The Smell Of Protection

 

 

Buffy/Spike

Alternative Universe

ab 18

Beta by Indiansummer

 

Buffy Summers beginnt die Arbeit nach ihrem abgeschlossenen Studium in Exobiologie auf dem hochinteressanten Planeten Vampire. In ihrem ganzen Leben etwas verwöhnt und überheblich geworden, denkt sie gar nicht daran, sich an die Anweisungen ihres Chefs Rupert Giles zu halten, und fliegt bei einem Erkundungsflug über den Planeten alle möglichen Kurse, nur nicht die vorgeschriebenen. Und so weiß niemand, an welchem Punkt sie sich eigentlich befindet, als der Gleiter seinen Geist aufgibt und sie mitten in der Wildnis notlanden muss. Ihre einzige Hoffnung, den Rückweg zu finden, sind die intelligenten Bewohner des Planeten, die sich auf einer Entwicklungsstufe ähnlich dem terranischen Mittelalter befinden.Buffy trifft auf den Jäger Spike, der ihr erklärt, dass sie niemanden um Hilfe, sondern nur um Schutz bitten kann und Buffy ahnt nicht, was es mit diesen eigenartigen Schutzbeziehungen auf sich hat…

 

komplett

 

Teil 1   Teil 2   Teil 3   Teil 4   Teil 5  Teil 6   Teil 7   Teil 8   Teil 9   Teil 10  Teil 11  Teil 12   Teil 13   Teil 14   Teil 15   Teil 16

Teil 1

 

 „So ein gottverdammtes Scheißding!“ 

Buffy trat wütend mit dem Fuß gegen das Metallgehäuse des kleinen Gleiters. Sie hatte das Fluggerät nach einem Systemtotalausfall mit Mühe und Not mitten zwischen den Bäumen auf dem Boden aufsetzen können. Jetzt gab es keinen Ton mehr von sich.  

Missmutig sah sie sich um und fluchte. Es sollte ihr erster Ausflug auf diesem Planeten werden. Giles, der Stationsleiter der Basis SUNNYDALE, hatte sie darauf hingewiesen, sich strikt an die geplante Route zu halten, damit im Notfall jeder wusste, wo man sie suchen sollte. Da sie darauf bestand, allein zu fliegen. 

Sie hatte es natürlich besser gewusst.  

Weil sie nicht ahnen konnte, dass die Technik auf diesem von Terra weit entfernten Planeten – um es harmlos auszudrücken – etwas veraltet war. Sie war gewöhnt, mit den besten, neuesten und hochwertigsten Apparaten und Transportmitteln ausgestattet zu werden.  

Vielleicht war sie etwas verwöhnt. Vielleicht. Vielleicht war sie auch etwas überheblich.  

Als Giles davon sprach, wie oft es hier zu Ausfällen der Technik auf Grund von Materialermüdung und Alterserscheinungen kam, hatte sie nur mild gelächelt und gedacht, er würde übertreiben, um ihr als Neuling in seiner Station etwas Angst einzujagen.  

Dass Giles nicht übertrieben hatte, wurde ihr spätestens klar, als der Antrieb des Gleiters anfing zu stottern und die Software sich stufenweise abschaltete.  

Als sie vor acht Monaten auf Terra das Angebot erhalten hatte, ihre ersten Erfahrungen nach ihrem Studium, Exobiologie, auf dem urwüchsigen Planeten Vampire zu sammeln, hatte sie begeistert zugestimmt.  

Vampire war für seine vielseitige Flora und Fauna bekannt und ihrer Meinung nach eine exzellente Möglichkeit für sie, in die Praxis umzusetzen, was sie gelernt hatte. Und Vampire verfügte im Gegensatz zu den anderen zur Auswahl stehenden Planeten über intelligente Bewohner.  

Vampire war ein terranischer Begriff, Buffy hatte irgendwo auch den Namen gelesen, den sich die Bewohner selbst gaben, aber er war schwierig und für menschliche Zungen fast unaussprechbar. Nachdem sich Buffy die vielen Archivaufnahmen der Bewohner angesehen hatte, war ihre Begeisterung noch gestiegen. 

Wo traf man sonst noch solche interessante Wesen, deren Gesichtszüge sich von einem Augenblick zum anderen so vollständig ändern konnten? Eine Laune der Natur, sicherlich, aber Buffy hatte mehr als einmal fasziniert vor dem Bildschirm gesessen und sich angesehen, wie das Gesicht eines Raubtiers sich glättete und überraschend menschliche Züge annahm. Es war kein Wunder, dass die Menschen den Planeten Vampire tauften. Denn das fast dämonisch wirkende Raubtiergesicht mit den gelben Augen und den scharfen Reißzähnen, erinnerte unwillkürlich an solche Horrorgeschichten. 

Deshalb blieb auch Buffy bei dem Namen und bezeichnete die Wesen in ihren Gedanken als Vampire.  

Begeistert stürzte sie sich in die Vorbereitungen und lernte die Sprache der Bewohner,  weil sie vorhatte, sich auch ausführlich mit den Eingeborenen zu unterhalten. Es fiel ihr leicht, fremde Sprachen zu erlernen und sie war jetzt nach acht Monaten überzeugt, eine Unterhaltung mit einem oder einer der Vampire führen zu können.  

Jetzt allerdings verfluchte sie sich selbst für ihren Leichtsinn.  

Denn es war nichts anderes. Nachdem sie einen Monat lang auf SUNNYDALE mit Routinearbeiten und dem Sortieren der Daten ihres Vorgängers beschäftigt gewesen war, hatte sie Giles regelrecht mit Bitten bombardiert, sie endlich den Planeten erkunden zu lassen.  

Ihr erster Rundflug in Begleitung des Piloten Riley Finn allerdings hatte sie zu dem Ergebnis kommen lassen, dass sie unmöglich irgendetwas in Richtung ihrer Forschungen vollbringen konnte, wenn sich ein nörgelnder Mensch an ihrer Seite befand, der von ihrem Fachgebiet keine Ahnung hatte.  

Sie war noch nie verlegen darin gewesen, ihren Willen kund zu tun und auch durchzusetzen und deshalb gab es Giles nach stundenlangen Diskussionen auf, ihr erklären zu wollen, dass ein Ausflug allein auf dem Planeten nicht ungefährlich war.  

Er gab ihr die Genehmigung, schärfte ihr jedoch aufs dringlichste ein, sich an die geplante Route zu halten. 

Sie hatte es natürlich besser gewusst.  

Anders gesagt, sie hatte alle Bedenken über den Haufen geworfen, weil sie immer wieder durch interessante Dinge, die sie alle erforschen wollte, abgelenkt wurde und erst jetzt, nachdem das Malheur passiert war, feststellte, wie weit sie sich von der eigentlichen Route entfernt hatte. 

Toll. Sehr schön, Buffy, hast du toll hin bekommen. 

Sie hatte keine Ahnung, wo sie war. Das Funkgerät funktionierte auch nicht mehr und sie überlegte, ob es Sinn hatte, zu verzweifeln.  

Aber schließlich siegte ihr Optimismus und ihr Selbstbewusstsein. Sie war mit beidem reichlich ausgestattet und da sie noch nie schüchtern gewesen war, sagte sie sich, es dürfte kein Problem sein, die nächste Stadt der Vampire zu finden und sich dort nach irgendeiner Transportmöglichkeit umzusehen, die sie zurück in den Stützpunkt bringen konnte.  

Sie durchgraste ihren Kopf nach all dem, was sie über Vampire bis jetzt erfahren hatten.  

Soviel sie wusste, lebten sie auf einer Entwicklungsstufe, die dem terranischen Mittelalter entsprach.  

Das hieß natürlich: keine Autos und keine Flugzeuge, im höchstem Fall konnte sie mit einem Pferdefuhrwerk rechnen, oder mit etwas, was einer Pferdekutsche am nächsten kam.  

Sie kicherte in Gedanken an die Aufruhr, die sie verursachen würde, wenn sie an die Schleuse SUNNYDALEs mit einer Kutsche vorfuhr.  

Die Vampire waren sehr freundliche hilfsbereite Wesen, die sich mit dem Bau eines Stützpunktes auf ihrer Welt einverstanden erklärt hatten und nur verlangten, dass sich niemand in ihr Leben einmischte.  

Einige wenige Vampire verkehrten regelmäßig im Stützpunkt, wenn sie handeln oder Güter tauschen wollten. Aber Buffy hatte außer auf Bildern und in Filmen noch keinen Vampir gesehen.  

Okay, sagte sie sich, dies ist deine Möglichkeit, Vampire in ihrer natürlichen Umgebung kennen zu lernen. Sieh zu, was du draus machst. 

Sie hatte ihre Überlegungen noch nicht beendet, als sie hinter sich ein Knacken im Gehölz hörte und erschrocken herum fuhr. Und ihr Herz setzte für einen Moment fast aus, als sie die hochgewachsene schlanke Gestalt hinter den Bäumen hervor treten sah.  

Die Gelegenheit, ihre Kenntnisse der Vampirsprache zu testen, kam eher als erwartet.  

Etwas Nervosität machte sich in ihr breit, als sie den Vampir näher kommen sah und dieses Gefühl mochte sie absolut nicht.  

Er schien ein Jäger zu sein, denn er trug eine armbrustähnliche Waffe und war komplett in schwarzem Leder gekleidet. Die eng anliegenden Hosen endeten in halber Wadenhöhe über den festen Lederstiefeln. Die kurze über dem Hosenbund endende Jacke bestand ebenfalls aus schwarzem, fein gearbeitetem Leder und wurde an der Vorderseite mit Schnüren zusammengehalten. Jetzt allerdings trug er sie offen und Buffy konnte erkennen, dass er darunter ein eng anliegendes shirtähnliches Hemd trug, das aus Stoff, ebenfalls schwarz, bestand.

Das auffälligste allerdings waren seine Haare, die im Gegensatz zu den vielen Bildern, die sie gesehen hatte, grell blond, fast blondiert wirkten. Er trug sie kurz und im Moment hatten sie sich, ähnlich dem Fell von gereizten Katzen, aufgerichtet.  

Buffy wusste, dass die Haare ein Kommunikationsmittel waren, konnte allerdings im Moment nicht sagen, ob er zornig oder gereizt war, oder ob Vampire ihre Haare auch bei anderen Gelegenheiten aufrichteten.  

Er kam näher und zum ersten Mal sah Buffy die so menschlich wirkenden Gesichter der Vampire in der Realität. Es überraschte sie, da sie erfahren hatte, die Wesen würden das Raubtiergesicht bevorzugen. Dieser anscheinend nicht, obwohl seine Haare noch immer zu Berge standen. 

Dann blieb er vor ihr stehen. Buffy musste erst einmal verdauen, dass sein Anblick sie leicht von den Socken riss und für einen Moment war alles, was sie denken konnte: WOW.  

Blaue Augen in dem schmalen, markant geschnittenen Gesicht musterten sie mit einem Hauch von Neugier und Misstrauen. Und was für ein Blau… Buffy schien einen Augenblick in ihnen zu versinken. Scharfe, wie gemeißelt wirkende Wangenknochen verstärkten den Eindruck der Unwirklichkeit noch. Es war kaum zu glauben, dass dieses Wesen auf den Planeten gehörte und nicht auf den Titelseiten einer terranischen Zeitschrift zu finden war. 

Allerdings dauerte es nicht lange, bis sich Buffy wieder unter Kontrolle hatte. An lang anhaltender Sprachlosigkeit hatte sie noch nie gelitten. 

„Hallo. Ich freue mich wirklich, in dieser Einöde jemanden zu treffen.“ 

Wenn er überrascht war, in seiner Sprache angesprochen zu werden, ließ er es sich nicht anmerken, sondern zog nur fast prüfend die Luft ein, als würde er etwas wittern.  

Buffy ignorierte sein Schweigen und redete weiter. „Mein Name ist Buffy Summers. Ich habe, wie du siehst...“ Sie zeigte auf ihren Gleiter. „.. ein kleines Problem mit meinem Fortbewegungsmittel. Vielleicht könntest du mir sagen, wo ich die nächste Stadt ... oder ein Dorf finde?“ 

Er antwortete noch immer nicht, sah aber jetzt eindeutig misstrauisch aus, musterte erst ihren Gleiter und dann wieder sie. „Wo ist dein Mann?“ fragte er dann mit einer dunklen, weich klingenden Stimme. 

„W-was? W-wer?“ stotterte sie verdattert und sah ihn an, als hätte er den Verstand verloren. Denn das Wort, das er verwendete, wurde laut ihrer Kenntnis mit Bettgefährte übersetzt und das konnte er doch auf keinen Fall gemeint haben. Oder? 

„Du bist allein?“ fragte er wieder und schaute noch misstrauischer drein. Seine Augen verengten sich, als er wieder zu wittern schien und Buffy wurde es unheimlich. „Es stimmt, da ist kein zweiter Geruch. Ihr Menschen seid ein komisches Volk.“ 

Das war weniger schön. „Ähm“, begann sie von neuem. „Ich möchte ja deine Zeit nicht überstrapazieren, aber würdest du mir bitte sagen, wie ich in die nächste Stadt komme?“ 

Er legte den Kopf schief. „Die nächste Stadt ist zirka sechs Tagesritte von hier entfernt.“ 

Tagesritte!  

„Oh“, brachte sie nur heraus und fuhr sich durch die Haare. „Shit.“  

Buffy, du bist eine Idiotin. Eine Riesenidiotin.  

Und besann sich erst einmal auf das nahe liegendste. „Wie heißt du eigentlich?“ 

„Spike el Gemlandor“, sagte er leise. 

„Spike?“ machte sie verdutzt. „Komischer Name… Aber egal. Weißt du, ob es in der Stadt eine Möglichkeit für mich gibt, zurück zu dem terranischen Stützpunkt zu gelangen, Spike?“  

Spike musterte sie noch immer eigenartig. Diese Menschfrau schien nicht sonderlich intelligent zu sein, wenn sie sich allein und ohne den beschützenden Geruch ihres Mannes auf dem Planeten bewegte.  

Aber sich in diesem Zustand in eine Stadt zu wagen, war einfach nur dumm. „Ich glaube nicht“, sagte er nur, weil er keine Lust hatte, sich noch lange mit ihr zu unterhalten. Er war eigentlich nur dem eigenartigen Geräusch des abstürzenden Gleiters gefolgt.  

„Was?!“  

Jetzt klang sie eindeutig entsetzt und das gefiel ihm noch viel weniger.  

„Wieso nicht? Ich ... ich meine, ich muss doch irgendwie wieder zu meinem Stützpunkt kommen. Ich dachte, ihr Vampire seid so hilfsbereit.“ 

Vampire? Er runzelte die Stirn. Sie war wirklich dumm.  

Dann erinnerte er sich an die wenigen Kontakte mit Menschen und ihm fiel ein, dass er sich damals schon gewundert hatte, weil nur sehr wenige von ihnen einen anderen Geruch, außer ihrem eigenen, mit sich herum trugen.  

Damals hatte es ihn überrascht, aber er hatte es nicht weiter beachtet, weil es bloß Menschenmänner waren und er einfach angenommen hatte, diese hätten noch keine Partnerin gewählt.  

So wie er selbst auch. Aber jetzt stand diese Frau vor ihm und er roch, außer ihrer Unsicherheit, nichts.  

Und er überlegte, ob bei den Menschen eine Frau den Schutz eines Mannes nicht unbedingt brauchte. „Du solltest ohne männliche Begleitung keine Stadt betreten“, sagte er nur und verschwieg, dass das nicht alles war. 

Das wurde ja immer schöner.  

Buffy runzelte die Stirn. „Hör mal, Spike. Ich muss zum Stützpunkt zurück. Wenn ich das nicht allein kann, besteht die Möglichkeit, dass du mich begleitest. Ich meine, ich bezahle dich... falls du nichts Besseres vorhast.“ 

„Nein.“ Innerlich kämpfte er mit sich. Er konnte diese Frau schlecht hier allein in der Wildnis zurück lassen. Aber das allerletzte, was er wollte, war, sich die Bürde aufzuhalsen, eine Frau beschützen zu müssen. Eine Menschenfrau! 

„Na toll!“ fluchte sie. „Was willst du? Wie viel? Habt ihr Geld? Waren? Waffen? Komm schon, Vampir, du kannst mich nicht hier sitzen lassen. Du bist jetzt nun einmal hier.“ 

Bei dem Wort ‚Waffen‘ machte es in seinem Kopf klick und er erinnerte sich an die exzellent gearbeiteten Gegenstände, die er schon im Stützpunkt umgetauscht hatte.  

War es den Aufwand wert?  

Dann überlegte er, dass es eine Verantwortung von begrenzter Dauer war und er es als „Übung“ auffassen könnte. Und der nächste Punkt war, dass mit der Übernahme der Verantwortung auch angenehme Seiten verbunden waren und wenn er sie so ansah… 

„Hör mal“, schwatzte sie unvermindert weiter, ohne seinen sie abschätzenden Blick zu bemerken. „Bring mich einfach in die Stadt und sorg dafür, dass ich zum Stützpunkt gelange. Wenn ich das schon nicht allein kann. Wieso eigentlich nicht? Was sind das für frauenfeindliche Verhältnisse hier? Darüber hat mich niemand aufgeklärt. Ich möchte...“ 

„Waffen“, unterbrach er ihren Redeschwall. „Zwei Gewehre mit je hundert Schuss Munition, eine neue Armbrust inklusive einhundert Bolzen, ein Schwert aus dem Material, das ihr Stahl nennt, und der Ersatz aller Auslagen, die ich durch dich habe.“ Er war bestimmt der erste Mann, der einen Lohn dafür bekam, einer Frau seinen Schutz anzubieten.  

Buffy sah ihn verdutzt an. „Du bist ganz schon teuer. Okay, bekommst du alles. Was für Auslagen?“ 

Er verzog sein Gesicht zu einem Grinsen, das jeden Terraner in den Schatten stellte, und Buffy erwischte sich dabei, dass sie ihn einfach nur anstarrte.  

„Ich bringe dich bis zur Station. Wir brauchen ein Drago, Kleidung, Nahrung und Unterkunft. Ich schätze, es sind ungefähr vierzig bis fünfzig Tagesritte, je nachdem wie du durchhältst.“ 

Sie hörte nur Drago und fünfzig Tage und ihre Beine wurden schwach.  

Sie war mehr als eine Riesenidiotin.  

Sie sank gegen die Metallwand des Gleiters und für einen Moment war ihr egal, was der Vampir dachte. Wenn sie hier blieb, bestand die Wahrscheinlichkeit, dass ein Suchtrupp aus der Station sie entdeckte.  

Diese Wahrscheinlichkeit war natürlich sehr gering, da sie dummerweise erheblich vom Kurs abgewichen war. Sie könnte sich jetzt noch dafür ohrfeigen. Und wenn sie hier blieb, war dieser Vampir weg und seinen Worten nach zu urteilen war es nicht ganz ungefährlich, als Frau allein in eine Stadt zu gehen. 

Spike sah sie blass werden und hoffte, sie würde nicht noch ohnmächtig werden, wie so viele Frauen, wenn der Stress zu groß wurde. Doch sie fing sich schneller als er dachte. 

„Okay. Ich brauche noch einiges aus dem Gleiter.“  

Ohne seine Antwort abzuwarten, kletterte sie ins Innere und überflog die Einrichtung. Sie nahm an, dass er nicht scharf auf ein Riesengepäck war und schnappte nur schnell ihren kleinen Minilaptop, ihren Analysator, ihr kleines Mikroskop, den Proben- und den Notfallkoffer, weil sie langsam mit allem rechnete, und packte alles in einen Rucksack. Sie wollte gerade aussteigen, als ihr noch etwas einfiel. Sie griff auch noch die handliche Strahlerpistole und hinterließ eine schriftliche Nachricht auf dem Sitz des Gleiters. Sollte der Gleiter doch auf der Suche nach ihr entdeckt werden, wussten die anderen Menschen zumindest, was sie vorhatte. 

Mit neu erwachtem Selbstbewusstsein sprang sie aus dem Gleiter. „Meinetwegen kann es losgehen.“  

Und fühlte sich plötzlich wie auf einem Abenteuertrip. Wann konnte man schon mehr über die Bevölkerung eines fremden Planeten erfahren? 

Als sie hinter dem Vampir her stolperte und sie aus dem Wald hinaus traten, stieß sie einen überraschten Schrei aus.  

Auf der Wiese stand ein Drago und sah ihnen mit gespitzten Ohren entgegen. Es war gesattelt und da Buffy annahm, dass es Spike gehörte, lief sie auf das Tier zu.  

Es sah nur von weitem einem terranischen Pferd ähnlich. Als sie näher kam, erkannte sie, dass es auf krallenbesetzten Pfoten lief. Es hatte glattes glänzendes schwarzes Fell und nur einen kurzen Stummelschwanz. Den breiten muskulösen Hals zierte eine dichte schwarze Mähne, die den Hals halb bedeckte. Auch der Kopf war breit und verengte sich nach vorn zu einer schmalen Nase, um die das Zaumzeug gelegt war.  

Buffy erkannte kein Gebiss und nahm an, dass so etwas auf diesem Planeten nicht benutzt wurde. Sie sah das Muskelspiel unter dem kurzen Fell und fühlte fast die gespannte Kraft, die dem Tier innewohnte. 

„Es ist wunderschön“, flüsterte sie und streckte ihre Hand aus, als der Kopf des Dragos herum fuhr und es sie mit gefletschten Zähnen anknurrte.  

„Gott!“ Buffy sprang wie von der Tarantel gestochen zurück und hörte den Vampir amüsiert lachen. 

„Er hat Hunger“, erklärte er leichthin. „Da wird er immer etwas missmutig.“ Er gab dem Tier einen leichten Klaps hinter die Ohren, ergriff die Zügel und schwang sich in den Sattel. Dann streckte er ihr auffordernd die Hand hin. 

„Gehe ich richtig in der Annahme, dass es ein Fleischfresser ist?“ fragte sie entsetzt bei dem Gedanken, sich auf den Rücken dieses Tieres zu setzen. 

„Natürlich. Steig auf.“ 

„Ähm, ich glaube, ich laufe lieber“, meinte sie zögernd und machte entsetzt einen Satz rückwärts, als der Vampir fast genau so wie sein Reittier knurrte.  

Mehr als sein Knurren überraschte sie jedoch die Verwandlung seines Gesichts. Ehemals blaue Augen funkelten sie urplötzlich in einem gefährlichen Gelb an und die scharfen Reißzähne in seinem Mund jagten ihr einen Schauer über den Rücken. Verschwunden war die fast menschliche Schönheit seines Gesichts, geblieben war der Dämon, der den Wesen ihren Namen gegeben hatte und Buffys Gesichtsfarbe wurde aschfahl.  

Ich bin eine Riesenriesenriesenidiotin… 

„Steig endlich auf, Menschenfrau! Egal, welche Sitten in deiner Heimat gelten, auf meiner Welt wirst du nicht laufen, während ich reite!“ Er sah jetzt so bedrohlich aus mit den aufgerichteten Haaren und dem hässlichen Gesicht, dass Buffy beschloss, ihn nicht noch mehr zu verärgern.  

„Reg dich ab“, murmelte sie unbehaglich und leise, vergaß dabei vollständig die feinen Ohren der Vampire, griff nach seiner Hand und wurde von ihm auf den Rücken des Dragos gezogen. Sie saß jetzt hinter ihm auf dem blanken Rücken des Tieres und fühlte sich sehr unwohl. 

„Halt dich an mir fest“, wies er sie an und sie umklammerte, ohne zu überlegen seine Hüften, als sich das Tier in Bewegung setzte und sie alle Mühe hatte, nicht einfach von dessen Rücken zu rutschen.  

Und sie verfluchte sich zum hundertsten Mal für ihre Dummheit.  

 

Teil 2

 

Einen Tag später kam Spike zu der Ansicht, dass der Preis, den er verlangt hatte, viel zu niedrig war.  

Nachdem die Menschenfrau am vorigen Abend einfach von dem Drago gerutscht war, sich auf eine seiner Decken gelegt hatte und eingeschlafen war, schien sie am nächsten Morgen trotz des Muskelkaters bestens gelaunt zu sein und fing an, ihn mit Fragen zu bombardieren.  

Ihr Mund schien nicht still zu stehen und er wünschte sich sehnlichst, niemals seiner Neugier nachgegeben zu haben.  

Sie ließ sich auch von seinen kurzen manchmal patzigen Antworten nicht abschrecken, sondern erklärte frei heraus, sie müsse das Sprechen in seiner Sprache üben, um sich besser verständigen zu können.  

Nach sechs Stunden wusste sie mehr über ihn als irgendein anderer Mann und das, obwohl er ihr nur die notdürftigsten Antworten auf all ihre nervtötenden Fragen gegeben hatte und er wünschte sich eine der ruhigen, schweigsamen, einheimischen Frauen an seine Seite. 

Buffy dagegen genoss den Ritt. Das Drago, das auf den Namen Akpedorlan hörte, war am Morgen, nachdem es ein halbes rehähnliches Tier verspeist hatte, sehr viel friedlicher und ließ sich von Buffy sogar hinter den Ohren kraulen.  

Obwohl ihr jeder Muskel im Körper wehtat, freute sie sich, dass die Sonne schien und sie die Gegend genießen konnte, als wäre sie im Urlaub. Es störte sie auch nicht, dass der Vampir immer verdrießlicher auf ihre Fragen antwortete.  

Sie hatte schon eine Menge über ihn erfahren. Wie sie angenommen hatte, lebte er von der Jagd und dem Handel mit Fellen.  

Jedenfalls im Moment. Sein Vater besaß im Norden einen riesigen Grundbesitz, eine eigene Burg und eine Dragozucht, alles Dinge, die Spike später einmal übernehmen sollte, da er der erstgeborene Sohn war. Doch jeder Vampir wurde, wenn er ein bestimmtes Alter erreicht hatte, allein in die Welt geschickt, um Erfahrungen zu sammeln und zu lernen, sich durchzuschlagen.  

Nach Buffys Ansicht ein grausamer Brauch und sie nahm an, dass einige Söhne dabei ihr Leben ließen. Doch es stand ihr nicht zu, darüber zu urteilen.  

Spike jedenfalls schien mit seinem Leben sehr zufrieden und den wenigen Worten nach zu urteilen, die sie aus ihm heraus bekam, war sein Name in dieser Gegend auch nicht ganz unbekannt.  

Er hatte noch einen jüngeren Bruder, der noch nicht aus dem Elterhaus geworfen worden war und eine Schwester, über die sie jedoch außer, dass sie bei ihrem Mann lebte, gar nichts erfuhr. Das Drago, das er ritt, stammte aus der Zucht seines Vaters und war sein ganzer Stolz.  

Als sie am Abend rasteten, fühlte sich Buffy nicht mehr ganz so zerschlagen wie am Abend zuvor, dafür aber verschwitzt und schmutzig.  

Spike sattelte Akpedorlan ab und ließ  ihn an dem kleinen Flüsschen, an dem sie ihr Lager aufschlugen, trinken. Er war froh, dass Buffy endlich einmal ihren Mund hielt, rieb das Tier trocken und entzündete ein Feuer.  

„Kann ich irgendetwas helfen?“ störte sie die Ruhe schon wieder. 

„Kannst du kochen?“ 

„Nein.“ 

„Jagen?“ 

„Nein.“ 

„Was willst du dann machen?“ erkundigte er sich spöttisch und freute sich, als sie die Lippen zusammen kniff. In ihrem Menschengesicht konnte man viel besser lesen, als im Gesicht einer der einheimischen Frauen. Sie schien nie gezwungen gewesen zu sein, sich zu beherrschen oder ihre Gefühle zu verbergen. 

„Ich würde mich gern mal ein bisschen frisch machen“, murmelte sie dann mürrisch. „Besteht irgendeine Gefahr, wenn ich mal ein Stück den Fluss aufwärts gehe?“

 

„Nein.“ Er runzelte kurz die Stirn, griff aber in seine Satteltaschen und warf ihr eine Seife und ein Handtuch zu. „Etwas weiter oben wird der Fluss so breit und tief, dass du baden kannst. Aber pass auf Schlangen auf.“

 

Buffy fing die Seife, roch kurz daran und fand den Geruch nach Kräutern angenehm. Ohne ein weiteres Wort drehte sie sich um und verschwand zwischen den Bäumen.

 

Und Spikes Unterkiefer klappte nach unten. Sie war nicht nur geschwätziger als eine einheimische Frau. Sie war auch bedeutend mutiger. Und das ließ sie in seiner Achtung plötzlich ein ganzes Stück steigen. Ihm würde niemand glauben, dass diese Frau in einem Fluss gebadet hatte. Niemand.

 

Es dauerte eine ganze Weile, ehe sie wieder kam und seine empfindlichen Ohren hörten schon das Geräusch ihrer Schritte, als er ihren plötzlichen erschreckten Aufschrei, ein Zischen und danach ihr Fluchen hörte.

 

Wenn sie noch fluchen konnte, entschied er, war ihr nichts passiert. Deshalb beschloss er zu warten und sah sie nur neugierig an, als sie in den Schein des Feuers trat.

 

„So ein dummes Tier“, schimpfte sie und hielt ihm einen Legato, ein hasenähnliches Nagetier, vor die Nase. „Es hat mich erschrocken. Ich dachte, es wäre eine Schlange.“

 

Spike starrte mit großen Augen auf den Legato und dann auf Buffy. „Wie hast du ihn getötet?“ fragte er erstaunt und sah sie vielsagend gegen die unscheinbare Waffe an ihrer Hüfte deuten. „Du trägst eine Waffe?“ Jetzt klang er eindeutig fassungslos.

 

Menschen sind nicht nur seltsam. Sie sind verrückt.

 

Du trägst doch auch eine, oder?“ Sie setzte sich neben ihn und grinste ihn versöhnlich an. „Kann man es essen?“

 

„Ja, es schmeckt sogar sehr gut“, brachte er heraus.

 

„Siehst du!“ Buffy lachte. „Jetzt habe ich auch schon etwas zu unserer Reise beigetragen.“

 

Seine Augen hingen an ihrer Waffe. „Ist das so ein Gerät, das Feuer speit?“ fragte er vorsichtig und beäugte die Waffe sehnsüchtig.

 

Buffy verdrehte die Augen, weil seine Gedanken so offensichtlich in seinem Gesicht zu lesen waren. „Meinetwegen erhöhe deinen Preis um so eine Waffe!“ Sie setzte sich neben ihn, ohne sein erfreutes Grinsen weiter zu beachten. „Was machen wir jetzt mit dem Tier?“

 

„Entweder gibst du es Akpedorlan oder wir müssen ihm das Fell abziehen und es ausnehmen“, meinte er achselzuckend.

 

„Akpedorlan?“ Buffy schielte zu dem Drago, das alle viere von sich gestreckt, neben dem Wasser lag und wahrscheinlich schon schlief. „Er hat heute schon genug gefressen, oder? Außerdem hast du gesagt, es schmeckt gut. Ich würde sagen, wir nehmen es aus.“

 

„Wir?“ erkundigte er sich und grinste wieder. „Ich schätze, das ist auch nichts, was du kannst, oder?“ Er zog sein Messer aus seinem Gürtel. „Ihr Menschen seid mehr als seltsam. Was kannst du eigentlich überhaupt?“

 

„Was willst du damit andeuten? Dass ich nutzlos bin?“ Buffy konnte kaum fassen, was er sagte. „Ich bin eine Forscherin. Ich habe Exobiologie studiert und als Zweitbeste meines Jahrgangs abgeschlossen. Ich spreche sechs Sprachen. Ich kann so ziemlich alles fliegen, was eine einzige Person fliegen kann. Ich kann mit einer Waffe umgehen. Ich...“

 

„Das ist alles nichts, was dir das Überleben sichernd würde, oder täusche ich mich?“ fragte er und sie zweifelte nicht daran, dass er sie verspottete.

 

„Na und!“ fauchte sie gereizt. „Gib das Messer her und zeig mir doch einfach, wie es geht!“

 

Wenn es ihn überraschte, so ließ er es sich nicht anmerken, sondern begann, ohne Umschweife zu erklären.

 

Und Buffy fand, dass es kaum einen Unterschied gab, ob man ein Tier sezierte oder ob man es ausnahm. Spikes Messer war nicht ganz so scharf wie ihr Skalpell und deshalb stand sie kurz auf, um in ihrer kleinen Utensilientasche nach einem Skalpell zu suchen.

 

Der Vampir sah sie hin und wieder verwundert an, als sie sich so konzentriert über den Legato beugte und so verbissen seinen Anweisungen folgte, als stünde sie in den Praxisräumen der Universität.

 

Sie fuhr nur ein einziges Mal zusammen, als er ihr im Innern des Legato etwas zeigen wollte und sie sah, dass die Krallen an seinen Händen ausfuhren. Da er den ganzen Tag wieder sein menschliches Gesicht getragen hatte, war ihr fast nicht mehr bewusst gewesen, dass sie es mit einem von einem Raubtier abstammenden Wesen zu tun hatte.

 

„Gott“, murmelte sie nervös. „Nimm bloß die gefährlichen Dinger aus meiner Reichweite.“

 

Es dauerte keine halbe Stunde und der Legato war ausgenommen und das Fell zum trocknen gespannt.

 

Buffy ging noch einmal zum Fluss, um sich die Hände zu waschen. Als sie wieder kam, roch es schon verführerisch nach gebratenem Fleisch und selbst Akpedorlan hatte seinen Kopf  gehoben und schnüffelte in Richtung Feuer.

 

Da es noch eine Weile dauern würde bis das Fleisch gar war, beschloss Buffy, sich die Zeit ein wenig zu vertreiben und ihre Erlebnisse in einer Art Tagebuch in ihrem Minilaptop festzuhalten.

 

Spike lag auf einen Ellenbogen gestützt neben dem Feuer, drehte hin und wieder den Legato und beobachtete unter gesenkten Lidern die Menschenfrau.

 

Ihre langen blonden Haare fielen in sanften Wellen über ihren Rücken und verbargen einen Teil ihres selbst für einheimische Verhältnisse hübschen Gesichts.

 

Sie waren noch feucht von dem Bad im Fluss und Spike beobachtete einen Moment wie verzaubert die Lichtreflexe des Feuers in dem Blond. Ihre Haare waren weicher als die der Bewohner dieses Planeten. Er hatte sie während ihres Rittes mehr als einmal ins Gesicht bekommen und sich darüber gewundert.

 

Spike wusste auch, dass sie damit nicht auf seine Art reden konnte. Das Erstaunen darüber war Faszination gewichen und manchmal erwischte er sich dabei, dass er sie einfach anstarrte, in dem begeisterten Leuchten ihrer grünen Augen versank und beobachtete, wie sie in einer unbewussten Geste die Haare aus dem Gesicht strich.

 

Zum Glück war sie jetzt still. Das gab ihm selbst etwas Zeit zum Nachdenken.

 

Er sollte seinen Anspruch auf sie geltend machen.

 

Er musste es, bevor sie die Stadt erreichten, wenn er nicht vorhatte, sich jede Menge vermeidbaren Ärger einzuhandeln, doch da es sich um eine Menschenfrau handelte, die sich noch dazu so unvorhersehbar verhielt, zögerte er.

 

Er konnte sie absolut nicht einschätzen. Sie redete zuviel mit Worten und zu wenig mit ihrem Körper und deshalb nahm er an, dass sie seine Körpersprache genau so wenig verstand.

 

Ganz zu schweigen von der Sprache des Geruchs. In dieser Hinsicht war sie komplett taub. Ein Zustand, den er sich überhaupt nicht vorstellen konnte.

 

Eine einheimische Frau in ihrer Lage hätte ihm schon längst klar gemacht, dass sie seinen Schutz brauchte und ebenso bereit war, den Preis dafür zu zahlen.

 

Diese Menschenfrau schien nicht einmal zu wissen, warum sie Schutz benötigte, geschweige denn, was es bedeutete. Einheimische Frauen waren recht scharf auf seinen Schutz, doch er war der Verantwortung meist aus dem Weg gegangen, da es genügend andere Vampire gab, die die damit verbundene Verantwortung gern auf sich nahmen.

 

Buffy hatte diese Wahl nicht, erst wenn sie die Stadt erreichten, aber Spike war sich sicher, dass sie absolut keine Ahnung davon hatte.

 

Seine Gedanken wurden abgelenkt, als er sah, wie sie ein kleines Gerät aus ihrem Rucksack nahm, es aufklappte und darauf herum hämmerte. Er beobachtete sie eine Weile und sagte sich dann, da sie ihn den ganzen Tag mit Fragen gelöchert hatte, stände ihm dieses Recht ebenso zu.

 

Neugierig richtete er sich auf und rutschte neben sie. „Was machst du da?“

 

Buffy wandte ihre Augen nicht vom Bildschirm ab. „Ich werde meine Erlebnisse aufschreiben und die ganze Reise dokumentieren. Ich denke, das wird sehr interessant.“

 

„Du kannst schreiben?“ Es wurde immer seltsamer.

 

„Sicher“, grinste sie. „Du nicht?“

 

„Ich schon.“

 

Jetzt hob sie endlich ihren Kopf und sah ihn von der Seite an. „Aber?“

 

„Kaum eine Frau“, war seine einfache Antwort.

 

Buffy verzog die Lippen zu einem schiefen Grinsen. „Sag noch einmal, Menschen sind komisch.“

 

Spike betrachtete erstaunt das kleine Gerät, das sie auf ihren Knien abgelegt hatte. „Und da schreibst du das alles rein?“

 

„Das ist ein Computer“, erklärte sie. „Er speichert alles, was ich schreibe und darin ist mehr Platz als in hundert Büchern.“

 

„Da drin?“ Spike lachte und beugte sich über den Bildschirm. „Das ist lächerlich.“

 

Buffy schmunzelte nur und fand es amüsant, wie er neugierig mit den Fingern über den Bildschirm fuhr. Jetzt sah sie von den Krallen nur die Spitzen und seine Hände unterschieden sich kam von einer menschlichen. In einer vollkommen unbewussten Geste hob sie ihre Hand und griff nach seiner.

 

„Würdest du das mit den Krallen noch mal machen?“ erkundigte sie sich neugierig und fuhr mit dem Daumen über die Spitzen seiner Finger.

 

Er hob den Kopf und erst in diesem Moment wurde ihr bewusst, wie vertraulich diese Geste wirkte und wie nah er sich plötzlich neben ihr befand. Urplötzlich kehrte die Nervosität, die sie bei der ersten Begegnung gespürt hatte, zurück.

 

Spike schien damit kein Problem zu haben, denn er grinste nur fast verschmitzt und Buffy zuckte zusammen, als übergangslos die Krallen ausfuhren.

 

„Uh!“ entfuhr es ihr erschrocken.

 

Dann aber fesselten die Biologin in ihr seine Hände mehr als alles andere. „Wow“, murmelte sie leise und strich über die  ca. einen Zentimeter langen spitzen Krallen. „Die Haut der Finger zieht sich zurück… Bei den Zehen auch?“

 

„Ja“, brachte er mühsam heraus und zwang sich, nicht laut zu lachen.

 

Sie schien es seinem Gesicht anzusehen, lachte auf und ließ seine Hand los. „Tut mir leid. Ich bin gewöhnt, alles zu untersuchen, was mir unter die Hände kommt. Ich sehe überall Forschungsobjekte.“

 

„Was ist Exobiologie?“

 

Sie war erstaunt, dass er sich das Wort gemerkt hatte und es sogar richtig aussprach. „Die Erforschung von Pflanzen und Tieren auf fremden Planeten.“

 

„Warum macht man so etwas?“

 

Buffy zuckte mit den Schultern. „Neugier?“

 

„Wer sorgt für deinen Lebensunterhalt?“

 

Was war das schon wieder für eine Frage? „Ich?“ meinte sie stirnrunzelnd.

 

Spike sah sie nachdenklich an. „Womit?“

 

Buffy klappte den Laptop zusammen und drehte sich zu ihm um. „Mit meiner Arbeit. Ich forsche… Ich dokumentiere, was ich erforsche.“ Sie überlegte, wie sie es ihm am besten erklären konnte. „Ich handle mit den Informationen.“

 

Er sah immer noch sehr nachdenklich aus. „Bist du krank oder hat deine Familie dich verstoßen?“

 

„Wieso das jetzt?“ Buffy war mit ihrem Latein am Ende.

 

„Wieso bist du allein mitten in der Wildnis? Wo ist der Mann, der dafür sorgen sollte, dass dir nichts passiert? Weshalb lässt irgendein Mann zu, dass du dich einer derartigen Gefahr aussetzt?“

 

Buffy starrte ihn mit offenem Mund an und wusste nicht, was sie sagen sollte. Sie war keine Sozialwissenschaftlerin, die auf das Zusammentreffen unterschiedlicher Kulturen vorbereitet wurde.

 

Allerdings hatte sie sich soweit unter Kontrolle und fragte ihn nicht, ob er verrückt war. Er kannte es nicht anders. Sicherlich waren Frauen in dieser Gesellschaftsordnung mit nicht sonderlich vielen Rechten ausgestattet und benötigten den Schutz einer männlichen Person.

 

„Spike“, begann sie zögernd. „Es ist für dich vielleicht schwer zu verstehen, aber in meiner Heimat benötige ich keinen Mann, der mich beschützt oder der für mich sorgt. Ich war auch nicht darauf vorbereitet, dass es auf dieser Welt üblich ist, sonst hätte ich mich wahrscheinlich an die … Anweisungen meines … ähm … Vorgesetzen gehalten …“

 

„Du hast eine Anweisung missachtet?“

 

Oh, das war sicherlich sehr schlecht.

 

„Nun ja, so was in der Art“, gab sie zu. „Ich sollte eine bestimmte Route fliegen, damit jeder weiß, wo er suchen soll, wenn etwas passiert. Ich bin etwas … von der Route abgewichen.“

 

„Das war sehr dumm.“ Spike schüttelte ungläubig den Kopf.

 

Buffy stöhnte. „Ja doch. Ich weiß das. Und deshalb sitze ich jetzt hier und habe die nächsten Wochen Zeit, darüber nachzudenken!“

 

„Du wärst besser dran, wenn du jemanden hättest, der dich von solchen Dummheiten abhält“, meinte er nur.

 

Ihre Augen funkelten wütend. „Jetzt habe ich ja dich!“ giftete sie sarkastisch.

 

Und Spike stellte plötzlich amüsiert fest, dass ihn zum ersten Mal eine Frau so wütend ansah. Und als der Geruch ihrer Wut seine empfindliche Nase traf, richteten sich seine Haare unwillkürlich auf.

 

„Fang jetzt bloß nicht wieder an zu knurren!“ Buffy sprang auf und ging zum Feuer. „Auf mich macht das keinen Eindruck! Nicht mal, wenn du das andere Gesicht aufsetzt! Überhaupt nicht!“ Allerdings hoffte sie  für sich, dass er es nicht wirklich tun würde. Sehr viel Gelegenheit, sich an die tatsächlich irgendwie dämonischen Züge zu gewöhnen, hatte sie noch nicht gehabt.

 

Jetzt droht sie auch noch... Spike  konnte es nicht fassen, weil ihm das in seinem Leben einfach noch nie passiert war.

 

„Wann ist das Tier genießbar?“ fragte sie vom Feuer aus.

 

Als er nicht gleich antwortete, kam sie wieder zurück, blieb mit verschränkten Armen vor ihm stehen und sah auf ihn hinab. „Wir haben eine Vereinbarung. Ich bezahle dich, damit du mich zur Station bringst. Kommst du damit klar, wenn du mich nicht so behandelst wie eine einheimische Frau und auch damit, dass ich mich wahrscheinlich nicht so verhalte? Wenn nicht, muss ich mir einen anderen Führer suchen.“

 

Ich sollte es ihr endlich sagen. Doch Spike stand nur geschmeidig auf, blieb vor ihr stehen und sagte leise. „Ich habe dich bisher nicht wie eine einheimische Frau behandelt. Und ich habe es dir schon einmal gesagt. Du wirst auf dieser Welt keinen Führer finden. Nur jemanden, den du um Schutz bitten kannst. Und du hast wie jede einheimische Frau das Recht, die Person, die dich schützt, zu wechseln, wenn du mit ihr nicht zufrieden bist.“

 

Das war sehr zweideutig, doch er glaubte noch immer nicht, dass sie es verstanden hatte.

 

Buffy runzelte die Stirn. „Ich habe nicht gesagt, dass ich mit dir nicht zufrieden bin. Was heißt, um Schutz bitten?“

 

Gott, ich kann nicht so viel reden wie sie und schon gleich gar nicht darüber. Seufzend ging er an ihr vorbei zum Feuer. „Lass uns Essen“, sagte er müde und nahm den Legato vom Feuer.

 

„Du … bringst mich zur Station?“ Sie klang zögernd.

 

Spike zerteilte den Legato und reichte ihr ein Stück. „Ja.“

 

Ich  werde es sicherlich irgendwann bereuen.

 

Teil 3

 

Die folgenden Tage vergingen wie im Flug. Buffy hatte die kurze Auseinandersetzung schon am nächsten Morgen vergessen und nahm ihre stundenlange Befragung wieder auf.  

Sie musste alles, was sie sah, kommentieren, stellte Fragen zu verschiedenen Pflanzen und Tieren, denen sie begegneten, und sie mussten mehr als einmal Halt machen, weil sie von irgendeiner Pflanze eine Probe mitnehmen wollte.  

Spike verstand zwar den Sinn dieser Aktion nicht, aber er schaffte es auch nicht, ihr die Begeisterung und Freude über jede neue Pflanze, die in ihrem Köfferchen verschwand, zu nehmen, indem er weiter ritt. 

Manchmal musste selbst er lächeln, wenn er sah, mit welchem Enthusiasmus und welcher Energie sie irgendetwas tat.  

Sie wollte alles wissen. Sie nervte ihn mit Fragen über die Jagd und über Fellbearbeitung. Sie wollte wissen, wie seine Armbrust funktionierte und wie man ein Schwert handhabte. Sie lernte Akpedorlan zu versorgen, ihn zu satteln und am vierten Tag bestand sie darauf, einmal im Sattel zu sitzen und ihn selbst zu lenken, während er sich mit dem Sitz auf dem bloßen Rücken seines Lieblingsdragos begnügen musste.  

Spike wusste selbst nicht, warum er es zuließ. Aber als sie dann quietschte und anfing zu lachen, nachdem sie es geschafft hatte, Akpedorlan zu einem Galopp zu bewegen und er sich an ihr festklammern musste, damit er nicht vom Rücken rutschte, ging ihm durch den Kopf, dass er lange nicht so viel Spaß gehabt hatte wie mit dieser Menschenfrau.  

Sie schien nie schlechte Laune zu haben und steckte ihn mit ihrer Lebensfreude einfach an. Und sogar ihre Wissbegier, die so völlig untypisch für eine Frau war, fing an ihm zu gefallen. 

Am fünften Abend, als sie ihr Lager aufschlugen, und Buffy anfing, davon zu reden wie neugierig sie auf die Stadt war, zog sich Spikes Magen zusammen. Schweigend versorgte er Akpedorlan, überließ es Buffy, sich um das Essen zu kümmern und verschwand im Wald.

Buffy runzelte kurz die Stirn, nahm jedoch an, dass er, wie so oft, irgendwo eine Stelle am Wasser kannte, wo er baden wollte und störte sich nicht weiter daran.  

Als er aber nach einer Stunde noch immer nicht zurück war, fing sie an, sich Sorgen zu machen. Sie nahm das Essen vom Feuer und folgte der Richtung, in die er gegangen war. 

Er lehnte am Waldrand an einem Baum und starrte gedankenverloren hinaus in die Steppe, in die Richtung, in der die Stadt liegen musste. Buffy sah an seinen noch nassen Haaren, dass er im Fluss gewesen war und wunderte sich, warum er nicht zum Lager zurückkam. Er sah sie nicht an, doch sie wusste, dass ihm seine Ohren und sicherlich auch seine Nase ihr Kommen längst verraten hatten. 

„Was ist los, Spike?“ fragte sie unruhig. Sie hatte sich in den vergangenen Tagen an seine Gesellschaft gewöhnt, hatte ihre Gespräche genossen und ihre Meinung, Vampire wären wirklich sehr nette hilfsbereite Wesen, hatte sich wieder gefestigt. Umso mehr beunruhigte sie sein jetziges Verhalten. 

Der Vampir fühlte sich eindeutig unwohl. „Ich denke darüber nach“, begann er zögernd, ohne sie anzusehen, „die Stadt allein aufzusuchen.“ 

„Wieso das?“ fragte Buffy verblüfft und klang fast erschrocken. 

„Ich kann alles besorgen, was wir brauchen, während du hier draußen wartest“, war seine lapidare Antwort. 

Buffy runzelte die Stirn, ging um ihn herum und stellte sich vor ihn, so dass er sie ansehen musste. „Warum das?“  

Er wich ihrem Blick aus und das war noch nie passiert.  

Buffy holte tief Luft. „Ich würde die Stadt gern sehen.“ 

„Ich kann dich nicht schützen.“ Spike hob den Kopf und sah sie endlich an. „Nicht, ohne dass du mein Zeichen und meinen Geruch trägst.“ 

Buffy starrte ihn mit großen Augen an und sagte leise. „Vielleicht solltest du mir endlich mal alles erklären? Was passiert, wenn ich ohne deinen Schutz die Stadt betrete?“ 

„Jeder Mann wird es riechen. Er wird riechen, dass es niemanden gibt, unter dessen Schutz du stehst und dir seinen… Schutz anbieten…“  

„Ja?“ 

„Vielleicht… oder wahrscheinlich mehrere. Sie würden um das Recht kämpfen. Um deine Gunst…“ 

„Echt?“ Buffys Augen wurden immer größer.  

Spike lächelte schwach. „Der Sieger übernimmt dich und damit deinen Schutz. Und das Wichtigste ist, anderen zu zeigen, dass du ihm gehörst, indem er dir sein Zeichen mit seinem Geruch verpasst. Es hält jeden anderen davon ab, irgendwelche Ansprüche an dich zu stellen.“ 

„Warum… gibst du mir nicht… dein Zeichen?“ fragte sie zögernd. 

Der Vampir legte den Kopf schief. „Ich müsste dich beißen“, hauchte er.

„W-was?“ Buffy glaubte, sich verhört zu haben. Das ist ein Witz. Das muss ein Witz sein, hämmerte es in ihrem Kopf. „D-du meinst… wirklich… d-du müsstest mich beißen? Beißen!?“ Sie umarmte sich selbst, als sie anfing zu frösteln und ihre Augen wie magisch von den jetzt stumpfen Zähnen in seinem Mund angezogen wurden.  

„Ja.“ 

„D-das ist barbarisch“, murmelte sie verzweifelt. „Und tut weh. Kannst du machen, dass es nicht so sehr weh tut?“ Spiele ich jetzt wirklich mit dem Gedanken, mich von ihm beißen zu lassen? Bin ich wahnsinnig?! 

„Das Zeichen allein reicht nicht, Buffy“, sagte er ernst. „Mein Geruch zusammen mit meinem Zeichen…“ 

„Und wie soll das passieren?“ erkundigte sie sich genervt. „Lass dir nicht jedes Wort aus der Nase ziehen. Wie, zum Teufel, kommt dein Geruch an… Oh Gott!“ Sie schlug die Hand  vor den Mund, als sie es endlich begriff. 

Er verzog den Mund. „Genau so.“ 

Alles, was sie vorher über nette und hilfsbereite Vampire gedacht hatte, verpuffte zu nichts. Das war wirklich die barbarischste Welt, die sie je kennen gelernt hatte.  

„Die armen Frauen!“ stieß sie hervor. „Das ist doch grausam, wenn sie sich immer beißen lassen müssen!“ 

„Mit diesen Zähnen“, meinte er nur und wechselte grinsend in sein Raubtiergesicht, so dass sie seine Zähne sehr gut sehen konnte, „gehört ein wenig Gewalt zum Sex.“ 

Buffy starrte ihn eine ganze Weile fast verzweifelt an. „Man könnte nicht erklären, dass ich ein Mensch bin und man mich anders behandeln muss?“ fragte sie dann mit einer Stimme, die sie von sich gar nicht kannte. 

Als er den Kopf schüttelte, fuhr sie fort. „Was ist mit den Frauen? Was ist, wenn sie den Mann nicht wollen?“ 

„Jede Frau will den Schutz eines Mannes. Wenn sie mit ihrem aktuellen nicht mehr zufrieden ist, verweigert sie den… Sex.“ Spike lächelte schief und nahm wieder sein menschliches Gesicht an. 

„Das kann sie?“ fragte Buffy ungläubig. 

„Natürlich. Der Geruch verliert sich und sagt ihrer Umgebung, dass sie einen neuen Schutz sucht. Und sie lässt die neuen Bewerber um sich kämpfen. Und bekommt den besten“, erklärte er. 

Buffy seufzte. Das klingt für die Männer auch nicht gerade nett.  

„Es ist nicht immer einfach für den Mann und eine große Verantwortung, wenn er sich darauf einlässt, den Schutz einer Frau zu übernehmen. Er muss für den Lebensunterhalt sorgen, für eine Unterkunft und für die Familie…“ 

„Wie… lange hält das an. Der Geruch meine ich… danach?“  

„Ein paar Tage.“  

Buffy fuhr sich nachdenklich durch die Haare. „Und dann muss ein Mann auch dafür sorgen, dass er seinen Geruch immer wieder erneuert und seine Frau in dieser Richtung zufrieden stellt, weil sie ihm sonst den Laufpass gibt?“  

„Das ist im seltensten Fall ein Problem. Wir waren einmal Raubtiere, Buffy, wie die Dragos…“ 

„Du meinst, ihr paart euch auch so? Oh Gott, jetzt weiß ich auch, was das mit der Beißerei auf sich hat.“ Buffy begann vor ihm hin und her zu laufen.  

Es ist total verrückt, darüber überhaupt nachzudenken.  

Aber die Alternative war, die nächsten Wochen keine Menschseele zu sehen und auf all die interessanten Sachen, die so eine Stadt barg, zu verzichten. Sie sah Spike scheel an. „Ich bin ein Mensch. Gibt es da nicht irgendwelche… Hemmungen? Schranken?“ 

„Warum? Du bist ein Frau.“ Er zuckte mit den Schultern. „Ich glaube nicht, dass da ein großer Unterschied ist und ich bin sicher, dass keiner meiner Artgenossen zögern würde, dir seinen Schutz anzubieten.“ 

„Du hast gezögert“, hielt sie ihm vor. 

„Ich wollte die Verantwortung nicht übernehmen.“   

Gott, wenn sie irgendwann ihre Freundin Anya wieder traf und ihr das erzählte! Sie war einen Monat auf einem fremden Planeten und überlegte, ob es schlimm wäre, mit einem Vampir zu schlafen.  

Das war nicht mehr zu toppen. Solch eine Möglichkeit hatte nicht einmal Anyas verrückter Verstand erwogen und die war, wenn es darum ging, sich etwas Vergnügen in Form von Sex zu verschaffen, sehr viel hemmungsloser als Buffy. 

Und irgendwie reizte Buffy der Gedanke. Sie war noch nie schüchtern gewesen, etwas Neues  auszuprobieren und wenn es Spike ihr anbot... Er schien jedenfalls kein Problem damit zu haben.  

Der Vampir lehnte noch immer an dem Baum und rührte sich nicht, sondern sah sie nur neugierig und abwartend an.  

Er konnte sehen, dass es in ihr arbeitete und die widersprüchlichsten Emotionen über ihr so leicht lesbares Gesicht huschten. Der Schreck und das Entsetzen waren verschwunden - wahrscheinlich war es mehr der Gedanke an seine Zähne, der sie geschockt hatte - und weniger der Gedanke an den Sex.  

Buffy musterte ihn noch immer nachdenklich. „Okay“, sagte sie dann langsam.  

Schlagartig richteten sich seine Haare auf, als die Erregung durch seinen Körper schoss.  

Doch sie streckte ihm abwehrend ihre Hand entgegen, als er sich vom Baum abstieß und mit einem, ihr Schauer über den Körper jagenden Verlangen in den Augen auf sie zu schlich.  

„Stopp!“ rief sie erschrocken. „Stopp. Stopp. Stopp. Spike, Menschen fallen nicht wie Dragos übereinander her, ja?! Könnten wir vielleicht vorher drüber... reden?“ 

„Reden?“ fragte er verständnislos, legte den Kopf schief und knurrte leise.  

Nicht reden? Shit. Auf was lasse ich mich hier nur ein?  

Doch sie wich nicht zurück, obwohl sie sich zum ersten Mal unsicher fühlte. „Küssen sich Vampire?“ 

„Küssen?“ echote er fragend. 

Küssen auch nicht. Toll!    

Ehe sie weiter reden konnte, hatte er sie erreicht. Sie fühlte sich übergangslos von starken Armen herum gewirbelt und spürte seinen schlanken sehnigen Körper, der sich gegen ihren Rücken presste. Ihr wurde himmelangst, als das Knurren sich verstärkte und seine stumpfen Zähne an ihrem Hals entlang fuhren.  

„Spike“, murmelte sie hilflos. „Das... funktioniert... so... nie...“  

Er lachte leise und biss sie sanft in den Hals, während seine Hände an ihrer Hose hantierten.  

Buffy wollte sich umdrehen, sie wollte ihn berühren und sie wollte, dass er sie berührte, doch er ließ es nicht zu und das machte sie wütend. Sie warf den Kopf in den Nacken, ignorierte das Gefühl seiner Zähne an ihrem Hals und stieß ihm den Ellenbogen in den Bauch. 

Er knurrte lauter, erregter, war jedoch für einen Moment überrascht. Buffy nutzte diesen Augenblick sofort, um sich zu drehen und ihn rückwärts gegen den Baum zu stoßen. Sie warf sich gegen ihn, um zu verhindern, dass er seinen Plan weiter verfolgte und zischte ihn an:

„Jetzt hör mir bitte einmal zu!“  

Da war ein amüsiertes Funkeln in seinen Augen und sie stellte fest, dass er gefährlich und einfach atemberaubend aussah, mit den aufgestellten Haaren und dem Hunger in seinen blauen Augen. Und sie spürte genau so seine Erregung, da es keine Luft zwischen ihren Körpern gab.  

Das ist ja sehr schön. Aber es ist an der Zeit, dass ich sein Level ebenfalls erreiche. Und davon bin ich im Moment noch weit entfernt. 

„Redest du immer so viel?“ erkundigte er sich und klang einfach nur belustigt.    

„Ja!“ Buffys auf seiner Brust ruhenden Hände hielten ihn gegen den Baum gedrückt. Ihr war schon klar, dass er sie jederzeit von sich stoßen konnte, aber jetzt schien er einfach nur neugierig zu sein, was sie eigentlich wollte.  

„Ich bin es nicht gewöhnt, einfach geschnappt und durchgevögelt zu werden, klar? Ich muss erst einmal in Stimmung kommen, ich möchte dich berühren. Ich möchte, dass du mich berührst...“ 

„In Stimmung kommen? Ich dachte, du hättest dich entschieden?“ fragte er erstaunt.    

„So schnell geht das nicht!“ Buffy seufzte und fuhr nachdenklich über seine Brust. Dann blickte sie ihm in die blauen Augen, in denen noch immer sein Verlangen brannte, und lächelte, weil sie annahm, dass er jetzt einfach darauf Rücksicht nahm, dass sie ein Mensch war und er eine Vampirfrau sicherlich schon längst auf den Boden geworfen und gevögelt hätte. „Ich werde es dir zeigen, okay?“ sagte sie leise und ihre Hände wanderten zum Bund seiner Hose. 

Seine Augen weiteten sich, als sie seine Hose öffnete, aber er rührte sich nicht. Er war viel zu erstaunt und auch zu neugierig auf das, was sie vorhatte.  

Ihre Hände streiften seine Hosen über seine Hüften und einen Moment fühlte er sich unbehaglich, als sich der Beweis seiner Erregung ihr entgegen streckte. Dann fühlte er ihre Finger, die über die nackte Haut seines Bauches tanzten, tiefer bis sie seine Erektion umschlossen und ein überraschtes Knurren drang aus seiner Kehle.  

Sie wandte ihren Blick nicht von ihm ab, sah seine Überraschung, sah wie die Leidenschaft seinen Blick trübte und er leise stöhnte, als sie ihn sanft streichelte.  

„Ich mag es“, sagte sie leise, „einen Mann zu berühren und ich mag es, wenn man mich so berührt. Könntest du dir vorstellen, das gleiche mit mir zu tun?“ Seine Augen hatten sich halb geschlossen und sie fühlte ihn zittern. „Du kannst mich dann haben wie du willst, auch auf deine Art, aber erst möchte ich, dass du mich berührst, damit ich... bereit für dich bin, ja?“ 

Spike glaubte zu sterben, wenn sie noch eine Weile weiter machte. „Ja“, stieß er hervor, schlang seine Arme um sie und wirbelte sie herum, so dass sie am Baum lehnte. Er hatte das noch nie getan, aber die Art und Weise, wie sie ihn behandelte, ließ weder Angst noch Schamgefühl aufkommen. 

Buffys Finger waren schon wieder auf ihm unterwegs, versuchten ihm sein Hemd über den Kopf zu streifen und er half ihr, obwohl er nicht vorgehabt hatte, seine Kleidung abzulegen.  

Fasziniert strichen ihre Finger über die nackte Haut. „Du hast einen fantastischen Körper“, murmelte sie und schmunzelte, als er ihr Shirt über den Kopf zog und dann mit den Knöpfen ihrer Hose kämpfte. Sie kickte die Hose von ihren Beinen und sein Knurren verstärkte sich wieder. Wortlos zog sie ihn an sich und hoffte, dass er die Beherrschung erst verlor, wenn es sie ebenfalls nicht mehr interessierte.  

Sein Kopf senkte sich an ihren Hals und sie fühlte die Vibrationen des Knurrens an ihrer Kehle, als er sie, noch immer sanft, biss. Dann wanderten seine Hände tiefer und sie seufzte, als er sie zwischen den Beinen berührte.  

Er schien keinerlei Erfahrung damit zu haben, sondern erforschte einfach, was er fühlte und Buffy umklammerte seinen Hals, als seine Finger ihren sensiblen Punkt streiften und ein Stromstoß durch ihren Körper jagte.  

Spike zog überrascht die Luft ein, als ein völlig neuer Geruch seine empfindliche Nase traf. Ein Geruch, der ihn schwindlig werden ließ und der Drang, sie auf den Boden zu werfen und sich in ihr zu vergraben, wurde fast übermächtig. Er fühlte die plötzliche Feuchtigkeit zwischen ihren Beinen und hob verblüfft den Kopf.  

„Es ist okay“, flüsterte sie und die Leidenschaft in ihren Augen ließ ihn fauchen. „Mach weiter, ja? An diesem Punkt... ja... genau... so...“  

Ihr Körper presste sich gegen seine Hand, ihr Kopf flog zurück gegen den Baumstamm und als dieser wahnsinnig erregende Duft noch stärker wurde, brachte es Spike um den Verstand. Knurrend biss er sie wieder in den Hals, fühlte sein Gesicht sich automatisch verwandeln, während sich ihr Körper ihm entgegen bog und ihre Hände in seinen Haaren klammerten. Sie wimmerte leise, als sie seine Zähne fast schmerzhaft spürte.  

Um Spikes Beherrschung war es geschehen. Er riss sie von dem Baum weg, stieß sie zu Boden, so dass sie auf ihren Knien landete und warf sich auf ihren Rücken.  

Buffy war zu benommen, um irgendwie zu reagieren. Zwischen ihren Beinen tobte ein Schmerz, der um Erlösung bettelte und alles, was sie spürte, war seine Erektion, die sich von hinten zwischen ihre Beine drängte, um ihr das zu geben, was ihr Körper verlangte.  

Sie dachte nicht mehr daran, dass er ein Vampir war und für einen Moment hörte die Erde auf, sich zu drehen, als er mit einem Knurren in sie stieß und sich seine Zähne in ihre Schulter bohrten.  

Wimmernd sank ihr Kopf nach vorn, während er sich mit wilden Stößen anfing zu bewegen, ohne seine Zähne aus ihr zu lösen und auch ohne, dass er aufhörte zu knurren.  

Es war Wahnsinn. Der Schmerz war nebensächlich im Vergleich zu dem Gefühl, ihn tief in sich zu spüren und der animalischen Art und Weise, in der er handelte, zu begegnen. 

Buffy fühlte, wie sich eine Woge in ihrem Innern anstaute und nur darauf wartete, ihre Gefühle zu überschwemmen, doch genau in diesem Moment lösten sich seine Zähne von ihr und mit einem lauten Knurren stieß er ein letztes Mal in sie und presste sie durch sein Gewicht flach auf den Boden, als er auf ihr zusammen brach.  

Und Buffy fluchte frustriert auf.    

Er rollte von ihrem Rücken zur Seite und sie war drauf und dran, ihn anzufahren, doch er sah sie mit seinem jetzt wieder menschlichen Gesicht auf eine Art und Weise an, die ihr den Atem stocken ließ.  

Zögernd hob er seine Hand und strich fast ehrfürchtig über die Bissstellen in ihrer Schulter.  

„Spike“, flüsterte sie leise, doch er schien sie kaum wahrzunehmen, sondern senkte den Kopf, um kurz mit der Zunge über die vier kleinen Wunden zu fahren. Sie erschauderte.  

„Spike“, begann sie wieder und er hob fragend den Kopf. „Dieses Gefühl, das du zum Schluss hattest...“ 

„Ja?“ murmelte er geistesabwesend. 

„Haben das eure Frauen auch?“ 

Er nickte zögernd und runzelte die Stirn. 

„Ich hätte es auch gern...“ sagte sie leise.  

Der Vampir holte tief Luft und fragte entgeistert. „Nicht in dem Moment, wo ich in dich eindringe...?“ 

Buffy schüttelte den Kopf. Diese Frauen waren wirklich glücklich, wenn das so einfach war.  

„Was... kann ich tun?“ Er würde so ziemlich alles tun. Sie roch so wunderbar nach ihm, sie trug sein Zeichen und ihr erregender Duft lag noch immer in der Luft. Er würde alles für sie tun.  

„Würdest du mich noch einmal berühren, so wie vorhin?“  

Er nickte und hörte sie seufzen, als seine Hand über ihren Körper hinunter zwischen ihre Beine fuhr. In diesem Moment sprach ihr Körper mit ihm in einer Art und Weise, die er nach den vorangegangen Tagen nicht für möglich gehalten hätte.  

Sie bettelte um seine Berührungen und während seine Finger sie streichelten, begann er wieder, an ihrem Hals zu knabbern.  

Sie umklammerte seinen Kopf und wünschte sich kurz, er würde sie küssen, doch all diese Gedanken verschwammen angesichts der Dinge, die seine Finger mit ihr anstellten. 

„Ja...“, flüsterte sie zusammenhanglos und fing an zu zittern. „Ja... ja... ja...“ 

Spike konnte an Hand ihrer Reaktionen feststellen, dass es verschiedene Zonen zwischen ihren Beinen gab, die jede anders auf seine Berührung ansprach und er fragte sich kurz, wie eine andere Frau reagieren würde, wenn er das tat.  

Sein Finger erkundete die feuchte Region, stieß in den Kanal, der sonst einem anderen Körperteil von ihm vorbehalten war und sie schnappte nach Luft. Sein eigener Körper reagierte sprunghaft auf die Verstärkung der Feuchtigkeit und damit des betäubenden Geruchs, doch er schwor sich, ihr jetzt erst zu geben, was sie wollte. Er konnte jedoch nicht verhindern, dass er wieder anfing zu knurren und ihre Augen flogen auf.      

Seine Augen hingen an ihrem Gesicht, er sah, wie sie keuchend nach Luft rang und ihr Blick sich verklärte, als die Leidenschaft übermächtig wurde. Unbewusst ließ er sich mitreißen, seine Hand presste sich gegen sie und zum ersten Mal in seinem Leben sah er einer Frau ins Gesicht, als sie im Orgasmus explodierte.  

Er wurde übergangslos steinhart, als ihr Kopf zurückflog und sie ihm, sicherlich ohne es zu ahnen, ihre Kehle anbot. Knurrend wechselte er das Gesicht und beugte sich über sie. Seine Zähne schrammten über die empfindliche Haut ihrer Kehle, ohne sie zu verletzen und seine Zunge leckte den salzigen Schweiß von ihrer Haut.  

Vielleicht war das der Grund, warum Wesen seiner Art sich nicht oder äußerst selten in dieser Position paarten. Es war gefährlich, wenn die Leidenschaft sie übermannte und die Zähne benutzt wurden und das ganze in einer Körperregion passierte, wo eine Verletzung leicht tödlich enden konnte.  

Spike wusste genau, dass Buffy davon keine Ahnung hatte, ja dass sie keinen Gedanken daran verschwendete, aber zu sehen, wie sie sich ihm entgegen bog und ihre schutzlose Kehle unter seiner Zunge vibrierte, jagte Schauer der Erregung durch seinen Körper.  

Ihre Beine schlangen sich um seine Hüften und zogen ihn an sich und selbst, wenn er es vorgehabt hätte, es wäre ihm jetzt nicht mehr möglich gewesen, sich zu beherrschen. Sein Körper vibrierte, als er den Drang, seine Zähne wieder in sie zu schlagen, nieder kämpfte, während er in sie stieß.  

Er hob den Kopf, als er anfing, sich zu bewegen und fand es plötzlich überaus faszinierend, sie dabei anzusehen. Die eigenartigen grünen Augen waren halb geschlossen und sie atmete keuchend, wenn sich ihre Hüften bei jedem harten Stoß trafen.  

Jetzt gehörte sie ihm. Sie war die erste Frau, die ihm allein gehörte, und der Gedanke gefiel ihm. Auch der Gedanke, die Verantwortung dafür zu übernehmen und sie sicher zu der menschlichen Station im Norden zu bringen.  

Sein Kopf senkte sich wieder und seine Zunge fuhr über ihre Kehle. Er würde sie nicht noch einmal beißen, weil er sie nicht verletzen wollte und so begnügte er sich damit, seine Lippen und seine Zunge über ihre Haut wandern zu lassen. Dann besann er sich auf ihre Worte und murmelte gegen ihre Haut, ohne seine Bewegungen zu unterbrechen. „Funktioniert es ein zweites Mal?“ 

Buffy schlang ihre Arme um seinen Nacken. „Ja“, stieß sie hervor und stöhnte, als sich seine Hand zwischen ihre Körper bewegte. „Oh Gott…  ja…“ Sie schrie, als die Lichter in ihrem Kopf angingen und sie für einen Moment nichts anderes fühlte als die Wellen der Lust, die durch ihren Körper jagten. Spike knurrte begeistert und biss sie sanft in den Hals, als er sich ein letztes Mal in ihr vergrub und auf ihr zusammensackte.  

Ihre Hände fuhren gedankenverloren durch seine hellen, fast gebleicht wirkenden Haare und ihr fiel auf, dass sie sich anders als menschliches Haar, irgendwie fester, anfühlten.  

„Das war schön, Spike“, murmelte sie und fiel aus allen Wolken, als er anfing zu schnurren.  

„Süß“, kicherte sie leise und strich ihm sanft übers Gesicht mit den halbgeschlossenen Augen. Das Schnurren wurde lauter. Obwohl sie noch ewig so liegen bleiben könnte, erinnerte sie sich an ihr Feuer und ihr Essen und an Akpedorlan, der jetzt sicherlich ihr gesamtes Abendessen verschlungen hatte. „Wir sollten zum Feuer zurückgehen, oder?“ 

Spike nickte und fing an, sich nach seinen Sachen umzusehen.

 

Teil 4                           

 

Buffy fiel es am nächsten Morgen sofort auf. Er sah sie anders an.

 

Sie kannte die Blicke, die ihr Männer zuwarfen, wenn sie scharf darauf waren, sie flach zu legen. Aber so schaute er nicht. Da war ein gewisser Hunger und sie nahm an, dass das kleinste Entgegenkommen von ihrer Seite in Sex enden würde.

 

Und da war auch ein gewisser Stolz.

 

Aber das war es nicht allein. Er sah sie an, als wäre sie etwas wirklich Kostbares. Etwas, das man nicht aus den Augen lassen durfte. Etwas, das man beschützen musste.

 

Er sah sie an, als würde sie ihm gehören. Und komischerweise beruhigte sie das ungemein. Denn soviel wusste sie jetzt. Mit seinem Zeichen und seinem Geruch hatte er ihr ein Versprechen gegeben.

 

Er würde für sie da sein und sie würde sich auf ihn verlassen können.

 

Es war gegen Abend, als sie die Stadt erreichten und Buffy reckte neugierig den Kopf. Sie saß wieder hinter Spike auf dem Drago und hatte angenommen, dass ihr Erscheinen für einen gewissen Aufruhr sorgen oder doch zumindest Neugierige anziehen würde.

 

Es geschah nichts dergleichen. Ab und zu traf sie ein neugieriger Blick und das war alles. Manchmal hörte sie ein: „Hallo, Spike! Auch mal wieder in der Stadt“, sah ihn zurück grüßen, doch im Großen und Ganzen schenkte ihnen niemand Beachtung, es war fast so, als würde tagtäglich eine Terranerin diese Stadt betreten.

 

„Ich falle gar nicht auf“, flüsterte sie Spike zu, als sie an einem Gasthof hielten und abstiegen. Wie eigentlich auch, wenn der überwiegende Teil der Bewohner seine menschlichen Gesichter zeigte. Nur hier und da bemerkte Buffy gelbe Augen und blitzende Reißzähne, und obwohl sie noch immer ein leichtes Erschaudern spürte, war es keine echte Angst.

 

Spike lächelte. „Warum auch? Du gehörst zu mir.“

 

So einfach.

 

Er drückte Akpedorlans Zügel einem jungen Vampir in die Hand, der ihn in den Stall bringen sollte. „Pass auf, dass er genug Fleisch bekommt.  Er wird sonst unleidlich“, wies er ihn an.

 

Buffy folgte ihm neugierig und aufgeregt ins Innere des Gasthofes. Die Stadt unterschied sich nicht sehr von den Städten, die sie aus terranischen alten Filmen kannte. Die Vampire bauten hauptsächlich mit Holz und kannten noch kein Glas. Die Fenster waren dementsprechend entweder offen oder mit Stoff verhängt.

 

Als sie den Gastraum betraten, rief ein Vampir, der hinter dem Tresen stand, erstaunt. „Spike, du alter Gauner! Sieht man dich auch mal wieder!“

 

Buffy sah sich neugierig um. Ein paar Vampire saßen an den Tischen, hatten die Köpfe gehoben und musterten die Neuankömmlinge. Eine Vampirfrau bediente die Gäste und schäkerte mit zwei jüngeren Vampiren, die wie Halbwüchsige aussahen und mit ihrem Raubtiergesicht recht wild umher schauten.

 

„Hallo, Gunn. Ich brauche ein Zimmer für heute Nacht und einen Tipp, wo ich hier ein gutes Drago kaufen kann“, begrüßte Spike den Wirt.

 

Gunn lachte und sah Buffy an. Diese fand, es wäre eine tolle Gelegenheit, ihre Sprachkenntnisse mal an einem anderen Vampir zu testen. „Hallo, ich bin Buffy. Ich komme von der Station im Norden und hatte einen kleinen Unfall mit meinem ... äh … Fluggerät. Gehört Ihnen dieser Gasthof?“

 

Gunn nickte und schmunzelte noch immer. „Spike“, sagte er dann amüsiert, „du bist immer für eine Überraschung gut. Erst schlägst du all die Wahnsinnsangebote der besten Frauen dieser Stadt aus und dann findest du eine Menschenfrau.“

 

Er hob witternd den Kopf und Buffy fand den Gedanken, dass jeder wusste, was passiert war, plötzlich gar nicht mehr so schön.

 

„Es waren noch nie Menschen in unserer Stadt“, sagte Gunn dann freundlich.

 

Buffy wollte gerade antworten, als eine Bewegung neben Spike sie ablenkte. Sie drehte den Kopf und sah die beiden Halbwüchsigen neben Spike stehen. Unwillkürlich rückte sie näher an ihn, als sie sah, wie die beiden in ihre Richtung witterten.

 

Spikes Haare richteten sich auf und er grollte leise, jedoch ohne sich zu bewegen. Die beiden rührten sich ebenfalls nicht und stellten nicht einmal ihre Haare auf.

 

Buffy hatte plötzlich das Gefühl, dass hier eine Unterhaltung stattfand, die keiner Worte bedurfte und die sie mit ihren beschränkten Sinnen nicht nachvollziehen konnte.

 

Spikes Körper spannte sich wie eine Feder, ob dieser wortlosen Provokation. Sein Knurren wurde lauter, übergangslos verschwand sein menschliches Gesicht und machte dem Raubtier in ihm Platz. Der Blick schien den beiden Hitzköpfen nicht zu gefallen, denn sie wandten sich ab und setzen sich wieder an ihren Tisch.

 

„Kinder“, meinte Gunn achselzuckend.

 

Spikes Haare legten sich und seine menschlichen Züge kamen wieder zum Vorschein.

 

„Spike, na so eine Überraschung.“ Die Vampirfrau, die bedient hatte, stellte ihr Tablett auf die Theke und Buffys Mund klappte auf, als sie an ihn heran trat, sich kurz an ihm rieb und ihn sanft in den Hals biss. „Nett, dich mal wieder zu sehen“, schnurrte sie.

 

„Hallo, Dru“, sagte er leise und zog ihren vertrauten Geruch ein. Es war der Geruch nach vielen Männern, all den Gästen, die keine einsame Nacht verbringen wollten, oder für eine kurze Stunde etwas Entspannung suchten.

 

„Du kannst dein Stammzimmer haben“, meinte Gunn und reichte ihm den Schlüssel. „Es ist zufällig frei. Bis morgen früh besorge ich dir die Namen aller Dragohändler in der Stadt. Wollt ihr oben essen?“

 

„Ja. Und danke schon mal.“ Spike nahm den Schlüssel, griff Buffys Hand und zog sie mit sich. Seine Sinne benebelten sich einen Moment, als sie vor ihm die Treppe hinauf stieg.

 

Sie roch so herrlich nach ihm und er konnte nicht mehr verstehen, wie er es geschafft hatte, seine Bedürfnisse mit einer Frau wie Drusilla zu befriedigen.

 

Buffy hatte ihre Sprache und auch ihre Neugier wieder gefunden. „Beißen Frauen Männer auch? So richtig, meine ich. So wie du mich?“

 

„Nein.“ Er schüttelte belustigt den Kopf.

 

Sie warf ihren Rucksack auf das Bett und grinste ihn an. „Hätte es dir gefallen, wenn ich dich auch so gebissen hätte wie dieses Flittchen vorhin?“

 

Seine Haare richteten sich schlagartig auf, als ihm heiß wurde und Buffy lachte. „Ha! Du könntest mich gar nicht anlügen. Deine komischen Haare verraten dich!“

 

Sie kam auf ihn zu und stieß ihm den Zeigefinger in die Brust. „Soll ich dir mal was sagen, du beißwütiges Raubtier? Wenn ich solche Zähne hätte wie du, würde ich dich beißen! Und wenn es nur deshalb ist, damit du mal weißt, wie weh das tut!“

 

Er senkte leise schnurrend den Kopf und hauchte neben ihrem Ohr. „Vielleicht würde ich dich lassen…“ Buffy konnte sich nicht rühren, als sich seine Lippen zu ihrem Hals bewegten und sie seine Zähne spürte. „Tat es sehr weh?“

 

„Ja“, flüsterte sie, obwohl sie sich an den Schmerz gar nicht mehr erinnern konnte und hörte ihn leise lachen.

 

„Du kannst mich auch nicht anlügen. Dein Geruch verrät dich…“

 

Sie fuhr überrascht zurück. „Du riechst, ob ich lüge?“ Das wurde wirklich immer interessanter.

 

Er nickte wortlos.

 

„Was sonst noch?“

 

Er kam nicht dazu zu antworten, weil es klopfte und Drusilla mit dem Essen vor der Tür stand. Sie stellte es auf den Tisch und verschwand wieder, nicht ohne Spike ein verführerisches Lächeln zu schenken. Buffy setzte sich und funkelte ihn an. „Du müsstest doch eigentlich auch nach mir riechen, oder?“

 

„Tue ich auch“, bestätigte Spike.

 

Buffy runzelte die Stirn. „Das stört sie wohl nicht?“

 

„Weißt du, nach wie vielen Männern sie riecht?“ grinste er belustigt. Irgendwie freute er sich, dass Drusillas Verhalten sie ärgerte, obwohl es ungewöhnlich für eine Frau war. Warum sollte er auch an einer anderen Frau interessiert sein, wenn ihr Geruch so deutlich sagte, dass sie zu ihm gehörte. Keine einheimische Frau würde einen Gedanken daran verschwenden.

 

Nach dem Essen warf Buffy sich aufs Bett und packte ihren Laptop wieder aus.

 

„Stört es dich, wenn ich noch ein wenig nach unten gehe und mir die neuesten Informationen besorge?“ fragte der Vampir.

 

„Nein“, murmelte Buffy geistesabwesend, während ihre Finger über die Tastatur huschten. Dann schien angekommen zu sein, was er sagte und ihr Kopf fuhr hoch.

 

„Was?“ Sie sprang auf. „Ich komme mit! Das ist doch kein Problem, oder? Sag nicht, dass das ein Problem ist. Ich möchte so gern etwas von der Stadt sehen, mich unterhalten und andere Leute kennen lernen.“

 

Spike runzelte die Stirn. Er würde sie lieber sicher und wohlbehütet in diesem Zimmer wissen. Und er wollte auf keinen Fall, dass sie zu vielen anderen Vampiren begegnete und anfing, darüber nachzudenken, ob jemand anders besser wäre als er. Aber ihren Worten zufolge, schien sie sich auch in dieser Hinsicht von anderen Frauen zu unterscheiden.

 

„Mir wäre lieber, du bleibst hier“, murmelte er trotzdem mürrisch und konnte nicht verhindern, dass sich ein Knurren in seiner Kehle bildete.

 

Buffy sah ihn überrascht an. Ihre erste Reaktion, auf seinen wie einen Befehl klingenden Satz, war Ärger, doch dann begann sie sich zu erinnern, was er über die Rechte einheimischer Frauen erzählt hatte. Ein leises Lächeln huschte über ihre Lippen, als sie vor ihm stehen blieb.

 

„Spike, auch wenn das für dich jetzt eigenartig klingt, aber du darfst mich nicht mit euren Maßstäben messen. Ich habe mit dir eine Vereinbarung getroffen, die beinhaltet, dass *du* mich nach SUNNYDALE bringst. Ich *möchte*, dass du mich zu der Station bringst. Du und niemand anders. Ich werde meine Meinung nicht morgen oder übermorgen wieder ändern, nur weil vielleicht einer deiner aufprotzenden Artgenossen versucht, mich zu beeindrucken.“

 

Sie konnte ihm viel erzählen.

 

Spike legte den Kopf schief. „Sicher“, meinte er ironisch. Warum sagt sie so etwas? Schließlich ist es vollkommen normal, dass eine Frau den stärksten Mann als Schutz wünscht. Es gibt keinen vernünftigen Grund, mir irgendwelche Lügen zu erzählen. Aber es irritierte ihn, dass sein Geruchsinn ihm nicht signalisierte, dass sie log.

 

Buffy sah ihm an, dass er ihr nicht glaubte, aber daran konnte sie nichts ändern. Und sie würde ganz bestimmt nicht auf die Gelegenheit verzichten, mehr vom Leben auf Vampire kennen zu lernen. Sie nahm seine Hand und zog den widerstrebenden Vampir zur Tür. „Komm schon, du misstrauischer Kater. Im Moment kann doch nichts passieren, oder?“

 

Und fuhr zusammen, als er sie plötzlich knurrend gegen die Tür presste und sanft in den Nacken biss.

 

„Ich werde um dich kämpfen“, fauchte er leise neben ihrem Ohr und seine Stimme jagte einen Schauer über ihren Körper. „Ich habe bisher noch keinen Kampf verloren.“

 

Ihre Augen schlossen sich, als seine Zunge über die Bissstellen an ihrer Schulter fuhr. Oh Gott, es ist echt krank, dass mir der Gedanke gefällt.

 

Dann ließ er sie los und öffnete die Tür. Und Buffy hatte große Mühe, ihm mit ihren plötzlich weichen Knien zu folgen.

 

Es wurde ein netter, und für Buffy wirklich erfahrungsreicher Abend. Der Gasthof war am Abend ein Anlaufpunkt für all jene, die sich einfach unterhalten und Neuigkeiten austauschen wollten, da es weder Fernsehen noch Radio gab, um zu erfahren, was sonst um sie herum passierte.

 

Die Vampire hatten Anfangs etwas Mühe zu begreifen, dass sich diese Menschenfrau, die so eindeutig nach Spike roch, an ihren Gesprächen beteiligte, neugierige Fragen stellte und sich nicht verkneifen konnte, ihre Meinung zu all den Dingen zu sagen, die sie hörte.

 

Ab und zu traf sie der prüfende Blick eines fremden Vampirs. Buffy fühlte, wie sich Spike verspannte und diesen Vampir mit Blicken fast erdolchte. Doch er beruhigte sich schnell wieder, weil er merkte, dass im Moment kein anderer Vampir wagen würde, Buffys Zugehörigkeit zu ihm in Frage zu stellen.

 

Als sie spät in der Nacht ihr Zimmer betraten, war Buffy noch erstaunter, als Spike zu ihr unter die Decke kroch, nur seine Arme um sie schlang und erklärte, es würde den Geruch an ihr verlängern, wenn er zusammen mit ihr in einem Bett schliefe.

 

Sie war davon ausgegangen, dass er darauf bestehen würde, seinen Anspruch auf sie zu erneuern und hatte schon überlegt, wie sie ihm erklären sollte, dass er sie nicht jedes Mal beißen konnte, weil sie sonst bald keine heile Stelle am Körper mehr hatte.

 

Dass er nichts dergleichen versuchte, überraschte sie und sie nahm sich vor, ihn am nächsten Morgen noch einmal ausführlich über diese seltsamen Schutzbeziehungen, die zwischen Vampiren herrschten, auszufragen.

 

In dieser Nacht genoss sie es einfach nur, in seinen Armen zu liegen, seinem leisen Schnurren zu lauschen und sie sagte sich, dass es gar nicht so schlimm war, auf diese Art und Weise zu reisen.

 

****************

 

Am nächsten Morgen kam Buffy nicht dazu, all ihre Fragen zu stellen, weil die Aussicht, loszugehen und ein Drago zu kaufen, sie viel zu sehr aufregte.

 

Sie zappelte schon am Frühstückstisch dermaßen aufgeregt herum, dass sich Spike belustigt fragte, ob sich alle  Menschen so lächerlich benahmen. Dabei freute sie sich einfach nur.

 

„Ich hatte noch nie ein Tier. Nicht einmal Fische“, erklärte sie ihm, als sie die Straße zum Mietstall hinab liefen.

 

Wieso jemand auch Fische halten sollte, war ihm unklar, doch er sagte nichts.

 

„Wie viel kostet ein Drago? Verträgt es sich mit Akpedorlan? Was ist mit Sattel und Zaumzeug? Hast du soviel Geld?“ bombardierte sie ihn fortwährend mit Fragen.

 

„Mach dir keine Sorgen. Wir kaufen alles, was du brauchst.“ Belustigt lächelnd betrat er den Mietstall und betrachtete der Reihe nach die Tiere in den einzelnen Boxen.

 

„Oh Gott!“ quietschte Buffy begeistert. Sie hatte noch nie in ihrem Leben so viele lebende Tiere auf einem Haufen gesehen. Die meisten, die sie bisher untersucht hatte, waren tot. „Ich wüsste gar nicht, welches ich nehmen soll. Die sind ja alle toll.“

 

Spike schüttelte den Kopf. „Die meisten sind nichts wert. Natürlich würden sie für den Ritt bis zur Station reichen, aber ich bin zu sehr Dragozüchter, als dass ich zulassen würde, dass du ein minderwertiges Tier reitest.“

 

„Oh“, machte Buffy nur und betrachtete die Dragos in den kleinen, aber sauber eingestreuten Boxen. Einige waren gerade gefüttert worden und fauchten wild durch die Gitterstäbe. Der ganze Stall war recht dunkel, aber sauber und die Tiere schienen gepflegt.

 

Buffy gefiel jedes Tier, doch Spike hatte an jedem etwas anderes auszusetzen.

 

Der Besitzer des Stalls, der sich ihnen mit dem Namen Wes’ley vorstellte, bemerkte sofort, dass er Spike nichts vormachen konnte.

 

„Kommt mit“, sagte er, nachdem Spike jedes Tier, das er ihnen angeboten hatte, ablehnte. „Ich habe noch ein wirklich schönes Drago, das ich eigentlich für die Zucht vorgesehen habe, aber wenn du mir den entsprechenden Preis bezahlst, verkaufe ich es auch.“

 

Buffy verließ sich voll auf Spike. Das Drago lag in einer Box etwas abseits und hob neugierig den Kopf. Spike sagte eine Weile nichts, sondern beobachtete nur schweigend, wie Wes’ley das Tier hoch trieb, damit sie es sich in Ruhe ansehen konnten.

 

Es war nicht ganz so groß wie Akpedorlan und hatte einen schlanken edlen Kopf mit großen ausdrucksstarken dunklen Augen. Den muskulösen Hals bedeckte keine Mähne und sie sahen, wie die Muskeln unter der Haut spielten, als es den Hals wölbte und witternd die fremden Gerüche einsaugte.

 

Auch das Fell dieses Tieres glänzte, doch nicht in Akpedorlans dunklem Nachtschwarz, sondern mit einem Stich ins grau. Buffy sah, dass sich die Farbe des Fells die Beine hinab weiter aufhellte bis sie an den Pfoten in weiß endete.

 

Buffy fand das Tier himmlisch, sagte aber nichts, weil es Spikes Entscheidung war. Doch sie jubelte innerlich, als er nach dem Preis fragte. Es folgte eine Feilscherei, bei der sie abschaltete, und eine halbe Stunde später führten sie das Drago, komplett gesattelt und aufgezäumt, aus dem Stall.

 

Buffy fühlte sich so stolz wie noch nie in ihrem Leben, als sie mit dem Tier an ihrer Hand die Straße zum Gasthof zurück liefen. Ihre Hand fuhr immer wieder über das weiche Fell und sie lächelte glücklich, als das Drago leise schnurrte.

 

„Du kannst ihr einen Namen geben“, sagte Spike amüsiert.

 

„Es ist ein Weibchen?“ Buffy betrachtete das Drago mit neuer Ehrfurcht.

 

„Ich hatte nie vor, ein männliches Tier zu kaufen. Das gäbe zuviel Probleme mit Akpedorlan“, meinte er nur.

 

Im Gasthof angekommen, quartierten sie das Drago in der Box neben Akpedorlan ein und beobachteten, wie dieser aufstand und seine neue Nachbarin durch die Gitterstäbe musterte.

 

Buffy war kaum wieder aus dem Stall heraus zu bekommen. „Ich kann es nicht fassen“, murmelte sie immer wieder. „Ich besitze jetzt ein Drago. Ein richtiges echtes Drago. Noch dazu ein besonders Schönes. War das viel Geld? Ist es zu teuer gewesen?“

 

Spike zog sie hinter sich her. „Wir haben noch eine Menge einzukaufen, wenn wir Morgen weiter wollen. Vor allen Kleidung. Du kannst nicht immer in diesem auffälligen Zeug herum laufen."

 

„Was ist falsch an meiner Kleidung?“ fragte sie spitz.

 

Er grinste, beugte sich kurz zu ihr und knurrte in ihr Ohr. „Sie verdeckt mein Zeichen.“

 

Dazu fiel ihr einfach nichts ein. Und vielleicht war es auch nicht übel, etwas luftigere Kleidung zu tragen, da man die Temperaturen mit ca. 20 bis 25 Grad schon sommerlich warm nennen konnte.

 

Sie verbrachten den ganzen Nachmittag damit, Kleidung, extra Decken, Handtücher und Seife zu kaufen und den Rest des Abends mit der Anprobe der Sachen.

 

Spike amüsierte sich köstlich über Buffy, die keine Ahnung davon hatte, wie sie was anziehen sollte und sich darüber halb totlachte, wie dumm sie sich anstellte.

 

„Das ist echt kompliziert“, schimpfte sie belustigt, stellte dann jedoch fest, dass sich die Kleidung weich und bequem an ihren Körper schmiegte. Sie trug jetzt genau wie Spike eine dünne lederne Reithose, über die Frauen jedoch noch ein Tuch schlangen, wahrscheinlich damit ein Teil ihrer Figur vor den neugierigen Blicken anderer Vampire geschützt wurde.

 

Buffy war der Meinung, dass sie sich das schenken konnten, wenn die Frau im gleichen Atemzug ein Oberteil trug, das ähnlich einem Top nur von schmalen Lederstreifen über ihren Schultern gehalten wurde und ihren Hals und die Arme frei ließ. Zu dem ganzen gehörte eine Jacke, ebenfalls aus weichem Leder, die Buffy jetzt jedoch nicht probierte, weil es einfach zu warm war.

 

Selbst das Fehlen von Unterwäsche, die Vampire nicht zu benutzen schienen, störte sie jetzt, da sie die Kleidung anhatte, nicht, obwohl sie den ganzen Rückweg in den Gasthof darüber geschimpft hatte.

 

„Wie sehe ich aus?“ fragte sie den Vampir, der am Tisch lehnte und sie mit großen Augen anschaute. „Entspricht das mehr deinen Vorstellungen?“

 

Seine Haare richteten sich wortlos auf und sie fing an zu lächeln. Ihre Augen wanderten zu ihrer Schulter und sie fuhr unbewusst mit den Finger über die noch nicht verheilten Narben seiner Zähne, die nun für jeden deutlich sichtbar zu erkennen waren. „Das ist schon ein komischer Brauch, weißt du das? Eure Frauen müssen doch total entstellt sein, wenn sie sich jedes Mal Bisse einfangen, wenn ihr Sex habt.“

 

„So oft ist das nicht.“ Spike konnte seinen Blick nicht wieder von ihr los reißen. Sein Zeichen zusammen mit seinem unverkennbaren Geruch an ihr, lösten ein Gefühl in ihm aus, das er in dieser Stärke noch nie erlebt hatte: Stolz.

 

Er registrierte auch Buffys Stirnrunzeln nicht, weil er mehr damit zu tun hatte, in dem herrlichen Duft, der sie umgab, zu versinken. Bis er aus seinen Träumereien schnappte, weil sie sagte:

 

„Ich denke, da gibt es noch einiges, das du mir erklären solltest.“

 

Teil 5

 

„Ich denke, da gibt es noch einiges, das du mir erklären solltest.“

 

Spike sah sie endlich wieder an.

 

„Was heißt: So oft ist das nicht?“ konkretisierte Buffy ihre Frage. „Ich denke, der Geruch muss immer wieder erneuert werden?“

 

Er nickte. „Ja, je nachdem wie lange er sich hält. Meistens so alle sieben bis zehn Tage. Wenn die Frau das Zeichen einmal trägt, ist es nicht unbedingt nötig, es jedes Mal zu erneuern. Aber es stimmt schon, manche Männer können sich weniger beherrschen als andere und deren Frauen tragen eine Menge Zeichen. Aber sie sind stolz darauf.“

 

Buffy kam langsam näher und blieb vor ihm stehen. „Habe ich das jetzt richtig verstanden? Ihr schlaft nur miteinander, um diese Verbindung wieder aufzufrischen?“ Sie klang ungläubig.

 

„Oder wenn die Frau Kinder möchte. Dann beginnt ihr Körper, Duftstoffe auszusenden, die einen Mann... etwas verrückt... machen.“ Er lächelte leicht. „Es ist so ähnlich wie das, was passiert war, als ich dich berührt habe...“

 

„Was ist da passiert?“ piepste Buffy erstaunt.

 

Er runzelte die Stirn. „Der Geruch, der von dir ausging war... Wahnsinn...“, gab er zögernd zu.

 

Oh Gott. Er riecht Erregung. *Das* ist  Wahnsinn. Obwohl sie es sich bei seiner empfindlichen Nase hätte denken können.

 

Sie musste ihn so fassungslos angesehen haben, dass er neugierig wurde. „Wie zeigen Menschen, dass sie zusammen gehören?“

 

Ja, wie zeigen sie es?

 

Buffy fuhr sich durch die Haare. „Sie... sie sagen es. Und die Umwelt merkt es, wenn zwei Menschen zusammen leben. Oder sie heiraten und dann wird schriftlich festgehalten, dass diese zwei einen Bund geschlossen haben. Aber das passiert eher selten, da eine Heirat auch wieder schriftlich gelöst werden muss, wenn man sich wieder trennt.“

 

„Wie wählt eine Menschenfrau einen Mann?“

 

Das war eine eindeutig schwere Frage.

 

„Ich weiß gar nicht, wie ich dir das erklären soll“, murmelte sie. „Man begegnet sich, findet sich nett oder nicht. Man verbringt Zeit miteinander, um sich besser kennen zu lernen. Man geht zusammen ins Bett. Und manchmal…“ Sie suchte nach dem Begriff in seiner Sprache und stellte fest, dass es ihn nicht gab. Verlieben. Liebe. Vampire schienen kein Wort zu kennen, das dem terranischen „Liebe“ entsprach. „Liebe“, benutzte sie deshalb den terranischen Begriff. „Manchmal verliebt man sich ineinander und stellt fest, dass es der Richtige ist.“

 

„Das klingt... seltsam.“ Spike gab sich wirklich Mühe, zu verstehen was sie sagte. „Was ist Liebe?“

 

Es war ungewohnt, ein terranisches Wort aus seinem Mund zu hören und sie lächelte schwach, ehe sie seufzte. „Liebe ist ein Gefühl. Ein sehr starkes Gefühl, das man für jemanden empfindet. Es ist mehr als jemanden gern haben oder jemanden mögen. Echte Liebe bedeutet, dass man alles miteinander teilt: Leidenschaft und Verlangen, aber genauso Trauer und Wut. Und wahre Liebe ist zeitlos...“ Sie lachte. „Gott, ich weiß nicht, ob es wahre Liebe wirklich gibt. Romantische Geschichten sind voll davon. Aber Liebe ist, jemanden wirklich wirklich gern zu haben. Irgendwie mehr als gern. Verstehst du das?“

 

„Nicht so richtig“, gab er ehrlich zu. „Hier wählt eine Frau ihren Mann nach seiner Stärke. Das sichert ihr erstens Schutz und zweitens den Lebensstandard, den sie braucht, um sich und ihre Kinder zu versorgen. Ein Mann hat seine Frau zweifelsfrei gern, aber er akzeptiert es, sie zu verlieren, wenn sie einen Kampf fordert, damit er beweisen muss, dass er seine Stärke noch besitzt. Es sichert das Überleben der Frau, sich immer den stärksten Partner zu suchen.“

 

Buffy war schockiert. „Das ist barbarisch.“

 

„Nein.“ Spike schüttelte den Kopf. „Indem die Frau sich einen starken Mann nimmt, sorgt sie dafür, dass ihre Nachkommen ebenfalls die Stärke besitzen, die sie brauchen, um sich fortzupflanzen.“

 

„Was ist, wenn er alt wird und schwächer?“

 

Spike grinste verschmitzt und Buffy stellte wieder einmal fest, dass er einfach süß aussah, wenn er das tat. Und so menschlich…

 

„Bevor eine Frau ihren derzeitigen Mann ablehnt“, erklärte er dann, „sollte sie schon überlegen, ob es noch genügend Angebote geben wird, die ihr einen besseren sichern.“

 

„Hm.“ Buffy musterte ihn nachdenklich. „Und du hattest bisher noch keine Frau für dich? Warum nicht?“

 

„Jeder Mann sollte sich Zeit lassen, um seine Stärke und Kampfkraft zu trainieren und sich selbst, ohne größere Gefahr, einschätzen lernen. Ich hatte einfach nicht die Lust, mich auf die Verantwortung einzulassen.“

 

„Kann ein Mann eine Frau ablehnen?“

 

„Sicher. Auf die gleiche Art. Wenn eine Frau keinen Geruch mehr trägt, geschah das durch ihren oder durch seinen Willen. Wenn es wegen ihm war, wird er sich natürlich auf keinen Kampf einlassen, sondern sie dem nächstbesten Bewerber geben.“

 

Buffy verschränkte die Hände vor der Brust. „Du hättest es auch ablehnen können, mir zu helfen. Warum hast du es nicht getan? Dabei konntest du nicht einmal ahnen, dass ich mich auf diese Bedingungen einlasse.“

 

Er lachte auf. „Ich bin ehrlich. Mir ist der Gedanke, dass du keine Ahnung davon hast, erst später gekommen, als ich merkte, dass du keinerlei Signale in dieser Richtung aussendest.“

 

Buffy fing auch an zu lachen.

 

„Ich hätte dich nie allein da draußen gelassen. Das hätte niemand. Und dann sagtest du, du willst nur bis zur Station und du bezahlst dafür.“ Er zuckte mit den Schultern. „Da dachte ich, warum nicht mal so eine Verantwortung auf Zeit ausprobieren.“

 

Buffy runzelte die Stirn. „Dafür nimmst du es ja jetzt reichlich ernst.“

 

Der Vampir musterte eine Weile angestrengt den Fußboden, doch dann hob er den Kopf und schaute sie mit schief gelegtem Kopf an. „Ich habe nicht geahnt, was es für ein Gefühl ist, wenn eine Frau nur meine Zeichen trägt und nur nach mir riecht“, sagte er leise.

 

Er sah so glücklich aus, dass ihr plötzlich keine Worte mehr einfielen. Vielleicht kannten sie kein Wort für Liebe, aber das, was jetzt aus seinen Augen sprach, kam diesem Gefühl gefährlich nah.

 

Sie schlang ihre Arme um seinen Hals und zog ihn an sich. „Seit ich dich kenne“, flüsterte sie, „wünsche ich mir, wenigstens einmal deine Nase zu haben.“

 

Er schnurrte leise mit seinem Gesicht an ihrem Hals und Buffy fragte sich zum wiederholtem Mal, wie es sein konnte, dass diese Wesen sich auf der einen Seite so wild und kämpferisch gaben und sich im nächsten Moment in schnurrende Katzen verwandelten. Sie nahm sein Gesicht in ihre Hände.

 

„Menschen, Spike, beißen sich nicht. Aber sie küssen sich.“ Vorsichtig und sanft drückte sie ihre Lippen auf seinen Mund und fühlte ihn erstarren.

 

Er zog seinen Kopf zurück und sie las die Fragen in seinen Augen. Buffy lächelte.

 

Zögernd und unsicher bewegte sich sein Kopf wieder auf sie zu bis sich ihre Lippen berührten. Sie wollte ihn nicht drängen und auch nicht erschrecken und überließ es ihm, dieses reine Berühren der Lippen wieder abzubrechen. Aber sie seufzte leise, als er es schließlich tat.

 

„Ihr Menschen seid wirklich seltsam“, murmelte er, noch völlig im Bann des Gefühls, das ihre Lippen auf seinen ausgelöst hatten. Er hob seine Hand und strich über ihre Schulter, bis hin zu seinem Zeichen. „Du siehst sehr schön aus in dieser Kleidung.“

 

Buffy kicherte. „Ich glaube, dir ist völlig egal, was ich anhabe. Hauptsache, du kannst sehen, wo du deine Zähne hattest, stimmt’s?“  

 

Spike zog sie lächelnd an sich. Seine Zunge fuhr über die Narben und er atmete tief den herrlichen Duft ein, der zu ihm gehörte. Er könnte sich daran gewöhnen. Sein Gesicht vergrub sich an ihrem Hals und er schloss die Augen, als er wieder leise anfing zu schnurren.

 

Buffy war einfach nur hingerissen. Es war das erste Mal, dass ein Mann ihr, ohne den Hintergedanken, sie innerhalb der nächsten Minuten flach legen zu wollen, eine derartige Zärtlichkeit schenkte.

 

Er schien nicht einmal daran zu denken und Buffy schob die Idee, auszuprobieren, ob sie ihn umstimmen konnte, von sich, weil es ihr gefiel, einfach von ihm im Arm gehalten zu werden.

 

Ihre Beziehungen zu Männern auf der Erde waren im Allgemeinen davon geprägt, sich selbst die sexuelle Befriedigung zu geben, die sie brauchte. Sie war nie schüchtern gewesen, zu sagen, was sie wollte, oder wenn es darum ging, irgendwelche Experimente anzustellen.

 

Grinsend dachte sie an eine Wette mit Anya, bei der es darum ging, wer es schneller schaffte, einen Mann auf der Damentoilette in einem der berühmten Spielcasinos zu verführen. Anya hatte gewonnen und sie erinnerte sich jetzt noch lachend an die schockierten Gesichter einiger Frauen, die die unmissverständlichen Geräusche aus einer der Toiletten vernahmen und eiligst den Raum verließen.

 

Buffy liebte Sex und das war wahrscheinlich auch der Grund, aus dem sie selbst der Gedanke an Sex mit einem Vampir nicht unbedingt abgeschreckt hatte. Aber sie hatte noch nie, wirklich noch nie, eine Nacht einfach nur in den Armen eines Mannes geschlafen.

 

Und sie hatte auch noch nie erlebt, dass ein Mann sie so ansah wie Spike.

 

Besitzergreifend, fast ehrfürchtig und unheimlich stolz. Und sie wusste genau, es spielte für ihn absolut keine Rolle, dass sie ein Mensch war.

 

Auf seine vampirische Weise hatte er sie gern.

 

***********

 

Am nächsten Morgen allerdings war Buffy mehr als stolz, als sie ihr Drago aus dem Stall holte und mit Spikes Hilfe all ihr Gepäck darauf befestigte, ehe sie aufstieg.

 

„Ich habe beschlossen, sie Selina zu nennen“, verkündete sie und er nickte zustimmend.

 

„Ein schöner Name.“

 

Es war etwas neu, jetzt allein im Sattel zu sitzen und niemanden vor sich zu haben, an den man sich im Notfall festklammern konnte, aber Spike beruhigte sie und meinte, sie würden den Tag ruhig angehen lassen, damit sie sich an ihr Reittier und dieses sich an sie gewöhnen konnte.

 

Selina war ein sanftmütiges Tier und reagierte sensibel auf alles, was Buffy vom Sattel aus tat. Als sie später ruhig nebeneinander her trabten, erinnerte sich Buffy an einen Bekannten, der auf der Erde schon einmal geritten war und erzählt hatte, wie fürchterlich man im Trab geschüttelt wurde und wie schreckhaft Pferde manchmal waren.

 

Sie hatte damit keine Probleme, aber wahrscheinlich lag es daran, dass sich Dragos auf ihren samtweichen Pfoten leicht schaukelnd bewegten, so dass der Reiter die Erschütterungen gar nicht spürte.

 

Spike lachte, als sie ihm von terranischen Pferde erzählte.

 

„Bei einem Drago wirst du nicht erleben, dass es flüchtet. Dragos greifen zuerst an, bevor sie Angst haben. Eigentlich habe ich bisher nur ein einziges Mal erlebt, dass Akpedorlan so etwas wie Furcht verspürte. Und das war, als ich ein Sumpfgebiet durchqueren wollte und der Boden unter seinen Pfoten nachgab.“ Er grinste bei der Erinnerung. „Ich habe damals beschlossen, seinem Instinkt zu vertrauen und einen anderen Weg genommen.“

 

Sie rasteten kurz über Mittag und dann am frühen Abend, weil Spike sich noch um frisches Fleisch für die Dragos kümmern wollte.

 

„Wir könnten sie auch selbst jagen lassen, aber da Selina noch nicht an uns gewöhnt ist, kann es sein, dass sie nicht von selbst zurück kommt“, erklärte er, als er das Drago an einem Baum festband.

 

Akpedorlan hatte sich schon wieder einen Platz zum Schlafen gesucht und träge die Augen geschlossen. Spike vergewisserte sich trotzdem noch einmal. „Du hast kein Problem, wenn ich jetzt eine Weile weg bin?“

 

„Nein.“ Sie setzte sich ans Feuer und packte ihren Laptop aus. „Ich habe eine Waffe. Ich habe Akpedorlan, der mich verteidigt. Und ich habe etwas zu tun. Kein Problem. Geh nur.“

 

Er lächelte leicht und meinte, es wäre viel einfacher mit ihr zu reisen als mit einer einheimischen Frau. Auch wenn sie sehr viel mehr reden würde...    

 

Buffy warf ihm einen Stock hinterher, als er lachend zwischen den Bäumen verschwand.

 

***********

 

Am dritten Tag begann Selina, sich eigenartig zu verhalten. Buffy merkte es schon am Morgen, als sie leise maunzte, während sie ihr den Sattel auflegte. Akpedorlan spitzte die Ohren und hob witternd seine Nase, blieb aber ansonsten noch recht ruhig.

 

Sie folgten dem Lauf des Flusses und den ganzen Tag über hatte Buffy das Gefühl, dass sich ihr Drago unwohl fühlte. Sie schüttelte immer wieder den Kopf, schnurrte und maunzte gleichzeitig und reagierte manchmal überhaupt nicht auf Buffys Hilfen.   

 

„Was hat sie denn nur?“ murmelte sie bedrückt und bemerkte Spikes grinsenden Blick nicht, weil sie zu beschäftigt damit war, Selina zu kraulen und zu beruhigen.

 

Als allerdings Akpedorlan anfing, seine Mähne aufzustellen und leise zu knurren, beschloss Spike, dass es Zeit war, den Tag für heute enden zu lassen. Er sah sich nach einem Rastplatz für die Nacht um und führte sie zum Waldrand.

 

„Sattel Selina ab und lass sie laufen“, sagte er nur, während er selbst Akpedorlan von Sattel und Zaumzeug befreite.

 

„Warum? Läuft sie jetzt nicht mehr weg?“ Buffy war ernsthaft besorgt und verstand überhaupt nicht, warum Spike noch immer so ruhig blieb.

 

„Sie hat jetzt andere Sorgen.“ Er stapelte seinen Sattel neben Buffys, nahm sie an die Hand und zog Buffy neben sich auf den Boden. „Entspann dich, Buffy. Und lass den beiden ihren Spaß.“ Er lehnte sich an den Baum in seinem Rücken und amüsierte sich über ihr verblüfftes Gesicht.

 

„Was? Du meinst, sie...“ Ihr fassungsloser Blick wanderte zu den beiden Dragos, die sich schnüffelnd umkreisten. Akpedorlan knurrte mit aufgestellter Mähne und plusterte sich so auf, dass er noch einmal so groß wirkte.

 

 „Oh Gott. Wenn er meine Selina beißt, trete ich ihm in den Hintern!“ schimpfte Buffy.

 

Spike lachte, zog sie an sich und legte ihr den Arm um die Schultern. Ein leises Knurren kam aus seiner Kehle, als er ihr ins Ohr flüsterte. „Er wird sie beißen.“

 

„Oh nein. Mein schönes Drago“, jammerte Buffy und sah doch irgendwie fasziniert, wie sich die beiden Katzen belauerten.    

 

Selina schnurrte lauter und rieb ihren Kopf an Akpedorlans. Mit einem wilden Knurren stürzte sich der Drago auf das weibliche Tier. Und Selina knurrte ebenfalls, als er seine Zähne in ihren Nacken grub und sie auf den Boden drückte, als er sie bestieg.

 

Buffy konnte ihre Augen nicht mehr abwenden. Sie hatte schon Katzen bei der Paarung beobachtete, auch andere Raubtiere, das brachte einfach ihr Studium mit sich, aber als sie jetzt die zwei Dragos sah, erinnerte sie sich plötzlich an das Knurren des Vampirs neben ihr, als er sich in ihr vergraben hatte und ihr wurde heiß.

 

Es war so wild und animalisch, dem der Dragos so ähnlich…

 

Spike schmunzelte über ihren gebannten Blick und biss sie spielerisch in den Hals. Buffy erschauderte, als sie seine Zähne spürte und ihr Körper reagierte. Im gleichen Augenblick schoss Spikes Kopf hoch und er starrte sie fassungslos an.

 

Mit einem verlegenen Lachen schlug sich Buffy die Hand vor den Mund. „Oh Gott, du merkst das… das ist… peinlich…“

 

Seine Augen schienen sich zu verdunkeln, als die Erregung durch seinen Körper fuhr. Es war das letzte, was er erwartete hatte.

 

Aber der Geruch, der ihn plötzlich umschwebte, benebelte seine Sinne dermaßen, dass er sich am liebsten wie Akpedorlan benommen hätte. Doch irgendwo war ein Rest von Verstand, der ihn an Buffys Worte beim letzen Mal erinnerte.

 

Er zog sie an sich und seine Haare richteten sich auf. Buffys Hände strichen über sein Gesicht, sanft und zärtlich, und als ihm einfiel, dass sie ihn mit diesen Händen nie verletzen oder fortscheuchen konnte, fing sein Körper an zu zittern. Dann waren ihre Lippen auf seinem Mund und er knurrte überrascht auf.

 

Sie lachte leise und neckte ihn, indem sie mit ihrer Zunge über seine Lippen fuhr.

 

Spikes Körper stand in Flammen. Er hatte keine Ahnung, warum sie es schon wieder wollte, obwohl sein Geruch immer noch so deutlich an ihrem Körper hing, aber es war ihm egal. Mit einem Grollen warf er sich auf sie, presste sie gegen den Boden und biss sie in den Nacken, während seine Hände ungeduldig damit beschäftigt waren, ihr die Hose die Hüften hinab zu ziehen.

 

Buffy stöhnte und schwor sich, ihn das nächste Mal festzubinden, damit sie endlich Gelegenheit bekam, seinen Körper zu erforschen. Dann bewegte sich seine Hand zwischen ihre Beine und sie vergaß jeden anderen Gedanken. Ihr Hintern hob sich ihm entgegen, drängte sich gegen seine Hand und sie nahm kaum wahr, dass sich sein Knurren verstärkte und seinen Körper vibrieren ließ. Spikes Zähne – er schien schon wieder das Gesicht gewechselt zu haben - wanderten über ihren Rücken, bissen sie sanft in die Hüfte, ohne dass das Knurren verklang.

 

Der Geruch wurde zu stark. Genau so stark wie bei einer Frau in dieser bestimmten Phase und doch irgendwie anders, aber Spike entzog er die Kontrolle.

 

Und Buffys drängende Bewegungen taten ein Übriges. Mit einem Fauchen stieß er in sie und hörte sie leise aufstöhnen. Dieses Stöhnen, das im Gegensatz zu einer anderen Frau nicht genau so ein Fauchen war wie sein eigenes, setzte einen Funken in seinem Kopf wieder in Gang.

 

Er knurrte erneut leise, während er anfing, sich zu bewegen. ,Seine Hand wanderte um ihren Körper herum, ihren Bauch hinab, zwischen ihre Beine. Er dachte in diesem Moment nicht daran, dass seine Krallen ebenfalls ausgefahren waren, aber sie waren nicht so scharf, dass er sie verletzten konnte, als er sie sanft berührte.

 

Buffy reichte es. Sie spürte die Krallen und ihr Körper schüttelte sich in einem so plötzlichen Orgasmus, der sie selbst überraschte. Sie bäumte sich auf und für einen Moment jagten die Schauer über ihre Haut, als ihr Körper zitterte und ein Wimmern entrang sich ihrer Kehle.

 

Spike knurrte lauter, als er es spürte und seine Zähne bissen in ihren Nacken. Fest, aber nicht so fest, dass er sie verletzt hätte.

 

Meine Frau. Sie ist meine Frau, hämmerte es in seinem Kopf. Mit einigen wilden Stößen überschritt er selbst die Kante und brach mit einem Grollen auf ihr zusammen.

 

Buffy benötigte eine ganze Weile, ehe sie überhaupt in der Lage war, wieder zu denken, geschweige denn, sich zu rühren. Dann spürte sie Spikes Gewicht, der noch immer auf ihrem Rücken lag.

 

„Du bist schwer“, murmelte sie. „Geh runter von mir.“

 

Er fuhr zurück, als hätte er sich verbrannt und erinnerte sich erst dann, dass sie keine Krallen besaß, die ihre Forderung unterstützen konnte.

 

Buffy zog ihre Hosen wieder an, lehnte sich neben ihn und sah ihn stirnrunzelnd an. „Was war das jetzt?“ fragte sie verdutzt.

 

Er schnurrte leise und strich zu ihrem Erstaunen mit seinen Lippen über ihren Mund. „Hab vergessen, dass du keine Krallen hast…“

 

„Warum sollte ich sie benutzen, wenn ich welche hätte?“ erkundigte sich Buffy entgeistert.

 

Fast schien es, als hätte er ihre Frage gar nicht gehört, weil er mehr damit beschäftigt war, ihren Hals mit seiner Zunge zu untersuchen, doch dann hörte sie ihn murmeln. „Ich habe schon schlechte Erfahrung damit gemacht. Es gibt Frauen, die benehmen sich danach wie deine Selina gerade.“

 

Buffy hatte gar nicht mehr an die Dragos gedacht und hob jetzt erstaunt den Kopf. Akpedorlan schlich jetzt mit gesenktem Kopf schnurrend um Selina herum, versuchte, sich ihr zu nähern, doch jeder seiner Versuche wurde mit einem fauchenden Prankenhieb belohnt.

 

Buffy war entsetzt, doch hier handelte es sich um Tiere. Sie konnte nicht verstehen, wie eine Frau, die gerade ein fantastisches Erlebnis mit einem Mann geteilt hatte, ihn eine Minute später fauchend aus ihrem Bett jagte.

 

„Menschen tun das nie, oder? Wie auch, ohne Krallen und Zähnen“, antwortete er sich gleichzeitig selbst und war begeistert. Sie würde ihn nie wegjagen. Er konnte ewig neben ihr liegen, seinen Duft an ihr genießen und sie festhalten.

 

Buffy griff in seine Haare und zog seinen Kopf von ihrem Hals weg. „Nein. Und sie schlafen auch nicht nur miteinander, um einen Geruch zu erneuern!“

 

„Sie riechen ja auch nichts“, gluckste er. „Warum dann?“

 

„Weil es Spaß macht.“

 

Spike wurde übergangslos ernst.

 

Sie fuhr mit ihren Fingern über seine Wange, die Linie seines Kiefers entlang und dann über seine Lippen. „Aus diesem einen einzigen Grund. Wann immer sie Lust dazu haben…“

 

Er schluckte, als er anfing, genauer über ihre Worte nachzudenken.

 

In diesem Moment jaulte Akpedorlan, weil Selina ihn wahrscheinlich getroffen hatte und Buffy sah hoch. „Sie ist gemein. Erst jammert sie den ganzen Tag und jetzt jagt sie ihn weg.“

 

„Wenn sie es nicht tun würde, würde er sie nicht in Ruhe lassen“, sagte Spike leise. Buffy lehnte den Kopf an seine Brust und schloss müde die Augen. Er strich ihr sanft über den Kopf.

 

„Du würdest dich auch so benehmen?“ kicherte sie leise und kuschelte sich an ihn.

 

„Nein.“ Er schwieg eine Weile und sie dachte schon, er wollte nicht weiterreden. „Aber es gibt Männer, die eine Frau sich nicht anders vom Hals hält. Vielleicht bin ich auch einfach noch zu jung…“ Er grinste plötzlich. „Es sei denn, du sendest diesen verrückten Duft aus. Dann kann ich nicht widerstehen.“

 

„Das will ich ja gar nicht.“ Buffy hob den Kopf und blickte ihm in die blauen, so ausdrucksstarken Augen. „Und ich möchte, dass du mir sagst, wenn du Lust darauf hast. Oder…“ Sie lächelte. “…du versuchst mich zu verführen…“

 

„Ich will immer“, sagte er sanft.    

 

„Das ist dann doch ein bisschen viel.“ Buffy lehnte ihren Kopf wieder an seine Brust. „Ich möchte schließlich irgendwann in der Station ankommen.“

 

Spike schlang seine Arme um sie und presste sie an sich. Er fühlte sich so zufrieden wie noch nie in seinem Leben und das, obwohl oder gerade weil die Menschenfrau sich so anders als eine einheimische Frau verhielt.

 

Und sie gehörte ihm.

 

Gut, nur für eine begrenzte Zeit, aber ihm. Sie roch jetzt wieder so intensiv nach ihm, dass kein anderer seinen Besitz anzweifeln würde und sie sagte Dinge, die so unwahrscheinlich waren, dass er sie kaum glauben konnte.

 

Zögernd drückte er seine Lippen in ihre Haare. Sie schien es zu lieben, ihre Lippen zu benutzen und er nahm an, dass der Sex zwischen Menschen, da sie weder über Zähne noch Krallen verfügten, sehr viel sanfter und zärtlicher ablief, als zwischen den Menschen auf diesem Planeten.

 

Irgendwann würde er sie danach fragen. Wenn es wirklich stimmte, was sie sagte, und Menschen schliefen, wann immer sie Lust hatten, miteinander, würde das eine sehr schöne Reise werden.

 

Und er schwor sich, sie nicht zu oft zu beißen…  

Teil 6

Eine Stunde später begann es zu dämmern und Spike entzündet ein Feuer. Die beiden Dragos beobachteten sich noch immer mit wachen Blicken und Akpedorlan maunzte ab und zu herzerweichend. 

Buffy stand auf und streckte sich. „Ich würde gern baden. Besteht irgendeine Gefahr im Fluss?“ 

Spike schüttelte den Kopf. 

Sie ging zu den Satteltaschen und entnahm ihnen Seife und ein Handtuch. Als sie die Seife in den Händen hielt, kam ihr ein Gedanke und sie warf dem Vampir einen nachdenklichen Blick zu, ehe ein leises Lächeln über ihre Lippen huschte. 

„Spike?“ 

Er hockte neben dem Feuer und sah fragend hoch. 

„Würdest du… mitkommen?“ 

Jetzt blickte er so vollkommen erstaunt, dass sie lachen musste. Spike jedoch runzelte die Stirn.

„Wieso jetzt plötzlich? Du hattest nie Angst.“ 

Buffy ging auf ihn zu, griff seine Hand und zog ihn wortlos hinter sich her zum Fluss. Am Wasser blieb sie stehen und drehte sich zu ihm um. 

„Weißt du, Spike“, begann sie und ihre Hände fingen an, ihn wie selbstverständlich von seiner Kleidung zu befreien. „Ich mag es, dich anzufassen und ich habe einfach keine Gelegenheit dazu, wenn du dich wie ein Drago auf mich stürzt.“  

Sie schmunzelte, als er den Kopf schief legte und leise schnurrte.  

„Ich möchte dich berühren und deinen ganzen Körper erforschen“, fuhr sie fort und löste die Lederschnüre, die sein Hemd an der Brust zusammen hielten. „Wenn ich damit fertig bin, kannst du mit mir machen, was auch immer du willst. Aber bis dahin wirst du mich nicht anrühren. Denkst du, du kriegst das hin?“ 

Sein Schnurren ging in ein Knurren über. Er senkte kurz den Kopf, rieb seine Wange an ihrer und biss sie sanft in den Hals. „Wenn du es möchtest…“, maunzte er leise und hoffte, er würde die Beherrschung aufbringen, durchzustehen was auch immer sie vorhatte.  

Ihre Hände öffneten seine Hose und streiften sie seine Beine hinab.  

Buffy lächelte und fuhr mit den Fingern über seine nackte unbehaarte Brust. „Möchtest du mich ausziehen, oder soll ich es selbst tun?“ 

Seine Hände ballten sich zu Fäusten. „Tu du es“, flüsterte er heiser und sie nickte, weil sie ahnte, dass er sonst die Beherrschung verlor. 

Sein Blick ließ sie nicht los und das Verlangen in seinen Augen, zusammen mit dem offensichtlichen Beweis seiner Erregung, der sich ihr entgegenstreckte, ließ ihren Körper zittern. Sie griff nach der Seife, fasste seine Hand und zog ihn ins Wasser. 

Das Wasser war nicht kalt und sie hatte eine Stelle ausgesucht, in der die Strömung nicht all zu stark war.  

Buffy blieb stehen und drehte sich wieder zu Spike um. Er sah neugierig aus und obwohl sie sein Verlangen bemerkte, wusste sie, dass er sich große Mühe geben würde zu tun, was sie wollte. Das Wasser reichte ihnen gerade bis zu den Oberschenkeln und sie wies ihn an, kurz unterzutauchen. 

Spike konnte seinen Blick nicht von ihr losreißen. Sie war wunderschön mit ihrer gebräunten weichen Haut, den kleinen festen Brüsten, den langen blonden Haare und natürlich seinem nicht zu übersehenden Zeichen an der Schulter. Es erschien ihm wie ein Traum, jetzt hier mit ihr in dem Wasser zu stehen. 

Dann begann sie, seinen Körper einzuseifen und er ging voll in den zärtlichen Berührungen ihrer Hände auf. Sein Blick verließ sie nicht. Er sah sie lächeln, als ihre Finger über die sich anspannenden Muskeln fuhren und schnappte nach Luft, als ihre Lippen ihren Fingern folgten und ihre Zunge sanfte Kreise um seine Brustwarzen fuhr.  

Doch er rührte sich nicht, obwohl sich seine Hände wieder zu Fäusten ballten und das Verlangen, sie an sich zu reißen, übermächtig wurde. Ihre Lippen wanderten zu seinem Hals und als sie ihn mit ihren stumpfen Zähnen biss, jaulte er genau so jämmerlich wie Akpedorlan und seine Augen schlossen sich hilflos.  

Buffy lachte leise. „Keine Panik. Ich werde dich nicht zu sehr quälen.“  

Sie fühlte ihn unter ihren Händen zittern, als diese seinen Bauch hinab fuhren und sich um seine Erektion schlossen.  

„Du hast einen wunderschönen Körper, weißt du das?“ flüsterte sie, während ihre Finger ihn streichelten und sein Knurren sich verstärkte. Er öffnete seine Augen wieder und sie sah das Flehen in seinem Blick. Buffy presste ihre Lippen kurz auf seinen Mund, ließ sie seinen Hals und seine Brust hinab wandern. „Wenn du irgendetwas, was ich tue, nicht willst, dann sag es“, hauchte sie leise gegen seine Haut und sank auf die Knie. 

Spike starrte fassungslos auf ihren Kopf, als sie ihre Lippen gegen seinen Bauch drückte, während ihre Hände noch immer seinen Penis umschlossen. Er ahnte, was sie vorhatte, auch wenn ihm schwer fiel, es zu glauben.  

Ein einziges Mal hatte ihn eine Frau darum gebeten, aber darüber wollte er jetzt ganz bestimmt nicht nachdenken… Aber dass eine Frau es bei ihm tat? Und das hatte sie vor, oder?  

Das Zittern seines Körpers verstärkte sich im gleichen Maß, wie das Knurren anschwoll. Dann fuhr ihre Zunge über die Spitze seines Penis und er fauchte, als etwas ähnlich einem Stromstoß durch seinen Körper ging.  

Er würde das nicht aushalten. Nie. Die Krallen seiner Hände fuhren aus und der Drang, sich auf sie zu werfen, wurde so übermächtig, dass er die Augen wieder schloss, einfach, um sie nicht zu sehen.  

Ihre Lippen schlossen sich um ihn, saugten ihn tief in ihren Mund, während ihre Hände seinen Schaft umschlossen und die Bewegungen ihrer Lippen unterstützten.  

Spike wimmerte leise. Das Gefühl, in der Hitze ihres Mundes vergraben zu sein, war so unbeschreiblich und sein Körper reagierte unkontrolliert, als er die Hüften nach vorn stieß, um noch tiefer in sie zu dringen.  

Buffy spürte es und saugte stärker, weil sie nicht wollte, dass er sich unnötig quälte. Und Spike dachte nicht mehr. Er wusste nicht, ob es richtig war und ob es das war, was sie beabsichtigte, aber er hatte keine Möglichkeit mehr, es zurück zu halten.  

Mit einem Knurren explodierte er und kam in ihren Mund. Buffy hielt ihn fest, während die Schauer seinen Körper schüttelten und schluckte die kaum anders als menschliches Sperma schmeckende Flüssigkeit.  

Spikes Beine gaben nach. Er sank vor ihr in das Wasser und fühlte ihre Arme, die sich um ihn schlossen, als er sein Gesicht in ihrer Halsbeuge vergrub.  

Ihre Hand strich durch seine Haare. „Hat es dir gefallen?“  

Er konnte nur nicken, weil ihm seine Stimme einfach nicht gehorchte und Buffy lächelte glücklich. Sie hielt ihn eine ganze Weile einfach nur fest. Es schien eine Ewigkeit vergangen, ehe er den Kopf hob und sie mit diesen leuchtenden blauen Augen ansah, die ihr mittlerweile so vertraut geworden waren.  

Lächelnd hob sie ihre Hand und strich ihm sanft über die Wange. „Was möchtest du jetzt tun?“ 

Er wusste es nicht. Weil sich sein Gehirn im Moment wie Pudding anfühlte und er noch keinen klaren Gedanken fassen konnte.  

Zögernd senkte er seinen Kopf und berührte mit seinen Lippen ihren Mund, so wie sie es schon oft getan hatte. Buffy seufzte leise und er ahnte, dass dieses Küssen für Menschen eine große Bedeutung hatte. Dann spürte er überrascht, wie sich ihre Lippen öffneten und ihre Zunge ihn berührte. 

Ihre Hände umfassten seinen Kopf und sie verwarf den Gedanken, den Kuss abzubrechen. Er würde sich schon bemerkbar machen, wenn es ihm unangenehm war.  

Doch zu ihrem Erstaunen öffneten sich seine Lippen ebenfalls und als sie die vorsichtigen Versuche seiner Zunge spürte, schoss die Erregung durch ihren Körper. Sie war froh, dass er es im Moment nicht riechen konnte, weil sie sich im Wasser befanden und er wahrscheinlich seine tollen Kussversuche sofort aufgegeben hätte. 

Spike war fasziniert. Er hatte nicht geahnt, welche Empfindungen es in ihm auslösen konnte, sie zu schmecken und gleichzeitig den zweiten fremden Geschmack – seinen eigenen – zu spüren. Er knurrte leise, schlang seine Arme fester um sie und presste sie an sich. 

Buffy schrak ein wenig zusammen, als sein Kuss drängender und verlangender wurde und seine Zunge jeden Winkel ihres Mundes zu erforschen schien.  

Doch das war es, was sie sich gewünscht hatte. Dass er sie küsste. Und dem Beben seines Körpers und dem leisen Knurren nach zu urteilen, schien es ihm zu gefallen. Sie löste ihren Kopf von ihm und sah den erneuten Hunger in seinen Augen. 

„Du kannst so verrückte Dinge mit deiner Zunge anstellen, Spike“, flüsterte sie. „Du kannst das gleiche mit mir tun, was ich mit dir gemacht habe…“ 

Er knurrte wieder leise und seine Haare richteten sich auf. Doch er rührte sich nicht, ließ sie allerdings auch nicht los. „Ich habe es schon einmal getan“, sagte er leise. 

„Das ist… schön…“ Buffy war sich nicht sicher, ob es schön war, weil er nicht gerade begeistert klang. 

„Sie hat mich fort gescheucht, als sie bekommen hatte, was sie wollte“, fuhr er fort und sein Knurren wurde jetzt eindeutig aggressiv.    

„Ohne dich…?“ Sie wusste es, auch ohne dass er antwortete, sah es an dem verletzten Blick in seinen Augen. „Oh Gott.“ Sie schlang ihre Arme um seinen Hals und zog ihn an sich. 

„Sie war eine Freundin meines Vaters und ich so jung… Ich habe mich zwar gewundert, weil der Geruch ihres Mannes so unzweifelhaft an ihr hing, doch ich war einfach zu unerfahren…“ 

„Was hast du gemacht? Hast du selbst…?“ 

„Selbst?“ fragte er entgeistert. „Nein, ich bin zu einer Dienerin gegangen. Zu jemanden, der es nicht wagen konnte, mich wegzuschicken…“  

Seine Stimme brach ab und Buffy war sich nicht sicher, ob sie den Rest hören wollte.  

„Ich war so wütend… und ich habe meine Wut an ihr ausgelassen. Sie war meine Lieblingsdienerin. Und ich habe sie aus ihrem Bett gezerrt und sie mitten in den Räumen der Bediensteten genommen, vor den Augen all der anderen Frauen. Sie hat so böse geknurrt, aber nicht gewagt, sich zu wehren…“ 

„Das war… gemein“, sagte Buffy leise und fühlte ihn nicken. 

„Ich habe versucht, es wieder gut zu machen. In der nächsten Nacht. Doch es war nie wieder das gleiche…“    

Buffy strich über seine aufgestellten Haare. Sie hatte nicht das Recht, ihn zu verurteilen. Sie wusste, dass derartige Dinge auch auf der Erde passiert waren und es in einem Zeitalter, in dem es Herren und Bedienstete gab, dazu gehörte. Und sie ahnte, dass es sicherlich auch auf der Erde Frauen gab, die einen Mann derartig quälten.    

„Du musst es nicht tun, Spike.“  

Seine Zunge leckte sanft über ihren Hals, bevor er sie kurz biss. „Es hat mir gefallen, doch es hat mich genau so erregt und dann weggeschickt zu werden…“ 

Buffy hob sein Gesicht zu ihrem und presste ihren Lippen auf seinen Mund. „Spike, ich habe es noch nie getan und ich werde es auch nie tun. Wenn ich etwas tue, das einen Mann erregt, dann deshalb, weil ich es auch will.“ 

Er lächelte und seine Augen leuchteten wieder. „Ich würde dich auch gern berühren.“ 

Buffy stand auf, zog ihn mit hoch und breitete ihre Arme aus. „Fang an.“ 

Und dann musste sie sich zusammen reißen, um ihn nicht zu drängen, sich zu beeilen, als seine Hände sie einseiften und er es genoss, jeden Zentimeter ihres Körpers zu berühren.  

Sie hörte ihn scharf die Luft einziehen, als der Geruch ihrer Erregung in seine Nase stieg, doch er fuhr mit seiner Tätigkeit fort. Dass Vampire ihre Zunge gern benutzten, war ihr schon aufgefallen, aber als er jetzt begann, ihren Körper mit seiner Zunge zu erforschen, wurden ihre Beine schwach.  

Übergangslos fühlte sie, wie er sie auf seine Arme nahm, zum Ufer trug und im weichen Gras ablegte. Sie war froh, nicht mehr stehen zu müssen, sie hätte es wahrscheinlich keine Minute mehr geschafft. 

Spike fing ihre Hand, mit der sie über seine Brust streichen wollte und knurrte leise. „Wenn du mich jetzt berührst, kann ich das nicht mehr tun…“ 

Okay…    

Ihre Hände sanken an ihre Seiten und sie schloss die Augen, als sein Mund über ihre Brüste ihren Bauch hinab wanderte. Zwischen ihren Beinen bildete sich ein Schmerz und sie stöhnte leise, als er sie sanft in den Bauch biss.  

Der Geruch ihrer Erregung war jetzt so stark, dass er sich kaum noch beherrschen konnte. Unbewusst wechselte er in sein zweites Gesicht, knurrte heiser und biss sie übermütig in die Innenseite ihres Oberschenkels.  

Buffy schnappte nach Luft, doch seine Zunge leckte über die Verletzung und der leichte Schmerz war vergessen, als seine Zunge zwischen ihren Beinen ankam. Ihre Beine spreizten sich weit und sie stieß ihm ihre Hüften entgegen, weil der Druck in ihrem Inneren nach Erlösung schrie. Plötzlich schien es sogar nebensächlich, dass sie noch immer seine Reißzähne spürte… 

Spike knurrte lauter. Es war herrlich. Sie roch und schmeckt so fantastisch, dass er den Rest seines Lebens damit verbringen könnte. Und ihr Körper wand sich unter ihm in dem stummen Betteln, ihr mehr zu geben. Und alles, was er wollte, war, ihr das zu geben.  

Knabbernd erkundete er sie, ihren Geschmack, und leckte sanft über die Feuchtigkeit zwischen ihren Beinen. 

Buffy wimmerte leise, weil sie glaubte zu sterben. Sie dachte nicht mehr über seine Zähne nach, die sie verletzen konnten, oder über seine Krallen. Seine Zunge stellte so unglaubliche Dinge mit ihr an, dass sie nur noch schluchzen konnte und die Hand auf den Mund presste, um nicht zu schreien. 

Spike hatte nicht geglaubt, dass der Geruch noch stärker werden könnte. Er fauchte und biss sie leicht, als seine eigene Erregung übermächtig wurde.  

Buffy stieß sich gegen sein Gesicht und konnte den Schrei nicht mehr zurück halten, als sie explodierte. Und Spike verlor die Beherrschung, als er ihren Schrei hörte. Er warf sich auf sie und rammte sich im gleichen Atemzug, in dem seine Zähne an ihrem Hals lagen, in sie.  

Es war ein sanfter Biss, ohne ihre Haut zu verletzen und doch so stark, dass er nicht loslassen musste, während er sich selbst immer wieder tief in sie stieß.  

Buffy schwebte noch immer weit entfernt von der Realität und das Gefühl von ihm, tief in ihr, katapultierte den Sturm in ihrem Innern auf ein nie gekanntes Maß. Sie spürte seine Zähne an ihrem Hals und ihr Kopf flog zurück, während sich ihre Hände um seinen Nacken schlangen und seinen Kopf an sich pressten. Übergangslos gingen die Lichter in ihrem Kopf an, als ihr zweiter Orgasmus ihren Körper erschütterte und Spike im gleichen Moment mit einem Grollen in ihr kam.  

Es dauerte eine ganze Weile, ehe sie sich wieder rühren konnten und Buffy nahm nicht einmal wahr, dass er mit seinem ganzen Gewicht auf ihr lag. Erst als er von ihr rollte, ohne seine Arme von ihr zu lösen, huschte ein Lächeln über ihre Lippen und sie schmiegte sich an seine Seite. Die Zärtlichkeit, mit der seine Zunge plötzlich über die Druckstellen an ihrem Hals strich, schnürte ihr die Kehle zu. 

„Hat es dir gefallen?“ fragte er das gleiche wie sie und klang fast unsicher.  

Buffy drehte ihren Kopf und küsste ihn sanft. „Wunderschön“, flüsterte sie und sah seine Augen aufleuchten. „Es war wunderschön.“

 

**********

 

Die nächsten Tage vergingen für Buffy fast wie im Traum.  

Sie reisten nicht unbedingt zügig vorwärts, da sich Buffy an das ungewohnte lange Sitzen im Sattel gewöhnen musste.  

Spike lachte manchmal, wenn sie sich schimpfend über ihren schmerzenden Hintern beschwerte und zauberte dann tatsächlich am Abend eine wohltuende Salbe aus seinen Satteltaschen, mit der Buffy ihre protestierenden Muskeln behandeln sollte.  

Und als sie damit begann, wurde er ganz munter und gab keine Ruhe, ehe er es nicht persönlich erledigen durfte. Buffy wusste selbst nicht, weshalb ihr Körper *so* verrückt spielte, nur weil sich seine Hände und seine Zunge über ihre Haut bewegten, aber seiner Nase blieb das nicht lange verborgen. 

Erst einige Zeit später kam Spike dazu, ein Feuer zu entzünden, um das Fleisch vom Vortag noch einmal aufzuwärmen.  

Buffy fühlte sich so zufrieden, wie man sich in ihrer Situation eigentlich gar nicht durfte, kuschelte sich an seine Seite und blinzelte müde in die Flammen. Es war dunkel geworden. Akpedorlan und Selina dösten satt und zufrieden vor sich hin, ab und zu drang ein Schnaufen aus den Nüstern der Raubkatzen zu ihnen. 

„Benehmen sich alle Vampire so, wenn sie den Schutz einer Frau übernehmen?“ fragte Buffy nach einer Weile. 

Spike sah erstaunt auf ihre blonden Haare. „Wie denn?“ 

„So fürsorglich“, kicherte Buffy gegen seine nackte Brust. „So gar nicht wie Vampire…“ 

„Weshalb nennt ihr uns so?“ Er strich gedankenverloren mit seinen Fingern über ihre Wange. Die Frage lag ihm schon eine Weile auf der Zunge.  

Buffy schloss einen Moment die Augen, als sie sich in seine Berührung lehnte. Dann öffnete sie sie wieder und sah ihn an. „Es hat mit dem zweiten Gesicht zu tun“, sagte sie zögernd. 

Spikes Augenbrauen hoben sich erstaunt.  

Ihre Hand hob sich zu seinem Gesicht und sie fuhr mit den Fingerspitzen über seine Lippen. „Hast du bewusst Einfluss auf den Wechsel? Oder passiert es automatisch?“ 

„Ich… ich kann es beeinflussen“, gab er zögernd zu. 

„Würdest… würdest du es tun?“ fragte Buffy genau so zögernd. „Jetzt?“ 

Da war Unsicherheit und Irritation in seinem Blick. „Menschen… reagieren darauf… erschrocken und haben Angst“, murmelte er unbehaglich. „Ich will nicht, dass du Angst bekommst…“ 

Wahrscheinlich war er schon anderen Menschen begegnet und hatte schlechte Erfahrungen gemacht.  

Buffy lächelte beruhigend, beugte sich nach vorn und küsste ihn sanft auf den Mund. „Ich habe keine Angst vor dir, Spike. Ich bin Forscherin und ich habe schon eine Menge ungewöhnliche Dinge gesehen. Wenn es dir unangenehm ist, dann lass es.“ 

Spike atmete tief durch, als ihm ihr Duft wieder in die Nase stieg. Eigentlich war es unmöglich, etwas abzulehnen, um das sie ihn bat, wenn sie so offensichtlich nach ihm roch.  

„Kein Problem“, schnurrte er leise, ehe er sich kurz konzentrierte. 

Buffy starrte ihn mit großen Augen an. Sie wusste, dass er beim Sex, im Moment, wenn ihn die Leidenschaft übermannte, in das zweite Gesicht wechselte und sie konnte sich auch an den ersten Tag ihrer Begegnung erinnern, als er sie so wütend angeknurrt hatte. 

Damals war ihr unheimlich geworden. Beim Sex hatte sie sein zweites Gesicht selten gesehen, da es in seiner Lieblingsstellung, wenn er sie von hinten nahm, reichlich schwierig war und Buffy dann meist andere Dinge beschäftigten… 

Zu sehen wie sich jetzt seine Gesichtszüge wandelten, sein hübsches Gesicht und die blauen Augen verschwanden und sie übergangslos gelbe Augen fixierten, faszinierte sie mehr als alles andere auf dieser Welt.  

Und es stimmte. Sie hatte keine Angst. Auch wenn seine Reißzähne im Moment wirklich beängstigend lang waren und von dem ehemals markant geschnittenen Gesicht mit den hohen Wangenknochen kaum noch etwas zu erkennen war. 

„Das ist…“, flüsterte sie atemlos und strich neugierig über seine veränderten Gesichtszüge, „fantastisch…“ 

Seine Lippen verzogen sich zu einem Lächeln und selbst in den so ungewöhnlich gelben Augen sah sie seine Erleichterung. Und er rührte sich nicht, sondern begann, leise zu schnurren, als ihre Fingerspitzen federleicht über seine Haut glitten.  

Seine Zunge schnellte heraus, als ihr Finger seine Lippen berührte und Buffy vergaß zu atmen. Natürlich sah er im Moment aus wie ein Raubtier, vielleicht auch wie der Dämon, nach dem diese Welt ihren Namen hatte, aber die Sanftheit, mit der seine Zunge ihren Finger berührte, sagte genau das Gegenteil. 

Buffy traten fast Tränen in die Augen. Sie schlang ihre Hand um seinen Nacken und presste ihre Lippen auf seinen Mund. Und nicht einmal, dass sie jetzt seine Zähne spürte, konnte sie in diesem Augenblick stören. 

Unter ihren Lippen spürte sie, wie sich Spikes Gesichtszüge wieder glätteten. Mit einem Lächeln löste sie sich von ihm und sah in seine jetzt wieder so blauen Augen. 

„Jetzt möchte ich wissen, was Vampire sind“, erklärte er dann belustigt.

 

Teil 7

 

„Es ist eine Legende, Spike. In den Gedanken von Menschen entstanden, in ihrer Fantasie…So etwas wie Geister…“ Ein Blick in Spikes fassungsloses Gesicht ließ sie fast zu der Ansicht kommen, es wäre besser gewesen, dieses Thema gar nicht anzusprechen. „Es konnte niemals nachgewiesen werden, dass es Vampire tatsächlich gab“, setzte sie noch hinzu. 

„Sie ernährten sich von Blut?“ vergewisserte Spike sich noch einmal. „Und können nicht in die Sonne?“ 

Buffy nickte. „Vampire konnte man nur auf drei verschiedene Arten töten. Man setzte sie dem Sonnenlicht aus, schlug ihnen den Kopf ab oder stieß ihnen einen Holzpfahl durchs Herz. Es waren Dämonen…“ 

„Ihr Menschen seid seltsam“, murmelte Spike bedrückt. „Ich bin kein Dämon…“ 

„Nein, nein“, versicherte sie eilig und ihre Kehle schnürte sich zu, als sie seinen traurigen Blick sah. Sie nahm sein Gesicht in ihre Hände und küsste ihn sanft. „Nein, Spike. Niemand auf dieser Welt ist ein Dämon. Ich bin sicher, auch auf diesem Planeten existieren Geschichten über Gespenster und Dämonen.“ 

„Sicher.“ Er nickte, noch immer irgendwie geistesabwesend. „Menschen erschrecken, wenn sie das andere Gesicht sehen. Ich möchte nicht, dass du erschreckst und deshalb hatte ich Bedenken, dass…“ 

„Shhh.“ Buffy legte ihm die Finger auf den Mund und jetzt traten wirklich Tränen in ihre Augen. „Ich weiß, wer du bist, Spike und ich weiß, dass dieses Gesicht, egal wie es aussieht, genau so zu dir gehört wie alles andere. Es ist ungewöhnlich, aber deshalb habe ich keine Angst vor dir. Nie.“ 

Seine blauen Augen leuchteten so begeistert auf, dass Buffy einfach nur ihre Arme um ihn schlang und ihn drückte.  

Denn es stimmte, jetzt, nachdem sie ihn in den letzten Tagen näher kennen gelernt hatte und seiner Art, mit ihr umzugehen begegnet war, konnte sie sich beim besten Willen nicht mehr vorstellen, wie er ihr jemals Angst eingejagt hatte.  

Sie mochten einmal Raubtiere gewesen sein, die Vampire, aber jetzt erinnerte höchstens noch ihr zweites Gesicht an ihre Vergangenheit. 

Dass das ein Trugschluss war, wurde ihr einige Tage später schmerzlich bewusst. 

************* 

Sie erreichten eine zweite Stadt. Spike erklärte ihr, dass sie den Namen Amorin trug und kleiner war als Kemu, die Stadt, aus der sie kamen. Es existierte nur ein einziges Gasthaus, in dem sie ein Zimmer für die Nacht mieteten und die Dragos einstellten. 

Selina hatte sich wieder beruhigt, nachdem sie Akpedorlan am nächsten Tag noch einmal erlaubt hatte, sich ihr zu nähern.  

Spike erklärte Buffy, dass es vollkommen normal war und ein weibliches Tier auf die Nähe eines männlichen reagierte. Der Körper des weiblichen Drago bereitete sich darauf vor, fruchtbar zu werden und sandte Gerüche, die das männliche Tier anzogen.  

„Heißt das, sie bekommt jetzt ein Junges von Akpedorlan?“ hatte Buffy entgeistert gefragt und Spike hatte belustigt genickt. 

„Es ist anzunehmen.“ 

Buffy hatte geschrieen und ihr Drago umarmt. „Dann habe ich nicht nur ein Drago, sondern jetzt gleich zwei! Wie lange dauert es? Bekommt sie es, bevor wir die Station erreichen? Kann es Probleme geben?“ 

„Dragos tragen ungefähr 200 Tage“, dämpfte Spike ihre Begeisterung.  

„Oh.“ Buffy verstummte enttäuscht. „Ich hätte es gern gesehen…“ 

Sie betraten den Gasthof und der Wirt, ein Mann, den Spike nicht kannte, begrüßte sie freundlich. Er warf Buffy einen neugierigen Blick zu, beachtete sie jedoch nicht weiter, sondern reichte ihnen die Schlüssel für ihr Zimmer. 

Doch im Gastraum erhob sich ein Vampir, der mit seinen Freunden an einem Tisch gesessen und dort wahrscheinlich nicht nur tief in seinen Krug geschaut, sondern auch reichlich von einem Alkohol ähnlichen Getränk zu sich genommen hatte. 

„Eine Menschenfrau“, sagte der fremde Mann langsam und kam witternd näher. 

Spikes Haare stellten sich auf. „Und?“ knurrte er leise. 

„Ich wusste gar nicht, dass sich Menschenfrauen an unsere Gesetze halten“, fuhr der Vampir fort.  

Spike antwortete nicht, doch seine gesamte Haltung verriet seine Spannung. Sein Geruch an Buffy war noch deutlich und eigentlich nicht zu übersehen, doch dieser Vampir schien anderer Meinung zu sein. 

„Hab schon mit Menschen zu tun gehabt“, fuhr der Vampir fort. „Ich denke, ich hätte auch gern mal eine Menschenfrau.“  

Er knurrte nun genau so wie Spike und seine Freunde jaulten im Hintergrund zustimmend. 

Buffys Herz setzte fast aus, aber Spike sagte noch immer relativ ruhig. „Sie gehört mir.“  

Und Buffy war noch nie so froh über eine derartige Formulierung. 

Doch der Vampire lachte. „Beweis es.“ 

„Benutz deine Nase!“ fauchte Spike und wechselte übergangslos in sein anderes Gesicht. 

„Sie ist eine Menschenfrau“, spuckte der Vampir aus, während sich seine Gesichtszüge genau so veränderten wie Spikes.  

„Ich will hier keinen Ärger!“ schrie der Wirt, doch niemand beachtete ihn. 

Buffy hörte entsetzte, dass jetzt auch Spike wütend knurrte. Sie wollte etwas sagen, wollte ihn davon abhalten, aber sie wusste genau, dass kein Wort ihn im Moment erreichen würde. 

Der fremde Vampir griff zuerst an.  

Mit einem wilden Fauchen stürzte er sich auf Spike, der seinen Angriff mühelos parierte.  

Buffy presste ihre Hände vor den Mund, um nicht zu schreien, als sie beobachtete, wie sich die beiden Vampire unter Fauchen und Knurren gegenseitig attackierten.  

Spike hatte nicht gelogen. Er war gut. Der andere Vampir war größer und kräftiger, aber einerseits durch den Alkoholkonsum beeinträchtigt und andererseits besaß er nicht Spikes Gewandtheit und Schnelligkeit.  

Buffy sah krallenbewehrte Hände vorschnellen, sah wie die zwei Körper gegeneinander prallten und hörte wie betäubt den Jubel der anderen Vampire im Raum, die jeden anfeuerten, der einen Treffer landete.  

Die Umgebung verschwamm und alles, was sie mit großen Augen verfolgen konnte, waren die beiden Vampire, die fauchend und knurrend aufeinander einschlugen. Nichts erinnerte mehr an das sanfte Kätzchen, das Buffy in den letzten Tagen so lieb gewonnen hatten.  

Angst stieg in ihr auf. So große Angst, wie noch nie in ihrem Leben und zu sehen, wie die Krallen Spike manchmal nur um Haaresbreite verfehlten, trug nicht dazu bei, irgendetwas von ihrer Starre zu nehmen.  

Was, wenn Spike verletzt wurde? Was, wenn der andere den Kampf gewann? Gut, so sah es nicht aus, aber Buffy hatte noch nie eine derart aggressive Prügelei gesehen. Eigentlich hatte sie noch nie eine Prügelei gesehen und sie wurde immer bleicher, als sie das Blut auf der Kleidung der beiden Kämpfenden sah und nicht wusste, von wem es stammte. 

Spikes Faust landete im Magen des fremden Vampirs, während seine andere Hand gegen dessen Hals flog. Er war wütend. Richtig wütend und der Zorn über den anderen, der sich nicht einmal an das grundlegendste Gesetz dieser Welt hielt, raste durch seine Adern.  

Seine Krallen verhakten sich in der Kleidung des anderen Vampirs und landeten in der Haut. Er hörte ihn aufheulen und schlug dem Mann, ohne mit der Wimper zu zucken, die Faust ins Gesicht. Seine Augen schienen Blitze zu versprühen, als der Vampir auf den Boden krachte und liegen blieb.  

Knurrend und mit kampfbereit ausgefahrenen Krallen blieb er stehen und musterte die ihn beobachtenden anderen Männer.  

„Diese Frau gehört mir!“ fauchte er und seine Haare vibrierten durch das Knurren, das seinen Körper schüttelte. „Nur mir!“ 

Buffy wollte schon erleichtert aufatmen, als Spikes Hände sie packten und auf einen der Tische warfen.  

Oh Gott, nein!  

Sie wollte sich aufbäumen, wollte sich umdrehen und ihn fragen, ob er den Verstand verloren hatte, doch seine Hände hielten sie mit Gewalt auf dem Tisch fest.  

Er kann das nicht tun! 

Dann fühlte sie, wie seine Hände ihr die Hose über ihre Hüften hinab zogen und schluchzte leise auf. Sie ahnte, dass er etwas tat, was zu diesem Kampf dazu gehörte, erinnerte sich entfernt, dass er damals bei ihrem ersten Gespräch so etwas erwähnt hatte und dass das Schlimmste, was sie jetzt tun konnte, war, empört zu schreien.  

Ihre Zähne gruben sich in ihre Unterlippe, um zu verhindern, dass sie laut schluchzte, als sie hörte wie er seine eigene Hose öffnete und Tränen traten in ihre Augen.  

Er darf das nicht tun…  

Sie dachte nicht an all die Vampire, die sich noch im Raum befanden, sondern einzig und allein daran, dass es Spike war, dessen Arm sie auf den Tisch fest bannte, so dass sie sich nicht rühren konnte und der vorhatte, sie jetzt und hier zu vögeln.  

Das ist eine Vergewaltigung, schoss es ihr durch den Kopf. Er kann das nicht machen. Er kann nicht…  

In diesem Moment gruben sich seine Zähne mit einem Knurren in ihre Schulter und er stieß in sie. Der Schmerz in ihrer Schulter verband sich mit dem Schmerz zwischen ihren Beinen und sie spürte das Blut in ihrem Mund, als ihre Zähne sich in ihre Lippe gruben, weil sie nicht schreien wollte.  

Sie biss die Zähne zusammen und versuchte zu ignorieren, dass es Spike war, der ihrem Körper das antat. Es dauerte auch nicht lange. Ein paar wilde aggressive Stöße und Spike knurrte, als er kam.  

Im gleichen Moment gaben seine Hände sie frei, doch Buffy war noch zu betäubt, um sich überhaupt zu rühren. 

Grollend verschloss Spike seine Hose und drehte sich zu der gaffenden Menge um. „Sie ist meine Frau! Hat irgendjemand noch Einwände?!“ 

Einige der Vampire winselten und wandten die Blicke beschämt ab. Der Vampir, der ihn heraus gefordert hatte, lag noch immer auf dem Boden, doch Spike sah, dass er Blut spuckte und seinem Blick auswich.  

Knurrend packte er Buffys Hand, die mühsam ihre Hose hochzog, und zerrte sie hinter sich her. Buffy sah nichts, weder die Vampire, die Spike jetzt mit einem gewissen Respekt beobachteten, noch den Wirt, der einfach nur froh war, dass nicht mehr kaputt gegangen war.  

Blind durch die Tränen in ihren Augen stolperte sie, nur von der Hand Spikes gehalten, die Treppe zu ihrem gemeinsamen Zimmer hinauf.  

************ 

Das Zimmer war kleiner als ihr letztes, mit nur einem schmalen Bett, das an der Wand stand, und Buffy sank auf das Bett. 

Spike schien ihren tranceartigen Zustand nicht zu bemerkten. „Ich kümmere mich um etwas zu Essen“, sagte er mit unterdrückter Aggressivität in seiner Stimme. Er trug noch immer sein zweites Gesicht, doch Buffy registrierte nicht einmal das. Sie sah ihm nicht nach, als er sich umdrehte und wieder aus dem Zimmer verschwand. 

Buffy setzte sich, lehnte sich mit dem Rücken gegen die Wand und zog die Beine an. Leere breitete sich in ihr aus, in ihrem Kopf und in ihrem Körper. Sie schlang ihre Arme um ihre Beine, lehnte ihre Stirn gegen ihre Knie und die Tränen begannen, ihre Wangen hinab zu fließen.   

Als Spike wieder kam, hatte sie sich nicht gerührt. Sie fühlte, wie er sich auf das Bett setzte und konnte sein Erstaunen förmlich spüren.  

Müde hob sich ihr Kopf und sie sah ihn zusammen zucken, als er in ihr tränenüberströmtes Gesicht blickte. Seine Haare hatten sich noch immer nicht wieder gelegt, obwohl das Raubtiergesicht den vertrauten menschlichen Zügen gewichen war, und seine Augen schauten jetzt vollkommen verständnislos.  

„Was ist mit dir?“ fragte er leise. Sie müsste stolz auf mich sein. Jede Frau wäre stolz auf mich.  

Dann sah er das Blut an ihrer Lippe und fühlte, wie sich sein Herz zusammenzog. Er kroch vorsichtig neben sie und bemerkte erschrocken, dass sie zurück fuhr. „Buffy?“ 

Buffy schniefte leise. „Du hast mir weh getan“, flüsterte sie. 

„Ich habe dich auch das letzte Mal gebissen und…“ 

„Das meine ich nicht“, unterbrach sie ihn leise. „Ich habe dir einmal erklärt, dass ich bereit sein muss, bevor du… Du hast es jetzt nicht gerochen, oder? Ich war nicht erregt, ich war gar nichts. Und es hat mir wehgetan … du hast mir wehgetan, als du … in mich…“ Sie brach ab, weil die Tränen wieder ihre Wangen hinab liefen. 

Spike starrte sie fassungslos an. Sie sah so verletzt aus und so traurig und er wusste eigentlich nicht richtig, warum. 

„Was hätte der andere Vampir getan, wenn er gewonnen hätte?“ schluchzte sie plötzlich. 

„Das gleiche.“  

Buffy schluckte, als sie ihn ansah. „Spike, ich hätte es nicht zugelassen. Ich hätte meine Waffe gezogen und benutzt und mir wäre völlig egal gewesen, was dieser blöde Kampf bedeutet.“  

Er sah geknickt aus und das, obwohl er nicht zu wissen schien, was sein Handeln für Buffy bedeutete.  

Mit schief gelegtem Kopf rutschte er näher. „Deine Lippe ist verletzt…“ murmelte er leise und Buffy schloss die Augen, als sein Kopf sich ihr näherte und seine Zunge über ihre Lippen fuhr. „Ich wollte dich nicht verletzen“, flüsterte er erstickt und hilflos. „Wenn du möchtest, kann ich…“ 

„Nein!“ Sie fuhr zusammen und der Gedanke, dass er sie jetzt berühren könnte, war ihr einfach unerträglich. „Nein, Spike.“  

Sein Gesicht fiel in sich zusammen und die Traurigkeit, die sie plötzlich in seinen Augen sah, machte es sehr schwer, ihm wirklich böse zu sein.  

Nein, eigentlich war sie ihm nie böse gewesen. Er hatte getan, was jeder andere Mann auf dieser Welt in der gleichen Situation getan hätte. Sie war enttäuscht, aber seinen Worten zufolge, wusste er nicht einmal, was er getan hatte. Dass es ihre Gefühle verletzte, konnte er nicht ahnen.  

Sie hob ihre Hand um seinen Nacken und zog ihn an sich. „Mir tut jetzt alles weh, Spike. Meine Schulter brennt, ich bin zwischen den Beinen wund, ich fühle mich scheußlich … benutzt. Ich würde es jetzt nicht ertragen, wenn du mich dort berührst. Halt mich einfach fest, ja?“ 

Er schnurrte leise und leckte die Tränen von ihren Wangen. Sie sollte stolz auf ihn sein, doch jetzt hatte er nur Angst, dass sie ihn von sich stoßen könnte.  

„Du darfst mir auch weh tun“, bot er ihr an und hoffte, es würde reichen, um ihren Ärger zu besänftigen. 

Buffy schluchzte auf und schlang ihre Arme um ihn. „Bist du verrückt, Spike?“ weinte sie leise. „Ich könnte dir nie wehtun.“ Sie presste ihre Lippen auf seinen Mund. „Nie, hörst du? Nie…“ Sie sank neben ihm auf das Bett, ohne ihre Umarmung zu lösen und vergrub ihr Gesicht an seiner Brust.  

Spikes Lippen und seine Zunge fuhren über die neuen Verletzungen seines Bisses und das Brennen ließ komischerweise nach. Die Tränen liefen noch immer über ihre Wangen und sie fühlte seine Zunge, die die salzige Flüssigkeit aufleckte und die sanft ihren Mund berührte, um den Schmerz der Verletzung, die ihre eigenen Zähne verursacht hatten, ebenfalls abzuschwächen.  

Ihre Augen schlossen sich und sie seufzte leise, als er sich an sie schmiegte, sein so vertrautes Schnurren in ihr Ohr drang und seine Arme sie festhielten, um ihr den Kummer zu nehmen, den er noch immer nicht verstehen konnte. 

***********   

Buffy hatte nicht geahnt, dass es ihr solche Probleme bereiten würde. Spike hatte seine Arme um sie geschlungen und schlief, während sie die halbe Nacht wach lag.  

Ihr Körper schmerzte, aber es war nicht der körperlich Schmerz, der an ihr zehrte. Es war der Gedanke, dass so etwas auf dieser Welt normal war und dass es jederzeit wieder passieren konnte, der ihr Angst machte.  

Sie gab nicht Spike die Schuld. Er hatte das getan, was er für richtig hielt und sie hatte in seinen Augen die völlige Verständnislosigkeit über ihr Entsetzen und ihren Schmerz gesehen.  

Er war verzweifelt, weil er es nicht verstand und nicht wusste, wie er ihr helfen sollte. Das einzige, was sie ihm vorhalten konnte, war, dass er es ihr nicht vorher gesagt hatte. Aber wenn sie ehrlich gegenüber sich selbst war, musste sie zugeben, dass allein ihre Überraschung der Grund war, dass sie nicht gehandelt hatte.  

Hätte sie es vorher gewusst, sie hätte ihn nie tun lassen, was er getan hatte. Und über die Folgen einer derartigen Ablehnung seines Rechts wollte sie jetzt lieber nicht nachdenken.  

Und trotzdem  fühlte sie sich verraten, gedemütigt und einfach benutzt. 

Sie wollte weinen, doch ihre Augen blieben trocken, während sie blicklos in die Dunkelheit starrte.  

Sie hatte Spike vertraut. Sie vertraute ihm auch jetzt noch, denn sie wusste, dass es niemals seine Absicht gewesen war, sie zu verletzen. Sie hatte den Schmerz in seinen Augen gesehen und wusste, dass er sich elend fühlte, obwohl er sie nicht verstand.  

Und trotzdem zog sich ihr Magen bei dem Gedanken an diese barbarische Welt zusammen. Zum ersten Mal hatte ihr grenzenloser Optimismus sie verlassen und sie wollte nur noch in die sichere Geborgenheit der terranischen Station flüchten. Um sie nie wieder zu verlassen.  

Der Gedanke, noch Tage, Wochen und vielleicht Monate auf dieser Welt unter diesen Wesen zu verbringen, erschien ihr so ungeheuerlich, dass sie sich am liebsten verkrochen hätte. 

Sie hatte all das als einen riesigen Spaß angesehen.  Ihr ganzes Leben hatte nur aus Spaß bestanden. Ihre Kindheit, ihr Studium an einer der angesehensten Universitäten Terras und dann das Angebot, hier auf diesem Planeten zu arbeiten.  

Es war einfach so, wie es sein sollte. Es gab keine Probleme, es gab keine Hindernisse. Ihr Weg stand ihr in allen Dingen offen. Selbst der Totalausfall des Gleiters hatte ihren Optimismus nicht unbedingt gedämpft. 

 Wenn sie jetzt daran dachte, dass sie einfach in eine Stadt marschieren wollte und in ihrer grenzenlosen Naivität dachte, die Vampire würden sie ohne weiteres zum terranischen Stützpunkt bringen... 

Sie war so dumm gewesen. Und so überheblich. Und so leichtsinnig. So naiv.  

Dies hier war eine Welt, die sich grundlegend von Terra unterschied. Sie hatte ihre eigenen Gesetze, ihre eigenen Regeln und Vorschriften, die ein Fremder akzeptieren musste.  

Und sie hatte plötzlich Angst, es nicht zu schaffen.  

Sie hörte Spikes Atmen, kuschelte sich an ihn und überlegte, ob sie es schaffen würde, mit der Erinnerung an das, was er getan hatte, zu leben und zu akzeptieren, dass er es wieder tun könnte.  

Dass er es wieder tun würde, wenn es die Gesetze seiner Welt erforderten.  In ihren Augen war es eine Vergewaltigung. Aus seiner die einzige Möglichkeit, um ihren Status als die Person, die zu ihm gehörte und die unter seinem Schutz stand, wieder herzustellen.  

Plötzlich war sie froh, so schockiert und erstarrt gewesen zu sein, dass ihr ein Gedanke an Gegenwehr gar nicht gekommen war. Sie konnte sich gar nicht vorstellen, wie die Vampire und vor allem Spike darauf reagiert hätten.

Eigentlich wollte sie es sich nicht vorstellen. Das, was passiert war, war schlimm genug.  

Und doch war es gerade dieses Handeln, das ihr den Schutz Spikes sicherte.

Seufzend schlossen sich ihre Augen und sie fiel in einen unruhigen Schlaf. Doch die Furcht vor sich selbst und in gewisser Weise jetzt auch vor ihm, bereitete ihr eine Menge schlechter Träume.    

Teil 8 

Spike bemerkte sofort, dass etwas anders war.  

Und zwar an der Art, wie sie ihn ansah, wenn sie dachte, er würde es nicht bemerken. Sie war schweigsamer geworden, so als würde sie den ganzen Tag vor sich hin grübeln. Er begann, ihre muntere Stimme zu vermissen, die vielen Fragen, die sie stellte und ihr Lachen. 

Sie reisten am nächsten Morgen weiter. Obwohl es ein wunderschöner Tag war, die Sonne schien und die Vögel um sie herum zwitscherten, spürte Spike die bedrückte Stimmung, die von ihr ausging.  

Das Schlimmste aber war, das er ihre Unsicherheit roch und dahinter Angst. Und das machte ihm mehr zu schaffen, als er sich eingestehen wollte.  

Sie wechselten nur wenige Worte miteinander und trabten in einem gemächlichen Tempo weiter Richtung Norden.  

Am Abend, als sie das Nachtlager aufgeschlagen hatten und die Tiere versorgt waren, hielt es Spike nicht mehr aus. Er setzte sich neben sie an das Feuer und fühlte sich so unsicher wie noch nie in seinem Leben. 

„Buffy“, sagte er leise. „Red mit mir, bitte. Ich verstehe es nicht...“ Er hob seine Hand, fuhr über ihre Schulter und bemerkte erschrocken, dass sich ihr Körper versteifte. 

„Ich weiß nicht, was ich sagen soll“, antwortete sie genau so leise und starrte in die Flammen.  

Seine Stimme war nur ein Hauch. „Du hast Angst. Ich rieche es…“  

Buffy zuckte zusammen und schloss die Augen.  

Spike schluckte, ehe er weiter sprach. „Gut, dann rede ich. Unsere Frauen sind eigentlich relativ ängstlich. Wenn sie aus ihrer gewohnten Umgebung gerissen werden. Wenn sie allein sind. Sie gehen nicht allein im Fluss baden. Sie tragen keine Waffen. Und sie weichen außerhalb ihres Hauses nicht von der Seite ihres Mannes. Es sei denn, sie fordern einen Kampf...“ Er schwieg eine Weile, ehe er fort fuhr. „Aber in einer einzigen Situation haben sie niemals Angst. Gegenüber einem Mann. Und manchmal kämpfen sie auch gegen den Mann. Sie fordern ihn heraus, sie fordern von ihm, zu beweisen, dass er die Macht besitzt, seinen Willen durchzusetzen. Und die einzige Möglichkeit, bei der sie es fordern können, ist der Sex...“ 

Buffy drehte den Kopf zu ihm und sah ihn erstaunt an. „Du meinst, sie *wollen*, dass er sie dazu zwingt?“ fragte sie entgeistert. 

„Es ist ein Spiel. Das allerdings mit Zähnen und Krallen ausgetragen wird.“ 

„Ich habe keine Zähne oder Krallen...“ 

„Nein. Ich weiß. Aber ich wollte damit eigentlich auch sagen, dass das, was ich gestern getan habe, in den Augen von Vampiren nichts anderes ist. Ich habe den Kampf um dich gewonnen und die Beziehung vor den Augen des Herausforderers besiegelt.“ Er  wich ihrem Blick nicht aus, obwohl er das Unverständnis und den Schmerz sah. „Jede Frau wäre stolz auf mich...“  

„Ich weiß“, sagte sie traurig, hob ihre Hand und fuhr über sein Gesicht. Er schnurrte leise und lehnte seine Wange in ihre Berührung. „Wenn auf Terra jemand, meist ein Mann einer Frau, seinen Willen aufzwingt, gilt das als Verbrechen. Ich kann die Erinnerung an das, was du getan hast, nicht ertragen. Ich fühle mich verletzt, seelisch und körperlich, und benutzt und ... verraten...“ 

„Du solltest dich nicht so fühlen“, sagte er hilflos.  

„Ich habe nie damit gerechnet, dass du mir weh tun könntest“, seufzte sie. „Nicht auf diese Art. Ich kam mir so hilflos vor. So ausgeliefert...“ 

Spike zog sie an sich und war im Moment einfach nur froh, dass sie ihn nicht von sich stieß. Sie *war* hilflos.  

Und das wurde ihm erst jetzt mit erschreckender Klarheit bewusst. Er vergrub sein Gesicht in ihren Haaren, atmete ihren vertrauten Geruch ein und schloss einen Moment die Augen.  

Zum gestrigen Zeitpunkt war es gut gewesen, dass sie sich nicht gewehrt hatte. Er hatte nie damit gerechnet und er konnte sich jetzt auch nicht vorstellen wie er reagiert hätte. Möglicherweise wäre seine Enttäuschung über ihre Ablehnung noch größer gewesen als ihre… 

Wenn er jetzt im Nachhinein darüber nachdachte, musste er sich ehrlich eingestehen, dass sie nie den Hauch einer Chance hätte, sich zu wehren. Damals am Fluss hatte er sich darüber gefreut, dass sie ihn nie fortscheuchen würde. Jetzt war ihm klar, dass sie es niemals tun könnte, selbst wenn sie es wollte.  

Sie hätte keine Chance.  Nicht gegen seine Zähne und seine Krallen. Und plötzlich verstand er auch ihre Angst.  

Er war sich ziemlich sicher, dass kaum ein anderer Mann so empfinden oder denken würde und ihm war nicht klar, warum er es plötzlich begriff. Und noch mehr wunderte er sich darüber, dass sie bisher so mutig gewesen war. 

„Ich wollte dir nie weh tun, Buffy“, flüsterte er erstickt. „Und wenn es eine andere Möglichkeit gäbe, würde ich es tun... Glaub mir... Aber in einer derartigen Situation habe ich keine andere Wahl. Hätte ich es nicht getan, wäre ich in den Augen der anderen Männer nichts wert gewesen und es hätte einen weiteren Kampf gegeben...“ 

„Ich weiß, Spike, ich weiß“, murmelte sie leise und schlang ihre Arme um ihn. „Aber ich habe Angst vor mir selbst, weil ich nicht weiß, wie ich reagiere, wenn es wieder passiert.“ 

Er  nahm ihren Kopf in seine Hände. „Buffy, es ist völlig untypisch, dass ein Mann den Geruch eines anderen nicht akzeptiert. Ich habe es selbst noch nie erlebt und ich denke, dass die Wahrscheinlichkeit nicht sehr groß...“ 

„Spike, dazu muss dein Geruch an mir haften und im Moment ist der Gedanke, dass du und ich ... ich meine, dass wir ... Ich kann es nicht.“  

Sie sah die Traurigkeit in seinen Augen, doch er sagte nichts, sondern berührte nur sanft mit seinen Lippen ihren Mund. 

„Wir haben Zeit“, sagte er leise. Noch.

 

***************

 

Die nächsten Tage verbrachten sie fast ununterbrochen damit, sich über die Unterschiede zwischen Terra und Vampire zu unterhalten.  

Buffy wurde in dem Maß wieder gesprächiger, in dem der Schmerz in ihrem Körper abklang. Sie meinte, sie wolle auf keinen Fall noch so eine Überraschung erleben und er solle ihr jetzt jede Kleinigkeit über vampirische Rechte, Pflichten und Gepflogenheiten erzählen.  

Und ihr alter Optimismus und ihr Selbstbewusstsein begannen, sich langsam wieder aufzubauen. 

Spike war froh, sie wieder reden und vor allem Lachen zu hören. Und da er es nicht anders gewöhnt war, störte es ihn auch nicht, wenn sie sich jeden Abend in seinen Arm kuschelte und schlief. Sein Geruch hing noch immer deutlich genug an ihr und es bestand kein Zwang, sie zu etwas zu drängen, was sie vielleicht nicht wollte. 

An Hand ihrer Erzählungen wusste er jetzt, dass eine terranische Frau im Gegensatz zu einer einheimischen Frau, erst selbst so erregt sein musste, dass sie feucht genug wurde, um den Mann schmerzfrei in sich aufzunehmen.  

Das war es, was er roch, diesen unwiderstehlichen Duft, der ihm den Verstand raubte. Er verstand auch, dass es für eine Frau eine Erniedrigung war, wenn ein Mann mit Gewalt und ohne ihre Zustimmung ihren Körper benutzte und ihr damit wissentlich Schmerzen zufügte.  

Und er verstand auch, dass sie enttäuscht darüber war, dass er es – wenn auch nicht wissentlich – getan hatte. Sie hatte ihm vertraut und ein Teil dieses Vertrauens war gewichen. Es tat ihm weh, das zu wissen, aber er wusste, dass man Vertrauen nicht erzwingen konnte. 

Buffy war ihm nicht böse. Dazu schaute er viel zu geknickt und schuldbewusst drein und sie wünschte sich, wie eine der Vampirfrauen stolz auf ihn sein zu können, da er für sie gekämpft und gewonnen hatte.  

Doch sie konnte sich, trotz allem, nach dieser kurzen Zeit nicht überwinden, mehr zuzulassen, als eine Umarmung oder seine sanften verschmusten Zärtlichkeiten, die er so zu mögen schien. 

Es war am fünften Tag, als sie einen weiteren Gasthof betraten und Buffy auffiel, dass einige der Männer witternd die Köpfe hoben. Spike schob sie rigoros vor sich her zu ihrem Zimmer und schloss die Tür.  

Buffy fuhr sich nervös durch die Haare, ehe sie sich zu ihm umdrehte. „Der Geruch verschwindet, ja?“ 

Spike nickte stumm. 

„Wieso jetzt schon? Hast du nicht gesagt sieben bis zehn Tage?“  

Sie klang so panisch, dass sich Spikes Herz zusammen zog. Er ging langsam auf sie zu und sie wich zurück bis der Tisch mitten im Raum sie stoppte.  

„Vielleicht ist es bei Menschen anders“, sagte er leise. „Er ist noch da, aber so schwach, dass er wahrscheinlich spätestens morgen früh verschwunden ist.“ 

„Nein, Spike. Nein, ich kann das nicht.“ Buffy schüttelte immer wieder den Kopf und sah ihn mit großen Augen an. „Nein…“ 

Der Vampir blickte sie so unwahrscheinlich traurig an, dass sie schlucken musste. Er hob seine Hand und strich ihr sanft eine der blonden Strähnen aus dem Gesicht. „Wenn ich es nicht tue, wird es morgen einen Kampf geben. Und der Sieger wird dir wieder wehtun. Und es würde mir mehr wehtun als dir, wenn ich es wäre. Und es würde mir noch mehr wehtun, zu sehen, dass es ein anderer tut. Ich werde es nicht zulassen, Buffy.“ 

„Nein“, flüsterte sie und wusste doch, dass es ihm todernst war. 

„Es gibt für dich auf dieser Welt keine andere Möglichkeit.“ Spikes Finger zeichneten versonnen die Linie ihres Kiefers nach, fuhren unter ihr Kinn und hoben ihr Gesicht an. „Du hast Recht, Buffy, du bist hilflos und ich werde nicht zulassen, dass das jemand ausnutzt und dir weh tut. Wenn ich es hier und heute tue, kann ich dafür sorgen, dass es dir gefällt.“ Er küsste sie sanft auf den Mund. „Ich kann dir nicht versprechen, dass es nie wieder eine derartige Situation geben wird und so schrecklich der Gedanke für dich ist, ich werde wieder genau so handeln, weil ich es muss, um dich zu schützen. Aber ich kann dir versprechen, dass ich alles tun werde, um es zu verhindern. Aber dazu gehört mein Geruch. An dir.“ Seine Hand fuhr um ihren Nacken. „Wenn ich wüsste, dass der Grund für deine Ablehnung dein Wunsch nach dem Schutz eines anderen Mannes ist, würde ich es auf einen Kampf ankommen lassen, aber ...“ 

„Nein!“ fuhr sie ihn entsetzt an. „Du weißt genau, dass ich das nicht will!“ 

„Eben. Ich weiß das und deshalb lass es zu, Buffy... Vertrau mir. Ich werde dir nicht wehtun.“ 

Buffy schlang ihre Arme um seinen Körper und presste ihre Wange an seine Brust. „Ich habe nicht geglaubt, dass es etwas gibt, das mich derartig mitnimmt. Gott, ich war für alles im Zusammenhang mit Sex zu haben, Spike. Für so ziemlich jede Spielart, die nichts mit Gewalt zu tun hat. Seit ich dich kenne, sehe ich sogar einen Reiz in deinen Zähnen... Aber im Moment sehe ich bei dem Gedanken daran nur dich, wie du mich auf diesen Tisch geworfen hast...“ 

Spike schnurrte leise und leckte über die Haut an ihrem Hals. „Wir sollten schleunigst etwas tun, damit du diese Erinnerung los wirst.“ 

„Ich denke, das wird ... schwierig“ schniefte Buffy geknickt. 

„Wir haben die ganze Nacht“, flüsterte er und sie hörte sein Schnurren neben ihrem Ohr. „Vielleicht solltest du deine Augen schließen und dir vorstellen, ich wäre jemand anders?“ 

Buffy musste plötzlich lächeln. „Spike, das ist unmöglich. Ich kenne niemanden, der Krallen trägt und so schnurrt wie du.“ 

„Oh“, machte er nur. „Ich kann das, glaube ich, auch nicht verhindern...“ Seine Zunge fuhr über sein Zeichen an ihrer Schulter. „Ich fange an, es zu mögen, deinen Körper zu erforschen..."“ 

„Das ist schön“, seufzte Buffy und schloss ihre Augen, als seine Finger die Knoten der Lederriemchen ihres Oberteils lösten und es über ihren Kopf zogen. Sie fühlte eine unwahrscheinliche Rührung in sich aufsteigen, als seine Hände so sanft wie noch nie über ihre Haut strichen. Da waren weder Krallen, noch die Spuren seiner Zähne und sie seufzte wieder leise, als er seine Lippen gegen ihren Hals presste und das leise Schnurren Vibrationen über ihre Haut schickte.  

Spike hatte sich geschworen, auf ihre Zustimmung zu warten und zwang sich selbst dazu,  so sanft wie möglich zu sein, um die Kontrolle nicht zu verlieren. Dazu war Zeit, wenn er spürte, dass sie reagierte.  

Und so lange er es schaffte, nicht in die seinem Volk so eigene Wildheit zu verfallen, konnte er sich einreden, es wäre nichts anderes als die tagtäglichen Berührungen und damit seine eigene Erregung unter Kontrolle halten.  

Sein zweiter Biss war noch nicht komplett vernarbt und er fühlte sie erschaudern, als seine Zunge darüber fuhr.  

Meine Menschenfrau, ging es ihm versonnen durch den Kopf.  

Nach den vielen langen Gesprächen, die sie jetzt geführt hatten, schien es ihm fast wie ein Wunder, dass sie sich überhaupt auf diese Schutzbeziehung, die zwischen den Wesen dieses Planeten herrschte, eingelassen hatte.  

Dazu gehörte Mut. Und er nahm an, dass es jetzt ebenfalls nur ihrem Mut zu verdanken war, wenn sie versuchte, ihre Angst zu überwinden, um ihre Beziehung wieder zu besiegeln. Und er war doppelt so stolz auf sie. 

Seine Hände streiften die Hosen von ihren Beinen und er sank zu Boden, als er sie von ihren Füßen streifte. Buffys Finger fuhren durch seine Haare, die unwillkürlich begannen, sich aufzurichten. Er schlang die Arme um ihre Hüften und presste sein Gesicht an ihren Bauch.  

Sie war so verletzlich... Sie war hilflos und verletzlich und es war seine Pflicht, sie zu schützen… 

Dann stand er wieder auf, nahm sie auf seine Arme und trug sie zum Bett. Buffy schlang die Arme um seinen Hals und küsste ihn. Sie wollte ihm sein Hemd über den Kopf ziehen, doch er fing ihre Hände und schüttelte den Kopf, obwohl sie das Verlangen in seinen Augen sehen konnte.  

Er streckte sich neben ihr aus und schnurrte leise. „Lass mich wieder gut machen, dass ich dir wehgetan habe.“  

Buffy schluchzte, als er den Kopf senkte und seine Zunge ihren Hals entlang zu ihrer Kehle fuhr und er sie sanft biss.  

Er zog sich sein Hemd selbst über den Kopf und warf es zur Seite. Buffy hob wieder ihre Hand, doch er ergriff sie und führte sie über ihren Kopf. „Ich schaffe das nicht“, knurrte er heiser über ihrem Mund, „wenn du mich anfasst...“ 

Buffy nickte und ihre Augen schlossen sich, als sein Kopf tiefer wanderte. Er steckte ihren Körper in Brand. Und er ließ sich Zeit. Als wäre es ihm egal, wie viel Stunden er damit verbrachte. Seine Lippen, seine Hände, seine Zunge streichelten sie und liebkosten sie, als wäre sie etwas unwahrscheinlich Kostbares und Tränen traten in ihre Augen.  

Diese Vampire waren in manchen Dingen so wild, sie taten so gewalttätige Dinge und sie hätte nie für möglich gehalten, dass er Ewigkeiten damit zubringen konnte, ihren Körper zu verwöhnen. 

Sie hörte ihn lauter Knurren, als die vertraute Feuchtigkeit zwischen ihre Beine schoss und sie den pochenden köstlichen Schmerz spürte, den nur er beseitigen konnte.  

Sein Kopf hob sich und er grinste sie so vergnügt an, dass sie lachen musste. Stumpfe Zähne gruben sich spielerisch in ihren Bauch und Buffys Bedenken lösten sich schlagartig in Luft auf.  

Dann fuhr Spikes Zunge über das empfindliche Fleisch zwischen ihren Beinen, kostete die so erregend duftende Feuchtigkeit und seine Sinne begannen sich zu benebeln. Doch er zwang den Drang, sich endlich in ihr zu vergraben, nieder, obwohl der Schmerz in seiner Hose innerhalb von Sekunden so angestiegen war, dass er es kaum noch aushielt.  

Buffy wimmerte leise unter ihm, als er fortfuhr, sie mit seiner Zunge zu necken. Ihre Beine spreizten sich weiter und ihre Hüften hoben sich ihm entgegen.  

„Spike“, flüsterte sie, „bitte...“ Sein Knurren zwischen ihren Beinen verstärkte das Zittern ihres Körpers.  

Dann schlossen sich seine Zähne um den pochenden Punkt und Buffy schrie, als er daran saugte. Ihr Körper bäumte sich auf und ihre Knie umklammerten seinen Kopf, hielten ihn fest, während der Orgasmus sie schüttelte und sie nichts mehr sah, außer den bunten Lichtern, die in ihrem Kopf explodierten, als sich das unbeschreibliche Gefühl in ihrem Körper ausbreitete. 

Völlig erschlafft sank sie zurück und fühlte wie er, diesmal eindeutig erregt knurrend, mit den Zähnen über ihren Bauch hinauf zu ihren Brüsten fuhr. Sein Körper bebte und sie ahnte nur, welche Anstrengung es ihn kostete, sich nicht einfach auf sie zu stürzen.  

Sie öffnete die Augen, begegnete seinem brennenden Blick und ließ ihre Hände zu seiner Hose wandern. Er überließ es völlig ihr, die Hose seine Hüften hinab zu streifen, während er sich einfach nur über ihr abstützte und keuchend ein und aus atmete. Sein leises Fauchen wurde zu einem Knurren, als ihre Hände ihn berührten und sie ihn an sich zwischen ihre Beine zog. 

„Ja, Spike“, keuchte sie. „Bitte, ja. Ja.“ 

Spike maunzte fast wie sein Drago, als er in sie eindrang. Buffys Hände umschlangen seinen Hals und ihre Lippen verschlangen seinen Mund, als er begann, sich zu bewegen.

Sie schmeckte sich selbst in seinem Mund und fragte sich plötzlich, wovor sie eigentlich Angst gehabt hatte. Spike knurrte, seine Zunge stieß in ihren Mund. Noch immer besaß er sein menschliches Gesicht und ein Kloß bildete sich in ihrer Kehle, weil sie ahnte, dass er es für sie tat und welche Beherrschung es ihn kostete. 

Ihre Beine schlangen sich um seine Hüften, als seine Bewegungen stärker wurden, er seinen Kopf von ihr losriss und sie mit einem wilden Knurren in den Hals biss. Er verletzte ihre Haut nicht, wie auch mit den stumpfen Zähnen, doch es wäre ihr in diesem Moment egal gewesen. Ihre Arme umklammerten seinen Kopf, als wolle sie ihn nie wieder los lassen und ihr Kopf flog zurück, als erneut Schauer über ihren Körper liefen und sie fühlte, wie er ein letztes Mal in sie stieß und dann auf ihr zusammen sank. 

Sie strich über seine noch immer abstehenden Haare, hörte ihn leise schnurren und die Rührung schnürte ihr die Kehle zu. „Spike“, flüsterte sie erstickt. „Du bist der netteste Mann, den ich je getroffen habe.“ 

Er rollte zur Seite und zog sie an sich. Dann gluckste er. „Du bist auch die netteste Frau, die ich bisher getroffen habe.“ Seine Zunge fuhr kurz über ihre Lippen, als sie erstaunt den Kopf hob. „Du scheuchst mich danach niemals fort.“ 

Buffy lachte auf. „Nein. Das werde ich garantiert niemals tun.“ 

Er schnurrte wieder und biss sie verspielt in den Hals. „Ich finde das schön.“  

Buffy legte den Kopf auf seine Brust und fühlte sich, als hätte man ihr eine riesige Last von der Seele genommen. Beruhigt schlossen sich ihre Augen. In dieser Nacht schlief sie zum ersten mal seit Tagen wieder tief und fest. 

***********

 Buffys Selbstbewusstsein saß wieder am richtigen Platz. 

Spike merkte es spätestens am nächsten Morgen, als sie den Gastraum betraten und ein einzelner Vampir witternd den Kopf in ihre Richtung reckte.  

Buffy versteckte sich zwar hinter Spikes Rücken, giftete jedoch über seine Schulter: „Benutz deine Nase! Ich gehöre zu ihm! Verstanden! Auch wenn ich ein Mensch bin!“ 

Der Vampir schaute so verdutzt drein, dass Spike lachen musste. „Sie ist manchmal etwas ungestüm“, entschuldigte er sich belustigt und zog Buffy hinter sich her zu einem der Tische. „Er muss es prüfen“, beruhigte er sie. 

Buffy stützte ihr Kinn auf ihre Hand. „Was ist, wenn ich lautstark verkünde, dass ich keinen blöden Kampf will?“ 

„Wenn kein Geruch das gleiche sagt, kannst du reden soviel du willst“, grinste er vergnügt. Er wollte es sich nicht selbst eingestehen, aber das Blitzen ihrer Augen wieder zu sehen und ihre redselige Stimme zu hören, machte ihn einfach nur glücklich. 

„Aber beim letzten Mal. Dieser Spinner hat den Geruch ignoriert.“ Der Wirt stellte ihr Frühstück auf den Tisch und Buffy verstummte kurz.  

„Das nächste Mal werde ich ihn in Grund und Boden reden. So lange, bis er das Kämpfen vergisst!“ schwor sie dann, als der Wirt wieder weg war. 

„Reden alle Menschenfrauen so viel wie du?“ erkundigte Spike sich neugierig. 

„Ich rede viel? Keine Ahnung, wahrscheinlich nicht.“ Sie begann so hungrig wie lange nicht das Essen in sich hinein zu stopfen und verkündete zwischendurch, dass man einen Vertrag mit Vampiren über die Lieferung von einheimischen Lebensmitteln machen sollte. Dass was sie bisher auf SUNNYDALE verzehrt hatte, wäre unzumutbar.  

„Eigentlich hätte Giles mich warnen müssen“, murmelte sie und war mit ihren Gedanken schon wieder ganz woanders. „Wenn er mich über diese komischen Verhältnisse aufgeklärt hätte, wäre ich vielleicht nicht so leichtsinnig gewesen.“ 

Spike lächelte sie verzückt an. „Ich bin froh, dass du leichtsinnig warst.“ 

Buffy lachte auf. „Ich erfahre auf diese Art und Weise mehr über den Planeten als in Monaten auf der Station.“ Für einen Moment trafen sich ihre Blicke und sie vergaß fast zu atmen. Wow, ein Terraner hätte mich mal so ansehen sollen. Ich hätte ihn nie wieder gehen lassen…  

„Spike“, brachte sie hilflos hervor und musste grinsen, als der Vampir blinzelnd aus seinen Gedanken hoch schreckte. 

Aber wahrscheinlich war es hier normal, wenn ein Mann eine Frau einfach mal verträumt anstarrte, denn Spike setzte das Gespräch fort, als wäre nichts geschehen. „Menschen haben nie eine unserer Städte besucht. Warum eigentlich nicht?“ 

„Weiß nicht.“ Buffy zuckte mit den Schultern. „Ich bin noch nicht lange genug hier, um das beurteilen zu können.“ 

„Habe ich dir erzählt, dass ich schon ein paar Mal auf der Station war?“ 

Ihr Kopf fuhr erstaunt herum. „Nein. Was hast du da gemacht?“ 

„Gehandelt. Waffen gegen irgendwelche Utensilien, die ihr Menschen unbedingt untersuchen wolltet.“  

Buffy sah ihm genau an, dass die Dinge, die er verkauft hatte, in seinen Augen nicht sonderlich viel wert waren. Sie würde sich, wenn sie zurückkam, erkundigen, was das eigentlich war. Dann fiel ihr etwas ein. „Wenn wir in der Station ankommen, darf ich dich untersuchen?“ 

„Was?“ entfuhr es ihm verblüfft. „Untersuchen?“ 

„Ich schätze, wir haben noch nicht sonderlich viele Informationen über euch. All diese Sachen, weißt du: Körpertemperatur, Puls, Atemfrequenz, Blutuntersuchungen, Genanalysen… Ja?“  

Sie sah ihn so begeistert an, dass er es einfach nicht schaffte, es abzulehnen, sich aber unbehaglich fragte, wie sie an das Blut kommen wollte, das sie zu untersuchen gedachte.

Teil 9 

Zwei Tage später passierte der Unfall. 

Sie ritten durch ein größeres Waldgebiet und befanden sich auf einem engen Pfad, auf dem sie nicht nebeneinander reiten konnten. Spike hatte Buffy den Vortritt gelassen, weil sie es unbedingt wollte und eigentlich auch nichts dagegen sprach. Sehr große Gefahren drohten einem Vampir auf diesem Planeten nicht. 

In diesem Moment knackte das Unterholz vor Buffy und ein hundegroßes bärenähnliches Tier sprang auf den Weg.  

Buffy war so erschrocken, das sie einen Augenblick gar nichts tat.  

Spike erklärte später, der Bär hätte sie nie beachtet und wäre einfach weiter gelaufen. Aber Selina, die von Buffy keine bremsende Hilfe bekam, deutete das als Aufforderung anzugreifen. Mit einem Knurren sprang sie den Bären an und dieser wendete gereizt und stellte sich dem Angriff.  

Buffy blieb im Sattel bis Selina gelandet war. Ihre Hände umklammerten die Zügel, die ihr jedoch keinen Halt gaben. Sie war nie geritten und es war nur Selinas wunderschönem weichem Gang zu verdanken, dass sie sich bisher so gut gehalten hatte. Ein brennender Schmerz stach in ihren Oberschenkel und Selinas nächster Sprung ließ sie in hohem Bogen in das Gebüsch fliegen.  

Trotzdem hatte sie noch soviel Geistesgegenwart, um herum zu rollen, ihre Waffe zu ziehen und auf den Bären anzulegen.  

Spike schrie, sie solle verschwinden, als er Akpedorlan angreifen ließ und Selina zur Seite stand. Der Bär knurrte und fauchte, während er sich auf die Hinterbeine stellte und mit den Krallen nach Selina langte. Buffy wartete nicht bis Spike heran war, oder bis Selina den ersten ernsthaften Kratzer abbekam.  

Sie schoss. 

Selina sprang bei dem Geräusch erschrocken zur Seite und der Bär brach mit einem Brüllen zusammen, als der Phaserstrahl seine Brust traf.  

Spike dagegen zügelte Akpedorlan und sprang ab. „Welchen Teil von ‚Verschwinde’ hast du nicht verstanden?!“ fauchte er gereizt und half ihr auf die Füße. Doch seine Gereiztheit verbarg nur seine Überraschung über ihre schnelle und plötzliche und vor allen treffsichere Reaktion. 

Buffys Bein knickte unter ihr weg, als der Schmerz durch ihren Körper fuhr. „Au!“ Sie sah das Blut auf ihrem Oberschenkel und ihr wurde schlecht. 

„Wir müssen weg hier“, sagte Spike. „Der Kamuri lebt in Rudeln. Und der Blutgeruch wird den Rest anziehen.“ 

„Ich blute“, stellte Buffy mit zitternder Stimme fest. 

Der Vampir begutachtete kurz ihr Bein. „Eine der Krallen hat dich erwischt. Aber die Verletzung ist nicht schlimm. Wir werden uns später darum kümmern. Steig auf und lass und verschwinden.“ 

Nicht schlimm?! 

Sie fühlte sich, als würde sie gleich sterben. Spike griff nach Selinas Zügeln und untersuchte kurz das Drago. „Sie hat auch ein paar Schrammen abbekommen. Komm steig auf. Wir werden den Fluss durchqueren und damit unsere Spur verwischen. Die Kamuri hassen das Wasser.“  

Er hob den Kopf, als Buffy nicht reagierte und sah, dass sie kreidebleich war. „Was ist mit dir?“ 

„Ich … ich bin verletzt.“ Buffy klang fassungslos. 

Er runzelte die Stirn. „Ja?“ 

„Ich werde mich jetzt um diese Blutung kümmern“, stellte sie klar. „Und ich werde jedes dieser blöden Tiere abschießen, wenn es in meine Nähe kommt. Ich verblute!“  

Spike hob sie wortlos hoch und setzte sie auf Selina. „Du verblutest nicht. Und wir werden keines dieser Tiere ohne zwingenden Grund töten. Es reicht, dass wir dieses eine hier liegen lassen müssen“, sagte er ernst. 

„Ich kann nicht reiten. Das Bein ist wie taub“, jammerte Buffy und konnte nicht fassen, dass er so herzlos war.  

Spike lachte plötzlich, griff nach Selinas Zügeln und zog das Drago hinter sich her. „Buffy, du hast gerade ohne zu zögern und kaltblütig ein Kamuri getötet und jetzt wirft dich ein kleiner Kratzer um?“ 

„Oh Gott! Du dummer dummer Vampir. Mir wird schlecht, wenn ich mein Blut sehe. Ich werde umkippen. Ich werde ohnmächtig. Mein Bein fühlt sich an, als wäre es abgehackt worden“, lamentierte sie, klammerte sich am Sattel fest und versuchte, den brennenden Schmerz zu vergessen.  

Spike lachte wieder.  

Buffy war nicht gewöhnt, Schmerzen zu ertragen. Das hatte sie schon zu dem Zeitpunkt gemerkt, als Spike ihr wehgetan hatte. Doch der Schmerz damals war erstens mehr seelisch gewesen und zweitens nichts im Vergleich zu dem Brennen jetzt in ihrem Bein.  

Sie fluchte lautlos über Spikes Gelassenheit und darüber, dass er ihr keine Beachtung schenkte. Es schien für ihn nichts weiter als ein Kratzer zu sein, aber Buffy sah panisch wie das Blut ihre Hose tränkte und fluchte lauter. 

„Spike, das hört nicht auf mit bluten!“ schrie sie, jetzt ernsthaft böse. „Ich war noch nie verletzt. Ich habe Angst!“ 

Die Dragos tasteten sich vorsichtig durch das seichte Wasser des Flusses. Es war nicht tief, doch Buffy spürte wie es ihre Füße umspülte und der Gedanke, dass es tiefer werden könnte und ihre Wunde dem Wasser, das sicherlich mit hunderten vampirischen Keimen behaftet war, ausgesetzt wurde, trug nicht dazu bei, sie zu beruhigen.  

Als Spike nicht reagierte, wetterte sie weiter vor sich hin, beschimpfte ihn auf jede erdenkliche Art und war froh, als sie merkte, wie das Wasser flacher wurde und sie das andere Ufer erreichten. Der Vampir führte die Tiere zum Waldrand, stieg ab und trat an Buffys Drago.  

Sie funkelte ihn böse an und sah ihn grinsen. 

„Wenn du noch so schimpfen kannst, kann es nicht schlimm sein“, stellte er amüsiert fest und half ihr von Selina. 

„Ich finde das nicht witzig, Spike!“ fuhr sie ihn an. „Es tut fürchterlich weh. Hunderte von Viren und Bakterien nisten sich ein und werden eine Entzündung verursachen. Vielleicht werde ich mein Bein verlieren!“ Sie sank an einen Baum gelehnt zu Boden. 

„Zieh die Hose aus“, wies Spike sie an und fragte sich, was eigentlich Viren und Bakterien waren. „Und wegen so einer Verletzung verliert niemand ein Bein.“ 

„Du weißt doch gar nichts!“ wetterte sie aufs Neue los, stand wieder auf, kämpfte wütend mit ihrer Hose und hinkte zu ihren Satteltaschen. 

„Setz dich endlich hin.“ 

Buffy, die keine Lust hatte, nackt herum zu laufen, ignorierte ihn und suchte nach dem einzigen Slip, der noch zu ihrer terranischen Kleidung gehörte.  

Dann griff sie nach dem Notfallkoffer und hinkte zurück zu dem Baum. Ihr Gesicht wurde schon wieder blass, als sie den Schnitt, den die Kralle des Kamutsi verursacht hatte, begutachtete. Sie wusste, aus ihrer Studienzeit, dass es ihr keinerlei Probleme bereitete, ein Tier zu sezieren oder zu verarzten.  

Sie nahm auch an, dass sie keine Probleme hatte, einen Menschen zu verarzten. Aber sich selbst?! Allein bei dem Gedanken daran wurde ihr übel. 

Spike beugte sich zu ihr. „Er ist nicht tief. Und in ein paar Tagen wirst du darüber lachen.“ 

Buffy fand den Schnitt mit einem halben Zentimeter unwahrscheinlich tief und mit ca. zehn Zentimetern unwahrscheinlich lang. Noch immer sickerte Blut aus der Wunde und sie wollte gar nicht darüber nachdenken, welcher Dreck an den Krallen des Kamutsi geklebt hatte. 

„Ich werde Wasser holen, ihn ein wenig säubern und verbinden.“ 

„Du wirst überhaupt nichts tun!“ kreischte sie panisch auf und wühlte in ihrem Notfallkoffer.  

Natürlich war sie so gegen ziemlich alle gefährlichen Erreger Vampires geimpft. Aber da sie nicht wusste, ob man auf Terra jeden Erreger kannte und ob man auch mit derartigen Situationen gerechnet hatte, wusste sie nicht. Und sie würde garantiert kein Risiko eingehen.  

„Ich werde den Schnitt nähen.“ Das klang sehr mutig und sie hatte keine Ahnung, wie sie sich überwinden sollte, in ihr eigenes Fleisch zu stechen. 

„Kannst du das?“ fragte Spike erstaunt. 

Buffy hatte eine Ampulle mit einem örtlichen Betäubungsmittel gefunden und packte die Spritze aus. Soweit kein Problem. Als sie jedoch mit der Spritze in der Hand den Schnitt betrachtete, wurde ihr wieder schlecht. 

„Was hast du vor?“ erkundigte sich der Vampir verblüfft. 

„Gott, ich kann das nicht“, murmelte sie. „Spike, kannst du das machen?“ Er hörte ihr mit großen Augen zu, als sie ihm die Funktion der Spritze erklärte. 

„Du meinst, du fühlst dann nichts mehr?“ Seine Augen wurden vor Erstaunen immer größer. 

„Es ist eine örtliche Betäubung, damit ich den Schnitt nähen kann, ohne Schmerzen zu empfinden. Aber pass auf, dass du nicht mit den Fingern in die Wunde kommst!“ kommandierte sie. „Und fass die Spitze der Spritze nicht an!“ 

Spike hatte keine Hemmungen. Er war zu neugierig und konnte sich auch nicht vorstellen, dass so ein winziger Stich in ihre Haut wehtun könnte.  

Buffy schielte ab und zu auf ihr Bein. „Ja, genau so. Au! Vorsichtig! Vorsichtig hab ich gesagt! AU!!!“ 

Sie seufzte erleichtert, als der Schmerz verklang und sie sich mit neuem Enthusiasmus der Verletzung widmen konnte. Sie wusch ihre Hände mit dem Desinfektionsmittel und desinfizierte den Schnitt mit äußerster Gründlichkeit.  

Spike sah ihr noch immer verblüfft zu. „Es tut jetzt nicht mehr weh?“ 

„Nein.“ Konzentriert entnahm Buffy die Chirurgennadel mit dem anhängenden Faden aus dem antiseptisch verpackten Etui und desinfizierte alles noch einmal, bevor sie den ersten Stich ansetzte.  

Sie spürte zwar noch immer ein flaues Gefühl im Magen, doch der Schmerz war verschwunden und damit ihrer Meinung nach auch die Gefahr, umzukippen.  

Spike rührte sich nicht von der Stelle. Er war viel zu fasziniert von dem, was sie tat. Er hatte gesehen, wie einheimische Mediziner Wunden behandelten und nähten, doch dass Buffy etwas derartiges tat, erstaunte ihn unermesslich. Und davon, dass es eine Möglichkeit gab, den Schmerz auszuschalten, hatte er noch nie gehört.  

„Ich hoffe nur, dass es sich nicht entzündet“, murmelte Buffy, als sie den vernähten Schnitt noch einmal mit der Desinfektionslösung säuberte und die Verletzung verband. 

Dann gab sie die Tinktur Spike. „Geh und wasch Selinas Verletzungen“, wies sie ihn an. „Was ist das?“ Spike roch mit gekräuselter Nase an der Flasche. „Es stinkt.“ 

„Es tötet alle Erreger, die eine Wunde infizieren können“, erklärte sie und fing nur einen verständnislosen Blick auf. Dann kam ihr ein Gedanke. Sie stand auf, hinkte zu ihrer Satteltasche und suchte das kleine Mikroskop. 

Spike tat, was sie ihm aufgetragen hatte, doch Selina war gar nicht erfreut über die Behandlung und fauchte gereizt. 

„Es brennt sicherlich etwas“, rief Buffy und nahm einen Objektträger aus dem Kasten.  

Der Vampir gab seine Bemühungen, Selina zu helfen, auf und kam zurück. 

„Pass auf.“ Sie zog ihn neben sich und griff seine Hand. „Ich werde dir kurz in den Finger stechen, um an einen Tropfen Blut zu kommen.“ 

Spike runzelte die Stirn, sagte jedoch nichts, sondern beobachtete nur, wie sie seinen Finger über den Objektträger hielt und den Blutstropfen auffing.

Sie deckte das Blut mit einer Glasplatte ab und schob es unter das Mikroskop. Es war nur ein schwaches, mit Batterielicht betriebenes Mikroskop, das über eine 1000fache Vergrößerung verfügt, aber für kleinere Untersuchungen reichte es.  

Buffy erklärte Spike kurz, wie er die Okulare bewegen und einstellen musste und reichte ihm das Gerät. 

„Er vergrößert alles, was man darunter legt“, sagte sie, als er die Augen gegen die Linsen presste und ihm ein erstaunter Laut entfuhr. „Das ist dein Blut. Siehst du die vielen Teilchen, die darin herum schwimmen?“ 

Er nickte und konnte seine Augen nicht wieder von dem Mikroskop losreißen.  

„Jedes Teilchen erfüllt in deinem Blut eine Funktion, die dich am Leben erhält“, fuhr sie fort. „Wenn du krank wirst, verändert sich etwas in deinem Blut, das bei einer Untersuchung gesehen werden kann. Und dann gibt es Lebewesen, die so klein wie diese Teilchen und noch viel kleiner sind. Wenn du dich verletzt, können diese Lebewesen über die Wunde in deinen Körper eindringen und Schaden anrichten. Sie sind dafür verantwortlich, wenn sich eine Wunde entzündet.“ 

„So kleine Tiere?“ flüsterte er fassungslos. „Was passiert jetzt? Etwas verändert sich.“ 

Buffy lächelte. „Wenn du dich verletzt, hört es doch irgendwann von allein auf zu bluten, ja? Weil dein Körper in dem Moment, wo dein Blut mit der Luft in Kontakt tritt, reagiert und die Wunde versucht, mit Schorf zu schließen. Wir sagen dazu, das Blut gerinnt. Genau das passiert jetzt auch, weil das Blut an der Luft ist.“ 

„Das ist ... fantastisch“, murmelte er. „Kann man noch mehr damit ansehen?“  

Sie grinste und ahnte, dass er eine Beschäftigung für den Rest des Tages gefunden hatte. „Alles, was du willst...“ 

Und er tat es. Alles, was er finden konnte, wanderte im Laufe des restlichen Tages unter das Mikroskop. Haare, Dreckkrümel, Holzstückchen, Pflanzen, Dragofell, Hautstückchen...  

Buffy hatte die Augen geschlossen und beantwortete murmelnd all die Fragen, mit denen er sie bombardierte. Er sah Zellen. Er sah kleine krabbelnde Milben in dem Dreck. Er stach sich noch einmal in den Finger, um die Bewegungen in seinem Blut zu bewundern. 

Und plötzlich sah er Buffy mit anderen Augen an. 

„Das alles schaust du dir an, wenn du die Pflanzen und Tiere auf einer fremden Welt untersuchst?“ 

Buffy nickte. „Ich sehe die Unterschiede zu Menschen und terranischen Pflanzen und Tieren und ich sehe Gemeinsamkeiten. Es ist interessant.“ 

„Ich finde es auch interessant.“ Er lächelte verzückt und presste seine Augen wieder an das Mikroskop. 

**************                           

Drei Tage später erreichten sie die Stadt Anua, eine größere Handelsmetropole. Buffys Bein schmerzte noch immer, hatte sich jedoch glücklicherweise nicht entzündet.  

Sie mieteten wieder ein Zimmer in einem Gasthof, in dem sie auch die Dragos unterstellen konnten. Buffy verband ihr Bein noch einmal neu, nachdem sie die Wunde wieder gesäubert hatte und sank auf das Bett. 

„Die vielen schrecklichen Sachen, die ich in den letzten drei Wochen erlebt habe, reichen für mein ganzes Leben“, murmelte sie missgelaunt. 

„Je mehr du erlebst, um so mutiger wirst du, weil du mehr Erfahrung sammelst“, antwortete Spike lakonisch und scheuchte sie von dem Bett wieder hoch. „Wir sehen uns den Markt an. Er wird dir gefallen.“ 

Er ignorierte ihren Protest und ihr Argument, ihr Bein bräuchte Ruhe, und meinte nur, eine derart geringe Verletzung heile viel besser, wenn sie sich bewegen würde. Außerdem würde das ihre Gedanken davon ablenken, immer auf den Schmerz zu achten. 

Buffy nannte ihn hartherzig und behauptete, er würde sie schikanieren. 

Spike lachte, nahm ihre Hand und zog sie mit sich. Und es war tatsächlich so. Der Markt nahm Buffy gefangen. Sie hüpfte begeistert von Stand zu Stand und redete noch mehr als sonst. Spike schmunzelte nur. In dieser Hinsicht unterschieden sich Menschenfrauen kaum von einheimischen Frauen. Buffys Augen wurden plötzlich groß, als sie einen Stand entdeckte, an dem Schmuck angeboten wurde.

„Oh mein Gott“, rief sie ehrfürchtig und schlug die Hände vor den Mund, als sie die vielen fein gearbeiteten Ketten, Ringe und Amulette sah. 

Und der Händler sah seine Stunde gekommen. „Eine Menschenfrau!“ rief er entzückt. „Und sie trägt keinen Schmuck. Welch eine Schande! Schau dir nur an, was ich für schöne Sachen habe, die deinen Hals zieren können.“ 

Spike verdrehte hinter Buffys Rücken die Augen. Dann sah er ihre Finger sehnsüchtig über die filigranen goldenen und silbernen Ketten gleiten und lächelte.

„Silber“, sagte er leise neben ihrem Ohr. „Ich denke, Silber steht dir.“ 

Der Händler nickte eifrig und breitete die Ketten vor ihr aus. Buffy sah, dass jeder Anhänger anders gearbeitet war. Es gab keine zwei Stücke, die sich komplett glichen, da wahrscheinlich jedes für sich einzeln von Hand gefertigt wurde.  

„Es ist alles wunderschön“, hauchte Buffy und nahm die Anhänger einzeln in die Hand. Es schienen Zeichen oder Runen zu sein, die jeweils mit irgendwelchen farbigen Edelsteinen versetzt waren. 

„Diese Amulette haben verschiedene Bedeutung“, erklärte Spike. „Es gibt einmal Schutzamulette, Glück bringende Amulette und Amulette, die andere Bedeutungen haben. Dabei ist auch die Wahl des Edelsteins wichtig. Dieser grüne hier nennt sich Quart und steht immer in Verbindung mit Heilung. Er wird auf dem Schutzamulett gegen Krankheit angebracht. Der blaue Stein ist ein Aurona und ziert nicht nur Ketten, sondern auch Häuser und wichtige Gegenstände, und soll den Träger vor Gefahr, einem Fluch oder bösen Träumen schützen.“ Er nahm eine Kette in die Hand, an deren Ende ein Ornament mit einem rubinroten Stein befestigt war. „Gefällt sie dir?“ 

Der Händler grinste und meinte, das Rot würde ihr garantiert stehen.  

Buffy nickte. „Mir gefallen alle.“ Und ihr war so ziemlich egal, was es für ein Schutzamulett war, da sie sowieso nicht an diesen Schnickschnack glaubte. 

„Wir nehmen sie“, wies Spike den Händler an, der ihm lächelnd die Kette überreichte und die Münzen entgegen nahm. 

Spike legte die Kette um Buffys Hals und verschloss sie in ihrem Nacken. Das Silber legte sich kühl auf ihre Haut und der rote Stein funkelte im Licht der Feuer, die angezündet worden waren. 

„Ich wusste, er steht dir, Menschenfrau“, sagte der Händler und grinste Spike zweideutig an. 

Buffys Finger berührten den Stein, als sie Spike weiter über den Markt folgte. „Was ist das nun für ein Stein?“ fragte sie dann neugierig. 

Spike blieb stehen und drehte sich zu ihr um. „Der Iruna ist der Stein der Zuneigung“, meinte er sanft. „Ein Mann schenkt ihn seiner Frau, wenn er sie sehr gern hat.“ 

„Oh.“ Buffy hob den Kopf und sah in seine strahlenden blauen Augen. „Echt?“ piepste sie fassungslos. 

Er hob seine Hand, strich mit den Krallen über ihren Hals bis zu dem Stein und nickte. „Ja.“  

Buffy fühlte schon wieder einen Kloß in ihrer Kehle. Vielleicht kannten Vampire kein Wort für Liebe, aber Buffy war sich plötzlich absolut sicher, dass sie etwas ähnliches fühlten. Sie trat ganz dicht an ihn heran. „Und was schenkt die Frau dem Mann?“ 

„Sie schickt ihn nicht weg“, murmelte er leise und Buffy schlang wortlos ihre Arme um ihn und presste ihre Wange gegen seine Brust. 

„Danke“, flüsterte sie und küsste ihn kurz auf den Mund. Oh, Gott, ich mag ihn mehr als irgendeinen anderen Mann in meinem Leben…

Teil 10 

„Auf der anderen Seite des Marktes finden jeden Abend Schaukämpfe statt“, erklärte Spike, als sie weiter schlenderten. Wie selbstverständlich hatte er ihre Hand ergriffen und Buffy fand es genau so natürlich, an seiner Seite über den mittelalterlichen Markt zu schlendern. 

Es war jetzt stockdunkel, doch die vielen aufgestellten Fackeln verbreiteten ein künstliches Licht.

Deshalb wurde es auch nicht kühler, weil die Hitze, die von den Feuern ausging, nicht dazu beitrug, die erhitzte Luft abzukühlen. 

„Schaukämpfe?“ Buffy blieb verdutzt stehen. 

Er legte den Kopf schief und grinste fast verlegen. „Nun ja, Kämpfe zwischen Männern. Um eine Frau.“ 

„Was?!“ Buffys Mund klappte auf. „D-du… du meinst, so wie damals in dem Gasthof wegen mir? Öffentlich?“ 

Spike nickte. „Manche Frauen stellen sich selbst zur Verfügung. Manche Töchter werden von ihren Eltern hergebracht. Dann, wenn ihnen die Auswahl an Männern dort, wo sie herkommen, nicht reicht. Wollen wir hingehen?“ Er versuchte beiläufig zu klingen, doch Buffy spürte fast überdeutlich die Aufregung, die ihn umgab. Er war ein schlechter Lügner… 

Sie konnte sich jedoch nicht darüber amüsieren, sondern hatte mehr damit zu tun, die Information zu verarbeiten. „Genau so wie damals in dem Gasthof?“ fragte sie entsetzt. 

„Ja, so laufen die Kämpfe ab.“ Jetzt schaute er so bettelnd, dass es Buffy nicht übers Herz brachte, ihm seine Bitte abzulehnen. 

„Aber du willst nicht mitkämpfen?“ erkundigte sie sich misstrauisch. 

„Nein.“ Spike lachte, griff begeistert nach ihrer Hand und zog sie mit sich. „Obwohl sich manche Männer mehr als eine Frau nehmen, wenn sie über den Reichtum verfügen, sie alle zufrieden zu stellen…“ 

Sie folgte ihm zögernd durch all die vielen Vampire auf die andere Marktseite. Spike ließ sie nicht los, sondern zog sie an seine Seite, als er eine kleine Treppe hinaufstieg. Sie erklommen ein Podest, von dem aus sie einen guten Blick über die anderen Vampire direkt in die kleine Arena hatten. 

Es hatte sich eine beachtliche Menge an Zuschauern angesammelt und zu Buffys Erstaunen war bei fast allen das Raubtiergesicht in den Vordergrund getreten. Sicherlich hatte die Erregung, die sie allein beim Zusehen empfanden, einen großen Einfluss darauf. 

Buffy reckte den Kopf, um etwas sehen zu können. Spike blieb hinter ihr stehen und flüsterte: „Ich schaue mir einen guten Kampf immer gern an.“ 

Sie runzelte unbehaglich die Stirn. „Ich glaube nicht, dass es mir gefällt.“  

An der Seite neben dem Kampfplatz stand eine schlanke zierliche Vampirin. Sie beobachtete mit gesträubten Haaren, wie sich die zwei Vampire im Sand vor ihr attackierten. Die Zuschauermenge jaulte, knurrte und johlte mit jedem Treffer, der gelandet wurde, und quittierte jeden Fehler, den einer der beiden Kämpfer machte, mit Buh-Rufen.  

Buffy schielte kurz zu Spike und sah ihn fasziniert den Bewegungen der Kämpfer folgen. Er lächelte kurz, als er ihren Blick bemerkte. 

„Sie sind gut, alle beide“, sagte er leise. 

„Wie läuft so ein Kampf ab?“ 

„Ja nachdem, wie viele Bewerber es gibt“, erklärte er. „Sind es nur zwei, kämpfen diese. Sind es mehr, findet ein Vorentscheid statt und die Sieger der Vorrunden kämpfen dann gegeneinander.“ Er senkte den Kopf zu ihrem Ohr. „Sieh dir die Frau an. Ihr eindeutiger Favorit ist der rechte Mann. Er wird auch gewinnen, denke ich. Und da er ihren Blick spürt, spornt ihn das umso mehr an.“ 

Buffy war es gar nicht aufgefallen. Doch wenn sie jetzt die Blicke beobachtete, die die Vampirin zwischen den beiden Männern hin und her schickte, bemerkte sie es auch.  

„Ihr gefällt der Kampf auch“, schnurrte Spike und biss sie übermütig in den Hals. 

Buffy legte den Kopf zur Seite, damit er ihren Hals besser erreichen konnte und lächelte leicht. „So wie dir?“ 

„Hm“, brummte er nur, lehnte seinen Kopf an ihren und verfolgte mit schmalen Augen den Kampf. 

Die Menge tobte, je hitziger die beiden Männer aufeinander einschlugen. Buffy fühlte Spikes Körper in ihrem Rücken, nahm seine Wärme wahr und hörte das leise Knurren, mit dem er die Handlungen der beiden kämpfenden Vampire beurteilte. Sie konnte es selbst nicht glauben, aber seine Nähe beruhigte sie ungemein. Seufzend lehnte sie sich an ihn und fragte sich, weshalb ein Vampir etwas schaffte, was noch kein Mensch vollbracht hatte; dass sie ihm bedingungslos vertraute.  

Mit einem Aufschrei brach einer der beiden Kämpfer zusammen und der Sieger knurrte aggressiv auf.  

Spikes Körper spannte sich und Buffys Augen weiteten sich, als der Sieger vor der Vampirin nieder kniete. 

„Das hast du nicht gemacht!“ zischte sie leise.   

Spike biss sie wieder knurrend in den Hals. „Ich werde es das nächste Mal...“, raunte er kaum hörbar. 

In diesem Moment sprang der Vampir wieder auf und riss die Frau zu Boden. Buffy schnappte nach Luft und schlug ihre Hände vor die Augen, obwohl sie genau wusste, dass so etwas folgen würde.  

Spike griff wortlos nach ihren Handgelenke und zog ihre Hände von ihrem Gesicht weg. Er schlang seine Arme um sie, so dass ihre Hände wirkungsvoll neben ihrem Körper gefesselt wurden. 

„Nicht“, flüsterte Buffy entsetzt und schloss ihre Augen, als der Vampir in der Arena seine Zähne in die Schulter der Frau grub, ihren Rock die Hüften hinauf schob und mit einem wilden Knurren in sie stieß. 

„Mach die Augen auf“, flüsterte Spike und fuhr mit der Zunge über ihre Wange. „Es ist nicht entsetzlich. Es ist nicht demütigend. Er setzt ein Zeichen.“  

Buffy schlug die Augen auf und verfolgte mit in die Unterlippe gegrabenen Zähnen, wie der fremde Vampir seine Prämie vögelte.  

„Ab heute steht sie unter seinem Schutz“, fuhr Spike fort. „Und niemand wird es mehr anzweifeln.“  

Buffy schluckte krampfhaft.  

Der Vampir in der Arena erhob sich und sie beobachtete, wie sich die Frau an seiner Seite rieb und mit gesträubten Haaren knurrte. Buffy konnte sich nicht rühren, weil Spike sie noch immer fest hielt und sie sah, wie der Vampir die Frau noch einmal an sich riss. Sie knurrte lauter und ihre Zähne gruben sich in seinen Hals, als er sie mit einem Fauchen auf seine Arme nahm und vom Platz trug.  

Und die Menge begrüßte johlend die nächsten Kämpfer.  

Diese Welt *war* barbarisch. Und trotzdem wurde Buffy jetzt mit aller Deutlichkeit klar, mit welcher exakten Klarheit hier eine Zugehörigkeit demonstriert wurde. Ohne, dass ein einziges Wort fiel, wusste jeder, dass der Vampir die Verantwortung für die Frau übernommen hatte. Sie konnte ab heute auf seinen Schutz, seine Zuwendung und seine Versorgung zählen. Und auf sein Vertrauen. Er würde ihre Forderungen erfüllen und er würde für sie da sein. Und er hatte sein Leben und seine Gesundheit riskiert, um ihr seine Stärke und seine Fähigkeiten zu beweisen. 

Buffy schluckte wieder, als ihr das alles klar wurde. Sie hatte damals nur den Schmerz gesehen, den ihr Spike zugefügt hatte. Unwissentlich. Aber sie hatte keinen Gedanken daran verschwendet, wie sie ihn verletzt haben musste. Durch ihr Entsetzen und durch ihre Ablehnung.  

Sie drehte sich um und Tränen traten in ihre Augen. „Es tut mir leid, Spike“, flüsterte sie.  

„Was...?“ brachte er überrascht hervor und wusste wieder einmal überhaupt nichts mit ihren plötzlichen Stimmungswechseln anzufangen. 

„Ich hätte stolz auf dich sein müssen“, schluchzte sie und schlang ihre Arme um ihn. „Ich bin so dumm gewesen... Du hast viel mehr getan, als je ein Mann für mich getan hat. Und ich?“ Die Tränen liefen über ihre Wangen, während er sie mit großen Augen einfach nur anstarrte. „Ich habe dich verurteilt. Ich war entsetzt. Ich habe dich weggestoßen. Ich bin so eine Idiotin... Ich hätte diejenige sein sollen, die es durch die Erfahrung, die das Alter meiner Art mit sich bringt, schafft, sich auf eine völlig fremde Zivilisation einzustellen. Und es ist so beschämend, dass du derjenige warst, der Verständnis dafür aufbrachte, weil ich mein Entsetzen über eure Gepflogenheiten nicht verbergen konnte. Es tut mir so leid, Spike. Du musst so enttäuscht von mir gewesen sein...“ 

„Shhh“, murmelte er hilflos und nahm ihr Gesicht in seine Hände. „Es spielt keine Rolle mehr. Ich verstehe dich.“ 

„Ich sollte diejenige sein, die dich versteht. Und ich brauchte dazu so viele Tage länger als du.“ Sie schniefte kurz. „Spike, ich schwöre dir, jetzt weiß ich, wie stolz ich auf dich sein kann. Sein muss! Weil du mein Vampir bist... auch, wenn es zeitlich begrenzt ist... weil du für mich da bist... weil du mich mit deinem Leben beschützt... ich bin so stolz darauf, zu dir zu gehören...“ 

Spikes Augen leuchteten bei ihren Worten in einer Art und Weise, die sie nicht beschreiben konnte und ihre Tränen hörten nicht auf zu laufen. 

„Und wenn ich mich das nächste Mal so unheimlich dumm benehme“, schluchzte sie weiter, „tritt mir in den Hintern und sag, ich solle mich gefälligst wie eine Vampirin benehmen.“ 

Er schnurrte leise, fuhr mit der Zunge über ihre Lippen und die tränenbedeckten Wangen. „Ich bin stolz, dass du mich um Schutz gebeten hast.“ 

Buffy lächelte leicht. „Obwohl ich gar nicht wusste, was es bedeutet...“ 

„Jetzt weißt du es, und lehnst mich trotzdem nicht ab.“ 

„Nein.“ Sie schüttelte den Kopf und sagte ernst. „Werde ich auch nicht. Ganz sicher nicht. Nie.“ Und mir wäre tierisch scheißegal, wenn du einen Kampf verlierst.  

Spike lächelte glücklich und drehte sie wieder, so dass sie den nächsten Kampf beobachten konnten. Er ließ sie nicht los, sondern zog sie an sich und atmete tief ihren so herrlich nach ihm duftenden Geruch ein. Und plötzlich schoss der Gedanke durch seinen Kopf, wie schön es wäre, wenn es keine zeitliche Begrenzung in ihrer Beziehung geben würde.  

Er hatte sie jetzt schon unwahrscheinlich gern. Und der Gedanke, dass er bald wieder allein war, ohne ihren vertrauten Geruch, ohne ihren Körper, der sich jede Nacht an ihn schmiegte und selbst ohne all ihre vielen Fragen, stimmte ihn traurig.  

********** 

Am nächsten Morgen zogen sie weiter.  

Spike erklärte, dass es noch ca. 20 bis 30 Tagesritte waren und sie sich in der nächsten Stadt mit genügend Lebensmitteln und anderen Dingen, die sie benötigten, versorgen mussten, da im Norden weniger Städte und Dörfer auf ihrer Route lagen.  

Buffy verließ sich voll auf ihn. Sie hatte keine Ahnung, wo sie sich befanden und wäre allein hoffnungslos verloren gewesen. Sie ließ sich von ihm anhand des Sonnenaufgangs erklären, welche der vampirische Himmelsrichtung sich wo befand und wie sie sich in Richtung Norden orientierte, aber Buffy war sich sicher, dass sie sich ohne ihn verlaufen würde.  

Manchmal ging ihr durch den Kopf, dass man sicherlich eine weltweite Suche nach ihr veranstaltete, aber sie hatte keine Möglichkeit, den Stützpunkt zu verständigen. Das einzige, was sie hoffen konnte, war, dass man den Gleiter und damit ihre Nachricht gefunden hatte und damit rechnete, dass sie irgendwann wieder im Stützpunkt ankam. 

Einmal sah sie weit oben am Himmel einen Gleiter fliegen, doch ehe sie reagiert hatte und winkend von Selina gesprungen war, verschwand der Gleiter wieder am Horizont. 

Eigentlich gefiel ihr diese Reise. Sie hatte sich daran gewöhnt, jeden Abend ihr Lager aufzuschlagen, ein Feuer anzuzünden und sich um das Essen zu kümmern.  

Sie schrieb ihr Tagebuch, vervollständigte ihre Notizen über alles, was ihr begegnete und ihr kleiner Koffer mit den Proben, die sie sammelte, um sie im Stützpunkt auszuwerten, wurde immer voller.  

Ihre Verletzung heilte ohne Probleme und Spike sah noch einmal neugierig zu, als sie die Fäden zog und stellte fest, dass es ein einheimischer Arzt nicht besser gekonnte hätte.  

Und sie genoss die Ruhe und die Entspannung, weil es so ganz anders war und sich von ihrem bisherigen hektischen Leben so unterschied. Sie stand nicht unter Prüfungsstress, es gab keinen Erfolgsdruck und keinen industriellen Lärm. Natürlich auch keinen wilden Partys, aber im Moment vermisste Buffy ihr aufregendes Leben nicht. 

Im Moment war alles so einfach geworden...  

Eines Abends, Spike lag auf dem Rücken, kaute gedankenverloren auf einem Grashalm und starrte in den sternenübersäten Himmel, während Buffys Kopf auf seiner Brust ruhte, fragte sie neugierig: „Wie alt bist du eigentlich?“ 

„35 Jahre.“ 

Buffy rechnete kurz in Gedanken um, und kam zu dem Ergebnis, dass das ca. 31 terranischen Jahren entsprach. Damit war er ungefähr fünf Jahre älter als sie. „Wie alt werden Vampire?“ 

Er zuckte unbestimmt mit den Schultern. „90, 100, 110 ... Manche sterben auch mit 40.“ 

„Und mit welchem Alter nehmen sich Vampire gewöhnlich eine Frau?“ bohrte sie neugierig weiter. 

Spike lächelte. „Viele probieren es schon sehr zeitig aus, doch diese Bindungen halten selten, weil ein junger Mann recht schwach und unerfahren ist. Die meisten echten Verbindungen werden im Alter von 35 bis 40 Jahren geschlossen. Und das ist auch die Zeit, in der Männer heimkehren.“ 

„Und du hast es nie probiert?“ fragte sie ungläubig. 

Spike verzog die Lippen zu einem missglückten Grinsen. „Vielleicht ist es nicht normal. Aber der Gedanke, mich auf Kämpfe einlassen zu müssen und eigentlich zu wissen, dass ich sie verliere...“ Er schüttelte den Kopf. „Dazu war ich mir zu schade. Es war einfacher, mich an die Frauen zu wenden, die einfach nur ihren Körper anboten, so wie Dru. Und wenn ich es mir jetzt recht überlege, war es richtig. Mir fällt es schwer genug, zu akzeptieren, dass du bald nicht mehr da bist. Und das ohne einen Kampf...“ 

Buffy hob den Kopf und sah in seine so blauen Augen. „Ich werde dich nie vergessen“, sagte sie leise.  

Er lächelte wehmütig. „Ich dich auch nicht, Menschenfrau. Ich dich auch nicht.“    

Und Buffy fragte sich, ob Vampire wirklich nicht wussten, was Liebe war. Bei jedem Menschen, der sie so behandeln und ansehen würde wie Spike, wäre sie sich sicher. Bei ihm nicht. Er war in einer Welt aufgewachsen, die sich so grundlegend von Terra unterschied. Die Gefühle, die er zweifellos für sie hatte, entstanden auf Grund von Sinneswahrnehmungen, die sie nicht nachvollziehen und die wahrscheinlich ein Mensch niemals verstehen konnte. 

Wie sollte man sich vorstellen, was Spike empfand, wenn er seinen Geruch an ihr wahrnahm. Verschwand das Gefühl zusammen mit dem Geruch? Würde er sie nicht mehr ansehen, als würde er sie lieben, wenn sie nicht mehr nach ihm roch? 

Obwohl es so sein musste, wenn ein Mann die Frau einfach gehen ließ, wenn ein anderer einen Kampf gewann. Würde Spike sie dann wirklich einfach in die Hände eines anderen geben? 

Und ich, fragte sie sich dann nachdenklich. Ich habe einen Vampir unwahrscheinlich gern. Fange ich an, mich in ihn zu verlieben? 

Seufzend legte sie ihren Kopf wieder auf seine Brust. Darauf hatte sie niemand vorbereitet…  

Daran hatte sie nicht einmal im Traum gedacht. Ihr Job war es, fremde Lebewesen zu untersuchen, Tiere, Pflanzen und intelligente Bewohner fremder Planeten. Er sah nicht vor, diese flach zu legen, oder sich gar in sie zu verlieben.  

Zögernd, weil sie nicht sicher war, ob sie eine derartige Frage stellen durfte, hob sie wieder den Kopf. „Spike?“ 

„Hm?“ 

„Was… was empfindet ein Vampir, wenn er eine Frau durch einen Kampf verliert?“ erkundigte sie sich leise. 

Er hatte die Hände hinter dem Kopf verschränkt und starrte in den Sternenhimmel. Es war eine schwere Frage, da er selbst noch nie in einer solchen Situation gewesen war.  

„Ich habe es bisher zweimal erlebt. Der eine war ein Freund von mir“, begann er zögernd. „Der schnappte sich die nächste freie Frau. Der Zweite, mein jüngerer Bruder An’drew. Er war viel zu jung, um eine Frau verteidigen zu können und sie kam wahrscheinlich zu der gleichen Ansicht. Es endete in einem Kampf, den mein Bruder natürlich verlor. Er… er war sehr… traurig…“ Spike würde den Tag nie vergessen, an dem er seinen Bruder so bitterlich weinen sah. Kurz darauf hatte er selbst sein Elternhaus verlassen und sich geschworen, erst die nötige Stärke zu entwickeln, ehe ihm das gleiche passierte wie An’drew. 

„Ich kann mir das überhaupt nicht vorstellen. Wenn ich jemanden wirklich gern habe und dann wird er mir einfach so weggenommen…“ Buffy schluckte, als er endlich seinen Blick von den Sternen löste und sie mit seinen blauen Augen ansah. „Mir wäre so scheißegal, ob er stark ist oder nicht…“ 

„Weil du ein Mensch bist“, sagte er einfach. „Es würde ja auch nie passieren, solange die Frau mit ihm zufrieden ist und seinen Geruch trägt.“

Das stimmte. Und schließlich trennten sich Menschen auch, wenn einer von beiden mit der Beziehung nicht mehr einverstanden war. Und sicherlich wurde oft genug dabei einer von ihnen verletzt.  

Sie legte ihrem Kopf wieder auf seine Brust, kuschelte sich an ihn und schloss die Augen. Und träumte davon, eine Vampirin zu sein und an Spikes Seite bleiben zu können. 

Spike dagegen schaute noch lange hinauf in den Himmel. Ihre Fragen hatten ihn aufgewühlt und auch wenn er äußerlich relativ ruhig blieb, wirbelten in seinem Kopf die Gedanken nur so durcheinander. 

Es tat weh, über einen Abschied nachzudenken. Vor wenigen Wochen war ihm die Idee, eine Beziehung auf Zeit zu testen, fantastisch erschienen.  

Er hatte jedoch nie für möglich gehalten, wie sehr ihm diese Menschenfrau ans Herz wachsen würde.

Und plötzlich hatte er Angst vor dem Tag, an dem er sie tatsächlich gehen lassen musste.

Teil 11 

„Das ist wirklich lustig.“ Spike saß auf dem breiten Bett, lehnte am Kopfende und hatte Buffys Laptop auf den Knien. Konzentriert verfolgten seine Augen die Gestalt auf dem Bildschirm, die er mit den Cursortasten lenkte.

Buffy grinste vor sich hin, während sie ihre noch feuchten Haare kämmte. Sie hatte nicht geahnt, dass ein einfaches Computerspiel ihn derart faszinieren konnte.

Seit Stunden starrte er jetzt auf den Bildschirm und konnte nicht glauben, dass diese Gestalt da von ihm bewegt wurde, sie ein Schwert zog und kämpfte oder mit Pfeil und Bogen irgendwelche Monster tötete.  

Die Gespräche wurden in terranischer Sprache geführt und Buffy bemerkte erstaunt, dass Spike sie zwar nicht sonderlich gut, aber doch zumindest fast verständlich sprach. 

„Wie lange kann man das spielen?“

Buffy lachte leise. „Selbst wenn du die ganze Nacht durchspielst, wirst du das Ende heute nicht erreichen.“

Spike hob kurz den Kopf und lächelte, als er sie mit ihren Haaren kämpfen sah. „Ich wollte das gern mal tun.“ Er klappte den Laptop zu und legte ihn zur Seite.

„Was wolltest du tun?“ fragte sie verdutzt.

„Komm her.“

Neugierig kroch sie zu ihm aufs Bett. Er zog sie zwischen seine Beine und drehte sie, so dass sie mit dem Rücken zu ihm saß. „Seit ich dich kenne, habe ich mich gefragt, warum Menschen solche Haare haben“, flüsterte er neben ihrem Ohr und sie schloss die Augen, als er anfing, mit der Bürste durch die langen blonden  Locken zu fahren. „Ich meine, sie haben keine Bedeutung. Du kannst sie nicht aufstellen. Du kannst mit ihnen gar nichts machen…“

Buffy schmunzelte. „Sie sind Schmuck“, sagte sie leise.

„Sie sind schön. So weich…“ Fast ehrfürchtig strich die Bürste über ihren Kopf, ihre Schultern hinab.

Buffy hatte schon darüber nachgedacht, die Haare etwas zu kürzen, da sie auf dieser Reise unbequem waren. Doch als sie jetzt seine Hände zusammen mit der Bürste spürte, verwarf sie den Gedanken.

Wenn sie so hätte  schnurren können wie er, hätte sie es sicherlich getan. So schloss sie nur die Augen und genoss das beruhigende Gefühl, wenn die Bürste oder seine Finger durch ihre Haare fuhren.

Es schienen Stunden vergangen, ehe er die Bürste zur Seite legte, seine Arme um sie schlang und seine Zunge über sein Zeichen fuhr.

Sie waren jetzt fast dreißig Tage unterwegs und er hatte sich noch immer nicht daran gewöhnt, dass es ihr egal war, ob sein Geruch noch an ihr hing oder nicht, wenn sie das Bedürfnis nach Sex verspürte. Er drängte sie nie dazu, eben weil seine Nase ihm überdeutlich sagte, zu wem sie gehörte. Aber er ging sofort auf sie ein, wenn sie ihm signalisierte, dass sie ihn wollte.

Buffy lehnte sich in seine Berührungen und genoss das Gefühl seiner Zunge und seiner Zähne auf ihrer Haut. Sie mochte diese zärtlichen Berührungen, von denen sie jetzt wusste, dass es einfach ein Zuneigungsbeweis zwischen Vampiren war und die nie, es sei denn, sie ließ es ihn fühlen, in Sex endeten.

Weil der Sex zwischen Vampiren im Normalfall eben nicht sonderlich zärtlich war.

Einer Eingebung folgend drehte sie sich zu ihm um. Er sah sie überrascht, neugierig und mit diesem unterschwelligen Verlangen an, als wüsste er, dass sie wieder einmal entschieden hatte, sie bräuchte mehr.

Buffy verkniff sich ihr Grinsen, als ihr aufging, dass sie, seit sie mit ihm zusammen war, wirklich sehr verrückt auf Sex war. Das würde sie ihm natürlich nicht sagen. Sollte er ruhig glauben, alle Menschen wären so.

Ihre Hände wanderten über seine Brust. Sie küsste ihn sanft auf den Mund und ihre Lippen glitten weiter über seinen Hals.

Spike zog scharf die Luft ein, als sie ihn in den Hals biss und knurrte leise. Seine Hand vergrub sich in ihren Locken, als er ihren Kopf an sich presste. Alle Vampire hatten eine Schwäche für Bisse und das Gefühl ihrer stumpfen Zähne an seinem Hals ließ seine Beherrschung rapide schwinden.

Doch ihr Gewicht auf seinem Schoß verhinderte, dass er irgendetwas anderes tun konnte, als abzuwarten, was sie vorhatte. Und dass sie etwas vorhatte, sagte der schelmische Blick, der ihn traf, als sie wieder den Kopf hob.

Ihre Hände fuhren zum Bund seiner Hose, öffneten sie und streichelten über seine schon wieder erwachte Erektion.

„Vampire wollen wirklich immer“, kicherte sie und er knurrte lauter. „Es reicht der Gedanke, dass ich es will, ja?“

Er umschlang ihre Hüften und wollte sie zur Seite werfen, doch sie stoppte ihn mit einem Kuss.

„Warte“, flüsterte sie gegen seine Lippen. „Bleib sitzen.“

Sie stand auf und streifte ihre eigenen Hosen ihre Beine hinunter. Sein hungriger Blick folgte jeder ihrer Bewegungen und sie sah, wie er die Luft einzog als der Geruch ihrer Erregung ihn traf. Dann kletterte sie wieder zu ihm aufs Bett und setzte sich rittlings auf seinen Schoß.

Spike knurrte lauter, als er sie Nässe zwischen ihren Beinen an seiner empfindlichen Erektion spürte und grub seine Zähne in ihren Hals. Buffy fühlte die Krallen seiner Hände an ihren Hüften, hob sich selbst kurz an und sah das grenzenlose Erstaunen in seinem Blick, als er den Kopf hoch riss, während sie sich langsam auf ihm nieder ließ.

„Hast du es schon mal auf diese Art getan?“ schnurrte sie und strich mit der Zunge über seine Lippen. Seine Hüften stießen nach oben, weil es ihm zu lange dauerte und Buffy schnappte nach Luft, als er plötzlich ganz tief in ihr ruhte.

„Immer … für … eine … Überraschung … gut“, brachte er mühsam hervor und sein Kopf flog zurück, als sie begann, sich zu bewegen.

Es war neu für ihn, nicht viel tun zu können, da sie die Kontrolle über die Bewegungen seiner Hüfte hatte. Aber zu sehen, wie sich ihr Körper bewegte und sich ihr Gesicht verklärte, reichte zusammen mit dem unbeschreiblichen Geruch ihrer Erregung, um ihn wahnsinnig werden zu lassen.

Und als sie dann die Zähne in seinen Hals bohrte, ohne ihn verletzen zu können, brüllte er auf, weil er jegliche Kontrolle verlor, und nur noch wie ein Wilder nach oben, in sie, stoßen konnte, ehe er kurz darauf im Orgasmus explodierte.

Er fühlte sie zittern, als sie die Grenze ebenfalls überschritt, ohne dass sie ihre Zähne von seinem Hals gelöst hatte und seine Augen schlossen sich, als sie auf ihm erschlaffte.

Meine Menschenfrau, ging es ihm wehmütig durch den Kopf. Hatte ihn jemals eine einheimische Frau so fühlen lassen? Hatte er jemals das Bedürfnis verspürt, eine Frau niemals wieder loszulassen? Hatte er sich jemals gewünscht, eine Frau für immer bei sich zu haben?

War es dieses Gefühl, das Männer fühlten und wussten, es war an der Zeit für eine echte Verbindung in ihrem Leben?

Spike seufzte unhörbar. Würde er jemals wieder eine Frau finden, die in ihm das gleiche auslöste wie diese Menschenfrau?

Er konnte die Frage nicht beantworten. Aber er wusste genau, er hatte Angst vor dem Tag, an dem er sie gehen lassen musste.

Seine Gedanken wurden abgelenkt, als sich Buffy auf seinem Schoß rührte und den Kopf hob. Vielleicht war ein Teil von dem, was in ihm vorging noch in seinen Augen zu lesen, denn sie schlang die Arme um seinen Hals und küsste ihn sanft.

„Ich liebe dich, Spike“, sagte sie leise und klang fast so traurig wie er sich fühlte. „Ich habe das noch nie zu einem Mann gesagt und auch, wenn du es vielleicht nicht verstehen kannst, möchte ich, dass du es weißt.“

Spike schluckte. Er erinnerte sich sehr wohl an das Gespräch vor einiger Zeit, als sie ihm versucht hatte, das terranische Wort Liebe zu erklären. Liebe ist ein Gefühl. Ein sehr starkes Gefühl, das man für jemanden empfindet. Es ist mehr, als jemanden gern haben oder jemanden mögen…  Liebe ist, jemanden wirklich wirklich gern zu haben. Irgendwie mehr als gern.

Was bedeutete mehr als gern haben? Konnte man jemanden noch mehr gern haben, als er sie jetzt schon?

Buffy lächelte schwach, als sie die Irritation und die Fragen in seinem Blick sah. Ihre Hand hob sich und sie strich zärtlich mit den Knöcheln ihrer Finger über seine Wange. „Ich werde dich vermissen“, murmelte sie wie zu sich selbst. „Ich bin ein Dummkopf, Spike. Aber im Moment wünsche ich mir nichts sehnlicher, als eine Vampirin zu sein und an deiner Seite bleiben zu können. Ich weiß, das ist…“

Sie kam nicht dazu, ihren Satz zu vollenden, weil Spike aufknurrte, sie mit einer schnellen Bewegung zur Seite warf und im nächsten Moment auf ihr lag. Seine Haare standen schon wieder zu Berge und Buffy wusste jetzt, dass nicht nur Zorn dieses Verhalten auslöste, sondern auch Erregung. Und obwohl er noch nicht in sein Vampirgesicht gewechselt war, spürte sie die Aufruhr, die in ihm tobte, fast körperlich.

„Ich will dich nicht gehen lassen“, stieß er hervor und einen Moment flackerten seine Augen gelb. „Ich möchte nicht, dass mein Geruch an dir verschwindet und der Gedanke, dass du von einem anderen Geruch als meinem umgeben sein könntest, macht mich wahnsinnig.“ 

War das jetzt eine Liebeserklärung auf Vampirisch? Buffy musste lächeln, als ihr dieser Gedanke durch den Kopf schoss. Und wieder einmal wünschte sie sich, wenigstens einmal seine Nase zu besitzen und zu erfahren, was er eigentlich wahrnahm.  

„Es geht nicht, Spike“, flüsterte sie und zog seinen Kopf zu sich herab. „Du weißt das genau so gut wie ich, ja?“ 

„Ja“, schnurrte er verzweifelt, während seine Gedanken Nein!!! schrieen. Ihre Lippen trafen sich und Spike ging auf, dass das auch etwas war, was er vermissen würde. Das Küssen… 

Dann fühlte er, dass sie einladend die Beine spreizte und der Gedanke an die bevorstehende Trennung wurde reichlich nebensächlich. 

*************** 

Es war am sechsundfünfzigsten Tag, als sie die Station SUNNYDALE erreichten. 

Buffy war einerseits total aufgeregt und auf der anderen Seite bedauerte sie das Ende der Reise.  Spike ging es ebenso, obwohl sie das Thema nicht noch einmal ansprachen. Doch sie spürte es an den traurigen Blicken, die er ihr manchmal zuwarf und an der manchmal fast verzweifelt wirkenden Zärtlichkeit, mit der er sie behandelte.  

In der letzten Nacht vor der Ankunft auf der Station war er es, der sich auf seine unbeschreibliche vampirische Weise auf sie stürzte, so als wolle er sie den nächsten Tag vergessen lassen.  

Um es gleich im Anschluss auf die terranische Art wieder gut zu machen. Buffy musste schon fast wieder lachen, wenn sie an diese abrupte Änderung seiner Art, sie zu behandeln, dachte.  

Sie schliefen kaum in dieser Nacht, sondern sanken nur gegen Morgen, eng umschlungen und vollkommen befriedigt, auf ihre Decken und klammerten sich aneinander, als wollten sie sich nie wieder loslassen. 

Als jetzt allerdings die Silhouette der Station am Horizont auftauchte, macht Buffys Herz vor Freude einen Satz und sie schrie: 

„Los, Spike! Lass uns ein Wettrennen veranstalten!“

Sie jauchzte, als sie Selina antrieb und der Vampir knurrte herausfordernd, als sich Akpedorlan streckte. Im Galopp flogen die beiden Dragos den sanft ansteigenden Hang zur Station hinauf.

Buffy bemerkte nicht, dass Spike sein Drago zum Schluss etwas zügelte, um sie gewinnen zu lassen und kam mit einem ausgelassenen Lachen vor der Station zum stehen.

Wesley Whyndham-Price, der Sicherheitsoffizier der Station, stand vor der Eingangstür und war einen Moment zu verblüfft, um sich zu rühren.

„Hallo!“ winkte Buffy gelassen, als wäre es die natürlichste Sache der Welt. „Ich bin wieder da.“

Wesley klappte seinen Mund auf und wieder zu, ohne ein Wort hervor zu bringen. In diesem Moment öffnete sich die Tür und Willow Rosenberg, die Wissenschaftsoffizierin, stürzte in Begleitung des Stationsleiters Rupert Giles aus der Tür.

„Oh mein Gott!“ schrie die rothaarige junge Frau. „Buffy! Es ist wirklich Buffy!“

Die drei Menschen schauten so fassungslos drein, dass sogar Spike grinsen musste.

Giles fing sich als erster. „Wir hätten es wissen müssen. Wir hätten wissen müssen, dass Buffy es fertig bringt, einen Vampir dazu zu überreden, sie hierher zu bringen.“

Buffy strahlte von ihrem Drago herab. „Darf ich euch Spike el Gemlandor vorstellen. Er war so …ähm… nett, mir den Weg zu zeigen.“

Spikes konzentriertem Blick entnahm sie, dass er versuchte, dem auf Terranisch geführten Gespräch zu folgen.

Giles nickte freundlich in seine Richtung. „Willkommen auf SUNNYDALE, Spike. Ich glaube, wir sind uns schon begegnet?“

Spike nickte langsam.

„Steigt ab und kommt rein, ich glaube, ihr habt viel zu erzählen“, fuhr Giles dann fort.  „Wesley, ruf die Suchgleiter zurück. Unsere verloren gegangene Exobiologin ist wieder da.“

Spike stieg nicht ab, sondern sagte zu Buffy in seiner Sprache. „Ich werde weiter reiten.“

„Bist du verrückt!“ zischte sie böse und griff in Akpedorlans Zügel. „Ich schulde dir die Bezahlung und ich werde nicht zulassen, dass du dich so spät noch auf den Weg machst. Und du hast mir versprochen, dich untersuchen zu lassen. Und…“

„Ich will die Bezahlung nicht“, sagte er leise.

„Spike! Scher dich von dem Drago herunter!“ Akpedorlan knurrte und Buffy schlug ihm, ohne mit der Wimper zu zucken, leicht gegen das Maul. „Komm schon, Spike. Wir haben Gästequartiere. Du kannst jetzt noch nicht gehen.“

Seufzend stieg er ab und sie führten die Tiere in die Boxen der Station, die für die Untersuchung einheimischer Tierarten vorgesehen waren.

Er wusste, dass es ein Fehler war und dass er damit den Zeitpunkt der Trennung nur hinauszögerte. Vielleicht war es eigennützig von ihm, weil alles in ihm schrie, nicht zu gehen oder sie mitzunehmen,  aber er brachte es nicht über sich, die quirlige Menschenfrau, die ihm in den letzten Wochen so ans Herz gewachsen war, zu enttäuschen.

***********

„Du bist den ganzen Weg her geritten?“ Willow klang fassungslos.

Sie saßen im Besprechungsraum an einem der langen Tische: Giles, Wesley, Willow, der Arzt Xander Harris und Riley, der Pilot, die kurz nach der Benachrichtigung ihre Suche nach Buffy abgebrochen hatten.

Auch Spike saß mit am Tisch, sah aber nicht so aus, als würde er sich sonderlich wohl fühlen.

„Ja, bin ich. Die ersten Tage nicht“, schnatterte Buffy, obwohl sie seit einer Stunde ununterbrochen redete, noch immer munter. „Da bin ich auf Spikes Drago mit geritten, doch dann haben wir in der nächsten Stadt Selina gekauft. Für mich. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie viele Tiere da angeboten wurden. Hunderte. In einem riesigen Stall.“

Spike grinste bei ihren enthusiastischen Erklärungen. Ihm entgingen die neugierigen und auch teilweise ihn vorsichtig taxierenden Blicke der anderen Menschen nicht. Und das, obwohl er sein menschliches Gesicht beibehalten hatte.

„Wie, zum Teufel, hast du es geschafft, ihn dazu zu bringen, dich hierher zu schaffen?“ Giles schüttelte immer wieder den Kopf. „Ich weiß, dass Vampire sehr hilfsbereit sind, aber noch kein einziger ist auf unsere Frage, ob jemand uns mit in eine Stadt nehmen würde, eingegangen.“

„Nein?“ fragte Buffy verblüfft. „Warum nicht? Spike?“

Sie blickte neben sich auf den Vampir, der sich nur mühsam ein Lachen verkniff und stieß ihn an. „Warum nicht, Spike?“ 

"Warum sollte jemand einen Mann in die Stadt begleiten?“ fragte Spike in gebrochenem Terranisch und zwang sich, ernst zu bleiben.  

Buffy jedoch fing an zu lachen. „Sie hätten einfach in die Stadt marschieren können, ja?“ Sie schlug die Hände vor den Mund. „Ohne dass es jemanden interessiert hätte?“ 

„Sicher“, gluckste er jetzt auch. „Warum sollte es?“ 

Die Blicke der anderen Menschen gingen fragend zwischen ihnen hin und her.  

„Weißt du, Giles“, fuhr Buffy fort. „Es hat niemanden, auf der ganzen Reise nicht, interessiert, dass ich ein Mensch bin. Wenn ihr eine Stadt sehen wollte, geht einfach rein. Von Vorteil ist es jedoch, ihre Sprache zu sprechen.“ 

„Das ist toll!“ rief Willow aufgeregt. „Ich wollte schon immer mal eine der Städte besuchen und mit den Vampiren reden.“ 

„Du nicht!“ kreischte Buffy erschrocken und wurde blass. „Du nicht, Willow. D-die Männer können in die Stadt. Du nicht. Oder, Spike? Kann sie in die Stadt?“ 

Der Vampir zog langsam die Luft ein und schüttelte den Kopf. „Nein, sollte sie nicht.“ 

Buffy zog das dünne Hemd, das sie über der freizügigen vampirischen Kleidung trug, enger um ihre Schultern. Sie hatte vorgezogen, Spikes Bissspuren vorerst zu verbergen, und ihr wurde komisch, als jetzt die fassungslosen Blicke der anderen Menschen auf ihr ruhten. 

„Warum nicht, Buffy?“ fragte Willow verblüfft. „Du bist doch auch in den Städten gewesen.“ 

Spike sah die Wissenschaftlerin ernst an. „Eine Frau sollte ohne männlichen Schutz keine Stadt betreten.“ 

Willow runzelte die Stirn. „Ich kann doch in Begleitung eines Menschen gehen. Dann habe ich doch Schutz.“ 

„Es ist komplizierter.“ Buffy zögerte und warf Spike einen unsicheren Blick zu. „Vampire benutzen weniger ihre Augen, um festzustellen, ob du einen Schutz hast oder nicht. Sie benutzen ihre Nase…“ 

„Also ich verstehe gar nichts.“ Willow sah Spike an, der ihren Blick offen erwiderte.  

„Ich rieche, dass du keinen Mann hast. Und genau so wird es jeder andere Mann riechen. Sie werden dir ihren Schutz anbieten und um dich kämpfen“, sagte er einfach. 

„Er riecht … WAS?!“ Willow wurde blass, dann rot, dann wieder blass und sah Buffy an. „Hat um dich jemand gekämpft?“ erkundigte sie sich entsetzt. 

„Einmal. Spike“, antworte Buffy einsilbig, weil sie an diesen Tag eigentlich nicht erinnert werden wollte. „Aber das war nicht gewollt. Der Vampir, der Spike heraus gefordert hatte, ignorierte die vampirischen Gesetze, weil ich ein Mensch bin. Seine Nase hätte ihm eigentlich deutlich sagen müssen, dass … ähm … nun ja …“ Sie brach ab und Spike verkniff sich mühsam ein Grinsen. 

„Wenn eine Frau den Geruch eines Mannes und sein Zeichen trägt, kann ihr nichts passieren“, stellte Spike klar.  

„Ein Mensch kann aber doch gar nicht merken, wenn der Geruch verfliegt“, sagte Buffy nachdenklich.  

„Ähm“, mischte sich Riley ein. „Das ist ja alles schön und gut. Wo kriegt sie den Geruch her? Was war mit dir, Buffy?“ 

„Sie steht unter meinem Schutz“, sagte Spike leise und Buffy lächelte ihn dankbar an.  

„Sie hat deinen Geruch getragen?“ Riley runzelte verständnislos die Stirn. 

„Sie trägt ihn noch“, murmelte der Vampir, ohne dass seine Augen Buffy verließen. „Genau so wie mein Zeichen.“ 

„Wie zum Teufel trägt man einen Geruch? Kann man den kaufen? So etwas wie Parfüm?“ Riley ließ nicht locker. 

Willow jedoch sah wie Buffy feuerrot anlief und zog scharf die Luft ein. „Gott, nein, ich glaube das nicht. Du hast nicht …? Oder doch? Du hast … mit ihm …?“

Jetzt hatten es auch die drei Männer begriffen und starrten Buffy, die plötzlich sehr verlegen den Tisch musterte, fassungslos an. Doch dann siegte ihr Selbstbewusstsein und sie hob den Kopf. „Es ist mir vollkommen egal, wie ihr darüber denkt.“

„Ist die Kette sein Zeichen?“ fragte Willow leise und Spike gluckste.

„Nein.“ Buffys Finger spielten mit dem roten Stein. „Sie ist ein Geschenk.“ Ihr Blick wurde weich, als sie in Spikes Gesicht sah und das Leuchten seiner Augen bemerkte.

„Sie ist schön.“ Willow musterte den Vampir unsicher. „Was ist es für ein Zeichen?“

Spike lächelte, wechselte übergangslos in sein Raubtiergesicht und schnurrte: „Ein Biss.“

Es schlug ein wie eine Bombe. Wesley fiel der Stift aus der Hand, Xanders Mund klappte auf und zu, als würde er wie ein Fisch im Trockenen nach Luft schnappen. Rileys Züge versteinerten und es sah fast so aus, als wolle er zu der Waffe greifen, die an der Seite seiner Kombination hing. Und Giles nahm seine Brille ab und begann sie zu putzen.

Allerdings brachte niemand ein Wort hervor. Außer Willow.

„Er hat dich gebissen!“ quietschte die junge Frau und presste ihre Hand vor den Mund, um einen Aufschrei zu unterdrücken und Spike ließ seine menschlichen Züge wieder erscheinen. „Ich gehe nirgends wo hin“, stellte sie klar. „Das ist barbarisch.“

Buffy stützte ihr Kinn auf ihre Hand. „Nein, ich denke, das solltest du auch nicht. Aber ich möchte nicht, dass einer von euch die vampirischen Gesetze verurteilt. Ich hatte über 50 Tage Zeit, sie kennen zu lernen. Und es war nicht immer leicht…“

Sie drehte leicht den Kopf wieder zu Spike. „Aber jetzt weiß ich es. In diesem Augenblick, als Spike mir seinen Geruch und sein Zeichen verpasste, gab er mir ein wortloses Versprechen. Ein Versprechen, das jeder Vampir der Frau gibt, die ihn um Schutz bittet. Er wird für sie sorgen, für sie kämpfen und sein Leben für sie riskieren, wenn es nötig wird. Ich habe eine ganze Weile gebraucht, ehe ich das verstanden habe…“

Spike hob seine Hand um ihren Nacken und zog sie an sich. „Ich bin stolz auf dich“, flüsterte er in seiner Sprache und fuhr kurz mit den Lippen über ihre, während sich seine Haare aufstellten.

Und die Blicke der Menschen hingen fassungslos an dem Anblick des Vampirs mit den gesträubten Haaren bei dieser so vertraulichen Geste und Willow seufzte leise, einfach weil es so zärtlich wirkte.  

Buffy würde noch eine ganze Menge zu erzählen haben.

Teil 12 

Piep… Piep… Piep… 

Spike verfolgte mit großen Augen die Zacken des EKG-s auf dem Bildschirm. Er fand dieses Gerät fast noch fantastischer als den Computerscanner, unter den ihn Buffy vor zwei Stunden gelegt hatte, und der eine Tiefenaufnahme seines Körpers machte.

Natürlich war es unbegreiflich für ihn gewesen, als der Medo-Computer dann eine dreidimensionales Hologramm von ihm erstellte und Buffy ihm jede Einzelheit in seinem Inneren zeigen konnte, aber jetzt die gleichmäßigen Zacken zu sehen, die mit seinem Herzschlag übereinstimmten, den er so gut hören konnte, faszinierte ihn ungleich mehr.

Buffy hatte ihm auch versucht zu erklären, welche Funktion das Herz hatte und wie wichtig es war. Spike schwirrte jetzt noch der Kopf von all den Erklärungen und der ganzen unheimlichen Technik um sich herum.

„Dein Herz schlägt langsamer als ein menschliches“, unterbrach Buffy seine Träumereien. „51 Schläge pro Minute und ich denke du bist jetzt nicht unbedingt die Ruhe in Person, oder?“

Spikes Augen wanderten wieder zu den Zacken. „Doch“, murmelte er geistesabwesend. „Warum nicht?“

Sie lächelte leicht. Warum nicht? Weil du inmitten einer Technik sitzt, die dir unbekannt ist? Und ich Dinge tue, die du sicherlich nicht verstehst?  Wie es aussah, schien Spike das überhaupt nicht zu stören.

 

Sie wusste auch nicht, ob er ihre Erklärungen hören wollte, aber sie erläuterte ihm alles, was sie sah, oder an ihm feststellte. Vielleicht war es auch ihre eigene Flucht vor der Realität, die sie unweigerlich einholen würde, wenn ihre Untersuchungen beendet waren und sie sich damit auseinander setzen musste, dass Spike die Station verließ.

Und als Spike nach einer ganzen Weile, als sie schon dachte, er würde ihr gar nicht zuhören, fragte, wie denn die Vampire, von denen sie damals erzählt hatte, ohne einen Herzschlag lebten, wenn es so wichtig war, dass gerade dieses Organ funktionierte, musste sie anfangen zu lachen.

 

Er schaute sie so nachdenklich an, als hätte er schon eine ganze Weile über diese Frage gegrübelt und Buffy konnte nicht anders. Sie ignorierte die ganzen Kontakte, die sie an seinem Körper befestigt hatte, setzte sich auf seinen Schoß und schlang ihre Arme um seinen Hals.

„Ich liebe dich, Spike“, flüsterte sie und presste ihre Lippen auf seinen Mund. Ich will nicht, dass er geht. Ich mag seine Fragen, ich mag seine erfrischende Neugier…

Und sie mochte definitiv die Art und Weise, wie er auf ihren Kuss reagierte… stellte sie keine Minute später fest. Denn Spike hatte die Beantwortung seiner Frage erst einmal für zweitrangig befunden…

 

***************

 

 „Sie ist tragend!“ Begeistert fuhr Buffy mit dem Ultraschallgerät über Selinas Bauch.

Spike stand neben ihr und beobachtete ihr Tun misstrauisch. „Wie siehst du das?“

„Schau!“ Buffys Finger deuteten auf den Bildschirm, während sie ihm das Bild erklärte. Doch sein Blick wurde immer unverständlicher.

„Ich sehe gar nichts“, erklärte er einfach.

Buffy klappte das Gerät wieder zusammen und schob es aus Selinas Box. „Glaube mir einfach. Sie ist tragend.“

Obwohl Buffy Selina gern behalten hätte, wusste sie, dass sie nicht die Zeit und die richtigen Möglichkeiten haben würde, das Drago ordentlich zu versorgen. Seufzend strich sie der großen Katze über den Kopf und kraulte sie hinter den Ohren. Selina schloss genießerisch die Augen und begann zu schnurren.

„Ich würde das Junge gern sehen“, sagte Buffy traurig und fast wie zu sich selbst.

Spike drehte ihr den Rücken zu und verließ wortlos die Box. Die Untersuchungen, die sie an ihm durchführen wollte, waren abgeschlossen und normalerweise gab es keinen vernünftigen Grund mehr zu bleiben. Ich sollte gehen. Einfach gehen...

„Spike?“ Buffy verschloss die Box, ließ das Ultraschallgerät mitten im Gang stehen und rannte ihm nach. „Spike!“

Er blieb stehen, ohne sich zu ihr umzudrehen. Buffy jedoch bemerkte die Spannung, die seinen Körper beherrschte an der Art wie sich seine Hände zu Fäusten ballten und sich seine Schultern verkrampften.

„Was ist los, Spike?“ fragte sie zögernd, obwohl sie es eigentlich genau wusste.

„Es ist eine blöde Idee, noch zu bleiben“, murmelte er. Er sah die Tränen in ihren Augen, als sie um ihn herum ging und vor ihm stehen blieb.

„Ich bin egoistisch“, flüsterte Buffy. „Ich will nicht, dass du einfach aus meinem Leben verschwindest. Ich will nicht, dass du eine Erinnerung wirst. Ich... ich will, dass du bei mir bleibst...“

„Das geht nicht“, sagte er sanft. „Du weißt das ganz genau. Das hier...“ Seine Hand beschrieb einen Kreis. „...ist deine Welt, in die ich nicht... gehöre.“ Er nahm ihr Gesicht in seine Hände, als er die einsame Träne bemerkte, die über ihre Wange rollte und presste seine Lippen auf ihre. Er würde es wirklich vermissen… dieses Küssen…

Buffy schlang ihre Arme um ihn. „Nimm mich mit, Spike“, schniefte sie leise. 

Er schloss die Augen und atmete den Duft ein, der von ihren Haaren aufstieg. Ihr Geruch, unterlegt von seinem. So klar. So eindeutig. So unmissverständlich.

Es tat weh. Er hatte es geahnt, nein, er hatte es gewusst.

„Ich will nicht, dass du weinst, Buffy“, flüsterte er hilflos und hörte, wie sie anfing zu schluchzen. Seine Finger strichen durch ihre so weichen Haare. Er wollte sie trösten, aber ihm fielen keine Worte ein, weil er sich genau so elend fühlte wie sie. Deshalb blieb er stehen und hielt sie einfach nur fest.

Es dauerte eine Weile, bis sie sich wieder beruhigt hatte, den Kopf hob und ihn verlegen anlächelte. „Gott, ich bin kindisch. Du musst wirklich denken, ich bin eine dämliche Heulsuse.“ Sie fuhr sich mit der Hand über die geröteten Augen. „Hör mir nicht zu, Spike.“

„Ich würde dich gern mitnehmen, Buffy“, sagte er ernst. „Wenn es nach mir ginge, ich würde dich schnappen, auf dein Drago werfen und mit dir zusammen verschwinden.“

Obwohl er diese Worte wirklich so meinte, wusste er, dass er niemals etwas Derartiges tun würde. Weil es der Mentalität seines Volkes widersprach. Kein Mann würde sich eine Frau rauben. Er musste sich ihre Zuneigung gewinnen. Er musste ihr zeigen, dass er fähig war, sie für den Rest ihres Lebens zu schützen und zu versorgen. Aber das war nicht der Hauptgrund.

Nein, Spike wusste, dass Buffy in einem Leben auf der Burg, ohne die Aufgabe, in der sie so aufging, nicht glücklich wäre. Genau so wenig wie er in einem Leben in den sterilen Mauern dieses Baus.

Und auch wenn sie im Moment so eindeutig zu ihm gehörte, eine Beziehung wie sie auf seiner Welt üblich war, konnte man nicht fortsetzen, wenn sich beide an getrennten Plätzen aufhielten. Er würde sie nicht schützen können…

„Ich wünschte fast, du würdest es tun…“ Buffy hob die Hand und strich über seine Wange. „Wir sind beide kindisch, weißt du das?“

„Ich will nicht, dass mein Geruch an dir verschwindet“, fuhr er fort. „Ich will nicht, dass du den Geruch eines anderen Mannes trägst. Ich bin genau so egoistisch wie du...“ Allein der Gedanke, sie irgendwann wieder zu sehen und einen anderen Geruch als seinen zu spüren, machte ihn jetzt schon ganz krank.

Er senkte den Kopf, streifte mit den Lippen ihre Wange und Buffy spürte seine Zähne an ihrem Hals. Ein Zittern überfiel ihren Körper und sie klammerte sich an Spike, als wolle sie ihn nie wieder los lassen.

„Ich habe nicht geahnt, dass es so weh tut“, hauchte er neben ihrem Ohr. Er hatte es wirklich nicht und in diesem Moment fühlte er sich genau so wie vielleicht damals sein Bruder, obwohl er die Menschenfrau nicht durch einen Kampf verlieren würde.

Aber sie würde aus seinem Leben verschwinden und er würde sie vermissen. Und wenn er sie irgendwann noch einmal sah, zufällig, würde sie nicht mehr ihm gehören.  

 

***********

 

Schweigend sattelte Spike am nächsten Morgen Akpedorlan und packte sein restliches Gepäck auf Selina. Buffy hatte ihr Versprechen gehalten und ihn mit all den Waffen versorgt, die er am Beginn ihrer Beziehung gefordert hatte, obwohl er mehr als einmal gesagt hatte, er wolle sie nicht haben.

Er war auch nicht dazu gekommen, nur einen Blick in die Gästekabine zu werfen. Buffy hatte ihn angesehen, als hätte er den Verstand verloren, wortlos seine Hand ergriffen, und ihn mit sich in ihre eigene Kabine gezogen.

Es machte die Sache nicht leichter, aber in dieser letzten Nacht verschwendete keiner von ihnen beiden einen Gedanken an Schlaf.

Jetzt stand Buffy neben ihm. Sie sah müde aus, genau wie er, und Spikes Herz zog sich zusammen, weil ihm mit absoluter Klarheit aufging, dass sich ihre Wege jetzt trennen würden. Es war eine so vollkommen neue Situation für ihn, eben weil sie so eindeutig nach ihm roch und der Mann in ihm schrie, dass es keinen Grund gab, sie zu verlassen.

Aber in den vergangenen Wochen hatte er sie besser kennen gelernt als jemals eine Frau seiner Welt. Er wusste, dass er sie nicht mit seinen Maßstäben messen konnte, auch wenn es schwer fiel, es zu begreifen. Vielleicht würde es kein anderer Mann auf dieser Welt tun, vielleicht würde jeder andere Mann anders reagieren.

Aber Spike wusste, dass sie in diese Welt gehörte und er in die andere. In spätestens fünf bis zehn Tagen würde sein Geruch an ihr verschwinden… Ihm fiel wieder ein, dass Buffy diese Dinge ja gar nicht wahr nahm und das machte ihn noch trauriger. Er würde in den nächsten Tagen ihren Geruch noch an sich spüren, doch sie hatte nur die Erinnerung.

Buffy verschwendete keinen einzigen Gedanken daran. Sie hatte mehr mit den Tränen zu kämpfen, während sie beobachtete, wie Spike die Dragos belud.

Sie waren allein auf dem Vorplatz, da die anderen Menschen sich schon von dem Vampir verabschiedet und diskret den Platz geräumt hatten.

„Was hast du jetzt vor, Spike?“ schaffte sie es irgendwann zu sagen.

„Ich werde heimkehren“, antwortete  er leise. „Ich bin alt genug, um in die Burg meines Vaters zurück zu kehren, mich mit der Dragozucht zu beschäftigen und mich darauf vorzubereiten, seine Nachfolge anzutreten.“ Und eine Frau zu nehmen…

Buffy fühlte sich plötzlich, als würde sie keine Luft mehr bekommen. „Versorg Selina gut“, stieß sie hervor. „Und ihr Junges.“

 

Spike atmete tief durch, ehe er sich umdrehte. Frag sie. In ihren so fremdartig grünen Augen schwammen schon wieder Tränen.

„Wenn... wenn du möchtest“, begann er zögernd. „Schicke ich eine Nachricht, wenn sie... wenn sie es hat.“

„Ich kann es mir ansehen kommen?“ piepste Buffy und ihre eigentliche Frage lautete. Willst du, dass ich dich besuchen komme?

„Ja“, brachte er heraus.

Buffy rollten schon wieder die Tränen die Wangen hinab. Seit wann bin ich eigentlich so weinerlich veranlagt. „Spike?“ Sie trat an ihn heran und sah zu ihm hoch.

„Ja?“

Nach dem, was sie über Vampire wusste, war es Schwachsinn, etwas Derartiges zu sagen. Aber sie wusste genau, wenn sie es nicht tat, würde sie sich ewig Vorwürfe machen. „Ich… ich kann mit einem Gleiter jeden Punkt des Planeten innerhalb kürzester Zeit erreichen...“

Seine Augenbrauen hoben sich, noch immer fragend.

„Wenn... wenn du möchtest...“ Die Worte erstarben in ihrem Mund. Es ist  dumm. Er ist kein Mensch.

„Ja?“

Wie um sich selbst Mut zu machen, holte sie noch einmal tief Luft. „Ich habe hier eine Aufgabe zu erledigen. Aber ich habe selbstverständlich auch freie Zeit, die ich verbringen kann wie ich will. Mit… mit wem ich will...“

Was sie anbot, war für vampirische Begriffe ungeheuerlich und Spike wusste es. Er sah die Unsicherheit in ihren Augen. Sie kannte Vampire jetzt gut genug, um zu wissen, dass ihr Angebot ihn verblüffen und wahrscheinlich entsetzen musste.

Es verblüffte ihn wirklich. So sehr, dass ihm einen Moment die Worte fehlten. Obwohl der Gedanke, dass sie komplett aus seinem Leben verschwinden würde, noch viel entsetzlicher war.

Er senkte den Kopf und fuhr mit der Zunge über ihre Lippen. „Es wäre falsch, Buffy. Mein Geruch wird an dir verschwinden. Ich kann nicht da sein, um dich zu schützen. Ich…“

Sie stoppte ihn, indem sie die Finger über seine Lippen legte. „Warte kurz.“

 

Spikes Blick folgte ihr erstaunt, als sie zurück in die Station stürzte. Kurz darauf kam sie wieder und hielt in ihren Händen ein kleines schwarzes Armband.

Seine Augen weiteten sich verblüfft, während er zusah,  dass sie es ihm wortlos über sein Handgelenk streifte.

Erst als es fest saß, hob Buffy den Kopf und lächelte ihn schüchtern an. „Das ist ein Funkgerät“, erklärte sie zögernd. „Wir können miteinander reden, wenn wir uns nicht sehen...“ Sie sah unsicher in seine blauen Augen. „Ich meine, wenn... du willst. Und ich wüsste… wo du bist…“

„Ohne, dass wir uns sehen?“ murmelte er fassungslos und fuhr mit den Krallen ehrfürchtig über das schwarze Plastik.

Buffy nickte und erklärte ihm kurz, welche Knöpfe er wie betätigen musste und wie er reagieren musste, wenn sie versuchte, mit ihm in Kontakt zu treten. Spikes Blick wurde immer ungläubiger, je länger sie redete.

Buffy ahnte auch, dass es vielleicht ein Fehler war. Auf dieser Welt zählten andere Dinge, wenn zwei Menschen eine Beziehung eingingen. Dinge, die sie mit ihren beschränkten Sinnen nicht verstehen oder nachvollziehen konnte. Aber Spike lehnte das Funkgerät nicht sofort ab, also war es ihrer Meinung nach einen Versuch wert.

Natürlich war es möglich, dass er in einigen Tagen, wenn ihr Geruch nur noch eine Erinnerung war, anders darüber denken würde. So weit war selbst Buffy noch nicht in ihren Nachforschungen über die vampirische Mentalität gekommen, um zu sagen wie groß die Bedeutung dieser Geruchsache wirklich war. Aber sie war wichtig. Wichtiger, als ein ausgesprochenes Ich liebe dich, soviel war ihr klar.

Spike schaute endlich von dem kleinen Gerät an seinem Handgelenk hoch und sah sie an. „Ihr Menschen seid wirklich seltsam“, sagte er leise, hob seine Hand und legte sie um ihren Hals.

Buffys Augen schlossen sich, als sich sein Kopf senkte und sie seine Zähne an ihrem Hals spürte. Es war ein zärtlicher Biss, der sie nicht verletzten konnte und sie seufzte leise, weil die Erinnerung an all die gemeinsam verbrachten Stunden sie zu übermannen drohte.

„Pass gut auf Selina auf“, flüsterte sie. Pass gut auf dich auf. Und vergiss mich nicht…

 

Spike lächelte schwach, ehe er nickte. „Leb wohl, Menschenfrau“, murmelte er und konnte die Traurigkeit in seiner Stimme nicht ganz unterdrücken.

Dann löste er sich von ihr, zwang sich gewaltsam den Blick von ihrem so vertrauten Gesicht und den Tränen, die ihre Wangen hinab liefen, loszureißen und schwang sich auf Akpedorlan.

Buffy lächelte ebenfalls, wenn auch genau so gequält. „Bis bald, Vampir“, flüsterte sie mehr zu sich selbst, als zu ihm, aber seine feinen Ohren hatten die Worte vernommen.

Einen kurzen Moment trat ein Leuchten in seine Augen, dann wandte er das Drago um und trieb Akpedorlan den Hang, der zur Station führte, hinab.

Buffy sah ihm nach, wie er die Tiere zu einer schnelleren Gangart antrieb und immer kleiner wurde. Sie verschränkte die Arme vor der Brust, während die Tränen ungehindert aus ihren Augen flossen, weil ihr durch den Kopf ging, dass er vielleicht wirklich für immer aus ihrem Leben verschwand.

Ich liebe ihn, dachte sie wehmütig und sah seine Silhouette hinter dem Horizont verschwinden. Mein ganzes bisheriges Leben war so schön einfach. Warum fange ich jetzt an, es mir schwer zu machen?

 

**************

 

Sie hatte die Zeit völlig vergessen, starrte noch immer in die Richtung, in die Spike verschwunden war, obwohl die Tränen auf ihren Wangen längst getrocknet waren.

Die Sonne stand jetzt schon wieder recht hoch und brannte heiß von dem blauen Himmel. Es würde ein herrlicher Tag werden, ein typischer Vampire-Tag, mit viel Sonne und wenig Wolken, doch Buffy wünschte sich zum ersten Mal Regen, weil er besser zu ihrer Stimmung gepasst hätte.

Sie war so in Gedanken versunken, dass sie zusammen zuckte, als sich plötzlich ein Arm um ihre Schultern legte.

„Komm mit rein, Buffy“, sagte die rothaarige Willow sanft und zog sie mit sich in die Station.

Buffy erwachte wie aus einem Traum. Der Gedanke, ihre Arbeit fortzuführen, an ihrem Schreibtisch zu sitzen und ihre Forschungen zu protokollieren, erschien ihr nach den vergangenen Wochen, die sie größtenteils unter freiem Himmel verbracht hatte, völlig absurd.

 

„Du siehst aus, als bräuchtest du einen ordentlichen Kaffee“, versuchte Willow zu scherzen. „Lass uns in die Cafeteria gehen.“

„Ich habe nicht viel geschlafen“, flüsterte Buffy und wich Willows Blick aus.

Sie setzten sich an einen der Tische, jeder einen Becher heißen schwarzen Kaffees vor sich. Übergangslos stieg in Buffys Kopf das Bild jenes ersten Tages auf, als sie mit Spike in dem Gasthof saß und dieses einheimische Kaffeegetränk kostete.

„Scheiße“, murmelte sie verzweifelt, während sie in den Kaffee starrte.

Willow schwieg, rührte Milch und Zucker in ihren Kaffee und wartete.

„Er konnte nicht bleiben“, sagte Buffy nach einer ganzen Weile, wie zu sich selbst.

Willow nickte.

„Ich konnte nicht mit ihm gehen“, fuhr Buffy fort und klang, als müsse sie sich selbst diese Dinge erklären. Dann hob sie endlich den Kopf und sah Willow mit einem recht verloren wirkenden Ausdruck in den Augen an. „Ich wünschte, ich könnte es.“ Sie seufzte. „Das waren die schönsten Wochen meines Lebens…“

„Er ist kein Mensch“, meinte Willow vorsichtig.

„Ich weiß.“ Buffy vergrub ihr Gesicht in ihren Händen. „Es sind zwei völlig fremde Welten, die aufeinander treffen. Ich vermisse ihn trotzdem. Kann sich ein Mensch in einen Vampir verlieben?“

Willow lächelte. „Sicher. Es gibt Berichte über Beziehungen zu ganz anderen Außerirdischen. Die Frage ist eher: Kann Liebe die kulturellen Unterschiede überwinden? Oder ihnen standhalten?“

Buffy hob den Kopf und sah die andere Frau an. „Vampire kennen kein Wort für Liebe…“

„Nein?“ Überrascht erwiderte Willow ihren Blick. „Es kam mir schon so vor, als hätte er dich sehr gern.“

„Hat er. Auf seine Art hat er mich gern. Und ich weiß auch nicht, ob es ein großer Unterschied zu dem ist, was wir als Liebe bezeichnen. Allerdings…“ Sie verstummte und starrte betrübt in ihren Kaffee. „Allerdings habe ich keine Ahnung, wie schnell diese Gefühle verschwinden, sobald mein Geruch vergeht…“

 

„Das ist sehr schwer zu verstehen. Für Menschen“, nickte Willow. „Kannst du diese Geruchsache erklären? Verstehst du es?“

Buffy seufzte wieder. „Wie viel Zeit hast du?“ 

Und Willow lächelte. „Soviel wir brauchen…“

Es wurde ein langer Tag. Und diesmal erzählte Buffy nicht die gekürzte Version, die ja Willow schon kannte, sondern sie sprach von dem Mann Spike, von seinem Verhalten ihr gegenüber, von seinen Ansichten und seinen Erklärungen.

Sie ließ nicht einmal den Vorfall damals in dem Gasthof aus, obwohl Willow erschrocken nach Luft schnappte, aber sie versuchte der rothaarigen Frau das zu erklären, was sie selbst auf diesem langen Weg erst mühsam begriffen hatte. Solange es diese „Schutzbeziehung“ gab, deren Vorhandensein ein Vampir mit seiner Nase prüfen konnte, würde sich die Frau auf den Mann in jeder Beziehung verlassen können.

Allerdings beantwortete das nicht die Frage, vor der Buffy jetzt stand. Hatten Vampire kein Wort für Liebe, weil es dieses Gefühl tatsächlich nicht gab? Und ein Mann wirklich einfach nur instinktiv auf den Geruch reagierte? Oder auf dessen fehlen?

Stunden später, als Buffy geendet hatte, schaute Willow genau so ahnungslos drein. Und sie sagte das, was Buffy schon eine Weile durch den Kopf ging.

„Wenn das Ganze an dieser Geruchsache hängt, wird es nicht funktionieren. Die Frage ist, ob Spike verstehen kann, dass es für Menschen keine Rolle spielt, oder noch wichtiger… ob er das gleiche noch empfindet, wenn ihr eine Weile getrennt seid…“ 

Und daran hatte Buffy berechtigte Zweifel.

Teil 13 

14 Tage später 

„Nichts?“ fragte Willow traurig.

Buffy schüttelte seufzend den Kopf und starrte auf das kleine Funkgerät in ihren Händen.

Sie hatte in den vergangenen beiden Wochen vielleicht zehn Worte mit Spike gewechselt, besser gesagt, sie hatte gefragt und er mit ja oder nein geantwortet. Am Anfang schob sie es darauf, dass er Funkgeräte nicht kannte und es einfach ungewöhnlich fand, sich durch solch ein Ding zu unterhalten. 

Als sie jedoch spürte, dass sich an seiner mangelnden Redbegeisterung nichts änderte, hörte sie auf, ihn jeden Tag mit Anfragen zu nerven und wartete, ob er von sich aus Kontakt zu ihr aufnehmen würde.

Er tat es nicht. Und jetzt war es sieben Tage her, dass sie überhaupt ein Wort von ihm gehört hatte.

„Du hattest wahrscheinlich Recht“, sagte Buffy leise. „Seine Gefühle schwinden mit dem Vergehen des Geruchs…“

Willow legte ihr die Hand auf den Arm. „Buffy, auch wenn es hart klingt, aber eine Beziehung an etwas zu messen, was du nicht einmal wahrnehmen kannst, ist für Menschen nicht möglich. Du kannst dein Leben nicht danach planen, ob es an der Zeit ist, ihn zu treffen, weil sein Geruch an dir verschwindet.“

„Ich weiß…“ Buffy stützte ihr Kinn auf ihre Hand. „Ich vermisse ihn trotzdem. Es war anders als mit jedem Mann, den ich vor ihm kannte. Er hat mich anders behandelt. So, als würde er mich lieben…“

„Ich denke, er hat es auch getan. Vampire binden das Ganze nur an andere Voraussetzungen. Und die kann ein Mensch nicht erfüllen.“

„Ich habe geglaubt, ich verliebe mich nie. Und jetzt? Ausgerechnet in einen Vampir.“ Buffy verzog gequält die Lippen zu einem missglückten Lächeln. „Der noch nicht einmal ein Wort für Liebe kennt…“

Gedankenverloren strich sie mit den Fingern über das schwarze Plastik des Funkgeräts. Sie hatte in den vergangenen Tagen jeden Menge Zeit damit verbracht, sich über alles mögliche den Kopf zu zerbrechen. 

Immer wieder stieg Spikes Bild in ihren Erinnerungen hoch. Sein Bild, das Gefühl seiner Lippen und seiner Zunge auf ihrer Haut, die Art wie er sie ansah, mit diesem Leuchten in den Augen. Seine Haare, die sich auf so niedliche Weise aufstellten und sein Schnurren, das Schauer über ihren Körper schickte. 

Sie vermisste ihn und sie wünschte sich, ihrem eigenen Verlangen nachgegeben zu haben und mit ihm gegangen zu sein. Aber genau so wusste sie, dass ein Leben unter vampirischen Verhältnissen sie auf Dauer nicht glücklich gemacht hätte.

War allein die Hoffnung auf ein Andauern dieser so eigenartigen Beziehung schon eine Illusion ihrerseits gewesen? 

Er kann doch die letzten Wochen nicht so einfach vergessen, dachte sie traurig.

Willow legte mitfühlend ihre Hand auf ihren Arm und Buffy schaffte es, ein missglücktes Lächeln auf ihre Lippen zu bringen. Aber sie fühlte sich trotzdem elend.

„Fünfzig Tage…“, murmelte sie wie zu sich selbst. „Können Vampire solch eine Zeit einfach so vergessen?“ 

„Nach dem, was du erzählt hast“, entgegnete Willow ernst, „ist es nicht ungewöhnlich, da ja von heute auf morgen der Partner wechseln kann.“ 

Natürlich hatte dieses Argument Buffys logischer Verstand immer und immer wieder erkannt. Es tat trotzdem weh.

Vor allem, weil sie die ganze Zeit, die sie mit Spike verbracht hatte, das Gefühl nicht los wurde, ihm würde wirklich etwas an ihr liegen. Vielleicht musste sie aber erst noch lernen, dass man eine außerirdische Mentalität niemals mit einer menschlichen verwechseln sollte.

 

****************

 

Spike gab Selina einen Klaps auf die Hinterhand und scheuchte sie zurück zu dem restlichen Dragorudel. Er hätte sie nicht putzen müssen, Dragos schafften es sehr gut selbst, ihr Fell sauber zu halten.

Und obwohl die großen Katzen es genossen, hatte sich Spike diese Fellpflege bisher hauptsächlich für Akpedorlan aufgehoben.

Seufzend warf er die Bürste zu den anderen neben der Tür zum Stall. Das Beschäftigen mit der hübschen grauen Drago weckte Erinnerungen an die Menschenfrau Buffy, die er so ins Herz geschlossen hatte.

Spike mochte diese Erinnerungen und deshalb trennte er sich auch nicht von dem schwarzen Funkgerät an seinem Arm. Manchmal starrte er es an und wünschte sich, es würde so fiepen wie vor einigen Tagen und ihre Stimme würde zu ihm reden, doch es schwieg. 

Natürlich hatte Buffy ihm erklärt, welche Knöpfe er betätigen musste, aber je mehr Zeit verstrich und je weniger er ihren Geruch an sich selbst wahrnahm, umso dümmer fand er die Hoffnung, die in ihm keimte, sobald er das schwarze Gerät ansah.

Keine Frau würde eine Beziehung wünschen, die ein Verfliegen des schützenden Geruchs mit sich zog. Keine.

Sie ist eine Menschenfrau, versuchte er sich selbst einzureden, doch der Vampir in ihm erklärte ihn für verrückt.

Er hatte mit niemandem über die eigenartigen Gefühle gesprochen, die in ihm hochstiegen, sobald Buffys Bild in seinen Gedanken erschien. Er ahnte, dass es auf völliges Unverständnis stoßen würde.

Sein Vater An’gel hatte ihn zwar eigenartig angesehen und kurz in seine Richtung gewittert, als er die Burg betrat, aber keine Fragen gestellt. Darl’a, seine Mutter, hatte kurz geschnurrt, ihre Wange an seiner gerieben, tief die Luft eingezogen und das ihr so eigene leise Lächeln war auf ihrem Gesicht erschienen. Mehr nicht.  

Heute, 14 Tage später, würde keiner von beiden den fremden Geruch, der damals an ihm gehangen hatte, erwähnen. Weil er für vampirische Verhältnisse verschwunden war. Und damit die Erinnerung…

Aber Spike konnte nicht vergessen und es beschäftigte ihn, warum. Er wachte nachts auf, weil er von ihr träumte. So plastisch, dass er glaubte, sie in seinen Armen spüren zu können und wenn er feststellte, dass er allein war, fühlte er sich so einsam und leer, dass er anfangen wollte zu weinen.

Darl’a spürte, dass etwas mit ihm nicht stimmte, weil er einfach zu traurig durch die Gegend lief. Allerdings schob sie es mehr darauf, dass er sich nach der Gesellschaft einer Frau sehnte und schickte eines Abends die neue schüchterne Magd Tara auf sein Zimmer.

Spike *war* verzweifelt, sein Körper sehnte sich nach einer Frau, aber als Tara vor ihm stand, ihn scheu und fast ängstlich anlächelte, verschwand jegliches Verlangen aus seinem Körper.

Es war nicht Buffys Lächeln, nicht Buffys Gesicht und es war der unterschwellige Geruch von Angst, der ihn erschreckte.

Tara war nicht hier, weil sie es wollte, sondern weil ihre Stellung sie dazu zwang, Darl’as Befehlen zu gehorchen. Der Geruch mehrere Männer umspielte seine Nase und einen kurzen Moment stieg so etwas wie Mitleid in ihm hoch. Noch vor wenigen Monaten hätte sich Spike nicht daran gestört, aber jetzt brachte er es nicht über sich, einfach ihren Körper zu benutzen und zu versuchen, die Erinnerung an Buffy zu vergessen.

Spike war sehr wütend auf Darl’a gewesen, hatte das am nächsten Morgen auch sehr deutlich zum Ausdruck gebracht. Vor allem, weil Tara durch seine Ablehnung noch ängstlicher reagierte, weil sie annahm, Darl’a würde sie dafür bestrafen.

„Amro Spike?“ schreckte ihn jetzt die schüchterne Stimme aus seinen Gedanken.

Er schaute hoch, begegnete dem Blick von Taras blauen Augen, die diese sogleich zu Boden senkte. „Eure Eltern wünschen Euch zu sehen, Amro Spike“, flüsterte sie leise.

Spike wunderte sich, dass die junge Magd noch immer ein Hauch von Angst umgab und runzelte die Stirn. Darl’a hatte ihr doch nicht wirklich gedroht? War so etwas in der Vergangenheit auch passiert und ihm nur nie aufgefallen?

„Ich komme“, entgegnete er freundlich, ohne sie aus den Augen zu lassen. „Alles in Ordnung, Tara?“

Ihr Kopf schoss hoch, ehe sie erschrocken den Blick wieder senkte. „Ja, Amro.“

„Wovor hast du Angst?“ fragte er sanft. Bediensteten ging es auf der Burg seines Vaters eigentlich relativ gut. Die Gemlandors waren reich und konnten sich so ziemlich jeden Luxus leisten, was natürlich auch Einfluss auf die Behandlung der Bediensteten hatte.

Tara antwortete nicht. Spike ging einen Schritt auf sie zu, legte seine Finger unter ihr Kinn und hob ihr Gesicht zu sich an.

„Darl’a?“ war alles, was er wissen wollte.

Tara schüttelte den Kopf und der Geruch von Angst verstärkte sich.

Ein leises Grollen drang aus Spikes Kehle. „Was hat sie getan?“

„N-nichts“, stotterte Tara erschrocken. „S-sie wundert sich, w-warum Ihr mich… mich ablehnt, wo… doch… niemand…“ Ihre Stimme verklang.

Spike ließ ihr Kinn mit einem frustrierten Fluch los. „Gibt sie dir die Schuld dafür?“

„N-nein!“ Tara schluckte nervös. „Bitte, Amro Spike, ich möchte wirklich nicht… Ich meine, ich würde Euch gern…“

„Es hat nichts mit dir zu tun, Tara“, unterbrach er sie ruhig, während er an ihrer Seite die Treppen zum großen Salon hinauf schritt.

„Ihr seid allein, Amro Spike“, flüsterte Tara. „Ich würde Euch wirklich gern…“

Spike blieb stehen und drehte sich zu ihr um. „Ich fühle mich im Moment nicht sonderlich wohl“, sagte er seufzend. „Meine Mutter macht sich unnötig Sorgen. Ich denke, in spätestens ein paar Wochen werde ich wieder ich selbst sein und dann werde ich auf dich zurückkommen. Es hat nichts mit dir zu tun, Tara. Nur mit mir selbst.“ Und er verstand sich selbst nicht.

Sie lächelte fast erleichtert. „Ich danke Euch, Amro.“ Tara knickste kurz, ehe sie Spike an sich vorbei laufen ließ und in Richtung Küche abbog.

Spikes Blick folgte ihr kurz, dann ging er weiter und öffnete die Tür zum Salon. Um gleich darauf unterdrückt aufzustöhnen, als er neben seiner Mutter zwei Besucherinnen sitzen sah, von denen er eine nur zu gut kannte. Es war die Tochter des Besitzers der Nachbarburg, Harm’ony von Kendall. Die andere ihre Mutter Amanda.

Missmutig schlenderte er näher, begegnete Harm’onys Lächeln mit einem gleichgültigen Nicken und konnte nicht verhindern, dass sich seine Haare wieder aufstellten.

An’gel reichte ihm ein Glas Elmol und funkelte ihn mit einem kurzen gelben Aufblitzen in den Augen warnend an. „Amri Harm’ony ist wegen dir hier“, knurrte er leise.

Spike kippte das Glas hinunter und füllte es neu. „Ist mir klar“, fauchte er zurück. 

„Du bist alt genug, um über eine echte Beziehung nachzudenken“, fuhr An’gel fort. „Und Harm’ony alt genug, um sich einen Partner wählen zu können. Sie wird sich nicht mehr lange ohne den schützenden Geruch eines Mannes unter anderen Vampiren bewegen können, ohne Ärger zu verursachen.“ 

„Ich bin dazu noch nicht bereit“, entgegnete Spike steif und starrte in sein Glas.

„Eine Verbindung zur Burg Kendall käme uns sehr gelegen.“

Spikes Augen verengten sich. „Wir haben auch ohne diese Burg Einfluss, Macht und Reichtum genug. Wir sind nicht darauf angewiesen!“

„Du brauchst einen Erben. Gemlandor braucht einen Erben“, hielt ihm sein Vater vor.

„Ich habe dazu noch Zeit!“ fuhr Spike auf.

„Harm’ony nicht!“ knurrte An’gel zurück. „Sie ist die beste Partie, die du bekommen kannst! Es wäre Unsinn, den Einfluss, den uns diese Verbindung gibt, abzulehnen!“

„Dann gib sie An’drew“, murmelte Spike gereizt.

An’gel schüttelte den Kopf. „An’drew besitzt nicht die Stärke, eine Frau wie Harm’ony zu behalten. Sie wird ihn ablehnen. Du bist mein Erbe und für meinen Erben will ich die bestmögliche Verbindung. Für dich und für die Burg.“

Spike verzog die Lippen zu einem ironischen Grinsen. „Mehr für die Burg…“ Dann stellte er das Glas auf den Tisch. „Ich kann diese Verbindung im Moment nicht eingehen“, sagte er leise und ernst. „Ich würde Harm’ony genau so wenig halten können wie An’drew und ich verspüre keinen Drang, sie für mich zu beanspruchen, egal wie verführerisch sie nach Schutz ruft.“

An’gel starrte ihn an wie einen Geist. „Du warst schon damals, ehe du die Burg verlassen hast, anders als andere junge Männer deines Alters. Aber damals hast du zumindest deinen persönlichen Bedürfnissen nachgegeben. Seit du wieder hier bist, tust du nicht einmal mehr das. Was ist passiert?“

„Nichts!“ fauchte Spike böse.

„Wer war die Frau, deren Geruch noch so schwach an dir hing, als du ankamst? Du hast sie durch einen Kampf verloren?“

„Es geht dich einen Scheißdreck an!“ schrie er zornig. Sein Herz zog sich zusammen, als er an den Tag dachte, als Buffy ihm mitteilte, es wäre ihr völlig egal, ob er einen Kampf gewinnen würde oder nicht. Es würde für sie keine Rolle spielen…

Und plötzlich reichte es ihm. Ohne noch einen Blick in Richtung der drei Frauen zu werfen, stürmte er zur Tür und knallte sie hinter sich zu.

Darl’a sah ihren Mann mit hoch gezogenen Augenbrauen fragend an, doch dieser zuckte nur unbestimmt mit den Schultern, während Amanda konfus und Harm’ony sehr enttäuscht drein schaute.

„Ich werde noch einmal mit ihm reden“, beruhigte Darl’a die junge Frau. „Männer…“ Sie warf einen missbilligenden Blick in An’gels Richtung. „…können manchmal so undiplomatisch sein.“

 

***************

 

„Das ist ein Scherz, ja?“ fragte die kreidebleiche Buffy, ehe sie von dem Untersuchungsstuhl kletterte.

Xander schüttelte den Kopf und vergewisserte sich noch einmal mit einem Blick auf die Anzeigen des Medomaten in seiner Hand. „Nein, Buffy. Du bist schwanger.“

„D-das kann nicht sein“, stotterte sie fassungslos. „E-er ist ein Vampir und… und… das geht nicht. Der Genpol ist nicht kompatibel… oder doch? So eine verdammte Sch…“

„Du warst zu lange unterwegs“, unterbrach Xander ihre konfuse Rede. „Ohne die kontinuierliche Zufuhr des Zyklusblockers…“

„Ich bin Biologin! Du musst mir das nicht erklären“, fuhr Buffy auf und lief in dem kleinen Raum auf und ab. Wenn sie ehrlich sich selbst gegenüber war, in diesen ganzen Wochen an Spikes Seite hatte sie nicht einen einzigen Gedanken daran verschwendet, dass der Sex mit ihm Folgen haben könnte. Warum auch? Er war kein Mensch. „Ich habe angenommen, die Blocker wirken noch, weil ich nicht…“ Sie verstummte und fuhr sich nervös durch die Haare. „So lange war es doch auch gar nicht. Die Periode hätte sich verschieben können… und selbst wenn die Blocker nicht mehr wirken… Wieso ist das möglich?! Es hätte nicht möglich sein dürfen!“

„Nun.“ Xander lächelte schwach. „Darüber brauchen wir jetzt nicht mehr zu diskutieren. Es ist möglich.“

„Ist… ist alles in Ordnung?“ fragte Buffy zögernd und streckte die Hand nach dem Medomaten aus.

Xander nickte und reichte ihr das Gerät. „Ich habe einen DNS-Scan gemacht und so wie ich es einschätzen kann, ist alles in Ordnung. Der Genpol ist kompatibel, ohne Zweifel. Die Frage ist nur…“ Er stockte kurz, als Buffy abrupt den Kopf hob. „Ob du es behalten willst…“

Ob ich es behalten will… Tränen stiegen plötzlich in ihre Augen und sie senkte sie schnell auf den Auswertungsdisplay des Medomaten.

„Ein Mädchen“, flüsterte sie erstickt und eine Träne kullerte aus ihrem Auge ihre Wange hinab. Ein Mädchen, halb Vampir, halb Mensch…

Xander war etwas hilflos im Raum stehen geblieben und schaute auf die zierliche Frau, die mit feuchten Augen die Anzeigen auf dem kleinen Schirm las. Sie war noch so jung, hatte gerade erst ihr Studium beendet und versuchte, ihre ersten Erfahrungen auf einem fremden Planeten zu sammeln.

„Ich muss darüber nachdenken“, stieß Buffy hervor und legte den Medomaten wieder in seine Hände.

Eigentlich musste sich nicht darüber nachdenken, eigentlich hatte sie ihre Entscheidung schon gefällt.

Die einzige Frage, die sie sich noch nicht beantwortet hatte, war, ob Spike ein Recht hatte, es zu erfahren. Sie hatten über vieles gesprochen. Über diese eigenartigen Beziehungen, die Vampire eingingen, über Gefühle, für die es kein Wort in seiner Sprache gab und über sein Leben.

Aber niemals hatten sie über Kinder gesprochen und welche Rolle ihnen in der Beziehung zukam. Ein einziges Mal hatte Spike gesagt: Wenn eine Frau Kinder wünscht, sendet sie diesen speziellen Geruch. Er ist ähnlich dem…

Buffy unterdrückte ein Schluchzen, als die Erinnerung in ihr aufstieg und sie presste ihre Hand auf ihren Mund. Wenn eine Frau Kinder wünscht… Da war kein einziger Hinweis, dass der Mann darauf Einfluss hatte oder Anteil nehmen würde.

Und Xander wusste sich keinen Rat mehr. Er machte einfach einen Schritt auf sie zu, legte seine Arme um sie und strich ihr beruhigend über den Rücken. „Kein Grund zum Weinen, Buffy“, sagte er und fühlte sich hilflos. „Wir kriegen das hin, glaub mir. Du bist nicht allein. So ein kleines Mädchen ist bestimmt niedlich…“

Buffy gab ein ersticktes Auflachen von sich, löste sich fast verlegen von dem jungen Arzt und wischte sich mit einem schwachen Lächeln über die Augen.

„Ich breche hier alle Rekorde“, versuchte sie zu scherzen. „Ich stürze in der Wildnis ab, verliebe mich in einen Vampir und jetzt will ich auch noch eine kleine Halbvampirin zur Welt bringen… verrückt. Mein Leben war bisher zu problemlos. Das kann auf Dauer nicht gut gehen.“

Xander grinste ebenfalls. „ Du bist wieder da. Du bist gesund. Die Kleine ist gesund.“ Er zuckte mit den Schultern. „Glaub mir, mit so einem kleinen Wurm werden wir hier auch noch fertig.“

Buffy stellte sich kurz auf die Zehenspitzen und hauchte ihm einen Kuss auf die Wange. „Danke, Xan.“

Eine leichte Röte kroch in seine Wangen. „Keine Ursache“, murmelte er verlegen. „Dann hast du die Entscheidung schon gefällt? Du willst das Baby haben?“

Buffy nickte.

„Wirst du es ihm sagen?“

„Ich weiß nicht, ob es richtig ist, Xan.“ Seufzend wandte sie sich zur Tür und holte tief Luft. „Ich weiß es wirklich nicht.“

Xanders Blick folgte ihr, als sie die Tür hinter sich schloss. Und er hatte keine Ahnung, was er ihr raten sollte.

Teil 14 

Spike kochte vor Wut.

Mit aufgestellten Haaren und noch immer im Raubtiergesicht beobachtete er wie Darl’a die Tür schloss und auf ihn zukam.

Nicht nur, dass sich die ihm immer unsympathischer werden Harm’ony nun fast täglich in der Burg aufhielt. Nein, An’gel ging ihm ebenso damit auf den Geist, dass er alt genug wäre, um über die Verantwortung nachzudenken, die ihm sein Name gebot.

Spike hatte langsam keine Lust mehr, überhaupt sein Zimmer zu verlassen, weil er meist im nächsten Moment über Harm’ony stolperte, die durch die Gänge schlich.

Um sich vor dummen Störungen zu bewahren, hatte er sogar die Magd Tara mit auf sein Zimmer genommen und mit ihr den ganzen Nachmittag Mecapolo gespielt.

Das hatte allerdings zur Folge, dass An’gel beim Abendessen endgültig explodiert war, da dieser sofort roch, dass außer dem Spiel gar nichts passiert war und es absolut nicht verstehen konnte.

Spike dröhnten die Ohren jetzt noch von dem Gebrüll, doch er hatte es mehr als satt, sich in eine Richtung drängen zu lassen, in die er nicht wollte.  

„Es ist nicht normal!“ hatte An’gel ihm vorgeworfen. „Ein gesunder ungebundener Mann kann dem Angebot Harm’onys gar nicht widerstehen. Sogar An’drew schwänzelt um sie herum und dich lässt es völlig kalt! Was zum Teufel ist mit dir geschehen?!!“

In diesem Moment hatte sich Darl’a eingemischt, indem sie An’gel mit aufgerichteten Haaren anfauchte, Spikes Arm ergriff und ihn mit sich in die kleine Bibliothek zog, die an den großen Salon grenzte.

Spike sträubte sich, denn er hatte keine Lust, jetzt noch Darl’as Vorwürfe zu hören, doch seine Mutter wies wortlos in Richtung der bequemen Ledercouch.

Und der Kern guten Benehmens, der noch in ihm ruhte, bewirkte, dass er der Geste folgte und auf die Couch sank. Allerdings noch immer, ohne wieder in sein menschliches Gesicht zu wechseln.

„Wir machen uns Sorgen, Spike“, begann Darl’a sanft und setzte sich neben ihn. „Ich rede jetzt nicht von Harm’ony oder davon, wie du Tara behandelst.“

Spike grollte nur, ohne zu antworten.

„Kaum ein Mann schafft es, nach einer dermaßen langen Zeit das Angebot einer Frau abzulehnen“, fuhr sie ruhig fort.

„Ich mag Harm’ony nicht“, knurrte er gereizt.

„Tara ist eine sehr nette Frau.“

Spike verschränkte die Arme vor seiner Brust und starrte zornig in die Luft. „Tara kann jeder haben.“

Darl’a hob überrascht ihre Brauen. „Es ist bei Bediensteten im allgemeinen so, dass sie vielen zur Verfügung stehen“, sagte sie vorsichtig. „Es hat dich nie gestört.“

„Jetzt stört es mich“, giftete er böse.

Darl’a sah ihn eine Weile schweigend an. Sie bemerkte sehr wohl, dass er ihrem Blick auswich. „Wer war sie?“ erkundigte sie sich dann leise.

Sein Kopf schoss in ihre Richtung und er wechselte übergangslos in sein menschliches Gesicht. „Was?“ brachte er schwach hervor.

„Die Frau, die du allein für dich hattest. Wer war sie? Und warum hast du sie verloren?“ konkretisierte Darl’a ihre Frage. Der plötzliche Schmerz in seinen Augen überraschte sie und tat ihr weh. Vorsichtig hob sie ihre Hand und strich ihm über die Wange.

„Buffy“, flüsterte Spike. „Sie hieß Buffy und sie war eine Menschenfrau. Sie war so anders. Ohne Krallen, ohne Reißzähne und sie war…“ Er verstummte, weil die Erinnerung seine Kehle zuschnürte.

Darl’as Mund hatte sich verblüfft geöffnet, als wolle sie etwas sagen, doch sie tat es nicht, sondern wartete, ob er fortfuhr.

„Sie hatte sich verlaufen und brauchte jemanden, der sie zu der Menschenstadt zurückbringt. Ich kannte den Weg…“

Darl’a nickte. „Sie hat dich um Schutz gebeten.“

Spike lachte kurz auf. „Sie riechen mit ihren Nasen gar nichts, Mom. Buffy wusste nicht einmal, was es bedeutet.“ Dann fuhr er sich durch die kurzen weißblonden Haare. „Sie war so ganz anders als jede einheimische Frau, obwohl sie viel hilfloser war. Ich habe sie zu ihrer Stadt zurück gebracht.“

„Und sie hat dich verlassen, weil dort ihr Mann auf sie wartete?“ mutmaßte Darl’a.

 

Er schüttelte den Kopf. „Sie hat keinen Mann“, murmelte er betrübt. „Aber... aber sie konnte nicht mit mir gehen und ich konnte nicht dort bleiben…“

„Warum konnte sie nicht mitgehen?“

„Sie hat eine Aufgabe, Mom.“ Spike hob den Kopf und sah seine Mutter an. „Sie… sie hat gesagt, sie würde mich gern wieder sehen…“

Darl’a runzelte jetzt unverständnislos die Stirn. „Keine Frau trennt sich von dem Mann, den sie halten möchte und riskiert ein Verfliegen des Geruchs.“

„Sie riecht es doch nicht…“ Spike seufzte und hob seinen Arm mit dem schwarzen Funkgerät. „Sie kann mit mir reden über dieses Gerät.“

Darl’as Blick wurde immer erstaunter. „Spike“, fragte sie zögernd. „Du… denkst immer noch an sie? Wie lange ist es jetzt her?“

„Drei Wochen“, gab er traurig zu. „Ich träume von ihr. Ich würde sie sehr gern wieder sehen, obwohl ich weiß, dass es dumm ist und sie sich sicherlich längst einen anderen Mann gesucht hat.“

Darl’a zog ihn an sich. „Ich dachte immer And’rew ist der Träumer von euch beiden“, murmelte sie und strich gedankenverloren über seine Haare.

„Für Buffy hätte ich jeden Kampf gekämpft“, flüsterte er. „Für Harm’ony verspüre ich nicht einmal den Drang, einen einzigen zu kämpfen. Und weißt du, was das lustigste ist?“

„Nein.“

„Für Buffy spielte es keine Rolle. Sie sagte, es wäre ihr völlig egal, sie würde bei mir bleiben und ihr wäre völlig egal, ob ich einen Kampf gewinne oder nicht.“ Er löste sich von ihr und lächelte, als er den jetzt sehr skeptischen Ausdruck im Gesicht seiner Mutter sah.

„Das erscheint mir nicht sehr intelligent“, sagte sie trocken.

„Ich weiß.“ Mit einem verträumten Blick grinste er sie an. „Menschen kennen keine Schutzbeziehungen. Sie bleiben zusammen, weil sie sich lieben.“

„Lieben?“

„Liebe bedeutet jemanden sehr gern haben. Irgendwie mehr als gern“, wiederholte er Buffys Worte von damals.

Und Darl’a fiel dazu nichts mehr ein. Seine Worte hatten etwas in ihr berührt, vielleicht weil er ihr Sohn war und sie mehr mit ihm verband als mit An’gel.

Ang’el war ihr Mann. Sie hatte ihn gewählt, weil er ihr unter den zur Verfügung stehenden Männern den bestmöglichsten Schutz und die beste Versorgung sicherte. Ang’el hatte sie nie enttäuscht und sie war sich sicher, die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

Mit Spike jedoch verband sie, genau wie mit And’rew, kein Schutzgeruch, sondern einfach nur die Verbindung zwischen Mutter und Sohn. Es war eine Verbindung, die auch eine Trennung überstand.

Und als sie jetzt in das verträumte Gesicht ihres Sohnes blickte, fragte sie sich, ob er etwas ähnliches für diese Menschenfrau empfinden musste, wenn er nach dieser langen Zeit noch immer an sie dachte.

Empfand An’gel so etwas auch für sie? Würde er genau so wie Spike trauern, wenn sie entschied, dass sich ihre Wege trennen sollten?

„Ich werde mit der Familie Kendall reden und auf etwas Zeit pochen“, sagte sie nach einer Weile.

Spike lächelte, beugte sich zu ihr und rieb seine Wange an ihrer. Ein einfacher vampirischer Zuneigungsbeweis zwischen Mutter und Sohn und trotzdem schnürte sich Darl’as Kehle plötzlich zu.

„Danke“, schnurrte er.

Sie nickte und stand schnell auf, ehe er die Verwirrung in ihrem Gesicht bemerken konnte. „Sie werden sich nicht auf ewig vertrösten lassen“, setzte sie noch hinzu, ehe sie zur Tür schritt.

Spike lehnte sich gegen die Couch und schloss die Augen. Nein, dachte er seufzend, auf ewig nicht…

 

************

 

„Buffy, das kannst du doch nicht tun“, jammerte Willow zum wiederholten Male und versuchte die andere Frau am Arm festzuhalten, um sie daran zu hindern, in den Gleiter zu steigen. „Du bringst dich selbst und das Baby in Gefahr!“

Buffy schüttelte den Kopf. „Ich muss es tun. Ich werde jetzt da hin fliegen, mit Spike reden und wieder her kommen. Schluss und aus. Ich diskutiere jetzt nicht mehr.“

Sie hatte in den letzten Wochen genug Diskussionen geführt. Vor allem mit Giles, der es ihr rigoros verbieten wollte, den Gleiter zu nehmen. Und dann mit Riley, der sich plötzlich dazu berufen fühlte, ihr ins Gewissen zu reden.

Eigentlich hatten sich plötzlich alle Männer auf der Station verwandelt und begonnen, sie wie ein rohes Ei zu behandeln, nachdem sie von der Schwangerschaft erfahren hatten.

Buffy war wütend gewesen, hatte in Xanders Richtung etwas von ärztlicher Schweigepflicht geschimpft und erst Willows Worten war es zu verdanken gewesen, dass sie sich wieder beruhigt hatte. Denn diese meinte, in einer so kleinen Station wie dieser würden sich solche Dinge nicht geheim halten lassen.

„Du trägst diesen komischen Geruch nicht mehr, Buffy“, versuchte Willow noch einmal ihr Glück.

Buffy lächelte schwach und klopfte gegen die kleine Waffe an ihrem Gürtel. „Narkosestrahler“, murmelte sie sarkastisch. „Ich schicke jeden dieser Vampire ins Land der Träume, der mir zu nah kommt und meine Worte ignoriert.“

„Nimm mich wenigstens mit. Oder Riley.“

„Phhh“, schnaubte Buffy. „Ich brauche weiß Gott keinen Mann, der wie eine Klette an mir hängt. Außerdem wisst ihr, wo ich bin. Ihr habt mein Funkgerät und Spikes in der Peilung. Ich kann einen Notruf senden. Also, was wollt ihr mehr?“

Sie schob Willow rigoros zur Seite und stieg in den Gleiter. „Bis bald!“

Willow winkte besorgt und schaute dem Gleiter nach, der lautlos abhob und höher schwebte. Erst dann zündeten die Antriebsdüsen und beschleunigten das kleine Fluggerät. Es dauerte nicht lange und das kleine Fluggerät war nur noch ein leuchtender Punkt über dem Horizont.

Nur Willows Sorgen wurden nicht geringer.

 

**********

 

Buffy fühlte sich keinesfalls so sicher wie sie Willow gegenüber tat. Ihr war sogar bei dem Gedanken, Spike nach vier Wochen zum ersten Mal wieder gegenüber zu stehen, recht mulmig zumute.

Aber sie hatte in der vergangenen Woche genug Zeit gehabt, sich selbst davon zu überzeugen, dass er das Recht hatte, von dem Baby zu erfahren. Wie es dann weiter ging, konnte sie zu dem gegebenen Zeitpunkt entscheiden.

Das gleichmäßige Piepen des Peilgerätes, das auf Spikes Funkarmband eingestellt war, tickte in ihren Ohren.

Buffys Augen verfolgten die Landschaft, die unter dem Gleiter entlang huschte. Vampire war ein schöner Planet. Unberührte Natur, ein gemäßigtes, nie zu kaltes Klima und eine gesunde frische Luft. Eigentlich ideale Voraussetzungen, ein Kind aufwachsen zu lassen.

Es würden nur Spielkameraden fehlen.

Buffy kicherte etwas hysterisch bei diesem Gedanken. Die Kleine würde mit den Kindern der Vampire spielen müssen. Wenn sie überhaupt auf dem Planeten blieb…

Ihre Zukunftsspinnereien wurden abgelenkt, als die Burg, die das Peilgerät als Ziel zeigte, in ihr Sichtfeld geriet.

Wow, ging es ihr durch den Kopf. Ein imposantes Haus.

Umgeben von massiven Burgmauern, erkannte sie ein schon fast Schloss ähnliches Gebäude. Es hatte zwei Etagen und an den jeweils vier Ecken wuchsen runde Türme in den Himmel. Rund um die Burg und angrenzend an die Mauer erkannte Buffy Gehege, die wahrscheinlich der Dragozucht dienten.

Buffy hoffte, dass Spike das Funkgerät nicht irgendwo abgelegt hatte, da sie nur dieses hatte, um ihn zu lokalisieren.

Die Landung des Gleiters im Burghof sorgte erst einmal für eine Riesenaufruhr, obwohl Buffy das kleine, kaum acht Meter lange Schiff in einer gekonnten sanften Landung und nur mit Hilfe des Gravopacks aufsetzte.

Etwas nervös stieg sie aus und musterte die herbei geeilten Vampire, die teilweise schüchtern und teilweise offen feindselig in ihre Richtung knurrten.

Zwei Vampire, der Kleidung nach zur Burgwache gehörend, rannten mit gezogenen Schwertern auf sie zu.

Buffy streckte ihnen abwehrend die Hände entgegen und entsicherte ihre Waffe. „Nicht panisch werden, okay?“ rief sie in der Sprache, die sie in den letzten Wochen nicht benutzt hatte. „Kommt mir bloß nicht zu nah. Ich will Spike sprechen.“

 

Der Größere der beiden wechselte verblüfft in sein menschliches Gesicht. „Amro Spike?“ vergewisserte er sich noch einmal.

Buffy wusste, dass Amro ein Titel war. Sie kannte sich in der terranischen Geschichte nicht sonderlich gut aus, möglicherweise war es einem Lord oder Earl vergleichbar.

Doch sie nickte. „Meine Name ist Buffy Summers. Und ja, ich möchte zu Amro Spike“, bestätigte sie.

Der Vampir witterte in ihre Richtung und stellte die Haare auf.

„Pass bloß auf!“ fuhr ihn Buffy an und hob warnend die Waffe. „Wenn ich dieses Gerät benutze, wirst du die nächsten drei Stunden schlafen. Also überleg dir, was du tust!“

Ein leises Knurren drang aus seiner Kehle und auch der Zweite richtete jetzt die Haare auf. Ehe sie jedoch einen Schritt auf Buffy zu machen und sie zum Handeln zwingen konnten, ertönte eine scharfe Stimme vom Eingang der Burg her.

„War’ren. Park’er.“

Augenblicklich verschwand der lauernde Ausdruck in den Augen der beiden Vampire und ihre Haare glätteten sich. Fast demütig neigten beide die Köpfe, senkten die Schwerter und traten einen Schritt zurück.

„Amri Darl’a.“

Die Vampirin in der Tür winkte die beiden Wachen zur Seite und schickte die restlichen neugierigen Zuschauer zurück an ihre Arbeit.

Buffy musste gewaltsam das Zittern ihrer Hände unterdrücken. Allerdings wagte sie es nicht, die Waffe wegzustecken, als sie auf die Frau zuging, die jetzt recht amüsiert lächelte und fragte:

„Amri Buffy?“

Buffy runzelte die Stirn. „Ja.“

„Folgt mir, Amri“, sagte Darl’a nur und winkte sie in die Burg. „Ihr könnt Eure Waffe einstecken, Amri. An meiner Seite wird es niemand wagen, einen Anspruch auf Euch zu erheben.“

„Wer seid Ihr?“ erkundigte sich Buffy neugierig.

Darl’a lächelte vergnügt. „Spikes Mutter. Burgherrin von Gemlandor.“

Buffys Mund klappte auf. Die Vampirin sah jung aus. Es war kaum zu glauben, dass sie alt genug war, einen Sohn in Spikes Alter zu haben. Lange blonde Haare fielen lose über ihren Rücken, umrahmten ein schmales, elegantes Gesicht, aus dem ihr zwei aufgeweckte, fast spöttische Augen entgegen schauten.

Trotzdem mit einem unguten Gefühl steckte Buffy die Waffe weg und folgte der Vampirin die Stufen hinauf in die obere Etage. Hier und da traf sie der neugierige Blick eines Bediensteten, aber niemand wagte, sie anzusprechen.

Sie wollten gerade einen langen Gang entlang gehen, als neben ihnen die Tür aufgerissen wurde und ein Knurren Buffy entsetzt zur Seite springen ließ.

„Verdammt, diese schwachsinnige Frau raubt mir noch den letzten…“ fauchte ein zorniger Vampir, knallte die Tür hinter sich zu und verstummte abrupt, als er Darl’a und daneben Buffy stehen sah.

Ein amüsiertes Lächeln kräuselte Darl’as Lippen. „Deine Beherrschung lässt wirklich zu wünschen übrig, Schatz“, schnurrte sie.

An’gels Haare richteten sich auf und seine braune Augen wanderten kurz zu Buffy und dann wieder zu seiner Frau. „Noch mehr Gäste?“ erkundigte er sich kurz angebunden und mit einer unterdrückten Aggressivität in der Stimme, die Buffy gar nicht gefiel.

Und als er mit einem fast genervten Ausdruck im Gesicht in ihre Richtung witterte, fuhr ihre Hand wieder zu der Waffe an ihrem Gürtel.

„Darf ich dir Amri Buffy vorstellen“, sagte Darl’a, ohne sich um seine böse Miene zu scheren. „Amri, das ist mein Mann An’gel.“

„Schön“, brummte An’gel missmutig. „Wenn sie nur einen Funken mehr Verstand im Hirn hat als diese…“

„An’gel!“ fauchte Darl’a aufgebracht. „Ich bringe jetzt Amri Buffy zu Spike und dann reden wir mal ein Wörtchen.“

Buffy hetzte hinter Darl’a her, als diese davon rauschte und war sehr froh darüber. Trotzdem hörte sie noch An’gels sarkastische Stimme.

„Er wird sich bestimmt *sehr* freuen!“

Vielleicht war es eine sehr dumme Idee gewesen, hier her zu kommen…

Darl’as schlechte Laune jedoch war sehr schnell wieder verschwunden und sie grinste fast verschmitzt, als sie eine große Holztür erreichten. Mit einem Lächeln klopfte sie an die Tür und rief:

 

„Spike, du hast Besuch!“

„Ich. Will. Niemanden. Sehen!“ kam seine Buffy noch immer vertraute Stimme von drinnen.

Darl’a lächelte noch breiter, drückte die Tür auf und machte eine einladende Handbewegung. „Geht hinein, Amri. Ich bin sicher, er überlegt sich seine Worte gleich noch einmal.“

Buffy fühlte eine unerklärliche Nervosität in sich aufsteigen. „Danke“, brachte sie flüsternd hervor.

Sie verstand zwar nicht, warum sich Spikes Mutter so benahm, als würde sie sie kennen oder als müsste sie ihr diesen Gefallen tun, aber um sich darüber den Kopf zu zerbrechen, war später Zeit. Jetzt hatte sie erst einmal ein Gespräch zu führen, bei dem sie nicht einmal wusste, wo sie beginnen sollte. Und das sollte bei ihrem redseligen Charakter schon etwas heißen.

Vorsichtig öffnete sie die Tür, so dass sie hindurch treten konnte.

Spike stand vor dem Kamin, eine Hand auf den Sims gestützte, in der anderen ein Glas mit einer goldenen Flüssigkeit und starrte in die Flammen.

Als er hörte, dass sich die Tür öffnete, fuhr er zornig herum, doch jedes Wort erstarb ihm auf der Zunge, als sein Blick auf die Frau fiel, die in den letzten Wochen seine Träume beherrscht hatte.

Der erste Gedanke war: Das ist ein Traum.

Ehe er einen zweiten formen konnte, reagierte der Vampir in ihm und nahm Witterung auf. Und es traf ihn fast wie einen Schlag, als er feststellte, dass sie so wie damals nur nach sich selbst roch. Übergangslos spannte sich sein Körper und seine Haare richteten sich auf.

Er kam allerdings nicht dazu, einen Schritt auf sie zuzumachen, denn Buffy hob ihre Hand und in ihr erkannte er eine dieser unscheinbaren menschlichen Waffen.

„Komm nicht auf irgendeinen dummen Gedanken. Ich bin hier, um zu reden.“

Teil 15 

„…Ich bin hier, um zu reden.“ 

Spike musste kurz den Kopf schütteln, um aus der Trance, die ihn befallen hatte, zu erwachen.  

Es war wirklich Buffy. Sie sah noch genau so aus wie in seiner Erinnerung, ein wenig blasser vielleicht, weil sie sicherlich in den letzten Wochen wenig Gelegenheit hatte, in die Sonne zu kommen. Aber das schmale Gesicht, die großen grünen Augen und die langen blonden Haare – es war alles so schmerzlich vertraut, das er am liebsten auf sie zu gestürmt wäre und sie in seine Arme geschlossen hätte. 

Dummerweise richtete sie diese kleine Waffe auf ihn, und obwohl Spike wusste, dass sie ihn nie verletzen würde, hatte ihn seine Erfahrung in Bezug auf terranische Technik vorsichtig werden lassen. 

Allerdings konnte er nicht verhindern, dass seine Haare aufgerichtet blieben, da dies unbewusst geschah und er keinen Einfluss darauf hatte.  

Ihre Hand mit der Waffe zitterte ein wenig und Spike roch neben der verführerischen Aufforderung um Schutz, die ihn an Harm’ony so kalt gelassen hatte, ihre Nervosität. Warum reagierte sein Körper auf sie sofort und auf Harm’ony gar nicht? Es war das gleiche Angebot, das der einsame Duft versprach. 

„Setz dich, Spike“, flüsterte Buffy. 

Selbst ihre Stimme klang nervös und die Spannung in seinem Körper wuchs. „Du bist hier“, hauchte er verzückt. 

„Ja“, bestätigte Buffy, „und egal, was dir jetzt deine Nase sagt, du wirst dich hinsetzen und mit mir reden.“ 

Er grinste sein typisches Grinsen und Buffy musste sich wirklich beherrschen, um die Waffe im Anschlag zu halten. Sie ahnte, dass sie nie würde abdrücken können – Narkosestrahler hin oder her. 

„Du hast wieder keinen Mann, der dich schützt“, sagte er und beobachtete die Röte, die in ihre Wangen stieg. 

„Wie oft soll ich dir noch sagen, dass ich keinen brauche“, murmelte Buffy. 

Sein Lächeln wurde noch breiter. Aber er folgte jetzt ihrer Handbewegung und setzte sich in den Sessel neben dem Kamin. 

Buffy ließ sich in den Zweiten fallen. „Du trägst das Funkgerät noch“, stellte sie überflüssigerweise fest.  

Spike legte den Kopf auf eine Art und Weise schief, die sie ganz schwach machte. 

„Warum hast du dich nicht gemeldet?“ fragte sie, ehe sich ihr Verstand verabschiedete und sie etwas sehr dummes tun ließ. 

Es dauerte eine Weile bis die Frage ankam, weil er mehr damit zu tun hatte, sie verträumt anzustarren. Dann blinzelte er kurz. „Du…du hättest es gewollt?“ Er klang ungläubig. 

„Spike!“ schimpfte sie los. „Ich hab dir das Ding aus genau diesem Grund gegeben. Hast du mich wirklich in dem Moment vergessen, in dem mein Geruch an dir verschwand?“ 

Er sah sie eine Weile an. Hätte eine Vampirin diese Frage gestellt, er würde sie für verrückt halten, aber da es Buffy war, verschluckte er, was ihm auf der Zunge lag. Denn keine Vampirin würde noch einen einzigen Gedanken an den Mann verschwenden, der ein Verfliegen des Geruchs zuließ. 

„Nein“, sagte er dann leise. „Ich werde dich nie vergessen.“ 

Der Kloß in ihrer Kehle war wieder da. Buffy konnte ihn nur anstarren, während sie die Tränen fühlte, die wieder einmal in ihre Augen steigen wollten. Seit wann war sie nur so weinerlich veranlagt? 

„Dein Schweigen hat mir weh getan“, brachte sie erstickt hervor.  

Spike schaffte es nicht mehr, in dem Sessel sitzen zu bleiben. Er sprang auf, sank vor ihr auf die Knie und griff nach ihren Händen. Der Schmerz in ihren Augen war stärker als seine Bedenken, sie könnte das Ding in ihrer Hand tatsächlich benutzen.

„Keine einheimische Frau würde noch an mich denken“, flüsterte er hilflos und beobachtete entsetzt, dass eine Träne aus ihrem Auge ihre Wange hinab rollte. „Ich habe nicht geglaubt, dass du…“ 

„Spike“, unterbrach ihn Buffy, löste eine Hand von seinen Fingern und legte sie um seinen Hals. „Ist es so schwer zu verstehen, dass ich keine einheimische Frau bin?“  

Seine Haare richteten sich wieder auf, als ihre Finger sanft durch die fast weißen Locken strichen. Erregung schoss in seinen Körper, einerseits natürlich durch ihre Berührung ausgelöst, andererseits  durch das Wissen, dass sie allein und ohne Schutz war. Doch ihre Worte verhinderten, dass er tatsächlich einfach nur seinen Instinkt handeln ließ, der ihm befahl, zu nehmen, was sie anbot. 

Weil es nur für eine einheimische Frau galt. Und sie in diesem Moment nicht hier war, um ihn um Schutz zu bitten.  

Es war revolutionär, dass er überhaupt zu dieser Erkenntnis kam. Und noch viel schwerer war es, die Erregung, die in ihm tobte, zurück zu drängen und zu fragen: „Warum bist du hier, Buffy?“ 

„Ich habe dich vermisst“, flüsterte sie. 

Spike lehnte den Kopf in die Berührung ihrer Hand und ein leises Schnurren drang aus seiner Kehle. „Ich dich auch“, hauchte er kaum hörbar. 

„Du Dummkopf“, schniefte Buffy und presste ihre Lippen auf seinen Mund. Natürlich hatte sie vor, ihm noch mehr zu sagen, aber in diesem Augenblick schaffte sie es nicht, weiter zu reden. 

Spike schloss die Augen, als er ihre Lippen und kurz darauf ihre Zunge spürte. Ihr vertrauter Geruch traf seine Nase und er kämpfte verzweifelt gegen den Drang, sie an sich zu reißen und auf den Boden zu werfen. Er wollte sie nicht erschrecken, denn irgendwie ahnte er, sie würde flüchten, wenn er genau das tat. Die Waffe in ihrer Hand ersetzte die fehlenden Krallen und Zähne. 

Aber wahrscheinlich würde er sterben, wenn sie gehen würde, ohne ihm das zu geben, nach dem sein Körper schrie. 

Buffy löste keuchend ihren Kopf von ihm, sah den Sturm in seinen blauen Augen und genau so das gelbe Flackern, das von seiner schwindenden Beherrschung kündigte. 

„Erklär es mir, Spike“, sagte sie leise. „Erklär mir, warum du das Funkgerät nicht benutzt hast.“ 

Er blieb zu ihren Füßen sitzen, sah sie mit einem fast traurigen Ausdruck in den Augen an und seufzte. „Keine Frau würde riskieren, dass der schützenden Geruch an ihr verfliegt, solange sie den Mann noch will. Ich weiß nicht, ob ein anderer Mann an meiner Stelle genau so gehandelt hätte oder bei dir geblieben wäre. Oder dich gedrängt hätte, ihn zu begleiten. Das Verschwinden des Geruchs zulassen, bedeutet, die Frau freigeben…bedeutet, jeglichen Anspruch auf sie fallen zu lassen…“ 

„Ich rieche es eh nicht“, murmelte Buffy geknickt.   

„Ich habe es zugelassen und in den Augen einer Frau hätte ich damit jegliches Recht auf sie verloren. Ich habe nicht geglaubt, dass es… dass es bei dir anders wäre… gehofft vielleicht, aber daran geglaubt?“ Er schüttelte den Kopf. „Nein, das habe ich nicht.“ 

Buffy rutschte aus dem Sessel neben ihn auf den Boden und schlang ihre Arme um ihn. „Du bist ein Dummkopf, Spike“, jammerte sie. „Ich habe so scheußliche Wochen hinter mir. Ich träume von dir. Ich denke nur noch an dich. Ich wollte weinen, weil ich dachte, du hast dir schon die nächste Frau genommen und du Dummkopf? Du denkst, ich habe dich vergessen?! Wie kannst du so was denken!“ 

Spike riss sie an sich und vergrub sein Gesicht in ihren langen blonden Haaren. „Geträumt? Von mir?“ murmelte er hingerissen und biss sie spielerisch in den Hals. 

„Ja, von dir, Vampir!“ fuhr sie ihn, nicht ernsthaft böse, an.  

„Ich habe auch von dir geträumt“, schnurrte er übermütig und knabberte sich an ihrem Hals aufwärts zu ihrer Wange. 

„Spike“, stoppte ihn Buffy, nahm sein Gesicht in ihre Hände und hob es zu sich an. „Nach wie vielen Frauen riechst du gerade?“ 

Im nächsten Augenblick flog sie rückwärts, landete auf dem Rücken und ein jetzt eindeutig erregt knurrender Spike kniete über ihr. „Nach keiner.“ 

„Wa…“, begann Buffy, doch er verschloss ihren Mund mit seinen Lippen.  

Irgendwie war im Laufe der vergangen Minuten auch ihre Waffe verschwunden, wahrscheinlich lag sie irgendwo neben dem Sessel, doch als Buffy jetzt Spikes so vertrauten Körper spürte, der sich an sie presste, verschwanden all die guten Vorsätze zu nichts. 

Erst reden, dann… Nein, Buffy, kein „dann“…Reden. Du wolltest reden. Nur reden. 

Es war lächerlich und sie wusste es selbst. Denn wie von selbst schlangen sich ihre Arme um seinen Hals und sie erwiderte seinen Kuss. Er knurrte lauter und sie konnte den harten Grad seiner Erregung durch den dünnen Stoff ihrer Hose spüren.  

Wenn er tatsächlich die letzten Wochen ohne eine Frau verbracht hatte, war es ein Wunder, dass er sich nicht einfach wie sein Drago auf sie gestürzt hatte.  

Buffy schloss die Augen, als seine Finger die Knöpfe ihrer Bluse öffneten und seine Lippen tiefer, zu ihrer Brust glitten. Unbewusst klammerten sich ihre Hände in seine Haare, pressten seinen Kopf an sich und ein leises Stöhnen entrang sich ihrem Mund. 

Hatte sie ihn tatsächlich so vermisst, dass ihr plötzlich alles egal wurde?  

Spike maunzte leise und im nächsten Moment gab der dünne Stoff mit einem reißenden Geräusch nach.  

„Tut mir leid“, schnurrte er, während er schon damit beschäftigt war, ihre Hose zu öffnen. Seine Zunge leckte über ihren Bauch. Er spürte das Zittern ihrer Haut und der vertraute Geruch ihrer Erregung traf seine empfindliche Nase.  

Er hatte fast vergessen, dass es bei ihr immer so war. Schwer atmend lehnte er einen kurzen Moment seine Stirn gegen ihren Bauch und kämpfte um seine Beherrschung.  

„Spike?“  

Ihre fragende Stimme und ihre Finger, die durch seine Haare fuhren, zwangen ihn, den Kopf zu heben. Zärtlich strich sie mit den Fingern über sein jetzt verändertes Gesicht mit den gelben Augen. 

„Versprich mir danach die ganz langsame Version“, sagte sie lächelnd, kickte ihre Hose und den Slip von den Beinen und griff nach den Knöpfen von seiner. 

Spike fauchte auf, als sie seine Erektion befreite und mit einer Hand umfing. „Ja“, stieß er hervor. „Alles, was du willst…“  

Einladend spreizten sich ihre Beine und er drängte dazwischen. Der Geruch ihrer Erregung war mittlerweile so stark, dass er kaum noch klar denken konnte und der Drang, seine Zähne in ihr zu versenken, wurde übermächtig.

Aber er wusste, dass er es in dieser Position nicht tun durfte, ohne sie ernsthaft zu verletzen. Seine Augen ließen ihr Gesicht nicht los, als er nach vorn stieß, hinein in ihre feuchte Mitte und er knurrte auf, weil sich ihre Augen einen Moment verklärt schlossen.  

Zu sehen, wie sie auf ihn reagierte, wie die Leidenschaft das Grün dunkler werden ließ, brachte ihn an den Rand des Wahnsinns. 

„Hab dich vermisst…“, flüsterte sie und ihre Lippen trafen aufeinander. Es spielte keine Rolle mehr, dass sie jetzt seine Reißzähne spürte, alles was in diesem Moment zählte, war sein harter Schaft, der sich mit jedem Stoß tief in ihr versenkte und ihre Erregung auf ein immer höheres Niveau katapultierte.  

Bis sie mit einem erstickten Aufschrei explodierte und Spike ihr übergangslos mit einem Knurren folgte.  

***************** 

Buffys Denken setzte wieder ein, als sie seine Zunge spürte, die zärtlich über ihren Hals leckte und sein Schnurren an ihre Ohren drang. Ihre Finger waren noch immer in seinen Haaren verfangen und sie fuhr gedankenverloren durch die noch immer aufgerichteten Locken.  

Eigentlich sollte sie ein schlechtes Gewissen haben, oder zumindest Reue empfinden, da sie es ihm so einfach gemacht hatte. Aber sie fühlte sich einfach nur so, als wäre sie heimgekehrt. 

Spike hob den Kopf und seine blauen Augen schauten sie mit einem solch glücklichen Ausdruck an, dass ihr jedes scharfe Wort auf der Zunge erstarb. 

„Wirst du wieder gehen?“ fragte er und klang als hätte er Angst vor der Antwort. 

„Wir müssen reden, Spike“, entgegnete sie sanft. 

Er runzelte die Stirn, ehe ein verschmitztes Grinsen über seine Lippen huschte. „Ich habe dir erst noch die ganz langsame Version versprochen“, murmelte er, senkte seinen Kopf und strich mit seinen Lippen über ihre. 

Jetzt war er wieder da, der vertraute Geruch an ihr und Spike fühlte eine ihm völlig unerklärbare Ruhe in sich aufsteigen. Buffy seufzte leise, als seine Lippen über ihren Hals zu ihren Brüsten glitten und seine Zunge die aufgestellten Brustwarzen umkreiste. Trotzdem schaffte sie es, durch den Nebel, der sich schon wieder in ihrem Kopf bildete, einen klaren Gedanken zu fassen. 

„Spike…“, begann sie und stöhnte, weil seine Hand ihren Körper hinab fuhr und zwischen ihren Beinen ankam. Noch spürte sie keine Krallen und sein menschliches Gesicht blieb im Vordergrund, aber sie spürte sein Zittern, als sie sich aufbäumte und in seine Berührung drängte. 

Sie hatte es vermisst. Seine Art, mit ihr umzugehen, seine Zärtlichkeit und genau so seine Wildheit. 

„Spike“, versuchte sie noch einmal zu beginnen und schnappte nach Luft, als er sie spielerisch in den Bauch biss. Das war auch so etwas an ihm, das sie liebte. Er konnte stundenlang spielen, sie necken und an den Rand des Wahnsinns bringen und manchmal schaffte er es nicht, sich fünf Minuten zu beherrschen. 

Jetzt wusste sie allerdings, dass sie gleich gar nicht mehr denken konnte, schlang ihre Hand in seine Haare und stoppte die Abwärtsbewegung seines Kopfes. Spike knurrte begeistert, wahrscheinlich, weil ihm seine Nase so deutlich sagte, dass ihr gefiel, was er tat. 

„Spike, ich…“, japste sie, als seine Finger über den sensiblen Punkt zwischen ihren Beinen rieben und er dann einen Finger in ihr verschwinden lies. „Ich…oh Gott…“ Ein zweiter Finger folgte dem ersten. „Spike, ich…“ kann nicht mehr reden… 

Spike lachte gegen ihren Bauch, wechselte übergangslos in sein Raubtiergesicht und knurrte leise.  

Buffy gab die dummen Stammeleien auf und ihre Hand löste, wie von selbst, den festen Griff in seinen Haaren. Es war vier Wochen her. Eigentlich viel zu lange. Sie wimmerte leise auf, als seine Zunge zärtlich über ihren Bauch hinab zwischen ihre Beine leckte.   

Und Spike begeisterte sich einmal mehr über ihre Reaktion. Ihre Beine spreizten sich einladend weiter. Der Geruch ihrer Erregung drang nun mit überstarker Deutlichkeit an seine empfindliche Nase und ließ seinen Körper erneut reagieren.  

Doch zuerst würde er seine Versprechen wahr machen. Sie wollte die ganz langsame Version… Er warf einen kurzen Blick hinauf in ihr Gesicht und fauchte leise. Sie sah fantastisch aus. Die Augen halb geschlossen, Schweiß perlte auf ihrer Stirn und sie holte durch den halb geöffneten Mund keuchend Luft.  

Ihre Hände suchten krampfhaft neben ihrem Körper in dem dicken Teppich Halt, konnten ihn jedoch nicht finden. Die Erregung drohte seinen Körper genau so zu übermannen. Sie so vor sich zu sehen, wie sie ihn stumm anbettelte, war mehr, als er ertragen konnte. 

Langsam senkte er seinen Kopf wieder und strich mit der Zunge über ihre feuchte Mitte. Buffy schnappte wieder nach Luft, als sie seine Zunge spürte und auch, als sie fühlte, dass sein menschliches Gesicht verschwunden war, stiegen keine Bedenken in ihr hoch. 

Spike maunzte leise. Selbst ihren Geschmack hatte er nicht vergessen und einen Moment wünschte er sich, ewig damit zubringen zu können, ihren Körper zu kosten. Seine Zunge umzirkelte den pochenden Knoten zwischen ihren Beinen, neckte ihn, spielte mit ihm und Buffys Atem wurde rasender. 

„Spike…bitte…“, fing sie an zu jammern und drängte sich gegen sein Gesicht.  

Seine Finger spreizten ihr Fleisch, legten das sensible Nervenbündel, das so nach seinen Berührungen drängte, frei, damit er es besser mit seiner Zunge erreichen konnte. 

„Oh Gott“, schrie Buffy auf und Spike knurrte wild, als der Geruch ihrer Erregung noch stärker wurde. Nässe tropfte aus ihr heraus, die er mit seiner Zunge auffing, als könne er nicht genug von ihr bekommen.  

„Bitte…Spike…“, bettelte sie weiter und um Spikes Beherrschung war es geschehen, als sich ihre Hand in seine Haare krallte und seinen Kopf gegen sich presste.  

Seine Lippen umschlossen ihren pochenden Knoten, seine Zunge presste sich dagegen und Buffy explodierte mit einem erstickten Aufschrei, während sich ihr Körper aufbäumte. Er spürte die Kontraktionen an seinem Gesicht und ihr Zittern setzte sich in seinem eigenen Körper fort. 

Erst als sie erschlaffte und auf den Teppich zurück sank, löste er sein Gesicht von ihr, jedoch nicht, ohne noch einmal von der duftenden Feuchtigkeit ihres Körpers zu kosten. Seine eigene Erektion schmerzte mittlerweile schon wieder so stark, dass ihn nur noch ein einziger Gedanke beherrschte, aber er zwang sich gewaltsam zur Ruhe.  

Buffy sah noch immer so herrlich weggetreten aus, als er den Kopf hob und in ihr Gesicht sah. Langsam kroch er ihren Körper wieder aufwärts, berührte mit den Lippen jeden Zentimeter auf dem Weg zu ihrem Gesicht, jedoch ohne sie aus den Augen zu lassen.  

Als er über ihr angelangt war, auf ihr Gesicht hinab blickte und sein harter Schaft gegen ihren Eingang drängte, öffnete sie die Augen und er versank fast in dem Grün. 

„Ich liebe dich“, brachte sie hervor, schlang ihren Arm um seinen Hals, zog seinen Kopf zu sich herab und presste ihre Lippen auf seine. 

Und Spike gab alle Beherrschung auf. Er stieß nach vorn, in ihre noch immer feuchte Mitte und fühlte ihre Beine, die sich um seine Hüften schlangen. Und jegliches weitere Denken wurde noch einmal zur Nebensächlichkeit. 

******************

Diesmal rollte Spike von Buffy herunter zur Seite und ließ sich schwer auf den Rücken fallen. Buffy konnte das selige Grinsen in seinem Gesicht nicht sehen, da sie mit geschlossenen Augen genau so nach Atem rang wie er. 

Spike wäre am liebsten noch eine ganze Weile mit ihr auf dem Teppich liegen geblieben, aber irgendwann drehte sie den Kopf, lächelte ihn schwach an und murmelte: „Ich glaube, ich muss jetzt endlich mal los werden, weswegen ich eigentlich hier bin.“ 

„Wegen mir?“ schnurrte Spike noch immer sehr verspielt, lehnte sich kurz zu ihr und strich mit den Lippen über die nackte Haut ihrer Schulter. 

Buffy schob ihn rigoros von sich, ignorierte seinen enttäuschten Gesichtsausdruck und setzte sich auf. Spike beobachtete mit gerunzelter Stirn, dass sie ihre Sachen zusammensuchte und anzog.  

„Gehst du wirklich wieder?“ fragte er zum zweiten Mal und versuchte, nicht verletzt zu klingen. 

„Zieh dir was an, Spike“, wich sie seiner Frage aus. „Ich kann nicht mit dir reden, wenn du nichts anhast. Verdammt“, schimpfte sie urplötzlich und hielt ihre Bluse in die Luft. „Du hast sie kaputt gemacht.“ 

Spike grinste verschmitzt, während er in seine Hosen schlüpfte und die Knöpfe verschloss. „Tut mir leid. Ich gebe dir ein Hemd von mir.“  

Er ging zu seinem Schrank, entnahm ihm ein dunkles Hemd und reichte es Buffy. „Wird dir etwas groß sein…“, gab er fast verlegen zu. 

Buffy, die nur im BH vor ihm stand, nahm es ihm aus der Hand und zog es über. Ehe sie es selbst tun konnte, hatte Spike seine Hände zu den ledernen Schüren gehoben, mit denen das Hemd verschlossen wurde. Ihre Hände sanken an ihre Seiten und sie starrte stumm auf die seinen. 

Spike sagte ebenfalls nichts, während er die Schnüre verknotete. Erst dann hob er den Blick zu ihrem Gesicht. „Gehst du wieder, Buffy?“ 

Sie schluckte, ehe sie es schaffte, seinem Blick zu begegnen. Da waren Fragen und eine Verletzlichkeit, die sie rührte. Der Vampir Spike hatte Angst vor ihrer Antwort. 

Langsam hob sie ihre Hand zu seinem Gesicht und fuhr ihm sanft über die Wange. „Das ist nicht der Hauptgrund, aus dem ich hier bin“, sagte sie leise. 

„Nein?“ 

Buffy holte tief Luft. „Ich bin schwanger, Spike. Und ich habe keinen blassen Schimmer, was du dazu sagst…“ 

Teil 16 

Spike starrte Buffy eine ganze Weile fassungslos an. Ihr wurde langsam unheimlich zumute, als sie sah, wie er den Mund öffnete, wie um etwas zu sagen und ihn dann wieder schloss, ohne dass ein Ton seine Lippen verließ. 

„Schwanger?“ quietschte er dann mit einer so entgeisterten Stimme, dass Buffy gelacht hätte, wenn es nicht gerade um dieses Thema gegangen wäre. 

„Ja“, antwortete sie zögernd, weil ihr nicht ganz klar war, warum er so völlig aus der Bahn geworfen wirkte. 

Spike sank in den Sessel, sein Shirt blieb vergessen auf dem Boden liegen und ein völlig weggetretenes Grinsen erschien auf seinem Gesicht. „Schwanger“, wiederholte er noch einmal, als wolle er sich selbst überzeugen. 

„Geht’s dir gut, Spike?“ fragte Buffy stirnrunzelnd. 

Er drehte endlich den Kopf und das selige Lächeln in seinem Gesicht ließ ihr Herz übergangslos höher schlagen. „Ja“, erklärte er einfach und strahlte sie an. „Wenn du schwanger bist, würde es ja bedeuten…“ 

„Bedeuten?“ unterbrach sie ihn überrascht. „Was zum Teufel würde es bedeuten?“ 

Spike griff nach ihren Händen und zog sie auf seinen Schoß. „Keine Frau lässt zu, dass sie schwanger wird, wenn sie nicht wirklich bei dem Mann bleiben möchte…“  

Diesmal war es Buffy, die ihn fassungslos anstarrte. „Sie… sie lassen es nicht zu?“ fragte sie hilflos. 

Er schüttelte den Kopf, schnurrte leise und biss sie übermütig in den Hals. „Nein, und ich finde es einfach fantastisch. Ich werde dich nicht wieder gehen lassen.“  

Verflucht… „Spike!“ Buffy stemmte ihre Hände gegen seine Schultern. „Ich habe Arbeit auf der Station. Ich kann nicht einfach kündigen und hierher zu dir ziehen. Ich wäre mit einem Leben, nur an deiner Seite, nicht zufrieden, genau so wenig wie du es auf der Station wärst.“ 

„Du bist schwanger“, verkündete er vergnügt. „Du brauchst mehr Schutz als jede andere Frau und ich werde nicht zulassen, dass dir etwas passiert.“ 

„Verdammt“, schimpfte sie, weil er sie nicht los ließ. „Ich habe dir schon hundert Mal gesagt, dass du mich nicht wie eine von euren Frauen behandeln sollst.“ 

„Da warst du auch nicht schwanger“, unterbrach er sie rigoros. „Es ändert alles.“  

„Es ändert gar nichts“, knirschte sie zwischen den Zähnen hindurch.  

„Ich werde dich meinen Eltern vorstellen“, fuhr er fort, ohne ihren Einwand zu beachten, hob sie an und stellte sie auf die Füße, als er selbst aufstand. 

„Das kannst du vergessen!“  

Spike lachte nur, griff nach seinem Shirt und streifte es über seinen Kopf. Dann fasste er nach ihrer Hand und zog die widerstrebende Buffy hinter sich her zur Tür. 

„Spike, es reicht!“ schimpfte sie weiter. „Ich werde jetzt zurück fliegen und ich werde…“ 

Im nächsten Augenblick wurde sie gegen die Tür gedrückt und ein Spike, mit wunderschön aufgestellten Haaren, presste sich gegen sie. „Du wirst jetzt den Mund halten“, knurrte er, ehe er sie kurz und hart küsste.    

„So kenne ich dich gar nicht“, meckerte Buffy und stolperte ihm hinterher, als er die Tür öffnete und hinaus in den Gang trat, da er ihre Hand nicht los lies. „Ich mag Männer nicht, die so bestimmend sind.“ 

Er drehte den Kopf zur Seite, schenkte ihr eins seiner süßesten Lächeln und zog sie, ohne ein Wort zu sagen, weiter. 

Wahrscheinlich mochte sie solche Männer doch ein bisschen, denn sie versuchte nicht ernsthaft, sich zu befreien, sondern murmelte nur etwas vor sich her, was in die Richtung ging, das er sich unmöglich verhalte und sie sich das nicht lange anschauen würde. 

„Ich habe deine Eltern schon kennen gelernt“, brummte sie dann missmutig, als sie endlich die große Tür erreichten, aus der vor geraumer Zeit An’gel gestürzt kam.  

Spike schlang seinen Arm um ihren Hals und zog sie an sich. „Sie wollen, dass ich mich binde und gehen mir seit Wochen damit auf die Nerven. Wenn ich mich an jemanden binde, Buffy, dann an dich“, stieß er mit einer Leidenschaft in der Stimme hervor, die Buffy den Atem raubte. 

Das wurde ja immer interessanter. Es reichte nicht, dass sie einen kleinen Halbvampir zur Welt bringen wollte. Jetzt bekam sie auch noch einen Heiratsantrag von einem Wesen, das nicht einmal ein Wort für Liebe kannte. 

War das überhaupt ein Heiratsantrag?    

Buffy kam nicht dazu, länger über diese Frage zu sinnieren, denn Spike zog sie mit sich in den Raum.  

Es war ein riesiger Salon mit großen Fenstern, durch die die Sonne Vampires schien und das Zimmer in ein helles warmes Licht tauchte. Auch der Salon verfügte über einem Kamin, in dem ein Feuer brannte und der dem Raum etwas Wärme gab. 

Die Wände waren mit hohen Bücherregalen besetzte und Buffys Augen huschten fasziniert über die vielen in Leder eingebundenen Bände. Es mussten hunderte sein. 

An der rechten Seite standen lederne Sessel und eine breite Couch, auf der zwei Vampirfrauen saßen und sich angeregt unterhielten. In einer von beiden erkannte Buffy Spikes Mutter Darl’a, während die andere jünger zu sein schien. 

Spikes Vater lehnte am Kamin und schaute ihnen mit dem gleichen düsteren Ausdruck im Gesicht entgegen, den er schon vor Stunden aufgesetzt hatte, als er fast in Buffy gerannt war. 

Während Darl’a wieder mit diesem feinen Lächeln im Gesicht aufstand, sah die fremde Vampirin nur verständnislos in ihre Richtung. 

„Ich möchte euch Buffy vorstellen“, fiel Spike gleich mit der Tür ins Haus und Buffy verdrehte genervt die Augen. 

Darl’a lächelte breiter und ein amüsiertes Funkeln trat in ihre Augen. „Ich habe deine Freundin schon kennen gelernt“, sagte sie mit ihrer weichen Stimme. „Ich freue mich jedoch, Euch noch einmal offiziell in unserem Haus begrüßen zu können, Amri Buffy.“ 

Als Darl’a dann auch noch in ihre Richtung witterte und Spike einen verschmitzten Blick zuwarf, wäre Buffy allerdings am liebsten im Erdboden versunken. Verflucht seien sie, die feinen Nasen dieser Wesen… 

Die fremde Vampirin dagegen war aufgesprungen und fauchte. „Ich fasse es nicht! Seit Wochen beachtet mich Euer Sohn überhaupt nicht und jetzt kommt diese dahergelaufene…“ 

„Harm’ony“, donnerte An’gels Stimme vom Kamin her. „Vergiss nicht, in wessen Haus du dich befindest.“ 

Harm’ony warf den Kopf in den Nacken. „Ich denke nicht, dass ich dieses Haus noch einmal betrete!“ knurrte sie, ehe sie hoch erhobenen Hauptes aus dem Salon stolzierte. 

Darl’a nahm Buffys Arm und zog sie mit sich zur Couch. „Ich bin wirklich gespannt, die Frau kennen zu lernen, die Spikes Gedanken so beherrscht“, flüsterte sie leise neben Buffys Ohr. 

Diese warf Spike einen Hilfe suchenden Blick zu, der ihn jedoch nur grinsend erwiderte, ehe er sich von seinem Vater ein Glas in die Hand drücken ließ. 

„Wir hatten noch nie Menschenbesuch in unserer Burg“, begann Darl’a das Gespräch erneut. „Und auch wenn uns Euer ungewöhnliches Fortbewegungsmittel etwas erschreckt hat, sind wir sehr froh, dass sich Spikes Verhalten wieder normalisiert hat.“ 

Buffy wurde feuerrot, als Darl’a wieder vergnügt in ihre Richtung witterte, während An’gel ein: „Es wurde auch Zeit“ knurrte. 

„Noch ungewöhnlicher ist, dass Ihr noch immer zu Spike steht.“ Darl’a lächelte fein. „Ich bin mit den menschlichen Sitten und Gebräuchen nicht sonderlich gut vertraut und hoffe deshalb, wir werden in der nächsten Zeit Gelegenheit bekommen, uns ausführlich darüber zu unterhalten.“ 

„S-sicher“, stotterte Buffy verwirrt. 

„Es wird Zeit, dass dieser Trotzkopf ein paar Pflichten übernimmt“, brummte An’gel dazwischen und fauchte mit aufgerichteten Haaren in Spikes Richtung, als dieser zu einer Entgegnung ansetzen wollte. „Ich weiß zwar nicht, ob eine Menschenfrau besser ist als Harm’ony… Sie weiß doch garantiert gar nichts von den Pflichten einer Amri.“ 

„Pflichten…?“ echote Buffy. 

„Dafür hat sie doch mich“, flötete Darl’a.  

Spike hatte mit ein paar schnellen Schritten den Abstand zu dem Sofa zurückgelegt, setzte sich neben Buffy und legte ihr beruhigend den Arm um die Schultern. „Mach dir bloß keinen Kopf“, schnurrte er neben ihrem Ohr. „Die beiden denken gar nicht daran, viel von ihrer Verantwortung abzugeben.“ 

Buffy hatte endlich ihre Sprache wieder gefunden. „Es wäre auch nicht möglich. Ich habe Arbeit auf der Station, die ich nicht vernachlässigen kann. Ein Forschungsauftrag, jede Menge Experimente… Schriftkram…“ 

Jetzt hatte sie Darl’as ungeteilte Aufmerksamkeit. „Schriftkram?“ 

„Buffy kann schreiben“, erklärte Spike so stolz, dass sich Buffy ein Schmunzeln nicht verkneifen konnte.  

„Interessant“, murmelte Darl’a und warf einen scheelen Blick in An’gels Richtung. „Mein Mann weigert sich hartnäckig, mir das Schreiben beizubringen… Dann werdet Ihr nicht hierher ziehen, Amri Buffy? Ihr wünscht, dass Spike zu Euch zieht? Seid Ihr deshalb hier?“ 

Spike gluckste, als ihn Buffy hilfesuchend ansah. „Das wird ein langer Abend“, meinte er belustigt. „Und ich werde euch mit einigen Dingen schocken…“

 

****************

 

Es wurde ein langer Abend.  

An’gels Bemerkungen beschränkten sich auf mürrische: „Ich habe gewusst, dass Harm’ony besser geeignet wäre“ und „Kannst du nicht einmal etwas ohne Probleme machen“ und „Ein Kind!!!???“, als sich Spike im Eifer des Erklärens verschwatzte.  

Die Erwähnung des Kindes brachte sogar Darl’a einen Moment aus der Fassung, weil es sich eine einheimische Frau reiflich überlegte, ehe sie eine Schwangerschaft zuließ und sie nicht begreifen konnte, warum Buffy darauf überhaupt keinen Einfluss hatte.  

Buffy wusste auch nicht, ob sie es zum Schluss begriffen hatte, aber Stunden später war selbst sie, die doch so gerne und viel redete, einfach nur geschafft und müde.  

Die drei Vampire bemerkten es sofort, wahrscheinlich erfuhren sie über ihre Nasen noch so manche Dinge, die sich Buffy gar nicht vorstellen konnte. 

Jedenfalls beendete Spike den Abend einfach und schnell, ohne weitere Diskussionen zuzulassen, indem er Buffys Hand nahm und sich mit den Worten: „Ihr habt morgen noch den ganzen Tag zum Reden“ verabschiedete.  

Buffy war froh darüber, auch wenn es wieder bedeutete, dass er einfach eine Entscheidung fällte, ohne sie zu fragen. Darüber würde sie auch noch mit ihm reden müssen. Morgen. 

Jetzt war sie erst einmal mehr als froh, nicht mehr reden zu müssen und folgte Spike zurück in dessen Zimmer. Sie kicherte, als sie *Zimmer* dachte, weil die Gemächer größer waren, als jede Wohnung, die sie jemals besessen hatte.  

Eigentlich hatte sie vor gehabt, wieder zur Station zurück zu fliegen, doch Spike schien davon auszugehen, dass sie blieb. Zumindest für heute Nacht.  

Und als sie jetzt hinter ihm seine vom Kaminfeuer erhellten und aufgewärmten Gemächer betrat, fühlte sie sich, als würde sie heimkehren. Ihre Kehle schnürte sich zusammen, wenn sie an die beengten Verhältnisse und die Sterilität SUNNYDALES dachte. Und beim Gedanken daran, dass sie dort wieder allein wäre. 

Spike schien es ähnlich zu gehen, denn seine Redseligkeit war mit dem Verlassen des großen Saals verschwunden. Mit einem fast melancholischen Gesichtsausdruck ließ er Buffys Hand los, trat an den Kamin und starrte einen Moment in die Flammen. 

Dann drehte er sich um und bemerkte, dass sie wie verloren mitten im Raum stehen geblieben war. In ihren großen grünen Augen schimmerten Tränen und seine Nase sagte ihm, dass sie die gleiche Traurigkeit fühlte wie er. 

Vielleicht war es das Wissen um ihre Andersartigkeit, das ihn die für einen Vampir so untypischen Worte aussprechen lies. 

„Zieh hierher, Buffy“, bat er einfach. „Ich möchte, dass du bei mir bleibst. Ich möchte mir ein Leben ohne dich nicht mehr vorstellen.“ 

Buffy kämpfte gegen die Tränen der Rührung in ihren Augen. Sie schloss mit ein paar Schritten den Abstand zwischen ihren Körpern und schlang ihre Arme um seinen Hals. Vampire mochten kein Wort für Liebe kennen, aber das, was Spike mit seinen Gesten, mit seinem Tun und mit dem, was er sagte, ausdrückte, war nichts anderes. 

„Ich liebe dich“, flüsterte sie in sein Ohr, nahm sein Gesicht in ihre Hände und küsste ihn sanft auf den Mund. „Ich möchte bleiben. Aber ich muss täglich zur Station fliegen, zumindest bist das Baby auf der Welt ist.“  

Spike nickte wortlos. Sicherlich hätte ein anderer Mann kein Verständnis für ihr Handeln. Aber er hatte in den letzten Wochen mehr über Menschen gelernt als jemals ein Vampir und er wusste mit absoluter Gewissheit, dass sie an eine Zukunft zwischen ihnen glaubte.  

„Ich werde jeden Abend zurückkommen“, fuhr Buffy fort. „Und wenn es doch einmal länger dauert, kommst du mit. Und…“ Sie legte einen Finger auf seine Lippen, als er etwas sagen wollte, „du wirst aufhören, dir Gedanken zu machen, ob dein Geruch an mir verschwinden könnte. Selbst wenn mal etwas Unvorhergesehenes passiert… ich liebe dich. Niemanden anderen. Nur dich. Verstanden?“ 

Spike schnurrte leise und lehnte sich in ihre Berührung. Er konnte die Worte noch immer nicht begreifen, weil sie so völlig der Mentalität eines Vampirs widersprachen.  

Aber es war auch noch nie passiert, dass eine Frau zu dem Mann zurückgekehrt war, der ein Verschwinden des Geruchs zugelassen hatte. 

„Jemanden lieben“, erklärte sie, „bedeutet, zu ihm zu stehen und ihm zu vertrauen. Echte Liebe, Spike, übersteht auch eine Trennung.“ 

Und seine Nase sagte ihm, dass sie die Wahrheit sprach.  

Er schluckte, ehe er wieder dem Blick ihrer großen grünen Augen begegnete. „Ist es dann Liebe, was ich empfinde?“ fragte er unsicher. 

Buffy lächelte fein. „Ich denke schon.“ Das terranische Wort hörte sich aus seinem Mund eigenartig an. 

„Liebe ist nicht an einen Geruch gebunden“, sprach sie dann weiter, griff seine Hand und legte sie auf ihre Brust, dorthin, wo ihr Herz schlug. „Man fühlt es. Tief hier drin.“ 

„Dann fühle ich es auch“, hauchte er fasziniert und zog sie an sich. „Ich werde trotzdem nicht zulassen, dass mein Geruch an dir verschwindet.“    

Buffy lachte auf. „Nein, natürlich nicht“, kicherte sie vergnügt und presste sich gegen ihn. „Und ich werde dafür sorgen, dass du nicht nur an Sex denkst, wenn dein Geruch an mir schwächer wird.“  

Spike reagierte übergangslos mit einem Knurren auf diese Verkündung. Buffys Lachen verstummte, als seine Lippen hungrig ihre  trafen und sich seine Zunge zwischen ihre Zähne drängte. Für das Küssen hatte er mittlerweile genau so eine Leidenschaft entwickelt wie sie selbst und ihre Beine fühlten sich schon wieder an wie Pudding. 

Als er seinen Kopf von ihr losriss, funkelte in seinen Augen ein Hauch von gelb, auch wenn er noch immer sein menschliches Gesicht trug. 

Es war nicht das erste Mal, dass Menschen Beziehungen mit intelligenten Bewohnern anderer Planeten eingingen. Wenngleich es auch nicht oft passierte. Ob es funktionierte, würde erst die Zukunft zeigen.  

Das Wichtigste war, an eine solche Zukunft, so unwahrscheinlich und problematisch sie auch scheinen mochte, zu glauben. Denn echte Liebe konnte alle Probleme meistern.  

Für den Vampir gab es keine solche Überlegung. Seine Welt war in Ordnung, solange seine Nase ihm so deutlich sagte, dass sie zu ihm gehörte.  

Sie mochten kein Wort für Liebe kennen, aber was sie fühlten, war vielleicht viel größer und stärker, da es nicht an Rasseschranken oder Vorurteile gebunden war.  

Und als er sie auf seine Arme hob und in Richtung des riesigen Doppelbettes trug, stieg auch in Buffy die Gewissheit auf, dass sie es schaffen würden. 

„Ich liebe dich, Vampir“, flüsterte sie, als er sie auf dem Bett ablegte und sich über sie beugte. 

Spike sah eine ganze Weile in ihr ihm so vertraut gewordenen Gesicht, ehe er die Worte sagte, die Buffy nun endgültig die Tränen in die Augen trieben.  

„Ich liebe dich auch, Menschenfrau.“ 

 

E  n  d  e

 

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