Autor: Kristin
E-Mail Adresse: btvsfaith@web.de
Inhalt: AU; Willow muss in der High School jeden Tag irgendwelche blöden Sprüche von Spike über sich ergehen lassen. Wahrscheinlich würde sie verzweifeln, wäre da nicht ihr Chatfreund und die Tatsache, dass Spike zumindest hin und wieder Ärger von Direktor Snyder persönlich bekommt. Aufgrund eines kleinen Zwischenfalls in Form einer Geschichtslehrerin beginnt sie Spikes Geheimnis auf die Schliche zu kommen...Ob dieses auch der Grund für seine Gemeinheiten ist?
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Disclaimer: I do not own the characters in this story, nor do I own any rights to the television show "Buffy the Vampire Slayer". They were created by Joss Whedon and belong to him, Mutant Enemy, Sandollar Television, Kuzui Enterprises, 20th Century Fox Television and the WB Television Network.
Hauptcharakter(e)/Paar(e): Willow/Spike; “Bloody-Vampire”, Snyder, Mrs. Burkle
Beta: Elfenwesen
 

Teil 1   Teil 2   Teil 3   Teil 4   Teil 5   Teil 6   Teil 7   Teil 8   Teil 9   Teil 10

~*~*~*~

Teil 1

Seufzend schloss Willow die Tür des Spinds: Sie musste sich nicht umdrehen, um zu wissen, wer hinter ihr stand, denn es war beinahe jeden Morgen das Gleiche:
Sie kam in die Sunnydale High, holte ihre Bücher aus ihrem Spind, Taylors Gang kreuzte auf und machte sich über ihre Kleidung lustig.

Die vier Jungs, aus denen die Bande bestand, waren seit nun mehr etwa 2 Jahren befreundet.
Da war Gunn - ein Schwarzer mit stahlharten Fäusten -, Liam - von allen Angel genannt und der Star des Footballteams -, Harris – Xander für seine Freunde, der einem wirklich jede Information besorgen konnte – und Taylor selbst – Spitzname Spike, gutaussehend, verwöhnt, beliebt, steinreich und... das Arschloch schlechthin.

Alle vier wohnten im selben Stadtteil, hatten eigene Motorräder, rauchten non-stop und verfügten über Taschengeld ohne Ende. Deshalb war es auch kein Wunder, dass sie neben Cordelia, Harmony, Dawn und Anya das Sagen hatten.

Willow kam nicht dazu, ihre frustrierenden Gedanken zu Ende zu bringen, denn Spike hatte offensichtlich entschieden lange genug gewartet zu haben: „Na Red, is deine Alte mal wieder bei der Kleiderspende eingebrochen, oder aus welchem Jahrhundert stammt dieser Stofffetzen?“
Spott schwang in seiner Stimme mit und er legte den Kopf schief, als betrachte er die rothaarige Schülerin näher, weshalb der Rest der Clique gröhlendes Gelächter anstimmte.
Mit fest aufeinander gepressten Lippen sah die Angesprochene zu Boden.
OK, sie gab ja zu, dass der mausgraue lange Rock und die schlichte weiße Bluse alles andere als angesagt waren, wenn sie Cordys Kleidung damit verglich. Diese trug nämlich ein tief ausgeschnittenes, bauchfreies Top und einen super kurzen, knallengen Lederrock, dazu hochhackige Sandalen.
Aber musste er sie deswegen gleich so niedermachen?

Ohne sich zur Wehr zu setzen zog Willow die Schultern hoch, drückte ihre Bücher an sich und wollte ins Klassenzimmer gehen, als Angel ihr plötzlich ein Bein stellte.
Erschrocken geriet sie ins Taumeln und stürzte durch etwas Nachhilfe Gunns zu Boden. Dadurch wurden nicht nur ihre gesamten Schriftstücke im Flur verteilt, sondern auch alle anderen Anwesenden aufmerksam, was schallendes Gelächter zur Folge hatte.

Willow lief rot an und beeilte sich, ihre Sachen wieder einzusammeln, um nahezu fluchtartig ins nächste Klassenzimmer zu stürzen, wo sie auch schon von ihrer besten Freundin Buffy erwartet wurde.
Diese bemühte sich sofort darum sie zu trösten, doch das Stundenklingeln und der hereinkommende Mathelehrer unterbrachen sie.
Gequält verzog Willow ihr Gesicht: ausgerechnet Mathe!
Das bedeutete, dass Spike in ihrer Klasse war und von dem hatte sie nun wirklich genug.

~*~*~*~

Seit dem Unterrichtsbeginn waren bereits zehn Minuten vergangen und Willow hatte schon Hoffnung geschöpft, dass Spike mal wieder schwänzen würde, als sich die Tür öffnete und eben dieser den Raum betrat. Das einzig Gute daran war wohl, dass Harmony und eine Menge anderer Mädchen ihre Aufmerksamkeit zur Abwechslung mal nach vorn lenkten.

Die Rothaarige seufzte zum zweiten Mal an diesem Tag und schickte auch gleich noch ein Augenrollen hinterher. So toll war Taylor nun auch wieder nicht! Was nützte es einem schließlich, wenn er zwar in den verwaschenen Jeans, Springerstiefeln, schwarzem Muscle-Shirt und der gleichfarbigen Lederjacke wirklich gut aussah, dafür aber ein echter Kotzbrocken war? Wahrscheinlich hatte das Haarfärbemittel seinem Gehirn mehr zugesetzt, als er glaubte, auch wenn ihm das Platinblond auf verdrehte Art und Weise sogar stand.

Letztendlich verschwand Harmonys blonder Schopf, und wie blond!, wieder hinter ihren Modezeitschriften. Auch Spike begab sich auf seinen Platz, nachdem der Mathelehrer ihm eine saftige Strafarbeit aufgebrummt hatte, die er sowieso wieder nicht machen würde.
Taylor und Hausaufgaben?
Eher würde die Hölle zufrieren!
Ihren Sarkasmus beiseite schiebend wendete sich Willow ihren Aufgaben zu.

~*~*~*~

Endlich zu Hause, schmiss Willow ihren Rucksack auf das Bett, fuhr ihren Rechner hoch und loggte sich im Internet ein, um zu sehen wer alles im Chatroom anwesend war.
Ein Funkeln entstand in ihren grünen Augen, als sie auf „Bloody-Vampire“ stieß und sie begann zu tippen:

Dark-Witch: „Hi! Wie war dein Tag? Wieso warst du gestern nicht online?“

Bloody-Vampire: „Sry, bin einfach nich dazu gekommen, zu viele Hausaufgaben und so nen
ZeugL Hast mich wohl sehr vermisst?*lol*“

D-W: „Ha, ha, sehr witzig! Is „so nen Zeug“ zufällig mal wieder Trübsal blasen?“

B-V: „Hm, andres Thema. Was hast du gestern so angestellt? Ohne mich^^?“

D-W: „Ach, weißt du, ich hab da so nen Typen kennen gelernt: groß, dunkelhaarig,
gutaussehend, nett...“

B-V: „Im Ernst?“

D-W: „Orlando Bloom auf der DVD von „Fluch der Karibik“.*g* Wieso hast/hattest du
schlechte Laune?“

B-V: „Muss das Wochenende zu meinem „Vater“, will aber lieber hier bleiben. Mein Zeugnis
muss der net wirklich sehenL“

D-W: „So schlimm? Aber der reißt dir doch wegen nen paar schlechten Noten net gleich den
Kopf ab... Außerdem sind’s doch nur 2 TageJ“

B-V: „Nee, dem fällt was besseres ein... Wie war dein Zeugnis?“

D-W: „Gut, ich geh eigentlich gern zur Schule (wie du ja weißt), wären da nicht
gewisse Leute...“

B-V: „Wieder diese Clique, die dich ständig aufm Kieker hat? Nimm’s dir net so zu Herzen,
du bist nen wirklich nettes Girl und wenn die dich ärgern, dann sind sie echt doof;)“

D-W: „Danke für die Aufmunterung, auch wenn sie leider nichts ändern wird. Wo warst du
eigentlich in den Ferien?“

B-V: „In den Rocky Mountains zum Snowboarden, war voll cool. Schnee und Berge ohne
Ende. Am besten war der Funpark. Und du?“

D-W: „Ich bin nicht direkt fortgefahren, war aber mit meiner besten Freundin in L. A. shoppen...
auch wenn ich die Klamotten, die sie für mich rausgesucht hat nie im Leben anziehen
werd...“

~*~*~*~

Um seine schlechte Laune zu vertreiben, steckte Spike sich eine Zigarette an. Da war man schon mal im Unterricht, und das auch noch pünktlich, und dann kam diese bescheuerte Geschichtsziege nicht!
Augenrollend sah er zu Angel, welcher gerade irgendwelche Pläne schmiedete und sich auch prompt zu ihm drehte: „Hey Spike! Am Wochenende ist im Bronze ne neue Band, soll ganz gut sein, gehen wir hin?“
„Nee, bin in Las Vegas“, antwortete dieser gelangweilt, ohne zu bemerken, dass in der Tür der kleine bösartige Schulgiftzwerg namens Snyder stand.
„William Wesley Calendar-Taylor! Zigarette aus, Füße vom Tisch und nach vorn gedreht! Sofort!“

Spike gab sich gnädigerweise die Ehre zumindest letzteres zu befolgen, bevor er den inzwischen vor Wut rot angelaufenen Direktor musterte. Ob er ihn wohl zum Platzen bringen könnte? Na, einen Versuch konnte er ja starten.

„Und... wenn ich’s nicht tue?“
„Nach dem Unterricht in mein Büro! Du kannst dich darauf verlassen, dass ich früher oder später etwas finde, um dich von der Schule zu schmeißen! Und das wird dann der beste Tag meines Lebens sein, Taylor!“
Snyders Worte waren nur noch ein gefährlich leises Zischen, doch Spike zuckte lediglich mit den Schultern. Mit einem Grinsen sah er dabei zu, wie sein Widersacher grollend verschwand, eine neue Lehrerin zurück lassend.

„Guten Tag alle zusammen! Ich bin Mrs. Burkle, die Vertretung für eure Geschichtslehrerin.“
Jubel brach in der gesamten Klasse aus, da vor den Ferien eine Arbeit geschrieben worden war, welche eigentlich keiner zurück haben wollte.
Doch die Freude wurde rasch getrübt, als Mrs. Burkle einen Stapel Blätter aus ihrer Tasche nahm und mit dem Austeilen begann.

„Willow, eine sehr gute Arbeit, die beste von allen!“
Alles andere stellte sich, als mehr oder weniger gutes Ergebnis heraus, je nachdem, wie man es nahm.
So triumphierte Harmony über ihre 4, während sich Buffy wegen einer 3 ärgerte und Spike seine 5 in einen Papierflieger verwandelte, um den Mülleimer einzuweihen.

~*~*~*~

Spike konnte ein leises Seufzen nicht unterdrücken, als er die Tür zum Zimmer Snyders öffnete und in das Büro trat, wo er sofort wütend empfangen wurde: „Taylor! Noch nie was von Anklopfen gehört?“
Grinsend fläzte sich der Angesprochene auf einen Stuhl.
„Wozu? Ich bezweifle ja, dass sich Ihre Sekretärin von Ihnen auf dem Schreibtisch flach legen lässt. Wenn ich mich irre, sagen Sie’s, da’s Glory ja, neben Anya, mit fast jedem treibt!“
„Ich verbitte mir diesen Ton! Aber jetzt zu den wesentlichen Dingen: Ich habe mir deine Noten angesehen, du stehst in Geschichte auf 5,4. Und da es ja in unser beider Interesse liegt, dass du nicht sitzen bleibst, wirst du ab sofort bei Willow Rosenberg Nachhilfe nehmen! Schließlich will ich dich auch irgendwann mal loswerden. Habe ich mich klar ausgedrückt?“

Wenn Blicke töten könnten, dann hätte Snyder den Raum wahrscheinlich demnächst mit den Füßen voran verlassen. Einzig der Respekt davor zu fliegen, diese Genugtuung gönnte er seinem Lieblingsfeind nicht, hielt Spike von einem solchen Wutausbruch ab, und er versuchte es anders.
„Was sagt Red dazu?“
„Wer!?“
„Rosenberg“, setzte der Angesprochene augenrollend hinzu, was Snyder zum Schnauben brachte. „Mir egal! Sie zu informieren ist Mrs. Burkles Aufgabe!“

~*~*~*~

„Was!? Ich soll Spike Nachhilfe geben? Sind Sie verrückt?“
Normalerweise hätte Willow sich nie getraut so mit einer Lehrerin zu reden, aber die Panik, welche von ihr Besitz ergriffen hatte, brachte ihr Gehirn zum Stillstand.
„Wieso denn das?“
„Der wird erst mit brennenden Büchern nach mir werfen und mich dann skalpieren! Oder den Wölfen im Zoo zum Fraß vorwerfen! Oder bei lebendigem Leibe häuten! Oder ein Bad in Salpetersäure nehmen lassen! Oder...“

Mit dem Ziel sie zu beruhigen legte Mrs. Burkle ihre Hand auf die Schulter der verzweifelten Schülerin.
„Nun übertreib mal nicht! Ich kann mir vorstellen, dass er nicht unbedingt nett ist, aber er wird dich auch nicht gleich auffressen. Wer weiß, vielleicht kommt ihr sogar ganz gut miteinander aus? Er wird auch nicht gerade begeistert sein, aber wenn ihn Direktor Snyder persönlich dazu verdonnert, kann er nicht viel dagegen machen.“

Als wollte das Schicksal diese Aussage unterstreichen, kam im gleichen Moment Spike in den Raum. Sein finsterer Gesichtsausdruck führte dazu, dass Willow wirklich dachte gleich würden Blitze aus den eisig dreinblickenden Augen schießen. Ob es dann auch anfangen würde zu regnen und zu donnern?

Misstrauisch blickte die Rothaarige zum Fenster hinaus, stellte aber erleichtert fest, dass noch immer die Sonne schien.
„Ah, Wi...“
Weiter kam Mrs. Burkle nicht, denn der Angesprochene schnitt ihr das Wort ab:
„Spike!“
„Wie bitte?“
„Mein Name ist Spike! Ich bin ja nicht schwul!“
„Ähm, ja, gut. Also Spike, da du nun ja hier bist, gehe ich mal davon aus, dass Direktor Snyder dich über seine Pläne in Kenntnis gesetzt hat?“

Anstatt einer Antwort schnaubte der Teenie nur verächtlich und murmelte etwas, was sehr nach „dämlicher, kleiner Gnom klang“, aber da war sich Mrs. Burkle dann doch nicht so sicher.
„Dann könnt ihr jetzt ja ausmachen, wann ihr euch trefft. Wie wäre es mit heute Nachmittag? Dann habt ihr es hinter euch.“
„Meinetwegen. Und was für Bedingungen muss ich erfüllen, damit ich aus der Scheiße wieder raus komme?“, brummte Spike missmutig.
„Mindestens eine sichere 4. Wie du siehst, liegt es also an dir wie lange „diese Scheiße“ dauern wird. Streng dich an und du hast es bald überstanden! Wenn du zum Beispiel in der Leistungskontrolle nächste Woche eine 3 oder besser hast, brauchst du nur noch in der nächsten Arbeit vernünftig abzuschneiden. Fang endlich an, etwas zu tun!“

Willow, die Spikes finsteren Gesichtsausdruck nun wirklich unheimlich fand, nutzte die entstandene Stille, um das Gespräch möglichst schnell zu beenden, wobei sie jedoch nicht verhindern konnte, dass ihre Stimme ziemlich schrill und ängstlich klang.
„Uem, w-w-wo k-k-können w-wir u-uns t-treffen? S-So-Soll i-ich z-zu d-dir k-ko-kommen o-oder k-ko-kommst d-du z-zu m-mir?“
Spike konnte sich ein Grinsen über die Zweideutigkeit der Frage nicht verkneifen, ging aber nicht weiter darauf ein. Man musste ja zumindest alle 5 Jahre, oder so, auch einmal eine gute Tat vollbringen.
„Komm einfach so gegen 4 zu mir, OK? Ich schätze mal du weißt wo ich wohne?“
Willow wich seinem stechenden Blick aus, wobei sie eingeschüchtert nickte, und beeilte sich so schnell wie möglich in die Bibliothek zu verschwinden.

~*~*~*~

Den Mund vor Staunen geöffnet, blieb Willow stehen. Das was sie sah war kein Haus, sondern eine Villa.

Das Grundstück war von einem weißen, gusseisernen Zaun umgeben und ein gepflegter Sandweg führte über die riesige Grünfläche, bis zu einer marmornen Treppe, welche bei einer reichlich teuren Türe endete. Über die Anlage verteilt wuchsen die verschiedensten Bäume und Blumen. Überhaupt strotzte das ganze Anwesen nur so vor Reichtum.
Vor der etwas abseits gelegenen Garage stand ein glänzender Ferrari und die Villa ähnelte vom Aufbau einem Schloss, nur viel moderner gebaut. So war zum Beispiel die Wand eines Zimmers, sie glaubte es war das Esszimmer, verglast.
Neben dem Gebäude war ein gigantischer Pool, das Wasser darin glitzerte geheimnisvoll in der Sonne, und ein, für diese Verhältnisse, recht kleines Gartenhaus.

Willow drückte, nachdem sie noch einmal tief durchgeatmet hatte, die Klingel. Währenddessen hoffte sie, dass Spike und nicht seine Eltern öffnen würden, denn dieser war ihr schon arrogant genug und er war noch nicht erwachsen.
Warum konnte sie jetzt nicht einfach gemütlich zu Hause am Computer sitzen und mit „Bloody-Vampire“ chatten? Weshalb hatte sie Mrs. Burkle nicht einfach widersprochen? Weil Snyder sie dann gezwungen hätte!

Teil 2

Willow drückte, nachdem sie noch einmal tief durchgeatmet hatte, die Klingel. Währenddessen hoffte sie, dass Spike und nicht seine Eltern öffnen würden, denn dieser war ihr schon arrogant genug und er war noch nicht erwachsen.
Warum konnte sie jetzt nicht einfach gemütlich zu Hause am Computer sitzen und mit „Bloody-Vampire“ chatten? Weshalb hatte sie Mrs. Burkle nicht einfach widersprochen? Weil Snyder sie dann gezwungen hätte!

Plötzlich wurde sie von einer freundlichen Stimme aus ihren Gedanken gerissen: „Hi! Du bist Willow, nicht wahr? Ich bin Mrs. Calendar, Williams Mutter. Du kannst mich aber ruhig Jenny nennen. Komm rein!“
Willow starrte mit offenem Mund auf die etwas ältere, aber trotzdem hübsche Frau vor ihr. Sie hatte eine hochnäsige Ziege im Kostüm von Chanel mit streng zusammengebundenen Haaren erwartet, die sie abfällig mustern würde.
Nie im Leben hätte sie geglaubt, dass Spikes Mutter einfache Jeans und eine sportlich geschnittene Bluse tragen würde, von den Turnschuhen ganz zu schweigen.
Obwohl... wenn man bedachte wie er selbst so rum lief, sollte sie vermutlich froh sein, dass Mrs. Calendar keinen blauen Iro oder so etwas hatte...

Zögernd betrat Willow die Villa und sah sich neugierig um. An den Wänden hingen moderne Gemälde und selbst die Eingangshalle war mit neuester Technik ausgerüstet.
Dennoch fehlte es nicht an Gemütlichkeit. Durch die offene Tür zum Wohnzimmer konnte sie erkennen, dass dieses in warmen Tönen gehalten war und umrahmte Fotos an den Wänden hingen. Auf dem Couchtisch lag neben zwei Teelichtern ein aufgeschlagenes Buch, während in der Ecke eine Tropenpflanze dem Ganzen etwas Leben einhauchte.

Willow bemerkte, dass sie sich ziemlich auffällig umsah und sie spürte, wie ihr das Blut in die Wangen schoss. Doch ein Blick zu Jenny beruhigte sie, da diese über ihr offensichtliches Erstaunen nur verständnisvoll lächelte.
„William ist in seinem Zimmer. Komm mit!“
Mit diesen Worten führte Miss Calendar sie die Treppe hinauf, einen Flur entlang, bis zur letzten Tür, welche sie schließlich öffnete.

Laute Musik schlug ihnen entgegen und kaum, dass Willow den Raum betreten hatte, wusste sie auch warum: Spike hatte die Stereoanlage auf volle Lautstärke gestellt, während er vor dem Fernseher hockte und irgendeine Sendung ansah.

Das Zimmer war größtenteils in schwarz gehalten. Ein riesiges Wasserbett stand am Fenster und rechts daneben war ein Schreibtisch mit Laptop. Etwas weiter vorne stand eine Ledercouch mit Blick auf einen Flachbildschirmfernseher mit DVD-Player und an der anderen Wand war ein gigantisches Regal mit einigen Büchern - Spike besaß Bücher!? - etlichen CDs und DVDs. Sein Skateboard hatte Spike einfach gegen das Regal gelehnt.
Daneben war ein Schrank, in welchem sich wahrscheinlich seine Klamotten befanden. Die Wände waren mit verschiedenen Postern von Bands wie den „Sex Pistols“ beklebt, auch wenn Willow keinen blassen Schimmer hatte, wer sich um Himmels Willen so nannte.

Zwischen all den Sachen prangte die Stereoanlage und ein geistig völlig abwesender Spike, der noch immer nicht mitbekommen hatte, dass jemand den Raum betreten hatte.

Die Schülerin sah hilfesuchend zu Jenny, welche seufzend die Musik ausmachte und den Stecker des Fernsehers zog. Dies veranlasste ihren Sohn dazu, seine Augen endlich vom Bildschirm zu nehmen.
„Hey, ich wollte das sehen!“
„Du hast den Film auf DVD, Will. Rupert hat ihn dir zu Weihnachten geschenkt, du erinnerst dich?“
„Na und? Ich wollte ich aber im Fernsehen anschauen!“, gab er sich nicht so schnell geschlagen.
„Hör auf zu maulen und steh auf! Willow ist da und soweit ich weiß, soll sie dir Nachhilfe in Geschichte geben, oder?“
Murrend erhob sich Spike dann dennoch, begrüßte Willow mit einem genuschelten „Hi“ und ging zum Schreibtisch, um sein Lehrbuch zu suchen.

Jenny schüttelte nur leicht den Kopf und ignorierte seine schlechte Laune, indem sie sich an das Mädchen vor sich wendete:
„Magst du vielleicht etwas zu trinken?“
„Haben Sie Cola da?“
„Klar. Will, möchtest du auch etwas?“
„Co... Spezi.“
Daraufhin verschwand Jenny, um die gewünschten Sachen zu holen. Allerdings ließ sie es sich nicht nehmen, Willow augenzwinkernd den Rat zu geben, sich nicht von dem Gezeter ihres Sohnes beeindrucken zu lassen. Nachdem Jenny verschwunden war, setzte sich die Schülerin mit einem schweren Schlucken neben diesen.
„Also, womit fangen war am besten an?“
„Mir egal. Ich kann nichts von dem Mist.“
Na, das konnte ja heiter werden!

~*~*~*~

Willow griff stöhnend nach ihrer Cola, trank einen Schluck und wendete sich dann wieder Spike zu, welcher ihr die letzte halbe Stunde mehr oder weniger begeistert hatte zuhören müssen.
„Okay, dann nenn mir mal einen Reichskanzler der Weimarer Republik!“
„Ähm, Clemenceau?“

Die Rothaarige verdrehte bei dieser Antwort ihre Augen.

„War der Vertreter Frankreichs beim Versailler Vertrag! Spike, das Einzige was du kannst, sind die englische und die amerikanisch Geschichte! So wird das nichts, du musst auch etwas über die anderen Länder wissen!
Außerdem hörst du mir überhaupt nicht zu! Bist du so scharf darauf, sitzen zu bleiben? Wenn du Snyder damit eins auswischen willst, dann ist es das nicht wert!“
„Na und wenn schon, wäre ja nicht der Erste, der ne Ehrenrunde dreht!“
„Das ist dir also vollkommen egal? Und was sagen deine Eltern dazu?“

Doch auch auf diese Frage folgte nur ein desinteressiertes Schulterzucken.

„Mom und Rupert werden nicht gerade begeistert sein, aber ich werd’s überleben. Und mein Vater“, er spuckte das Wort nahezu, als habe er sich daran vergiftet. „Ist mir scheißegal!“
„Äh, Rupert?“
„Der Lebensgefährte meiner Mutter“
„Aha... Und das ist dir echt egal?“, fragte Willow noch immer fassungslos.
„Ob ich nun ein Jahr früher oder später abschließe, interessiert doch kein Schwein.“

Bisher war die Schülerin sehr geduldig gewesen, wenn Spike sich mal wieder quergestellt hatte, aber so langsam wurde sie sauer. Wie konnte man nur so stur und verbohrt sein?

„Als ob du nächstes Jahr mehr wüsstest! Der Stoff ist noch vom letzten Halbjahr! Sieh zu, dass du das Zeug bis Montag kannst, damit wir weiter kommen! Das ist alles nur Auswendiglernerei, dafür brauchst du noch nicht einmal jemanden, der es dir erklärt!“

Nun war es an Spike, auf die sonst so stille Schülerin zu starren, welche nun die Arme in die Hüfte gestemmt vor ihm stand. Wütend sah sie in seine Richtung und irgendetwas an ihrer Haltung brachte ihn dazu, ihr nicht zu wiedersprechen.

„Meinetwegen.“

Mit seiner Antwort zufrieden teilte ihm Willow mit, dass sie ihn am Montag um 16.00 Uhr wieder sehen würde. Danach drehte sie sich um und wollte zur Tür hinausgehen, wobei sie aus Versehen eines der Bücher auf dem Regal herunter stieß.
„E-En-Entschuldigung, t-t-tut m-mir l-leid.“, stotterte sie, der Anflug von Mut war längst wieder verschwunden, und bückte sich sofort, um es aufzuheben, als ihr Blick auf den Einband fiel: Romeo und Julia.
„Du liest so was?“

Willow fuhr herum zu Spike, welcher sofort zu seiner Verteidigung ansetzte, ihrem geschockten Blick allerdings auswich: „Q-Quatsch! Das hat meine Mutter hier liegen lassen!“
„Ach so.“

Um ihre Verlegenheit zu überspielen, stellte sie das Buch ohne weiter nachzufragen zurück in das Regal. Deshalb entging ihr wohl auch, dass Spikes Gesichtsausdruck genauso erschrocken war, wie ihr eigener noch vor wenigen Sekunden.

~*~*~*~

Als Willow wieder in ihrem Zimmer war, schmiss sie ihre Tasche auf das Bett und setzte sich an den Rechner. Womit um alles in der Welt hatte sie es nur verdient ausgerechnet Spike Nachhilfe geben zu müssen? Damit sollte man noch nicht mal Mörder bestrafen! Obwohl... wenn sie sich vorstellte, wie er mit gebrochenem Genick am Boden lag, war diese Idee vielleicht doch nicht so übel.

Aber im nächsten Moment schämte sie sich auch schon wieder für diesen Gedanken, denn abgesehen von seiner Faulheit war er eigentlich gar nicht so schlimm gewesen. Zumindest hatte er sich seine doofen Kommentare verkniffen. Ein Blinken des Bildschirms riss die Rothaarige aus ihren Gedanken.
„Sie haben eine Nachricht!“
Ein Lächeln breitete sich in ihrem Gesicht aus, als sie ihr Postfach öffnete. Nachdem sie fertig gelesen hatte, vereinbarte sie mit „Bloody-Vampire“, welcher ihr die Mail geschickte hatte, im Chat weiter zu schreiben.

Bloody-Vampire: „Und? Was macht meine Lieblingshexe *lol* gerade so?“

Dark-Witch: „Im Gegensatz zu dir sauge ich niemanden das Blut aus *g* Sagtest du nicht, du müsstest das Wochenende zu deinem Dad?“

B-V: „Konnte meine Mum überreden mich erst später hinzubringen. Hattest wohl was Besonderes vor, häh ^^?“

D-W: „Wollte den Weltuntergang herauf beschwören ;) Kannst mir ja dabei helfen“

B-V: „Klar doch! Können wir mit unserem idiotischen Direx anfangen?“

D-W: „Na, die scheinen ja alle gleich zu sein! Unserer is auch so ne fiese Kakerlake, aber sobald der Bürgermeister kommt, verwandelt er sich in nen richtigen Arschkriecher.“

B-V: „*lol* Ist aber bestimmt lustig anzusehen. Das Arschloch kriecht zu Kreuze.“

D-W: „Wie man’s nimmt. Meist hat er dann aber noch bescheuertere Ideen als sowieso schon. Mit wem machen wir weiter?“

B-V: „Wir jagen alle High Schools in die Luft! Schüler an die Macht *gg* Blut und Zauberbücher für alle!“

Willow, welche schon die ganze Zeit über bei dem Gedanken an einen krepierenden Snyder gegrinst hatte, begann nun haltlos zu glucksen. Die Vorstellung von Bürgermeister Wilkins Gesicht bei derartigen Ereignissen war einfach zu köstlich.
Plötzlich drang ein schrilles Klingeln an ihr Ohr: instinktiv sah sie auf den Computer, bis sie begriff, dass der Lärm seinen Ursprung am Telefon fand.

Sie sprang auf, schnappte den Hörer und nahm ab: „Rosenberg?“
„Hi Willow, ich bin’s, Buffy. Ich wollte fragen, ob du mit ins Bronze kommst?“
„Ich weiß nicht. Eigentlich hab ich keine große Lust.“
„Liegt es an Spike? Ich glaube nicht, dass er heute ins Bronze geht, seine Clique wollte erst morgen gehen und außerdem ist er das Wochenende in Las Vegas.“
„Was!? Du weißt was dieser... dieser... arg... dieser Vollidiot in seiner Freizeit tut!?“
„Ich hab’s zufällig gehört. Und es kann nicht schaden zu wissen, wann „Mister-ich-bin-der-Beste-und-Tollste-ihr-anderen-seid-ja-nur-Abschaum“ nicht in der Stadt ist. Also, was nun? Kommst du mit? Bitte! Du kannst mich doch nicht alleine Cordelia und den anderen Zimtzicken überlassen!“, verteidigte sich Buffy.
„Okay, ich komm ja mit.“
„Super! Ich komme gleich zu dir, dann können wir Klamotten raussuchen. Bye!“

Nachdem sie erst einmal verarbeitet hatte, was Buffy gesagt hatte, legte Willow das Telefon zurück auf den Schreibtisch und ging wieder an den Computer.

D-W: „Sry, das Telefon hat geklingelt, ich muss jetzt Schluss machen. Schreiben wir am Montag weiter?“

B-V: „Klar ;) Muss jetzt auch los, bis denne.“


~*~*~*~

„Mensch Willow! Zieh wenigstens das neue Top und deine Jeans an! Wir gehen in nen Club und nicht zum Kaffeekränzchen, du weißt schon, diese Dinger mit Musik und Spaß!“
Buffy sah zu ihrer besten Freundin, welche mal wieder irgendeinen wer weiß wie alten Rock herausgekramt hatte.

„A-Ab-Aber ich zieh immer so was an!“
„Und wirst deswegen ständig geärgert, wird Zeit, dass du was neues probierst. Und lass deine Haare gefälligst mal offen!“

~*~*~*~

Nach einigem hin und her hatte Buffy Willow immerhin zu einer einfachen Jeans und einem schwarzen Top überreden können. Dazu trug sie bequeme Turnschuhe und, man höre und staune, offene Haare. Nur bei dem Thema Make-Up hatte sich die Rothaarige quergestellt.
Dennoch mit dem Ergebnis zufrieden, betrat die Blondine das Bronze, woraufhin ihr laute Musik von einer, ihr unbekannten, Band entgegendröhnte.

Die beiden Freundinnen steuerten einen Tisch im hinteren Bereich an, wo sie sich grinsend nieder ließen.

„Hast wohl vorhin gerade wieder mit diesem „Bloody-Vampire“ gechattet?“
„Woher weißt du das schon wieder?“
„Deine Wangen sind jetzt noch rot. Über was habt ihr so geschrieben?“, konnte es sich Buffy nicht verkneifen zu fragen.

Sie hatte schon länger den Verdacht, dass Willow sich in ihren Chatfreund verguckt, okay, verschrieben, hatte, auch wenn diese das vehement abstritt.

„Oh, ähm... na ja... über die Weltvernichtung. Stell dir vor, die haben an seiner Schule auch so nen dämlichen Direktor. Und dann haben wir noch nen bisschen Spaß über Hexen und Vampire gemacht.“

Ein seliges Lächeln erschien auf Willows Gesicht, als sie an seine Begrüßung dachte. Warum konnten nicht alle Jungs so sein?
Weil sie dich kennen, du Trottel!
Sie könnte eben so gut mit einer Mülltüte über dem Kopf rumlaufen und Spike würde auch nicht mehr spotten als jetzt. Vermutlich würde es ihr noch nicht mal so schlecht stehen.

~*~*~*~

Vorsichtig legte er sich auf sein Bett und zog die Decke über den Kopf. Er wollte nichts mehr sehen, nichts mehr hören und vor allem nichts mehr fühlen. Wollte einfach verschwinden, nicht mehr da sein, unsichtbar. Wünschte sich an einen anderen Ort.
Die Dunkelheit erschuf ihm eine Illusion der Sicherheit, doch es würde nicht lange so bleiben.
Die Bilder verfolgten ihn, er hatte keine Chance zu entfliehen. Da waren sie wieder: kalt, brutal.

Harte Fäuste, die kraftvoll zuschlugen, erbarmungslos, wieder und wieder. Trafen auf einen Körper: Fleisch, Knochen. Ein leises Knacken.
Schmerz, der einem alle Sinne raubte, stechend, betäubend.
Ein Schrei, gequält und ängstlich, verklang unerhört, obwohl er die Stille des Raumes durchschnitt. Ging über in ein furchtsames Wimmern. Doch keine Gnade.
Wieder Fäuste, die ihr Ziel fanden und dort grausame Zeichen hinterließen.
Aufgeplatzte Haut, Blut.
Erneuter Schmerz, obgleich der Körper fast schon taub war. Ein Flehen, unbeachtet.
Lautes Lachen, das Gänsehaut verursachte. Worte, voller Hass.

Und dann Ruhe. Kein Ton zu hören. Stumme Tränen, auf den Boden tropfend. Das Gefühl vollkommener Wertlosigkeit. Selbstverachtung.
Schließlich der Drang aufzustehen. Ein schmerzverzerrtes Gesicht. Ein Zischen, entstanden bei dem Versuch die Treppe hinauf zu gehen.
Am Ende das Bett. Frieden. Nichts mehr sehen. Nichts mehr hören. Nichts mehr fühlen. Dunkelheit – sein einziger Freund.
Bis zum nächsten Morgen. Bis die Schläge wiederkehren. Sein Körper zu betäubt, um noch zu schmerzen.
Nur die Träume.

Teil 3

Xander saß gelangweilt an der Bar. Was machte er eigentlich hier? Auf Anya warten. Welcher Teufel hatte ihn geritten, sich auf dieses Weib einzulassen? Die Einzigen, die noch schlimmer waren, waren Cordelia, Harmony und Dawn.
Er hätte zu Hause bleiben sollen, anstatt sich mit Anya zu verabreden. Aber nein, als er erfuhr, dass Spike in Las Vegas sein würde und Gunn und Angel sich mit Dawn und Cordelia verabredet hatten, musste er unbedingt Anya um ein Date bitten.

Statt gemütlich vor dem Fernseher zu hocken, saß er nun hier und kippte einen Drink nach dem anderem in sich hinein, um seine Nervosität zu bezwingen. Nicht, dass er etwa auf Anya stand, nein, sie würde nur eine nette Gesellschafterin abgeben.
Okay, er machte sich mal wieder selbst etwas vor. Er war in Anya verliebt, seit er sie das erste Mal gesehen hatte. Aber das würde er niemals zugeben, die Anderen würden sich kaputt lachen.

Angel und Gunn waren nicht nur strohdumm, sondern auch echte Arschlöcher. Sie schlossen sogar Wetten ab, wer von beiden ihr Date zuerst ins Bett bekam. Sie würden ihn nicht verstehen.
Und Spike... na ja, Spike war eigentlich der Einzige aus der Clique, den er nicht so richtig einschätzen konnte. Gut, er beleidigte alles und jeden, kannte keinen Respekt und war gefühlskalt.
Doch andererseits wurde er einfach den Gedanken nicht los, dass Spike in Wirklichkeit nicht so schlimm war. Im Gegensatz zu den anderen beiden schlief er nicht mit allem, was zwei Beine und hübsche Brüste hatte. Wenn er überhaupt mit einem der drei normal reden könnte, dann wohl am ehesten mit ihm.

Xander ließ seinen Blick durch das Bronze schweifen, noch immer unschlüssig, was er tun sollte. Hey, war dort nicht Willow? Aber in Jeans und Top? Warum zog sie solche Sachen nicht in der Schule an? Damit könnte sie sich eine Menge Ärger ersparen.
In diesen Klamotten sah sie attraktiv genug aus, um nicht mehr geärgert zu werden. Trotzdem war das Top auch nicht so freizügig, dass Gunn und Angel wieder eine ihrer dämlichen Wetten abschließen würden.
Zugegeben, er war auch nicht gerade nett zu ihr, aber irgendwie konnte einem die kleine Rothaarige schon leid tun.

~*~*~*~

Das restliche Wochenende verging mehr oder weniger ereignislos.
Xanders Date mit Anya wurde eine Katastrophe, da er bereits total betrunken gewesen war, als diese endlich auftauchte. Nachdem sie beleidigt verschwunden war, ging er ebenfalls nach Hause und verkroch sich in seinem Zimmer.
Angel gewann die Wette mit Gunn, da Cordelia wohl schon längere Zeit auf ihn stand, und dementsprechend leicht zu haben war.
Dawn ließ Gunn einfach stehen, als sie ein Gespräch zwischen ihm und Angel mitbekam, machte sich aber nicht die Mühe, Cordelia zu warnen.
Willow übernachtete bei Buffy und die beiden verquatschten die halbe Nacht, bevor sie todmüde in ihre Betten fielen. Dies war wohl auch der Grund dafür, dass sie den Samstag komplett verschliefen.
Am Sonntag gingen sie shoppen, wobei Buffy es schaffte, Willow zu einem kurzen Jeansrock zu überreden, mit dem Wissen, dass sie ihn wahrscheinlich nie tragen würde. Später gingen sie noch in die Eisdiele, wo sie Anya trafen, welche mit einem Typen aus der Parallelklasse rummachte.

~*~*~*~

Am Montag öffnete Willow frustriert ihren Spind, um die, für die nächste Stunde benötigten Bücher, heraus zu holen. Es konnte sich nur noch um Sekunden handeln, bevor Spike mitsamt seiner Clique auftauchen und irgendeine doofe Bemerkung ablassen würde. Buffy hatte es letztlich doch nicht geschafft, sie davon zu überzeugen, ihre neuen Klamotten in der Schule anzuziehen.
Sie hörte bereits die Schritte hinter sich, gleich würden sie stoppen und darauf warten, dass sie sich umdrehen würde.

Aber entgegen Willows Voraussage geschah nichts dergleichen, vielleicht hatte sie sich getäuscht und es war gar nicht Taylors Clique gewesen?
Zögernd sah sie sich um. Doch ein Stück weiter vorn liefen Gunn, Angel und Xander den Gang entlang. Verwirrung machte sich in der rothaarigen Schülerin breit und so bemerkte sie auch nicht gleich, dass Spike selbst gar nicht dabei war.

~*~*~*~

Wie verabredet erschien Willow gegen 16.00 Uhr vor der Villa, in welcher ihr bisheriger Erzfeind wohnte, und drückte tiefdurchatmend auf die Klingel. Sie brauchte nicht lange zu warten, bis ein älterer Mann im Tweed-Anzug öffnete.

„Ähm, G-Guten T-Tag. I-Ich b-bin W-Willow R-Rosenberg. I-Ist S-Spike d-da?“
„Er ist auf seinem Zimmer. Komm ruhig rein. Ich nehme an, du bist die Schülerin, die ihm Nachhilfe geben soll?“
„J-Ja, Mr. ...?“
„Giles. Da du ja schon am Freitag hier warst, nehme ich an du kennst den Weg?“

Mit einem Nicken zog Willow ihre Schuhe und Jacke aus und ging an dem Brille putzenden Herrn vorbei, die Treppe hinauf, wo sie schließlich vor besagtem Raum stand. Sie hob die Hand und klopfte. Daraufhin erklang ein hörbar genervtes „Komme!“, da die Tür von innen abgeschlossen war.

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Spike stand vorsichtig auf, gab ein unterdrücktes Fluchen von sich und öffnete die Tür. Doch als er sah, wer davor stand, verzog sich sein Gesicht zu einer Grimasse:
„Du schon wieder! Nen wandelndes Lexikon ist jetzt echt das Letzte, was ich gebrauchen kann!“

Willow biss sich auf die Unterlippe, unsicher was sie dazu noch sagen sollte, und betrat das Zimmer. Während sie die Tür schloss, überlegte sie, ob es vielleicht einfach das Beste wäre, wieder zu verschwinden. Diese Entscheidung wurde ihr jedoch von Spike abgenommen, der ein unfreundliches „Setz dich.“ brummte.
Die Rothaarige ging mit einem leisen Seufzen zum Schreibtisch und packte zwei Bücher aus, wobei ihr Blick zufällig auf Spike fiel: „Du humpelst ja.“
„Bin beim Skateboarden hingeflogen. Können wir jetzt endlich mit dem Schund anfangen?“

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Etliche Diskussionen und fünf Geschichtsbuchseiten später hatte Willow genug von ihrem, ohne Unterlass maulendem, Sitznachbarn.

„Sag mal, bist du schon immer so ein Arschloch? Mir ist noch nie jemand über den Weg gelaufen, der so arrogant und gehässig war wie du!
Ständig musst du irgendjemandem Beleidigungen an den Kopf werfen! Weißt du, ich kann mir auch etwas Besseres vorstellen, als hier zu sitzen und irgendwelche Daten zu lernen. Motz ich dich deswegen die ganze Zeit über voll?
Und auch sonst hast du überhaupt keinen Grund alle anzuschnauzen - du hast Geld, deine Mutter ist total nett, du bist beliebt, du hast Freunde, du kannst auf alle Partys gehen und wenn du nen bisschen was tun würdest, könntest du bestimmt sogar gut in der Schule sein.
Aber anstatt dankbar zu sein, dass du das alles hast, meckerst du rum und beleidigst jeden, der dir in die Quere kommt.
Du bist der größte Vollidiot, der je existiert hat!“

Willow hielt inne, geschockt über ihre Direktheit. Hatte sie das tatsächlich alles gesagt? Ohne zu stottern? Oder träumte sie mal wieder? Wäre immerhin nicht das erste Mal, dass sie sich wünschte, Spike die Meinung zu sagen.
Verunsichert sah sie auf, nur um festzustellen, dass ihr Gegenüber offenbar genauso perplex über ihren Ausbruch war, wie sie selbst.
Tatsächlich schien es Spike, zum ersten Mal seit sie ihn kannte, die Sprache verschlagen zu haben, denn er starrte sie nur fassungslos an.

Willow wusste, dass sie - mal wieder - feuerrot im Gesicht war, doch entgegen seiner Gewohnheit hatte der Blonde noch immer keine dämliche Bemerkung abgelassen. Überhaupt sah er ziemlich komisch aus, da sich sein Gesicht in eine ausdruckslose Maske verwandelt hatte und er mit leerem Blick an die Wand starrte.

Sie begann unruhig mit ihren Haaren zu spielen, bis eine leise Stimme erklang: „Geld ist nicht alles im Leben. Und Freunde... Gunn, Angel und Xander sind vielleicht gut zum abhängen und feiern, aber nicht zum Reden.“

Die Rothaarige sah erstaunt zu Spike. Ihr war er immer wie eine Art Superstar erschienen, der alles was er wollte auch bekam. Nie im Leben hätte sie gedacht, dass er etwas vermissen könnte. So wie er jetzt dasaß, sah er richtig traurig aus, nicht mehr so eingebildet und gemein.
Eine bedrückende Stille legte sich über den Raum, wurde jedoch schon bald von einem Lachen Spikes unterbrochen.

„Was soll’s, immerhin kann ich mich auf der Straße sehen lassen, ohne Angst haben zu müssen, dass die Müllabfuhr mich aufgrund der uralten Klamotten mit ner Abfalltonne verwechselt! Ach, und falls du auf die Idee kommst, irgendjemand von diesem „Gespräch“ zu erzählen, dir wird ohnehin keiner glauben!“

Fast hätte Willow ihm das auch abgenommen, doch die Tatsache, dass sein Lachen eher bitter, denn verachtend klang, ließ sie zweifeln. Und der Ausdruck in den blauen Augen, welchen sie nicht genau definieren konnte, tat sein übriges.

~*~*~*~

Dunkelheit hatte sich über Sunnydale gelegt und die Bewohner der kalifornischen Kleinstadt waren entweder schon im Bett oder saßen vor dem Fernseher.
Kein einziger Stern war zu sehen und auch der Mond war verschwunden, doch trotzdem fiel etwas Licht in jenen Raum, wo er lag.

Den ganzen Abend schon war er wach gewesen. Hatte nicht einschlafen wollen. Fürchtete sich vor den Träumen. Wusste, er war sicher. Hier würde ihm nichts geschehen. Es würde ihn nicht finden. Nur die Bilder. Waren immer da. Verfolgten ihn.
Angst machte sich in ihm breit. Wusste, er müsste zurück. Nicht jetzt. Bald. Wollte nicht daran denken. Musste aber.
Worte, eingebrannt in seinen Verstand. Zu oft gehört.
„Versager! Nichtsnutz! Hurensohn! Du bist schuld, du allein! Du bist es nicht wert zu leben! Du bist eine Enttäuschung!“
Wusste, es war der Wind, kam durch sein Fenster in sein Zimmer. Hörte aber eine Stimme. Wütend. Spottend. Begann zu zittern. Ein Flüstern. Schien von überall her zu kommen. Hielt sich die Ohren zu. Wollte entkommen. Konnte es nicht. War gefangen.
Begann zu wimmern. Schloss die Augen. Zwecklos. Wollte es übertönen. An etwas anderes denken. Erfolglos. Tränen der Qual. Über seine Wangen laufend, runter zu seinem Kinn. Tropften auf die Bettdecke.
Blieb stumm. Legte die Arme um seine Knie. Wippte hin und her.
Wollte vergessen. Nichts mehr sehen. Nichts mehr hören. Nichts mehr fühlen.
Konnte nicht. Sah die Bilder. Scharf und klar. Jedes einzelne Detail. Hatte sie zu oft gesehen. Wusste sie würden verschwinden. Für kurze Zeit.
Ein Alptraum, der ihn gefangen halten würde.

~*~*~*~

Willow saß unschlüssig vor ihrem Laptop.
Sollte sie, oder sollte sie nicht? Einerseits wäre es ziemlich unfair, aber andererseits würde es ihr vielleicht helfen? Eigentlich würden sie ja beide davon profitieren, wenn sie mehr über ihn wüsste, oder? Schließlich würde sie dann wahrscheinlich besser mit ihm auskommen.
Und es wäre ja auch nur die Schulakte. Zwar nicht ganz legal, aber auch kein Schwerverbrechen. Und da sie sich sowieso gerade in das Computersystem der Sunnydale High eingehackt hatte, könnte sie doch auch noch...

Ihr schlechtes Gewissen zur Seite schiebend klickte Willow Spikes Schulakte an. Zuerst fand sie nichts ungewöhnliches darin, zumindest, wenn man bedachte, dass es sich hierbei um Spike handelte.
Eben eher mittelmäßige bis schlechte Noten, ständiges Schwänzen und Nachsitzen, sowie etliche Beschwerden entnervter Lehrer und einige Schlägereien. Doch dann stieß sie auf die Eintragungen seiner alten Schule in Las Vegas.

Hatte er nicht dort sein Wochenende verbracht? Vermutlich hatte er Verwandte in der Gegend.
Willow schüttelte den Kopf und wendete sich wieder der Schulakte zu, und als sie fertig war mit lesen, glaubte sie ihren Augen nicht trauen zu können.
Dort wurde er als ruhiger, unauffälliger Schüler beschrieben, der sich höchstens durch sehr gute Noten abhob. Kein Nachsitzen, keine Einträge und von den Lehrern nur Lob. Erst Mitte der 7. Klasse begann seine Leistung abzusacken und er musste plötzlich nachsitzen, wegen Schulhofprügeleien, Schwänzen, Rauchen und anderen Dingen.

Seine Glanzleistung vollbrachte er dennoch erst, als er den Sportlehrer angriff, er hatte in den Jahren zuvor einige Kampfsportarten erlernt, und deswegen von der Schule flog.
Danach war er mit seiner Mutter nach Sunnydale gezogen und hatte seine „Ehrenliste“ hier fortgesetzt.

Die Schülerin lehnte sich erschrocken zurück: Was hatte ihn bloß dazu gebracht, so auszurasten?

 

Teil 4

 

Am Dienstagmorgen traf eine gutgelaunte Willow im Schulflur auf Buffy.

„ Hi! Kommst du heute Abend mit zu mir? Wir könnten mal wieder nen Film angucken oder so.“

„Klar, wenn’s meine Mum erlaubt. Sicher, dass ich dich mit deinem „Bloody-Vampire“ nicht störe?“

Die Rothaarige sah betrübt zu Boden. „Eigentlich wollten wir gestern wieder chatten, aber er war nicht online. Bestimmt hat er keine Lust mehr.“

Buffy seufzte. Wie konnte man nur so selbstzweifelnd sein? Sie legte ihre Hand auf Willows Schulter, um sie zu trösten.

„Hey, mach dich nicht so fertig. Sicher ist ihm nur etwas dazwischen gekommen. Vielleicht ist ja sein Computer kaputt? Könnte doch sein, oder?“

„Glaube ich nicht. Er war schon in letzter Zeit öfters nicht im Chatroom. Und falls doch, war er meistens ziemlich kurz angebunden.“

Ratlos suchte ihre beste Freundin nach einem Gegenargument.

„Was ist, wenn er einfach viel zu tun hat? Und deswegen...“

Ein Blick auf den Schulhof ließ Buffy plötzlich stocken. Dort standen sich Spike und Riley, ein Typ aus dem Footballteam, den Angel ziemlich schikanierte, gegenüber. Die beiden schossen sich Blicke zu, die darauf schließen ließen, dass sie sich gleich an die Gurgel gehen würden.

„Du kotzt mich an, Taylor! Du und deine ganze dämliche Clique! Ihr tut so cool, in Wirklichkeit könnt ihr gar nichts!“

Spikes Augen hatten sich zu Schlitzen verengt und wer etwas genauer hinsah, konnte ein angriffslustiges Funkeln darin erkennen. „Was willst du damit sagen?“

Seine Stimme war erfüllt von Wut und Hass, es klang mehr nach dem Zischen einer Schlange, als der Stimme eines Menschen.

„Dass ihr nur heiße Luft produziert und wenn’s drauf ankommt nach eurer Mama schreit! Oder eurem Butler!“

Damit hatte Riley sich zu weit vorgewagt. Spike trat auf ihn zu und bevor er sich versah, hatte der Footballspieler seine Faust im Gesicht.

Einige Schaulustige, die es sich nicht entgehen lassen wollten, die beiden Kontrahenten zu beobachten, hatten sich schnell gefunden.

Nun holte auch Riley, mit einem siegessicheren Grinsen auf den Lippen und geballter Faust aus, um Spike zu schlagen. Dieser blockte den Angriff jedoch geschickt ab, indem er das Handgelenk abfing und schnell dem hervorschnellenden Fuß auswich. Er drehte Rileys Arm herum, um ihm die Schulter auszukugeln.

In seine Augen trat eine fast schon sadistische Freude, als er dessen Schrei vernahm und er schickte noch einen kräftigen Tritt in die Nieren seines Gegners hinterher. Es kümmerte ihn dabei nicht wirklich, dass dieser schon am Boden lag.

Spike packte Riley erbarmungslos im Nacken und zwang ihn, ihm ins Gesicht zu sehen, bevor er seinen Kopf ins Gras presste.

„Du bist so erbärmlich, Finn!“

Mittlerweile hatte sich eine recht große Gruppe um die beiden versammelt. Durch die Pfiffe und das begeisterte Johlen angespornt, trat der Cliquenführer seinem Widersacher ein weiteres Mal die Beine weg, als sich dieser Erde spuckend wieder aufrappelte. Inzwischen war Spike derjenige, der lachte und spottete: „Oh, armer kleiner Pappsoldat. War das ne Nummer zu groß für dich?“

Willow war während der Auseinandersetzung bleich geworden, obgleich sie die darin verwickelten Personen eigentlich weniger gut leiden konnte, aber in solchen Situationen konnte sie sich nicht helfen.

Ein Blick hinter die Streitenden zauberte ihr allerdings etwas Schadenfreude in die Augen, denn dort bemühte sich Snyder durch die Schaulustigen zu kommen. Zwar hatte Spikes Schulakte einige Fragen in ihr aufgeworfen, doch trotzdem gönnte sie es ihm für seine Arroganz eins auf den Deckel zu bekommen.

Snyders Stimme donnerte über den Schulhof: „Taylor! Finn! In mein Büro! Sofort!“


~*~*~*~

„Was habt ihr beiden euch eigentlich dabei gedacht? Das ist eine Schule und keine Irrenanstalt!“

Riley setzte prompt seine Unschuldsmine auf, auch wenn Spike es eher als „Trottelfresse“ bezeichnen würde, und fing an zu jammern: „Aber Direktor Snyder, ich habe doch gar nichts gemacht, ich bin ganz normal über den Schulhof gelaufen, als mich dieser Freak plötzlich angefallen hat.“

Spike ließ sich lediglich zu einem genervten Schnauben herab, da er wusste, dass es Snyder einen Scheißdreck interessieren würde, was er dazu zu sagen hatte. Finn war in der Footballmannschaft und somit zählte er zu den Lieblingskindern.

Genervt zählte er von 10 rückwärts und genau bei 1 fing der Direktor an zu meckern: „Taylor! Ständig machst du irgendwelchen Ärger. Lass Finn gefälligst in Ruhe. Wenn ich dich noch einmal in seiner Nähe erwische, kannst du dich von deinen Eltern abholen lassen. Zur Strafe wirst du nachsitzen! Und zwar für den Rest der Woche.“

Da Snyder ihm den Rücken zudrehte, äffte Spike seine Mimik und Gesten perfekt nach, obgleich er sie noch nicht einmal richtig sehen konnte. Er wusste ganz genau wie der Schulgiftzwerg herumhampelte. Tatsächlich schaffte er es auch, zu Rileys Bedauern, genau in dem Moment, als Snyder wieder zu ihm sah, ein ernsthaftes Gesicht aufzusetzen.

Lediglich das leichte Zucken seiner Mundwinkel zeugte noch von seiner Belustigung, auch wenn er sich wirklich beherrschen musste, um nicht loszulachen. Der Direktor hatte sich vor ihm aufgebaut und sah ihn drohend an. Nur erweckte das Ganze eher einen komischen, denn einen gefährlichen Eindruck, denn Snyder war ein gutes Stück kleiner als Spike.


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Nachdem es Spike geschafft hatte, sich vor dem Nachsitzen zu drücken, waren er, Angel, Gunn und Xander nach Hause gegangen, um ihre Motorräder zu holen und sich vorm Bronze zu treffen.

Alle vier hatte dieselbe schwarze Lederjacke an. Sie zeigte die schemenhafte Gestalt des Phönix in verschiedenen, grauen Schattierungen - schön und schaurig zugleich. Einer Sage zufolge war der Phönix ein Vogel des griechischen Sonnengottes Helios, welcher sich alle 500 Jahre selbst verbrannte und verjüngt aus seiner Asche wiederauferstand - ein Symbol der Unsterblichkeit und des Einzigartigen.

Selbstverständlich war im Bronze um diese Zeit noch nichts los. Die Clique benutzte es einfach als neutralen Treffpunkt, da es für die Eltern natürlich viel beruhigender klang, wenn sie sagten „Wir treffen uns beim Bronze“, als ein: „Wir wollen ein Straßenrennen machen“.

Obwohl der Club bereits im verruchten Stadtteil Sunnydales lag, wurde er dennoch von den Erwachsenen akzeptiert.

Wahrscheinlich lag es daran, dass es die einzige Disco in der Nähe war. Jedenfalls hatten die Eltern von Gunn, Angel, Xander und Spike keine Ahnung, dass es keineswegs ihr Ziel war, ein paar Mädchen zu beeindrucken, sondern ein Rennen durch die engen Seitengassen zu veranstalten.

Weil in dieser Gegend hauptsächlich Obdachlose lebten und die alten Wohnhäuser schon seit langer Zeit leer standen, kümmerte es auch keinen. Niemand würde die Polizei wegen Lärmbelästigung oder ähnlichem rufen und von selbst verirrten sich die Streifenwagen schon gar nicht hierher. Die Ordnungshüter der kalifornischen Kleinstadt pflegten es ohnehin großzügig über Gesetzeswidrigkeiten hinwegzusehen, frei nach dem Motto: Solange sich niemand beschwert, ist das Gehalt gesichert.

Diese Tatsache nutzte die Clique voll und ganz aus. Nachdem sie versammelt waren, besprachen sie kurz die Strecke und wählten eine verfallene Lagerhalle als Ziel. Ein Aufheulen der Motoren erklang und schon im nächsten Moment sah man nur noch eine Staubwolke auf dem Platz, wo gerade eben noch die Motorräder gestanden hatten.


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Angel war der erste, der die Lagerhalle erreichte, dicht gefolgt von Spike, der durch ein überflüssiges Bremsen Zeit verloren hatte.

Auch Gunn und Xander ließen nicht lange auf sich warten. In einem atemberaubendem Tempo kamen sie um die Kurve, fuhren nebeneinander eine kleine, selbstgebaute Rampe hoch, flogen ein paar Meter durch die Luft und landeten wieder auf dem Boden.

Bei dieser Aktion geriet Gunn jedoch ins Taumeln, weshalb Xander vor ihm bei den anderen ankam. Er ließ es sich nicht nehmen, den Schwarzen ein wenig aufzuziehen: „Sieht ganz so aus, als wäre ich diesmal nicht derjenige, der nachher die Drinks im Bronze bezahlt.“

Leider erhielt er nicht die gewünschte Antwort, denn Gunn hatte nur ein Grinsen für ihn übrig. „Nach letzter Woche dürftest du ohnehin so gut wie pleite sein.“

Angel hatte inzwischen seinen Motorradhelm abgenommen und beschlossen das Thema in eine Richtung zu lenken, da ihm langweilig wurde.

„Was habt ihr eigentlich für heute Abend am Start? Ich bin mit Cordelia verabredet, die Kleine steht voll auf mich.“

Xander konnte es einfach nicht lassen, die Versuchung den Dunkelhaarigen aufzuziehen war einfach übermächtig.

„Was? Mit der hast du dich doch schon mindestens einmal getroffen. Findest du keine andere mehr, oder wirst du einfach nur alt?“

„Sie ist besser im Bett als jede andere. Und außerdem passt sie gut zu meinem Image. Was ist mit dir, Spike?“

Dieser schreckte auf, er hatte sich gerade ausgemalt wie er Angel das nächste Mal wieder schlagen würde. Schließlich sollte es ja nicht zur Gewohnheit werden, dass er gewann.

„Dawn. Ist mal etwas anderes als Dru und Faith. Und du, Gunn?“

„Glory.“

„Snyders Sekretärin? Ist die nicht nen bisschen alt?“

„Na und? Vielleicht krieg ich sie dazu, meine Schulakte zu bereinigen. Und wenn nicht, hat sie trotzdem überzeugende Argumente. Xander?“, gab Gunn die Frage weiter.

„Ähm... nein... also... Ich hab gedacht ich lass mir heut mal die Wahl, nach dem Date mit Anya...“

Angel wurde stutzig.

„Du hast dich mit Anya verabredet? Das ist aber wohl nicht der Grund dafür, dass du heute kein Date hast, oder? Ich mein, du stehst doch nicht etwa auf sie, oder?“

„Qu-Quatsch! Natürlich nicht! Ich will nur mal in Ruhe einen saufen können“, erwiderte Xander, darum bemüht, das verräterische Zittern in seiner Stimme zu unterdrücken. Zu seinem Glück interessierte sich Angel nicht wirklich für die Antwort, da Spike ihn nach einem Feuerzeug für seine Zigarette gefragt hatte.


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Als Willow endlich mit ihren Hausaufgaben fertig war, setzte sie sich an ihren Laptop und klickte auf den Posteingang. Ihr zuvor erwartungsvolles Gesicht wechselte in eine frustrierte Grimasse. Noch immer keine Nachricht von „Bloody-Vampire“.

Was war bloß los mit ihm? Die ganze letzte Woche war er schon immer kurz angebunden gewesen, doch seit Freitag hatte er sich gar nicht mehr gemeldet. Dabei hatte er geschrieben, dass er am Montag wieder online sein würde.

Ob ihm etwas dazwischen gekommen war? Aber dann hätte er ihr doch heute schreiben können. Vielleicht war sein Computer ja wirklich kaputt und er konnte gar nicht schreiben? Oder er war länger bei seinem Vater geblieben? Aber hatte er nicht deutlich gemacht, dass er ihn nicht leiden konnte?

Eine Frage nach der anderen schoss durch Willows Kopf und immer wieder schlich sich der Gedanke ein, dass „Bloody-Vampire“ einfach keine Lust mehr hatte, mit ihr zu chatten.

Spikes Stimme erklang in ihren Gedanken und sagte ihr, dass sie hässlich und nutzlos sei, ein richtiger Nerd. Bilder tauchten vor ihren Augen auf: Gunn und Angel, die sie zu Boden schubsten. Spike, wie er arrogant grinste. Cordelia und Harmony, die sie keines Blickes würdigten. Die anderen Schüler der Sunnydale High, wie sie lachten.

Tränen liefen über Willows Wangen und die ganzen unterdrückten Zweifel stiegen in ihr empor. Es stimmte, was die anderen sagten: Sie war hässlich und ihre Klamotten stammten aus dem letztem Jahrhundert. Sie stotterte, sobald sie den Mund aufmachte und lief rot an.

Aber was sollte sie dagegen tun? Sie hatte nicht den Mut, die Sachen, welche sie mit Buffy kaufte, anzuziehen. Genauso wenig, wie sie ihre Haare offen lassen wollte. Die Anderen würden ja doch nur über diesen jämmerlichen Versuch lachen. Und um sich gegen die Kommentare und den Spott zu wehren, fehlte ihr ganz einfach die Courage.

Aber wieso musste Spike auch jeden niedermachen? Wenn er damit aufhören würde, hätte sie endlich ihre Ruhe.

Willow war gerade dabei, sich in ihre Wut auf Spike hineinzusteigern, als sie etwas bemerkte. Eigentlich hatte sie es schon die ganze Zeit über gewusst, sie hatte es nur verdrängt.

Sie war nur eine von vielen.

Spike beleidigte so gut wie jeden Schüler, da war nicht nur sie, sondern auch Jonathan, Andrew, Amy, Cassie und etliche andere. Genau genommen jeden, außer seiner Clique, Cordelia, Harmony, Dawn, Anya und seine derzeitige Begleiterin. Diese wechselte aber auch ständig. Doch warum? Man konnte doch auf so viele andere Arten Spaß haben. Was war also der Grund für seine Beleidigungen?

Als sie gestern bei ihm gewesen war, schien er betrübt zu sein, nachdem sie ihn auf seine Freunde angesprochen hatte. Fast hätte sie versucht, vernünftig mit ihm zu reden, doch im nächsten Moment hatte er schon wieder rumgemotzt.

Und spätestens heute auf dem Schulhof war er wieder ganz der Alte, sonst hätte er Riley nicht verprügelt.

Wieso tat er das? Von einem Leben, wie er es führte, konnten die Meisten nur träumen. Allein schon der Anblick der Villa verschlug einem die Sprache. Das Einzige was sie wirklich über ihn wusste, war, dass er nicht immer so gewesen sein konnte. Aber was hatte ihn so verändert?

Egal in welche Richtung Willows Gedanken wanderten, sie kam zu keiner Lösung des Rätsels. Es war ihr nach wie vor unbegreiflich, warum er sich so verhielt.

 

Teil 5

 

Egal in welche Richtung Willows Gedanken wanderten, sie kam zu keiner Lösung des Rätsels. Es war ihr nach wie vor unbegreiflich, warum Spike sich so verhielt.

Das Klingeln an der Tür riss Willow aus ihren Gedanken und sie eilte die Treppe hinunter zur Haustür, um diese zu öffnen.

„Hi Buffy! Komm rein. Hast du schon einen Film aus der Videothek mitgebracht, oder müssen wir noch einen holen?“

„Was hältst du von „Nothing Hill“? Ich hab auch noch „American Pie“ mitgebracht, falls dir eher nach etwas lustigem ist. Mir ist es egal“, sprudelte die Blonde hervor, während sie das Haus betrat.

Auf Willows Gesicht erschien ein Lächeln und sie bedeutete Buffy schon einmal nach oben zu gehen, da sie noch die Brownies aus der Küche holen wollte.

~*~*~*~

Die beiden Mädchen hatten schließlich doch beide Filme angeschaut und saßen nun quatschend auf dem Bett, obgleich Buffy ihren Schlafsack bereits auf dem Boden ausgebreitet hatte.

„Und? Hat sich dein „Bloody-Vampire“ inzwischen mal wieder gemeldet?“

Betrübt sah Willow in die Richtung des Laptops.

„Nein, schon seit Freitag nicht mehr. So langsam glaub ich wirklich, dass er keine Lust mehr hat. Ich habe ihm sogar eine E-Mail geschickt und er hat trotzdem nichts zurück geschrieben.“

„Oh Willow, nun mal doch nicht gleich den Teufel an die Wand. Warum sollte er denn keine Lust mehr haben? Ihr habt euch doch gut verstanden, oder?“

„Eigentlich schon. Wir haben manchmal über total sinnloses Zeug geschrieben, aber ich hatte nie den Eindruck, dass ihm langweilig war.

Und wenn es doch so wäre, warum sagt er es mir nicht einfach, anstatt nicht mehr zu antworten? Dann wüsste ich zumindest woran ich bin!“

Buffy hob skeptisch eine Augenbraue.

„Würdest du das denn tun? Würdest du jemandem schreiben: Hey, ich hab keinen Bock mehr, du bist langweilig?“

„Nein, aber... ach, ich weiß auch nicht. Ich hab gedacht, wir wären so etwas wie... Freunde. Immerhin haben wir in den letzten drei Monaten fast täglich gechattet“, erwiderte Willow, während sie hilflos mit den Schultern zuckte.

„Versteh mich jetzt bitte nicht falsch, aber ich fand es schön mit jemandem zu „reden“, der mich nur so kennt, wie ich am Computer bin.

Der noch nicht erlebt hat, wie ich anfange zu stottern, rot werde oder von anderen aufgezogen werde. Bei dem ich wusste, dass er mich nicht erkennen würde, selbst, wenn ich neben ihm stünde. Zumindest solange ich nicht den Mund aufmache.

Wobei ich mich inzwischen sogar frage, wie es wohl wäre, ihn mal zu treffen.“

Buffy hatte ihrer besten Freundin aufmerksam zugehört und wollte sie trösten: „Hey, Kopf hoch, das wird schon wieder. Dein „Bloody-Vampire“ meldet sich bestimmt wieder und dann könnt ihr euch ja auch mal treffen. Danach weißt du, was er von dir hält.“

„Hm“, meinte Willow daraufhin nur, während ihr Blick erneut sehnsüchtig zu dem Laptop wanderte. Zuerst glaubte sie noch zu träumen, doch im nächsten Moment stürmte sie auch schon los, da sie eine Mail erhalten hatte.

Hi du! Ich weiß, dass ich mich lange nicht gemeldet habe, aber ich hatte gestern einfach keine Zeit L Hoffe du bist mir nicht all zu böse deswegen?

Ich warte im Chatroom auf deine Antwort, Bloody-Vampire

In die Augen der rothaarigen Schülerin trat ein Leuchten, als sie die Nachricht las und sie loggte sich sofort ein, um zu antworten.

Dark-Witch: „Was war denn so wichtig?“

Bloody-Vampire: „Musste ziemlich viel lernen, weil ich am Wochenende keine Zeit hatte. Und heute hatten mich nen paar Freunde von mir in einen Club geschleift. Aber jetzt bin ich hier ;)“

Buffy verdrehte die Augen, da Willow natürlich begann über irgendeine neue Band zu schreiben und ähnliches Zeugs. Sie wusste genau, dass ihre Freundin nie den Mut aufbringen würde, nach einem Treffen zu fragen. Und wer auch immer dieser „Bloody-Vampire“ war, anscheinend auch nicht.

Mit einem „So wird das nie etwas!“, drängelte sie sich an den Laptop und begann zu tippen.

D-W: „Wo wohnst du eigentlich? Wir könnten uns ja vielleicht mal treffen?“

B-V: „In Sunnydale, eine kleine Stadt in der Nähe von L. A., glaub nicht, dass du die kennst?“

Willow und Buffy sahen verblüfft auf den Bildschirm und es dauerte nicht lange, bis zumindest letztere ihre Sprache wiedergefunden hatte.

„Hey, dein Typ wohnt hier, da ist ein Treffen überhaupt kein Problem. Wer das wohl ist?“

D-W: „Doch, kenn ich. Was hältst du von Samstag? So gegen 15.00 Uhr?“

B-V: „Klar, gehen wir in den „Espresso Pump“?“

D-W: „Freu mich drauf. Kann’s sein, dass ich dich kenn? Ich wohn nämlich auch in Sunnydale.“

B-V: „Lass dich überraschen. Falls du mich kennst, dann sowieso ganz anders, als im Chatroom. Wie erkenne ich dich?“

Willow sah fragend zu Buffy, welche sofort zum Schrank rannte und ein Kleidungsstück nach dem anderen auf das Bett warf.

Nachdem sie eine Weile herum gewühlt hatte, fand sie, was sie suchte: den kurzen Jeansrock, welchen sie am Sonntag gekauft hatten, und ein schwarzes, schulterfreies Top. Eben nicht zu gewagt und trotzdem sehr viel modischer, als die Klamotten, welche die Rothaarige sonst trug.

Diese hatte dennoch etwas dagegen einzuwenden, und öffnete den Mund, um zu protestieren, doch Buffy schnitt ihr das Wort ab: „Du brauchst gar nicht zu diskutieren. Dort ist niemand, der dich kennt, also kann dich auch keiner auslachen. Obwohl das auch so nicht passieren würde.

Glaub mir wenigstens diesmal, wenn ich sage, dass es gut aussieht.“

Willow verzog schmollend ihr Gesicht, dankte ihrer Freundin allerdings im Stillen für ihre unerbittliche Art.

D-W: „Ich werde einen kurzen Jeansrock mit einem schwarzen Top tragen. Außerdem habe ich lange, rote Haare. Und du?“

B-V: „Dunkelblaue Jeans und ein weißes T-Shirt mit blauem Hemd darüber. Hab blond gefärbte Haare. Was hältst du davon, wenn wir uns vorm „Bronze“ treffen? Dort ist um die Zeit nicht viel los, dann können wir nicht aneinander vorbeilaufen ;) und gemeinsam zum „Espresso Pump“ gehen.“

D-W: „Okay.“

~*~*~*~

Willow betrat summend die Sunnydale High. Sie hatte heute so richtig gute Laune. Nicht nur, dass die Sonne schien, und sie und Buffy morgen Nachmittag an den Strand gehen würden, sie würde sich auch bald mit „Bloody-Vampire“ treffen.

Wer er wohl war? Und ob sie ihn schon mal gesehen hatte?

Schmetterlinge flatterten in Willows Bauch, als sie den Schulflur entlang ging.

Auch auf Buffys Gesicht hatte sich ein Grinsen gelegt. Dann hatte sie also doch Recht gehabt! Jetzt konnte sie nur noch hoffen, dass ihre beste Freundin von dem Treffen nicht enttäuscht sein würde.

Doch ihr Gesicht verfinsterte sich schlagartig, als sie Spike und seine Gang im Flur entdeckte, denn durch seine Kommentare wäre Willows neugewonnene Selbstsicherheit wieder dahin.

Die Rothaarige schien die vier Jungs jedoch gar nicht zu bemerken, sie war mit ihren Gedanken ganz wo anders. Ohne die Clique auch nur eines Blickes zu würdigen, gingen die beiden Mädchen zu ihren Spinds, um ihre Bücher zu holen.

~*~*~*~

Spike starrte verdattert auf Willow. Seit wann lief sie so selbstbewusst durch das Schulhaus? Hatte sie nicht sonst immer die Schultern hochgezogen und war den Gang entlang geschlichen, darum bemüht, nicht gesehen zu werden?

Gut, er hatte schon bei den Nachhilfestunden die andere Seite der Rothaarigen kennen gelernt und wusste daher, dass sie durchaus energisch sein konnte. Aber das war eigentlich nur geschehen, wenn sie wütend gewesen war. Niemals hätte er gedacht, dass er sie so vor anderen Leuten erleben würde.

Obwohl... vor einer Woche hätte er noch nicht einmal gedacht, dass sie überhaupt reden konnte, ohne zu stottern.

Mit einer kleinen Andeutung würde er sie schon wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholen.

„Sag mal, wer übernimmt eigentlich deine Modeberatung? Amanda? Oder ist es doch Amy? Ich meine, nötig hättest du es ja schon, aber die läuft in noch hässlicheren Fetzen rum, als du. Eben wie frisch aus dem Abwassersystem entsprungen.“

Ein überlegenes Grinsen hatte sich um seine Lippen gelegt und er ignorierte sein schlechtes Gewissen. Wäre ja nicht so, als hätte er jemals darauf gehört.

Doch entgegen seinen Erwartungen ließ Willow den Kommentar nicht auf sich sitzen.

„Ach ja? Zumindest bin ich nicht zu blöd, um in die nächste Klasse versetzt zu werden!“

Plötzlich herrschte Stille im Flur. Es war so ruhig, dass man eine Stecknadel hätte fallen hören können. Die Schüler hatten sich zu den beiden umgedreht und Erstaunen lag auf ihren Gesichtern.

Fast keiner hatte es jemals gewagt, sich mit Taylor und seiner Clique anzulegen. Und falls doch, so hatte derjenige Bekanntschaft mit harten Fäusten gemacht.

Und nun stand ausgerechnet Willow, die sonst so schüchtern war, angriffslustig vor ihm. Würde Taylor auch soweit gehen, ein Mädchen zu verprügeln?

Anscheinend nicht, denn er zog lediglich eine Augenbraue nach oben und spottete: „Wer sagt, dass ich’s nicht schaffe?“

„Ich! Du bist einfach nur dämlich!“

„Dass du solche Wörter überhaupt kennst! Das findest du also, ja? Dann hast du sicher nichts gegen eine Wette. Ich sage, dass ich in der nächsten Geschichtsleistungskontrolle mindestens eine 3 schreibe. Wenn ich gewinne, dann darf ich dir Klamotten raussuchen, die du dann ins „Bronze“ anziehen wirst.“

Spike lächelte siegessicher, da Willow nichts mehr hasste, als wenn irgendjemand etwas an ihrem Kleidungsstil änderte.

Doch zur Überraschung aller ging die Rothaarige auf den Vorschlag ein.

„Gut. Und falls ich gewinne, dann wirst du nie mehr auch nur ein gehässiges Wort zu mir sagen und dich bei allen, die du beleidigt hast, entschuldigen.“

Die Stille wurde von einem schweren Schlucken Spikes unterbrochen. Er konnte nicht mehr zurück. Er hatte sie herausgefordert und wenn er jetzt kneifen würde, dann wäre sein Ruf dahin.

„Bloody hell“, fluchte er leise. Wieso hatte er nur das Gefühl, dass Willow ihn genau an diesem Punkt hatte haben wollen? Seine Augen verengten sich zu Schlitzen und er knirschte wütend mit den Zähnen, als er antwortete.

„Wie du meinst!“

~*~*~*~

Nachdem Spike, Angel, Gunn und Xander verschwunden waren, begann Buffy wie wild auf ihre beste Freundin einzureden: „Sag mal, spinnst du? Ich hab gesagt „Lass dir nicht alles gefallen“, von „zettel doch mal Selbstmord an“, war keine Rede. Der wird dich fertig machen!“

Willow knabberte unsicher an ihrer Unterlippe. Sie war keineswegs so überzeugt von sich gewesen, wie es den Anschein gehabt hatte, weshalb sie wohl auch eher sich selbst, als Buffy, zu überzeugen versuchte.

„Was hab ich zu verlieren? Ich bin auch so schon Spikes Lieblingszielscheibe. Schlimmer kann’s ja wohl kaum noch werden. Okay, er hat mir noch keinen Kaugummi in die Haare geklebt, oder Cola über meine Bücher gekippt. Aber für so kindisch halte ich ihn nun auch wieder nicht.

Wenn ich gewinne, hab ich meine Ruhe und falls ich verliere, kann keiner sagen, meine Nachhilfestunden wären schlecht.“

~*~*~*~

Seufzend drückte Willow die Klingel. Es war einfach herrliches Wetter und sie musste zu Spike. Das war nicht fair. Sie könnte jetzt mit Buffy am Strand liegen, aber nein, das musste ja bis morgen warten.

Bevor sie jedoch dazu kam, die Augen all zu weit zu verdrehen, wurde auch schon die Tür geöffnet und Mrs. Calendar trat heraus.

„Hallo Willow! Schön, dass du da bist. Was hältst du davon, wenn ihr heute im Garten lernen würdet? Es war schon lange nicht mehr so schön, die letzten Wochen waren einfach zu heiß gewesen.“

Ein Lächeln erschien auf dem Gesicht der Rothaarigen. Spikes Mutter war wirklich nett, im Gegensatz zu ihren eigenen Eltern interessierte sich diese für ihren Sohn – noch eine Frage mehr, warum dieser dann so ein Arschloch sein konnte.

„K-Klar. I-Ist Spike schon draußen?“

„Nicht direkt. Er ist im Gartenhaus. Soll ich ihn rausscheuchen, oder bekommst du ihn allein in die Sonne?“

„N-Nicht nötig. Ich denke, ich krieg das hin.“

~*~*~*~



Spike feuerte das Geschichtsbuch wütend in die Ecke. Wer sollte sich so einen Scheiß merken können? Und vor allem: Wozu war das gut? Er lebte heute und nicht vor 100 Jahren.

Lediglich ein Klopfen an der Tür hielt ihn davon ab, den nächsten Gegenstand – eine teure Vase aus Japan – hinterher zu schleudern.

„Was?“, fauchte er gereizt.

„Ich bin’s.“

Willow trat vorsichtig ein, darum bemüht, Spike in dem Glauben zu lassen, er jage ihr keine Angst ein.

„J-Jenny sagte, dass du hier wärst.“

Sie sah fragend zu dem Blonden, welcher nur ein Schnauben für sie übrig hatte.

„Sieht ganz danach aus, als hätte sie Recht.“

„Spike, hör zu, ich bin auch nicht scharf hier drauf. Aber meinst du nicht, dass wir wenigstens beim Lernen so tun könnten, als wären wir Freunde? Es ist nicht unbedingt leicht etwas zu erklären, wenn du die ganze Zeit rummaulst.

Bitte, Spike.“

Der Angesprochene zog die Augenbrauen nach oben, legte den Kopf schief und sah Willow prüfend an. In Wirklichkeit überlegte Spike nur wenige Sekunden, doch der Rothaarigen schien es wie Stunden. Sie hatte die Hoffnung auf eine positive Antwort bereits aufgegeben, als der Blonde endlich antwortete: „Okay. Versuchen wir’s.“

 

Teil 6

 

Hände. Kalt und brutal. Kamen auf ihn zu, wollten ihn packen. Er versuchte zu fliehen – vergebens. Wollte schreien. Nichts. Unheimliche Stille. Konnte sich nicht wehren. Spürte einen Schlag. Und noch einen. Schmerz. Wusste er würde anhalten. Dumpf und pochend. Würde ihn erinnern, solange er nicht dort war. Dafür sorgen, dass er nicht vergaß, es nicht konnte.

Schnappte nach Luft. Ein stechender Schmerz in seiner Brust. Riss die Arme hoch, wollte sich schützen – erfolglos. Ein Tritt gegen sein Handgelenk. Ein Schrei. Schmerzerfüllt. Übertönte das leise Knacken.

Er wimmerte, spürte eine Ohrfeige. Tritte in den Bauch. Wusste, er konnte nichts dagegen tun. Hörte jene Worte: „Versager. Nichtsnutz. Trottel.“

Der Drang sich zu übergeben, unterdrückte ihn. Weitere Schläge. Die gleichen Fäuste. Der gleiche Schmerz. Die gleiche Pein.

Schmeckte Blut. Wusste, es war seines. Ein Flüstern. Rau. Drang aus der gequälten Kehle: „Dad“

Härtere Schläge. Blutunterlaufene Augen. Ungezügelte Wut. Hatte es nur noch schlimmer gemacht. Ein Tritt gegen seine Schläfe. Sank in sich zusammen, gab sich der Schwärze hin. Sah eine Wiese. Hörte das Lachen eines kleinen Jungen. Sah einen Mann, der den Jungen auffing, als dieser auf ihn zugerannt kam. Daneben eine Frau. Kannte sie – eine vergangene Zeit.

Spürte Tränen auf seiner Haut. Wusste die Qualen waren nur ein Traum – dieses Mal.

Wusste irgendwann würden die Fäuste zu hart zuschlagen. Würde kein Knacken mehr hören. Würde nicht mehr schreien. Würde nicht mehr weinen. Wusste es würde niemanden interessieren. Sie würden es hinnehmen. Schweigend. Vielleicht auch traurig. Aber sie würden alle vergessen.

Denn Menschen sterben leise. Der Tod schleicht lautlos durch ihr Leben, wie der Wind. Sie wissen, dass er kommen wird. Doch sie verdrängen es, bis er zuschlägt, bis es zu spät ist. Die Leute um sie herum leben weiter, als wäre nichts geschehen. Und die Spur im Sand, die ihr Leben war, würde der Wind verwischen, als hätten sie nie existiert. Denn Menschen sterben leise.

Wünschte sich es wäre so. Würde nichts mehr sehen. Würde nichts mehr hören. Würde nichts mehr fühlen. Wäre frei.

~*~*~*~

Am nächsten Morgen war wieder alles wie eh und je.

Spike, Angel, Gunn und Xander kamen in die Sunnydale High, verspotteten Willow und gingen dazu über, mit Anya, Dawn und Cordy zu flirten. Die Einzige, die dabei aus der Reihe fiel, war Faith. Spike und sie hatten immer wieder ein Techtelmechtel, sodass eigentlich keiner genau wusste, ob sie zusammen waren, oder nicht. Der Cliquenführer gab nichts darauf, dass sie nicht zu den typischen Cheerleadermädchen gehörte. Im Gegenteil, Faith kleidete sich grundsätzlich in Leder, nahm sich was sie wollte, konnte durchaus auch gut zuschlagen und legte keinen großen Wert auf eine feste Beziehung. Sie war die perfekte „Freundin“ für Spike, der meist keine große Lust hatte, sich um „sein“ Mädchen zu kümmern.

Willow schien es, als hätte es den gestrigen Nachmittag nie gegeben. War es wirklich zu viel verlangt sie einfach mal in Ruhe zu lassen? Sie wollte nicht, dass er sie grüßen würde, oder so ähnlich, aber einfach mal vorbeizugehen, ohne einen dämlichen Kommentar abzugeben, könnte er ihrer Meinung nach schon einmal versuchen. Na ja, Wunder geschahen nun mal selten.

~*~*~*~

Genüsslich zog Spike an seiner Zigarette, das Klingeln der Schulglocke ignorierend. Eigentlich sollte er sich spätestens jetzt auf den Weg ins Klassenzimmer machen, doch Lust hatte er keine. Was würde es ihm auch bringen? Mrs. Burkle würde wieder irgendetwas aus verstaubten Geschichtsbüchern vorlesen, was ihn in Endeffekt einen Scheißdreck interessierte.

Und was das Schuljahr betraf, so hatte Willow vollkommen Recht, wenn sie sagte, er würde es nicht schaffen. Für was sich also noch plagen? Es hatte ohnehin keinen Zweck.

Sein Blick wanderte über den Schulhof hin zur Straße, wo er sein Motorrad geparkt hatte. Was gäbe er jetzt darum, sich auf die Maschine zu setzen und einfach Kilometer um Kilometer über den Highway zu jagen.

Aber andererseits hatte er noch eine Wette mit Willow offen. Sollte er ihr wirklich den Triumph gönnen? Er könnte ja erst einmal dafür sorgen, dass seine Ehre aufrecht erhalten wurde. Später könnte er immer noch seiner Wut auf ihn freien Lauf lassen, ein Boxsack wäre dafür wahrscheinlich ohnehin besser geeignet.

Er hasste ihn, weil er wusste, dass es irgendwann zuviel sein würde. Er konnte das hier einfach nicht mehr. Sein Leben war in Scherben zersprungen, doch er würde es nicht ändern können. Vielleicht wäre es besser fortzugehen. Dann hätte er keinen Ärger mehr mit der Schule und all dem Zeug. Aber wie sollte es danach weitergehen? Wohin sollte er? Es war zwecklos und verstehen würde ihn weder hier, noch woanders jemand.

Spike warf die Zigarette zu Boden, trat sie aus und machte sich, mit einem letzten sehnsüchtigen Blick zum Motorrad hin, auf den Weg in das Klassenzimmer.

~*~*~*~

Mrs. Burkle war gerade bei der Deutung einer Karikatur, als Spike das Klassenzimmer betrat. Mit einem gelangweilten Gesichtsausdruck ging er nach hinten zu seinem Platz, fläzte sich auf den Stuhl und legte die Füße auf den Tisch. Dann schlug er sein Buch auf, um sich die Zeichnung zumindest anzusehen, was ihm eine hochgezogene Augenbraue von Mrs. Burkle und erstauntes Raunen der restlichen Schüler einbrachte.

„Beehrst du uns also auch heute mal mit deiner Anwesenheit? Ich nehme an, wenn ich dir jetzt eine Strafarbeit aufbrumme, wirst du sie ohnehin nicht machen. Aber könntest du bitte wenigstens die Füße vom Tisch nehmen?“

„Meinetwegen“, ertönte die genuschelte Antwort, was Mrs. Burkle endgültig aus der Fassung brachte. Zwar kannte sie Spike noch nicht lange, doch hatte er bisher den Eindruck eines aufmüpfigen Flegels bei ihr hinterlassen. Und jetzt ließ er sich plötzlich etwas sagen?

~*~*~*~

Genießerisch legte sich Willow auf ihr Strandtuch und genoss die Nachmittagssonne. Nach der Schule waren sie und Buffy gleich zum Strand aufgebrochen, keinen Gedanken an die Hausaufgaben verschwendend.

Doch schon bald wurde die Idylle von lautem Motorbrummen unterbrochen und vier Maschinen kamen durch den Sand gebraust, um etwas weiter entfernt eine Vollbremsung hinzulegen.

Die Rothaarige blickte zu den Motorrädern und erkannte aufgrund der Lederjacken, dass es sich um Taylors Clique handelte. Zwar trugen die vier Freunde dieses Markenzeichen nicht in der Schule, doch jeder wusste auch so, dass sie sich den Phönix als Symbol gewählt hatten. Damit wollten sie sich unter den restlichen Gangs herausheben, was ihnen nach einigen Prügeleien auch tatsächlich gelungen war.

~*~*~*~

Xander sah nervös in Spikes Richtung. Ob er mit ihm reden könnte? Der Zeitpunkt könnte nicht günstiger sein, da Angel und Gunn sich zu Vi und ihrer Austauschschülerin Ampata gesellt hatten. Sie würden wohl nicht all zu schnell wieder kommen. Taylor selbst stand jedoch noch neben seinem Motorrad, wahrscheinlich sucht er Drusilla und Darla.

Mit einem unsichern Gesichtsausdruck trat der Braunhaarige an den Cliquenführer heran.

„Spike? Kann ich dich mal was fragen?“

„Hm“, brummte dieser nur, den Blick weiter auf den Strand gerichtet.

„Ich... ähm... es gibt da dieses Mädchen. Ich hatte mich mit ihr verabredet, aber... es war der totale Reinfall, ich habe mich wie ein Idiot aufgeführt. Nur... fand ich sie ganz... ansprechend... eigentlich mehr als das... jedenfalls weiß ich jetzt nicht, wie ich’s anstellen soll, dass sie noch einmal einem Date mit mir zustimmt.“

Die letzten Worte hatte Xander ganz schnell vor sich hingebrabbelt, weshalb Spike Mühe hatte, ihn zu verstehen.

„Also hast du’s dir bei ihr versaut? Triff dich mit einer Anderen.“

„Nein, also... ich... ich wollte sie wiedersehen. Für dich und die Anderen klang das jetzt vielleicht doof und ihr werdet mich für ein Weichei halten, aber... da war etwas... besonderes an ihr. Sie... sie hat mich fasziniert.“

Der Cliquenführer wandte erstaunt seine volle Aufmerksamkeit dem Dunkelhaarigen zu. Er zog fragend die Augenbraue nach oben.

„Sag bloß, dich hat’s erwischt? Du weißt schon, was das für dein Image bedeutet?“

„I-Ich... m-mein... s-sie“

„Komm wieder runter, ich werde dir nicht den Kopf dafür abreißen. Aber an deiner Stelle würde ich aufpassen, dass Angel und Gunn nichts mitkriegen. Und was das Girl betrifft, so brauchst du dich nur zu entschuldigen, falls es Anya sein sollte. Die hat selber eine ziemlich große Klappe.“

~*~*~*~

Nachdem Willow sich mit Buffy in der Sonne geaalt hatte, waren die beiden erst relativ spät vom Strand zurückgekommen. Doch das hielt die Rothaarige nicht davon ab, noch einmal in den Chatroom zu gehen und mit „Bloody-Vampire“ zu schreiben.

Dark-Witch: „Hi du! Und, was hast du heute so gemacht? Die Tyranneien deiner Lehrer überlebt? Oder bist du Amok gelaufen? *lol*“

Bloody-Vampire: „Kommt ganz drauf an... im Gegensatz zu sonst war ich heute richtig friedlich *eg* Und Amok gelaufen bin nicht ich, sondern die Köchin – will gar nicht wissen, was in der Pampe alles drin war. Ist der Fraß bei euch auch so widerwärtig?“

D-W: „Jepp. Panierte Regenwürmer mit den Resten des 4-Gänge-Menüs im nächstbesten Hotel – von letzter Woche. Dazu einen Schuss Echsenblut mit einem Hauch von Salzsäure... überleben das die Teller?“

B-V: „Kommt ganz drauf an, woraus die hergestellt wurden. Ich jedenfalls hab den Fraß nicht runtergezwängt, somit werd ich dir also noch eine Weile erhalten bleiben *gg*“

D-W: „Na, da bin ich ja beruhigt ;) Wie war das gleich noch mal mit der Schule in die Luft jagen? *lol*“

B-V: Wir sollten uns wohl so langsam mal ernsthaft Gedanken drüber machen... gehst du eigentlich gerne surfen?“

D-W: „Ähm,... wenn ich ehrlich bin, dann hab ich’s noch nie probiert. Du etwa?“

B-V: „Des öfteren. Dann kann ich ja noch nen bissel vor dir angeben *lol* Hättest du Lust, es vielleicht irgendwann mal zu probieren?“

D-W: „Ich weiß nicht, bin eigentlich nicht gerade sportlich. Aber vielleicht bringst du’s ja fertig, dass ich es mal versuche?“

~*~*~*~

Am Freitagmorgen kam Spike zum ersten Mal pünktlich in den Geschichtsunterricht, was vermutlich daran lag, dass die Leistungskontrolle stattfand. Und um genau diese hatte er ja schließlich mit Willow gewettet. Er hatte sich entschlossen die kleine Rothaarige zumindest vorerst in Ruhe zu lassen, denn umso schöner würde es werden sie zu ärgern, wenn er erst einmal gewonnen hatte.

Mit einer Zigarette zwischen den Lippen fläzte sich Spike auf seinen Platz und wartete darauf, dass Mrs. Burkle aus ihrem Erstaunen erwachen und den Test austeilen würde.

~*~*~*~

Verwundert sah Willow zu Spike. Seit wann wusste er über Geschichte Bescheid? Die ganze Woche hatte sie versucht, ihn zum Lernen zu bringen – erfolglos. Und plötzlich konnte er den gesamten aktuellen Lehrstoff. Dabei hatte sich sein übliches Verhalten nicht wirklich geändert. Er hatte sich ihr gegenüber zwar die ganze Zeit wie ein Arschloch benommen, indem er zu allem, was sie sagte, doofe Kommentare abließ. Aber im Gegensatz zu anfangs, hatte sich sein Benehmen doch etwas gebessert.

Willow schüttelte den Kopf und sah zu Spike, nur um festzustellen, dass er sie anstarrte, natürlich mit seinem arroganten Grinsen auf den Lippen.

„Na Red? Beeindruckt von meinem Können? Willst du lieber doch noch deine Wette zurückziehen?“

Die Rothaarige seufzte. Spike war eingebildet, wie eh und je. Dabei hatte sie beinahe Mitleid mit ihm gehabt, als sie erfahren hatte, was für Freunde Angel, Gunn und Xander waren.

Jetzt allerdings schien es ihr, als sei Spike genauso oberflächlich und machomäßig. Gleich und gleich gesellt sich eben gern.

„Ich stehe zu dem, was ich sage. Und wenn ich auch zugeben muss, dass ich es dir nicht zugetraut hätte das, was ich gefragt habe, alles zu wissen, werde ich das Gefühl nicht los, dass ein Trick dabei ist. Falls nicht, bin ich dennoch der Meinung, dass dein Eifer nicht lange anhalten wird. Wir werden ja sehen... also, was kannst du mir zur Weltwirtschaftskrise erzählen?“

~*~*~*~

Am Samstagsmorgen wurde Willow schon früh von den ersten Sonnenstrahlen, welche auf ihr Bett fielen, geweckt. Ein seliges Lächeln erschien auf ihrem Gesicht, als sie daran dachte, dass sie heute endlich, endlich „Bloody-Vampire“ kennen lernen würde. Nachdem Buffy für sie ein Treffen mit ihm organisiert hatte, konnte sie an nichts anderes mehr denken.

Ob er wohl in Wirklichkeit auch so nett sein würde, wie am Computer? Wie er wohl aussah? Und ob sie ihn kannte? Oh, wenn es doch nur schon soweit wäre.

Nur gut, dass Buffy später vorbeikommen wollte, um ihr zu helfen. Es war gerade mal Vormittag und sie wuselte jetzt schon wie eine Verrückte herum. Wie hatte sie es nur geschafft die ganze Nacht durchzuschlafen?

~*~*~*~

Spike überprüfte noch ein letztes Mal sein Aussehen, bevor er zum Bronze abbiegen würde. Zwar wusste er, dass er in den engen Jeans und dem Muscle-Shirt einfach nur klasse aussah, aber er hatte schließlich einen Ruf zu verlieren. Normalerweise hätte er kein Hemd darüber gezogen, aber er wusste nur zu gut, dass es das blau seiner Augen betonte. Und außerdem konnte er ja zumindest so tun, als wäre er ein wohlerzogener Teenager. Schließlich wollte er seine unbekannte Chatfreundin nicht gleich beim ersten Treffen schocken.

Spike setzte ein freundliches Lächeln auf und ging auf das Bronze zu, wo er schon von weitem seine „Dark-Witch“ erkennen konnte. Sie hatte ihm den Rücken zugewandt, weshalb er es sich nicht nehmen ließ, sie eingehend zu betrachten.

Ihre Haare schimmerten rotgold im Sonnenlicht und die kleinen Klipser, mit welchen sie sie hochgesteckt hatte, glänzten wie winzige Diamanten. Eine silberne Kette schmückte ihren zarten Hals und das enganliegende, schwarze Top betonte ihre schlanke Figur. Ihre Haut war sowohl an den freien Schultern, als auch an den Beinen, von denen ihr kurzer Rock nicht all zu viel verdeckte, braungebrannt.

Ob sie wohl in den letzten Tagen auch am Strand gewesen war? Bestimmt, nur warum war sie ihm nicht aufgefallen?

Sein Blick wanderte weiter zu ihren feingliedrigen Füßen, welche in schwarzen Sandalen mit dünnen Lederriemchen steckten.

Eigentlich hätte er nichts gegen ein wenig Abwechslung, aber andererseits war sie fast zu schade für seine Spielchen, denn er hatte noch nie vorgehabt mit einer seiner Freundinnen etwas Ernsthaftes anzufangen. Im Chat hatte er nicht nur gemerkt, dass sie unheimlich nett war, sondern auch intelligent.

Sie war die Einzige gewesen, mit der er hatte wirklich reden können. Bei ihr hatte er nie Angst haben müssen, sein Image zu verlieren. Es gab zwar Dinge, über die er auch mit ihr nicht hatte schreiben wollen, aber er war bei Sachen ehrlich gewesen, die sonst keiner über ihn wusste.

Ob es wirklich eine so gute Idee gewesen war, sich mit ihr zu treffen? Vielleicht würden sie sich gar nicht mehr leiden können, nachdem sie sich kannten. Doch vielleicht würden sie auch gute Freunde werden und er würde weiter mit ihr chatten?

Mit dem Entschluss, dass er es nie erfahren würde, wenn er jetzt ging, räusperte sich Spike, um die Rothaarige auf sich aufmerksam zu machen.

~*~*~*~

Willow fuhr erschrocken herum, als sie das Räuspern hinter sich vernahm, doch was sie sah, ließ sie erstarren: Spike!

Er schien nicht minder überrascht zu sein, und kaum, dass sich die beiden erkannt hatten, erklang es wie aus einem Munde: „DU?“
 

Teil 7

 

Willow fuhr erschrocken herum, als sie das Räuspern hinter sich vernahm, doch was sie sah, ließ sie erstarren: Spike!
 

Er schien nicht minder überrascht zu sein, und kaum, dass sich die beiden erkannt hatten, erklang es wie aus einem Munde: „DU?“

Geschockt taumelte Willow ein paar Schritte zurück und lehnte sich an die Hauswand.
„D-Du b-bist Bloody-Vampire?“
 

Auch Spike hatte seine blauen Augen weit aufgerissen und begann zu Willows Erstaunen zu stottern: „J-Ja.“
 

Eine unangenehme Stille entstand, da keiner von beiden wusste, was er sagen sollte. Die letzten Wochen hatten sie fast ständig miteinander gechattet, ohne zu erkennen, wer der jeweils Andere war. Und das, obwohl sie sich in letzter Zeit beinahe täglich sahen – nicht nur in der Schule.

Spike fand schließlich seine Sprache wieder. „Ähm... hör zu Willow. Ich... es hat Spaß gemacht mit dir zu schreiben, das will ich nicht abstreiten... aber... ich... das mit dem Treffen war keine so gute Idee.“
Die Rothaarige stand noch immer wie erstarrt vor ihm, und ihre Antwort war mehr gemurmelt, denn gesprochen: „J-Ja. Ich... geh dann mal wieder... das hier... ist nie passiert.“
 

Mit diesen Worten wendete sie sich ab und ging wie eine Marionette zurück zu der Straße. Jeder der sie so gesehen hätte, hätte meinen können, dass sie ihre Umwelt überhaupt nicht mehr wahrnahm, doch ein trauriges Lächeln verriet, dass sie Spikes Worte sehr wohl hörte.
„Zieh solche Klamotten doch mal in der Schule an!“

~*~*~*~

Kaum, dass Willow zu Hause war, ging sie auf ihr Zimmer, legte sich auf das Bett und begann zu grübeln. Nie im Leben hätte sie auch nur im entferntesten Sinne vermutet, dass ausgerechnet Spike sich hinter „Bloody-Vampire“ verbarg. Die beiden waren selbst dann noch von Grund auf verschieden, wenn man beachtete, dass der Gangführer an seiner alten Schule völlig normal gewesen war.

Spike hatte eine viel zu große Klappe, ließ immer irgendwelche obercoolen Bemerkungen ab, war ständig mit seiner Clique unterwegs und liebte es sein Bad Boy Image auszuleben.

„Bloody-Vampire“ hingegen hatte solche Typen als doof bezeichnet, war immer nett gewesen – sie hatte mit ihm über nahezu alles schreiben können – und hatte sie aufgeheitert, wenn sie an sich selbst gezweifelt hatte. Außerdem hatte er mit ihr auch darüber geredet, dass er seinen Vater nicht leiden konnte und ähnliches, er hatte ihr ein Stück seiner Seele anvertraut.

Spike war unnahbar und arrogant. Das einzige Mal, dass er etwas von sich preisgegeben hatte, war bei dem Gespräch über seine Freunde gewesen. Doch er hatte ihr keine Chance gelassen etwas zu erwidern. Stattdessen war sein Gesichtsausdruck wieder überheblich geworden und er hatte einen bissigen Kommentar in ihre Richtung geschleudert.

Wenn Spike und „Bloody-Vampire“ ein und dieselbe Person waren, was brachte ihn dann dazu, sich so zu verstellen? Warum zog er vor allen eine Show ab und versteckte sich hinter einer Maske? Was war damals in Las Vegas geschehen? Irgendeinen Grund musste es doch geben.
Kein Mensch würde nur aus Coolness seine Persönlichkeit dermaßen verstellen. Ob er mit ihr reden würde? Im Chatroom hatten sie sich schließlich auch immer gut verstanden. Nur weil er jetzt wusste, wer sie war, musste er ja nicht gleich abschalten, oder? Er hatte ja selbst gesagt, dass es ihm Spaß gemacht hatte mit ihr zu schreiben.

Mit dem Entschluss Spike noch ein paar Tage Zeit zu lassen, um sich an den Gedanken, dass die „Dark-Witch“ war, zu gewöhnen, ging Willow zum Telefon, um Buffy über den Ausgang des Treffens zu informieren.

~*~*~*~

Die Nacht hatte sich über Sunnydale gelegt und das Licht der wenigen Straßen erzeugte gespenstische Schatten an den Hauswänden. Manche Leute behaupteten, die Schatten wären böse Geister, die durch geöffnete Fenster in die Zimmer der Schlafenden krochen und ihnen Albträume brächten – zumindest bei einem Haus in der kalifornischen Kleinstadt sollten sie Recht behalten.

Dort warf sich ein Teenager unruhig auf dem Bett hin und her, auf seiner Stirn lag kalter Schweiß – ein Zeichen von Furcht – und er wimmerte im Traum.
Flüsterte jene Worte wie eine Mantra vor sich hin: 

„Versager. Hurensohn. Du bist schuld. Du bist es nicht wert, zu leben!“
 

Tränen liefen über sein Gesicht, während ihn die Bilder verfolgten. Ein großer Raum tauchte vor seinen Augen auf. Sah eine Kommode. Daneben eine Tür zur Küche. Bemerkte die Sonnenstrahlen. Hell und warm.
 

Doch dann plötzliche Kälte. Eine Person. Sperrte das Licht aus dem Raum. Gänsehaut. Wich einen Schritt zurück. Angst. Wollte schreien. Konnte nicht. Ein schallender Schlag. Der Abdruck einer Hand auf seiner Wange. Stürzte durch die Wucht. Fiel mit dem Rücken gegen die Kante der Kommode.
Ein erstickter Schrei. Konnte für einen Moment nicht atmen. Dann der Schmerz. Trieb ihm Tränen in die Augen. Schluchzen.
 

Sah blanken Hass. Ein Tritt. Der Drang zu husten. Spuckte Blut. Wollte aufstehen und sich wehren. Konnte nicht. War gelähmt vor Angst. Rollte sich zusammen. Spürte weiterhin die Schläge. Brutale Fäuste. Aufgeplatzte Haut. Mit Tränen vermischtes Blut. Fühlte, dass seine Kraft schwand. Sehnte sich nach der Schwärze.
 

Wollte das Bild aus rot nicht mehr sehen. Wollte überhaupt nichts mehr sehen. Wollte nichts mehr hören. Wollte nichts mehr fühlen.
 

Wusste der Schmerz würde nachlassen. Mit der Zeit. Wusste, da würden neue Wunden sein. Durch dieselben Fäuste.
Lebte mit der Angst. Versuchte, zu vergessen – vergebens.

~*~*~*~

Es war bereits Sonntagabend, als Willow zum ersten Mal an diesem Wochenende auf ihr Laptop blickte. Wider Erwarten befand sich eine E-Mail von „Bloody-Vampire“ in ihrem Posteingang.

„Hi Willow!
Eigentlich ist es nicht meine Art, mich bei jemandem zu entschuldigen, aber ich habe mich heute echt blöd benommen. Ich war ganz einfach geschockt, dass ausgerechnet du „Dark-Witch“ bist. Ich meine, du warst so richtig locker und witzig im Chat.
In der Schule bist du dagegen immer so schüchtern. Okay, das ist vermutlich auch kein Wunder, so wie ich dich immer niedermache. Ich habe bisher einfach nie darüber nachgedacht, dass ich dich damit verletze. Es hat mir Spaß gemacht über andere zu spotten und zu lachen, ich habe nicht daran gedacht, wie sie sich dabei fühlen.
Auch bei dir nicht... als ich dich dort vorm Bronze gesehen habe, ist mir etwas aufgefallen. Ich sagte du seiest hässlich, aber das stimmt nicht. Du brauchst dich nicht hinter solchen Klamotten, wie du sie sonst trägst, zu verstecken. Du bist hübsch, du musst nur mehr aus dir machen. Wenn du solche Sachen wie gestern in der Schule anziehen würdest, würde dich die Hälfte der Leute überhaupt nicht wiedererkennen.
Ich war ein Arschloch und es tut mir leid. Ich habe keine Ahnung, ob ich mir die Kommentare dir gegenüber so schnell abgewöhnen kann, aber ich werde es versuchen.
Als ich mit dir gechattet habe, war es für mich so, als wären wir Freunde – richtige Freunde. Du weißt mehr über mich, als irgendjemand sonst, doch es ist mir egal. Normalerweise würde ich nie jemandem erzählen, dass ich Shakespeare lese, oder dass ich meinen Vater hasse. Aber als ich mit dir geschrieben habe, ist es mir einfach so rausgerutscht. Doch du hast nicht gelacht, sondern dich sogar dafür interessiert.
Ich weiß nicht, ob du noch mit mir schreiben willst, nachdem du weißt, wer ich bin. Aber ich würde es gern tun.
William“


Willow glaubte ihren Augen nicht zu trauen, als sie die Mail las. Nicht nur, dass Spike sich bei ihr entschuldigt hatte, weil er sie ständig beleidigte, er wollte auch von sich aus weiter mit ihr chatten. Doch das, was sie am meisten erstaunte, war, dass er mit seinem richtigen Namen unterzeichnet hatte. Demnach meinte er es also wirklich ernst.
Ein neugieriges Funkeln spielte in den Augen der Rothaarigen, als sie sich im Chat einloggte.


Dark-Witch: „Ich stimme dir bei deiner Mail voll und ganz zu. Du warst ein Arschloch. Aber das heißt nicht, dass es sich nicht ändern kann.
Nur in einem Punkt hast du Unrecht. Ich weiß nicht WER du bist, sondern nur, wer du vorgibst zu sein. Ich habe zwei total verschiedene Personen kennen gelernt und festgestellt, dass sie in Wirklichkeit eine sind. Ich weiß nicht, wie ich das miteinander verbinden soll, doch vielleicht gibst du mir die Chance es herauszufinden.“

Bloody-Vampire: „Sagen wir es so: Ich habe in der Schule einen gewissen Ruf zu verteidigen und da wirkt es ziemlich dämlich, wenn alle wissen, dass ich Shakespeare lese. Verstehst du das?“

Dark-Witch: „Ganz ehrlich? Jein. Ich habe damit nicht auf solche privaten Dinge angespielt, sondern auf dein allgemeines Verhalten. Ist eine Clique, von der du selber sagtest, dass es keine richtigen Freunde sind, es wert, sitzen zu bleiben?
Ich glaube dir jetzt nicht mehr, dass es dir so egal ist, wie du behauptest. Und wenn du auf deine Beleidigungen verzichten würdest, hättest du vielleicht sogar richtige Freunde. Angel, Gunn und Xander sind es nicht wert deine Zukunft aufs Spiel zu setzten!“

Bloody-Vampire: „Vermutlich nicht. Aber das Schuljahr ist für mich eh gelaufen, ich schaff es niemals, in Geschichte zu bestehen. Und Xander ist nicht so schlimm wie die anderen beiden. Eigentlich ist er nett und ehrlich. Er hat in uns nur die falschen Freunde.“

Dark-Witch: „Wenn er so ist, wie du glaubst, dann ist es ihm egal, ob du weiter alle beleidigst oder nicht. Und du bist nicht so wie Angel und Gunn.
Ich muss zugeben, dass ich dir gegenüber auch nicht ganz fair war. Ich habe mich in deine Schulakte eingehackt. Deswegen weiß ich auch, dass der Spike, den wir alle kennen, erst seit der 7. Klasse existiert. Was ist damals passiert, dass du dich so verändert hast?“

Bloody-Vampire: „Das geht weder dich, noch sonst jemanden etwas an!“


Verwirrt sah Willow auf den Bildschirm. Gerade eben war Spike noch vernünftig, ja beinahe freundlich gewesen und plötzlich fuhr er sie an. Warum reagierte er bloß so aggressiv auf dieses Thema?

~*~*~*~

Am nächsten Morgen traf Spike bereits vor der Schule auf Gunn, Angel und Xander. Sonst war er immer eher da gewesen, doch heute hatte er sich noch den Kopf zerbrochen, wie er die morgendliche Szene an Willows Spind übergehen könnte.
Mit einem Nicken grüßte er den Rest der Clique, stellte sein Motorrad ab und nahm den Helm vom Kopf. Dabei traf sein Blick auf Willow, welche gerade mit Buffy die Treppe hochging. Erstaunt stellte er fest, dass sie sich zumindest teilweise an seinen Tipp gehalten hatte. Statt einem der üblichen Graue-Maus-Kleider, trug sie das schwarze Top von vorgestern, dazu ein Paar Bluejeans.
Seine Gedanken wurden jedoch von Angel unterbrochen.

„Hey Spike! Du bist spät dran.“
„Ich weiß. Aber dafür seh ich nicht so übernächtigt aus, wie du. Cordelia ist wohl schon wieder abgeschrieben, hä?“
„Nicht direkt. Sagen wir, nach Cordy ist Harmony eine willkommene Abwechslung - solange sie den Mund hält“, erwiderte der Dunkelhaarige mit einem dreckigen Grinsen.
Spike lachte ebenfalls, doch Xander kam es ein wenig gekünstelt vor. Wo der Blonde wohl mit seinen Gedanken war? Und ob Spike wirklich so oberflächlich wie Angel und Gunn war? Bisher hatte er es gedacht, aber spätestens, als er mit ihm über Anya gesprochen hatte, war ihm klar geworden, dass er den Blonden eigentlich überhaupt nicht kannte.

~*~*~*~

Kaum, dass die Clique im Klassenzimmer war und somit unter sich, schnauzte Angel Spike an: „Was sollte das denn? Wieso sind wir an Willow vorbei gegangen, ohne sie zu belappen?“
„Ich wüsste nicht, seit wann du bestimmst, was wir machen? Mir war eben gerade nicht danach. Und damit hast du gefälligst die Fresse zu halten!“
„Du bist lasch geworden. Sieh dich doch mal an! Erst nimmst du Nachhilfe bei dieser Mülltüte, dann triffst du dich kaum noch mit Faith. Letztens habe ich dich sogar beim Rennen geschlagen, ohne, dass du auch nur einmal geflucht hast. Aber dass du jetzt ohne Beleidigungen durch den Schulflur gehst, übertrifft alles. So etwas wäre dir früher nie passiert!“

Angel hatte sich vor dem Cliquenführer aufgebaut und fast hatte es den Anschein, als würden sich die beiden gleich auf den jeweils Anderen stürzen und durch den gesamten Raum prügeln.

„Wo ist dein Problem „Liam“?“
Spike spie den wirklichen Namen seines Gegenübers nahezu.
„Es geht dich einen Scheißdreck an, was ich mache und was nicht. Wenn es dir nicht passt, dann geh!“
„Nein, du wirst gehen! Gunn?“, setzte der Dunkelhaarige entgegen.
„Angel hat Recht, Spike. Du bist zu lahm geworden. Früher warst du echt cool, aber jetzt... du bist keiner mehr von uns! Xander?“

Doch bevor Xander irgendetwas sagen konnte, hallte Spikes eiskalte Stimme durch den Raum. Es war nur ein Satz, doch er war mächtig genug, um die Zeit in jenem Zimmer für Bruchteile von Sekunden gefrieren zu lassen.
„Ich bin nie einer von euch gewesen!“
Nichts war mehr von der vorherigen Wut des Blonden zu merken, er sprach diese Worte vollkommen emotionslos aus, als wäre es nicht er, der redete, sondern jemand anderes. Und mit eben diesem Ton sagte er viel mehr, als er es mit Zorn, Schreien, Prügeleien oder Fluchen je gekonnt hätte.

~*~*~*~

Nachdem Spike gegangen war, hatte sich Stille über die restlichen Cliquenmitglieder gesenkt, bis Angel erwartungsvoll in Xanders Richtung sah. Doch entgegen den erhofften Worten, wendete sich dieser ab.

„Du bist ein mieses Schwein, Angelus! Den Namen eines Engels hast du nicht verdient! Für dich sind Menschen nur Spielzeuge, die du benutzt, wie es dir gerade passt.
Du warst von Anfang an eifersüchtig auf Spike, weil er alles besser konnte, als du. Besser kämpfen, besser Motorrad fahren, besser Skateboarden, bessere Sprüche loslassen, besser Mädchen um den kleinen Finger wickeln.
Du hast immer darauf gewartet, dass er einen Fehler macht, einmal sein Ziel verfehlt.
Jetzt hast du bekommen, was du wolltest. Aber ohne mich! Ich habe lange gebraucht, aber meine Augen sind endlich geöffnet. Du bist nichts weiter, als Abschaum.
Und du“, Xander nickte Gunn zu, „bist keinen Deut besser als er!“

 

Teil 8

 

Der Rest des Tages verlief eher ruhig, sah man einmal davon ab, dass sich Spike und Angel mit Blicken zu ermorden versuchten und Mrs. Burkle die Geschichtstests kontrolliert hatte.
Willow war ziemlich erstaunt gewesen, weil Spike sein Versprechen gehalten hatte, doch was sie wirklich überrascht hatte war, dass er Angel und Gunn aus dem Weg ging. Noch heute Morgen waren sie vollkommen normal in die Sunnydale High gekommen, und nun sprach der Blonde nur noch mit Xander.

~*~*~*~

Am Dienstagnachmittag ging Willow wieder zu Spike, denn selbst wenn er die Wette gewinnen würde, hatte er noch eine Menge nachzuholen. Diesmal fing er sie jedoch schon am Tor ab und begrüßte sie wesentlich freundlicher als sonst.
„Hi Willow! Lernen wir draußen? Ich habe im Garten zwei Stühle hingestellt und die Bücher hab ich auch schon runtergeholt.“

Auf Willows Gesicht erschien ein Lächeln und sie stellte erstaunt fest, dass der Blonde darauf verzichtet hatte, sich die Haare zu gelen. Außerdem trug er im Gegensatz zu sonst kein schwarzes Muscle-Shirt, sondern ein weißes. Genau wie bei ihrem Treffen vor dem Bronze hatte er ebenso auf sein arrogantes Grinsen verzichtet.
Ob sie ihm sagen sollte, dass er viel attraktiver aussah, wenn er lachte? So wie jetzt hatte sie ihn noch nie erlebt, er war ganz... normal – ein anderes Wort fiel ihr einfach nicht ein.
Eine leichte Röte stieg in Willows Wangen, als sie daran dachte, dass Spike nicht normal, sondern wesentlich besser aussah, als andere Typen.

Erst seine dunkle Stimme riss sie aus ihren Gedanken. Warum hatte sie diesen sexy Akzent eigentlich noch nie bemerkt?
„Hey Red, träumst du? Oder bist du ganz einfach von meinem Aussehen geblendet?”
Empört wollte die Rothaarige protestieren, doch sie bemerkte an seinem frechen Grinsen, dass er es nicht ernst gemeint hatte. Okay, sie gab ja zu, dass er überdurchschnittlich gut aussah, aber sie war doch nicht in ihn verliebt.

„Ganz sicher nicht. Ich frage mich nur gerade, wie es um unsere Wette steht? Mrs. Burkle hat die Leistungskontrolle gestern zurückgegeben, also?“
„Deswegen bist du ja hier, oder? Die Wette“, Spike legte eine bedeutungsvolle Pause ein und sah mit blitzenden Augen zu Willow, welche ihn gespannt anstarrte. Dann holte er einen zusammengefalteten Zettel hervor und tat so, als müsse er ganz scharf nachdenken.
„Nun sag schon! Spann mich nicht auf die Folter, was hast du?“
Eigentlich hatte er sich vorgenommen, sie nicht mehr zu ärgern, aber ein bisschen Spaß würde ja wohl noch erlaubt sein.
„Rate mal. Ich geb dir auch nen Tipp: Es ist eine Zahl zwischen eins und sechs.“
„Ha, ha. Sehr witzig!“

Die rothaarige Schülerin sprang plötzlich nach vorne und riss dem Blonden den Zettel aus der Hand, um damit durch den Garten zu rennen. Da Spike nicht mit dieser Aktion gerechnet hatte, brauchte er eine ganze Weile, um zu begreifen, was so eben passiert war, bevor er ihr hinterher jagte.
Der Vorsprung Willows war jedoch groß genug, dass sie genügend Zeit hatte, um den Zettel zu lesen, weshalb sie abrupt stoppte und fassungslos in seine Richtung sah.
„Du hast eine Drei?“
„Yeah. Damit hast du nicht gerechnet, was? Sieht ganz so aus, als hättest du verloren.“
Doch entgegen Spikes Erwarten begann sie zu lachen.
„Na und? Ist doch toll, dass du so gut warst. Ich hätte nur erwartet, dass du’s mir schon in der Schule auf die Nase bindest.“
„Du freust dich!?“
„Klar, glaubst du im Ernst ich würde mir wünschen, dass du sitzen bleibst?“

Eine bedrückende Stille entstand, während der Blonde zu Boden sah und Willow begriff erschüttert, wie viel Wahrheit in diesem spaßig gemeinten Satz steckte.
„Oh mein Gott! Du hast wirklich gedacht, ich... Spike, ich würde so etwas niemandem wünschen. Und wer auch immer das tut, ist ein riesengroßes Arschloch!“

Der Angesprochene sah zu ihr auf und zum zweiten Mal, seit sie ihn kannte, sah sie in seinen blauen Augen ihn – das, was er dachte und fühlte, wer er war, den Spiegel seiner Seele. Sonst verbarg er all das hinter einer undurchdringlichen Wand aus Eis und Stahl – kalt und gefühllos. Das, was sie jetzt sah, waren Bedauern und Reue.
Angst kroch in ihr hoch, ohne dass sie wusste wieso. Es kam ihr vor, als würden die Sonnenstrahlen plötzlich keine Wärme mehr von sich geben. Die Vögel hatten aufgehört zu zwitschern und sie nahm ihre Umgebung nur noch wie durch einen nebligen Schleier hindurch wahr. Ein beklemmendes Gefühl stieg in ihrer Brust auf und als ihre Augen auf Spikes trafen, wusste sie den Grund. Dort waren nicht nur Bedauern und Reue, dort war auch grenzenloser Hass – doch nicht auf irgendwen, sondern auf sich selbst.
Auf einmal traf sie die Erkenntnis wie ein betäubender Schlag. Er hasste sich dafür, dass er existierte, dafür, dass er so war wie er selbst und nicht wie eines jener Vorbilder aus Filmen.

Hatte Willow bis jetzt noch an dieser Erkenntnis gezweifelt, so wurde sie spätestens von seinem bitteren Flüstern überzeugt: „Angel und Gunn tun es. Und ich habe es nicht besser verdient, denn ich habe es selbst auch getan. Ich habe manchem Menschen noch ganz andere Sachen an den Hals gewünscht, als nur eine Ehrenrunde zu drehen.“

~*~*~*~

Müdigkeit breitete sich in ihm aus, hatte keine Chance sich dagegen zur Wehr zu setzen. Seine Augen brannten wie Feuer, konnte sie kaum noch offen halten. Der Schlaf breitete unaufhaltsam seinen Mantel um ihn herum aus, übermannte ihn wie eine Droge, gegen die er nichts unternehmen konnte.
Mit dem Schlaf würden auch die Bilder kommen – Bilder voller Gewalt und Grausamkeit, ohne Gewissen. Bilder voller Kälte und Qual. Bilder voller Tränen und Hoffnungslosigkeit. Sie würden sich in seinen Verstand hineinfressen, ihn bis in seine Träume verfolgen.
Selbst wenn diese Hölle jemals enden würde, würden sie ihn daran erinnern wer, nein, was, er war. Solange er lebte würden sie dafür sorgen, dass er diese Zeit niemals vergaß.
Langsam erlosch sein Widerstand, zuviel Kraft hatte es ihn gekostet, in den letzten Nächten aufzubleiben, und die Erschöpfung forderte ihren Tribut. Nur ein einziger Wunsch erfüllte seine Gedanken, als er einschlief. Der Wunsch des Todes – wollte nichts mehr sehen. Wollte nichts mehr hören. Wollte nichts mehr fühlen.

~*~*~*~

Xander glaubte zu träumen, als er zur Tür des Bronze’ sah. Dort stand tatsächlich Anya und wartete auf ihn. Dabei hatte er eigentlich mit einer Abfuhr gerechnet, als er sie um ein Date gebeten hatte. Schließlich war er letztes Mal so stockbesoffen gewesen, dass er kaum noch hatte geradeaus laufen können. Und trotzdem hatte sie sich nach einer Entschuldigung auf ein weiteres Date mit ihm eingelassen. Zwar hatte Anya das Angebot, sie abzuholen ausgeschlagen, aber ein Treffen war ein Treffen.

~*~*~*~

Anyas Blick wanderte zur Straße hin und sie stellte erleichtert fest, dass Xander wirklich da war. Bis eben hatte sie an der Ernsthaftigkeit seiner Entschuldigung für das verpatzte Date gezweifelt, doch nun war sie sich sicher, dass Cordy, Harmony und Dawn mit ihren Warnungen im Unrecht waren. Die Drei hatten nämlich vehement versucht, Anya von der, ihrer Meinung nach schwachsinnigen, Idee, sich mit Xander zu verabreden, abzubringen. Ihre Argumente waren allerdings eher mager gewesen, wenn sie auch zugeben musste, dass sie unter anderen Umständen wahrscheinlich nachgegeben hätte.

Doch das hier waren keine anderen Umstände, hier ging es um den Jungen, auf den sie schon seit langer Zeit ein Auge geworfen hatte. Nicht nur dass er mit der kräftigen Statur und den braunen Haaren verdammt gut aussah - lediglich seine Kleidung war manchmal gewöhnungsbedürftig - er war auch noch nett, gebildet und beliebt. Das Wichtigste für sie war natürlich, dass er, wenn man den Gerüchten Glauben schenken durfte, einfach umwerfend im Bett war. Zu schade nur, dass sie erst einmal ein wenig mit ihm flirten musste, schließlich hatte sie vor, ihn etwas länger zu behalten.

Mit einem letzten prüfenden Blick in den Handspiegel ging Anya auf Xander zu, um ihn zu begrüßen.
„Hi Xander, da bist du ja endlich. Komm mit, ich will tanzen.“

~*~*~*~

Etwas weiter von der Bühne entfernt saßen Buffy und Willow mit je einem Glas Cola vor sich auf dem Tisch. Letztere hatte gerade von ihrem Nachmittag mit Spike berichtet, wobei sie sich nicht sicher war, wie viel sie ihrer besten Freundin erzählen sollte, da es ja nicht nur um sie selbst ging.
„... Jedenfalls weiß ich immer noch nicht, wie das alles zusammen passt. Einerseits benimmt sich Spike wie ein Arschloch und andererseits kann er total in Ordnung sein.
Da ist noch etwas, was mir nicht in den Kopf will. Wieso sagt er erst zu mir, dass Angel, Gunn und Xander keine richtigen Freunde sind, wenn er nur wenig später Xander mir gegenüber verteidigt? Er hat gemeint, dass Angel, Gunn und er selbst die wirklichen Mistkerle sind.“

Buffy, die nicht wirklich verstand, was die Rothaarige gerade vor sich hinbrabbelte, sah sie nur entgeistert an.
„Häh? Was denn nun? Sind es jetzt seine Freunde, oder nicht?“
„Na, das ist es doch eben, was ich nicht kapiere! Ich dachte, dass du mir vielleicht helfen kannst.“
Doch zu Willows Enttäuschung schüttelte die Blonde nur mit dem Kopf und deutete auf die Tanzfläche.
„Ich kenne Spike noch weniger als du. Aber dort drüben sind Xander und Anya, frag ihn doch.“
„Wie bitte? Die beiden gehen noch einmal miteinander aus? Hat Dawn nicht lauthals verkündet, dass Xander sich wie ein Höhlenmensch benehmen würde?“
Buffy begann zu lachen, da sie Dawn nicht unbedingt gut leiden konnte und sich jedes Mal freute, wenn diese einen Dämpfer bekam. Und wenn sie von diesem Abend erfuhr, würde sie garantiert ausrasten.
„Du kennst doch Anya. Sie sagt nicht nur was sie denkt, sie tut es auch. Dagegen können auch die anderen gackernden Weiber um sie herum nichts tun. Hätte sie nicht so wahnsinnig viel Geld, wäre sie bei denen schon lange unten durch.
Wenn du mich fragst, dann würden Anya und Xander ganz gut zusammenpassen, die zwei sind mir von den angesagten Leuten am sympa... sympatierendes... ach, die sind am nettesten.“

~*~*~*~

Das Klingeln der Schulglocke ließ Spike zusammenfahren. War er etwa schon wieder im Unterricht eingeschlafen? Na ja, selbst wenn, war ja nur Mathe gewesen und in zwei Tagen wäre ohnehin Wochenende. Obwohl er lieber in die Schule gegangen wäre, als zu seinem Vater zu fahren, denn auf den konnte er wirklich getrost verzichten.

Mit dem Entschluss, dass ihm Trübsal blasen nun auch nicht weiterhalf, stand er auf und schlenderte durch den Flur der Sunnydale High. Normalerweise hätte er sich mit Angel, Gunn und Xander auf dem Schulhof getroffen, doch jetzt war er ja nicht mehr in der Clique. Und der Einzige, der von den Dreien noch mit ihm sprach, knutschte momentan mit Anya rum. Wahrscheinlich würden die beiden bald in die nächste Besenkammer verschwinden. Wenigstens schien Xander sein Date mit ihr nicht wieder vermasselt zu haben.
Vielleicht würde er ja auch zu Willow gehen, wäre da nicht die Tatsache, dass er ihr in den letzten Jahren das Leben zur Hölle gemacht hatte.

Betrübt ging Spike nach draußen, setzte sich auf sein Motorrad und fuhr durch die Straßen, bis er schließlich an dem alten Platz ankam, wo er und „seine“ Gang die Schanzen aufgebaut hatten. Es war auch der Platz, wo sie sich zusammengetan und die Clique gegründet hatten. Es war der Platz, wo sie so viele Siege gefeiert hatten, wo sie über so vieles gelacht hatten. Es war der Platz, an den er immer gegangen war, um seine Wut abzulassen. Es war der Platz, an dem er den Phönix als ihr Symbol vorgeschlagen hatte. Und es würde auch der Platz sein, an dem es enden würde.
Spike wusste nicht wieso, aber obgleich er zumindest Angel und Gunn nie wirklich hatte leiden können, fühlte er so etwas wie Trauer. Als hätte er etwas verloren, von dem er nie wusste, dass es überhaupt existiert hatte. Sie waren ihm nie richtige Freunde gewesen, doch er hatte mit ihnen lachen können.

Nachdem er sich noch einmal umgesehen hatte, um auszuschließen, dass außer ihm jemand hier war, nahm er seine schwarze Lederjacke und legte sie auf die älteste jener Rampen, die sie errichtet hatten. Da lag er also, der Phönix. Ein Vogel, der hätte ewig leben sollen – ihr Symbol, ihr Zeichen, dass ihre Gang einzigartig gewesen war.
Er hatte seine Augen noch immer auf das graue, schemenhafte Bildnis gerichtet, während er einen versteckten Benzinkanister hervorholte und den Inhalt über die Jacke schüttete. Danach nahm er sein Feuerzeug und zündete sie an.
Mit trüben Augen sah Spike zu, wie sich die Flammen in das Leder hineinfraßen und dort ihre Spuren hinterließen. Der Phönix verbrannte zu Asche. Der Sage nach würde er verbrennen und aus seiner Asche wiederauferstehen - genau das war der Grund, warum ihr Symbol falsch gewesen war. Dieser Phönix würde nicht aus dem Feuer wiedergeboren werden.

Nach einer Weile wandte sich Spike wieder seinem Motorrad zu, stieg auf die Maschine und fuhr davon. Vielleicht konnte er sein Leben nicht komplett verändern, manche Dinge würden immer so bleiben, aber er hatte die Chance es zu verbessern.
Angel, Gunn und Xander würden die Reste der Jacke finden und wissen, was es zu bedeuten hatte.
 

 

Teil 9

 

Es war bereits dunkel, als Willow sich im Chat einloggte, um noch ein wenig mit Spike zu schreiben. Sie hatte erst vor der letzten Stunde bemerkt, dass er nicht in der Schule gewesen war, da sein Motorrad verschwunden war. Aber wieso war er gegangen? In der Mathestunde war er doch noch da gewesen.


Dark-Witch: „Hi du. Sag mal ist alles in Ordnung bei dir? Weil du in der letzten Stunde gefehlt hast, mein ich. Oder hattest du Ausfall?“

Bloody-Vampire: „Ich musste was erledigen und bin deswegen nach Mathe abgehauen. Und bevor du was sagst: Ich stehe in keinem der Fächer, die ich verpasst habe, versetzungsgefährdet. Wieso ist dir das eigentlich aufgefallen? Du hältst wohl schon Ausschau nach mir?^^“

D-W: „Dein Motorrad war nicht da und ich hab gemerkt, dass Angel und Gunn nur zu zweit rumhingen – nicht, dass ich das negativ finde.“

B-V: „Na ja... die Clique ist nicht mehr dieselbe. Wir haben uns alle nie richtig gekannt und nun, da wir es tun, ist es einfach komplizierter geworden.
Um ehrlich zu sein, haben Angel und Gunn mich rausgeschmissen, dabei haben sie aber nicht damit gerechnet, dass sich Xander gegen sie stellt. Er hat mich verteidigt und den beiden eine Abfuhr erteilt, womit die Gang zersplittert ist. Ich hab eine Weile gebraucht, um das zu begreifen und heute habe ich dann die Clique aufgelöst.
Die Anderen wissen es noch nicht, doch sie werden es bald merken. Nachdem ich Xander und Anya gesehen habe, er ist schon länger in sie verliebt, wollte ich den Schein nicht mehr aufrechterhalten. Wenn ich darüber nachdenke, war’s eigentlich schon lange nicht mehr so, wie am Anfang...“

D-W: „Xander ist, denke ich, ganz okay. Zwar ist Anya etwas... direkt, aber immer noch besser als Cordy, Harm oder Dawn. Und was die anderen zwei betrifft, so vergiss sie, mit denen hast du nichts gemeinsam ;) In dir steckt mehr als ein oberflächlicher, dummer, aufgeblasener Vollidiot.
Ich glaube, dass du das, was du wirklich willst, auch erreichen kannst – schließlich hast du mir das bei dem Geschichtstest bewiesen. Wenn du so weitermachst, sind deine Chancen, das Jahr doch noch zu bestehen, gar nicht so übel. Außerdem habe ich deine Noten in Las Vegas gesehen.
Was ist passiert, dass du plötzlich so ausgerastet bist, einen Lehrer anzugreifen?“

B-V: „Es gibt Dinge, die man auf sich beruhen lassen sollte, das ist eines davon!“

D-W: „Schon gut, ich hab’s verstanden, sry.
Aber jetzt, da du nicht mehr mit Gunn und Angel abhängst, hast du vielleicht Lust morgen mit ins Bronze zu kommen? Ich weiß, dass Buffy und ich nicht zu deiner Gesellschaft gehören, aber du hast noch deine Wette einzulösen.“

B-V: „Wenn du dir sicher bist, dass du so einen wie mich dabei haben willst, komme ich sogar sehr gerne mit. Auch wenn du meiner Meinung nach inzwischen deine Klamotten gut selber aussuchen kannst...“


~*~*~*~

Am Freitagabend erschien Spike wie vereinbart bei Willow, um seinen Wettgewinn einzulösen. Dabei stellte er überrascht fest, dass sie viele modische, sexy Sachen in ihrem Schrank hatte, sie aber nie anzog. Obwohl... sie hatte in letzter Zeit eine ganze Menge Selbstvertrauen gewonnen, vielleicht konnte er sie ja doch noch überzeugen?

„Was hältst du davon?“, fragte er plötzlich mit einem Grinsen auf den Lippen. Er hielt einen kurzen, roten Lederrock und ein weißes, bauchfreies Top, welches im Nacken geschlossen war und am Rücken durch ein paar Bänder zusammengehalten wurde, in den Händen.
Willow schoss die Röte in die Wangen und sie verfluchte sich ein weiteres Mal dafür, so oft mit Buffy shoppen gegangen zu sein.
„D-Du g-glaubst d-doch nicht im Ernst, dass ich das anziehe? Vergiss es! Da kann ich mir auch gleich ein Schild umhängen, wo draufsteht Hey, ich bin ne kostenlose Nutte, nimm mich! “
„Du kennst solche Wörter? Müsstest du dir jetzt nicht eigentlich mindestens fünf Monate Hausarrest aufbrummen?“, neckte sie der Blonde, bevor er wieder ernst wurde. „Willow, du siehst darin bestimmt nicht wie eine Nutte aus. Außerdem hab ich die Wette gewonnen. Und wenn dir jemand an die Wäsche will, bekommt er’s mit mir zu tun.“

~*~*~*~

Schließlich war es Spike nach endlosen Diskussionen doch noch gelungen Willow von seiner Klamottenwahl zu überzeugen. Im Bronze hatten sie sich an einen etwas abgelegenen Tisch gesetzt, wo später auch Buffy mit ihrem Date Owen zu ihnen stieß. Nachdem sich die vier miteinander bekannt gemacht hatten, waren Buffy und Owen auf die Tanzfläche verschwunden, was eine unbehagliche Stille herbeigeführt hatte.
Keiner der verbliebenen Schüler wusste, was er sagen sollte, bis sich der Blonde dazu durchrang, die Rothaarige zum tanzen aufzufordern.
Es wurde gerade ein langsames Lied gespielt und so hätte jeder Außenstehende die beiden für ein Paar gehalten. Tatsächlich schienen sie ihre Umgebung nicht mehr richtig wahrzunehmen.

~*~*~*~

Willow genoss es in Spikes Armen zu liegen, dabei hatte sie ihn bisher noch nie tanzen sehen. Trotzdem musste sie sich eingestehen, dass er es gut konnte.
Ihr Blick wanderte über seinen Körper. Er war zwar nicht so ein Muskelprotz wie Angel, da er eher schlank gebaut war, aber dennoch muskulös. Unter dem engen, schwarzen Muscle-Shirt zeichnete sich deutlich sein Sixpack ab und seine Arme fühlten sich einfach nur himmlisch an.
Fast wäre sie in seinen blauen Augen versunken, sie glichen einem Ozean, nur war ihre Farbe viel intensiver. Sie hatte das Gefühl, als könnte sie auf den Grund seiner Seele blicken, doch dabei wurde ihr wieder klar, dass er irgendetwas vor ihr verbarg. Zwar hatte er gesagt, sie wüsste mehr über ihn, als irgendjemand sonst, doch in seinen Augen lag ein dunkler Schatten, den sie sich nicht erklären konnte. Es glich einer Mischung aus Wut und Resignation, vielleicht auch etwas Angst, doch wovor? War es derselbe Grund, aus dem ihm so gut wie alles egal zu sein schien?

~*~*~*~

Es war noch früher Morgen, als er den Raum betrat. Jeder Andere hätte sich über das Wochenende gefreut, doch nicht er. Zuviel Angst vor dem, was kommen würde, beherrschte ihn. Er wusste, dass diese beiden Tage seine schlimmsten Albträume wahr machten – mal wieder. Ganz egal was er tun würde, es hätte keinen Zweck.

Sein Blick schweifte zu den leeren Flaschen, welche im Wohnzimmer verteilt waren: Bier, Wodka, Gin, Whisky und unzählige andere. Kein Wunder, dass ihm bei dem Gestank die Luft wegblieb.
Er bemühte sich, nicht auf die Reste der zertrümmerten Tischplatte zu treten, während er begann, die Flaschen aufzusammeln. Es würde ohnehin nicht mehr lange dauern, bis sein Vater hier rein käme und, besoffen wie er war, sämtliche Einrichtungsgegenstände an die Wand schmettern würde. Und Glassplitter lagen auch so schon genug herum.

Wenn irgendjemand dieses Zimmer betreten würde, so würde er nicht einmal im Traum daran glauben, dass dies das Haus Ben Taylors war. Vor anderen Leuten gab sich der Bankdirektor immer vorbildlich und korrekt. Niemand würde auf die Idee kommen, was für ein Monster hinter dieser Fassade steckte, oder wie er seinen eigenen Sohn behandelte – noch nicht einmal seine Ex-Frau Jenny Calendar kannte ihn von dieser Seite.
In der Woche trank er keinen Tropfen Alkohol, war der perfekte, wenn auch etwas langweilige, Gentlemen und der vertrauenserweckende Bankdirektor. Erst freitags begann er sich etliche Flaschen hochprozentiger Getränke zu Gemüte zu führen, nur um dann seine Wut an allem, was nicht niet- und nagelfest war, auszulassen. Dabei machte er auch keinen Halt vor seinem Sohn, wenn dieser bei ihm war.
Und falls doch einmal jemand seine Wohnung betrat, so wurde derjenige ins Arbeitszimmer geführt. Kurz gesagt war er ein Mensch – wenn man ihn überhaupt noch als solchen bezeichnen konnte – mit rabenschwarzer Seele und ohne Gewissen.

Aber dem war nicht immer so gewesen. Früher hatte Ben Taylor sich nicht nur nach außen hin als Gentlemen gegeben, er war auch einer gewesen. Am Wochenende war er mit seiner Frau und seinem Sohn zum See gefahren, oder hatte mit ihnen seine Mutter besucht. Diese war es auch stets gewesen, die ihn davon abgehalten hatte, sich in eine geldgierige Bestie zu verwandeln. Vielleicht wäre in diesem Fall die Bezeichnung Mensch doch nicht so falsch, schließlich ist der Mensch das grausamste aller Raubtiere.
Nach dem Tod seiner Mutter Tara hatte Ben die Stelle als Bankdirektor angenommen und diesen Job zweifelsohne gut ausgeführt. Aber mit der Beförderung hielt auch die erbarmungslose Gefühlskälte Einzug in sein Leben. Anfangs war es noch nicht so schlimm gewesen und seine Frau hatte es auf den Stress in seinem Beruf geschoben. Erst später hatte sie begonnen, ihm ins Gewissen zu reden, dass er sich mehr Zeit für seine Familie nehmen sollte - hätte sie das lieber sein gelassen.
Zwar verbrachte er tatsächlich mehr Zeit mit seinem Sohn, doch er begann auch, ihn zu schikanieren und zu schlagen, sobald seine Frau Jenny das Haus verließ. Da der Junge daraufhin recht aggressiv und respektlos wurde – er trat in eine Straßenbande ein, prügelte sich mit Gleichaltrigen, schwänzte die Schule – schöpfte Jenny auch keinen Verdacht und glaubte ihm, dass die Verletzungen bei Kämpfen entstanden seien. Sie hielt diese Wesensveränderung für völlig normal bei einem Teenager, schließlich rebellierten sie alle in einem bestimmten Alter, das würde sich schon wieder legen.

Irgendwann verliebte sie sich dann jedoch in Rupert Giles, einen sympathischen, etwas steifen Anwalt mit großem Erbe. Sie ließ sich daraufhin von Ben Taylor scheiden, nahm ihren Mädchennamen wieder an und redete mit ihrem Sohn, wobei sie ihm die Wahl ließ, bei wem er wohnen wollte. Auch wenn sie hoffte, dass er mit ihr kam, hätte sie einen anderen Wunsch akzeptieren müssen.

Er entschied sich dafür, mit nach Sunnydale zu kommen, da er ohnehin nach der letzten rebellischen Aktion von der Schule geflogen war. Dort hatten sie ein neues Leben beginnen wollen, was ihnen auch beinahe gelungen war. Einzig und allein die Tatsache, dass ihr Sohn jedes zweite Wochenende zu Ben musste, erinnerte Jenny an ihre Vergangenheit in Las Vegas.
Wenn William auch nie wieder der zurückhaltende, stille Junge von früher geworden war, hatte sich sein Verhalten in Sunnydale dennoch deutlich verbessert.

~*~*~*~

Erschrocken fuhr Spike zusammen, als er die donnernde Stimme seines Vaters vernahm.
„Was zum Teufel tust du da!?“
Er atmete tief durch und bemühte sich, das Zittern seiner Hände zu unterdrücken, bevor er sich umdrehte. Vor ihm stand, oder besser schwankte, Ben, dessen Alkoholfahne man wahrscheinlich drei Meilen gegen den Wind riechen konnte.

Spike verzog angewidert das Gesicht und er stellte sich vor, wie es wäre, seinem „Vater“ nur ein einziges Mal in seinem Leben, die Meinung zu sagen. Ihm zu sagen, was für ein Arschloch er war. Ihm zu sagen, dass der Alkohol ihm schon das Gehirn zersetzt hatte. Ihm zu sagen, wie sehr er ihn hasste und verachtete.
In solchen Momenten kam seine ganze, angestaute Wut in ihm hoch und er wünschte sich nichts sehnlicher, als jenes Monster, das sich seinen Vater schimpfte, sämtliche Schläge, Tritte und Demütigungen am eigenen Leib spüren zu lassen. Nicht, dass er gegen Ben chancenlos gewesen wäre, im Gegenteil, er beherrschte mehrere Kampfsportarten.
Doch immer wenn er so vor ihm stand, tauchten die Bilder vor seinen Augen auf und die Angst nahm überhand. Plötzlich wusste er nichts mehr von dem, was er in all den Trainingsstunden gelernt hatte. Das Einzige, was er noch fühlte, war die lähmende Angst. Es war ihm, als konnte er seinen Körper zwar spüren, aber nicht beherrschen, als wäre es jemand anderes, der handelte.

Spike öffnete den Mund, um etwas zu sagen, doch kein einziger Laut drang aus seiner Kehle – seine Stimme versagte ihm den Dienst. Er sah den Raum vor seinen Augen verschwimmen und bemerkte, dass sein Vater eine der Glasflaschen aufgehoben hatte.
Furcht stieg in ihm auf und er wich zurück. Schnürte ihm die Luft ab. Stieß mit dem Rücken an die Wand. Wusste, es gab kein Entkommen. Sah in leblose Augen – Augen aus Stahl. Kalt und brutal, gierig nach Schmerz.
Salzige Tränen. Ein leises Wimmern. Spürte einen dumpfen Schlag. Glas zersplitterte. Stechender Schmerz in seinem Arm. Blut, welches wie in Zeitlupe zu Boden tropfte. Ein dunkler Fleck im Teppich.
Rollte sich zusammen. Feuchte Spuren von Tränen in seinem Gesicht. Plötzlich ein Tritt gegen sein Knie. Neuer Schmerz. Zog sich wie züngelnde Flammen durch sein Fleisch.
Schläge auf den Rücken, immer wieder. Prasselten mitleidlos auf ihn nieder. Dann ein fester Griff um sein Handgelenk. Zerrte ihn auf die Beine. Drückte immer fester zu. Ein kaum hörbares Knacken, gefolgt von einem schmerzerfüllten Schrei.
Wurde zu Boden geschubst, inmitten der Scherben. Gequältes Schluchzen. Danach Tritte in den Bauch. Ein weiterer Schrei - zog kräftigere Tritte und Schläge nach sich. Versuchte Luft zu bekommen. Der Drang sich zu übergeben. Kämpfte dagegen an. Ein trockenes Husten. Spuckte Blut. War inzwischen zu schwach um aufzustehen.
Schmerz. Reißend und gnadenlos. Raubte ihm den Verstand. Hatte keine Kraft mehr. Schwärze breitete sich in ihm aus. Wollte nichts mehr sehen. Wollte nichts mehr hören. Wollte nichts mehr fühlen. Entglitt in die Bewusstlosigkeit.

Ein letztes Zucken durchfuhr den geschundenen Leib, bevor die Schläge versiegten und der Mann aus dem Raum ging. Zurück blieb ein grausiges Bild, welches das Angesicht der reinen Bösartigkeit trug – der leblose Körper eines Teenagers inmitten von blutverschmierten Glasscherben.

~*~*~*~

Ein verträumtes Lächeln erschien auf Xanders Gesicht, als er zu Anya sah. Sie tanzte nun schon den ganzen Abend und als er gegangen war, um sich ein Bier zu holen, hatte sie sich den nächstbesten sabbernden Typen geschnappt, um ihn anzumachen.
Normalerweise wäre er verdammt eifersüchtig geworden, aber jetzt wusste er es besser. War Anya noch vor ein paar Tagen mit jedem Boy, der ihr über den Weg lief, ins Bett gestiegen, so blieb es nun beim Flirten. Schließlich hatte sie einen festen Freund und auch wenn ihr Mundwerk ziemlich lose war, war sie treu. Undmal ehrlich, mit Xander im Bett brauchte sie keinen Anderen für guten Sex. Vielleicht wusste die Blonde nicht wirklich was Liebe bedeutete, dazu dachte sie zu nüchtern, doch sie hegte Gefühle für Xander und das reichte ihr
vollkommen.

Sie ließ den Typ, mit dem sie getanzt hatte, eiskalt stehen und ging zur Bar, um sich ihren Drink abzuholen. Nachdem sie sich erfrischt hatte, wandte sie sich ihrem Freund zu.
„Xander, können wir jetzt gehen? Wir hatten immerhin schon seit mindestens drei Stunden keinen Sex mehr.“
Der Dunkelhaarige lief peinlich berührt rot an und zischte ärgerlich in ihre Richtung: „An, nicht so laut! Das geht hier niemanden was an!“
„Was denn?“, quengelte diese, sich keiner Schuld bewusst, „Ich wollte doch nur, dass du mich bei der lauten Musik auch verstehst.“

~*~*~*~

In einer etwas abgelegenen Ecke des Bronze saßen, etwa zur gleichen Zeit, Buffy und Willow. Letztere plapperte schon den ganzen Abend über Spike, was die Blonde mit einem breiten Grinsen zur Kenntnis nahm.
„Sag mal, du bist nicht rein zufälliger Weise in unseren Möchtegern Bad Boy verliebt?“
Empört schüttelte die rothaarige Schülerin mit dem Kopf.
„Natürlich nicht. Im Übrigen ist er kein Möchtegern Bad Boy, da steckt mehr dahinter, das spüre ich ganz einfach.“
Ein wissender Blick Buffys stoppte ihren Redeschwall und errötend lenkte sie ein: „Na gut, vielleicht schon... aber nur ein klitzekleines bisschen. Er ist ja auch wirklich süß mit seinen blonden Haaren... und diese Augen. Hast du seine Augen gesehen? Die sind so blau, wie ein...“

Obgleich Buffys Grinsen mittlerweile nicht mehr zu übersehen war, schwafelte Willow verträumt weiter. Doch ihre beste Freundin nahm ihr die mangelnde Aufmerksamkeit nicht übel, sie gönnte ihr die Freude. Außerdem konnte sie ja solange von Owen träumen.

~*~*~*~

Robin Wood ließ mit einem leisen Seufzen die Zeitung auf den Tisch fallen und sah sich in seinem Büro um. Er war als neuer Schuldirektor an die Sunnydale High gekommen, nachdem Snyder gestern tot aufgefunden worden war.
Offiziell hatte die Polizei eine Lebensmittelvergiftung als Todesursache angegeben, doch in Wirklichkeit war er durch Rattengift gestorben.

Gerüchten zufolge war er von dem Richter ermordet worden – ein Unbekannter, der sich diesen Spitznamen zu Eigen gemacht hatte, indem er Menschen umbrachte, die unfair, böswillig und hassdurchtränkt ihre Macht missbrauchten.
Snyder hatte genau zu dieser Gruppe Menschen gehört und auch ein weiteres Detail passte zu der Theorie: Er war mit Rattengift ermordet worden.
Der Richter tötete seine Straftäter so, wie sie gelebt hatten und da Snyder unter anderem als „Schulgiftzwerg“, „Kanalratte“ und „Hinterhältiger Gnom“ betitelt worden war, würde dies zutreffen.

Die Polizei hatte es jedoch schon vor langer Zeit aufgegeben, den Richter zu verfolgen, um genau zu sein, seit der Bürgermeister Richard Wilkins III. an der Tür seines Büros aufgehängt worden war – mit seinem Lieblingsdolch aufgeschlitzt und ausgenommen wie ein geschlachtetes Stück Vieh.
Und die Bewohner der kalifornischen Kleinstadt waren keineswegs verärgert darüber, denn für sie war der Richter kein Schlächter, sondern ein Held. Wer konnte schließlich Leute wie Wilkins und Snyder leiden?

Momentan war Letzterer zwar noch nicht als tot bekannt gegeben worden, aber das würde sich am Montag mit einer Versammlung aller Schüler ändern.
Mit Robin Wood als Direktor würden in der Sunnydale High wieder Menschenrechte gelten.
 

Teil 10

 

Bedrückt setzte sich Jenny auf die Couch. Sie war gerade aus Williams Zimmer gekommen und hatte ein weiteres Mal skeptisch nach ihrem Sohn gesehen. Nun saß sie hier, neben ihrem Lebensgefährten, mit einem Glas Wein in der Hand. Sie wusste, dass Rupert William schon fast als seinen Sohn betrachtete, und hatte deswegen entschieden, mit ihm über ihre Befürchtungen zu diskutieren.
„Rupert, wir müssen reden.“
Der Angesprochene nickte und nahm seine Brille ab, um sie hingebungsvoll zu putzen - eine dumme Angewohnheit, die er einfach nicht lassen konnte.

„Es geht um Will, nicht wahr? Mir ist auch schon aufgefallen, dass er sich in letzter Zeit merkwürdig verhält.“
„Ich habe erst gedacht, es sei nur so eine Phase, aber jetzt... Als ich ihn aus Las Vegas abgeholt habe, sah er richtig zerschunden aus. Er... er konnte kaum laufen und... dann... als wir hier waren... er hat sich ohne Protest ins Bett gelegt... das hat er noch nie getan. Auch nicht in den Wochen davor... und da... da sah er schon schlimm aus.“

Jennys Stimme versagte, zu schrecklich war ihre Ahnung, sie konnte es einfach nicht aussprechen. Und wenn sie an Williams Anblick dachte... er war vielleicht nicht immer einfach, aber sie glaubte ganz einfach nicht, dass er so ein Schläger war.
Rupert hatte sie inzwischen in den Arm genommen und er schien ihre Gedanken erraten zu haben.

„Du glaubst ihm nicht, dass er sich geprügelt hat... Ich glaube ihm auch nicht. Er hat sich zwar hier schon einige Male geschlagen, aber nie so oft und so brutal. Vielleicht ist er frech und vorlaut, aber im Grunde ist er ein guter Junge.“
„Warum redet er nicht mit mir? Er... er kann mir doch sagen, wer... wer so etwas grausames tut. Ich war mit ihm gestern Abend noch beim Arzt und Will hat nicht nur Blutergüsse und blaue Flecke. In seinem Arm waren Glassplitter und sein Handgelenk war sogar angebrochen. Und auch sonst hat er etliche Verletzungen, das kommt doch nicht von einfachen Prügeleien.“

Jenny war den Tränen nahe, als sie an ihren Sohn dachte. Sie hatte immer geglaubt, es ginge ihm gut und er würde ihr vertrauen. Doch als sie ihn gefragt hatte, wie das passiert war, hatte er gelogen. Sie hatte nicht darauf geachtet, dass er ihr bei der Antwort nicht ins Gesicht hatte sehen können.

„Jenny, ich... das ist nicht zum ersten Mal geschehen. Will hat jedes Mal, wenn er aus Las Vegas zurückkam, mindestens einen Tag in der Schule gefehlt. Manchmal hatten wir ihn entschuldigt, weil er irgendeine Grippe oder so etwas vorgespielt hat, wenn nicht, dann hat er geschwänzt.
Kann es eventuell sein, dass dein Ex-Mann Ben etwas damit zu tun hat? Ich meine... ich kenne solche Männer, viele von denen sind nach außen hin aalglatt, aber in Wirklichkeit skrupellos.“
Wider Willen musste Jenny lächeln, als sie bemerkte, dass Rupert Ben als ihren Ex-Mann betitelte und nicht als Williams Vater.
„Glaubst du... gibt es eine Möglichkeit Ben die Treffen mit Will zu verbieten? Ich meine... du bist doch Anwalt.“
„Nun Jenny... zwar ist das nicht mein Spezialgebiet, aber solange Will schweigt, liegen die Chancen bei Null. Wenn er etwas gegen Ben sagen würde, dann... wäre es nicht unmöglich.“

~*~*~*~

Als Willow am Dienstagnachmittag zu Spike ging, war sie ziemlich verärgert, da er in den letzten beiden Tagen offensichtlich geschwänzt hatte. Wie wollte er in Geschichte bestehen, wenn er so selten in die Schule kam?
Ihre Wut auf den Blonden verrauchte jedoch sofort, als Jenny ihr die Tür öffnete. Sie sah müde aus und die dunklen Ringe unter ihren Augen verstärkten den Eindruck, dass sie sich Sorgen machte. Plötzlich schien sie um Jahre gealtert zu sein.

„Uem... Hallo Jenny. Ich... wollte eigentlich zu Spike... ist er da?“, fragte die Rothaarige zögernd.
„Komm ruhig rein, Willow. Will ist oben, aber... es geht ihm nicht besonders gut. Du kannst in sein Zimmer gehen, wenn du möchtest, doch... wenn er nicht lernen mag, dann lass es heute, okay?“
„In Ordnung “, stimmte Willow zu. „Geht es Ihnen gut? Sie sehen ziemlich fertig aus.“
„Ich... ich habe nur zu wenig geschlafen“, erwiderte Jenny mit einem schiefen Lächeln.

Willow nickte und ging nach oben, um vor Spikes Zimmertür zu stoppen und zu klopfen.
Eine leise Stimme antwortete ihr: „Komm rein, Mum.“
Ein Grinsen stahl sich auf ihre Lippen, verschwand aber sofort wieder, als sie den Raum betrat. Spike saß auf seinem Bett und sah sich irgendeine Fernsehsendung an. Eigentlich nichts ungewöhnliches, doch sein Anblick ließ ihr das Blut in den Adern gefrieren.
Ein lila Veilchen zierte sein linkes Auge und der rechte Arm war bis zur Hand verbunden, wahrscheinlich mit einer Schiene darunter. Im Gegensatz zu sonst trug er eine Jogginghose und einen weiten Pullover. Sein Gesicht war aschfahl und die blauen Augen waren von einem matten Schleier überzogen, als er in ihre Richtung blickte.

„Nicht so ganz, ich bin’s nur. Du... Jenny hat gemeint, ich könnte hochkommen. Wenn... wenn du keine Lust zum Lernen hast... dann kann ich das verstehen... Wie... wie ist das überhaupt passiert?“
Spike bedeutete ihr sich neben ihn zu setzen, woraufhin Willow sich errötend auf die äußerste Kante des Wasserbettes platzierte.
„Ich hab mich in Las Vegas mit ein paar Typen gekloppt. Was ist in der Schule los? Wie läuft’s mit Xan und Anya?“
„Das interessiert dich? Nun, Anya flirtet immer noch mit jedem, aber... ähm... na also... s-sie s-schläft n-nur m-mit Xander.“

Stille legte sich über das Zimmer und Spike wich Willows skeptischen Blicken konsequent aus, bis diese ihre Gedanken aussprach.
„Ich glaube dir nicht, dass du dich geprügelt hast. Vor zwei Wochen hätte ich dir das noch abgenommen, aber jetzt nicht mehr. Nicht, nachdem ich den richtigen William kennen gelernt habe. Spike würde das vielleicht tun, aber nicht Will. Was ist wirklich passiert?“
Ein bitteres Lachen erklang und jagte Willow eine Gänsehaut über den Rücken, gefolgt von einer sarkastischen Stimme.
„Ach, das willst du wissen? Ich sage dir mal etwas: Du hast keine, absolut keine Ahnung. Und ich sage dir auch noch etwas: Du WILLST es überhaupt nicht wissen! Glaube mir!“
„Doch! Es ist mir nicht egal, du bist mir nicht egal. Spike, William, wie auch immer. Denkst du hinter diesen Namen stecken verschiedene Persönlichkeiten? Das bist alles du!
Du sagst, du hättest keine richtigen Freunde, doch du irrst dich! Ich habe schon so oft mit dir gechattet und dabei habe ich die Person kennen gelernt, die sich hinter deinem Benehmen versteckt. Die Andere aus Selbstschutz beleidigt.
Wenn ich sage, du bist mir nicht egal, dann meine ich das auch. Ich mag dich so wie DU bist und wir sind befreundet, zumindest, wenn es nach mir geht.
Du brauchst dich nicht wegen irgendetwas zu schämen und wenn du Probleme hast, dann kannst du mit mir darüber reden. Dafür sind Freunde da, du kannst mir vertrauen.
Und jetzt sei bitte ehrlich und sag mir, was wirklich passiert ist.“

Spike schloss die Augen und wich Willows Blick erneut aus, indem er den Kopf zur Seite drehte.
„Es ist wirklich nichts geschehen, ich hatte nur eine Auseinandersetzung mit ein paar Typen und dabei ging es etwas... handfest zu.“, versuchte er ein weiteres Mal die Rothaarige zu überzeugen, wobei seine Stimme allerdings lange nicht so sicher klang, wie zuvor.
Seufzend griff Willow nach seinem Arm, so leicht würde sie sich nicht geschlagen geben. Ein schmerzhaftes Zusammenzucken Spikes, untermalt von einem kleinlauten „Nicht“, ließ sie aber innehalten und ihre Hand schnell zurückziehen.
„T-Tut m-mir leid, ich wusste nicht... ich wollte dir nicht wehtun, ich wollte nur, dass du mich ansiehst.“

Sie wartete, bis er sich umdrehte, doch ein Blick in seine Augen ließ sie erschrecken. Da war soviel Schmerz, Leid, Pein und Selbstzweifel, wie sie noch nie gesehen hatte.
Sie hatte immer geglaubt, dass sie kein Selbstvertrauen besaß, aber das war nichts im Gegensatz zu dem, wie William es fühlte. Und da war auch noch etwas, jener dunkler Schatten den sie bereits einmal gesehen hatte, etwas von dem sie niemals gedacht hatte, es bei ihm zu erleben – Angst. Pure Angst.
Seine Augen blickten wie die eines gehetzten Tieres, das man in die Ecke gedrängt hatte, wo es sich erbittert gewehrt hatte, nur um irgendwann aufzugeben und sich den Tod zu wünschen.
Doch das, was ihr am meisten zusetzte, war, dass sein Lebenswille gebrochen war. Man sagte immer die Augen seien der Spiegel der Seele und bei einem Sterbenden brachen sie. Vor ihr saß ein lebendiger Mensch – und trotzdem war sein Blick, seine Seele gebrochen.

Willow war zu erschrocken, um die leise Stimme, welche nun erklang, wirklich wahrzunehmen und so dauerte es einige Zeit, bis Williams Worte ihren Verstand erreichten.
„Ich habe immer gedacht er sei perfekt, würde nie einen Fehler machen. Aber dann... irgendwann begann er mich ständig niederzumachen. I-Ich habe es erst auf den Stress in der Arbeit geschoben und nicht ernst genommen. Doch es wurde immer schlimmer, bis er mir zum ersten Mal eine scheuerte.
Ich hatte es in dem Augenblick wirklich verdient, obwohl er mich vorher noch nie mit einer Ohrfeige bestraft hatte... Als... als meine Mum übers Wochenende wegfuhr – ein Geschäftstreffen - ... war... war er stockbesoffen.
Und seitdem... er hat mich richtig verprügelt... ich wusste nichts mehr von dem Kampfsport, den ich gelernt hatte... es... war einfach weg. Er... er hat auf mich eingeschlagen, obwohl ich ihn angefleht habe aufzuhören. Aber... je mehr ich redete, desto... desto brutaler wurde er. Ich... mir tat alles weh und... manchmal hab ich sogar Blut gehustet.
Er nannte mich einen Versager... und Nichtsnutz. Als wäre ich... ein Stück Dreck. Es wurde jedes Mal schlimmer.
Aber ich... ich habe das verdient... er muss mich schlagen... als Strafe... weil ich immer alles falsch mache... auch jetzt noch... er hat Recht... ich bin ein Versager... aber ich kann nicht mehr... siehst du?... selbst dafür bin ich zu feige... kann noch nicht mal meine Strafe ertragen... wünsche mir jedes Mal, zu sterben... nichts mehr sehen... nichts mehr hören... nichts mehr fühlen... ich kann nicht mehr... hab keine Kraft mehr...“

Tränen liefen über Williams Gesicht und seine Stimme war nicht mehr, als ein heiseres Flüstern. Er hatte seine Arme um die Knie gelegt und wippte hin und her, er war völlig in seiner eigenen Welt versunken. So sah er auch nicht Willow, die ihn in den Arm genommen hatte und beruhigend auf ihn einredete.

~*~*~*~

Es hatte eine ganze Weile gedauert, bis William sich wieder gefangen und soweit im Griff hatte, dass er Willow zuhören konnte. Diese sah in seine noch immer angstgeweiteten Augen und versuchte ihre Stimme so überzeugend wie möglich klingen zu lassen.

„Will, hör mir jetzt ganz genau zu. Ich weiß nicht, was du getan hast, dass du glaubst bestraft werden zu müssen. Aber ganz egal was es war, das hast du nicht verdient. So einen Horror zu erleben hat niemand verdient! Hörst du?
Er hat kein Recht dich zu schlagen! Das darf er nicht, du kannst dich dagegen wehren! Du musst nur an dich glauben, dann erinnerst du dich auch an die Kampftechniken. Außerdem wird er dafür, was er dir angetan hat bestraft werden. Aber du musst es jemanden erzählen, am Besten deiner Mum.
Sie sorgt sich um dich, sie liebt dich! Doch sie kann dir nicht helfen, wenn du ihr nicht vertraust. Erzähl ihr das, was du mir gesagt hast, sie und Giles können dir helfen. Und sie werden es auch tun!“

Verzweifelt sah der Blonde in eine andere Richtung und begann zu protestieren.
„Aber er hat doch Recht. Ich bin ein Versager, ich habe es nicht verdient zu leben. Es gibt nichts, wofür man ihn bestrafen müsste. Ich kriege es doch noch nicht einmal hin, in Geschichte zu bestehen. Und Snyder sorgt dafür, dass ich bei der nächsten Gelegenheit von der Schule fliege.
Ich schaff das alles nicht mehr.“
„Doch Will, du schaffst das! Du hast in dem letzten Test eine drei geschrieben, oder etwa nicht? Das beweist, dass du kein Versager bist. Du kannst Geschichte noch bestehen. Außerdem bin ich ja auch noch da, und ich helfe dir, schon vergessen?
Was unseren giftigen Gartenzwerg betrifft, so gab es heute eine interessante Schülerversammlung.
Snyder ist tot, er kann dir nichts mehr anhängen, wir haben jetzt einen neuen Direktor, der ist echt in Ordnung. Will, du hast eine Chance, aber du musst mit Jenny sprechen! Bitte!“
„I-Ich k-kann n-nicht.“

William saß wie ein Häufchen Elend vor der Rothaarigen, welcher es so langsam wirklich bange wurde. Wie konnte man einen Menschen nur so demütigen und verunsichern?
Angst stieg in ihr auf, und in diesem Moment wurde ihr eines klar: Sie liebte ihn! Sie liebte ihn, seit sie das erste Mal mit ihm gechattet hatte. Sie machte sich wirklich Sorgen um ihn und wünschte sich nichts sehnlicher, als ihm helfen zu können. Es zerriss ihr das Herz ihn so verängstigt zu sehen und sie musste sich wirklich gewaltig zusammenreißen, um den nächsten Satz über die Lippen zu bringen.

„Will, wenn du es ihr nicht sagst, dann werde ich es tun. Aber ich werde nicht zusehen, wie du daran zerbrichst - falls es nicht schon zu spät ist.
Ich habe dich immer insgeheim für deinen Mut bewundert, dafür dass du nie aufgegeben hast, dass du für deine Meinung gekämpft hast. Auch wenn du jetzt nicht daran glaubst Will, du hast die Kraft, dem ein Ende zu setzen und von vorn zu beginnen.
Versprich mir, dass du mit Jenny redest.“
Willow sah nur zu deutlich, wie William mit sich selbst rang, bevor er letztlich nachgab.
„Ich werde mit meiner Mum sprechen. Aber... gib mir etwas Zeit. Bitte!“

~*~*~*~

Xander sah unentschlossen zum Telefon. Sollte er anrufen oder besser doch nicht? Aber was, wenn Spike auf ihn sauer war? Dann würde er sich nur wieder irgendwelche blöden Kommentare anhören dürfen.
Verdammt, er konnte ihn noch immer nicht einschätzen. Dabei waren sie für so lange Zeit in der gleichen Clique gewesen. Obgleich er von Gunn und Angel nichts mehr hören wollte, konnte er das beklemmende Gefühl, dass der Blonde anders war, nicht verdrängen.
Er hatte schließlich nicht über seine Gedanken über Anya gelacht, im Gegenteil, er hatte ihn sogar vor den Anderen gewarnt.
Und wenn er nicht mit ihm sprach, würde er es nie erfahren. Mit seinem Entschluss zufrieden griff der Dunkelhaarige nach dem Telefon und wartete darauf, dass auf der anderen Seite jemand abhob.

„Hallo?“
„Hi Spike! Ich bin’s, Xander.“
„Hi, ich... wie läuft es mit Anya?“, fragte der Blonde.
„Gut, wir wollten morgen wieder ins Bronze gehen. Ähm... du... ich weiß, dass du die Gang aufgelöst hast, doch ich... hast du vielleicht Lust morgen mitzukommen? Du könntest ja Willow mitbringen. Ich habe nichts gegen sie und Anya glaub ich auch nicht.“
„Ich weiß nicht, ob Willow möchte, aber... wenn ja, dann kommen wir, okay?“
„In Ordnung“

~*~*~*~

Es war schon ziemlich spät am Abend, als Willow es einfach nicht mehr länger aushielt. Seit sie gestern mit Spike gesprochen hatte, hatte es sie bereits die ganze Zeit in den Fingern gejuckt, doch sie hatte sich zügeln müssen.
Ob ein Tag lang genug war, um mit seiner Mutter zu reden?
Die Rothaarige beschloss ihn einfach zu fragen und loggte sich im Chat ein.


Dark-Witch: „Hi du. Hast du inzwischen mit deiner Mum geredet? Oder immer noch nicht? Wenn du es nicht machst, dann tue ich es.“

Bloody-Vampire: „Schon gut, schon gut.
Kommst du morgen mit ins Bronze? Xander und Anya sind auch da, und er hat mich gefragt, ob ich mitkomme. Aber alleine macht’s nicht wirklich Spaß, also?“

D-W: „Hey, das ist keine Antwort auf meine Frage. Hast du nun mit Jenny gesprochen oder nicht?“

B-V: „Das war auch keine Antwort auf meine Frage.“

D-W: „Wollen wir uns jetzt hier rum streiten? Ich schlage die nen Deal vor: Du antwortest mir auf meine Frage und ich dir auf deine.“

B-V: „Nein, ich habe noch nicht mit ihr geredet. Ich werd’s machen, aber ich brauch etwas mehr Zeit. Bitte, Willow!“

D-W: „Hm... vom Warten wird es auch nicht besser. Versprich mir, dass du bis zum Wochenende mit ihr redest!“

B-V: “Okay. Kommst du nun mit ins Bronze?“

D-W: „Ja, mach ich. Seid ihr sicher, dass ich euch nicht peinlich bin?“

B-V: „Ganz sicher ;)“

~*~*~*~

Spike erschien am Donnerstag zwar noch nicht in der Schule, tauchte aber wie verabredet bei Willow auf, um sie abzuholen. Ihr blieb beinahe der Atem im Halse stecken, als sie ihn sah, so aufgeregt war sie.
Er trug eine schwarze Lederhose und ein dunkelblaues Hemd, darüber eine Lederjacke. Sein blaues Auge war durch eine Sonnenbrille verdeckt und da er seine schweren DocMartens in bequeme Turnschuhe umgetauscht hatte, humpelte er auch nicht.
Einzig und allein der weiße Verband um sein Handgelenk erinnerte daran, wie zerschlagen er noch vor wenigen Tagen ausgesehen hatte.
Seine Haltung drückte zwar immer noch Stolz und Selbstbewusstsein aus, doch nicht mehr jene Arroganz, die sie so verabscheute.

Willow selbst hatte sich für hautenge Jeans und ein blaues Wickeltop entschieden, welches ihre schlanke Figur betonte. Ihre Haare hatte sie offen gelassen und nach einer kleinen Telefondiskussion mit Buffy hatte sie sogar etwas Make-up aufgetragen.
Sie freute sich wahnsinnig auf den Abend mit Spike, auch wenn sie nicht wusste, ob sie nun ein Date hatten, oder einfach nur als Freunde weggingen. Aber eigentlich hatte er ja nun wirklich andere Probleme, als eine Freundin.

~*~*~*~

Xander hatte zuerst befürchtet, dass Anya sich über Spikes und Willows Anwesenheit aufregen würde, doch dem war nicht so. Kaum dass sich die beiden gesetzt hatten, plapperte sie auch schon ungeniert drauflos.
„Da seid ihr ja endlich. Mensch Willow, die Klamotten solltest du echt öfter anziehen. Warum hast du in der Schule immer solche potthässlichen Teile getragen?“

Besagte Trägerin der „potthässlichen Teile“ lief, geschockt über die direkte Art der Blonden, prompt feuerrot an und brachte lediglich ein gewürgtes „Hi“ hervor.
Xander hingegen warf seiner Freundin einen warnenden Blick zu, den diese jedoch gar nicht bemerkte und munter weiterquasselte.
„Spike, warum trägst du hier drin eine Sonnenbrille? Und wieso ist dein Arm verbunden? Hast du dich etwa schon wieder geprügelt? Das solltest du dir wirklich abgewöhnen, das kann hässliche Folgen haben, weißt du? Blaue Flecke und andere Verletzungen schaden deinem Aussehen. Mein letzter Freund Olaf zum Beispiel...“
Ihr Redeschwall wurde von einem gezischten „An, Bitte! So etwas sagt man nicht!“ Xanders unterbrochen, doch Anya überging diesen Einwand, als hätte es ihn nie gegeben. Stattdessen wandte sie sich nun wieder ihrem Freund zu.
„Xan? Hab ich jetzt lange genug mit deinen Freunden geredet? Ich würde es viel lieber mit dir hinten auf einem der Sofas treiben.“

Spikes anfänglicher Schock hatte sich mittlerweile in Belustigung verwandelt und als Anya Xander, dessen Kopf einer reifen Tomate glich, einfach mit sich nach hinten zog, konnte er sich nicht mehr halten.
Er brach in schallendes Gelächter aus, in welches nur Sekunden später auch Willow einstimmte. Es schien gerade, als hätte der Blonde zumindest für eine Weile seine Probleme vergessen, bis ihn plötzlich seine schmerzenden Rippen aus seiner Heiterkeit rissen.

~*~*~*~

Spike und Willow hatten im Verlaufe des Abends noch viel miteinander gelacht und getanzt, bis er sie schließlich nach Hause brachte.
Nun standen die beiden vor der Tür und keiner von ihnen wusste so richtig, was er sagen oder tun sollte.
„Du solltest besser reingehen.“
Sein Vorschlag wurde von einem hörbaren Schlucken unterbrochen und sein Blick versank in Willows grünen Augen. Sie funkelten wie zwei geschliffene Smaragde im Mondlicht.
„Sonst kann ich für nichts garantieren.“

„Äh, was?“, schreckte Willow aus ihren Gedanken hoch, da sie ebenso von seinem Anblick gefangen gewesen war, wie er von dem ihren.
Diese sinnlichen Lippen... wie es wohl wäre ihn zu küssen? Doch wie würde es danach weitergehen? Und was, wenn sie es einfach versuchen würde? Ob er sich wehren würde? Oder würde er den Kuss vielleicht sogar erwidern? Aber bei diesem Mund konnte doch eigentlich keiner von ihr erwarten, dass sie ihm widerstand, oder?
Spike schien sich gerade das Gleiche zu fragen, denn sein Gesicht kam dem ihrigen immer näher.
Ein lauwarmer Wind wehte sanft durch die Straßen und verfing sich in den roten Haaren der Schülerin. Sie umfingen seidig glänzend ihr Gesicht und ließen sie wie eine Göttin aussehen – mystisch und schön.
Es schien schier eine Ewigkeit zu dauern, bis ihre Lippen endlich aufeinander trafen. In ihrem Unterbewusstsein hatten sie so lange darauf gewartet, doch jetzt, da es soweit war, erschraken sie ein wenig.
Verlegen standen sie da und betrachteten ihre Schuhe. Was nun?

Als Willow wieder aufsah, bemerkte sie, dass Spike etwas rot geworden war. Oder täuschte sie sich und es lag an dem spärlichen Licht?
„Ich sollte wirklich reingehen, uem... danke für den schönen Abend.“
Gott, sie klang so steif und prüde, wie in einem uralten, schlechten Liebesfilm. Bevor der Blonde noch eine Chance hatte, sie zurückzurufen, verschwand sie auch schon mit einem „Bye“ im Haus.

~*~*~*~

Nachdem William sich umgezogen hatte, ging er ins Wohnzimmer und setzte sich leise neben Jenny auf die Couch.
„Mum? Ich... ich muss mit dir reden.“
Die Angesprochene legte sofort ihr Buch zur Seite und wandte sich ihrem Sohn zu.
„Es geht um Ben, nicht wahr?“
„W-Wo-Woher w-we-weißt d-du d-das?“, stotterte der Teenager erschrocken.
„Will, komm her... Ich wusste es nicht, ich habe es nur geahnt. Glaubst du ich bin blind? Solche Verletzungen entstehen doch nicht bei normalen Schlägereien. Zuerst dachte ich noch an einen Überfall, aber dann... du warst jedes Mal verletzt, wenn du aus Las Vegas wieder kamst. Aber wenn ich versucht habe mit dir zu sprechen, dann hast du immer abgeblockt. Dabei kann ich dir doch nur helfen, wenn du mit mir redest.“

„Er... er war total besoffen... und ich... ich wollte die Flaschen wegräumen, als er... er kam plötzlich ins Zimmer und hat mich angebrüllt... ich hatte Angst, bin zurückgewichen... dann... dann hat er mich verprügelt... ich habe ihn angefleht aufzuhören, aber... er hat nur noch fester zugeschlagen.“

William gab sich alle Mühe, um nicht endgültig die Beherrschung zu verlieren, da seine Stimme auch so schon heiser und brüchig klang. Stumme Tränen liefen über sein Gesicht und er biss sich auf die Lippe, um nicht gequält zu wimmern.
Jenny blutete das Herz, als sie ihn so sah. Wie hatte sie nur so blind sein können? Ihr eigener Sohn ging beinahe zugrunde und sie bemerkte es noch nicht einmal. Heftige Vorwürfe erfüllten ihren Verstand, während sie ihm beruhigend übers Haar strich.

„Er... Er hat das nicht zum ersten Mal getan, habe ich recht? Seit wann tut er das?“
„Seit... es fing an, als er diesen Job als Bankdirektor bekam. Anfangs hat er mich nur als Versager beschimpft, aber dann... es wurde immer schlimmer.“
„Warum hast du mir das nicht schon viel früher gesagt, Will? Ich hätte dir doch helfen können.“
„Er... Er hat gesagt, er würde... würde uns alle umbringen. Jeden einzeln, langsam. I-Ich hab mich einfach nicht getraut, bis... bis Willow mir den Kopf gewaschen hat.“, nuschelte er.

„Will, du brauchst keine Angst mehr zu haben. Ich schwöre dir, dass er dir nie wieder weh tun wird. Giles und ich werden einen Weg finden, um ihn für das, was er getan hat, zur Rechenschaft zu ziehen. Er wird dich nie wieder in die Finger bekommen, Will. Nie wieder.“
Jenny redete noch eine Weile beruhigend auf ihren Sohn ein, bis sie bemerkte, dass er in ihren Armen eingeschlafen war.

~*~*~*~

Am Freitag ging Spike zum ersten Mal wieder in die Schule, wo er Willow begegnete.
„Hi.“
„Hi. Ich... Ich hab mit Mum geredet. Sie wird dafür sorgen, dass ich nicht mehr zu...“, es würde ihm wohl noch eine Weile Schwierigkeiten bereiten, jenen Namen auszusprechen, „zu Ben muss.“
Die Rothaarige lächelte ihn bestätigend an.
„Du hast das Richtige getan, Will.“

Der Blonde wich ihrem Blick unsicher aus, hinderte sie aber gleichzeitig am Weitergehen.
„Da... Da ist noch etwas. Ich... ich hatte in dieser Woche sehr viel Zeit zum Nachdenken und dabei ist mir etwas klar geworden. Ich... habe mich in dich verliebt, schon seit längerem, ich habe es nur nicht gemerkt. Ich weiß nicht wie du darüber denkst und ich erwarte auch nichts von dir, ich wollte nur, dass du es erfährst.“

Mit diesen Worten drehte sich Spike herum und wollte in das Klassenzimmer gehen, doch Willow hielt ihn zurück.
„Warte! Wenn du sagst, du weißt nicht, wie ich darüber denke, wieso läufst du dann fort?“
„H-Heißt das, du...“, stotterte er fassungslos. Das war das Letzte, mit dem er gerechnet hatte.
„Ja, das heißt es“, stimmte sie ihm zu.
Ein strahlendes Lächeln erschien auf ihrem Gesicht, als sie seine Hand nahm und sich streckte, um ihn zu küssen. Sollten die Anderen doch über sie lachen, ihr war es egal. Hauptsache, sie waren endlich zusammen.

~*~*~*~

Jahre später erinnerte sich Spike noch einmal an jenen Tag, an dem er seine alte Gang aufgelöst hatte.
Er hatte damals seine Jacke und damit auch den Phönix verbrannt, in dem Glauben, dass ihr Symbol ein Falsches gewesen sei. Vielleicht hatte er Recht gehabt, als er das von der Clique behauptet hatte, doch für ihn hatte es nicht gestimmt. Für ihn hatte sich die Sage des Phönix erfüllt, denn der Vogel war zwar im Feuer verbrannt, aber entgegen seinem Glaube auch aus der Asche wiederauferstanden.
Und eines wusste Spike: Die Menschen sagten die Wahrheit, wenn sie behaupteten, dass es den Phönix als solches nicht gab. Aber sie lagen falsch, wenn sie sagten, dass die Sage um ihn frei erfunden sei.
Denn er hatte an jenem Tag nicht nur mit seinem bisherigen Leben abgeschlossen, er hatte auch ein neues Leben mit Willow begonnen – sein Phönix war gestärkt aus dem Feuer wiedergeboren worden.

 

~*~*~*~
 

the End