Buffy/Spike

Alternative Universe

ab 18

Beta by Indiansummer

 

Krankenschwester Buffy heiratet den todkranken Industriellen Rupert Giles, der Angst hat, sein missratener Sohn William würde vollends auf Abwege geraten, wenn er nicht mehr am Leben ist. Die siebeundzwanzigjährige Buffy trifft auf den jungen Punk Spike, dessen Liebe am Theater hängt, nicht an der Firma seines Vaters und der keine Lust hat, sich den Zwängen, die ihm sein Vater auferlegen will, zu beugen.

 

komplett

 

Teil 1   Teil 2   Teil 3   Teil 4   Teil 5   Teil 6   Teil 7   Teil 8   Teil 9   Teil 10  Teil 11   Teil 12   Teil 13   Teil 14   Teil 15   Teil 16   Teil 17   Teil 18   Teil 19  Teil 20   Teil 21   Epilog 

  

Teil 1

Januar

„Oh Gott nein…Giles, das können Sie nicht…“ Buffys Stimme verklang, als sie ihre Augen auf den todkranken Mann in dem Bett richtete und alles, was sie sagen wollte, erstarb in ihrem Mund. Er meinte es ernst.

Sie sank auf den Stuhl neben seinem Krankenbett und es war ihr in diesem Moment egal, dass sie noch jede Menge Arbeit hatte, ehe ihre Schicht endete. Aber sie hatte sich nicht verhört. Er hatte tatsächlich gesagt: Buffy, ich möchte, dass Sie mich heiraten.

Sie schluckte, fuhr sich nervös durch die langen, blonden Haare und sah wieder auf den Mann im Bett, der jetzt müde lächelte. Sie hatte ihn in den vielen Wochen lieb gewonnen, in denen er in diesem Krankenhaus lag, sich gern mit ihm unterhalten, weil er sehr intelligent war und eine Menge Dinge auf der Welt gesehen hatte. Niemand konnte verhindern, dass sich der Tumor in seinem Hirn ausbreitete, nicht einmal das viele Geld, das er besaß und das ihn weder arrogant noch eingebildet hatte werden lassen. Und jetzt sagte er das, etwas, womit sie nie gerechnet hatte.

„Buffy", fuhr er mit einem schwachen Lächeln fort. „Ich weiß, dass das überraschend kommt und Sie wissen, dass ich diese Frage nicht stelle, weil ich mir einbilde, noch ein glückliches Leben an der Seite einer so jungen Frau zu führen. Ich bin fünfundvierzig und ich werde in spätestens sechs Monaten sterben. Ich glaube auch kaum, dass ich noch einmal in der Lage bin, mich um das zu kümmern, was eine junge Frau wie Sie von einem Ehemann erwartet."

Buffy wurde rot. „D-das ist mir vollkommen k-klar", stotterte sie verwirrt, obwohl ihr gar nichts klar war. „Warum dann, Giles?"

„Ich habe einen Sohn", sagte der Mann leise, „für den ich die Verantwortung trage. William hat sein ganzes Leben ohne eine Mutter verbracht. Wenn er jetzt auch noch seinen Vater verliert, wird er vollends…" Giles verstummt und starrte gedankenverloren in die Luft. „Ich habe Sie beobachtet, Buffy, in all den Wochen. Sie sind eine verantwortungsbewusste junge Frau. Ich werde für Sie sorgen, mein Geld wird Ihnen alle Probleme nehmen und das Einzige, was ich dafür verlange, ist, dass Sie für William die Mutter sind, die er nie hatte."

„Ich will Ihr Geld nicht, Giles“, antwortete Buffy leise und ihr Herz zog sich zusammen, als sie daran dachte, dass ihm wirklich nicht mehr viel Zeit blieb.

„Ich weiß", flüsterte der Mann. „Mir ist noch nie eine Frau begegnet, die so hingebungsvoll an ihrem Beruf hängt und so darin aufgeht. William ist ein wenig meiner Kontrolle entglitten… Es wird ihn zerstören, mich zu verlieren."

„Er weiß über Ihre Krankheit Bescheid?“, erkundigte sich Buffy zögernd.

„Er weiß nicht, wie ernst es ist."

Der Gedanke, dass ein kleiner Junge als Vollwaise zurückblieb, erschien ihr genau so schrecklich wie Giles’ unvermeidlicher Tod. „Wie alt ist er?"

„Siebzehn.“

„Siebzehn?“, entfuhr es ihr überrascht. „Aber…ich meine, er erscheint mir alt genug, um Ihre Krankheit zu verstehen. Warum?"

„Er distanziert sich von mir“, sagte Giles traurig. „Er fühlt sich eingeengt, bevormundet und in eine Richtung gedrängt, die er nicht will. Er soll mein Unternehmen übernehmen, doch davon ist er weit entfernt. Er träumt davon, Schauspieler zu werden, treibt sich in eigenartiger Gesellschaft herum…wenn er gerade nicht im Theater ein neues Stück übt…"

„Ich habe keine Erfahrung mit Kindern“, warf Buffy unbehaglich ein. „Ich denke, Sie überschätzen meine Fähigkeiten…“

„Ich möchte, dass eine erwachsene Person im Haus lebt, die ein Auge auf ihn hat. Buffy, Sie sind autoritär. Sie strahlen eine Art Lebensmut und Hoffnung aus wie keine andere Frau, die mir je begegnet ist. Und Sie haben kein Verlangen nach meinem Geld." Der letzte Satz klang bitter.

Buffy schluckte wieder. „Giles, das ist für mich etwas überraschend. Ich bin siebenundzwanzig und damit gerade einmal zehn Jahre älter als Ihr Sohn und achtzehn Jahre jünger als Sie. Jeder wird mir vorwerfen, ich hätte es auf Ihr Geld abgesehen. Noch dazu, wenn man Ihre Krankheit kennt. Nein, ich kann das nicht tun. So leid es mir tut.“ Sie stand auf, wollte gehen, als er nach ihrem Handgelenk griff.

„Buffy", stieß er schnell hervor, ehe sie sich losreißen konnte. „Ich bin bereit, einen Vertrag aufzusetzen, der Ihnen etwas ähnliches wie ein Gehalt zahlt…bis an Ihr Lebensende. So kann Ihnen niemand vorwerfen, Sie wären hinter meinem Geld her."

Buffy starrte einen Moment auf seine Hand, die ihr Gelenk umschloss. „Warum engagieren Sie keine Haushälterin?"

„Sie kennen William nicht", antwortete er kläglich. „Er würde sie nie akzeptieren."

„Aber mich?“, fragte sie ungläubig und ihr ging durch den Kopf, dass es jede Menge durchgeknallter Teenager gab und sie sich nicht vorstellen konnte, dass eine Stiefmutter auf diese Eindruck machte.

„Ja“, sagte Giles leise. „Ich glaube an Sie, Buffy.“

Buffy entzog ihm langsam ihre Hand. „Ruhen Sie sich aus, Giles“, murmelte sie, bettete den Mann zurück und deckte ihn zu. „Ich werde darüber nachdenken.“

„Danke…“

**************

„Du denkst allen Ernstes darüber nach?!"

Buffy starrte gedankenverloren in ihren Kaffee. Sie fühlte den fast entsetzten Blick ihrer rothaarigen Freundin Willow, war aber im Moment noch nicht bereit, aufzusehen und ihm zu begegnen. Die ganze vergangene Nacht waren ihr Giles’ Worte durch den Kopf gegangen, sie hatte sich schlaflos hin und her gewälzt und überlegt, was sie tun sollte. Sie hatte das Für und Wider abgewogen und sich verzweifelt gefragt, ob sie den sterbenden Mann wirklich sich selbst überlassen konnte. Man hatte ihr schon immer gesagt, sie würde zu viele Emotionen mit in ihren Beruf bringen. Krankenschwester zu sein war nicht immer einfach, man sah viel Leid, viele verzweifelte Menschen, denen man nicht helfen konnte und man sah viele Tränen. Buffy rührten diese alle und sie fragte sich manchmal, wie lange sie es noch durchhalten würde, mit dem emotionalen Stress zu leben. Am Morgen hatte sie Willow angerufen. Vielleicht war es einfacher, sich die Meinung eines anderen Menschen anzuhören.

„Ja“, sagte sie endlich und sah hoch.

Willow blickte sie fassungslos aus ihren grünen Augen an. „B-Buffy, du bist…verrückt“, hauchte sie dann.

„Ich habe ihn gern, weißt du", fuhr Buffy fort. „Nicht auf die sexuelle Weise, eher wie einen Vater. Er wird sterben, Willow, und sein Sohn allein sein…"

„Buffy, du kannst nicht allen Menschen auf der Welt helfen, nur weil sie dich darum bitten. Wir reden hier von einer Heirat und einem durchgeknallten Teenager. Du hast absolut keine Erfahrung mit Kindererziehung und…"

„Ich weiß“, unterbrach Buffy den Redeschwall ihrer Freundin. „Aber in diesem einen Fall kann ich helfen. Giles ist so nett. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sein Sohn so völlig missraten ist. Vielleicht braucht er einfach jemanden, mit dem er reden kann. Giles war den größten Teil seines Lebens damit beschäftigt, die Geschäfte von Giles-Industries zu leiten. Er hat seinen Sohn kaum gesehen, geschweige denn eine Möglichkeit gehabt, ihn zu verstehen, wenn es zu Problemen kam.“

„Ich habe ein ganz, ganz schlechtes Gefühl", sagte Willow langsam, als ihr aufging, dass ihre Freundin eigentlich schon beschlossen hatte, sich auf die Heirat einzulassen. „Wo wohnen denn die Giles?"

„In Sunnydale. Sunnydale ist nur zirka eine Autostunde von L.A. entfernt.“

„Du müsstest deine Arbeit aufgeben.“ Willow atmete tief durch. „Und ich sage noch immer, dass es falsch ist.“

Buffy sah auf und Willow schluckte, als sie die Tränen in ihren Augen sah. „Ich weiß, wie es ist, eine Mutter zu verlieren. Wie es ist, plötzlich ganz allein da zu stehen. Wenn ich es dem armen William leichter machen kann…"

Willow sagte nichts mehr, sondern ergriff die Hand ihrer Freundin und drückte sie leicht. „Sunnydale ist nicht aus der Welt. Und wenn du uns brauchst, werden wir da sein."

Buffy lächelte schwach, aber irgendwie beruhigt. Willow besaß zusammen mit ihrer Freundin Tara eine Kunstgalerie in L.A., die sehr gut lief, aber auch jede Menge Zeit kostete. Dass sie ihr trotzdem ihre Hilfe anbot, rührte Buffy und sie umarmte Willow kurz. „Ich danke dir, Will. Du bist die beste Freundin, die ich habe."

„Oh ja“, lachte Willow. „Das will ich hoffen. Sehen wir uns morgen im Karate-Club?“

„Sicher", bestätigte Buffy. Sie würde niemals eine Trainingsstunde versäumen, weil es eine Leidenschaft von ihr war, ihren Körper in einer Kampfsportart fit zu halten. Sie war sogar der Meinung, dass jede Frau gewisse Selbstverteidigungskünste erlernen sollte. Nach ihrer Erfahrung mit ihrem ersten Freund Angel sagte sie sich sogar, dass jede Frau dazu verpflichtet werden müsste.

**************

Buffy Anne Summers und Rupert Giles heirateten eine Woche später im Sankorin-Krankenhaus von L.A. Giles’ Anwältin Faith Morgan reiste extra an, um den Ehevertrag aufzusetzen, in dem, laut Buffys ausdrücklichem Wunsch, vereinbart wurde, dass sie keinen Anspruch auf das Gilessche Vermögen haben würde. Jedoch setzte Giles durch, dass sie eine angemessene monatliche Summe für ihre Bedürfnisse zur Verfügung gestellt kam. Buffy schluckte kurz, als sie die angemessene Summe las, sagte aber nichts mehr, weil Giles sie plötzlich so hart anschaute wie sonst sicherlich nur seine Geschäftpartner.

Giles erklärte ihr, Faith wäre im Moment damit betraut, die Geschäfte in seiner Abwesenheit zu leiten und eine der fähigsten Anwältinnen, die er kannte. Buffy verstand sich mit der Frau auf Anhieb und nachdem der Vertrag unterzeichnet war, vereinbarten sie, dass Faith einen wöchentlichen Bericht nach Sunnydale schicken würde, um die Familie Giles auf dem Laufenden zu halten. Buffy verließ zusammen mit Faith das Krankenzimmer und als sie allein waren, sagte die junge Anwältin nur: „Rechnen Sie nicht damit, Buffy, den jungen Giles zu einer Mitarbeit in dem Unternehmen bewegen zu können. Überlegen Sie lieber, ob Sie es sich selbst zutrauen und dann wenden Sie sich an mich."

Buffy hatte genickt. Sie verstand gar nichts von der Führung eines Unternehmens und hatte keine Ahnung, was passieren würde, wenn Giles plötzlich vollständig ausfiel. Faith meinte, es wäre kein Problem, einen Geschäftführer zu benennen und sich mit einer jährlichen Gewinnbeteiligung zufrieden zu geben. Aber die Firma auf die Dauer ohne eine leitende Hand zu lassen, wäre gefährlich. Schließlich schlief die Konkurrenz auch nicht.

Giles und sie kamen zu der Übereinkunft, dem jungen William noch nichts von dem bevorstehenden Tod seinen Vaters zu sagen, sondern erst einmal abzuwarten, wie er die Nachricht über die plötzliche Heirat aufnahm. Buffy hatte gehofft, den jungen Mann schon am Tag der Hochzeit kennen zu lernen, aber Giles zuckte nur mit den Schultern, als sie verwundert fragte, wo sein Sohn wäre. Er sagte jedoch auch nichts von dem kurzen Telefongespräch, das er mit seinem Sohn geführt hatte, weil es Buffy sicherlich nervöser gemacht hätte, als sie so schon war. Aber die ironische Stimme Williams klang noch immer in seinen Ohren: Also, ich weiß ja nicht, was das jetzt für ein Spleen von dir ist, Dad. Aber mich wirst du auf dieser Farce von Heirat nicht sehen.

Eine weitere Woche später wurde Giles auf seinen Wunsch hin aus dem Krankenhaus entlassen, da man ihm nicht mehr helfen konnte und er seine letzten Monate in seinem Haus in Sunnydale verbringen wollte. Buffy kündigte ihren Job und wenige Tage später verließen sie L.A. in Richtung Sunnydale.

 

T e i l 2

 

Buffy fuhr den großen Jeep, weil Giles dazu einfach zu schwach war. Sie redeten wenig auf der Fahrt, weil sie die letzten Tage damit verbracht hatten, sich gegenseitig über ihr Leben zu informieren. Buffy wusste jetzt, dass Giles’ Frau Jenny bei einem Autounfall ums Leben gekommen war, als William gerade zwei geworden war. Der Junge konnte sich nicht mehr an seine Mutter erinnern und wanderte in den nächsten Jahren durch die Hände jeder Menge Kindermädchen. Giles bereute jetzt, nicht mehr Zeit mit seinem Jungen verbracht zu haben und gab zu, dass das wahrscheinlich der Grund war, der ihn zu der Person gemacht hatte, die er jetzt war.

„Was ist eigentlich mit ihm?“, hatte Buffy neugierig gefragt. Schließlich wollte sie alles über den jungen Mann wissen, für den sie die Verantwortung übernehmen wollte.

„Er wird leicht aggressiv“, hatte Giles geantwortet. „Treibt sich mit Teenagern herum, die genau so aggressiv sind wie er, trinkt. Manchmal denke ich auch, er nimmt Drogen, aber er streitet es ab und ich habe ihn auch noch nie dabei erwischt. Er kleidet sich scheußlich…Und er spielt Theater!“

„Nun ja." Buffy hatte schmunzeln müssen, als sie die Aufzählung hörte. Viele Eltern dachten so von ihren Kindern. „Das klingt für mich wie ein normaler Teenager. Außer das mit dem Theater natürlich."

Giles hatte müde gelächelt, wie immer, wenn sie seinen Sohn als fast normal hinstellte und dann sie ausgefragt. Buffy hatte wenig erzählt, nur davon, dass sich ihre Eltern getrennt hatten, als sie noch recht jung war und von ihrer Mom, die ebenfalls bei einem Autounfall ums Leben gekommen war. Sie erzählte von ihrer Leidenschaft für Karate und Giles hatte lachend gemeint, es gäbe in Sunnydale ebenfalls eine Schule, in der sie sich anmelden könnte. Es wäre sogar möglich, in seiner Villa eine Art Trainingsraum einzurichten. Vielleicht hätte William auch nichts dagegen, wenn sie sein Fitnessstudio mit benutzen würde.

Als Giles nach vergangenen Beziehungen fragte, wurde Buffy einsilbig und sagte nur, sie hätte kein Glück mit der Auswahl ihrer Männer und sie wolle nicht darüber reden. Giles hatte es akzeptiert und war nicht weiter in sie gedrungen. Buffy war froh darüber. Sie wollte weder von dem psychotischen Angel erzählen, der nach der ersten Nacht dachte, sie würde ihm gehören und in jedem Mann, mit dem sie ein belangloses Wort wechselte, einen Rivalen sah und ihr Vorhaltungen machte. Bis die Situation eskalierte… Und sie wollte auch nicht von dem Fehlgriff Parker erzählen. Der war eindeutig als Fehlgriff abgehakt. Manchmal machte man halt Fehler. Und dann war da noch Riley… Der eigentlich keine Fehler hatte, bis Buffy feststellte, dass er die Nächte, die er nicht bei ihr verbrachte, in Bordellen herum lungerte.

Buffy schreckte aus ihren Gedanken hoch, als Giles auf das „Willkommen in Sunnydale"-Schild wies.

„Das habe ich bezahlt“, erklärte er mit einem schiefen Grinsen, nahm seine Brille ab und putzte sie. „William hat es umgefahren."

Buffy lächelte ebenfalls und sah sich neugierig um, während sie die Straße entsprechend Giles’ Anweisungen entlang fuhr. Sunnydale war ein kleiner ruhiger Ort und sie wunderte sich etwas, warum der reiche Industriemagnat gerade diesen Ort gewählt hatte, um sich nieder zu lassen. Die Häuser gefielen ihr. Sie war bisher nur die Wolkenkratzer L.A.s gewöhnt und die Ruhe und das Grün ließen sie sich wie im Urlaub fühlen.

„Nach rechts“, erklärte Giles und sie bog in eine kleinere Nebenstraße ab, die zu einem großen Herrenhaus führte.

„Wow, wow, wow", machte Buffy, als sie durch das große sich selbst öffnende Tor fuhren und im Innenhof parkten.

„Gefällt es dir?“, fragte Giles amüsiert.

„Es ist…groß. Größer als ich dachte“, murmelte sie beeindruckt.

„Das Gelände ist eingezäunt und umfasst fünf Hektar", erklärte Giles, während Buffy den Rollstuhl auslud. „Wir haben einen Gärtner, der sich darum kümmert. Das Haus hat zwei Etagen, im unteren Teil befinden sich Ess-, Wohnzimmer und die Küche. Oben die Schlafzimmer sowie zwei Bäder. Im Keller hat William seinen Fitnessraum, aber es sind noch mehrere Räume frei, für die wir noch keine Verwendung haben."

Buffy hörte nur mit halbem Ohr zu, weil sie sich mehr darauf konzentrieren musste, Giles in den Rollstuhl zu helfen.

„Hinter dem Haus haben wir einen netten Pool. Ich denke, er wird dir gefallen. Und eine große Veranda."

Es klang wie ein Traum. Buffy musste immer wieder ungläubig den Kopf schütteln, als sie Giles den Kiesweg, der um das Haus herum führte, entlang schob. Vögel zwitscherten über ihren Köpfen und sie atmete eine so würzige saubere Luft ein wie sie es in L.A. nie genießen konnte. Dann hatten sie das Haus umrundet und sie stoppte übergangslos, als sie den „netten" Pool sah. Er war zirka zehn mal zehn Meter groß und so tief, dass man darin schwimmen konnte. Buffy starrte wie verzaubert in das Wasser und erst Giles’ Nachluftschnappen lenkte ihren Blick auf die beiden Menschen in dem Pool. Und sie wurde feuerrot.

Es waren ein junger Mann und eine junge Frau und man musste nicht lange überlegen, um zu wissen, dass es sich um Giles’ Sohn William handelte. Wer die junge Frau war, wusste Buffy nicht, denn Giles hatte nicht erwähnt, dass William eine Freundin hatte. Die beiden waren im Wasser, die junge Frau lehnte am Rand und Williams Lippen verschlangen ihre in einem leidenschaftlichen Kuss. Buffy war nicht prüde und das wäre an sich nicht schlimm gewesen, aber sie sah genau, dass die Frau keinen Fetzen am Leib trug und ging deshalb davon aus, William auch nicht.

„WILLIAM!“, donnerte Giles mit einer Stimme, die Buffy dem kranken Mann gar nicht zugetraut hatte.

Williams Kopf fuhr hoch. Auch die junge Frau hob den Kopf und fing an zu lachen. William unterdessen fluchte. „Verdammt! Einen besseren Zeitpunkt hättest du dir wohl nicht aussuchen können?!“

Buffy legte Giles, dessen Gesicht rot angelaufen war, die Hand auf die Schulter. „Versuch, dich nicht aufzuregen, Rupert. Es ist nicht schlimm."

Währenddessen kletterten die beiden jungen Menschen aus dem Pool. Buffy schob den Rollstuhl langsam in ihre Richtung, während sie sich bemühte, krampfhaft nicht in die Richtung zu sehen, wo ein nackter William mit seiner nackten Freundin aus dem Pool kletterte. Sie scheiterte kläglich. Weil sie ein kurzes Mal in diese Richtung linste und nur noch dachte: Wow! Giles hatte wahrscheinlich vergessen zu erwähnen, dass sein missratener Sohn auch noch fantastisch aussah. Nicht, dass Buffy jemals Interesse für junge Männer in seinem Alter gezeigt hatte, aber sie konnte nicht abstreiten, dass er eine umwerfende Figur hatte. Knackiger Hintern, schmale Hüften, breite Schultern, Waschbrettbauch und … Oh Gott. Sie wurde wieder feuerrot, als sie erschrocken feststellte, wohin sie gesehen hatte, und war froh, dass Giles mit wütenden Augen seinen Sohn ansah und ihr keine Beachtung schenkte. Buffy kämpfte mit ihrer Beherrschung. Sie hatte den jungen Giles schon gern kennen lernen wollen, aber so viel wollte sie nicht von ihm sehen.

William und seine Freundin hatten in der Zwischenzeit ihre Badesachen angezogen und kamen langsam auf sie zu.

„Du hast nicht gesagt, dass du so zeitig kommst, Dad“, begrüßte William seinen Vater mit einem verschmitzten Grinsen.

Ihm schien in keinster Weise peinlich zu sein, wobei man ihn gerade erwischt hatte. Seiner Freundin auch nicht, stellte Buffy für sich fest, als sie sah, mit welch verruchtem Grinsen sich die zierliche, dunkelhaarige Frau an seinen Rücken schmiegte.

Giles Stimme klang eisig. „Ich hatte wenigstens einen Tag ein normales Benehmen erwartet. Ich möchte dir Buffy vorstellen, meine Frau und jetzt deine Stiefmutter. Buffy, das ist mein Sohn William.“

Williams Augen funkelten kurz wütend, ehe er Buffy ansah. „Spike", korrigierte er seinen Vater. „Ich bevorzuge den Namen Spike."

Buffy für sich dachte, dass er eigentlich recht normal aussah. Sie hatte nach den Beschreibungen seines Vaters irgendetwas Extremes erwartet. Gut, seine Haare waren blondiert und von einer Frisur konnte sie im Moment nichts erkennen, weil sie nass waren. Und er trug einen Piercing in seiner linken Augenbraue, die außerdem noch eine Narbe aufwies. Er war größer als sie und sah sie mit diesen blauen Augen an, als wolle er in sie hinein sehen. Plötzlich fühlte sie sich unbehaglich unter seinem prüfenden Blick, doch sie hatte sich schon in schlimmeren Situationen befunden. Sie zauberte ein Lächeln in ihr Gesicht und reichte ihm die Hand. „Hallo, Spike."

Spike hob kurz seine Augenbraue, ehe er ihr die Hand gab und ein: „Hallo", brummte. Dann wanderte sein Blick wieder zu seinem Vater und zurück zu Buffy. „Das ist kein schlechter Scherz, oder?“, fragte er ungläubig. „Du hast das wirklich durchgezogen?"

„Ich hatte dich gebeten zu kommen“, erklärte Giles leise. „Aber ich sehe schon, was dich abgelenkt hat.“ Sein Blick fiel auf die noch immer kichernde Frau an Spikes Seite. „Hallo, Drusilla“, grüßte er sie kühl.

Drusilla lächelte breit. „Hallo, Rupert." Sie tänzelte nach vorn, reichte Giles und auch Buffy die Hand, obwohl der Blick, mit dem sie Buffy bedachte, plötzlich sehr aufmerksam wurde. „Hallo, Buffy", säuselte sie. „Da hat der gute Rupert auf seine alten Tage aber noch…"

„Dru“, unterbrach Spike sie schnell, ehe sie weiterreden konnte und zog sie an seine Seite zurück. Sie zog einen Schmollmund und sah Spike unter gesenkten Lidern an.

Diesmal war es Buffy, die über diese Schauspielkunst skeptisch ihre Augenbrauen hob.

„Gehen wir heut Abend aus, mein Spike?“, trällerte sie und schmiegte sich an ihn.

„Bring sie hier weg!“, stieß Giles hervor.

„Sicher, Luv", flüsterte Spike und küsste sie kurz, ehe er sie mit sich zum Haus zog. Dann drehte er sich noch einmal um. „Meinen Standpunkt über diese idiotische Heirat habe ich dir schon am Telefon klar gemacht, ja? Also verlange nicht, dass ich sie mit Mom anrede!"

Buffy sagte nichts, sondern sah den beiden davon eilenden jungen Menschen nach. Erst als sie außer Hörweite waren, erkundigte sie sich leise: „Du wusstest es, Rupert?"

Giles seufzte. „Ich wollte dich nicht beunruhigen, Buffy. Ich habe geahnt, dass er Probleme macht."

Ohne ein weiteres Wort griff sie wieder nach dem Rollstuhl und schob ihren Mann in Richtung des Hauses. Es würde schwierig werden, doch damit hatte sie schließlich gerechnet. In gewisser Weise verstand sie den jungen Giles sogar. Er wusste nicht, wie ernst es um seinen Vater stand, er sah nur eine junge Frau, die sich seinen reichen Vater geangelt hatte und versuchen wollte, auf diese Weise an sein Geld zu kommen.

„Du solltest dich ausruhen, Rupert“, sagte sie leise. „Ich werde dich in dein Zimmer bringen."

Sie sah William – nein, sie sollte ihn ja Spike nennen – bis zum Abend nicht wieder. Giles, der erschöpfter war als er es sich anmerken ließ, schlief sofort ein, nachdem sie ihn ins Bett gebracht hatte und Buffy beschäftigte sich damit, ihre Sachen in das Schlafzimmer neben dem von Giles unter zu bringen. Maggie, die Haushälterin fiel aus allen Wolken, als Buffy sie höflich fragte, wo sie Bettwäsche und Handtücher finden konnte und ihr wurde klar, dass Spike niemanden über die Heirat seines Vaters informiert hatte. Der älteren Frau war das fürchterlich peinlich. Sie entschuldigte sich mehrmals, betonte, dass sie Spikes Anweisungen sicherlich falsch verstanden oder vergessen hatte, doch Buffy wusste genau, dass sie den jungen Mann nur in Schutz nahm. Jedenfalls war ihr Zimmer bis zum Nachmittag hergerichtet und ihre Sachen ausgepackt.

Sie nutzte den Rest des Tages, um sich ein wenig umzusehen, wobei sie hoffte, Spike noch nicht wieder über den Weg zu laufen. Das passierte auch nicht, aber sie hörte, dass er da war, weil laute Rockmusik aus dem Zimmer am Ende des Gangs drang und sie annahm, es wäre sein Zimmer.

In der oberen Etage befanden sich sechs Zimmer, von denen nur drei genutzt wurden und die anderen als Gästezimmer zur Verfügung standen. Direkt neben Spikes Zimmer lag das erste Bad und am anderen Ende des Gangs, neben Giles’ Zimmer, das zweite. Buffys Zimmer hatte genau wie alle anderen Schlafzimmer einen Balkon und sie konnte hinaus auf die grünen Hügel der angrenzenden Berge schauen.

Durch die untere Etage führte Maggie sie. Die Haushälterin wohnte in Sunnydale und kam nach dem Frühstück, um das sich die Familie Giles selbst kümmerte, um Mittagessen zu machen und das Abendbrot vorzubereiten. Gegen Abend, meist achtzehn oder neunzehn Uhr, verabschiedete sie sich wieder. Wie Giles ihr schon erklärt hatte, gab es im unteren Bereich eine riesige Küche, in deren Mitte ein großer Tisch für die Zubereitung der Speisen stand. Direkt an die Küche grenzte das Speisezimmer in einem gemütlichen Landhausflair mit Holzmöbeln. Der größte Raum jedoch war das Wohnzimmer, von dem aus man auch die Terrasse und den Pool erreichen konnte. Buffy staunte, als sie den Kamin sah, doch Maggie meinte lächelnd, an etwas frischeren Tagen wäre es sehr gemütlich, vor dem prasselnden Kaminfeuer zu sitzen. Mitten im Wohnzimmer standen eine Couch und vier Sessel um einen kleinen flachen Tisch. An der rechten Seite standen Fernseher, Videorecorder und CD-Player, während die restlichen Wände mit Bücherregalen zugestellt waren. Buffy hatte noch nie so viele Bücher auf einen Haufen gesehen, außer in einer Bibliothek natürlich, und fragte sich, ob Giles sie alle gelesen hatte.

Maggie verabschiedete sich mit den Worten, sie müsse sich um das Abendessen kümmern, während sich Buffy noch ein wenig im Garten umsah.

 ***************

Spike stand mit verschränkten Armen am Fenster seines Zimmers und beobachtete die zierliche Gestalt der Frau, die durch den Garten lief. Während die Musik aus seiner Stereoanlage in seinen Ohren dröhnte, hatten sich seine Lippen zusammen gepresst, als er gegen den Zorn in seinem Körper kämpfte.

Er hatte nicht damit gerechnet, dass sie so unschuldig aussah. Mitgiftjägerinnen sollten seiner Meinung nach ätzende, kaltschnäuzige Typen sein, am besten noch hässlich. Nun, hässlich war sie keineswegs und er fragte sich, wo sie seinen Vater kennen gelernt hatte. Sie war sogar ausgesprochen süß, wenn man einmal davon absah, dass sie nur hinter dem Geld seines Vaters her war. Sie war jung, sicherlich nicht viel älter als er und in Gedanken erklärte er seinen Vater für komplett verrückt, weil er sich mit einer derart jungen Frau einfach lächerlich machte. Blonde, lange Haare fielen bis zur Hälfte ihres Rückens, umrahmten ein schmales Gesicht mit großen, unschuldigen, grünen Augen. Sie sah aus wie ein Engel. Nicht, dass er auf Engel stand... Höchstens auf schwarze, so wie seine Dru, aber es umgab sie ein Hauch von Lebendigkeit.

Mit schmalen Augen verfolgte er, wie sie durch den Garten schlenderte. Sein Vater war nicht der Typ Mann, der auf einen hübschen Körper herein fiel. Was also hatte ihn zu dieser Frau gezogen?

„Ich komme hinter dein Geheimnis, Blondie“, knurrte er böse zwischen den Zähnen hindurch. „Wir werden sehen, ob deine Rechnung aufgeht.“

Dann verließ er seinen Platz am Fenster, weil er sich für den Abend fertig machen wollte und wusste, dass Dru auf ihn wartete. Und er würde eine Menge tun, aber Dru warten lassen gehörte eindeutig nicht dazu.

 *************

 Buffy hatte Giles sein Abendessen ins Zimmer gebracht, weil sie ihm nicht noch einmal zumuten wollte, die Treppen hinab zu steigen.

„Ich könnte mich um einen Rollstuhllift kümmern“, schlug sie vor, als sie sich mit an den kleinen Tisch setzte.

Giles lächelte. „Kein Problem.“ Dann verschwand das Lächeln und er sah traurig zur Tür. „Ich hatte gehofft, William würde uns Gesellschaft leisten.“

Buffy hatte das auch gehofft. „Ich könnte ihn holen?“

„Nein, nein. Er mag es nicht, wenn man ihn in seinem Zimmer stört“, widersprach Giles.

In diesem Augenblick hörten sie die Zimmertür am anderen Ende des Ganges und ehe Giles reagieren konnte, war Buffy aufgesprungen und aus dem Zimmer gelaufen. „Spike?“

Er war schon halb die Treppe hinab, als er ihre Stimme hörte und die Augen verdrehte. „Was?“, fragte er gereizt und drehte sich um.

Buffy benötigte einen Moment, um seinen neuen Anblick zu verdauen und wusste plötzlich, was sein Vater gemeint hatte, als er sich über sein Aussehen beschwerte. Die blondierten, kurzen Haare standen in kleinen Stacheln von seinem Kopf ab und waren sicherlich der Grund für seinen außergewöhnlichen Spitznamen. Er war ganz in Schwarz gekleidet, schwarze Jeans, ein schwarzes enges Shirt, schwarze Doc Martens und einen Ledermantel, bei dem sich Buffy fragte, wie alt er wohl war und ob es ihm darunter nicht warm wurde. Seine Handgelenke sowie seinen Hals zierten jede Menge Ketten, die klimperten, als er sich umdrehte. Sein Sohn ist ein Punk, ging es ihr fassungslos durch den Kopf. Er schien sogar seine Augen mit Kajalstift umrahmt zu haben.

„Wolltest du mich nur anstarren oder hattest du ein Problem?“, fragte er ironisch und verzog irgendwie amüsiert den Mund. „Also nicht, dass ich etwas dagegen hätte, aber ich habe heute noch mehr vor.“

Das riss Buffy aus ihrer Erstarrung und sie fühlte, wie ihr das Blut in den Kopf schoss. Noch dazu, weil sie sein Grinsen sah. Verärgert über sich selbst reckte sie ihr Kinn in die Luft und sagte sich, dass dieser junge Schnösel kein Recht hatte, sie verlegen zu machen. „Dein Vater hätte sich über deine Gesellschaft beim Essen gefreut, Spike“, sagte sie freundlich. „Und ich auch. Schließlich hatte ich noch nicht viel Gelegenheit, mich mit dir zu unterhalten.“

Er zuckte ungerührt mit den Schultern. „Na und. Ich habe wichtigere Dinge vor." Er wollte sich wieder umdrehen und sie einfach stehen lassen, doch ihre Stimme stoppte ihn.

Er war ein kleiner arroganter Flegel. „Wichtigeres, als deinem kranken Vater bei einem einfachen Abendessen Gesellschaft zu leisten?“, fragte sie, plötzlich genau so kühl wie er.

Spike spürte die Veränderung sofort. Seine Augen verengten sich. „Ja“, meinte er sarkastisch. „Er hat doch jetzt dich. Und es ist doch nicht zuviel verlangt, wenn du für das viele Geld, das du geheiratet hast, auch etwas tust, oder?"

Buffy fehlte einen Moment einfach ihre Sprache. Sie hatte mit diesen Vorwürfen gerechnet, aber nicht damit, dass er sie ihr einfach ins Gesicht schleuderte. Trotzdem schaffte sie es, eine gleichgültige Miene zu wahren. „Du bist sein Sohn. Ihm liegt eine Menge an dir und du solltest wenigstens den Anstand haben, solche kleinen Wünsche zu erfüllen."

„Ich habe ihn nie interessiert“, fauchte Spike gereizt. „Und ich wüsste nicht, warum es plötzlich mich kümmern sollte!“ Mit einer zornigen Bewegung drehte er sich um und stolzierte die Treppenstufen hinunter.

Buffy grub ihre Zähne in ihre Unterlippe, als sie dem theatralisch hinter ihm her schwingenden Ledermantel mit ihren Blicken folgte. Sie hörte, wie die Eingangstür ins Schloss knallte und den Klang eines Motorrads, ehe es wieder still wurde. Tränen traten in ihre Augen, die jedoch weniger etwas mit ihrem eigenen Gefühlszustand zu tun hatten. Es tat ihr leid, wieder das Zimmer zu betreten und Giles’ traurigem Blick begegnen zu müssen.

                                          

T e i l 3

 

März

Zwei Monate lebte Buffy jetzt schon im Haus der Giles und wenn es Spike nicht gegeben hätte, hätte sie sagen können, es würde ihr hier gefallen.

Sunnydale war eine kleine, ruhige Stadt und auch wenn sie ahnte, dass man sich hinter ihrem Rücken die Mäuler zerriss, sicherlich war auch daran Spike nicht ganz unschuldig, so begegnete man ihr doch mit einer Höflichkeit, die von Giles’ Reichtum diktiert wurde.

Neben der Pflege des kranken Mannes hatte sie genug Zeit, eigenen Interessen nachzugehen. Sie half Maggie im Haus, dekorierte ihr Zimmer etwas um, damit es gemütlicher wirkte und meldete sich natürlich in der hiesigen Karateschule an. Der Leiter der Schule, Charles Gunn, war erstaunt über ihr Können und freute sich, eine dermaßen ausgebildete Schülerin begrüßen zu können.

Wenige Tage nach ihrer Ankunft war ein Rollstuhllift installiert worden, so dass Giles ebenfalls ein wenig frische Luft und die Sonne genießen konnte, wenn es ihm besser ging.

Spike jedoch tat alles, um ihr das Leben so schwer wie möglich zu machen.

Obwohl sie ihn wenig sah, und das, trotz dem er nicht arbeitete, sondern seit Beendigung der High-School erst einmal vom Geld seines Vaters und seinen gelegentlichen Bühnenauftritten im Sunnydaler Theater lebte.

Er ignorierte sie, gab nur gereizte Antworten, wenn sie ihn ansprach – wenn er überhaupt antwortete - und ließ sie deutlich merken, dass ihm ihre Anwesenheit im Haus überhaupt nicht gefiel.

Buffy war für ihre Geduld bekannt, sonst hätte sie nie den Beruf einer Krankenschwester erlernen können. Sie war missmutigen Patienten begegnet, unzufriedenen, die einfach ihre schlechte Laune an jemanden auslassen mussten, doch sie hatte noch nie einen Menschen getroffen, der ihr eine so unverhohlene Abneigung entgegen brachte.

Sie sah es, wenn er die blauen Augen auf sie richtete, sie ansah als würde er sie am liebsten eigenhändig aus dem Haus werfen und Dinge sagte, die wie ein Stich durch ihr Herz fuhren.

Und ihr war vollkommen klar, dass er sich gerade zu diebisch über einen Tränenausbruch ihrerseits freuen würde.

Sie tat ihm den Gefallen nicht, zumindest nicht vor ihm. Aber nachts, wenn sie allein war, fingen die Tränen manchmal an zu laufen und sie weinte still und heimlich in ihr Kissen.

Aber sie belästigte auch Giles nicht damit, weil sie nicht wollte, dass der kranke Mann sich noch mehr Sorgen machte. Da Spike auch nicht sonderlich viel Zeit mit seinem Vater verbrachte, konnte er die kleinen Notlügen, die sie erfand, wenn Giles nach dem Verhalten seines Sohnes fragte, auch nicht widerlegen. Und Buffy freute sich, wenn ein kleines Lächeln auf Giles’ Gesicht erschien und er beruhigt die Augen schloss, wenn sie ihm versicherte, dass Spike gar nicht mehr so unfreundlich war.

In diesen Augenblicken wünschte sie sich, hinausgehen zu können und den verfluchten hartherzigen Bengel an den Haaren zum Bett seines Vaters zu schleifen. Sie führte stundenlange Gespräche mit Willow, die versprach, einmal vorbei zu kommen, wenn es zeitlich mit der Galerie zu vereinbaren sei. Leider konnte sie ihr in Bezug auf Spike auch keinen Rat geben, da sich keiner von ihnen jemals mit Kindererziehung beschäftigt hatte.

Es war an einem Samstag, als Buffy vom Pool aus ins Wohnzimmer kam und Spike und Maggie in der Küche reden hörte.

„Sie ist eine wirklich nette Person, Spike und sie gibt sich alle Mühe, du solltest es deinem Vater wirklich nicht so schwer machen“, sagte Maggie gerade.

Buffy blieb stehen. Sie wusste selbst nicht warum, aber ihr Herz zog sich zusammen, als sie Spike hart auflachen hörte.

„Sie ist eine kleine verlogene Schlange, die sich irgendwie in das Herz meines Vaters geschlichen hat“, spuckte er aus. „Dad sagt, Dru ist verrückt. Nach dieser Heirat zweifle ich an *seinem* Verstand!“

„Dein Vater hat immer gesagt, dir fehlt eine Mutter“, wagte Maggie einzuwerfen.

„Mutter?!“, fuhr er auf. „Es gab nie jemanden, den wirklich gekümmert hat, was ich denke. Dad schon gleich gar nicht. Und diese … diese Person sieht eher aus, als hat sie irgendwelche Qualitäten, die meinen Dad stark beeindrucken. Und die haben nichts mit mir zu tun! Sie weiß garantiert, wie sie meinen Dad um den Finger wickelt, um an das ganze Geld zu kommen!“

Buffy wollte nichts mehr hören. Sie kämpfte mühsam die Tränen nieder, die in ihre Augen treten wollten. Er würde sie nie weinen sehen, diese Genugtuung wollte sie ihm nicht geben. Leise ging sie ein paar Meter zurück und kam dann mit lauten Schritten durch das Wohnzimmer.

Die Stimmen in der Küche verstummten und sie lächelte ein sicherlich recht aufgesetztes Lächeln, als sie das Zimmer betrat. Maggie lächelte freundlich zurück, während Spike in seine Kaffeetasse schaute und nicht einmal den Kopf hob.

„Spike“, sagte Buffy freundlich. „Das ist aber schön, dass du auch einmal da bist. Hast du schon gefrühstückt?"

Spike hob den Kopf und sah Maggie an. „Sagst du ihr bitte, dass ich nicht scharf auf den Schwachsinn bin, den sie von sich gibt?“

Maggie schnappte erschrocken nach Luft und Buffy war froh, dass sie das Gespräch gehört hatte, so dass es sie jetzt nicht völlig unvorbereitet traf. Ungerührt nahm sie sich eine Tasse und einen Teller aus dem Schrank und setzte sich an den Tisch. „Wie lange willst du das durchziehen?“, erkundigte sie sich mit hoffentlich so etwas wie Spott in ihrer Stimme. „Du wirst einer Unterhaltung mit mir nicht ewig aus dem Weg gehen können.“

„Wär’ ich mir nicht so sicher“, knurrte er abfällig.

„Als dein Vater damals von dir erzählte und ich hörte, dass du schon siebzehn bist, wollte ich nicht glauben, dass er Recht hat, als er dich mit den Worten starrköpfig und arrogant beschrieben hat." Sie lächelte ihn freundlich an, obwohl sein Blick ihr sagte, dass er sie lieber erwürgen wollte. „Aber er hat etwas vergessen. Ich denke, er hat nicht bemerkt, dass man in diesem Alter noch nicht erwachsen genug ist, um manche Entscheidungen zu verstehen."

Spike sprang auf und sein Stuhl knallte scheppernd auf den Boden.

„Wenn mein Vater auf deinen Unschuldsblick hereinfällt", schrie er, „heißt das nicht, dass du mir auf die gleiche Tour kommen kannst! Und niemand, aber auch wirklich niemand wird mich dazu bringen, dich zu akzeptieren, du berechnendes Miststück!“

Maggie schlug sich die Hand vor den Mund, als er ohne ein weiteres Wort aus dem Zimmer stürzte, während Buffy ihm ungerührt hinterher starrte. Es tat ihr weh, die Worte zu hören, aber es sich anmerken zu lassen, wäre noch falscher.

Lächelnd hob sie ihr Gesicht zu Maggie.

„Haben wir noch Kaffee?"

 ****************

 Danach wurde es nur noch schlimmer.

Spike reagierte auf keinen ihrer Versuche, ihn anzusprechen oder in ein vernünftiges Gespräch zu verwickeln mehr. Die Musik aus seinem Zimmer begann, ihr langsam aber sicher auf die Nerven zu gehen und sie wusste genau, dass er nur darauf wartete, dass sie sich darüber beschwerte.

Buffy tat es nicht.

Sie biss die Zähne zusammen, ignorierte seine Provokationen und versuchte, gleichbleibend freundlich zu reagieren.

Doch seit zwei Monaten immer nur seine Ablehnung zu spüren, machte ihr zu schaffen. Manchmal gelang es ihr nur mit Mühe, eine gleichgültige Miene zu bewahren, wenn er an ihr vorbei ging als würde sie gar nicht existieren, weil sie ihm am liebsten ins Gesicht geschrieen hätte, wie idiotisch er sich eigentlich benahm.

Denn sie wusste genau, dass es das war, was er provozieren wollte – dass sie ausflippte.

Und sie ahnte, dass sie in diesem Augenblick den Kürzeren ziehen würde, weil sie es einfach nicht gewohnt war, einen Streit in einem Tobsuchtsanfall auszutragen.

Aber ihre Nerven lagen blank. Es fiel ihr immer schwerer, Giles gegenüber eine ruhige Miene zu wahren, der natürlich fragte, wie sie mit seinem Sohn zurecht kam. Sie hatte Angst, er würde sich Sorgen machen, wenn sie ihm die Wahrheit sagte und versuchte, seine Fragen so ausweichend wie möglich zu beantworten.

Sie hatte keine Ahnung, was Spike seinem Vater erzählte – ab und zu schaute er schon in das Zimmer, wenn sie sich nicht dort befand - denn es passierte immer häufiger, dass Giles sie eigenartig wach an sah, wenn sie vor sich hin murmelte, dass Spike sich recht vernünftig verhielt. Sie kam sich schäbig vor bei diesen Lügen und ihre so sprichwörtliche Geduld schien an einem seidenen Faden zu hängen.

Es war an einem warmen Mittwoch, als es Giles wieder einmal schlechter ging und er den ganzen Tag im Bett blieb, als Buffy die Treppe hinunter kam und sie Spike am Fußende stehen sah.

Sie sah ihn erstaunt und misstrauisch an, weil er in der letzten Zeit sofort jeden Raum verlassen hatte, wenn sie ihn betrat. Er wechselte sogar die Straßenseite, wenn er ihr in der Stadt begegnete und sah jetzt fast so aus, als wolle er zum wirklich allerersten Mal ein Gespräch beginnen.

„Weshalb ist er hier, wenn es ihm so schlecht geht?“, stieß er hervor. „Weshalb nicht im Krankenhaus?"

Sollte das eins der Wunder sein, um die sie gebeten hatte?

Dann ging ihr auf, was er gefragt hatte und sie seufzte leise, ehe sie ebenfalls am Fußende der Treppe stehen blieb.

Sie hatte Giles mehr als einmal darauf angesprochen, dass er seinem Sohn endlich die Wahrheit sagen musste und sie hatte mehr als einmal die Angst in den Augen des Mannes gesehen, wenn sie ihn daran erinnerte. Spike sah auf sie hinab, als sie den Kopf hob und sie bemerkte, wie seine Kiefermuskeln spielten, weil es ihn sicherlich eine enorme Überwindung gekostet hatte, sie anzusprechen.

„Im Krankenhaus kann für ihn nicht mehr getan werden als hier auch“, sagte sie leise.

„Woher willst du das wissen?“, fragte er misstrauisch. „Dort hätte er zumindest anständige Pflege. Du solltest eine Krankenschwester einstellen.“

Buffy seufzte. „Glaub mir, Spike, er bekommt die beste Pflege, die möglich ist. Ich bin Krankenschwester." Sie fühlte sich müde und abgespannt. Seine permanenten Vorwürfe, seine Abneigung, all das zehrte an ihren Nerven und sie beschloss, dass sie es heute einmal genau so machen konnte wie sonst er.

Ohne ein weiteres Wort drehte sie sich um und wollte ins Wohnzimmer gehen.

Allerdings hatte sie die Rechnung ohne den starrköpfigen Spike gemacht. Er war schneller an ihr vorbei, als sie denken konnte und verstellte ihr den Weg.

„Warum geht es ihm nicht langsam besser? Ich denke, die entlassen Leute nur, wenn sie gesund sind?“

„Vielleicht solltest du die Fragen deinem Vater stellen?“, murmelte sie, ohne ihn anzusehen.

„Ich frage dich! Und wenn du tatsächlich Krankenschwester bist, kannst du mir auch eine Auskunft geben!“, fauchte er sie an.

Buffys Kopf schoss hoch und begegnete dem Blick seiner eisigen, blauen Augen. Warum konnte er nicht wenigstens hässlich sein?

„Dein Vater ist krank, Spike“, sagte sie leise. „Sehr krank..."

Einen kurzen Moment flackerte etwas in seinem Blick, dann hatte er sich wieder unter Kontrolle. „Wie...krank?“

„Red mit ihm, Spike, bitte“, flüsterte sie und wollte an ihm vorbei.

Seine Hand schoss vor und griff nach ihrem linken Oberarm. „Ich rede mit dir, Pet, und ich verlange Antworten“, warnte er sie leise.

Buffy starrte einen Augenblick auf seine Hand, die ihren Oberarm umschloss, ehe sie den Kopf hob und in sein Gesicht schaute. Sie zuckte mit keiner Miene, sondern sagte eisig:

„Lass meinen Arm los.“

Ihre Augen bohrten sich in seine blauen, hielten seinem Blick ungerührt und ohne eine Emotion zu zeigen, stand. Spike war der erste, der den Blick abwandte und seine Finger lösten sich von ihrem Arm. Obwohl sich Buffy fühlte, als hätte sie gerade einen Sieg errungen, ließ sie sich nichts anmerken.

„Du weißt, was mit ihm ist“, stieß er dann hervor.

„Ja“, antwortete sie wieder leise. Er sollte es wissen und sie verfluchte Giles, der nicht den Mut aufbrachte, seinen Sohn mit der Wahrheit zu konfrontieren.

„Wird er...“ Er kämpfte eine Weile mit sich, als wolle er das Wort nicht aussprechen. „Wird er...sterben?“

Sie atmete tief durch. „Ja."

Spike starrte sie einfach nur an. Eine ganze Weile als müsse er verarbeiten, was er gerade gehört hatte, obwohl ihm keine Gefühlsregung anzumerken war. Dann lachte er hart auf.

„Ja?! Das ist alles?! Ja?!“, schrie er ihr urplötzlich ins Gesicht, während sich seine Hände zu Fäusten ballten.

„Spike, bitte...“ Buffy machte einen Schritt auf ihn zu, doch ein weiteres Auflachen stoppte sie.

„Das hast du aber gut eingefädelt, was?“ Seine Hand fuhr durch seine Haare und er nahm sicherlich gar nicht wahr, dass er einen Teil des Kunstwerks auf seinem Kopf zerstörte. „Hast du gedacht, du heiratest den todkranken Mann schnell noch und kommst ruckzuck an ein immenses Vermögen? Wie hast du ihn dazu gebracht? Ihm öfter mal einen geblasen?“

Buffy schlug zu, ohne zu überlegen.

Vielleicht weil ihre Nerven sowieso durch die vergangenen Wochen aufs äußerste gespannt waren. Vielleicht weil sie es einfach satt hatte, sich seinen Hass anzusehen. Sie wusste es nicht. Aber sie verschwendete keinen einzigen Gedanken daran, dass er jetzt eigentlich ihr Stiefsohn war, als sie ihm eine schallende Ohrfeige versetzte.

Spikes Wange lief feuerrot an und er sah einen Moment einfach nur entsetzt aus.

Der Moment reichte, um Buffy klar zu machen, was sie gerade getan hatte und ihr Mund öffnete sich, als sie sah, wie sich eine so tödliche Wut in seinen Augen bildete, dass es ihr eiskalt den Rücken hinab lief.

Ihr fiel ein, was sein Vater über seine Aggressivität erzählt hatte und sie fragte sich erschrocken, ob er jetzt wirklich fähig wäre, zurückzuschlagen.

Als er allerdings einen Schritt auf sie zu machte, wartete sie nicht ab, sondern ihre durch jahrelanges Training geschulten Instinkte übernahmen die Kontrolle über ihren Körper.

Spike wusste nicht, was ihm geschah, als sie herumwirbelte, sich duckte und er im nächsten Moment mit dem Rücken auf den Boden knallte. Er war so verdutzt, dass er einfach nur liegen blieb und zu der zierlichen, jetzt ziemlich kampfbereit dastehenden Blondine hinauf starrte.

„Unterschätz mich niemals“, sagte sie leise und streckte ihm ruhig ihre Hand entgegen, um ihm beim Aufstehen zu helfen.

Das war Spike jetzt auch klar.

Er beäugte misstrauisch ihre Hand, ignorierte sie dann jedoch und hievte sich selbst hoch.

Er würde sich jetzt keineswegs anmerken lassen, dass er sich fragte, wie sie das gemacht hatte, vor allem weil sie nicht aussah als würde sie tagtäglich irgendwelche Gewichte stemmen. Sie nutzte auch seinen Fitnessraum nicht, obwohl er sich anfangs gewünscht hatte, sie würde ihn danach fragen und er hätte ihr in seinem ätzendsten Tonfall erklärt, dass sie es nicht wagen sollte, den Raum zu betreten.

Ihre Stimme klang noch immer so ruhig, als sie fortfuhr. „Rede mit deinem Vater, Spike.“

Er warf ihr noch einen letzten zornigen Blick zu, ehe er sich wortlos umdrehte und durch die Haustür hinaus verschwand.

Buffy seufzte wieder und fuhr sich durch die Haare. Giles würde es bestimmt nicht gefallen, wenn er erfuhr, dass sie seinem Sohn eine Ohrfeige versetzt hatte.

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Es gefiel Giles sogar ausgesprochen gut, als sie es ihm am nächsten Tag beichtete. Er meinte sogar, vielleicht hätte er einfach versäumt, seinem Sohn einmal ordentlich den Hintern zu versohlen. Als dann sogar Spike kurz darauf aufkreuzte und undeutlich in Buffys Richtung murmelte, sie solle doch mal aus dem Zimmer verschwinden, schenkte sie ihm ein strahlendes Lächeln und ließ die beiden Männer allein.

Noch immer vor sich hin grinsend schnappte sie sich ihren Bikini und machte sich auf den Weg zum Pool.

Es dauerte über eine Stunde, ehe Spike wieder kam.

Buffy war ein paar Runden geschwommen und hatte es sich dann im Liegestuhl bequem gemacht, als sich plötzlich ein Schatten vor die Sonne schob, und sie schlug die Augen auf.

Spike setzte sich auf den benachbarten Liegestuhl. Er kam ihr fast nervös vor, etwas das sie vorher noch nie an ihm gemerkt hatte, und sie hob verwundert den Kopf. „Was hast du, Spike?“

„Hat er Recht? Es gibt keine Möglichkeit, ihm zu helfen?“ Selbst seine Stimme klang anders als sonst. Fast unsicher.

„Ja“, antwortete sie leise. „Eine Operation in diesem Bereich ist nicht möglich. Und der Tumor reagiert auf die Bestrahlung nicht. Jeder weitere Versuch würde deinen Vater noch mehr schwächen.“

„Wie lange…?“

Sie holte tief Luft. „Vier, vielleicht fünf Monate.“

„Verdammt!“ Spike sprang auf und trat wütend gegen den Liegstuhl, der mit einem Scheppern ein paar Meter weiter rutschte. „Was ist das für eine Scheiße! Er hat alles Geld der Welt! Es muss eine Möglichkeit geben!“ Dann blieb er stehen und verschränkte die Hände vor der Brust. „Er hat mir das mit dir erklärt.“

Oh. Buffy hob erstaunt ihre Augenbrauen.

„Ich verstehe es trotzdem nicht. Ich brauche keinen verdammten Babysitter oder jemanden, der mir sagt, was ich tun soll. Ich brauche keine verfluchte Samariterin, die mich mit traurigen Augen vorwurfsvoll anschaut! Ich brauche überhaupt niemanden!" Er hatte sich in Rage geredet und gestikulierte wild vor Buffys Gesicht. „Du bist doch kaum älter als ich! Hätte er nicht wenigstens eine ordentliche Autoritätsperson aussuchen können?!“

Buffys Lippen verzogen sich zu einem kleinen Lächeln. „Ich bin zehn Jahre älter als du und wenn du Problem damit hast, in mir eine Mutterfigur zu sehen, bilde dir doch einfach ein, ich wäre deine große Schwester. Dein Vater möchte einfach nicht, dass du allein bist und…Was ist denn?"

Spike starrte sie mit offenem Mund an und ihr wurde langsam unheimlich, weil sie ihn noch nie so fassungslos gesehen hatte. „Wie…wie alt bist du?“, brachte er dann hervor.

„Siebenundzwanzig. Hat das dein Vater nicht erwähnt?“

„Siebenundzwanzig?", vergewisserte er sich noch einmal und ihr wurde eigenartigerweise warm, als sein Blick über ihren nur von dem Bikini bedeckten Körper glitt.

Allerdings wäre es dumm gewesen, jetzt nach einem Handtuch zu angeln und sich zu bedecken. Deshalb ignorierte sie seinen Blick und fragte munter. „Bedeutet das jetzt, wir haben so etwas wie einen Waffenstillstand?“

„Was?“, schreckte er aus seinen Gedanken hoch und sah endlich wieder in ihr Gesicht.

Buffy bemerkte amüsiert, wie plötzlich eine leichte Röte in sein Gesicht stieg. „Waffenstillstand?“, wiederholte sie ihre Frage.

Er zuckte unbehaglich mit den Schultern, warf ihr noch einen eigenartigen Blick zu und ging dann zurück ins Haus.

Buffy lehnte sich zurück und schloss die Augen.

Er hatte zumindest nicht abgelehnt.

Sie sollte das als ein Ja werten.

 

T e i l 4

 Eine Woche später war sie sich nicht mehr sicher, ob sie wirklich jemals von einem Waffenstillstand gesprochen hatten. Eigentlich hatte sich nicht viel verändert, außer dass er nicht mehr die Straßenseite wechselte, wenn er sie sah. Wenn sie gehofft hatte, er würde am Abendbrottisch sitzen, um seinem Vater einen Gefallen zu tun, sah sie sich enttäuscht.

Tagsüber musste sie öfter gegen seine Tür hämmern, weil seine Musik Tote weckte, aber ihr zumindest mitteilte, dass er da war. Manchmal war es auch still und sie hörte ihn reden, wenn er den Text für irgendeins seiner Bühnenstücke probte. Gegen Abend verschwand er, voll punkmäßig gestylt, um erst weit nach Mitternacht heimzukehren.

Buffy hatte ein einziges Mal den Versuch gemacht, ihn nach seiner Freundin zu fragen und gemeint, es wäre doch schön, sie einmal einzuladen.

Giles, der das Gespräch gehört hatte, hatte sich fast an seinem Getränk verschluckt und so angefangen zu husten, dass ihr himmelangst wurde, während Spike sie ansah, als hätte sie den Verstand verloren.

Als Giles wieder sprechen konnte, stieß er nur hervor: „Diese verrückte Frau kommt nicht in mein Haus!“

Daraufhin war Spike aus dem Wohnzimmer gestürzt und Buffy hatte sich geschworen, dieses Thema nie wieder anzuschneiden. Zumindest nicht in Giles’ Beisein.

Jetzt allerdings war sie mehr als aufgeregt, weil die Handwerker im Keller endlich damit fertig waren, den Trainingsraum für sie herzurichten. Belustigt hatte sie festgestellt, dass Spike das Ganze aus seinem Fitnessraum mit argwöhnischen Augen verfolgte, sie aber nie darauf hin ansprach.

Schmunzelnd zog sie ihre enge Hose und ein kurzes Top über und begab sich in den Keller. Die zwei Stunden pro Woche ins Gunns Studio reichten ihr bei weitem nicht aus.

Spike befand sich – sicherlich mit voller Absicht – schon wieder in seinem Fitnessraum, seit neuestem mit geöffneter Tür, damit er auch ja nicht verpasste, was in dem anderen Raum ablief und stemmte Gewichte.

Mit einem Grinsen tänzelte Buffy an seiner Tür vorbei, zwang sich gewaltsam *nicht* hinein und auf seinen verschwitzten Körper zu starren und schloss geräuschvoll ihre Tür hinter sich.

Das war etwas, womit sie arg zu kämpfen hatte. Er hatte einen tollen Körper. Es machte ihr geradezu Angst, dass sie das so deutlich registriert. Sie konnte nur hoffen, dass er davon nichts mit bekam.

Dann wurde sie erst einmal von diesen Gedanken abgelenkt, als sie sich umsah. Der Boden war mit Matten ausgelegt und eine Seite komplett mit Spiegeln bedeckt. Buffy behauptete zwar anderen gegenüber meistens, sie würde Karate trainieren, aber eigentlich war sie für jede Kampfsportart offen, die die Beweglichkeit ihres Körpers förderte.

Sie begann, sich ein wenig warm zu machen und ihre Glieder zu lockern, ehe sie die ersten Angriffspositionen einnahm und einen unsichtbaren Gegner attackierte. Vielleicht wäre es gut, noch einen Sandsack aufzuhängen, ging es ihr durch den Kopf, als sie mit einem Salto rückwärts die Balance wiedergewann, die durch den Schlag in die Luft verloren gegangen war.

Sie merkte kaum, wie die Zeit verstrich. Ihr Körper bedeckte sich mit einer Schicht Schweiß und der Gedanke, danach in den Pool springen zu können, bereitete ihr unwahrscheinliche Freude.

Dann klopfte es zaghaft an die Tür. Sie verharrte mitten in der Bewegung, ehe sie die Spannung ihres Körpers aufgab und sich die schweißnassen Haare aus der Stirn strich.

„Ja?“

Natürlich war es Spike, der, jetzt zum Glück geduscht und vollständig bekleidet, mit in den Taschen vergrabenen Händen lässig zur Tür herein schlenderte.

„Wollte nur mal schauen, was du hier schönes treibst“, murmelte er wie nebenbei und tat so als wäre ihm das alles total gleichgültig.

War es ihm ja auch.

Er wollte ja eigentlich nur wissen, was die Handwerker tagelang in dem Raum getan hatten. Mit ihr hatte das garantiert nichts zu tun.

„Neugierig?“, fragte sie verschmitzt, ehe sie nach dem an der Seite liegenden Handtuch griff und sich den Schweiß aus dem Gesicht wischte.

„Phhh“, schnaubte er abwertend und sah sich misstrauisch um. „Was ist das? Hast du vor, eine Gymnastikgruppe zu gründen?"

Ihre Augen blitzten, als sie vor ihm stehen blieb und zu ihm aufsah. „Interessanter Gedanke. Vielleicht könnte ich dann ein paar Frauen beibringen, wie sie freche Männer ganz schnell aufs Kreuz legen."

Daran wie er die Zähne aufeinander biss, merkte sie, dass er nicht gern an den Tag erinnert wurde, als er auf seinem Rücken gelandet war und sie grinste hämisch.

Spike kämpfte mit sich. War es als eine Art Schwäche zu werten, wenn er etwas Neugier zeigte? Ein ganz kleines bisschen? Dann stieß er hervor. „Was war das für ein Griff?“

Sie lachte auf. „Das war kein besonderer Griff, sondern einfach nur eine Defensivreaktion, um einen Gegner wirkungsvoll zu Boden zu schicken. Möchtest du es noch einmal erleben?“

Seine Augen wurden schmal. „Wenn ich darauf vorbereitet bin, schaffst du es nicht, mich so leicht zu überraschen“, behauptete er selbstsicher.

„Wenn du meinst…" Sie warf das Handtuch in die Ecke und ging ihm gegenüber in Stellung. „Komm schon, Großmaul. Greif mich an."

Spikes Augenbrauen hoben sich. „Was?“, fragte er verdutzt.

„An jenem Tag sahst du aus, als wolltest du dich auf mich stürzen. Also tu es jetzt. Und keine Angst, ich habe schon mit größeren Männern trainiert. Du brauchst keine Bedenken zu haben, dass du mir wehtust. Vielleicht tue eher ich dir weh", stachelte sie ihn an.

Der letzte Satz gab den Ausschlag und sein großzügig vorhandener Stolz meldete sich zu Wort, indem er ihm sagte, dass er sich solch eine Beleidigung nicht bieten lassen durfte.

Mit etwas, das wie ein Knurren klang, ging er zum Angriff über.

***************

Eine Stunde später brauchte er eine weitere Dusche und nachdem er so oft auf dem Boden gelandet war, dass er es schon gar nicht mehr zählen konnte, tat ihm auch jeder Muskel im Körper weh. Er war immer wieder aufgesprungen und war mit jedem Fallen wütender geworden.

Buffy warnte ihn zwischendurch, dass Zorn ihn nur zu herrlich vorhersehbaren Reaktionen verleiten würde, aber er wusste es ja besser. Weil er alles besser wusste.

Wie ein Irrer hatte er sich auf sie gestürzt und zum Schluss überhaupt nicht mehr darüber nachgedacht, dass er sie verletzen könnte.

Alle Tricks, die ihm in den zahlreichen Schlägereien, in die er oft genug verwickelt war, immer zu einem Sieg verholfen hatten, waren hier nutzlos gewesen. Er kam sich vor, als würde er sich in Zeitlupe bewegen und hatte Mühe, ihren schnellen Bewegungen mit den Augen zu folgen. An eine folgerichtige Reaktion war gleich überhaupt nicht zu denken.

Irgendwann blieb er auf dem Boden sitzen, schwer atmend und fluchte leise vor sich hin. Ein Blick zu ihr sagte ihm, dass sie zwar ebenfalls schneller atmete, aber bei weitem nicht so geschafft aussah wie er selbst.

„Wollen wir aufhören?“, fragte sie grinsend und streckte ihm wieder die Hand hin. „Für heute?“

Diesmal griff er zu und ließ sich von ihr auf die Beine ziehen. „Für heute?“, brummte er missmutig.

„Du bist ein interessanter Gegner, Spike“, erklärte sie lachend, griff wieder zu ihrem Handtuch und er folgte ihr, als sie zur Tür hinausging. „Mit einem Gegner macht das Training umso mehr Spaß.“

„Ich habe keine Lust, deinen Sandsack zu spielen“, stellte er klar. „Wenn ich mitmache, will ich ein paar von deinen Tricks lernen.“

„Abgemacht. Wenn ich dafür ab und zu in deinen Fitnessraum darf?“

„Meinetwegen", knurrte er, während seine Augen an ihren Hintern hingen, als sie vor ihm die Treppe hinauf ging. Eigentlich hatte sie einen niedlichen Hintern... Wo kam das denn jetzt her? Irritiert schüttelte er den Kopf, als wolle er die eigenartigen Gedanken vertreiben.

Dann fiel ihm wieder ein, was sie gefragt hatte und er musste ein Grinsen unterdrücken, weil er irgendwie ahnte, dass sie aus nur einem einzigen Grund vorher nie danach gefragt hatte. Weil sie wusste, dass er es abgelehnt hätte.

Giles lag in einem Liegstuhl im Garten, als Buffy und kurze Zeit später auch Spike diesmal in Badesachen erschienen. Er öffnete seine Augen und fragte müde: „Alles zu deiner Zufriedenheit im Keller?“

Buffy nickte strahlend. „Ich habe sogar einen Trainingspartner gewonnen.“

Spike knurrte etwas Unflätiges durch seine Zähne, ehe er mit einem Kopfsprung in den Pool tauchte.

„Ich habe gerade deinen Sohn verprügelt, Rupert. Mit seiner Genehmigung“, erklärte sie augenzwinkernd und Giles lächelte breit.

 ***********************

 „Gott, Dru, ich bleibe jetzt verflucht noch mal hier sitzen!“

Drusilla saß im nächsten Moment auf seinem Schoß und schlang die Arme um seinen Hals. „Was hat mein Spike denn heute?“, schnurrte sie neben seinem Ohr und biss ihn in den Hals.

Spike schloss einen Moment die Augen. Sie schaffte es immer wieder, ihn mit einer winzigen Geste in Brand zu stecken. Seine Hand fuhr in ihre Haare, zog ihr Gesicht zu sich und seine Lippen pressten sich auf ihren Mund. „Ich hasse diese Musik und ich habe jetzt keine Lust zu tanzen“, stieß er heiser hervor.

Ihre Finger massierten seinen Nacken. „Du bist verspannt“, murmelte sie, während ihre Lippen über seinen Hals strichen.

„Ich habe mich überreden lassen, Buffys Trainingspartner für irgendwelchen Karatescheiß zu spielen“, knurrte er.

Drusilla hob überrascht den Kopf. „Ich denke, du magst sie nicht?“

„Es ist etwas besser geworden, seit ich weiß, dass sie es nicht auf Dads Geld abgesehen hat“, murmelte er geistesabwesend und seine Lippen begannen, den Hals der dunkelhaarigen Frau zu küssen. „Und ich sage nicht, dass ich sie mag. Aber sie versteht es, zu kämpfen. Sie will mir etwas davon beibringen.“

Jetzt schaute Dusilla eindeutig misstrauisch. „Das gefällt mir gar nicht“, schmollte sie. „Du verbringst halbe Abende mit dieser Cordelia und ich muss akzeptieren, dass du sie küsst…“

„Das ist ein Theaterstück, Luv“, erklärte er sanft, weil er wusste, dass Drusillas Schmollen sehr schnell in Tränen enden konnte. „Und Romeo küsst Julia nun einmal.“

„Warum musst du den Romeo spielen?“, nörgelte Drusilla und schmiegte sich an ihn. „Ich mag es nicht, wenn andere Frauen dich so ansehen. Diese Cordelia ist ein Aas.“

Spike verdrehte die Augen, natürlich ohne dass Drusilla es sah. „Du bist die einzige Frau, die ich liebe, Dru“, flüsterte er in ihr Ohr.

Drusilla sprang übergangslos lachend auf, nahm seine Hand und zog ihn hoch. „Lass uns spazieren gehen, mein Spike. Ich möchte unter den Sternen tanzen und hören, was sie mir erzählen.“

Spike war mehr als froh, dass sie nicht weinte und ließ sich von ihr durch die drängende Enge in Sunnydales einziger Disko, dem Bronze, hinaus in die Nacht ziehen. Seine Arme umschlangen ihren zierlichen Körper, der ihm manchmal so zerbrechlich schien und er fühlte glücklich, wie sie sich in seine Arme schmiegte.

Dass sie manchmal so viel Unsinn sagte, störte ihn nicht. Dru hörte immer irgendwelche Stimmen, die kein anderer hörte und erzählte ihm die verrücktesten Dinge, die sie von diesen Stimmen erfuhr.

Er lauschte fasziniert ihren Selbstgesprächen, beobachtete ihr Tanzen unter dem Schein des Mondes, während er seine Zigaretten rauchte und fühlte sich dabei als sei er der glücklichste Mann auf Erden.

Es dauerte nicht lange, bis sie ihre Tanzerei satt hatte und zurück in seine Arme schwebte. „Liebst du mich, Spike?“, schnurrte sie wieder.

„Ja, Dru", hauchte er und warf die Zigarette zur Seite. „Ich liebe dich."

„Du bist heute so nachdenklich.“ Sie hob ihre schmale weiße Hand, die immer so kühl war und strich über seine Wange. „Die Energie, die dich sonst umgibt, ist heute so schwach…“

„Ich bin etwas ausgelaugt." Mir tut jeder scheiß Knochen weh!

Lächelnd griff sie nach seiner Hand und zog ihn mit sich. „Ich weiß, wie du dich am besten entspannen kannst." Ihre Hand schob ihn rückwärts gegen einen der Bäume im Park. Wie Krallen fuhren ihre Fingernägel über seine Brust und ein leises Stöhnen kam aus seinem Mund. „Ich werde nicht zulassen, dass eine andere Frau deine Kraft stielt“, fauchte Drusilla wie eine Katze.

Und Spikes Verstand verabschiedete sich, als sie die Knöpfe seiner Hose öffnete und auf die Knie sank.

******************

Es schien Ruhe einzukehren ins Haus der Giles. Obwohl Buffy Spike weiterhin nur selten zu Gesicht bekam und er noch immer Hinweise darauf brauchte, dass nicht jeder im Haus auf seinen Musikgeschmack stand, kamen sie miteinander aus.

Allerdings schien er zu riechen, wann sie ihren Trainingsraum aufsuchte, zumindest, wenn er im Haus war. Dann dauerte es meist keine zehn Minuten und schon leistete er ihr Gesellschaft. Sicherlich hatte sie seinen Stolz verletzt und deshalb arbeitete er jetzt mit einer Verbissenheit, die sie ihm nicht zugetraut hatte, daran, sie endlich auf der Matte landen zu lassen.

Buffy schmunzelte manchmal über seinen konzentrierten Gesichtsausdruck, wenn sie einen bestimmten Bewegungsablauf erklärte. Er hatte Talent, aber er war noch weit davon entfernt, es zu schaffen, sie von den Beinen zu werfen.

Giles ging es wieder etwas besser. Er freute sich sehr darüber, dass sich sein Sohn mit seiner Frau verstand und vielleicht trug diese Freude dazu bei, dass sich sein Befinden etwas besserte. Natürlich wusste er, dass es vorübergehend war und der Tumor in seinem Kopf wuchs, aber er wollte jede Minute, die es ihm besser ging, auch nutzen.

Deshalb freute er sich auch über Buffys Frage, ob er etwas dagegen hätte, wenn ihre Freundin Willow zu Besuch kam, weil das etwas Abwechslung in sein tägliches Leben brachte. Im Moment fühlte er sich zwar schwach, aber die Kopfschmerzen waren dank der Schmerzmittel, die ihm Buffy spritzte, zu ertragen.

Spike verdrehte die Augen, als sie ihm von dem Besuch erzählte und meinte nur lapidar, er würde an dem Abend verschwinden, er hasse kichernde schwatzende Frauen.

Buffy, die mittlerweile seine nette Art sich auszudrücken kannte, lachte nur und meinte, er solle seine Dru doch einfach auch mitbringen oder ein paar seiner Freunde.

Leider hatte Spike nur den Mund verzogen und gemeint. „Dad will weder Dru noch einen meiner Freunde sehen. Also hör auf, mich dazu zu drängen.“

Buffy war viel zu aufgeregt, dass Willow endlich kam, um sich darüber zu ärgern.

Da es bis zu Willows Besuch noch ein paar Tage waren und sie neben der Pflege von Giles dermaßen in die Vorbereitungen vertieft war, fiel ihr erst recht spät auf, dass sie Spike plötzlich immer öfter mit einem Buch in der Hand am Pool sitzen und vor sich hin murmeln sah.

Neugierig geworden ging sie eines Nachmittags hinaus, weil sie ahnte, dass er für ein Theaterstück lernte und ihr einfiel, dass sie ihn noch nie darauf angesprochen hatte. Giles tat das auch nie, aber sie wusste, dass er die Aktivitäten seines Sohnes am Theater am liebsten totgeschwiegen hätte.

Buffy war anderer Meinung, schließlich verdiente er damit ein wenig Geld und er schien auch eine Menge Zeit bei den Proben zu verbringen. Oder mit dieser Drusilla, eigentlich wusste sie es ja nicht.

„Hallo“, begrüßte sie ihn und sein Kopf fuhr überrascht hoch. „Lernst du für ein Theaterstück?“

„Ja“, brummte er einsilbig und senkte die Augen wieder zu dem Buch.

„Welches Stück führt ihr auf?“

Sein Kopf hob sich wieder und er sah sie misstrauisch an. „Du musst mich nichts fragen, was dich sowieso nicht interessiert.“

„Spike", schimpfte Buffy auf und setzte sich in den Liegestuhl neben ihn. „Du machst es dir selbst schwer. Warum zum Teufel sollte ich dir eine Frage stellen, wenn mich die Antwort nicht interessiert?“

„Romeo und Julia“, murmelte er undeutlich und starrte wieder in das Buch.

Buffy hatte plötzlich das eigenartige Gefühl, dass es ihn verlegen machte. „Welche Rolle spielst du?“, fragte sie trotzdem neugierig.

Spike sah nicht hoch. „Romeo."

Ihr Mund klappte auf. „Romeo? Du spielst Romeo? Aber...das ist..." eine Hauptrolle.

Die Worte erstarben ihr auf der Zunge, weil sein Kopf hoch fuhr und er sie zornig anfunkelte. Sie wusste selbst nicht, was sie gedacht hatte oder warum sie es ihm nicht zugetraut hätte. Vielleicht weil sie genau so wenig wie sein Vater daran glaubte, dass der Punk Spike eine große Rolle in einem Theaterstück spielen würde. Und sich ihn in der Rolle des verliebten Romeo vorzustellen, war eigentlich fast unmöglich.

„Verschwinde!“, zischte er böse.

„N-nein, n-nein“, begann sie zu stottern. „Ich wollte damit nicht sagen, dass...“

„Ich weiß, was du sagen willst!“, unterbrach er sie wütend. „Und jetzt verschwinde endlich. Du störst!“

„Spike, ich finde es fantastisch, dass du eine Hauptrolle spielst.“ Sie lächelte zaghaft. „Auch wenn du mir nicht wie der klassische Romeo scheinst, aber wenn man dich in eine der Hauptrollen setzt..."

„Es ist eine moderne Inszenierung“, knurrte er noch immer gereizt. „Ähnlich wie in dem Film mit DeCaprio. Der Punk Romeo verliebt sich in Julia, die Tochter des Mafiosos Capulet.“

„Oh“, machte Buffy nun vollkommen überrascht.

„In zwei Wochen ist die Premiere und ich habe noch eine Menge zu tun. Die Dialoge sind scheußlich“, brummte er nun schon etwas ruhiger. „So gestelzt redet schließlich kein normaler Mensch.“

„Ich..." Sie zögerte, als sie sah, dass er skeptisch die Augenbrauen hob. „Ich könnte dich abhören?“, bot sie ihm an.

Das veranlasste ihn, noch skeptischer zu schauen. „Was? Was soll das? Du musst dir keine Mühe geben und versuchen, nett zu sein. Dad tut das nicht, also warum du?“

Buffy schickte ein Stoßgebet zum Himmel. „Du bist wirklich der starrköpfigste Junge, den ich kenne. Ich wollte dir helfen und es würde mir Spaß machen. Reicht das? Wenn du es nicht willst, ist es auch kein Problem.“

Seine Augen hatten sich bei ihren Worten verengt. „Es würde dir Spaß machen?“ Er klang noch immer nicht so, als würde er ihr glauben.

Buffy seufzte. „Spike, ich gebe zu, ich kann mir nicht vorstellen, wie du auf einer Bühne aussiehst. Und wer weiß, vielleicht schaue ich mir die Premiere an. Überrasch mich einfach, okay?“

Noch immer zögernd reichte er ihr das schmale Buch und sie strahlte ihn an. „Seite vierzehn", knurrte er dann und sah sie noch einmal scharf an. „Nenn mich nie wieder einen Jungen. Ich bin ein Mann."

Buffy schoss das Blut ins Gesicht, als sich seine Augen in ihre bohrten. „Sicher", murmelte sie und blickte krampfhaft hinab in das Buch, um seinem intensiven Blick auszuweichen. Er ist ein Junge, hämmerte es in ihrem Kopf. Giles‘ Sohn. Ein Junge. Giles‘ Sohn. Dummerweise spürte sie seinen Blick fast körperlich und ihr wurde heiß.

„Fang an“, stieß sie hervor, um sich selbst abzulenken.

Spike lehnte sich amüsiert zurück. Sie sah einfach herrlich aus, wenn die Röte in ihre Wangen schoss und ein Teil der Wut, die ihn befallen hatte, als sie ihn als Jungen bezeichnete, verpuffte.

Er wollte nicht, dass sie in ihm einen kleinen Jungen sah. Egal, ob sie die Frau seines Vaters war oder nicht. In drei Monaten wurde er achtzehn und es verletzte seinen Stolz, als Junge bezeichnet zu werden.

Und die Röte in ihrem Gesicht sagte ihm, dass sie seine Anspielung verstanden hatte. Wenn es seine Worte schafften, sie erröten zu lassen, wusste sie genau, was er mit Mann meinte. Und das war gut so.

Dann schloss er einen Moment die Augen, um sich besser zu konzentrieren, ehe er begann zu sprechen.

 

 T e i l 5

 

Buffy verfolgte seine Worte anhand des Buches und warf ab und zu einen Kommentar ein, wenn er sich versprach oder nicht weiter kam, während sie so für sich feststellte, dass es wirklich eine idiotische Redensweise war.

„Wer spielt eigentlich die Julia? Drusilla?“, fragte sie, als sie zur zweiten Szene des zweiten Aktes blätterte.

Spike lachte auf. „Dru? Um Gottes Willen. Sie würde wahrscheinlich ihre eigenen Texte erfinden. Cordelia Chase spielt Julia. Sie ist mit mir in die Schule gegangen und träumt ebenfalls davon, Schauspielerin zu werden.“ Er grinste schief. „Sie wird es nie. Sie hat kein Talent.“

„Nein?" Buffy klang erstaunt. „Wieso bekommt sie dann eine Hauptrolle?“

„Ihr Vater hat es durchgesetzt. Er besitzt Anteile am Theater“, erklärte Spike. „Machen wir weiter? Vielleicht wäre es besser, wenn du die Rolle der Julia liest? Dann komme ich leichter in meinen Text.“

„Ich verrenke mir bestimmt die Zunge." Buffy starrte in die Zeilen. „Du beginnst. Zweiter Akt. Zweite Szene. Capulets Garten. Romeo erscheint."

Spike/Romeo: „Der Narben lacht, wer Wunden nie gefühlt. Julia erscheint jetzt am Fenster“, fügte er kurz erklärend hinzu. „Doch still, was schimmert durch das Fenster dort? Es ist der Ost, und Julia die Sonne! - Geh auf, du holde Sonn‘! Ertöte Lunen, die neidisch ist und schon vor Grame bleich, dass du viel schöner bist, obwohl ihr dienend. Oh, da sie neidisch ist, so dien ihr nicht! Nur Toren gehn in ihrer blassen, kranken Vestalentracht einher - wirf du sie ab! Sie ist es, meine Göttin, meine Liebe!

Oh wüsste sie, dass sie es ist! - Sie spricht, doch sagt sie nichts - was schadet das? Ihr Auge red‘t, ich will ihm Antwort geben. - Ich bin zu kühn, es redet nicht zu mir. Ein Paar der schönsten Stern‘ am ganzen Himmel Wird ausgesandt und bittet Juliens Augen, in ihren Kreisen unterdes zu funkeln. Doch wären ihre Augen dort, die Sterne in ihrem Antlitz? Würde nicht der Glanz von ihren Wangen jene so beschämen wie Sonnenlicht die Lampe? Würd‘ ihr Aug‘ aus luft‘gen Höhn sich nicht so hell ergießen,

dass Vögel sängen, froh den Tag zu grüßen? O wie sie auf die Hand die Wange lehnt!

Wär‘ ich der Handschuh doch auf dieser Hand und küsste diese Wange!"

Buffy/Julia: „Weh mir! Oh Gott, ist das lächerlich...“

Spike grinste schief, fuhr dann jedoch ungerührt mit seinem Teil des Dialogs fort. Buffy schüttelte immer wieder zwischendurch den Kopf und kicherte, wenn sie sich mit der Aussprache verhaspelte. Ihre Achtung vor Spike wuchs, der seinen Text fast vollständig im Kopf hatte.

Spike jedoch hatte seine helle Freude daran zu beobachten, wie verbissen sich ihre Augen an die Zeilen hefteten, ihre Zunge über ihre Lippen fuhr und sie die Stirn runzelte, als sie sicherlich überlegte, was manche der Sätze ausdrücken sollten.

Es war wirklich einfacher, die Dialoge mit einem Partner zu üben. Cordelia hatte ihn mehrmals darauf angesprochen, doch er wollte mit dem hochnäsigen Biest außerhalb der Bühne nichts zu tun haben. Ganz zu schweigen davon, wie Dru reagiert hätte.

Buffy/Julia: „Nun tausend gute Nacht!"

Spike/Romeo: „Raubst du dein Licht ihr, wird sie bang durchwacht. Wie Knaben aus der Schul‘ eilt Liebe hin zum Lieben, wie Knaben an ihr Buch, wird sie hinweg getrieben."

Buffy/Julia "St! Romeo, st! – Oh, eines Jägers Stimme, den edlen Falken wieder herzulocken! Abhängigkeit ist heiser, wagt nicht laut zu reden, sonst zerspreng‘t ich Echos Kluft Und machte heisrer ihre luft‘ge Kehle, als meine, mit dem Namen Romeo. Gott oh Gott", murmelte sie wieder. „Luft‘ge...ich würde mich totlachen...auf der Bühne...“

Spike beachtete sie nicht. Er hatte die Augen geschlossen, während er seinen Text sprach und sich dabei Mühe gab, auch die Betonungen richtig zu sprechen.

Buffy erwischte sich dabei, wie sie einfach in sein Gesicht starrte, und seiner tiefen Stimme lauschte, während sie sich versuchte vorzustellen, wie er das Ganze auf der Bühne sprach.

Spike/Romeo: „Wär‘ ich dein Vögelchen!"

Buffy kicherte. „Vögelchen?...Tschuldigung... ähm... Ach wärst du's, Lieber! Doch hegt‘ und pflegt‘ ich dich gewiss zu Tod. Nun gute Nacht! So süß ist Trennungswehe, ich rief‘ wohl gute Nacht, bis ich den Morgen sähe."

Spike/Romeo: „Schlaf wohn‘ auf deinem Aug, Fried‘ in der Brust! O wär‘ ich Fried und Schlaf und ruht‘ in solcher Lust! Ich will zur Zell‘ des frommen Vaters gehen, mein Glück ihm sagen und um Hülf‘ ihn flehen."

Buffy schaute hoch. „Du bist doch fast perfekt. Wie oft probt ihr pro Woche?“ Sie sah ihn zum ersten Mal richtig nett lächeln.

Seine so fantastisch blauen Augen schienen noch mehr zu leuchten, es bildeten sich so süße Grübchen, die seine scharfen Wangenknochen noch betonten und Buffy musste ihre Augen gewaltsam von seinem Gesicht losreißen.

„Jetzt vor der Premiere vier Mal pro Woche. Aber meist nur einzelne Szenen, nie das ganze Stück.“

„Willst du weiter machen?“

Er schüttelte den Kopf. „Es reicht für heute. Außerdem will ich weg. Dru wartet nicht gern.“

Buffy lächelte. „Du hast sie gern, nicht wahr?“

„Ich liebe sie", sagte er ernst, nahm das Buch aus ihrer Hand entgegen und stand auf.

Buffys Blick folgte ihm, als er ins Haus ging. Dann seufzte sie, lehnte ihren Kopf zurück gegen die Lehne des Stuhls und schloss die Augen. Da war ein leiser Stich in ihrer Brust, als sie seine Worte hörte und sie dachte traurig, dass das etwas war, was sie sich immer gewünscht hatte.

Sie hatte es in seinen Augen gesehen, er meinte genau, was er sagte. Und sie fragte sich verzweifelt, ob sie jemals das Glück haben würde, einen Mann zu treffen, den sie so lieben konnte und der sie so liebte wie Spike seine Dru.

*******************

„Wow, Buffy!“, quietschte Willow auf, als sie ihrer Freundin durch den Garten folgte. „Mein Gott, das ist ja bombastischer, als ich es mir vorgestellt habe!“

Tara, die wie immer etwas schüchtern neben Willow stand, lächelte ebenfalls. „Es ist wirklich schön. Und du siehst erholt aus, Buffy. Der ganze Stress im Krankenhaus hat dich in letzter Zeit ganz schön mitgenommen."

Buffy nickte verlegen. Tara bekam so etwas immer als erste mit. „Setzt euch. Ich hole Giles und sage Maggie, dass sie den Kaffee am Pool servieren soll."

„Buffy“, flüsterte Willow. „Wo steckt der missratene Sohn?“

Sie zuckte mit den Schultern. „Er wollte verschwinden. Ich habe ihn heute auch noch nicht gesehen."

Es dauerte keine zehn Minuten, ehe sie Giles in den Rollstuhl geholfen hatte. Außergewöhnlich leise Musik aus Spikes Zimmer sagte ihr, dass er doch da war und das wunderte sie etwas.

Ehe sie Giles die Treppe hinunter fahren ließ, klopfte sie an die Tür. „Trinkst du Kaffee mit, Spike?“

„Nein, Julia!“, rief er und klang recht vergnügt.

Giles warf ihr einen eigenartigen Blick zu, als sie zurück kam und sie grinste. „Ich übe mit ihm seine Texte und er lacht sich darüber tot, wie ich den Part der Julia spreche.“

„Julia?“

In diesem Moment fiel ihr ein, dass Giles sicherlich nicht einmal wusste, welche Rolle sein Sohn spielte. „Du solltest ihn wirklich einmal hören, Rupert“, meinte sie leise und schaltete den Rollstuhllift an. „Er spielt den Romeo in Shakespeares Romeo und Julia. Und er macht das gut."

Giles schnaubte sehr verächtlich. „Theater!"

„Ich denke, er hat wirklich Talent und ich werde mir die Premiere ansehen. Vielleicht hast du Lust, mich zu begleiten? Ich könnte dich in der Pause auch wieder nach Hause bringen, falls es dir zu anstrengend wird."

„Ganz sicher nicht! Das würde ihn in seinem Spleen bloß noch bestärken."

Giles klang nicht so, als wäre er noch umzustimmen. „Schade", sagte Buffy jedoch nur ruhig. „Es würde ihn sicherlich freuen." Sie schob den Rollstuhl hinaus zum Pool, wo Maggie schon den Tisch deckte und mit den beiden Frauen schwatzte.

„Hallo, Giles", begrüßte ihn Willow.

Giles lächelte und reichte ihr die Hand. „Willow, nicht wahr?"

Die rothaarige Frau nickte. „Das ist Tara, meine Freundin."

Buffy setzte sich ebenfalls und hörte sich noch einmal Willow Lobeshymnen auf das Haus und den Garten und den Pool und einfach alles an.

Giles schien durch das Gespräch mit den drei Frauen etwas aufzuleben und bekam sogar Farbe im Gesicht. Trotzdem fühlte er sich nach einer Stunde so geschwächt, dass ihn Buffy zurück in sein Zimmer brachte.

Sie hatte gerade leise die Tür geschlossen, als Spike aus seinem Zimmer kam. „Wird dir nicht warm in dem Ledermantel?", stänkerte sie. „Es sind mindestens zwanzig Grad."

„Auf dem Motorrad nicht, Luv", entgegnete er vergnügt, legte plötzlich den Arm um ihre Schultern und flüsterte in ihr Ohr. „Außerdem sieht er toll an mir aus, oder?"

Buffy lachte. „Das alte Ding?"

Spike ließ sie los und lief neben ihr die Treppe hinab. „Dru findet ihn fantastisch und sie findet es noch fantastischer, ihn mir auszuziehen."

„Das kann ich mir vorstellen", murmelte sie vor sich hin und schnappte seine Hand, als er in Richtung Haustür verschwinden wollte. „Vergiss es! Meine Freundinnen möchten dich wenigstens kurz kennen lernen."

„Oh nein", protestierte er und äugte misstrauisch in den Garten. Allerdings beruhigte er sich, als er einen niedlichen Rotschopf und ihre blonde Freundin erblickte. „Naja, wenigstens hast du nicht solche abgedrehten Freunde wie Cordy", brummte er missmutig.

Willows Unterkiefer klappte nach unten, als sie sah, wie Buffy Spike in den Garten schob und warf Buffy eine ´Oh-Mein-Gott-Blick´ zu. Tara hatte sich besser unter Kontrolle und lächelte nur schüchtern.

„Ich habe ihn gerade noch erwischt, ehe er zur Tür hinaus war", grinste Buffy in das verdutzte Gesicht ihrer Freundin. „Willow, das ist Spike. Spike, das sind Willow und ihre Freundin Tara."

„Hi, Red", begrüßte Spike die rothaarige Frau ungeniert und gab auch Tara die Hand. „Hallo. War’s das?", wandte er sich dann an Buffy. „Ich hab’s eilig."

„Spike?", erkundigte sich Willow verblüfft und kicherte. „Ich seh´ schon, warum. Echtes Kunstwerk die Haare. Süß."

Buffy runzelte die Stirn. „Willow!"

Spike jedoch grinste schon wieder sein typisches Spikegrinsen. „Kein Problem, Red. Mir gefallen sie auch. Nett, euch kennen gelernt zu haben."

Er schien es wirklich eilig zu haben. Wer weiß, wie sich diese Dru aufführte, wenn er zu spät kam.

„Ganz unsererseits", säuselte Willow und warf Buffy einen vergnügten Blick zu.

Spike machte mit wehendem Ledermantel kehrt und Buffy ging durch den Kopf, dass er ein ganz schön angeberisches Verhalten an den Tag legte. Sie saß kaum wieder, als Willow auflachte.

„Buffy! Wieso hast du verschwiegen, *wie* toll er aussieht?!"

„Du bist lesbisch, Willow", erklärte sie pikiert. „Außerdem sieht er normal aus. Normal punkisch. Und jung. Sehr jung!"

„Heiß", meinte Willow ungerührt. „Jung und heiß."

„Davon abgesehen, dass er *männlich* ist und dich schon deshalb nicht interessieren sollte… Er hat eine Freundin!"

Willow griff nach Taras Hand und drückte sie mit einem verschmitzten Lächeln. „Er interessierte mich ja auch nicht. Ich habe nur festgestellt, dass er heiß aussieht. Tu doch nicht so, als ob du das nicht festgestellt hast!"

„Er ist zehn Jahre jünger als ich!"

„Na und?"

„Giles’ Sohn! Für den ich die Verantwortung trage!"

„Du sollst ihn ja auch nicht flach legen…"

„Das habe ich auch nicht vor!", fuhr Buffy auf.

„Aber er ist doch der richtige Stoff für ein paar heiße, schmutzige Fantasien…"

Buffy lief feuerrot an. „Willow! So kenne ich dich gar nicht!" Das war eine Lüge, denn Buffy wusste genau, wie sehr Willow es liebte, andere durch ihre manchmal recht zweideutigen oder eindeutigen Bemerkungen durcheinander zu bringen. Manchmal fand Buffy das amüsant. Heute allerdings hätte sie ihr am liebsten einen Knebel verpasst.

Willow dagegen lachte auf. „Ich konnte mich schon immer für schöne Körper begeistern. Auch für schöne Männerkörper. Buffy, du weißt genau, dass dein Leben im Moment – ich meine damit seit diesem Idioten Riley – sexuell etwas armselig ist. Ich meine damit - Es existiert keins! Ja, ja", winkte sie ab. „Im Augenblick steht dir weder der Sinn danach, noch kannst du Giles so etwas antun, wenn der Rest dieses Örtchens tatsächlich glaubt, du wärst seine Frau. Darüber hast du nicht nachgedacht, als du dich zu dieser Hochzeit hast überreden lassen, nicht wahr? An deine eigenen Bedürfnisse? Was ist, wenn du plötzlich den Mann deiner Träume triffst, Mrs. Giles?"

Buffy rutschte unbehaglich auf ihrem Stuhl hin und her. „Ich habe absolut kein Bedürfnis, ein viertes Mal einen solchen Mist zu machen", murmelte sie. „Wahrscheinlich trage ich ein Schild auf der Brust -Psychopathen, her mit euch. Nein, Willow, ich bin froh, dass ich mich hier einfach ein wenig entspannen kann."

Willow grinste schelmisch. „Dagegen hat niemand etwas. Aber wenn du hinter deiner verschlossenen Schlafzimmertür ein paar schmutzige Phantasien auslebst, stört das niemanden."

Tara stieß sie an, als Buffy wieder rot wurde. „Hör auf. Buffy ist froh, dass er jetzt mit ihr redet und es wäre wirklich nicht richtig, sich darüber auszulassen, wie toll er aussieht. Am Ende merkt er es noch und das wäre tatsächlich sehr peinlich."

„Ich habe von einer kleinen, schmutzigen Fantasie geredet." Willow verdrehte die Augen. „Und nicht davon, dass sie ihn anhimmelt."

„Könntet ihr jetzt aufhören, von Spike zu sprechen", schimpfte Buffy böse. „Ich hätte ihn euch nie vorgestellt, wenn ich das gewusst hatte. Wenn ich in ihm auch vielleicht keinen Sohn sehe, so ist er doch etwas wie ein Bruder für mich."

„Bruder?!", prustete Willow los. „Okay, Buffy, lassen wir das Thema „blond, gebleichter, heißer Traum" fallen. Was gibt es sonst Neues? Wie geht es dir?"

Die drei Frauen vertieften sich in andere Gespräche.

Buffy versuchte, sich nicht anmerken zu lassen, wie sehr sie Willows Bemerkungen ausgewühlt hatten.

Aber wenn sie sich selbst gegenüber ehrlich war, musste sie zugeben, dass sie sehr wohl registrierte, wie Spike aussah. Sie sah ihn gern an, freute sich, wenn er lächelte und manchmal folgten ihm ihre Augen wie von selbst und gegen ihren Willen, wenn er den Raum verließ.

Natürlich durfte er das nicht bemerken. Schließlich war das ganz harmlos, mehr so als würde man ein schönes Bild ansehen… Na ja, zumindest etwas in der Art.

Es war auch nicht so, dass sie oft an ihn dachte oder von ihm in der Art träumte, die Willow beschrieben hatte.

Allein bei dem Gedanken daran hätte sie sich selbst nicht mehr in die Augen sehen können und es wäre ihr wie ein Verrat an Giles erschienen. Als Rupert auf die Idee kam, ihr seinen Sohn anzuvertrauen, hatte er dabei garantiert nicht an eine intime Art und Weise gedacht.

Aber sie begann, ihn zu mögen. Ihr begann, wichtig zu werden, was er von ihr dachte und sie erwischte sich dabei, dass sie beim Aussuchen ihrer Sachen darüber nachdachte, ob ihm gefallen könnte, was sie trug. Reagierte ein unbewusster Teil von ihr auf die sexuelle Energie, die ihn zweifellos umgab?

In Gedanken versunken lauschte sie Willows Worten und etwas in ihrem Körper zog sich zusammen.

Sie sollte schleunigst aufhören, genauer über Willows Fantasien und die Bilder, die sie herauf beschwor, nachzudenken.

**************

„Hi Spike!" Xander stieß ihn von der Seite an, ehe er sich neben ihn an die Bar lehnte. „Hi Dru", grüßte er in Richtung der dunkelhaarigen Frau, die an seinem Freund lehnte, und mit einem recht geistesabwesenden Gesichtsausdruck die tanzende Menge im Bronze, beobachtete.

„Wie geht’s, Xan?" Spike grinste, als er sah, dass Xander heute auf sein gewöhnliches Outfit, das sich sonst kaum von dem seinem unterschied, verzichtete hatte. Er schaute wie einer der gewöhnlichen jungen Männer aus, Jeans, ein graues Shirt und die brauen Haare einfach mit etwas Gel gebändigt.

„Sie ist hier", flüsterte Xander verschwörerisch und deutete mit den Augen in Richtung Tanzfläche. „Komm schon, du hast es versprochen. Stell mich ihr vor."

„Du siehst Scheiße normal aus, Xan." Spike ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. „Wie ein kleines Hundebaby, lieb und brav..."

Xanders Augen verengten sich. „Mir ist deine Meinung schnurzpiepegal!" Sein Blick wanderte zurück zur Tanzfläche. „Sie sieht aus wie ein fleischgewordener Traum."

„Sie ist eine blöde Ziege." Drusilla kicherte bei Spikes Bemerkung und er presste kurz seine Lippen gegen ihren Hals, als sie aufreizend ihren Hintern an ihm rieb. „Sie wird dich nie eines Blickes würdigen, Welpe!"

„Hast du Karten für mich reserviert?", nervte Xander weiter.

„Ja doch. Erste Reihe. Du wirst neben meiner Stiefmama und ihren beiden Freundinnen sitzen. Sie wollte auch partout welche."

Xander verzog das Gesicht. „Das ist nicht dein Ernst! Ich habe keine Lust, den ganzen Abend dem Geschwätz von alten Weibsbildern zu lauschen. Ich will Cordy anhimmeln."

Drusilla drehte sich um. „Diese Buffy will dich im Theater sehen?", fragte sie misstrauisch.

„Möchtest du auch eine Karte, Luv?", erkundigte er sich sanft, legte einen Arm um ihren Hals und zog sie an sich.

Sie verzog den Mund zu einem Schmollen. „Ich will nicht sehen, wie du diese Pute küsst."

Spike lachte und küsste sie auf ihren herrlichen Mund. Er liebte ihre Lippen, wenn sie sie so schmollend verzog. „Ich hätte auch lieber eine andere Partnerin. Eine, die mehr Talent hat. Selbst Buffy spricht den Text der Julia besser und sie liest nur ab."

„Wieso liest Buffy den Text der Julia!?", giftete Drusilla jetzt regelrecht aggressiv und mit funkelnden Augen.

Spike hätte sich am liebsten selbst geohrfeigt. „Sie übt mit mir...", brachte er schwach hervor.

„Wow", mischte sich Xander ein. „Deine Stiefmutter übt die Texte mit dir? Ich denke, dein Vater hasst das Theater."

„Küsst du sie auch?!", fauchte Drusilla.

„Nein!" Spike sah sein Freundin entsetzt an. „Sie liest einfach nur, damit ich im Textfluss bleibe!"

„Was ist mit dir los, Spike?" Drusilla stemmte ihre Hände in die Hüften und ihre Augen verengten sich zu katzenhaften Schlitzen. „Erst lässt du dich von ihr verprügeln und fängst an, davon zu schwärmen, wie toll sie kämpfen kann..." Xander schnappte neben ihm nach Luft und sah Spike mit großen Augen an. „Jetzt liest sie deine Texte! Wie soll das weiter gehen? Mutierst du zum Mamasöhnchen?"

„Dru, Luv...", begann er zerknirscht und versuchte, sie an sich zu ziehen.

Drusillas Augen verschleierten sich wie immer, wenn sie kurz etwas wegdriftete. Ihre Augen wanderten zur Decke und sie sank gegen seinen Körper. „Sie schleimt sich bei dir ein", flüsterte sie versonnen.

„Das stimmt nicht", widersprach er und strich ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht.

„Sie drängt sich in deine Gedanken, mein Spike...sie vergiftet sie..." Tränen traten in ihre grünen Augen und Spike küsste sie schnell, ehe sie anfing zu weinen.

„Nein, Luv. Außer dir gibt es keine Frau, die mich interessiert. Und schon gar nicht meine Stiefmutter", redete er auf sie ein. „Sie will bloß freundlich sein, damit sich mein Dad nicht aufregt."

„Die Sterne sagen es mir", säuselte Drusilla unverdrossen weiter und Xander warf Spike einen bezeichnenden Blick zu, den dieser ignorierte. „Du entfernst dich von mir..."

„Dru, das ist lächerlich!", stieß er jetzt wütend hervor. „Hör jetzt auf mit dem Theater." Das war vollkommen falsch, denn Drusilla jammerte auf.

„Du hast mich noch nie so angefahren..."

Er schlang seine Arme um sie und war froh, dass sie sich nicht los riss, sondern sich an ihn schmiegte. „Es tut mir leid, Dru. Ich wollte dich nicht anschreien. Ich liebe dich. Hörst du?"

Sie antwortete nicht, doch das bedeutete bei ihr nicht viel, weil sie sicherlich schon wieder in ihren eigenen Träumen schwebte. Spike seufzte, als er seinen Kopf gegen ihre Haare lehnte und war froh, dass sie nicht einfach zur Tür hinaus stürzte und er wieder einmal Stunden damit zubringen musste, sie irgendwo in dem dunklen Park wieder zu finden. Manchmal war es schwer, mit ihren sprunghaften Launen und Stimmungswechseln umzugehen.

„Was ist jetzt?", bohrte Xander von der Seite. „Machst du mich endlich mit Cordy bekannt?"

  

 T e i l   6

 

Buffy/Julia: „Willst du schon gehn? Der Tag ist ja noch fern. Es war die Nachtigall und nicht die Lerche, die eben jetzt dein banges Ohr durchdrang; sie singt des Nachts auf dem Granatbaum dort. Glaub, Lieber, mir, es war die Nachtigall."

Spike/Romeo: „Die Lerche war’s, die Tagverkünderin, nicht Philomele; sieh den neid’schen Streif, der dort im Ost der Frühe Wolken säumt. Die Nacht hat ihre Kerzen ausgebrannt..."

Buffy sah hoch, als er nicht weiter sprach, runzelte kurz die Stirn und half. „...der muntre Tag erklimmt die dunst’gen Höhn; nur Eile rettet mich, Verzug ist Tod."

„Richtig", murmelte Spike geistesabwesend. „...der muntre Tag erklimmt die dunst’gen Höhn; nur Eile rettet mich, Verzug ist Tod."

Buffy/Julia: „Trau mir, das Licht ist nicht des Tages Licht, Die Sonne hauchte dieses Luftbild aus, dein Fackelträger diese Nacht zu sein, dir auf dem Weg nach Mantua zu leuchten. Drum bleibe noch - zu gehn’ ist noch nicht Not."

Spike/Romeo: „Lass sie mich greifen, ja, lass sie mich töten! Ich gebe gern mich drein, wenn du es willst...wenn du willst..." Er verstummte wieder.

„Was ist denn heute mit dir los?", fragte Buffy erstaunt. „Das ist eine Liebesszene – du liegst mit Julia im Bett und, hey, romantischer Morgen danach! Du solltest schon etwas enthusiastischer klingen. Die Premiere ist in vierzehn Tagen und du fängst an, den Text wieder zu vergessen?"

Er sah sie müde an. „Ich hasse Cordy. Ich werde genau so dämlich spielen wie sie", knurrte er mürrisch.

Buffy musste über seinen griesgrämigen Gesichtsausdruck schmunzeln. „So schnell hasst man niemanden. Will sie mit dir auch nicht spielen?"

„Nein", brummte er nur. „Lass uns weiter machen."

„Wenn du so schlecht gelaunt bist, hat es keinen Sinn. Vielleicht solltest du einfach mal abschalten", schlug sie freundlich vor. „Ist etwas passiert?"

„Nein."

Seine Antwort kam viel zu schnell und diesmal hob Buffy fragend ihre Augenbrauen. Allerdings wusste sie mittlerweile, dass man ihn nicht drängen durfte. Je mehr man ihn nervte, umso sturer wurde er. Deshalb wartete sie jetzt einfach ruhig ab, ob er noch etwas sagen wollte.

Es dauerte eine ganze Weile, doch dann hörte sie seine Stimme. „Wir waren gestern im Bronze."

Buffy wusste, dass das Bronze eine Disko war und ein recht bekannter Platz unter den jungen Menschen in Spikes Alter. Gott, bin ich wirklich so alt, ging es ihr kurz durch den Kopf, als ihr auffiel, wie sie klang, ehe sie die Gedanken abschüttelte und fragte: „Wir?"

„Dru, ich und...Xander. Ist ein Kumpel von mir."

„Aha", machte Buffy nur und wartete geduldig weiter. Nur gut, dass Geduld eine ihrer Stärken war.

„Xander steht auf Cordy", sagte er dann mürrisch. „Wollte unbedingt, dass ich ihn mit ihr bekannt mache. Ich wusste gleich, dass es eine blöde Idee ist. Sie ist die hochnäsigste Pute, die ich kenne..."

„Was hat sie gemacht?", fragte Buffy ruhig.

Spike schnaubte hart auf. „Sie hat ihn ausgelacht, als er anfing, herum zu stottern und vor lauter Schüchternheit kein Wort hervor gebracht hat. Und ihre zickischen Freundinnen haben mitgelacht." Seine Hand gestikulierte in der Luft. „Ich soll einen Romeo spielen, der in sie verliebt ist. Und dabei würde ich ihr lieber den Hals umdrehen. Xander standen die Tränen in den Augen, als er zur Tür hinaus gestürzt ist!"

„Das war wirklich nicht...nett." Buffy nickte und sah ihn mitfühlend an. „Aber das ist kein Grund, die Rolle nicht spielen zu können. Das ist es, was einen guten Schauspieler ausmacht, Spike. Er kann seine Rolle trotzdem spielen. Und ich weiß, dass du das schaffst."

„Ich will aber nicht", brummte er störrisch. „Sollen sie die zweite Besetzung nehmen oder Julia ersetzen."

„Sag das nicht!", fuhr sie ihn an. „Du hast so viel Zeit in die Rolle investiert und machst das toll. Jedenfalls soweit ich das beurteilen kann. Sich von einer Hauptrolle vertreiben zu lassen, nur weil du einen anderen Schauspieler nicht magst, ist einfach dumm!"

„Was weißt du schon!", fauchte er, knallte das Buch auf den Fußboden und sprang auf. „Ich kann es nicht! Ich kann sie nicht leiden, ich bin sauer auf sie und ich will keinen Mann spielen, der in sie verknallt ist!"

Buffy verfolgte seinen Ausbruch verblüfft. Dann lächelte sie amüsiert. „Ich hätte dich für stärker gehalten."

Er fluchte auf, knurrte etwas Unflätiges zwischen den Zähnen hindurch und stürzte dann in Richtung Haus. Erst nachdem er die Tür seines Zimmers lautstark hinter sich zugeknallt hatte, wurde er etwas ruhiger und lehnte sich gegen das Holz.

Buffy hatte Recht, so ungern er es auch zugab. Es wäre wirklich dumm und vielleicht war es das, was Cordelia wollte – einen anderen Romeo.

Mit schmalen Augen durchsuchte er seinen Ledermantel, der an der Tür hing, nach dem zerknautschten Päckchen Zigaretten und nahm sie mit auf den Balkon. Er starrte in den blauen Himmel, während er den Rauch inhalierte.

Ich hätte dich für stärker gehalten.

Er hatte ihr Grinsen genau gesehen und ahnte, dass ihr die Herausforderung in ihren Worten wohl bewusst war. Allerdings verflüchtigte sich auch sein Zorn mit jedem Zug an der Zigarette und je länger er über Buffys Worte nachdachte, umso mehr stieg Entschlossenheit in ihm hoch.

Das wäre ja gelacht. Er würde spielen!

*****************

Die Premiere kam unaufhaltsam näher. Wenn Spike nicht im Theater war, übte er den Text mit Buffy.

Er vernachlässigte sogar seine Stunden mit ihr zusammen im Trainingsraum, um wieder und wieder den Text zu lesen.

Als es nur noch sieben Tage waren, verlangte er, sie müsse jetzt mitspielen, weil er die Gestik genauso üben musste.

Buffy weigerte sich strikt, behauptete, sie hätte null Talent und würde überhaupt nichts in dieser Art in ihrem Garten tun.

Es folgte eine Diskussion, wie sie sie lange nicht hatten, an deren Ende diesmal Buffy nachgab, aber seufzend erklärte, es sähe sowieso lächerlich aus, wenn sie mit dem Buch in der Hand die Julia sprach und sie würde ihn auf gar keinen Fall küssen.

„Nein!", hatte Spike schnell erklärt und fast erschrocken ausgesehen.

Es versetzte Buffy einen Stich, dass er *so* erschrocken aussah, aber sie war froh darüber, dass er sich darauf einließ. So verbrachte sie den ganzen Nachmittag damit, eine sicherlich fürchterliche Julia zu spielen.

Obwohl sich Spike immer und überall über sie lustig machte, sobald ihr ein Missgeschick passierte, ging er, wenn sie probten, nie darauf ein, obwohl Buffy ahnte, dass sie absolut kein schauspielerisches Talent besaß. Vielleicht war ihm vollkommen klar, dass er seine Hilfe ganz schnell wieder verlieren könnte.

Am diesem Abend allerdings verschwand er, murmelte etwas davon, dass er heute unbedingt Dru sehen müsse und er schon ein schlechtes Gewissen habe, weil er am gestrigen Tag einfach nur müde in sein Bett gefallen war.

Buffy packte lächelnd die Bücher zusammen, aß zusammen mit Giles zu Abend und sah sich gemütlich einen Film an, nachdem sie Giles wieder in sein Bett gebracht hatte.

Es fiel ihr schwer, dem schwächer werdenden Giles gegenüber fröhlich und lebenslustig zu bleiben. An manchen Tagen waren die Kopfschmerzen so schlimm, dass er das Bett gar nicht verließ und im Dunkeln vor sich hin dämmerte.

An diesen Tagen ertrug er es nicht einmal, wenn jemand in sein Zimmer kam, um einfach ein wenig mit ihm zu reden, weil jedes Geräusch Schmerzen verursachte. Manchmal redete er wirr, wahrscheinlich wenn der Tumor auf bestimmte Bereiche des Sprachzentrums drückte und manchmal, aber diese Momente wurden immer seltener, war er wieder hellwach und redete mit ihr oder seinem Sohn als wäre er gar nicht krank.

Es war spät, als Buffy ins Bett ging. Ein leiser Blick in Giles’ Zimmer sagte ihr, dass der Mann friedlich schlief und sie schloss beruhigt ihre Tür hinter sich.

Mitten in der Nacht fuhr sie hoch, weil es im Haus laut schepperte. Ihr Herz schlug bis zum Hals, als sie aufsprang, sich schnell einen Morgenmantel überzog und aus ihrem Zimmer huschte. Das Haus war so überwacht, dass sie eigentlich kaum mit Einbrechern rechnen musste, aber trotzdem bildete sich ein mulmiges Gefühl in ihrem Magen.

Ein kurzer Blick in Giles’ Zimmer beruhigte sie. Giles schlief dank der Schmerzmittel wahrscheinlich recht tief.

Zögernd schlich sie die Treppe hinab, warf kurz einen Blick in das dunkle Wohnzimmer und sah dann den Lichtschein in der Küche. Ihr Körper befand sich in einem Alarmzustand, jeder Muskel, jeder Sinn war gespannt und wartete nur darauf zu reagieren. Vorsichtig öffnete sie die Küchentür.

Und stieß einen erschrockenen Schrei aus.

Spike saß am Tisch, den Kopf in seinen Händen vergraben. Das war vielleicht an sich nichts ungewöhnliches, nicht einmal, dass er den Ledermantel noch trug. Aber Buffy sah das viele Blut auf dem Tisch und an seinen Händen und stürzte in die Küche.

„Spike! Was ist passiert?!", schrie sie entsetzt. Er reagierte nicht, sondern sein Kopf sank auf seine Arme. „Hattest du einen Unfall? Bist du …?" Sie griff fast panisch nach seinem Arm, doch als er den Kopf hob, blieb ihr der Rest des Satzes in der Kehle stecken.

Er musste sich geprügelt haben. Seine Lippe war aufgeplatzt, genau so wie seine rechte Augenbraue. Ein Kratzer zog sich über seine linke Wange.

Buffy sah Abschürfungen an der Stirn und dem Kinn und sein Jochbein wies eine bläuliche Verfärbung auf. Er schien sich nicht einmal gewaschen zu haben und sie hatte keine Ahnung, ob das Blut in seinem Gesicht nur von ihm oder auch von der anderen Person stammte, die für den Zustand seines Gesichtes verantwortlich war.

Schlimmer aber als der Zustand seines Gesichtes war ein Blick in seine Augen, denn in ihnen stand die nackte Verzweiflung.

„Was ist passiert?", flüsterte sie erstickt.

Er antwortete nicht, sah sie einfach nur weiter verzweifelt an.

Die geschulte Krankenschwester übernahm die Kontrolle über ihren Körper. Sie hatte schon schlimmere Verletzungen gesehen und zwang sich gewaltsam, an das nächstliegende zu denken - Reinigen und Desinfizieren der Wunden.

„Bleib sitzen." Als ob er aussah, dass er aufstehen wollte… Sie stürzte zurück ins Bad, schnappte sich die Desinfektionslösung und Mullkompressen und rannte zurück in die Küche.

Spike hatte sich natürlich nicht weg bewegt. Sein Kopf war wieder auf seine Arme gesunken und sie nahm an, dass er den Rest der Nacht hier verbracht hätte, wenn sie das Scheppern nicht gehört hätte.

Apropos Scheppern. Ihre Augen fingen Glasscherben neben dem Tisch ein. Entweder absichtlich oder unabsichtlich hatte er sein Glas vom Tisch gestoßen.

„Sieh mich an, Spike", bat sie leise. Er reagierte wieder nicht und sie berührte sanft seinen Kopf.

„Lass mich in Ruhe", nuschelte er undeutlich, ohne den Kopf zu heben.

„Sieh mich an", sagte sie wieder. „Ich muss wissen, wie schlimm die Verletzungen sind."

Spike sah hoch und in seinem Blick lag eine Verletzlichkeit, die sie an ihm nicht kannte. Aber er rührte sich nicht, als sie vorsichtig die Verletzungen abtupfte und das Blut aus seinem Gesicht wusch. Sie roch auch, dass er nicht nüchtern war und hoffte, er hatte für den Heimweg auf sein Motorrad oder das Auto verzichtet.

Sie gab ihm Zeit, sich selbst zu fangen und konzentrierte sich gewissenhaft auf ihre Aufgabe. Seine Lippe würde morgen geschwollen sein und die Verletzung über dem Auge blutete noch immer leicht, war aber nicht so schlimm, dass sie genäht werden musste. Trotz allem sahen die Verletzungen, nachdem sie gereinigt waren, nicht mehr ganz so schlimm aus wie sie zuerst gedacht hatte

„Nun", versuchte sie zu scherzen. „Eine Weile werden dich die Mädchen nicht mehr so sehr anhimmeln..."

Es war das Falscheste, was sie hätte sagen können. Er schluchzte auf und das erschreckte sie mehr als alles andere. Als sie die Tränen in seinen Augen sah, dachte sie nicht mehr weiter nach, sondern fiel auf den Stuhl neben ihm und zog ihn in ihre Arme.

Wahrscheinlich war er mit den Nerven am Ende, denn er schlang seine Arme um sie, vergrub sein Gesicht an ihrem Hals und fing an zu weinen.

Buffy verschwendete keinen Gedanken daran, dass er ihren dünnen Morgenmantel mit dem Blut an seiner Kleidung ruinierte. Dass der coole, so selbstsichere Spike plötzlich weinend an ihr klammerte, machte ihr Angst. Zaghaft strich sie über seinen Rücken.

„Was ist passiert?", fragte sie wieder leise.

„Dru...", schluchzte er nur.

„Ist sie...verletzt?" War er am Ende in einen Unfall verwickelt?

Er schüttelte den Kopf und sie war froh, dass er nicht mehr weinte, wenn er sie auch nicht los ließ.

„Was ist mit ihr?", erkundigte sie sich flüsternd, während sich ihre Hand um seinen Hals legte und sie ihm beruhigend durch die Haare in seinem Nacken fuhr. Seine Frisur war ebenfalls recht zerstört, aber das schien sein geringstes Problem zu sein.

Spike schniefte an ihrem Hals. „Sie ist weg", murmelte er dann verzweifelt und mit schwerer Zunge.

Sie nahm an, dass Dru Schluss gemacht hatte. Das erklärte jedoch nicht die Verletzungen in seinem Gesicht. „Du hast sie nicht...geschlagen, oder?", fragte sie erschrocken.

Sein Kopf schoss hoch und er schaute sie entsetzt an. „Nein! Ich würde sie niemals...", stieß er hervor und Buffy sah neue Tränen in seinen Augen. „Warum hat sie mich verlassen?", jammerte er.

Sie zog ihn wieder an sich. „Ich weiß nicht, Spike."

„Ich liebe sie", schluchzte er weiter. „Wieso tut sie das?"

Buffy wusste nicht, was sie machen sollte. Er sah auch nicht so aus, als wäre er für banale Kommentare empfänglich, sondern schien einfach nur weinen zu wollen. Da sie wenig über die Beziehung wusste, konnte sie sich auch kein Urteil erlauben. „Mit wem hast du dich geprügelt?", versuchte sie ihn abzulenken.

„Mit dem Scheißkerl, mit dem sie aufgekreuzt ist", knurrte er plötzlich aggressiv.

Oh je. Sie kam gleich mit einem anderen. Das war hart. Liebeskummer war immer hart und so herzlos einfach abserviert zu werden, das musste man erst einmal wegstecken. „Das tut mir leid, Spike", sagte sie leise und es stimmte. „Aber ihn zu verprügeln, war bestimmt auch nicht...ähm...klug. Ist er verletzt?"

„Mehr als ich", brummte er mit einem Hauch von Stolz in der Stimme.

Buffy musste gegen ihren Willen lächeln. „Weißt du was, Spike? Du solltest jetzt schlafen gehen. Morgen sieht die Welt wieder ganz anders aus."

„Ich will ohne Dru nicht mehr leben", jammerte er trotzdem weiter.

„Das will ich nicht hören", schimpfte sie, wollte aufstehen und ihn mit hochziehen, doch er klammerte sich an ihr fest, als wolle er sie nie wieder loslassen.

„Komm, Spike, du musst aus den schmutzigen Sachen raus", versuchte sie, zu ihm durchzudringen. „Hier ist überall Blut. Wir müssen Ordnung machen, ehe Maggie morgen kommt oder dein Vater etwas sieht."

Eigentlich hätte sie sich denken können, dass er im Moment für logische Argumente völlig unempfindlich war. Alkohol kombiniert mit Liebeskummer war eine scheußliche Mischung.

„Sie liebt mich doch auch", schluchzte er wieder. „Warum tut sie mir das an?"

Auf solche Fragen gab es einfach keine Antwort. Buffy strich durch seine Haare und versuchte, ihn zu beruhigen. „Vielleicht sieht sie morgen die Sache auch anders", sagte sie leise. „Ihr könnt noch einmal miteinander reden... euch aussprechen..."

„Sie hat gesagt, ich liebe sie nicht", weinte er unvermindert weiter. „Aber das stimmt nicht...wie kann sie so etwas sagen. Sie ist..." Seine Stimme brach ab.

„Wie kommt sie denn auf so etwas?", wunderte sich Buffy.

Er schniefte und hob den Kopf. „Ich weiß nicht..."

Er tat ihr leid. Sie hatte noch nie einen so traurigen und verzweifelten Blick gesehen. Buffy hob ihre Hand und strich ihm sanft über die verletzte Wange. „Rede noch einmal mit ihr. Morgen. Bestimmt ist es ein Missverständnis."

„Sie redet mit den Sternen..." Seine Stimme klang wie aus weiter Ferne. „Die Sterne haben es ihr gesagt...Sie hört darauf..."

Diese Dru schien ein wenig verrückt zu sein. Doch Buffy war weit davon entfernt, sich das anmerken zu lassen. „Vielleicht sagen die Sterne morgen etwas ganz anderes", versuchte sie ihn aufzumuntern.

Er schüttelte den Kopf, schien aber etwas ruhiger zu werden.

„Hast du noch mehr abbekommen?", fragte sie vorsichtig. „Tut dir etwas weh? Am Körper?"

Er schüttelte wieder den Kopf. Wortlos.

„Komm, ich helfe dir aus dem Mantel und dann gehst du ins Bett. Schlaf hilft immer ein wenig über Liebeskummer hinweg." Sie stand auf und diesmal gaben seine Hände sie frei. Er ließ sogar widerstandslos geschehen, dass sie ihm den Ledermantel von den Schultern zog und über den Küchenstuhl hängte.

„Ich will sie wieder haben", murmelte er hilflos.

Buffy lächelte aufmunternd. „Das wirst du. Ganz bestimmt. Auf jetzt und ab ins Bett."

Ein gequältes Lächeln verzog sein malträtiertes Gesicht. „Bringst du mich ins Bett, Mom?"

Sie lachte und stieß ihm spielerisch die Hand gegen die Stirn. „Wenn du schon wieder scherzen kannst, scheint es dir besser zu gehen. Und ich denke, du bist alt genug, um dein Bett selbst zu finden, oder? Hast du nicht mal gesagt, du wärst ein erwachsener Mann?"

„Hm", machte er nur und stand schwankend auf.

„Shit!" Buffy fuhr sich durch die Haare, als sie den Rest seiner blutverschmierten Kleidung sah. „Du hast ihn doch nicht umgebracht?"

„Nein." Er sah etwas betreten an seinem Körper abwärts.

„Die Sachen können wir gleich wegwerfen", murmelte sie leise. „Schmeiß sie einfach vor deine Tür, ich räume dann alles noch weg, wenn ich hier sauber gemacht habe", setzte sie dann hinzu. „Am besten wäre natürlich, du duschst noch, aber du siehst nicht so aus, als würdest du das noch schaffen."

„Hilfst du mir?" Ein Hauch seines berühmten Grinsens war wieder da.

„G-ganz b-bestimmt nicht", stotterte sie, viel zu überrascht, um über eine schlagfertige Antwort nachzudenken und schnappte sich schnell einen Lappen. „Zieh einfach die Sachen aus und geh ins Bett!"

Besser war, sich abzulenken und nicht darüber nachzudenken, wie es wäre, ihm unter die Dusche zu helfen. Wie eine Besessene schrubbte sie über den Tisch, als sie es hinter sich rascheln hörte. Aus den Augenwinkeln sah sie sein blutverschmiertes Shirt auf den Boden fallen und fuhr herum.

„NICHT HIER!", kreischte sie erschrocken und starrte auf seinen nackten Oberkörper. Ich klinge bestimmt wie eine hysterische Jungfer. „Spike, geh in den Zimmer!"

Seine Finger waren schon dabei, seine Hose zu öffnen und er sah recht benommen hoch. „Hast du nicht gesagt, ich soll..."

Oh Gott! Es reichte, seinen nackten Oberkörper zu sehen, um Willows blöde Fantasien aufleben zu lassen. Warum zum Teufel musste er auch so viel trainieren. Und dieser Waschbrettbauch... Zum Glück bemerkte er ihre Verlegenheit nicht, sondern sah sie nur reichlich konfus an.

Sein verdutzter Blick, zusammen mit dem Wirrwarr auf seinem Kopf, schickte ein Lächeln auf ihre Lippen. Sie machte einen Schritt auf ihn zu, drehte ihn um und schob ihn aus der Küche.

„Ins Bett", kommandierte sie und ignorierte, wie sich seine Muskeln unter ihren Fingern anfühlten. Es war schlimm genug, dass sie es registrierte.

„Ja, Mom", griente er breit.

„Nenn mich nicht Mom", knurrte sie und wusste selbst nicht, warum es sie störte. Böses Unterbewusstsein!

„Okay, Luv..."

Das war auch nicht viel besser, aber dabei wollte sie es belassen. „Schlaf gut, Spike."

„‘Nacht, Luv."

Ihr Blick folgte ihm, als er die Treppe zu seinem Zimmer hinauf stolperte und sie hoffte, er würde nicht so viel Krach machen, dass er seinen Vater weckte.

Sie seufzte, als seine Tür ins Schloss fiel und ging zurück in die Küche. Es dauerte eine Viertelstunde, bis sie alles aufgewischt hatte. Seinen Ledermantel ließ sie hängen, aber sein Shirt wanderte in den Müll.

Ihr eigener Morgenmantel wies genau solche Blutflecke auf wie sein Shirt und sie verschwand noch einmal seufzend im Bad, um ihn einzuweichen. Die gründliche Reinigung konnte bis morgen warten.

Ein Blick zu Spikes Tür ließ sie noch einmal aufstöhnen. Natürlich lag seine Hose nicht davor und sie spielte einen Moment mit dem Gedanken, das blutverschmierte Ding einfach in seinem Zimmer liegen zu lassen. Doch dann sagte sie sich, dass sie die Verantwortung für ihn ruhig ein wenig ernster nehmen konnte und klopfte leise.

„Spike? Wo ist deine Hose?" Es erfolgte keine Antwort und sie fluchte leise. Vorsichtig öffnete sie die Tür und steckte den Kopf hinein. „Spike?"

Sie hatte sein Zimmer noch nie betreten und stellte jetzt neugierig fest, dass es fast genau so groß war wie ihr eigenes. Sein Bett, ein Doppelbett genau wie in ihrem, stand an der linken Wand und in dem diffusen Licht des Mondes, der zur Balkontür herein schien, erkannte sie seine Gestalt in dem Bett.

„Spike?"

„Häh?" Sein Kopf fuhr hoch und er starrte benommen in die Dunkelheit.

Buffy fluchte, als sich ihre Augen an das wenige Licht gewöhnt hatten und sie erkannte, dass er seine Hose noch trug. „Du bist ein Schwein, Spike!", schimpfte sie und stürzte ins Zimmer. „Wie kannst du dich mit der Hose in das Bett legen. Steh sofort auf!"

„Was?" Seine Augen wanderten seinen Körper hinab. „Muss wohl eingeschlafen sein", nuschelte er undeutlich.

„Das sehe ich!", fuhr sie ihn an. „Zieh sofort die Hose aus!"

„Jetzt?" Er fiel zurück auf das Bett, rollte sich zusammen und drehte ihr den Rücken zu.

„Womit habe ich das verdient?", fragte sich Buffy selbst. Sie schüttelte ihn an der Schulter. „Spike!"

„Geh weg!", knurrte er missmutig.

„Gib mir die Hose und du hast Ruhe."

„Verflucht", brummte er. „Nervtötende Weibsbilder..."

Buffy musste sich das Lachen verkneifen. Er rollte auf den Rücken und griff nach den Knöpfen seiner Hose. Sie stand schnell auf und drehte ihm den Rücken zu.

„Schüchtern geworden, Luv?", erkundigte er sich anzüglich und komischerweise gar nicht mehr so betrunken.

Sie reagierte nicht, hörte ihn nur hinter sich rascheln und fluchen, als er die Hose seine Beine hinab quälte. Ein wenig Schadenfreude fühlte sie schon. Warum trug er auch so enge Hosen? Dann flog die Hose gegen ihren Rücken und sie fuhr überrascht herum.

Das hätte sie mal besser lassen sollen.

„Spike!", quieke sie erschrocken auf, als ihr Blick auf seinen jetzt splitterfasernackten Körper fiel. Wieso trug er keine Unterwäsche?! Dummerweise schaffte sie es nicht, ihre Augen abzuwenden, weil eine unerklärbare Erstarrung sie daran hinderte.

„Was?", nuschelte er undeutlich, drehte ihr wieder den Rücken zu und rollte sich zusammen.

Scheiße! Buffy sank hektisch auf die Knie, schnappte seine Hose und stürzte aus seinem Zimmer, als wären hundert Teufel hinter ihr her.

 

T e i l 7

 

Buffy fand am nächsten Morgen wenig Zeit, sich Gedanken um einen mit Liebeskummer kämpfenden Spike zu machen, weil es Giles so schlecht ging, dass sie einen Krankenwagen holte und ihn ins Sunnydaler Krankenhaus bringen ließ.

Bedingt durch die Kopfschmerzen, die immer wieder sein Bewusstsein trübten, schaffte er es nicht, Nahrung zu sich zu nehmen oder bei sich zu behalten und sie hatte Angst, dass er noch schwächer werden würde.

Der Arzt war über den Ernst seiner Krankheit informiert und erklärte Buffy, dass man ihn einige Tage an den Tropf hängen, künstlich ernähren und ihn dabei gleichzeitig mit starken Schmerzmitteln versorgen würde.

Buffy standen die Tränen in den Augen, als sie Giles’ dünn gewordenen Körper in dem Intensivbett liegen sah. Er schlief, recht ruhig jetzt und nur das leise Ticken der Apparate erfüllte den Raum.

Seufzend wandte sie sich ab, vereinbarte mit der Schwester, dass man sie informieren würde, wenn er erwachte oder sich sein Zustand verschlimmerte.

Dann fuhr sie zurück in die Villa, nur, um eine sehr unruhige Maggie anzutreffen.

„Buffy, bitte schauen Sie nach William", bat die ältere Frau sie. „Er wollte nichts essen und hat sich eine Whiskyflasche mit in sein Zimmer genommen. Er hat mich angefahren und als ich an seine Zimmertür klopfte, hat er sogar geschrieen, ich solle mich zum Teufel scheren. Das hat er noch nie gemacht."

„Keine Sorge, Maggie", beruhigte Buffy sie. „Ich sehe nach ihm."

Seufzend stieg sie die Stufen zu seinem Zimmer hinauf. Als ob ihr die Sorgen um Giles nicht reichten... Auf ihr zaghaftes Klopfen antwortete niemand. „Spike?"

„Verschwinde!"

Sie schickte ein Stoßgebet zum Himmel, betete, dass er etwas angezogen hatte und öffnete die Tür.

Sein Zimmer sah aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen. Überall auf dem Fußboden lagen Sachen verstreut, hier und da bemerkte sie ein Buch oder eine seiner vielen CD-s herumliegen. Vorsichtig stieg sie über die Gegenstände und ging zum Balkon.

Spike saß auf dem Boden, lehnte an der Wand und zog an einer Zigarette. Der Aschenbecher neben ihm sagte ihr, dass er sich schon eine ganze Weile mit dieser Tätigkeit beschäftigte. Und er trug nichts weiter als eine seiner schwarzen Jeans.

„Welchen Teil von ‚Verschwinde’ hast du nicht verstanden?", fauchte er sie an, als sie neben ihm in die Hocke ging. „Niemand betritt mein Zimmer! Das ist hier eine ungeschriebene Regel. Raus!"

Buffy setzte sich ungerührt neben ihn. Sein Gesicht wies ein paar schöne blaue Verfärbungen auf und die geplatzte Augenbraue war genau so wie die Lippe angeschwollen. Trotzdem sah er besser aus als sie es in der Nacht vorher vermutet hatte.

„Wie geht es dir?", fragte sie leise.

„Toll!", knurrte er sarkastisch. „Es könnte mir nicht besser gehen. Was soll die blöde Frage?"

„Ich habe deinen Vater ins Krankenhaus gebracht. Es geht ihm nicht gut."

Sein Kopf sank zurück gegen die Wand und er schloss die Augen, während er tief den Rauch aus der Zigarette inhalierte. „Ist es jetzt soweit?", fragte er dann ruhig. „Stirbt er?"

„Ich weiß es nicht. Er ist sehr schwach und ich kann ihn hier nicht künstlich ernähren."

„Verdammt!" Mit einer zornigen Bewegung warf der die Kippe über die Balkonbrüstung und griff nach der Schachtel, um sich eine neue anzuzünden.

Buffy war schneller als er und schnappte die Schachtel unter seinen Fingern weg. „Du musst auch etwas essen."

„Du bist nicht meine Mutter!", schrie er sie mit blitzenden Augen an.

Sie beugte sich nach vorn und sah ihn fest an. „Ich mache mir um deinen Vater genug Sorgen. Ich möchte nicht auch noch Angst haben müssen, dass du dir etwas antust, Spike!"

Seine Unterlippe zitterte, als würde er um seine Beherrschung kämpfen und etwas flackerte in seinen Augen. „Lass mich in Ruhe", stieß er dann hervor und griff nach dem Glas neben sich, das mit einer goldgelben Flüssigkeit gefüllt war.

„Nein." Ehe er reagieren konnte, schlug sie ihm das Glas aus der Hand. Er hatte nicht damit gerechnet und deshalb vielleicht nicht fest genug zugegriffen. Mit einem Klirren zersprang das Glas auf dem Boden des Balkons und die Flüssigkeit breitete sich auf dem Boden aus.

„Spinnst du!", kreischte er auf.

„Was tust du hier?!", schrie sie nicht minder laut zurück. „Alkohol und Zigaretten lösen deine Sorgen nicht! Sie machen sie höchstens schlimmer! Ich werde nicht zusehen, wie du im Selbstmitleid ertrinkst. Spike, in sechs Tagen ist die Premiere deines Stücks und du hast wichtigere Dinge zu tun, als dir den Verstand aus dem Kopf zu saufen!"

Spike starrte sie aus zornigen Augen an und Drus Worte stiegen wieder in seinem Kopf hoch. Du bist in das Theater verliebt, mein Spike, hatte sie mit dieser trällernden Stimme gesagt, die er so hasste. Du verbringst mehr Zeit mit deiner Buffy als mit mir. Sie setzt dir Flausen in den Kopf und verpestet deine Gedanken. Wenn ich dich ansehe, sehe ich sie...

Dru hatte genau so wenig wie sein Vater verstanden, was ihn in das Theater zog. Die erste und einzige Person, die ihn in dieser Hinsicht wirklich unterstützt hatte, war die kleine zierliche Frau, die jetzt neben ihm saß und ihn so wütend anblitzte.

Ein Teil seines Zorns verrauchte und die Verzweiflung kehrte wieder. Ohne ihr zu antworten, lehnte er den Kopf zurück gegen die Wand und schloss die Augen.

„Hast du mit ihr geredet?", fragte Buffy leise.

Er nickte. „Sie hat gesagt, ich soll nie wieder anrufen…"

„Das tut mir leid", seufzte sie. „Aber glaub mir, es ist kein Grund, sich selbst aufzugeben. Diese…diese Dinge vergehen…"

„Wieso hast du keinen Freund, Buffy? Ich meine, als mein Vater mit seinem Anliegen kam, da hattest du doch keinen, oder?"

Buffy schluckte, als er plötzlich die Augen öffnete und sie ansah. „Nein, ich…" Sie stockte, wusste einen Moment nicht, was sie sagen sollte. Dann fiel ihr ein, dass er in der vergangenen Nacht in ihren Armen geweint hatte und sie atmete tief durch. „Ich hatte kein sonderliches Glück bei der Auswahl meiner Männer…"

Seine Augenbrauen hoben sich fragend.

Und plötzlich hatte sie das Gefühl, dass sie es ihm schuldig war, ein klein wenig von sich preis zu geben, nachdem er vor ihren Augen so zusammen gebrochen war. Vielleicht war es falsch, vielleicht gab sie ihm damit etwas gegen sich in die Hand, aber gestern Nacht war er über ihren Beistand froh gewesen. Sie nahm an, dass es keinen anderen Menschen gab, der ihn je in einem solchen Zustand gesehen hatte – so verletzlich. Und sie begann leise zu reden.

„Ich war sechzehn, als ich Angel kennen lernte. Und ich habe mich Hals über Kopf in ihn verliebt. Gott, er sah toll aus und war der Schwarm vieler Mädchen. Ich war so glücklich, da er genau so verliebt in mich zu sein schien…" Sie lächelte wehmütig bei der Erinnerung an die ersten Wochen. „Nun ja, dann schliefen wir miteinander und das veränderte alles…"

„Wieso das?", fragte Spike stirnrunzelnd dazwischen.

„Vielleicht war sein ganzes vorheriges Verhalten nur ein Schauspiel, um mich zu ködern. Keine Ahnung. Nach dieser Nacht zeigte er sein wahres Ich und begann mir vorzuschreiben, was ich anziehen soll, wen ich treffen soll, was ich sagen soll. Er war so eifersüchtig, dass er schon ausrastete, wenn mich bloß ein anderer Junge ansah und hätte mich am liebsten irgendwo eingesperrt." Sie seufzte. „Es endete damit, dass er mich schlagen wollte und er nicht damit gerechnet hat, dass ich mich sehr gut verteidigen kann."

„Damals schon?" Spike grinste schief.

Sie lächelte ebenfalls. „Ja und ich war damals sehr froh über meine Fähigkeiten."

„Wie ging’s weiter?"

Buffy lehnte sich neben ihn an die Wand und starrte in den blauen Himmel. „Ich hatte eine Weile die Nase voll von Männern. Und dann kam Parker. Ich war auf einer Party. Er sah toll aus, war charmant und nett und ich hatte etwas getrunken. Nun, wir landeten in seinem Appartement und in seinem Bett und am nächsten Tag war ich nur noch eine Nummer in der Liste seiner One-Night-Stands…"

„Oh", war alles, was Spike hervor brachte.

„Ich habe gedacht, es läge an mir. Dass ich schlecht bin oder so was…" Sie wurde rot, als Spike sie komisch musterte und ihr bewusst wurde, wem sie das erzählte. „Vergiss das. Jedenfalls erfuhr ich später, dass das seine Masche war, an eine schnelle Nummer zu kommen." Sie fuhr sich durch die Haare. „Ich war so enttäuscht und der Meinung, ich wollte nie wieder etwas mit Männern zu tun haben. Und dann traf ich Riley…"

Spike sah sie jetzt unverwandt an, aber sie schien es nicht zu merken. Irgendwie hatte er das komische Gefühl, dass es noch schlimmer werden konnte.

„Riley war so…normal. Und trotzdem hatte ich Angst, wieder so eine Enttäuschung zu erleben. Vielleicht war ich wirklich etwas distanziert… Riley sagte später zu mir, ich würde ihn nicht auf die gleiche Weise lieben wie er mich und er könnte das nicht ertragen… Jetzt weiß ich, dass er es weniger auf das Gefühl Liebe bezogen hatte, sondern mehr auf seine speziellen Vorlieben beim Sex. Jedenfalls erfuhr ich, dass er viele seiner Nächte in den verschiedensten Bordells verbrachte und das nicht mit den normalen Prostituierten…"

Spike grub die Zähne in seine Unterlippe, als ihm aufging, was sie damit meinte. „Wie…wie lange wart ihr zusammen?"

„Vier Jahre."

„Oh Gott", flüsterte er erstickt. „Ich bin zwei Jahre mit Dru zusammen gewesen. Das muss…schlimm gewesen sein…Wie lange ist es her?"

„Zwei Jahre…", sagte sie leise.

„Und…bist du…darüber hinweg?"

Sie drehte den Kopf und sah mit einem schwachen Lächeln in seine unwahrscheinlich blauen Augen. „Man kommt nie ganz darüber hinweg. Aber man lernt, damit zu leben. Und mit der Zeit verschwindet der Schmerz."

„War da…noch jemand?"

„Nein." Sie schüttelte den Kopf.

„Ich dachte, mein Leben ist Scheiße", sinnierte er. „Du hättest das Glas nicht zerschlagen, sondern selbst trinken sollen."

Buffy stieß ihm den Ellenbogen in die Seite. „Ich hoffe, du behältst für dich, dass deine Stiefmutter leicht psychotisch ist."

Er nickte, beugte sich kurz zu ihr und gab ihr einen Kuss auf die Wange. „Versprochen."

Buffy fiel es plötzlich schwer zu atmen. „Also, was ist jetzt? Hast du endlich Appetit auf Frühstück?" Sie weigerte sich, zu registrieren, dass ihre Haut dort, wo seine Lippen sie berührt hatten, wie Feuer brannte.

„Du denkst jetzt bestimmt, ich bin total lächerlich, oder?", fragte er verlegen.

„So ein Quatsch", schimpfte sie und sah ihn endlich wieder an. „Ich habe dir gerade mein Herz ausgeschüttet. Wahrscheinlich denkst du, ich bin lächerlich."

„Nein, tue ich nicht", antwortete er ernsthaft. „Ich bewundere dich."

„Was?", hauchte sie, jetzt vollkommen durcheinander.

„Du versuchst, mich aufzubauen und mir Mut zuzusprechen, obwohl du selbst so viel Deprimierendes erlebt hast. Ich meine, ich habe mich benommen wie der letzte Idiot. Dir die Ohren voll geheult… Du bist für meinen Vater da und du bist für mich da. Und niemand hat bisher nach dir gefragt." Er hatte sich in Rage geredet, während Buffy ihn einfach nur angaffte. „Du bist die erste Person, die akzeptiert, dass das Theater so wichtig für mich ist. Vielleicht hatte Dru ja recht, als sie sagte…" Er brach mitten im Satz fast erschrocken ab.

Buffy riss die Augen auf. „Was…was hat sie gesagt, Spike?"

„Nichts!", stieß er hervor und wich ihrem Blick aus.

Buffy sah fassungslos wie eine leichte Röte in seine Wangen stieg. „Spike?"

Er sah sie noch immer nicht an. „Sie hat gesagt, ich bin ins Theater verliebt."

Irgendwie wusste Buffy definitiv, dass das nicht die Wahrheit war, oder zumindest nicht die volle. Sie überlegte, ob sie ihn drängen sollte, entschied sich aber dagegen, weil die Röte in seinem Gesicht sie irritierte. Er war noch nie rot geworden und wer weiß, was diese Drusilla gesagt hatte.

„Maggie hat sich Mühe mit dem Essen gegeben", wechselte sie das Thema und stand auf. „Es wäre wirklich schön, wenn wir sie nicht enttäuschen."

Spike stemmte sich ebenfalls hoch und grinste schief. „Ähm...Buffy..."

„Ja?" Es überraschte sie, da er zum ersten Mal ihren Namen benutzte.

„Könntest du das auch...für dich behalten? Wegen letzter Nacht?"

Ihr war vollkommen klar, dass er weder die Schlägerei noch die Tatsache meinte, dass Dru Schluss gemacht hatte, und nickte lächelnd. „Sicher."

„Danke", antwortete er leise.

Oh Gott, er war wirklich süß, wenn er sie so schüchtern ansah. Um sich von diesen peinlichen Gedanken abzulenken, lachte sie aufmunternd und meinte wie nebenbei: „Komm endlich und zieh dir vorher etwas an. Ich denke, ich habe letzte Nacht schon genug von dir gesehen. Wir wollen das doch nicht zur Gewohnheit werden lassen, ja?"

Sein Unterkiefer klappte auf. „Letzte Nacht?"

Shit! Dumme dumme Buffy! „V-vergiss es!", stotterte sie erschrocken, wollte sich an ihm vorbeidrücken, doch sie hätte ahnen sollen, dass sie so leicht nicht davon kam.

Sein Arm schoss vor und stoppte sie, indem seine Hand ihren Oberarm umschloss. „Was...habe ich getan?", erkundigte er sich ängstlich.

Buffy hätte sich am liebsten selbst in den Hintern getreten. Sie hätte sich doch denken können, dass er nicht mehr alles wusste, obwohl, nein, eigentlich nicht. Denn so betrunken war er ihr nicht erschienen.

„Nichts, Spike", beruhigte sie ihn, weil er jetzt wirklich eigenartig erschrocken aussah. „Ich wollte, dass du die schmutzigen Sachen vor deine Tür legst, damit ich sie gleich wegwerfen kann und du...ähm...hast das nicht getan..."

„Ja...und?", fragte er stirnrunzelnd.

„Spike, deine Hose war voll Blut und du hast dich damit ins Bett gelegt!", verteidigte sie sich.

Sein Stirnrunzeln vertiefte sie. „Du...warst noch einmal in meinem Zimmer?"

Sie stöhnte innerlich auf, als sie fühlte, wie jetzt ihre Wangen anfingen zu glühen. „Ja. Können wir es dabei belassen? Du hast mir deine Hose gegeben und gut."

„Warum wirst du dann rot?"

Idiot! Sie fluchte leise. „Du hast sie einfach ausgezogen", schimpfte sie, weil sie wütend auf sich selbst war. „Ich habe nicht damit gerechnet, dass du keine Unterwäsche trägst. Was ist das überhaupt für eine Marotte?"

Spike wurde plötzlich genau so rot wie sie und ließ ihren Arm los. Er verstand sich selbst nicht, weil ihm noch nie irgendetwas in dieser Richtung peinlich gewesen war.

Aber das war Buffy. Jeder anderen Frau hätte er jetzt mit einem Grinsen eine anzügliche Bemerkung ins Gesicht geworfen.

Bei ihr fehlten ihm zum ersten Mal in seinem Leben die Worte. Verlegen kramte er in seinem Schrank und wurde noch röter, als ihm aufging, dass er die ganze Zeit halbnackt neben ihr gesessen hatte und als er es bemerkte, schimpfte er mit sich selbst.

Du bist ein Idiot. Seit wann stört dich das? Wenn du eine Badehose anhast, sieht sie viel mehr!

Trotzdem beeilte er sich, ein Shirt überzuziehen, und folgte ihr die Treppen hinunter.

 

T e i l  8

 

Lachend setzte sich Buffy neben ihren Freundinnen Willow und Tara auf die schmalen Stühle in der ersten Reihe. Sie waren sehr zeitig und es würde noch eine halbe Stunde dauern bis die Vorstellung begann.

Das Theater füllte sich langsam. Buffy hatte von Spike erfahren, dass die Vorstellung fast ausverkauft war und sie freute sich darüber.

Obwohl Giles noch immer im Krankenhaus lag, hatte er sich etwas erholt und die Ärzte konnten es verantworten, ihn an einem der nächsten Tage zu entlassen.

Sie hatte ein paar Worte mit ihm gewechselt und auch Spike hatte sie in den vergangenen Tagen zweimal begleitet. Mehr Zeit allerdings musste der junge Mann bei den Proben verbringen und Buffy war froh, dass er sich nach ihrem Gespräch an jenem Mittag gefangen zu haben schien.

Jetzt war sie aufgeregter als er, nahm sie zumindest an, und zappelte so nervös auf dem Stuhl herum, dass Willow zu lachen anfing.

„Buffy, wenn man dich so beobachtet", meinte sie vergnügt, „denkt man, entweder ist der süße Spike tatsächlich dein Sohn oder er ist dein Lover."

„Sei still!", fuhr Buffy sie erschrocken. „Das ist eine kleine Stadt und wenn irgendjemand das in den falschen Hals bekommt, dichtet mir der nächste Klatsch tatsächlich eine Affäre mit meinem Stiefsohn an."

„Na und?", entgegnete Willow ungerührt.

„Du solltest vielleicht auch darüber nachdenken, was das für Spike bedeutet!"

Willow verdrehte amüsiert die Augen. „Nun erzähl schon. Mit Dru ist also Schluss. Könntest du die Szene noch einmal genau beschreiben, als er seine Hosen auszog?", flüsterte sie in Buffys Ohr.

Buffy stöhnte unterdrückt. Sie hatte Willow nicht alles erzählt oder besser gesagt, den Teil, als Spike geweint hatte, weggelassen, aber es machte ihr zu schaffen, dass sie so eigenartig auf ihn reagierte und brauchte einfach jemanden, mit dem sie darüber reden konnte.

„Du wirst eindeutig zu oft rot", kommentierte Willow die Farbe ihres Gesichts. „Ich würde sagen, das deutet auf eine Verdrängung von Tatsachen hin und dein Unterbewusstsein ist der Meinung, dich darauf hinweisen zu müssen, was unser Spike für einen netten, heißen Körper hat."

„Ich weiß das!", zischte sie böse.

„Ich habe es gewusst!", trällerte Willow.

„Das bedeutet nicht, dass ich mich nicht unter Kontrolle habe! Er ist tabu!"

Willow grinste sie sehr zweideutig an und sagte artig. „Ja, Buffy."

Ihr Gespräch wurde unterbrochen, als ein junger Mann in ihrer Reihe auftauchte. Er hatte eine Eintrittskarte in der Hand und suchte die Plätze nach einer bestimmten Nummer ab. Buffy lächelte freundlich, als er den Platz neben ihr als seinen eigenen erkannte und sie stirnrunzelnd ansah.

„Hallo. Du musst Xander sein, ja?", fragte sie neugierig.

„J-ja", stotterte der dunkelhaarige Mann, musterte dann die breit grinsende Willow und dann Tara.

„Spike hat gesagt, dass du neben mir sitzt", fuhr Buffy fort. „Ich bin Buffy." Sie reichte ihm die Hand.

Xanders Mund war aufgeklappt und er schnappte kurz nach Luft, ehe er hervor brachte. „N-nett, Sie k-kennen zu lernen, Mrs. Giles."

„Mrs. Giles", kicherte Willow amüsiert.

„Nenn mich ruhig Buffy", bot sie ihm lächelnd an. „Ich fühle mich noch nicht so alt, um Mrs genannt zu werden. Xander, darf ich dir Willow und Tara vorstellen, meine Freundinnen."

„H-hallo", stotterte Xander, ehe er linkisch wieder aufstand, um Willow und Tara die Hand zu schütteln. „Freut mich sehr, Sie kennen zu lernen."

Bevor er sich wieder setzte, wanderte sein Blick über das sich langsam füllende Theater und er erstarrte. „Oh Scheiße!" Im gleichen Atemzug wurde er puterrot, als ihn die amüsierten Blicke der drei Frauen trafen. „Tut mir leid, ich meine... ach du liebe Zeit... oder so was ...ähm..."

„Was fandest du denn so schrecklich, Xander?", erkundigte sich Tara freundlich.

„D-Dru ist da...", murmelte er leise.

Buffy fuhr in ihrem Sitz herum und ihr Blick fiel auf die zierliche dunkelhaarige Frau an der Seite eines großen, kräftigen, dunkelhaarigen Mannes, der seinen Arm besitzergreifend um ihre Taille geschlungen hatte.

„Shit" murmelte Xander wieder. „Sie hat sich immer geweigert zu kommen. Wenn Spike sie sieht, vergisst er seinen ganzen Text..."

Das dachte Buffy allerdings auch. „Wie gelange ich hinter die Bühne?"

„Ich glaube, das ist verboten. Die lassen niemanden rein", antwortete Xander nervös.

„Das werden wir ja sehen." Buffy sprang auf und stürzte aus dem Saal.

Es dauerte zehn Minuten und erst nachdem sie mit ihrem Ausweis bewiesen hatte, dass sie tatsächlich Mrs. Giles war, ließ man sie in die Maske.

Spike saß vor einem der Spiegel, die Maskenbildnerin schien gerade fertig, und er sah eigentlich kaum anders aus als sonst.

Während eine Menge anderer Personen hektisch in dem Zimmer herum stürzten, fuhr Spike hoch und sah Buffy fassungslos an.

„Was machst du hier?", fragte er verblüfft.

Eine schlanke, große, dunkelhaarige Frau drückte sich an ihm vorbei. „Oh Spike", flüsterte sie spöttisch. „Hast du Dru so schnell vergessen?"

„Leck mich, Cordy!", knurrte er nur gereizt. „Was machst du hier, Buffy?"

„Romeo, Romeo...", kicherte Cordelia, warf Buffy noch einen ironischen Blick zu und verschwand durch die Tür, nachdem sie in einer theatralischen Geste ihre Haare über die Schulter geworfen hatte.

„Kann ich kurz mit dir sprechen?" Buffy zog ihn zur Seite. „Wenn du nachher dort oben auf der Bühne stehst, solltest du vielleicht darauf vorbereitet sein, jemanden unerwartetes zu sehen."

Er runzelte die Stirn. „Wen?"

„Dru ist da."

Sein Mund öffnete sich und seine Gesichtsfarbe wurde eine Nuance weißer. „Dru?"

„Xander hat sie gesehen. Sie ist in Begleitung eines Mannes gekommen." Buffy lächelte schwach. „Wenn das der Mann ist, mit dem du dich geprügelt hast...meine Hochachtung."

Spike beachtete ihre Worte gar nicht. „Ich gehe da nicht raus!"

„Ich habe das geahnt", stöhnte sie auf. „Es spielt keine Rolle, wer im Publikum sitzt…"

Er hörte ihr überhaupt nicht zu. „Sie sollen die zweite Besetzung nehmen", murmelte er vor sich hin. "Ich gehe da nicht raus. Auf gar keinen Fall!"

Ehe er sich umdrehen konnte, hatte Buffy seinen Arm ergriffen und hielt ihn fest. „Warte, Spike."

Er schüttelte wild den Kopf. „Buffy, du verstehst das nicht. Dru ist…war etwas Besonderes für mich." Er fuhr sich nervös durch die Haare. „Sie mit diesem…Idioten zu sehen…es macht mich wütend und…Gott, ich weiß meinen Text jetzt schon nicht mehr!"

Buffy fand, dass er wirklich leicht panisch aussah. Deshalb zog sie ihn einfach mit sich, zurück zu seinem Stuhl vor dem Spiegel. „Setz dich."

„Nein, ich muss die zweite Besetzung finden…"

„Setzen!", kommandierte sie einfach und schubste ihn auf den Stuhl. Er wollte wieder aufspringen, doch sie griff nach den Armlehnen des Stuhls und stoppte ihn. Soweit, dass er sie einfach zur Seite stieß, war er noch nicht „Hör mir jetzt mal zu, Spike", sagte sie leise.

Da war Unsicherheit und auch Angst in seinen Augen, doch zumindest hörte er ihr zu.

„Ich weiß, dass es weh tut", fuhr sie fort. „Sie ist sicherlich aus genau diesem Grund hier, Spike. Weil sie dir wehtun will und weil sie vielleicht will, dass du dich lächerlich machst. Denk gar nicht daran. Du bist Schauspieler. Ein guter. Die meisten Schauspieler sehen das Publikum gar nicht, wenn sie auf der Bühne stehen, weil sie voll in dem Stück aufgehen. Spiel, Spike, und zeig ihr, dass dich nichts ablenkt und dass ihre Rechnung nicht aufgeht."

Er schaute sie recht zweifelnd an. „Ich kann nicht..."

Buffy schüttelte den Kopf und sagte ernst. „Natürlich kannst du. Ich glaube an dich."

Er starrte eine ganze Weile zurück, ehe er tief durchatmete. Dann lächelte er schwach. „Was würde ich nur ohne dich machen?", murmelte er bedrückt.

Buffy strahlte ihn an, gab ihm einen schnellen Kuss auf die Wange und ließ die Armlehnen los. „Viel Glück", flüsterte sie. „Und jetzt spiel, Romeo."

******************

Tosender Applaus brandete auf, als der Vorhang fiel. Buffy wischte sich schnell ein paar Tränen aus den Augenwinkeln, ehe sie genau so enthusiastisch klatschte wie der Rest des Publikums. Die Schauspieler kamen noch einmal, um sich zu verbeugen und der Applaus wurde zu einem Orkan, als Spike und Cordelia die Bühne betraten.

Buffy stiegen wieder Tränen in die Augen, als sie sich an die Schlussszene erinnerte, in der Romeo das Gift nahm und Julia sich mit dem Dolch selbst tötete. Selbst Cordelia hatte ihrer Meinung nach gut gespielt, aber Spike fand sie einfach nur fantastisch.

Sie bedauerte, dass sie Giles nicht überzeugen konnte, seinen Sohn einmal auf der Bühne zu erleben, wahrscheinlich würde er seine schlechte Meinung über die Arbeit am Theater sofort revidieren.

„Das war wirklich spitzenmäßig", kommentierte Willow und Tara nickte bestätigend. „Dein Spike hat Talent."

Buffy lächelte so glücklich als wäre es ihr Verdienst. „In den hinteren Räumen findet nach der Vorstellung noch eine kleine Party statt. Ich denke, Spike hat nichts dagegen, wenn ich euch mitbringe. Was ist mit dir, Xander?" Sie lächelte, als der junge Mann wieder rot wurde, aber da sie von seiner Schwäche für Cordelia wusste, wollte sie, dass er mitkam.

„Ich weiß nicht…"

„Hey, du bist Spikes bester Freund. Du hast genau so viel Grund zum Feiern wie wir alle."

Willow nahm Xander jede Entscheidung ab, als sie sich einfach bei ihm einhing und ihn mit sich zog. „Nicht so schüchtern, junger Mann. Natürlich kommst du mit."

„Pass auf, dass Tara nicht eifersüchtig wird", flötete Buffy und warf Tara einen verschwörerischen Blick zu.

Xanders Kopf schoss zu Tara, dann wieder zurück zu Willow und diese grinste breit. „Ja, ich bin lesbisch. Hast du ein Problem damit?"

„N-nein", schüttelte er wild den Kopf.

„Früher habe ich auch so süße Jungs wie dich vernascht", erklärte Willow lachend.

Dann öffneten sich die Türen zu den privaten Räumen des Theaters vor ihnen und das begeisterte Geschwätz und Gelächter der Schauspieler empfing sie.

Spike stand neben Cordelia inmitten einer Menschentraube mit einem strahlenden Lächeln auf dem Gesicht, als er die ganzen Glückwünsche entgegen nahm.

Plötzlich trafen seine Augen auf Buffy und er sah einen Moment überrascht aus, als er bemerkte, wen sie alles mitgebracht hatte. Dann hob er seine Hand und winkte.

„Du warst fantastisch, Spike", sprudelte Buffy los und fiel ihm um den Hals. „Ich habe gewusst, dass du es kannst!"

Spike schlang seine Arme um ihren zierlichen Körper und flüsterte in ihr Ohr. „Ich danke dir."

Sie löste sich fast verlegen von ihm, doch das Strahlen in seinen Augen machte sie glücklich, vor allem, nachdem sie sich daran erinnerte, wie verzweifelt er in der Maske ausgesehen hatte. Doch auf der Bühne, während des gesamten Stücks, war ihr keine einzige Stockung oder Versprecher aufgefallen. Er hatte gespielt als gäbe es kein Publikum und als wäre er tatsächlich Romeo.

Sie war einfach nur stolz auf ihn.

Spike wurde wieder rot, als ihn Willow umarmte und ihm ins Ohr flüsterte, er wäre der sexieste Romeo, den sie je gesehen hatte.

Xander grinste breit, weil er den vorlauten Mund der rothaarigen Frau schon kennen gelernt hatte und freute sich diebisch über das verlegene Lächeln im Gesicht seines Freundes.

Cordelia, die hinter Spike stand, warf schon wieder recht spöttische Blicke in Richtung der drei Frauen. Buffys Lächeln wurde plötzlich genauso verschmitzt wie Willows, als sie auf die schlanke Frau zuging.

„Hallo, Cordelia", sprach sie die verblüffte Frau an. „Das war wirklich eine tolle Leistung. Ich glaube, wir kennen uns noch nicht. Ich bin Buffy, die Frau von Spikes Vater." Es widerstrebte ihr irgendwie, Spikes Stiefmutter zu sagen.

Cordelia verlor wahrscheinlich zum ersten Mal einfach die Fassung und starrte Buffy mit offenem Mund an. „Frau…? Von Spikes Vater…?", brachte sie dann mehr als überrascht hervor.

Willow, die bemerkte wie hingerissen Xander Cordelia anstarrte, schob diesen unauffällig näher.

„Hallo", strahlte sie die Schauspielerin an. „Ich bin Willow, Buffys Freundin. Mir hat das Stück genau so gut gefallen. Meinen Glückwunsch. Darf ich Ihnen Tara vorstellen, meine Freundin?"

Spike grinste in sich hinein, weil er Cordelia noch nie sprachlos erlebt hatte.

„Und das hier ist Xander. Ihn kennst du vielleicht schon, er ist ja aus Sunnydale."

Xander war schon wieder ganz rot, als er Cordelias Hand schüttelte. „J-ja. Es w-war wirklich e-eine klasse V-Vorstellung."

So viele Glückwünsche auf einmal erweichten sogar das Herz von Cordelia Chase und sie strahlte Xander an. „Danke."

Xander sah aus, als würde er gleich ohnmächtig werden und Spike zog seinen Freund zur Seite. „Tief durchatmen, Xan. Komm, wir trinken etwas und dann machst du noch ein nettes Schwätzchen mit meiner hinreisenden Julia. Wie hast du Willow dazu überredet?"

Xander kippte das Glas Sekt, das ihm Spike hinhielt, in einem Zug hinunter. „Wow!", brachte er dann heraus. „Wow! Sie hat mich angelächelt und ‚Danke’ gesagt."

Spike grinste. „Ich war dabei."

„Wieso…" Xander warf einen verschwörerischen Blick auf die sich jetzt unterhaltenden vier Frauen. „Wieso hast du nicht gesagt, dass deine Stiefmutter so jung ist?!", flüsterte er. „Und so verdammt hübsch?!"

„Xan!", zischte Spike erschrocken.

„Hast du gewusst, dass ihre Freundinnen lesbisch sind? Sie auch?"

Spike starrte Willow an. „Nein. Ich denke nicht."

„Mann, du bist ein Glückspilz. Wenn ich nicht in Cordy verknallt wäre, hätte Buffy mich total umgehauen. Hast du nicht gesagt, sie ist zehn Jahre älter als du?" Xander schüttelte immer wieder den Kopf als könnte er es nicht fassen.

„Ist sie und wenn du nicht aufhörst, so über sie zu reden, vergesse ich, dass du mein Freund bist!"

Doch Xander war noch nicht fertig. „Und du wohnst mit ihr in einem Haus. Hast du sie schon mal nackt gesehen?"

„Xander!"

„Ich hätte zumindest mal durchs Schlüsselloch geschaut und sie beim Umziehen beobachtet", kicherte Xander. „Sie hat bestimmt einen total heißen Körper."

„Hörst du jetzt auf!", stieß Spike zornig hervor. „Du kannst dir jede Frau in deinen schmutzigen Träumen vorstellen, aber nicht Buffy!"

„Wieso, weil du das schon tust?", grinste ihn Xander an. „Keine Panik. Ich träume immer von Cordy, aber Buffy ist genau so heiß…"

„Es reicht jetzt!"

Xander sah ihn beleidigt an. „Was ist denn mit dir los? Du solltest dir vielleicht öfter einen runter holen, wenn du seit Drus Abgang etwas frustriert bist. Du hast dich doch noch nie so dämlich benommen, wenn wir mal über eine heiße Braut gefeixt haben."

„Das war etwas anderes!", knurrte Spike zwischen den Zähnen hindurch. „Ich will nicht, dass du so über Buffy redest!"

„Oh, Oh", machte Xander und grinste wieder. „Da hat wohl jemand eine kleine Schwäche? Also spuck es aus? Stellst du dir sie vor, wenn du dir einen runter holst?"

Spike wurde feuerrot, weil sich in diesem Moment Buffy umdrehte und ihn anlächelte. „Nein!", knirschte er zwischen den Zähnen hindurch. „Ich hole mir keinen runter! Ich hatte Dru!"

„Richtig", nickte Xander. „Mit der Betonung auf ‚hatte’. Wie lange ist es jetzt her? Fünf Tage? Kein Wunder, wenn du so gereizt bist…"

Spike verdrehte die Augen, schnappte sich noch ein Glas Sekt und ging wieder zu den schwatzenden Frauen. Xander folgte ihm auf dem Fuß.

Spike hatte noch nie erlebt, dass Cordelia sich über einen längeren Zeitraum mit jemandem unterhalten konnte, ohne ihre ätzende Seite zu zeigen. Doch jetzt lachte sie mit den drei anderen Frauen als würde sie sie schon Jahre kennen. In Gedanken musste er grinsen. Sicherlich bildete sie sich etwas darauf ein, dass die drei Frauen aus L.A. waren, weil das in ihrem verspleenten Kopf gleichbedeutend für Weltklassefrauen-mit-großer- Erfahrung stand.

Dann sah er den Programmdirektor Robin Wood, der sich gerade mit Anya Jenkins, der Frau, die die Mutter der Julia gespielt hatte, unterhielt, den Kopf heben. Wood sagte irgendetwas zu Anya, wahrscheinlich eine Entschuldigung und kam auf ihn zu.

„Ein voller Erfolg, Spike", gratulierte er ihm. „Wir können zufrieden sein."

Spike nickte lächelnd. Auch wenn er vielleicht nicht der Typ war, der es sich so sehr anmerken ließ, so ganz für sich platzte er fast vor Stolz.

„Ist deine Stiefmutter da?", fragte Robin weiter. „Du hast doch nichts dagegen, wenn ich sie frage, oder?"

Erst jetzt fiel Spike wieder ein, dass Robin ihm von dem neuen Stück erzählt hatte, das in seinem Kopf herumschwebte und an dem er zusammen mit dem Direktor des Theaters, Lindsey Mc Donald, schrieb. Er schüttelte den Kopf und drehte den Kopf zu Buffy, die nur ein paar Meter hinter ihm stand. „Buffy?"

Robin konnte seine Überraschung kaum verbergen, als sich die blonde schlanke Frau umdrehte und auf sie zukam.

„Buffy, darf ich dir Robin Wood, unseren Programmdirektor vorstellen?", stellte er ihn höflich vor. „Robin, dass ist Buffy Anne Giles, die Frau meines Vaters."

Buffy hätte fast gelacht, als sie bemerkte, dass Spike haargenau ihre Formulierung verwendete. Sie schüttelte dem dunkelhäutigen Robin die Hand. „Ich freue mich, Sie kennen zu lernen, Mr. Wood. Ich finde, Sie hatten wirklich ein riesiges Glück mit der Wahl Ihrer Schauspieler."

Spike runzelte die Stirn, als er bemerkte, wie Wood Buffy plötzlich ansah, als er ihren Händedruck lächelnd erwiderte.

„Nennen Sie mich bitte Robin", sagte er. „Ich habe schon von Ihnen gehört, Buffy. Ich darf doch Buffy sagen?"

„Sicher."

Spike biss die Zähne zusammen und fragte sich, was ihn eigentlich jetzt störte. Doch er bemerkte die Blicke Robins genau, die fast nebenbei über Buffys Figur glitten und er sah die Bewunderung in den Augen des anderen Mannes. Sie ist die Frau meines Vaters, dachte er böse. Er sollte sie nicht so ansehen.

„Vielleicht hat Ihnen Spike schon von dem neuen Stück erzählt, an dem wir schreiben?", fragte Robin gerade.

Buffy sah Spike fragend an, doch dieser zuckte mit den Schultern und schüttelte den Kopf. „Ich habe es als noch nicht so wichtig empfunden."

„Nein?" Robin nippte an dem Sektglas in seiner Hand. „Wir möchten eine unglaubliche Geschichte versuchen, in der es um Vampire, Dämonen und den Kampf gegen die Kreaturen der Nacht geht. Ein junges Mädchen, Cordelia, soll die Rolle wieder übernehmen, ist die Auserwählte - die Jägerin-, die gegen die Dämonen kämpfen muss."

„Oh." Buffy musste lächeln, als sie sah, wie skeptisch Spike schaute. „Wen sollst du spielen, Spike?"

Robin lachte leise. „Spike denkt, so etwas will niemand sehen. Ich habe für Spike die Rolle eines Vampirs vorgesehen. Es würde zu seinem Outfit passen und die Menschen ein wenig von dem romantischen Romeo ablenken."

Buffy legte kurz ihre Hand auf Spikes Arm. „Spike, das klingt mir fast so als musst du wieder sterben."

„Nun, das steht noch nicht fest", beruhigte sie Robin. „Er soll einen Vampir spielen, der sich in die Jägerin verliebt…"

„Das ist verkitscht", brummte Spike. „Du solltest mich wenigstens den Bösewicht bis zum Ende spielen lassen. Ein verliebter Vampir ist schlicht und ergreifend Kitsch."

„Weshalb erzählen Sie es mir, Robin?", fragte Buffy neugierig.

„Das Stück beinhaltet jede Menge Kampfszenen. Als ich Spike davon erzählte, erwähnte er, dass Sie trainieren und auch ihm schon jede Menge beigebracht haben. Nun, Cordelia hat davon keine Ahnung. Wären Sie vielleicht bereit, uns beratend und unterstützend zur Seite zu stehen? Ich könnte Ihnen eine kleine Gage vorschlagen. Wenn Sie ein paar Stunden pro Woche erübrigen könnten, um Cordelia ein wenig Unterricht zu geben?" Robin sah sie bittend an.

Buffy überlegte. „Rupert ist im Moment im Krankenhaus, wird aber in den nächsten Tagen entlassen. Ich kann ihn nicht allein im Haus lassen. Cordelia müsste zu mir kommen. Wann soll denn das Stück aufgeführt werden?"

„Ich rechne mit dem 1.Oktober", erklärte Robin eifrig. „Das wäre in sechs Monaten."

Sie seufzte. Bis dahin würde Giles nicht mehr leben und sie hatte noch keine Ahnung, wie ihr Leben dann weiter gehen sollte. Aber sie wusste, dass sie dann bedeutend mehr Zeit haben würde, und es war vielleicht schön, sich schon jetzt für diese Zeit eine kleine Beschäftigung zu suchen. „Warum nicht."

„Das ist wundervoll!", rief Robin begeistert aus und winkte nach der jungen Frau, die den Sekt verteilte. „Das müssen wir feiern. Eine glanzvolle Premiere, die Idee eines neuen Stücks. Jetzt benötige ich nur noch die vollständigen Besetzungen."

Buffy fing an zu lachen. „Schauspieler fehlen Ihnen auch noch, Robin?"

„Eigentlich nur noch eine", gab der Mann zu. „In dem Stück kommt eine Hexe vor und ich kann die Figur mit keiner der Frauen in Verbindung bringen, die mir zu Verfügung stehen. Ist das da drüben eine Freundin von Ihnen, Buffy? Die rothaarige junge Frau?"

„Willow?!", prustete Buffy los. „Willow spielt garantiert nicht in einem Theaterstück mit."

„Willow…Willow…", sinnierte Robin. „Ein phantastischer Name. Würden Sie mich mit ihr bekannt machen?"

 

Teil 9

                                                

Es war spät in der Nacht, als sie den Heimweg antraten. Willow und Tara würden in einem der Gästezimmer übernachten und erst am nächsten Morgen zurück nach L.A. fahren.

Willow war ganz aus dem Häuschen und ihr Mund stand nicht mehr still, als sie von dem Gespräch mit Robin Wood erzählte. „Er denkt tatsächlich, ich wäre die ideale Figur für seine Hexe! Ich. Dabei hat er mich noch gar nicht auf einer Bühne sprechen hören!"

„Sag bloß, du willst es versuchen?" Buffy klang erstaunt. Sie saß auf der Rückbank des Autos neben Spike, da Tara fuhr und Willow neben ihr saß.

„Ich weiß nicht, ob ich es kann. Aber interessant wäre es schon. Ich, die Hexe Willow." Sie kicherte. „Er wollte sogar meinen Namen übernehmen."

Tara parkte das Auto im Hof und sie betraten das Haus. Maggie hatte das Gästezimmer, das neben Spikes Schlafzimmer lag, schon für die beiden Frauen hergerichtet und da es sehr spät war, verabschiedeten sie sich voneinander, nachdem Buffy ihnen noch die Badezimmer gezeigt hatte.

Spike, der während der ganzen Autofahrt recht ruhig gewesen war, hatte ihnen schon eine gute Nacht gewünscht und war in seinem Zimmer verschwunden.

Er wollte es nicht zugeben, aber es störte ihn, wie begeistert die Frauen, vor allem Buffy, von seinem Programmdirektor redeten. Und noch mehr störten ihn die Blicke, die der dunkelhäutige Mann Buffy zugeworfen hatte.

Sie hatte nicht darauf reagiert, sie vielleicht nicht einmal bemerkt, sondern sich ganz normal verhalten, wie immer und trotzdem ärgerte ihn der Gedanke, dass Buffy Wood gefiel.

Er warf seinen Mantel über seinen Sessel und ging noch einmal auf den Balkon, um eine Zigarette zu rauchen.

Er war zu aufgekratzt, um jetzt einschlafen zu können, weil der Erfolg des Stücks ihn natürlich nicht kalt ließ. Und er war auf sich selbst stolz.

Trotz des Wissens, dass Drusilla im Publikum saß, hatte er gespielt. Ein einziges Mal war sein Blick über die Menschenmenge geschweift und an ihrer so vertrauten Gestalt hängen geblieben.

Sie hatte das Stück auf der Bühne nicht verfolgt und das sagte ihm, dass Buffy Recht und Dru nur einen Grund hatte zu kommen: Sie wollte ihm heimzahlen, dass er ihren neuen Liebhaber verprügelt hatte. Es war fehlgeschlagen, aber gerade ihre Anwesenheit und was sie getan hatte, zeigte ihm, dass es zwar wehtat, er aber über den Punkt hinweg war, dass er sich darüber aufregte.

Jetzt wusste er genau, dass es niemals wieder das Gleiche wäre zwischen ihm und ihr. Er konnte nicht einmal sagen, ob er ihr verzeihen könnte, wenn sie plötzlich wieder vor ihm stehen würde.

Gedankenverloren zog er an seiner Zigarette und blies den Rauch in die Luft, als ihn ein Kichern aufhorchen ließ. Es kam aus dem Zimmer neben seinem und er verdrehte die Augen, als ihm einfiel, dass Willow und Tara dort schliefen. ,

Gesprächsfetzen drangen zu ihm durch, unterlegt von Kichern und er stöhnte unterdrückt auf, als die Geräusche eindeutiger wurden.

„Verflucht", murmelte er leise und versuchte zu ignorieren, was ihm seine Ohren sagten. Konnten die beiden denn nicht wenigstens ein bisschen leiser machen?

Xanders Worte stiegen in seinem Kopf hoch und er biss die Zähne aufeinander, als ein Teil seines Körpers zum Leben erwachte.

Der Abend war für Xander fast wie in einem Traum gewesen. Mit Willows Hilfe, die einen Narren an dem schüchternen jungen Mann gefressen zu haben schien, hatte Xander den halben Abend an Cordelias Seite verbracht. Diese sah ihn plötzlich in einem anderen Licht, jetzt, da Willow so auf seiner Seite stand.

Kleine Kupplerin, hatte Spike amüsiert gedacht und gegrinst, als Xander ihm ins Ohr flüsterte, was für eine hinreißende Stimme Cordy hätte.

Spike hörte jemanden stöhnen, er tippte auf Tara, und warf die Zigarette wütend über das Geländer des Balkons. Er hätte am liebsten: „Leiser!" gerufen, beherrschte sich aber gerade noch rechtzeitig.

Buffy hörte die beiden doch bestimmt auch. Was würde sie tun?

Fluchend entzündete er die nächste Zigarette, als er feststellte, dass er darüber nachdachte, ob eine Frau wie Buffy sich selbst befriedigte.

„Scheiße, scheiße, scheiße", murmelte er unterdrückt, weil seine Finger bei dem Gedanken, dass sie sich selbst berührte, zitterten und er kaum die Zigarette anzünden konnte.

Hatte sie nicht erzählt, ihre letzte Beziehung wäre zwei Jahre her? Hieß das, auch ihr letzter Sex?

Das konnte nicht sein, oder? Seiner war eine Woche her und allein der Gedanke daran sorgte für ein Problem in seiner Hose. Er warf einen bösen Blick auf seinen Unterleib und zog wieder an der Zigarette.

Xander und seine blöden Ideen… Willows und Taras Stöhnen trug nicht dazu bei, seine Gedanken in eine andere Richtung wandern zu lassen und da er nun schon einmal bei Buffy und Selbstbefriedigung angelangt war, fiel es ihm sehr schwer, die Bilder, die ihm sein Kopf vorgaukelte, zu vertreiben.

„Verdammt", fluchte er wieder. „Du bist doch krank, du Idiot", schimpfte er mit sich selbst und schloss verzweifelt die Augen, weil er plötzlich eine nackte Buffy vor seinem inneren Auge sah, deren Hand zwischen ihre Beine wanderte. Sein Schwanz drückte schmerzhaft gegen den Reißverschluss seiner Jeans und er schwor sich, demnächst Unterwäsche zu tragen.

Im Nachbarzimmer kreischte eine der Frauen auf und Spikes Augen flogen wieder auf.

Eine Dusche. Eine kalte Dusche wäre wahrscheinlich die beste Lösung… Ob Buffy auch eine brauchte? Half das bei Frauen… Scheiße, wieso war er schon wieder bei Buffy angelangt?

Seufzend öffnete er seine Hose und streichelte seinen harten Schwanz, krampfhaft bemüht, sich Drusillas hübsches Gesicht vorzustellen und scheiterte kläglich, als die Haare immer wieder blond wurden und große, unschuldige, grüne Augen ihn ansahen.

Vielleicht sollte er eins der Magazine unter seinem Bett hervor holen und sich ein paar der Frauen ansehen? Am besten nur dunkelhaarige?

Er stöhnte durch die zusammen gebissenen Zähne und seine Hand umschloss seinen Penis fester. Eigentlich war es egal… Seine Gedanken würde sowieso niemand erfahren…

Die leise Stimme, die sagte, es wäre krank, beim Masturbieren an seine Stiefmutter zu denken, wurde immer unhörbarer. Buffys strahlendes Lächeln erschien vor seinem inneren Auge.

Er stöhnte wieder und pumpte schneller. Er sah, wie sie ihren Körper bewegte, wenn sie kämpfte und wie sie lachte, wenn er auf die Matte flog. Er sah, wie sie ihn nach der Premiere umarmte und in seiner Vorstellung küsste sie ihn auch. Gott, sie küsste sicherlich fantastisch…mit diesen Lippen…

Seine Vorstellung wurde so real, dass er ihren Körper so spüren schien, der sich gegen seinen presste. Er warf sie aufs Bett und war im nächsten Moment auf ihr.

Spikes Augen hatten sich geschlossen, sein Kopf lehnte an der Wand und aus seinem halb geöffneten Mund drang immer wieder ein leises Stöhnen. Es war eine Weile her, dass er das getan hatte, Dru hatte seine Erregung meist schnell gespürt, wenn sie nicht gar dafür verantwortlich war und manchmal war es ihnen egal gewesen, wo sie sich zu diesem Zeitpunkt gerade befanden.

Und er war längst über den Punkt hinweg, dass es ihn beschäftigte, wen er sich vorstellte. Er sah Buffys trainierten Körper, fühlte ihre Muskeln, als ihre Beine sich um seine Hüften schlangen und stieß keuchend und heftiger in seine eigene Hand.

Plötzlich war ihm alles egal. Er dachte nicht einmal über die Sauerei nach, als er härter pumpte, sondern er wollte nur das Gefühl genießen, die Schauer, die seinen Körper schüttelten und er stöhnte laut auf, als er seine Hand fest um sich selbst schloss und sein Samen über seine Hose spritzte.

Seufzend, noch immer mit geschlossenen Augen, genoss er das schöne Gefühl der Befriedigung, während er schwer atmend einfach nur an der Wand lehnte.

Es dauerte eine ganze Weile, ehe er die Augen wieder öffnete und mit dem Abflauen des befriedigenden Gefühls kam die Bestürzung. Er starrte auf seine Hände, seinen jetzt wieder schlaffen Penis und seine verklebte Jeans und ein einziger Gedanke hämmerte in seinem Kopf - Wie konntest du das tun?

„Scheiße", flüsterte er verzweifelt. Er würde Buffy nie wieder in die Augen sehen können.

Zum Glück herrschte im Nachbarzimmer jetzt Ruhe und Spike stemmte sich ächzend hoch. Er hatte keine Lust mehr, das Zimmer noch einmal zu verlassen, um wenigstens seine Hose zu säubern und beschloss, diese morgen früh schnell in der Wäschekiste verschwinden zu lassen.

Nachdem er sich ausgezogen hatte und ins Bett gekrochen war, hatte sich ein Teil der Bedrückung schon wieder verflüchtigt.

Sie weiß es doch nicht, redete er sich ein. Schließlich kann ich fantasieren, über wen ich will.

Genau, antwortete sein böses Ich. Wenn sie schon so einen heißen Körper hat, muss sie auch damit rechnen, dass er in ein paar schmutzigen Fantasien vorkommt.

Spike war plötzlich sehr froh, dass es dieses Ich gab und fühlte sich gleich besser, als er sich zusammenrollte und sein Kissen an sich zog.

Aber er schwor sich, dass es das erste und letzte Mal gewesen war.

*************************

Buffy war am nächsten Morgen recht erstaunt, als sie aus dem Bad kam und Gelächter von der Terrasse hörte. Und noch erstaunter war sie, als sie Willow und Spike erkannte, die an dem gedeckten Frühstückstisch saßen und schon gemütlich schwatzten.

Die beiden hatten sie noch nicht bemerkt, redeten aber so laut, dass Buffy sie verstand.

„Du solltest ganz still sein, Spike", sagte Willow gerade amüsiert. „So leise warst du auch nicht."

„Ich meinte ja nur, ihr hättet die Balkontür zuma… Was?!" Er starrte die rothaarige Frau verdutzt an.

Willow lachte. „Ich habe nur dich gehört, nehme also an, dass du allein mit dir selbst warst….Oder? Hat dich erregt, was du gehört hast?"

Seine Lippen verzogen sich zu einem vergnügten Grinsen. „Ich war schon immer leicht zu erregen", gab er unverblümt zu und stellte erfreut fest, dass seine ihm so liebgewordenen Unverfrorenheit zurückgekehrt war.

„Ja, ja", murmelte Willow genau so belustigt. „Jungs in deinem Alter…."

Buffy wäre ihrer Freundin am liebsten an den Hals gesprungen, als sie das Gespräch hörte. Dann ging ihr auf, wovon die beiden eigentlich sprachen und die Röte kroch in ihre Wangen. Erschrocken blieb sie stehen. Wenn sie mit dieser Gesichtsfarbe die Terrasse betrat, wussten die beiden sofort, dass sie gelauscht hatte.

„Ich hasse es, wenn man mich einen Jungen nennt", knurrte Spike gerade.

„Tut mir leid, Spike", entschuldigte sich Willow schnell. „Und wegen letzter Nacht…ich hoffe doch, du konntest dir selbst noch recht gut helfen?", setzte sie mit einem anzüglichen Grinsen noch hinzu.

Er zuckte mit den Schultern. „Sicherlich."

„Wieso warst du auf dem Balkon? Du hast doch nicht absichtlich gelauscht?"

Spike lachte auf. „Ganz bestimmt nicht, Red. Ich hatte Appetit auf eine Zigarette."

Willow grinste. „Und dann hast du Appetit auf etwas anderes bekommen? Wir haben in diesem Moment wirklich nicht darüber nachgedacht, dass dein Zimmer neben unserem liegt."

„Kein Problem. Das nächste Mal sage ich euch, dass ihr leiser machen sollt." Spike griff nach seinem Kaffee und nahm einen Schluck.

Mit einem Kichern griff Willow nach ihrem Brötchen. „Vielleicht hat es deine Fantasie etwas angestachelt. Junge *Männer*…", sie betonte das ‚Männer’ extra, „…haben eine sehr blühende Fantasie, wenn es darum geht, sich selbst zu befriedigen."

„Woher willst du das wissen, Red?", erkundigte er sich süffisant.

„Ich bin neugierig. Und ich frage, was ich wissen will." Willow wackelte mit den Augenbrauen. „Denkst du immer noch an Dru? Dabei? Oder an jemand anderen?"

„Das geht dich gar nichts an." Spike grinste zurück.

Und in diesem Moment reichte es Buffy. Sie kannte ihre Freundin und wollte gar nicht wissen, welche Fragen sie dem armen Spike noch zu stellen gedachte. Obwohl dieser damit kein Problem zu haben schien.

Mit lauten Schritten durchquerte sie das Wohnzimmer und begrüßte die beiden. „Morgen."

„Hallo, Buffy." Willow sah lächelnd auf. „Ich konnte nicht mehr schlafen und hoffe, es stört dich nicht, wenn ich schon einmal den Tisch gedeckt habe. Spike war so nett, mir Gesellschaft zu leisten." Sie sah auf Spike und ihre Augenbrauen hoben sich kurz, als sie bemerkte, wie angetan dieser plötzlich von seinem Brötchen war.

Und noch mehr erstaunte sie die feine Röte in seinen Wangen. Sie sah wieder auf Buffy, die gar nichts zu bemerken schien, sondern sich einfach an den Tisch setzte und sich Kaffee einschenkte.

„Spike ist eigentlich gar kein Frühaufsteher", meinte Buffy gerade und versetzte ihren Kaffee mit Milch und Zucker.

„Die ganze Aufregung gestern Abend", meinte Willow ruhig. „Da ist es ganz normal, wenn man etwas schlecht schläft. Nicht wahr, Spike?"

„Ja", brummte dieser einsilbig. Allerdings hob er endlich den Kopf, sah Buffy, die ihn freundlich anlächelte und das Gespräch mit Willow stieg wieder in seinen Kopf.

„Haben wir dich auch gestört, Buffy", erkundigte sich Willow unschuldig. „Spike hat sich beschwert, dass wir zu laut waren."

„Nein, nein", antwortete Buffy eilig und wandte schnell den Blick von Spikes blauen Augen ab, als ihr einfiel, wobei dieser dann von Willow belauscht wurde. Warum hatte sie das Gespräch nicht eher unterbrochen?

Willow kicherte wieder. „Das ist schön. Wir wollen doch nicht dafür verantwortlich sein, dass alle anderen im Haus anwesenden Personen etwas heiß laufen…"

Buffy wurde feuerrot, obwohl sie tatsächlich nichts gehört, aber eben das Gespräch belauscht hatte. Sie rührte in ihrem Kaffee, als wäre es die wichtigste Sache der Welt und wagte sich nicht hochzusehen.

So bekam sie auch nicht mit, dass Spike genau so rot wurde wie sie selbst und Willows Blick neugierig von ihr zu ihm wanderte.

Mit einem Ruck schob Spike seine Tasse von sich und stand auf. „Ich…ich muss gehen. Hab noch …zu …ähm…tun…"

Willows Mund klappte auf, als er fluchtartig von der Terrasse stürzte und sah endlich wieder ihre Freundin an. „Buffy?"

Buffys Kopf schoss hoch. „Was?!"

„Was ist los? Warum zum Teufel bist *du* so rot?"

„Ich habe euer Gespräch gehört", gab sie zerknirscht zu.

Nachdenklich stützte Willow ihr Kinn auf ihre Hand. „Das ist schon eigenartig", murmelte sie versonnen. „Bis du aufgetaucht bist, hat den süßen Spike absolut nicht interessiert, wovon wir reden. Ich hatte sogar das Gefühl, als fand er es amüsant."

„Ich fand es nicht amüsant“, zischte Buffy. „Wie konntest du nur, Willow! Reicht es nicht, dass du ihn gehört hast? Musst du noch laut und breit erzählen, dass er… dass er…“ Sie schaffte es nicht, das Wort auszusprechen.

„…dass er sich selbst befriedigt hat?", fragte Willow scheinheilig und grinste schon wieder, als sich die Röte in Buffys Wangen vertiefte. „Was ist dabei? Alle tun das. Du doch auch, oder? Die Frage ist nur, warum es ihm plötzlich peinlich war, obwohl es ihn zwei Minuten vorher überhaupt nicht gestört hat…"

„Es war ihm sicherlich die ganze Zeit peinlich…"

„Quatsch." Willow schüttelte den Kopf. „Du hättest sein Grinsen sehen sollen. Der *Junge* hat es faustdick hinter den Ohren. Es wurde ihm erst peinlich, als du aufgetaucht bist…Oh Gott…“ Sie schlug sich die Hand vor den Mund und fing an zu lachen.

„Was ist denn jetzt?", fragte Buffy genervt.

Willow Stimme senkte sich zu einem Flüstern. „Ich habe ihn gefragt, ob er immer noch an Dru denkt, wenn er…du weißt schon… Dann kamst du und er wurde feuerrot…"

Buffy starrte Willow nur fragend an.

Diese grinste plötzlich sehr hinterhältig. „Also ich wette, ich weiß, an wen er gestern Nacht gedacht hat…“

Buffys Augen wurden riesengroß, als ihr die Bedeutung der Worte aufging. „Du spinnst…“, brachte sie schwach hervor und sie fühlte sich als würde sie gleich ohnmächtig werden. „Du spinnst, Willow.“

„Vielleicht, vielleicht“, sinnierte Willow vergnügt und schlug ihre Beine übereinander. Buffy war genau so rot im Gesicht wie Spike, bevor er geflüchtet war und Willow fand das einfach herrlich. „Wenigstens hat er diese Dru vergessen. Wenn ich mich daran erinnere, was sie gestern im Theater angestellt hat… Also ich wäre am liebsten hingegangen und hätte sie eigenhändig hinaus geworfen."

„Was hat sie denn gemacht?"

„Buffy!“, schimpfte Willow. „Kriegst du denn gar nichts mit? Sie hat sich das Stück überhaupt nicht angesehen, sondern die ganze Vorstellung damit zubrachte, ihren neuen Lover zu betatschen.“ Willow hob ihren Zeigefinger. „An Stellen, die in der Öffentlichkeit tabu sein sollten. Dass Spike trotzdem so phantastisch gespielt hat, ist ihm hoch anzurechen. Und wenn er sich in der Nacht mal dein Bild ausleiht, um ein wenig zu phantasieren, solltest du ihm nicht böse sein.“

Buffy fuhr sich durch die Haare. „Du hast unmöglich Recht, Will. Vielleicht war es ihm einfach peinlich, weil ich so etwas wie seine Mutter bin…Ich meine, mir wäre auch peinlich, wenn meine Mutter erfahren würde, dass ich mich selbst…“

Willow lachte auf. „Ganz bestimmt, Buffy."

Buffy vergrub ihr Gesicht in ihren Händen. „Warum hast du mir das gesagt, Will? Wie soll ich ihn denn jetzt wieder ansehen? Wie zum Teufel soll ich Giles ansehen?“

„Gott! Mach nicht so ein Drama daraus. Er weiß es doch nicht.“

„Morgen!“, ertönte hinter ihnen die muntere Stimme Taras und lenkte Willow von Buffys süßer Gesichtsfarbe ab.

„Morgen, Schatz!“, begrüßte sie sie. „Setz dich. Ich muss dir sagen, dass wegen unserer nächtlichen Aktivitäten Beschwerden aufgetreten…"

Buffy vergrub aufstöhnend ihren Kopf in ihren Armen. Willow würde dieses Thema heute nicht mehr lassen.

Vielleicht sollte sie es wie Spike machen und sich einfach in ihr Zimmer verkriechen? Und darüber nachdenken, ob er wirklich an sie gedacht hatte? Gott, das war ja noch schlimmer…

 

Teil 10

 

  

Buffy sah an diesem Tag nicht mehr viel von Spike. Am Abend hörte sie nur sein Motorrad und nahm an, dass er ausgehen wollte. Sie war froh darüber, weil sie sich selbst erst beruhigen musste, ehe sie ihm wieder gegenüber trat.

Am nächsten Tag holte sie Giles aus dem Krankenhaus ab. Es ging ihm etwas besser und er erklärte Buffy, dass es an der Zeit war, einige Telefonate mit seinen Anwälten zu führen, um seine Nachfolge zu regeln. Weder Buffy noch Spike waren in der Lage, die Führung von Giles-Industries zu übernehmen.

Buffy nickte traurig zu den Erklärungen und obwohl sie wusste, dass Giles Recht hatte, tat es ihr weh.

Einen Tag später reiste Faith Morgan persönlich an. In ihrer Begleitung befand sich Wesley Wyndham-Pryce, der bisher als Giles‘ Vertreter die Geschäfte der Firma leitete.

Faith machte zwei Vorschläge. Der erste sah vor, die Anteile an Giles-Industries zu verkaufen, was Giles sofort ablehnte.

Der zweite übertrug Wesley die Geschäftsführung für eine unbegrenzte Dauer mit der Aufgabe, Buffy einen vierteljährlichen Bericht vorzulegen, den diese zusammen mit Faith auswerten konnte. Außerdem erfolgte die jährliche Gewinnausschüttung auf Spikes Treuhandkonto.

Vom diesem Konto erhielt Spike eine monatliche Summe zu seiner Verwendung. Giles wollte vertraglich festgelegt haben, dass sein Sohn den vollen Zugriff auf das Konto erst erhielt, wenn er einundzwanzig wurde.

Jedoch sollte ein eventuelles Studium oder eine weitere Ausbildung von diesem Konto finanziert werden. Giles hoffte noch immer, dass sein Sohn sich irgendwann in die von ihm gewünschte Richtung entwickelte. Giles persönliche Privatkonten sollten vorerst bestehen bleiben, um Buffys Unterhalt zu zahlen.

Buffy hörte mit gemischten Gefühle zu, als die drei Personen so detailgetreu das Leben nach Giles‘ Tod planten.

Sie wusste, dass dem kranken Mann nichts anderes übrig blieb und ihre Hochachtung vor ihm wuchs.

Aber sie wunderte sich, dass man Spike nicht mit zu der Besprechung holte. Als sie dies ansprach, schüttelte Giles nur missbilligend den Kopf und meinte, Spike wäre zu jung, um Ereignisse von solcher Tragweite zu planen.

Buffy bezweifelte dies, doch sie wollte den kranken Mann nicht aufregen, indem sie sagte, vielleicht wäre Spike anders geworden, wenn man ihn öfter in gewisse Dinge einbezogen hätte.

Als Faith und Wesley sich verabschiedeten, begegneten sie im Haus Spike. Wesley schien ihn gar nicht für voll zu nehmen und Faith meinte lachend.

„William, du bist aber gewachsen!“ Sie fuhr ihm spielerisch durch die Haare, ignorierte seinen bösen Gesichtsausdruck und fragte. „Was macht die Schule?“

Spikes Augen verengten sich. „Ich habe vor einem halben Jahr meinen Abschluss gemacht", knurrte er zwischen den Zähnen hindurch.

„Tatsächlich?" Faiths Augenbrauen hoben sich erstaunt. „Wie die Zeit vergeht! Dann wird es wirklich Zeit, sich um eine ordentliche Ausbildung zu kümmern."

Buffy sah genau, dass Spike kurz vor dem Explodieren stand. „Nun", mischte sie sich ein. „Ich bin sicher, Spike hat da schon gewisse Vorstellungen."

Faith lächelte den jungen Mann gönnerhaft an. „Lass dich mal im Büro sehen, William. Und vorher gehst du mit Buffy ein paar Anzüge einkaufen, damit du nicht gleich unsere Kunden verschreckst, nicht wahr? Ich bin sicher, irgendwo in dir steckt der Funken von Ruperts Ehrgeiz. Wäre doch gelacht, wenn wir den nicht wecken, mein Junge." Faith schien Spikes mörderische Miene überhaupt nicht zu stören, denn sie lächelte weiter und reichte dann Buffy die Hand. „Auf Wiedersehen, Mrs. Giles. Ich denke, wir werden gut miteinander auskommen."

Im Gegensatz zu Faiths Lächeln war Wesleys warm und freundlich, als er ihr die Hand schüttelte. „Auf Wiedersehen. Ich verehre Ihren Mann, Mrs. Giles. Ich verspreche Ihnen, die Geschäfte zu Ihrer vollsten Zufriedenheit zu führen."

„Ich bin sicher", antwortete Buffy höflich, „dass Sie das tun werden, Wesley."

Die beiden waren kaum zur Tür hinaus, als sich Buffy durch die Haare fuhr. „Gott, ich muss mit Willow reden", stieß sie hervor und stürzte in Richtung Wohnzimmer.

Spike folgte ihr mit in den Hosentaschen vergrabenen Händen. „Wesley ist okay", sagte er wie nebenbei. „Faith traue ich nur, solange sie mir nicht den Rücken zudreht."

Buffy hatte schon das Telefon in der Hand und sah ihn mit großen Augen an. „Ob es deinen Vater verletzt, wenn ich die Verträge durch einen anderen Anwalt prüfen lasse?"

„Welche Verträge?"

Sie ließ die Hand mit dem Telefon sinken. „Warum bezieht er dich nicht ein, Spike? Warum redet er nicht mit dir über die Zukunft?", fragte sie verzweifelt.

Spike lachte hart auf. „Weil ich nur ein kleiner Junge bin, der von der großen weiten Welt keine Ahnung hat?", fragte er bitter. „Buffy, ich werde nicht in diese Firma gehen und ich werde auch keinen Anzug kaufen. Wenn Dad vorhat, mich zu enterben, ist das sein Problem nicht meins."

„Das hat er nicht vor", sagte sie leise und sank auf die Couch. „Setz dich."

Buffy war mit Giles’ Handlungsweise sowieso nicht einverstanden. Darum entschied sie sich auch jetzt dazu, über dessen Kopf hinweg, Spike einzubeziehen. Egal wie Giles über seinen Sohn dachte. Sie kannte ihn ebenso gut, wenn nicht sogar besser.

Sie fand, es war sein Recht, über die Verträge informiert zu werden und erklärte ihm innerhalb der nächsten Stunde, was gerade in Giles‘ Zimmer ausdiskutiert worden war.

Entgegen Ruperts abfälliger Meinung hörte Spike ernsthaft zu und unterbrach sie nur, wenn er eine Frage hatte.

„Das klingt doch alles recht gut", erklärte er dann. „Rupert weiß schon, was er tut. In Geschäften hat er ein goldenes Händchen. Trotzdem finde ich, hast du das Recht, deinen eigenen Anwalt hinzu zu ziehen und das Ganze überprüfen zu lassen. Ich würde es an deiner Stelle aber diskret machen, und ohne dass Faith oder Dad etwas davon mitbekommen. Dad würde sich aufregen und Faith hat Mittel und Wege, anderen Menschen das Leben zur Hölle zu machen, wenn sie es will. Darauf würde ich mich erst einlassen, wenn ich erfahre, dass sie ein falsches Spiel treibt. Sie ist schon fast zehn Jahre Anwältin bei Giles-Industries und deshalb denke ich, sie steht hinter Dad."

Buffy musterte ihn neugierig. „Dafür, dass du absolut kein Interesse an der Firma hast, weißt du aber eine Menge."

Er grinste breit. „Ich surfe gern im Internet", gab er zu. „Darf ich dabei sein, wenn dein Anwalt die Verträge prüft?"

„Sicher. Wenn du möchtest. Dummerweise kenne ich keinen Anwalt. Ich hoffe, dass Willow mir jemanden vorschlagen kann."

Spike grinste wieder. „Kannst du dich an Anya Jenkins erinnern? Die Frau, die Julias Mutter gespielt hat?" Buffy nickte. „Ihr Mann besitzt eine Anwaltskanzlei in L.A. Ich könnte mit ihr reden."

Buffy lachte und schlug ihm gespielt gegen den Arm. „Du hast ja richtig gute Kontakte, Spike. Das solltest du dann schnellsten einmal tun."

Etwas wie Stolz leuchtete in seinen blauen Augen. „Ich bin nicht der kleine Junge, für den mich alle halten", murmelte er dann leise und wich ihrem Blick aus.

Buffy seufzte unbewusst. „Ich weiß..."

Sein Gesicht schoss zu ihr herum und ihr blieb einen Moment fast das Herz stehen, als ihr klar wurde, dass ihre Stimme irgendwie verträumt geklungen haben musste.

„I-ich meine, du bist fast achtzehn. D-das heißt ... erwachsen. Du...du bist fast erwachsen", stotterte sie schnell und zusammenhanglos und verfluchte sich selbst.

Ein feines Lächeln huschte um seine Lippen und ihr wurde heiß, als sich der Ausdruck in seinen Augen wandelte. Einen kurzen Augenblick nur, dann drehte er den Kopf wieder weg.

Sie schüttelte verwirrt den Kopf und fragte sich, ob sie es sich eingebildet hatte oder ob sie tatsächlich gesehen hatte, was sie glaubte zu sehen: Verlangen.

 

*****************

„Locker bleiben, Cordelia", erklärte Buffy ruhig, als die schlanke junge Frau wieder über ihre eigenen Beine stolperte und stürzte.

Das war jetzt die dritte Stunde und obwohl Buffy ein sehr geduldiger Mensch war, wusste sie schon jetzt, dass sich Cordelia Mühe geben konnte, soviel sie wollte. Sie würde die Kampfszenen niemals so herüber bringen können, dass es auf der Bühne echt wirkte.

Davon jedoch abgesehen, gab sich Cordelia keine Mühe, sondern hatte mehr damit zu tun zu schimpfen, wie lächerlich das Ganze wäre und sie keine Lust habe, sich jeden Tag aufs neue blaue Flecken einzuhandeln.

Buffy hatte Spike aus dem Trainingsraum geworfen, weil dieser anfing, sich über Cordelia lustig zu machen, was wiederum die recht heißblütige junge Dame zu regelrechten Wutausbrüchen veranlasste.

„Ich bin keine Jägerin!", erklärte Cordelia hochmütig. „Ich bin Schauspielerin und für Kampfszenen gibt es immer Doubles!"

Buffy schickte ein Stoßgebet zum Himmel. „Wir können für heute Schluss machen. Vielleicht redest du noch einmal mit Robin, damit er die Kampfszenen so kurz wie möglich fasst."

„Am Ende passt Spike nicht auf und trifft mich wirklich noch", meckerte Cordelia weiter, während sie vor Buffy die Stufen hinauf stieg.

Buffy musste grinsen, als sie Spike im Wohnzimmer lümmeln sah und in dem Sessel neben ihm Xander erkannte. „Möchtest du etwas trinken, Cordelia?" Jetzt fing sie schon an, wie ihre Freundin Willow die Kupplerin zu spielen.

„Ich bin total ausgedörrt", erklärte Cordelia und fiel in den anderen freien Sessel. „Hi, Xander."

„Hi, Cordy. Wie läuft das Training?"

„Scheußlich", fing sie an zu lamentieren und begann, Xander ausführlich auseinander zu setzen, wie schrecklich das Training war.

Xander war wahrscheinlich vollkommen egal, was Cordelia gerade sagte, die Hauptsache war, dass sie es tat, und seine Augen hingen an den Lippen der jungen Frau, um ja kein Wort zu versäumen.

Buffy holte Wasser und Orangensaft aus der Küche und reichte Cordelia ein Glas. Sie setzte sich neben Spike auf die Couch und warf ihm einen verschwörerischen Blick zu.

„Ich will die Rolle nicht", beschwerte Cordelia sich gerade. „Da sind noch mehr Figuren in dem Stück, die ich spielen könnte, ohne mir meine Glieder zu zerstören. Außerdem habe ich keine Lust, Spike am laufenden Band zu küssen."

„Hast du das Skript schon?", fuhr dieser erschrocken hoch.

„Nein." Cordelia warf ihm einen missmutigen Blick zu. „Aber ich habe Robin ausgehorcht. Du kriegst auch Reißzähne und das ist ja noch ekelhafter!"

„Ich bin auch nicht scharf darauf, dich zu küssen! Mir reicht der Romeo-Part völlig!"

Buffy konnte sich nur mühsam das Lachen verkneifen. „Ihr wollt beide Schauspieler werden. Solche Dinge werden öfter passieren."

Spike verschränkte seine Arme vor seiner Brust und funkelte Cordelia an. „Du solltest froh sein, wenn es mehr Liebes- als Kampfszenen sind! Wenn die Leute dein Gekasper sehen, denken sie sowieso, wir führen eine Komödie auf."

„Ich muss mich nicht von dir beleidigen lassen, du Freak!", schrie ihn Cordelia an. „Du bist am Ende wahrscheinlich total scharf auf die Kussszenen, weil Dru dich abserviert hat und du keine andere Verrückte findest!"

Spike war genau so schnell auf den Beinen wie Cordelia und Buffy stoppte ihn gerade noch, indem sie sich zwischen die beiden Kampfhähne stellte.

„Das war gemein!", schimpfte sie. „Von euch allen beiden! Spike, du bist genau so oft im Dreck gelandet wie Cordy, als du mit dem Training begonnen hast. Und Cordelia, Spikes Privatleben geht dich gar nichts an. Ihr wollt, dass man euch wie erwachsene Menschen behandelt, dann fangt an, euch auch so zu benehmen!" Sie sah Spike scharf an. „Sag, dass es dir leid tut und vergesst den Quatsch. Ihr wollt zusammen arbeiten und nicht gegeneinander!"

Spike presste die Lippen aufeinander, starrte Buffy einen Moment an, ehe er sich einen Ruck gab und knurrte. „Tut mir leid."

Buffy strahlte. „Siehst du, geht doch. Cordelia?"

„Tut mir leid", murmelte die dunkelhaarige Frau und sah in ihr Glas als wäre es hochinteressant.

Spike ließ sich wieder auf die Couch fallen und Xander atmete erleichtert auf.

Es wäre wirklich sehr schwer gewesen zu entscheiden, wem er beistehen sollte, seinem Freund oder der Frau, in die er verliebt war. Auch, wenn sie davon noch nichts wusste…

******************

Eine Woche später brachte Spike Anya und ihren Mann Doyle mit nach Hause. Es war nach einer erneuten Aufführung von Romeo und Julie und schon recht spät, aber Spike wollte nicht, dass sein Vater eventuell noch auf war, wenn Doyle sich die Papiere ansah.

Buffy fand Doyle auf Anhieb sympathisch, Anya ebenfalls, auch wenn die Art und Weise der jungen Frau, sofort heraus zu platzen, was sie dachte, am Anfang gewöhnungsbedürftig war. Vor sich hin schmunzelnd stellte sich Buffy vor, wie es wäre, Anya und Willow zusammen zu erleben. Sie würden sich sicherlich blendend verstehen.

Während sich Doyle in die Küche setzte und in Ruhe las, machten Buffy, Spike und Anya es sich bei einem Glas Wein im Wohnzimmer bequem.

„Ich kann gar nicht glauben, dass Giles wirklich so krank ist", sagte Anya mit gerunzelter Stirn. „Kein Wunder, wenn dich viele für eine Mitgiftjägerin halten."

„Anya!", fuhr Spike auf.

„Ja, ja, du hast mir den Rest erklärt", winkte Anya ab und lächelte Buffy verschwörerisch an. „Ich würde dir das nicht einmal zum Vorwurf machen. Die Giles’ haben einen Haufen Geld und wenn du dich dafür um unseren süßen Spike kümmern sollst… mein Gott, es gibt Schlimmeres."

„Um mich muss sich niemand kümmern", stellte Spike klar.

Buffy lächelte schwach. „Rupert hat ihn als sehr viel chaotischer und unkooperativer dargestellt als er tatsächlich ist. Ich verstehe bis heute nicht, warum er sich nicht einfach um eine Haushälterin bemühte."

„Weil die einfach wieder gehen kann, Luv", sagte Spike sanft. „Und wie ich meinen Dad und seinen Geschmack in Haushälterinnen kenne, wäre die ganz schnell wieder gegangen, wenn ich es darauf angelegt hätte."

„Stimmt", mischte sich Anya ein. „Er hat schon ein paar Versuche gestartet und die Haushälterinnen waren das ganze Gegenteil von dir, Buffy." Sie lachte und stieß Spike in die Seite. „Vielleicht hat er festgestellt, dass du all seine Autoritätspersonen verkraulst und greift sich die kleine, unschuldige Buffy, die sich einfach in das Herz des bösen Buben schleicht."

Buffy wurde genau so rot wie Spike und Anya lachte wieder. „Habe ich einen Nerv getroffen?"

„So unschuldig ist sie gar nicht", brummte Spike verlegen und wich Buffys Blick aus. „Sie hat mir einfach die Beine unter dem Körper weggetreten und mich auf den Rücken knallen lassen."

„Wow!" Anya sah sie mit großen Augen an. „Ihr hattet Sex?"

„Nein!", kreischten beide erschrocken auf.

Anya zuckte mit den Schultern. „Nicht? Klingt fast danach. Muss ich mir merken."

Ehe sie ihre Idee weiter erläutern konnte, unterbrach Doyle ihr Gespräch und setzte sich zu ihnen. Drei neugierige Augenpaare richteten sich auf sein Gesicht und er lächelte.

„An dem Vertrag ist an sich nichts auszusetzen", begann er dann. „Ich würde diesem Wesley sogar noch etwas mehr zahlen. Ich habe von ihm gehört und er ist wirklich ein klasse Mann für die Aufgabe. Loyal und vertrauenswürdig. Du weißt, Buffy, dass dir viel mehr zusteht als in dem Vertrag vereinbart wurde, ja?"

Buffy nickte. „Mir erscheint die monatliche Summe schon viel zu hoch. Und ich weiß das, Giles hat den Punkt auf meinen Wunsch in den Vertrag aufgenommen."

„Spike erbt die kompletten Anteile an Giles-Industries. Ich würde sie auch nicht verkaufen, sondern mir die Gewinne auszahlen lassen." Doyle sah noch einmal in die Papiere. „Das macht dich zu einem steinreichen Mann, Spike. Aber erst, wenn du einundzwanzig wirst, kannst du über das Geld frei verfügen. Bis zu diesem Zeitpunkt müssen Faith und Buffy über eine zusätzliche Verwendung des Geldes entscheiden."

„Faith?!"

Doyle lächelte. „Wahrscheinlich will dein Vater verhindern, dass du Buffy einfach um den Finger wickelst. Faith ist da bedeutend schwerer zu knacken und auch wenn ich es nicht gern sage, sie ist eine hervorragende Anwältin und steht hinter der Firma."

Spike verzog den Mund. „Ich brauche das Geld sowieso nicht. Schließlich bekomme ich wie Buffy eine monatliche Summe ausgezahlt. Also brauche ich gar nicht erst an diese Hexe Faith heran zu treten."

„Es ist ausdrücklich festgelegt, dass das Geld für deine Ausbildung verwendet werden darf, jedoch weigert sich dein Vater, das Geld für eine Ausbildung im Schauspielbereich zur Verfügung zu stellen."

„Ich habe es gewusst!" Spike sprang wütend auf und lief im Zimmer auf und ab. „Er will mich mit seinem Geld erpressen, damit ich in seine blöde Firma krieche!"

„Ist die Schauspielausbildung denn so teuer?", fragte Buffy. „Hast du dich irgendwo schon beworben?"

„Nein", knurrte Spike nur. „Aber von der monatlichen Zahlung kann ich die Schule bestimmt nicht noch bezahlen."

„Meine Zahlung reicht dafür bestimmt", lächelte ihn Buffy an.

Spike starrte fassungslos zurück, während Anya mit ihrem Weinglas spielte und trällerte. „Ich denke, da hat schon jemand jemanden um den Finger gewickelt…"

„Ann", schimpfte Doyle amüsiert. „Vielleicht ist es das, was Giles vorhat. Vielleicht möchte er, dass sein Sohn lernt, seinen Weg ohne das viele Geld zu gehen."

Spike schnaubte gereizt, obwohl er seinen Blick noch immer nicht von Buffy abwenden konnte. Hatte sie tatsächlich angeboten, seine Schauspielausbildung zu finanzieren?

Buffys Finger drehten nervös ihr Weinglas. Es war ihr einfach so heraus gerutscht, doch sie wusste, dass sie es wirklich tun würde.

Wenn es Spike ernst damit war, würde sie ihn unterstützen, obwohl ihr klar war, dass Rupert es missbilligen würde. Doch nicht Rupert hatte seinen Sohn auf der Bühne gesehen, hatte die Leidenschaft gesehen, mit der er spielte und in seiner Rolle aufging, sondern sie. Und sie wusste, was für ein Talent in ihm schlummerte.

Sie schluckte nervös, weil sie immer noch Spikes Blick fühlte und hob den Kopf. „Ich muss mir also keine Gedanken machen, dass man Rupert über den Tisch ziehen und Spike um sein Erbe bringen will?"

Doyle schüttelte den Kopf. „Nein."

 

T e i l    11

 

„Buffy?"

„Ja?" Buffy setzte sich zu Giles ans Bett, als sie seine schwache Stimme hörte. Sie strich ihm die schweißnassen Haare aus dem Gesicht. „Du solltest nicht so viel reden, es schwächt dich", sagte sie leise.

Giles verzog den Mund. „Ich weiß, was mit mir los ist." Er schwieg einen Moment und Buffy wartete geduldig. „Damals, als ich dich fragte, ob… ich habe dir nicht alles gesagt…von William…"

„Es spielt keine Rolle", unterbrach sie ihn.

Seine Hand griff nach ihrer. „Ich hatte Angst…Er hat so viele Haushälterinnen…verscheucht. Zumindest die, die für ihn verantwortlich waren und weniger für das Haus…wie Maggie… Er kann so grausam sein…so aggressiv…Es war selbstsüchtig von mir, das mit der Heirat…"

Buffy schluckte. Es war einer der wenigen Momente, in denen der kranke Mann klar redete und sie ahnte plötzlich, dass er den Augenblick nutzen wollte, um sich selbst eine Last von der Seele zu reden. „Ich weiß, Rupert", sagte sie leise. „Und es spielt keine Rolle mehr. Er hat es mir erzählt."

„Hat er?" Giles klang ungläubig.

„Ich finde, er ist ein netter junger Mann. Wenn er will." Ihre Kehle schnürte sich zu, als sie bemerkte, wie mühsam er nach Luft rang und wie schwer ihm das Sprechen fiel.

„Er ist so anders als ich. Mehr wie…Jenny…" Giles schloss einen Moment erschöpft die Augen. „Starrköpfig und stur…ich habe sie trotzdem geliebt…"

„Ich denke, er liebt dich auch", flüsterte Buffy. „Genau wie du ihn. Er ist dein Sohn, Rupert."

Ein schwaches Lächeln huschte über seine Lippen. „Ich danke dir, Buffy. Dass du hier bist, bedeutet mir sehr viel…Du bist gut für ihn…" Dann öffnete er die Augen wieder. „Er wird nie in der Firma arbeiten, oder?"

„Es wäre falsch, ihn zu zwingen" gab sie leise zu. „Wenn er will, Rupert, kann er sich mit all der Leidenschaft, zu der er fähig ist, in eine Sache hineinknien. Wenn er es nicht will, kann er eine Menge Schaden anrichten."

„Ich weiß…", seufzte der kranke Mann. „Ich war ein Narr, etwas anderes zu glauben. Ich habe ihn unter Druck gesetzt…gedroht…"

„Du wolltest das Beste für ihn. Wie jeder Vater." Buffy tupfte ihm mit einem Tuch den Schweiß von der Stirn. „Rupert, er ist fantastisch auf der Bühne. Er hat Talent. Ich habe ihn gesehen und ich sehe, wie viel Zeit und Kraft er aufwendet, um auf der Bühne sein Bestes zu geben. Es ist ihm ernst damit. Und es würde ihm sehr viel bedeuten, wenn du das einfach nur verstehen würdest. Er will sicherlich nicht einmal, dass man ihn vorbehaltlos unterstützt. Sondern nur, dass man seine Liebe zum Theater versteht. Vor allem du…"

Giles seufzte wieder, als er in Buffys grüne Augen blickte. „Ist er da?"

Sie nickte und stand auf.

Spike sah sie etwas eigenartig an, als sie ihm einfach mitteilte, sein Vater wolle ihn sehen und sie schlenderte dann hinaus auf die Terrasse. Ihre Augen wanderten hinauf zu den Sternen, die an dem wolkenlosen Himmel glitzerten und trotz des Wissens, dass Spike gerade mit seinem Vater redete, erfüllte sie eine unsagbare Traurigkeit.

Weil sie plötzlich mit absoluter Gewissheit wusste, dass Giles nicht mehr lange leben würde.

Es dauerte fast eine Stunde, ehe Spike wieder kam.

Sie sah nur in sein fassungsloses Gesicht und fühlte, wie ihr selbst Tränen in die Augen stiegen.

Spike schien es ähnlich zu gehen, denn seine Augen glitzerten verdächtig, als er einfach seine Arme um sie schlang und sein Gesicht an ihrem Hals vergrub.

Es lag nichts Aufdringliches in seiner Umarmung und die Tränen liefen aus Buffys Augen, als sie ihn genau so festhielt wie er sie. Einfach, weil sie den Halt ebenso brauchte.

Er weinte nicht, doch die Art und Weise, mit der er sich an ihr festhielt, sagte ihr, wie sehr ihn das Gespräch mit seinem Vater aufgewühlt hatte.

Und sie ahnte, dass er es genau so wusste wie sie. Auch ohne es zu sagen. Es war eine Verbindung, die sich plötzlich zwischen ihnen aufbaute, eine Nähe, die sich nur zwischen zwei Personen bildete, die das Gleiche fühlten oder die den gleichen Verlust erlebten.

„Ich danke dir", flüsterte er Ewigkeiten später in ihr Ohr und löste seine Hände von ihr. „Ich danke dir." Seine Lippen pressten sich kurz auf ihre Wange, ehe er sich umdrehte und die Treppen hinauf stürzte.

Buffy hob ihr tränennasses Gesicht wieder zu den Sternen und ein seliges Lächeln trat auf ihre Lippen.

*******************

Zwei Tage später starb Giles. Obwohl Buffy damit gerechnet hatte und obwohl sie es während ihrer Arbeit mehr als einmal erlebt hatte, traf es sie wie ein Schock.

Als sie am Morgen sein Zimmer betrat, wusste sie sofort, dass etwas anders war. Es herrschte eine so unnatürliche Ruhe und im nächsten Moment begriff sie, was fehlte: Giles‘ Atemzüge.

Vollkommen erstarrt sank sie auf die Kante seines Bettes, sah in das ruhige Gesicht des Mannes, auf dem jetzt fast ein Lächeln lag, und Tränen traten in ihre Augen.

„Rupert", flüsterte sie verzweifelt. Sie sollte darauf vorbereitet sein. Gerade sie. Wie oft hatte sie während ihrer Arbeit den Tod gesehen? Durch ihre Ausbildung wusste sie, dass es für Giles niemals eine Hoffnung gegeben hatte. Und dass er einfach einschlief, war das Beste und Schönste, was dem Mann passieren konnte.

Das alles wusste Buffy.

Dieses Wissen verhinderte jedoch nicht, dass sich ihr Herz zusammenzog und die Verzweiflung sie übermannte. Sie sollte stark sein, aber es dauerte fast eine Viertelstunde, ehe sie es schaffte, sich wie eine Schlafwandlerin zu erheben und zu Spikes Zimmer zu gehen.

Tränen verschleierten ihren Blick, als sie klopfte, keine Antwort hörte und einfach die Tür öffnete.

„Spike?", flüsterte sie erstickt.

Spike fuhr überrascht in seinem Bett hoch und sah Buffy recht verschlafen an, als sie sich einfach auf sein Bett setzte. Erst dann bemerkte er die Tränen in ihren Augen. „Was ist passiert?"

Selbst seine Stimme klang müde, Buffy hatte keine Ahnung, wann er in der Nacht zuvor heim gekommen war, aber sie registrierte weder seine wirren Haare noch seine nackte Brust, als sie anfing zu weinen. „Dein Vater..."

Spike dachte genau so wenig nach wie sie, sondern zog sie einfach in seine Arme. Ihm war sofort klar, was sie sagen wollte und Verzweiflung stieg in ihm hoch, als er sie schluchzen hörte.

Seine Hände strichen unbewusst über ihre Haare, während er blicklos in die Luft starrte und zu begreifen versuchte, dass er jetzt allein war. Er fühlte ihre Tränen auf seiner Haut, doch seine eigenen Augen blieben trocken.

Buffy war die ganzen Monate so stark gewesen und zu sehen, dass sie es war, die jetzt zusammenbrach, machte ihm Angst.

„Buffy?", fragte er flüsternd.

„Er ist tot, Spike", weinte sie an seiner Brust, ohne ihn loszulassen.

„Ja..." Er lehnte seinen Kopf an ihren und schloss verzweifelt die Augen. Ihr Körper bebte in seinen Armen und sie wussten beide, dass Worte im Moment nichts bedeuteten, sondern sie sich einfach gegenseitig festhielten, um die Endgültigkeit der Situation zu begreifen.

Das Erste, was Buffy bewusst wieder wahrnahm, war das Gefühl von nackter Haut unter ihrem Gesicht und sie fuhr erschrocken zurück.

„Oh Gott, Spike...ich...", murmelte sie völlig durcheinander. „Ich hätte nicht einfach...er ist tot...ich sollte...gehen..." Sie sah in seinen Augen die gleiche Verzweiflung, die sie selbst auch spürte und schluchzte wieder auf.

Spike zog sie einfach wieder an sich. Er wusste sowieso nicht, was er sagen sollte und vergrub sein Gesicht in ihren Haaren. Bittere Ironie stieg in ihm hoch, als ihm aufging, dass sie die einzige Person war, die er jetzt seine Familie nennen konnte. Sie, eine Frau, die erst vor wenigen Monaten in sein Leben getreten war.

„Ich bin unmöglich", weinte Buffy, während seine Finger beruhigend über ihre Haare fuhren. „Ich sollte dich trösten... Er war dein Vater, Spike... es tut mir so leid... es ist so ungerecht..." Sie fühlte seine Lippen auf ihren Haaren und schniefte noch lauter.

„Dad hätte nicht gewollt, dass du weinst", flüsterte er leise.

Sie hob ihr tränennasses Gesicht zu ihm an. „Ich müsste es doch wissen", schluchzte sie unterdrückt. „Ich habe es so oft erlebt. So viele Menschen sterben sehen... Warum nimmt mich das immer wieder so mit? Ich wusste, dass er sterben wird..."

Er lächelte schwach. Vorsichtig löste er ihre verkrampften Finger von seinen Armen. „Was müssen wir jetzt tun? Hast du schon...jemanden angerufen?"

Buffy schüttelte stumm den Kopf. „Einen Arzt", brachte sie dann heraus. „Ich werde einen Arzt anrufen...Er muss den Totenschein ausstellen...Oh Gott..." Sie sackte wieder zusammen und Spikes Hände griffen nach ihren Oberarmen.

„Buffy, bitte", sagte er eindringlich. „Ich weiß gar nicht, was ich jetzt machen soll."

Das schien zu ihr durchzudringen, denn sie fuhr nervös mit den Händen über ihre Augen. „Ich bin so lächerlich", schniefte sie, während sie versuchte, die Tränen weg zu wischen. „Kein Wunder, wenn mir jeder sagt, ich bin für den Beruf nicht geeignet." Sie sah in sein Gesicht und in diesem Moment kam er ihr erwachsener vor als sie selbst. „Ich gehe telefonieren..."

Er nickte. „Ich komme gleich. Ich muss nur...ähm...etwas anziehen...", murmelte er verlegen.

Buffy schlug sich selbst mit der Hand vor den Mund, als sie auf seine nackte Brust starrte und ihr einfiel, dass er unter der Bettdecke sicherlich nicht angezogener war.

„I-ich bin...eine I-idiotin", stotterte sie und fuhr hoch. „Oh Gott, was mache ich nur... Tut mir leid, Spike..."

„Buffy..." Sie war aus dem Zimmer, ehe er noch etwas sagen konnte. Er sprang fluchend aus dem Bett und suchte nach seiner Hose und einem Shirt, ehe er ihr folgte.

Auf dem Weg zur Küche huschte er schnell noch ins Bad, putzte Zähne und spritzte sich etwas Wasser ins Gesicht. Er fand Buffy in der Küche, wo sie mit leeren Augen am Küchentisch lehnte, das Telefon noch in der Hand.

„Sie schicken jemanden", sagte sie hilflos und sah ihn endlich an. „Tut mir leid, Spike, ich war so durcheinander...ich habe überhaupt nicht darüber nachgedacht..."

„Kein Problem", murmelte er verlegen und schimpfte mit sich selbst, weil er in einer Situation wie dieser darüber nachdenken konnte wie schön es war, sie im Arm zu halten.

„Ich mache Kaffee, okay?"

 **************

Am Samstag darauf, vier Tage später, wurde Giles beerdigt. Selbst das sonst so sonnige Wetter schien die Traurigkeit zu spüren, die über dem kleinen Städtchen Sunnydale lag und Wolken zogen sich am Himmel zusammen.

Buffy sah kaum etwas.

Sie konnte sich auch später nicht mehr daran erinnern, was alles auf der Beerdigung passiert war. Willow und Tara waren gekommen und obwohl Giles kaum Interesse an der Tätigkeit seines Sohnes im Theater gezeigt hatte, fehlte kaum einer der Schauspieler.

Es waren so viele Menschen, dass Buffy den Überblick verlor. Sie kam sich einsam vor, trotz der Massen, nahm mit einem starren Gesicht die Beileidsbekundungen entgegen und wünschte sich, endlich gehen zu können.

Ihr einziger Halt war Spike, der die ganze Zeit neben ihr stand. Ab und zu erklärte er leise, wer diese oder jene Person war, doch seine Worte rauschten an ihren Ohren vorbei.

Sie hasste Beerdigungen, weil es sie plötzlich wieder daran erinnerte, wie sie ihre Mutter unter die Erde gebracht hatten und wie einsam sie sich damals gefühlt hatte.

Spike war stärker als sie damals. Irgendwann hatte er ihr den Arm um die Schulter gelegt, sie hatte gar nicht mitbekommen, wann, und sie lehnte sich an ihn, während sie versuchte, den Worten des Trauerredners zu folgen.

Vielleicht war sie der Grund für Spikes Kraft. Er wusste, dass er nicht allein zurück bleiben würde. Vielleicht lag es aber auch daran, dass er im Gegensatz zu ihr sein ganzes bisheriges Leben recht selbständig hatte verbringen müssen.

Willow weinte genau wie sie selbst, obwohl sie Giles kaum gekannt hatte und umarmte sie noch einmal zum Abschied, ehe die beiden Frauen in ihr Auto stiegen und zurück nach L.A. fuhren.

Auch die anderen Gäste verabschiedeten sich nach und nach und irgendwann waren sie, Spike und Maggie wieder allein.

Schweigend räumte Buffy mit Maggie die Gläser und Buffetplatten zusammen, während Spike auf der Terrasse saß und rauchte.

„Gehen Sie, Maggie", sagte Buffy dann ruhig. „Wir kommen schon allein klar. Es ist spät geworden."

„Es tut mir so leid, Kindchen", weinte Maggie und umarmte sie. „Giles war so ein netter Mann. Und zu wissen, dass er nie wieder da sein wird..."

Buffy nickte nur stumm. Sie hatte keine Tränen mehr. Ihre Augen waren rot und geschwollen und sie fragte sich, woher Spike die Kraft nahm, so ruhig zu bleiben.

Seufzend schloss sie hinter Maggie die Tür, hörte die Schritte der Frau auf dem Kies, als sie zu ihrem Auto ging und begab sich zurück ins Wohnzimmer.

Spike öffnete gerade eine Flasche Wein und goss zwei Gläser ein. Mit einem schiefen Lächeln reichte er ihr ein Glas. „Du siehst scheußlich aus, Buffy. Trink das." Er ließ sich auf die Couch fallen und legte die Füße auf den Tisch.

Sie setzte sich neben ihm. „Als Rupert mich fragte, ob ich ihn heirate, hatte er bestimmt nicht im Sinn, dass du mich aufbauen musst", sagte sie unglücklich.

Er lehnte den Kopf zurück gegen die Lehne. „Ich bin froh, noch einmal mit ihm geredet zu haben. Es macht es einfacher...für mich. Und das habe ich dir zu verdanken." Seine Finger fuhren durch seine blondierten Haare.

Buffy fiel jetzt erst auf, dass es eine Weile her war, seit sie ihn in dem stacheligen Spikelook gesehen hatte und er sie im Moment einfach nur mit etwas Gel in Ordnung brachte.

Heute allerdings quirlten sie nur auf seinem Kopf herum und er schien es nicht einmal zu bemerken.

„Es klingt sicherlich komisch", fuhr sie leise fort. „So lange kenne ich ihn gar nicht, auch wenn ich seine Frau bin und ich in ihm mehr einen Patienten gesehen habe. Aber...ich werde ihn vermissen..."

„Ich auch..." Seine Stimme war nur ein Hauch, doch ihre Kehle schnürte sich zu. „Ich hatte nie das Gefühl, dass er mich wirklich mag, weißt du... Bis er es vor zwei Tagen sagte. Warum nicht eher?" Er klang verzweifelt.

„Er hat dich geliebt, Spike. Auch wenn er es vielleicht nicht sagen oder zeigen konnte, aber selbst seine Sorge um deine Zukunft war ein Ausdruck von Zuneigung."

„Jetzt hast *du* mich am Hals..."

Sie lächelte schwach. „Oder du mich..."

„Ich bin froh, dass du da bist", sagte er leise und schielte schüchtern in ihre Richtung. „Aber ich werde nie Mom sagen."

Buffy nippte an ihrem Wein, ehe ihr ein Lachen heraus rutschte. „Das hoffe ich", murmelte sie kaum hörbar, stellte das Glas auf den Tisch und lehnte sich neben ihn. „Das Haus ist ganz schön groß nur für uns beide", meinte sie versonnen. „Deine nächste Freundin kannst du gleich mit einziehen lassen."

Spike warf ihr einen eigenartigen Blick zu, doch sie bemerkte es nicht, weil sie gedankenverloren in die Luft starrte.

Erst jetzt ging ihm auf, dass ihr Leben genau so weiter gehen und dass es irgendwann, sicherlich nicht gleich, einen neuen Mann in ihrem Leben geben würde. Der Gedanke gefiel ihm überhaupt nicht und er fragte sich leise, ob das – irgendwann – ein Problem werden könnte.

Doch er schüttelte die unangenehmen Gedanken ab und meinte leichthin. „Ich habe keine Lust, mich schon wieder auf so ein Dru-Abenteuer einzulassen. Eigentlich habe ich nicht einmal Bock, aus dem Haus zu gehen."

Buffy verzog leicht die Lippen. „In ein, zwei Wochen denkst du anders darüber. Als meine Mom damals starb, hat mich Willow eine Woche später auf eine Party geschleift und gemeint, Mom hätte nie gewollt, dass ich mich in mein Zimmer einschließe."

„Wo war dein Dad zu der Zeit?"

Sie zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung. Da, wo er sicherlich jetzt auch noch ist."

„Dann warst du ganz allein?", fragte er erschrocken.

„Ich bin zu Willow gezogen. Sie wohnte damals in einem kleinen Häuschen, hatte Tara noch nicht kennen gelernt und war eigentlich noch der Meinung, auf Männer zu stehen. Ich weiß nicht, was geschehen wäre, wenn ich ganz allein gewesen wäre. Ich möchte es gar nicht wissen..."

„Wie alt warst du?"

„Einundzwanzig."

„Weshalb wird jemand wie du Krankenschwester?", erkundigte er sich plötzlich und drehte den Kopf.

„Keine Ahnung", antwortete sie nachdenklich. „Ich habe mir eingebildet, es wäre der richtige Beruf. Ich könnte Menschen helfen...und so… Ich denke, es war ein Fehler. Man muss stark sein, um all diese Schicksale sehen zu können und nicht daran zu verzweifeln..."

Er lächelte. „Du bist stark, Buffy. Ich weiß nicht, ob ich mich an deiner Stelle auf eine Heirat und einen siebzehnjährigen Sohn eingelassen hätte. Ich habe ein paar Haushälterinnen zum Weinen gebracht – wahre Drachen. Du hast nie geweint und ich habe mir die größte Mühe gegeben."

Buffy musste gegen ihren Willen lächeln und sah ihn ebenfalls an. „Ich habe geweint. Nachts, wenn ich allein war."

„Ja?" Spike schaute plötzlich sehr geknickt drein. „Das tut mir leid. Jetzt, meine ich..."

„In gewisser Weise habe ich dich verstanden. Ich hatte aber nicht damit gerechnet, dass du so offen feindselig sein würdest", meinte sie versonnen. „Der Hass in deinen Augen hat mir wehgetan Und ich war so wütend, dass du deinem Vater gegenüber genau so kalt warst..." Seine Miene wurde immer zerknirschter und sie stieß ihn spielerisch an. „Ich denke, wir haben uns gut zusammen gerauft, oder?"

Er nickte seufzend. Wenn sie wüsste, was er manchmal in seinem Zimmer über sie dachte, würde sie das sicherlich nicht mehr sagen.

„Ist es dir ernst mit der Schauspielschule?", störte sie seine Überlegungen.

„Mir war nie etwas ernster."

„Dann solltest du anfangen, ein paar Schulen heraus zu suchen und Bewerbungen zu schreiben."

„Jetzt?!"

„Zumindest ihn naher Zukunft..."

Er lehnte den Kopf wieder zurück gegen die Lehne und schloss die Augen. Vielleicht hatte sie Recht, obwohl ihm die Arbeit am Theater gut gefiel. Vielleicht war es an der Zeit, weiter zu denken und einen Schritt in Richtung Zukunft zu gehen.

Buffy griff nach ihrem Weinglas und legte ihre Beine neben seine auf den Tisch. „Ich fand es immer scheußlich, wenn jemand die Beine auf den Tisch legt..."

Und Spike lachte leise auf.

 

T e i l  1 2

 

Zwei Monate später

„Buffy?"

Sie sah hoch, als Spike seinen Kopf zur Küchentür herein steckte und musste lachen, als sie seinen verlegenen Gesichtsausdruck bemerkte. „Was ist los?"

Seit sie Giles beerdigt hatten, war so etwas wie Routine in ihr Zusammenleben in dem großen Haus eingekehrt.

Buffy konnte sich nur schwer an die viele Freizeit gewöhnen und überlegte, ob sie sich nicht einen kleinen Job suchen sollte, um unter Menschen zu kommen und vor allem, um nicht vollkommen den Tag zu vertrödeln. In ihrem alten Beruf allerdings wollte sie nicht wieder anfangen. Die Reaktion auf Giles’ Tod und die schweren Wochen danach hatten ihr gezeigt, wie fehl sie mit ihrer Berufswahl gelegen hatte.

Spike war ihr eine große Hilfe gewesen. Obwohl er es war, der den Vater verloren hatte, war er stärker als sie, baute sie auf, brachte sie zum Lächeln oder war einfach nur da.

Drei Mal pro Woche schleifte er sie mit zu den Proben am Theater, damit sie der fürchterlich untalentierten Cordelia beistehen konnte. Und obwohl Buffy sich anfangs etwas sträubte, begann ihr die Arbeit mit den anderen Schauspielern zu gefallen.

Cordelia allerdings machte es ihr schwer. Da Robin darauf bestand, nicht aufzugeben, trainierten sie jetzt vier Mal pro Woche, doch Buffy verbrachte mehr Zeit damit, auf Cordelia einzureden, damit sie nicht aufgab und alles hinwarf, als mit dem tatsächlichen Training.

Buffy dagegen, die mit Spike nicht nur trainierte, sondern auch die Texte durchging, sprach den Part der Jägerin schon fast auswendig. Spike hatte plötzlich festgestellt hatte, dass ihm seine Vampirexistenz ausgesprochen gut gefiel – viel besser als Romeo – und er in der Rolle unbedingt sein Bestes geben wollte. Aus diesem Grund genügte es nicht, das sie ihn nur abhörte, nein, sie musste auch noch den Gegenpart sprechen, denn auf die richtige Betonung ihrerseits legte er großen Wert.

Robin hatte es sogar geschafft, Willow zu ein paar Proben zu überreden und Buffy fand, dass ihre Freundin wirklich fantastisch in die Rolle der Hexe passte. Leider ließ es Willows enger Zeitplan nicht oft zu, da Tara in der Zwischenzeit die Galerie immer allein führen musste.

„Könntest…könntest du mir helfen, meine…ähm…Haare zu färben?"

„Was?", prustete Buffy los. Ihr war aufgefallen, dass seine Naturfarbe am Haaransatz durchkam und angenommen, dass er das Blondieren einfach satt hatte.

Spike sah sie böse an. „Dru hat das immer gemacht. Ich kann das allein nicht!"

„Es ist jetzt fast drei Monate her, seit ihr auseinander seid. Wer hat dir bis jetzt geholfen?" fragte sie erstaunt.

„Das letzte Mal Xander. Doch der stellt sich reichlich blöd an", gab er zu. „Einmal war ich beim Friseur."

Sie trocknete ihre Hände ab. „Gleich?"

Er nickte. „Wir wollen heute Abend ins Bronze."

„Na los. Ab ins Bad." Sie folgte ihm die Treppen hinauf. „Warum blondierst du die Haare?"

Spike lachte. „Weil ich damit besser aussehe", erklärte er selbstbewusst.

Buffy kicherte. „Ich habe dich lange nicht mit den Spitzen auf dem Kopf und den vielen Ketten gesehen. Ich höre gar nicht mehr, wenn du das Haus verlässt, weil du nicht mehr klimperst. Das ist wohl nicht mehr cool?"

Er öffnete die Tür zu dem Bad neben seinem Zimmer und drehte sich um. „Es hat Dru gefallen und es erinnert mich an sie."

„Oh", machte Buffy nur und nahm dann die Packung mit der Haarfarbe in die Hand.

„Du solltest dein Shirt ausziehen", murmelte sie und zog die Plastikhandschuhe über, während Spike seine Haare über der Badewanne wusch.

Dann mischte sie die Farbe und lehnte sich an den kleinen Badschrank, weil er noch nicht fertig war. Es war eine Weile her, seit sie ihn das letzte Mal ohne Shirt gesehen hatte und gegen ihren Willen wanderten ihre Augen immer wieder zu den Muskeln, die unter seiner Haut spielten.

Buffy, schimpfte sie mit sich selbst. Krieg dich ein! Vielleicht wird es wirklich Zeit, mal wieder mit einem Mann auszugehen.

Vielleicht sollte sie tatsächlich Robins Angebot, sie zu einem Abendessen einzuladen, annehmen. Der Mann war nett, freundlich und sehr um sie bemüht, wenn sie sich im Theater befand.

Spike drehte sich um und lächelte. „Wohin?"

„Setz dich einfach auf den Rand der Badewanne." Und er würde sie vielleicht von solch erschreckenden Gedanken über Spikes Waschbrettbauch ablenken.

Sie schnappte sich schnell einen Kamm und fuhr durch seine Haare. „Ich könnte sie auch gleich noch schneiden", bot sie ihm an. Böse Buffy, nervte die lästige Stimme in ihrem Kopf. Du willst ihn doch nur ein bisschen länger anfassen.

„Kannst du das?" Er klang misstrauisch.

„Hey!" Sie gab ihm einen Klaps gegen den Hinterkopf. „Traust du mir gar nichts zu?"

„Nur zu", brummte er nur. „Wenn du mich verunstaltest, verklage ich dich."

Sie lachte und holte die Schere. Natürlich verunstaltete sie ihn nicht, Haare schneiden hatte ihr schon immer Spaß gemacht und sie hatte genug Gelegenheit gehabt, in ihrem Bekanntenkreis zu üben.

Nachdem sie seine Haare etwas gekürzt hatte, griff sie nach der Farbe und verteilte sie auf seinem Kopf.

„Das brennt", meckerte er.

„Tja, wer schön sein will, muss leiden", entgegnete sie ungerührt. „Kopf vor." Es machte ihr Spaß. Er hatte weiche Haare, sogar leichte Naturlocken und sie wunderte sich, wie er es geschafft hatte, sie zu diesen harten Spitzen zu formen.

„So, Kopf hoch", wies sie ihn an und verteilte die Farbe an der nächsten Stelle. „Wie bist du eigentlich zu der Narbe gekommen?", erkundigte sie sich und tippte an seine linke Augenbraue.

Er grinste. „Schlägerei." Und lachte leise. „Nein, das stimmt nicht, aber es wäre cooler. Die stammt von meinen ersten Versuchen, ein Fahrrad zu beherrschen."

„Echt?" Buffy musste auch lachen. „Bist du mit dem Kopf gegen eine Mauer gefahren?"

„Gartenzaun", gestand er nur und wurde abgelenkt, als sie um ihn herum trat und vor ihm stehen blieb. Ihr gewissenhafter Gesichtsausdruck sandte ein Grinsen auf seine Lippen. Als sie sich dann jedoch vorbeugte, um noch einmal zu kontrollieren, ob sie auch jeden Haaransatz mit erwischte hatte, und die kleinen, festen Brüste, die sich unter ihrem Shirt abzeichneten vor seinem Gesicht schwebten, erstarb sein Grinsen übergangslos.

Er atmete tief durch, hatte aber im Moment nicht einmal eine Chance, woanders hinzuschauen.

„So", kommentierte Buffy ihr Werk begeistert und trat einen Schritt zurück.

Spike erwachte wie aus einer Trance, riss seine Augen von ihrer Brust los und hob sie schnell zu ihrem Gesicht. Die feine Röte, die plötzlich in ihre Wangen stieg, sagte ihm jedoch, dass es ihr nicht verborgen geblieben war und er verfluchte sich selbst.

„D-du musst jetzt dreißig Minuten warten", stieß sie hervor und wurde noch röter. „Du brauchst mich doch nicht mehr?"

Er schüttelte stumm den Kopf, während seine Augen ihr folgten, als sie fast panisch aus dem Bad stürzte. Toll gemacht, Blödmann! Jetzt denkt sie am Ende noch, du willst sie anmachen.

Würdest du doch gern, oder? fragte der hinterhältige Spike in seinem Kopf. Wäre es nicht schöner, das Original mal in die Hände zu bekommen als immer nur zu fantasieren?

Er fluchte leise. Er wusste genau, wie sie reagieren würde.

Entsetzt.

Und damit würde er nicht umgehen können.

Nie.

Vielleicht sollte er sich heute Abend einfach diese Harmony schnappen, die ihm schon seit Wochen auf die Nerven ging. Sein letzter Sex war eindeutig zu lange her und er sollte endlich an jemanden anderen denken, als an eine Frau, die zehn Jahre älter war als er und seine Stiefmutter.

Harmony hatte ebenfalls blonde lange Haare, eine heiße Figur, er musste nur verhindern, dass sie ihren Mund aufmachte.

Warum eigentlich? Damit er sich einbilden konnte, es wäre Buffy? War er wirklich so krank?!

********************

„Möchtest du gern ein paar Freunde von dir einladen? Nächste Woche?"

„Hm?" Spike sah von seiner Kaffeetasse hoch und starrte Buffy stirnrunzelnd an, während er überlegte, was sie gefragt haben könnte und ob es besser wäre, einfach wieder ins Bett zu gehen.

„Spike, du bist ganz grün im Gesicht", kicherte sie. „War die Frage zu schwer?"

Sein Kopf sank stöhnend auf die Tischplatte. Dummerweise hatte ihn Harmony am gestrigen Abend so dumm voll gesülzt, dass er es vorgezogen hatte, sich zu betrinken. Das hatte auch ganz gut geklappt.

„Ich dachte, du bist alt genug, um zu wissen, wie sich ein Kater anfühlt", lästerte sie weiter.

Spike schwor sich, ihr die ganze Sache heimzuzahlen, weil sie ja indirekt an seinem Zustand schuld war. Wenn sie nicht immerzu durch seinen Kopf schwirren würde… Er zuckte zusammen, als sie ein Glas auf den Tisch stellte und hob schwerfällig den Kopf.

„Hier, du Riesenbaby. Trink das. Davon verschwinden vielleicht die Kopfschmerzen."

Er beäugte misstrauisch das Glas, nahm es aber dann und trank es in kleinen Schlucken.

„Vielleicht solltest du besser wieder ins Bett gehen", schlug Buffy diplomatisch vor. Ihm schien es wirklich sehr elend zu gehen, da er es noch nicht einmal geschafft hatte, einen normalen Satz zu formulieren.

„Hm", machte er wieder und starrte das leere Glas an.

„Du bist doch hoffentlich nicht mehr gefahren?"

„Nein", knurrte er. Zum Glück hatte ihn Xander gefahren, denn er hätte nicht mehr laufen können.

„Hast du dir schon Gedanken gemacht, wie du deinen Geburtstag verbringen willst? Man wird nur einmal im Leben achtzehn."

Redete sie schon immer so viel? „Im Bett", brummte er.

Buffy fing an zu lachen. „Ich habe dich noch nie so mürrisch erlebt. Mach, dass du ins Bett kommst."

Lachte sie ihn aus?

„Kommst du mit?" Ha, das Lachen war weg!

Ihr Gesichtsausdruck war sogar das Dröhnen in seinem Kopf wert, das sich unweigerlich verstärkte, weil er gesprochen hatte. Er schaffte es sogar, den Hauch eines Grinsens in sein Gesicht zu zaubern.

„Ich denke, man sollte dich in diesem Zustand noch nicht ansprechen", murmelte sie unsicher und stand schnell auf.

„Hey", murrte er, ehe sein Kopf wieder auf den Tisch sank. „Du hast meine Frage nicht beantwortet."

„Ich komme gleich mit", drohte Buffy. „Um dir den Hintern zu versohlen. Wer so dumm ist und Unmassen Alkohol in sich hinein schüttet, hat eine Strafe verdient!"

„Das klingt faszinierend, Luv", murmelte er, ohne den Kopf zu heben. „Ich hätte gar nicht gedacht, dass du auf diese Dinge stehst."

Buffy fluchte leise. Im Gegensatz zu Willow, der jetzt bestimmt eine schöne schlagkräftige Antwort eingefallen wäre, fehlten Buffy die Worte.

Sie starrte böse auf seinen jetzt wieder herrlich wasserstoffblonden Schopf. „Ich hoffe, du informierst mich wenigstens, ob du vorhast, eine Party zu feiern oder nicht!", fauchte sie lauter als beabsichtigt und stolzierte aus dem Raum.

Er verkroch sich wirklich wieder in sein Bett und Buffy sah und hörte die nächsten zwei Stunden nichts von ihm.

Seine zweideutigen Bemerkungen begannen immer mehr, sie durcheinander zu bringen und das machte ihr zu schaffen. Sie war sich sicher, dass er damit keine Absicht bezweckte, sondern dass es einfach ein natürlicher Charakterzug von ihm war. Und sie sollte einfach lächeln und darüber hinweg sehen können.

Dummerweise konnte sie das nicht. Sein verschmitztes Lächeln reichte, um ihr Herz höher schlagen zu lassen und wenn er den Kopf auf diese süße Art und Weise schief legte, musste sie sich zwingen, ihn nicht wie ein verträumter Teenager anzustarren.

In der letzten Zeit erwischte sie sich dabei, dass sie eine Menge Kleinigkeiten an ihm registrierte, die ihr vorher nie aufgefallen waren. Eben wie dieses Kopfschieflegen. Sicherlich hatte er es vorher auch getan, aber erst jetzt stellte sie fest, dass er einfach hinreißend aussah, wenn er dann auch noch lächelte.

Oder wenn er seine Unterlippe zwischen seine Zähne zog… Buffy selbst hatte das gleiche einmal vor dem Spiegel getan und kopfschüttelnd gedacht, dass sie selbst dann einfach dämlich aussah. Warum also er nicht? Was war anders, wenn er es tat?

Seufzend suchte sie sich ein Buch und ging zum Pool. Sie hatte es sich gerade im Liegestuhl bequem gemacht, als das Telefon klingelte.

Sie angelte nach dem Telefon, das sie neben den Stuhl gelegt hatte. „Ja?"

„Ich bin’s, Willow."

„Willow!" Buffy lehnte sich im Liegestuhl zurück und schloss die Augen, weil die Sonne blendete. „Endlich eine freundliche Stimme..."

„Uhh." Willow kicherte. „Gibt es Streit?"

„Nein. Stell dir einfach ein fast achtzehnjähriges Baby vor, das einen Kater hat. Ich wollte ihn nur fragen, ob er nächste Woche feiern will und er wirft mir irgendwelche zweideutige Sachen an den Kopf."

„Süß", war Willows Meinung. „Ich habe dir gleich gesagt, er hat es faustdick hinter den Ohren. Ich wette, wenn er richtig loslegt, Buffy, willst du in den Erdboden versinken."

„Er muss nicht richtig loslegen, das schafft er so schon."

„Buffy, Buffy…" Willows Grinsen war fast durch das Telefon zu spüren. „Du solltest endlich lernen, ihm in der gleichen Art und Weise zu kontern." Sie machte eine kurze Pause. „Ohne rot zu werden, natürlich. Das senkt die Wirkung von zweideutigen Bemerkungen ungemein."

„Ich werde Spike gegenüber garantiert keine zweideutigen Bemerkungen machen", stellte Buffy schnell klar. Allein der Gedanke daran ließ ihre Wangen schon wieder glühen. Spike gegenüber wäre es einfach nur lächerlich.

„Kann es sein, dass du ihm gegenüber etwas gehemmt bist?"

„Nein!", schrie Buffy erschrocken auf. Gehemmt würde ja bedeuten, dass ihr Kopf sich irgendwie mit ihm beschäftigte. Und sie sich Gedanken über ihr Verhalten in seiner Gegenwart machte. Und das wäre ja…einfach nur blöd. Sie sollte über seine Bemerkungen hinweg sehen und sie sollte einfach nur schmunzeln, wenn er Mühe hatte, seine Augen von ihrem Busen loszureißen. Schließlich war das nicht schlimm. Warum also hatte sie fast eine Stunde benötigt, um ihr rasendes Herz zu beruhigen?

„Hör mal, Süße, wenn er masturbiert und dabei an dich denkt, darfst du das auch!", nervte Willows Stimme an ihrem Ohr schon wieder und Buffy knirschte mir den Zähnen.

Manchmal würde sie ihre Freundin liebend gern erwürgen. Vor allem, wenn sie Bilder in ihren Kopf hoch steigen ließ, die Buffy doch endlich so erfolgreich verdrängt hatte.

„Das weißt du doch gar nicht! Hör endlich auf, allen Leuten immer *deine* schmutzigen Fantasien zu unterstellen."

„Eigentlich rufe ich an, weil ich auf eine Party hoffe", wiegelte Willow schnell ab. „Tara und ich haben das nächste Wochenende nichts vor und uns gedacht, wir statten dem süßen Spike einen kleinen Besuch ab."

„Willow, ihr seid immer willkommen. Ich habe nur noch keine Ahnung, ob der *süße* Spike scharf auf eine Party ist. Vielleicht klingt sein Kater ja im Laufe der Woche ab."

„Wo ist er denn? Gibst du ihn mir mal?"

„Er ist im Bett."

„Allein?", horchte Willow auf.

„Allein."

„Woher weißt du das so genau?", stichelte Willow schon wieder.

„Weil ich es abgelehnt habe, ihn zu begleiten! Willow, du bist unmöglich! Könnten wir bitte von etwas anderem reden?"

„Buffy, zu einem erfüllten Leben gehört auch ein erfülltes Sexualleben", trällerte Willow. „Ich möchte dich endlich wieder auf den richtigen Weg stoßen."

„Alles was ich von dir höre ist SPIKE! Das ist nicht der richtige Weg, mein Sexualleben in Ordnung zu bringen. Rupert wollte, dass ich für ihn da bin, nicht, dass ich ihn flachlege!"

„Buffy, du klingst etwas hysterisch", murmelte Willow betreten. „Es war Spaß."

Buffy sank in ihrem Stuhl in sich zusammen. „Tut mir leid, Will. Ich bin hysterisch", flüsterte sie plötzlich verzweifelt. „Verdammt, weißt du, wie schwer es ist, in seiner Gegenwart normal zu agieren, wenn es nicht zu übersehen ist, *wie* süß er ist? Ich komme mir vor wie eine Verbrecherin, wenn nur ein solcher Gedanke in mir hoch steigt und ich fühle mich als würde ich Rupert verraten."

„Er ist siebzehn, Buffy, in einer Woche achtzehn. Es wäre kein Verbrechen", sagte Willow leise.

„Hörst du jetzt wohl auf! Ich schulde Rupert eine Menge. Und das Letzte, was ich tun würde, wäre ihn enttäuschen, indem ich seinen Sohn verführe." Sie atmete tief durch. „Habe ich dir schon erzählt, dass Robin mich zum Abendessen einladen möchte?"

„Robin? Der Robin, den ich auch kenne?"

**********************

Buffy wandte den Blick ab, um nicht zu lachen, während sich Robin Wood die Haare raufte, als nur Spikes geistesgegenwärtiger Griff verhinderte, dass Cordelia mit dem Gesicht zuerst auf die Bretter knallte.

„Oh, ich hasse das!", schimpfte Cordelia auf und stieß Spikes Hände von sich. „Finger weg, Reißzahn! Robin, schreib das Stück um!"

Robin sah Buffy bittend an. „Zeigst du es ihr noch einmal?"

Buffy sprang auf die Bühne und lächelte Cordelia beruhigend an. „Du schaffst das schon. Pass auf."

Sie kannte die Szenen, die sie im Moment probten, langsam in- und auswendig. Cordelia gab ihr den Pflock und Buffy sah Spike an.

Er trug seine Vampirmaske, wirklich eine Glanzleistung der Maskenbildner, weil noch nicht ganz klar war, ob die Schminke dem Schweiß, der in den Kampfszenen floss, standhalten würde.

„Ich kann jedoch nicht garantieren, dass ich nicht loslache. Du siehst einfach…niedlich aus", kicherte sie.

„Pass auf, was du sagst, Jägerin!", grollte Spike in seinem besten Vampirton.

„Okay!", rief Robin vom Zuschauerrang aus. „Beginnt noch einmal von vorn. Und Cordy, beobachte bitte jede Bewegung von Buffy."

Buffy schlenderte gelangweilt über die Bühne auf einen Grabstein zu, an dem Spike lehnte und eine Zigarette rauchte. Sie überlegte kurz, wie Robin darauf kam, dass Vampire rauchen. Später sollte das Bühnenbild einen Friedhof darstellen, im Moment benötigten sie nur den einen Grabstein.

„Jägerin", begrüßte Spike sie gedehnt.

Sie verdrehte gespielt die Augen. „Mein Abend war wohl noch nicht schlimm genug? Langsam habe ich das Gefühl, du verfolgst mich."

Er stieß sich vom Grabstein ab und schlich näher. „Dein Blut ist einzigartig. Besser als das eines jeden anderen… Bereit zu sterben, Luv?"

„Warum sind alle Vampire so überheblich?", fragte sie sich selbst missmutig, und musste im nächsten Moment in Deckung zu gehen, weil er auf sie zu sprang.

Sie hatten diese Szene so oft geübt, dass Buffy genau, wie Spike die Bewegungen im Schlaf kannte. Sie duckte sich, fing seinen Schlag ab und sprang hoch, um ihn mit ihrem Bein von den Füßen zu werfen. Natürlich musste er richtig reagieren, so dass er nicht fiel, sondern nur ein Stück rückwärts geschleudert wurde.

„Bist du heute nicht in Form?", hänselte er, um im nächsten Moment einen Schlag zu führen, bei dem es sie von den Füßen zu werfen hatte.

Buffy rollte gekonnte über ihren Rücken ab und sprang auf. „Redest du nur oder kämpfst du auch?"

„Es ist ein Tanz, Luv", schmeichelte er in einer Stimme, die Buffy unwillkürlich einen Schauer über den Rücken schickte. „Du und ich. Die Jägerin und der Vampir. Todfeinde."

Sie lachte auf, sprang und stieß ihm den Fuß in den Bauch. Spike versuchte skriptgemäß auszuweichen, doch sie schlug ihm die Faust ins Gesicht, warf ihn damit von den Beinen auf den Rücken und saß im nächsten Moment auf ihm. Ihre rechte Hand mit dem Pflock hob sich.

„Richtig", bestätigte sie. „Todfeinde."

Er bäumte sich auf und warf sie über seinen Kopf, während gleichzeitig seine Hand ihr Handgelenk fing und die Bewegung des Pflocks stoppte. „Nicht so eilig. Wir haben doch gerade erst begonnen."

Er sprang hoch und Buffy stand in der gleichen Sekunde auf ihren Beinen.

„Stopp!", rief Robin. „Cordy, das ist doch nicht schwer. Los, noch einmal das Ganze."

„Wenn mich ihre Faust richtig trifft, werde ich sauer", kündigte Spike an.

Cordelia verschränkte die Hände vor der Brust. „Soll Buffy doch die Jägerin spielen. Und ich übernehme die Rolle ihrer kleinen Schwester Dawn!"

„Du bist Schauspielerin, Cordy, und nicht ich", stellte Buffy klar. Mit aufmerksamen Augen beobachtete sie Cordelias Bewegungen. Die junge Frau war nicht schnell genug und ihr fehlte ein Teil der Gelenkigkeit, die sie für einige der Sprünge benötigte. Aber Buffy nahm an, dass der Großteil des Publikums es gar nicht merken würde.

„Du solltest wirklich darüber nachdenken", sagte plötzlich Robins Stimme neben ihr.

„Cordelia wirkt im Gegensatz zu dir steif und ungelenk. Außerdem passt du von der Größe besser zu Spike."

Buffy runzelte die Stirn. „Ich bin bedeutend kleiner als er. Würde es nicht unrealistisch erscheinen, wenn eine so schwach erscheinende Person den bösen Vampir verprügelt?"

Cordelia versuchte gerade, den Sprung mitsamt dem Tritt in Richtung des Vampirs zu verbessern und stolperte über ihre eigenen Beine. Robin klatschte in die Hände.

„Macht Schluss für heute. Ehe wirklich noch etwas passiert. Wir haben noch Monate bis zur Aufführung. Wie hält die Maske, Spike?"

„Außer dass ich darunter weglaufe? Super."

Buffy kicherte, als er neben ihnen stehen blieb. „Du siehst wirklich gruselig aus. Sind das gelbe Kontaktlinsen?"

„Das wird mein nächstes Faschingskostüm", grinste Spike und sein Vampirgesicht verzog sich zu einer Fratze, als er die spitzen Zähne entblößte.

„Ich bin richtig stolz auf meine Idee", mischte sich Robin ein. „Da wir für heute fertig sind, was denkst du, Buffy, hast du Lust, noch irgendwo etwas Essen zu gehen?"

Sie zuckte mit den Schultern. „Warum nicht."

„Ich habe auch Hunger", meinte Spike schnell und war froh, dass die Maske ein ärgerliches Aufblitzen seiner Augen verhinderte.

Robin klopfte ihm kumpelhaft auf die Schulter. „Komm schon, Kleiner. Du wirst mich doch mal mit deiner Mutter allein lassen, oder?"

„Sie ist nicht meine Mutter!", fauchte Spike auf, drehte sich um und marschierte hinter die Kulissen.

Buffy hatte erschrocken über seinen Ausbruch die Augen aufgerissen und wollte ihm folgen, doch Robin legte seine Hand auf ihren Arm.

„Er ist alt genug, um zu verstehen, dass du nicht den Rest deines Lebens wie eine Nonne leben wirst, Buffy", sagte er leichthin. „Du hast das Recht, auch einmal einen Abend auszugehen. Wahrscheinlich denkt er noch immer, du gehörst zu seinem Vater."

Buffy war sich da gar nicht so sicher, aber Robin hatte Recht. Und so viel Abwechslung bot ihr Leben im Moment nicht, warum sollte sie nicht einfach einmal mit einem netten Mann Essen gehen?

 

T e i l  1 3

 

Spike saß auf der Terrasse, sicherlich schon seit Stunden, und rauchte eine Zigarette nach der anderen. Es war fast Mitternacht und Buffy war noch immer nicht zurück.

„Wer weiß, wie er ihr die Ohren voll sülzt", knurrte er zu sich selbst und blies den Rauch in die Luft. „Was machen die denn so lange? Am Ende küsst er sie noch!"

Der Gedanke, dass Robin Buffy küssen könnte, machte ihn so wütend, dass er aufsprang und neben dem Pool hin und her tigerte.

„Er ist nicht einmal hübsch!", schimpfte er leise und warf die Zigarette auf den Boden. In diesem Moment hörte er ein Auto und huschte schnell an die Ecke des Hauses, um einen verstohlenen Blick auf den Parkplatz zu werfen. Es war Robins Mercedes, den er vor dem Haus parken sah.

Der dunkelhäutige Mann sprang heraus und öffnete Buffy galant die Tür.

„Angeber", knurrte Spike wieder, während er mit schmalen Augen verfolgte, wie die beiden noch ein paar Worte wechselten.

Dann jedoch reichte Robin Buffy die Hand, beugte nach vorn und küsste sie kurz auf den Mund.

Die Knöchel an Spikes Händen traten weiß hervor, weil er sie zu Fäusten ballte und seine gesamte Selbstbeherrschung aufbringen musste, um nicht um die Ecke und auf den Parkplatz zu stürzen. Er hörte nicht, was die beiden sprachen, er sah nur, wie Buffy den Mann noch einmal freundlich anlächelte und dann in Richtung Haustür ging.

Unbeherrscht trat er mit dem Fuß gegen die Hauswand, aber nicht einmal der Schmerz, der in sein Bein fuhr, konnte Wut, die in ihm kochte, verdrängen.

Zornig schlenderte er vom Wohnzimmer hinaus in den Flur. Genau in diesem Moment öffnete Buffy die Tür und betrat das Haus.

„Spike", rief sie überrascht. „Du bist ja noch wach."

„Ich habe gedacht, du willst gar nicht mehr kommen!", fauchte er gereizt und stürmte an ihr vorbei die Treppen zu seinem Zimmer hinauf.

Buffy riss verdutzt die Augen auf. Es war eine Weile her, dass er sie angeschrieen hatte und es erschreckte sie noch mehr, den Zorn in seinen blauen Augen zu sehen. „Spike, warte…", begann sie unsicher.

Er knallte seine Tür vor ihrer Nase zu und Buffy stoppte. War seine Reaktion normal?

Sie fuhr sich nervös durch die Haare. Da sie keinerlei Erfahrungen mit anderen Männern in seinem Alter hatte, wusste sie nicht, wie sie sich verhalten sollte. Vielleicht hatte Robin Recht und es störte ihn, dass sie so kurz nach Giles‘ Tod mit einem anderen Mann ausging?

Zögernd hob sie ihre Hand und klopfte. „Spike?"

„Verschwinde!"

Wenn er wütend war, war es sehr schwer, mit ihm umzugehen. Trotzdem tat ihr sein Zorn weh, eben weil sie in den letzten Monaten so gut miteinander ausgekommen waren.

Es hatte ihr gefallen, ein wenig mit Robin zu reden. Aber sie wusste genau, nur um sich mit einem netten Mann unterhalten zu können, würde sie nicht das jetzt so gute Verhältnis zu Spike riskieren. Zumindest im Moment noch nicht. Aber er würde verstehen müssen, dass es irgendwann einen neuen Mann in ihrem Leben geben könnte und würde.

Deshalb klopfte sie noch einmal. „Ich komme jetzt rein."

„Nein!", schrie er von drinnen, doch sie öffnete ungerührt die Tür. Er war auf dem Balkon, lehnte am Geländer und starrte ihr verärgert entgegen. „Ich hasse es, wenn jemand unerwünscht mein Zimmer betritt!"

„Ich weiß", entgegnete sie ungerührt, lehnte sich von außen gegen die Balkontür, ihm gegenüber, und lächelte. „Du bist wütend, Spike, und ich weiß nicht recht, warum."

Wenn er das nur selbst so richtig wüsste. Deshalb antwortete er nicht, sondern reckte nur das Kinn in die Luft und sah sie stumm an.

Buffy holte tief Luft. „Ich war mit Robin Essen, wir haben geredet und ich fand den Abend wirklich nett."

„Schön!"

„Spike, du weißt genau, dass die Heirat mit deinem Vater nicht geschlossen wurde, weil wir ineinander verliebt waren. Ich bin siebenundzwanzig und es wird immer wieder passieren, dass ich mich mit einem Mann verabrede, mit ihm Essen gehe und vielleicht..." Sie seufzte. „Dein Vater hätte nicht gewollt, dass ich den Rest meines Lebens allein bleibe und ich habe das auch nicht vor."

Was hatte sein Vater mit dem ganzen zu tun? „Sicher!", knurrte er kühl.

„Aber ich habe dich gern", fuhr sie fort. „Und es tut mir weh, zu sehen, wie du reagierst. Dein Verhalten jagt mir ein schlechtes Gewissen ein..."

Das gefiel ihm ausgesprochen gut!

„...und es ist unfair von dir, so etwas zu tun. Selbst wenn ich jemanden kennen lerne, Spike, werde ich niemals vergessen, worum Rupert mich gebeten hat und warum ich mich auf diese Heirat eingelassen habe. Du wirst nicht allein sein. Du wirst immer auf mich zählen können. Aber du solltest verstehen, dass ich auch das Recht auf ein Privatleben habe."

In Spikes Adern kochte der Zorn hoch. „Ich habe nie gesagt, dass du das nicht hast! Meinetwegen kannst du dich von halb Sunnydale vögeln lassen!"

„Das reicht, Spike!", schrie sie ihn, jetzt ebenfalls zornig, an. „Ich habe dich für erwachsener gehalten!"

Sie fühlte Tränen der Enttäuschung in ihre Augen treten. Sie fand sein Verhalten tatsächlich kindisch, vor allem, weil er sich in den letzten Wochen so erwachsen benommen und ihr zur Seite gestanden hatte. Ehe jedoch die Tränen zu laufen begannen, und sie ihm damit zeigen konnte, dass er die Macht besaß, ihr wirklich weh zu tun, drehte sie sich um und wollte aus seinem Zimmer stürzen.

Doch er war schneller.

Übergangslos wurde sie wieder zurück gegen die Balkontür geworfen und sein Körper presste sich gegen ihren. Es traf sie wie ein Schock. Sie war einen Moment unfähig zu reagieren und konnte einfach nur in sein jetzt zornig verzerrtes Gesicht starren, das plötzlich nur noch Zentimeter von ihrem eigenen entfernt war.

„Erwachsener?!", fauchte er ihr ins Gesicht und seine blauen Augen blitzten wütend. „Du hast in mir nie einen Erwachsenen gesehen!"

Seine Hand schlang sich um ihren Hals und im nächsten Augenblick lagen seine Lippen auf ihrem Mund.

Es war ein Überfall und es war das Letzte, das Buffy erwartet hatte. Wenn seine unbeherrschte Wut ihn dazu verleitet hätte zuzuschlagen…damit hätte sie umgehen können und nach seinem Ausbruch hatte sie wahrscheinlich genau damit gerechnet.

Sein Kuss aber traf sie wie ein elektrischer Schlag. Sie fühlte seinen Körper mit jeder Faser ihres eigenen, spürte seine harten Muskeln durch den dünnen Stoff ihres Sommerkleides und als seine Zunge zwischen ihre Lippen drängte, öffnete sie ihren Mund, ohne bewusst darüber nachzudenken.

Vielleicht weil es zu lange her war, dass jemand sie geküsst hatte. Möglicherweise war das der Grund, aus dem sie erst einmal gar nichts tat.

Vielleicht lag es aber auch daran, dass die Art und Weise, wie er sie küsste, ihr einfach die Sinne raubte. Da war Zorn und Aggressivität in seinem Kuss, doch hinter all dem spürte sie seinen Hunger und sein Verlangen – eine Mischung, die einfach nur ein Schwächegefühl in ihrem Körper auslöste, das sie in dieser Stärke nicht kannte.

Trotzdem war da noch ein Rest Verstand, der sie handeln ließ. Wenn auch recht spät. Mit enormer Willensanstrengung hob sie ihre Hände und stieß sie gegen seine Brust.

Vielleicht war Spike über sein Handeln selbst erschrocken, denn er fuhr zurück, bis er an dem Geländer zum Halten kam. Sein Atem ging genau so keuchend wie Buffys und in seinen Augen lag plötzlich eine Art Verzweiflung, die ihr die Kehle zuschnürte.

Und es fiel ihr wie Schuppen von den Augen. Er war eifersüchtig.

„Es...es tut mir leid", stieß er hervor. „Buffy, ich..."

„Nein!" Sie schnitt ihm mit einer schnellen Handbewegung das Wort ab, ehe er weiter reden und vielleicht etwas sagen konnte, das ihren Verstand wieder abschaltete. „Ich will nicht...darüber reden. Ich gehe." Ohne ihn noch einmal anzusehen, machte sie kehrte und verließ fluchtartig sein Zimmer.

Sie sah nicht mehr, dass Spike an dem Geländer zusammen sank und sein Gesicht in seinen Händen vergrub, sondern stürzte panisch in ihr Schlafzimmer, lehnte sich von innen gegen die Tür und schloss verzweifelt die Augen.

Er hat mich geküsst, dachte sie entsetzt. Oh Gott, er hat mich tatsächlich geküsst.

Und das Schlimmste war, sie hatte ihn eine ganze Weile gewähren lassen.

„Oh nein", murmelte sie hilflos. Denn noch viel schlimmer war, dass es ihr gefallen hatte. Viel zu sehr, um es einfach zu vergessen.

Sie schleppte sich zu ihrem Bett, fiel hinein und rollte sich zusammen. Was war nur mit ihr los? Wenigstens einer von ihnen sollte einen klaren Kopf bewahren. Wenigstens einer von ihnen beiden sollte wissen, dass es Grenzen gab, die man nicht überschreiten durfte.

Ihre Finger fuhren zu ihren Lippen, auf denen sie noch immer seine Berührung spürte. Von einem klaren Kopf konnte in ihrem Fall schon einmal gar keine Rede sein.

****************

Er saß am nächsten Morgen schon in der Küche, als sie sich endlich überwinden konnte, ihr Zimmer zu verlassen. Seine Haare sahen aus, als wäre er gerade aufgestanden und wenn sie nicht selbst so fürchterlich verlegen gewesen wäre, hätte sie über seinen verzweifelten Gesichtsausdruck sogar schmunzeln können.

Schweigend fiel sie neben ihm auf einen Küchenstuhl, als er loslegte.

„Buffy, bitte, es tut mir wirklich leid. Ich bin ein Riesenidiot. Ich wollte das nicht und ich könnte mich selbst dafür ohrfeigen. Du...ähm...bist du sauer?"

Sie nickte stumm. Sie sollte sauer sein.

„Ja?" Er klang kleinlaut und sie schaffte es endlich, den Kopf zu heben und ihn anzusehen.

„Du warst eifersüchtig", sagte sie leise.

„Nein!", fuhr er erschrocken auf und wurde rot. „Nein, ich meine...vielleicht...ein bisschen?" Er vergrub sein Gesicht in seinen Händen. „Ich bin ein Idiot. Würdest du mich bitte erschießen?"

Buffy lächelte schwach. „Ich würde dir höchsten einen Pflock durchs Herz jagen."

Spike schielte durch seine Finger. „Du ziehst jetzt nicht aus, oder?"

„Bist du verrückt!", schimpfte sie. „Ich habe gemeint, was ich gestern gesagt habe. Ich habe dich gern und ich sorge mich um dich. Aber ich habe ein Problem, damit umzugehen, wenn du ...ähm...mehr als Freundschaft für mich empfindest..." Sie wurde leiser. „Ist das so, Spike?"

„Ich habe dich auch gern", murmelte er geknickt.

„Du hast mich geküsst", erinnerte sie ihn. „Jemanden, den man nur gern hat, küsst man nicht auf diese Weise."

Er verzog trotzig den Mund. „Du hast ganz schön lange gebraucht, bis du darüber entsetzt warst!"

„Du wirst mich nie wieder küssen!"

Er starrte sie an.

„Spike?!"

„Ich kann jetzt nicht ja sagen!", verteidigte er sich. „Weil...dann würde ich ja lügen und ich möchte dich nicht anlügen. Und eigentlich möchte ich dich küssen...Shit, habe ich das jetzt laut gesagt?", fluchte er, als er sah, wie die Röte in ihre Wangen schoss. „Ich gebe mir Mühe…"

Buffy benötigte einen Moment, um seinen Ausbruch zu verarbeiten. Ich möchte dich küssen. Wieso verursachte das schon wieder so eine Schwäche in ihrem Körper? Sie hatte die ganze Nacht Zeit gehabt, ihre Gedanken zu sammeln und sich auf das Gespräch mit ihm vorzubreiten. Weshalb schafften es vier Worte, sie all ihre guten Vorsätze vergessen zu lassen?

„Wirst du...wirst du dich wieder mit ihm treffen?", fragte er dann zögernd.

„Ich weiß noch nicht. Er ist...nett..."

Spike grinste sie schelmisch und plötzlich gar nicht mehr so geknickt an. „Das gefällt mir. Ich wäre enttäuscht, wenn du mich nach einem so langen Abend einfach nur als nett bezeichnest."

Buffy lächelte ebenfalls. „Ich möchte nicht, dass du noch einmal so durchdrehst."

„Gehst du mit mir auch einmal Essen?", bohrte er sofort weiter, als er ihr Lächeln sah.

„Spike!"

„Ich meinte so ein versöhnliches Stiefmutter-Stiefsohn-Essen. Ganz ungefährlich." Sein Grinsen wurde noch verschmitzter, als sie die Augen verdrehte. „Kerzenschein, eine gemütliche dunkle Ecke..."

Sie lachte und goss sich endlich Kaffee ein.

„...und wenn du mich danach nur als nett bezeichnest, gehe ich ins Kloster", verkündete er.

„Hör jetzt auf. Ich gehe nicht mit dir Essen."

„Du weißt gar nicht, was du da verpasst", murmelte er vergnügt und freute sich, dass sie wenigstens nicht mehr so zornig aussah wie in der Nacht.

Und irgendwie fühlte er sich erleichtert, dass sie jetzt von der Anziehung, die sie auf ihn ausübte, wusste.

Und sie hatte seinen Kuss erwidert, jedenfalls am Anfang. Allein die Erinnerung an das Gefühl ihrer Lippen und ihres Körpers, der sich an ihn schmiegte, verursachte ein euphorisches Hochgefühl in ihm.

Möglicherweise war es ihr peinlich, das auch zuzugeben. Oder sich selbst einzugestehen, dass sie ihn gleichfalls anziehend fand. Zumindest hoffte er das und sagte sich, sie hätte viel schockierter und aggressiver reagiert, wenn es nicht so wäre.

In der gestrigen Nacht hatte er Stunden wach gelegen, sich selbst verflucht und wirklich Angst bekommen, sie könnte einfach ihre Sachen packen und verschwinden. Er war sogar drauf und dran gewesen, noch einmal zu ihrem Zimmer zu gehen und mit ihr zu reden.

Im Nachhinein war er froh, es nicht getan zu haben. Wahrscheinlich hätte er das Ganze noch verschlimmert, wenn er es gewagt hätte, ihr Schlafzimmer zu betreten.

Seine Bedenken lösten sich erst in Luft auf, als er am heutigen Morgen ihrem genau so verlegenen Blick begegnete und er wusste plötzlich mit absoluter Gewissheit, dass eine Frau wie Buffy zu ihrem Wort stehen würde. Sie würde niemals einfach gehen und ihn allein lassen.

Es war, als hätte jemand eine riesige Last von seinen Schultern genommen und er musste sich zwingen, nicht einfach selig vor sich hin zu grinsen. Er sollte schon noch ein wenig schuldbewusst schauen.

Fast vergnügt beobachtete er sie über den Rand der Kaffeetasse hinweg, sah, wie sie sich eine der blonden Haarsträhnen hinters Ohr schob, ebenfalls an ihrem Kaffee nippte und sein Blick schon wieder eine leichte Röte in ihre Wangen schickte. Sie sah himmlisch aus, wenn sie rot wurde und seinem Blick auswich.

Spike musste sich gewaltsam zwingen, nicht einfach seine Hand zu heben, unter ihr Kinn zu legen und ihren Kopf wieder in seine Richtung zu drehen.

Gestern Nacht war er über sich selbst erschrocken gewesen. Heute sah er die Sache in einem anderen Licht. Dass sie so auf ihn reagierte, bedeutete mehr als er sich zu erhoffen gewagt hatte.

Grinsend löste er endlich seine Augen von ihr und beschloss, dass es jetzt für ihn keinen Grund mehr gab, zu verbergen, dass sie ihm gefiel.

*********************

„Wer hat den denn eingeladen?", fragte Spike mürrisch, als er hinter Anya und Doyle Robin Wood durch die Tür ins Wohnzimmer treten sah.

Buffy stieß ihm den Ellenbogen in die Seite und funkelte ihn warnend an. „Reiß dich zusammen."

Anya stürzte gleich auf sie zu und umarmte Spike stürmisch. „Alles Gute zum Geburtstag, Süßer."

Doyle gab Buffy die Hand und zuckte nur entschuldigend mit den Achseln, als er beobachtete, wie seine Frau Spike küsste.

Robin lächelte ebenfalls freundlich. „Hallo, Buffy."

Die drei setzten sich zu Willow und Tara, die schon mit Cordelia schwatzten und lauthals kicherten, während Spike mit Buffy zusammen die Getränke holte.

„Wo bleibt denn Xander?", erkundigte sich Buffy erstaunt.

„Keine Ahnung."

Als würde er Gedanken lesen, klingelte es wieder. Spike öffnete die Tür und das Lächeln auf seinen Lippen erstarb, als er hinter Xander Harmony entdeckte. Xander schaute sehr verlegen drein und flüsterte Spike beim Vorbeigehen zu. „Ich habe sie nicht los gekriegt."

„Spikeybärchen", flötete Harmony und fiel ihm um den Hals, ehe er reagieren konnte. „Alles Gute zum Geburtstag! So ein schönes Haus. Ich dachte mir, du hast bestimmt nur vergessen, mir Bescheid zu geben, oder?"

Buffy, die gerade die Getränke verteilt hatte, sah zur Tür und bemerkte erstaunt die blonde Frau, die an Spikes Hals hing.

Cordelia folgte ihrem Blick und stöhnte auf. „Gott, Harmony. Spike hat wirklich einen scheußlichen Geschmack in Sachen Frauen."

Es versetzte Buffy einen leichten Stich, als sie fast enttäuscht feststellte, dass er gar nicht lange gebraucht hatte, um über sein Ich möchte dich gern küssen hinweg zu kommen. Doch sie sagte sich, dass es so das Beste wäre und zauberte ein Lächeln auf ihre Lippen.

„Okay, dann dürften ja alle da sein", verkündete sie vergnügt. „Wer Bowle trinken möchte, die steht in der Küche. Maggie hat ein wunderschönes kaltes Buffet am Pool bereitgestellt. Kalte Getränke sind im Kühlschrank. Hat jemand spezielle Wünsche?"

„Musik!" rief Willow. „Wir wollen doch alle noch tanzen, oder?"

„Ich habe Hunger", mischte sich Spike ein und löste unwillig endlich Harmonys Hände von sich.

„Bringst du mir etwas mit, Spikey?", flüsterte sie verführerisch, ehe sie sich neben Cordelia setzte. „Hi, Cordy. Hast du dir das Haus schon angesehen? Spitzenmäßig, nicht wahr?"

Spike flüchtete erst einmal in den Garten zum Buffet. Er würde Xander am liebsten umbringen. Dieser schien ein schlechtes Gewissen zu haben, denn er folgte ihm sofort. „Tut mir leid, Mann. Ich wusste nicht, wie ich sie abwimmeln könnte."

„Indem du ihr sagst, ich will sie nicht sehen?" Spike verstummte, weil Buffy mit Willow zusammen zum Buffet trat und er knirschte mit den Zähnen, als Willow ihn angrinste.

„Spikey?" Willow schlang ihren Arm um seine Hüfte. „Was hat sie dir denn schönes geschenkt, Spikey? Sich selbst? Heute, eine heiße Nacht am Pool? Angezogen ist sie ja so..."

„Ich könnte dich erwürgen, Xan!", knurrte Spike gereizt in Xanders Richtung.

Willow lachte, gab Spike einen Klaps auf den Hintern und meinte. „Wir waren alle mal jung, Spike. Wir schauen weg, wenn du mit ihr kurz in deinem Zimmer verschwindest."

Spikes Blick traf auf Buffys, die das Ganze gar nicht so amüsant fand wie ihre Freundin. Sie sah sogar recht ernst aus.

„Du hast sie uns gar nicht vorgestellt", sagte sie jedoch freundlich.

„Ich habe sie auch nicht eingeladen", murmelte er mürrischer als beabsichtigt. „Harmony."

Trotz des unglücklichen Beginns wurde es ein lustiger Abend. Spike musste noch einmal alle Geschenke hervor holen bzw. jene, die er noch nicht ausgepackt hatte, auspacken.

Buffy musste jetzt ebenfalls lächeln, als sie sich daran erinnerte, wie sie ihm ihr Geschenk am Morgen gegeben hatte. Da sie keine Ahnung hatte, was ein junger Mann in seinem Alter sich wünschen könnte, hatte sie ihm ein Buch über Karate gekauft. Er war darüber so begeistert, dass er schon den halben Vormittag darin las und mit ihr am liebsten sofort den Trainingsraum aufgesucht hätte.

Ihr war warm geworden, als sie die Freude in seinen Augen gesehen und er sie einfach umarmt hatte.

Als er dann allerdings noch mit diesem hinterhältigen Grinsen meinte, sie könne ihm ruhig einen Kuss geben, hatte sie ihm die Hand vor die Stirn gestoßen und böse gesagt, wenn er nicht aufhören würde, über Küssen nachzudenken, würde sie wirklich sauer werden.

Von Willow und Tara bekam er Schonbezüge für sein Auto und er besaß sogar den Anstand rot zu werden, als Willow frech erklärte, sie hätte festgestellt, dass dieses alte Ding ganz schön dreckig war.

Danach allerdings wurde Buffy rot, als Anya erklärte wie schwer es gewesen wäre, sich ein Geschenk für Spike zu überlegen.

„Bei Buffy hätte ich nicht solch ein Problem gehabt", meinte die dunkelhaarige Frau. „Ich hätte ihr einfach einen Vibrator gekauft." Buffy fing an zu husten, was Anya nur dazu verleitete, hinzuzufügen. „Ich wette, sie hat keinen. Aber für Spike, das war echt schwer. Und deshalb dachte ich, er hat so einen fantastischen Körper und sollte sich auch endlich einmal Unterwäsche leisten."

„Du bist wirklich süß, Ann." Spike war die Sache gar nicht peinlich. Er gab Anya einen Kuss auf die Wange, ehe er unter dem Gejohle von Willow Anyas Geschenk präsentierte.

„Oh, das ist heiß", flötete Harmony. „Ziehst du sie gleich mal an?"

„Wieso weißt du eigentlich, dass Spike keine Unterwäsche trägt?", fragte Doyle seine Frau.

Anya lachte. „Wir spielen in dem gleichen Theater, Schatz. Da passiert es schon mal, dass man überraschend eine Umkleidekabine betritt."

„Die Betonung liegt auf Überraschend", wieherte Cordelia. Cordelia hatte Spike eine CD von den Sex Pistols gekauft, tatsächlich eine, die er noch nicht besaß und Spike war so gerührt, dass er sogar Cordelia umarmte, was diese dazu veranlasste, zu brummen, das sollte außerhalb der Bühne besser nicht zur Gewohnheit werden.

Robins Geschenk, ein Buch über die Geschichte des Theaters, nahm Spike mit gemischten Gefühlen entgegen, doch er versuchte, ebenso freundlich zu lächeln wie sein Programmdirektor.

Xander hatte ihm ein neues Programm für seinen Computer gekauft, mit dem er die Klangqualität von abgespielten CDs verbessern konnte und die beiden Männer verschwanden erst einmal im oberen Stockwerk, um das Programm auszutesten.

Buffy währenddessen führte alle, die es noch nicht kannten, auf einer Besichtigungstour durch das Haus. Harmonys Mund stand nicht still und Buffy betete, dass Spike nicht tatsächlich vorhatte, diese Frau als seine Freundin zu bezeichnen, weil sie ihr die Nerven raubte und nicht mehr Hirn als eine Schnecke zu besitzen schien.

Als sie zurück ins Wohnzimmer kamen, stellte Willow gerade die Musik lauter. „Wo ist denn nun unser Geburtstagskind? Nun, was soll’s." Sie schnappte sich Taras Hand und eröffnete die provisorische Tanzfläche neben dem Pool.

„Möchtest du tanzen, Buffy?", fragte Robin höflich und sie folgte ihm.

Es verging noch einmal eine Stunde, ehe Spike und Xander wieder auftauchten. Cordelia lehnte gelangweilt an der Couch. „Das wird aber Zeit!", schimpfte sie, ergriff die Hand eines völlig fassungslosen Xanders und zerrte ihn zur Tanzfläche.

Hamony lächelte Spike verführerisch an. Er fluchte lautlos, sah dann allerdings Buffy mit Robin tanzen und knurrte böse, ehe er Harmony mit einer gereizten Geste in Richtung Pool winkte.

 

T e i l  1 4

 

Es war spät, als die letzten Gäste gingen, sicherlich nach zwei. Buffy lehnte müde am Rahmen der Verandatür und hörte, wie sich Spike von Anya und Doyle verabschiedete. Die beiden nahmen Robin und Cordelia mit.

Xander hätte gern im Gästezimmer übernachtet, aber Spike machte ihm klar, dass er keinesfalls zulassen würde, dass Harmony ebenfalls im Haus blieb. Harmony schmollte, doch das prallte an Spike wirkungslos ab. Ja, es schien eher so, dass er sie regelrecht zur Tür hinaus schob.

„Bye Xan. Bye Harm!" Er hatte die Tür so schnell geschlossen, dass keiner von beiden dazu kam, noch irgendein Wort des Abschiedes zu formen. Seinetwegen konnten ihn beide als unhöflich bezeichnen, er war der Meinung, den ganzen Abend Harmony gegenüber höflich genug gewesen zu sein.

Dann ging er ins Wohnzimmer, grinste Buffy an und lehnte sich neben sie gegen die Balkontür, während er sich eine neue Zigarette ansteckte.

„Das ist ungesund", sagte Buffy zum bestimmt hundertsten Mal seit sie in dem Haus wohnte.

Er ging gar nicht darauf ein. Wie immer. „Wo sind die Turteltäubchen?"

Buffy deutete auf den Pool und jetzt sah auch Spike die beiden Frauen im Wasser.

„Sie haben doch etwas an, oder?"

„Ich hoffe es", murmelte Buffy.

„Hey Spike. Komm doch mit rein!", rief Willow.

„Wehe, ihr macht heute Nacht wieder so laut!", schrie er zurück.

„Warum hast du deine kleine Freundin weggeschickt?", stichelte Willow weiter.

Buffy musste grinsen. „Du hast sie nie erwähnt..."

„Sie ist nervtötend", murmelte er verlegen und zog an seiner Zigarette. „Und sie bildet sich etwas ein, das nicht existiert."

„Sie scheint nicht sonderlich...intelligent zu sein..."

„Nein..." Er drehte den Kopf und sah sie von der Seite an. „Ich hätte gern einmal mit dir getanzt."

„Ich glaube nicht, dass das eine gute Idee..."

„Komm schon, Buffy. Ich habe Geburtstag!" Er warf die Zigarette zu Boden und trat sie aus, ehe er ihr die Hand hin streckte. „Ich verspreche dir, mich zu benehmen." Sein Gesicht strahlte auf, als sie seine Hand ergriff und sich von ihm ins Wohnzimmer führen ließ.

Spike schnappte sich die Fernbedienung der Stereoanlage und schaltete die Musik wieder ein. Da er die CDs kannte, die sich darin befanden, wählte er schnell ein langsames Lied. Sie musste ja nicht wissen, dass es absichtlich war und zog Buffy an sich, ehe sie protestieren konnte.

Sie protestierte nicht, sondern murmelte nur. „Du bist berechnend..."

Spike antwortete nicht. Er schlang einfach seine Arme um ihren zierlichen Körper und schloss einen Moment selig die Augen, als der Duft ihrer Haare in seine Nase stieg. Das war es, was er sich seit Tagen wünschte – sie im Arm halten, einfach nur festhalten und genießen, dass sie ihn nicht von sich stieß oder ihm verbot, genau das zu tun.

Er hätte am liebsten geseufzt, als sie ihre Hände um seine Hüften legte und sich an ihn lehnte.

Eine ganze Weile bewegten sie sich einfach nur zu den langsamen Klängen des Liedes und Spike wünschte sich, den Moment zur Ewigkeit werden lassen zu können. Unbewusst zog er sie enger an sich und registrierte erstaunt, dass sie sich an ihn schmiegte.

Eine leise Stimme sagte Buffy, dass ganz falsch war, was sie hier tat und dass sie ihm verbieten sollte, mit seinen Händen über ihren Rücken zu streicheln. Sie schaffte es nicht, etwas zu sagen, sondern schloss die Augen, als sie fühlte, dass er seinen Kopf gegen ihren lehnte.

„Hat dir dein Geburtstag gefallen?", fragte sie leise.

Spike fühlte sich wie im Himmel und benötigte einen Augenblick, ehe ihre Frage zu ihm durchdrang. „Ja", flüsterte er neben ihrem Ohr. „Er gefällt mir immer besser..."

Buffy seufzte leise, als sie spürte, wie seine Finger sich in ihre Haare wühlten, zu ihrem Hals und ein Zittern lief über ihre Haut. „Spike...", murmelte sie und es sollte abwehrend klingen.

Er antwortete nicht, doch seine Finger strichen durch ihre Haare, drückten ihren Kopf ein wenig zur Seite, so dass er seinen senken und mit den Lippen ihren Hals erreichen konnte.

Buffys Mund öffnete sich zu einem stummen Protest, doch kein Laut verließ ihre Lippen. Ihre Finger klammerten sich in sein Shirt als wäre er der Halt, den sie plötzlich brauchte und jegliches Tanzen wurde zur Nebensächlichkeit, als seine Lippen über die zarte Haut ihres Halses glitten

„Spike...", sagte sie wieder und wusste selbst, dass sie einfach nur hilflos klang. Ihre Beine fühlten sich an, als würden sie aus Pudding bestehen und sie war froh, dass es noch seine Hände gab, die sie festhielten.

„Luv?", murmelte er heiser.

Buffys Zittern verstärkte sich, als seine Zunge der Spur seiner Lippen folgte und dann die Linie ihres Kiefers entlang strich.

„Hör auf", piepste sie und ihre Hände klammerten sich noch fester in sein Shirt. Sie nahm nicht einmal wahr, dass nicht nur er sie festhielt, sondern sie sich gegen ihn presste.

Er hörte natürlich nicht auf, sondern seine Lippen glitten federleicht über ihre Wange zu ihrem Mund. Und alles, was ihren Mund verließ, war ein leises Stöhnen, als sich ihre Lippen letztendlich berührten.

In diesem Moment klapperten Schritte über die Terrasse. „Buffy?", schellte Willows helle Stimme durch die leise Melodie des Liedes. „Spike, wo... Oh verdammt!"

Buffy fuhr zurück und Spike stöhnte frustriert auf, als er den Schreck in ihrem Gesicht sah.

„Ich bin weg!", rief Willow und machte kehrt. „Ich dumme Kuh!", schimpfte sie mit sich selbst und sagte dann noch laut. „Ich habe nichts gesehen! Wir gehen schlafen! Gute Nacht!"

Buffy hörte noch Taras fragende Stimme, verstand sie aber nicht und die Gespräche wurden leiser, als die beiden um das Haus herum liefen.

Sie starrte noch immer Spike an als würde sie träumen, während in seinem Gesicht die unterschiedlichsten Emotionen miteinander kämpften: Verlangen, Verzweiflung und ein Hauch von Schuldbewusstsein.

„Es wäre falsch", sagte sie leise.

„Warum?", fragte er und diesmal war es eindeutig Verzweiflung.

Sie wich langsam zurück. „Du...bist Ruperts Sohn. Du bist zehn Jahre jünger als ich..."

„Na und?" Er machte einen Schritt auf sie zu, doch sie wich zurück. „Buffy..."

Er sah so verzweifelt und verletzt aus, dass es ihr das Herz zusammen zog. Sie wusste sich nicht anders zu helfen, drehte sich einfach nur um und stürzte wie von Furien gehetzt die Treppe hinauf zu ihrem Zimmer.

Und sie wusste genau, dass sie den Ausdruck in seinen Augen niemals vergessen würde.

********************

„Ich weiß nicht, was ich tun soll, Willow", jammerte Buffy und vergrub ihr Gesicht in ihren Händen.

Sie saßen am Frühstückstisch. Willow war viel zu neugierig gewesen, um lange zu schlafen und Buffy hatte kaum ein Auge zu gemacht, weil immer wieder Spikes verletzter Gesichtsausdruck in ihrem Kopf aufgetaucht war. Tara legte Buffy beruhigend die Hand auf den Arm, während Willow sie einfach nur mit großen Augen anstarrte.

„Hast du mit ihm geschlafen?"

„Nein!", stieß Buffy hervor. „Wir haben getanzt, nichts weiter!"

Willow grinste. „Ich habe da einen Mund zu Mund Kontakt gesehen. Also komm mir nicht mit - nichts weiter!"

„Was ist nur mit mir los?", jammerte Buffy wieder. „Ich fühle mich wie ein Schuft. Ich verletzte seine Gefühle, ich verrate Rupert...oh Gott, warum drehe ich durch, wenn er mich berührt?"

„Weil du ihn recht anziehend findest?", erkundigte sich Willow trocken. „War es das erste Mal?"

Buffy schüttelte stumm den Kopf.

„Buffy, Buffy...", kicherte ihre rothaarige Freundin. Tara warf ihr einen warnenden Blick zu.

„Er war so eifersüchtig", erzählte Buffy dann stockend. „Als ich mit Robin Essen war. Er war wütend und hat mich angeschrieen. Ich habe es nicht verstanden...mein Gott, war ich blöd... und wollte mit ihm reden. Wenn er wütend ist, wird er auch schnell aggressiv und ich habe irgendetwas gesagt, ich weiß gar nicht mehr was... Jedenfalls war er der Meinung, mir zeigen zu müssen, dass ich sehr wohl in ihm einen erwachsenen Mann sehen sollte..."

„Oh. Oh", machte Willow. „Er hat dich geküsst? Kleiner Überfall? Hast du ihm wenigstens eine geklebt?"

„Verdammt..." Buffy verzog gequält das Gesicht. „Willow, ich war froh, dass ein Rest meines Verstandes noch da war und ich ihn von mir stoßen konnte... Selbst dazu habe ich ganz schön lange gebraucht..."

„Du hast ihn gern", sagte Tara leise. „Hast du mit ihm geredet?"

„Ja." Sie nickte. „Ich habe ihm auch gesagt, dass das nie wieder passieren darf und ich nicht will, dass er in dieser Art und Weise über mich denkt."

„Ich wette, er war nicht begeistert darüber", murmelte Willow mit einem schiefen Grinsen.

„Nein..."

Tara legte beruhigend ihren Arm um Buffys Schulter. „Viele junge Männer in seinem Alter schwärmen für eine ältere Frau. Ich habe das gelesen. Ich denke, es geht vorbei, sobald er ein anderes Mädchen trifft."

Buffy schniefte auf. „Tara, als er mich gestern berührte...setzte irgendetwas in meinem Kopf aus. Wieso kann er das? Was ist mit mir los? Ich habe nicht einmal daran gedacht, dass ihr noch da seid. Wenn du nicht gestört hättest, Willow...Wenn er es schon nicht kann, ich hätte zumindest einen klaren Kopf behalten müssen."

„Du bist auch nur ein Mensch, Buffy", erklärte Willow. „Und wie gesagt, dein Sexualleben war in der letzten Zeit recht ...ähm...einsam. Kein Wunder, wenn du auf ihn anspringst wie eine..."

„Willow!", fuhr diesmal Tara sie an.

„Ich verletze seine Gefühle", sagte Buffy traurig. „Das ist das Letzte, was ich will. Ich habe ihn wirklich gern und als er mich gestern angesehen hat, so verletzt...da ist etwas in mir zerbrochen. Wie konnte ich ihm das antun? Ihm eine zu kleben wäre die richtige Reaktion gewesen. Klar und eindeutig."

Die beiden Frauen sahen sie stumm an. Selbst Willow hielt ihren vorlauten Mund.

In diesem Moment hörten sie Schritte auf den Stufen und Buffy seufzte, als Spike die Küche betrat und die drei Frauen mit einem misstrauischen Blick bedachte.

„Morgen", brummte er, nahm eine Tasse aus dem Schrank und goss sich Kaffee ein. „Ihr könnt ruhig weiter reden. Stört mich überhaupt nicht", knurrte er dann in die Stille. „Ich weiß sowieso, worüber ihr tratscht!"

Drei Augenpaare folgten ihm, als er die Küche wieder verließ und in Richtung Pool schlurfte. Buffys Kopf sank mit der Stirn auf die Tischplatte. „Ich muss mit ihm reden."

„Was willst du denn sagen?", erkundigte sich Willow trocken. „Spike, lass bitte deine Hände und Lippen von mir, weil ich zu schwach bin, um nein zu sagen?"

„Du bist nicht sonderlich hilfreich!"

„Ich denke, du brauchst einfach mal wieder Sex", erklärte Willow ernsthaft. „Spring mit Robin ins Bett und du wirst feststellen, dass du unseren jungen Freund ganz schnell vergisst."

Buffy starrte Willow an. „Robin?"

Diese verdrehte die Augen. „Oder irgendjemand anderen. Jemand in deinem Alter, Buffy. Jemand, der versteht, dass es sich eventuell nur um einen One-Night-Stand handelt. Spike würde das nicht verstehen."

„Ich werde mit Spike keinen Sex haben", sagte sie schnell und erschrocken.

„Es stimmt." Tara nickte. „Ich glaube auch nicht, dass Spike es verstehen würde. Erinnere dich selbst doch einmal daran, als du so alt warst. Wie schnell verliebt man sich..."

„Spike ist nicht in mich verliebt! Vielleicht ist es eine Art Schwärmerei...oder so..."

Willow verdreht wieder die Augen. „Buffy, auch wenn du es nicht glaubst, aber Spike ist nicht blind und du siehst toll aus. Er ist achtzehn, steckt voller heißblütiger männlicher Hormone, hat im Moment niemanden, an dem er sie abreagieren kann. Es ist vollkommen normal, dass er auf dich abfährt!"

Spike lehnte an der Hauswand, direkt neben dem Fenster zur Küche und grinste vergnügt vor sich hin, während er an seiner Zigarette zog. Die gesamte Enttäuschung, mit der er in der Nacht gekämpft hatte, war verschwunden und er verspürte nicht einmal ein schlechtes Gewissen, als er jetzt so frech dem Gespräch der drei Frauen lauschte. Schade, dass er nicht schon eher auf die Idee gekommen war.

Buffy hatte also Angst, seine Gefühle zu verletzten. Heißblütige männliche Hormone... Diese Willow war wirklich klasse. Sollte er sich merken, den Satz...

Und mit Robin ins Bett gehen?! Das würde er schon verhindern!

„Er soll nicht auf mich abfahren!", fuhr Buffy auf. „Ich bin seine Stiefmutter! Er dürfte mich gar nicht unter diesem Gesichtspunkt ansehen!"

„Du solltest auch kein Schwächegefühl in den Beinen bekommen, wenn er dich ansieht", antwortete eine grinsende Willow.

„Denkst du..." erkundigte sich Buffy und klang schon wieder recht gequält, „denkst du...das ist irgendwie krank?"

Nein, Pet, dachte Spike amüsiert. Das ist sogar ausgesprochen hilfreich.

„Nein, Buffy", beruhigte Tara sie. „Es wäre nur vielleicht wirklich besser, ihn das nicht spüren zu lassen."

„Zeig mir die Frau, die bei seinem Anblick nicht ins Schwärmen gerät", war Willows Kommentar.

„Was mache ich nur?", jammerte Buffy weiter und ließ zum wiederholten Mal ihre Stirn auf die Tischplatte sinken.

Willow zuckte mit den Schultern. „Gar nichts. Du tust einfach so als wäre nichts passiert. Bis er es wieder versucht und du dich entscheiden musst..."

Ihr Kopf schoss hoch.

„Ich wollte sagen", verbesserte sich Willow schnell, „bis er es versucht und du ihm diesmal eine klebst!"

„Ja...genau. Ich werde ihm ...eine kleben..." Sie vergrub ihr Gesicht in ihren Händen, weil allein der Gedanke an das Gefühl seines Körpers an ihrem eine unerklärliche Hitze durch ihren Leib schickte. „Ich sollte wirklich mit ...Robin ausgehen. Schnellstens."

Willow runzelte die Stirn. „Du besitzt doch einen Vibrator?"

Spike verschluckte sich fast an dem Rauch und schlug sich die Hand vor den Mund, um nicht zu husten. Sein Gesicht wurde krebsrot, als er mit einem Erstickungsanfall kämpfte, weil er unbedingt die Antwort hören wollte.

Buffy wurde rot. „Ja", murmelte sie verlegen. „Ich benutze ihn aber nicht oft."

„Benutz ihn, Buffy, am besten täglich", grinste Willow. „Das kühlt ein wenig ab und du reagierst nicht schon, wenn dich Spike bloß zweideutig anschaut."

Täglich?! Oh Gott, allein der Gedanke, dass sie sich in ihrem Schlafzimmer einschloss, ließ ihn steinhart werden. Er würde noch wie in Xanders Fantasie enden - mit einem Auge am Schlüsselloch von Buffys Schlafzimmertür.

„Wir müssen los", sagte Willow gerade. „Weil wir noch einmal in der Galerie vorbei schauen wollen. Ich bin am Mittwoch zu den Proben da. Vielleicht übernehme ich doch den Part der Hexe, mal sehen. Wir treffen uns dann ja dort, nicht wahr?"

Buffy nickte und umarmte Willow und Tara kurz. „Kommt gut nach Hause."

„Denk an meinen Tipp!" Willow lachte, während sie mit Tara in Richtung Veranda ging. „Wo ist denn nun unser Liebling?"

Und Spike huschte schnell um die andere Seite des Hauses herum, ehe die beiden Frauen sehen konnten, wo er gestanden hatte.

**********************

„Du wirst noch einen Sonnenbrand bekommen", murmelte Buffy mürrisch, als sie am Pool vorbei ging.

Spike grinste, schielte kurz durch seine Lider in ihre Richtung und stellte amüsiert fest, dass sie überall hinsah, nur nicht in seine Richtung. „Machst du Kaffee? Ich möchte auch eine Tasse."

Das veranlasste sie zum Stehenbleiben. „Ja? Seit wann trinkst du nachmittags Kaffee?"

„Ich habe halt Lust drauf."

Buffy drehte sich wieder um und ging ins Haus. Drei Tage waren seit seinem Geburtstag vergangen und wie es Willow vorgeschlagen hatte, war Buffy mit keinem Wort auf ihren gemeinsamen Tanz eingegangen.

Spike verhielt sich ihr gegenüber völlig normal. Das wunderte sie etwas, aber sie war weit davon entfernt, das Gespräch noch einmal in diese Richtung zu lenken.

Sie übten sogar wieder zusammen die Texte für sein Vampirdasein, und als Cordelia diesmal zum Training kam, war er die Freundlichkeit in Person.

Buffy, die sich selbst nicht traute, vermied es an diesem Tag, direkt gegen Spike zu kämpfen, sondern ließ nur die beiden gegeneinander antreten oder übte allein mit Cordelia.

„Maggie? Spike möchte auch Kaffee", rief sie ins Haus und half der älteren Frau, das Geschirr auf die Veranda zu tragen.

Als sie den Kaffee ausgoss, erhob sich Spike und schlenderte vom Pool zum Tisch. Buffy fluchte leise, als sie bemerkte, dass er noch immer nur seine Badehose trug.

„Würdest du dir vielleicht etwas anziehen?", fragte sie gereizt, als er sich neben Maggie setzte.

„Warum?", erkundigte er sich mit seiner unschuldigsten Stimme. „Ich will dann ins Wasser. Stört es dich?"

Maggie tätschelte seinen Arm. „Lass nur, William. Uns stört es nicht."

Sie lächelte Buffy fragend an und diese hatte alle Mühe, nicht mit den Zähnen zu knirschen, als sie hervor stieß: „Nein."

Spike lachte Maggie an. „Ich habe auch nichts dagegen, wenn ihr Badesachen anzieht. Es ist sowieso viel zu heiß, um Kleidung zu tragen."

Du kleiner hinterhältige Mistkerl. Buffy funkelte ihn an. Das könnte dir so passen. „So heiß ist es gar nicht", meinte sie und lächelte falsch.

Maggie legte ein Stück Kuchen auf Spikes Teller. „Ich habe gehört, du hast eine neue Freundin, William? Harmony?"

„Was?" Er sah verdutzt aus. „Nein, nein, sie ist nicht meine Freundin. Ich mag sie nicht einmal."

„Nicht? Sie ist ein hübsches Mädchen, ein wenig geschwätzig, aber so sind die Mädchen halt", redete Maggie weiter.

„Sie redet nur Schwachsinn und sie ist viel zu jung."

Buffy verschluckte sich fast an dem Stück Kuchen in ihrem Mund und fing an zu husten. Maggie klopfte ihr auf den Rücken. „Essen Sie nicht so hastig, Buffy." Dann sah sie Spike wieder an. „Zu jung? Sie ist doch so alt wie du."

„Eben. Ich mag ältere Frauen lieber", erklärte er unbekümmert und grinste Maggie an. „Dru war auch älter."

Dru war auch älter?! Wieso hatte ihr das niemand gesagt? Buffy beschäftigte sich mit ihrem Kuchen, als wäre es die wichtigste Sache der Welt und hoffte, ihre Wangen würden nicht schon wieder glühen.

„Dann denkst du wohl immer noch an sie?" fragte Maggie mitfühlend. „Liebenkummer kann schlimm sein..."

„Nein, nein", winkte er ab.

„Sag bloß", stichelte Maggie weiter, „da gibt es eine andere Frau?"

Buffys Löffel erstarrte mitten in der Bewegung. Das würde er nicht wagen, oder?

„Hm, schon", sagte er langsam, ehe seine Augen von Maggie zu Buffy und wieder zurück wanderten. „Zumindest jemanden, der mich interessiert."

„Ist sie hübsch?", bohrte die neugierige Maggie weiter.

Spike nickte. „Oh ja, sie sieht fantastisch aus."

Maggie, halt bitte die Klappe!

„Das ist schön, dass du über Drusilla hinweg bist." Maggie nippte an ihrem Kaffee. „Oder, Buffy? Mir gefällt William ohne die Stacheln auf seinem Kopf und ohne die vielen Ketten besser."

Buffy schaffte es endlich, den Kopf zu heben, nur um dem feinen Lächeln in seinem Gesicht zu begegnen. „Hm", brachte sie nur heraus.

„Dru fand es heiß", sagte er mit einem amüsierten Heben der Augenbrauen, „wenn ich gar nichts anhatte. Nur die Ketten."

Buffys Mund wurde schon allein bei dieser Vorstellung trocken und alles, was sie tun konnte, war ihn anstarren. Zum Glück lachte Maggie auf und lenkte somit Spikes Aufmerksamkeit auf sich.

„Ja, ja, die Drusilla. Sie war schon immer ein wenig abgedreht."

Er grub seine Zähne in seine Unterlippe. „Hm, Dru kannte eine Menge abgedrehter Spielchen, die in direktem Zusammenhang mit Ketten..."

„Spike!", fuhr Buffy auf, ehe er seine Beschreibung vertiefen konnte. „Das ist nichts, was Maggie oder ich wissen wollen. Also behalte es für dich!" Sie hätte ihm am liebsten den Kuchen ins Gesicht geworfen, als er schon wieder so schmutzig grinste.

Maggie bekam davon nichts mit, weil sie in ihrer Kaffeetasse rührte und belustigt den Kopf schüttelte. „Die jungen Dinger... auf was für Ideen die kommen...Ketten..."

„Es waren Handschellen", erklärte Spike freundlich, nippte an seinem Kaffee und beobachtete eine Buffy, die ihn fast mit Blicken erdolchte. Wenn ihre Augen so funkelten, gefiel sie ihm noch besser.

Zum Glück bemerkte Maggie nichts von alledem und schwatzte munter weiter, ohne die Einsilbigkeit von Buffys Antworten oder Spikes vergnügte Blicke zu registrieren.

Als sie ausgetrunken hatten, begann die ältere Frau, das Geschirr zusammen zu räumen. Buffy wollte ihr helfen, doch sie winkte ab. „Lassen Sie nur, Buffy, legen Sie sich einfach mit an den Pool."

„Genau, Buffy", stimmte Spike zu. „Du solltest vorher nur einen Bikini anziehen."

Maggie verschwand mit dem Geschirr im Haus und Buffy fauchte leise: „Du bist unmöglich!"

„Was mache ich denn?", fragte er unschuldig. „Ich habe nur Maggies Fragen beantwortet. Sie war schon immer neugierig."

Er lächelte sie so freundlich an, dass sich Buffy fragte, ob sie jetzt einfach überreagierte und sich schon Sachen einbildete, die gar nicht so waren. Er hatte Maggies Fragen beantwortet, mehr nicht.

Wenn sie in seine Worte etwas hinein interpretierte, war das ihr Problem, oder?

„Schwimmst du eine Runde mit?"

Buffy kam sich plötzlich vor wie die allerletzte Idiotin. Am Ende litt sie unter irgendwelchen Phobien und er hatte das Thema längst abgehakt?

Dass er gern zweideutige Bemerkungen machte und ohne Rot zu werden selbst über heikle Themen reden konnte, wusste sie, seit sie sein Gespräch mit Willow belauscht hatte. Warum also bildete sie sich ein, er würde sie verlegen machen wollen, nur weil er sie so verschmitzt angrinste?

„Nein", stieß sie hervor und sprang auf. „Ich…ich habe zu tun."

Spikes Blick folgte ihr, als sie mit schnellen Schritten im Haus verschwand und ein Lächeln huschte über seine Lippen.

Dass sie durch seine Bemerkungen so nervös wurde, bedeutete, dass seine Gegenwart sie auf keinen Fall kalt ließ.

Und das gefiel ihm ausgesprochen gut.

 

Teil  15

 

Willow fiel stöhnend auf die Couch in Buffys Wohnzimmer. „Dein Robin ist wirklich hartnäckig", schimpfte sie. „Heute ist Freitag. Ich weiß nicht, wieso ich mich von ihm habe überreden lassen, schon wieder auf so einer Probe aufzukreuzen! Weißt du eigentlich, wie spät es ist?"

„Er ist nicht mein Robin." Buffy lachte. „Willst du hier übernachten, Will? Ruf Tara einfach an und sag ihr, dass du morgen erst heim kommst."

Entgegen Willows Schimpfen spielte sie auf der Bühne mit einer Begeisterung, die Buffy ihrer Freundin gar nicht zugetraut hätte. Und Willow hatte genau so wenig wie die anderen Schauspieler auf die Uhr gesehen. Dass es am Ende fast zehn wurde, ehe sie das Theater verließen, damit hatte niemand gerechnet.

Willow fuhr sich über die Augen und grinste dann Buffy an. „Wenn ich hier bleibe, meine Liebe, werden wir den Abend nutzen und dafür sorgen, dass du auch einmal wieder unter die Leute kommst. Was hältst du davon, wenn wir ausgehen?"

„Ausgehen?"

„Ich denke, es gibt hier so einen klasse Tanzschuppen? Das Bronze?" Begeistert über ihre Idee sprang Willow auf. „Ich rufe Tara an und du gehst schon mal duschen!"

Buffy gefiel Willows Einfall gar nicht. „Warum denn ausgerechnet das Bronze?", murmelte sie, stieg jedoch die Treppen in die erste Etage hinauf.

Es war Ewigkeiten her, seit sie das letzte Mal eine Disco betreten hatte und deshalb stand sie nach der Dusche vor ihrem Schrank, ging die Kleidung durch und fand nicht ein einziges Stück, das sie anziehen konnte. Willow, die ebenfalls geduscht hatte und Buffys Bademantel trug, klopfte, steckte dann den Kopf zur Tür hinein und fragte.

„Alles klar?" Als sie Buffy in BH und Slip vor dem Schrank stehen sah, seufzte sie und betrat das Zimmer. „Wo ist das Problem?"

„Diese Sachen", sagte Buffy unsicher. „So kann ich unmöglich aus dem Haus gehen."

„Du musst mir etwas von dir borgen", erklärte Willow sofort. „Und ich denke…" Sie griff in Buffys Schrank, durchstöberte die Kleiderbügel und drückte dann zwei davon Buffy in die Hand. „Das ziehst du an und ich…hm…" Nachdenklich legte sie ihre Hand unters Kinn.

Buffy starrte auf das weiße enge Top mit den Spaghettiträgern und die enge schwarze Dreiviertelhüfthose in ihrer Hand und schüttelte den Kopf. „Will, ich bin keine zwanzig mehr…"

„Das interessiert niemanden. Du hast die Figur einer Zwanzigjährigen, also kannst du dich auch so anziehen. Und glaub mir, *ich* mache mir darüber keine Gedanken. Wenn ich etwas Scharfes anziehen möchte, ziehe ich es an."

„Ich will nichts Scharfes anziehen", sagte Buffy unsicher.

Willow hatte endlich gefunden, was sie suchte und griff sich einen für Buffys Geschmack viel zu kurzen Rock und ein kurzärmeliges Shirt. Ohne zu zögern schlüpfte sie in die Sachen und strich das Shirt glatt, während sie vor dem Spiegel bewunderte, wie schön lang ihre Beine in dem kurzen Rock aussahen. „Wunderbar. Was ist, Buffy? Wie lange soll ich noch warten?"

Eigentlich konnte sie froh sein, dass Willow ihr nicht genau so einen Rock verpasst hatte, oder? Noch immer zögernd zog sie die Hose an. Der Bund endete weit unter ihrem Bauchnabel und sie fragte sich einen Moment, wann zum Teufel sie dieses Ding gekauft hatte. Nachdem sie das Top über gestreift hatte und noch einmal in den Spiegel schaute, wurde ihr komisch. Zwischen dem Ende des Tops und dem Beginn der Hose blieb eine Handbreit Bauch frei. Ihre Zähne gruben sich in ihre Unterlippe, als sie sich selbst betrachtete. Das jahrelange körperliche Training in allen möglichen Kampfsportarten hatte nicht zugelassen, dass ihr Körper Fett ansetzte und als sie sich jetzt ansah, fühlte sie fast etwas wie Stolz.

Willow quietschte begeistert. „Buffy, ich erkenne dich fast nicht wieder. Es wurde wirklich Zeit, dass du mal wieder etwas Ordentliches trägst. Hier, ich habe dir ein Paar Schuhe heraus gesucht." Sie drückte der verblüfften Buffy ein Paar Plateausandalen mit viel zu hohen Absätzen in die Hand und schlüpfte selbst in ein Paar schwarze hochhackige Stiefeletten. „Okay, jetzt noch Schminken und dann ab in dieses Bronze. Ich hoffe, der Laden ist tatsächlich einen Besuch wert!"

************

Spike spuckte sein halbes Bier durch den Raum, als er sah, wer durch den Eingang ins Bronze trat. Xander warf ihm einen schockierten Blick zu.

„Meine Stief…", begann Spike krampfhaft, ohne die Augen von den zwei Frauen zu lösen, und seine Hand hob sich in Richtung Tanzfläche. „B-Buffy…", schaffte er dann noch hervor zu bringen.

Xander drehte sich um und sein Mund klappte auf. „Oh mein Gott!"

Wahrscheinlich hatten die beiden eine ganze Weile einfach nur dümmlich zur Tanzfläche gestarrt, denn Cordelias amüsierte Stimme schreckte sie auf. „Wenn das mal nicht ein toller Anblick ist. Wen begafft ihr denn so?"

Spike schreckte aus seiner Trance hoch und fuhr sich nervös durch die Haare. „W-was?" Allerdings konnte er seine Augen noch immer nicht von Buffy lösen, stellte aber ärgerlich fest, dass er nicht der Einzige war, der die beiden nun tanzenden Frauen beobachtete.

Cordelia musterte jetzt ebenfalls die Tanzfläche und rief begeistert. „Buffy und Willow! Na das ist ja eine Überraschung! Warum hast du nicht gesagt, dass sie kommen, Spike?"

Ohne auf seine Antwort zu warten, stürzte sie zur Tanzfläche, um den beiden Gesellschaft zu leisten. Spike war mehr als froh darüber, setzte sein Bier an und kippte es in einem Zug hinunter. Dann winkte er kurz dem Barkeeper. „Das gleiche noch mal!"

Xander neben ihm schüttelte immer wieder den Kopf. „Mann, Mann, Mann…Ich wusste gar nicht, dass sie solche Klamotten hat."

„Ich auch nicht", brummte Spike.

„Selbst Willow", hauchte Xander fasziniert. „Hab ich schon erwähnt, dass sie einfach heiß sind?"

Das war die Untertreibung des Jahrhunderts.

„Ja", knurrte er, während er mit den Augen den Raum scannte und feststellte, dass eine Menge anderer Männer die beiden ebenfalls beobachteten. Was hatte diese verrückte Willow wieder im Sinn?

Er erinnerte sich noch genau an das Gespräch, das er in der Küche belauscht hatte und an Willows „Anweisung", sie solle sich jemanden in ihrem Alter suchen und sich von ihm flachlegen lassen.

Spike fühlte einen unerklärlichen Zorn in sich aufsteigen. Verdammt, wenn sie es unbedingt brauchte, sollte sie doch einfach zu ihm kommen! *So* sollte man auf keinen Fall tanzen! Er wettete mit sich selbst, dass die Hälfte der Gaffer ordentliche Ständer in der Hose hatten. Inklusive ihm selbst.

In diesem Augenblick hob Buffy ihren Kopf und ihre Blicke trafen sich. Er war zu weit entfernt, um irgendeinen Gesichtsausdruck zu erkennen, sah jedoch, dass sie mit Willow flüsterte, der Rotschopf sich umdrehte und in seine Richtung winkte.

„Spikey!", quiekte eine Stimme neben ihm und im nächsten Augenblick hing Harmony um seinen Hals. „Das ist aber toll, dass du noch gekommen bist. Wie war die Probe?"

„Verflucht!" Gereizt stieß er die Blondine von sich. „Wie oft soll ich dir noch sagen, dass das mit uns nichts wird?" Seine Augen suchten wieder nach Buffy, doch die Tanzfläche war leer. „Wo sind sie hin?", fragte er Xander.

„Spikey", jammerte Hamony, doch niemand beachtete sie.

„Weiß nicht. In Richtung der anderen Bar", meinte dieser mürrisch. „Sie haben Cordy mitgenommen. Warum sind sie nicht hier her gekommen?"

Spike wusste ganz genau warum. Er stieß Xander an. „Na los, schauen wir mal, was die drei treiben. Vielleicht sollten wir heute ein wachsames Auge auf sie haben. Wenn sie schon so heiße Klamotten tragen müssen…"

Xander war sofort an seiner Seite. „Hast du nicht gesagt, du willst nicht, dass wir so über sie reden?"

„Will ich auch nicht", knurrte Spike. „Und ich will auch nicht, dass das zu viele der hier anwesenden männlichen Personen denken. Vielleicht sollte ich ihr sagen, dass man sich so nicht kleidet. Und so auch nicht tanzt."

Xander blieb stehen, als wäre er gegen eine Mauer gerannt. „Spike?", fragte er dann vorsichtig. „Sieh dich mal um. Sie tragen weder ungewöhnliche Kleidung noch fallen sie auf, wenn sie tanzen. Jedenfalls nicht mehr als andere toll aussehende Frauen. Was ist mit dir los?"

„Sie ist meine verdammte…ähm…Stiefmutter!"

Xander fing an zu lachen. „Ich hab’s gewusst! Du findest sie genau so scharf!"

Spike blieb ebenfalls stehen und drehte sich zu ihm um. „Halt die Klappe!"

„Gib’s zu! Gib’s zuuuu!" Xander kicherte. „Spikey hat eine Schwäche für seine Stiefmama", singsongte er. „Hast du sie schon durchs Schlüsselloch beobachtet?"

„Nein!", zischte Spike böse. „Und das werde ich auch nicht tun!"

„Pass nur auf, dass sie es nicht mitbekommt", griente Xander breit.

„Sie weiß es."

Xanders Grinsen erstarb übergangslos in seinem Gesicht. „Was?", brachte er schwach hervor.

Spike vergrub seine Hände in seinen Hosentaschen. „Wenn du das irgendjemandem erzählst, wirst du aussehen wie Drus Lover", drohte er leise.

Xander schüttelte wild den Kopf. „Wieso weiß sie es?", fragte er dann leise.

„Ich habe sie geküsst."

„Du hast …WAS?!", schrie Xander auf und schlug sich gleichzeitig die Hand vor den Mund, während er sich erschrocken umsah. Doch durch in dem Lärm der Musik fiel sein Ausbruch gar nicht auf. „Bist du verrückt?! Es ist etwas anderes, ob man im Geheimen darüber fantasiert, aber … ES TUN? Was hat sie gemacht? Hysterisch geschrieen? Dir eine gescheuert?"

Spike verzog das Gesicht. „Nichts dergleichen. Aber sie hat gesagt, dass ich das nie wieder tun soll." Dann grinste er sein berühmtes Spikegrinsen. „Sie hat eine ganze Weile gebraucht, um mich von sich zu stoßen."

„Oh. Mein. Gott", war alles, was Xander heraus brachte. „D-du denkst d-doch nicht, du hast …Chancen…oder?"

Spikes Grinsen wurde noch breiter.

**********************

Buffys Nervosität, die sie befallen hatte, als sie Spike gesehen hatte, legte sich etwas, als sie merkte, dass er die Gelegenheit nicht gleich nutzte, um den Abend an ihrer Seite zu verbringen. Es vergingen fast zwei Stunden und er kreuzte nicht einmal auf, um Hallo zu sagen. Allerdings weigerte sie sich, das Gefühl, das sich in ihr bildete, als Enttäuschung zu bezeichnen.

Willow gefiel es blendend. Sie schien ganz in ihrem Element, zerrte Buffy immer wieder zur Tanzfläche und beschloss, dass sie das Auto stehen lassen und ein Taxi nehmen würden.

Buffy erwischte sich dabei, wie sie immer wieder die Menschenmenge nach einem gewissen blondierten Kopf absuchte. Sie verfluchte sich, schimpfte mit sich selbst und trotzdem machte ihr Herz jedes Mal einen Satz, wenn sie ihn irgendwo in der Menge entdeckte.

Ich bin so lächerlich, ging es ihr durch den Kopf. Warum habe ich nicht darüber nachgedacht, dass er auch hier sein könnte. Wo sollte er denn sonst sein?! Und wieso kommt er nicht einfach mal her und redet mit uns?!

Xander war irgendwann aufgetaucht, um Cordelia zu einem Tanz zu überreden und hatte es sogar geschafft. Buffy hatte oft mit Willow getanzt, aber auch mit ein paar anderen Männern und sie war froh, auf Willows Vorschlag, einmal auszugehen, eingegangen zu sein.

Jetzt allerdings hing der Rotschopf kichernd an der Bar, hatte eindeutig zu viel getrunken und flirtete heftig mit einem dunkelhaarigen jungen Mann in Spikes Alter. Nein, Flirten war zuviel gesagt, Buffy kannte ihrer Freundin und wusste, dass sie Tara wirklich liebte, es aber manchmal einfach nicht lassen konnte, Männer, die sie so verführerisch ansahen, ein wenig zu necken.

Da Buffy in dem Moment, als Willows Entscheidung zu trinken und nicht zu fahren fiel, ebenfalls schon getrunken hatte, mussten sie auf ein Taxi zurückgreifen. Das würde bei Willows Zustand lustig werden und Buffy seufzte schon einmal bei dem Gedanken daran, was auf sie zukam. In diesem Augenblick trafen ihre Augen wieder einmal auf Spike, der sich am Geländer auf der Galerie mit einem anderen jungen Mann unterhielt.

Spike ist sicherlich auch mit dem Auto da. Ich kann ihn ja mal fragen. Langsam begann Buffy, die Stufen hinauf zu steigen.

Zum Glück verabschiedete sich der andere Mann gerade und Spike lehnte sich mit dem Rücken an das Geländer, während er sich eine neue Zigarette anzündete. Seine Hand mit dem Feuerzeug erstarrte, als seine Augen auf eine Buffy trafen, die direkt auf ihn zukam. Er zwang sich gewaltsam, eine ausdruckslose Miene zu bewahren und nicht wie ein Honigkuchenpferd zu grinsen.

„Hey", begrüßte ihn Buffy fast schüchtern.

Er zündete umständlich seine Zigarette an. Sie sah wirklich toll aus mit den vom vielen Tanzen geröteten Wangen und den glänzenden Augen. Von der Kleidung einmal ganz zu schweigen.

Fast automatisch wanderten seine Augen über ihren Körper, über die kleinen festen Brüste, die sich unter dem knappen Top abzeichneten, hinab zu dem nackten Bauch und er gab sich kurz der Vorstellung hin wie es wäre, mit seiner Zunge über die von einem leichten Schweißfilm bedeckte Haut zu gleiten. Reiß dich zusammen!, wies er sich selbst zurecht. Sonst ist sie gleich wieder weg!

„Hey", sagte er lässig und blies den Rauch in die Luft. „Ich habe nicht erwartet, dich hier zu sehen."

Sie lächelte schwach und meinte entschuldigend. „Willow…"

Spike drehte sich um und sah kurz hinunter auf die Tanzfläche, wo eine wilde Willow gerade einen heißen Solotanz hinlegte. Grinsend sah er wieder Buffy an. „Es scheint ihr zu gefallen."

„Zu gut", gab sie zu. „Sie kann zumindest nicht mehr fahren. Und ich auch nicht. Bist du mit dem Auto da, Spike?"

Uhuh! Spike hob überrascht die Augenbrauen. „Ihr braucht jemanden, der euch heimfährt?" Wie schön… Es war eine Feststellung, keine Frage.

Buffy verdrehte die Augen. „Wir haben schließlich den gleichen Weg. Also?", erkundigte sie sich genervt, als sie sein typisches Grinsen sah.

„Sicher, Luv", sagte er langsam und war froh, dass er selbst nicht viel getrunken hatte. „Wenn du mich nett drum bittest?"

Okay, es war eine Scheißidee, ihn zu fragen. Sein Blick sagte ihr, dass alles, was sie versucht hatte, sich einzureden, Schwachsinn war. Er wusste genau, was er tat. Und er hatte den Kuss keinesfalls vergessen. Er sah eher so aus, als wäre er verdammt scharf darauf, das ganze erneut heraus zu fordern. Warum zum Teufel löste allein dieser Gedanke ein so komisches Gefühl in ihrem Bauch aus?

„Vergiss es!", stieß sie hervor und war wahnsinnig stolz auf sich. Sie drehte sich um, wollte davon stolzieren, doch sie hatte die Rechnung ohne Spike gemacht.

Keine Sekunde später war er vor ihr und sie stolperte rückwärts gegen das Geländer, als sie ihm ausweichen wollte. Er folgte ihr, stützte die Hände zu ihren beiden Seiten gegen das Geländer und sah ihr ins Gesicht. Er berührte sie nicht, sah sie einfach nur an und trotzdem fiel ihr das Atmen plötzlich schwer.

Stoß ihn weg!, schrie eine Stimme in ihrem Kopf. Doch sie schaffte es nicht, sich zu rühren. Ihre Augen hingen an seinen Lippen, als er die Zähne in seine Unterlippe grub und Hitze schoss durch ihren Körper, als sie sein Grinsen sah. Gott, wieso sah er nur so verflucht süß aus, wenn er das tat?!

„Buffy", schimpfte er amüsiert. „Was ist an einer einfachen Bitte so schwer?"

Irgendwie schien ihr in seiner Gegenwart jegliche Kontrolle zu entgleiten. Sie sollte sich wirklich schleunigst etwas Autoritäres einfallen lassen, um ihn in seine Schranken zu weisen. Wo war ihre ganze verdammte Lebenserfahrung hin?

„Ich lasse mich von dir nicht erpressen", brachte sie hervor. „Wir werden ein Taxi nehmen."

Sein Grinsen wurde noch breiter. „Warum bist du so nervös?", fragte er leise mit dieser rauchigen Stimme.

Blödmann! „Wer ist hier…nervös?", piepste sie und schaffte es sogar, ihre Hände zu heben, um sie abwehrend gegen seine Brust zu stemmen. Allerdings blieb es in Bezug auf das Stemmen bei einem Vorhaben.

Spike warf einen kurzen Blick auf ihre Hände und sah dann wieder in ihr Gesicht. „Wie wäre es damit? Du gibst mir einen Kuss und ich fahre euch heim?", fragte er verschmitzt.

Tu etwas, Buffy! Er wird immer frecher!

„Ich sagte, du sollst aufhören, darüber nachzudenken! Ich werde dich nicht küssen!" Sie versuchte, ihrer Stimme einen möglichst selbstsicheren Klang zu verleihen. Wahrscheinlich scheiterte sie kläglich, denn er lachte leise. Dabei berührte er sie noch immer nicht, sondern nur seine sich am Geländer festhaltenden Hände schränkten ihre Bewegungsfreiheit ein.

„Wie wäre es dann damit? Ich darf dich küssen?" Die Röte in ihren Wangen hatte sich vertieft, er sah es selbst in dem diffusen Licht, das im Raum herrschte. Die Unsicherheit in den großen grünen Augen, gepaart mit Nervosität, ließ die Erregung in seinem eigenen Körper aufflammen.

„Nein…", hauchte sie, ohne zu irgendeiner anderen Reaktion fähig zu sein und ohne den Blick von seinen Augen zu lösen.

„Nein?", fragte er leise und spöttisch und beugte den Kopf zu ihr.

Buffys Herz setzte fast aus, aber die unerklärbare Starre, die sie befallen hatte, löste sich noch immer nicht. Sie brachte nicht einmal einen Ton hervor.

Doch dann stoppte er, seine Lippen nur noch Zentimeter von ihrem Mund entfernt. „Du würdest es zulassen, Luv", sagte er ernst und jeglicher Spott war aus seiner Stimme verschwunden. „Weil du es auch willst." Ihr Mund öffnete sich, als sie krampfhaft Luft holte. Spikes Augen wanderten kurz zu ihren Lippen, dann wieder zurück zu den Augen und er verzog leicht den Mund. „Wovor hast du Angst?"

Buffy antwortete nicht, sie hatte viel mehr damit zu tun, gleichmäßig zu atmen.

Er grinste spöttisch, richtete sich auf und gab sie frei. „Wollen wir fahren?"

Allein, dass sie einen Moment brauchte, um auf die jetzt in einem gleichgültigen Ton gestellte Frage zu reagieren, jagte ein Hochgefühl durch seinen Körper. Und er war unheimlich stolz darauf, dem Drang, sie zu küssen, nicht nachgegeben zu haben. Er wollte, dass sie darüber nachdachte. Darüber, warum sie ihn nicht einfach von sich stieß. Und darüber, warum sie jetzt Enttäuschung fühlte, weil er sie nicht geküsst hatte. Zumindest hoffte er, dass sie das tat.

Buffy schüttelte kurz den Kopf, um die Erstarrung loszuwerden, ehe sie sich vom Geländer abstieß und ihm folgte. Sie fühlte sich elend.

Elend und schuldig und würde am liebsten weinen. Denn er hatte Recht. Sie hätte es zugelassen. Allein der Gedanke an seine Lippen hatte ihre Beine schon wieder in Pudding verwandelt und ihren Körper in eine Art erotischen Alarmzustand versetzt. Wann eigentlich hatte sie sich das letzte Mal so lebendig gefühlt? Mit Riley? Es war schon so lange her, dass sie sich gar nicht mehr daran erinnern konnte. Wenn, dann musste es ganz am Anfang der Beziehung gewesen sein.

Ich kann das nicht tun, dachte sie verzweifelt, als sie Spike die Treppen hinab folgte. Oh Gott, er ist Giles’ Sohn. Ich kann das nicht tun. Er muss das verstehen.

Aber sie hatte keine Ahnung wie sie sich selbst davon überzeugen sollte.

 

T e i l   1 6

 

Spike ging vor Buffy die Treppe hinab.

Er beobachtete die unterschiedlichsten Emotionen, die über ihr so leicht lesbares Gesicht huschten aus den Augenwinkeln, als sie Xander einsammelten und dann Willow fast gewaltsam von der Tanzfläche zogen. Buffy wich seinem Blick aus und er fragte sich, ob er es sich nur einbildete oder ob es tatsächlich Schuld war, die er in ihren Augen sah.

Er verstand es nicht. Sie empfand etwas für ihn, das konnte sie nicht abzustreiten. War es wirklich der Altersunterschied, der sie abschreckte? Das war doch Quatsch! Ihn zumindest interessierte das überhaupt nicht.

Gemeinsam verfrachteten sie die kichernde Willow ins Auto und Buffy setzte sich neben ihre Freundin, während Xander sich in den Beifahrersitz neben Spike fallen ließ. Spike startete das Auto, warf einen kurzen Blick in den Rückspiegel und für einen Augenblick traf sein Blick auf Buffys Augen.

Er hätte am liebsten geflucht, weil sie so traurig aussah, aber er riss den Blick von ihr los und trat fast zornig auf das Gaspedal. Sie hatte absolut keinen Grund, sich schuldig zu fühlen oder traurig zu sein! Sie sollte sich eher schuldig fühlen, wenn sie das, was sie für ihn empfand, verdrängte oder abstritt!

Zehn Minuten später hielt er vor Xanders Haus und dieser sprang aus dem Auto.

„Wieso ist Willow so still?", fragte Spike, weil ihm das Schweigen langsam unheimlich wurde.

„Sie schläft", murmelte Buffy und hielt sich fest, als er mit quietschenden Reifen wendete und in Richtung ihres Hauses raste.

„Von einem Extrem ins andere", knurrte er zwischen den Zähnen hindurch.

Allerdings schwiegen sie auch den Rest der Fahrt und eine Viertelstunde später parkte Spike in dem Kies vor ihrem Haus.

„Willow?" Buffy schüttelte ihre Freundin an der Schulter. „Komm. Aufwachen. Wir sind da."

Spike öffnete die Tür und verdrehte die Augen, als ihn eine recht verschlafene Willow anblinzelte. „Willst du im Auto schlafen, Red? Bestimmt nicht, oder?" Ohne viel Federlesen schnappte er Willows Arm und zog diese aus dem Auto.

Buffy stürzte um das Auto herum und ergriff Willow anderen Arm. Gemeinsam stützten sie die jetzt recht ruhige Frau und halfen ihr die Treppen zu ihrem Schlafzimmer hinauf.

„Es wird ihr morgen sehr elend gehen", prophezeite Spike.

„Du musst es ja wissen." Buffy stieß die Tür zu Willows Gästezimmer auf und sie legten sie auf dem Bett ab. Buffy zog ihr wenigstens noch die Schuhe aus und sah dann etwas unsicher auf ihre Freundin, die sich einfach in dem Bett zusammen rollte und die Augen schloss. „Ich denke, jetzt kommt sie schon…klar."

Spike grinste. „Zumindest wird sie heute keinen störenden Lärm machen und andere Leute vom Schlafen abhalten", feixte er, als er vor Buffy das Zimmer verließ und diese leise die Tür schloss.

„Nein", murmelte Buffy verlegen und weigerte sich, daran zu denken, was *er* in jener Nacht getan hatte. Und scheiterte kläglich. Bilder eines nackten erregten Spikes stiegen in ihrem Kopf hoch…

„Geht’s dir gut, Luv?", fragte er stirnrunzelnd, als sie sich an ihm vorbei zu ihrem Zimmer schlängeln wollte und ihn dabei überhaupt nicht ansah.

„Ja!" Nein! Ich stelle mir gerade vor wie deine Hand deinen harten Schwanz streichelt. Weg hier, Buffy! „I-ich bin müde. Genau…müde!", stieß sie hervor und wollte ihn zur Seite schieben.

Sein Stirnrunzeln vertiefte sich. Was war denn jetzt wieder los? Er griff nach ihrer Schulter und drehte sie zu sich um.

„Buffy?" Was auch immer in ihr vorging, es hatte einen herrlichen Einfluss auf ihre Gesichtsfarbe und schlagartig war die Spannung in seinem Körper wieder da.

Buffy sah den Stimmungswechsel in seinem Gesicht sofort und ihr wurde heiß. Seine Augen schienen dunkler zu werden und der plötzliche Hunger in ihnen jagte einen Schauer der Erregung über ihre Haut.

Das war so falsch. Sie schnappte nach Luft, als er einen Schritt auf sie zumachte. Und es war noch falscher, dass sie sich plötzlich wünschte, alles um sich herum zu vergessen und einfach nur dem nachzugeben, was der Blick seiner Augen versprach.

Doch ihr rationaler Verstand war stärker. „Nein!", stieß sie hervor, lauter und ärgerlicher als sie eigentlich wollte, riss sich los und stürzte zu ihrer Schlafzimmertür als wären Gespenster hinter ihr her.

„Buf…" Die Tür knallte hinter ihr ins Schloss, verschluckte die letzte Silbe ihres so verzweifelt ausgesprochenen Namens. Spike stöhnte frustriert auf und schlug wütend mit der Faust gegen die Wand. „Verflucht!"

Buffy lehnte sich schwer atmend gegen die Tür und schloss die Augen. Oh Gott, was sollte sie nur tun? Sie trug die Verantwortung für ihn. Rupert hatte ihr seinen Sohn anvertraut, sie durfte nicht zulassen, dass sie sein Vertrauen so enttäuschte. Sie durfte das Spike nicht antun.

Verzweifelt sank sie zu Boden und vergrub ihr Gesicht in ihren Armen. Seit wann drehte ihr Körper, nur weil Spike sie ansah, als hätte er vor, ihr den Verstand aus dem Kopf zu vögeln, dermaßen durch? Warum passierte nichts, wenn Robin sie anlächelte? Warum schienen die Funken zu fliegen, wenn Spike sie bloß ansah und so süß grinste?

Ich bin so am Arsch, dachte sie seufzend. Ich bin scharf auf meinen achtzehnjährigen Stiefsohn. Man sollte mich einliefern.

Sie sprang auf und stürzte hektisch in Richtung ihres Schrankes. Wo hatte sie diesen dämlichen Vibrator vergraben?

*********************

„Cordy!" Robin raufte sich genervt die Haare. „So schwer ist diese Szene doch nun wirklich nicht!"

Buffy, die mit verschränkten Armen am Rand der Bühne stand, musste schmunzeln, als sie sah, wie schwer atmend Cordelia an der Wand von Spikes „Gruft" lehnte. Spike dagegen grinste vergnügt vor sich hin, verkniff sich aber zum Glück eine Bemerkung.

Es war eine neue Szene, die Robin gerade erst fertig geschrieben hatte, sie jedoch öfter noch änderte, sobald ihm eine neue Idee kam. Sie probten sie trotzdem, da das Training einerseits Cordelias Technik verbesserte und andererseits zeigte, ob es überhaupt möglich war, Robins Fantasien in die Realität umzusetzen.

Vor allem, weil Die Jägerin in seinem Stück über besondere Kräfte verfügte und es gar nicht einfach war, das auch in die Tat umzusetzen.

„Wieso muss er mich so gegen die Wand werfen", jammerte Cordelia währenddessen. „Mir tut der Rücken weh."

„Du musst seine Bewegung mitmachen", erklärte Buffy und kam näher. „Und dich nicht wirklich einfach werfen lassen. Dann plumpst du wie ein Sandsack gegen die Wand."

„Ich verliere die Orientierung, wenn ich so durch die Gegend gewirbelt werde", meckerte Cordelia weiter.

„Pass auf." Buffy stellte sich vor Spike. „Ich kenne die Szene zwar noch nicht, aber ich weiß jetzt, was ihr ausdrücken wollt."

Spikes Augen weiteten sich einen Moment überrascht, doch Buffy schenkte dem keine Bedeutung. Auch nicht, als er dann den Kopf schief legte und sie süß angrinste, weil sie mehr damit zu tun hatte, überall hinzuschauen, nur nicht in seine blauen Augen.

„Okay", bestätigte Robin vom anderen Ende der Bühne mit einem Blick ins Skript. „Fangt an."

Buffy sah Spike fragend an und dieser nickte. Dann schlenderte sie auf arrogante Jägerinnenart, so wie sie es vorher bei Cordelia beobachtete hatte, in die Behausung des Vampirs. Spike, der auf seinem Sarkophag lag, sprang erschrocken auf.

„Ich habe es satt, dass du hinter mir her schleichst!", wiederholte sie Cordelias Worte und zückte ihren Pflock. „Du bist ein Vampir und niemand wird mich dazu bringen, an etwas Gutes in dir zu glauben!"

„Jägerin", versuchte Spike vorsichtig zu argumentieren, doch sie ließ ihn nicht ausreden, sondern sprang in seine Richtung. Er wirbelte herum, stieß mit dem Fuß gegen ihre Hand mit dem Pflock und sah diesen erleichtert zu Boden kullern.

Buffy holte im gleichen Moment aus und versetzte ihm einen Schlag gegen sein Kinn, der ihn rückwärts gegen seinen Sarkophag fliegen ließ. Spike wollte sich aufrichten, doch ihre Hände packten den Stoff seines Hemdes, hoben ihn an und warfen ihn wieder quer durch den Raum.

Es musste leicht aussehen, so als würde es ihr keine Mühe bereiten, weil sie eben über diese Jägerinnenkräfte verfügen sollte. Dabei war es hauptsächlich Spikes Verdienst, wenn es aussah, als würde sie es schaffen, ihn durch den Raum zu werfen, weil er den Wurf mit seiner eigenen Muskelkraft verstärkte.

Spike rollte über seine Schulter ab, sprang auf und ging nun seinerseits zum Angriff über. Es gefiel ihm blendend, gegen Buffy zu kämpfen, da sie sich im Gegensatz zu Cordy so leichtfüßig und elegant bewegte als wäre sie wirklich die Jägerin.

„Ich will nicht gegen dich kämpfen", erklärte er skriptgemäß und fing ihren nächsten Schlag mit einer blitzschnellen Bewegung seines Arms ab.

„Du bist der lächerlichste Vampir, den ich kenne!", giftete sie höhnisch. „Ein Vampir, der nicht gegen die Jägerin kämpfen will!" So, weiter war Cordelia in ihrem Text noch nicht gekommen und Buffy hoffte, dass sie jetzt nicht mehr viel zu sagen hatte.

Spike reagierte auf die Provokation mit einem Knurren. Das konnte er richtig gut und Buffy musste sich das Lachen verkneifen, als er sich auf sie hechtete. Sie duckte sich, doch diesmal war er darauf gefasst, bekam sie um die Taille zu fassen und wirbelte sie herum.

Sie musste versuchen, ihm die Beine unter dem Körper weg zu treten, sollte es aber nicht schaffen, so dass er sie diesmal durch die Luft warf und sie mit dem Rücken gegen die Wand seiner Behausung knallte. Buffy schnappte nach Luft – vielleicht hatte Cordy doch ein wenig Recht – und im nächsten Moment presste sich Spikes Körper gegen sie.

Buffy erstarrte und hörte dann Cordelias Flüstern. „Du hast absolut keinen Grund, mir zu helfen."

Buffy reagierte nicht, weil sie mehr damit zu tun hatte, zu verarbeiten, dass sich Spikes Körper gegen sie presste.

Dieser grinste. „Das war dein Text, Jägerin", hauchte er, ohne sie loszulassen, ja er fing sogar noch ihre Hände und hielt sie zu beiden Seiten ihres Körpers gegen die Wand fest.

„W-was?", stotterte Buffy, ehe ihr benommener Verstand wieder anfing zu arbeiten. „Du hast absolut keinen Grund mir zu helfen!"

„Nein!", fauchte er ihr, schlagartig wieder in seiner Rolle, ins Gesicht. „Du verfolgst mich in meinen Gedanken! In meinen Träumen! In allem, was ich tue! Ich will, dass das aufhört! Ich sollte dich töten!"

„Dann tu es", soufflierte Cordelia hilfreich.

„D-dann tu es", stieß Buffy völlig durcheinander hervor, weil das Feuer in seinen Augen ihr buchstäblich den Atem raubte. Und noch immer die Hitze seines Körpers an ihrem zu spüren, machte das Ganze auch nicht einfacher.

„Ich kann nicht!", schrie der Vampir. „Ich kann die verfluchte Jägerin nicht töten!"

„Super!", rief Robin. „Jetzt der Kuss und dann ist Feierabend!"

KUSS?!, schrie es in Buffys Kopf. Ihr Gesicht fuhr zu dem Programmdirektor, der in sein Skript und dann wieder erwartungsvoll zu der Szene auf der Bühne starrte.

Oh Gott! Buffys Mund öffnete sich, als schlagartig ihr Herz wie verrückt anfing zu klopfen und sie den Kopf wieder zu einem Spike drehte, auf dessen Lippen ein teuflisches Grinsen erschienen war.

Ehe sie jedoch etwas sagen oder tun konnte, lagen seine Lippen auf ihrem Mund und seine Zunge drängte zwischen ihre Zähne.

Und Buffy vergaß alles um sich herum. Ein leises Seufzen kam aus ihrem Mund, als sich ihre Augen schlossen und sie sich in den Berührungen seiner Lippen und Zunge verlor.

Und Spike ging es genau so. Irgendwie hatte er damit gerechnet, dass sie ihn einfach erbost von sich stieß. Sie tat es nicht, sondern ihr zierlicher Körper schmiegte sich an ihn, als sie seinen Kuss genau so hungrig erwiderte. Er ließ ihre Arme gehen, schlang eine Hand um ihren Hals und in ihre Haare, während seine Zunge jeden Winkel ihres Mundes erkundete.

Erst das Räuspern Robins und Cordelias Stimme, die mit fast einem Seufzen sagte: „Also, so hat er *mich* noch nie geküsst…", brachte sie beide wieder auf den Boden zurück.

Mit einem Aufschrei stieß Buffy die Hände gegen Spikes Brust. Er taumelte mit einem zufriedenen Grinsen im Gesicht rückwärts und Buffy fauchte. „Ich jage dir einen Pflock durchs Herz, wenn du das noch ein einziges Mal tust!"

Robin starrte in sein Skript, dann wieder zur Bühne. „Das steht hier zwar nicht, aber das ist gut!" Völlig in Gedanken versunken kramte er in seinen Jackentaschen nach einem Kugelschreiber und kritzelte im Skript.

In Buffys Gesicht tobten die widerstreitendsten Emotionen – Verlegenheit, Verzweiflung und eine gewisse Fassungslosigkeit. Sie sah Cordelias amüsierten Blick nicht. Sie bekam nicht einmal mit, dass sich kaum jemand der anwesenden Personen um sie kümmerte, nicht einmal Robin, der noch immer in seinem Skript herum schrieb. Schließlich war dies hier eine Theaterprobe und was auf der Bühne passierte, ein Spiel. Für Buffy war es kein Spiel und sie wusste mit hundertprozentiger Sicherheit, für Spike ebenfalls nicht.

Wortlos warf sie den Pflock auf den Boden und stürzt von der Bühne, als Panik sie übermannte. Wie konnte er das tun? Wie konnte er ihr das antun?!

„Shit", fluchte er leise und wollte ihr nacheilen, als sich eine grinsende Cordelia in seinen Weg stellte.

„Ts, Ts, Spikey", stichelte die große, schlanke Frau. „*So* küsst man seine Stiefmutti doch nicht..."

Er warf ihr einen mörderischen Blick zu, schob sie einfach zur Seite und sprang von der Bühne. Buffy hatte den Ausgang schon erreicht und er fluchte lauter, als er ihr nachsprintete. Er war wirklich ein Idiot, er hätte sich doch denken können, dass sie so reagierte. Aber in dem Augenblick, als er ihre Lippen und ihre Reaktion auf seinen Kuss gespürt hatte, war in seinem Kopf genau so wenig Platz für rationales Denken gewesen wie in ihrem sicherlich auch.

Cordelias Blick folgte ihm, als er aus dem Saal stürmte und sie verschränkte schmunzelnd die Arme. Da tauchte Robin neben ihr auf, dessen Blick jetzt völlig irritiert zwischen der leeren Bühne und dem Ausgang hin und her wanderte.

„Was war denn jetzt los?"

Cordelia grinste. „Unser Spike ist in Buffy verknallt", trällerte sie. „Ich glaube, dass hat sie etwas schockiert."

Robin riss verdutzt die Augen auf. „W-was? Spike? Buffy?", murmelte er konfus. „Sie...sie ist seine Stiefmutter..."

Cordelia verdrehte die Augen und lachte. „Na und? Sie sieht toll aus. Spike ist nicht blind. Wenn das der liebe Giles nicht mal im Kopf hatte, als er ihr die Heirat aufschwatzte..."

„Cordy!" Robin sah sie entsetzt an. „Buffy ist eine vernünftige Frau, sie würde doch nie..." Er verstummte, als er Cordelias Gesichtsausdruck bemerkte. „Sie ist zehn Jahre älter als er..." setzte er schwach hinzu.

„Du bist vielleicht blind!" Cordelia schüttelte entrüstet den Kopf. „Und intolerant. Wen interessiert denn ihr Alter? Ich bin genau so alt wie Spike und mich interessiert es nicht! Buffy, so wie es aussieht schon. Und dich. Wer ist denn nun erwachsener?!"

Ohne ein weiteres Wort, drehte sie sich um und ließ einen völlig perplexen Robin Wood mitten auf der Bühne stehen.

 

******************

Spike sah gerade noch die Lichter des davon fahrenden Taxis, als er aus dem Theater gerannt kam. Fluchend schmiss er die Tür hinter sich zu und starrte eine ganze Weile einfach nur wütend in die Dunkelheit. Versteh einer Frauen...

Trotzdem tat es ihm weh, wenn er daran dachte, wie erschrocken, ja fast entsetzt, Buffy ausgesehen hatte. Hatte er sich einfach nur eingebildet, dass sie sich genau so zu ihm hingezogen fühlte? War das alles nur Wunschdenken und sie war jetzt angewidert von seinem Verhalten?

Zornig trat er mit dem Fuß gegen eine der Treppenstufen. Warum konnte er nicht älter sein? Oder sie jünger? Er wettete mit sich, dass es allein der Altersunterschied war, der sie abschreckte.

Missmutig ging er wieder zurück ins Theater, um seine und Buffys Sachen, sowie den Autoschlüssel zu holen.

Robin sah ihn komisch an, als er die Garderobe betrat. Er befand sich im Moment jedoch nicht in der Stimmung für den Mann, der Buffy immer so begehrend ansah, ein freundliches Lächeln auf die Lippen zu bringen. Wenn er nicht gerade sein Programmdirektor gewesen wäre, hätte er sicherlich nicht einmal den Mund gehalten.

So aber funkelte er ihn nur an und Robin deutete den Blick richtig. Er verließ schnellstens die Garderobe.

Cordelia dagegen störte sich an dem bösen Gesichtsausdruck überhaupt nicht. Sie fand ihn eher recht amüsant. „Hast du sie nicht mehr einfangen können?", stänkerte sie.

„Leck mich!", fauchte er gereizt, schnappte nach seiner und Buffys Tasche und wollte wieder aus dem Raum stürzen.

Ungerührt verstellte ihm Cordelia den Weg zur Tür und stemmte ihre Hände in die Hüften. „Was erwartest du, wie sie reagiert?", fragte sie ironisch. „Nachdem du sie vor dem halben Theater geküsst hast als wolltest du sie sofort zu flach legen?"

„Deine Meinung interessiert mich einen Scheißdreck!", schrie er sie an und stieß sie zur Seite.

„Oh. Oh", kicherte Cordelia. „Da hat es aber jemanden sehr stark erwischt..."

Er knallte die Tür hinter sich zu und weigerte sich, Cordelias Lachen zu hören. Zum Glück kam ihm auf dem Weg zum Auto niemand mehr in die Quere. Entweder hatte Robin sie gewarnt oder der Rest der Besetzung war wirklich einfach schon auf dem Heimweg.

Es war nicht weit vom Theater nach Hause. Im Normalfall benötigte Spike für die Strecke fünfzehn Minuten. Heute schaffte er es in sieben und bremste mit quietschenden Reifen vor seinem großen Haus.

Er machte sich weder die Mühe, das Auto abzuschließen, noch die Taschen mitzunehmen, sondern stürmte hinein.

 

T e i l   1 7

 

Buffy fuhr zusammen, als sie die Haustür ins Schloss krachen hörte und ihre Hände umkrampften das Glas Scotch, das sie sich gerade eingeschenkt hatte.

Sie trank nie dermaßen starken Alkohol, eigentlich wirkte bei ihr schon ein Glas Sekt katastrophal, aber sie fühlte sich im Moment als würde sie gleich ohnmächtig werden. Allerdings hatte sie nicht damit gerechnet, dass er so schnell war. Sie hatte gehofft, dass der Alkohol Gelegenheit bekommen würde, für etwas Ruhe in ihrem Körper zu sorgen.

Leider hatte sie nicht einmal Zeit für einen kleinen Schluck, als er auch schon ins Wohnzimmer gestürzt kam.

Er stoppte an der Schwelle, als er sie sah und schien einen Moment tief durchzuatmen, als müsse er sich selbst beruhigen. Erst dann kam er langsam auf sie zu und Buffy fühlte sich plötzlich wie das arme Reh, wenn sich ein Wolf anschlich. Nur, dass sie den Wolf sah. Und das Reh in diesem Moment sicherlich nicht in eine bewegungslose Starre gefallen wäre.

„Stell das Glas weg, Buffy", stieß er hervor.

Sie schüttelte langsam den Kopf. Zum Glück hatte die Erstarrung ihres Körpers keinen allzu großen Einfluss auf ihre Stimme. „Lass mich allein." Okay, doch. Sie klang fürchterlich.

Spike holte tief Luft, ehe er gepresst hervor knirschte. „Wir müssen reden."

„Nein!" Buffy wich zurück, als er langsam auf sie zukam. „Es gibt nichts zu reden. Spike, ich..."

„Es war ein Theaterstück!", schrie er mitten in ihren Satz. „Eine stinknormale Probe! Es ist nicht meine Schuld, wenn du das Skript nicht gelesen hast! Der Kuss steht da schon immer drin!"

„Das war kein Theaterkuss!", brüllte sie genau so laut zurück.

„Du hast auch nicht so geantwortet! Dir hat sehr gut gefallen, wie ich dich geküsst habe!" Zorn kochte wieder in ihm hoch, als er ihr durch das halbe Zimmer folgte.

„Ich will nicht darüber reden! Du hast mich überrascht! Spike, ich weiß nicht, was in deinem Kopf vor sich geht, aber zwischen dir und mir wird nie etwas anderes sein als..." Sie stolperte und knallte mit dem Hintern gegen die Anrichte an der Wand.

„Als was...?", fauchte er und setzte ihr nach. „Ist es das Alter? Buffy, ich bin achtzehn! Und..."

„Eben!", kreischte sie auf. „Das ist der Punkt! Du bist achtzehn! Punkt eins. Punkt zwei – du bist Ruperts Sohn! Punkt drei – ich bin zehn Jahre älter als du! Punkt vier – ich bin deine Stiefmutter! Punkt fünf..."

Spike schloss mit einem Schritt den Abstand zwischen ihnen. „Punkt fünf – dein Körper ist ganz anderer Meinung als du", knurrte er leise, hob seine Hand, löste das Glas aus ihren verkrampften Fingern und stellte es neben sie auf die Anrichte.

Buffy konnte ihn einfach nur anstarren. Ihr Mund öffnete sich, als wolle sie etwas sagen, doch jedes Wort erstarb in ihrem Mund, als er fast zögernd eine verwirrte blonde Strähne aus ihrem Gesicht strich und hinter ihrem Ohr feststeckte.

Seine Augen waren seinen Fingern gefolgt und als er ihr jetzt wieder in die Augen blickte und sie den Sturm sah, der in dem Blau tobte, vergaß sie fast zu atmen. Ihre Finger umklammerten das Holz der Anrichte, an der sie lehnte und sie merkte nicht einmal, dass sie anfing zu zittern.

Spikes Finger fuhren sanft über ihre Wange, die Linie ihres Kiefers entlang und unter ihr Kinn. Er spürte ihr Zittern und holte tief Luft, um nicht die Beherrschung zu verlieren.

„Es spielt keine Rolle...für mich", stieß er hervor, ließ ihr Kinn los und schlang die Hand um ihren Nacken.

Buffy schnappte nach Luft, als er sich übergangslos gegen sie presste und hob abwehrend die Hände. Zumindest wollte sie das, doch ihre Hand umklammerte nur haltsuchend seinen Unterarm, während die andere auf seiner Brust zum liegen kam.

„Spike..." Ihre Stimme war nur ein Hauch und garantiert nicht dazu geeignet, ihn aufzuhalten. Sicherlich unbewusst schnellte ihre Zunge hervor und befeuchtete ihre Lippen.

Spike stöhnte auf. „Verdammt", flüsterte er heiser. Sollte sie ihn von sich stoßen, sollte sie schimpfen, sollte sie fluchen... Seine Hand riss ihren Kopf hoch und seine Lippen pressten sich auf ihre.

Buffys Verstand verabschiedete sich in genau diesem Moment. Etwas wie ein Stromstoß fuhr durch ihren Körper, sie fühlte die Muskeln auf seiner Brust unter ihren Händen und seine Zunge in ihrem Mund verursachte einen wunderschönen Nebel in ihrem Kopf.

Vielleicht war ihr letzter Sex tatsächlich zu lange her. Vielleicht hätte sie den blöden Vibrator tatsächlich entsprechend Willows Anweisungen benutzen sollen. Vielleicht würde sie sich dann jetzt nicht fühlen, als stünde sie kurz davor zu explodieren...

Spike glaubte zu träumen, als er spürte, wie sie an seinem Shirt zerrte, es aus seiner Hose zog und ihre kleinen Hände darunter über seine nackte Haut fuhren. Er riss den Kopf von ihr los, starrte fast ungläubig in ihr Gesicht und wurde steinhart, als er das Verlangen in ihren Augen sah.

Nicht denken, dachte er wild. Nicht nachdenken, Luv... Er senkte den Kopf wieder, strich mit der Zunge über ihre Lippen und stöhnte, als sich ihr Mund öffnete. Gott, ich bin ein... Scheiß drauf!, schrie sein Schwanz, als sich ihre Fingernägel in seinen Rücken krallten.

Buffy warf den Kopf zurück, als seine Lippen über ihre Wange zu ihrem Hals wanderten. Er löste seinen Mund kurz von ihr, damit sie sein Shirt über seinen Kopf ziehen konnte und verschlang ihre Lippen aufs neue, während ihre Finger durch seine Haare fuhren und dann über seine nackten Schultern glitten.

Sie lehnte sich etwas zurück, als sie seine Finger an den Knöpfen ihrer Bluse spürte und seufzte leise, als seine Lippen sich gegen die Haut pressten, die seine Finger beim Öffnen der Knöpfe frei legten. Ihr Körper brannte nach seinen Berührungen in einer Art und Weise, wie sie es noch nie erlebt hatte.

Er streifte die Bluse von ihren Schultern, ließ sie einfach zu Boden fallen und fuhr mit der Zunge über die nackte Haut über ihren Brüsten. Sie war wunderschön...

Buffys Finger klammerten sich in seine Haare, als er den BH öffnete und die Träger ihre Schultern hinab gleiten ließ. Dann schlossen sich seine Lippen um ihre rechte Brustwarze und sie wimmerte leise auf, als er sie in seinen Mund saugte.

„Oh Gott", flüsterte sie erstickt und ihr Kopf flog zurück, als sie seine Finger am Bund ihrer Hose spürte.

Er presste seine Lippen wieder auf ihren Mund, während er ungeduldig mit ihrer Hose kämpfte. Denk nicht nach, betete er stumm. Fang jetzt nicht an zu denken. Er würde sterben, wenn sie jetzt zu dem Entschluss kam, das Ganze abzubrechen oder ihn entsetzt anzuschreien.

Buffy war weit davon entfernt, irgendetwas zu denken. Sie half ihm, die Hose ihre Hüften hinab zu streifen und trat sie von ihren Beinen.

Spike hob sie mit einer schnellen Bewegung an, setzte sie auf die Anrichte und drängte zwischen ihre Beine. Diesmal waren es ihre Finger, die seine Hose öffneten und er stöhnte auf, als sie seinen steifen Penis befreite und ihre schmale Hand um ihn schloss.

„Buffy...Luv", hauchte er heiser und seine Hände umkrampften ihre gespreizten Schenkel. Er wollte sich mehr Zeit lassen, wollte sie berühren, mit seinen Fingern und mit seinen Lippen erkunden.

Sie machte all das zunichte, indem sie die Beine um seine Hüften schlang und ihn drängend an sich zog. Ihre Hände fuhren zu seinem Kopf, umfingen sein Gesicht und ihre Lippen pressten sich kurz und hungrig auf seinen Mund.

„Ich will dich, Spike", stieß sie atemlos hervor und seine Augen flammten auf. „Jetzt!"

Oh Gott! Er riss sie an sich und stieß vorwärts. Sie war so feucht, obwohl er sie kaum berührt hatte und so eng, dass er einen Moment die Augen schloss und einfach nur um seine Beherrschung kämpfte.

Buffy zog scharf die Luft ein, als er sie plötzlich ausfüllte und dehnte. Es war so lange her, dass sie vergessen hatte, wie gut es sich anfühlen konnte und sie war froh, dass Spike einen Moment gar nichts tat. Seine Stirn war auf ihre Schulter gesunken und sie spürte seinen heißen Atem auf ihrer nackten Haut.

Dann hob er den Kopf und übergangslos lagen seine Lippen wieder auf ihrem Mund, während er anfing, sich zu bewegen und jeder tiefe Stoß die Sensationen in ihrem Körper ein kleines bisschen höher putschte.

Ihr Kopf flog stöhnend zurück und ihre Beine umklammerten ihn, als er sie wieder und wieder gegen die Wand presste. Der Druck in ihrem Körper wurde übermächtig und verdichtete sich in ihrem Unterleib fast zu einem Schmerz.

Die Anrichte begann bedenklich zu wackeln, aber weder er noch sie registrierten es oder störten sich an dem Knallen, wenn das Holz gegen die Wand donnerte.

„Oh Gott, Spike…ja…", wimmerte Buffy. Wie lange war es her, dass sie diese Ekstase gespürt hatte? Was für ein lächerlicher Abklatsch waren dagegen die wenigen Male mit dem Vibrator… Ihre Hände umklammerten seinen Kopf und krallten sich in seine Haare, als sie seine Hand spürte, die sich zwischen ihre Körper bewegte. Und dann spürte sie seine Finger und glaubte zu sterben, weil der Druck noch mächtiger wurde.

Spike wusste, dass er nicht mehr lange durchhalten würde. Ihre Reaktionen, die Art und Weise, wie sie sich unter ihm wand und ihn drängte, begannen, ihn wahnsinnig zu machen.

„Buffy", flüsterte er heiser, als er seine Stöße verlangsamte und seinen Daumen über den harten Knoten zwischen ihren Beinen kreisen ließ. Sie bäumte sich auf, die schönen grünen Augen halb geschlossen und allein ein Blick in ihr Gesicht, in ihre durch die Leidenschaft verzerrten Züge, reichte, um seine Beherrschung rapide schwinden zu lassen.

„Härter", stieß sie hervor. „Härter, verdammt…"

Er stieß zu, ohne seine Finger von ihr zu lösen. Harte tiefe Stöße, so wie sie es wollte und sie begegnete ihm mit der gleichen Wildheit. „Hart genug?"

Buffy schnappte nach Luft, ihre Fingernägel gruben sich in seine Schultern, als seine Bewegungen wieder schneller wurden und seine Finger sich bei jedem Stoß gegen ihre pochende Klitoris pressten.

„Ja…ja…" Sie schrie und ihr Kopf flog rückwärts gegen die Wand, als die Lichter in ihrem Kopf angingen, ekstatische Schauer ihren Unterleib zusammenzogen und ihren Körper im Orgasmus schüttelten.

Spike fühlte, wie sich ihre inneren Muskeln um ihn zusammenzogen und gab seine eigene Kontrolle auf. Wie ein Wilder stieß er in sie, wieder und wieder, fühlte ihr Beben und ihr sich Aufbäumen und explodierte übergangslos mit einer Wucht in ihr, wie er es lange nicht erlebt hatte.

Zitternd klammerten sie sich aneinander, sein Gesicht an ihrem Hals vergraben, ihr Kopf gegen die Wand gelehnt und der Mund halb geöffnete, weil sie keuchend nach Atem rang. Ihre Köpfe waren völlig leer, weil alles, was sie im Moment empfinden konnten, die Schauer der Lust waren, die langsam in ihnen abklangen.

Spikes Verstand setzte wieder ein, als er ihr leises Schniefen hörte. Ihr Kopf war gegen seine Schulter gesunken, sein Gesicht in ihren Haaren vergraben, und plötzlich fühlte er ihr Zittern, das nichts mehr mit der vergangenen Ekstase zu tun hatte. Und das Ausmaß dessen, was gerade geschehen war, brach über ihn herein.

Einen Moment schloss er die Augen, wie um sich selbst zu beruhigen. WOW. Er hatte mit Buffy Sex gehabt. WOW..

Unbewusst strichen seine Hände über ihre Haare, fast tröstend. Er spürte sie wieder zittern, doch er konnte sich nicht schuldig fühlen. Niemals.

Buffy hob endlich den Kopf. Er sah die Tränen in ihren Augen und biss trotzig die Zähne aufeinander. Und es reichte, ihre Verzweiflung zu sehen, um den Zorn in ihm wieder hoch zu putschen.

„Es tut mir nicht leid", stieß er hervor.

„Was haben wir nur getan?", flüsterte sie erstickt. Oh Gott, was habe *ich* getan... Panik stieg in ihr hoch und Angst. Und sie fragte sich verzweifelt, wie es jetzt weitergehen sollte. Was war nur mit ihr los?

Spike fluchte leise, als sie ihn von sich schob, von der Anrichte rutschte und hektisch ihre Sachen zusammensuchte. Er richtete seine Hose und verschloss den Reißverschluss.

„Scheiße, Scheiße, Scheiße", jammerte sie, ohne ihn anzusehen. Hektisch stieg sie in ihre Hose, streifte die Bluse einfach nur über und versuchte, mit ihren zitternden Fingern die Knöpfe zu schließen.

„Verdammt!", knurrte Spike, schob ihre Hände zur Seite und griff nach den Knöpfen.

Eine einsame Träne bildete sich in ihrem Augenwinkel und rollte ihre Wange hinab. Sie starrte auf seine nackte Brust, ohne etwas zu sehen und ohne zu denken, weil in ihrem Kopf einfach nur Chaos herrschte.

„Verdammt", murmelte er wieder, als er bemerkte, dass sie sich wie eine Schaufensterpuppe von ihm anziehen ließ. Er fühlte fast körperlich, wie sie um ihre Beherrschung kämpfte und das Zittern ihrer Lippen sagte ihm, dass sie wahrscheinlich kurz davor stand, zusammen zu brechen. Er hätte sie am liebsten geschüttelt und ihr ins Gesicht geschrieen, dass es überhaupt keinen Grund gab, durchzudrehen.

Aber er tat es nicht. Vielleicht zum ersten Mal in seinem Leben gab er dem Zorn, der in ihm tobte und der einfach durch die Enttäuschung über ihre Reaktion ausgelöst wurde, nicht nach.

Die Verzweiflung in ihren Augen machte ihm Angst. Weil er keine Ahnung hatte, warum sie so empfand und noch mehr Angst hatte, sie würde in ihrer Panik davon stürzen und nicht wieder kommen.

Wortlos ergriff er das Glas Scotch, das komischerweise ihre ganze Aktion heil überlebt hatte und drückte es ihr in die Hand.

Buffy sah ihn eigenartig an, nahm das Glas aber und trank es in einem Zug aus. Nur um anzufangen zu husten. Diesmal hatten die Tränen, die in ihre Augen stiegen, nichts mit ihrer Verzweiflung zu tun. „Igitt!"

Spike blickte sie ungerührt an. „Besser?", fragte er trocken.

Sie nickte schwach und wich seinem Blick aus. „Ich gehe...schlafen."

Spikes Hand schoss vor und umfing ihr Handgelenk. „Buffy", bat er leise.

Ihre Augen schlossen sich einen Moment. „Ich kann jetzt nicht denken, Spike", flüsterte sie gequält. Doch sie drehte sich zu ihm um und hob ihr Gesicht zu ihm.

Fast zaghaft hob sie ihre Hand, strich sanft über seine Wange und lächelte schwach, als sie sah, wie seine Augen aufleuchteten.

„Ich bin dir nicht böse", sagte sie leise, stellte sich kurz auf die Zehenspitzen und hauchte ihm einen Kuss auf den Mund. „Nur mir selbst..."

Er öffnete den Mund als wolle er antworten, doch sie verschloss mit ihrem Finger seine Lippen und schüttelte wortlos den Kopf. Seine Hand ließ sie los und er starrte ihr nach, als sie sich umdrehte und aus dem Zimmer ging.

Erst dann ballten sich seine Hände zu Fäusten und er warf den Kopf in den Nacken, während er leise fluchte.

Buffys leeres Glas stand wieder auf der Anrichte und er griff danach, ehe er zur Zimmerbar schlenderte und ihre angefangene Flasche hervor holte. Er fühlte sich noch immer nicht schuldig, sondern war einfach nur enttäuscht, weil er wusste, dass sie es bereute.

Der scharfe Alkohol rann seine Kehle hinab und eine wohltuende Wärme breitete sich in seinem Magen aus. Vielleicht sollte er noch eine Zigarette rauchen?

Seufzend stellte er das Glas auf den Tisch und seine Augen wanderten müde zu der Anrichte, die er nach dieser Nacht sicherlich nie wieder völlig unvoreingenommen ansehen konnte. Ein weißes Stück Stoff kam in sein Blickfeld und ein schwaches Lächeln huschte über seine Lippen.

Er bückte sich, hob den hauchdünnen Slip vor seine Augen und grinste breiter, als ihr Duft in seine Nase stieg. Ein niedlicher, kleiner, weißer Buffyslip... Dann seufzte er jedoch, ehe er sein eigenes Shirt aufhob und den Weg in Richtung seines Zimmers einschlug.

Seine Finger umklammerten Buffys Slip und er sagte sich traurig, dass er so wenigstens ein kleines Andenken behalten konnte...

 

***********

 

„Willow?", versicherte sich Buffy, als sie die verschlafene Stimme am anderen Ende hörte.

„Buffy?!" Dann war eine Weile Stille und sie hörte ein leises Rascheln. „Weißt du eigentlich, wie spät es ist?"

„Ja", murmelte Buffy kläglich und vernahm eine zweite Stimme am Telefon, die sie jedoch nicht verstand.

„Es ist Buffy, Schatz. Schlaf weiter", beruhigte Willow ihre Freundin, ehe sie noch einen ungläubigen Blick auf den Wecker warf. 4 Uhr 30.

„Ich habe Mist gemacht, Will", flüsterte Buffy erstickt.

Willow sank wieder ins Bett und zuckte mit den Schultern, als sie Taras fragenden Blick sah. „So schrecklich, dass du halb fünf anrufen musst?" Sie versuchte belustigt zu klingen, vor allem, weil Buffy einfach scheußlich klang. „Was ist passiert?"

„IchhatteSexmitSpike", rasselte Buffy ins Telefon, ehe sie es sich anders überlegen konnte.

„WOW!" Willow saß urplötzlich kerzengerade im Bett. „Hast du nicht gesagt, du hast Mist gemacht? Habe ich das jetzt richtig verstanden? Du hattest Sex mit...?"

„Ja!", unterbrach Buffy sie jammernd.

„Mit wem hatte sie Sex?", fragte Tara neugierig und hellwach.

Willow hielt das Telefon zu und ihre Lippen formten den Namen SPIKE. Taras Augen wurden kugelrund und sie schlug ihre Hand vor den Mund.

„Okay, Buffy", sagte Willow dann ruhig und fiel wieder ins Bett. Nur, um dann kichernd zu fragen: „Wie war es?!"

„Willow", jammerte Buffy wieder. „Was soll ich nur machen? Ich habe mit meinem Stiefsohn geschlafen…Ich fühle mich so scheußlich. Rupert würde mich aus dem Haus jagen, wenn er noch leben würde. Vielleicht ist es besser, ich verschwinde einfach und…"

„Buffy!", stoppte Willow ihren Redeschwall. „Jetzt atme erst einmal tief durch. Und dann fängst du ganz von vorn an, ja? Du hattest also Sex mit Spike."

„Ja", murmelte sie kläglich.

„Und ich gehe mal davon aus, dass du ihn nicht vergewaltigt hast..."

„Nein!"

„…und er dich auch nicht." Eigentlich war das nur eine formelle Feststellung.

„Nein…"

„War es gut?"

Buffy seufzte, ehe sie hauchte. „Oh Gott, ja…" Gut war sicherlich die Untertreibung des Jahrhunderts. „Will, was ist mit mir los? Mir ist das noch nie passiert. Ich meine, ich hätte es nicht zulassen dürfen!" Sie schluchzte leise auf. „Aber all diese Gedanken waren aus meinem Kopf verschwunden, als er mich geküsst hat. Wieso kann ein Achtzehnjähriger so küssen?! Wieso gehe ich ab wie eine Rakete, wenn er mich küsst?!" Buffy vergrub ihr Gesicht in ihrem Kissen. „Willow, ich will jetzt auf der Stelle sterben."

„Buffy, du bist eindeutig etwas …ähm…durchgedreht", versuchte Willow ihre Freundin zu beruhigen. „Es ist nichts Schlimmes passiert…"

„Nichts Schlimmes passiert?!", kreischte Buffy hysterisch ins Telefon. „Ich habe gerade mit meinen minderjährigem Stiefsohn gevögelt!"

„Er ist nicht minderjährig!", schrie Willow genau so laut zurück. „Er ist achtzehn und ihn als deinen Stiefsohn zu bezeichnen, ist mehr als nur lächerlich! Buffy, er sieht nicht nur sexy aus, er bewegt sich so, er spricht so und er steht auf dich! Und wenn er derjenige ist, der dir nach dieser dermaßen langen Zeit endlich einmal wieder den Verstand aus dem Kopf vögelt, sollte er dafür einen verdammten Orden bekommen!"

Buffy starrte geschockt in das vom Licht des Mondes erhellte Zimmer.

„Bist du noch da?", fragte Willow nach einer Weile bedeutend ruhiger.

„Ja", piepste sie kleinlaut. „Willow, ich fühle mich so elend schuldig, ich würde am liebsten die Zeit zurück drehen und…" Sie fuhr kerzengerade in ihrem Bett hoch, als es klopfte.

„Buffy?", erkundigte sich Willow.

„Oh Gott", hauchte Buffy tonlos, als sie sah, dass sich die Klinke bewegte und die Tür aufschwang.

„Was ist los?", bohrte Willow plötzlich hellhörig.

Buffy gab keine Antwort. Sie konnte nur auf einen recht verschlafen aussehenden Spike starren, der sich gegen den Türrahmen lehnte, die Arme verschränkte und sarkastisch fragte:

„Wie laut willst du eigentlich noch schreien?"

 

T e i l  1 8

 

„Buffy?", dröhnte Willows Stimme an ihrem Ohr. „War das Spikes Stimme? Was macht er in deinem Schlafzimmer?"

Spike hob amüsiert seine Augenbrauen, weil Buffy sich noch immer nicht rührte, sondern ihn nur wie hypnotisiert anstarrte. Sie sah süß aus mit den aufgerissenen Augen und dem niedlichen kurzärmligen Schlafanzug. Und dass sie ihn so erschrocken anblickte, entschädigte ihn etwas für den Stich, den er gespürt hatte, als er ihr Kreischen durch das offene Fenster hörte.

Ich habe gerade mit meinem minderjährigen Stiefsohn gevögelt!

„Buffy?", fragte Willow wieder. „Bitte rede mit mir! Mir wird richtig unheimlich."

Buffy schluckte krampfhaft. „Will, ich…", begann sie piepsend und verstummte, als sich Spike vom Türrahmen abstieß und auf sie zukam. Er hatte nur eine Hose angezogen und Buffy sah erst jetzt, dass er nicht einmal die Knöpfe, sondern nur den Reißverschluss geschlossen hatte. Wahrscheinlich konnte sie froh sein, dass er überhaupt etwas anhatte.

„Buffy, würdest du jetzt bitte sagen, was los ist?", nervte Willow weiter. „Buffy, bitte…"

Spike hatte in der Zwischenzeit ihr großes Doppelbett erreicht und sie schnappte nach Luft, als er sich einfach auf die Bettdecke fallen ließ und auf allen Vieren in ihre Richtung gekrochen kam. Sie musste mehr als fassungslos aussehen, denn er grinste und nahm ihr einfach das Telefon aus der Hand.

„Hi Red", sagte er leise in das Telefon, ohne Buffy aus den Augen zu lassen. „Nett, mal wieder deine Stimme zu hören, aber wir haben jetzt andere Dinge zu tun als dir die Ohren voll zu jammern. Schlaf gut."

„Spike?!", quietschte Willow auf. „Hör mal, Spike, wenn du…"

Spike trennte einfach die Verbindung und ließ das Telefon achtlos neben das Bett fallen, ehe er wieder den Kopf drehte und Buffy ansah.

Buffys Finger umkrampften den Rand der Bettdecke, auf der Spike noch immer kniete. Sie sah so fassungslos aus, dass ein leises Grinsen über seine Lippen huschte.

„Konntest du nicht schlafen, Luv?", erkundigte er sich leise.

Buffy schluckte wieder, ehe sie piepste. „Raus aus meinem Bett, Spike!" Oh Gott, ein halbnackter Spike saß in ihrem Bett und sie warf ihn hinaus…Wie blöd konnte man denn sein?

Seine rechte Augenbraue hob sich spöttisch. „Willst du das wirklich?" Er hob seine Hand und fuhr mit dem Finger über ihren Unterarm zu ihrer Hand, die verzweifelt die Bettdecke umklammerte. Einen Moment folgten seinen Augen seinen Fingern, dann hob er den Blick und lächelte, als sie nicht antwortete.

Buffy reichte es, seinen Blick zu sehen. Der leichte Zorn, der in seinen Augen geglüht hatte, als er ins Zimmer kam, war verschwunden und die Art und Weise, wie er sie jetzt ansah, ließ ein eigenartiges Kribbeln ihre Wirbelsäule hinauf kriechen.

„Willst du, dass ich gehe?", fragte er wieder, diesmal mit einer so rauchigen Stimme, die das Kribbeln in ihren Körper und direkt in ihren Unterleib schickte.

Nein! …Oh Gott, Buffy!…Ja. Du musst Ja sagen! Sie brachte keines der beiden Worte hervor, nur: „Spike…"

„Was, Luv?" Er griente dieses so süße Grinsen, das Buffy ganz schwach machte und grub seine Zähne in seine Unterlippe.

Buffy hatte keine Ahnung, warum das an ihm so verflucht hinreißend aussah. Das Blitzen in seinen Augen und die Erregung, die das Blau dunkler werden ließ, raubten ihr dem Atem. „Geh", stieß sie hervor und verfluchte sich selbst.

Spike verzog mit etwas, das man fast Geringschätzung nennen konnte, den Mund. Es war nicht einfach, die Enttäuschung hinter einer ironischen Miene zu verbergen, aber es schien ihm recht gut zu gelingen, denn ihre Lippen begannen zu zittern.

„Wie du willst", murmelte er zornig und wollte sich aufrichten.

„Verdammt", fluchte Buffy auf, als wäre sie plötzlich wach geworden. Ihre Hand ließ die Bettdecke los, schoss vor und schlang sich um seinen Hals. Die Erinnerungen an das Gefühl seines Körpers und an seine Berührungen stiegen in ihr hoch und sie wusste plötzlich, dass sie alles wollte, nur nicht, dass er ging.

Spike war einfach nur überrascht, als sie ihn an sich zog und sich im nächsten Augenblick ihre Lippen auf seine pressten.

Seine Überraschung währte vielleicht eine halbe Sekunde. In dieser Zeit hatte sich Buffys Zunge zwischen seine Zähne geschlängelt und ehe er überhaupt dazu kam, selbst die Initiative zu ergreifen, warf sie ihn herum, auf den Rücken, und saß im nächsten Moment auf ihm.

Er stöhnte auf, als sie ihre Lippen von ihm löste, die Hände neben seinem Kopf abstützte und ihn keuchend ansah.

„Geh nicht", flüsterte sie.

Ein fast erleichtertes Lächeln huschte über seine Lippen. „Nein…tu ich nicht…"

Es war so falsch. Buffy senkte ihren Kopf und küsste ihn sanft. Zärtlich strich sie mit der Zunge über seine Lippen, hörte seinen Atem schneller werden und spürte, wie sich sein Mund öffnete.

Warum musste etwas, das so schön war, so falsch sein?

Spike hatte arge Probleme zu begreifen, dass er nicht träumte, sondern, dass es tatsächlich Buffy war, die auf ihm saß und ihn küsste. Ihre langen blonden Haare kitzelten die nackte Haut seiner Brust und seine Hände schlangen sich um ihren Hals, als ihre Lippen seinen Mund verließen und zu seinem Hals wanderten.

Der dünne Stoff ihres kurzen Schlafanzugs verbarg nicht viel und die Hitze zwischen ihren Beinen zu spüren, sorgte für ein Problem in seiner Hose - vor allem, weil sie genau dort saß.

Buffy beschloss, heute einfach nicht mehr über das Morgen nachzudenken. Die Muskeln seines Körpers unter ihren Händen zu spüren, zu fühlen wie sie sich unter ihren Berührungen anspannten und wie er zitterte, jagten eine Art Hochgefühl durch ihren eigenen Körper, das sie lange nicht erlebt hatte.

Seine Hände fuhren um ihren Hals, als ihre Lippen über seine Brust abwärts wanderten. Er fühlte ihre Finger an seiner Hose, spürte, wie sie den Reißverschluss öffnete und seufzte erleichtert, als seine langsam schmerzende Erektion ins Freie sprang.

Buffys Lippen strichen kurz über seine Brust, dann über seinen Bauch, während ihre Hand die Hose seine Hüften hinab streiften.

Spike hatte sich auf seine Ellenbogen aufgerichtet und beobachtete sie. Er überlegte, ob er nicht vielleicht doch träumte. Schließlich war es nicht so, dass er solche Träume nicht hatte…

Sie hob ihr Gesicht zu ihm und als er ihr Lächeln sah, war ihm klar, dass er nicht träumte. In seinen Träumen lächelte Buffy niemals so verrucht. Er hatte nicht einmal geahnt, dass sie das konnte. Sie sah immer so unschuldig aus…

Dann holte er tief Luft, als sich ihre kleine Hand um seinen sich stolz in die Luft reckenden Penis schloss. Eigentlich wollte er lieber, dass sie sich endlich auch auszog, aber als sie ihren Kopf senkte, wurde dieser Wunsch reichlich nebensächlich.

Buffy fuhr mit der Zunge über die Spitze seines Gliedes, hörte, wie er die Luft, die er wahrscheinlich unbewusst angehalten hatte, ausstieß und lächelte leicht. Es war eine Weile her, dass sie das getan hatte, und dass es Spike war, der jetzt unter ihren Berührungen erzitterte, spielte keine Rolle mehr. Nichts spielte eine Rolle mehr. In diesem Moment waren sie einfach nur ein Mann und eine Frau.

„Buffy", flüsterte er erstickt und schloss die Augen, als sie ihn in den Mund nahm. Er hatte mit so ziemlicher jeder Reaktion gerechnet, nachdem er einfach ihr Zimmer betreten hatte. Aber nicht damit.

Seufzend sank er auf das Bett zurück, weil er gar nicht mehr die Kraft hatte, sich aufrecht zu halten.

Drusilla hatte es geliebt, genau das zu tun, manchmal an den unmöglichsten Stellen. Er konnte sich noch genau an den Tag erinnern, an dem sie im Bronze unter den Tisch gekrochen war und er glaubte wahnsinnig zu werden, weil es zwar eine dunkle Ecke, er aber trotzdem von anderen Menschen umgeben war.

Dru hatte ihn des Öfteren fast wahnsinnig gemacht, aber es war nicht vergleichbar mit dem Gefühl, das jetzt durch seinen Körper schoss, als er Buffys Lippen an seinem steinharten Schaft auf und ab gleiten fühlte. Immer wieder in der Hitze ihres Mundes zu verschwinden, den sanften Druck ihrer Lippen zu spüren und ihre Zunge, die an ihm spielte…es brachte ihn um den Verstand.

„Oh Gott…Buffy", flüsterte er wieder und seine Hände krallten sich in die Bettdecke unter ihm. Er stand kurz davor zu explodieren, als sie den Kopf hob und ihn wieder anlächelte. Sein Kopf schoss hoch und er sah sie konfus an. „Luv…?"

Buffy setzte sich auf seine Beine, ignorierte seine sich ihr bettelnd entgegen reckende Erektion und seinen frustrierten Gesichtsausdruck und hob die Hände zu den Knöpfen ihres Schlafanzugs.

Schlagartig änderte sich der Ausdruck seines Gesichts. Er richtete sich wieder auf seine Ellenbogen auf und der Hunger in seinen Augen, verursachte ein pochendes Gefühl zwischen ihren Beinen.

Langsam öffnete sie die Knöpfe des Schlafanzugs, einen nach dem anderen und Spikes Augen klebten jetzt an ihren Fingern, als wolle er keine einzige Bewegung versäumen. Sie sah ihn schlucken, als sie das Oberteil von ihren Schultern streifte und sie den Blick auf ihre nackten Brüste frei gab.

Er setzte sich auf, ehe sie es verhindern konnte und schlang seine Arme um ihren Körper. Buffy warf den Kopf zurück, als seine Lippen sich um ihre Brust schlossen und sie seine Zunge fühlte.

Seine Hände fuhren unter die kurze weite Hose des Schlafanzugs, umfingen ihren Hintern und zogen sie an sich. Buffy half ihm, in dem sie kurz zur Seite rutschte und die Hose ihre Beine hinab streifte.

Ungeduldig zog er sie wieder auf seinen Schoß. Buffys Hände fuhren durch seine Haare, die sich jetzt so weich unter ihren Fingern kringelten. Dann fühlte sie seine Finger zwischen ihren Beinen und ihr Mund öffnete sich halb, weil die Berührung ihre Erregung schlagartig in die Höhe katapultierte.

Sanft massierte er den geschwollenen Knoten ihrer Klitoris mit seinem Mittelfinger. Sie war so feucht, dass er sich am liebsten einfach nur in ihr vergraben hätte. Aber er wollte es auskosten. Er glaubte noch immer nicht, dass sie morgen genau so darüber denken würde und wollte in dieser Nacht einfach vergessen, wie ernüchternd der Morgen vielleicht werden könnte.

Ihre Säfte flossen seinen Finger hinab. Sie lehnte sich in seine Berührungen und umklammerte mit den Armen seinen Hals. Spike atmete keuchend. Er sah die feinen Schweißperlen auf ihrer Stirn, sah, wie sie die schönen grünen Augen halb schloss und den Kopf zurückwarf und wünschte sich, dieser Moment würde ewig dauern.

Buffy dachte gar nicht mehr. Sie stieß einen erstickten Schrei aus, als sein Finger sich gegen sie presste und die Schauer der Lust durch ihren Körper in ihren Unterleib gejagt wurden. Zitternd klammerte sie sich an ihn, gegen seine Hand und sah nichts anderes als die bunten Punkte vor ihren Augen.

Um Spikes Kontrolle war es geschehen. Ihr Beben zu spüren, ihre Zuckungen an seinem Finger, all das machte ihn verrückt. Seine Hände umfassten ihre Hüften, hoben sie an und er zog scharf die Luft ein, als sie sich langsam auf ihm nieder ließ.

In diesem Moment öffnete Buffy wieder ihre Augen und ihre Blicke begegneten sich. Blaue Augen trafen auf grüne in einem Moment, der zur Ewigkeit zu werden schien.

„Es ist so falsch", wisperte Buffy erstickt.

„Es juckt mich nicht", stieß er hervor.

Sie schloss die Augen und presste ihre Lippen auf seinen Mund. Es interessiert mich auch nicht. Heute nicht.

Spike antwortete genau so hungrig, drängte seine Zunge zwischen ihre Zähne und duellierte sich mit ihrer in einem Kampf um Dominanz. Buffys Lippen verließen seine nicht, als sie begann, langsam auf ihm auf und nieder zu gleiten.

Seine Finger krallten sich in ihre Hüften, zwangen sie, ihre Bewegungen zu beschleunigen und er stöhnte auf, als sie ihren Mund von ihm los riss und den Kopf wieder in den Nacken warf. Plötzlich glaubte er, noch nie etwas Schöneres gesehen zu haben, als die blonde Frau, die sich im Licht des Mondes in ihrer Ekstase verlor.

Seine Arme schlangen sich um sie, sein Gesicht vergrub sich an ihrer Brust und seine Finger wanderten wieder zwischen ihre Beine. Sie sollte noch einmal kommen, bevor er seinem eigenen Drang nachgab. Das war ihm plötzlich so wichtig wie nichts anderes auf dieser Welt. Und wenn sein Schwanz für den Rest seines Lebens schmerzen würde, er würde nicht kommen, nicht vor ihr…

Buffy explodierte mit einem Aufschrei und zu fühlen, wie sich ihre inneren Muskeln um ihn zusammenzogen, ließ ihn den letzten Rest seiner Beherrschung verschwinden.

Wie ein Wilder stieß er noch ein paar Mal nach oben, ehe er ihr mit einer Wucht folgte, die die Aktion im Wohnzimmer noch übertraf und ihm für einen Augenblick schwarz vor Augen wurde.

Ohne Buffy los zu lassen, sank er auf das Bett zurück und alles, was sie in den nächsten Minuten vernahmen war ihr gemeinsamer keuchender Atem.

*******************

Spike ließ sie nicht los, obwohl er spürte, dass sie sich nach einer Weile rührte. Er wollte sie nicht los lassen und vielleicht wieder ihrem reumütigen Blick begegnen.

Doch Buffy rutschte nur an seine Seite, lehnte ihren Kopf an seine Schulter und schlang einen Arm um seinen Bauch. Wortlos.

Gedankenverloren spielte er mit einer blonden Strähne ihres langen Haares, während er in das diffuse Licht des Zimmers starrte. Er fühlte sich so grenzenlos befriedigt und wäre am liebsten für den Rest seines Lebens so liegen geblieben. Mit ihr im Arm.

Doch er wusste, dass es nicht lange dauern würde, bis sie ihren Verstand wieder beisammen hatte. Und es war das Beste, ihr zuvor zu kommen.

„Ich bin nicht minderjährig" erklärte er leise.

Buffy seufzte. „Nein…"

„Es stört mich überhaupt nicht, dass du älter bist."

Sie hob ihren Kopf und sah ihn traurig an. „Ich bin nicht nur älter, sondern ganz schön älter…"

„Das stört mich trotzdem nicht."

„Spike, ich…"

„Nein", unterbrach er sie eilig und legte einen Finger auf ihre Lippen. „Du wirst jetzt nicht abstreiten, dass du etwas für mich empfindest!"

Sie seufzte wieder. „Das ist nicht der Punkt."

„Fang nicht wieder mit Punkten an", murmelte er missmutig, schlang seinen Arm um ihren Hals und zog ihren Kopf wieder an sich.

Buffy schloss die Augen. Es fühlte sich richtig an, in seinen Armen zu liegen und die Wärme seiner Haut an ihrem Körper zu spüren.

Sie konnte es nicht abstreiten. Spike hatte sich in ihr Herz geschlichen, ganz langsam, ohne dass sie so richtig mitbekommen hatte, wie tief er da schon drin steckte. Sie hatte ihn wirklich gern und der Gedanke, ihn zu enttäuschen und ihm zu erklären, dass es nie so etwas wie eine Beziehung zwischen ihnen geben könnte, tat ihr weh.

Sie hätte stärker sein müssen, sich gegen die Anziehungskraft, die sein Körper auf sie ausübte wehren müssen, eben weil sie nicht in ihn verliebt war. Es würde ihn verletzen und das war das letzte, was sie wollte. Weil sie ihn mochte.

Und dummerweise mochte sie noch mehr, was er mit ihrem Körper anstellte und wie er sie fühlen ließ.

Es war so lange her, dass ein Mann es geschafft hatte, sie einfach alles um sich herum vergessen zu lassen. Sie hatte geglaubt, dazu nie wieder fähig zu sein. Vielleicht lag es wirklich daran, dass sie Spike nicht liebte und sie sich deshalb einfach in ein sexuelles Abenteuer stürzen konnte.

Sie holte tief Luft, spürte seine Hand, die über ihren Kopf strich und dann seine Lippen, die sich kurz gegen ihre Haare pressten.

„Ich sollte…gehen", sagte er zögernd.

Ja, das wäre richtig. Allerdings konnte sie ihre Lippen nicht dazu zwingen, die Worte zu formen. Sie wollte nicht einmal mehr nachdenken, weil es sie einfach nur deprimierte.

Spike nahm ihr die Entscheidung ab, indem er sie sanft zur Seite schob und sich aufrichtete. Er griff nach seiner Hose, die achtlos neben dem Bett lag und hob sie auf, ohne sie anzuziehen.

Buffy sagte noch immer keinen Ton, sondern beobachtete ihn mit großen Augen. Im Grunde genommen war er stärker als sie, wenn er es schaffte, jetzt zu gehen.

Spike drehte sich noch einmal zu ihr um und ein leises Lächeln huschte über seine Lippen. Er hob seine Hand, strich ihr zärtlich über die Wange und sagte leise.

„Tara hatte Unrecht. Ich würde verstehen, dass es nur eine Nacht wäre – nämlich dann, wenn ich wüsste, dass du nichts für mich empfindest und es schlicht und einfach die Hormone waren, die außer Kontrolle gerieten." Er hob seine Augenbrauen und grinste sein Spikegrinsen. „Aber wenn du das behauptest, würdest du lügen…"

Buffy öffnete ihren Mund, als wolle sie etwas sagen, schloss ihn jedoch einfach wieder. Spike beugte sich schnell zu ihr, hauchte einen Kuss auf ihre Lippen und stand auf.

„’Nacht, Luv."

Buffys Blick folgte seinem nackten Körper, als er das Zimmer verließ und sie fühlte fast so etwas wie Enttäuschung, dass er ging.

Erst als die Tür mit einem Klicken ins Schloss fiel, ging ihr auf, was er gesagt hatte und die Hitze schoss in ihr Gesicht. Er musste gelauscht haben, damals…

Und sie stöhnte auf und vergrub ihr Gesicht im Kissen, als die Verzweiflung sie übermannte. Und sie hatte keine Ahnung, wie es nun weiter gehen sollte.

 

T e i l   1 9

 

Willow schaffte es genau bis elf Uhr, ihre Neugier zu beherrschen. Dann nahm sie das Telefon wieder zur Hand und wählte Buffys Nummer.

Es klingelte mehrmals, ehe sich ihre verschlafene Stimme meldete. „Ja?"

„Hi, Süße. Bist du wach?", kicherte Willow.

„Nein." Buffy zog sich wieder das Kissen über den Kopf.

„Ich will Einzelheiten hören! Jede einzelne schmutzige Einzelheit!", stellte Willow klar. „Wo ist er?"

„Weiß nicht", murmelte Buffy müde.

„Du hast ihn tatsächlich wieder aus deinem Zimmer geworfen? Wow, du bist ja ganz die Beherrschung in Person. Buffy, ich…"

„Will", unterbrach Buffy den begeisterten Redeschwall ihrer Freundin. „Er ist gegangen und frag mich bitte nicht, was vorher passiert ist."

„Sag es mir", trällerte Willow. „Sag es mir…Geht es dir gut?"

Buffy stöhnte auf, drehte sich auf den Rücken und schloss die Augen. „Wie würde es dir denn gehen, wenn du in der vergangen Nacht Sex mit deinem Stiefsohn hattest?"

„Blendend, würde ich sagen…?" Willow lachte auf. „Spuck’s aus, mein Schatz…Wie war es?!"

*******************

Spike schwamm gerade seine vielleicht fünfzigste Runde im Pool – wie sollte man sonst Ungeduld abbauen - als er das Telefon klingeln hörte. Sein Gesicht verzog sich ironisch, weil er ahnte, wer da anrief und weil er plötzlich wusste, dass es noch eine Weile dauern würde, ehe Buffy es schaffte, ihr Zimmer zu verlassen.

Maggie, die in der Küche mit der Vorbereitung des Mittagessens beschäftigt war, steckte ihren Kopf zum Fenster hinaus.

„Ist Buffy krank, William?"

„Nein", rief er zurück. Schließlich war sie bis vor sechs Stunden noch quietschgesund. Vielleicht eine Spontanerkrankung namens Ich-will-Spike-nicht-unter-die-Augen-treten.

„Ich wundere mich nur, sie steht doch sonst nicht so spät auf", erklärte Maggie noch, ehe sie wieder in der Küche verschwand.

Spike kletterte aus dem Pool und griff nach seinem Handtuch. Er trocknete sich ab und warf seufzend einen Blick nach oben zu dem Fenster von Buffys Schlafzimmer, ehe er sich auf den Weg ins Haus machte.

Er schlenderte in sein Zimmer, zog sich etwas an und setzte sich noch einmal auf den Balkon, um eine Zigarette zu rauchen. Leider redete Buffy jetzt so leise, dass er sie nicht hören konnte. So wie letzte Nacht…

Gedankenverloren starrte er in den wie üblich blauen Himmel und blies den Rauch in die Luft. Er hatte heute nichts vor. Xander war mit Cordelia verabredet und proben würden sie erst morgen wieder. Und auch wenn Buffy vorhatte, sich noch ewig in ihrem Zimmer zu verkriechen, er würde hartnäckig darauf warten, dass sie da raus kam.

Er hatte den Gedanken noch nicht zu Ende gedacht, als es an seine Zimmertür klopfte. Überrascht linste er um die Ecke der Balkontür.

„Ja?"

Es war Buffy, die seine Tür öffnete und ins Zimmer trat. Er konnte nicht verhindern, dass ein Lächeln über seine Lippen huschte, als er sie sah. Vor allem, weil sie recht verlegen drein schaute.

Sie trug nichts weiter als kurze Hosen und ein knappes Shirt, nichts umwerfendes, sondern eher bequem und trotzdem hingen seine Augen an ihr. Er konnte nicht einmal verhindern, dass sein Blick kurz ihre langen gebräunten Beine hinab wanderte, ehe er in ihr Gesicht sah und bemerkte, wie sie die Stirn runzelte.

„Ausgeschlafen?", fragte er vergnügt.

Sie trat auf den Balkon hinaus und setzte sich einfach neben ihn auf den Boden. „Hm", antwortete sie einsilbig.

„War es Willow?", erkundigte er sich und sah sie neugierig von der Seite an.

Buffy nickte stumm.

„Hast du wenigstens ein gutes Haar an mir gelassen?"

Sie lehnte den Kopf zurück gegen die Hauswand und schloss einen Moment die Augen. „Willow steht auf dich."

Spike riss die Augen auf. „Häh?!"

„Ich meine damit, sie findet alles richtig, was du tust…oder was wir…getan…haben…" Buffy sah ihn nicht an, obwohl sie seinen Blick spürte, sondern starrte einfach gegen das Balkongeländer. Willows Worte stiegen in ihrem Kopf hoch.

Buffy, das Alter spielt absolut keine Rolle. Steh zu dem, was du willst. Und wenn es Spike ist, dann tu, was dein Körper will. - Ich liebe ihn nicht, hatte sie geantwortet. Ich denke sogar, ich werde mich nie wieder verlieben… und Willow hatte angefangen zu lachen

„Du nicht?", fragte Spike leise.

Sie seufzte und schlang ihre Arme um ihre angezogenen Knie. „Ich fühle mich als hätte ich Rupert verraten."

Spike fluchte leise und zornig. „Das ist der größte Schwachsinn, den ich je gehört habe!", fuhr er auf. „Es hat dir gefallen und mir auch. Was soll daran falsch sein?"

Ihre Stirn sank auf ihre Knie. „Ich liebe dich nicht, Spike. Ich verletzte deine Gefühle. Ich trete Ruperts letzten Wunsch mit Füßen. Ich fühle mich einfach nur elend, weil ich zu schwach war, das einzig Richtige zu tun – nein zu sagen."

Spike biss die Zähne aufeinander und ignorierte den Stich, den die Worte Ich liebe dich nicht auslösten. Er war sich selbst nicht sicher, was er für sie empfand und er war weit davon entfernt, schon über Liebe zu reden. Er hatte sie gern. Er fühlte sich zu ihr hingezogen und allein ihr Anblick weckte schon wieder Verlangen in ihm. Und dass sie zumindest die sexuelle Anziehung ebenfalls spürte, konnte sie nicht abstreiten. Nicht nach der letzten Nacht.

„Wer redet denn von Liebe?", erkundigte er sich betont lässig, griff nach seinen Zigaretten und entzündete eine neue. „Wir hatten Sex. Schön und gut. Davon geht die Welt nicht unter. Und es ist kein Grund, ein Drama daraus zu machen."

Buffy hob den Kopf und sah ihn endlich an. Sein Gesicht war ausdruckslos, auch wenn sie ein leises verärgertes Glitzern in seinen Augen nicht übersehen konnte. Ihre Blicke trafen sich und für einen kurzen Moment verfingen sich ihre Augen ineinander.

Spike hoffte, seine Hand, die die Zigarette hielt, würde nicht zittern, als er sie zu seinem Mund führte und er den Rauch tief inhalierte.

Allein, dass sie ihn ansah und in die großen grünen Augen zu sehen, reichte, um seinen Körper reagieren zu lassen. Es war Irrsinn und ihm in diesem Maß noch nie, nicht einmal mit Dru, begegnet.

Eigentlich tat sie nichts, sah ihn einfach nur an, doch sein Körper reagierte als würde sie ihn berühren.

Aber er war viel zu stolz, um sich das anmerken zu lassen. „Du musst dir also keine Sorgen machen, Mum."

Genugtuung stieg in ihm hoch, als es in ihren Augen einen Moment flackerte, als er Mum sagte. Richtig, dachte er böse, denkt darüber nach, warum dich das stört!

Buffy jedoch hatte sich genau so gut unter Kontrolle. Sie schaffte es sogar, ein missglücktes Lächeln auf ihre Lippen zu zaubern. „Schön."

Dann stemmte sie sich hoch und strich ihre Haare glatt. „Ich denke, ich gehe mal frühstücken…"

Spike nickte nur. Er fühlte ihren Blick, war aber zu verärgert, um noch einmal den Kopf zu drehen. Erst als er die Tür ins Schloss fallen hörte, schmiss er wütend die Zigarette über das Geländer und fauchte: „Verdammt!"

***********************

Sie taten so als wäre gar nichts passiert.

Buffy sagte sich, dass es schon immer eine Gabe von ihr gewesen war, bestimmte Sachen zu verdrängen. Und es funktionierte recht gut, wenn sie einmal davon absah, dass ihre Augen heimlich immer wieder zu ihm wanderten und sie schnell wegblickte, wenn er den Kopf drehte.

Spike hatte sich nicht so gut unter Kontrolle.

Sie merkte es an der bissigen Art, in der er ihr jetzt manchmal antwortete oder den gereizten Kommentaren, die er von sich gab, wenn Maggie oder sie ihn ansprachen.

Was ihr aber mehr zu schaffen machte, war, dass er nicht vorgab, sie *nicht* anzusehen.

Er tat es und seine Blicke zu spüren, den Kopf zu drehen und dem wissenden Blick seiner blauen Augen zu begegnen reichte, um die Hitze in ihren Körper und ihre Wangen zu schicken. Meist verzog er nur in einer leicht spöttischen Bewegung den Mund und immer war es Buffy, die zuerst wegsah.

Sie verfluchte sich dafür, verfluchte sich, dass es ein achtzehnjähriger junger Mann schaffte, dass sie sich wie ein Teenager fühlte. Sie wurde rot, ihr Herz fing an zu klopfen und manchmal, vor allem, wenn er seinen Kopf so süß schief legte und grinste, wurden ihre Beine schwach und die Erinnerungen an seine Küsse und Berührungen stiegen in ihr hoch. In diesen Momenten zwang sie sich, aus dem Zimmer zu stürzen, ehe sie etwas ihrer Meinung nach wirklich dummes tat.

Es half ihr auch nichts, sich einzureden, es wäre nichts und er würde doch gar nichts tun. Oh nein, wie Willow schon sagte, er hatte es faustdick hinter den Ohren und er wusste genau so gut wie sie, dass seine Blicke keinesfalls unschuldig waren.

Allerdings sprach er sie auch nicht wieder darauf an. Doch er machte sich auch keine Gedanken mehr darüber, in welchem Bekleidungszustand er durchs Haus lief.

Als sie ihm böse erklärte, er müsse nicht halbnackt durch das Haus rennen, nur weil er sie ärgern wolle, meinte er honigsüß, er habe nicht vor sie zu ärgern, sondern festgestellt, dass ihm die Röte, die dann in ihr Gesicht stieg, einfach gefiel. Und außerdem könne er in seinem Haus herum laufen wie er wolle, selbst nackt.

Buffy wünschte sich, es möge sie einfach kalt lassen. Aber bei dem Gedanken, er würde tatsächlich nackt herum laufen, fühlte sie sich, als würde sie gleich ohnmächtig werden.

Nach zwei Tagen erwischte sie sich dabei, dass sie irgendwohin flüchtete, sobald er aufkreuzte und das jagte ihr einen gehörigen Schrecken ein. Leichter Zorn stieg in ihr hoch, weil sie einerseits wütend auf sich selbst war und andererseits auf ihn, eben weil er es darauf anlegte.

Natürlich wäre es schön gewesen, wenn er ihr einfach nur gleichgültig wäre. Das war nicht so. Aber plötzlich hatte sie es satt, mit sich spielen zu lassen.

Als Spike an diesem Montagnachmittag wieder einmal total verschwitzt und mit nacktem Oberkörper aus dem Keller kam und provozierend in die Küche schlenderte, um erst einmal ein Glas Wasser zu trinken, verengten sich ihre Augen.

Sie hatte keine Ahnung, was er damit bezweckte, vielleicht wollte er sie einfach mit der Nase darauf stoßen, was ihr entging. Vielleicht machte es ihm auch einfach Spaß zu beobachten, wie idiotisch sie sich verhielt.

Deshalb zwang sie sich heute, einfach gelassen am Küchentisch sitzen zu bleiben und ihn zu ignorieren.

Wie üblich war er der Meinung, dass er absolut nicht zu ignorieren war. „Du kommst doch nachher mit zu der Probe, oder?"

Buffy stöhnte innerlich auf, als sie sich an ihre panikartige Flucht bei der letzten Probe erinnerte. Aber schließlich bekam sie Geld dafür, dass sie vor allem Cordelia beratend zur Seite stand. „Muss ich wohl", brummte sie deshalb nur.

„Wir fahren doch zusammen?", bohrte er weiter.

Sie verdrehte die Augen und sah ihn endlich an. „Warum sollten wir das nicht? Wir sind schließlich immer zusammen gefahren."

Spike grinste verschmitzt. „Wollte nur sicher gehen, dass du dir kein Taxi rufst", erklärte er vergnügt und setzte dann noch hinzu. „Ich fahre, Luv."

Sie musste sich ernsthaft zwingen, ihm nicht irgendetwas hinterher zu werfen, als er sein Glas auf den Tisch stellte und die Küche verließ. Sie hatte ihm in den vergangenen zwei Tagen mehr als einmal erklärt, dass sie Buffy hieß, aber es interessierte ihn nicht. Wenn er sie nicht Luv nannte, sagte er Mum, etwas, was sie noch mehr störte. Doch als er sie einmal sogar Cutie nannte, war sie explodiert.

Das hatte ihn besonders gefreut, vor allem, weil er ihr dann mit einem so unschuldigen Gesichtsausdruck erklären konnte, dass es ein Versehen war und ihm das einfach nur so herausgerutscht wäre.

Sein unschuldiger Gesichtsausdruck war wirklich oskarreif.

***************

Es war gegen sechs, als Buffy sich noch einmal umzog und in ein paar dunkelblaue Jeans und ein weißes Shirt schlüpfte. Ihr war etwas mulmig zumute, weil sie sich an die letzte Probe erinnerte und nicht wusste, ob die anderen Schauspieler die Szene auf der Bühne genau so empfunden hatten wie sie selbst oder ob sie vielleicht alle über ihre übersteigerte Reaktion lächelten.

Spike wartete vor dem Haus, eine seiner scheußlichen Zigaretten in der Hand und grinste schon wieder.

„Man bekommt von den Dingern Lungenkrebs", brummte sie ihn an.

Er warf die Zigarette zu Boden, trat sie aus und hob einen der beiden Helme, die neben ihm lagen, vom Boden auf.

Buffy starrte einfach nur geschockt auf den Helm und sah erst dann, dass er nicht sein Auto, sondern das Motorrad herausgeholt hatte.

„Bist du jetzt komplett übergeschnappt?", brachte sie hervor, ohne nach dem Helm zu greifen.

„Es ist ein wunderschöner warmer Abend", erklärte Spike freundlich. „Ich wollte dich schon immer mal auf dem Motorrad mitnehmen."

„Ich nehme mein Auto", sagte Buffy tonlos, drehte sich um und wollte zu ihrem Auto gehen.

Spikes Hand schoss vor und griff nach ihrem Handgelenk. „Wo willst du denn hin, Luv?"

Und in Buffys Kopf tickte etwas auf. Sie fuhr wie von der Tarantel gestochen herum und schlug ihm wütend mit der Hand gegen die Brust.

„Lass meine Hand los! Lass sofort meine Hand los!", kreischte sie aufgebracht und zerrte an ihrer Hand. „Ich steige nicht auf dein Motorrad! Ich werde nicht einmal mehr mit dir reden, wenn du nicht aufhörst, dich so unmöglich zu benehmen!"

Spikes Augen blitzten begeistert, als er sah, wie kampflustig sie ihn anfunkelte. Es störte ihn noch nicht einmal, dass sie noch immer mit ihrer kleinen Faust gegen seine Brust hämmerte. Ihm gefiel es viel zu gut, dass sie ihn überhaupt berührte.

„Hör auf, mich so belustigt anzugrinsen!", schrie sie jetzt ernsthaft böse.

„Was hast du gegen eine Motorradfahrt?", erkundigte er sich scheinheilig.

„Du willst bloß, dass ich dich anfasse!"

Wie wahr...

Buffy hatte es endlich geschafft, ihre Hand aus seinem Griff zu befreien und wollte davon stürzen, doch er war schneller und sprang ihr in den Weg. Sie knallte gegen seinen Körper und fluchte auf, als er die Balance verlor und sie mit sich zu Boden riss, weil seine Hände Halt suchend nach ihren Oberarmen gegriffen hatten.

Der Sturz raubte Spike kurz den Atem, weil er auf den Rücken fiel, aber jeglicher Schmerz war vergessen, als Buffy direkt auf ihm landete und in ihrem Bemühen, so schnell wie möglich wieder hochzukommen, bestimmte Teile seiner Anatomie angenehm berührte.

Und er vereitelte ihr Vorhaben, indem er einfach seine Arme um sie schlang und lachte. „Hast du Angst davor, mich anzufassen?"

Buffy stemmte ihre Hände gegen seine Brust. „Natürlich nicht!", fauchte sie hochmütig und kämpfte gegen seinen Griff.

Spike fand es einfach nur fantastisch. Die blonden langen Haare umwirbelten ihr Gesicht, ihre Wangen hatten sich durch den Zorn gerötet und ihre Augen funkelten so herrlich, dass er ihr am liebsten sofort die Kleider vom Leib gerissen hätte. Doch er wusste genau, dass sie im Moment zu wütend war, um irgendetwas in dieser Richtung zuzulassen.

„Spike, ich tue dir wirklich weh, wenn du mich jetzt nicht loslässt", drohte sie. „Du kennst mich, du weißt, dass ich es kann."

Dass sie es bis jetzt nicht getan hatte, bedeutete, dass sie ihm nicht wehtun wollte und er musste sich gewaltsam zwingen, um sie nicht einfach nur anzustrahlen.

„Komm schon, Buffy", bettelte er. „Ich verspreche dir, ein artiger Junge zu sein, wenn du auf dem Motorrad mitfährst."

Konnte man einem Versprechen aus seinem Mund glauben? Garantiert nicht.

Aber er hatte Buffy gesagt, es schien ihm also ernst zu sein. Und so schlimm war eine Motorradfahrt schließlich auch nicht.

„Meinetwegen", knurrte sie zwischen den Zähnen hindurch und weigerte sich, das Aufleuchten in seinen Augen zu sehen. Ächzend stemmte sie sich hoch, als er sie frei gab.

Als er ihr diesmal den Helm gab, nahm sie ihn und sah ihn ernst an. „Spike, ich werde ein Taxi rufen, wenn du irgendeinen Plan hast, der mir nicht gefällt."

„Sicher", nickte er vergnügt und stülpte sich seinen Helm über den Kopf.

„Was passiert ist, war ein Fehler und es wird nie wieder passieren", fuhr sie fort, ehe sie den Helm ebenfalls aufsetzte.

„Ja, ja", nuschelte er unter dem Helm, setzte sich auf das Motorrad und betätigte den Anlasser.

Buffy setzte sich mit gemischten Gefühlen hinter ihn. „Fahr ja nicht so schnell!", rief sie noch durch den Lärm der Maschine.

„Halt dich schön an mir fest", schrie er zurück und Buffy konnte gerade noch zugreifen, als er Gas gab und es sie fast von der Sitzbank geworfen hätte.

Scheiße, scheiße, scheiße, verfluchte sie sich selbst, als Spike die Straße entlang donnerte und sie vergaß ihr Vorhaben, sich so wenig wie möglich an ihm festzuhalten.

Ein breites Grinsen bildete sich in Spike Gesicht, als ihre Arme ihn umklammerten und sie sich an ihn presste als wolle sie ihn nie wieder los lassen. Und da das so schön war, gab er noch ein kleines bisschen mehr Gas.

*******************************

Als Spike das Motorrad vor dem Theater parkte, rührte sich hinter ihm erst einmal gar nichts. Grinsend zog er sich den Helm vom Kopf.

„Lebst du noch, Luv?"

Buffy fluchte leise und kletterte hektisch von der Maschine, während sie sich den Helm vom Kopf zerrte. Sie war sicherlich recht blass und fühlte sich auch, als würde sie gleich ihr ganzes Essen wieder von sich geben.

„Ich laufe nach Hause", erklärte sie böse und folgte ihm dann ins Innere des Theaters.

Die erste Person, die ihnen über den Weg lief, war Cordelia. Die schlanke junge Frau strahlte, als sie die beiden zusammen sah und sie umarmte Buffy kurz.

„Schön, dass ihr euch wieder vertragen habt. Hab Spike am Freitag schon zusammen geschissen", meinte sie dann augenzwinkernd. „Hat er sich ordentlich entschuldigt?"

„J-ja", stotterte Buffy überrascht und wurde feuerrot, als sie an den Rest der Nacht dachte. An eine Entschuldigung jedenfalls konnte sie sich nicht erinnern.

Spike warf ihr einen undefinierbaren Blick zu und wollte ihr dann folgen, als sie in Richtung Bühne ging, auf der schon Robin mit Anya diskutierte.

Cordelia schnappte seinen Arm und hielt ihn fest. „Weiß sie es?", fragte sie flüsternd.

„Lass mich in Ruhe", knurrte er gereizt, doch Cordelia war genau so stur wie er und hielt ihn fest. „Was denn?!"

„Du bist in sie verschossen, Spikey. Denkst du, ich bin blind? Weiß sie es?", bohrte Cordelia weiter.

„Ich bin nicht...", knirschte er zwischen den Zähnen hindurch, „..in sie verschossen! Und jetzt lass mich endlich in Ruhe!"

Cordelia war weit davon entfernt und folgte ihm, als er in Richtung Bühne marschierte. „Hey Mann! Die anderen haben vielleicht nicht aufgepasst, mein Freund, weil es einfach eine Szene auf der Bühne war, aber ich bin nicht so blöd wie du denkst. Und ich finde, ihr seid ein süßes Paar."

Spike blieb stehen, als wäre er gegen eine Wand gerannt. Dann drehte er sich langsam um und sah Cordelia an. „Wir sind kein…Paar", stieß er leise hervor. „Und wenn du auch nur ein Wort davon zu Buffy sagst, werde ich das tun, was ich schon längst hätte tun sollen – dir den Hals umdrehen!"

„Okay", beruhigte ihn eine plötzlich verschmitzt grinsende Cordelia. „Ich nehme deshalb an, sie weiß es nicht. Ist dir wohl peinlich, hm? Aber ich sage dir eins. Diese Dru war schon ganz schön schräg…."

„Verkneif dir den Rest!", schrie Spike sie wütend an.

„Und seit sie weg ist, hat sich deine Frisur bedeutend verbessert", fuhr Cordelia ungerührt fort. „Harmony war keinen Deut besser und sie hat nicht mal Hirn…"

„Aber du?!", giftete Spike. „Außerdem war mit Harmony nichts!"

„Buffy ist die beste Frau, die dir passieren konnte", grinste Cordelia versöhnlich. „Du musst sie nur noch davon überzeugen. Und zwar nicht, indem du sie auf der Bühne küsst…ähm…zumindest nicht so."

Spike fluchte auf und ließ sie einfach stehen. „Möchte wirklich wissen, was Xan an dir findet!"

Die Probe verlief diesmal recht ereignislos. Zumindest für Buffy. Entgegen ihrer vor einiger Zeit gefassten Meinung besserte sich Cordelias Stil in den Kampfszenen etwas. Auch wenn sie manchmal in Buffys Augen noch immer steif und ungelenk wirkte, an manchen Tagen – so wie heute – gab sie sich Mühe.

Robin hatte noch ein paar Verbesserungen in den Dialogen vorgenommen und Buffy diesmal mehr Gelegenheit zuzusehen.

Ihr gefiel Spike in seiner Vampirrolle und sie musste mehr als einmal lachen, wenn sie die so ironischen Worte hörte, die ihm das Skript vorgab. Nach dem letzten Vorfall bekam sie von Robin ebenfalls ein Skript ausgehändigt, so dass sie die Szenen diesmal komplett mit verfolgen konnte.

Heute schien Spike besonders sarkastisch aufgelegt zu sein, denn manchmal fauchte er Cordelia so bissig an, dass sich Buffy fragte, ob es wirklich alles nur noch ein Spiel war. In der letzten Zeit, vor allem seit sich Cordelia ab und zu mit Xander traf, hatte sich das Verhältnis zwischen den beiden Schauspielern merklich verbessert. Umso mehr irritierte Buffy heute Spikes spürbare Aggressivität.

Mit gerunzelter Stirn verfolgte sie die Dialoge, lauschte mit halbem Ohr Robins begeisterten Kommentaren und fragte sich, was zum Teufel plötzlich in den Spike gefahren war, der beim Absteigen vom Motorrad noch so gute Laune gehabt hatte.

Cordelia schien das alles überhaupt nicht zu interessieren und das wunderte Buffy noch mehr, da sie nie eine Gelegenheit ausgelassen hatte, Spike seine Unhöflichkeit oder Gereiztheit vorzuhalten.

Heute hatte Cordelia blendende Laune und als sie dann zufällig den Kopf wandte, Buffy fast schelmisch anlächelte und Spike etwas knurrte, das Buffy nicht verstand, wurde sie blass.

Weil sie ahnte, dass irgendetwas in Cordys Kopf vorging, was ihr gar nicht gefallen würde.

Nahm sie zumindest an.

 

T e i l   2 0

 

Zwei Stunden und zwei außer Atem geratene Hauptrollenspieler später beendeten sie die Probe. Spike verschwand schneller in den Umkleideräumen als jeder andere und Cordelia grinste ihm schon wieder recht belustigt hinter her.

„Was ist denn heute mit unserem Spike los?", fragte Anya, die eine Dämonin spielte, erstaunt.

Cordelia tippte sich bezeichnend an die Stirn und zuckte mit den Schultern. „Vielleicht mit dem falschen Bein aufgestanden...", meinte sie jedoch nur und blieb neben Buffy stehen. „Xander holt mich dann ab, Buffy", sagte sie freundlich. „Wir wollen noch ans Meer fahren und den Sonnenuntergang genießen. Wollt ihr mitkommen?"

„Was?" Buffy riss verblüfft die Augen auf. „Ans Meer?"

Cordelia nickte ungerührt. „Es ist eine halbe Stunde mit dem Auto und nach so einer schweißtreibenden Probe ist es einfach nur fantastisch, noch einmal ins Wasser zu springen."

„Nein", sagte Buffy unsicher. „Ich glaube nicht..."

„Ich könnte Buffy heimfahren", mischte sich Robin, der noch immer neben Buffy stand, eifrig ein. „Da könnt ihr Spike gleich mitnehmen."

Cordelia warf dem Programmdirektor einen ‚Bist-du-denn-nur-blöd-Blick‘ zu. „Quatsch", entgegnete sie rigoros. „Buffy braucht auch mal ein wenig Entspannung und so ein Abend am Strand ist einfach nur fantastisch. Wir packen noch eine Flasche Wein ein und machen es uns gemütlich."

„Ich glaube, das ist eine...", begann Buffy.

„...fantastische Idee", beendete Cordelia ihren Satz und klopfte Buffy auf die Schulter, ehe sie Spike in die Umkleideräume folgte.

*****************

Den Sonnenuntergang verpassten sie allerdings.

Es war sogar schon recht finster, als sie den Strand erreichten.

Spike hatte Buffy während der ganzen Fahrt ab und zu einen eigenartigen Blick zugeworfen und schien noch immer nicht glauben zu können, dass sie sich tatsächlich darauf eingelassen hatte.

Buffy dagegen fühlte sich überhaupt nicht wohl in ihrer Haut und wünschte sich, Robins Angebot, sie heimzufahren, angenommen zu haben.

Xander und Cordelia allerdings schwatzten ununterbrochen und ihnen schien die Stille, die auf dem Rücksitz des Autos herrschte, nicht einmal aufzufallen.

Es gab einen kleinen abgelegen Platz, weit ab vom eigentlichen Badestrand, der nur zu erreichen war, wenn man gewisse Schleichwege kannte und auch ein wenig klettern konnte. Cordelia hopste von Stein zu Stein den Hang hinab, während Xander den Rucksack mit der Flasche Wein und ein paar Dosen Bier transportierte.

Buffy hatte mehr damit zu tun, in der Dunkelheit überhaupt einen Weg zu erkennen und fluchte lautlos vor sich hin. Erst als sie den Sand unter den Füßen spürte und endlich dazu kam, sich ihre Umgebung genauer anzusehen, entfuhr ihr ein überraschter Aufschrei.

Dieses Stückchen Natur war wirklich fantastisch. Umgeben von hohen Felsen eröffnete sich ihnen der Blick auf das jetzt schwarze Meer und das Tosen der Wellen, die immer wieder über den Sandstrand leckten, dröhnte in ihren Ohren. Der Strand war tatsächlich nur über diesen einen Kletterpfad zu erreichen, und dass sich am Ende solch ein kleines Stückchen Idylle eröffnete, damit hatte Buffy nicht gerechnet.

Xander grinste stolz. „Toll nicht? Spike und ich haben es vor ein paar Jahren entdeckt. Hier kommt kaum einer der Touristen hin. Hier ist man selbst tagsüber allein."

Cordelia streifte schon ihr Shirt über den Kopf. „Ich wollte es dir nicht glauben, Xan", verkündete sie und stürzte in Richtung Wasser. „Los, mach schon, lass uns in die Fluten springen."

Da weder Spike noch Buffy im Theater Badesachen mithatten, waren sie noch einmal zu Hause vorbeigefahren, um sich schnell umzuziehen. Zu Spikes Bedauern war sie im Auto mitgefahren und nicht bei ihm auf dem Motorrad.

Das allein war schon ein Grund, seine sowieso schon miese Laune noch mehr zu verschlechtern. Eigentlich wusste er selbst nicht, warum er sich von der unmöglichen Cordelia überreden lassen hatte, ebenfalls mit an den Strand zu kommen. Aber da selbst Buffy es nicht ablehnte…

Cordelia war der Meinung gewesen, sie könnten nackt ins Wasser springen, aber Buffys Gesichtsausdruck hatte ihr gesagt, dass sie sich *darauf* auf keinen Fall einlassen würde.

Selbst jetzt fühlte sich Buffy unbehaglich, weil sie Spikes Blick spürte, der jedoch schon dabei war, seine Hose abzulegen.

„Weshalb bist du mitgekommen?", fragte er leise.

Sie drehte endlich den Kopf und sah ihn zum ersten Mal, seit sie ins Auto gestiegen waren, an. „Ich weiß nicht...Cordy hat mich überrascht..."

Sogar im Licht der Sterne konnte sie das spöttische Verziehen seiner Lippen sehen. Aber er sagte nichts, sondern streifte ungerührt seine Hose und sein Shirt ab, ehe er Cordelia und Xander zum Wasser nachging.

Buffy seufzte. Ihr Blick folgte ihm und sie fragte sich zum hundertsten Mal in diesen vergangenen zwei Tagen, ob Willow nicht Recht hatte und es wirklich egal war, wie alt er war und wer er war.

Er gefiel ihr und es war Ewigkeiten her, dass es ein Mann geschafft hatte, diese Schmetterlinge in ihrem Bauch hervor zu rufen. Die körperliche Anziehung war da und die stritt sie auch nicht ab.

Was ihr zu schaffen machte, war, dass sie sich selbst nicht traute.

Spike war so jung und in den Augen der Bevölkerung Sunnydales war er ihr Stiefsohn. Konnte sie mit dem Skandal, den es ohne Zweifel auslösen würde, umgehen? Würde sie die sicherlich schockierten Reaktionen ertragen können?

Spike sah die Tragweite des Ganzen nicht. Er ließ sich von seinen Gefühlen leiten, sah in seiner jugendlichen Unbekümmertheit weder Probleme noch Folgen, sondern reagierte jetzt einfach trotzig auf ihre Ablehnung. Vielleicht war ihm auch wirklich egal, was andere Leute dachten.

Buffy seufzte wieder, während sie ihre Jeans ablegte und neben ihrem Shirt fallen ließ. Ich habe Angel geliebt, ging es ihr durch den Kopf. Ich habe mir eingebildet, Riley zu lieben. Und ich habe mir bei keinem von beiden Gedanken über die Zukunft gemacht, zumindest am Anfang nicht... Jetzt tue ich es und ich weiß, dass eine Beziehung zu Spike keine Zukunft hätte.

Vielleicht sollte man aber auch gar nicht soweit denken. Vielleicht sollte man sich doch an Willows Worte halten.

Niemand weiß, was die Zukunft bringt, Buffy. Du lebst jetzt. Wenn es später Probleme gibt, ist es an der Zeit, darüber nachzudenken. Wenn du es vorher tust, schaffst du die Probleme erst.

Möglicherweise hatte Willow Recht, aber Buffy verspürte Spike gegenüber neben der unstreitbaren sexuellen Anziehung auch Verantwortung und sie würde es sich selbst nicht verzeihen können, wenn sie durch ihr gedankenloses Handeln sein Leben zerstörte.

Aber tat sie ihm nicht in diesem Moment genau so weh?

Irgendwo in der Ferne kreischte Cordelia im Wasser, als Xander auf sie hechtete und Buffy beschloss, ihre Grübeleien jetzt einmal zur Seite zu legen und den anderen zu folgen.

Eine halbe Stunde später lagen sie gemütlich im Sand und stießen mit Plastikbechern auf eine gelungene Probe an. Irgendeinen Grund brauchte man schließlich...

Die Nacht war so lau, dass sie, obwohl sie nass waren, noch immer nicht froren.

Xander hatte es sich neben Cordelia bequem gemacht, während Spike mit einem erstaunlich großen Abstand neben Buffy saß.

„Hat Robin dich noch einmal gefragt, Buffy?", erkundigte sich Cordelia neugierig. „Warum versuchst du es nicht einmal, die Jägerin zu spielen?

„Ich weiß nicht, Cordy", murmelte Buffy. „Ich habe keinerlei Erfahrung auf der Bühne. Ich glaube nicht einmal, dass ich eine gute Schauspielerin bin."

Cordelia lachte. „Du bist eine bessere Jägerin als ich", erklärte sie frei heraus. „Schon allein, weil die Kampfszenen bei mir einfach lächerlich wirken. Ich weiß das und will das dann nicht in der Kritik lesen. Es gibt noch mehr Rollen, die ich spielen kann. Denk darüber nach."

Buffy wollte es sich nur ungern eingestehen, aber da sie jetzt seit zwei Monaten den Proben beiwohnte, die Texte lernte und mit Spike übte, fand sie den Gedanken, selbst auf der Bühne zu stehen, gar nicht mehr so abwegig. Ja, es war eher so, dass sie es sich es sogar manchmal vorstellte.

Aber trotzdem schreckte sie vor einer Zusage noch immer zurück. Und jetzt sowieso. Jetzt würde sie es wahrscheinlich überhaupt nicht mehr fertig bringen, auch nur eine einzige Szene mit Spike zu spielen, ohne dass jeder sah, was los war.

Spike streckte sich im Sand aus und starrte hinauf in den sternenübersäten Himmel. „Wir waren lange nicht hier, Xan", murmelte er gedankenverloren. „Warum eigentlich nicht?"

Xander kichert. „Weil du mehr damit zu tun hattest, Dru den Verstand aus dem Kopf zu vögeln?"

„Xander!" Cordelia schlug ihm erbost die Hand gegen die Brust. Dann sprang sie auf. „Gehen wir ein Stück spazieren?" Ohne seine Antwort abzuwarten, zog sie ihn mit sich hoch.

„Jetzt?", maulte der junge Mann, ließ sich jedoch von Cordelia recht willig davon ziehen. Als diese dann einen Arm um ihn legte und in den Hintern kniff, hatte er es plötzlich sehr eilig, von den beiden anderen weg zu kommen.

Buffy starrte ihnen schockiert nach, als ihr aufging, dass sie jetzt mit Spike allein an dem einsamen Strand saß. Ihre Hände umklammerten den Becher mit dem Wein und sie weigerte sich, in seine Richtung zu sehen.

„Cordy ist unmöglich", meinte Spike amüsiert und sah sie an. „Was ist los, Buffy? Macht es dich nervös, mit mir allein zu sein?"

Buffy kippte den Wein in einem Zug hinunter, ehe sie den Kopf drehte und seinem Grinsen begegnete. „Nein."

„Wie schön", sagte Spike belustigt. „Gehst du mit mir auch ein Stück spazieren?"

„Nein."

„Du bist wohl nicht sonderlich romantisch, hm? Du und ich, Händchen haltend unter den Sternen..."

„Nein, Spike."

„Kannst du noch etwas anderes sagen, außer nein?" Spike richtete sich auf und lehnte sich zu ihr. „Du siehst toll aus in diesem Bikini." Plötzlich hatte seine Stimme wieder diesen rauchigen Klang, der ein Kribbeln über ihre Haut jagte.

Verflucht. „Spike", presste sie krampfhaft hervor. „Das funktioniert nicht."

„Was denn?", erkundigte er sich unschuldig. „Darf ich meiner süßen Mum nicht sagen, wie toll sie aussieht?"

„Hör auf!", zischte Buffy böse und griff wieder nach ihrem Becher. Wo waren Xander und Cordy, wenn man sie brauchte?!

Spike lachte kurz auf, ehe er wieder in den Sand fiel und die Hände hinter dem Kopf verschränkte. „Ich werde nicht so tun als würdest du mich nicht interessieren. Du tust es. Und es ist mir egal, dass du meinen Dad geheiratet hast. Diese Heirat war eine Farce."

Sie stützte sich auf ihren linken Arm und sah auf ihn hinab. „Sei still, Spike", sagte sie müde.

Er verzog ungerührt den Mund. „Ich denke, du brauchst jemanden, der dir diese dummen Vorurteile aus dem Kopf…", begann er, verstummte aber, als ihr Kopf herum schoss und grinste so süffisant, dass es keinen Zweifel daran gab, wie er den Satz vollenden wollte.

Sie holte tief Luft, war aber einen Moment zu geschockt, um überhaupt ein Wort hervor zu bringen.

„Ich wüsste jemanden", setzte er noch einen drauf.

Das war schon mehr als nur frech. Das war unverschämt. Aber er sah nicht so aus als würde er Witze machen, sondern seine Augen funkelten recht angriffslustig.

Er richtete sich wieder auf, legte den Kopf schief und verzog spöttisch die Lippen. „Wo ist dein Problem, Luv?"

„Problem?", fand sie endlich wenigstens ihre Stimme wieder. „Wer hat hier ein Problem?" Sie selbst. Ein recht großes.

Er lehnte sich zu ihr und strich mit den Fingern sanft ihren Arm hinauf zu ihren Schultern. Ein leichtes Zittern, einem Schauer vergleichbar, zog über ihre Haut. Buffy zwang sich gewaltsam, auf das Meer hinaus zu schauen und ihn zu ignorieren.

Dann senkte er jedoch den Kopf und berührte mit den Lippen ihre Schulter.

„Hör auf", sagte sie und verfluchte ihre Stimme, die klang als würde sie gleich ohnmächtig werden. Ich denke, du brauchst jemanden, der dir die Vorurteile aus dem Kopf… Verdammt, wie konnte er es wagen, so etwas zu sagen. Verdammt, hatte er Recht?

„Sag mir einen einzigen guten Grund, warum", antwortete er leise.

Einen?! Es gab hunderte! Er war zu jung. Ihr Stiefsohn. Sie trug für ihn die Verantwortung. Sie war zehn Jahre älter als er…okay, das hatte sie schon… Er war Ruperts Sohn…auch kein neuer Grund. Gut, vielleicht gab es doch nicht so viele Gründe dagegen, eigentlich sprachen viel mehr dafür. Er sah toll aus. Bei ihm fühlte sie sich lebendig. Er küsste fantastisch. Der Sex war… Buffy, hör auf!

„Lüg mich nicht an, Buffy", bat er ruhig. „Sag mir, dass du es auch spürst."

Sie drehte den Kopf und ihr lag das nein schon auf der Zunge, doch sie sah in seinen Augen neben dem Zorn eine Art Verzweiflung, die sie innehalten ließ.

„Ja", flüsterte sie und der Anflug eines Lächelns huschte über seine Lippen. „Und es ist falsch."

„Warum?"

Sie hob ihre Hand zu seinem Gesicht, strich über seine Wange und seufzte. „Du bist so jung, Spike. Es würde überall auf Unverständnis und Abneigung treffen. In fünf oder zehn Jahren sähe die Sache anders aus, aber so…"

„Das ist nicht wahr!", stieß er hervor. „Und mir ist egal, was der Rest der Welt denkt!"

„Aber mir nicht", entgegnete sie sanft. „Rupert hat mir die Verantwortung für dich übertragen. Ich kann das Vertrauen, das er in mich gesetzt hat, nicht so enttäuschen, indem ich seinen Sohn einem Skandal aussetze."

„Das ist Schwachsinn!", fuhr er sie zornig an.

„Spike, ich…", begann sie, doch er unterbrach sie einfach und komplett, indem er einfach sagte:

„Ich liebe dich."

Ihr Mund blieb offen stehen und sie vergaß sogar zu atmen. Trotzig presste er die Lippen zusammen und funkelte sie an, als er die Fassungslosigkeit in ihrem Gesicht sah.

„Was?", brachte Buffy eine ganze Weile später hervor.

„Ich liebe dich", wiederholte er. „Ich denke an dich, ich träume von dir, ich möchte dich berühren und ich möchte dich lieben. Mir ist so vollkommen egal, was andere darüber denken."

„Spike, das ist…nicht wahr", schaffte Buffy zu sagen, als ihr ihre Stimme wieder gehorchte. „Es mag eine Schwärmerei sein, aber niemals…niemals…" Sie konnte das Wort nicht einmal aussprechen. Und es war das Letzte, was sie erwartet hatte zu hören. Liebe. Angel hatte von Liebe gesprochen, ganz am Anfang. Parker nie. Und Riley? Riley hatte es immer wieder getan, ihr versichert, wie sehr er sie liebe und wie sehr er wünschte, sie würde seine Liebe genau so erwidern. Und dann hatte er sie so grenzenlos enttäuscht.

In Spikes Blick lag eine Offenheit, die sie nicht kannte oder an die sie sich nicht mehr erinnerte. Vielleicht weil er so jung war und seine Gefühle mit dem Optimismus der Jugend auslebte.

„Ich liebe dich", sagte er wieder, härter diesmal, als er sie den Kopf schütteln sah. „Und du kannst sagen, was du willst! Ich weiß, dass du genau so etwas für mich empfindest!"

„Keine Liebe", hauchte sie. „Ich habe dich gern. Du bist Ruperts Sohn und…"

Er lachte ihr einfach ins Gesicht. „Jemanden, den man nur gern hat, lässt man nicht in sein Bett!"

„Es war ein Fehler."

Spike schlang seinen Arm um ihren Hals und zog ihren Kopf zu sich. „Einen Fehler macht man nicht zwei Mal", sagte er und ein Hauch von Zorn schwang in seiner Stimme mit. „Dein einziges Problem ist, dass du mit Vorurteilen kämpfst."

Sein Gesicht war nur noch wenige Zentimeter von ihrem entfernt und sie konnte seinen heißen Atem auf ihrer Haut spüren. Sie wusste, dass er Recht hatte und dass sie ihn zumindest körperlich sehr anziehend fand, aber trotzdem musste sie diejenige sein, die einen kühlen Kopf behielt.

„Sag laut und deutlich nein", murmelte er, ehe er den Kopf senkte und mit seinen Lippen ihre berührte.

Buffy hätte am liebsten geweint. Das Gefühl seiner Lippen, sein Geschmack, waren ihr so vertraut, dass sie einen Moment einfach nur nachgab, ihre Lippen öffnete und das Spiel seiner Zunge genoss. Trotzdem war sie es, die ihren Kopf von ihm löste.

„Nein." Der Schmerz in seinen Augen tat ihr weh, doch sie wiederholte das Wort noch einmal: „Nein."

Spike atmete tief durch, lehnte sich zurück und fiel in den Sand. Wortlos.

Sie sprachen nicht mehr, bis Xander und Cordelia zurückkamen. Die beiden schienen die gespannte Atmosphäre auch nicht zu bemerken, sondern plapperten recht atemlos durcheinander.

Buffy spürte Spikes Blick, der sie ab und zu traf, doch sie sah nicht in seine Richtung, sondern kämpfte mehr mit dem Kloß in ihrem Hals, der sich festgesetzt hatte, als sie seinen enttäuschten Augen begegnet war.

***************************

Es war gegen eins, als Xander sie vor dem großen Haus absetzte.

Sie verabschiedeten sich kurz, ehe sie, jetzt wieder schweigend, das große leere Haus betraten. Buffy stieg hinter Spike die Treppe hinauf. Sie wusste genau so wenig etwas zu sagen wie er und fragte sich verzweifelt, ob die ganze Situation nicht ihrer Kontrolle entglitt und das freundschaftliche Verhältnis zwischen ihr und Spike nicht unaufhaltsam einem Ende entgegen strebte.

Spike drehte sich noch einmal um, als er ihr Zimmer passierte und sah sie stumm an.

Ihr wurde heiß, als sie die Frage in seinem Blick sah. Einfach, offen und unmissverständlich. Und schon wieder wurden ihre Beine angesichts seines Verlangens schwach. Sie brachte kein Wort hervor, sondern konnte nur stumm den Kopf schütteln.

Er fluchte auf, drehte sich einfach um und stürzte in Richtung seines Bades. Seit sie das Haus allein bewohnten, hatten sie auch die beiden Badezimmer untereinander aufteilt.

Buffy griff Halt suchend nach ihrem Türrahmen, während ihr Blick ihm folgte und sie hörte, wie er die Badtür hinter sich zu krachte.

Spike dagegen stützte seine Hände auf den Waschbeckenrand, starrte sich selbst im Spiegel an und fluchte wieder.

„Idiot", knirschte er zu sich selbst. „Du bist so ein Idiot."

Tief durchatmend zog er sein Shirt über den Kopf und griff zu den Knöpfen seiner Hose. Außer Dru und Buffy hatte es keine andere Frau in seinem Leben gegeben. Er hatte keine Erfahrung damit, abgewiesen zu werden und verdammte seinen Körper, der auf Buffys Nähe so schlagartig reagierte.

„Idiot", knurrte er wieder, diesmal mit einem Blick auf seinen Unterleib und kickte die Hose von seinen Beinen, ehe er hinter das milchige Glas der Duschkabine trat.

Wahrscheinlich würde er in der nächsten Zeit öfter eine kalte Dusche benötigen, wenn er schon allein bei dem Gedanken an Buffy so hart wurde.

Mit geschlossenen Augen ließ er das kalte Wasser seinen Körper hinab strömen. Er war wütend auf sich selbst und noch mehr auf Buffy, weil sie abstritt, was so offensichtlich war oder weil sie sich einfach nicht traute, dem nachzugeben, was sie wollte.

Das kalte Wasser half überhaupt nichts, sondern die Erinnerungen an Buffys Gesicht, die großen grünen Augen und an das Gefühl ihrer Lippen machten alles noch viel schlimmer. Seufzend umschloss er mit der Hand seinen Penis und begann, ihn sanft zu massieren.

Buffy währenddessen starrte noch immer auf die jetzt geschlossene Badtür, ohne sich rühren zu können. Sie hörte, wie das Wasser angestellt wurde und wusste genau, was Spike jetzt tat oder vorhatte zu tun. Und dass er im Moment nicht duschen wollte, um sich das Salz von der Haut zu waschen.

Allein der Gedanke an seinen jetzt nackten Körper und an das, was er jetzt zweifellos tat, sorgte dafür, dass sich ihr Atem beschleunigte und verursachte einen beunruhigenden Druck zwischen ihren Beinen.

Bilder eines nackten Spike stiegen in ihr hoch und sie fragte sich verzweifelt, wie sie das Verlangen nach ihm unter Kontrolle bringen sollte. Es würde immer wieder Situationen wie diese geben.

Wie von einer fremden Gewalt gezwungen, schlich sie auf seine Badtür zu. Es war nur ein leises schlechtes Gewissen, das sich einstellte, als sie stehen blieb und versuchte, Geräusche im Inneren des Bades wahr zu nehmen.

Zuerst hörte sie außer dem Rauschen des Wassers nichts, doch dann vernahm sie ein leises Stöhnen und schloss einen Moment gequält die Augen, als sie die Wärme spürte, die sich zwischen ihren Beinen ausbreitete.

Sein Stöhnen schickte ein Zittern durch ihren Körper und sie seufzte leise, als sie ihre Hand gegen die Tür lehnte.

Willow würde hinein gehen, sagte eine Stimme in ihrem Kopf. Willow wäre auch der Skandal egal.

Fast ohnmächtig schloss sie die Augen, versuchte tief durchzuatmen und sich selbst zu beruhigen, aber alles wurde nur noch schlimmer.

Schließlich wusste sie genau, wie Spike jetzt aussah und die Erinnerung an das Gefühl seiner Hände und Lippen auf ihrer Haut, verstärkten den Druck zwischen ihren Beinen.

Ihre Stirn sank gegen die Badtür.

Willow würde es tun....

T e i l   2 1

 

Willow würde hinein gehen. Willow wäre auch der Skandal egal…

Spikes Stöhnen wurde lauter und Buffy stellte sich vor, wie sich sein Gesicht vor Lust verzerrte, auch wenn es nur er selbst war, der sich Befriedigung verschaffte.

„Gott, was ist nur mit mir los?", flüsterte sie erstickt, doch ihre Hand wanderte wie von selbst zur Klinke der Badtür.

Spike erstarrte in der Dusche, als er hörte, wie sich die Tür öffnete. Er bewegte nur den Kopf ein wenig, um mit dem Gesicht den Wasserstrahl zu verlassen und sah fassungslos durch das Milchglas, dass Buffy das Bad betrat.

Er konnte nicht glauben, was er sah und trotzdem bildete sich in seinem Kopf der Gedanke, wie dumm es war, die Dusche zu benutzen und nicht die große Badewanne. Er rührte sich nicht und auch Buffy sagte keinen Ton, aber er sah durch die Scheibe, dass sie ihre Kleidung ablegte. Urplötzlich wurde sein Mund trocken und die Spannung in seinem Körper fast unerträglich.

Das konnte nur ein Traum sein. Schließlich hatte er solche Träume. Wer weiß, was Xander in den Wein getan hatte…

Doch dann trat Buffy um das Milchglas herum und seine Augen weiteten sich unmerklich, als sie ihn mit einem fast schüchternen Lächeln im Gesicht ansah.

„Ist das Wasser kalt?"

Spike benötigte eine Weile, ehe die Frage durchsickerte. Es passierte nicht allzu oft, dass eine nackte Buffy in seinem Bad stand. Nicht allzu oft war eine lächerliche Formulierung. Natürlich passierte das nie, zumindest bisher, und er hatte im Moment mehr damit zu tun, seine Augen von ihren kleinen, perfekt geformten Brüsten loszureißen. Dabei bemerkte er nicht einmal, dass seine Hand noch immer seinen Penis umklammerte.

„Kann ich dir helfen?", fragte sie belustigt über seinen einzigartigen Gesichtsausdruck. „Wie wäre es, wenn du die Temperatur des Wassers ein wenig erhöhst?"

Das kam endlich an. Wie in Zeitlupe und ohne seine Augen von ihren zu lösen, langte er zum Wasserhahn und schob den Hebel in Richtung Warmwasser.

Buffy lächelte, hob kurz die Hand, um die Temperatur noch einmal zu überprüfen und stieg dann zu ihm unter die Dusche. Sie sah, wie er langsam und tief Luft holte als wolle er sich selbst beruhigen und lächelte wieder. Zögernd, fast vorsichtig strich sie mit den Fingern über seine nackte Brust, spürte die Muskeln unter ihren Fingern und schluckte.

Er hatte wirklich einen fantastischen Körper, er war der Traum eines Bildhauers oder Malers und zu sehen, wie er bei den federleichten Berührungen ihrer Finger um seine Beherrschung kämpfte, ließ sie sich unheimlich sexy fühlen.

Spike konnte nicht fassen, dass das wirklich passierte, vor allem, weil sie noch vor zehn Minuten ganz anderer Meinung gewesen war. Seinen Körper interessierte ihre plötzliche Sinnesänderung herzlich wenig, besser gesagt, seine Erregung schnellte sprunghaft in die Höhe.

Trotzdem war da noch ein Rest Verstand, der sich an die Enttäuschung über ihre Reaktion beim letzten Mal erinnerte. Als Buffy seine Hand zur Seite schob und ihn berührte, fuhren seine Arme nach oben, schlangen sich um ihren Körper und pressten sie rückwärts gegen die Fliesen.

Buffy hob überrascht den Kopf und schluckte, als sie das Feuer in seinen Augen sah.

Es war wahrscheinlich das Schwerste, das er jemals in seinem Leben getan hatte – den Mund auf zu machen und zu sagen:

„Ich will, dass du gehst…wenn du es danach wieder bereust."

Er würde sicherlich in der Duschkabine zusammen sinken und anfangen zu weinen, wenn sie es tatsächlich tat.

„Ich will nicht gehen", flüsterte sie erstickt.

Im nächsten Moment lagen seine Lippen auf ihrem Mund, fast als wolle er verhindern, dass sie es sich noch einmal anders überlegte. Sie spürten beide das Wasser nicht mehr, das ihre Körper hinab rauschte, sondern einzig und allein die gegenseitige Berührung ihrer Körper.

Buffy stöhnte frustriert auf, als Spike seine Lippen von ihrem Mund löste und umklammerte seinen Hals, als seine Finger sanft über ihre Brüste strichen.

Und plötzlich waren seine Lippen wieder auf ihrer Haut, auf ihren Lippen, an ihrem Hals. Sie hob die Hände, fühlte dann jedoch, wie er die Spur seiner Küsse über ihre Brust zu ihrem Bauch zog und riss erschrocken die Augen auf, als er vor ihr in die Knie ging.

Auf seinem Gesicht lag dieses teuflische Grinsen, als er den Kopf senkte, ihr rechtes Bein anhob und über seine Schulter legte, während seine Lippen eine glühende Spur auf der Innenseite ihrer Schenkel hinterließen.

Buffy schluckte und ihre Hände suchten krampfhaft an der glatten Wand der Duschkabine Halt.

Er wird doch nicht... „Oh Gott", schrie sie auf, als seine Zunge sie dort berührte. Wie von einem Stromstoß getroffen, zuckte sie zusammen, als seine Zunge über das kleine hochsensible Nervenbündel zwischen ihren Beinen fuhr.

Ihre Knie wurden weich und sie wusste nicht, wie lange sie ihren Stand an der Wand noch halten konnte. Er hörte nicht auf. Seine Zunge fuhr kleine Kreise, und während eine Hand ihr Bein über seiner Schulter festhielt, folgte die zweite seiner Zunge.

Buffy keuchte kurz auf und ihr Stöhnen ging in ein Wimmern über, als sein Finger in sie fuhr und ein zweiter gleich darauf folgte. Seine Zunge spielte weiter mit ihr, er saugte und knabberte an ihrem Fleisch, während seine Finger in einem steten Rhythmus aus ihr heraus und wieder hinein glitten.

„Spike... Spike, bitte..." Buffy warf den Kopf zurück gegen die Wand. Ihr Körper wand sich, ihre Hände griffen verzweifelt nach seinem Kopf, pressten ihn an sich. Der Druck in ihrem Innern wurde so groß, dass sie glaubte, sterben zu müssen, wenn er ihr nicht half.

Und er presste sein Gesicht in sie und gab ihr, was sie wollte. Sie schrie wieder, ihre Hüften stiegen und er spürte ihre Kontraktionen um seine Finger und an seinem Gesicht, fühlte ihr Zittern und schloss die Augen, weil er um seine eigene Beherrschung kämpften musste.

Dann spürte er, wie ihre Knie nachgaben, richtete sich auf, schlang ihre Beine um seine Hüften, presste sie Halt suchend gegen die Wand und vergrub sich selbst in ihr. Das Wasser der Dusche rieselte noch immer über ihre Körper, über ihre Gesichter, doch sie bemerkten es kaum.

Buffy schlang ihre Arme um seinen Hals, zog seinen Kopf zu sich herab und küsste ihn. Sie schmeckte sich selbst in seinem Mund, als ihre Zunge hinein fuhr und dann über seine Lippen. Sie biss ihn sanft, lächelte leicht, als sie sein Stöhnen wahrnahm und spürte, wie er die Intensität seiner Stöße vergrößerte.

Ihre Beine umklammerten ihn, suchten den Halt, den ihr nur die Wand in ihrem Rücken nicht geben konnte und als sie diesmal kam, war es wie ein sanfter Hauch nach dem vorangegangen Sturm.

Und Spike ließ sich gehen, als er spürte, wie sich ihre inneren Muskeln um ihn zusammen zogen. Stöhnend vergrub er sich ganz tief in ihr und schloss die Augen, als er kam und die Schauer der Erleichterung seinen Körper schüttelten.

Gemeinsam, noch immer aneinander geklammert, sanken sie auf den Boden der Duschkabine. Spike wünschte sich plötzlich, sie niemals wieder loslassen zu müssen.

Buffys Kopf lehnte an seiner Schulter. Sie atmete keuchend, hob jedoch den Kopf, als sie merkte, dass er sie ansah.

Und dann küsste sie ihn. Ganz sanft berührten ihre Lippen seine und Spikes Kehle schnürte sich zusammen, als er ihre Zärtlichkeit spürte.

„Wir...", flüsterte sie gegen seinen Mund, "...sollten vielleicht mal das Wasser abschalten."

Er nickte nur, zu gefangen in der Berührung ihrer Lippen, als dass er ein Wort hervor gebracht hätte. Sie stand auf, genoss noch einen kurzen Moment das Gefühl des warmen Wassers auf ihrer Haut und drehte dann den Knopf.

Widerstrebend ließ er sich von ihr hochziehen. Sie warf ihm eins der Handtücher zu, die außerhalb der Duschkabine hingen und wickelte sich selbst in eines, während sie ein zweites um ihre Haare schlang.

Er folgte ihr hinaus in den Flur und ehe sie reagieren konnte, hatte er von hinten seine Arme um sie geschlungen, hob sie hoch und trug sie in Richtung seines Zimmers.

„Spike, ich…", begann Buffy vorsichtig, allerdings ohne sich zu wehren.

„Vergiss es", unterbrach er sie rigoros, stieß mit der Schulter seine Zimmertür auf und legte sie auf dem Bett ab.

Buffy wollte sich aufrichten, doch er stützte seine Hände zu beiden Seiten ihres Körpers ab und sah ihr ins Gesicht.

„Ich werde dich festbinden, wenn du jetzt gehen willst", versprach er ernsthaft.

Sie fing an zu lachen. „Ja?"

Spike riss ihr mit einer schnellen Bewegung das Handtuch vom Kopf und vom Körper, ließ es neben das Bett fallen und warf sein eigenes dazu.

„Ich möchte morgen neben dir aufwachen", erklärte er noch immer ernst, beugte den Kopf vor und hauchte ihr einen Kuss auf die Lippen. „Und du wirst mich nicht daran hindern."

Eigentlich hatte auch Buffy keine Lust, jetzt ihr eigenes, einsames Bett aufzusuchen. „Okay", flüsterte sie und kroch unter die Bettdecke.

Er grinste breit, als er ihr folgte, seine Arme um sie schlang und mit dem Rücken an sich zog. Ihr Körper schien perfekt zu seinem zu passen und ein glückliches Lächeln umspielte seine Lippen, als er sich an sie schmiegte und noch einen Kuss auf ihre Schulter presste.

„’Nacht, Luv", murmelte er leise neben ihrem Ohr, ehe er die Augen schloss.

„Schlaf gut", wisperte Buffy, lehnte sich an seinen warmen Körper und war im nächsten Moment eingeschlafen.

*****************

Buffy erwachte von den Sonnenstrahlen, die durch das Fenster fielen und ihr Gesicht kitzelten. Verschlafen öffnete sie die Augen und sah sich einen Moment orientierungslos um.

Erst dann fiel ihr auf, dass sich ein Arm um ihre Taille geschlungen hatte und warmer Atem gegen ihren Hals blies.

Sie holte tief Luft, aber zum ersten Mal in den letzten Tagen fühlte sie weder ein schlechtes Gewissen noch Reue. Sie fühlte sich einfach als wäre es richtig, an Spikes Seite aufzuwachen.

Er schien zu spüren, dass sie sich regte und zog sie fester an sich. Wahrscheinlich hatte er es unbewusst getan, denn im nächsten Moment schoss sein Kopf hoch und er starrte in Buffys jetzt schmunzelndes Gesicht.

„Wow", murmelte er plötzlich hellwach. „Ich träume das nicht, oder?"

„Nein", antwortete sie amüsiert. „Es sei denn, wir haben beide den gleichen Traum."

Er lachte auf, rollte sie im nächsten Moment auf den Rücken und beugte sich über sie. „Morgen, Luv." Er kicherte, als er sie kurz küsste. „Ich muss gestehen, ich hatte oft solche Träume. Deshalb vielleicht meine Zweifel."

„Oft?" Buffys Augen wurden kugelrund.

Spike nickte und grinste. „Oh ja. Möchtest du wissen, wie es in meinem Traum weiter ging?"

„Ähm…nein?"

„Falsche Antwort." Spikes Grinsen wurde breiter. Er beugte kurz den Kopf zu ihr und fuhr spielerisch mit der Zunge über ihre Lippen. „Versuch es noch einmal."

Buffy musste sich mühsam das Lachen verkneifen, als sie an ihrer Haut spürte, welche Wirkung das Ganze schon wieder auf ihn hatte. Sie hob ihre Hand um seinen Nacken, fuhr durch seine recht verwuselten Haare und zog seinen Kopf zu sich herab.

„Ich denke, du solltest es mir zeigen", hauchte sie gegen seinen Mund.

„Yeah", stieß er heiser hervor, ehe ihre Lippen aufeinander trafen.

Eine Stunde später schafften sie es endlich, das Bett zu verlassen. Spike griff schnell nach Buffys Hand, ehe sie an seiner Badtür vorbei war und zog sie hinter sich her.

„Das ist keine gute Idee", protestierte sie. „Ich habe Hunger."

„Was denkst du eigentlich?", schimpfte er gespielt. „Ich bin kein verfluchter Zuchthengst. Aber ich möchte mit dir zusammen duschen."

Wahrscheinlich gab es kein Argument der Welt, das ihn davon abhalten konnte und eigentlich hatte Buffy auch nichts dagegen. Und als er dann noch anfing, sie einzuseifen und sie seine Hände spürte, die sie sanft massierten, fand sie seine Idee einfach nur noch fantastisch und hätte am liebsten wie eine befriedigte Katze geschnurrt.

Dummerweise erregte sie das Spiel seiner Hände und als sie ihm dann die Seife aus der Hand nahm und seinen Körper genau so verwöhnte, fing sie an zu lachen, weil sie bemerkte, dass es ihn auch nicht kalt ließ.

Spike fluchte, da er ihr Grinsen bemerkte, riss sie an sich und flüsterte heiser: „Okay, ich habe eine Menge nachzuholen…"

Und Buffy fand, dass sie eine ganze Menge mehr nachzuholen hatte.

Deshalb dauerte es noch einmal eine ganze Weile, ehe sie endlich die Küche erreichten.

*********************

Spike beobachtete Buffy über den Rand der Kaffeetasse hinweg. Sie sah fast noch schöner aus als sonst. Ihrer Wangen waren leicht gerötet und die Augen glänzten auf eine Art und Weise, die ihm vorher nie aufgefallen war.

Als sie seinen Blick bemerkte, lächelte sie fast schüchtern. „Worüber denkst du nach?"

„Über dich."

Das Rot in ihren Wangen vertiefte sich. „Aha."

Er wandte seine Augen nicht ab, sondern beugte sich zu ihr. „Ich finde, du siehst hinreißend aus, wenn du rot wirst", flüsterte er.

„Ich kann dich nicht leiden", piepste sie, als sie seine belustigte Miene sah und griff nach ihrer Kaffeetasse.

„Lügnerin." Spike lehnte sich zurück. Plötzlich war jeder Spott aus seinem Gesicht verschwunden. „Wie geht es jetzt weiter?", fragte er leise.

Sie atmete tief durch. „Ich weiß es nicht." Sie wusste es wirklich nicht.

Seine Finger trommelten nervös auf der Tischplatte. „Du wirst jetzt nicht wieder anfangen, so zu tun als wäre nichts zwischen uns, oder?"

Buffy hob ihr Gesicht und sah ihn an. Und wieder fiel ihr die grenzenlose Offenheit in seinem Blick auf. Er verbarg nichts, er stritt nichts ab und er bereute auch nicht, was er fühlte.

„Es wird nicht einfach werden." Ihre Stimme klang schwach, so als käme sie aus einer anderen Welt, doch als sie sah, wie seine so blauen Augen aufleuchteten, lächelte sie ebenfalls. „Ich weiß nicht, ob wir auf Dauer stark genug sind, gegen die Ablehnung zu kämpfen."

„Ich liebe dich", sagte er einfach, als würde das alle Probleme lösen.

Sie hob ihre Hand zu seinem Gesicht, fuhr über seine ihr so vertrauten markanten Wangenknochen und beobachtete, wie er sich in ihre Berührung lehnte. „Ich weiß", flüsterte sie.

Ihr Herz zog sich zusammen, als er ihre Hand ergriff und seine Lippen gegen die Innenseite drückte.

„Ich bin stark genug", erklärte er dann selbstsicher. „Ich habe mein ganzes bisheriges Leben – auch wenn das noch nicht so lange war – gegen Vorurteile und Ablehnung gekämpft. Ich weiß, dass ich stark bin. Stark genug für uns beide."

„Ich habe gedacht, ich würde nie wieder einem Mann echtes Vertrauen schenken können." Sie schluckte wieder, als sie seinem fragenden Blick begegnete. „Ich wollte nie zulassen, dass mir jemals wieder jemand so nah tritt, dass er mir wehtun kann…" Sie verstummte als hätte sie vergessen, was sie noch sagen wollte.

Spike ließ ihre Hand los und zog sie an sich auf seinen Schoß. „Ich werde dir niemals wehtun", versprach er leise. „Vielleicht bin ich ein wenig starrköpfig und sicherlich habe ich noch nicht so viele schlechte Erfahrungen gemacht wie du. Aber eins weiß ich genau – Du bist keine Frau, die nicht lieben kann."

Buffy schlang ihre Arme um seinen Nacken und vergrub ihr Gesicht an seinem Hals. „Ich habe Angst, Spike. Angst, dein und mein Leben zu zerstören."

Er strich über ihren Rücken, beruhigend, und meinte leichthin. „Weißt du, ich bin sowieso davon ausgegangen, dass mein Vater mich enterbt. Wenn wir es hier nicht mehr aushalten, verschwinden wir und beginnen irgendwo neu. Wo uns niemand kennt und wo niemand dumme Fragen stellt. Gib uns einfach ein Chance, Luv. Das ist alles, was ich verlange."

Buffy hob den Kopf und fühlte Tränen in ihre Augen treten. Er meinte, was er sagte und sie schluckte krampfhaft, als ihr die volle Bedeutung seiner Worte aufging.

Er verlangte eine Chance. Mehr nicht…

„Du denkst, es könnte funktionieren?", fragte sie leise.

Spike nickte, ohne zu zögern, ehe er den Kopf nach vorn lehnte und sie sanft auf die Lippen küsste. „Gib uns eine Chance, Luv."

Und die Tränen begannen aus Buffys Augen zu laufen, als sie ihr Gesicht wieder an seinem Hals vergrub und schniefte. „Tu ich…Ich tue es…"

Spike sagte nichts mehr und Buffy konnte das selige Grinsen in seinem Gesicht nicht sehen, aber das störte ihn überhaupt nicht.

Er fühlte sich als wäre ein Traum wahr geworden und seine Arme um ihren zierlichen Körper zogen sie fester an sich.

Im Moment mochte sie noch behaupten, sie würde ihn nicht lieben, aber er wusste es besser. Er hatte es in ihren Augen gesehen – die Zuneigung, die Zärtlichkeit und ihr Verlangen. Und er war sich sicher, irgendwann würde sie es auch sagen.

                                                  

E p i l o g

 

Sechs Monate später

 

Tosender Applaus brandete auf, als der Vorhang fiel und Spike nach Buffys Hand griff, während sie auf der Bühne stehen blieben und warteten, dass sich der Vorhang wieder hob.

Die Premiere des Stücks „Die Jägerin“ hatte sich etwas verzögert, eigentlich um genau vier Monate und bis zu dem Moment, in dem Buffy den Applaus hörte, hatte sie nicht an einen Erfolg geglaubt. Und vor allem nicht daran, dass sie es tatsächlich wagen würde, auf die Bühne zu steigen.

Eigentlich war das Ganze Cordelias und Willows Zureden zu verdanken und es waren auch diese beiden Frauen, die ihr in den ersten Wochen, nachdem sie und Spike beschlossen hatten, ihr Verhältnis nicht mehr zu verbergen, zur Seite gestanden hatten.

Willow hatte Spike damals in die Seite geboxt und lässig gemeint, sie hätte ja gewusst, dass er es faustdick hinter den Ohren hätte, aber so dick…?

Spike, der nur mit einem Grinsen geantwortet hatte, hatte nicht einmal den Anstand besessen, rot zu werden.

Cordelia war ganz aus dem Häuschen, während Xander es wahrscheinlich bis heute nicht glaubte. Er schaute selbst nach diesen sechs Monaten noch recht fassungslos, wenn es doch einmal passierte, dass Spike Buffy in der Öffentlichkeit einfach in den Arm nahm oder sie küsste.

Sie taten das nicht oft, vielleicht aus Vorsicht vor eventuellen schockierten Reaktionen, doch im Laufe der Monate hatte es sich sicherlich bis in jedes Haus des kleinen Städtchens Sunnydale herum gesprochen.

Ab und zu traf sie ein abweisender Blick oder Menschen steckten tuschelnd die Köpfe zusammen, wenn sie vorüber gingen, aber die Reaktionen fielen weniger hart aus als Buffy es erwartet hatte.

Spike dagegen juckte das alles tatsächlich gar nicht. Er hatte sogar die Frechheit besessen, der einzig wirklich schockierten Person – Maggie – knallhart ins Gesicht zu sagen, es stände ihr frei, das Haus zu verlassen, wenn ihr der Gedanke nicht gefiel.

Buffy hätte es bedauert, denn sie hatte die ältere Frau in ihr Herz geschlossen, aber Maggie war zwar an diesem Tag, nachdem sie eine Kaffeetasse hatte fallen lassen, weil sie gesehen hatte wie Spike Buffy küsste, aus dem Haus gestürzt, jedoch am nächsten Tag wieder erschienen, um sich zu entschuldigen.

Sie meinte sogar leise, ihr Mann hätte geschimpft und gemeint, so ein *süßes* Ding wie Buffy müsse sich nicht schämen, wenn sie sich für einen jungen Mann wie Spike interessierte und dieser für sie.

Fast gar keine Reaktion gab es im Theater. Anya hatte nur gegrinst und lauthals verkündet, sie an ihrer Stelle hätte Spike schon lange verführt.

Buffy war rot geworden, Spike hatte sein typisches Grinsen aufgesetzt und die einzige Person, die nicht lachte, war Programmdirektor Wood, der etwas wie: „Schade“, murmelte und meinte, dann wäre seine Chance wohl nun endgültig vorbei.

Die nächsten Monate verbrachte Cordelia damit, Buffy groß und breit auseinander zu setzen, dass sie in die Rolle der Jägerin viel besser passte und es doch einfach nur einmal versuchen sollte. Nachdem Buffy ihre Freundin Willow immer öfter auf der Bühne erlebte und sah, mit welchem Enthusiasmus ihre Freundin spielte, ließ sie sich breit schlagen.

Und hatte trotz allem nicht an einen Erfolg geglaubt.

Spike drückte ihre Hand und lächelte sie stolz von der Seite her an. In diesem Moment öffnete sich der Vorhang wieder und der Applaus wurde zu einem Orkan, als sie beide hinaus auf die Bühne traten, um sich noch einmal zu verbeugen.

Hinter ihnen folgten die anderen Schauspieler. Willow, Cordelia, Anya und all die anderen, die genau so zum Erfolg beigetragen hatten.

Buffys Gesicht glühte. Spike hob ihre Hand an seine Lippen, küsste sie und seine Lippen bildeten ein ‚Ich liebe dich’.

Sie lächelte, als sie bemerkte, dass er trotz des Beifalls nur Augen für sie hatte.

„Lächele dein Publikum an", zischte Cordelia von der Seite.

Auflachend verbeugten sie sich noch mehrmals, ehe sie sich hinter die Bühne zurückziehen konnten.

Keine zwei Minuten später fiel Willow Buffy um den Hals. „Ich fasse es nicht, Süße", kicherte sie begeistert. „Ich habe tatsächlich vor einem Publikum gespielt. Und das, ohne mich ein einziges Mal zu versprechen."

Buffy musste ebenfalls lachen. „Ich habe mich versprochen. Aber es hat keiner gemerkt und ich habe meinen Text einfach abgewandelt…"

„Ich hab’s gemerkt", verkündete Spike hinter ihr und schlang seine Arme um die beiden Frauen. „Aber dein Text war doch gar nicht mal so schlecht. Robin ist bestimmt das Herz fast stehen geblieben."

„Ich habe nichts gemerkt", tröstete Willow Buffy, als sie deren geknickten Gesichtsausdruck bemerkte, ehe sie sich von den beiden löste und auf eine strahlende Tara zuging.

„Du warst fantastisch", flüsterte Spike in Buffys Ohr. „Jägerin." Dann legte er seinen Arm um ihre Schulter und zog sie mit sich zu den anderen.

****************

Es war Stunden später, als sie endlich ihr Haus erreichten.

„Puh." Buffy fiel auf die Couch und legte die Beine hoch. „Ich bin total fertig."

Spike grinste, setzte sich neben sie und zog sie in seine Arme. Sie lehnte sich an ihn und schloss die Augen, als sie spürte, wie seine Hände zu ihrem verspannten Nacken glitten und sanft die Muskeln massierten.

„Das war nur der Anfang, Luv.", sagte er leise. „Nächsten Samstag findet wieder eine Vorstellung statt und ich wette, die wenigen Karten, die dafür noch zu haben sind, werden spätestens morgen weg sein. Wir sind jetzt schon das Traumpaar der Saison. Die Jägerin und der Vampir."

Sie lächelte. „Wann fährst du?"

Spike schlang seine Arme um sie und lehnte seinen Kopf gegen ihren. Nachdem sie vor sechs Monaten begonnen hatte, ihn nun ernsthaft damit zu nerven, dass er sich um eine Ausbildung kümmernd sollte, hatte er sich bei mehreren Schauspielschulen in L.A. beworben. Und nach mehreren Malen Vorsprechen tatsächlich eine Zusage erhalten.

Seit drei Monaten pendelte er jetzt schon zwischen L.A. und Sunnydale hin und her und obwohl er sich nach den Wochenenden mit Buffy sehnte, war er mehr als stolz darauf, einer der ausgewählten Studenten der berühmten Kenwood-School zu sein.

Natürlich reichte die Summe, die er monatlich von dem Treuhandkonto seines Vaters erhielt, nicht, um die Schule zu bezahlen, doch wie Buffy es versprochen hatte, kam sie für den Rest des Unterhalts auf.

Das gefiel Spike zwar nicht all zu sehr, aber er schwor sich, ihr alles zurück zu zahlen, sobald er den vollen Zugriff auf sein Vermögen bekam.

„Montag früh", murmelte er. „Meine erste Vorlesung beginnt erst zehn Uhr."

„Schön", hauchte sie und schmiegte sich an ihn. „Dann habe ich dich ja noch den ganzen Sonntag."

„Jep", bestätigte er und musste grinsen, als er dran dachte, wie oft es passiert war, dass einer von ihnen beiden nicht bis zum nächsten Wochenende warten wollte, sich einfach ins Auto setzte und los fuhr. Oder wenn er an seine oder ihre horrenden Telefonrechnungen dachte…

„Faith hat wieder angerufen", erinnerte sich Buffy müde. „Sie kann immer noch nicht glauben, dass es keinen Giles Junior in der Firma geben wird."

„Sie wird’s überleben", brummte er mürrisch. „Mich nervt sie nicht mehr, nachdem ich ihr klipp und klar meine Meinung gesagt habe. Du bist viel zu freundlich."

Buffy lehnte den Kopf zurück und sah zu ihm hoch. „Bin ich?"

„Ja." Er nickte und grinste.

„Du bist viel zu undiplomatisch", stänkerte sie. „Faith ist eine sehr gute und ehrgeizige Anwältin."

„Ich kann sie nicht leiden", brummte er. „Hab ich erzählt, dass ich mich noch für einen Kurs in Betriebswirtschaft angemeldet habe? Und wehe, du erwähnst es Faith gegenüber. Aber ich möchte die Zahlen, die sie vorlegt, auch mal überprüfen können."

„Ja?" Buffy fuhr überrascht herum.

Spike zog sie grinsend auf seinen Schoß. „Ja. Er findet Dienstag- und Donnerstagabend statt. Was hältst du davon, ihn ebenfalls zu belegen?"

„Ich?!"

„Ja du, mein Schatz", erklärte er vergnügt. „Erstens solltest du in dem Zahlenchaos, das dir Faith präsentiert, auch durchblicken. Zweitens würdest du dann neben mir sitzen. Drittens würdest du mich so sehr viel mehr sehen. Viertens würdest du bei mir wohnen…"

Buffy fing an zu lachen und schlang die Arme um seinen Hals. „Und fünftens klingt das für mich sehr eigennützig."

„Tatsächlich?"

Unschuldige Mienen waren noch immer eine Spezialität von ihm gewesen. Sie küsste ihn kurz auf den Mund. „Aber irgendwie finde ich den Gedanken, deinen süßen heißen Körper öfter in meiner Nähe zu haben, auch ganz gut…"

Seine Augenbrauen hoben sich. „Nur ganz gut?"

Buffy kicherte, ehe sie sich vorbeugte und sanft begann, an seiner Unterlippe zu nagen. „Eigentlich finde ich den Gedanken fantastisch…"

„Hab ich mir gedacht. Dann bist du am Wochenende nicht mehr ganz so unersättlich", sagte er dann frech.

„Ich?!", kreischte Buffy und setzte sich kerzengerade auf. „Ich bin nicht diejenige, die es nicht einmal bis zum Wochenende schafft! Bis ich dich kennen gelernt habe, hatte ich noch *nie* Telefonsex!"

„Nein?", kicherte er vergnügt und zog sie wieder an sich. „Ich auch nicht. Dru war ja immer da. Aber du kannst nicht behaupten, dass es dir nicht gefällt."

„Oh doch! Das kann ich!" Buffy wollte ihn böse von sich schieben, doch dann fuhr er mit der Zunge ihren Hals entlang und sie biss die Zähne zusammen, weil das Kribbeln in ihrem Bauch all ihre Behauptungen widerlegte. „Ich bin auf keinen Fall so unersättlich…wie…du…", stieß sie hervor und umklammerte seinen Hals, als er sie sanft biss. „Schließlich…bin…ich…älter…und…beherrschter…"

Er prustete los, riss den Kopf hoch und presste seine Lippen auf ihren Mund. Entgegen ihren vorherigen Aussagen erwiderte sie seinen Kuss genau so leidenschaftlich und stöhnte leise, als sie zwischen ihren Beinen den harten Grad seiner Erregung spürte.

Keuchend zog er sich zurück und grinste sie an. „Beherrschter?", fragte er atemlos.

Buffy nickte, während sie aufreizend ihre Hüften auf ihm bewegte. „Viel beherrschter. Wollen wir wetten, dass du der Erste bist, der bettelt?"

Herausforderungen hatte er noch nie abgelehnt. Und solche schon gleich gar nicht. „Niemals!"

Buffy lächelte, als sie das Leuchten in seinen Augen sah, lehnte sich nach vorn und berührte zärtlich mit den Lippen seine. „Ich liebe dich", hauchte sie.

Spike starrte sie an und schien für einen Moment vollkommen vergessen zu haben, was er sagen oder tun wollte. Es dauerte eine ganze Weile, ehe er schwach hervor brachte:

„Könntest du das noch mal sagen?"

Sie runzelte die Stirn und fragte verspielt. „Noch mal? Nein…", sagte sie dann langsam.

Er grub seine Zähne in seine Unterlippe und noch immer reichte allein das, um für einen wunderschönen Aufruhr in ihrem Körper zu sorgen. Als würde er es ahnen, fuhren seine Hände unter ihre kurze Bluse und sie begann zu zittern, als sie seine Finger auf ihrer nackten Haut spürte.

„Ich wusste es", flüsterte er, beugte den Kopf und presste seine Lippen gegen ihr Dekollete. „Sag es noch mal, Buffy", bat er leise und klang irgendwie verträumt.

Buffys Finger glitten durch seine Haare, die er noch immer blondierte und in denen sich im Moment noch Reste des Stylinggels von seiner Vampirrolle befanden.

„Ich liebe dich."

Spike hob den Kopf und sie wusste plötzlich genau, dass sie niemals in ihrem Leben vergessen würde, wie er sie jetzt ansah. Niemals. Vielleicht sah die Welt in fünf oder zehn oder fünfzehn Jahren völlig anders aus. Das konnte niemand vorhersehen.

Aber in diesem winzigen Augenblick stand in Spikes Augen ein Versprechen, das ein Leben lang halten konnte. Ja, er sah sie an, als wäre gerade ein Traum wahr geworden.

Wortlos schlang sie ihre Arme um seinen Hals, ehe die Tränen in ihre Augen traten und zog ihn an sich.

„Ich liebe dich", flüsterte er neben ihrem Ohr und setzte in Gedanken hinzu: Für immer.

 

E N D E

 

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