
Autor: Kristin
E-Mail Adresse: btvsfaith@web.de
Titel: Old enemies, new
friends
Altersfreigabe: 18
Spoiler: keiner
Inhalt: Etwa anderthalb Jahre sind seit dem letzten der schrecklichen
Morde in der kalifornischen Kleinstadt Sunnydale vergangen, ohne dass die
Polizei dem Täter jemals auf die Schliche gekommen ist. Buffy und die anderen
überlebenden Teenager haben inzwischen neue Freundschaften geschlossen und sind
jetzt in ihrem letzten High Schooljahr. Alles scheint perfekt zu sein, bis sie
plötzlich an die Ereignisse des Vorjahres erinnert werden – Diese Story ist
eine Fortsetzung zu „Welcome to Sunnyhell“ und gleichzeitig die zweite
Geschichte einer Horrortrilogie.
Paar(e)/Hauptcharakter(e): Buffy,
Cordy/Xander, Willow/Spike
Disclaimer: I do not own the characters in this story, nor do I own any
rights to the television show "Buffy the Vampire Slayer". They were
created by Joss Whedon and belong to him, Mutant Enemy, Sandollar Television,
Kuzui Enterprises, 20th Century Fox Television and the WB Television Network.
Beta: Cloegirl
Der kursiv geschriebene Teil gibt Schlüsselstücke der ersten Story wieder, man muss ihn also nicht unbedingt lesen, wenn man diese schon kennt.
Teil 1 Teil 2 Teil 3 Teil 4 Teil 5 Teil 6 Teil 7 Teil 8 Teil 9 Teil 10 Teil 11 Teil 12 Teil 13 Teil 14 Teil 15 Teil 16 Teil 17 Teil 18 Teil 19 Teil 20 Teil 21 Teil 22
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Teil 1
Die Gestalt war vollkommen in schwarz gekleidet, sogar die Haare waren unter einer Kapuze versteckt und auch die Statur war im Schatten der Häuser nur schwer auszumachen, wodurch man nicht eindeutig feststellen konnte, ob es sich um eine weibliche oder eine männliche Person handelte. Selbst das Gesicht war von einer Maske bedeckt.
Die Gestalt überquerte nach einem kurzen Zögern die Straße, sodass für einen Augenblick das Mondlicht auf sie fiel und von einem Gegenstand in ihrer Hand reflektiert wurde. Ein silbernes Aufblitzen erhellte die Nacht wie es lediglich von Licht, das auf eine Klinge geworfen wurde, verursacht werden konnte.
Es war jedoch genauso schnell wieder verschwunden wie es gekommen war, weshalb man später nicht sagen können würde, ob es echt gewesen war, oder nur ein Streich der Augen.
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„Arme, kleine Schäfchen, wissen nichts von dem Wolf. So viele tote Augen, so viele werden es sein“, murmelte Drusilla, allerdings schenkte ihr keiner Beachtung.
„Du wirst es finden… irgendwann wirst du finden, was du begehrst… rotes und blaues Feuer… er-erfriere… n-nicht…“, stieß sie mühevoll hervor, nach Luft schnappend, bevor jegliche Spannung aus ihrem Körper wich und sie mit leeren Augen an die Decke starrte.
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„Oh, macht sich unsere kleine Buffy Sorgen um ihre Freunde?“, erklang hinter ihr eine spottende Stimme. Sie musste sich nicht umdrehen, um zu wissen, zu wem sie gehörte. Es gab nur einen, der es regelmäßig darauf anlegte, sie auf die Palme zu bringen, obwohl er sonst nur mit wenigen Leuten sprach: Spike.
„Zumindest habe ich Freunde, um die ich mir Sorgen machen könnte. Und was machst du überhaupt hier? War der Friedhof überfüllt?“, erwiderte sie in einer ähnlichen Tonlage, nur dass sie wesentlich verächtlicher klang.
Normalerweise ging ihr der blonde Punk einfach nur auf die Nerven, aber heute war er eine willkommene Ablenkung. So lange sie sich mit ihm stritt, zerbrach sie sich zumindest nicht den Kopf über Drusilla Tod.
„Autsch, das tat weh, Summers. Ich bin zutiefst verletzt“, gab dieser sarkastisch zurück und legte sich theatralisch eine Hand übers Herz. „Aber zumindest kann ich auf mich aufpassen und muss nicht Angst vor dem bösen Buhmann haben.“
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„Du selber trittst Leute, die bereits am Boden liegen. Weshalb sollte ich es nun anders machen? Wenn dich jemand um Gnade gebeten hat, hast du sie gegeben? Hast du aufgehört, wenn man darum gefleht hat?“
Noch immer war die Stimme nicht mehr als ein Flüstern, aber das beruhigte Amy nicht im Geringsten. Selbst ein wütendes Schreien wäre ihr lieber gewesen als diese kontrollierte Verachtung, hätte es doch gezeigt, dass die Gestalt vor ihr trotz allem menschlich war, dass sie Gefühle und nicht nur blinde Rage kannte.
„N-Nein, aber ich w-wollte“, stammelte sie furchterfüllt, obgleich sie wusste, dass diese Verteidigung keinen Zweck haben würde.
„Du wolltest, ja. Abgehalten hat es dich allerdings nicht. Ich will auch vieles, ich will dich nicht töten, ich will nicht wegen Menschen wie dir zum Monster werden, aber das wird dir auch nicht weiterhelfen.“
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„Ich will sie leiden sehen und das kann ich nicht, wenn ich mich gleich mit ihr befasse. Nein, ein paar kleine Präsente wären doch viel unterhaltsamer – solche, in denen du alle deine Freunde tot findest. Obwohl ich nicht glaube, dass sie sich wirklich für euch interessieren würde, aber es zeigt ihr, dass auch sie in Gefahr ist.
Es wird sie in Angst versetzen und diese Angst werde ich bis zum letzten Tropfen auskosten“, gab die Gestalt die ganze Wahrheit preis.
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„Weißt du was? Wenn du nicht bald ein bisschen freundlicher zu mir bist, dann geh ich. Ich bin nicht diejenige, die Hilfe braucht! Aber ich frage mich, woher du sie bekommst, wenn ich weg bin? So wie du jeden behandelst, wird sich wohl kaum jemand dazu bringen lassen, dir zu helfen. Und ich frage mich gerade ernsthaft, welcher Teufel mich eigentlich geritten hat, dass ich überhaupt hierher gekommen bin“, schoss Willow wütend zurück.
Buffy starrte sie daraufhin völlig geschockt an. Was war denn auf einmal in Willow gefahren? So kannte sie sie ja gar nicht. Sonst schluckte sie ihren Ärger immer gleich hinunter, ja, sie versuchte noch nicht einmal, sich auf irgendeine Art und Weise gegen den Spott zu wehren, der ihr entgegengebracht wurde. Und jetzt schrie sie sie plötzlich an? Seit wann hatte sie denn so etwas wie ein Rückgrat bekommen?
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Ein leises Grollen drang aus seiner Kehle, brachte Willows Anwesenheit seinen Plan doch ein wenig durcheinander. Was sollte er jetzt machen? Sollte er trotzdem angreifen? Auch auf die Gefahr hin, dabei eine Unschuldige zu verletzten?
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Der Mörder holte mit einer Hand aus und wollte mit der anderen Buffys Arm festhalten, war jedoch nicht schnell genug, da sie sich just in diesem Moment duckte. Der Dolch verfehlte dadurch sein Ziel und als wäre das nicht schon genug, schaffte sie es auch noch, ihn mit ihrem Messer am Arm zu verletzen.
Was er nicht bemerkte, war, dass trotz der relativ geringen Größe der Wunde einige Tropfen Blut auf den Fußboden gefallen waren.
„Ich krieg dich noch!“
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„Ich hab auch erst heut Morgen von Amys und Oz’ Tod gelesen und glaub mir, ich war genauso überrascht wie du. Aber jetzt bin ich umso erleichterter darüber, dass wir endlich richtig zusammen sind. Wenn mich dieser Kerl erwischt, dann hab ich nichts zu bereuen“, erwiderte Xander Cordelia gegenüber ungewohnt ernst.
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Ein wütender Fluch drang über die Lippen des Fremden, als er sah, wie sein Opfer die Tür ins Haus hinter sich schloss. Das war nicht fair! Der Plan war perfekt gewesen, alles hätte so gut geklappt.
Alles war so gut vorbereitet gewesen und Cordelia hatte ebenfalls nach seinen Vorstellungen gehandelt.
Doch dann, gerade als er sich ihr zu erkennen geben wollen hatte, hatte ihn sein Vater auf dem Handy angerufen, wodurch sie ihm vorerst wieder entwischt war – was allerdings noch lange nicht hieß, dass er aufgeben würde. Früher oder später würde sie ihm schon noch einmal in die Falle gehen.
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Das Grinsen der Gestalt wurde noch ein Spur grausamer, als sie ihm mit unverstellter Stimme ansprach: „Erkennst du mich jetzt?“
Geschockt riss Angel die Augen auf. Nein, das konnte nicht sein, das war praktisch unmöglich! Er musste sich verhört haben. Er hatte einiges erwartet, doch nicht das. Bei allen Überlegungen, die er über die wahre Identität des Mörders angestellt hatte, war er noch nicht einmal in die Nähe der Wahrheit gekommen. Dieser Gedanke war eigentlich schon zu absurd, um wahr zu sein.
„Du?“, erkundigte er sich noch einmal, nachdem er sich von seinem ersten Schock erholt hatte.
Und obwohl es mehr eine Feststellung als eine wirkliche Frage gewesen war, antwortete sie ihm: „Ja, ich. Das hast du nicht erwartet, was?“
„Nein. Nein, für so dumm habe ich dich nicht gehalten“, erwiderte er, nur um gleich darauf in ein haltloses, fast schon hysterisches Lachen auszubrechen. Seine Furcht war wie weggeblasen, stattdessen hielt er sich den Bauch und ließ die Gestalt Zeugin einer Szene werden, von der sie nicht geglaubt hatte, sie noch einmal zu Gesicht zu bekommen: Angel lachte, er grinste nicht, er lachte. Und er lachte über sie – mal wieder.
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Das letzte Mal war Buffy zurückgewichen, hatte sich wie ein Feigling versteckt, aber diesmal würde ihr das nicht wieder passieren, diesmal war der Mörder eindeutig zu weit gegangen. Sie würde nicht zulassen, dass er wieder ungeschoren davon kam und wenn sie dafür nächtelang durch irgendwelche dunklen Gassen wandern musste, bis er sie angriff. Er würde für das, was er Angel und damit auch ihr angetan hatte, bezahlen – bitter bezahlen.
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Spikes Miene war wutverzerrt, während er leise fluchend durch die Straßen lief. Was dachte sich der Typ eigentlich dabei? Ethan war noch nicht einmal sein leiblicher Vater, aber wagte es allen Ernstes, ihm Vorschriften zu machen, um welche Zeit er wieder Zuhause zu sein hatte.
Und das, obwohl es noch nicht einmal seine Mutter interessierte. Er konnte kommen und gehen, wann er wollte, seit er zwölf war und jetzt kam dieser Idiot daher und bildete sich tatsächlich ein, irgendetwas daran ändern zu können? Das glaubte er ja wohl selbst nicht!
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Für einen Moment glaubte Buffy so etwas wie Furcht in den Augen der Gestalt aufblitzen zu sehen, aber sie musste sich wohl getäuscht haben, da diese sie nur Bruchteile von Sekunden später erneut ausdruckslos anstarrte. Was die Blonde nicht wusste, war, dass sie sich während dem Kampf immer weiter den Blumentöpfen genähert hatten und sie nun einen der kleineren Keramiktöpfe packte. Dieser zersplitterte exakt im gleichen Augenblick auf Buffys Kopf, in dem diese den Dolch in den Bauch der Gestalt rammte.
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„Willow? Luv?“, fragte Spike leise, nach einem kurzen Zögern, erhielt jedoch keine Antwort, was seine Vermutung, dass sie bewusstlos war, bestätigte.
Sein Blick glitt zu der Wunde an ihrem Bauch und auch wenn ihre Kleidung ziemlich viel von dem Blut, das sie verlor, aufgesaugt hatte, war bereits ein Teil davon an ihrer Seite herunter auf den Boden gelaufen.
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Wut brodelte in Spike auf und am liebsten wäre er aufgestanden und unruhig umhergewandert, aber dann könnte er nicht mehr mit der Hand auf ihre Wunde pressen. Er musste also wohl oder übel auf den Krankenwagen warten, bevor er seinem Ärger Luft machen konnte. Wenn er denjenigen, der ihr das angetan hatte, in die Finger bekam, würde dieser sich wünschen, niemals geboren worden zu sein, darauf konnte er Gift nehmen!
Ein aufgebrachtes Schnauben drang über seine Lippen und sein Blick wanderte erneut zu Willows Gesicht, wobei er feststellte, wie unheimlich blass sie auf einmal aussah – fast schon leblos. Und dieser Gedanke machte ihm wesentlich mehr Angst als er es eigentlich sollte.
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„Die Polizei hat die Sache nach dem zweiten Angriff auf dich endlich ernst genommen und alle Krankenhäuser in der Umgebung auf Patienten mit den von dir beschriebenen Verletzungen überprüft – außer Willow wurde niemand eingeliefert und sie kann es nicht gewesen sein, weil sich ihre DNA nicht mit der des Blutes von der ersten Attacke deckt. Entweder du hast diesem Verrückten solchen Schiss eingejagt, dass er sein Hobby aufgegeben hat oder du hast ihn ganz außer Gefecht gesetzt“, wollte Xander Buffy beruhigen.
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„Ich hab dir was mitgebracht – damit du auch noch an mich denkst, wenn ich nicht da bin“, meinte Spike grinsend und zog hinter seinem Rücken eine einzelne weiße Gardenie hervor, was das Lächeln auf Willows Gesicht noch breiter werden ließ – falls das überhaupt noch möglich war.
„Du weißt schon, dass du mich jetzt nicht mehr so leicht loswirst?“, neckte sie der Blonde mit seinem typischen Bad Boy Grinsen, was sie auflachen ließ.
„Wer sagt denn, dass ich das überhaupt will?“
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Spöttisch grinsend lehnte Spike an den Schließfächern und ließ seinen Blick zu Buffy wandern, die mit ihrem derzeitigen „Fanclub“, wie er es so schön nannte, gerade den Flur entlang kam. Die Blonde hatte ihn noch nicht bemerkt, da sie ihren Kopf in Harmonys Richtung gedreht hatte – ein Mädchen, die ihr sowohl in Aufdringlichkeit als auch in Dummheit nichts nachstand, wenn überhaupt schien sie noch unintelligenter zu sein als ihre Freundin, welcher sie auf Schritt und Tritt förmlich hinterher dackelte. Sie war erst zu Beginn des Schuljahres hergezogen und hatte sich schnell in die neue Gruppe der beliebtesten Schüler eingefügt, wo sie seiner Meinung nach auch ganz gut reinpasste.
Doch sie war nicht die einzige neuere unter Buffys so genannten Freunden, obgleich die anderen schon länger auf die Sunnydale High gegangen waren und bis dato lediglich nicht ganz so populär gewesen sind. Zu ihnen gehörten sowohl Darla, eine gehässige Blonde, die Buffy in Sachen spitze Kommentare wohl am ehesten Konkurrenz machen konnte, und ihr Freund Riley, der meistens eher ruhig war – zumindest solange er nicht auf Spike selbst traf, denn diesen schien er aus einem unersichtlichen Grund aus tiefster Seele zu hassen; als auch Kendra, eine Jamaikanerin, die immer alles besser wusste.
Und dann war da noch Ben, Buffys neuer Freund, von dem der platinblonde Punk nicht so ganz wusste, was er von ihm halten sollte. Auf jeden Fall schien er in seiner Beziehung nicht so recht glücklich zu sein, da es die ganze Zeit über den Anschein hatte, als würde ihn die Cheerleaderin auf Abstand halten.
Die einzigen beiden, die sich schon vor den Geschehnissen des vorletzten Sommers als Buffys Freunde bezeichnet hatten, waren Cordelia und Xander. Auch wenn er sie momentan nicht mit bei den anderen entdecken konnte, hatte sich daran nichts geändert – wahrscheinlich hatten sie sich in eine der Besenkammern verzogen.
„Hey Summers, hast du ein paar neue Schosshündchen gefunden? Und wo hast du denn deine Alten gelassen? Sind die endlich schlau geworden und wollen nichts mehr mit dir zu tun haben?“, riss er die blonde Cheerleaderin schließlich aus ihrem Gespräch mit Harmony – falls man das überhaupt als solches bezeichnen konnte. Irgendwie bezweifelte er nämlich, dass deren Vokabular aus mehr als ein paar auswendig gelernten Sätzen und der Fähigkeit, sich allen möglichen Typen an den Hals zu werfen, bestand.
Buffys Kopf schnellte auf diesen Kommentar hin herum und für einen Moment verschandelte ein Stirnrunzeln ihr ansonsten makelloses Gesicht, bevor sie sah, wer sie da angesprochen hatte. Mit einem genervten Seufzen verdrehte sie die Augen, um anschließend ein giftiges: „Was willst du?!“, in seine Richtung zu speien. Sie hatte ihre Arme abweisend vor der Brust verschränkt und versuchte ihn nun mit Blicken zu erdolchen, was jedoch zu ihrem Leidwesen wenig Erfolg versprach.
Statt sie in Ruhe zu lassen, oder zumindest den Anstand zu haben, ein bisschen weniger amüsiert auszuschauen, wurde sein Grinsen nur noch breiter, da sich eine Strähne ihres sonst so perfekt sitzenden Haares gelöst hatte und ihr nun in die Augen hing, weshalb sie sie wütend wegpustete.
„Weißt du, du könntest ruhig etwas freundlicher zu mir sein, immerhin habe ich dir nur eine Frage gestellt, kein Grund, mich gleich anzugehen. Oder bist du nur so sauer, weil ich ins Schwarze getroffen habe?“, stichelte er ungerührt weiter und zog dabei höhnisch seine vernarbte Augenbraue nach oben.
Ein undamenhaftes Schnauben entfuhr Buffy daraufhin und sie spürte das dringende Bedürfnis, ihm dieses widerliche Grinsen aus dem Gesicht zu wischen, welches sie schon seit jenem Tag, an dem sie sich zum ersten Mal begegnet sind, auf die Palme brachte. Wie konnte er nur so selbstgefällig dastehen, als wäre er ein Geschenk Gottes an die Menschheit? Dieser verdammte, arrogante Mistkerl, was gab ihm das Recht, zu glauben, er wäre etwas Besseres als sie? Es wurde wirklich Zeit, dass sie ihn endlich auf seinen Platz verwies – nur schien er auf keine ihrer sonstigen Methoden zu reagieren.
„Zu deiner Information: Im Gegensatz zu dir habe ich zumindest Freunde und die haben auch ein eigenes Leben und wissen etwas mit sich anzufangen, anstatt die ganze Zeit andere Leute zu nerven und sinnlos Schließfächer abzunutzen – wobei es mich wundert, dass die bei dir nicht umfallen, so wie du dagegen lehnst, wo es doch heißt, der Klügere gebe nach.
Und was das Schosshündchen betrifft, so passt das wohl auch viel besser zu dir, ein Halsband trägst du ja immerhin schon, da kann der Rest auch nicht mehr weit entfernt sein. Isst du schon Hundefutter?“, fauchte sie zurück und deutete dabei auf sein Stachelhalsband, welches er zwar nicht unbedingt täglich, aber dennoch des Öfteren trug.
Entgegen ihrer Hoffnung, ihn damit aus der Reserve zu locken, gluckste Spike jedoch nur leise, bevor er den Kopf schief legte und sie von oben bis unten musterte, um sich dann amüsiert zu erkundigen: „Wieso? Willst du mir deine Lieblingsmarke empfehlen, Buffy? Oder sprichst du nur aus Erfahrung, was die Schließfächer betrifft und kennst den Rest, weil du deine Schosshündchen ja auch ab und zu mal füttern musst?“
Sein Blick wanderte abschätzend über die anderen und blieb an Riley hängen, der aussah, als würde er ihm am liebsten auf der Stelle den Hals umdrehen. Für einen Moment überlegte er, ob es wirklich klug war, sich mit der ganzen Gruppe auf einmal anzulegen, aber dann schüttelte er diesen Gedanken ganz schnell wieder ab – noch nicht einmal Riley wäre dumm genug, ihn hier mitten im Schulflur anzugreifen und damit in die Gefahr zu laufen, von der Sunnydale High verwiesen zu werden.
Harmony hingegen sah aus, als versuche sie immer noch zu begreifen, was er überhaupt mit seinem Kommentar gemeint hatte, während ihn der Rest der Clique mit mörderischen Blicken bedachte. Gut so, sein Ziel hatte er also schon für heute erreicht.
„Wie kannst du es wagen, so über mich zu reden?! Als ob dein Name so viel besser wäre, Spike! Nur war ich zumindest nicht so blöd und habe ihn mir selber ausgesucht, ganz im Gegensatz zu dir. Schau dich doch mal an, wenn man dich sieht, hält man dich entweder für einen abgebrannten Penner oder einen billigen Stricher. Ich seh nicht nur gut aus, sondern hab auch noch Stil, wohingegen du noch nicht einmal zu wissen scheinst, wie man das buchstabiert!“
Auf Buffys Wangen hatten sich mittlerweile vor Ärger rote Flecken gebildet und ihre Stimme ähnelte dem gefährlichen Zischen einer Schlange und stand dieser auch in Sachen Giftigkeit nichts nach.
Tatsächlich hatte sie mit diesen Worten einen wunden Punkt in Spike getroffen, aber er hatte genug Übung darin, seine wahren Emotionen zu verbergen, um sich nichts von dem in ihm aufsteigenden Zorn und der Unsicherheit anmerken zu lassen. Hatte sie damit Recht? Sie war nicht die erste, die das oder etwas Ähnliches über seinen Kleidungsstil sagte. Lediglich Willow hatte sich dazu bisher nicht geäußert, doch sie war auch bei weitem nicht so taktlos wie die Blonde. Ob sie wohl insgeheim genauso dachte?
Mit einem innerlichen Kopfschütteln verdrängte er diese Zweifel möglichst schnell wieder, bevor Buffy noch merkte, dass diesmal sie diejenige war, die mitten ins Schwarze getroffen hatte. Stattdessen nahm er sich vor, seinen Kleidungsstil in Zukunft etwas zu normalisieren, denn auch wenn ihm die dunklen Farben und der Schnitt seiner Klamotten selber gefielen, waren die Sicherheitsnadeln, Löcher und das Stachelhalsband vielmehr eine Rebellion gegen seinen verhassten Stiefvater Ethan als irgendetwas anderes.
„Dann mach es mir doch vor. Du magst ja ganz gut aussehen, Summers, zugegeben, aber sobald du den Mund aufmachst vergeht einem alles andere. Und das Schlimmste ist, dass man deine Stimme noch nicht mal ausblenden könnte, wenn man es versuchen würde, so schrill und aufdringlich wie die ist.
Obwohl, wahrscheinlich gewöhnt man sich mit der Zeit an alles, immerhin hat es Angel ja ziemlich lange mit dir ausgehalten, bevor er lieber besoffen in den Tod gerannt ist als zu dir zurückzukommen“, schoss Spike zurück und auch wenn er wusste, dass dieser Kommentar alles andere als fair war, war es ihm in diesem Moment völlig egal.
Ihre Beurteilung seiner Klamotten hatte ihn anscheinend noch tiefer getroffen als er bisher angenommen hatte, sonst würde er sich normalerweise nicht dazu herablassen, sie auf diese Art und Weise mit dem Tod ihres Geliebten zu quälen – quälen ja, aber nicht so.
Buffy verschlug es daraufhin kurzzeitig die Sprache und für einen Moment sah er ein Aufflackern von Trauer und Schuldgefühlen in ihren Augen, bevor sich erneut eine Maske aus Wut darüber legte. Aber er wusste auch so, wie sehr er sie damit verletzt hatte, da sie plötzlich um einiges blasser zu sein schien – obgleich sie das nur über ihre Leiche vor ihm zugeben würde.
„Wie ich schon sagte, du hast keinen Stil und folglich auch keinen Geschmack“, erwiderte sie mangels einer besseren Antwort feindselig, bevor sie hocherhobenen Hauptes an ihm vorüberging, ihre Freunde im Schlepptau.
Ich werde dich schon noch auf deinen Platz verweisen, darauf kannst du Gift nehmen, ich weiß bloß nicht so ganz wie, versprach sie dem Platinblonden und gleichzeitig sich selbst in Gedanken.
Auch Spike gab ihr gegenüber ein geflüstertes Versprechen ab, welches sie allerdings nicht mehr hörte, da sie schon zu weit von ihm entfernt war: „Das wirst du mir noch büßen, Summers!“

Ich werde dich schon noch auf deinen Platz verweisen, darauf kannst du Gift nehmen, ich weiß bloß nicht so ganz wie, versprach Buffy dem Platinblonden und gleichzeitig sich selbst in Gedanken.
Auch Spike gab ihr gegenüber ein geflüstertes Versprechen ab, welches sie allerdings nicht mehr hörte, da sie schon zu weit von ihm entfernt war: „Das wirst du mir noch büßen, Summers!“
~*~*~*~
Ein trauriges Seufzen drang über Willows Lippen, während sie sich an ihrem Schließfach zu schaffen machte. Eigentlich hatte sie geglaubt, Spike würde sie in der Schule zumindest einmal ansprechen, anstatt ihr völlig aus dem Weg zu gehen. Sie hatten sich die letzten beiden Jahre immer wieder an den Wochenenden oder freien Nachmittagen getroffen und sie hatte auch jedes Mal den Eindruck gehabt, er würde sich in ihrer Gesellschaft so wohl fühlen wie sie in seiner.
Aber so langsam überkamen sie Zweifel daran. Zuerst hatte sie noch gedacht, er würde vor anderen Leuten nicht direkt auf sie zugehen, da er sich unsicher war, was das zwischen ihnen beiden eigentlich war – genauso wie sie.
Einerseits küssten sie sich und er machte ihr immer wieder Komplimente, sei es darüber, dass er sie im Gegensatz zu den meisten anderen hübsch fand, oder dass er lieber mit einem Mädchen befreundet war, das auch für sich selber denken konnte; andererseits hatte er sie nie als seine Freundin bezeichnet oder war mit ihr auf ein Date gegangen.
Sie wusste ganz einfach nicht, was sie davon halten sollte und es schmerzte sie, zu wissen, dass er von Leuten, die er kannte, offensichtlich nicht mit ihr gemeinsam gesehen werden wollte. Was war sie für ihn? Wenn er sie als Freundin schätzen würde, dann würde er ihr in der Schule doch nicht geradezu aus dem Weg gehen, oder? Dann würde er sich mit ihr in den Pausen unterhalten und sich vielleicht auch mit ihr zum Mittagessen treffen.
Aber dem war nicht so. In der Cafeteria ließ er sich ohnehin nie blicken und wenn sie ihm im Flur sah, erhielt sie lediglich ein stummes Nicken von ihm, nie mehr, noch nicht einmal ein einfaches: „Hi“. Sogar mit Buffy, dieser eingebildeten Schnepfe, redete er mehr als mit ihr, wenn auch alles andere als nett.
Wenn er nachmittags mit ihr alleine war, schien er plötzlich ein ganz anderer Mensch zu sein. Zwar schluckte er seine anzüglichen Kommentare auch in ihrer Gegenwart nicht ganz hinunter und er neckte sie nur allzu gern auf freundschaftliche Art und Weise, doch er war viel netter und verständnisvoller.
Sie konnte mit ihm besser reden als mit jedem anderen und er schien sie tatsächlich zu verstehen. Obgleich sie ihm auch jetzt noch nicht alles über sich erzählt hatte und sich auch nicht sicher war, ob sie das jemals würde, kannte er sie am besten von allen Menschen in ihrem Umfeld. Mit ihm fühlte sie sich für eine Weile glücklich und frei, sie geriet nicht ins Stottern, sobald sie redete und sie lief auch nicht mehr ständig rot an, sobald er ihr einen Kosenamen verpasste – was wohl nicht zuletzt daran lag, dass er sie die ganze Zeit über Red oder Luv nannte anstatt Willow.
Nur innerhalb der Schule schien sie für ihn kaum zu existieren, dort verhielt er sich wie eh und je, immer darauf bedacht, sein Bad-Boy-Image aufrechtzuerhalten.
„Na, wen haben wir denn da? Wenn das mal nicht meine Lieblingsfreundin ist“, unterbrach eine gehässige, nur allzu gut bekannte Stimme ihre trübseligen Gedanken.
Genervt verdrehte sie die Augen – eine Geste, die sie sich in Spikes Gegenwart ziemlich schnell angewöhnt hatte, nur traute sie sich nicht, eine derartige Reaktion gegenüber jemand anderem als ihm zu zeigen -, bevor sie sich umdrehte und an Buffy vorbei auf den Fußboden starrte. Ihre Haare fielen ihr dabei ein wenig ins Gesicht und bildeten eine Art Schutzschild, der sie davor bewahrte, ihrer Erzfeindin in die Augen sehen zu müssen.
„Was w-willst du?“, piepste sie, durch den Anblick des Rests der Clique, die sich hinter ihrer Anführerin aufgebaut hatte, eingeschüchtert.
Der wenige Respekt, den ihr die Blonde nach den Nachhilfestunden entgegengebracht hatte, war nun, da sie ihre Erklärungen nicht mehr benötigte, ganz schnell wieder verschwunden und es schien, als hätte sie Willows Ausbruch inzwischen wieder völlig vergessen – zugegeben, es war inzwischen fast zwei Jahre her, aber so eine ungewohnte Reaktion vergaß man normalerweise nicht so leicht.
Vielleicht lag es aber auch daran, dass in jenem Sommer noch viel schlimmere, einprägsamere Dinge geschehen waren, als eine schüchterne Streberin, die endlich einmal für sich selbst sprach und einer Buffy Summers ihre Meinung sagte. Im Vergleich zu den Morden schien es beinahe lachhaft, sich der Illusion hinzugeben, ihr Ausbruch hätte irgendeinen bleibenden Eindruck
hinterlassen.
Dennoch hatte sie eine Weile auch in der Schule ihre Ruhe gehabt, erst in den letzten Wochen war sie wieder zu dem Lieblingsopfer der Cheerleaderin geworden und es verging kaum ein Tag, an dem sie nicht auf die eine oder andere Weise von ihr geärgert wurde.
„Nettes Shirt, wo hast du das her? Von deiner Großmutter?“, mischte sich nun Darla ein, was ein gemeines Grinsen auf Buffys Gesicht zauberte und Willow fühlte, wie ihr das Blut in die Wangen schoss.
Sie begann nervös auf ihrer Unterlippe zu kauen, weil sie nicht wusste, was sie dazu noch hätte sagen sollen. In ihrem Kopf war sie durchaus fähig, sich einige mindestens genauso unfreundlichen Kommentare auszudenken, aber sobald sie den Mund aufmachte, würde es nur noch als jämmerliches Stottern herauskommen – wenn sie sich denn traute, überhaupt irgendetwas zu sagen. Manchmal wünschte sie sich wirklich, sie wäre so schlagfertig wie Spike, ihm würde sogar gelingen, diese Gemeinheit irgendwie zu seinem Vorteil zu verwenden.
„Warum l-lasst ihr m-mich nicht in Ruhe?“, brachte sie leise hervor, was das Lachen der anderen nur noch lauter werden ließ. Tränen traten ihr in die Augen und sie wagte es nicht, aufzusehen, aus Angst, Buffy könnte diese sonst entdecken. Stattdessen blinzelte sie heftig, um sie am Fallen zu hindern und bemühte sich, den Kloß in ihrem Hals hinunterzuschlucken.
Warum ließ sie sich immer so leicht verunsichern? Eigentlich konnte es ihr doch vollkommen egal sein, was sie alle von ihr hielten. Was Freundschaft war, wussten diese eingebildeten Töchter und Söhne reicher Eltern ohnehin nicht, für sie zählten nur zwei Dinge: Popularität und Geld. Sie konnten ja noch nicht einmal für sich selber denken, sondern sagten und taten immer nur das, was von ihnen erwartet wurde.
Und dennoch schienen sie immer alles zu bekommen, was sie wollten, das war einfach nicht fair. Weshalb? Sie verdienten diesen Luxus überhaupt nicht, anstatt einfach dankbar zu sein, dass sie alles hatten, was sie sich nur irgendwie wünschen konnten, konnten sie den Hals nie voll bekommen. Wollten immer mehr und mehr. Nicht genug damit, dass ein teuerer Sportwagen zum Geburtstag nicht ausreichte, nein, sie mussten ihn natürlich so zur Schau stellen, damit sie auch ja jeder darum beneidete und machten alle fertig, die sich so etwas nicht leisten konnten.
„Was? Hat es dir die Sprache verschlagen? Ups, ich vergaß, mit wem sollst du auch reden, deine Bücher werden dir wohl kaum antworten und so etwas wie ein Sozialleben hast du ja nicht“, stichelte Buffy weiter, nur um gleich darauf kalt aufzulachen.
Inzwischen hatten sich einige Schüler um die Gruppe versammelt, die das Schauspiel mehr oder weniger belustigt verfolgten. Unter ihnen war auch der eine oder andere, der wusste, wie es war, von den so genannten beliebten Schülern gehänselt zu werden, aber keiner von ihnen wagte es, den Versuch zu starten, dem Ganzen ein Ende zu setzen.
Willow drehte daraufhin beschämt den Kopf zur Seite und versuchte sich unbemerkt davonzuschleichen, jedoch ohne Erfolg, da sie von Harmony aufgehalten wurde.
„Wo willst du denn so schnell hin? Wo wir uns doch gerade so nett mit dir unterhalten wollten?“, fragte sie unschuldig und auch wenn die Rothaarige wusste, dass ihr die Andere schon aufgrund des Mangels an Intelligenz nicht wirklich gefährlich werden konnte, ließ sie das nahezu bösartige Grinsen der Blonden zurücktreten.
Nun mischte sich auch Ben ein, welcher bisher ruhig hinter Buffy gestanden hatte, aber dafür von dieser mit einem bösen Blick bestraft wurde, was ihn prompt handeln ließ. Er drängelte sich zwischen Harmony und Willow durch, als wollte er zu einem der Schließfächer und rempelte letztere dabei ganz „zufällig“ an, sodass sie stolperte und ihre Bücher auf dem Boden verstreute.
„Entschuldige bitte, aber Ben ist manchmal wirklich schrecklich ungeschickt, er wollte dich bestimmt nicht anrempeln“, meinte Buffy mit gespielter Freundlichkeit, doch ihr Lächeln zeigte deutlich, dass sie genau das Gegenteil meinte, was auch allen anderen klar war.
Willow hatte sich indessen gebückt, um ihre Schulsachen wieder aufzusammeln, in dem Versuch, die Clique einfach zu ignorieren, damit sie möglichst bald wieder verschwinden würde. Jedoch war ihr dabei kein Erfolg vergönnt, da Darla nun ebenfalls näher an sie herantrat und ihr Geschichtsbuch mit einem Tritt zu Harmony beförderte, die es grinsend aufhob und Buffy überreichte.
„Gib d-das wieder her“, bat die Rothaarige leise und wurde dafür nur mit noch mehr Gelächter belohnt.
„Sonst passiert was?“, erkundigte sich Buffy amüsiert und gleichzeitig herausfordernd, wusste sie doch nur zu genau, dass sie sich momentan in der besseren Ausgangsposition befand – abgesehen davon, dass die andere sich sowieso niemals selber verteidigen würde.
„Ich glaube, du hast ihre Bitte ganz gut verstanden, Summers“, erwiderte plötzlich eine kalte Stimme mit stark britischem Akzent direkt hinter der Blonden und nahm ihr gleichzeitig problemlos das Geschichtsbuch aus der Hand, da sie im ersten Moment viel zu überrascht war, um sich zu wehren.
Auch Willow kannte diese Stimme nur zu gut und obwohl noch immer ein feuchter Schleier über ihren Augen lag, wagte sie es nun doch, endlich aufzusehen. Ein schmales Lächeln legte sich auf ihre Lippen, als sie ihren Retter sah, der ein wenig besorgt den Kopf schief gelegt hatte.
Wer ihn nicht kannte, würde es nicht bemerken, da Wut und Verachtung in seinen Gesichtszügen dominierten, aber sie wusste es besser und ihr Herz machte daraufhin einen kleinen Hüpfer vor Freude. Anscheinend mochte er sie genug, um sie gegenüber Buffy zu verteidigen, obgleich jeder den Eindruck hatte, dass er sich um niemanden außer sich selbst scherte.
Das war mehr als sie nach den letzten Monaten von ihm erwartet hätte und auch mehr als jeder andere hier für sie tun würde. Anstatt sich zu den anderen zu gesellen und sie auszulachen oder einfach vorüberzugehen und so tun, als würde er sie nicht bemerken, versuchte er ihr zu helfen.
Und so wie es aussah, hatte er auch tatsächlich Erfolg damit, da Harmony und Darla augenblicklich vor ihr zurückwichen und sogar Riley, der sich bisher sowieso ziemlich herausgehalten hatte, warf ihm lediglich einen zornigen Blick zu, traute es sich aber nicht, sich mit ihm im Schulflur anzulegen. Auch wenn Spike momentan klar in der Unterzahl war, hatte er den Ruf, sich in einer Prügelei gut halten zu können, wodurch die Gefahr stieg, dass sie während eines länger andauernden Kampfes von einem Lehrer unterbrochen werden würden.
„Misch dich nicht in Dinge ein, die dich nichts angehen“, fauchte ihn Kendra nach einem kurzen Zögern doch noch an, nachdem sie gesehen hatte, dass die anderen Buffy nicht helfen würden.
Diese winkte allerdings nur amüsiert ab und wandte sich stattdessen Spike zu, wobei ein hinterhältiges Lächeln ihre Lippen zierte.
„Die Frage ist doch wohl eher, warum er sich in Dinge einmischt, die ihn nichts angehen, findest du nicht, Kendra?“, stichelte sie amüsiert, in der Hoffnung, endlich seinen wunden Punkt gefunden zu haben. „Wo er sonst immer behauptet, sich einen Dreck um seine Mitmenschen zu scheren? Vielleicht möchte er uns ja sagen, was er an dem kleinen Bücherwurm findet?“
Spike hatte während ihrer Rede, die sie in einem schon beinahe bösartigen Ton gehalten hatte, seine Hände zu Fäusten geballt und er presste die Zähne fest aufeinander, um seinen Zorn unter Kontrolle zu halten. In diesem Moment wollte er nichts lieber tun, als ihr mit einem Schlag die Nase zu brechen, Mädchen hin oder her. Einzig und allein das Wissen, dass Willow ihm diese Zurschaustellung von Brutalität wahrscheinlich ziemlich übel nehmen würde, hielt ihn davon ab, seinem Wunsch Ausdruck zu verleihen.
Stattdessen schnaubte er nur und schob Buffy grob zur Seite, bevor er sich zu Willow gesellte, welche noch immer verschüchtert auf dem Boden hockte. Er ignorierte sowohl Buffy als auch den Rest ihrer Clique, als er sich neben ihr niederließ und begann, ihre restlichen Bücher aufzusammeln.
„Bist du okay?“, erkundigte er sich leise, sodass es nur sie hören konnte, woraufhin sie lediglich ein Nicken Zustande brachte.
Sie war noch immer ziemlich geschockt über sein Verhalten, nachdem er sie bisher in der Schule links liegen lassen hatte. Warum hatte er ihr auf einmal geholfen? Und wieso sah er aus, als würde er Buffy am liebsten den Hals umdrehen, nur weil sie sie geärgert hatte? Mochte er sie vielleicht doch mehr als sie geglaubt hatte und sie hatte sich seine Ablehnung nur eingebildet?
Nein, ganz so einfach konnte es nicht sein, er hatte in der Schule bisher keine ganzen drei Worte mit ihr gewechselt. Okay, technisch gesehen gerade eben schon, aber die ganzen Monate vorher nicht.
Ihr Blick wanderte zu Spike, dessen Kiefermuskeln verärgert angespannt waren. Er schien wirklich sauer zu sein, so hatte sie ihn noch nie gesehen, obwohl sie ihn bereits öfters dabei beobachtet hatte, wie er sich mal wieder mit Buffy stritt. Doch bisher hatte sie immer den Eindruck gehabt, es wäre nur ein Spaß für ihn, ein kleiner Austausch von Gemeinheiten, um seinen Schultag etwas interessanter zu gestalten. Weshalb war er dann jetzt so wütend?
Ihre Gedanken wurden plötzlich von dem Platinblonden unterbrochen, der ihr mit einem versichernden Lächeln, welches die anderen allerdings nicht sehen konnten, da er mit dem Rücken zu ihnen hockte, die Bücher zurückgab.
„Komm, ich bring dich noch in das nächste Unterrichtszimmer“, forderte er sie auf, wobei er einen zornigen Blick in Richtung Buffy warf, die nach wie vor grinste wie eine Katze, die soeben einen Goldfisch verschlungen hatte.
~*~*~*~
„Miss Summers? Ich würde mich gerne noch einmal mit Ihnen unterhalten“, wurde die Blonde auf dem Gang von Mr. Giles, dem Bibliothekar, aufgehalten.
Mit einem unschuldigen Lächeln, welches bei den meisten Lehrern Wunder wirkte, drehte sie sich zu ihm herum und erkundigte sich fast schon freundlich: „Worum geht es denn?“
Allerdings kam sie dieses Mal mit ihrem scheinheiligen Verhalten nicht so einfach davon, hatte der Ältere doch nur zu deutlich mitbekommen, was soeben auf dem Flur geschehen war. Nur war ihm Spike dabei zuvorgekommen, Willow zu helfen, auch wenn ihn das zugegebenermaßen sehr überrascht hatte.
Normalerweise sorgte der platinblonde Punk eher selbst für Ärger, anstatt einen Streit zu beenden.
„Um Ihr Verhalten gegenüber Miss Rosenberg. Ich finde, Sie sollten sich Ihren Klassenkameraden gegenüber etwas angemessener benehmen, sonst könnten Ihre… Auseinandersetzungen unter Umständen irgendwann einmal auf Sie zurückfallen“, warnte er Buffy, während er nervös seine Brille zurechtrückte.
Es war ihm schleierhaft, warum er sie immer dabei erwischte, wie sie sich über andere lustig machte und sie hänselte, während der Rest ihrer Clique lachend um sie herumstand und diesen Unsinn auch noch unterstützte.
„Ach, tatsächlich? Nun, wenn das wirklich passieren sollte, dann werde ich es wohl bemerken, nicht wahr?“, erwiderte sie in einem arroganten Tonfall, von seinem Vorwurf vollkommen unbeeindruckt.
„Dürfte ich jetzt bitte zu meiner nächsten Unterrichtsstunde gehen?“
Ein Seufzen drang über die Lippen des Älteren, bevor er ihr mit einem stummen Nicken seine Zustimmung erteilte. Zwar hatte er nie geglaubt, ihre Meinung ändern zu können, aber er hatte dennoch gehofft, sie dazu zu bringen, zumindest einmal über ihr Verhalten nachzudenken, anstatt ihn gleich abblitzen zu lassen.
„Irgendwann wird ihr diese Uneinsichtigkeit mal noch zum Verhängnis werden“, murmelte er leise, nur um sich gleich darauf zurück in die Bibliothek zu begeben.

„Irgendwann wird Buffy diese Uneinsichtigkeit mal noch zum Verhängnis werden“, murmelte Giles leise, nur um sich gleich darauf zurück in die Bibliothek zu begeben.
~*~*~*~
Wütend schlug Spike auf den Boxsack vor sich ein, auf welchen er ein Bild von Buffy geklebt hatte. Wie konnte sie es wagen? Was bildete sich dieses kleine, aufgeblasene Flittchen eigentlich ein? Was glaubte sie denn, wer sie war? Niemand gab ihr das Recht, seine Willow so zu behandeln!
Es kümmerte ihn ja schon lange nicht mehr, wenn die Blonde ihn beleidigte und mit spitzen Kommentaren überhäufte, aber das heute im Schulflur war etwas vollkommen anderes gewesen. In jenem Moment hatte er sich nichts mehr gewünscht, als seine Finger um ihren Hals zu legen und ihr dieses selbstgefällige Grinsen mit bloßen Händen aus dem Gesicht zu quetschen.
Wieso tat sie das immer wieder? Reichte es nicht, durch die Sunnydale High zu laufen, als würde ihr die gesamte Stadt gehören? Musste sie da auch noch andere Schüler beleidigen, die es sich nicht trauten, sich zu wehren?
Als ob es nicht genug war, dass die meisten anderen praktisch den Boden, auf dem sie lief, für heilig erklärten – wie man sich dermaßen von dem Anblick einer Person beeindrucken lassen konnte, war ihm völlig schleierhaft, nur weil ihre Eltern reich waren und sie es bis zur Chefcheerleaderin geschafft hatte, wirklich sehr beeindruckend.
Ein verächtliches Schnauben entfuhr ihm und ohne es zu merken, schlug er noch fester und schneller zu als ohnehin schon, wodurch er ihr Bild mit der Zeit nahezu unkenntlich machte. Er wusste nicht warum oder wie sie es machte, doch allein der Gedanke an sie schaffte es, ihn in Rage zu versetzen, er musste ihr dazu noch nicht einmal über den Weg laufen.
Schweiß tropfte ihm von der Stirn und sein Shirt klebte inzwischen an seinem Oberkörper, während er wie besessen auf den Boxsack einprügelte, in der Vorstellung, es wäre eine gewisse eingebildete Blondine.
Er war so in dieser Aufgabe versunken, dass er Ethan nicht bemerkte, der in den Trainingsraum gekommen war und ihn nun mit skeptischem Gesichtsausdruck beobachtete.
„William!“, sprach er Spike in einem strengen Tonfall an, was diesen genervt mit den Augen rollen ließ. Noch nicht einmal hier konnte er seine Ruhe haben. War er denn nirgends vor seinem lästigen Stiefvater sicher?
Für einen Augenblick spielte er mit dem Gedanken, ihn einfach links liegen zu lassen und so zu tun, als hätte er ihn nicht gehört, verwarf diese Idee jedoch gleich wieder, da er den anderen damit nur unnötig verärgern würde. Nicht, dass ihn Ethans Gemütszustand wirklich kümmerte, aber am Ende würde er auch sich selbst damit treffen.
Mit einem geschlagenen Grummeln ließ er von dem Boxsack ab und ging ein paar Schritte auf den Älteren zu, bevor er herausfordernd eine Augenbraue hob.
„Was willst du?“, erkundigte er sich nicht unbedingt freundlich. Zwar fiel sein hasserfüllter Blick Ethan durchaus auf, aber er zeigte sich davon völlig unbeeindruckt.
„Eine Erklärung, was du schon wieder hier unten machst. Soweit ich weiß, täte es dir ganz gut, wenn du lieber mal auf dein Zimmer gehen und lernen würdest. Hattest du das nicht erst gestern mit deiner Mutter so ausgemacht?“, erwiderte sein Stiefvater kalt und auch wenn es manch einer für Besorgnis um Spikes Schulnoten gehalten hätte, wusste es dieser doch besser.
Dem Älteren ging es nicht um sein Wohl, sondern er liebte es einfach, ihm möglichst oft auf die Nerven zu gehen und auch wenn einige seiner Vorschläge ihm tatsächlich ganz gut getan hätten, war sein Wohlbefinden nicht Ethans Ziel. Viel mehr legte er es darauf an, den Blonden jeden Grund, auch dann noch in Sunnydale zu bleiben, wenn er erst einmal die High School beendet hatte, zu nehmen.
„Du hast das mit Mom ausgemacht und mich bei diesem Gespräch völlig übergangen. Abgesehen davon sagt sie sowieso zu allem, was du ihr vorschlägst, ja und Amen. Hör endlich auf, dich in mein Leben einzumischen, das Ganze geht dich überhaupt nichts an!“, brauste Spike wütend auf und seine Augen verengten sich zu Schlitzen, während er die Hände zu Fäusten ballte.
Woher wollte Ethan denn wissen, ob er mehr lernen musste oder nicht? Er forderte ihn zwar ständig dazu auf, machte sich aber nie die Mühe, erst einmal zu fragen, was für Noten er denn überhaupt hatte.
„Rede nicht in diesem Ton mit mir! Du wirst jetzt nach oben auf dein Zimmer gehen und dort bleiben, bis du morgen früh in die Schule musst, haben wir uns verstanden?!“, hob nun auch der Ältere seine Stimme an und packte Spike dann grob am Arm, da er ihn hinter sich herziehen wollte, doch dieser riss sich gleich wieder los.
„Nein, wir haben uns nicht verstanden, haben wir nie! Du kannst mich mal, du bist nicht mein verdammter Vater!“, brüllte der Blonde zurück und warf Ethan noch ein verächtliches Schnauben zu, um dann die Treppen nach oben in den Flur zu stürmen, wo er sich im Vorbeigehen einen Sweater schnappte.
Er warf noch einen kurzen Blick in die Küche, in welcher seine Mutter stand, die den Streit offensichtlich mit angehört, aber sich nicht die Mühe gemacht hatte, einzugreifen, bevor er nach draußen stürmte, die Haustür schwungvoll hinter sich zuknallend.
„Das tut nichts zur Sache, du hast zu tun, was ich dir sage!“, rief ihm Ethan noch zornig hinterher, wobei er allerdings feststellen musste, dass Spike ihn nicht mehr hören konnte, da er das Haus bereits verlassen hatte.
~*~*~*~
„Und du willst wirklich nicht bleiben? Ich meine, es ist schon ziemlich spät, um diese Zeit könnte sonst wer hier draußen rumlaufen“, erkundigte sich Buffy noch ein letztes Mal bei Kendra.
Aber auch dieses Mal erhielt sie ein vehementes Kopfschütteln zur Antwort.
„Mach dir keine Sorgen, mir wird schon nichts passieren. Wir sehen uns dann morgen in der Schule, ja? Bye“, erwiderte sie unbekümmert, wobei sie den wahren Grund für ihre Ausschlagung des Angebotes jedoch verschwieg.
Die Andere musste nicht unbedingt wissen, dass sie überhaupt nicht vorhatte, heimzugehen, sondern sich noch mit einem der gut aussehenden Typen aus dem College traf – wie war sein Name doch gleich? Charlie? Nein, das war es nicht, aber irgendetwas in der Richtung jedenfalls.
„Okay, bis morgen dann“, verabschiedete sich nun auch die Blonde mit einem geschlagenen gegebenen Seufzen.
Sie winkte ihrer Freundin noch hinterher, bis diese schließlich um die Ecke bog und somit aus ihrem Sichtfeld verschwand. Dann ging sie so schnell, wie ihre Beine sie die Stufen zum Eingang hoch trugen, wieder ins Haus, um die Gänsehaut auf ihren Armen loszuwerden.
Obwohl es eigentlich draußen sehr mild war, hatte sie gefroren und auch in ihrem Bauch hatte sich ein unangenehmes Gefühl ausgebreitet, als Kendra gehen wollte, weshalb sie letztendlich auch versucht hatte, diese zum Bleiben zu überreden.
Beruhig dich endlich wieder, schalt sie sich selber, ihr wird nichts passieren, nur weil du irgendein komisches Bauchgefühl hast. Immerhin ist der Mörder nicht mehr aufgetaucht, seit du ihn mit seinem eigenen Messer verletzt hast.
Mit einem Kopfschütteln begab sie sich ins Bad, darum bemüht, ihre grundlosen Befürchtungen zu verdrängen. Sie hatte sich schon eine ganze Weile keine Gedanken mehr gemacht, wenn sie oder ihre Freunde nach Einbruch der Dunkelheit noch durch Sunnydale liefen. Warum sollte sie dann jetzt wieder damit anfangen? Es gab überhaupt keine Anzeichen dafür, dass sich irgendetwas geändert hatte und der Killer wieder da war.
Wahrscheinlich hätten sie und Kendra nicht ausgerechnet „Scream“ anschauen sollen, dann würde sie sich jetzt nicht für nichts und wieder nichts den Kopf zerbrechen.
~*~*~*~
Genießerisch schmiegte sich Cordelia an ihren Freund, ein glückliches Lächeln auf ihren Lippen wie sie es sich nur gestattete, wenn sie mit Xander alleine hinter der sicheren Tür ihres Schlafzimmers war.
„Bereust du es, Buffys Angebot auf einen Filmabend ausgeschlagen zu haben?“, fragte sie ihn schläfrig, erinnerte sie sich doch noch zu gut an die Diskussion von zuvor, in welcher er gemeint hatte, dass sie ihre Freunde in letzter Zeit ziemlich vernachlässigt hatten, weil sie nur noch mit sich beschäftigt waren.
Er war bei dieser Meinung wirklich standhaft geblieben, sodass sie wesentlich mehr Mühe als gewöhnlich in ihre Überredungskünste hatte setzten müssen. Letztendlich hatte sie ihn mit einem Kuss zum Schweigen gebracht und ihn dabei sanft in ihr Zimmer dirigiert. Nachdem sie dort erst einmal angekommen war, schien er jeden Gedanken an den DVD-Abend über Bord geworfen zu haben.
Bereuen tat sie ihre, zugegebenermaßen etwas unfaire, Attacke nicht, aber sie befürchtete, dass er jetzt im Nachhinein doch ein wenig sauer auf sie sein würde.
Xander, der bisher mit geschlossenen Augen und einem Arm um ihre Taille dagelegen hatte, verzog daraufhin irritiert das Gesicht und richtete sich ein wenig auf, um sie direkt ansehen zu können.
„Cor, so sehr ich Buffy auch mag, kannst du sie bitte aus unserem Bett heraushalten?“, grummelte der Dunkelhaarige verwirrt, da er beim besten Willen nicht wusste, wie sie ausgerechnet jetzt auf diese Frage kam. Abgesehen davon war sein Gehirn momentan noch nicht wieder ganz funktionstüchtig, sie sollte es wirklich besser wissen, als ausgerechnet dann, wenn sie gerade Sex gehabt hatten, ein ernsthaftes Gespräch mit ihm anfangen zu wollen.
„Ach, das ist jetzt also schon unser Bett?“, erkundigte sie sich daraufhin gespielt erstaunt, aber das amüsierte Funkeln in ihren Augen verriet, dass sie keineswegs empört darüber war.
„Ich schlaf öfters bei dir als bei mir, also ja, unser Bett“, ging Xander auf ihre Neckereien nur allzu gerne ein, was sie grinsen ließ.
„Du meinst wohl mit mir“, zog sie ihn mit dem unschuldigsten Gesichtsausdruck, den sie in dieser Situation Zustande brachte, auf.
„Aber das war nicht mein Thema“, wies sie ihn auch gleich darauf wieder zurück, denn auch wenn er auf ihre Frage einging, wusste sie nicht, ob er vielleicht doch etwas wütend auf sie war und sie ihn nur davon abgelenkt hatte.
„Nein, bin ich nicht. Genau betrachtet war das hier wesentlich besser als irgendein Filmabend. Wir können ja das nächste Mal, wenn Buffy fragt, mitgehen“, erwiderte Xander nur relativ desinteressiert, war er doch viel zu sehr damit beschäftigt, seine Aufmerksamkeit den Lippen seiner Freundin zuzuwenden anstatt ihren Worten.
~*~*~*~
Ein Grinsen schlich sich auf das Gesicht der Gestalt, als ihr Blick auf die Dunkelhaarige fiel, die gerade die schlecht beleuchtete Nebenstraße entlang ging. Wer hätte geglaubt, dass sie solches Glück haben würde? Als sie heute Abend aufgebrochen war, hatte sie noch nicht einmal gewusst, wohin sie eigentlich gehen würde, geschweige denn, wo sich Buffys neue Freunde aufhielten. Und jetzt lief ihr eine davon praktisch direkt vor die Nase – wenigstens diesmal schien das Schicksal auf ihrer Seite zu stehen.
Zwar war sie nicht so ganz auf eine Begegnung vorbereitet, aber die wichtigsten Dinge für ihr Vorhaben hatte sie durchaus vorbei. Sie musste nur aufpassen, bis zum letzten Moment im Schatten zu bleiben, da sie ihr Gesicht nicht völlig verdeckt hatte, sodass die Gefahr bestand, von jemandem erkannt zu werden – wenn nicht bei dem Mord selbst, dann vielleicht in der Nähe des Tatorts und das würde sie verdächtig machen. Bei Kendra selbst wäre es egal, diese würde keine Möglichkeit mehr haben, ihr Wissen mit jemandem zu teilen, dem es auch etwas nützen würde.
Die Finger der Gestalt schlossen sich fest um den Griff des Dolches und für einen Moment fühlte sich das Objekt in seiner Hand fast schon fremd an, da sie ja eine längere Pause hatte einlegen müssen. Dafür war sie aber umso entschlossener, sich keinen einzigen Fehler zu leisten, sie würde vorher alles genauestens durchdenken, damit sie auch Erfolg hatte. Buffy würde es schon bald bereuen, wieder zu ihrem früheren, arroganten Selbst zurückgefunden zu haben.
~*~*~*~
Ein vorfreudiges Lächeln lag auf Kendras Lippen, während sie sich auf dem Weg zu dem vereinbarten Treffpunkt mit ihrem Date befand. Wenn sie sich mit diesem Typen sehen lassen würde, würde sie jeder um ihn beneiden, noch nicht einmal Buffy könnte etwas dagegen unternehmen, dass sie ihr dieses Mal die Show stehlen würde. Nur noch ein paar Straßen weiter, dann wäre sie da.
Da sie so in ihren Gedanken versunken war, nahm sie die Schritte, die ihr folgten, erst ernst, als sie in eine Nebengasse einbog und auch zu diesem Zeitpunkt war es mehr ein Gefühl als das Wissen um einen Verfolger, welches sie stutzen ließ.
Ihre Nackenhaare stellten sich auf und irgendetwas schien sie warnen zu wollen, dass sie nicht alleine war, doch sie war sich nicht sicher, wie sie eigentlich auf diese Idee kam. Sicher, sie hatte sich bereits vor einiger Zeit eingebildet, ab und an mal ein paar Schritte neben ihren eigenen zu hören, aber jedes Mal, wenn sie sich umgedreht hatte, war die Straße hinter ihr leer gewesen, weshalb sie es als Paranoia abgetan hatte. Schließlich war es schon recht spät und sie hatte sich gerade einen Teenhorrorfilm angesehen.
Hatte sie sich vielleicht doch nicht getäuscht? War da jemand? Oder hatte sie sich nur vorhin geirrt und sie wurde erst jetzt wirklich verfolgt? Das wäre auch eine Möglichkeit. Sie runzelte irritiert die Stirn, bevor sie beschloss, noch etwas weiterzugehen als hätte sie nichts bemerkt, um dann plötzlich herumzufahren und die Gasse hinter sich zu beobachten.
Aber auch diesmal konnte sie niemanden entdecken. Zwar waren die Lichtverhältnisse hier wesentlich schlechter als vorhin auf der Straße und am Rand standen einige Mülltonnen im Schatten, hinter denen sich problemlos jemand verstecken könnte, sie bezweifelte es jedoch, dass es ein Mensch schaffen würde, so schnell dahinter zu hasten, ohne ein Geräusch zu machen. Es war praktisch unmöglich.
Entnervt schüttelte sie den Kopf, jetzt litt sie tatsächlich schon an Verfolgungswahn - vielleicht hatten die Geschichten über die unaufgeklärten Morde des vorletzten Sommers sie letztendlich mehr beeindruckt als sie gedacht hatte.
Mit einem Schulterzucken drehte sie sich wieder herum, um ihren Weg fortzusetzen, das flaue Gefühl in ihrem Magen vorerst ignorierend. Doch sie kam nicht allzu weit, bevor sie abermals den Klang von Schuhsohlen auf Asphalt, die definitiv nicht ihre eigenen waren, hörte. Für einen Moment zog sie es in Erwägung, ihren Weg einfach unbeeindruckt fortzusetzen – wenn sie sich tatsächlich in Gefahr befände, hätte ihr Verfolger schon reichlich Zeit für einen Angriff gehabt -, allerdings würde es sie auch brennend interessieren, wer ihr da eigentlich hinterher schlich.
„Okay, ich hab die Nase voll, komm raus und zeig dich endlich, anstatt mir hinterher zu schleichen wie ein Feigling. Ich wüsste schon ganz gern, wer du bist und wieso du mich jetzt schon seit mindestens fünf Minuten verfolgst“, forderte sie den Unbekannten ziemlich gelassen auf.
Kurz kam es ihr in den Sinn, dass sie an ihrer Stelle wahrscheinlich wenigstens etwas Angst haben sollte, doch das war nicht ihre Art. Auch wenn die meisten vernünftigen Menschen ihren Mut als dumm bezeichnen würden, war eine einfache Konfrontation manchmal der beste Weg aus einer Auseinandersetzung heraus. So wüsste sie zumindest, woran sie war.
Dennoch war sie nicht unaufmerksam, ihre Muskeln waren angespannt und ihre Sinne vollkommen auf ihre Umgebung konzentriert, während sie auf ein Zeichen ihres Verfolgers wartete.

„Okay, ich hab die Nase voll, komm raus und zeig dich endlich, anstatt mir hinterher zu schleichen wie ein Feigling. Ich wüsste schon ganz gern, wer du bist und wieso du mich jetzt schon seit mindestens fünf Minuten verfolgst“, forderte sie den Unbekannten ziemlich gelassen auf.
Kurz kam es ihr in den Sinn, dass sie an ihrer Stelle wahrscheinlich wenigstens etwas Angst haben sollte, doch das war nicht ihre Art. Auch wenn die meisten vernünftigen Menschen ihren Mut als dumm bezeichnen würden, war eine einfache Konfrontation manchmal der beste Weg aus einer Auseinandersetzung heraus. So wüsste sie zumindest, woran sie war.
Dennoch war sie nicht unaufmerksam, ihre Muskeln waren angespannt und ihre Sinne vollkommen auf ihre Umgebung konzentriert, während sie auf ein Zeichen ihres Verfolgers wartete.
Sie musste nicht allzu lange warten, bevor hinter ihr erneut leise, aber nun deutlich vernehmbare Schritte erklangen und sich eine Person über ihre Schulter beugte. Der Drang, genau in diesem Moment mit der Faust nach hinten zu schlagen, und dem Unbekannten damit die Nase zu brechen, war nur schwer zu unterdrücken, doch sie wollte nicht einfach auf jemanden losgehen, solange sie nicht wusste, was er eigentlich von ihr wollte.
„Meinst du mich?“, flüsterte eine kalte Stimme in ihr Ohr, was sie schließlich dazu brachte, sich umzudrehen und ein paar Schritte Abstand zu der Gestalt zu gewinnen, bevor sie diese eingehend musterte.
„Wenn du mich die ganze Zeit verfolgt hast, ja“, kommentierte sie trocken und gelassener als die meisten anderen Personen es an ihrem Platz wohl getan hätten. Sie schien sich nicht wirklich etwas daraus zu machen, dass sie mutterseelenallein mit einem fremden Menschen in einer Seitengasse stand.
„Gott, wo hast du eigentlich diesen Klamottengeschmack her? So würde ich mich niemals auf der Straße blicken lassen. Kannst du nicht wenigstens mal diese lächerliche Kapuze abnehmen?“, erkundigte sie sich arrogant, in der Annahme, ihr Gegenüber wäre wohl kaum ein Straßenräuber, denn dann würde sie nicht mehr unbehelligt hier stehen.
Sie verschränkte die Arme vor der Brust und ein abfälliges Schnauben glitt über ihre Lippen, während sie die dunkle, offensichtlich zu weite Kleidung betrachtete.
Die Gestalt begann im Schutz des Schattens ihrer Kapuze über so viel fehlplatzierten Mut zu grinsen. Sie hatte schon immer gewusst, dass Kendra besserwisserisch und arrogant war, aber dass sie noch nicht einmal eine Gefahr erkannte, die direkt vor ihr stand, hätte sie nicht erwartet. Glaubte sie denn im Ernst, ihr könnte nicht passieren, nur weil sie irgendeinen Selbstverteidigungskurs belegte? Wenn sie keine Vorsicht walten ließ, machte sie das nur zu einem viel leichteren Opfer als jemand, der zumindest noch gescheit genug war, zu versuchen, sich in Sicherheit zu bringen.
Statt die Kapuze abzunehmen, schüttelte sie nur leicht den Kopf und hob ihn gleichzeitig ein wenig an, damit sie der Dunkelhaarigen wenigstens in die Augen sehen konnte.
„Ich denke, mein „Klamottengeschmack“ ist für das, was ich vorhabe, ganz angebracht“, erwiderte sie nur mit tonloser Stimme, hatte sie doch keine Lust, jetzt schon erkannt zu werden.
Kendra schnappte daraufhin erstaunt nach Luft, weil ihr Blick just in diesem Moment auf die gelblich scheinenden Augen ihres Gegenübers fiel und zum ersten Mal in dieser Nacht konnte man ein wenig Unsicherheit in ihren Gesichtszügen erkennen.
Wer stand da vor ihr? Oder besser, was? Kein Mensch hatte eine solche Irisfarbe, das war schlicht und einfach unmöglich. Selbst wenn sie die schlechten Lichtverhältnisse mit in ihre Überlegungen einbezog, kannte sie niemanden, dessen Augen auch nur annähernd ähnlich genug ausgesehen hätten, als dass man sie hier in der Dunkelheit für gelb halten könnte.
Mit einem Stirnrunzeln wich sie noch zwei Schritte zurück, jedoch ohne rechten Erfolg, da die Gestalt ihr folgte.
„Was willst du von mir?“, forderte sie misstrauisch eine Erklärung, während sie überlegte, ob es nicht vielleicht doch besser wäre zu flüchten.
Andererseits war sie keine herausragende Läuferin und sie wusste auch nicht, wie schnell ihr Gegenüber war, in einem Kampf hingegen wusste sie, dass sie nicht so leicht zu schlagen war.
„Wenn ich mich recht entsinne, hast du mich dazu aufgefordert, mich zu erkennen zu geben“, gluckste die Gestalt amüsiert und fast hätte es Kendra als ein freundliches Lachen aufgefasst, wäre da nicht weiterhin dieser kalte, starre Blick gewesen, der sie anscheinend zu Eis gefrieren lassen wollte.
Gänsehaut bildete sich auf ihren Armen und sie zog unwillkürlich die dünne Jacke fester um ihren Oberkörper, als könnte sie sie vor der Kälte, die sich in ihr breitmachte, beschützen. Der erhabene Gesichtsausdruck war verwirrten, leicht unsicheren Zügen gewichen und sie behielt ihr Gegenüber wachsam im Auge.
„Du hast mich verfolgt. Dazu musst du doch einen Grund gehabt haben“, erwiderte sie argwöhnisch. Ein Gefühl der Übelkeit stieg in ihr auf, ohne dass sie es sich erklären konnte. Sie konnte sich ganz gut selbst verteidigen und die Gestalt hatte bisher nicht versucht, sie anzugreifen, also stellte sie keine Gefahr für sie dar. Aber warum hatte sie dann Angst? Weshalb wollte sie plötzlich an jedem anderen Platz lieber sein als hier?
„Das ist nicht ganz richtig. Du hast gedacht, ich würde dich verfolgen. Vielleicht hatte ich ja auch nur zufällig denselben Weg wie du?“, setzte die Gestalt entgegen und legte dabei leicht anklagend den Kopf schief, als wollte sie sagen: Was denkst du eigentlich von mir? Der Versuch, Kendra in ihrem eigenen Spiel zu schlagen, bereitete ihr fast so viel Genugtuung, wie Buffy leiden zu sehen.
„Warum hab ich dich dann nie gesehen, wenn ich mich umgedreht hab?“
Kendras Stimme schwankte mittlerweile leicht, auch wenn sie das nie im Leben zugeben würde und sie verfluchte sich selbst dafür, Buffys Angebot, bei ihr zu übernachten, ausgeschlagen zu haben.
„Nun, ich hab ziemlich dunkle Klamotten an, da wirst du mich in der Dunkelheit nicht so schnell sehen. Das, und ich bin auch nicht direkt hinter dir gelaufen“, erwiderte ihr Gegenüber mit einem leicht spöttischen Unterton, weshalb sie sich unwillkürlich fragte, ob er vielleicht doch überhaupt nichts von ihr gewollt hatte und sich jetzt über ihre Paranoia lustig machte.
„Aber du hast trotzdem Recht – ich bin wegen dir hier“, erlöste die Gestalt Kendra endlich von ihrem Unwissen, nur um sie gleich drauf erneut in Schock zu versetzen. „Ich will Rache. Rache an dir und deinen Freunden.“
Wiederum schnappte die Schwarzhaarige nach Luft und dieses Mal weiteten sich sogar ihre Augen vor Überraschung, während sie fieberhaft überlegte, was denn eigentlich damit gemeint war. Was hatte sie getan, für das sich jemand rächen wollen würde? Zugegeben, sie waren nicht immer ganz freundlich zu ihren Mitschülern, aber so war das Leben an der High School nun einmal. Entweder man war beliebt, dann konnte man sich so ziemlich alles erlauben, oder eben nicht, dann hatte man einfach den Mund zu halten.
Doch sie musste nicht allzu lange darüber nachdenken, da ihr Gegenüber bereits fortfuhr: „Weißt du, was wirklich interessant ist? Sonst habt ihr immer die große Klappe, warum denn jetzt auf einmal so still? Ohne deine Freunde traust du dich nicht mehr, die Angeberin raushängen zu lassen, was? Alleine bist du hilf- und schutzlos. Vor mir kann dich deine geliebte Buffy nicht retten.“
Die mit gelben Kontaktlinsen bedeckten Augen sprühten nahezu vor Hass und jegliche Kälte, die noch vor wenigen Momenten darin zu sehen gewesen war, schien einem Feuer aus Verachtung gewichen zu sein, welches Kendra einen Schauer über den Rücken jagte.
Hatte sie eben noch gedacht, sie würde erfrieren, hatte sie nun plötzlich das Gefühl bei lebendigem Leibe zu verbrennen.
Wie war das möglich? Was machte diese Person mit ihr? Niemand konnte mit Blicken Wärme oder Kälte abstrahlen, das war vollkommen absurd. War das alles nur eine Einbildung? War ihr vielleicht gar nicht so schrecklich heiß und es kam ihr nur so vor, weil sie ihre Furcht mittlerweile beim besten Willen nicht mehr leugnen konnte?
„W-Was willst du von mir?“ Ihre Stimme zitterte, was das Grinsen der Gestalt nur noch breiter werden ließ. Zu schade, dass sie keine Kamera dabei hatte, dieser Gesichtsausdruck stand Kendra überhaupt nicht – wenn sie sich jetzt bloß sehen könnte, würde sie sich wahrscheinlich aus Wut selbst erledigen.
„Das sagte ich bereits. Rache. Rache für all die, die unter euch zu leiden haben. Ich will, dass ihr denselben Schmerz fühlt, den ihr ihr zugefügt habt!“, zischte ihr Gegenüber hasserfüllt, während er versuchte, die quälenden Bilder, die in ihm aufstiegen, zu verdrängen. Es würde nicht für lange anhalten, aber wenn er sich auf die Vergeltung für diese Tat konzentrierte, könnte er es zumindest für eine Weile vergessen, auch wenn ihn die Albträume bis heute verfolgten.
„Hast du noch einen letzten Wunsch?“, erkundigte er sich dann sardonisch, wobei er langsam seinen Dolch hervorholte.
Kendras Stirnrunzeln vertiefte sich auf diese Worte hin noch mehr, bevor ihr Blick auf die Klinge fiel, welche selbst im schwachen Licht der Gasse noch silbern glänzte – schön und tödlich zugleich.
Ihr Mund öffnete sich geschockt, aber kein Laut drang hervor, stattdessen schien sie zu Stein erstarrt zu sein. Was sollte sie jetzt tun? Doch rennen? Oder lieber kämpfen? Mit ein wenig Glück, konnte sie den Dolch ohne größere Probleme in ihre Hände bekommen, dann wäre sie eindeutig im Vorteil. Wenn sie sich doch bloß bewegen könnte…
Ihre Gedanken überschlugen sich förmlich und ihr Atem hatte sich inzwischen beschleunigt, während sie ihren Blick nicht vom ihrem Gegenüber abließ. Sie hatte schon gekämpft, ja, aber nie um ihr Leben. Sonst war es immer nur um Sieg oder Niederlage gegangen, um ihre Fähigkeiten zu verbessern, sie hatte sich nie ernsthaft verteidigen müssen. Jetzt jedoch konnte jeder noch so kleine Fehler ihren Tod bedeuten.
~*~*~*~
„Mom?“, rief Willow in Richtung des Arbeitszimmers ihrer Mutter, in welchem diese stets ihre Abende zu verbringen pflegte.
„Ich wollte dir nur sagen, dass ich wieder da bin“, fuhr sie gleich fort, ohne auf eine Antwort der Älteren zu warten. Wahrscheinlich war diese ohnehin zu sehr in ihre Aufzeichnungen vertieft, um sie zu bemerken.
Ein trauriges Seufzen drang über die Lippen der Rothaarigen und sie ging mit hängenden Schultern in ihr Zimmer, wo sie sich auf ihr Fensterbrett setzte. Manchmal fragte sie sich wirklich, ob sie ihren Eltern irgendetwas bedeutete. Sie schien für sie vollkommen unsichtbar zu sein, sie waren viel zu sehr mit ihrem eigenen Leben und Ideen beschäftigt. Wenn Willow ihnen etwas erzählte, dann hörten sie – wenn überhaupt – nur mit halbem Ohr zu und hatten spätestens fünf Minuten später keine Ahnung mehr, worüber ihre Tochter eigentlich eben geredet hatte.
Selbst heute Abend hatte ihre Mutter keinerlei Notiz von ihr genommen, obwohl es bereits elf Uhr war und sie in einer Schulnacht nicht so lange wegbleiben sollte. Sheila hatte keine Ahnung gehabt, wo sie denn gewesen war - den Zettel, den sie ihr geschrieben hatte, hatte sie mit Sicherheit nicht gelesen - und ob ihr vielleicht etwas passiert war. Dennoch schien sie sich keine Sorgen gemacht zu haben. War sie ihr wirklich so egal? Sie hatte noch nicht einmal versucht, sie auf dem Handy zu erreichen, um zu fragen, wie lange sie wegblieb. Ihr hätte sonst etwas passieren können und ihre Eltern hätten wahrscheinlich noch nicht einmal gemerkt, dass sie gar nicht Zuhause war.
So wie den Sommer vor anderthalb Jahren, als Spike sie verletzt in der Gasse gefunden hatte. Zugegeben, sie war nicht ganz unschuldig daran gewesen, dass es erst so weit gekommen war, sie hätte vorsichtiger sein sollen. Trotzdem war Sheila und Ira Rosenberg ihr Fehlen nicht aufgefallen, bis sie den Anruf aus dem Krankenhaus bekommen hatten.
Eine einzelne Träne lief über Willows Wangen und sie musste unwillkürlich an die einzige Freundin denken, die sie jemals hatte. Wenn Tara doch noch hier wäre, dann wäre es für sie vielleicht nicht so schlimm, dass sich niemand sonst für sie zu interessieren schien. Dann hätte sie wenigstens einen Menschen, mit dem sie sich unterhalten könnte.
So ganz stimmt das aber nicht, schallt sie sich auch gleich darauf selbst in ihren Gedanken, Spike bist du nicht egal, sonst hätte er dich nicht in der Schule vor Buffy verteidigt.
Unbewusst schlich sich ein kleines Lächeln auf ihre Lippen, als sie an den platinblonden Punk dachte. Sie kannte ihn inzwischen recht gut und auch wenn sie das Gefühl hatte, dass er irgendetwas vor ihr zurückhielt, konnte sie mit ihm besser reden als mit jedem anderen - außer Tara, aber das zählte nicht.
Sie fragte sich nur, warum er sie in der Schule so zu meiden schien. Wollte er nicht mit ihr gesehen werden? Aber wenn das der Fall wäre, dann würde er doch nicht mit ihr ins Bronze oder ins Kino gehen. Oder bildete sie sich das vielleicht nur ein? Immerhin hatte er sich heute als einziger auf ihre Seite gestellt, während alle anderen nur zugeschaut hatten.
Sie wusste meistens ganz einfach nicht, was sie aus seinem Verhalten schlussfolgern sollte. Mal hatte sie das Gefühl, er mochte sie mehr als eine normale Freundin und dann kam es ihr wieder so vor, als sei sie noch nicht einmal das für ihn. Was sollte dieses Verhalten bloß bezwecken?
~*~*~*~
Mit einem kalten Grinsen stürzte sich die Gestalt schwungvoll auf Kendra, welche den Angriff jedoch ebenso schnell abblockte und ihrerseits zu einer Drehung ausholte, um einen Treffer zu landen, unter dem sich der Fremde allerdings geschickt hinwegduckte. Er hatte bereits erwartet, dass sie durchaus in der Lage sein würde, sich gegen ihn zur Wehr zu setzen und wenn er ehrlich war, war es gerade das, was sie als Opfer so interessant machte. Diesen Kampf würde er noch mehr genießen als all die vorherigen, dessen war er sich sicher. Sie brauchte kein Glück, um gegen ihn anzukommen, sie konnte ihn ebenso gut angreifen, wie er sie. Nur war er es, der den Dolch in seiner Hand hielt und somit einen möglicherweise entscheidenden Vorteil hatte.
Er setzte zu einer schnellen Serie aus Tritten und Schlägen an, von denen einige nur vorgetäuscht, andere ein tatsächlicher Angriff waren, doch Kendra wehrte die meisten davon mühelos ab. Lediglich zwei Mal konnte er einen Treffer landen, aber keiner der beiden brachte sie ernsthaft in Bedrängnis.
Ihre Aufmerksamkeit war fast völlig auf den Dolch gerichtet, weswegen sie ihre rechte Seite ein wenig unbedeckt hielt, aber wenn er die Waffe in die andere Hand nahm, würde sie diese wieder mehr beachten. So würde er nicht weiterkommen.
Sein Blick glitt wachsam über die Schwarzhaarige, immer auf der Suche nach einer entscheidenden Lücke in ihrer Deckung, während sie nun ihrerseits versuchte, ihn genug in Bedrängnis bringen zu können, um ihm den Dolch abzunehmen…

Kendras Aufmerksamkeit war fast völlig auf den Dolch gerichtet, weswegen sie ihre rechte Seite ein wenig unbedeckt hielt, aber wenn er die Waffe in die andere Hand nahm, würde sie diese wieder mehr beachten. So würde er nicht
weiterkommen.
Sein Blick glitt wachsam über die Schwarzhaarige, immer auf der Suche nach einer entscheidenden Lücke in ihrer Deckung, während sie nun ihrerseits versuchte, ihn genug in Bedrängnis bringen zu können, um ihm den Dolch abzunehmen…
Sie setzte zu einer eleganten Drehung an, um ihm mit dem Schuh schwungvoll gegen die Schulter zu treten, doch anstatt wie erwartet dadurch nach hinten zu taumeln, fing er sie ab, sodass sie nun nicht mehr zurückkonnte. Dabei verdrehte er brutal ihr Fußgelenk, bis ein leises Knacken durch die stille Nacht hallte, gefolgt von einem Schrei, was erneut ein diabolisches Grinsen auf das Gesicht des Fremden brachte.
Für ihn war dieser Ton Musik in den Ohren, während Kendra verzweifelt versuchte, sich nicht von dem reißenden Schmerz ablenken zu lassen. Ihre Sicht verschwamm für ein paar Augenblicke, bevor sie energisch den Kopf schüttelte und die in ihr aufkeimende Wut über diesen Fehler – sie hätte viel schneller für diesen Angriff sein müssen – auf ihren Gegenüber projizierte.
Mit zusammengebissenen Zähnen riss sie ihren Fuß los, den der Fremde nun nicht mehr allzu derb festhielt, um dann hilflos ein paar Schritte nach hinten zu taumeln. Wieder machten sich schwarze Flecke in ihrem Blickfeld breit und wieder kämpfte sie dagegen an, bei Sinnen zu bleiben. Sie zog scharf die kühle Nachtluft in ihre Lungen und verlagerte ihr gesamtes Gewicht auf ihr linkes Bein, um den Schmerz nicht noch zu verstärken.
Für einen Moment spielte sie kurz mit dem Gedanken, sich einfach der aufkommenden Bewusstlosigkeit hinzugeben. Sie war müde, abgekämpft und verletzt, wahrscheinlich wäre es sogar die bessere Alternative, hatte sie jetzt doch alle Chancen in diesem Kampf verspielt. Aber dann besann sie sich darauf, dass es, wenn sie aufgab, ihren sicheren Tod bedeutete, wohingegen sie, solange sie weiterkämpfte, zumindest noch auf ein Wunder hoffen konnte. Vielleicht würde ja jemand zufällig in die Gasse kommen und den Mörder genug erschrecken, damit er verschwand?
Der Angreifer schien allerdings, was das betraf, ganz und gar nicht ihrer Meinung zu sein, denn er warf ihr nur ein spöttisches: „Du kommst hier nicht mehr lebend raus, und du weißt es“, zu.
Mit diesen Worten beschloss er, sein grausames Spiel für die heutige Nacht zu beenden und überbrückte den Abstand zwischen ihnen mit zwei schnellen Schritten. Er packte ihre Arme, mit denen sie versucht hatte, ihn von sich zu stoßen, da sie ja nun nicht mehr weglaufen konnte und schenkte ihr noch ein letztes, grausames Lächeln, bevor er ihr den Dolch geradewegs ins Herz rammte.
Kendra schnappte schmerzerfüllt nach Luft und für ein paar Sekunden machte sich Entsetzen in ihr breit. Zwar hatte sie gewusst, dass sie keine reelle Chance mehr hatte, doch wirklich auf den Tod vorbereitet hatte sie das auch nicht. Ein Teil von ihr hatte wider besseren Wissen fest daran geglaubt, hier wieder lebendig herauszukommen – vergebens.
Ihr Körper bäumte sich noch einmal in den Armen ihres Mörders auf, bevor schließlich jegliche Spannung aus ihren Gliedern wich und sie regungslos zu Boden stürzte.
~*~*~*~
Schutzsuchend lehnte sich Cordelia an Xanders Brust. Sie saßen gerade mit ihren Freunden in der Cafeteria und im Gegensatz zu sonst war es ungewöhnlich ruhig an ihrem Tisch. Keiner wusste so recht, was er sagen sollte.
Buffy war heute Morgen völlig aufgelöst in die Schule gekommen, nachdem sie durch die Polizei über Kendras Tod informiert worden war. Man hatte sie zu einer Befragung ins Revier geladen, da sie diejenige war, die ihre Freundin zuletzt lebend gesehen hatte, doch man machte sich keine allzu großen Hoffnungen, damit irgendeinen Hinweis zu erhalten.
Genauso wenig hatte die Sunnydaler Polizei bisher eine Verbindung zu den Morden, welche anderthalb Jahre zuvor in Buffys Umfeld stattgefunden hatten, gezogen, obwohl die Wunden auf das gleiche Tatwerkzeug schließen ließen. Nur war das vor Vollendung der Obduktion nicht zweifelsfrei festzustellen.
Den Teenagern ging diese Möglichkeit jedoch sehr wohl im Kopf herum, auch wenn die Kriminalitätsrate in der kalifornischen Kleinstadt ungewöhnlich hoch war, geschah es selten, dass jemand dabei zu Tode kam. Und wenn es tatsächlich nur ein gewöhnlicher Straßenräuber gewesen wäre, dann hätte er höchstwahrscheinlich nach einem kurzen Schlagabtausch mit Kendra das Weite gesucht, anstatt sich auf solch einen gefährlichen Kampf einzulassen.
„Was, wenn es tatsächlich derselbe Täter wie damals ist? Er wurde nie geschnappt und Kendra war eine Freundin von uns“, platzte Cordelia schließlich mit dem heraus, was keiner der anderen auszusprechen wagte, wurde allerdings gleich wieder von Riley unterbrochen.
„Unsinn. Das ist doch schon eine Ewigkeit her. Er ist damals einfach so verschwunden, warum sollte er dann ausgerechnet jetzt auf einmal wieder auftauchen und da weitermachen, wo er aufgehört hat? Das ist völlig absurd.“
„Eben! Dass er damals verschwunden ist, hat auch keinen Sinn ergeben. Er hatte keinen Grund, aus dem er mit dem Morden aufgehört hat, weshalb also sollte er einen brauchen, um mal eben so wieder damit anzufangen?“, hielt die Dunkelhaarige stur entgegen, wobei sie sich noch nicht einmal die Mühe machte, ihren Gesprächspartner anzusehen.
„Er lebt höchstwahrscheinlich gar nicht mehr. Wenn diese Typen einmal damit angefangen haben, hören sie nicht mehr auf, bis sie dazu gezwungen werden. Der Polizei ist er nicht in die Hände gefallen, also ist er tot“, erwiderte der Blonde, als wäre es die natürlichste Sache der Welt. Wahrscheinlich zog er einen andere Möglichkeit überhaupt nicht in Betracht, da er bei psychologischen Fragen ohnehin immer felsenfest davon überzeugt war, Recht zu haben, arbeitete seine Tante Maggie Walsh doch in diesem Beruf.
„Das, oder er hat ganz einfach erreicht, was er wollte. Dann wäre da allerdings noch die Frage, was er dieses Mal bezwecken will? Und was er letztes Mal eigentlich erreicht hat? Immerhin haben die meisten vermutet, Buffy wäre das Hauptziel. Sie ist als einzige mehrmals angegriffen worden“, mischte sich nun auch Xander in die Diskussion ein, die Arme immer noch fest um die Taille seiner Freundin geschlungen.
„Weil sie als einzige entkommen ist. Alle anderen, die ihm begegnet sind, sind tot“, meinte Cordelia unbekümmerter als sie es wirklich war. Seit sie von Kendras Ermordung erfahren hatte, hatte sich ein ungutes Gefühl in ihrem Bauch breitgemacht. Wie ein Klumpen Eis, der einfach nicht schmelzen wollte.
„Warum seid ihr euch eigentlich alle so sicher, dass es derselbe Täter ist? Bisher ist nur dieser eine Mord geschehen und das hätte jeder gewesen sein können. Abgesehen davon kann das Ganze doch überhaupt nicht geplant gewesen sein. Kendras Heimweg liegt überhaupt nicht in dieser Richtung, sie wollte noch irgendwohin, das wussten aber noch nicht einmal wir. Demzufolge kann es auch niemand anderes erfahren haben, wenn sie uns nichts davon erzählt hat, dann ganz sicher auch niemand anderem“, warf Darla mit ihrem gewöhnlich kalten Unterton ein, nicht sehr bekümmert über Kendras Tod, hatte sie die Jamaikanerin doch noch nie so richtig leiden können. Für sie bedeutete das nur eine Rivalin weniger, wenn es darum ging, die Aufmerksamkeit der High-School-Schüler auf sich zu ziehen.
„Falsch, zumindest derjenige, mit dem sie sich treffen wollte, muss davon gewusst haben. Aber es ist sehr unwahrscheinlich, dass sie sich von den ganzen Leuten, mit denen sie sich treffen könnte, ausgerechnet heute mit diesem Serienkiller verabredet hat“, bemerkte Riley, wofür er einen Rippenstoß von seiner Freundin erntete, da diese nichts mehr hasste als von ihm berichtigt zu werden. Aber bevor sie sich weiter darüber beschweren konnte, läutete auch schon die Klingel und die Clique war dazu gezwungen, sich auf den Weg in den Unterricht zu machen.
~*~*~*~
Tränen liefen über das Gesicht des blonden Mädchens, während sie mit zitternden Händen ihre Bücher aufhob und dabei verzweifelt versuchte, das schallende Gelächter um sich herum zu ignorieren. Man sollte meinen, dass sie nach Jahren der Demütigung daran gewöhnt wäre, gehänselt und ausgelacht zu werden, doch es versetzte ihr jedes Mal aufs Neue einen Stich ins Herz.
Warum konnte sie keiner leiden? War sie zu hässlich oder zu dumm? Weshalb wollten die anderen noch nicht einmal mit ihr reden? In der Schule lief sie immer nur alleine durch die Gänge und auch nachmittags hatte sie niemanden, mit dem sie sich hätte treffen können. Es kam ihr fast so vor, als habe sie irgendeine schreckliche Krankheit, die sich bereits dann übertrug, wenn man sie nur ansah. Die einzigen Augenblicke, in denen ihr jemand seine Aufmerksamkeit schenkte, waren die, in denen sie von den beliebteren Schülern gehänselt wurde. Aber in diesen Momenten wünschte sie sich dann nichts sehnlicher als wieder genau das zu sein, was sie sonst für jeden hier war – unsichtbar.
Ein Seufzen drang über ihre Lippen und sie hob eine Hand, um sich damit die Tränen aus dem Gesicht zu wischen. Die anderen machten ihr das Leben auch so schon zur Hölle, da mussten sie sie nicht auch noch weinen sehen.
Und außerdem waren bald Ferien, dann hätte sie nicht nur für eine Weile ihre Ruhe vor dem ganzen Spott, den ihr ihre Mitschüler andauernd entgegen brachten, sondern auch endlich jemanden, mit dem sie ein wenig Spaß haben könnte. Dann würde nämlich ihr Zwillingsbruder aus dem Internat nach Hause kommen und sie könnten sich endlich mal wieder sehen.
Sie hasste es, dass er die meiste Zeit so weit von ihr entfernt war, er war ihr einziger Freund und sie vermisste ihn furchtbar. Aber egal wie sehr sie beide auch bettelten, ihre Eltern waren der Meinung, es wäre besser, wenn sie auf getrennte Schulen gingen, da sie auch so schon zu sehr aneinander hingen.
Warum taten sie das? Das war einfach nicht fair. Zwar würde er ihr sicher auch nicht helfen können, was die Hänseleien betraf – dazu ähnelte er ihr vom Charakter her zu sehr -, aber alleine mit ihm reden zu können, würde das Ganze um so vieles leichter machen. Mit ihm zu telefonieren war ganz einfach nicht dasselbe wie ihn vor sich stehen zu haben.
~*~*~*~
Genervt sah Spike zu der Blondine herunter, die ihm schon den ganzen Abend lang mit ihrem Geplapper in den Ohren lag und irgendwie beschlossen zu haben schien, dass er etwas an ihr fand. Er hatte bereits mehr als einmal den Versuch gemacht, sie irgendwie loszuwerden, aber als auch der zehnte Anlauf erfolglos verlaufen war, hatte er es endgültig aufgegeben und sich stattdessen damit begnügt, sie einfach zu ignorieren. Interessant daran war nur, dass sie bis jetzt überhaupt noch nicht begriffen zu haben schien, dass er ihr überhaupt nicht zuhörte, sondern seinen Blick über ihren Körper schweifen ließ.
Sie sah immerhin gut aus, das musste man ihr lassen, auch wenn sie für seinen Geschmack zu viel pink trug, aber darüber konnte man getrost hinwegsehen. Nur schien ihr Aussehen auch schon so ziemlich alles zu sein, was sie zu bieten hatte, sonderlich intelligent war sie nämlich nicht. Aber was konnte man auch schon von einer erwarten, die mit Buffy befreundet war?
Womit er auch schon wieder bei dem Grund war, aus dem er bisher noch nicht einfach wieder gegangen war. Denn wenn es ihm gelingen würde, später noch mit Harmony zu schlafen und sie dann fallen zu lassen, könnte er Buffy für den Rest ihrer Schulzeit damit aufziehen, dass ihn ihre Begleiterinnen längst nicht so abstoßend zu finden schienen wie sie gerne behauptete.
Bei diesem Gedanken schlich sich ein vorfreudiges Grinsen auf Spikes Lippen und er konnte dem Versuch, sich diese Szene bildlich vorzustellen, beim besten Willen nicht widerstehen. Allein ihr entsetzter Gesichtsausdruck, wenn sie davon erfuhr, war es wert, sich einen Abend lang von Harmony zutexten zu lassen.
~*~*~*~
Ein unsicherer Ausdruck lag auf Willows Gesicht, während sie ihren Blick durch das Bronze schweifen ließ. Normalerweise hätte sie niemals freiwillig auch nur einen einzigen Fuß in diesen Club gesetzt, weil sich hier einfach zu viele Leute aus ihrer Schule aufhielten, doch da sie ein paar Mal mit Spike da gewesen war, hatte sie gehofft, ihn hier vielleicht zu treffen.
Sie waren zwar nicht verabredet, aber sie war eher als geplant mit der Vorbereitung ihres Referats fertig geworden und hatte danach bei dem Platinblonden angerufen, um ihn zu fragen, ob er Lust hatte, mit ihr irgendwas zu unternehmen. Allerdings war er nicht Zuhause gewesen und sie hatte nur einen gewissen Ethan am anderen Ende der Leitung erreicht, der ihr ziemlich unfreundlich mitgeteilt hatte, dass sein Stiefsohn nicht da wäre und sich wahrscheinlich „in diesem schrecklichen Schuppen, den er als Club bezeichnet“ herumtriebe. Gott, diesem Mann wollte sie wirklich nicht über den Weg laufen, hätte er ihr das Ganze nicht wenigstens ein bisschen freundlicher sagen können? Kein Wunder, dass Spike zumeist nicht viel von Manieren hielt, bei so einem Vorbild.
Noch immer über dieses Verhalten verärgert schüttelte die Rothaarige den Kopf, um auf andere Gedanken zu kommen. Zum Beispiel denjenigen, wo Spike denn nun war. Sie hätte erwartet, ihn am Tresen zu finden, doch er schien heute nicht an seinem üblichen Platz zu sitzen. Ob er vielleicht schon wieder gegangen war?
Nein, wohl kaum, es war erst halb zehn und sie wusste aus Erfahrung, dass er versuchte, so spät wie möglich nach Hause zu gehen – jetzt kannte sie auch endlich den Grund dafür.
Sie ließ ihren Blick daraufhin über die Tanzfläche wandern und entdeckte Spike schließlich etwas abseits lässig an eine Wand gelehnt mit einer Flasche Bier in der Hand. Ein Lächeln legte sich auf ihre Lippen und sie wollte schon freudig auf ihn zugehen, als sich plötzlich eine weitere Person in ihr Sichtfeld schob, welche sie die Stirn runzeln ließ. Wer war diese blonde, aufgetakelte Barbiepuppe denn? Und was wollte sie von Spike? Flirtete er etwa mit ihr?
Ein Stich durchfuhr ihre Brust und ohne zu wissen warum, fühlte sie sich auf einmal traurig und verletzt. Sie konnte ihm keinen Vorwurf machen, immerhin waren sie nicht zusammen, aber sie hatte immer gedacht, er würde sie vielleicht doch mehr mögen als eine gute Freundin. Falsch, gehofft wäre beim Anblick dieses Szene wohl die bessere Bezeichnung.
Sie betrachtete die Blonde für eine Weile schweigend und stellte dabei fest, dass diese eine Figur hatte, von der sie selbst nur träumen konnte. Kein Wunder, dass Spike lieber mit ihr flirtete, sie war viel hübscher und passte vom Aussehen her wesentlich besser zu ihm, auch wenn ihr Outfit völlig überzogen war.
Ein schwermütiges Seufzen drang über Willows Lippen und sie wollte sich gerade umdrehen und wieder gehen, als die Blondine über die Schulter sah und ihr Gesicht genau in ihre Richtung zeigte, was sie geschockt nach Luft schnappen ließ. Das war doch tatsächlich Harmony!

Ein schwermütiges Seufzen drang über Willows Lippen und sie wollte sich gerade umdrehen und wieder gehen, als die Blondine über die Schulter sah und ihr Gesicht genau in ihre Richtung zeigte, was sie geschockt nach Luft schnappen ließ. Das war doch tatsächlich Harmony!
Wut und Verletztheit flammten in ihr auf. Ausgerechnet eine von Buffys Freundinnen, wie konnte er nur? Wie konnte er ihr so einen Schlag ins Gesicht versetzen? Hatte er denn gar keinen Geschmack? Was fand er bloß ausgerechnet an Harmony? Bei jeder anderen hätte sie es verstehen können, ja, vielleicht sogar bei Buffy selbst, diese konnte zumindest noch denken, auch wenn sie das nicht gern zugab, aber nie hätte sie gedacht, dass er sich mit dieser aufgeblasenen Barbiepuppe abgeben würde!
Noch dazu, weil er sie erst gestern vor ihren Spötteleien beschützt hatte, sie vor Buffys Clique verteidigt hatte. Und jetzt hatte er nichts Besseres zu tun, als mit dieser… dieser Schlampe rumzumachen? Normalerweise würde sie noch nicht einmal im Traum daran denken, jemanden so zu betiteln, aber bei Harmony fiel ihr beim besten Willen keine andere, treffende Bezeichnung ein. Es war schließlich kein Geheimnis, dass diese mit fast jedem Jungen ihrer Klassenstufe, sowie den meisten Studenten in Sunnydale geschlafen hatte.
Enttäuscht schüttelte Willow den Kopf, wenn sie es nicht mit eigenen Augen vor sich sehen würde, würde sie es nicht glauben. Spike hatte immer behauptet, er würde von diesen ganzen eingebildeten Söhnen und Töchtern reicher Eltern genauso wenig halten wie sie, doch anscheinend hatte er gelogen. Ganz im Gegenteil, Harmony schien ihm sogar ausgesprochen gut zu gefallen, wenn er es in Kauf nahm, sich die ganze Zeit über ihr sinnloses Geplapper anzuhören.
Mit einem letzten Blick zu dem platinblonden Punk machte Willow auf dem Absatz kehrt und floh förmlich aus dem Bronze, befürchtete sie doch, vor allen Leuten in Tränen auszubrechen, sollte sie noch länger bleiben und zusehen, wie er mit so einer flirtete.
~*~*~*~
Mit einem unbewussten Lächeln ließ Riley von weitem seinen Blick über seine Freundin wandern. Sie war wirklich schön. Ihre langen, blonden Haare flossen im Mondlicht wie flüssiges Silber über ihren Rücken und bildeten einen krassen Gegensatz zu dem schwarzen Neckholdertop, welches sich eng an ihre Figur schmiegte. Die blasse Haut, über welche er sich immer wieder wunderte, wieso sie trotz der vielen Sonne nicht braun zu werden schien, war zwar ebenfalls dunkler als ihr Haar, wirkte aber dennoch wie zerbrechliches Porzellan – ein absurder Gedanke, wenn er daran dachte, wie energisch ihr Charakter war. Sie wusste, was sie wollte und was sie wollte, das bekam sie auch.
Aber jetzt hier, ganz allein am Waldrand, in der Dunkelheit, strahlte sie die Unschuld eines jungen, hübschen Mädchens aus, das sich ihrer Vorzüge kaum bewusst war. Oder zumindest hatte es den Anschein und auch das wusste sie nur zu gut.
Viele neigten dazu, sie zu unterschätzen, wenn sie es nur darauf anlegte. Solange sie lächelte, passte auch ihr Gesicht zu dieser Maske, lediglich die kalten, schon fast berechnenden Augen störten das Bild, aber nicht genug, um Skepsis zu erwecken. Er kannte sie mittlerweile gut genug, um sich nicht mehr allzu sehr davon beeindrucken zu lassen, wusste er doch, wie schnell jenes Lächeln den beinahe harschen Gesichtszügen einer Eiskönigin – schlimmer noch als Buffy – weichen konnten.
Manchmal fragte er sich wirklich, welche von beiden der wahren Darla näher kam, doch keine der Masken schien so recht zu ihr zu passen. Und dennoch hatte er sie nie anders gesehen, obgleich er sie inzwischen vielleicht sogar besser kannte als ihre eigenen Eltern, welchen nur wichtig zu sein schien, dass sie sie ja nicht vor ihren Geschäftspartnern blamierte. Ob sie überhaupt selbst wusste, wer sie wirklich war?
Ein leises Seufzen drang über seine Lippen und er schob diese Gedanken beiseite, um sich anschließend ganz seiner Freundin zuzuwenden, die ihn immer noch nicht bemerkt hatte. Stattdessen sah sie fasziniert zum Himmel hinauf, als würde sie dort die Antwort auf irgendeine Frage suchen. Er schlang vorsichtig von hinten die Arme um ihre Taille, darauf bedacht, sie nicht zu erschrecken und murmelte ihr ein zärtliches: „Hey Darla“, ins Ohr, was sie dazu brachte, sich schwankend zu ihm umzudrehen.
„Du bist da. Endlich, ich hab ewig auf dich gewartet“, begrüßte sie ihn, wobei eine Art Schleier über ihrer Stimme zu liegen schien. Sie klang schleppend und kratzig, als würde es ihr Mühe machen, diese Worte zu formen, was ihn in einer bösen Vorahnung die Stirn runzeln ließ.
„Mir war aber trotzdem nicht langweilig, weißt du“, fuhr sie ungewöhnlich gesprächig fort und fast wäre ihm ein leises Grollen entwichen, hätte er es nicht im letzten Moment unterdrückt, um ihr eine Chance zu geben, ihm zu sagen, dass er sich irrte.
„Um mich herum hat sich alles gedreht und da waren so viele schöne, bunte Farben. Nur der dort oben ist nicht nett zu mir, er hat mich beschimpft und er ist auch nicht so schön bunt. Er blutet, siehst du?“, brabbelte sie unbeirrt weiter und deutete dann zum Mond hinauf, der Rileys Meinung nach eindeutig silbrig weiß glänzte.
Eine Welle aus Zorn kochte in ihm hoch und er stieß Darla beinahe schon angewidert von sich, was sie straucheln ließ. Seine Hände hatten sich zu Fäusten geballt und die Ader an seiner Schläfe pulsierte gefährlich, während sein Gesicht rot anlief. Wieso? Warum hatte sie es wieder getan? Sie hatte es doch versprochen, hatte ihm geschworen, dieses Zeug nie wieder anzufassen und er hatte ihr geglaubt, hatte wirklich gedacht, er könnte ihr vertrauen. Was für ein Idiot er doch war. Er hätte es besser wissen müssen, hätte sich darüber im Klaren sein sollen, dass sie niemals die Absicht gehabt hatte, seiner Bitte, seinem Flehen Folge zu leisten.
Sah sie denn nicht, was sie damit aus sich selbst machte? Dass sie sich damit restlos zerstörte? Oder vielmehr das, was von ihr noch übrig ist, berichtigte er sich bitter.
„Warum? Warum machst du das? Du hast gesagt… nachdem Drusilla tot war, hast du versprochen, nie wieder Drogen anzurühren“, fragte er sie tonlos und kam sich dabei vor wie ein hilfloser, kleiner Junge, der etwas gegenüberstand, das er weder begriff, noch ändern konnte.
Er wollte sie anschreien, wollte ihr zeigen, wie wütend er auf sie war, ihr sagen, wie enttäuscht und hintergangen er sich fühlte, wie sehr sie ihn mit ihrem Verhalten verletzt hatte. Doch er konnte es nicht, brachte es nicht fertig, sie so anzufahren, auch wenn er nicht wusste, ob es daran lag, dass er sie dafür zu sehr liebte, oder weil er sich darüber im Klaren war, dass sie wahrscheinlich ohnehin nur die Hälfte von dem, was er sagte, verstehen würde. Er wollte sie schütteln, nur damit sie diesen glasigen, apathischen Ausdruck in ihren Augen verlor, den er so sehr hasste und gehofft hatte, nie mehr wieder sehen zu müssen.
Dennoch tat er nichts von all dem. Statt sie anzuschreien, öffnete er nur hilflos den Mund und schloss ihn gleich wieder, wie ein Fisch auf dem Trockenen, und statt sie zur Besinnung zu schütteln, bohrte er seine Fingernägel in die Flächen seiner Hände, in dem Versuch, sich davon abzuhalten, sie anzurühren.
„Ich hab dir nie etwas versprochen, ich habe dir lediglich nicht widersprochen, als du mich darum gebeten hast. Das ist ein Unterschied, Riley. Abgesehen davon wissen wir beide, dass es nicht die Drogen waren, die Drusilla umgebracht haben“, entgegnete die Blonde mit einem Mal viel nüchterner. Der taube Ausdruck verließ ihre Augen für ein paar Sekunden und sie sah ihn ehrlich an, zeigte ihm, dass sie sich nicht schuldig fühlte, obgleich ein Teil von ihr es bereute, ihn so enttäuscht zu haben.
Vielleicht liebte sie ihn nicht, aber es war nicht ihre Absicht gewesen, ihn mit ihrem Handeln zu verletzten. Sie wusste, wie empfindlich er auf das Thema Drogen reagierte, immerhin war Drusilla seine Schwester gewesen und auch wenn ihr Vater ihr jeglichen Kontakt zur Familie verboten hatte, liebte Riley sie noch. Sein Vater mochte es geschafft haben, sie aus seinem Leben zu streichen, doch nicht die Erinnerung an sie.
„Ist das so?“, erwiderte er bitter und er konnte nicht verhindern, dass seine Hände zu zittern begannen. „Wenn das deine Meinung ist, dann brauchst du mich ja nicht. Wenn du mir noch nicht einmal ein Versprechen geben kannst, dann bedeute ich dir wohl auch nichts. Hab ich recht?“
„Ich…“, begann Darla, stockte jedoch gleich wieder. Sie wollte etwas sagen, wollte das Gegenteil behaupten, wollte ihm sagen, dass sie ihn liebe, doch nichts davon drang über ihre Lippen, weil sie es nicht fertig brachte, ihn so zu belügen. Er konnte nicht von ihr verlangen, diese drei Worte zu sagen, nicht, wenn sie ehrlich zu ihm sein sollte.
Sie mochte ihn mehr als ihre bisherigen Freunde, ja, aber Liebe? Fast hätte sie aufgelacht. Was für ein absurder Gedanke. So etwas gab es überhaupt nicht. Liebe war etwas, wonach sich Menschen sehnten, eines jener Dinge, die sie sich erfanden, um ihr Leben leichter, schöner zu machen. Weil Hoffnung manchmal das einzige war, was sie noch aufrechterhielt. Hoffnung darauf, irgendwann einmal etwas zu finden, das keine Wünsche mehr offen ließ. Glückseligkeit. Und die Liebe selbst war dabei die wahrscheinlich größte Lüge.
Für Liebe bekam man keine Anerkennung, keinen Respekt und auch kein besseres Leben. In dieser Welt ging es nur um Geld. Denn Geld brachte Kontakte. Und Kontakte brachten Macht. Und Macht brachte ein Leben in Wohlstand und ein Stück jenes grausamen seelischen Friedens, nach dem die Menschen suchten.
Jeder Mensch war letztendlich irgendwo ein Egoist, egal wie sehr er sich um andere sorgte. Wer das Gegenteil behauptete, war nur zu blind, oder eben zu arrogant, um die Wahrheit zu sehen.
Es war schon erstaunlich, wie klar diese Gedanken auf einmal zu sein schienen, hatte sie doch gerade noch nicht einmal den Mond als solchen erkannt, weil ihre Sinne völlig benebelt waren. Wie weit sie wohl noch vom Wahnsinn entfernt war? Viel schien jedenfalls nicht mehr zu fehlen und wenn man bedachte, dass auch Drusilla nach längerem, regelmäßigem Drogenkonsum verrückt geworden war, erschien es ihr durchaus logisch.
Riley jedoch schien ihr Schweigen als Antwort zu genügen und er senkte geschlagen gegeben den Blick. Obgleich er ihre Gefühle – oder vielmehr den Mangel dieser – bereits gekannt hatte, bevor er ihr jene Frage gestellt hatte, hatte ein Teil von ihm bis zuletzt gehofft, sie würde ihm das Gegenteil beweisen. Dieses eine Mal, nur dieses verdammte eine Mal wünschte er sich nichts mehr, als im Unrecht zu sein – vergebens. Sie liebte ihn nicht, und genau das war ihnen beiden von Anfang an klar gewesen. Er hatte es nur nicht so ganz wahrhaben wollen, hatte gedacht, wenn er ihnen eine Chance gäbe, wenn er ihr nur genug Zeit ließe, könnte sich daran etwas ändern. Was für ein Narr er doch gewesen war.
Ein letztes Mal zog er sie zu sich heran und stahl einen Kuss von ihren verführerisch süßen Lippen, der allerdings im Gegensatz zu sonst einen bitteren Nachgeschmack der Trauer in seinem Mund hinterließ, bevor er sich abwandte und ging. Er brauchte ihr nicht zu sagen, dass es zwischen ihnen vorbei war, sie wusste selbst, dass er seine Fassade nach diesem Geständnis nicht mehr aufrechterhalten können würde.
~*~*~*~
Mit einem zufriedenen Grinsen auf den Lippen schloss Spike die Tür auf und betrat leise das Haus seiner Mutter. Es war ihm tatsächlich gelungen, Harmony um den Finger zu wickeln – was bei ihrem nahezu fanatischen Verhalten ehrlich gesagt nicht allzu kompliziert gewesen war – und mit ihr zu schlafen, er konnte es kaum abwarten, Buffy diesen Abend auf die Nase zu binden. Sie würde sich schwarz ärgern.
Das Grinsen erlosch jedoch schlagartig, als er sah, wer im Flur auf ihn wartete: Ethan. Er hatte sich doch tatsächlich einen Stuhl aus der Küche geholt und mit verschränkten Armen ein Stück hinter die Tür gesetzt, leider weit genug entfernt, um sie nicht gegen die Knie geschlagen zu bekommen, wenn man sie öffnete. Manchmal fragte er sich wirklich, ob sein Stiefvater nicht ein bisschen verrückt war, aber eigentlich sollte ihn auch diese Situation nicht mehr überraschen, auch wenn ein normaler Mensch wahrscheinlich zumindest das Licht angelassen hätte, anstatt im Dunkeln zu warten.
Wenn er schon länger hier gesessen und die ganze Zeit über so grimmig wie jetzt dreingeschaut hat, sollte er wohl besser aufpassen, dass dieser Ausdruck nicht auf seinem Gesicht kleben bleibt, dachte der Teenager gehässig. Er behielt diesen Kommentar jedoch klugerweise lieber für sich, anstatt ihn laut zu äußern, da er sich nicht noch mehr Ärger einhandeln wollte, als er offensichtlich bereits hatte.
„Wo warst du so lange?“, durchschnitt auch schon die kalte Stimme des Ältern die Stille, was Spike genervt mit den Augen rollen ließ.
„Im Bronze“, erwiderte er ebenso knapp und sein Gesichtsausdruck nahm die gleiche eiserne Starrheit an wie der Ethans. Allerdings weigerte er sich, seine Arme vor der Brust zu verschränken, wäre es seiner Meinung nach doch ein Zeichen von Schwäche, sich auf diese Art und Weise gewissermaßen abzuschirmen – eine Schwäche, die er vor diesem Bastard ganz bestimmt nicht zeigen würde.
„So? Und mit wem hast du dich diesmal so rumgetrieben, Will?“, erkundigte er sich scheinbar interessiert, wobei er die verkürzte Version von Spikes eigentlichem Namen herausfordernd betonte. Er wusste nur zu gut, wie sehr er den Blonden damit in Rage bringen konnte und vielleicht gelang es ihm irgendwann einmal so weit, dass er komplett die Kontrolle verlor.
Tatsächlich schienen Spikes Augen plötzlich Funken aus unbändigem Zorn zu sprühen und für einen Moment sah er komplett rot. Er wollte sich auf Ethan stürzen und auf ihn einschlagen, so lange, bis er sich nicht mehr rühren würde. Damit er nie wieder das Andenken an sie beschmutzen konnte. Damit er nie wieder diesen Kosenamen verwenden konnte, einen Namen, mit dem nur sie ihn hatte bezeichnen dürfen.
Und er wusste es, wusste es nur zu gut. Wusste, wie sehr es ihn verletzte, dieses Wort zu hören, wusste, dass er es nicht mehr vernommen hatte, seit… nein, er sollte nicht daran denken. Denn dann könnte ihn nichts mehr davon abbringen, sich wutentbrannt auf seinen Stiefvater zu stürzen.
Im letzten Augenblick brachte er sich selbst zur Besinnung und mit Mühe gelang es ihm, die Faust, die er bereits zum Schlag erhoben hatte, wieder zu senken. Seine Muskeln waren angespannt und er zitterte unter der Anstrengung, sich zu beherrschen, seinen Gefühlen nicht freien Lauf zu lassen.
Lediglich ein Blick in Ethans Gesicht, auf das sich nun ein hämisches Grinsen gelegt hatte und das ihm nur so entgegen zu schreien schien, doch endlich zuzuhauen, hielt ihn davon ab, sich mit dem Älteren zu prügeln.
„Wie kannst du dreckiger Mistkerl es wagen…“, zischte er stattdessen hasserfüllt zwischen fest aufeinander gepressten Lippen hervor, was Ethan veranlasste, laut aufzulachen.

Im letzten Augenblick brachte Spike sich selbst zur Besinnung und mit Mühe gelang es ihm, die Faust, die er bereits zum Schlag erhoben hatte, wieder zu senken. Seine Muskeln waren angespannt und er zitterte unter der Anstrengung, sich zu beherrschen, seinen Gefühlen nicht freien Lauf zu lassen.
Lediglich ein Blick in Ethans Gesicht, auf das sich nun ein hämisches Grinsen gelegt hatte und das ihm nur so entgegen zu schreien schien, doch endlich zuzuhauen, hielt ihn davon ab, sich mit dem Älteren zu prügeln.
„Wie kannst du dreckiger Mistkerl es wagen…“, zischte er stattdessen hasserfüllt zwischen fest aufeinander gepressten Lippen hervor, was Ethan veranlasste, laut aufzulachen.
„Ich kann tun und lassen, was ich will und du kannst daran nichts ändern. Nicht, so lange du weiterhin in diesem Haus wohnen willst. Oder denkst du ernsthaft, deine Mutter würde dir glauben, wenn du ihr hiervon erzählen würdest?
Auf wessen Wort würde sie wohl eher hören? Auf das ihres Mannes, von dem sie glaubt, dass er sie liebt, oder auf das eines eifersüchtigen Teenagers, der mich von Anfang an nicht leiden konnte? Oder vielleicht sollte ich doch lieber fragen, wem sie glauben will?“, provozierte der Ältere weiter, während seine Augen kalt und belustigt zugleich aufblitzten, da er die Antwort auf diese Frage nur zu gut kannte – genauso wie Spike, der daraufhin traurig den Kopf senkte und schwieg.
Was sollte er dazu noch sagen? Ethan hatte leider Recht, so ungern er das auch zugab. Um seine Mutter aus ihrer sicheren Traumwelt der perfekten Familie zu reißen, bräuchte es einiges mehr als sein bloßes Wort. Was sie nicht bemerken wollte, würde sie nicht bemerken. Sie würde nur wieder behaupten, er suche nach einem neuen Grund, um Ethan loszuwerden.
Seine Wut legte sich bei diesem Gedanken und wich einer tiefen Melancholie, als er sich an die Zeit erinnerte, in der seine Mutter noch völlig anders gewesen war. In der es ihr noch nicht gleichgültig gewesen wäre, wenn jemand versuchte, ihn zur Weißglut zu treiben. In der er Ethan noch nicht gekannt hatte und seine Familie noch eine Familie gewesen war.
Mit einem letzten vernichtenden Blick in Richtung seines Stiefvaters ging Spike an ihm vorbei, wurde jedoch bereits am Fuße der Treppe erneut von dessen Stimme aufgehalten.
„Ach, übrigens, eine deiner kleinen Betthäschen hat hier angerufen. Sag ihr, dass sie das in Zukunft unterlassen soll, ich habe keine Lust, ständig deine Telefonate entgegenzunehmen“, schnaubte er, was ein verwirrtes Stirnrunzeln auf das Gesicht des Jüngeren brachte.
Er hatte sich in letzter Zeit doch überhaupt nicht mit jemandem getroffen, mal abgesehen von Harmony heute, aber der hatte er seine Telefonnummer ganz sicher nicht gegeben. So betrunken wurde man von einem Bier nun auch wieder nicht. Wer könnte versucht haben, ihn hier zu erreichen?
Die Einzige, die diese Nummer überhaupt hatte, war Willow. Aber hatte diese heute nicht noch ein Referat beenden wollen? Weshalb also sollte sie ihn anrufen?
Höchstens, sie war eher fertig geworden und hatte sich dann doch noch mit ihm treffen wollen.
In seiner Verwirrung bemerkte der Platinblonde zuerst nicht, wie genau Ethan die Anruferin betitelt hatte, doch nun, da er auf Willow gekommen war, fiel ihm wieder der genaue Wortlaut ein und er ballte unwillkürlich seine Hände zu Fäusten. Ein Teil seiner Wut kehrte zurück, auch wenn es nicht genug war, um sich der Versuchung, ihn endlich einmal bewusstlos zu schlagen, hinzugeben.
„Sie ist nicht „mein Betthäschen“. Im Gegensatz zu dir kenne ich mehr als eine weibliche Person mit Gehirn. Und versuch gar nicht erst, es zu leugnen, meine Mutter mag deine Lügengeschichten vielleicht glauben, aber ich hab eine ungefähre Vorstellung davon, wie deine Überstunden wirklich aussehen, Ethan“, zischte Spike zornig, bevor er die Treppe hinaufhastete und mit einem lauten Knallen der Tür in seinem Zimmer verschwand.
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Auf leisen Sohlen schlich sich die Gestalt durch die Bäume hindurch auf ihr Ziel zu, immer darauf bedacht, nicht zu derb an raschelnde Blätter zu streifen, damit sie nicht lauter wäre als der Wind, der in den Baumkronen spielte.
Ihre Aura schien eine unnahbare Kälte auszustrahlen und wenn sich in diesem Moment jemand in ihrer Nähe befunden hätte, hätte er den Eindruck gehabt, dass ihre Umgebung förmlich zu Eis gefror. Sei es durch den starren Gesichtsausdruck, der den Zügen einer in Stein gemeißelten Statue glich, oder durch die Welle des Zorns, der aus jeder Pore ihres Körpers zu dringen schien.
Ein Dolch lag in ihrer rechten Hand, welcher silbern im Mondschein glänzte, mit der Faszination einer tödlichen und dennoch eleganten Waffe. Nicht so plump und schwerfällig wie die meisten Pistolen und nicht so einfach und unscheinbar wie ein normales Küchenmesser, was allerdings für den Empfänger nicht unbedingt tröstlich sein würde.
Ihr Blick fiel auf Darla, die nach Rileys Verschwinden noch immer unbeweglich an ihrem Platz stand und zum Himmel hinauf blickte, was ein verächtliches Schnauben über die Lippen der Gestalt drängte, konnte sie sich den Grund für diese geistige Abwesendheit doch denken. Zwar war der Drogenkonsum der Blonden weit weniger ausgeprägt und unauffälliger als in Drusillas Fall, da sie zumindest tagsüber noch einen normalen Eindruck machte, aber wer sie genauer beobachtete, wusste dennoch die Wahrheit.
Unverständnis machte sich in der Gestalt breit. Wie konnte man sich nur selbst so kaputt machen? Wie konnte man sein Leben einfach so wegwerfen, als wäre es nichts wert? Ohne den geringsten Grund? Darla hatte wirklich alles, was man sich wünschen konnte.
Ihre Eltern waren nicht so reich wie Buffys oder Cordelias, zugegeben, doch immer noch mehr als nur wohlhabend und sie bekam mehr Taschengeld als ein vernünftiger Teenager überhaupt ausgeben konnte. Sie war beliebt, wurde auf alle Partys eingeladen und niemand wagte es, sich über sie lustig zu machen.
Und anstatt dankbar dafür zu sein, pumpte sie sich mit irgendwelchen Drogen voll – abartig.
Die Gestalt schüttelte angewidert ihren Kopf, bevor sie aus dem Schutz der Bäume heraustrat und sich genau hinter Darla stellte, die ihre Anwesenheit selbst jetzt noch nicht bemerkte. Fast hätte sie über diese Ironie laut aufgelacht. Wenn sich jemand an der Blonden vorbei schleichen wollte, um nicht Opfer ihrer Sprüche zu werden, bemerkte sie es immer, aber wenn sie sich selbst in Lebensgefahr befand, bekam sie nicht mit, dass sie nicht alleine war. Doch sie ließ es bleiben, da sie sich ihre Chance nicht noch im letzten Moment ruinieren wollte.
Stattdessen hob sie lediglich den Arm und legte den Dolch mit einer schnellen, fließenden Bewegung an Darlas Hals, die kaum Zeit hatte, überhaupt zu registrieren, was vor sich ging, bevor ihr die Gestalt auch schon mit einem gehässigen: „Richte Kendra meine Grüße aus“, die Kehle aufschlitzte.
Blut schoss aus der Wunde und befleckte ihre blasse Haut, während die Blonde versuchte, sich umzudrehen – erfolglos. Ihre Sicht verschwamm bereits und ihr wurde furchtbar schwindelig. Sie spürte noch, wie sich ihr Top mit einer seltsam warmen Flüssigkeit voll saugte, ohne jedoch zu realisieren, dass es ihr eigenes Blut war, bevor ihre Knie nachgaben und sie zu Boden sank, die leblosen Augen wieder auf den Mond gerichtet.
~*~*~*~
„Warum bist du so verspannt, Buffy?“, erkundigte sich Ben leise, während er die Schultern seiner Freundin massierte, die steif auf seinem Schoss saß. Er hatte gedacht, ein gemütlicher Videoabend zu zweit könnte sie auf fröhlichere Gedanken bringen, aber anscheinend hatte er sich damit getäuscht. Wenn überhaupt schien sie noch viel angespannter und abweisender als zuvor zu sein.
„Ich bin nicht verspannt“, entgegnete sie in einem für einen Außenstehenden ruhigen, kontrollierten Ton, in welchem zugleich eine Warnung für ihn mitschwang, es dabei zu belassen. Normalerweise hätte er an dieser Stelle auch nachgegeben und versucht, sie zu besänftigen oder abzulenken, doch nachdem er das heute bereits mehrere Male erfolglos probiert hatte, ließ er sich nicht so leicht abwimmeln.
„Sicher, deswegen hab ich auch das Gefühl, als wolltest du jeden Augenblick aufspringen und davon laufen. Abgesehen davon ist es nicht das erste Mal, dass du dich so benimmst. Du bist ständig angespannt und argwöhnisch, als würde hinter jeder Ecke eine Gefahr lauern. Selbst wenn du mit mir zusammen bist, hab ich nie das Gefühl, dass du dich völlig entspannst“, erwiderte er mit aufeinander gepressten Zähnen und ein Blick in sein Gesicht machte deutlich, dass er nicht bereit war, dieses Thema so schnell wieder gehen zu lassen, was Buffy genervt seufzen ließ.
Ein Freund, der ständig irgendwelche Fragen stellte, war das letzte, was sie gebrauchen konnte. Konnte er nicht einfach den Mund halten und sich damit begnügen jenen Status einzunehmen, nach dem sich die meisten anderen High School Schüler förmlich die Finger leckten?
„Ich entspanne mich sehr wohl mit dir, aber es ist ja wohl verständlich, dass ich nach dem, was mit Kendra passiert ist, ein wenig vorsichtiger bin“, versuchte sie ihn mit einer plausiblen Ausrede zum Schweigen zu bringen.
„Nur benimmst du dich nicht erst so, seit Kendra tot ist. Ich habe manchmal das Gefühl, dich überhaupt nicht zu kennen. Anfangs hab ich gedacht, das würde sich legen, wenn ich dich erstmal länger und besser kenne, aber jetzt sind wir schon fast ein Jahr zusammen und du bist immer noch so verschlossen. Es kommt mir vor, als würdest du die ganze Zeit über eine Maske tragen, um ja nie deine wahre Reaktion auf etwas zu zeigen, damit dich niemand verletzten kann. Ich komme überhaupt nicht an dich heran, Buffy“, protestierte Ben leise, in der Hoffnung, wenn er nur eindringlich genug redete, könnte sie ihn besser verstehen.
Tatsächlich schwieg die Blonde auf diesen Kommentar hin eine Weile und es schien, als würde sie wirklich darüber nachdenken, ob er mit dieser Aussage nicht vielleicht ein wenig Recht haben könnte. Sie war ihm und ihren Freunden gegenüber abweisend geworden, das wusste sie selbst. Aber es war eine völlig andere Sache, etwas zu wissen, als es auch jemand anderem gegenüber zuzugeben. Noch dazu, wenn es diese Person direkt betraf.
„Du kennst mich, Ben, ich verstecke mich nicht vor dir, wie du behauptest. Auch wenn du vielleicht mit dem Rest ein bisschen Recht haben könntest, aber ich meine das nicht böse. Es ist einfach eine Art… Selbstschutz“, versuchte sie zögerlich zu erklären, ohne weiter darauf einzugehen.
Denn wenn sie das tun würde, dann müsste sie ihm von Angel erzählen und dazu war sie noch nicht bereit. Sie hatte den Dunkelhaarigen geliebt, mehr als sie Ben jemals lieben würde, und es tat immer noch weh, an ihn zu denken.
„Das macht es trotzdem nicht leichter für mich. Ich liebe dich, Buffy, ich will, dass du dich in meiner Nähe wohl fühlst, nicht dass du ständig auf der Hut bist. Selbstschutz hin oder her. Ich würde dich doch niemals verletzen“, erklärte er geduldig, durch ihre Worte ein wenig besänftigt.
Ja, du ganz sicher nicht, aber dein Tod würde es, dachte Buffy daraufhin traurig, wagte es jedoch nicht, diesen Gedanken laut auszusprechen, weil er ihn für paranoid halten würde. Wer dachte auch schon an den Tod, wenn er noch nicht einmal die High School beendet hatte? Wohl kaum jemand, dessen Freunde nicht der Reihe nach von einem kaltblütigen Killer ermordet waren worden.
„Ich versuch es“, versprach sie ihm stattdessen, obgleich sie wusste, dass sie das nicht ernsthaft in Erwägung ziehen würde. Nicht jetzt, da der Unbekannte wieder aufgetaucht war und da weitermachte, wo er aufgehört hatte. Wenn eine innerliche Abkapselung von ihren Freunden dazu führte, dass sie nicht mehr verletzt wurde, dann war sie bereit, dieses Opfer in Kauf zu nehmen.
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„Hi, sis, wie geht’s dir?“, wurde sie am Telefon von der fröhlichen Stimme ihres Zwillingsbruders begrüßt und ohne dass sie es bemerkte, schlich sich ein Lächeln auf ihre Lippen. Sie hatte sich schon die ganze Woche lang darauf gefreut, endlich wieder seine Stimme hören zu können und wenigstens für eine kleine Weile mit ihm zu reden, bevor sie wieder ihr eigenes miserables Leben leben musste.
„Geht so. Ich freu mich schon auf die Ferien. Du kommst doch her, oder? Mum und Dad lassen dich doch, auch wenn es nur für zwei Wochen ist?“, erkundigte sie sich gleich besorgt, obwohl sie eigentlich wusste, dass ihre Eltern ihren Bruder auch vermissten, selbst wenn sie das nicht zugeben würden, weil ihre Entscheidung, ihn auf ein Internat zu schicken, dadurch noch unverständlicher wurde.
„Klar, nächstes Wochenende bin ich erstmal wieder bei euch. Bis dahin wirst du es sicher auch noch ohne mich aushalten“, beruhigte er sie, wobei er seine eigene Sehnsucht allerdings nicht völlig aus seiner Stimme verbannen konnte.
„Wie war die Schule so? Wurdest du sehr geärgert?“
Auf diese Frage hin drang ein leises Seufzen über die Lippen des blonden Mädchens. Sie wusste, dass es ihm an seiner Schule nicht viel besser erging als ihr und trotzdem machte er sich immer mehr Sorgen um sie als um sein eigenes Wohl. Wenn sie ihm doch wenigstens ein einziges Mal ein beruhigende Antwort darauf geben könnte.
„Na ja, sagen wir nicht mehr als sonst. Und du?“, fragte sie nun trotz des Wissens, dass er ihr niemals ehrlich antworten würde, weil er sie nicht noch weiter runterziehen wollte.
„Ich bin okay, ich kann auf mich aufpassen. Hast du eigentlich schon mal darüber nachgedacht, was wir alles machen könnten, wenn ich wieder da bin?“, wechselte er das Thema, bevor sie genauer nachfragen und ihn an das blaue Auge erinnern könnte, mit dem er das letzte Mal nach Hause gekommen war.
„Auf jeden Fall müssen wir an den Strand gehen. Bei uns ist herrliches Wetter, aber alleine trau ich mich nicht so ganz. Und im Kino kommt, glaub ich, ein neuer Film, der ganz gut sein soll, da könnten wir ja auch zusammen hingehen“, schlug sie daraufhin begeistert vor.
Ein freudiges Funkeln erhellte ihre zuvor so trüben Augen und ihr Lächeln verwandelte sich in ein strahlendes Grinsen, welches sie wahrscheinlich den ganzen Abend nicht mehr aus dem Gesicht bekommen würde.
„Klingt gut. Ich freu mich schon darauf, dich wieder zu sehen, ich vermiss dich. Aber ich muss jetzt leider Schluss machen. Ich seh’ dich nächstes Wochenende, okay? Bye“, verabschiedete er sich dann, froh darüber, sie wenigstens ein bisschen aufgeheitert zu haben. Er hasste es, wenn ihre Stimme so traurig und geschlagen gegeben klang wie am Anfang des Anrufes.
„Schon? Okay, da kann ich wohl nichts daran ändern. Ich vermiss dich auch, kann es kaum erwarten, dass du endlich wieder kommst. Mach’s gut“, beendete nun auch die Blonde das Telefonat und ihr Lächeln verblasste ein wenig, obwohl ihre Laune dennoch besser blieb, als vor dem Gespräch.

Mit einem Lächeln machte es sich Buffy auf Bens Schoß bequem und wollte gerade Cordelia ansprechen, die ihrerseits mit Xander beschäftigt war, als Riley den Schulhof betrat. Die Clique traf sich hier immer ein wenig vor Unterrichtsbeginn, um sich über die Ereignisse des Vorabends auszutauschen, oder Pläne für den Nachmittag zu schmieden.
„Hey Riley. Wo hast du denn Darla gelassen?“, begrüßte sie stattdessen den Blonden, wobei sie nicht bemerkte, dass dieser um einiges blasser als sonst war.
Er schüttelte auf ihre Frage hin jedoch nur stumm den Kopf und setzte sich zu den Anderen, bevor er leise erwiderte: „Sie wird nicht mehr kommen.“
„Wie meinst du das, sie wird nicht mehr kommen?“, mischte sich Ben ein und runzelte verwirrt die Stirn, während er unbewusst seinen Griff um Buffys Taille festigte.
„Sie ist tot. Die Polizei stand heute Morgen vor meiner Tür und hat mich gebeten, am Nachmittag aufs Präsidium zu kommen. Ich soll dort ein paar Fragen beantworten, weil ich sie zuletzt gesehen habe. Man hat sie mit… aufgeschlitzter Kehle am Waldrand gefunden…Ich…“, begann er zu erklären, brach dann jedoch ab und rieb sich mit den Handflächen übers Gesicht, nicht fähig, seinen Freunden in die Augen zu sehen.
Wenn er doch bloß nicht einfach so gegangen wäre. Wenn er ihr doch bloß noch eine letzte Chance gegeben hätte, ihr ihren Fehltritt noch einmal verziehen hätte, egal wie sehr sie ihn damit verletzt hatte. Selbst wenn er ihr zumindest angeboten hätte, sie heimzubringen, wenn er dafür nicht zu wütend gewesen wäre… dann würde sie jetzt vielleicht noch leben. Dann wäre er nicht Schuld an ihrem Tod, dann hätte er nicht dabei geholfen, sie zu ermorden.
Zum ersten Mal in seinem Leben war er fast schon froh darüber, dass sie Drogen genommen hatte, auch wenn es ohne sie höchstwahrscheinlich gar nicht erst zu dieser Situation gekommen wäre. Aber so hatte sie mit etwas Glück wenigstens gar nicht gemerkt, wie ihr geschah und anstatt Angst zu haben, war sie bis zuletzt in ihrer Fantasiewelt versunken gewesen.
Buffy sah ihn indessen mit vor Schock weit aufgerissenen Augen an, hatte er doch gerade indirekt ihre schlimmsten Befürchtungen bestätigt. Darla war nach Kendra nun bereits die zweite aus ihrer Clique, die ermordet worden war – das konnte ganz einfach kein Zufall mehr sein.
Der Killer war zurückgekehrt, das konnten die anderen jetzt auch nicht mehr leugnen. Sie hatten bereits bei Kendra die Augen vor den Tatsachen verschlossen und ihr nicht geglaubt, aber nachdem Darla ebenfalls getötet worden war, mussten sie ihr endlich glauben, egal wie sehr sie sich alle wünschten, dass sie Unrecht hatte.
Ab sofort würden sie wieder sehr viel mehr auf der Hut sein müssen. Sie musste ihre Freunde davon überzeugen, dass es äußerst unklug war, sich nach Einbruch der Dunkelheit noch alleine draußen herumzutreiben und dass sie alle Türen und Fenster sorgfältig abschließen sollten, um unangenehme Überraschungen zu vermeiden.
Auf wen der Mörder es wohl als nächstes abgesehen hatte? Harmony vielleicht? Sie wäre mit ihrer leichtgläubigen Art ein gefundenes Fressen für ihn, aber wenn sie danach ging, dann hätte er sich die Blonde wahrscheinlich als erstes ausgesucht.
Oder Cordy und Xander? Obwohl, beim letzten Mal hatte er die beiden komischerweise völlig außer Acht gelassen, er hatte noch nicht einmal versucht, sie anzugreifen. So gesehen hätte er auch jetzt keinen Grund, mit ihnen weiterzumachen.
Damit blieben lediglich Riley und Ben übrig. Eine eisige Faust schien plötzlich ihr Herz zu umklammern, als sie an ihren Freund dachte. Was, wenn der Killer es tatsächlich auf ihn abgesehen hätte? Wenn er der Nächste wäre?
Ben würde am schwierigsten davon zu überzeugen sein, dass sie Recht hatte, er hielt ihre Befürchtungen für Hirngespinste und daran würde wohl auch leider Darlas Tod wenig ändern.
Vielleicht konnte sie ihn ja davon überzeugen, allgemein etwas vorsichtiger zu sein? Immerhin wusste man heutzutage nie so genau, wer sich nachts auf den Straßen herumtrieb und er wollte doch sicher nicht, dass sie sich Sorgen um ihn machen musste. Auch wenn sie ihn nicht so liebte, wie sie Angel geliebt hatte, empfand sie doch mehr für ihn als man es für einen normalen Freund tat, obwohl sie sich wirklich alle Mühe gegeben hatte, ihn nicht allzu nahe an sich heran zu lassen.
Ben schien ihr Unwohlsein Gott sei Dank auf die Tatsache zurückzuführen, dass Darla überhaupt tot war und weniger auf die Umstände, unter denen sie gestorben war. Anstatt wie sonst lästige Fragen zu stellen, strich er ihr beruhigend über den Rücken, bis es schließlich für sie Zeit wurde, sich in die Klassenzimmer zu begeben.
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Ein vorfreudiges Grinsen legte sich auf Spikes Lippen, während er mit seinem Blick Riley folgte, der geradewegs auf ihn zugelaufen kam, ohne ihn zu bemerken.
„Hey, Pappsoldat!“, riss er den anderen Teenager nicht gerade sanft aus seinen Gedanken heraus. „Wo hast du deine kleine Freundin denn gelassen? Hat sie endlich den Rest ihres Verstandes zusammengerafft und ist zu dem Schluss gekommen, dass sie ohne dich besser dran ist?“
Er legte dabei unschuldig den Kopf schief und trat genau vor Riley auf den Gang, sodass dieser keine Chance hatte, ihn einfach zu ignorieren und wortlos an ihm vorüberzugehen.
Dieser schnaubte daraufhin unwillig und schenkte ihm einen vernichtenden Blick, der dem Platinblonden beinahe einen Schauer über den Rücken jagte – aber nur beinahe, denn dank Ethan scherte er sich schon lange nicht mehr um die Meinung anderer Leute und konnte auch dementsprechend äußerlich unbeeindruckt mit Abneigung gegenüber seiner Person umgehen.
„Das geht dich einen Scheißdreck an! Verschwinde, Spike, bevor ich mich zu etwas hinreißen lasse, was du später bereuen wirst“, drohte er angrifflustig und obwohl er sich dem anderen gegenüber auch sonst ziemlich feindselig verhielt, schien er es heute geradezu auf eine Auseinandersetzung anzulegen.
Spikes Grinsen wurde auf diese Androhung hin nur noch breiter und ein trockenes Lachen entwich seiner Kehle.
„Ich wage zu bezweifeln, dass du etwas tun könntest, dass ich später bereuen würde. Was mich betrifft, könntest du dich kopfüber aus dem Fenster stürzen und es wäre mir völlig egal. Aber wie’s aussieht, hab ich ja voll ins Schwarze getroffen. Hat sie schon jemand neuen oder hat sie vorerst nur beschlossen, dich Looser abzuservieren? Besser für sie ist es auf jeden Fall, auch wenn sie alleine ebenfalls keinen guten Eindruck macht“, spöttelte er und seine Laune verbesserte sich zusehendes, als Riley daraufhin wütend die Hände zu Fäusten ballte.
Sein Gesicht hatte sich mittlerweile rot verfärbt und seine Augen schienen aus ihren Höhlen hervorzuquellen. Alles in allem machte er den Eindruck, als wollte er den Platinblonden schlicht und einfach erwürgen. Langsam und qualvoll.
„Spike, hau ab! Das ist meine letzte Warnung!“, forderte Riley ihn ein weiteres Mal auf, doch er hatte damit auch diesmal keinen Erfolg. Anstatt den drohenden Ton Ernst zu nehmen, sah es der Punk vielmehr als Aufforderung an, ihn nur noch mehr zu provozieren.
„Was denn, du willst mir doch nicht etwa sagen, dass du die kleine Hure geliebt hast? Obwohl sie selbst, während ihr zusammen wart, mit beinahe jedem in die…“, konnte sich es Spike nicht verkneifen, weiter zu sticheln, wurde jedoch von einem harten Faustschlag gegen seinen Kiefer unterbrochen.
Sein Kopf flog brutal zur Seite und die Wucht des Treffers ließ ihn ein paar Schritte zurückweichen, bis er sein Gleichgewicht wieder gefunden hatte. Dann wandte er seinen Blick ungläubig in Rileys Richtung und Erstaunen glomm in seinen Augen auf. Zugegeben, es wäre nicht das erste Mal, dass er sich mit dem anderen schlagen würde, aber normalerweise war er nicht so leicht aus der Reserve zu locken und Spike selbst war derjenige, der den ersten Schlag austeilte. Er hatte schon öfters Darlas Treue angezweifelt, doch nie hatte Riley so gewalttätig darauf reagiert. Was ihn wohl veranlasst hatte, heute so aus der Haut zu fahren?
Der Platinblonde kam allerdings nicht dazu, diesen Gedankengang zu beenden, da er bereits im nächsten Augenblick damit beschäftigt war, einen weiteren Faustschlag abzuwehren und gleichzeitig Rileys rechtem Fuß auszuweichen. Geschickt duckte er sich unter dem ausholenden Arm hinweg und ein Blick auf das Gesicht seines Angreifers sagte ihm, dass dieser mehr als nur zornig war. Obwohl er bisher kaum etwas gemacht hatte, schnaubte er vor Anstrengung und seine Muskeln zitterten, wohingegen seine Lippen so fest aufeinander gepresst zu sein schienen als wären sie zusammengeklebt.
Normalerweise würde Spike ihn als Gegner nicht wirklich ernst nehmen, da er selbst ein weitaus besserer Kämpfer war, was wohl nicht zuletzt auch an seinem Kampfsporttraining lag, aber so wütend wie Riley war, konnte er unmöglich vorhersagen, was dieser als nächstes tun würde. Und genau diese Unberechenbarkeit machte ihn zu einem gefährlicheren Angreifer als er es eigentlich jemals sein könnte.
Heute würde er sich nicht der Versuchung hingeben können, den Kampf als Ventil für seine aufgestaute Anspannung zu verwenden, sondern würde viel eher versuchen müssen, der Auseinandersetzung möglichst bald ein Ende zu setzen.
Mit wachsamem Blick verfolgte Spike Rileys Bewegungen und wich mit Hilfe einer Drehung erneut einem Schlag aus. Für eine Weile begnügte er sich damit, den anderen gekonnt abzublocken oder ihn an einem Platz, an dem er gerade eben noch gestanden hatte, plötzlich in die Luft treffen zu lassen, ohne selbst anzugreifen. Er wollte ihn müde machen, damit er hinterher leichtes Spiel hatte und tatsächlich schien seine Taktik auch aufzugehen.
Riley keuchte und schnappte nach Luft und seine Angriffe wurden immer schlechter ausbalanciert, sodass er zum Schluss bereits beinahe über seine eigenen Füße stolperte. Aber anstatt vernünftig zu sein und sich seine Erschöpfung einzugestehen, ging er nur noch entschlossener – und zwangsläufig planloser – auf Spike los, der sich inzwischen schon wieder dazu hinreißen ließ, amüsiert zu grinsen.
Als der andere schließlich aufgrund des übermäßigen Schwungs, den er in seinen letzten danebengegangenen Schlag investiert hatte, in Richtung der Wand stolperte, sah der Platinblonde seine Chance gekommen. Er wartete, bis Riley an ihm vorbeitaumelte, verzweifelt darum bemüht, sein Gleichgewicht wieder zu finden, um dann hinter ihn zu treten und seinen Arm mit einem schnellen Griff auf dem Rücken fest zu pinnen.
„Du solltest dich nicht mit jemandem anlegen, dem du nicht gewachsen bist, Finn!“, erklärte er ihm scheinbar unbeeindruckt und zögerte dann für einen Moment, bevor er ein gehässiges: „Besonders, wenn dieser jemand Recht hat“, hinten ranhängte.
Für einen Augenblick erwartete er, dass der Andere erneut versuchen würde, auf ihn loszugehen, doch anstatt sich zu wehren, schien dieser förmlich in sich zusammenzusacken.
Es war, als habe plötzlich alle Kraft Rileys Körper verlassen und der Dunkelblonde fühlte sich einfach nur noch entsetzlich leer. War es müde zu kämpfen, obwohl er wusste, dass Spike wahrscheinlich sogar die Wahrheit sagte. Immerhin hatte ihn Darla, was die Drogen betraf, schamlos belogen, was sollte sie davon abgehalten haben, ihn auch anderweitig zu hintergehen?
Sie hatte sein Vertrauen in sie selbst zerstört, sie hatte ihn selbst von sich gewiesen mit ihrer verdammten Drogensucht, nicht Spike mit seinen spöttischen Kommentaren.
Ein Seufzen drang über seine Lippen und er realisierte nur am Rande, dass ihn der Blonde aufgrund seiner fehlenden Gegenwehr losließ und sich mit einem Schulterzucken abwandte.
~*~*~*~
„Hey, Willow, wart’ mal kurz“, rief Spike gutgelaunt nach der Rothaarigen, die sich auf ihren Namen hin verwundert umdrehte.
Als sie ihn erblickte, legte sich ein verwirrtes Stirnrunzeln auf ihr Gesicht und für einen Augenblick glaubte sie tatsächlich, sich verhört zu haben. Er sprach doch sonst auch nicht mit ihr vor anderen Leuten, schon gar nicht mitten im Schulflur. Was er wohl von ihr wollte?
„Hi“, erwiderte sie nur leise, um ihn dann fragend anzusehen.
„Hi. Ich wollte dich fragen, ob du Lust hast, heute mit mir ins Kino zu gehen?“, erkundigte sich der Platinblonde, der inzwischen vor ihr zum Stehen gekommen war. Er hatte seinen Kopf ein wenig zur Seite gelegt und eine Kombination aus Lächeln und Grinsen – sie wusste nicht, wo genau sie diesen Ausdruck einordnen sollte – umspielte seine Lippen, während seine amüsiert funkelnden blauen Augen auf sie gerichtet waren.
Entgegen seiner Erwartung presste sie jedoch nur stumm die Lippen aufeinander und sah zu Boden. Bitterkeit stieg in ihr auf, während sie sich an den Vorabend erinnerte. Jetzt war sie ihm also auf einmal wieder gut genug.
Wo hatte er Harmony denn auf einmal gelassen? Oder hatte er sich mit ihr schon für den Abend verabredet und sein Angebot, mit ihr ins Kino zu gehen, machte er nur aus Mitleid, weil er dachte, sie würde niemanden sonst finden, der sich mit ihr abgab? Hoffte er vielleicht sogar, dass sie ablehnte?
Ihre Augen füllten sich mit Tränen und sie blinzelte hastig, um sie am Fallen zu hindern. Sie wollte nicht, dass er sah, wie sehr er sie mit seinem Verhalten verletzt hatte, wollte sich nicht noch lächerlicher machen als ohnehin schon.
Die Frage, ob er sich sicher war, dass er mit ihr etwas unternehmen und sich nicht lieber mit einer gewissen Blondine beschäftigen wollte, lag ihr auf der Zunge, doch sie schluckte sie hinunter. Sollte er ruhig selbst mal nachdenken, warum sie wütend auf ihn war – falls ihn der Grund denn überhaupt interessierte, und er nicht einfach nur froh war, sie endlich los zu sein.
„Nein danke, ich hab schon etwas vor“, log sie und bangte gleichzeitig darum, dass er den rötlichen Schimmer auf ihren Wangen nicht bemerkte. Sie war eine miserable Lügnerin, aber sie hoffte, er würde mit seinen Gedanken zu sehr bei Harmony sein, um die Wahrheit aus ihren Worten herauszuhören.
„Oh, okay, dann vielleicht ein andermal“, erwiderte er enttäuscht und wandte seinen Blick nun ebenfalls in Richtung des Fußbodens. Er hatte sehr wohl bemerkt, dass sie nicht ehrlich zu ihm war, doch er traute sich aus Angst vor dem wahren Grund für ihre Lüge nicht, sie darauf anzusprechen. Wenn sie nichts mehr mit ihm zu tun haben wollte, dann konnte sie ihm das auch einfach sagen, anstatt Ausreden zu erfinden.
Sah ganz danach aus, als habe sie inzwischen erkannt, dass er niemals gut genug für sie sein würde und dass sie ohne ihn sehr viel besser dran war – etwas, das er in seinem Kopf schon lange gewusst hatte. Aber er hatte trotz besseren Wissens gehofft, sie würde nicht zu dem gleichen Schluss wie er selbst kommen.
Traurigkeit breitete sich in ihm aus, doch er weigerte sich, ihr zu zeigen, wie sehr ihn ihre Zurückweisung getroffen hatte und zwang sich stattdessen zu einem gekünstelten Lächeln.
„Ich seh dich dann morgen in der Schule, schätz ich mal. Viel Spaß bei dem, was du vorhast“, erwiderte er in einem seltsam hohl klingendem Ton, der Willow allerdings völlig entging, da sie noch das Bild von Spike und Harmony im Bronze vor Augen hatte.
„Ja, bis morgen dann“, verabschiedete sie sich nur tonlos, bevor sie sich mit hängenden Schultern auf den Heimweg machte, ohne zu bemerken, dass auch der Platinblonde alles andere als glücklich über ihre Antwort auf seine Frage war.
~*~*~*~

Genüsslich räkelte sich Cordelia auf Xanders Schoß und lehnte ihren Kopf an seine Brust. Die beiden waren nach Schulschluss zu ihr gefahren und hatten den Nachmittag im Pool verbracht, an dessen Rand sie jetzt auf dem gepflegten Rasen saßen.
„Was hältst du davon, wenn wir die anderen anrufen und fragen, ob sie Lust haben, herzukommen? Meine Eltern kommen erst übermorgen wieder und Buffy könnte etwas Ablenkung gebrauchen. Sie scheint sich ja nahezu in die Befürchtung, dass dieser verrückte Killer wieder da ist, verrannt zu haben“, schlug die Dunkelhaarige mit einem etwas zu hohem Lachen, welches sogar in ihren Ohren gekünstelt klang, vor.
Sie erhielt allerdings keine Antwort von ihrem Freund, der sie nur nachdenklich anblickte und damit jene Befürchtungen schürte, die sie so verzweifelt zu verdrängen versucht hatte.
„Du glaubst doch auch nicht daran, dass sie damit Recht haben könnte, oder? Ich meine, wenn es derselbe wie damals wäre, warum sollte er dann ausgerechnet jetzt wieder auftauchen? Weshalb nicht schon eher?“, fügte sie darum leise, fast schon ängstlich hinzu, wobei sie ihn diesmal über ihre Schulter hinweg ansah.
Sie wusste schon, was er sagen würde, bevor er überhaupt den Mund öffnete, aber sie wollte es selbst hören. Wollte hören, wie er ihre Illusion einer heilen Welt in Scherben zersplittern ließ, wollte hören, wie er dem Schrecken ein Gesicht verlieh, wie er der Furcht, die durch ihre Adern kroch, einen Namen gab. Weil sie wusste, dass sie mit ihren Worten viel mehr sich selbst von der scheinbaren Absurdität dieses Gedankens überzeugen wollen hatte als irgendwen sonst.
„Was willst du hören? Die Wahrheit?“, erwiderte Xander schließlich bitter und ohne es zu merken, festigte er seinen Griff um ihre Taille, in der unbewussten Überzeugung, sie wäre sicher, so lange er sie nur festhielte.
Cordelia schloss daraufhin mit einem leisen Seufzen die Augen, nur um dann ein kaum hörbares: „Lüg mich an“, von sich zu geben, welches ein schiefes Grinsen auf seine Lippen zauberte.
„Nein. Nein, ich glaube nicht, dass da draußen wieder ein Verrückter herumläuft, der es auf uns und unsere Freunde abgesehen hat. Wir bilden uns das nur ein, weil wir Angst haben, das, was damals geschehen ist, könnte sich wiederholen und Kendra und Darla waren nur zur falschen Zeit am falschen Ort“, erklärte er liebevoll und strich ihr dabei eine Strähne ihres in der Sonne glänzenden Haares aus dem Gesicht.
Doch anstatt Cordelia zu beruhigen, ihr eine falsche Sicherheit zu geben, an die sie sich trotz besseren Wissens klammern konnte, verstärkte er damit ihre Angst nur noch. Weil sie nun wusste, dass ihre Befürchtungen wirklich ernst waren, dass sie sich nicht täuschte. Denn wenn sogar Xander seinen typischen Galgenhumor beiseite legte, dann gab es wohl niemanden mehr, den man vom Gegenteil überzeugen konnte. Schließlich war er immer der letzte, der die Hoffnung aufgab, egal wie aussichtslos seine Situation auch sein mochte.
Unwillkürlich schlich sich ein amüsiertes Lächeln auf ihr Gesicht, als sie daran dachte, wie er vor dem letzten Geschichtstest in der Pause zu lernen angefangen hatte und trotzdem felsenfest davon überzeugt gewesen war, wenigstens die Hälfte der Fragen richtig beantworten zu können. Und auch wenn man einen Geschichtstest wohl kaum mit seinem Leben gleichsetzen konnte, machte ihr dieser simple Vergleich dennoch deutlich, dass sie die Rückkehr des Mörders nicht mehr länger leugnen konnte.
„Und was hältst du nun von der Idee mit der Party? Die Ablenkung täte Buffy sicher gut, sie war ja fast noch schlimmer als Riley drauf, obwohl Darla seine Freundin gewesen ist. Abgesehen davon sind wir, wenn wir alle zusammen sind, auch kein so leichtes Ziel. Die anderen könnten ja hier übernachten, damit sie nicht im Dunkeln heimlaufen oder –fahren müssen. Platz haben wir genug“, kam sie geschlagen gegeben auf ihr ursprüngliches Thema zurück und sah ihn erwartungsvoll an.
„Hm, wenn ich ehrlich bin, würde ich die Zeit lieber mit dir alleine verbringen. Wenn ich schon nicht weiß, wie viel uns davon noch bleibt, dann will ich jede Sekunde davon nutzen. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie es mir an Rileys Stelle gehen würde. Ich liebe dich, Cordy, ich will dich um nichts auf der Welt verlieren“, gestand ihr Xander mit ungewohnter Ernsthaftigkeit und für einen Moment glaubte sie tatsächlich, so etwas wie Tränen in seinen Augen schimmern zu sehen. Sie waren jedoch genauso schnell wieder verschwunden wie sie gekommen waren und stattdessen einem Ausdruck der Liebe und des Begehrens gewichen.
„Ich weiß“, erwiderte sie mit belegter Stimme und drehte sich dann ganz zu ihm herum, um ihm mit einem leidenschaftlichen und zugleich zärtlichen Kuss zu zeigen, dass sie genauso fühlte. Obwohl sie zu Beginn ihrer Beziehung nicht im Traum daran gedacht hätte, so lange mit ihm zusammenzubleiben, konnte sie sich nun ein Leben ohne ihn nicht mehr vorstellen.
„Ich liebe dich auch“, hauchte sie in sein Ohr, bevor sie sich wieder an seine Brust schmiegte und die warme Sonne auf ihrer Haut genoss, die ihre Angst zumindest ein wenig einzudämmen schien. Das, und die Tatsache, dass sie sich in Xanders Armen sowieso immer so fühlte, als könne ihr nichts und niemand etwas Böses anhaben.
Für eine Weile saßen die beiden einfach nur da und genossen die Nähe des jeweils anderen, aber dann erinnerte sich Cordelia doch wieder an ihr eigentliches Gesprächsthema.
„Und was würdest du davon halten, wenn wie die Party auf das Wochenende verlegen? Dann haben wir jetzt noch ein bisschen mehr Zeit für uns und würden unsere Freunde trotzdem nicht vernachlässigen. Die letzten Wochen haben wir fast gar nichts mehr gemeinsam unternommen, weil wir beiden immer nur miteinander beschäftigt waren“, schlug sie eine Kompromisslösung vor.
„Hm, meinetwegen. So lange du mich bei der Party nicht vergisst. Ich schätze mal, wir sollten wirklich mal wieder was mit den anderen machen“, stimmte er mit einem Brummen zu. Er war zwar immer noch nicht unbedingt von dieser Idee begeistert, aber da Cordelia nicht locker zu lassen schien, blieb ihm wohl keine andere Wahl als zuzustimmen.
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Nachdenklich ließ Spike seine Finger über die Saiten der Gitarre gleiten und schloss die Augen, um sich von seiner Umgebung abzulenken. Die Klänge durchflossen seine Gedanken wie ein Strom, sie schienen immer schneller und schneller zu werden, bis sie schließlich alle durcheinander wirbelten.
Warum war Willow ihm gegenüber plötzlich so abweisend gewesen? Fast so als ob sie nichts mehr mit ihm zu tun haben wollte? War sie zu dem Schluss gekommen, dass er für ein Mädchen wie sie kein guter Umgang war?
Aber wenn es nur das war, was hatte ihre Meinung über ihn dann geändert? Vorher hatte sie das doch auch nicht gestört. Was hatte sie dazu gebracht, das zu bemerken, was er schon seit Monaten befürchtete? Wieso glaubte sie auf einmal, er wäre nicht gut genug für sie?
Oder dachte sie etwa, er würde sie nur benutzen? Dass sie ihm egal wäre? Hatte Ethan am Telefon vielleicht mehr gesagt als er zugegeben hatte? Hatte er sie eventuell sogar genauso als Betthäschen bezeichnet, wie er es ihm gegenüber später getan hatte?
Aber wenn es nur das wäre, dann hätte Willow es ihm doch sicher gesagt. Dann würde sie ihm nicht einfach bloß aus dem Weg gehen und einer Unterhaltung mit ihm ausweichen. Sie musste doch wissen, dass er sie niemals so benutzen würde, zumal sie bisher nie mehr als Küsse ausgetauscht hatten und auch das nur selten, wenn sie beide sich von der Situation dazu hinreißen lassen hatten, nie bewusst oder mit Absicht.
Was störte sie an ihm, das vorher nicht da gewesen war? Er hatte sich doch in letzter Zeit überhaupt nicht verändert. Oder war es vielleicht genau das, was ihr nicht gefiel? Hatte sie gehofft, er würde sich wegen ihr verändern?
Wie hatte Buffy ihn gleich noch mal genannt? Einen abgebrannten Penner? Ob Willow wohl genauso von ihm dachte? Ob sie seinen Kleidungsstil genauso verachtete und sich bisher nur nicht getraut hatte, es ihm zu sagen?
Ein Stirnrunzeln lag auf Spikes Gesicht und er hatte inzwischen aufgehört, auf der Gitarre zu spielen, da er durch seine Überlegungen abgelenkt worden war und sich nicht mehr konzentrieren können hatte – nicht, dass er das bemerkt hätte, er hatte schon vor einer Weile aufgehört, darauf zu achten, was er spielte, nur beruhigte ihn diese Beschäftigung meistens ziemlich schnell, wenn er innerlich aufgewühlt war. Die Klänge des Instrumentes halfen ihm normalerweise dabei, seine Gedanken zu ordnen und auch wenn er heute nicht von Anfang an mit diesem Versuch Erfolg gehabt hatte, schwirrte ihm nun nicht mehr alles durcheinander durch den Kopf.
Ein Seufzen drang über seine Lippen und er legte die Gitarre vorsichtig beiseite, da sie das wahrscheinlich emotional Kostbarste war, das er besaß, bevor er aufstand, um die Tür seines Kleiderschranks zu öffnen. Auf der Innenseite befand sich ein großer Spiegel und obwohl er ihn sonst so gut wie nie benutzte, kam er ihm nun doch ganz gelegen.
Sein Blick wanderte von den an den Knien durchlöcherten Jeans und das mit Sicherheitsnadeln besteckte T-Shirt über die gepiercte Augenbraue, bis hin zu den platinblond gefärbten, zurückgegelten Haaren. Hatte Buffy wirklich Recht gehabt, was ihre Meinung über seinen Kleidungsstil betraf? Sah er tatsächlich so schlimm aus?
Zugegeben, die Haarfarbe war etwas ungewöhnlich und besonders auffallend, da seine Klamotten fast immer schwarz waren, aber er fand den Kontrast nicht so krass, im Gegenteil, seiner Meinung nach verlieh es ihm ein interessantes Aussehen. Auch das Piercing stand ihm im Grunde ganz gut, zumal es die Narbe verdeckte, die er sich bei seiner ersten Radtour zugezogen hatte.
Lediglich bei dem T-Shirt übertrieb er vielleicht ein wenig, mit den ganzen Sicherheitsnadeln machte es tatsächlich einen zusammengeflickten Eindruck, obwohl es eigentlich noch neu war.
Möglicherweise könnte er sich in Zukunft mit normalen schwarzen Shirts zufrieden geben, in Kombination mit seinem geliebten Ledermantel würde sein Bad-Boy-Image auch dann noch rüberkommen.
Und statt der ausgetretenen Springerstiefel könnte er ja wenigstens ein paar seiner anderen, etwas gewöhnlicheren Schuhe anziehen, obwohl auch die noch mit Stahlkappen an der Vorderseite besetzt waren, da ihm dies in einer Schlägerei bereits des Öfteren Zugute gekommen war.
Unsicher begann er an seiner Unterlippe zu kauen und er fragte sich, ob diese wenigen Veränderungen bereits genügen würden, um Willows Abneigung ihm gegenüber zu ändern, oder ob er ihr so immer noch nicht gefallen würde.
Aber mehr konnte und wollte er nicht an sich verändern, er wollte sich nicht komplett umkrempeln. Diesen Stil trug er schon die ganzen letzten Jahre und er hatte sich dabei immer wohl gefühlt, das wollte er nicht wegen ihr aufgeben müssen.
Er war bereit, ihr ein wenig entgegenzukommen, doch er würde sich nicht völlig für sie verändern. Wenn sie ihn nicht zumindest teilweise so akzeptieren konnte, wie er war, dann brauchte er ihre Freundschaft – oder das, was auch immer sie hatten – nicht mehr. Dann wäre es nicht mehr wert als das, was Buffy als Freundschaft bezeichnete: eine Farce.
Und das wollte er beim besten Willen nicht, so sehr er Willow auch mochte. Kein Mensch war es wert, sich selbst für ihn zu verändern. Wenn sie ihn auch nur halb so sehr mochte wie er sie, würde sie sich über diese kleinen Veränderungen freuen, aber den Rest so akzeptieren wie er war. Er hoffte nur, dass er sich, was das betraf, nicht in ihr getäuscht hatte.
Spike schüttelte den Kopf, um diese Befürchtung aus seinen Gedanken zu verdrängen – so gut glaubte er Willow dann doch zu kennen – und wandte sich stattdessen wieder der Gitarre, die unbeachtet auf seinem Bett lag, zu. Er würde noch früh genug erfahren, was sie von seinem neuen Outfit hielt, es brachte ihm überhaupt nichts, sich jetzt darüber den Kopf zu zerbrechen. Vorhersagen konnte er ihre Reaktion ohnehin nicht.
~*~*~*~
Wut kochte in der Gestalt auf, während sie die Blondine betrachtete, die nichts ahnend die Straße entlang ging. Allein diese Klamotten waren schon völlig geschmacklos, aber damit nicht genug, nein, als intelligent konnte man Harmony auch nicht wirklich bezeichnen. Was fanden die ganzen Jungen nur immer an ihr?
Der Rock war so kurz, dass man ihn beinahe schon mit einem etwas zu breit geratenen Gürtel verwechseln könnte und der Ausschnitt ihres Tops reichte fast bis zum Bauchnabel. Und dann noch dieses grässliche Neonpink, davon taten einem doch förmlich die Augen weh. Wie konnte man so etwas hübsch finden?
Zugegeben, vielleicht übertrieb sie ein wenig mit ihrer Beschreibung, aber der Aufzug wirkte trotzdem reichlich billig und das einzige, was man an Harmony als gut aussehend bezeichnen konnte, war wohl ihre Figur, um die sie einige andere Mädchen beneideten.
Nur musste einem die Lust daran auch schon wieder vergehen, wenn die Blondine den Mund aufmachte und man wohl das Gefühl hatte, es würde nichts anderes als Seifenblasen herauskommen. Ein vernünftiges Gespräch konnte man ganz bestimmt nicht mit ihr führen.
Und dennoch hatte sie alles, was man sich an der High School nur wünschen konnte: Die Jungen wollten mit ihr ausgehen – auch wenn sie wahrscheinlich die wenigsten davon als Person ernst nahmen -, sie war im Cheerleaderteam und zugleich in Buffys Clique, wodurch sie Einladungen zu praktisch jeder Party erhielt. Das war einfach nicht fair. Womit hatte sie sich das verdient? Was hatte sie getan, um von allen anderen toleriert zu werden? Sich durch das gesamte Footballteam geschlafen?
Ein verächtliches Schnauben drang über die Lippen der Gestalt, aber nicht, weil dieser Gedanke allein schon abscheulich war, sondern weil sie es der anderen auch noch glatt zutrauen würde. Genau genommen gab es darüber sogar schon einige Gerüchte an der Sunnydale High, von deren Existenz sie lieber nichts wüsste, und selbst wenn man nichts auf das Gerede der Teenager gab, würde es zu Harmonys Verhalten passen.
Sie schüttelte den Kopf, um die Bilder, die ungebetenerweise in ihr aufstiegen, zu verdrängen und sich wieder auf ihr Ziel zu konzentrieren. Nur noch ein kleines Stück weiter und Harmony wäre weit genug vom schwachen Licht der Straßenlaternen entfernt, um sie nicht gleich auf Anhieb zu entdecken und vor allem, was noch viel wichtiger war, nicht zu erkennen.
Ein Grinsen schlich sich auf ihre Lippen und sie schlich sich leise hinter ihrem Opfer her, während sie mit der Hand nach dem Griff des Dolches in ihrer Tasche angelte. Bald, schon sehr bald, wäre die Blondine ebenfalls aus dem Weg geräumt und Buffy wieder um eine Freundin erleichtert - und damit dem Wahnsinn ein Stück näher…

Fröstelnd rieb sich Harmony mit den Händen die Arme auf und ab, während sie auf dem schnellsten Weg durch die Straßen Sunnydales nach Hause lief. Was gäbe sie nur darum, jetzt in ihrem warmen, komfortablen Bett zu liegen und zu schlafen, anstatt mitten in der Dunkelheit umherzuwandern. Sie hätte wirklich darauf bestehen sollen, dass Devon mit zu ihr kam, aber nein, sie war von seinem Anblick so abgelenkt gewesen, dass es ihr völlig egal gewesen war, wohin sie gingen, hauptsache die Fahrt würde nicht lange dauern.
Die Blondine schüttelte von sich selbst enttäuscht den Kopf und wünschte sich nicht zum ersten Mal, doch zumindest ein bisschen nachzudenken, bevor sie mit jemandem schlief. Sie war keineswegs so dumm wie alle glaubten, sie neigte lediglich dazu, erst zu handeln und dann zu denken und meist war ihre Zunge etwas schneller als ihr Verstand, weswegen die anderen oft glaubten, sie wäre schwer von Begriff.
Ein leises Seufzen entwich ihren Lippen und sie beschleunigte ihre Schritte ein wenig, um schneller daheim anzukommen. Sie lief schon tagsüber nicht gerne alleine in irgendwelchen Gassen herum, aber in der Dunkelheit erschien ihr die Gegend noch viel gruseliger. Schatten zogen sich über die Wände und hier und da konnte man wütende Stimmen hören, die aus den umliegenden Wohnungen kamen. Sehen konnte man die Personen jedoch nicht, da bereits alle Jalousien heruntergelassen waren. Wenn sie genauer darüber nachdachte, bezweifelte sie sogar, dass die Rollläden in dieser Gegend überhaupt jemals geöffnet sein würden.
Ihr Blick wanderte über die grauen, heruntergekommenen Fassaden und unwillkürlich fragte sie sich, warum sie sich entschlossen hatte, diese Abkürzung zu nehmen. Der andere Weg wäre zwar ein gutes Stück länger gewesen, doch weniger Furcht einflößend und auf jeden Fall auch besser beleuchtet. Hier hingegen könnte hinter jeder Biegung ein Dieb in der Dunkelheit lauern und sie würde ihn noch nicht einmal bemerken, wenn sie direkt an ihm vorbeiginge.
Harmony schüttelte erneut den Kopf, wenn auch diesmal über die Absurdität solch eines Gedankens. Sie war schon etliche Male durch dieses Geflecht aus kleinen Nebenstraßen und Gassen gegangen und nie war ihr irgendetwas zugestoßen. Um genau zu sein, war ihr auf dem ganzen Weg noch niemals eine Menschenseele begegnet. Und jetzt plötzlich bekam sie Angst, nur weil Buffy in ihrem Verfolgungswahn glaubte, ein Mörder hätte es auf sie alle abgesehen? Das war doch vollkommen verrückt!
Sie rollte die Augen, als wollte sie sich selbst von der Wahrheit ihrer Gedanken überzeugen und verlangsamte ihr Tempo wieder ein wenig, was wohl nicht zuletzt auch daran lag, dass ihr wegen ihrer hohen Absätze so langsam die Füße schmerzten. Diese Schuhe waren definitiv nicht für längeres Laufen geeignet, aber woher hätte sie auch wissen sollen, dass sie heute einen so weiten Heimweg haben würde?
Ihre Aufmerksamkeit richtete sich jedoch trotz ihrer Weigerung, Buffys Befürchtungen Ernst zu nehmen, weiterhin auf den Weg und sie sah sogar ein paar Mal über die Schulter, um sich zu vergewissern, dass ihr niemand folgte. Erst wenn sie endlich die Sicherheit ihres Hauses erreicht und die Tür fest hinter sich verschlossen hätte, könnte sie wieder ruhig durchatmen – was allerdings auch an dem Gestank der Mülltonnen, die alle paar Meter aufgestellt und offensichtlich einige Zeit nicht mehr geleert worden waren, liegen konnte.
Angewidert rümpfte sie die Nase und für einen Moment bemitleidete sie sogar jene Menschen, die in diesen Häusern leben mussten. Dieses Gefühl war jedoch genauso schnell wieder verschwunden wie es gekommen war und der mitfühlende Ausdruck auf ihrem Gesicht wich erneut den nur allzu gewohnten Zügen, die puren Ekel ausdrückten.
Harmony war nicht mehr weit von der nächstgrößeren Straße entfernt, als plötzlich eine Gestalt aus den Schatten heraus vor sie trat und ihr den Weg versperrte. Ein spitzer Schrei entfuhr ihr und sie riss erschrocken die Augen auf, während sie ein paar Schritte zurückstolperte. Ihr Herz hämmerte in ihrer Brust und sie keuchte, in dem Versuch, den Mund zu öffnen, um etwas zu sagen, doch lediglich ein undefinierbares Stammeln verließ ihre Lippen, was die vollkommen in schwarz gehüllte Person grinsen ließ.
„Tut mir leid, ich wollte dich nicht erschrecken, Harm“, begrüßte sie die andere, aber ihr Ton machte deutlich, dass sie kein Wort davon so meinte, wie sie es sagte. „Obwohl ich mich schon wundere, was ausgerechnet du um diese Zeit hier machst? Das scheint mir nicht gerade deine übliche Nachbarschaft zu sein.“
Die Blondine schluckte schwer und für einen Moment zog sie es in Erwägung, noch einmal laut aufzuschreien. Da sie jedoch zu dem Entschluss kam, dass ihr sowieso niemand zu Hilfe eilen würde, selbst wenn sie jemand hören sollte, ließ sie es bleiben und versuchte stattdessen erst einmal, tief durchzuatmen.
Ganz ruhig, es gibt keinen Grund zur Panik, beruhigte sie sich selbst, immerhin scheint diese Person mich ja zu kennen und auch wenn sie nicht unbedingt nett klingt, würde sie mich wohl kaum so ansprechen, wenn sie mich umbringen wollte.
Sie versuchte sich an einem Lächeln, welches allerdings letztendlich eher einer schiefen Grimasse glich, bevor sie mit zittriger Stimme erwiderte: „K-Kennen wir uns?“
„Oh, ich kenne dich besser als du glaubst und was dich betrifft… sagen wir, du weißt von meiner Existenz, auch wenn du und deine Freunde mich sonst nicht wert genug halten, auf dem selben Boden zu laufen wir ihr“, erklärte die Gestalt recht spöttisch und genoss gleichzeitig, wie Harmonys Augen unruhig hin und her flackerten. „Um genau zu sein, habe ich dich sogar gesucht, auch wenn das hier so ziemlich der letzte Ort ist, an dem ich dich zu finden erwartet hätte. Aber gut, ich mag Überraschungen – zumindest, wenn sie mir meine Pläne erleichtern.“
„U-Und was willst d-du von mir?“, erkundigte sich die Cheerleaderin daraufhin, während sie, wie sie hoffte, unauffällig nach einem Fluchtweg suchte. Sie wich erneut etwas zurück und obwohl die zivilisierten Worte sie eigentlich hätten beruhigen müssen – ein Dieb hätte wohl eher so etwas wie: „Hände hoch und Geld her“, befohlen -, schürten sie die Furcht in ihrem Bauch noch zusätzlich. Irgendetwas erschien ihr an der anderen Person nicht geheuer, auch wenn sie nicht erklären konnte, was das eigentlich genau war. Es war mehr eine Art Instinkt, der ihr befahl, auf dem Absatz kehrt zu machen und so schnell wie sie konnte wegzulaufen – ihr Pech, dass sie diesen unbewussten Rat nicht schleunigst befolgte.
„Sagen wir, du hast etwas genommen, das mir wichtig ist. Und nun wirst du den Preis dafür zahlen“, verkündete die Gestalt mit einem grausamen Grinsen, welches ihr normalerweise eher freundlich wirkendes Gesicht fast schon entstellte. Gleichzeitig schien es aber auf absurde Art und Weise zu einer bisher verborgen Facette ihres Charakters zu passen, die sie bisher verborgen hatte, wie Harmony im nächsten Moment geschockt feststellen musste, da die Fremde ihre Kapuze herunternahm.
Ein ungläubiger Ausdruck erschien auf dem Gesicht der Blonden und sie lachte vor Schock grotesk auf, wobei ihre Stimme jedoch sogar in ihren eigenen Ohren merkwürdig fremd klang.
„Du?“, stieß sie überrascht hervor und unter normalen Umständen hätte sie die Person, die sich hinter der Kapuze verborgen hatte, keines zweiten Blickes gewürdigt, im Gegenteil, sie hätte sie unbeschwert ausgelacht.
Doch entgegen ihrer rationalen Gedanken der Verachtung wollte das Gefühl der Furcht in ihrem Bauch nicht so ganz verschwinden. Es schien sich jetzt, da sie wusste, welch gewaltigen Hass die andere gegen sie hegen musste, eher noch zu verstärken. Das Atmen fiel ihr schwerer und für einen Moment glaubte sie zu ersticken, bevor sie von der ihr unter anderen Umständen wohlbekannten Stimme von ihrer Panik abgelenkt wurde.
„Ja, ich. Das überrascht dich, nicht wahr? Hast du Angst?“, erkundigte sich die dunkel gekleidete Person amüsiert, woraufhin Harmony unbeabsichtigt nickte.
„Solltest du auch. Aber helfen wird dir das auch nichts mehr.“
„Was h-hast du mit m-mir vor?“, fragte die Blondine daraufhin entsetzt und so langsam begann sie zu begreifen, dass sie auf ihre Eingebung hätte hören sollen.
Das Grinsen der schwarz gekleideten Person wurde noch breiter und ein leises Glucksen entwich ihrer Kehle, bevor sie sich nach vorn beugte, sodass ihr Gesicht nur wenige Zentimeter von Harmonys entfernt war.
„Ich will dich umbringen“, flüsterte sie dann, was die Cheerleaderin furchterfüllt nach Luft schnappen ließ.
Sie blickte der Gestalt geradewegs in die Augen und erwarte, den Wahnsinn, der von ihr Besitz ergriffen haben musste, damit sie so etwas sagte, darin wieder zu finden, doch vergeblich. Und das machte ihr noch viel mehr Angst, als es die Drohung allein jemals hätte tun können.
Es war schlimm genug, wenn ein geistig Verrückter solch eine Tat ankündigte, aber sie von jemandem zu hören, der bei klarem Verstand war, war noch tausendmal grauenerregender. Aber auch das war noch nicht das Schlimmste, nein, das, was ihr am meisten Furcht bereitete, war, dass sie der anderen ein solches Vergehen auch tatsächlich zutrauen würde. Vor dem heutigen Tag hätte sie es für vollkommen absurd gehalten, doch so wie die Gestalt jetzt vor ihr stand, mit diesem kalten, grausamen Blick, schien sie durchaus zu einem Mord fähig zu sein.
„Lauf!“, unterbrach die Person plötzlich ihre Gedankengänge und sie benötigte keine zweite Aufforderung, um dem Folge zu leisten. So schnell ihre Schuhe es zuließen drehte sie sich herum und begann zu rennen.
Der Boden verschwamm vor ihren Füßen und sie hörte das adrenalinangereicherte Blut durch ihre Adern rauschen, während sie um ihr Leben lief. Ihr Atem kam nun stoßweise und auf ihrer Stirn stand der kalte Angstschweiß, während ihre Muskeln erbärmlich zitterten, diesmal allerdings nicht wegen der Kälte.
Für einen Augenblick spielte sie mit dem Gedanken, mit den Fäusten an die nächstbeste Tür zu trommeln und um Hilfe zu rufen, doch sie verwarf diese Idee sofort wieder, da ihr im selben Moment klar wurde, dass ihr ohnehin niemand öffnen würde. Die Menschen, die hier wohnten, waren entweder viel zu verängstigt, um nach Einbruch der Dunkelheit ein Klopfen an der Haustür zu beantworten, oder selber in solch gesetzlose Machenschaften verwickelt, dass ihnen ein Mord nicht mehr als ein müdes Blinzeln abringen würde.
Wenn nicht sofort ein Wunder geschah, dann war sie erledigt. Es war ihr ohnehin schon schleierhaft, wie sie es geschafft hatte, so lange zu rennen, ohne über ihre eigenen Füße zu stolpern. Sie spürte, wie sich Tränen in ihren Augen sammelten und ein atemloses Schluchzen drang über ihre Lippen, während sie versuchte, ihr Tempo noch einmal zu erhöhen, ohne dabei das Gleichgewicht zu verlieren, da sie die Schritte der Gestalt hinter sich nur allzu deutlich in ihren Ohren vernehmen konnte. Es war nur noch eine Frage der Zeit, bis ihr entweder die Puste ausgehen oder sie stolpern würde.
Die Tränen liefen nun ungebremst über ihre Wangen, hinterließen Spuren verlaufener Maskara auf ihrer Haut, doch zum ersten Mal in ihrem Leben war ihr das völlig egal. Gott, sie würde sogar einen ganzen Monat ungeschminkt aus dem Haus gehen, wenn sie hier nur lebend herauskäme.
Ein weiteres Schluchzen drang über ihre Lippen und ihre Sicht war mittlerweile so verschwommen, dass sie kaum noch sah, wohin sie überhaupt lief - nicht, dass das irgendwie wichtig gewesen wäre, es war ihr völlig egal, wo sie ankam, Hauptsache weg von hier.
Sie war gerade an der Ecke zur nächsten Gasse angelangt, als sie spürte, wie eine Hand ihren Arm packte und sie brutal herumriss. Der Schwung dieser Bewegung ließ sie stolpern und rückwärts gegen eine Hauswand krachen, an welcher sie sich den Kopf aufschlug. Schwarze Flecken begannen vor ihren Augen zu tanzen und ihr wurde auf einmal furchtbar schlecht, während sie verzweifelt nach Luft rang.
„Zu langsam“, raunte ihr die bekannte und nun auch gefürchtete Stimme ins Ohr, wobei sie nicht im mindesten mitfühlend klang, eher erfreut.
Harmony öffnete den Mund, um zu protestieren, sie wollte versuchen, irgendeinen Tauschhandel herauszuschlagen – Geld hatte sie genug und bisher war noch jeder käuflich gewesen -, aber auch diesmal brachte sie kein Wort hervor. Stattdessen spürte sie, wie eine bitter schmeckende Flüssigkeit ihren Rachen hinaufstieg und mit einem Würgen übergab sie sich auf die schlecht gepflasterte Gasse.
Das Grinsen der Gestalt verwandelte sich daraufhin in eine angewiderte Grimasse und sie lockerte unbewusst den Griff um den Arm der Blonden. Nur nützte dieser das rein gar nichts, da sie zusammengekrümmt auf ihren Knien saß und vollauf damit beschäftigt war, gegen die Schwärze, die sie zu überwältigen drohte, anzukämpfen. Der Gedanke an eine Flucht war wie weggeblasen und stattdessen keuchte sie nur in dem Versuch, genügend Sauerstoff in ihre Lungen zu saugen, damit sie nicht das Bewusstsein verlor.
Die Andere schien diese Situation hingegen bis zum letzten Moment auskosten zu wollen. Wer hätte auch gedacht, dass irgendwer Harmony Kendall einmal so sehen würde? So wie sie jetzt am Boden hockte hatte sie keinerlei Ähnlichkeit mehr mit der arroganten, aufgeblasenen Barbiepuppe, die sie sonst immer darzustellen pflegte. Zu schade, dass sie keinen Spiegel bei sich hatte, damit die Blondine sich selbst sehen konnte - sie würde schreien.
Ihr Haar hing in verschwitzten Strähnen herunter und war an der Rückseite ihres Kopfes, wo sie gegen die Wand geknallt war, sogar von Blut verfärbt und verklebt. Das Make-up um ihre Augen herum war völlig verschmiert und dunkle Spuren von Tränen umrahmten die mittlere Partie ihres Gesichtes. Jegliche Farbe war ihrem Antlitz entwichen, ihre Haut wirkte beinahe durchsichtig weiß, wie die eines Geistes. Um ihre Mundwinkel herum konnte man sogar noch die Spuren von Erbrochenem, welches sie vergeblich mit dem Handrücken abzuwischen versucht hatte, erkennen. Alles in allem ergab sie einen erbärmlichen Anblick.
Eigentlich hatte die Gestalt ihr die Kehle aufschlitzen wollen, doch in der Gefahr, ihren Dolch damit unnötig zu beschmutzen, rammte sie ihn der noch immer um Bewusstsein ringenden Harmony durch den Rücken hindurch ins Herz.
Die Blondine bäumte sich geschockt auf und öffnete die Lippen zu einem stummen Schrei, während ihre weit aufgerissenen Augen gen Himmel blickten. Doch statt einem Ton entwich Blut ihrer Kehle und floss aus ihrem Mund, versperrte ihre Atemwege, sodass sie mit einem leisen Gurgeln in sich zusammensackte. Sie spürte den Schmerz in ihrer Brust nicht mehr, bemerkte noch nicht einmal, wie die Gestalt den Dolch aus ihrem Fleisch zog. Die Welt um sie herum begann sich zu drehen und die Farben verwirbelten immer schneller und schneller vor ihren Augen, bis sie sich schließlich zu einem einzigen Ton vereinten und sie endgültig den Kampf gegen die Bewusstlosigkeit verlor.

Als Spike Buffy und ihrer Clique am nächsten Morgen im Schulflur begegnete, legte sich ein irritiertes Stirnrunzeln über seine Züge.
Die Blonde war schon seit zwei Unterrichtsstunden in der Sunnydale High, doch sie hatte noch keinerlei Anstalten gemacht, irgendjemanden zu verspotten oder zu ärgern. Und als wäre das nicht schon ungewöhnlich genug, schien sie sich auch nicht sonderlich um ihr Aussehen zu kümmern.
Im Gegensatz zu sonst trug sie weder einen kurzen, engen Rock, noch ein Top, das mehr Haut zeigte als verdeckte. Stattdessen war sie mit einer Jeans und einem einfachen Shirt bekleidet.
Bildete er sich nur ein, dass sie irgendetwas bedrückte, oder hatte sie heute Morgen einfach verschlafen und sich schnell irgendwelche Klamotten aus dem Schrank geangelt, ohne darauf zu achten, welche es waren?
Ein Blick in ihr Gesicht verwarf diese Möglichkeit allerdings gleich wieder. Unter ihren Augen zeichneten sich dunkle Ringe ab, so als würde sie schon seit längerem nicht mehr richtig schlafen, und auch die dicke Schicht Make-Up vermochte den aschfahlen, beinahe schon grauen Ton ihrer Haut nicht zu verbergen. Sogar ihre Augen erschienen ihm leblos und niedergeschlagen, ihr Blick war trübe und abgestumpft.
Wenn es sich hierbei nicht ausgerechnet um Buffy gehandelt hätte, hätte er sich wohl weitere Gedanken darüber gemacht, was sie wohl dazu gebracht hatte, sich so gehen zu lassen, aber so beschloss er lediglich, ihr äußeres Erscheinungsbild zu seinem Vorteil zu nutzen.
„Hey Summers, welcher Truck hat dich heute früh denn erwischt? Oder siehst du immer so aus, wenn die Schminke knapp wird?“, zog er Buffys Aufmerksamkeit auf sich. Ein arrogantes Grinsen umspielte seinen Mund, doch sein Blick war stechend kalt, was ihr einen Schauer über den Rücken jagte.
„Lass mich in Ruhe, Spike!“, entgegnete sie daraufhin scheinbar ungerührt – er brauchte nicht zu wissen, dass sie seinen Anblick an diesem Morgen schon fast Angst einflößend fand. Immerhin war sie zur Zeit lediglich ein bisschen überempfindlich wegen der Morde an ihren Freunden, das hatte rein gar nichts mit ihm zu tun. Er mochte zwar eine große Klappe haben, aber sie bezweifelte, dass er ihr ernsthaft gefährlich werden würde.
Sie schüttelte den Kopf, um diesen absurden Gedanken zu verdrängen – fehlte nur noch, dass sie beschuldigt werden würde, Gespenster zu sehen, die anderen hielten sie auch so schon für übervorsichtig – und versuchte, sich an Spike vorbeizudrängen, jedoch ohne Erfolg, da sich dieser mit verschränkten Armen genau vor sie stellte.
Obwohl sich das Stirnrunzeln auf seinem Gesicht auf ihre Worte hin vertieft hatte, war er nicht bereit, sie so einfach davonkommen zu lassen. Wenn überhaupt machte ihn ihre Aufforderung nur noch neugieriger, da die Cheerleaderin bisher noch nie einer Auseinandersetzung mit ihm aus dem Weg gegangen war. Was sie wohl dazu brachte, sich so abweisend zu verhalten?
„Warum sollte ich? Nicht so, als würdest du andere in Ruhe lassen, nur weil sie einen schlechten Tag haben.“
„Weil Leute wie ich nicht mit Abschaum wie dir reden. Du bist unter meiner Würde“, erklärte die Blonde giftig und ihre Augen begannen angriffslustig zu flackern, was Spike halb erfreut, halb enttäuscht zur Kenntnis nahm. Einerseits zeigte ihre Reaktion, dass er ihr wie erhofft auf die Nerven ging, andererseits schien sie doch nicht so betrübt zu sein, wie er anfangs geglaubt hatte.
„Ach, wirklich? Der Meinung scheinen deine so genannten Freunde allerdings nicht alle zu sein“, kommentierte er nur trocken und gluckste leise, da sie ihm gerade die perfekte Gelegenheit bot, sein kleines Abenteuer mit Harmony ins Spiel zu bringen.
Tatsächlich schaute Buffy für einen Moment auch reichlich verblüfft drein, hatte sie doch nicht die leiseste Ahnung, was er ihr damit eigentlich sagen wollte, aber sie gewann ihre Selbstsicherheit leider genauso schnell wieder, wie diese zuvor verschwunden war.
„Wie kommst du denn darauf? Hast du vielleicht inzwischen soviel Bleichmittel für deine Haare verwendet, dass es bis zum Gehirn durchgeätzt ist? Keiner hier kann dich leiden, du bist schlicht und einfach ein Freak.“
„Harmony ist da anscheinend anderer Meinung. Ihr scheint nicht nur mein Aussehen ganz gut gefallen zu haben, sondern auch andere… Fähigkeiten“, deutete er mit einem anzüglichen Wackeln seiner vernarbten Augenbraue an.
Doch anstatt wie erhofft zu erleben, wie Buffys Gesichtszüge vor Fassungslosigkeit entgleisten, schien sie dieser Kommentar nur noch wütender zu machen. Ihre Augen verengten sich zu Schlitzen und ihre Stimme war nur noch ein gefährliches Zischen, als sie ihm ihre Antwort entgegenschleuderte.
„Wie kannst du es wagen…? D-Das ist einfach… geschmacklos! Ich wusste ja schon lange, dass du ein Idiot bist, aber für so ein Arschloch hätte ich dich nicht gehalten. Du machst wohl vor gar nichts Halt, was? Hauptsache du kannst deine dreckigen Lügen verbreiten, egal, wen es dabei trifft. Fahr zur Hölle, Spike!“
Für einen Moment konnte man Verwirrung in den Gesichtszügen des Platinblonden erkennen, bevor er sich wieder besann und den Kopf schüttelte. Am besten versuchte er gar nicht erst, sich irgendeinen Reim auf ihre Worte zu machen, da er ihre Anspielungen sowieso meistens falsch verstand.
„Danke, das hast du mir schon mal empfohlen. Nur hat mir die Beschreibung davon nicht wirklich gefallen, also werde ich meinen Urlaub lieber woanders verbringen. Aber wenn du es so empfehlenswert findest, solltest du es vielleicht einmal versuchen“, konterte er grinsend.
„Abgesehen davon werde ich nicht etwas ablehnen, was mir angeboten wird. Harmonys Gebrabbel mag zwar nicht sonderlich unterhaltsam sein, aber im Bett ist sie ganz brauchbar. Oder bist du vielleicht nur eifersüchtig, weil sie dir den Titel als Schulschlampe abgenommen hat?“
Daraufhin schien endlich Leben in die Blonde zu kommen. Sie klappte fassungslos den Mund auf und zu, wie ein Fisch, der auf dem Trockenen saß und nach Luft schnappte, bevor sie einen Schritt auf ihn zumachte und ihm unerwartet eine saftige Ohrfeige verpasste, nur um im nächsten Augenblick geschockt über ihr eigenes Verhalten auf ihre Hand zu starren.
Spikes Hand wanderte währenddessen langsam zu seiner geröteten Wange und er starrte Buffy mindestens genauso überrascht an wie sie sich selbst. Wut flammte in ihm auf. Wie konnte sie es wagen? Was gab ihr das Recht, ihn zu schlagen? Was glaubte sie denn eigentlich, wer sie war?
Seine verbliebene Hand ballte sich zur Faust und seine Kiefermuskeln zuckten erzürnt, wodurch seine Zähne zu knirschen begannen. Er konnte sich nur mit Mühe davon abhalten, sich zu revanchieren, einzig und allein die Tatsache, dass Buffy, was für ein hinterhältiges Miststück sie auch sein mochte, immer noch ein Mädchen war, hielt ihn davon ab. So wütend er auch war, er würde sich nicht auf das gleiche Niveau herablassen wie sein verhasster Stiefvater.
Ein trüber Schleier legte sich über seine Augen, als er sich an jenen Tag erinnerte, an welchem seine Mutter Ethan zum ersten – und wohlgemerkt auch letztem - Mal widersprochen hatte. Er war zu spät hinzugekommen, um den Älteren von seinem ersten Schlag abzuhalten und hatte seine Mutter zusammengekauert auf einem Küchenstuhl vorgefunden, mit Tränen in den Augen, während Ethan mit erhobener Faust vor ihr gestanden hatte.
Im ersten Moment war er wie gelähmt gewesen, obwohl er seinen Stiefvater von Anfang an nicht hatte leiden können, hatte er sich um seiner Mutter Willen bemüht, mit ihm auszukommen. Wenn er auch nur ansatzweise geahnt hätte, wie der Ältere sich benehmen würde, hätte er niemals zugelassen, dass dieser Bastard mit ihnen zusammenzog.
Dann jedoch hatte er sich genug von seinem Schock erholt, um Ethans Faust – dank seines vor einigen Wochen begonnenen Fitnesstrainings - kurz vor ihrem Ziel abzufangen und seinen Stiefvater zurückzustoßen. Zu gern hätte er es dem anderen heimgezahlt, aber anstatt sich mit ihm zu prügeln, hatte er ihm lediglich einen langsamen, qualvollen Tod versprochen, sollte er jemals wieder eine Hand gegen seine Mutter erheben.
Zwar hatte Ethan seine Drohung anscheinend Ernst genommen und war seiner Frau gegenüber nie wieder handgreiflich geworden, doch das war auch nicht nötig gewesen, da diese seit dem Vorfall ohnehin viel zu eingeschüchtert war, um ihm zu widersprechen oder auf ihrer eigenen Meinung zu beharren.
Spike hatte mehr als einmal versucht, sie davon zu überzeugen, Ethan anzuzeigen oder ihn wenigstens zu verlassen, allerdings hatte er damit keinen Erfolg gehabt. Der Lebenswille, der wieder in ihr erwacht war, nachdem sie die nette Seite ihres jetzigen Ehemanns kennen gelernt hatte, schien erneut erloschen zu sein und der Platinblonde wusste nichts, was er dagegen hätte tun können.
Mit einem tonlosen Seufzen schüttelte Spike den Kopf, um diese trüben Gedanken zu vertreiben, bevor er sich wortlos an Buffy vorbei schob und zum nächsten Unterrichtsraum ging. Harmonys Abwesenheit fiel ihm dabei nicht ins Auge.
~*~*~*~
Ein glückliches Lächeln zierte Buffys Gesicht, als sie sich umsah und feststellte, dass tatsächlich alle ihre Freunde zu Cordelias Party aufgetaucht waren. Es fühlte sich gut an, alle in ihrer Nähe zu wissen und das nicht nur, weil es so für den Mörder wesentlich schwieriger, wenn nicht sogar unmöglich, sein würde, ein Opfer herauszupicken. So lange sie alle im Haus waren, waren sie sicher, hier konnte ihnen nichts passieren. Und da die Feiern der Brünetten sowieso immer die ganze Nacht lang dauerten, brauchte sie sich auch keine Gedanken darüber zu machen, dass jemand in der Dunkelheit heimlaufen oder –fahren müsste. Sogar Riley war gekommen, obwohl seine Laune sich seit Darlas Tod verständlicherweise noch nicht wieder gebessert hatte.
„Hi, Buffy. Was hältst du von der Party?“, wurden ihre Gedanken von Cordelia unterbrochen, die mit zwei Cocktails auf sie zukam und ihr auch prompt einen davon in die Hand drückte.
„Um ehrlich zu sein, bin ich gerade erst gekommen. Aber es war eine gute Idee, uns alle ein wenig damit abzulenken. So wie ich dich kenne, wird in spätestens einer Stunde jeder hier alles andere vergessen haben. Hast du zufällig Ben gesehen?“, lenkte die Blonde das Thema in eine andere Richtung und ließ ihren Blick suchend über die Menge wandern, wobei sie feststellte, dass offensichtlich nicht nur Schüler der Sunnydale High eingeladen worden waren. Ihren Freund konnte sie jedoch nicht auf Anhieb entdecken.
„Oh, der ist gerade mit Xander beschäftigt. Das letzte Mal, als ich an den beiden vorbeigekommen bin, haben sie über irgendein Footballspiel diskutiert, glaub mir, an dieser Unterhaltung willst du dich mit Sicherheit nicht beteiligen. Komm, lass uns lieber zu Amanda und Dawn gehen, du kannst auch noch später mit Ben tanzen“, schlug die Brünette grinsend vor. Sie machte sich nicht die Mühe, auf eine Antwort zu warten, sondern packte ihre Freundin einfach an der freien Hand und zog sie durch die Menge hindurch zu einer Sitzecke.
~*~*~*~
„Hey, Riley, meinst du nicht, du hast langsam genug?“, wandte sich Robin an den Dunkelblonden, der bereits seit Beginn der Party immerzu eine Flasche Bier in der Hand hatte. Wogegen ja eigentlich nichts einzuwenden wäre, nur leerten diese sich wesentlich schneller als gut für ihn war. Inzwischen schien er schon reichlich betrunken zu sein und hätte er aufstehen müssen, hätte er wahrscheinlich beachtlich geschwankt.
„G’nug? Wovon dn? Das Bier schmeggt gudd, genau rischtisch“, nuschelte dieser daraufhin leicht protestierend. Er versuchte seine Meinung mit einem ernsthaften Blick zu untermalen, scheiterte jedoch kläglich, da es ihm nicht gelang, seine Gesichtszüge lange genug beizubehalten. Der Raum drehte sich vor seinen Augen und es fiel ihm schwer, Robin zu fixieren, da sich dieser irgendwie verdoppelt zu haben schien.
Seine Worte brachten allerdings nicht den gewünschten Erfolg – im Gegenteil, bei dem Klang seiner alkoholverzerrten Stimme drehte sich nun auch Graham zu ihm um. „Woah, Alter, du bist ja schon total dicht. Vielleicht solltest du lieber mal ’n Glas Wasser trinken?“, schlug er vorsichtig vor, weil Riley in letzter Zeit ungewöhnlich aggressiv war und er keine Lust hatte, dessen Wut auf sich zu ziehen.
Der Angesprochene schüttelte jedoch nur langsam den Kopf – wohl auch in der Hoffnung, sein Sichtfeld würde dadurch klarer werden – und leerte mit einem weiteren Zug seine derzeitige Flasche, bevor er sich unter reichlichem Schwanken erhob. Er musste sich mit einer Hand am Tisch abstützen, um nicht zu stürzen und verblieb eine Weile in der Haltung, in dem Versuch, sein Gleichgewicht wiederzuerlangen. Schließlich stolperte er erneut in Richtung der provisorischen Bar, wo er sich Nachschub besorgte, die skeptischen Gesichter der anderen beiden ignorierend.
~*~*~*~
„Ähm, du kennst Buffy schon ziemlich lange, oder? Seit sie hierher gezogen ist, hab ich Recht?“, druckste Ben herum, seinen Blick fest auf die Flasche in seinen Händen gerichtet. Er hatte Xander schon kurz nach seiner Ankunft um ein Gespräch unter vier Augen gebeten, doch nun redete er bereits seit fast einer halben Stunde mit ihm, ohne dem eigentlichen Grund seiner Bitte auch nur ein Stück näher gekommen zu sein.
„Ja, sieben Jahre, um genau zu sein. Hör zu, Ben, ich will heute noch mit meinem Mädchen tanzen. Spuck endlich aus, worüber du mit mir reden wolltest“, forderte ihn der Dunkelhaarige daraufhin ungeduldig auf, wobei er sehnsüchtig zu Cordelia hinüber sah.
„Ich… Es geht um Buffy. Sie… Ich hab das Gefühl, sie nicht zu kennen. Sie hält mich immer auf Abstand, ich komm nicht an sie heran. Immer wenn ich das Gefühl hab, sie würde mir endlich vertrauen, stößt sie mich wieder von sich. Irgendetwas steht zwischen uns, nur weiß ich nicht, was genau das ist und so lange ich das nicht weiß, kann ich auch nichts dagegen tun. Ich hab sie schon oft darauf angesprochen, aber sie weicht mir jedes Mal aus und wechselt das Thema“, erklärte er betrübt, was Xander überrascht aufhorchen ließ.
Zwar hatte er sich schon gedacht, dass es in dem Gespräch wohl um Buffy gehen würde, da Ben sonst nicht viel mit ihm redete, doch das hatte er nicht erwartet. Er hatte geglaubt, sie wäre über Angels Tod hinweg und glücklich mit ihrem neuen Freund. War dem etwa nicht so? Hatte Cordelia mit ihrem Verdacht vielleicht doch Recht gehabt?
„Du weißt, dass sie vor dir mit Angel zusammen war, oder?“, erkundigte er sich darum mit einem Stirnrunzeln.
Ben sah daraufhin auf und nickte leicht. „Ja und nein. Ich weiß, dass sie einen Freund hatte, den sie wohl sehr geliebt hat, aber sie weigert sich, von ihm zu reden. Angel hieß er also? Wieso sind die beiden nicht mehr zusammen?“
„Er wurde ermordet und sie war diejenige, die ihn gefunden hat. Versteh mich nicht falsch, aber du bist seitdem ihr erster Freund. Ich glaube, sie braucht einfach noch etwas Zeit.
Angels Tod hat sie damals ziemlich aus der Bahn geworfen und sie hat Angst davor, dasselbe noch einmal durchmachen zu müssen, deswegen versucht sie uns alle auf Abstand zu halten – nicht nur dich. Es liegt nicht an dir. Ich glaube schon, dass sie dich liebt, sie ist nur noch nicht bereit, sich das selbst einzugestehen“, versuchte Xander die Situation seiner besten Freundin verständlich zu machen, woraufhin Ben erstaunt die Augenbraue hochzog, weshalb sich der Dunkelhaarige schnell berichtigte.
„Okay, sagen wir, Cordy glaubt das. Ich hab mir nicht so viele Gedanken darüber gemacht“, beichtete er, was ein Grinsen auf Bens Lippen brachte.
„Danke, Kumpel. Ich hoffe nur, dass du auch Recht hast – oder, besser gesagt, Cordelia Recht hat“, erwiderte Ben daraufhin erleichtert, bevor er aufstand und Xander auf die Schulter klopfte. „Ich komm gleich wieder.“
„Keine Eile, ich geh jetzt zu Cordy. Nichts gegen dich, aber ich ziehe ihre Gesellschaft der deinigen jederzeit vor“, erklärte der Dunkelhaarige mit einem Grinsen, um sich dann ebenfalls zu erheben und in jene Richtung zu verschwinden, in welcher er seine Freundin das letzte Mal gesehen hatte.

Begierig sog Ben die kühle Nachtluft in seine Lungen, in der Hoffnung, es würde ihm dabei helfen, die Gedanken in seinem Kopf in eine vernünftige Reihenfolge zu bringen. Obwohl ihm das Gespräch mit Xander zumindest ein Stück weitergeholfen hatte, wusste er nicht, was er tun sollte – tun konnte.
Er mochte Buffy wirklich sehr, würde sogar so weit gehen, zu sagen, er liebe sie. Aber konnte er mit ihr zusammen bleiben, wenn er genau wusste, dass sie noch nicht ganz über ihren vorherigen Freund hinweg war? Konnte er es ertragen, immer nur an zweiter Stelle bei ihr zu stehen?
Und selbst wenn er damit umgehen könnte, würde ihn die Blonde dann endlich an sich heranlassen? Nicht mehr ständig auf emotionalen Abstand gehen und nicht mehr seinen Fragen ausweichen, anstatt sie einfach zu beantworten?
Zwar war Xander, oder besser Cordelia, der Meinung, Buffy würde irgendwann über Angel hinwegkommen, doch dessen war er sich nicht so sicher. Sie hatte inzwischen anderthalb Jahre dafür Zeit gehabt und es nicht geschafft. Von daher war es fraglich, ob ihr das jemals gelingen würde.
Ein Seufzen drang über seine Lippen und er hob die Bierflasche, die er zwar schon den gesamten Abend lang in der Hand hielt, die aber immer noch voll war, zu seinem Mund, um sich einen kräftigen Schluck zu gönnen.
„Hat Buffy dich mal wieder links liegen lassen?“, erklang eine spöttische Stimme aus der Dunkelheit, woraufhin Ben erschrocken herumfuhr, hatte er doch geglaubt, er wäre allein im Garten.
Sein Blick verfinsterte sich noch mehr, falls das überhaupt möglich war, als er sah, wen er da vor sich hatte. Am liebsten hätte er sich auf der Stelle wieder umgedreht und wäre zurück ins Haus gegangen, aber wahrscheinlich würde ihm der andere folgen und ihn dann dort weiter auf die Nerven gehen. So gesehen war Angriff wahrscheinlich die beste Verteidigung.
„Was machst du hier?“, schoss er daher zurück, in dem Versuch, den Stich in seiner Brust aufgrund des Wahrheitsgehalts in den Worten des anderen zu ignorieren.
„Hey, hast du ernsthaft erwartet, ich fehle, wenn es Bier gibt, für das ich nichts bezahlen muss? Aber du hast Recht, das ist nicht der einzige Grund, aus dem ich hier bin. Sagen wir, ich hab noch ein Geschäft zu erledigen“, erwiderte die noch immer im Schatten stehende Gestalt mit einem Schulterzucken.
Ihr Blick wanderte dabei wachsam zur Tür, da sie keine Lust hatte, ihre Anwesenheit noch jemand anderem erklären zu müssen. Erst recht nicht, wenn sie ihr Vorhaben beendet hatte, denn dann wäre ihre Gegenwart ein gefährlicher Hinweis.
Um Ben brauchte sie sich hingegen keine Gedanken zu machen, ihm schien noch nicht einmal annähernd bewusst zu sein, in welch lebensgefährlicher Situation er sich befand. Und wenn er erst einmal begriff, was ihm bevorstand, wäre es bereits zu spät, um etwas daran zu ändern.
„Ein Geschäft? Bietest du mir gerade Drogen an? Obwohl mich das bei dir nicht wirklich wundern sollte“, erklärte Ben daraufhin verächtlich, was den anderen zum Lachen brachte. Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet Buffys Freund so ein amüsantes Opfer abgeben würde?
„Nein, keine Drogen. Wie kommst du denn auf die Idee? Hast du welche nötig, damit deine Freundin bei dir bleibt?“, erwiderte die Gestalt und ergötzte sich eine Weile an Bens entgeisterten Gesichtsausdruck, bevor sie fortfuhr: „Eigentlich wollte ich Buffy einen kleinen Gruß senden… in Form deiner Leiche.“
Mit diesen Worten zog sie blitzschnell den Dolch, den sie bisher hinter ihrem Rücken verborgen hatte, hervor und rammte ihn ihrem Gegenüber mit einem kräftigen Hieb in die Brust.
Ein hässlich schmatzendes Geräusch erklang und Ben taumelte ein paar Schritte zurück an die Wand, wo er schließlich fassungslos auf den Griff der Klinge starrte. Seine Hände wanderten wie in Zeitlupe zu der Wunde, an welcher sie für einen Augenblick verweilten, bevor der Verletzte sie vor seine Augen führte und ungläubig das Blut, welches an ihnen herunter lief, betrachtete.
„Rache serviert man am besten kalt. Normalerweise wollte ich dich eigentlich am Leben lassen, damit du diese Botschaft deiner Freundin überbringen kannst. Aber da du dich ja unbedingt umdrehen musstest und mich so gesehen hast, ist das leider nicht mehr möglich. Dein Pech“, meinte die Gestalt mit einem spöttischen Grinsen, um dann den Dolch aus Bens Brust zu ziehen, wodurch das Blut noch viel schneller aus der Wunde strömte. Tatsächlich hatte dieser gerade noch Zeit, dem anderen einen letzten, fassungslosen Blick zuzuwerfen, bevor er kraftlos in sich zusammenbrach.
~*~*~*~
Wie betäubt starrte Buffy zu ihrem Zimmerfenster hinaus, ohne jedoch wirklich zu sehen, was draußen vor sich ging. Die Tränen liefen ungebremst über ihre Wangen und ihren Körper erfüllte ein Zittern, während sie verzweifelt versuchte, nicht laut aufzuschluchzen.
Ben war tot und ihr Jammern würde daran auch nichts ändern, egal wie sehr sie es sich wünschte. Nie hätte sie gedacht, dass seine Ermordung ihr so furchtbar zusetzen könnte, immerhin hatte sie sich alle Mühe gegeben, ihn nicht zu nahe an sich heran zu lassen – vergebens.
Ohne dass sie es auch nur geahnt hatte, hatte er sich in ihr Herz hinein geschlichen, ganz heimlich und leise. Sein Tod schmerzte nicht weniger als Angels damals und genau diese Tatsache war das, was sie so sehr erstaunte und sie gleichzeitig dazu brachte, ihr eigenes Verhalten ihm gegenüber bitter zu bereuen.
Wenn sie ehrlich war, war er ihr ein besserer Freund als Angel gewesen, bei ihm hatte sie sich immer hundertprozentig sicher sein können, dass er ihr nicht fremdging. Er hatte sie auf Händen getragen, obwohl sie ihm niemals eine ernsthafte Chance gewährt hatte. War jederzeit für sie da gewesen und hatte zumindest versucht, für wirklich alles Verständnis aufzubringen.
Dabei hatte er gespürt, dass meistens nicht er derjenige gewesen war, an den sie gedacht hatte, wenn sie zusammen waren. Hatte gemerkte, wie sie ihn ständig von sich stieß, auf Abstand hielt. Dennoch hatte er nicht aufgegeben, war bei ihr geblieben und hatte versucht, ihre Liebe für sich zu gewinnen. Und jetzt war er gestorben, ohne zu erfahren, dass es ihm tatsächlich gelungen war. Das war ganz einfach nicht fair, das hatte er nicht verdient.
Seine Liebe zu ihr hatte ihm den Tod gebracht, genauso wie so vielen von ihren Freunden. Sie war schuld daran, dass dieser Killer einen nach dem anderen abschlachtete. Wenn die anderen ihr aus dem Weg gehen würden, wären sie sicher, dann wäre dieser Mörder nicht mehr hinter ihnen her, um sie zu treffen. Die einzige Möglichkeit, die ihr blieb, um diesen Wahnsinn zu beenden, wäre jeglichen Kontakt zu ihren Freunden abzubrechen. Nur so konnte sie sie vor dem sicheren Tod bewahren.
~*~*~*~
„Elizabeth Anne Summers, geh endlich an dieses verdammte Telefon! Und tu bloß nicht so, als wärst du nicht da, ich weiß ganz genau, dass du mich auf dem Anrufbeantworter hören kannst“, donnerte Cordelias Stimme aufgebracht durch Buffys Zimmer, in welchem diese Trübsal blasend auf dem Bett saß.
„Was willst du eigentlich hiermit erreichen? Du kannst dich nicht ewig verstecken, irgendwann musst du da rauskommen. Oh, ich schwöre dir, wenn du nicht endlich rangehst, dann komm ich persönlich zu dir und warte so lange, bis du die Tür aufmachst. Und wenn ich in eurem Garten campe“, drohte die Dunkelhaarige weiter, was Buffy schließlich dazu brachte, mit einem Seufzen aufzustehen und nach dem Telefon zu angeln, um den Krach zu beenden.
Sie kannte ihre beste Freundin nun schon seit sieben Jahren und wusste nur zu gut, dass diese tatsächlich keine Ruhe geben würde, bis sie mit ihr gesprochen hatte. Abgesehen davon hatte sie, was das mit dem Verkriechen betraf, auch nicht ganz Unrecht. Zwar hatte sie für die letzte Woche eine Freistellung für die Schule bekommen, aber ewig könnte sie nicht daheim bleiben.
„Du würdest nie und nimmer campen, noch nicht einmal in deinem eigenen Garten, geschweige denn woanders. Deine Angst, dir dabei einen Nagel abzubrechen, oder deine Haare durcheinander zu bringen, ist dafür viel zu groß“, erklärte die Blonde trocken und für einen Augenblick zauberte die Vorstellung von Cordelia in einem Zelt sogar ein Lächeln auf ihr Gesicht. Es verschwand jedoch genauso schnell wieder, wie es gekommen war und wich erneut einem Ausdruck des Kummers und der Traurigkeit.
„Okay, vielleicht würde ich nicht gleich bei dir campen, aber ich könnte jemanden dafür bezahlen, bei dir zu campen und dir so lange auf die Nerven zu gehen, bis du raus kommst. Jonathan würde es sogar für umsonst machen, wenn ich dafür mit ihm Essen gehe. Obwohl, ich glaube, da bezahl ich ihn lieber, als so weit zu sinken“, erklärte die andere ungerührt, bevor sie etwas ernsthafter fortfuhr.
„Ich weiß ja, dass dich Bens Tod ziemlich geschockt hat, aber es wird nicht besser, wenn du nicht einmal mehr mit uns redest. Du kannst nichts daran ändern und es war ganz sicher nicht deine Schuld, dass er umgebracht wurde. Hör auf, dir Vorwürfe zu machen. Und du brauchst gar nicht erst zu versuchen, zu leugnen, dass du das tust, dafür kenn ich dich schon zu lange.
Was hältst du davon, wenn du ein paar Sachen zusammenpackst und zu mir kommst? Wir könnten uns einen gemütlichen Mädelsabend machen, ich würde sogar Xander für heute fortschicken.“
„Sei mir bitte nicht böse, Cordy, aber ich halte das für keine gute Idee. Ich bin nicht in Stimmung für irgendwelche Filme, wahrscheinlich würde ich bei jeder Liebesszene in Tränen ausbrechen. Und reden will ich darüber auch noch nicht. Ich brauch einfach noch ein bisschen mehr Zeit für mich, nichts gegen euch. Tut mir leid. Aber ich werd morgen wieder in die Schule kommen, okay?“, erwiderte Buffy zerknirscht.
Sie flehte innerlich darum, dass Cordelia ihr Angebot annehmen würde, denn sonst müsste sie, was ihre Gründe, niemanden sehen zu wollen, betraf, wesentlich deutlicher werden und dann wäre die andere wieder beleidigt.
Tatsächlich zögerte die Dunkelhaarige einen Moment, bevor sie schließlich geschlagen gegeben zustimmte – wohl vor allem deswegen, weil ihr Freund nun seine Arme von hinten um sie geschlungen hatte und ihr mit einer Reihe von Küssen in ihrem Nacken zeigte, worauf sie heute Nacht zu verzichten bereit gewesen wäre.
~*~*~*~
Als Buffy am nächsten Morgen tatsächlich in die Schule ging, war dort der erste, den sie traf, natürlich ausgerechnet jene Person, die sie am wenigsten sehen wollte: Spike. Er stand mit einer Zigarette im Mund lässig an den Eingang gelehnt da, ungeachtet der Tatsache, dass jeden Moment ein Lehrer um die Ecke kommen und ihn beim Rauchen erwischen könnte.
Bei dem Anblick der Blonden, die sich nicht sonderlich viel Mühe mit ihrem Aussehen gemacht hatte, begann er amüsiert zu grinsen und warf die Zigarette weg, nur um sie anschließend wie zufällig auszutreten, während er sich Buffy in den Weg stellte.
„Hey Summers, bist du auf den Kopf gefallen, oder warum läufst du in so einem Aufzug rum? Oder wurden deine Eltern jetzt endlich beim Steuern hinterziehen erwischt?“, begrüßte er sie gehässig und deutete auf ihre ausgewaschenen Jeans und das einfache T-Shirt, welches ihr im Gegensatz zu sonst nicht mindestens zwei Nummern zu klein war.
„Nein, wurden sie nicht und meine Klamotten sind selbst jetzt noch zehn Mal stilvoller als die Lumpen, die du zu tragen pflegst“, erwiderte die Blonde jedoch nur desinteressiert und musterte ihn mit einem geringschätzigen Blick.
Eigentlich hatte sie wenig Lust, sich mit ihm zu unterhalten – oder mit irgendjemand anderem -, aber so lange sie sich mit ihm stritt, konnte Cordelia nicht versuchen, eine Psychoanalyse an ihr durchzuführen. So gesehen war es vielleicht gar keine so schlechte Idee, sich mal wieder mit Spike anzulegen, auch wenn seine Kommentare sie meistens ziemlich gut trafen.
„Wie ich sehe, hast du heute gar kein Hundehalsband dran. Hast du es verloren, oder hat dein kleiner Bücherwurm beschlossen, dich auszusetzen?“, fuhr sie darum nicht minder boshaft fort. „Und das, obwohl du so eifrig zu ihrer Rettung geeilt bist. Ts, ts, ts. Sieht ganz so aus, als ob du mehr von ihr willst, als sie von dir. Immerhin hat sie dich danach ganz schön schnell links liegen lassen, oder bin ich da falsch informiert?“
Tatsächlich brachten diese Worte den Platinblonden zumindest für einen Moment zum Schweigen und er presste ärgerlich die Lippen aufeinander, um seine aufschäumende Wut im Zaum zu halten. Woher zum Henker wusste sie bloß von Willows Abfuhr? Hatte sie etwa gelauscht? Oder war es dermaßen offensichtlich, dass die Rothaarige nichts mehr mit ihm zu tun haben wollte?
Mit einem Kopfschütteln versuchte er, diese trüben Gedanken aus seinem Kopf zu verdrängen – wahrscheinlich wusste Buffy überhaupt nichts und hatte in dem Versuch, ihn zu ärgern, unabsichtlich ins Schwarze getroffen -, bevor er gespielt gelassen eine Augenbraue nach oben zog.
„Ach, wirklich? Vielleicht ist es bei euch ja üblich, zu behaupten, ihr hättet keine Zeit, wenn ihr jemanden nicht sehen wollt. Aber Willow hat solche Lügen nicht nötig, sie hatte an dem Tag eben schon etwas vor“, konterte er und ignorierte dabei gekonnt die Tatsache, dass er der Rothaarigen seither seltsamerweise nicht mehr über den Weg gelaufen war.
„So? Was soll sie denn vorhaben? Sie hat doch kein Sozialleben. Obwohl, wenn ich genauer darüber nachdenke, würde sogar ich die Gesellschaft von Büchern der deinigen vorziehen. Nicht, dass ich das nötig habe, im Gegensatz zu euch beiden Loosern habe ich nämlich Freunde.“
Buffys Gesichtsausdruck war nun wieder von den nur zu gut bekannten arroganten Zügen geprägt und hätte sie nicht die ungewohnte Kleidung getragen, hätte in diesem Augenblick nichts daran erinnert, dass sie eben noch ziemlich niedergeschlagen gewesen war.
Spike hingegen wurde nur noch wütender und er ballte ärgerlich die Hände zu Fäusten, bevor er einen Schritt nach hinten trat, um sich davon abzuhalten, der Blonden an die Gurgel zu gehen. Ein verächtliches Schnauben entwich seiner Kehle und er zischte gefährlich leise: „Nur komisch, dass dieser Kreis in letzter Zeit immer kleiner zu werden scheint. Ist dir das in deiner Selbstverliebtheit schon aufgefallen, oder warst du zu sehr damit beschäftigt, dein Spiegelbild zu betrachten?
Willow ist ganz bestimmt kein Looser, sie ist tausendmal klüger als du und auch wesentlich netter. Ich schäme mich nicht dafür, so jemanden zu mögen. Hier magst du dir alles erlauben können, aber in der wirklichen Welt wird dir deine Beliebtheit nicht mehr viel nützen. Davon kannst du nicht leben. Du solltest deine Zeit vielleicht einmal damit verbringen, zu überlegen, wer du bist und was dich ausmacht. Wenn man das Geld von deinem geliebten Daddy wegnimmt, was bleibt dann noch? Nichts.“
Mit diesen Worten machte er auf dem Absatz kehrt und verschwand im Schulgang. Eigentlich hätte er gerne noch abgewartet, was für eine Antwort die verdatterte Blonde darauf haben würde, doch er fürchtete, wenn sie noch einmal ihren Mund aufmachte und einen ähnlich verächtlichen Kommentar wie zuvor herausschleuderte, könnte er sich nicht davon abhalten, sie zu schlagen. Und an so einer eingebildeten Barbiepuppe wie ihr wollte er sich ganz bestimmt nicht die Hände schmutzig machen.

Das Blut schoss in Willows Wangen, als sie hörte, wie Spike sie verteidigte und ihre Lippen verzogen sich zu einem strahlenden Lächeln. Er mochte sie und er gab dies auch offen zu, sogar Buffy gegenüber, die ziemlich gut mit Harmony befreundet gewesen war.
Die Anspannung der letzten Tage schien mit einem Mal von ihr abzufallen und sie straffte ihre Schultern, bevor sie um die Ecke herumtrat, hinter welcher sie sich versteckt hatte, um die Auseinandersetzung zu belauschen. Obwohl sie anfangs nicht erwartet hatte, dass sie selbst ein Teil dieses Gesprächs sein würde, war sie für eine Weile verharrt und hatte seiner Stimme gelauscht, die sie bereits seit ein paar Tagen nicht mehr gehört hatte, weil sie sich krampfhaft darum bemühte, ihm aus dem Weg zu gehen.
Und nun stellte sich heraus, dass sie ganz umsonst auf seine Gegenwart verzichtet hatte, dass er sie nicht für dumm oder anhänglich hielt. Auch wenn sie nicht wusste, ob er sie lediglich als gute Freundin mochte, oder eben doch etwas mehr. Aber auf Harmony musste sie jetzt nicht mehr eifersüchtig sein, diese war anscheinend nur ein Mittel zum Zweck gewesen, er hatte nichts für sie empfunden. Abgesehen davon ging sie die Wahl seiner Partnerinnen nichts an, so lange sie nicht zusammen waren.
Ein kleines Seufzen drang bei diesem Gedanken über ihre Lippen – wie gerne würde sie ihm sagen, wie viel sie wirklich für ihn empfand, aber ihr fehlte der Mut dazu -, doch es reichte nicht, um das Lächeln aus ihrem Gesicht zu verdrängen. Hätte sie sich umgesehen, so hätte sie gemerkt, dass sich einige der anderen Schüler und Schülerinnen erstaunt zu ihr umdrehten, gerade so, als würde sie ihnen zum ersten Mal auffallen, da sie so ungewohnt selbstbewusst durch den Schulflur ging. Die zusammengesunkene Haltung war verschwunden und ihre Schritte waren erstaunlich energisch, fast schon von Freude beflügelt.
~*~*~*~
Während des Informatikunterrichts wanderte Willows Blick immer wieder neugierig zu Spike, welcher zwei Plätze neben ihr saß und fleißig auf seiner Tastatur herumtippte – auch wenn seine Nachrichten wahrscheinlich rein gar nichts mit der Aufgabe, die sie gestellt bekommen hatten, zu tun hatten. Normalerweise hätte sie sich innerlich darüber aufgeregt, dass er dem Lehrstoff keinerlei Beachtung schenkte, immerhin ging es hierbei auch um seine Zukunft, doch heute musste sie kleinlaut gestehen, dass sie mindestens genauso unaufmerksam war wie er. Sie war viel zu sehr damit beschäftigt, sein neues Erscheinungsbild in sich aufzunehmen.
Im Gegensatz zu sonst trug er kein zerrissenes T-Shirt, von dem man den Eindruck hatte, die Sicherheitsnadeln wären das Einzige, was es noch zusammenhielt, sondern ein ganz normales, schwarzes Muscle-Shirt ohne irgendwelche Ausschmückungen seinerseits. Auch die Springerstiefel hatte er durch unauffälligere Schuhe, die aber dennoch seinem Bad-Boy-Stil entsprachen, ersetzt und die ausgewaschene Jeans machte einen weniger zerrissenen Eindruck als sonst. Alles in allem konnte man sagen, dass er trotz seines geliebten Ledermantels, von dem er sich natürlich nicht trennen können hatte - wie sie mit einem Grinsen feststellte -, der platinblonden Haare und dem Augenbrauenpiercing normaler als sonst aussah.
Bei all dem war es ihm aber dennoch gelungen, seinen alten Stil, den sie so sehr mochte und der ihm wirklich gut stand, größtenteils beizubehalten. Zumindest insofern, dass Mrs. Calendar lediglich tadelnd eine Augenbraue nach oben zog, als sie auf seinen Computerbildschirm sah, anstatt ihn zurechtzuweisen.
Sie fragte sich nur, was ihn dazu bewogen hatte, diese Veränderungen seiner Kleidung vorzunehmen? Hatte er überhaupt einen bestimmten Grund dafür? Oder war es nur aus einer Laune heraus passiert? Vielleicht war es aber auch gar keine Stiländerung, sondern er hatte sich nur heute so angezogen, weswegen auch immer. Andererseits hatte sie ihn vorher auch noch nie in solchen Klamotten gesehen.
Ein Stirnrunzeln legte sich über ihr Gesicht, während sie über diese Möglichkeiten nachdachte, doch sie kam zu keinem eindeutigen Schluss. Wenn sie wissen wollte, warum er sich so angezogen hatte, müsste sie ihn wohl selbst fragen. Nur konnte sie wohl schlecht so einfach mit der Tür ins Haus fallen, wo sie ihm die letzten Tage doch aus dem Weg gegangen war und auch auf sein Anklingeln keinerlei Reaktion gezeigt hatte. Am besten, sie bat ihn erst einmal um ein ganz normales Treffen.
Mit diesem Entschluss loggte sich Willow in das ICQ-Programm auf dem Schulcomputer ein, in der Hoffnung, Spike würde ebenfalls online sein. Ihr Blick wanderte über ihre Freundschaftsliste und sie hatte auch tatsächlich Glück, weshalb sie schnell auf seinen Nicknamen klickte, um eine Unterhaltung zu beginnen.
Wiccan_Girl: „Hi, Spike. Ich wollte dich fragen, ob du heute Nachmittag Zeit hast?“
Evil_Vampire: „Hey, was seh’ ich denn da? Du passt mal nicht im Unterricht auf? Schäm dich ^^“
Wiccan_Girl: „Ich kann eben auch mal böse sein =) Was ist nun mit meiner Frage?“
Evil_Vampire: „Ja, ich hab Zeit. Wann und wo willst du dich denn treffen? Hast es wohl eilig, wieder schnell dem Unterricht zu lauschen, hm?“
Wiccan_Girl: „Eigentlich hab ich darüber schon einiges im Lehrbuch gelesen, aber man kann ja nie wissen. Vielleicht erklärt Mrs. Calendar ja noch etwas, das nicht drinstand. Kommst du nach der Schule zu mir?“
Evil_Vampire: „Klar, gerne. Hatte schon Angst, du willst nichts mehr mit mir zu tun haben, nachdem du mich letztes Mal abgewiesen hast. Ich hatte den Eindruck, du wärst mir die letzten Tage ein bisschen aus dem Weg gegangen, aber da hab ich mich wohl zum Glück getäuscht.“
Für einen Moment geriet Willows Lächeln ins Schwanken, als sie das las. Sie hatte wirklich gehofft, er würde ihre Abwesenheit nicht bemerken, oder es darauf schieben, dass sie so viel lernte, doch er hatte die richtige Schlussfolgerung gezogen. Auch wenn er jetzt glücklicherweise glaubte, sich getäuscht zu haben.
Wieso hatte sie ihm so Unrecht getan? Warum war sie gleich abgehauen, ohne mit ihm zu sprechen? Er war mit ihr befreundet und dass er sich nicht dafür schämte, hätte sie spätestens merken müssen, als er sie vor Buffy beschützt hatte. War sie denn blind?
Sicher, so wie es vorhin geklungen hatte, hatte er tatsächlich etwas mit Harmony gehabt, aber das war, wenn sie mit klarem Verstand darüber nachdachte und nicht während der ersten Enttäuschung, allein seine Sache. Sie war nicht mit ihm zusammen und würde es wohl leider auch niemals sein.
Mit einem Seufzen ließ sie ihren Blick für einen kurzen Moment zu Spike schweifen, bevor sie sich wieder ihrer Tastatur zuwandte, um zu antworten.
Wiccan_Girl: „Ich freu mich schon, doch jetzt pass ich lieber mal wieder auf. CU ;)“
Evil_Vampire: „Okay, dann hämmer mal weiter fleißig Notizen in deinen Computer*g* CU 2“
~*~*~*~
Nervös strich Willow ihr Top glatt und überprüfte ihre Frisur noch einmal im Spiegel – auch wenn ihr ihr Verstand sagte, dass sie keinen Erfolg bei Spike haben würde, wollte sie trotzdem gut aussehen. Vielleicht hatte sie ja doch eine winzig kleine Chance bei ihm?
Immerhin konnte er sich jetzt ja nicht mehr mit Harmony treffen und besonders traurig schien er über ihren Tod auch nicht zu sein. Das hieß natürlich, falls er überhaupt davon wusste. Sie hielt ihn nicht für die Art Mensch, die jeden Morgen die Zeitung las und in der Schule war er, wenn er sich nicht gerade mit Buffy stritt, auch nicht unbedingt gesprächig.
Doch selbst wenn er nichts davon gehört haben sollte, konnte ihm Harmony nicht allzu viel bedeuten, denn sonst hätte er sich bestimmt die Mühe gemacht, sich zu erkundigen, warum sie auf einmal nirgendwo mehr auftauchte, wo sie einem doch sonst immer fast jede Pause im Schulflur begegnet war.
Ihre Überlegungen wurden plötzlich von der Haustürklingel unterbrochen, die laut zu schrillen begann. Ihr Kopf flog herum und sie eilte schnell zur Tür, nur um davor wie angewurzelt stehen zu bleiben. Sie atmete noch einmal tief durch, in dem Versuch, ihre flatternden Nerven zu beruhigen, bevor sie mit zitternden Händen öffnete, ein wackliges Lächeln auf dem Gesicht.
„Hi, Luv“, wurde sie auch gleich von Spike begrüßt und sie spürte, wie ihre Wangen zu glühen begannen. Wie hatte sie nur an ihm zweifeln können? Er würde sie wohl kaum mit solchen Spitznamen benennen, wenn er sie nicht leiden könnte.
„Hi, Spike“, erwiderte sie leise. „Komm rein, wir können ins Wohnzimmer gehen, meine Eltern sind nicht da. Möchtest du etwas zu trinken?“
Aus ihrem zuvor etwas gezwungenen wirkenden Gesichtsausdruck war nun ein echtes Lächeln geworden und ihre Nervosität ließ ein wenig nach.
„Hast du Bier?“, erkundigte er sich mit schief gelegtem Kopf, während er seine Schuhe auszog.
„Bist du mit dem Motorrad oder dem Auto da?“, setzte sie mit einem Schmunzeln entgegen, woraufhin er ein verwirrtes: „Motorrad“, von sich gab, da er nicht so ganz wusste, worauf sie hinaus wollte.
„Dann nicht. Abgesehen davon bist du noch keine 21, oder gibt es etwas, das du mir gerne sagen möchtest?“, fragte sie trocken, was ihn zum Grinsen brachte.
„Klar, ich bin in Wirklichkeit 126 Jahre alt und ein böser, böser Vampir, der dir das Blut aus den Adern saugen will.“
Sein Ton war todernst und wäre seine Behauptung nicht so absurd gewesen, hätte sie auch seinen Gesichtsausdruck für glaubhaft befunden, so jedoch bemerkte sie sowohl das leichte Zucken seiner Mundwinkel, als auch das belustigte Funkeln in seinen Augen.
„Wirklich? So siehst du gar nicht aus. Und du standest auch gerade draußen in der Sonne, oder hab ich mich da getäuscht?“, entgegnete sie mit großen Augen, während sie gespielt ängstlich zurückwich.
„Hm, okay, da hast du mich wohl erwischt. Es sei denn…“, begann der Blonde und ging dann so weit auf Willow zu, dass er genau vor ihr stand. „… es ist nur ein Gerücht, dass Vampire in der Sonne brutzeln. Ich könnte natürlich auch Sonnencreme verwendet haben“, witzelte er und riss dann den Mund auf, um spielerisch nach ihrem Hals zu schnappen, was sie zum Auflachen brachte.
„Also darf ich dir ein Glas Blut anbieten?“, griff sie seine Idee auf, nachdem sie sich schnell unter seinem Arm hindurch geduckt hatte.
„Hm, ich denke, ich nehme lieber ein Glas Wasser, bitte. Ich will dir ja keine Angst machen.“
Spike konnte sich das Grinsen mittlerweile nicht mehr verkneifen und so nutzte er diese Gelegenheit, um seine Eckzähne zu zeigen, woraufhin Willow ihn nur kichernd aufforderte, sich doch schon mal auf die Couch zu setzen.
Aber selbst jetzt konnte er es nicht lassen und machte eine Show daraus, dem Sonnenlicht, das durch die Fenster herein schien, auszuweichen, bevor er sich schließlich betont lässig hinsetzte.
Willow schüttelte nur amüsiert den Kopf, um dann schnell ein Glas Wasser für Spike und einen Orangensaft für sich selbst zu holen. Als sie wieder ins Wohnzimmer zurückkam, hatten die Gesichtszüge des Blonden wieder einen ernsthaften Ausdruck angenommen und er fragte sie: „Wie komm ich eigentlich zu der Ehre, dass du mich hierher eingeladen hast?“
Die Rothaarige biss sich daraufhin auf die Unterlippe und beschäftigte sich aufwendig damit, die Gläser auf den Tisch zu stellen und sich hinzusetzen, bevor sie mit gesenktem Blick und nach vorn gezogenen Schultern antwortete.
„Wieso soll das etwas Besonderes sein? Wir treffen uns doch sonst auch öfters“, versuchte sie ihm auszuweichen, doch ihre Körpersprache verriet, dass er voll ins Schwarze getroffen hatte.
„Ja, aber immer woanders. Das einzige Mal, dass ich bei dir zu Hause war, war, als du verletzt warst“, begründete er seine Frage. Der Schalk war aus seiner Stimme verschwunden und er machte nun keine Witze mehr, ja, er benutzte noch nicht einmal einen Kosenamen für sie, wie er es sonst immer tat.
„Ich… hm, ich wollte mit dir reden… also, ernsthaft reden. Nicht, dass wir sonst nicht reden, das mein ich nicht, und ich rede gern mit dir, wirklich“, brabbelte Willow nervös drauflos, was Spike dazu veranlasste, sie zu unterbrechen, indem er ihre Hände in seine nahm.
„Hey, ganz ruhig. Hol erstmal Luft, Luv, und dann erklärst du mir, worüber du mit mir reden willst, ich werde dir ganz bestimmt nicht den Kopf abreißen“, schlug er in einem sanften Ton, den nicht viele von ihm zu hören bekamen, vor.
Fast hätte er ihre Aufregung über ein Gespräch mit ihm süß gefunden, wäre er nicht selbst so beunruhigt gewesen, weil er nicht wusste, was sie ihm sagen wollte.
„Nein. Nein, das wirst du wohl nicht“, stimmte sie ein wenig gelassener zu, um dann seinen Ratschlag zu befolgen und erst einmal tief durchzuatmen. Anschließend traute sie sich schließlich doch noch, ihn anzusehen, während sie fortfuhr: „Ich wollte mit dir über unsere… Freundschaft reden.“
Dabei bemerkte sie Spikes enttäuschten Gesichtsausdruck, als sie die Art ihrer Beziehung festlegte, nicht einmal annähernd.
Dieser presste nur die Lippen aufeinander und verkrampfte seine Hände ineinander. Das war es also, was sie in ihren Augen waren: Freunde, mehr nicht. Obwohl, er sollte lieber froh sein, wenigstens das für sie zu sein und nicht nur der Freak, für den ihn alle anderen hielten.
Wie hatte er auch glauben können, jemals ernsthaft eine Chance bei ihr zu haben? Sie war außerhalb seiner Reichweite und wenn er ganz ehrlich war, hatte er das bereits gewusst, als er sie nur ein paar Mal getroffen hatte.
Abgesehen davon hatte sie genügend Gelegenheiten gehabt, um auf seine Andeutungen einzugehen, wenn sie es denn gewollt hätte. Von Anfang an hatte er ihr gezeigt, dass er sie als mehr als nur eine gute Freundin mochte, doch sie hatte nicht reagiert. Noch nicht einmal, als er ihr die Gardenien geschenkt hatte, hatte sie irgendein Wort darüber verloren, dabei war er sich sicher, dass sie wusste, für was diese Blumen standen.
Danach hatte er den Versuch, sie aus der Reserve zu locken, schließlich aufgegeben, da er ihre Freundschaft nicht riskieren wollen hatte.
Ein leises Seufzen drang über seine Lippen, was Willow dazu brachte, ihn skeptisch zu mustern: „Sag mal, hörst du mir überhaupt zu?“
„Uh, was? Sorry, ich war grad abwesend, tut mir leid. Was hast du gesagt?“, schreckte er aus seinen Überlegungen hoch.
„Ich versuche, ein ernsthaftes Gespräch mit dir zu führen und du bist mit deinen Gedanken ganz woanders – nett“, beschwerte sie sich ein wenig beleidigt, woraufhin er beschämt den Blick senkte.
„Ich weiß, sorry“, entschuldigte er sich zerknirscht und verfluchte sich zugleich selbst dafür, sich schon wieder vor ihr blamiert zu haben. Sonst fiel ihm auch immer eine gute Ausrede oder eine Gegenfrage ein, nur in ihrer Nähe schien sich sein Verstand des Öfteren einfach auszuklinken. Es war nicht das erste Mal, dass sie ihn dabei ertappte, gar nicht zuzuhören, nur war der Grund dafür sonst immer die Tatsache, dass er zu beschäftigt damit war, sie anzustarren.
Diesmal schien ihm die Rothaarige seine geistige Abwesenheit allerdings übel zu nehmen, denn sie bedachte ihn mit einem bösen Blick und überlegte, ob es überhaupt Sinn machen würde, das Gespräch fortzusetzen, wenn er ihr sowieso keine Beachtung schenkte…

Ein leises
Seufzen drang über seine Lippen, was Willow dazu brachte, ihn skeptisch zu
mustern: „Sag mal, hörst du mir überhaupt zu?“
„Uh, was? Sorry, ich war grad abwesend, tut mir leid. Was hast du gesagt?“,
schreckte er aus seinen Überlegungen hoch.
„Ich versuche, ein ernsthaftes Gespräch mit dir zu führen und du bist mit deinen
Gedanken ganz woanders – nett“, bescherte sie sich ein wenig beleidigt,
woraufhin er beschämt den Blick senkte.
„Ich weiß, sorry“, entschuldigte er sich zerknirscht und verfluchte sich
zugleich selbst dafür, sich schon wieder vor ihr blamiert zu haben. Sonst fiel
ihm auch immer eine gute Ausrede oder eine Gegenfrage ein, nur in ihrer Nähe
schien sich sein Verstand des Öfteren einfach auszuklinken. Es war nicht das
erste Mal, dass sie ihn dabei ertappte, gar nicht zuzuhören, nur war der Grund
dafür sonst immer die Tatsache, dass er zu beschäftigt damit war, sie anzustarren.
Diesmal schien ihm die Rothaarige seine geistige Abwesenheit allerdings übel zu
nehmen, denn sie bedachte ihn mit einem bösen Blick und überlegte, ob es
überhaupt Sinn machen würde, das Gespräch fortzusetzen, wenn er ihr sowieso
keine Beachtung schenkte.
Dann jedoch erinnerte sie sich an seine Worte im Schulflur und daran, dass er
es auch sonst nicht böse meinte, wenn er mal kurz abschweifte. Er ließ sich
meistens nur zu leicht ablenken, das war nicht gegen sie persönlich gerichtet.
„Na ja, wenn ich dir mal etwas zu beichten habe, dann weiß ich wenigstens, wann
ich es machen kann, ohne dass du es mitbekommst“, versuchte sie das Ganze von
der positiven Seite zu sehen, bevor sie schließlich auf ihr ursprüngliches
Gesprächsthema zurückkam.
„Du hast dich nicht getäuscht, als du gedacht hast, ich würde dir aus dem Weg
gehen“, gestand sie leise und blickte dann in seine Richtung, um zu sehen, wie
er auf diese Eröffnung reagierte.
Spike blickte tatsächlich etwas überrascht auf und runzelte verwirrt und
zugleich enttäuscht die Stirn, bevor er ein einem ausdruckslosen Ton fragte:
„Wieso?“
„Ich… nun, ich schätze, ich…“, begann Willow, brachte es dann aber doch nicht
fertig, den Satz mit einem ehrlichen: war eifersüchtig fortzusetzen.
Stattdessen entschied sie sich dafür, noch einmal ganz anders anzufangen.
„Ich hab dich mit Harmony im Bronze gesehen und da hat sich bei mir einfach,
sozusagen, ein Schalter umgelegt. Die ganze alte Unsicherheit, die ich in
deiner Gegenwart sonst nicht mehr hatte, ist wieder in mir hochgestiegen und
ich hab mich mal wieder gefragt, warum du dich auch ausgerechnet mit Leuten wie
mir abgeben solltest.
Wir sind so unterschiedlich, ich hab gedacht, das passt einfach nicht zusammen,
noch nicht einmal als Freunde. Harmony war das komplette Gegenteil von mir und
sie hat dir offensichtlich gefallen. Ich hab mich dann umgedreht und bin
weggelaufen, anstatt mit dir zu reden, in dem Glauben, du würdest dich nur aus
Mitleid mit mir treffen“, erklärte sie beschämt über ihre eigene Dummheit.
Spikes Augen waren während ihrer Rede immer größer geworden und er schnappte
geschockt nach Luft, bevor er ein entsetztes: „Du hast mich mit ihr gesehen?“,
hervorwürgte.
„Das hab ich gerade gesagt.“
„Und… was hat dich dazu gebracht, dich nun doch mit mir zu treffen?“, fragte er
verwirrt nach, noch immer zu überrascht, um wirklich auf ihre Worte einzugehen.
„Ich hab gehört, was du heute zu Buffy im Flur gesagt hast und es klang so, als
würdest du es auch ernst meinen.“
Ihre Stimme zitterte nun leicht und sie bemerkte gar nicht, dass sie vor lauter
Anspannung die Luft anhielt. Hatte sie sich vielleicht doch getäuscht? Mochte
Spike sie vielleicht doch nicht und hatte das nur so gesagt, um Harmony
schlecht zu machen und dadurch Buffy noch mehr auf die Palme zu bringen?
Möglich wäre es durchaus.
Ihre Sorge war allerdings völlig unbegründet, da der Blonde nun eine Hand unter
ihr Kinn legte und ihren Kopf in seine Richtung drehte, um sie dazu bringen,
ihn anzusehen. „Das klang nicht nur so, das meinte ich auch so. Harmony mag
nicht übel aussehen, aber das war’s auch schon. Sicher, ich war mit ihr im
Bronze, doch ich würde niemals mit ihr befreundet oder gar zusammen sein
wollen.
Ich hab es dir schon einmal gesagt und ich sage es dir auch gerne wieder: Ich
mag Mädchen, die für sich selber reden können.
Abgesehen davon sind sie und ich mindestens genauso unterschiedlich, wie du und
ich. Ich mag dich so wie du bist, Luv, so und nicht anders“, erklärte er ruhig
und ein erleichtertes Lächeln machte sich in seinem Gesicht breit.
Es hatte nicht an seinem Aussehen oder seinem Verhalten gelegen, dass sie sich
nicht mit ihm treffen wollen hatte.
Auch von Willow schien auf diese Worte hin alle Anspannung abzufallen und sie
strahlte ihn förmlich an, als sie ihn begeistert fragte: „Heißt das, du gehst
morgen mit mir ins Kino? Da kommt ein neuer Film, den wollte ich unbedingt
angucken.“
„Hey, wenn ich mich recht entsinne, bist du miraus dem Weg gegangen und nicht
umgedreht. Was für ein Film soll das überhaupt sein? Bitte nicht wieder so eine
kitschige Liebesromanze“, beschwerte er sich mit gespielt leidendem
Gesichtsausdruck, woraufhin Willow nur noch breiter zu grinsen begann.
„Nicht direkt, nur ein bisschen. Ich nehme dann deine Antwort mal als ein ja“,
erklärte sie ungerührt, was Spike nur aus purer Gewohnheit heraus mit den Augen
rollen ließ. Er wusste aus eigener Erfahrung, dass ein Protest nicht viel
bringen würde. Wenn sich Willow erst einmal etwas in den Kopf gesetzt hatte,
gab es so gut wie nichts, was sie davon abbringen konnte, ihren Plan in die Tat
umzusetzen.
~*~*~*~
Verächtlich sah Riley zu Cordelia und Xander hinüber, die bereits seit einer
ganzen Weile, ungeachtet ihrer Umgebung, damit beschäftigt waren, miteinander
herumzuturteln. Dabei kümmerte es sie herzlich wenig, dass er bereits die ganze
Zeit an ihrem Tisch saß und eigentlich gekommen war, um den Abend mit seinen
Freunden zu verbringen. Er hatte gedacht, er könnte sich dadurch zumindest ein
bisschen von Darla ablenken und sie für eine Weile vergessen.
Dieser Plan war jedoch, wie es aussah, gründlich fehlgeschlagen, da die anderen
viel zu sehr mit sich selbst oder eben, wie in Cordelias und Xanders Fall,
miteinander beschäftigt waren, um seine Anwesenheit überhaupt zu bemerken.
Stattdessen flirteten sie vor seiner Nase herum und zeigten ihm, wie glücklich
sie miteinander waren. Dass sie ihn dabei an das erinnerten, was er selbst
verloren hatte, schien sie nicht zu interessieren.
Wut stieg in ihm auf und er ballte die Hände zu Fäusten. Wieso taten sie das?
Warum waren sie so egoistisch? Waren sie denn blind? Oder war er ihnen
tatsächlich egal? Sie mussten doch merken, dass er um Darla trauerte. Konnten
sie da nicht ein bisschen Rücksicht auf ihn nehmen? War das denn schon zu viel
verlangt?
„Habt ihr eigentlich noch etwas anderes zu tun, als euch gegenseitig die Zunge
in den Hals zu stecken, verdammt noch mal?! Hier sind auch noch andere Leute!“,
fuhr er das Liebespaar auf einmal barsch an.
Er schlug dabei mit der Faust hart auf den Tisch, was Cordelia dazu brachte,
hochzuschrecken und ihn wütend anzusehen.
„Geht es vielleicht auch etwas leiser? Wir stören hier niemanden, also reg dich
ab. Wie kann man nur so verbohrt sein?“, beschwerte sie sich ungerührt und warf
arrogante ihre Haar über die Schulter, um sich dann wieder Xander zuzuwenden,
als hätte es die Unterbrechung nie gegeben.
Ihr Verhalten bewirkte jedoch nicht den gewünschten Erfolg, sondern genau das
Gegenteil: Riley wurde nur noch zorniger. Sein Gesicht begann rötlich
anzulaufen und er stand so abrupt auf, dass er den Stuhl mit sich umwarf.
„Ich soll verbohrt sein? Entschuldige, Hoheit, dass ich nicht von heute auf
morgen umschalten und Darla vergessen kann.
Du scheinst damit ja kein Problem zu haben. Ich hab gedacht, ihr wärt mit uns
befreundet, aber ihr interessiert euch nur für euch selbst. Dass eure Freunde
um euch herum ermordet werden, scheint euch völlig egal zu sein!“, brüllte er
wutentbrannt. Ein angestrengtes Schnaufen drang über seine Lippen und er
stapfte die wenigen Schritte zu Cordelia, bis er genau vor ihr stand.
Diese machte sich nun doch die Mühe, ihn von oben bis unten zu mustern, bevor
sie desinteressiert erwiderte: „Komm wieder runter. Darla ist tot, daran wird
dein Gejammer auch nichts ändern, also hör auf, rumzuheulen.“
Ihre Stimme war kalt wie Eis und ihr Blick wäre jedem Menschen mit annäherndem
Selbsterhaltungstrieb Warnung genug gewesen, sie in Ruhe zu lassen und zu
verschwinden. So verletzend ihre Worte auch sein mochten, keiner konnte sie
dazu zu zwingen, um Darla zu trauern oder auch nur ein wenig Mitgefühl für den
Tod der Blonden aufzubringen.
Nur war Riley viel zu aufgebracht, um sich davon beeindrucken zu lassen und
statt das Weite zu suchen, ließ er sich von ihr nur noch weiter anstacheln.
„Ich heule nicht rum, ich habe im Gegensatz zu dir so etwas wie Gefühle. Du
hingegen interessierst dich ausschließlich für dich selbst und dafür, ob dein
Haar auch perfekt sitzt. Ich hab noch nie eine so eingebildete Schlampe
gesehen“, zischte er zornig, was Cordelia schließlich dazu brachte, sich
ebenfalls zu erheben.
Ihre Augen verengten sich zu Schlitzen und sie stemmte ärgerlich die Hände in
die Hüften, bevor sie ihn anfauchte: „Hast du mich etwa gerade als Schlampe
bezeichnet?!“
„Ja. Überrascht? Es tut weh, der Wahrheit in die Augen sehen zu müssen, hab ich
Recht? Aber das ist es nun einmal, was du bist. Diese Woche machst du Xander an
und nächste? Wer ist dann dran? So langsam dürfte es schwierig werden, jemand
neuen zu finden, wenn man bedenkt, dass du bereits mit der halben Schule
geschlafen hast. Und die andere Hälfte ist weiblich“, schrie er zurück.
Cordelia klappte daraufhin, fassungslos über so viel Frechheit, den Mund auf
und zu, wie ein Fisch, der auf dem Trockenen saß und vergeblich nach Luft
schnappte. Vor lauter Empörung brachte sie für eine Weile kein Wort heraus und
sah dafür so aus, als würde sie Riley am liebsten die Augen auskratzen.
Dazu sollte sie jedoch nicht mehr kommen, weil Xander, der seine anfängliche
Verblüffung über Rileys Ausbruch nun endlich überwunden und realisiert hatte,
was dieser zu seiner Freundin gesagt hatte, sich schützend vor sie schob.
„Riley, wir wissen, dass du Darla geliebt hast und dass du sie vermisst. Aber
ihr Tod ist nicht unsere Schuld und schon gar nicht Cordelias. Nimm zurück, was
du zu ihr gesagt hast und wir können hier alle rausgehen, als wäre nichts
geschehen“, versuchte er, die Sache mit Geduld und Ruhe zu klären.
Trotz seiner Wut war ihm bewusst, dass Riley im Moment wahrscheinlich überhaupt
nicht über das, was er sagte, nachdachte und es wohl kaum so meinte, weswegen
er bereit war, ihm einen letzten Ausweg zu lassen – für jetzt zumindest. Er
könnte den anderen auch noch für seine Beleidigungen zur Rechenschaft ziehen,
wenn dieser sich wieder ein wenig gefangen hatte und wenigstens wieder klar
denken konnte.
Abgesehen davon war er nicht unbedingt erpicht darauf, sich mit Riley zu
prügeln, da dieser ihm, was das betraf, überlegen war und dessen waren sie sich
beide bewusst.
„Zurücknehmen? Warum sollte ich? Es ist doch wahr! Woher willst du überhaupt
wissen, dass sie neben dir nicht noch mit drei anderen ins Bett steigt? Sieh es
ein, deine Freundin ist nicht viel besser als eine Hure, daran wirst auch du
nichts…“, zischte Riley zornig.
Doch er kam nicht dazu, seinen Satz zu vollenden, da ihn Xanders Faust auf der
Nase traf und seinen Kopf schmerzhaft in den Nacken warf. Ein Knacken erklang
und er spürte, wie Blut sein Gesicht hinunter lief.
Für einen Moment blieb er wie erstarrt stehen, da er trotz der Warnung des
Dunkelhaarigen nicht damit gerechnet hatte, dass dieser ihn tatsächlich
angreifen würde.
Xander nutzte diese Zeit, um Cordelia zu sagen, dass sie besser im Auto auf ihn
warten sollte, woraufhin diese erst protestieren wollte, doch ein Blick ihres
Freundes brachte sie – erstaunlicherweise – zum Schweigen und sie begab sich
aus der Gefahrenzone. Nachdem er sich versichert hatte, dass sie weit genug weg
war, damit sie nicht aus Versehen in das Gerangel geraten konnte, nutzte er
Rileys Abgelenktheit, um diesen einen weiteren Faustschlag zu verpassen,
diesmal in die Magengrube.
Der Dunkelblonde krümmte sich daraufhin zusammen, erwachte allerdings
gleichzeitig aus seiner Trance und blockte bereits Xanders nächsten Schlag ab,
um nun seinerseits anzugreifen…
~*~*~*~
Leise Schluchzer drangen über ihre Lippen und ihre Hände hielten das
Kopfkissen auf ihrem Bett fest umschlungen, während sie an den vergangenen Tag
zurückdachte. Eigentlich sollte man meinen, sie hätte sich inzwischen an die
ganzen Beleidigungen und dummen Sprüche gewöhnt, doch irgendwie gelang es den
anderen Schülern immer wieder, sie aus dem Konzept zu bringen. Egal wie oft sie
sich ihre Gemeinheiten schon angehört hatte, es versetzte ihr jedes Mal aufs
neue einen schmerzhaften Stich, zu wissen, dass sie keinerlei Freunde
hatte.
Tränen rannen über ihre Wangen und sie wünschte sich, ihr Bruder wäre bei ihr,
dann hätte sie wenigstens jemanden, mit dem sie reden könnte. Er würde sie
verstehen und trösten, er würde sie nicht im Stich lassen, oder gar über sie
lachen, wie es alle anderen taten.
Noch nicht einmal ihre Eltern schienen zu bemerken, wie sehr ihr die Sprüche
der anderen Schüler zusetzen. Sie behaupteten, sie würde von sich aus keine
Freundschaften schließen wollen, weil sie hoffte, dass sie ihrem
Zwillingsbruder dann erlauben würden, ebenfalls auf die Sunnydale High zu
gehen. Dabei ging es ihr überhaupt nicht darum. Sicher, sie vermisste ihn sehr
und täte fast alles, um ihn wieder zu sehen, doch sie hatte wirklich versucht,
auch andere Freunde zu finden. Nur hatte sie wegen ihrer Schüchternheit keinen
Erfolg dabei gehabt, stattdessen machten sich die anderen nur über sie lustig.
Warum konnte sie nicht normal sein? Wieso musste sie immer rot anlaufen und
brachte keinen vernünftigen Satz zustande, wenn sie jemand ansprach? Wenn sie
sich nur ein einziges Mal nicht zum kompletten Trottel machen würde, dann hätte
sie vielleicht wenigstens eine Chance, von den beliebteren Schülern zumindest
in Ruhe gelassen zu werden. Akzeptieren würden sie sie sowieso nie, darüber
machte sie sich keine Illusionen, aber ein kleines bisschen Frieden war doch
schon alles, was sie haben wollte. War das denn immer noch zu viel verlangt?
Würde diese Quälerei nie aufhören?
Sie wusste nicht, wie lange sie das noch aushalten konnte. Mit jedem Mal schien
sie noch verzweifelter und schüchterner zu werden, wodurch ihre Möglichkeit,
sich irgendwie zu verteidigen, ständig geringer wurde. Was sollte sie bloß tun?

Ärgerlich fluchend stapfte
Xander aus dem Bronze, um sich auf den Weg zu Cordelia zu machen.
Riley hatte schon nach ziemlich kurzer Zeit gemerkt, dass der Dunkelhaarige in
seiner kontrollierten Wut ein besserer Kämpfer als er selbst war, da er sich im
Gegensatz zu ihm nicht durch seinen Zorn ablenken, wohl aber kräftemäßig
beflügeln ließ. Deswegen hatte der Blonde auch die erste Möglichkeit genutzt,
um durch die Hintertür zu verschwinden, wodurch sich Xander letztendlich
alleine vor dem Barkeeper rechtfertigen müssen hatte.
Dieser hatte ihn nicht nur erst dann gehen lassen, nachdem er die zu Bruch
gegangenen Gläser und den kaputten Stuhl bezahlt hatte, sondern ihm auch noch
für die nächsten Wochen Hausverbot erteilt.
Xander hatte daraufhin empört protestiert, immerhin war er - ungeachtet der
Tatsache, dass er den ersten Schlag ausgeteilt hatte – nicht derjenige, der den
Streit begonnen hatte. Erst die Androhung eines lebenslangen Hausverbots und
einer Anzeige wegen Sachbeschädigung hatte ihn schließlich zum Schweigen gebracht
und er war grummelnd aus dem Club gegangen.
Ein geschlagenes Seufzen drang über seine Lippen und er bereitete sich
innerlich schon einmal darauf vor, diese Nachricht einer aufgebrachten Cordelia
zu überbringen. Nicht genug damit, dass sie sowieso schon sauer auf ihn sein
würde, weil er sie rausgeschickt hatte, nein, jetzt müsste er ihr auch noch
beibringen, dass sie mit ihm vorerst nicht ins Bronze gehen konnte. Bei dem
Gedanken an ihre Reaktion lief ihm schon jetzt ein kalter Schauer über den
Rücken, er wäre so gut wie erledigt, wenn sie erst einmal mit ihm fertig war.
Xander war so in seinen Gedanken versunken, dass er den Wagen seiner Freundin
erst bemerkte, als er bereits direkt davor stand.
Okay, auf in die Hölle, wisperte er sich selbst zu, ohne auch nur im
Entferntesten zu ahnen, wie Recht er damit haben würde.
~*~*~*~
„William? Da ist jemand für dich am Telefon“, zog Spikes Mutter seine
Aufmerksamkeit auf sich. Auf ihrem Gesicht lag dabei eines jener seltenen
Lächeln, die von Tag zu Tag rarer zu werden schienen und ihre Stimme klang
ungewohnt entspannt.
Der Blonde sah überrascht vom Computer auf und zog fragend eine Augenbraue nach
oben: „Wer?“
„Geh einfach ran, du wirst es schon merken“, erwiderte sie nur schmunzelnd und
reichte ihm den schnurlosen Apparat, um dann wieder aus seinem Zimmer zu
verschwinden, damit er ungestört telefonieren konnte.
Spike sah ihr daraufhin mit einem verwirrten Stirnrunzeln hinterher – wieso
sagte sie ihm nicht einfach, wer dran war? -, bevor er sich mit einem fragenden:
„Hallo?“, bemerkbar machte.
„Hm, so meldet man sich aber nicht am Telefon. Ich glaube, ich werde mit deiner
Mutter mal ein Gespräch über deine Erziehung führen müssen“, kommentierte die
Stimme am anderen Ende der Verbindung, was dem Teenager ein begeistertes:
„Dad?“, entlockte.
Spikes Lippen verzogen sich zu einem breiten Grinsen und er fuhr mit einem
trockenen: „Ich war der Meinung, dass du noch nicht so alt bist, dass du nicht
mehr weißt, wessen Nummer du gerade gewählt hast“, fort.
„Nein, das kann ich mir gerade noch so merken. Wie geht es dir? Alles in
Ordnung bei dir und deiner Mutter?“, erkundigte sich der Ältere dann ein wenig
ernsthafter. „Ich hoffe, du machst ihr keinen Ärger?“
„Ich mache nie Ärger“, protestierte der Blonde, obwohl er nur zu gut wusste,
dass das eine glatte Lüge war. Aber er hatte sich in letzter Zeit, was das
Schule schwänzen und irgendwelche Prügeleien betraf, tatsächlich ziemlich
zurückgehalten, da er mit seinen Gedanken fast die ganze Zeit bei Willow
gewesen war.
„Bei mir gibt’s nicht viel Neues. Die Schule ist doof, die Lehrer sind noch
schlimmer und Mom ist immer noch mit diesem Idioten zusammen.“
„Du hast bald Prüfungen, nicht wahr? Ich hoffe, du hast schon angefangen, dafür
zu lernen?“, ging sein Vater über seine Beschwerden hinweg, obwohl er bei
Spikes Kommentar über seinen Stiefvater das Gesicht verzog.
Er konnte Ethan ebenfalls nicht ausstehen, wollte sich aber nicht in die zweite
Ehe seiner Exfrau einmischen, zumal er nichts gegen den anderen in der Hand
hatte. Trotzdem wurde er das Gefühl der Übelkeit in seinem Magen, wenn er an
den anderen dachte, einfach nicht los.
„Dad, reg dich ab. Ich werd schon meinen Abschluss kriegen. Für’s College
müssen wir eh eine Aufnahmeprüfung machen“, winkte der Blonde in einem
gelangweilten Ton ab, was seinen Vater geschlagen seufzen ließ.
„Ich mache mir keine Sorgen darum, dass du einen Abschluss bekommst, sondern
darüber, wie der ausfällt. Könntest du das Ganze nicht ein bisschen ernster
nehmen? Manchmal wünsche ich mir wirklich, du würdest der Schule wieder
dieselbe Aufmerksamkeit wie früher widmen“, klagte er dann, ging aber nicht
weiter auf das Thema ein, da er sich nicht streiten wollte.
Für eine Weile herrschte bedrücktes Schweigen in der Leitung, bevor der Ältere
auf den ursprünglichen Grund des Telefonats zu sprechen kam. „Deswegen hab ich
aber eigentlich nicht angerufen. Ich wollte dich fragen, ob du Lust hast, nach
deinem Schulabschluss für ein paar Wochen zu mir zu kommen.“
„Im Ernst? Ich meine, du bist nicht zu beschäftigt mit arbeiten und so?“,
erkundigte sich der Blonde leicht ungläubig, weil er seinen Vater seit der
Scheidung nur an Wochenenden gesehen hatte.
„Ja. Ich werde zwar nicht jeden Tag Zeit haben, aber du kannst meinetwegen noch
jemanden mitbringen. Das Haus ist groß genug“, erwiderte der andere etwas
zurückhaltend. Er wollte seinen Sohn wirklich gern öfters sehen, doch für
spontane Besuche war der Weg einfach zu weit und so machte sich das schlechte
Gewissen in ihm breit.
„Also, was sagst du?“, hakte er noch einmal nervös nach, in der Hoffnung, Spike
würde zustimmen und ihn nicht zurückweisen, obwohl es ihm wahrscheinlich Recht
geschehen würde.
„Ich würde gern kommen, Dad“, antwortete der Blonde begeistert und das Grinsen,
welches bei der Erwähnung der Schule verschwunden war, legte sich erneut über
seine Lippen.
~*~*~*~
Friedliche Stille lag über Sunnydales Friedhof und lediglich der schwache
Schein des Mondes erhellte ein paar wenige Flecke zwischen den Gräbern, während
sich im Schutze der Dunkelheit eine Gestalt darüber hinweg schlich. Sie sah
sich einige Male wachsam um, als habe sie Angst, man könnte sie verfolgen,
schien ansonsten jedoch nicht sonderlich nervös zu sein. Auf ihrem Gesicht
ruhte ein sehnsüchtiger Ausdruck und ihre Augen schienen völlig leer zu sein,
fast schon gefühlstaub.
Ihre Schritte wurden immer langsamer und endeten schließlich vor einem
Grabstein, der direkt unter einem Baum mit relativ tief hängenden Ästen stand,
die ihr Deckung bieten würden.
„Hey, du“, begrüßte sie die Tote, die an jenem Platz begraben war, leise und
bückte sich, um mit den Fingerspitzen sanft über die geschwungenen Buchstaben
zu fahren. „Ich war lange nicht da, ich weiß, aber sei bitte deswegen nicht
böse auf mich“, fuhr sie dann mit rauer Stimme fort. „Ich wollte dich besuchen
kommen, doch irgendwie ist mir immer etwas dazwischen gekommen. Es tut mir
leid, dass ich selbst jetzt nicht viel öfter hier bin, als ich es damals war.
Ich vermisse dich trotzdem und das weißt du auch, oder?“
Ihr Blick wanderte hoch zum Himmel, wie so viele Male zuvor auch, trotz
besseren Wissens in der Hoffnung, eine Antwort zu erhalten, oder wenigstens ein
Zeichen, dass sie gehört wurde. Dass ihre Worte vom Wind an jene Stelle
getragen würden, an der die andere jetzt war, welche auch immer das sein
mochte.
„Manchmal frage ich mich, was passiert wäre, wenn ich damals da gewesen wäre –
bei dir. Wenn ich dich nicht einfach so im Stich gelassen hätte. Ob es etwas
geändert hätte. Es tut mir so furchtbar leid. Ich wünschte, ich könnte die Zeit
zurückdrehen und alles noch einmal anders machen, aber das kann ich nicht.
Vielleicht kannst du es ja – da, wo du jetzt sein magst, ich weiß es nicht. Ich
wollte dich nicht allein lassen, obwohl ich doch wusste, dass es dir nicht gut
ging, auch wenn du mir nie gesagt hast, wie fertig du wirklich warst.
Warum nicht? Wieso hast du mir nicht erzählt, wie schlimm das alles war?
Weshalb hast du alles so heruntergespielt, als wäre es nichts? Du hättest doch
mit mir reden können. Denkst du, ich hätte dich nicht verstanden? Glaubst du,
ich hätte ohnehin nicht versucht, dir zu helfen? Ich hätte es, so gut ich es
eben gekonnt hätte.
Du bist die Person, die mir immer am wichtigsten gewesen ist, ich hab immer
gedacht, du wüsstest das. Warum? Wieso hast du dich nicht von mir beschützen
lassen? Und sag jetzt nicht, ich hätte das nicht gekonnt, ich hätte es versucht
und ich hätte es auch schaffen können, ich hätte es, wegen dir. Für dich hätte
ich alles geschafft. Wieso hast du dir nicht von mir helfen lassen? Ich vermiss
dich so sehr.“
Die Stimme der Gestalt brach an dieser Stelle und Tränen liefen über ihre
Wangen, während sie noch immer zum Himmel sah. Schuldgefühle schienen plötzlich
von allen Seiten auf sie einzustürzen und sie schlang hilflos die Arme um ihren
Oberkörper, als könnte es sie irgendwie vor sich selbst schützen.
~*~*~*~
Ein Stirnrunzeln legte sich über Xanders Gesicht, als er zu Cordelia sah,
welche scheinbar unbeteiligt im Dunkel ihres Autos saß, den Kopf von ihm
weggedreht. War das ihre Art, ihn zu bestrafen? Wollte sie ihm ihr Missfallen
zeigen, indem sie ihn ignorierte? Würde sie ihn in der nächsten Zeit einfach
keines Blickes mehr würdigen? Weiter nichts?
Er hatte sich innerlich auf ihr typisches Gezeter vorbereitet, vielleicht sogar
auf einen Streit. Ihn lediglich zu missachten, war so gar nicht ihre Art. Ob
sie eventuell gar nicht so sauer auf ihn war, wie er gedacht hatte? Es war
immerhin gut möglich, dass sie so beschäftigt damit war, sich vorzustellen, wie
sie Riley am schmerzhaftesten den Hals umdrehen könnte, dass sie gar nicht
zornig auf ihn war. Entweder das, oder sie hatte seine Ankunft am Wagen
aufgrund der Dunkelheit noch gar nicht bemerkt.
Mit einem verwirrten Kopfschütteln öffnete er die Tür und setzte sich auf den
Beifahrersitz, bevor er noch einmal tief Luft holte, um sich dann seiner
Freundin zuzuwenden.
„Cor?“, fragte er leise, seine Augen auf ihre regnungslose Gestalt gerichtet.
Er erhielt jedoch keinerlei Reaktion, was ihn stutzen ließ. War sie beim Warten
etwa eingeschlafen? Aber so lange war er nun auch nicht noch im Bronze gewesen,
da hätte sie schon den ganzen Abend lang müde sein müssen.
Sein Blick schweifte über jenen Teil ihres hübschen Gesichtes, den er von
seinem Platz aus sehen konnte und er stellte fest, dass sie ihn tatsächlich
nicht gehört zu haben schien. Noch nicht einmal der Ansatz eines Muskelzuckens
war auf ihrer Wange zu erkennen.
„Cordy?“, fragte er ein weiteres Mal, wobei er sie sanft an der Schulter
rüttelte. Aber auch jetzt gab sie kein Anzeichen von sich, dass sie ihn
verstanden hatte.
Wieso nicht? Was war los mit ihr? So fest konnte sie doch wohl kaum schlafen.
Ein Seufzen drang über seine Lippen und er schüttelte erschöpft den Kopf. Trotz
der relativ kurzen Dauer des Kampfes hatte Riley den einen oder anderen Treffer
gelandet und hinterher hatte ihn der Barkeeper den Rest seiner Nerven gekostet.
Er hatte wirklich keine Lust, jetzt auch noch Cordelias Allüren über sich
ergehen zu lassen. Vielleicht sollte er sie einfach in Ruhe weiterschlafen lassen?
Dann käme er heute ebenfalls noch dazu, sich auszuruhen, und würde sich in der
folgenden Diskussion nicht so leicht von ihr provozieren lassen.
Mit diesem Entschluss zufrieden, stieg Xander wieder aus dem Wagen aus, um zu
Cordelias Seite zu gehen, damit er sie vom Fahrer- auf den Beifahrersitz heben
könnte – bei ihrem Diätplan konnte das nicht allzu schwer sein.
Doch kaum, dass er ihre Tür geöffnet hatte, stockte ihm der Atem. Anstatt dem
Anblick seiner friedlich schlafenden Freundin, wie er es erwartet hatte, bot
sich ihm das Bild eines Massakers: Cordelias Gesicht war angstverzerrt und sie
hatte den Mund geöffnet, als wollte sie um Hilfe schreien, wozu sie allerdings
dem Anschein nach nicht mehr gekommen war.
Selbst wenn sie es geschafft haben sollte, würde sie hier keiner gehört haben,
da die Musik aus dem Bronze alles mühelos übertont hätte. Ihre Augenlider waren
geschlossen und der Kopf seitlich an den Sitz gelehnt, weshalb sie ihm beim
Öffnen der Tür nicht sofort entgegen geflogen war.
Xanders Blick wanderte weiter nach unten, auf der Suche nach dem, was ihren
Zustand verursacht haben könnte und blieb schließlich an einem großen dunklen
Fleck auf Höhe ihres Herzens hängen. Das Blut hob sich nur wenig von dem
weinrot ihres Tops ab und hätte er es nicht besser gewusst, hätte er es für
eine Täuschung des spärlichen Lichtes gehalten.
So jedoch schnappte er geschockt nach Luft und starrte mit weit aufgerissenen
Augen auf die Wunde. Etliche Gedanken schienen gleichzeitig durch seinen
Verstand zu rasen und er konnte sein eigenes Blut in seinen Ohren rauschen
hören, wie ein immer lauter werdender Fluss, der einen mit sich ins Verderben
riss.
Wie hatte das bloß passieren können? Und wer war das gewesen? Warum
ausgerechnet seine Cordy? Was sollte er jetzt tun?
Tränen verschleierten seine Sicht und er begann am ganzen Leibe zu zittern,
während er regungslos auf die bleiche Gestalt seiner Freundin starrte. Er hatte
sie fortgeschickt und allein gelassen, hatte sie genau dann im Stich gelassen,
als sie ihn am meisten gebraucht hätte. Und das alles nur, weil er sich von dem
Gerede eines Angetrunkenen provozieren lassen hatte.
Wie hatte er nur so unendlich dumm sein können? War er denn ein kompletter
Vollidiot? Er hatte verdammt noch mal gewusst, dass in Sunnydale ein verrückter
Killer sein Unwesen trieb und hatte es dennoch fertig gebracht, sie
mutterseelenallein in der Dunkelheit nach draußen zu schicken.
In diesem Moment wünschte er sich nichts sehnlicher, als ihre Stimme zu hören.
Zu hören, dass das alles hier nur ein dummer Scherz gewesen ist. Sogar ein
Streit wäre ihm lieber als diese unheilvolle Stille.
Doch er wusste, dass sich dieser Wunsch nicht erfüllen würde, wusste, dass er
nicht träumte, egal wie sehr er sich selbst vom Gegenteil überzeugen wollte.
Verzweiflung überkam ihn und er streckte seine Hand fast schon ängstlich nach
ihrer Wange aus, als habe er Angst, sie würde sich in Luft auflösen, wenn er
sie berührte.
„Ich liebe dich, Cordy“, flüsterte er tonlos, genau in jenem Moment, in dem
seine Fingerspitzen ihre Wange erreichten. Über seine Arme legte sich eine
Gänsehaut und er schloss gequält die Augen, um den Anblick ihres aschfahlen,
leblosen Gesichts durch jene Erinnerung von ihr, die er kannte und begehrte, zu
ersetzten, wollte jedes noch so kleine Detail in seinem Gedächtnis einbrennen.
Sie auf ewig in seinem Herzen bewahren.

„Ich liebe dich,
Cordy“, flüsterte Xander tonlos, genau in jenem Moment, in dem seine
Fingerspitzen ihre Wange erreichten. Über seine Arme legte sich eine Gänsehaut und
er schloss gequält die Augen, um den Anblick ihres aschfahlen, leblosen
Gesichts durch jene Erinnerung von ihr, die er kannte und begehrte, zu
ersetzten, wollte jedes noch so kleine Detail in seinem Gedächtnis einbrennen.
Sie auf ewig in seinem Herzen bewahren.
Einzig und allein diese Bewegung war es, die dafür verantwortlich war, dass ihm
plötzlich etwas auffiel, was ihm bisher entgangen war. Durch den Verlust seiner
Sicht schärften sich automatisch seine anderen Sinne und so fühlte er einen
schwachen Lufthauch an der Innenseite seines Handgelenks.
Ein Stirnrunzeln legte sich über sein Gesicht und er stutzte. Wie konnte das
sein? Wie konnte sie bei all dem Blut, das sie verloren hatte, noch atmen?
Lebte sie etwa noch? Oder bildete er sich das Ganze nur ein? Wünschte er sich
so sehr, dass sie noch lebte, dass ihm sein Verstand einen Streich spielte?
Sein Blick wanderte wieder zu ihrem Brustkorb und als er genauer hinschaute,
ohne sich durch die Wunde ablenken zu lassen, stellte er fest, dass dieser sich
tatsächlich leicht hob und senkte – ganz schwach, fast gar nicht zu sehen.
„Cor?“, fragte er noch einmal mit rauer Stimme, in der wahnwitzigen
Vorstellung, sie würde ihm plötzlich antworten. Seine Hand bewegte sich
zitternd zu ihrem Hals, auf der Suche nach ihrem Pulsschlag.
In seiner Nervosität war er jedoch viel zu fahrig und als er ihn deswegen nicht
sofort fand, begann er leise zu fluchen. Hatte er sich die Atemzüge doch nur
eingebildet? Nein, da konnte, durfte ganz einfach nicht sein. Sie musste noch
leben. Er wüsste sonst nicht mehr, was er ohne sie tun sollte.
Ängstlich schloss er die Augen und obwohl ihm das Herz förmlich bis zum Hals
klopfte, zwang er sich innerlich zur Ruhe. So wäre er Cordelia überhaupt keine
Hilfe. Egal wie sehr er sich auch um sie Sorgen machte, er musste sich
beruhigen, wenn er ihren endgültigen Tod verhindern wollte, Panik würde ihn
nicht weiterbringen.
Warum konnte er sich ausgerechnet jetzt nicht mehr an das erinnern, was er in
diesem verflixten Erste-Hilfe-Lehrgang gelernt hatte? Wieso fielen einem solche
Sachen nur dann ein, wenn man sie nicht brauchte?
Ohne es zu merken, hatte er seine linke Hand inzwischen instinktiv auf die
Wunde gepresst, in dem Versuch, die Blutung zu stoppen, oder zumindest zu
verlangsamen. Seine andere Hand war indessen immer noch auf der verzweifelten
Suche nach einem Puls, während er die Lippen fest aufeinander presste, um sich
selbst mit dem Geplapper, das ihm sonst zweifellos entweichen würde, nicht noch
nervöser zu machen.
Und tatsächlich, diesmal hatte er Erfolg, was ihn erleichtert aufatmen ließ.
Sie lebte!
Noch, setzte eine zynische Stimme in seinem Kopf hinzu und ihm fiel siedendheiß
ein, dass sie niemand hier finden würde, wenn er nicht endlich Hilfe rief.
Wie hatte er das nur vergessen können? Er hätte sofort den Notruf wählen
sollen. Was, wenn es mittlerweile zu spät war?
Panik machte sich erneut in ihm breit und er schluckte schwer, bevor er mit
zittrigen Fingern nach dem Handy in seiner Hosentasche angelte, um einen
Krankenwagen zu rufen.
~*~*~*~
Als Xander am nächsten Morgen in die Sunnydale High kam, war er,
verständlicherweise, alles andere als gut gelaunt. Nicht genug damit, dass er
sich Sorgen um Cordelia machte und darüber, ob sie aus ihrem Koma jemals wieder
erwachen würde, nein, er hatte deswegen auch die ganze Nacht lang kein Auge
zugetan. Genau genommen hatte er sich geweigert, das Krankenhaus zu verlassen,
bis ihn eine der Schwestern praktisch rausgeworfen hatte, mit der Warnung,
nicht eher wiederzukommen, bis er wenigstens etwas geschlafen hatte – nur war
das natürlich wesentlich leichter gesagt als getan.
Er war danach auch tatsächlich heimgegangen, doch dort hatte er sich nur
ruhelos im Bett hin und her geworfen, weswegen er beschlossen hatte, normal zum
Unterricht zu gehen. So hatte er wenigstens ein bisschen Ablenkung und er
konnte, wenn er wieder zu Cordelia ging, ganz ehrlich behaupten, sich zumindest
ausgeruht zu haben. Mit ein wenig Glück würde er vielleicht sogar einschlafen,
immerhin machte ihn normalerweise bereits der Gedanke an Geschichtsunterricht
müde.
Wenn er doch wüsste, ob sich inzwischen schon etwas an Cordelias Zustand
verändert hatte. Die Ärzte hatten sie in der Nacht operiert, aber obwohl es
ihnen gelungen war, die Blutung zu stoppen, bezweifelten sie, dass die
Dunkelhaarige jemals wieder aufwachen würde. Die Verletzung war einfach zu
schwer und selbst die kurze Zeit, die zwischen dem Angriff und Xanders
Auftauchen vergangen war, hatte gereicht, um sie an den Rande des Todes zu
bringen.
Er wünschte sich nichts sehnlicher, als ihr irgendwie helfen zu können. Sie
hatte in dem Krankenbett zwischen all den Maschinen so schwach und zerbrechlich
ausgesehen, wie eine kostbare Porzellanfigur, die man kaum mit den
Fingerspitzen zu berühren wagte. So kannte er sie überhaupt nicht, selbst wenn
sie in seinen Armen geschlafen hatte, ganz unbesorgt und ohne ihr Schutzschild,
wie er ihre teilweise ruppige, unterkühlte Art zu nennen pflegte, hatte sie nie
hilflos gewirkt. Friedlich und sorglos ja, aber egal wie elfengleich sie ihm
erschienen war, hatte sie nie den Eindruck erweckt, sie könne sich nicht
verteidigen. Jetzt hingegen sah sie aus, als würde bereits ein sanfter
Windhauch ausreichen, um den letzten Funken Leben in ihr zu löschen.
Wie sollte er damit umgehen? Wie sollte er damit umgehen, dass sie vielleicht
sterben würde? Dass er vielleicht nie wieder in ihre funkelnden Augen sehen
würde? Dass er sie vielleicht nie wieder in den Arm nehmen und küssen können
würde? Dass er vielleicht nie wieder ihre Stimme hören, oder ihren Körper an
seinen gepresst fühlen würde? Jetzt, nachdem sie endlich richtig zusammen
waren, konnte er sich ein Leben ohne sie nicht mehr vorstellen.
Sie hatten so viel zusammen durchgemacht, so vieles überstanden. Für ihn hatte
sie ihre ständige Flirterei und die One-Night-Stands mit den verschiedensten
Typen aufgegeben, sie war ihm treu gewesen – etwas, das sie bisher für
niemanden sonst getan hatte. Selbst die anfänglich hämischen Blicke der anderen
hatte sie ignoriert.
Sicher, für die meisten würden diese Gründe völlig lächerlich klingen, doch er
wusste, wie schwer das für sie gewesen sein musste. Sie war in einer Welt
aufgewachsen, in der Reputation alles war, ganz im Gegensatz zu ihm. Dass sie
ausgerechnet mit ihm zusammen kommen würde, damit hatte niemand gerechnet – er
selbst am allerwenigsten, obwohl er ein Teil ihrer Clique war.
Und jetzt sollte die gemeinsame Zeit mit ihr vorbei sein? Das konnte, wollte er
weder begreifen, noch akzeptieren. Er liebte sie über alles und es war ihm
völlig gleich, wenn andere ihn dafür auslachten und vielleicht sogar meinten,
er sei zu jung, um das zu wissen.
Für Liebe gab es kein Alter, keinen Ort, keine Zeit. Sie war einfach da, ohne
dass man daran irgendetwas ändern können hätte. Man konnte sie leugnen, oder
auch versuchen, sie einfach nur zu ignorieren, aber sie verschwand deswegen
noch lange nicht, auch wenn die meisten Menschen nicht an sie glauben mochten.
Doch er war bereit, darum zu kämpfen, weil er wusste, was er in Cordelia
gefunden hatte.
Er glaubte nicht an Seelenverwandte, oder daran, dass sie füreinander bestimmt
wären, sie waren nicht perfekt, auch sie stritten sich manchmal oder verstanden
einander nicht. Aber dennoch hatten sie zusammen gefunden und aneinander
festgehalten, das würde er sich nicht so mir nichts dir nichts nehmen lassen,
um keinen Preis der Welt.
Xander war so in seinen Gedanken versunken, dass überhaupt nicht bemerkte, wie
er direkt auf eine andere Person zusteuerte, bevor es zu spät war und er
dagegen rannte.
„Autsch!“, schrie er laut auf, wenn auch mehr aus Erschrockenheit, als wegen
des Schmerzes. Obwohl er sich mit der flachen Hand die Stirn rieb und das
Gesicht zu einer Grimasse verzog, war der Aufprall nicht so schlimm gewesen, da
der andere gestanden hatte.
„Pass doch auf, wo du hinläufst!“, zischte eine ihm nur zu gut bekannte Stimme
ärgerlich und er trat automatisch einen Schritt zurück.
Shit, warum musste ich ausgerechnet mit Riley zusammenprallen? Der ist auch so
schon stinksauer, war Xanders erster Gedanke und er schluckte schwer, während
er skeptisch zu dem anderen sah. Dessen Anblick hob seine Laune allerdings auch
nicht unbedingt, denn obwohl Rileys Gesicht einen ziemlich lädierten Eindruck
machte, gab dieser mit seinen zusammengebissenen Zähnen und den geballten
Fäusten einen eher bedrohlichen Eindruck ab.
„T’schuldigung“, murmelte er dann, wenn auch eher, um einer Konfrontation im
Schulflur aus dem Weg zu gehen, als dass er es ehrlich gemeint hätte. Ärger mit
einem der Lehrer war so ziemlich das letzte, was er jetzt noch brauchen konnte.
Sein Plan ging jedoch nicht auf, da der Blonde wegen des Vorabends noch immer
ziemlich sauer, und vor allem in seinem Stolz gekränkt war, weswegen er sich
ihm in den Weg stellte.
„So weit ich weiß, haben wir noch etwas zu klären, Harris“, provozierte Riley
den Dunkelhaarigen, völlig ungeachtet der Tatsache, dass er eigentlich mit ihm
befreundet war, wenn auch nicht so sehr.
Wut brodelte in Xander auf. Wie konnte man nur so dreist sein? Konnte ihn der
andere nicht einfach in Ruhe lassen? Er hatte deutlich gemacht, dass er auf
eine Auseinandersetzung ganz gut verzichten konnte, war ihm das denn nicht
genug? Reichte es ihm nicht als „Sieg“? Anscheinend hatte ihn die letzte Nacht
noch immer nicht gelehrt, seine große Klappe unter Kontrolle zu halten, nur
dass er diesmal nicht angetrunken war.
„So weit ich weiß, warst du derjenige, der sich aus dem Staub gemacht hat“,
schoss der Dunkelhaarige kalt zurück und schnaubte dabei verächtlich. Wieso war
dieser Idiot schon wieder so selbstsicher? Sollte ihm der verlorene Kampf nicht
wenigstens einen kleinen Dämpfer verpasst haben? Oder gab es etwas, das sein
Ego bereits wieder aufgepäppelt hatte?
„Ich wollte nur keinen Ärger mit dem Barkeeper, deswegen bin ich rechtzeitig
verschwunden. Sonst wärst du da niemals auf deinen eigenen Beinen raus
gekommen. Ich hatte an dem Abend eben noch etwas vor“, entgegnete Riley
scheinbar ungerührt, obwohl die Ader an seiner Schläfe gefährlich pochte.
Normalerweise hätte das jeder vernünftige Mensch als ein Zeichen aufgefasst,
nachzugeben und ihn in Ruhe zu lassen, doch Xander war im Moment alles andere
als das, weswegen er erneut schnaubte und ein: „Was denn? Dir die Seele aus dem
Leib kotzen?“ zurückschleuderte.
In seinem Verstand hinterließen die Worte des Blonden jedoch einen ziemlich
bitteren Nachgeschmack. Irgendetwas an ihnen ließ seine Alarmglocken schrillen,
er wusste nur nicht wieso. Was klang so verdächtig daran? Weshalb hatte er das
Gefühl, er müsste eigentlich noch wütender auf den anderen werden?
Ein Stirnrunzeln legte sich über sein Gesicht und für eine Weile vergaß er
Rileys Anwesenheit völlig, so sehr konzentrierte er sich darauf, was ihm an
diesem Satz nicht gefiel. Es klang irgendwie… falsch, er wusste kein besseres
Wort dafür. Doch wieso?
Er ließ den vorigen Abend in seinem Kopf noch einmal Revue passieren, immer auf
der Suche, was ihn so stutzig gemacht hatte und bei diesem Versuch dauerte es
tatsächlich nicht lange, bis er darauf stieß. Natürlich! Warum war ihm das
nicht gleich aufgefallen?
Es passte alles zusammen. Erst der Streit, um ihn abzulenken und von Cordelia
zu trennen, dann das plötzliche Verschwinden und der Angriff. Dieser Bastard
hatte alles geplant gehabt! Er musste damit gerechnet, oder auch aus Erfahrung
gewusst haben, dass der Barkeeper ihn selbst aufhalten würde, wodurch Riley
mehr als genug Zeit gehabt hätte, um zum Wagen zu gehen und Cordelia
anzugreifen.
Sogar die Tatsache, dass diese es dem Anschein nach nicht versucht hatte, zu
flüchten, oder sich wenigstens zu wehren, passte genau ins Bild – sie hatte
ihren Angreifer, Riley, gekannt und nicht im Traum daran gedacht, dass eine
echte Gefahr von ihm ausgehen könnte.
Hatte die Wut in ihm noch kurz zuvor nur unter der Oberfläche gebrodelt, so
schoss sie nun mit voller Wucht durch seinen Körper, schaltete seinen Verstand
völlig aus. Er sah nur noch rot und bevor er es selbst überhaupt bemerkte,
landete seine Faust in Rileys Gesicht.
„Du mieses Drecksschein!“, brüllte er den Blonden in voller Lautstärke an, ohne
überhaupt wahrzunehmen, wie sich mehrere Schüler um sie herum versammelten.
Sein Blut schien zu kochen, so heiß war ihm plötzlich, und seine Muskeln
begannen vor Anspannung zittern, während er zornesrot anlief. Noch nie in
seinem Leben war er so in Rage gewesen, auch nicht, als Riley Cordelia als Hure
bezeichnet hatte.
Er hörte nicht den erschrockenen Aufschrei einiger Mädchen, nachdem Rileys
Kiefer ein hässliches Knacken von sich gegeben hatte und er hörte auch nicht,
wie ein paar andere losliefen, um einen Lehrer zu holen. Ja, er bemerkte noch
nicht einmal mehr, dass er keineswegs mit dem anderen allein war, sondern
inmitten des Schulflurs. Alles Nebensächliche verschwamm vor seinen Augen,
sodass er nur noch ein klares, deutliches Ziel vor Augen hatte: Riley – den
Mörder seiner Cordelia.
Seine Fäuste prasselten auf den anderen nieder, so schnell, dass dieser
überhaupt nicht dazu kam, sich irgendwie zu verteidigen, stattdessen riss der
Blonde nur hilflos die Arme hoch, in dem verzweifelten Versuch, sein Gesicht zu
schützen, nicht wissend, was Xander so zum Ausrasten gebracht haben könnte.
Blut spritzte auf, da der Dunkelhaarige immer und immer wieder auf die Nase des
anderen schlug, doch er schien es noch nicht einmal am Rande zu registrieren.
Er sah und hörte nichts mehr, versuchte nicht mehr, sich irgendwie noch zu
stoppen, er gab sich einfach dem Rausch hin, genoss es, den Blonden leiden zu
sehen. Wollte ihm dasselbe antun, was dieser Cordelia angetan hatte, wollte ihn
dazu bringen, den Tag zu verfluchen, an dem er geboren worden war. Wollte ihn
dazu bringen, sich zu wünschen, er hätte seine Geliebte niemals auch nur schief
angesehen.
Noch nie in seinem Leben hatte er solch unbändigen Hass gefühlt, noch nie in
seinem Leben hatte er einer Person den Tod gewünscht. Doch in diesem Moment tat
er genau das und er wusste, wenn ihn niemand stoppte, würde er nicht eher
aufhören, bis sich Riley nicht mehr bewegte, bis er noch nicht einmal mehr
atmete.
Dass er sich damit ebenfalls zum Mörder machen würde, war ihm dabei völlig
egal, das Einzige, was er wollte, war Rache – Rache für die Liebe seines
Lebens, die jetzt hilflos in einem Krankenbett lag, dem Tode praktisch
schutzlos ausgeliefert.

Xanders Fäuste prasselten auf Riley nieder, so schnell, dass dieser überhaupt nicht dazu kam, sich irgendwie zu verteidigen, stattdessen riss der Blonde nur hilflos die Arme hoch, in dem verzweifelten Versuch, sein Gesicht zu schützen, nicht wissend, was Xander so zum Ausrasten gebracht haben könnte.
Blut spritzte auf, da der Dunkelhaarige immer und immer wieder auf die Nase des anderen schlug, doch er schien es noch nicht einmal am Rande zu registrieren.
Er sah und hörte nichts mehr, versuchte nicht mehr, sich irgendwie noch zu stoppen, er gab sich einfach dem Rausch hin, genoss es, den Blonden leiden zu sehen. Wollte ihm dasselbe antun, was dieser Cordelia angetan hatte.
Dass er sich damit ebenfalls zum Mörder machen würde, war ihm dabei völlig egal, das Einzige, was er wollte, war Rache – Rache für die Liebe seines Lebens, die jetzt hilflos in einem Krankenbett lag, dem Tode praktisch schutzlos ausgeliefert.
„Xander!“, schrie Buffy zum etlichsten Mal gegen den Dunkelhaarigen an, in dem Versuch, ihn davon abzuhalten, weiter auf sein Opfer einzuschlagen.
Dieser schenkte ihr jedoch immer noch keinerlei Beachtung, im Gegenteil, ihre laute Stimme schien ihn nur noch weiter anzuspornen. Was sollte sie tun? Sie musste Riley irgendwie helfen, sie konnte nicht zulassen, dass Xander ihn in seiner blinden Wut wortwörtlich zu Brei schlug. Abgesehen davon, dass er für diese Aktion ins Gefängnis kommen konnte, war sie sich nicht ganz gewiss, ob Riley tatsächlich etwas mit Cordelias Tod zu tun hatte.
Sicher, auf den ersten Blick schien er verdächtig zu sein, aber wenn man genauer darüber nachdachte, kamen Zweifel auf. Wäre er tatsächlich dieser verrückte Mörder, dann hätte er bestimmt nicht seine eigene Freundin umgebracht. Oder, wenn es als Tarnung hätte dienen sollen, zumindest nicht so sehr um sie getrauert. Er schien aufgrund von Darlas Tod wirklich am Boden zerstört zu sein, ähnlich dem, was Xander jetzt fühlen mochte.
„Xander, bitte hör auf! Du wirst ihn noch umbringen!“, versuchte sie erneut, zu ihm durchzudringen. Am liebsten hätte sie ihn am Arm gepackt und von dem anderen weggezogen, aber das traute sie sich dann doch nicht. Er schien so wütend zu sein, dass sie sich noch nicht einmal mehr sicher war, ob er nicht eventuell auch auf sie selbst losgehen würde, wenn sie dazwischen ging – Freundschaft hin oder her. Und Kraft genug, um ihn dazu zu zwingen, aufzuhören, hatte sie nicht.
Hilfe suchend schaute sie sich um, in der Hoffnung, irgendjemanden zu entdecken, der von der Prügelei nicht allzu beeindruckt zu sein schien, konnte jedoch niemanden sehen.
Nein, fast niemanden, berichtigte sie sich selbst, Spike steht gelassen am Rand, desinteressiert wie immer. Der hat sogar noch den Nerv, selbstgefällig zu grinsen.
Ob sie ihn darum bitten sollte, Xander zurückzuhalten? Schaffen würde er es bestimmt, sofern er es denn überhaupt wollte.
Aber andererseits hatte er keinen Grund, ihr einen Gefallen zu tun. Sie stritt sich beinahe ständig mit ihm und sie machte sich nur allzu gern über Willow lustig. Und was er davon hielt, hatte er ihr mehr als deutlich zu verstehen gegeben. Nein, er war der letzte, der ihr irgendeinen Wunsch erfüllen würde, er hasste sie.
Zu dumm, dass er ihre einzige Chance war, sie hatte keine andere Wahl, als ihn zu fragen.
Buffy atmete noch einmal tief durch, um sich innerlich zu beruhigen, bevor sie sich an den Platinblonden wandte.
„Spike? Könntest du Xander bitte zurückhalten?“, bat sie ihn leise, ohne die sonstige Arroganz in ihrer Stimme, woraufhin er laut auflachte.
„Warum sollte ich?“, entgegnete er ungerührt, seine vernarbte Augenbraue amüsiert nach oben gezogen. „Es ist immerhin ein interessanter Anblick, wie der Welpe sich selbst von der Schule befördert. Mit etwas Glück muss ich seine Visage nie wieder sehen. Pfeif deinen Schoßhund doch selbst zurück. Oder schaffst du das ohne Cordelia als Leine nicht mehr?“
„Sie ist nicht…“, begann Buffy empört, die Hände zu Fäusten geballt. Sie stoppte sich jedoch selbst, bevor sie diesen Satz beenden konnte, da es sie keinen Schritt weiterbringen würde – im Gegenteil.
„Nein, er hört mich offensichtlich nicht“, zischte sie stattdessen zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor, darum bemüht, der Wut in ihrem Bauch nicht freien Lauf zu lassen. „Und was den Rest betrifft, so appelliere ich an deinen gesunden Menschverstand“, fuhr sie so ruhig wie möglich fort, obwohl sie sich bei diesem Wort im Zusammenhang mit Spike am liebsten die Zunge abgebissen hätte. Abgesehen davon, dass er ihrer Meinung nach so etwas wie Verstand überhaupt nicht besaß, konnte der, falls vorhanden, alles andere als gesund sein – wahrscheinlich eher schon verrottet.
„Ach, auf einmal besitze ich so etwas, ja? Lass mich überlegen, ich bin mir nicht sicher, ob ich mich recht entsinne, aber warst nicht du diejenige, die mich kürzlich mit einem Straßenköter verglichen hat? Ja, ich glaub schon“, schlug er gehässig zurück, wobei seine Augen vergnügt funkelten.
„Ich hab keine Lust, dir oder sonst irgendwem aus eurer bescheuerten Clique zu helfen, und sei es nur darum, euch vor eurer eigenen Dummheit zu bewahren. Wenn du dir solche Sorgen um ihn machst, dann geh selbst dazwischen. Oder tu einfach das, was die meisten anderen machen würden: lehn dich zurück und genieß die Show.“
Ein schadenfrohes Grinsen lag über seinem Gesicht, als er deutlich machte, wie egal es ihm war, ob Xander Riley verprügelte. Seiner Meinung nach bekamen die beiden genau das, was sie verdienten und wenn Buffy sich deswegen auch noch Sorgen machte, dann umso besser. Somit wurden praktisch zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen, ohne dass er auch nur einen Finger rühren musste, um sie anzustacheln.
„Frag doch einen von deinen Fans“, er spie dieses Wort nahezu aus, „ob er dir hilft. Jonathan würde so ziemlich alles für ein Date mit dir tun. Er würde sich bestimmt dafür mit Vergnügen zusammenschlagen lassen, auch wenn ich beim besten Willen keine Ahnung habe, was er eigentlich ausgerechnet an dir findet.“
Buffy bedachte ihn daraufhin wieder mit ihrem gewohnt vernichtenden Blick.
„Du weißt genau, dass dieser Trottel höchstwahrscheinlich über seine eigenen Füße fliegen würde, bevor er überhaupt in Xanders Nähe kommt“, beschwerte sie sich dann mit einem Schmollmund, welcher sich jedoch gleich darauf in ein verschmitztes Grinsen verwandelte, als ihr eine neue Idee kam.
„Und was, wenn ich dich dafür bezahlen würde?“, schlug sie dann vor. Geld war immerhin etwas, von dem ihr ihre Eltern mehr als genug gaben, aber gleichzeitig wusste sie, dass die meisten anderen nicht so viel davon hatten.
„Behalt deine Kohle für dich, Summers. Ich will gar nicht wissen, aus welchen krummen Geschäften dein Vater es verdient hat. Abgesehen davon brauchst du es viel nötiger, wenn du vorhast, deine Prüfungen alle zu bestehen. Oder hast du die ersten beiden schon in den Sand gesetzt?“, erkundigte er sich süffisant, was Buffy dazu brachte, wütend nach Luft zu schnappen.
Bevor sie jedoch dazu kam, eine gewaltige Schimpftirade auf ihn abzuladen, deutete er auch schon zum Ende des Flurs hin und fügte ein: „Dort vorn kommt Giles, frag ihn doch, ob er dir hilft. Hab gehört, er hält sich bei so etwas besser, als man bei seinem verstaubten Stil annimmt.“
„Verstaubt? Das sagst ausgerechnet du, Billy Idol?“, kommentierte die Blonde trocken, um sich dann Mr. Giles zuzuwenden, damit er Xander zu Vernunft brachte.
~*~*~*~
Mit einem Grinsen ließ sich Spike an diesem Abend vor seinem Laptop nieder und loggte sich ins ICQ ein, um mit Willow zu schreiben.
Evil_Vampire: „Hi, Luv. Wie war dein Tag? Alles okay bei dir?“
Wiccan_Girl: „Ja. Ich hatte heute Geschichtsprüfung, aber ich denke, es ist ganz gut gelaufen. Ich hoffe nur, dass meine Erläuterungen nicht zu kurz gewesen sind, ich wollte eigentlich noch viel mehr schreiben, nur hat die Zeit dafür nicht gereicht L“
Evil_Vampire: „*lol* Als ob du jemals irgendetwas, das mit der Schule zu tun hat, in den Sand gesetzt hättest. Du hast wetten trotzdem noch doppelt so viele Seiten wie alle anderen. Abgesehen davon hast du vorher so viel gelernt, dass wir uns kaum gesehen haben, das kann überhaupt nicht schief gegangen sein.“
Wiccan_Girl: „Beschwer du dich bloß nicht, eigentlich hättest du auch viel mehr lernen müssen *streng-guck* Ich kann überhaupt nicht verstehen, wieso du dir so gar keine Gedanken über deine Ergebnisse machst“, schimpfte sie ein wenig spielerisch, in dem Wissen, dass er es ihr nicht übel nehmen würde.
Evil_Vampire: „Ist ganz einfach zu erklären: Jetzt kann ich eh nichts mehr daran ändern, vorbei ist vorbei, da hilft es auch nichts, wenn ich mir den Kopf drüber zerbreche. Man könnte meinen, du willst sonst wo studieren.“
Wiccan_Girl: „Schon mal daran gedacht, dass manche Leute tatsächlich höhere Ambitionen haben, als das College in Sunnydale?“, entgegnete sie nur, was Spike die Stirn runzeln ließ.
Ihre Antwort versetzte ihm einen Stich ins Herz und er konnte die Tatsache nicht leugnen, dass er über ihren Weggang traurig wäre und sie vermissen würde. Er mochte sie mehr, als er es bisher zugegeben hatte und es war ihm nie in den Sinn gekommen, sie könnte irgendwann von hier fortgehen.
Aber eigentlich hätte er es sich denken können. Die High School war fast vorbei und Willow war die wahrscheinlich beste Schülerin in Sunnydale, klar wollte sie nicht in irgendeiner Kleinstadt studieren, wenn man sie überall annehmen würde. Weshalb hatte er nie darüber nachgedacht?
Evil_Vampire: „Du gehst nach den Sommerferien fort?“
Wiccan_Girl: „Ja, auch wenn ich noch nicht ganz genau weiß, wohin. Ich freu mich schon richtig auf das Studium, da fall ich mit meiner Begeisterung endlich nicht mehr aus der Reihe.“
Für einen Moment wusste Spike nicht, was er daraufhin erwidern sollte. Er mochte Willow, klar, aber sollte er ihr wirklich sagen, dass er nicht wollte, dass sie ging? Und selbst wenn er es täte, würde es etwas ändern? Oder würde er ihr damit nur ein schlechtes Gewissen machen, weil sie es ihm gegenüber nie erwähnt hatte?
Es schien ihr absolut wichtig zu sein, das bemerkte er sogar, obwohl sie nur über den Computer mit ihm schrieb, sie stand noch nicht einmal vor ihm. Wollte er ihr diese Vorfreude wirklich verderben? Wäre es nicht besser, er hielte den Mund und ließe ihr ihren Spaß? Immerhin gab es immer noch E-Mails und SMS über die sie Kontakt halten könnten.
Er machte sich keine Illusionen darüber, dass man ihn an einem hoch angesehenen College aufnehmen würde. Seine Abschlussnoten waren weitaus besser als sein sonstiger Durchschnitt und er hatte sich auf die Bitte seines Vater hin auch angestrengt, aber von Willow war er dennoch meilenweit entfernt. Man konnte seinen Abschluss als durchschnittlich, vielleicht sogar als gut bezeichnen, doch zur Elite gehörte er keineswegs, selbst wenn seine letzten beiden Prüfungen super laufen sollten.
Evil_Vampire: „Aber wir schreiben doch trotzdem noch miteinander, oder?“
Wiccan_Girl: „Klar, beim wem soll ich mich denn sonst ausheulen, wenn die Lernerei manchmal sogar mir zu viel wird?^^ Du kannst mich von allen Leuten, die überhaupt mit mir reden, am besten aufbauen =)“, schrieb Willow schnell zurück, darum bemüht, sich ihre Enttäuschung über seine Antwort nicht anmerken zu lassen.
Sicher, sie freute sich wahnsinnig auf das Studium, aber sie würde Spike auch schrecklich vermissen, mehr als er glaubte. Und wie es schien, auch mehr als er sie. Trotz besseren Wissens hatte ein Teil von ihr darauf gehofft, er würde sie bitten, hier zu bleiben, oder ihr wenigstens sagen, er hätte lieber mit ihr zusammen studiert – falls er das denn überhaupt vorhatte.
Der einzige Trost war, dass er zumindest mit ihr Kontakt halten wollte und ihm ihr Weggang nicht völlig gleichgültig zu sein schien. Nur hatte sie sich eben doch ein bisschen mehr erhofft.
Man sollte meinen, sie wäre es inzwischen gewohnt, von anderen missachtet zu werden, doch bei Spike war das anders. In den letzten anderthalb Jahren hatte er ihr das Gefühl gegeben, sie wäre ihm wichtig, hatte sie wie eine Freundin behandelt, wie einen Menschen, den man mochte und dem man vertraute. Wenn sie mit ihm zusammen war, vergaß sie fast ihre ganze Schüchternheit, sie konnte plötzlich reden, ohne rot zu werden oder furchtbar zu stottern.
Er brachte sie zum Lachen und manchmal glaubte sie sogar, außer ihr kannte niemand sonst diese nette, freundlich Seite an ihm. In der Schule benahm er sich immer völlig nach seinem Bad-Boy-Image und ließ sich von nichts und niemanden etwas sagen, doch wenn er mit ihr zusammen war, schien diese Art Maske plötzlich von ihm abzufallen und vor ihr stand ein ganz normaler Teenager, ganz ohne gehässige Kommentare.
Sollte sie sich dabei getäuscht haben? Hatte sie in seine Gesten vielleicht zu viel hineininterpretiert? Hatte sie mal wieder mehr gesehen, als da gewesen war?
Wiccan_Girl: „Bist du in den Ferien da? Wir könnten ja was zusammen unternehmen, wie ins Kino gehen oder mal an den Strand fahren?“, wechselte sie dann das Thema, bevor ihre Gefühle überhand nahmen und sie mehr schrieb, als sie eigentlich wollte.
Evil_Vampire: „Warum bis zu den Ferien warten? Meinetwegen können wir gleich morgen ins Kino gehen – falls du das in deinen strengen Lernplan irgendwie einschieben kannst ^^ Ich bin während der Ferien leider nicht da, weil ich meinen Dad besuchen werde.“
Wiccan_Girl: „Ja, ich glaube, das kann ich mir geradeso leisten ;) Holst du mich ab?
Deine Eltern leben nicht zusammen? Ich frag nur, weil du das bisher noch nie erwähnt hast.“
Evil_Vampire: „Klar, ich bin um 8 bei dir, wenn das für dich okay ist. Meine Eltern haben sich schon getrennt, bevor ich an die Sunnydale High gekommen bin. Da gibt es nicht viel zu erzählen“, blockte er das Thema deutlich ab, worauf Willow jedoch nicht einging.
Wiccan_Girl: „Um 8 ist okay.
Ich kann ja nichts dafür, dass du immer gleich vom Thema ablenkst, wenn ich dich auf deine Familie anspreche. Wir kennen uns seit anderthalb Jahren und ich war noch kein einziges Mal bei dir Zuhause, obwohl wir in derselben Stadt wohnen.“
Evil_Vampire: „Hm, da gibt’s ja auch nichts Interessantes zu sehen. Wusste auch nicht, dass dir das so wichtig ist. Sorry, muss jetzt leider wieder off gehen, meine Mom ruft mich gerade. Ich seh dich morgen, ja?“
Wiccan_Girl: „Ja, ich freu mich schon. CU“, schrieb Willow zurück, obwohl sie aufgrund seiner Antwort leise seufzte.
Es war ihr schon öfter aufgefallen, dass Spike beim Thema Familie immer komplett abblockte und sie glaubte nicht im Traum daran, dass seine Mutter ausgerechnet jetzt nach ihm gerufen hatte. Er hatte nur eine Ausrede gebraucht, um weiteren Fragen aus dem Weg gehen zu können und es tat weh, zu wissen, dass er ihr nicht mehr vertraute.
Tränen liefen über Buffys Wangen, während sie mit beiden Händen fest ihr Kopfkissen umklammerte. Das konnte nicht passiert sein. Das durfte nicht wahr sein. Bestimmt hatte sie nur gerade einen schrecklichen Alptraum und in Wirklichkeit würde sie gleich aufwachen und ihre Welt wäre wieder in Ordnung. Nicht genug damit, dass sie Ben verloren hatte, ohne jemals die Chance zu bekommen, ihm zu sagen, dass sie ihn liebte, nein, jetzt lag auch noch Cordelia im Koma. So grausam konnte das Schicksal doch unmöglich sein. Es konnte doch nicht wahr sein, dass sie innerhalb so kurzer Zeit erst ihren Freund und dann auch noch ihre beste Freundin verlor.
Ein Schluchzen drang über ihre Lippen und sie musste unwillkürlich an den Tag denken, an dem sie Cordelia kennen gelernt hatte. Sie selbst war damals neu in Sunnydale gewesen und obwohl sie in ihrer alten Schule in L.A. bereits eine der beliebtesten Schülerinnen gewesen war, war sie furchtbar nervös gewesen und hatte sich Sorgen gemacht, keine Freunde zu finden.
Ihre Sorge war jedoch völlig unbegründet gewesen, wie sie bereits am ersten Tag an der Sunnydale High festgestellt hatte. Cordelia war ihr von Anfang an nicht von der Seite gewichen und hatte sie nicht nur in der Schule herumgeführt, sondern auch mit den richtigen Leuten bekannt gemacht. Damals war die Dunkelhaarige die Anführerin ihrer späteren Clique gewesen, doch nach und nach hatte Buffy selber diese Position eingenommen.
Cordelia hatte damit kein Problem gehabt, immerhin hatte sie als ihre beste Freundin so ziemlich denselben Status genossen wie sie selbst, nur dass sie sich auch kleine Fehltritte erlauben hatte können, die für Buffy ein völliges Tabu waren, wenn sie ihre Position behalten wollte. Als Anführerin der Clique hätte sie sich niemals mit Xander einlassen können, was wohl auch der Hauptgrund für diesen Tausch gewesen war – immerhin hatte die Brünette bereits damals ein Auge auf den manchmal ein wenig tollpatschigen, aber dennoch recht gut aussehenden Teenager geworfen, auch wenn noch gut zwei Jahre vergangen waren, bis die beiden schließlich endgültig zusammen kamen.
Und jetzt war sie so gut wie tot. Einfach so, ohne irgendeinen Grund. Wer tat so etwas Grausames? Wer konnte so gewissenlos sein, einfach einen Menschen zu töten? Ohne Reue?
Der Mörder konnte noch nicht einmal im Affekt gehandelt haben, dazu waren es bereits viel zu viele Opfer, nein, er plante diese ganze Sache auch noch. Was für ein Mensch musste man sein, um so etwas tun zu können? Wie kalt und gefühllos? Dieser Killer musste ja förmlich von Hass zerfressen sein, um so eine Serie an Morden zu begehen.
Konnte er überhaupt noch bei klarem Verstand handeln? Musste er nicht schon verrückt sein, um so etwas überhaupt zu planen? Oder wenigstens verrückt werden, wenn man es einmal getan hatte?
Dieser ganze Wahnsinn glich doch viel eher einem Horrorfilm als dem realen Leben. Hätte sie es nicht selbst erlebt, sie könnte nicht begreifen, dass es so etwas auf der Welt gab. Und dennoch geschah es immer wieder, Tag für Tag, etliche Male, ohne dass es irgendjemand verhindern konnte. Wieso gab es solche Dinge? Weshalb geschah so viel Unrecht? Und wodurch wurde es verursacht? Was brachte einen Menschen dazu, so etwas zu tun?
Wie konnte man mit dem Wissen leben, jemanden ermordet zu haben? Konnte man sich überhaupt noch selbst im Spiegel ansehen? Erschrak man nicht bei dem Gedanken, dass dieses Monster, das einem da entgegen blickte, man selbst war? Oder war es einem einfach egal? Glaubte man so fest daran, das Richtige zu tun, dass man den Tod der Menschen, die man umbrachte, gar nicht mehr sah? Nicht mehr sehen konnte, weil man von seinem eigenen Verstand zu sehr geblendet war, um irgendetwas zu sehen?
Sie wusste es nicht, wollte es gar nicht wissen, wenn sie genauer darüber nachdachte. Es gab keine Entschuldigung für Mord. Niemand hatte das Recht, über Leben und Tod zu entscheiden, auch dann nicht, wenn es das Opfer vielleicht verdient haben mochte.
Nur was mochte Cordelia getan haben, um das zu verdienen? Was hatten all ihre Freunde getan, um das zu verdienen? Sie hatten doch nie etwas Unrechtes getan, zumindest nichts, was jemand anderem geschadet hätte. Weshalb gab es jemanden, der sie alle tot sehen wollte? Ihr fiel niemand ein, der sie so sehr hassen könnte.
Sicher, Spike stritt sich fast ständig mit ihr und gab meist auch Kommentare von sich, die mehr als nur gehässig waren, doch ein Mord war davon meilenweit entfernt. Abgesehen davon schien er selber bei diesen Reiberein ebenfalls seinen Spaß zu haben. Und auch ansonsten fiel ihr beim besten Willen niemand, absolut niemand ein, dem sie so etwas zutrauen würde.
Vielleicht hatte es der Mörder aber auch gar nicht auf eine spezielle Person abgesehen? Vielleicht war es ihm egal, wen er umbrachte? Aber dagegen sprach, dass all die bisherigen Opfer nur ihre Freunde gewesen waren und dass der Mörder sich sogar die Mühe gemacht hatte, in ihr Haus einzudringen, um sie anzugreifen. Wenn für ihn die einzelne Person nicht zählen würde, dann hätte er einfach irgendjemanden auf der Straße angegriffen.
Egal in welche Richtung sie auch zu überlegen versuchte, sie kam immer zu demselben Entschluss: dieser Killer hatte es auf sie und ihre Freunde abgesehen und er würde nicht eher Ruhe geben, bis er nicht jeden einzelnen von ihnen erledigt hatte.
~*~*~*~
Ein Grinsen breitete sich auf Spikes Lippen aus, als er Riley im Schulflur entdeckte. Der Dunkelblonde war seit dem Zwischenfall mit Xander nicht mehr in der Sunnydale High gewesen, weswegen er ihn die letzten beiden Wochen nicht gesehen hatte. Obwohl man dazu sagen musste, dass jetzt, nachdem die Prüfungen beendet waren, nur noch die wenigsten der ältesten Schüler zum Unterricht erschienen. Wieso sollte man sich auch irgendwelche Lehrbuchtexte anhören, wenn sie nicht mehr abgefragt werden würden?
Er selbst war ja eigentlich eher hier, um Willow in den Stunden, die sie gemeinsam hatten, heimlich beobachten zu können. Dass die Rothaarige auch nun nicht schwänzen würde, davon konnte jeder, der sie kannte, mit hundertprozentiger Sicherheit ausgehen.
Spikes Blick schweifte über Rileys Äußeres und er stellte amüsiert fest, wie zerschlagen dieser immer noch aussah. Man sollte wirklich meinen, seine Verletzungen wären inzwischen verheilt – mal abgesehen von dem angebrochenen Arm und Kiefer -, aber wenn man sein Gesicht betrachtete, ähnelte dieses immer noch einem bunten Farbtopf.
Sein rechtes Auge war von einem verblassenden Veilchen umrahmt und auf seiner Wange zeichnete sich eine blau-gelbliche Färbung in Form einer Faust ab, während seine Nase gewisse Ähnlichkeit mit einer Kartoffel aufwies. Selbst seine Lippen schienen noch nicht ganz verheilt zu sein, man konnte eine leichte Schwellung erkennen und wenn er den Mund bewegte, verzog sich sein Gesicht zu einer schmerzverzerrten Grimasse.
„Hey, Pappsoldat“, begrüßte der Platinblonde den anderen mit einem spöttischen Grinsen. Er hatte Riley schon so einige Spitznamen verpasst, aber dieser passte am besten, wenn man den momentanen Stand der Dinge betrachtete. Immerhin hatte er sich von Xander, der nun alles andere als kampferfahren war, zusammenschlagen lassen und das, obwohl er sich immer damit brüstete, nach der Schule zum Militär gehen zu wollen.
„Nette Gesichtsmaske. Ist das die neueste Mode, oder versuchst du, uns den erbärmlichen Anblick eines Versagers zu ersparen?“, machte er sich über den anderen lustig.
Seine Zigarette hatte er inzwischen völlig vergessen und seine gesamte Aufmerksamkeit galt nun dem Dunkelblonden, der auf seinen Kommentar hin ärgerlich grollte. Zu einer Antwort ließ sich Riley jedoch nicht so leicht bewegen – wahrscheinlich, weil es sich mit schmerzendem Kiefer ziemlich schlecht reden lassen dürfte, geschweige denn streiten -, weshalb Spike beschloss, noch ein wenig weiter zu sticheln.
„Wer hätte gedacht, dass es der Welpe schafft, jemanden zusammenzuschlagen? Du musst ihn ja wirklich ganz schön in Rage gebracht haben. Hast du mit seiner Freundin geschlafen, nachdem du ja nicht mehr von Darlas Diensten profitieren konntest?“, erkundigte er sich in einer süffisanten Tonlage und unterstrich seine Aussage mit einem eindeutigen Wackeln seiner vernarbten Augenbraue.
Belustigt beobachtete er, wie Riley seine Hände daraufhin zu Fäusten ballte und versuchte, wütend mit den Zähnen zu knirschen, wenngleich ihm dies auch kläglich misslang.
„Wahrscheinlich war Cordelia sogar viel besser im Bett als Darla, immerhin war sie nicht die ganze Zeit über high“, gab der Platinblonde darum noch jenen Tropfen hinzu, der das Fass zum Überlaufen brachte.
„Sie war nicht high“, zischte der andere leise, wobei seine Worte leicht ineinander verschwammen, da er den Mund nicht richtig öffnen konnte. Es war ihm deutlich anzusehen, dass er Spike am liebsten angebrüllt hätte, dazu momentan jedoch nicht in der Lage war. Dafür bedachte er ihn mit einem hasserfüllten Blick.
„Ach, tatsächlich? Mann, wie benebelt musst du eigentlich selber gewesen sein, dass du noch nicht einmal gemerkt hast, dass deine eigene Freundin ständig auf irgendwelchen Drogen war? Das hat doch ein Blinder mitgekriegt. Warst du wirklich dermaßen dämlich oder wolltest du dir nur nicht eingestehen, dass du ihr nicht genug warst, um damit aufzuhören?“, erwiderte der Blonde gehässig und ein amüsiertes Funkeln trat in seine Augen, als der andere daraufhin aufgebracht schnaubte.
„Was bildest du dir ein, so über sie zu reden. Du hast sie nicht gekannt, sie war anders als du glaubst“, presste Riley mühsam hervor und hielt sich gleich darauf den schmerzenden Kiefer, in dem Versuch, sich selbst davon abzuhalten, seine Verletzung noch schlimmer zu machen, indem er sich provozieren ließ, was Spike dazu brachte, noch breiter zu grinsen.
„Klar, weil du sie so gut gekannt hast. Sag mal, hat sie dich eigentlich in ihren Rauschzuständen noch erkannt, oder warst du für sie nur irgendein namenloser Typ, mit dem sie in die Kiste gesprungen ist?“, bohrte er weiter in der Wunde herum.
Er genoss es zu sehen, wie sich die Augen des anderen zu Schlitzen verengten und die Emotionen über sein Gesicht rauschten, so leicht zu lesen wie ein Kinderbuch, genoss es, ihn leiden zu sehen. Und sei es nur durch diese einfachen, wenigen Worte, die manchmal so viel effektiver und verletzender als jede noch so gefährliche Waffe sein konnten.
Weil er selbst wusste, was sie anrichten konnten. Weil er selbst wusste, welchen Schmerz sie einem Menschen zufügen konnten und dass sie ihn auch zerstören konnten. Bis irgendwann nichts mehr übrig blieb und man in einem Meer der Hoffnungslosigkeit versank, aus dem man nie wieder auftauchen würde.
Genau dieser Punkt war es, an den er Riley bringen wollte und er wusste, dass es nicht mehr viel verlangen würde, um den anderen endgültig zu brechen. Vielleicht nicht unbedingt, weil er dann keine Hoffnung mehr hätte, sondern viel mehr, weil er sie in seiner Verbohrtheit, seinem übertriebenen Stolz nicht mehr sah.
Spike sah den Schmerz in den Augen des Dunkelblonden, als er über Darla herzog und für einen Moment hatte er fast Mitleid mit ihm. Riley hatte einen Menschen verloren, der ihm mehr bedeutet hatte als die meisten anderen und wenn er fähig war, jemanden so zu lieben, dann konnte er gar nicht jener gewissenslose Bastard sein, für den er ihn hielt.
Dieses Gefühl verschwand jedoch wieder genauso schnell, wie es gekommen war und nur Sekunden später war die einzige Spur, dass es überhaupt jemals vorhanden gewesen war, nur der schale Nachgeschmack des Wissens, ihn eigentlich überhaupt nicht zu kennen. Für ihn genügte es, dass Riley mit Buffy befreundet war. Wer sich mit so einem Biest vertrug, konnte nicht viel besser sein als dieses selbst.
„Hat sie überhaupt noch gewusst, dass ihr zusammen seid, oder war ihr der nächste Schuss schon wichtiger als du“, fügte er noch hinzu, wenn auch diesmal mehr, um sich selbst abzulenken, als um den anderen noch weiter zu verletzten.
Mit dieser Bemerkung brachte er Riley allerdings endgültig aus der Fassung und der letzte Funken Selbstbeherrschung, der ihn davon abgehalten hatte, sich auf Spike zu stürzen, verschwand, um stattdessen dem ohnmächtigen Zorn Platz zu machen, der seit Darlas Tod in ihm wütete. Nicht unbedingt auf den Platinblonden – immerhin sagte dieser nur die Wahrheit, so ungern er das auch zugab -, sondern viel mehr auf das Schicksal, die Ungerechtigkeit des Lebens, den Mangel einer Chance, alles zum Guten zu wenden.
Er holte mit der Faust zum Schlag aus und hätte Spike wahrscheinlich auch mitten ins Gesicht getroffen, wenn nicht just in diesem Moment Giles aus dem nächsten Klassenzimmer in den Schulflur getreten wäre. So jedoch hielt er erschrocken inne und starrte geschockt in Richtung des Bibliothekars. Was machte er auf einmal hier? Er gab doch gar keinen Unterricht, wieso musste er ausgerechnet jetzt hier auftauchen?
„Gibt es hier ein Problem?“, durchschnitt auch schon Giles’ ungewohnt strenge Stimme die Stille und für einen Augenblick fragte sich Riley ernsthaft, ob an den Gerüchten um die Jugend des Älteren nicht doch etwas dran war.
„So weit ich weiß, solltet ihr beide im Unterricht sein“, fuhr der Engländer fort, was Spike zu einem spöttischen Lachen veranlasste.
„Glauben Sie im Ernst, dass da noch jemand hingeht? Die Prüfungen sind vorbei, in einer Woche sind Ferien und danach wird keiner von uns jemals wieder hier auftauchen.“
„Und was macht ihr dann hier? Wenn ihr schon Schule schwänzt, dann müsst ihr nicht noch Ärger machen und hier eine weitere Prügelei anzetteln. Gerade von dir, Riley, hätte ich erwartet, dass du das für eine Weile sein lässt. Zumal du früher auch nie in solche Streitereien verwickelt gewesen bist“, tadelte Giles nicht gerade erfreut, wobei sein Blick zufällig auf Spikes Zigarettenstummel fiel, den dieser noch immer in der Hand hielt.
„Und Rauchen ist hier verboten. Entweder du verlässt dazu das Gelände, oder du entsorgst die Zigarette auf der Stelle“, fuhr er fort und schüttelte missbilligend den Kopf.
Spike wusste, dass damit seine Auseinandersetzung mit Riley wohl oder übel beendet war, da Giles ihnen nicht eher von der Seite weichen würde, bevor sie nicht getrennte Wege gingen.
Ein lautloses Fluchen drang über seine Lippen und für einen Moment zog er es in Erwägung, den Älteren einfach zu ignorieren, doch dann gab er schließlich nach. Wenn sein Vater erfuhr, dass er sich mit einem Lehrer, nein, falsch, einer Autoritätsperson, wie dieser es so schön zu sagen pflegte, angelegt hatte, dann würde er sich die ganzen Ferien lang seine Vorhaltungen anhören müssen und dazu hatte er nun wirklich überhaupt keine Lust.
Er wollte einfach nur die Zeit außerhalb von Sunnydale und damit Ethans Reichweite genießen – obwohl er ein schlechtes Gewissen dabei hatte, seine Mutter mit diesem Bastard allein zu lassen -, weshalb er mit einem letzten vernichtenden Blick in Rileys Richtung auf dem Absatz kehrtmachte und das Gebäude verließ, um draußen auf Willow zu warten.

Spike wollte das Haus gerade wieder verlassen, als plötzlich eine laute, höhnische Stimme durch den Flur hallte.
„Was glaubst du, wo du um diese Zeit noch hingehen willst?“, hielt ihn Ethan zurück, der nun mit einem gehässigen Grinsen hinter ihn trat und ihn mit einem kalten, fast schon berechnenden Blick musterte.
Der Blonde biss für einen Moment fest die Zähne aufeinander und ballte die Hände zu Fäusten, um einen Wutausbruch zu verhindern. Was wollte dieser Idiot jetzt schon wieder von ihm? War er ihm für heute denn noch nicht genug auf die Nerven gegangen? Der Ältere war ihm gefolgt wie ein zweiter Schatten, seit er aus der Schule wiedergekommen war und er hatte nicht nur die ganze Zeit über versucht, ihn über alle möglichen Dinge auszufragen – worauf er dabei eigentlich hinauswollte, war jenseits Spikes Horizont -, sondern hatte es auch nicht bleiben lassen können, ihn ständig irgendwie zu kritisieren.
Den Grund dafür konnte er sich allerdings durchaus denken: seine Mutter war heute in ihrem Buchclub, das einzige Treffen, das sie trotz des Drängens ihres jetzigen Ehemanns nicht aufzugeben bereit war, und somit hatte Ethan niemanden, den er zumindest psychisch tyrannisieren konnte. Mit etwas Glück würden ihn die Entzugserscheinungen vielleicht wahnsinnig machen, aber das wäre wohl zu schön, um wahr zu sein.
„Ich wusste nicht, dass ich neuerdings zur selben Zeit wie ein kleines Kind ins Bett gehen soll“, erwiderte er wütend. „Aber selbst wenn das deine Meinung ist, ist es mir scheißegal. Du bist nicht mein Vater, du hast mir gar nichts zu sagen.“
„Dein Vater ist nicht hier, deine Mutter auch nicht. Damit bin ich der einzige Erwachsene in diesem Haus und somit hast du zu tun, was ich dir sage. Und ich sage, du bleibst hier. Abgesehen davon solltet ihr Teenager von heute sowieso dringend lernen, wie man Autoritätspersonen behandelt“, erwiderte Ethan streitsüchtig. Er verschränkte die Arme vor der Brust und in seiner rechten Hand blitzte ein kleiner, silberner Gegenstand auf, während er ruhigen Gemüts beobachtete, wie Spike den Kopf schüttelte.
„Das denkst du also von dir? Dass du eine Autoritätsperson für mich bist? Dass ich nicht lache“, spie er verächtlich, wobei er jedoch noch immer in Richtung Tür sah und den Älteren somit keines Blickes würdigte.
„Weißt du was? Normalerweise hat man vor Autoritätspersonen, wie du so schön angedeutet hast, Respekt. Nur hast du dabei eines vergessen: Respekt muss erst verdient werden. Es ist etwas, das andere einem geben, nichts, was man sich einfach nehmen oder vielleicht kaufen kann.
Wenn du jemanden so lange bedrohst, bis er dir gehorcht, dann wird dieser das aus Angst tun, nicht aus Respekt. Das ist nicht dasselbe. Im Gegenteil, wenn überhaupt, dann nimmst du ihm nur die Möglichkeit, dich jemals respektieren zu können.
Ein Mensch, der es fertig bringt, seine eigene Ehefrau zu schlagen, verdient keinen Respekt sondern Verachtung. Vielleicht verstehst du ja jetzt, warum du keine Autoritätsperson in meinen Augen bist und es auch niemals sein wirst“, meinte er bitter und er schloss die Augen, um die Erinnerung an jenen Tag wieder zurückzudrängen.
„Ein Mal, ein einziges Mal habe ich die Hand gegen deine Mutter erhoben und du hörst nicht auf, es mir vorzuhalten“, warf Ethan ihm vor. Fast hätte der Jüngere ihm den gespielt verletzten Ton abgenommen, wenn er es nicht besser gewusst hätte. Er kannte den wahren Charakter seines Stiefvaters jedoch viel zu gut und bereits auch zu lange, um sich von dessen Heuchlereien beeindrucken zu lassen.
„Ja, und es war ein Mal zu oft. Und wir beide wissen, dass es noch öfter passiert wäre, wenn ich dich nicht gleich dabei erwischt hätte. Wenn ich nicht hier wäre, wenn ich dich nicht gewarnt hätte und du nicht wissen würdest, dass ich dich fertig machen kann, wenn ich es nur genug darauf anlege, dann würdest du keinen zweiten Gedanken verschwenden, bevor dir „die Hand ausrutscht“.
Es ist allerdings schon erstaunlich, dass du auf einmal die Wahrheit nicht mehr leugnest. Du warst nicht wütend oder außer dir, du hast sie bewusst geschlagen, vollkommen vorsätzlich.
Und ich kann dir eines versprechen: Wenn sie endlich bereit ist, dein wahres Gesicht zu sehen, sich nicht mehr hinter irgendwelchen Lügen zu verstecken, wenn sie in dir denselben elenden Bastard entdeckt, der du wirklich bist, dann werde ich alles, aber auch alles tun, um sie zu unterstützen. Dann hab ich endlich keinen Grund mehr, mich noch zurückzuhalten“, machte Spike ungerührt eisig seine Meinung deutlich.
Für einen Moment zog er es in Erwägung, sich herumzudrehen und Ethan zu zeigen, dass dieser weder größer noch stärker als er selbst war, verwarf den Gedanken dann aber gleich wieder. Der Ältere hätte danach nur schlechte Laune und die würde sich, wohl oder übel, auch auf seine Mutter auswirken, da er den Kontakt zwischen den beiden nicht verhindern konnte.
Vielleicht war er in der Lage, körperliche Angriffe von der Seite seines gehassten Stiefvaters zu verhindern, doch gegen dessen Psychoterror konnte er leider nichts unternehmen, so lange sich seine Mutter nicht helfen lassen wollte.
„Ich werde jetzt gehen und wenn du ernsthaft glaubst, du könntest mich aufhalten, dann versuch es doch“, forderte er Ethan noch heraus, bevor er seinen Weg zur Haustür fortsetzte.
~*~*~*~
Mit gesenktem Haupt saß Xander an Cordelias Krankenbett, ihre leblose Hand in seiner haltend. Seine Augen waren vom Weinen gerötet und hätte er versucht zu sprechen, sein Rachen wäre wahrscheinlich zu wund gewesen, um einen vernünftigen Ton von sich zu geben, nachdem er nur eine halbe Stunde zuvor die Kellerwand angebrüllt hatte, als ob sie irgendetwas für den Angriff auf seine Cordy könne.
Da ihm beim Anblick seiner Liebe jedoch wieder einmal schmerzhaft bewusst geworden war, dass sie ihn sowieso nicht hören würde, oder selbst wenn, ihm zumindest nicht antworten konnte, hatte er seine Selbstvorwürfe auf seine Gedanken verlegt. Er war inzwischen zu müde, um noch irgendjemanden anzuschreien oder zu bedrohen, fühlte sich kraft- und antriebslos.
Es war als wäre mit der Erkenntnis, dass Cordelia wirklich nicht mehr wiederkommen würde, jeglicher Kampfgeist aus ihm gewichen und hätte einer leeren Hülle Platz gemacht, die nun mehr einfach so vor sich hinexistierte. Funktionierte, wie es andere von ihr erwarteten. Doch sie hatte keinen freien Willen mehr in sich, agierte fast nur noch auf Kommando und wenn nicht, dann zog es sie zu Cordelias Krankenbett. Jegliches Handeln spielte sich nun mehr nur noch in Gedanken ab, fast so, als gäbe es kaum mehr eine Verbindung zwischen Körper und Verstand. Fühlte sich leer und ausgebrannt.
Warum? Warum hatte er ihr nicht helfen können? Wieso war er zu spät gekommen? Er hatte sie im Stich gelassen, hatte sie allein gelassen, als sie ihn am meisten gebraucht hätte.
Es tut mir leid, so unendlich leid, entschuldigte er sich stumm bei seiner Freundin, für einen Augenblick in der wahnwitzigen Hoffnung, sie würde ihm eine Antwort geben. Nur ein kleines Zeichen, dass sie ihn verstanden hatte, irgendetwas, das ihm zeigte, dass sie noch eine Chance hatten. Dass sie wieder kommen würde, dass sie ihm vergab und ihn nicht verlassen hatte.
Wenn ich auch nur im Entferntesten geahnt hätte, was passieren würde, dann hätte ich mich doch niemals auf diesen dummen Streit eingelassen. Oder dich doch wenigstens nicht fortgeschickt. Ich hätte alles getan, um dich zu beschützen, weißt du das?
Ich liebe dich.
Nicht nur wegen deines Aussehens oder deiner Beliebtheit, sondern wegen dir. Wegen der Cordelia, die hinter dieser eiskalten Maske steckt, wegen der Cordelia, die auch Gefühle zulässt und bereit ist, für ihre Freunde die Hand ins Feuer zu legen. Wegen dieser Seite an dir, die kaum einer kennt.
Und jetzt, wo du weg bist, wird auch niemand mehr die Chance haben, sie kennen zu lernen.
Weshalb hast du mich verlassen? Wie konnte ich das zulassen? Wie konnte ich diesem miesen Dreckschwein auch nur den Hauch einer Chance geben, dich zu erwischen? Obwohl ich wusste, dass dieser verrückte Killer wieder hinter uns allen her ist? Wieso habe ich das Ganze nicht ernster genommen? Weshalb bin ich nie auf den Gedanken gekommen, dir könnte etwas zustoßen?
Die anderen hatten Recht. Ich war es nicht wert, mit dir zusammen sein zu dürfen, ich hab dich nie verdient. Nicht das tollste Mädchen der ganzen verdammten Schule. Ich bin und bleibe derselbe Loser, der ich immer gewesen bin, egal was du getan hast, um das zu ändern.
Am Ende habe ich dich enttäuscht, obwohl es das letzte war, was ich jemals wollte. Glaub mir das bitte, flehte er innerlich, ohne irgendeinen Ton von sich zu geben.
Sein Blick glitt unwillkürlich über Cordelia und für einen Moment versank er förmlich in dem Bild, das sich ihm bot. Selbst im Schlaf war sie noch immer eine Schönheit, erinnerte ihn mehr an die Geschichte von Dornröschen als an einen Menschen, der im Koma lag und um sein Überleben kämpfte. Nur dass für sie kein rettender Prinz auf dem weißen Pferd kommen würde, um sie wach zu küssen – wohl eher ein Hofnarr, der sich unsterblich in eine Prinzessin verliebt hatte.
Erst wenn man genauer hinsah, entdeckte man die Spuren, die der Angriff bei ihr hinterlassen hatte. Unter der Sommerbräune ihrer Haut lag eine unheilvolle Blässe, welche einen starken Kontrast zu ihren langen, dunklen Haaren bildete, die das schon fast feenhafte Gesicht umrahmten. Vollkommen regungslos lag sie da, starr wie eine wunderschöne Porzellanpuppe.
Wahrscheinlich hätte jeder andere diesen Anblick als erschreckend empfunden und im Vergleich zu ihrer sonstigen Schönheit mochte er das auch sein, doch in seinen Augen war sie immer noch atemberaubend.
Er streckte seine Hand nach ihrer Wange aus, zaghaft, als habe er Angst, sie könne verschwinden, sobald er sie berührte. Wenn sie doch bloß nur wieder aufwachen würde. Er würde alles dafür tun, seinen Fehler wieder gut machen zu können. Wenn er wüsste, wer dieser verdammte Mistkerl war, dann würde er ihn umbringen, zum Teufel mit den Konsequenzen! Dieser Kerl sollte für das, was er Cordelia angetan hatte, büßen, sollte es bereuen, sie jemals auch nur schief angesehen zu haben.
„Ich werde diesem Bastard geben, was er verdient. Er wird sich wünschen, dir niemals begegnet zu sein“, versprach er seiner besinnungslosen Freundin im Flüsterton.
~*~*~*~
Gedankenverloren starrte Buffy zum Fenster ihres Zimmers hinaus in den Garten. Sie war, seit sie an jenem Tag von Xanders Wutausbruch vom Koma ihrer besten Freundin erfahren hatte, nicht mehr in der Schule gewesen, ja, sie hatte es noch nicht einmal mehr gewagt, das Haus zu verlassen. Und das, obwohl ihre Eltern die Bedrohung durch den unbekannten Killer nun endlich ernst zu nehmen schienen und ihr zwei Bodyguards zur Verfügung gestellt hatten.
Es änderte jedoch rein gar nichts daran, dass sie sich nirgendwo mehr sicher fühlte. Egal wohin sie auch gehen wollte, sie vermutete hinter jeder Wegesbiegung, in jedem Hauseingang, hinter jedem Baum einen Schatten, hatte ständig Angst, von diesem Verrückten angefallen zu werden. Sicherlich, sie hatte auch schon vorher um ihr eigenes und das Leben ihrer Freunde gefürchtet, doch Cordelias Tod schien ihr die Bedrohung auf einmal mitten ins Gesicht zu speien. Rücksichts- und schonungslos, ohne jede Chance, sie zu leugnen.
Vorher schien es einfach nicht real gewesen zu sein, eher wie ein böser Schimmer aus einer komplett anderen, ihr völlig fremden Welt. Noch nicht einmal Angels oder Bens Tod hatten es geschafft, sie so sehr aus der Bahn zu werfen und genau das war es, was sie am meisten beunruhigte.
Cordelia war, seit sie nach Sunnydale gekommen war, eine Konstante in ihrem Leben gewesen, die beste Freundin, mit der sie immer hatte reden können, die sie immer verstanden hatte. Vielleicht hatte sie von den anderen beiden einfach erwartet, dass eine Beziehung mit ihnen nicht ewig halten würde, dass sie irgendwann gehen würden, während die Brünette immer mit ihr befreundet wäre.
„Elizabeth, kann ich bitte reinkommen?“, unterbrach plötzlich die Stimme ihrer Mutter ihre Überlegungen.
Buffy brachte jedoch nur ein leises: „Hm“ über die Lippen, ohne irgendein anderes Zeichen, dass sie sie verstanden hatte, weshalb die andere behutsam die Tür öffnete und ein wenig zaghaft eintrat.
„Wir müssen uns mal unterhalten“, verkündete sie dann, bevor sie sich zu Buffy aufs Bett setzte. Sie klopfte mit der Hand neben sich, um ihrer Tochter zu signalisieren, sich zu ihr zu setzten, welche Aufforderung diese auch mit einem leisen Seufzen befolgte.
„Worüber?“, gab sie anschließend gespielt gelangweilt von sich, ohne allerdings den Augenkontakt zu ihrer Mutter halten zu können.
„Über dich und die Geschehnisse der letzten Wochen. Du warst bereits seit Kendras Tod etwas durcheinander, aber nachdem auch noch dieser Junge, mit dem du ausgegangen bist“, sie gab diesen Worten einen abfälligen Beiklang, womit sie mehr als deutlich machte, dass ihr diese Beziehung sehr missfallen war, „getötet wurde, bist du vollkommen distanziert. Und jetzt, da Cordelia im Koma liegt, kommt man überhaupt nicht mehr an dich heran.
Du schließt dich in deinem Zimmer ein, beantwortest keine Anrufe, ja, du gehst noch nicht einmal mehr zur Schule. So kann das nicht weiter gehen, Elizabeth. Die Nachbarn fangen schon an zu reden und so sehr ich mich auch bemühe, Verständnis für deine Situation aufzubringen, ist dieses Verhalten dennoch komplett inakzeptabel.
Was würdest du davon halten, wenn wir dir professionelle Hilfe verschaffen?“, schlug die Ältere ruhig vor und obgleich sie es eigentlich als Frage formulierte, machte ihr Ton trotzdem deutlich, dass sie eine andere Antwort als ja wohl kaum akzeptieren würde.
„Professionelle Hilfe?!“, echote Buffy erschrocken. „Du willst mich in eine Irrenanstalt schicken?“
„Nein, rede doch nicht so, als wärst du verrückt. Ich fände es lediglich hilfreich, wenn du, zumindest für eine Weile, einige Sitzungen mit einem Psychotherapeuten absolvieren würdest. Du könntest für die erste Hälfte der Zeit, die du noch hast, bis du mit dem College anfängst, in eine psychiatrische Abteilung gehen und später zumindest zweimal die Woche eine Sitzung besuchen.
Allen anderen könnten wir erzählen, dass du nach Frankreich in den Urlaub fährst. Dort warst du schon oft genug, um etwas über diese Reise erzählen zu können, falls dich jemand fragt.
Somit würde die kleine Lüge nicht auffallen, du müsstest dir also überhaupt keine Gedanken um deine Reputation machen“, erklärte ihre Mutter kühl und beherrscht.
Ihr Gesicht war vollkommen ausdruckslos und zeigte keinerlei Gefühlsregungen, als sie dies sagte. Man könnte glatt meinen, sie spräche mit einer Fremden und nicht mit ihrer eigenen Tochter.

„Ich fände es hilfreich, wenn du, zumindest für eine Weile, einige Sitzungen mit einem Psychotherapeuten absolvieren würdest. Du könntest für die erste Hälfte der Zeit, die du noch hast, bis du mit dem College anfängst, in eine psychiatrische Abteilung gehen und später zumindest zweimal die Woche eine Sitzung besuchen.
Allen anderen könnten wir erzählen, dass du nach Frankreich in den Urlaub fährst. Dort warst du schon oft genug, um etwas über diese Reise erzählen zu können, falls dich jemand fragt.
Somit würde die kleine Lüge nicht auffallen, du müsstest dir also überhaupt keine Gedanken um deine Reputation machen“, erklärte ihre Mutter kühl und beherrscht.
Ihr Gesicht war vollkommen ausdruckslos und zeigte keinerlei Gefühlsregungen, als sie dies sagte. Man könnte glatt meinen, sie spräche mit einer Fremden und nicht mit ihrer eigenen Tochter.
Diese schien jedoch endlich aus ihrer Trance zu erwachen und ein fassungsloses Aufkeuchen entwich ihren Lippen. Hatte sie sich gerade verhört? Das konnte nicht wahr sein, das würde ihr ihre Mutter nicht antun.
Nicht, wenn sie sich auch nur im Geringsten für sie interessierte, denn dann würde die Ältere wissen, wie sehr sie Buffy damit verletzte.
Aber wahrscheinlich war es ihr sowieso egal, das Einzige, was ihr wichtig war, war die Meinung anderer Leute über ihr Leben. Sie liebte es, mit ihrem Geld und ihrer perfekten Familie anzugeben und der wahrscheinlichste Grund, aus dem sie sich um das seelische Wohl ihrer Tochter sorgte, war wohl die Tatsache, dass diese momentan nicht in dieses Bild hineinpasste.
„Ich fasse es nicht, dass du mich nicht ernst nimmst!“, fauchte Buffy nun aufgebracht, nachdem sie sich von dem ersten Schock erholt hatte. „Was glaubst du eigentlich, was hier passiert?
Diese Morde sind real und nicht irgendwelche Hirngespinste meinerseits. Oder willst du vielleicht behaupten, dass der Großteil meiner Freunde gar nicht tot ist? Sitzen sie unten im Wohnzimmer?
Oder bilde ich mir das alles hier vielleicht nur ein? Mein ganzes Leben? Weißt du was? Manchmal wünsche ich mir tatsächlich, ich wäre wahnsinnig, dann wäre diese lächerliche Farce einer Familie wenigstens nicht real!“
Ihre Stimme war während ihrer Rede immer lauter und schriller geworden und irgendwann – sie wusste nicht mehr, an welchem Punkt genau es gewesen war – war sie vor lauter Wut und Enttäuschung aufgesprungen und hatte die Hände in die Hüften gestemmt.
„Elizabeth, rede nicht in diesem Ton mit mir!“, fuhr ihre Mutter streng dazwischen, nicht im Mindesten von Buffys angriffslustigem Blick beeindruckt. Lediglich ihre gerümpfte Nase zeigte, dass sie das Ausmaß des Zorns der Blonden durchaus wahrnahm, aber schlicht und einfach ignorierte.
„Ich habe überhaupt nichts davon gesagt, dass ich dich nicht ernst nehme oder gar für wahnsinnig halte. Wie oft habe ich dir gesagt, du sollst erst über das, was man dir erzählt, nachdenken, bevor du etwas erwiderst. Das ist doch nun wirklich nicht zuviel verlangt.
Ich bin lediglich der Meinung, dass du mit den Geschehnissen der letzten Wochen alleine nicht zurecht kommst und dir die professionelle Hilfe eines Psychiaters dabei helfen könnte, das Ganze zu verarbeiten. Davon muss niemand etwas erfahren“, berichtigte die Ältere Buffys voreilige Annahme gelassen, obwohl ihre steife Körperhaltung verriet, dass sie noch immer nicht wusste, inwieweit sie ihrer Tochter glauben konnte.
Einerseits klang die Tatsache, dass es ein Killer auf die Blonde abgesehen haben sollte, völlig absurd, aber andererseits waren die vielen, aufeinander folgenden Ermordungen von Buffys Freunden ein paar Zufälle zuviel.
Bevor die andere jedoch noch irgendwie protestieren konnte, war sie auch schon aufgestanden und zur Zimmertür gegangen, da die Diskussion für sie beendet war.
„Ich werde mich nach einem geeigneten Platz für dich umhören und du wirst es zumindest einmal versuchen. Eigentlich hatte ich nicht vor, dir das Ganze aufzuzwingen, aber du lässt mir leider keine andere Wahl, Elizabeth“, bestimmte sie noch kühl, um dann auf dem Absatz kehrt zu machen und in Richtung des luxuriösen Bades zu verschwinden, eine nachdenkliche und zugleich enttäuschte Buffy zurücklassend.
~*~*~*~
„Ich werde jetzt gehen und wenn du ernsthaft glaubst, du könntest mich aufhalten, dann versuch es doch“, forderte Spike Ethan noch heraus, bevor er seinen Weg zur Haustür fortsetzte.
Dabei bemerkte er jedoch weder das schmierige Grinsen, zu welchem sich die Lippen des Älteren verzogen, noch wie dieser seine rechte Hand hob und einen kleinen, silbrig glänzenden Schlüssel daran baumeln ließ.
Erst als seine Hand auf der Türklinke lag und er versuchte, diese zu öffnen, dämmerte es ihm langsam, dass ihn der andere die ganze Zeit an der Nase herumgeführt hatte. Zorn kochte in ihm auf und für einen Moment war er versucht, herumzufahren und seine Faust Bekanntschaft mit der verhassten Visage seines Stiefvaters machen zu lassen, aber stattdessen ballte er nur die Hände zusammen und knirschte wütend mit den Zähnen. Er weigerte sich, genauso zu reagieren, wie es Ethan von ihm erwartete, er wollte sich nicht auf dessen Niveau herablassen.
Welcher erwachsene, geistig gesunde Mann kam denn bitteschön auf die Idee, die Haustür abzuschließen, damit sein Stiefsohn nicht hinausgehen konnte? Das war völlig kindisch.
Unwillkürlich rollte Spike mit den Augen und gleichzeitig fragte er sich, warum er nicht damit gerechnet hatte, dass der Ältere ihn nicht so einfach gehen lassen würde. Aber was sollte er jetzt machen? Um den Schlüssel bitten, damit er die Tür öffnen konnte? Nein, dazu hatte er wirklich keine Lust, diesen Gefallen würde er dem anderen ganz sicher nicht tun.
Abgesehen davon würde dieser ihm den Schlüssel sowieso nicht so schnell geben, denn sonst hätte er sich diese lächerliche Idee gleich sparen können. Und mit Gewalt würde er sein Ziel ebenfalls nicht erreichen, jedenfalls nicht zu einem verschmerzbaren Preis, denn dann hätte sein Stiefvater endlich den heiß begehrten Grund, um ihn hinauszuwerfen.
Welche Möglichkeit blieb da noch übrig? Zurück auf sein Zimmer zu gehen? Einfach so aufzugeben, vielleicht sogar so zu tun, als hätte sich diese Szene niemals abgespielt? Damit hätte Ethan allerdings gewissermaßen gewonnen.
Er könnte natürlich auch versuchen, seinen eigenen Schlüssel zu holen, nur hatte er den Verdacht, dass der Ältere diese Chance auch nicht außer Acht gelassen und dementsprechend vorgesorgt hatte – die Dreistigkeit, in seinen Sachen herumzuschnüffeln, traute er ihm allemal zu.
Während seiner Überlegungen wanderte Spikes Blick einige Male zwischen Ethan und der verschlossenen Haustür hin und her und blieb dabei schließlich an dem Kücheneingang hängen. Ein amüsiertes Grinsen legte sich über seine Lippen, als ihm plötzlich eine – seiner Meinung nach brillante – Idee kam. Daran hatte dieser elende Bastard garantiert nicht gedacht.
Mit einem lässigen Schulterzucken wandte er seine Aufmerksamkeit von Ethan ab, um sich in die Küche zu begeben, wo er schließlich das Fenster zum Garten öffnete und hinausschaute. Bis zum Boden war es, wie er erwartet hatte, nicht sehr weit, da sie sich im Erdgeschoss befanden.
Sein Grinsen verbreiterte sich auf diese Feststellung hin und er konnte es nicht lassen, sich noch einmal zu seinem Stiefvater umzudrehen, um dessen verdutztes Gesicht zu betrachten. Auch hierbei wurden seine Hoffnungen nicht enttäuscht, denn der Ältere schaffte es bei diesem Anblick tatsächlich nicht, seine Maske zu bewahren, weshalb sich sein Gesichtsausdruck ziemlich schnell von überlegen zu verwirrt, ja fast schon geschockt verwandelte.
Nie hätte er auch nur im Entferntesten damit gerechnet, dass der Jüngere auf die Idee kommen würde, aus dem Fenster zu springen. Wieso hatte er bloß nicht an diese Möglichkeit gedacht? Er wusste doch, dass Spike fast immer einen Weg fand, seine Spielchen zu umgehen.
Der Platinblonde nutzte indessen seine Verblüffung, um sich mit einem gehässigen: „Du kannst es nicht“, über den Fensterstock hinweg in den Garten zu schwingen.
~*~*~*~
Ein geschlagenes Seufzen drang über Rileys Lippen, als er sich vor Darlas Grab niederkniete. Er hatte sich nach Einbruch der Dunkelheit aus dem Haus geschlichen, um unbemerkt von seinen Eltern hierher zu kommen. Zwar hätten diese sicherlich nichts dagegen gehabt, doch sie machten sich nach den beiden Auseinandersetzungen mit Xander auch so schon genügend Sorgen, da er sich ihrer Meinung nach nicht mehr benahm wie vor der Ermordung seiner Freundin.
Was erwarteten sie eigentlich von ihm? Dass er so tat, als wäre nichts gewesen? Einfach so fortfuhr, ohne einen Blick zurück?
Das konnte er nicht, so etwas konnte niemand von ihm verlangen. Er hatte Darla geliebt, egal wie oft sie sich gestritten hatten und wie sehr es ihn jedes Mal aufs Neue verletzt hatte, wenn sie Drogen genommen hatte, obwohl sie ihm versprochen hatte, damit aufzuhören. Tat es auch jetzt noch.
Nie hätte er gedacht, sie so zu vermissen, wenn sie nicht mehr bei ihm wäre, ja, er hatte sich sogar von ihr getrennt gehabt. Aber jetzt, da er wusste, dass sie niemals wiederkommen würde, dass er sie niemals wieder sehen würde, wünschte er sie sich zurück in seine Arme. Er könnte sich sogar mit ihren leeren Versprechungen, was die Drogen betraf, abfinden, wenn sie dafür noch am Leben wäre.
So hatte er sich das Ende ihrer Beziehung nicht vorgestellt, nicht einmal in den schlimmsten Albträumen. Wenn überhaupt, hätte er eher erwartet, sie irgendwann einmal in ihrem Zimmer am Boden liegend vorzufinden, als Opfer einer Überdosis. Doch selbst diesen schrecklichen Gedanken hatte er immer wieder verdrängt, in dem Versuch, ihn nicht ernst zu nehmen. Die Augen vor dem Offensichtlichen zu verschließen.
Ironischerweise hatte diese Verdrängung seinerseits jedoch nichts mit ihrem Tod zu tun gehabt. Selbst wenn sie auf ihn gehört und mit diesem Teufelszeug aufgehört hätte, hätte es ihr nicht viel genutzt.
Die Illusion, sie hätte sich dann vielleicht besser wehren und sogar entkommen können, hatte er längst beiseite geschoben. Sie hatte sich noch nie in ihrem Leben gegen etwas verteidigen müssen und mit diesen unmöglichen Schuhen, die sie immer zu tragen pflegte, hätte sie genauso wenig rennen können – es war ihm ja schon ein unergründliches Rätsel, wie sie damit überhaupt hatte laufen können, ohne sich die Knöchel zu brechen.
Noch nicht einmal Kendra war es gelungen, zu entkommen und sie war weitaus durchtrainierter als Darla gewesen.
Ein bitteres Lachen über sein eigenes Verhalten drang aus seiner Kehle, gefolgt von einem traurigen Blick gen Himmel.
So kannte er sich selbst gar nicht. Normalerweise war er kein Mensch, der lange um etwas trauerte. Was vorbei war, war vorbei, man konnte ohnehin nichts mehr daran ändern. Wozu also ewig über das nachsinnen, was hätte sein können? Er pflegte es sonst, ein Thema abzuhaken und sich dann voll und ganz auf das Nächste zu konzentrieren.
Doch nicht dieses Mal. Dieses Mal konnte er einfach nicht mit dem, was geschehen war, abschließen. Er kam nicht so mir nichts dir nichts über Darlas Tod hinweg. Stattdessen saß er hier, vor ihrem Grab, ohne auch nur die geringste Ahnung zu haben, was er jetzt tun sollte.
Anfangs hatte er versucht, seinen Schmerz in Alkohol zu ertränken, aber geholfen hatte ihm das auch nicht. Zwar hatte es ihn für eine kurze Weile vergessen lassen, dafür waren seine Probleme am nächsten Morgen jedoch wieder mit doppelter Härte auf ihn eingeschlagen, begleitet von mörderischen Kopfschmerzen, die durch die ärgerliche Belehrung seiner Mutter nicht gerade besser geworden waren.
Erst nachdem er von Xander zusammengeschlagen worden war, war ihm klar geworden, in welche Lage er sich selbst gebracht hatte. Durch seinen Streit mit Cordelia im Bronze hatte er einen seiner Freunde tatsächlich dazu gebracht, zu glauben, er wäre dieser Killer. Wie aggressiv musste er sich in den Augen der anderen benommen haben, damit der Dunkelhaarige tatsächlich glauben konnte, er hätte seine Freundin getötet?
Er musste wegen irgendeiner Kleinigkeit völlig ausgerastet sein, damit ihm der andere so etwas Grausames zutraute. Nur konnte er sich nicht mehr an jenen Abend erinnern, lediglich der Tatsache, Cordelia nichts angetan zu haben, war er sich sicher, da er dazu viel zu betrunken gewesen wäre.
Erschöpft schloss er die Augen und sog die kühle Nachtluft in sich hinein, in der Hoffnung, es würde ihm dabei helfen, seine Gedanken zu ordnen. Wollte einfach nur für einen kleinen Moment alles um sich herum vergessen.
Doch ganz gelang es ihm nicht. Egal wie sehr er auch versuchte, sich auf nichts zu konzentrieren, seine Sinne wollten sich einfach nicht abschalten lassen. Das Rascheln der Blätter klang in seinen Ohren unnatürlich laut und obwohl er die Augen eigentlich geschlossen hatte, war es ihm, als könnte er die schemenhaften Umrisse der Bäume und Grabsteine ausmachen – eigentlich ein völlig irrsinniger Gedanke, zumal es dafür sogar schon fast zu dunkel war, wenn er die Lider geöffnet hatte.
So entging ihm auch nicht der leise Klang von Schritten, die sich ihm vorsichtig, aber dennoch ziemlich schnell näherten, obwohl sie durch das dichte Gras gedämpft wurden. Im ersten Moment dachte er sich nichts weiter dabei, schließlich war er natürlich nicht der einzige, der das Recht hatte, auf den Friedhof zu gehen, auch wenn die Zeit ziemlich ungewöhnlich für den normalen Besuch eines Grabes sein mochte.
Erst als die Person, welche die Geräusche verursacht hatte, ziemlich dicht hinter ihm zum Halten kam, öffnete er seine Augen wieder und er stutzte irritiert. Warum sollte es jemanden interessieren, dass er hier saß? Weshalb sollte jemand auf halbem Wege innehalten, um ihn zu beobachten?
Denn genau das war es, was dieser Unbekannte tat. Er konnte den Blick auf seinem Rücken förmlich brennen spüren, wie eine unbewusste Warnung, die er allerdings zu jenem Zeitpunkt nicht zu deuten wusste. Gänsehaut bildete sich auf seinem Nacken und er fröstelte unwillkürlich, obwohl es eigentlich nicht so kalt war, angenehm frisch ja, aber nicht kalt.
Mit einem Stirnrunzeln erhob er sich langsam und fuhr anschließend unerwartet schnell herum, in der Annahme, direkt in das Gesicht jener Person zu sehen, die hinter ihm angehalten haben musste. Doch da war niemand. Kein Schatten, kein Umriss in der Dunkelheit, rein gar nichts. Noch nicht einmal mehr das kleinste Rascheln ließ sich noch vernehmen.
Es war fast, als habe sich eine unheilvolle Stille über den Friedhof gelegt, nicht der leiseste Ton war mehr zu hören. Sogar der Wind schien innegehalten zu haben, gespannt auf das Schauspiel, welches sich ihm sogleich bieten würde. Die Luft war förmlich zum Zerreißen gespannt, drückte schwer auf seinen Brustkorb und schien ihm das Atmen unmöglich zu machen.
Für einen Moment fühlte er sich, als würde er sogleich ersticken und seine Hand fuhr unwillkürlich zu seinem Hals, hilflos nach Erlösung suchend. Er schnappte gierig nach Luft und zugleich fragte er sich, was zu dieser Reaktion geführt hatte. Da war überhaupt nichts. Keine Finger, die ihm die Kehle zudrückten, keine Last auf seinem Oberkörper, die seine Lungen zusammenpresste, ja er litt noch nicht einmal unter einer Panikattacke – durch was auch?
Doch genauso schnell wie dieses eigenartige Gefühl gekommen war, verschwand es auch wieder, nur einen leisen Hauch von böser Vorahnung in seinem Bauch zurücklassend und er schüttelte über sich selbst den Kopf.
Wahrscheinlich hatte er sich das alles nur eingebildet, ein Trugbild seiner Sinne, verursacht durch die Trauer um Darla. Hatte sich so sehr gewünscht, sie wäre noch bei ihm, dass es ihm tatsächlich so vorgekommen war, als würde sie hinter ihm stehen.
Geschlagen gegeben presste er die Lippen aufeinander und machte sich, mit einem letzten Blick in die Richtung des Grabes seiner Geliebten, auf den Weg zum Friedhofstor.

Doch genauso schnell wie dieses eigenartige Gefühl gekommen war, verschwand es auch wieder, nur einen leisen Hauch von böser Vorahnung in seinem Bauch zurücklassend und Riley schüttelte über sich selbst den Kopf.
Wahrscheinlich hatte er sich das alles nur eingebildet, ein Trugbild seiner Sinne, verursacht durch die Trauer um Darla. Hatte sich so sehr gewünscht, sie wäre noch bei ihm, dass es ihm tatsächlich so vorgekommen war, als würde sie hinter ihm stehen.
Geschlagen gegeben presste er die Lippen aufeinander und machte sich, mit einem letzten Blick in die Richtung des Grabes seiner Geliebten, auf den Weg zum Friedhofstor.
Er war allerdings noch nicht einmal an seinem Ziel angekommen, als er erneut glaubte, Schritte hinter sich zu vernehmen, ganz leise und vorsichtig, fast schon lautlos. Aber eben nur fast. Wer war das? Und wieso verfolgte ihn dieser jemand? Was wollte er von ihm?
Oder hatte er sich vielleicht nur verhört? Bildete er sich das Ganze wirklich nur ein? Immer noch? Litt er jetzt schon unter Paranoia? Bei all dem, was in den letzten Wochen geschehen war, wäre das kein Wunder und es wäre die wahrscheinlich logischste Erklärung für seine Einbildung – niemand konnte sich von einen Moment auf den anderen einfach in Luft auflösen, wenn da jemand hinter ihm gestanden hätte, hätte er ihn sehen müssen.
Tatsächlich? War dem wirklich so? Oder ist es nur das, was du hören willst?, höhnte eine Stimme in seinem Kopf und er verzog das Gesicht, in dem Versuch, sie einfach zu ignorieren – erfolglos.
Er fragte sich unwillkürlich selbst, ob sich niemand hinter einem der Bäume oder zwischen den Sträuchern hätte verstecken können, schnell genug, damit er nichts mehr davon mitbekam. Immerhin hatte er sich ziemlich viel Zeit dabei gelassen, aufzustehen, in der Hoffnung, die andere Person würde nicht bemerken, dass er ihre Anwesenheit spürte. Was aber, wenn er sie nicht hatte täuschen können? Wenn sie seinen Versuch, sie zu überlisten, von Anfang an durchschaut hatte?
Seine Gedanken wurden plötzlich von einem lauten Knirschen unterbrochen, ein Geräusch ähnlich dem, welches erklang, wenn man auf dem Schotter des Weges ausrutschte und anschließend sein Gleichgewicht erstmal wieder finden musste. Fast glaubte er sogar, ein leises Fluchen vernommen zu haben, doch dem war er sich nicht so sicher. Eines wusste er jetzt allerdings mit Sicherheit: er wurde tatsächlich verfolgt. Nur die Frage nach dem Warum blieb noch zu klären. Aber das sollte kein allzu großes Problem darstellen, er würde sich nicht von irgendeinem Fremden, der offensichtlich Langeweile hatte, zum Narren halten lassen. Wenn dieser jemand ihm etwas hätte antun wollen, hätte er schon lange die Chance dazu gehabt.
Durch diesen Gedanken ein wenig beruhigt drehte sich Riley so schnell er konnte herum, in der Erwartung, die fremde Gestalt würde vor ihm zurückschrecken. Womit er nicht gerechnet hatte, war, in dieses kalte, ausdruckslose Gesicht zu sehen, welches sich höchstens einen halben Meter vor seinem eigenen befand. Abwartend und ruhig, als habe die Person vorausgesehen, dass er sich umdrehte – was natürlich, rational betrachtet, absolut unmöglich war. Nichtsdestotrotz jagte es ihm einen kalten Schauer über den Rücken, fast so als würde er an einem heißen Sommertag plötzlich in Eiswasser springen.
„Was willst du von mir?“, stellte er die fremde Gestalt ungerührt zur Rede, darum bemüht, sich seine Unsicherheit nicht anmerken zu lassen.
Irgendetwas erschien ihm komisch, ja sogar schon unheimlich an ihr. Wenn er doch bloß feststellen könnte, was genau es war. Die dunkle Kleidung vielleicht? Nein, das allein wäre kein Grund, sich vor jemanden zu fürchten, zumal nach Einbruch der Nacht fast alle Farben ziemlich dunkel erschienen.
Es war irgendetwas an diesem Gesichtsausdruck, halb im Schatten der Kapuze verborgen, sichtbar und unsichtbar zugleich. Dieses Gefühl, zu wissen, wer sich darunter versteckte und dann auch wieder nicht. Kannte er diese Person? War sie ihm vielleicht nur deswegen überhaupt erst gefolgt?
Er konnte es ehrlich nicht sagen, so sehr er sich auch anstrengte, sich zu entsinnen, wem diese schemenhaften Umrisse ähnelten, er konnte es nicht. Und doch wusste er, dass er die Gestalt vor sich nicht zum ersten Mal sah. Aber wer verbarg sich unter der so tief in das Gesicht hineingezogenen Kapuze?
Die Gestalt begann auf Rileys Frage hin amüsiert zu grinsen und hob gelassen ihre rechte Hand zum Saum der Kapuze, um diese ein kleines Stück zurückzuschieben – genug, damit der andere die gelben, unheimlich wirkenden Kontaktlinsen in ihren Augen erahnen konnte, aber nicht genug von ihrem Gesicht, um sie wirklich zu erkennen. Vielleicht mochte er eine blasse Ahnung ihrer Identität haben, sie wusste es nicht genau, doch einen Beweis würde sie ihm nicht liefern, auch wenn es ohnehin keinen Unterschied mehr machen würde. Er war bereits so gut wie tot.
„Ich will dich umbringen“, antwortete sie mit verstellter Stimme, ihm die harte, unerwartete Ehrlichkeit ins Gesicht schleudernd. Manchmal wirkte die ungeschmückte Wahrheit tausendmal lähmender als jede noch so farbenprächtige Lüge. Ironisch, nicht?
Menschen, die ihr ganzes Leben in einer Welt aus Lügen und Spott, Neid und Hass verbringen, sich hinter Masken ihrer selbst verbergen, werden plötzlich, nur dieses eine Mal, mit der Realität konfrontiert und es wirft sie völlig aus der Bahn. Lässt sie scheitern, weil sie sich nie die Mühe gemacht haben, nach so etwas wie der Wahrheit zu suchen, nie ihre Motive hinterfragt haben.
Und dennoch schien Riley anders zu sein, zwar blind genug, um sich vom Schein trügen zu lassen, doch klug genug, um skeptisch zu bleiben. Fast so als habe Darlas Tod tatsächlich einen Funken Verstand in seinen Kopf hineingepresst. Nur schade, dass dieser nicht ausreichte, denn der andere schien noch immer nicht auf die Idee zu kommen, wegzulaufen oder sie zumindest anzugreifen.
Riley stand exakt am selben Platz wie vor seiner Frage, vor Schock erstarrt. Nach außen hatte er Ähnlichkeit mit einer Statue, er war völlig regungslos, lediglich das leichte, kaum zu entdeckende Heben und Senken seines Brustkorbes bewies, dass er noch am Leben war.
Hätte man jedoch in seinen Kopf hineinblicken können, hätte dort eine heftige Betriebsamkeit geherrscht. Etliche Gedanken stürzten aufeinander ein, überschlugen sich förmlich und er wusste nicht mehr, was er zuerst tun sollte. Weglaufen? Kämpfen? Lachen?
Diese Situation schien so surreal, dass ein Teil von ihm erwartete, jeden Moment in seinem Bett aufzuwachen und festzustellen, nur geträumt zu haben. Welcher Mörder sagte seinem Opfer vorher, dass er ihn töten wollte? Das war doch völliger Irrsinn!
Sein Blick wanderte zum Gesicht der fremden Gestalt, auf der Suche nach irgendeinem Hinweis, dass sie log, dass es nur irgendein verdammt dummer Scherz seiner Freunde war. Irgendein blöder Einfall von Xander vielleicht, der war sauer genug auf ihn, um auf so eine geschmacklose Idee zu kommen.
Doch das Einzige, was er sehen konnte, war komplette Ausdruckslosigkeit, er hätte ebenso gut in das Gesicht einer Schaufensterpuppe sehen können und es hätte keinen großen Unterschied gemacht.
Außer der Tatsache, dass diese bei weitem nicht so gefährlich erscheinen würde wie die Person, die vor ihm stand. Trotz des Mangels an Emotionen im Gesichtsausdruck der anderen schien sie puren Hass auszusprühen, er schien sie wie eine Wolke zu umhüllen – unscheinbar und verborgen, bis man genauer hinsah und an das Gewitter, das solchen Wolken folgen würde, dachte. Wie ein Gift, das sich langsam auf ihn zu bewegte, ohne dass er es sehen oder riechen konnte, bevor es schon zu spät war, in jede Pore seines Körpers eindrang und ihn schließlich vernichtete – oder, in diesem Fall, lähmte.
Sein Verstand befahl ihm sich umzudrehen und zu rennen, so schnell er konnte von hier zu flüchten, ohne einen Blick zurückzuwerfen. Er war immerhin ein guter Läufer, sicherlich könnte er einige Zeit durchhalten, auch wenn sein Gegner ebenfalls durchtrainiert wäre.
Doch dieses Wissen nützte ihm nichts, denn so sehr er sich auch anstrengte, es gelang ihm ganz einfach nicht, seine Beine vom Fleck zu bewegen. Seine Glieder fühlten sich auf einmal fürchterlich schwer an, mehr wie angehängte Gewichte als wie Teile seines eigenen Körpers.
Er konnte das Blut in seinen Ohren rauschen hören, immer schneller und schneller, unterbrochen durch das unheimlich laute Pochen seines Herzens. Seine Kehle fühlte sich plötzlich komplett ausgetrocknet an und das Atmen fiel ihm mit einem Mal schwerer, fast so wie zuvor bei Darlas Grab.
Ein Gefühl von Übelkeit überkam ihn, ließ sich in seinen Magen nieder, schwer wie Blei. Seine Gedanken überschlugen sich und egal wie sehr er sich anstrengte, er schien zu keiner rationalen Entscheidung kommen zu können – nicht dass das von Bedeutung gewesen wäre, sein Körper schien ohnehin auf Autopilot geschaltet zu haben, denn er fühlte sich, als habe er keinerlei Kontrolle mehr über seine Bewegungen.
„Du willst was?“, fragte er ein weiteres Mal entgeistert, in dem Glauben, sich verhört zu haben.
Das Ganze wirkte eher wie ein Ausschnitt aus irgendeinem Film anstatt wie das reale Leben und das, obwohl er wusste, dass Darlas Tod kein Unfall sondern Mord gewesen war.
Die Gestalt lachte daraufhin amüsiert auf und der Anflug eines zynischen Lächelns zeichnete sich auf ihren Lippen ab – zumindest soweit Riley das erkennen konnte.
„Ich will Rache. Ich will dich und diesen ganzen Haufen arroganter Arschlöcher tot sehen, damit ihr einmal in eurem verdammten Leben die Konsequenzen eurer Handlungen tragt“, wiederholte die fremde Person ihr Vorhaben gehässig, um dann genüsslich zu beobachten, wie sich die Augen des Dunkelblonden geschockt weiteten.
Es war, als realisiere er erst jetzt bewusst, was sie ihm schon zuvor gesagt hatte und die Gefahr, die ihm drohte. Er schluckte schwer, bevor er den Mund ein paar Mal auf- und zuklappte, ohne jedoch auch nur einen Ton hervorzubringen.
Furcht machte sich in ihm breit, ergriff von ihm Besitz und lähmte jeden vernünftigen Gedanken, der auch nur zum Ansatz einer Verteidigung nötig gewesen wäre.
Irgendwo in sich drin wusste er, dass es seinen sicheren Tod bedeuten würde, wenn er sich nicht endlich in Bewegung setzte und etwas unternahm, doch er konnte sich einfach nicht dazu durchringen, dieses Wissen in die Tat umzusetzen. Wusste nicht, wie er es hätte tun sollen, weil sein Kopf mit einem Mal wie leer gefegt zu sein schien.
Lediglich Darlas Gesicht tauchte vor ihm auf, war das Einzige, an was er denken konnte, so absurd das auch klingen mochte.
Ob sie sich in ihren letzten Momenten genauso gefühlt hatte? So machtlos? Ausgeliefert, ohne auch nur das Geringste dagegen unternehmen zu können? Hatte sie von Anfang an gewusst, dass sie die Begegnung mit der fremden Gestalt nicht überleben würde? Oder hatte sie sie für irgendeinen Spaziergänger gehalten, genauso wie er selbst es zuerst – dummerweise – getan hatte?
Riley realisierte nur am Rande, dass die dunkelgekleidete Person den Abstand zwischen ihnen überbrückt hatte und nun genau vor ihm stand. Von Angesicht zu Angesicht. Auge um Auge, Zahn um Zahn. Ein Spiel um Leben und Tod, beeinflusst durch Zufall und Talent seiner Figuren.
Buffy mochte bei dem Angriff auf sie Glück gehabt haben, alle anderen nicht. Der Mörder war am Gewinnen und nur ein einziger falscher Schritt konnte das sichere Verderben bedeuten.
Gänsehaut überzog seine Arme und für einen Moment hatte er das Gefühl, von innen heraus zu erfrieren. Eine ihm bislang unbekannte Kälte durchzog seine Adern, ohne dass er sich erklären konnte warum und beinahe erwartete er, seinen eigenen Atem sehen zu können – nicht dass das wirklich hätte passieren können, so kalt war es noch nicht einmal annähernd.
Sein Blick wanderte über das Gesicht der Gestalt, welches er nun besser erkennen konnte und blieb irritiert an deren Augen hängen. Sie waren gelb! Welcher Mensch hatte eine gelbe Iris? War er komplett verrückt? Spielte ihm sein eigener Verstand jetzt schon Streiche?
Verwirrt schloss er kurz die Lider, aber auch, als er sie wieder öffnete, hatte sich an dem Bild, welches sich ihm bot, nichts verändert. Die Farbe der Augen der fremden Person war die gleiche geblieben und diese Tatsache jagte ihm einen Schauer über den Rücken, machte sie die Situation doch noch viel unwirklicher als sie es ohnehin schon war.
In seiner Aufregung kam er nicht auf die Idee, dass man heutzutage ohne Probleme gefärbte Kontaktlinsen in fast jedem beliebigen Ton besorgen konnte, wenn auch einige Farben etwas schwieriger zu bekommen waren als andere. Stattdessen jagte ihm die Erinnerung an ein Buch über Vampire, welches er vor einiger Zeit gelesen hatte, durch den Kopf und er fragte sich unwillkürlich, ob dessen Inhalt vielleicht doch nicht nur der Fantasie seines Autors entsprungen war. Nur hatte der Fremde vor ihm keine spitzen Zähne und abgesehen davon waren die bisherigen Opfer auch schlicht und einfach mit einem Messer getötet worden. Man hatte keinem das Blut ausgesaugt, wie es in den meisten Vampirfilmen geschah.
Wenn er seine eigenen Ideengänge betrachtete, dann fragte er sich sogar ernsthaft, ob er nicht wirklich verrückt geworden war. Jetzt debattierte er doch tatsächlich schon mit sich selbst über die Existenz von Vampiren! Er sollte wirklich dringend einen Psychologen aufsuchen.
Vielleicht war ja die Gestalt vor ihm auch nur eine Erscheinung seiner Fantasie? Nur ein Trugbild seiner Sinne? Vielleicht war er ja noch nicht einmal auf dem Friedhof, sondern wo ganz anders und all diese grausamen Ereignisse der letzten Wochen hatten sich nur in seinem Kopf abgespielt?
Das wäre auf jeden Fall besser als die Alternative, denn Halluzinationen ließen sich zumeist behandeln, unter Umständen sogar gänzlich heilen, aber einen Toten ins Leben zurückholen, das konnte niemand.
Seine Gedanken wurden jedoch plötzlich von einem lauten Lachen unterbrochen, welches ihn in die Realität zurückholte und ihm gleichzeitig auch unmissverständlich deutlich machte, dass das Ganze leider kein Traum war. Die Gestalt schnippte mit den Fingern ihrer rechten Hand vor seinem Gesicht, als wollte sie seine Aufmerksamkeit wieder ganz auf sich ziehen und beugte sich dann soweit vor, dass ihre Nasenspitzen sich beinahe berührten.
„Eigentlich hätte ich dich schon hier und jetzt erledigen können und du hättest es noch nicht einmal bemerkt. Aber das ist nicht der Sinn meines Vorhabens. Du sollst noch eine Chance bekommen – nur damit du weißt, wie es ist, zu glauben noch eine Alternative zu haben und gleichzeitig tief in dir drin zu wissen, dass es doch keinen Ausweg für dich geben wird“, erklärte sie im Flüsterton, ihre Stimme gerade soweit verstellt, dass Riley sie zwar nicht mehr eindeutig zuordnen konnte, aber ihm dennoch bewusst wurde, dass er sie nur zu gut kannte.
„Lauf!“
Diese Aufforderung schien nun doch endlich Leben in den Dunkelblonden zu bringen und in diesem Augenblick war es ihm völlig egal, ob er ein fast erwachsener Mann war oder nicht. Stolz hin oder her, diese Chance zu entkommen verstreichen zu lassen, wäre kein Zeichen von Mut sondern von kompletter Dummheit, selbst wenn er einmal zur Armee gehen wollte.
Mit diesem Gedanken im Hinterkopf machte Riley auf dem Absatz kehrt und begann, so schnell er konnte, in Richtung des Friedhofausgangs zu rennen.

„Lauf!“
Diese Aufforderung schien nun doch
endlich Leben in den Dunkelblonden zu bringen und in diesem Augenblick war es
ihm völlig egal, ob er ein fast erwachsener Mann war oder nicht. Stolz hin oder
her, diese Chance zu entkommen verstreichen zu lassen, wäre kein Zeichen von
Mut sondern von kompletter Dummheit, selbst wenn er einmal zur Armee gehen
wollte.
Mit diesem Gedanken im Hinterkopf machte
Riley auf dem Absatz kehrt und begann, so schnell er konnte, in Richtung des
Friedhofausgangs zu rennen.
Auf
den Zügen der fremden Person breitete sich daraufhin ein amüsiertes Grinsen aus
und sie folgte ihrem Opfer in einem wesentlich ruhigeren Tempo, wusste sie doch
etwas, was dieser nicht einmal ansatzweise ahnte. Er würde ihr nicht entkommen,
zwar war es nicht unmöglich, ihren ursprünglichen Plan durcheinander zu
bringen, aber dazu bräuchte er mehr Zeit, als sie ihm lassen würde.
Für
einen Moment drang ein kaltes Lachen aus ihrer Kehle, es verstummte allerdings
wieder, sobald der gekünstelt wirkende Ton ihre Ohren erreichte und sie fragte
sich unwillkürlich, seit wann sie so gefühllos war. War sie es schon lange
gewesen, ohne es richtig zu bemerken? Wieso fiel ihr das erst jetzt auf?
Sie
hatte schon vor langer Zeit begonnen, Jagd auf Buffy und ihre Clique zu machen,
hatte schon viele getötet. Und dennoch hatte sie nie bemerkt, wie innerlich
taub ein Mensch sein musste, um mit solch einem Wissen leben zu können, ohne es
wirklich zu bereuen.
Ärgerlich
schüttelte die Gestalt den Kopf, um die unerbetenen Gedankengänge zu
verdrängen. Dafür hatte sie nun wirklich keine Zeit, zuerst musste sie eine
Aufgabe erledigen, danach konnte sie immer noch über die Moral oder eben
vielleicht den Mangel dieser in ihren Taten nachdenken.
Sie
beschleunigte ihre Schritte ein wenig, da sie während ihrer Überlegungen
langsamer als geplant gegangen war und weil Riley ein guter Läufer war, wollte
sie es nicht wirklich auf eine Verfolgungsjagd ankommen lassen.
Als
sie den Dunkelblonden schließlich einholte, war dieser gerade dabei, zu
versuchen, über das abgesperrte Friedhofstor zu klettern. Die Furcht stand ihm
ins Gesicht geschrieben und der Schweiß auf seinen Händen ließ ihn immer wieder
an der glatten Oberfläche des hohen Tores abrutschen, während er verzweifelt
versuchte, sich daran hochzuziehen, um auf die andere, vermeintlich sichere
Seite zu kommen.
Das
ursprüngliche Grinsen fand bei diesem Anblick seinen Weg zurück auf das Gesicht
der Gestalt und trotz des leisen Knirschens der Steine unter ihren Füßen,
gelang es ihr, völlig unbemerkt bis an ihr Opfer heranzutreten.
Riley
war viel zu sehr damit beschäftigt, einen Weg aus dem Friedhof zu finden, um
auf die andere Person zu achten – dummerweise natürlich über das Tor und nicht
von einem der zahlreichen Bäume aus über die Mauer hinweg, aber in seiner Panik
konnte man ihm das wohl nicht verübeln.
Genau
genommen hatte die Gestalt sogar mit exakt diesem Verhalten gerechnet, weswegen
sie sich überhaupt erst die Mühe gemacht hatte, das Tor mit einer schweren
Eisenkette zu verschließen, anstatt ihn zu überraschen und dem Ganzen sofort
ein Ende zu setzen.
„Erbärmlich!“,
kommentierte sie dann den kläglichen Versuch Rileys gelassen, woraufhin sich
dieser so erschrak, dass er erneut abrutschte und nach hinten auf den Weg fiel.
Der Sturz presste ihm für einen Augenblick die Luft aus den Lungen, obwohl er
eigentlich gar nicht tief gefallen war. Vielleicht lag die Tatsache, dass er
plötzlich das Gefühl hatte, nicht mehr atmen zu können, auch an seiner wieder
aufsteigenden Panik beim Anblick seines Verfolgers.
Er
kam jedoch überhaupt nicht dazu, sich wieder aufzurappeln, da die Gestalt im
nächsten Moment auch schon über ihn gebeugt war und mit einem gezielten Stich
ihren Dolch in seine Brust bohrte.
Schmerz
breitete sich in ihm aus, überwältigte seine Sinne, so wie er es noch nie
erlebt hatte. Ein entsetztes Keuchen drang aus seiner Kehle und der Stoff
seiner Jacke begann sich an der Stelle des Einstichs bereits rot zu färben, als
er begriff, was eben geschehen war: man hatte ihn erstochen.
Sein
Blick glitt noch ein letztes Mal in Richtung der Gestalt, die über ihm hockte
und diesmal erkannte er ihr Gesicht. Doch nun war es bereits zu spät, nun nützte
ihm dieses Wissen auch nichts mehr.
„W-Warum?“,
krächzte er leise, wobei sein Blick schon langsam glasig wurde.
„Weil
ihr dasselbe fühlen sollt, was ich gefühlt habe“, erwiderte die andere Person
bitter und für den Bruchteil von Sekunden huschte so etwas wie Trauer über ihre
Züge.
Und
genau dieser so ungewohnte Ausdruck von Sehnsucht in jenem so bekannten Gesicht
war das Letzte, was Riley sah, bevor sein Blick endgültig verschwamm und seine
Welt in gnädige Dunkelheit getaucht wurde.
Für
eine Weile verharrte die Gestalt noch vor ihrem Opfer, bevor sie entschlossen
den Kopf schüttelte und sich erhob, um die Eisenkette wieder vom Friedhofstor
zu entfernen, so als wäre sie nie da gewesen, als wäre das, was in dieser Nacht
hier geschehen war, nur der ferne Hauch einer unwirklichen Welt, von einem
Schleier glücklicher Unwissenheit umgeben.
Denn
glücklich war der, der nicht glaubte, dass solche grausamen Dinge auch in
seinem Leben geschehen konnten.
~*~*~*~
Während
der folgenden beiden Wochen gab es keine besonderen Vorkommnisse in Sunnydale.
Das Leben in der kalifornischen Kleinstadt begann nach den Schreckensmeldungen
der letzten Wochen langsam wieder seinen gewohnten Gang zu nehmen, wenn auch in
einigen Haushalten mit kleinen Veränderungen. Nach wie vor war die Polizei dem
Täter nicht auf die Spur gekommen, obwohl man die Morde inzwischen ganz sicher
nicht mehr als Hirngespinste einiger gelangweilter Teenager abtun konnte und
demzufolge etwas mehr Aufwand in die Ermittlungen steckte als zuvor – dennoch blieb
der Täter wie vom Erdboden verschluckt.
An
der Sunnydale High hatte inzwischen die jährliche Abschlussfeier stattgefunden,
auf der – zum Erstaunen aller - ausgerechnet Buffy gefehlt hatte, die angeblich
zu einem vorgezogenen Urlaub nach Frankreich aufgebrochen war. Es kursierten
allerdings auch einige Gerüchte, dass sie nach den ganzen Ermordungen ihrer
Freunde in einer psychiatrischen Klinik in Behandlung wäre, was sowohl Spike
als auch Willow mit Schadenfreude erfüllte, obwohl die Rothaarige das nicht so
laut kundtat wie der Blonde.
Die
beiden waren zwar zusammen zum Abschlussball gegangen, jedoch zu beidseitiger
leichter Enttäuschung nicht als Paar sondern nur als Freunde, da er es sich am
Ende doch nicht getraut hatte, sie zu fragen, aus Angst, sie würde ablehnen.
Dafür hatten die beiden aber vereinbart, noch einen gemeinsamen Filmabend bei
Willow zu machen, bevor sich ihre Wege endgültig trennen würden.
Xander
hingegen war zwar erschienen, aber bereits nach kurzer Zeit wieder gegangen und,
ohne vorher noch einmal Zuhause vorbeizufahren und sich umzuziehen, zu Cordelia
ins Krankenhaus gefahren. Auch die Tage zuvor hatte er schon kaum ihre Seite
verlassen und mit ihr geredet, immer in der Hoffnung, sie würde wieder
aufwachen. Doch die einzige Antwort, die er erhielt, war das leise Piepen des
Herzmonitors, das ihm Angst und Hoffnung zugleich bereitete.
~*~*~*~
Spikes
Blick glitt immer wieder zu Willow hinüber, die wie gebannt auf den Fernseher,
an welchem der DVD-Player angeschlossen war, starrte, völlig in der Handlung
des Films gefangen. Ein kleines Lächeln schlich sich auf sein Gesicht, als er
sie so beobachtete und er fragte sich nicht zum ersten Mal, was sie wohl an
solchen romantischen Liebesfilmen fand.
Er
war zuerst völlig dagegen gewesen, dieses Zeug anzusehen, hatte dann aber nach
einer mehr oder weniger langen Diskussion schließlich nachgegeben – wenn auch
größtenteils, weil er dadurch mehr Zeit hatte, sie unbemerkt zu betrachten,
ohne selber durch den Film abgelenkt zu werden. Seiner Meinung nach war das
alles kompletter Quatsch und entsprach nicht im Entferntesten dem realen Leben,
in welchem es meistens kein Happy End für einen selbst gab. Aber vielleicht
machte gerade das den Reiz daran aus, der Traum einer Welt, die so nicht sein
konnte, die Illusion, wenigstens eine Chance zu haben, dass sich doch noch
alles zum Guten wendet.
Mit
einem Kopfschütteln verdrängte er diesen absurden Gedanken – er wusste es
besser, als sich davon hinreißen zu lassen – und wandte seine gesamte Aufmerksamkeit
erneut Willows Anblick zu.
Seiner
Meinung nach sah sie einfach wunderschön aus, auch wenn er bei seiner
Beurteilung höchstwahrscheinlich alles andere als objektiv war.
Sie
hatte an diesem Abend ein smaragdgrünes Shirt ausgewählt, welches ihre schlanke
Taille betonte und ihre grünen Augen noch mehr als sonst zum Strahlen brachte.
Ihre Haare hatte sie mit einer Spange hochgesteckt, wobei ihr eine Strähne
neckisch ins Gesicht fiel und sie hatte sogar ein kleinwenig Make-up aufgelegt.
Nicht
so viel, dass es auffallen würde, wenn man nicht genauer hinsah, aber genug, um
ihr hübsches Gesicht noch einmal besonders zu betonen. Auf den Lippen trug sie
glänzenden, farblosen Lipgloss und neben Wimperntusche hatte sie noch etwas
Lidschatten aufgetragen, der aber so fein verteilt war, dass er fast mit ihrer
Haut verschwimmen zu schien. Eine feingliedrige, silberne Kette mit einem
chinesischen Symbol, welches er nicht zuordnen konnte, schmiegte sich um ihren
Hals und sie trug ein ebenso feines Armband.
Es
war ihm wirklich schleierhaft, warum sie sich nicht in der Schule so anzog,
immerhin hatte sie nicht nur eine tolle Figur, sondern sie war auch wirklich
hübsch. Sie hatte es überhaupt nicht nötig, sich hinter irgendwelchen
übergroßen Pullovern mit verrückten Motiven zu verstecken und dafür den Spott
von Buffy und ihren dämlichen Freunden zu ertragen.
Nur
leider schien ihr dafür das nötige Selbstvertrauen zu fehlen, sogar jetzt noch
konnte er die leichte Rotfärbung ihrer Wangen erkennen, auch wenn sie schon
wesentlich weniger farbig waren als bei seiner Ankunft und dem Kompliment, das
er ihr gemacht hatte. Und vor ihm hatte sie keine Angst, dessen war er sich
absolut sicher.
In
diesem Moment bereute er es, nicht den Mut aufgebracht zu haben, sie darum zu bitten,
mit ihm gemeinsam als Paar zum Abschlussball zu gehen. Er hatte vorher sogar
vorm Spiegel geübt, was er im Nachhinein natürlich nur über seine Leiche hinweg
zugeben würde, und war dann mit ihr ins Kino gegangen, um sie nach dem Film zu
fragen. Aber im letzten Moment hatte er sich dann doch nicht getraut und
stattdessen war sie diejenige gewesen, die ihn – entgegen ihrer sonst so
scheuen Art – darum gebeten hatte, gemeinsam als Freunde hinzugehen, weil sie
nicht alleine dort auftauchen wollte.
Es
wäre seine letzte Chance gewesen, mehr aus ihrer Freundschaft zu machen und nun
hatte er sie ungenutzt verstreichen lassen, obwohl er nicht ernsthaft glaubte,
dass sie ja gesagt hätte. Was wollte ein Mädchen wie sie schon von so einem wie
ihm?
Er
hatte rein gar nichts, womit er sie beeindrucken könnte und obwohl die meisten
Mädchen auf sein Bad-Boy-Image standen, wusste er, dass das allein für eine
ernsthafte Beziehung nicht reichen würde und abgesehen davon war Willow
bestimmt nicht die Art Mädchen, die so etwas mochte, auch wenn sie ihn so
akzeptierte, wie er war und nicht versuchte, ihn zu ändern.
Aber
jetzt hatte das ohnehin keine Bedeutung mehr, da sie Ende des Sommers fortgehen
würde, um zu studieren und dann würden sie nur noch über E-Mail und Telefon
Kontakt halten können. Ja, noch nicht einmal diesen letzten Sommer könnten sie
gemeinsam verbringen, da er bei seinem Vater sein würde und so sehr er sich
auch darauf freute, diesen zu besuchen, so sehr würde er doch auch Willow
vermissen.
Es
sei denn… Es sei denn, du Feigling
kriegst endlich deinen Mund auf und fragst sie, ob sie dich begleiten würde,
schalt eine Stimme in seinem Kopf, was ihn nachdenklich die Lippen aufeinander
pressen ließ. Eigentlich würde er sich selbst alles andere als schüchtern bezeichnen,
zumindest jetzt, aber wenn es um Willow ging, kam er sich vor wie ein kleiner
Schuljunge.
Sollte
er sie wirklich fragen? Was, wenn sie nein sagte? Oder noch schlimmer, wenn sie
ja sagte, ohne es wirklich zu wollen? Wenn sie nur zustimmte, um ihn nicht zu
enttäuschen? Er hatte sich wirklich in sie verliebt und deswegen umso mehr
Angst, dass sie ihn abweisen würde, vielleicht sogar geschockt über sein
Geständnis wäre. Immerhin waren sie beide aus ihrer Sicht nur Freunde und sie
hatte nie Andeutungen gemacht, daran etwas ändern zu wollen.
Was,
wenn sie ihn nicht so sehr mochte, wie er sie? Wenn sie sich nur mit ihm traf,
weil sie sonst niemanden hatte?
Wenn du sie nicht fragst, dann weißt du
es nie, ermahnte ihn die Stimme in
seinem Kopf ein weiteres Mal, was ihn unwillkürlich mit den Augen rollen ließ.
Seine Reaktion beendete die innerliche Diskussion jedoch nicht.
Was hast du schon zu verlieren? Sie kann
nein sagen, na und? Du willst sie doch bloß fragen, ob sie mit dir den Sommer
verbringt, was ist schon dabei? Denkst du wirklich, sie würde sich mit dir
treffen, wenn sie dich überhaupt nicht leiden könnte?
Diese
und zahlreiche andere Für- und Widerargumente gingen ihm durch den Kopf,
während er weiterhin wie gebannt die Rothaarige neben sich anstarrte, die davon
allerdings rein gar nichts mitbekam. Er konnte sich jedoch zu keinem
endgültigen Entschluss durchringen.
~*~*~*~
Erst
als Spike mit Willow vor deren Haustür stand und sich von ihr verabschieden
wollte, fällte er eine endgültige Entscheidung. Er hatte an diesem Punkt
absolut nichts mehr zu verlieren. Wenn sie nein sagen würde, würde er sie
ohnehin nicht wieder sehen und wenn sie ja sagte… besser er malte sich dieses
Ergebnis nicht allzu sehr aus, sonst wäre er hinterher nur enttäuscht, sollte
sie sein Angebot ablehnen.
Sein
Blick wanderte zu seinen Schuhen, da er es nicht wagte, ihr bei seiner Frage
ins Gesicht zu sehen, aus Angst, dort Ablehnung und Verachtung lesen zu können
und er räusperte sich umständlich, bevor er sie schließlich leise ansprach.
„Willow?
Kann ich dich etwas fragen?“
Diese
runzelte daraufhin verwirrt die Stirn, wusste sie doch nicht, woraufhin er
damit hinaus wollte. Warum sollte er sie nicht etwas fragen können?
„Ähm,
sicher. Wieso nicht?“, verlieh sie ihrer Frage Ausdruck.
„Weil…
keine Ahnung, ich weiß nicht, wie ich anfangen soll“, gab er etwas beschämt zu,
fuhr dann allerdings schnell fort, bevor er sich es noch anders überlegte.
„Ich
wollte dich fragen, ob du… obduvielleichtLusthast, mitmirdenSommerbei
meinemVaterzuverbringen?“, rasselte er so schnell herunter, dass sie seine
Worte kaum verstand, weshalb sie ein leicht irritiertes: „Wie bitte?“
erwiderte.
Spike
wurde daraufhin tatsächlich ein wenig rot auf den Wangen, brachte dafür jedoch
endlich den Mut auf, ihr wieder ins Gesicht zu sehen, da sie nicht abweisend
geklungen hatte, eher völlig überrumpelt.
„Ich
fahre den Sommer über zu meinem Vater und er hat gemeint, wenn ich will, kann
ich jemanden mitbringen. Ich wollte dich fragen, ob du mich vielleicht
begleiten magst“, wiederholte er noch einmal langsamer und sah dann gespannt in
Richtung der Rothaarigen.
Diese
sah ihn für einen Moment völlig perplex an, bevor sich ein breites Strahlen
über ihre Lippen legte und sie ihn spontan umarmte.
„Sehr
gern sogar“, versicherte sie ihm leise, um dann noch ein neckendes: „Wer hätte
gedacht, dass ich es auch mal erleben darf, dass du rot wirst?“ hinterher, auf welches
der Blonde allerdings nicht mehr einging.
Er
war viel zu glücklich darüber, dass er sie zumindest noch für eine kleine Weile
bei sich haben würde.
~*~*~*~
Wie ihr sicherlich gemerkt habt,
ist das hier nur ein vorläufiges Ende, da der Täter ja noch nicht enthüllt ist.
Diese Story war die zweite einer Trilogie und nächste Woche geht es dann mit
der dritten Story: „Get it done“,
weiter ;)