu öffnen, auch wenn sie sich immer noch weigerte, in sein Gesicht zu blicken. Sie wollte die Panik darin nicht sehen, und auch nicht den stillen Vorwurf ihr gegenüber – darüber, dass sie ihm im Stich gelassen hatte, dass sie ihn hätte retten können, es aber nicht getan hatte. Auch wenn sie es eigentlich überhaupt nicht gewusst hatte.
Zugleich mischte sich jedoch auch Wut in ihre Verzweiflung. Die letzten Tage waren für sie die Hölle gewesen. Sie hatte bereits drei ihrer besten Freunde verloren und jetzt auch noch Angel. Das war nicht fair! Wer konnte es wagen, ihr so etwas anzutun? Woher nahm sich dieser Mörder das Recht, über richtig und falsch zu entscheiden? Über Leben und Tod? Sie zog doch auch nicht mordend durch die Gegend, nur weil es ein paar Leute gab, deren Verhalten ihr nicht passte.
Das letzte Mal war sie zurückgewichen, hatte sich wie ein Feigling versteckt, aber diesmal würde ihr das nicht wieder passieren, diesmal war er eindeutig zu weit gegangen. Sie würde nicht zulassen, dass er wieder ungeschoren davon kam und wenn sie dafür nächtelang durch irgendwelche dunklen Gassen wandern musste, bis er sie angriff. Er würde für das, was er Angel und damit auch ihr angetan hatte, bezahlen – bitter bezahlen.
Zorn flammte in ihr auf und ihre Augen funkelnden wütend, als sie selbstbewusst den Kopf hob und genau in Richtung der Gestalt sah, die sich daraufhin erhob, in dem Wissen, entdeckt worden zu sein.
~*~*~*~
Spikes Miene war wutverzerrt, während er leise fluchend durch die Straßen lief. Was dachte sich der Typ eigentlich dabei? Ethan war noch nicht einmal sein leiblicher Vater, aber wagte es allen Ernstes, ihm Vorschriften zu machen, um welche Zeit er wieder Zuhause zu sein hatte.
Und das, obwohl es noch nicht einmal seine Mutter interessierte. Er konnte kommen und gehen, wann er wollte, seit er zwölf war und jetzt kam dieser Idiot daher und bildete sich tatsächlich ein, irgendetwas daran ändern zu können? Das glaubte er ja wohl selbst nicht!
Eigentlich hatte er heute gar nicht so lange draußen bleiben wollen, immerhin hatte er nichts mehr vor, doch nun musste er wohl oder übel noch ein wenig Zeit totschlagen, bevor er ja zumindest mal darüber nachdenken konnte, wieder daheim aufzutauchen. Er würde Ethan schon zeigen, dass er sich nicht so einfach herumkommandieren ließ, seiner Meinung nach konnte dieser bleiben, wo der Pfeffer wuchs.
Die Frage war nur, was er jetzt noch anstellen sollte? Zuerst hatte er daran gedacht, in eine Bar zu gehen, er hatte jedoch nicht gerade viel Geld dabei, auf jeden Fall nicht genug, um Willy dazu zu bringen, ihm Alkohol zu geben – auch wieder Ethans Schuld. Vorher hatte er so viel Alkohol trinken können wie er wollte, Willy hatte sich darum nicht gekümmert, so lange er sein Geld damit verdiente. Aber seit sein Stiefvater wutentbrannt bei diesem aufgetaucht war und ihn bedroht hatte, konnte Spike den Barkeeper nur noch mit Hilfe von Bestechungsgeld dazu bringen, ihm etwas Alkoholisches einzuschenken.
Diese Idee konnte er also gleich wieder vergessen. Und um sich mit Willow zu treffen, war es auch schon zu spät. Wahrscheinlich würde diese ihn für verrückt erklären, wenn er jetzt vor ihrer Tür auftauchte – auch wenn ihre Eltern im Urlaub waren.
Bei diesem Gedanken schlich sich ein Lächeln auf seine Lippen und für einen Moment spielte er mit dem Gedanken, es eben deswegen zu machen, schon allein, um ihren überraschten Gesichtsausdruck zu sehen.
Er konnte sich beim besten Willen nicht erklären, was sie hatte, das ihn so sehr in ihren Bann zog. Sie war nicht hübscher als andere Mädchen und auch nicht cooler, höchstens intelligenter.
Nur hatte er darauf bisher auch keinen Wert gelegt, immerhin hatte er seine Freundinnen nie für lange Zeit behalten. Aber irgendetwas an ihr brachte ihn dazu, sich zu fragen, wie es wohl wäre, mit ihr eine richtige Beziehung zu
führen.
Er schüttelte ratlos den Kopf, um die Rothaarige aus seinen Überlegungen zu vertreiben, bevor er feststellte, dass er die ganze Zeit weitergelaufen war, ohne einer bestimmten Richtung zu folgen. Ein Stirnrunzeln legte sich auf sein Gesicht und er sah sich für einen Moment verwirrt um, bis er die Gegend als jene wieder erkannte, in der Buffy und die ganzen anderen reichen Cheerleaderinnen und Footballspieler wohnten, was ihn verächtlich schnauben ließ. Das Einzige, was noch schlimmer gewesen wäre, wäre genau vor ihrer Villa gelandet zu sein.

Zorn flammte in Buffy auf und ihre Augen funkelnden wütend, als sie selbstbewusst den Kopf hob und genau in Richtung der Gestalt sah, die sich daraufhin erhob, in dem Wissen, entdeckt worden zu sein.
Ihre Hände ballten sich zu Fäusten und für einen Moment vergaß sie völlig, in welcher Gefahr sie sich eigentlich befand. Konnte an nichts denken, außer ihren Freund zu rächen und diesem Albtraum endlich ein Ende zu bereiten, bevor auch noch die letzten Freunde, die ihr geblieben waren, sterben mussten.
Sie stieg über Angel hinweg und lief wutentbrannt auf die Gestalt zu, die daraufhin nur ein wenig spöttisch den Kopf schief legte. Was sollte Buffy ihr auch schon groß anhaben können? Sie war völlig unbewaffnet aus dem Haus gestürzt, ja, sie hatte sich ja noch nicht einmal die Zeit genommen, eine Jacke anzuziehen, die sie gegen die kühle Nachtluft geschützt hätte. Was sie bei diesen Gedanken allerdings nicht beachtete, war, dass die Blonde im Gegensatz zu den bisherigen Opfern nicht vor Angst gelähmt war – im Gegenteil, eher von Wut beflügelt. Und obwohl sie dieser Zorn gleichzeitig unvorsichtig machte, verwandelte er sie ebenso in eine würdige Gegnerin für die Gestalt.
Auch als diese zur Abschreckung den Dolch wieder hervorzog, wurde Buffy nicht langsamer. Zwar sah sie die Waffe, aber es war nicht ihr Ziel, ihr auszuweichen, sondern sie vielmehr zu ihrem eigenen Vorteil zu verwenden. Mit einem hasserfüllten Schrei holte sie aus, um der Gestalt ihre Faust auf die Nase zu schmettern - jedoch ohne Erfolg, da diese den Schlag kommen sah und sich geschickt darunter hinwegduckte. Sie nutzte die Ablenkung, um der Cheerleaderin nun ihrerseits die Faust in den Bauch zu rammen, was diese aufkeuchen ließ.
Das Grinsen auf dem Gesicht der mit dem Schatten der Hauswand verschwimmenden Figur verbreiterte sich und sie lachte gehässig auf, bevor sie sich einmal um ihre eigene Achse drehte und Buffy erneut angriff – dieses Mal mit dem Dolch.
Die Augen der Blonden weiteten sich erschrocken, als sie die Klinge auf sich zusausen sah und sie riss geistesgegenwärtig die Arme hoch, um den Hieb am Handgelenk der Gestalt abzubremsen. Tatsächlich kam der Dolch auch kurz vor ihrem Gesicht zum Stehen und wären ihre Handlungen nicht von Adrenalin gesteuert gewesen, hätte sie wahrscheinlich die Verblüffung der Gestalt dazu genutzt, möglichst schnell im Haus zu verschwinden, wo sie die Polizei rufen konnte. Doch auch wenn ihr Verstand noch klar genug arbeitete, um zu erkennen, wie gefährlich diese Waffe werden konnte, war sie nicht bereit, einfach davonzulaufen und sich geschlagen zu geben. Diese Auseinandersetzungen würden hier und heute enden, egal mit welchem Ausgang.
Entschlossen versuchte sie den Dolch in ihren Besitz zu bringen, indem sie den Arm der Gestalt brutal verdrehte, mit einer Kraft, die ihr wohl niemand bei ihrer zierlichen Figur zugetraut hätte. Eine Rangelei brach aus, die die Blonde nach einiger Zeit, in der sich die beiden auf den Boden umherrollten und sowohl Tritte und Schläge einsteckten als auch austeilten, auch tatsächlich gewann. Ihre Finger schlossen sich fest um den kühlen Griff und jetzt war sie diejenige, deren Lippen von einem harten Lächeln umspielt wurden.
Für einen Moment glaubte sie so etwas wie Furcht in den Augen der Gestalt aufblitzen zu sehen, aber sie musste sich wohl getäuscht haben, da diese sie nur Bruchteile von Sekunden später erneut ausdruckslos anstarrte. Was die Blonde nicht wusste, war, dass sie sich während dem Kampf immer weiter den Blumentöpfen genähert hatten und sie nun einen der kleineren Keramiktöpfe packte. Dieser zersplitterte exakt im gleichen Augenblick auf Buffys Kopf, in dem diese den Dolch in den Bauch der Gestalt rammte.
Zwei laute Schmerzensschreie erfüllten daraufhin die Stille der Nacht und während die Cheerleaderin sich benommen den Kopf hielt, stützte sich die Gestalt schwerfällig an der Hauswand ab, um langsam in Richtung des Gartens zu humpeln. Für kurze Zeit befürchtete sie, dass die Andere ihr folgen würde, doch bereits nach wenigen Schritten stellte sie fest, dass Buffy zu benommen dafür war. Sie konnte es ihr nicht verübeln. Ohne die Angst davor, den Rest ihres Lebens im Gefängnis zu verbringen, würde sie sich wahrscheinlich ebenfalls nicht mehr aufrecht halten können. Ihr Blick fiel auf den Dolch und sie war versucht, ihn herauszuziehen, da er die Wunde beim Laufen nur noch mehr reizte, verwarf diese Idee jedoch gleich wieder, weil sie dann mehr Blut verlieren würde, welches nicht von dem Pullover aufgesaugt werden könnte und somit ihren Fluchtweg verraten würde.
Sie müsste es noch ein Stück weiter schaffen, bis durch den Wald hindurch, der hinter den Villen lag, dort könnte sie dann den verräterischen Teil ihrer Kleidung und den Dolch entsorgen – in ein Krankenhaus konnte sie so nicht gehen, aber sie müsste ihn so spät wie möglich entfernen, wenn sie nicht verbluten wollte. Wenn ihr doch bloß nicht so schrecklich schwindelig wäre…
~*~*~*~
Spike hatte seine Wut schließlich – nach der erfolglosen Suche nach ein paar angetrunkenen Typen, die für eine Prügelei zu haben waren – an ein paar Mülltonnen ausgelassen und befand sich gerade auf dem Heimweg, als sein Blick zufällig eine enge, unscheinbare Gasse streifte und dort auf eine halb liegende, halb sitzende Person fiel.
Ein Stirnrunzeln legte sich auf sein Gesicht und für einen Moment zog er es in Erwägung, einfach weiterzugehen, da es sich wahrscheinlich lediglich um einen Obdachlosen handelte, der sich an die Hauswand angelehnt hatte, um zu schlafen, zumindest wenn er nach dem Dreck auf der Kleidung ging. Aber dann ging er, neugierig geworden, doch ein paar Schritte näher heran und stellte fest, dass der dunkle Fleck auf dem Pullover keineswegs aus Dreck bestand, sondern aus Blut, welches in der Dunkelheit allerdings zugegebenermaßen leicht damit zu verwechseln war.
Seine Augen weiteten sich erschrocken und er fragte sich unwillkürlich, was hier passiert war. War die andere Person überfallen worden? Hatte sie sich absichtlich mit den falschen Leuten angelegt? Oder war sie vielleicht einfach nur zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen?
Diese und andere Fragen schossen ihm durch den Kopf, doch sie waren es nicht, was ihn am meisten beunruhigte, nein, viel mehr sorgte ihn die Tatsache, dass die Bewusstlose in der Gasse lange, rote Haare zu haben schien.
Sein Magen zog sich krampfartig zusammen und obgleich er ihr Gesicht nicht sehen konnte, da es zur anderen Seite zeigte, hatte er plötzlich das Gefühl keine Luft mehr zu bekommen. Aus seinem Gesicht wich jegliche Farbe – nicht, dass er davon zuvor allzu viel gehabt hätte, wie auch, wenn er immer nur abends nach draußen ging? – und er schluckte schwer, bevor er schließlich den restlichen Abstand zwischen sich und der Verletzten überwand, um sich neben sie zu knien.
„Willow? Luv?“, fragte er leise, nach einem kurzen Zögern, erhielt jedoch keine Antwort, was seine Vermutung, dass sie bewusstlos war, bestätigte.
Sein Blick glitt zu der Wunde an ihrem Bauch und auch wenn ihre Kleidung ziemlich viel von dem Blut, das sie verlor, aufgesaugt hatte, war bereits ein Teil davon an ihrer Seite herunter auf den Boden gelaufen.
Geistesgegenwärtig zog er seinen Sweater aus und presste ihn fest auf die Wunde, wobei er sich dabei ertappte, Ethan innerlich dafür zu danken, ihn mal wieder Vorschriften machen haben zu wollen, da er sonst niemals um diese Zeit hier vorbeigekommen wäre. Mit der anderen Hand fischte er nach seinem Handy, um den Notruf zu wählen.
~*~*~*~
Das dumpfe Pochen in ihrem Kopf hatte Buffy für einige Zeit die Besinnung geraubt und als sie ihre Umwelt schließlich wieder, wenn auch verschwommen, wahrnahm, musste sie feststellen, dass die Gestalt offensichtlich entkommen war. Im Augenblick kümmerte sie diese Sache allerdings eher weniger, im Gegenteil, sie konnte froh sein, nicht während ihrer Bewusstlosigkeit erschlagen worden zu sein.
Übelkeit stieg in ihr auf, als sie daran dachte, was alles hätte passieren können und sie konnte nur mit Mühe den Drang, sich zu übergeben, unterdrücken. Stattdessen versuchte sie sich auf das zu konzentrieren, was wirklich geschehen war und darauf, wie wenig sie sich dabei verletzt hatte – auch wenn mit einer Gehirnerschütterung mit Sicherheit nicht zu spaßen war.
Ihre Finger tasteten vorsichtig an ihrer Stirn entlang und sie zischte schmerzerfüllt, als sie dort neben einer dicken Beule und ein paar kleineren Schnittverletzungen eine Platzwunde vorfand. Fragte sich nur, ob diese tatsächlich von dem Kampf stammte oder ob sie sich diese zugezogen hatte, als sie benommen zu Boden gestürzt war.
Inzwischen hatte sich ihr Blick wieder geklärt und obwohl ihr noch immer schwindelig und übel war, gelang es ihr, sich an der Hauswand hochzuziehen und zurück ins Haus zu stolpern, von wo sie dann den Notruf wählen können würde.
~*~*~*~
Spike atmete erleichtert auf, nachdem er sein Handy wieder in der Hosentasche verstaut hatte und wandte sich erneut dem Gesicht der Verwundeten zu. Bis jetzt hatte er es immer noch nicht gewagt, ihren Kopf ein wenig zu drehen und die Haare beiseite zu schieben, damit er sie ansehen konnte, aus Angst, seine schlimmste Befürchtung bestätigt zu finden. Niemals hätte er gedacht, dass ihn allein der Gedanke daran, dass Willow so schwer verletzt sein könnte, so sehr beunruhigen könnte, immerhin kannten sie sich erst seit kurzen und er war nicht die Sorte Mensch, die sich schnell um andere sorgte.
Er schloss verwirrt die Augen und versuchte, den Kloß in seinem Hals zu vertreiben, jedoch ohne Erfolg. Seine Hand zitterte, als sie sich dem Gesicht der Bewusstlosen näherte und ihren Kopf in seine Richtung drehte. Erst dann öffnete er seine Lider langsam wieder, nur um sich gleich darauf zu wünschen, es nicht getan zu haben.
Seine Ahnung entsprach der Wahrheit: die Verletzte vor ihm war tatsächlich Willow. Er fühlte sich, als würde ihm jemand die Kehle zudrücken, während er geschockt nach Luft schnappte und das Antlitz jener Person anstarrte, die ihm offensichtlich viel mehr bedeutete als er bisher angenommen hatte.
Was zum Henker hatte sie hier gewollt? Sie wohnte doch in einer ganz anderen Gegend. Und noch dazu um diese Zeit? Es war mitten in der Nacht und sie war bestimmt nicht auf irgendeiner Party gewesen, so gut kannte er sie mittlerweile. Welcher Bastard hatte ihr das angetan? Und vor allem warum ausgerechnet sie? Verdient hatte sie so etwas ganz sicher nicht, sie war immer nett und freundlich zu allen, wenn sie es sich denn überhaupt traute jemanden anzusprechen. Obwohl sie von den meisten mit Spott und Verachtung behandelt wurde, verlor sie nicht die Beherrschung, dazu war sie viel zu schüchtern.
Wut brodelte in ihm auf und am liebsten wäre er aufgestanden und unruhig umhergewandert, aber dann könnte er nicht mehr mit der Hand auf ihre Wunde pressen. Er musste also wohl oder übel auf den Krankenwagen warten, bevor er seinem Ärger Luft machen konnte. Wenn er denjenigen, der ihr das angetan hatte, in die Finger bekam, würde dieser sich wünschen, niemals geboren worden zu sein, darauf konnte er Gift nehmen!
Ein aufgebrachtes Schnauben drang über seine Lippen und sein Blick wanderte erneut zu Willows Gesicht, wobei er feststellte, wie unheimlich blass sie auf einmal aussah – fast schon leblos. Und dieser Gedanke machte ihm wesentlich mehr Angst als er es eigentlich sollte.
~*~*~*~
„Und ihr seid euch sicher, dass ich nicht lieber hier bleiben soll?“, wandte sich Buffy zum wahrscheinlich hundertsten Mal an Cordelia und Xander, die sie auf den Flughafen begleitet hatten. Seit Angels Tod waren inzwischen zwei Wochen vergangen und nach dem ganzen Stress hatten ihr die beiden vorgeschlagen, doch noch für den Rest der Ferien in den Urlaub zu fahren, um ein wenig Abstand von den schrecklichen Ereignissen zu bekommen.
„Ja, hör endlich auf, dir Sorgen zu machen. Uns passiert schon nichts. Seit deinem Zusammenstoß mit dem Mörder ist nichts mehr geschehen und du sagtest, du hättest ihn mit seinem eigenen Messer verletzt – du scheinst gut getroffen zu haben. Xander und ich werden die Zeit alleine schon zu nutzen wissen“, erwiderte die Dunkelhaarige freimütig wie immer, ohne dabei zu beachten, dass Buffy sich noch immer Vorwürfe darüber machte, einen Menschen verletzt zu haben.
Ihr Blick wanderte zu ihrem Freund und so wie sie ihn nun betrachtete, ließ sie keinen Zweifel daran, was sie mit ihrer letzten Aussage gemeint hatte.
Xander der daraufhin ein wenig rot wurde, sich aber ansonsten bereits an solche Kommentare von Cordelias Seite gewöhnt hatte, stimmte ihr zu: „Du brauchst etwas Ruhe, Buff. Seit dem ersten Mord warst du ein nervöses Wrack und auch wenn das jetzt brutal klingt, bin ich der Meinung, dass du das alles für eine Weile vergessen und einfach nur deinen Spaß haben sollst.
Die Polizei hat die Sache nach dem zweiten Angriff auf dich endlich ernst genommen und alle Krankenhäuser in der Umgebung auf Patienten mit den von dir beschriebenen Verletzungen überprüft – außer Willow wurde niemand eingeliefert und sie kann es nicht gewesen sein, weil sich ihre DNA nicht mit der des Blutes von der ersten Attacke deckt. Entweder du hast diesem Verrückten solchen Schiss eingejagt, dass er sein Hobby aufgegeben hat oder du hast ihn ganz außer Gefecht gesetzt.“
Mit diesen Worten schoben die beiden Buffy in Richtung des Check In, den entsetzten Gesichtsausdruck der Blonden, bei dem Gedanken, ihren Angreifer möglicherweise getötet zu haben, ignorierend.
~*~*~*~
Willow lag gerade auf ihrem Bett und las eines ihrer Bücher, als es etwas zaghaft an ihrer Zimmertür klopfte. Ein Stirnrunzeln legte sich auf ihr Gesicht. Wer konnte das sein? Ihre Mutter oder ihr Vater kümmerten sich doch sonst auch nicht darum, was sie machte?
„Herein“, forderte sie den Besucher auf, einzutreten, neugierig, wer ihr wohl einen Krankenbesuch abstatten würde. Einfallen würde ihr so spontan niemand, höchstens Spike. Aber sie glaubte nicht, dass dieser tatsächlich hier auftauchen würde, so nett er ihr gegenüber auch war, sie konnte ihn sich beileibe nicht an ihrem Bett sitzend und sich nach ihrem Befinden erkundigend vorstellen.
Ein kleines Grinsen legte sich bei dieser Vorstellung auf ihr Gesicht und sie fragte sich unwillkürlich, wie ihre Eltern wohl darauf reagieren würden, wenn der Punk hier plötzlich auftauchte. Obwohl sie sich nicht sicher war, dass sie sein Aussehen überhaupt bemerken würden, wahrscheinlich wären sie viel zu beschäftigt dafür und würden ihm einfach den Weg zu ihrem Zimmer weisen.
„Hi Luv“, wurde sie auch schon von dem Platinblonden begrüßt, der auf ihre Aufforderung hin in ihr Zimmer gekommen war und sich nun auf ihre Bettkante setzte. „Wie geht’s dir?“, erkundigte er sich besorgt, wobei er seine vernarbte Augenbraue hochzog.
„Hi. Du kommst wie bestellt, ich hab grad an dich gedacht. Und mir geht’s schon wieder ganz gut – dank dir“, erwiderte sie lächelnd und für einen Moment glaubte sie, im siebten Himmel zu schweben. Er war tatsächlich gekommen, um sie zu besuchen.
Was sie zu diesen Zeitpunkt nicht wusste, war, dass Spike auch während ihrer Zeit im Krankenhaus zu ihr gekommen war, sich jedoch immer nur in ihr Zimmer geschlichen hatte, wenn sie geschlafen hatte, da er sich nicht sicher gewesen war, ob sie ihn sehen wollte.
„Ich hab dir was mitgebracht – damit du auch noch an mich denkst, wenn ich nicht da bin“, meinte er daraufhin grinsend und zog hinter seinem Rücken eine einzelne weiße Gardenie hervor, was das Lächeln auf ihrem Gesicht noch breiter werden ließ – falls das überhaupt noch möglich war. [*]
„Wow, danke, das ist wirklich lieb von dir“, bedankte sich Willow überrascht. Nicht nur, dass er überhaupt gekommen war, er hatte ihr auch noch eine Blume mitgebracht. Eine hübsche noch dazu.
Ihre Finger umschlossen den Stiel der Gardenie und streiften dabei seine Hand, was sie leicht erröten ließ. Aber im Gegensatz zu früher, wobei dieses früher genau genommen noch gar nicht so lange her war, sah sie nicht schüchtern auf ihre Bettdecke nieder.
„Und? Was hast du die ganze Zeit ohne mich angestellt?“
Spike zuckte daraufhin mit den Schultern. „Nicht viel. Ich bin die meiste Zeit mit dem Motorrad in der Gegend rumgekurvt. Mir war ziemlich langweilig, wenn ich ehrlich bin. Gehst du mit mir ins Kino, wenn du wieder fit genug bist?“, schlug er vor und legte seinen Kopf schief, da er sich nur zu gut dessen bewusst war, was für eine Wirkung diese Geste auf sie hatte.
Allerdings hätte er dies nicht wirklich tun müssen, da Willow ihm auch so mit freudig leuchtenden Augen zustimmte: „Klar. Bis dahin kannst du ja immer zu mir kommen und mal einen Film für den DVD-Player mitbringen?“
„Hey, auf die Idee mit den DVDs bin ich noch gar nicht gekommen. Clever. Aber du weißt schon, dass du mich jetzt nicht mehr so leicht loswirst?“, neckte sie der Blonde mit seinem typischen Bad Boy Grinsen, was sie auflachen ließ.
„Wer sagt denn, dass ich das überhaupt will?“, entgegnete sie schlagfertig und das Grinsen, welches sie dabei trug, konnte dem seinen schon beinahe Konkurrenz machen – jedoch nur beinahe, da es sich in ein seliges Lächeln verwandelte, als er sich vorbeugte, um sie zu küssen.
„Gut, dann sind wir ja einer Meinung.“
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[*] Gardenien gelten als Zeichen unausgesprochener Liebe
Ende Teil 1 der Trilogie
~coming soon ~
Teil 2 - "Old enemies, new friends“