WITH A LITTLE HELP

Buffy/Spike
Alternative Universe
ab 18
beta by Indiansummer
Die schüchterne unsichere Buffy wird von ihrer Freundin Faith in einem unfreiwilligen Urlaub geschickt, da diese glaubt, es würde Buffy gut tun, allein und vor allem in weiter Entfernung von ihrem Ehemann etwas Selbstbewusstsein zu entwickeln. Buffy, die sich bisher in allen Angelegenheiten auf ihren Mann verlassen hatte, steht plötzlich allein mitten in einem Zeltcamp, umgeben von Fremden und mit dem Wissen, dass sie erst in acht Wochen wieder nach Hause zurückkehren kann...
komplett
Teil 1 Teil 2 Teil 3 Teil 4 Teil 5 Teil 6 Teil 7 Teil 8 Teil 9 Teil 10 Teil 11 Teil 12 Teil 13 Teil 14 Teil 15 Teil 16 Teil 17 Teil 18 Epilog
Ich werde Faith umbringen!
Buffy hätte fast hysterisch gekichert, als dieser Gedanke durch ihren Kopf schoss.
Natürlich würde sie nichts dergleichen tun, wahrscheinlich würde sie Faith nicht einmal Vorwürfe machen. Sie hatte noch nie jemandem Vorhaltungen gemacht. Sie hatte in den ganzen 25 Jahren ihres Lebens niemandem Vorwürfe gemacht, der irgendetwas für sie bestimmen wollte.
Nicht ihren Eltern, als diese sie bevormundeten und schließlich in die Ehe mit Parker zwangen und Parker auch nicht, der sie ähnlich wie ein unmündiges Kind behandelte.
Warum auch? Buffy war von Natur aus ängstlich veranlagt. Sie scheute große Menschenmengen, hatte Hemmungen, ihre Meinung zu sagen, bekam Panikanfälle, wenn sie nur jemand ansprach, den sie nicht kannte, und war recht froh, wenn andere ihr die Entscheidungen abnahmen.
Bis sie Faith traf.
Faith strahlte ein Selbstbewusstsein aus, wie es Buffy nie zuvor begegnet war. Und sie schien irgendwie einen Narren an der zurückhaltenden und schüchternen Buffy gefressen zu haben. Faith war die erste Freundin, die Buffy hatte, die nicht genau so ängstlich war wie sie selbst.
Es war noch nicht einmal ganz ein Jahr her, als sie der gleichaltrigen Frau auf einer der vielen Wohltätigkeitsveranstaltungen, die sie als Anhängsel ihres Mannes besuchen musste, begegnete. Sie hätte damals nie für möglich gehalten, dass sie der sofort im Mittelpunkt stehenden Frau überhaupt auffallen würde. Und sie wurde jetzt noch rot bei dem Gedanken daran, was für Unsinn sie zusammen gestottert hatte, als Faith sie ansprach. Sie konnte sich noch genau an Parkers peinlich berührten Gesichtsausdruck erinnern, aber in Faiths Augen hatte sie keine Belustigung erkennen können, eher Mitleid, und die Blicke, mit denen Faith ihren Mann gemustert hatte, waren sogar recht zornig gewesen.
Buffy war viel zu schüchtern, um von sich aus, den Kontakt zu Faith zu suchen oder aufrecht zu erhalten, aber Faith ließ gar nicht zu, dass er verloren ging. Sie arbeitete als Anwältin in L.A., ca. 100 Kilometer von dem kleinen Städtchen Sunnydale, in dem Buffy lebte, entfernt und schaffte es jedes Wochenende, mal angemeldet, mal überraschend, im Haus der Summers-Abrahms aufzukreuzen. Buffy begann sich – sehr zu Parkers Verdruss – auf die Besuche von Faith zu freuen.
Faith sagte Dinge, die Buffy schockierten, sie verkehrte völlig ungezwungen mit Menschen, die sie nicht kannte, sie sprach jeden an, den sie kennen lernen wollte und sie sprach Dinge aus, die Buffy nicht einmal wagte zu denken.
Und ihr erster Satz war: Buffy, dein Mann ist ein Riesenidiot. Buffy hatte nie gewagt, sich über irgendetwas, was Parker tat oder sagte, aufzuregen, er erstickte jede ihrer Meinungen im Keim mit seiner unvergleichlichen Art, sie darzustellen, als wäre sie dumm und etwas viel schlechteres als er.
Buffy hatte nie darüber nachgedacht. Schließlich hatten auch ihre Eltern sie nur bevormundet, aber Faiths Worte begannen sie nachdenklich zu machen.
Parker hasste Faith und er sah es überhaupt nicht gern, dass sie Freundschaft zwischen den beiden Frauen immer enger wurde. Doch Buffy fieberte den Gesprächen mit Faith regelrecht entgegen. Sie erfuhr Dinge, die ihr völlig fremd waren, hörte Sachen, die ihr Angst machten und die sie doch begeisterten. Ja, sie konnte gar nicht genug davon bekommen.
Parker hielt ihr mehr als einmal Vorträge, wenn Faith wieder etwas in seiner Gegenwart sagte, was ihm nicht gefiel oder wenn sie ihn in Grund und Boden redete, etwas, was Parker gar nicht begreifen konnte und er verbot ihr, Faith weiter zu treffen. Das war eines der wenigen Mal, dass sie sich gegen ihn behauptete.
So wie mit diesem Wochenende, ging es Buffy bei den Erinnerungen durch den Kopf und sie schluckte krampfhaft die Tränen hinunter, die ihr in die Augen steigen wollten. Und nun sehe ich, was ich davon habe… Das ist die Strafe, dass ich mich gegen Parker aufgelehnt habe…
Auch ihre Eltern fanden Faith entsetzlich. Es gab zu viele Gerüchte über die Frau, die durchsetzte, was sie wünschte und sich nebenbei auch jeden Mann nahm, den sie haben wollte.
Buffy fand das überaus faszinierend. Nicht, dass sie selbst solch ein Bedürfnis verspürte, aber sie konnte stundenlang Faiths Erzählungen über ihr Sexleben lauschen, das doch so viel ereignisreicher war als Buffys.
Faith hielt ihr immer wieder vor, sie müsse aus ihrem Dornröschenschlaf erwachen und endlich einmal etwas tun, was ihr Spaß mache. Sie bezeichnete Buffy als schüchtern und ängstlich, Parker als Tyrann, der Buffy nur unterdrückte, und sagte ihr knallhart, sie würde nicht zusehen, wie sie sich weiterhin ihr Leben zerstören ließ.
Buffy nahm diese Gespräche nicht ernst. Natürlich wusste sie, dass sie gegen die selbstbewusste Faith ängstlich ausschaute und dass Parker nicht gerade ein Traummann war, schien ihr auch klar, aber etwas daran ändern? Was sollte sie denn tun?
Ihr kam noch nicht einmal ein komischer Gedanke, als Faith vorschlug, einmal ein Wochenende auszuspannen. Sie erklärte, sie würde sich um alles kümmern und Buffy müsse nur noch mit ihr in den Flieger steigen und könne entspannen.
Buffy freute sich darauf. Sie hatte stundenlang auf Parker eingeredet, der es rigoros verbieten wollte und sich – und wie sie das jetzt bereute! – durchgesetzt. Was konnte auch in zwei Tagen passieren?
Sie war ja so dumm gewesen…
Wieder schniefte sie leise und lautlos, ehe sie einen Blick durch den kleinen Raum des winzigen Sportflugzeugs wagte, in das Faith sie geschoben hatte. Buffy hatte zu spät bemerkt, dass Faith ihr gar nicht folgte.
Es war ein Trick gewesen. Faith kannte Buffy zu gut und wusste, dass diese niemals einen Riesenaufstand machen und damit den Start der kleinen Maschine verhindern würde. In allerletzter Sekunde hatte Faith ihr einen Prospekt in die Hand gedrückt und gemeint: „Wir sehen uns in acht Wochen! Viel Spaß!“
Völlig paralysiert war Buffy auf ihren Sitz gesunken, hatte keinen klaren Gedanken fassen können und während ihre Hände hysterisch den Prospekt umklammerten, startete das kleine Flugzeug.
Nach dem Start hatte Buffy in den darauf folgenden Stunden mehr damit zu tun gehabt, gegen die Panik zu kämpfen, die sie zu überwältigen drohte, und mit den Tränen, die in ihre Augen drängten.
Dann, irgendwann Stunden später, hatte sie den Prospekt gelesen und kurz vor einer Ohnmacht gestanden.
Das Flugzeug war auf dem Weg zu einer Gegend, die als World of Dreams bezeichnet wurde. Buffy hatte davon weder jemals etwas gehört, noch kannte sie sie. Parker und sie fuhren nie in den Urlaub. Die einzige Stadt, die Buffy außer Sunnydale gesehen hatte, war L.A. und dann war es meist nur, weil sie Parker auf einer geschäftlichen Besprechung begleiten musste.
Es hatte sie absolut nicht gestört, ja sie war froh gewesen, jedes Mal in das schöne große Haus in Sunnydale zurückkehren zu können.
Anhand des Prospekts konnte sie erkennen, dass diese Gegend irgendwo in Arizona lag.
Es wurde mit der idyllischen Landschaft geworben, die von keiner Industrie verseucht war, mit herrlichem warmen Klima, Sonnenschein und himmlischer Ruhe.
Damit hätte sich Buffy ja noch anfreunden können. Aber dann las sie weiter. Diese World of Dreams lag irgendwo im Nirgendwo. Es gab im Umkreis von 100 Kilometern weder eine Stadt, noch ein Dorf, höchstens Viehweiden. Aber selbst das bezweifelte Buffy nach dem weiteren Lesen. Es gab gar nichts. Und es gab schon gar kein Hotel.
Faith hatte für sie einen achtwöchigen Campingurlaub gebucht! Mit ihr völlig unbekannten Leuten!
Es hatte bestimmt eine Stunde gedauert, in der sie einfach blicklos in den Prospekt starrte und weder die Gespräche um sich herum, noch das Geräusch der Antriebsmotoren des Flugzeugs wahrnahm, bis die Erkenntnis in ihren Verstand gesickert war.
Es mussten noch einmal Stunden vergehen, ehe sich die Panikattacken legten und sie anfing, logischer zu denken.
Da sie nur mit einem zweitägigen Wochenende gerechnet hatte, nahm sie an, dass Faith für den Rest ihres Gepäcks gesorgt hatte. So gut kannte sie ihre Freundin. Faith würde auch dafür sorgen, dass ihre Familie und vor allem ihr Mann von ihrem erzwungenen Urlaub erfuhren. Buffy wagte gar nicht darüber nachzudenken, wie Parker reagieren würde. So wie sie Parker kannte, würde er den nächsten Flieger chartern und sie postwendend zurückholen.
Seufzend hob sie endlich den Blick von dem Prospekt und musterte die anderen Passagiere. Viele waren es nicht.
Da war ein Pärchen, das schon seit Stunden damit beschäftigt war, mit den Lippen aneinander zu kleben. Buffy bewunderte deren Ausdauer und sie schienen sich auch nicht darum zu kümmern, dass sich noch andere Passagiere in dem Raum befanden. Neben den beiden saß ein älteres Ehepaar, das sich leise unterhielt und in einem Buch, sicherlich eine Beschreibung ihres Urlaubs, blätterte.
Buffy ließ ihren Blick weiter schweifen. Neben den beiden saß ein junger großer aschblonder Mann, wahrscheinlich in ihrem Alter, der in einem Roman las und bisher noch nicht ein einziges Mal aufgesehen hatte.
Zwei Frauen auf der anderen Seite, eine rothaarig, die andere blond warfen ihm ab und zu einen Blick zu und schienen über ihn zu sprechen, doch er beachtete sie nicht. Neben dem einzelnen Mann, saßen noch zwei andere Männer, Buffy schätzte sie ebenfalls auf Mitte zwanzig, und nahm an, die beiden wollten einfach Abenteuerurlaub machen. Jedenfalls unterhielten sie sich so laut, dass alle anderen Passagiere ihren Gesprächen folgen konnten.
Buffys Blick wanderte weiter zu den beiden letzten Personen der kleinen Gruppe, die in der hintersten Ecke des Fliegers saßen. Die beiden redeten nicht miteinander. Während der Blonde, dessen Haare unmöglich seine Naturfarbe sein konnten, in einem abgewetzten Schmöker las, hob der Dunkelhaarige in genau diesem Moment den Kopf und sein Blick kreuzte sich mit dem Buffys. Ein Lächeln huschte über seine Lippen und Buffys Herz drohte fast auszusetzen. Hastig und mit hochroten Wangen senkte sie ihre Augen wieder in ihren Prospekt.
Zum hundertsten Mal verfluchte sie Faith und fragte sich verzweifelt, wie sie die nächsten acht Wochen überstehen sollte. Sie hatte keine Ahnung von Camping, sie kannte niemanden und sie fühlte sich einfach so unsäglich allein und verlassen.
Und sie fragte sich, wie ihr Faith das antun konnte.
***********
Acht Stunden später landete das kleine Flugzeug auf dem flachen steppenähnlichen Boden irgendwo in der Wildnis.
Buffy stieg hinter den anderen Menschen aus und musterte die Umgebung ängstlich, aber doch mit einer gewissen Neugier.
Der Prospekt hatte nicht gelogen. Es war idyllisch. So weit sie schauen konnte, streckte sich eine grüne Ebene, die ab und zu durch Baumgruppen oder richtige Wäldchen durchbrochen wurde. In der Ferne schimmerten die schneebedeckten Gipfel einer großen Bergkette. Buffy hatte aber keine Ahnung, um welches Gebirge es sich handelte.
Und wie es im Prospekt angekündigt wurde, war es warm. Die Sonne stach von einem wolkenlosen blauen Himmel und schon jetzt schwitzte Buffy in dem T-Shirt und den langen Jeans, die sie trug. Allerdings wäre sie nie auf den Gedanken gekommen, lauthals darüber zu schimpfen, so wie es die blonde junge Frau, die im Flieger ihre Lippen nicht von dem Mann lösen konnte, gerade jetzt tat.
„Mein Gott!“, schimpfte sie genervt. „Diese Hitze! Stand da nicht angenehme Wärme in der Reisebeschreibung?“
Ihr Begleiter lehnte ihr nur den Arm um die Schultern und zog sie an sich. „Reg dich nicht auf, Harm. Das Camp befindet sich im Wald.“
Das Gepäck wurde ausgeladen und ehe Buffy überhaupt zu einer Reaktion fähig war, startete der Motor des Flugzeugs und es rollte über die Ebene davon, um kurz darauf abzuheben. Buffys Blick folgte dem Flugzeug, das am Himmel kleiner wurde, während sich ein Kloß in ihrem Hals bildete und sie am liebsten geweint hätte.
„So. Ich möchte euch jetzt erst einmal alle begrüßen“, sagte plötzlich der junge Mann, der im Gleiter allein gesessen hatte und alle Blicke wandten sich ihm zu.
„Mein Name ist Riley Finn“, erklärte er weiter. „Ich bin Ihr Reiseleiter, Organisator und Berater.“ Er sah auf seine Liste. „Ihre Namen wurden zwar beim Einsteigen schon von meiner Assistentin aufgenommen, aber ich hatte noch keine Gelegenheit, Sie kennen zu lernen. Ehe wir uns zum Zeltlager begeben, denke ich, ist es das Beste, wenn wir uns erst einmal einander vorstellen.“ Er lächelte freundlich in die Runde. „Schließlich haben wir vor, die nächsten acht Wochen miteinander zu verbringen.“
„Pffff.“ Neben Buffy stieß einer der beiden Männer aus der hintersten Ecke so laut die Luft aus, dass sie erschrocken zusammenfuhr und fast zur Seite gesprungen wäre.
Sie riskierte einen Blick zur Seite und bemerkte den blondierten jungen Mann, der diesen Riley mit einem abfälligen Blick und hochgezogener Augenbraue musterte, während sein Freund ihm den Ellenbogen in die Seite stieß und zischte: „Reiß dich zusammen!“
Riley sah ebenfalls hoch und musterte die Beiden mit gerunzelter Stirn. „Gibt es irgendein Problem?“
„Nein, überhaupt nicht“, antwortete der Dunkelhaarige freundlich. „Mein Freund hier ist nicht gerade glücklich über meine Wahl des Urlaubsziels.“
„Aha“, machte Riley und schaute wieder auf seine Liste. „Und du bist…?“
„Liam Angel Baxter“, sagte der Mann schnell. „Und das ist mein Kumpel Spike... ich meine William Blackstone.“
„Spike“, knurrte dieser böse. „Mein Name ist Spike. Ich bin nur hier, weil ich eine Wette verloren habe. Ich werde keine blöden Spielchen mitspielen, irgendwelche Scheißaufgaben lösen oder sonst etwas tun!“
Buffy schluckte nervös. Spielchen? Aufgaben? Wo zum Teufel war sie hingeraten?
„Wir sind hier nicht in einer Spielshow“, erklärte Riley höflich und sah wieder auf seine Liste. „Harmony und Scott Hope?“
Er musste ein zweites Mal fragen, ehe die beiden sich schon wieder mit den Händen untersuchenden Menschen bemerkten, dass es ihre Namen waren, die aufgerufen wurden. Allerdings war es ihnen noch immer nicht peinlich.
Buffy fühlte sich scheußlich fehl am Platz. Sie beobachtete die anderen und erfuhr, dass es sich bei dem älteren Pärchen um Rupert und Jenny Giles handelte, die beiden Frauen nannten sich Willow Rosenberg und Anya Jenkins und die beiden jungen Männer Alexander Harris und Daniel Osbourne. Daniel bestand schon von vorn herein darauf, dass ihn jeder Oz nennen sollte und ihn jeder bitte duzen solle. Woraufhin Alexander sich anschloss und meinte, er wäre Xander.
Riley nickte. „Ich denke, auf das Sie können wir bestimmt alle verzichten.“ Als alle anderen ebenfalls bestätigend nickten, blickte er noch einmal auf seine Liste. „Dann fehlt nur noch Buffy Anne Summers?“
Buffy wurde feuerrot, als sich alle Blicke auf sie richteten und nickte nervös. Es fiel ihr nicht einmal auf, dass Faith sie mit ihrem Mädchennamen angemeldet hatte, weil sie mehr damit zu tun hatte, sich ein ‚In-Luft-auflösen’ zu wünschen.
„Okay“, meinte der Mann jedoch nur und ließ seinen Blick in der Runde schweifen. „Dann nehmen wir mal unser Gepäck und machen uns auf den Weg.“
Buffy war einfach nur zum Weinen zumute. Natürlich tat sie es nicht. Nicht vor all den fremden Menschen hier, doch sie fühlte sich wirklich elend, als sie das Gepäck nach ihren Sachen durchsuchte. Sie entdeckte einen großen schweren Rucksack mit ihrem Namen und seufzte, als sie ihn auf ihren Rücken wuchtete. Die kleine Reisetasche, mit der sie eingestiegen war, nahm sie in die Hand.
Dann folgte sie Riley und betete, dass der Weg nicht zu weit war.
***********
Sie liefen eine halbe Stunde unter der brennenden Sonne und Buffy glaubte schon jetzt zu sterben. Der Rucksack drückte auf ihren Schultern, sie atmete keuchend und verfluchte zum wiederholten Mal Faith.
Dann erreichten sie den beginnenden, nicht allzu dichten Wald und wanderten noch einmal eine Stunde auf einem schmalen Pfad weiter.
Buffy stand langsam aber sicher am Ende ihrer Kräfte. Der ganze Tag, die ganze Situation zehrte an ihren Nerven, die körperliche Anstrengung tat ein Übriges und sie wünschte sich, aus diesem Alptraum aufzuwachen und neben sich die vertraute Gestalt Parkers zu entdecken.
Zum Glück stoppte Riley und deutete auf einen runden Platz, der von Bäumen umgeben war.
„Hier werden wir die Zelte aufbauen.“
Zelte aufbauen?!! Buffy ließ ihren Rucksack fallen und setzte sich einfach darauf, um nach Luft zu schnappen. An der oberen Seite des runden Platzes stand ein festes gemauertes Haus. Sie hatte keine Ahnung, warum es das gab, aber Riley würde es bestimmt gleich erklären.
Neben Buffy stritten sich schon wieder die beiden Männer, die sie nun als Angel und William, nein halt Spike, kannte, aber sie war im Moment zu kaputt, um sich darüber aufzuregen oder Panik zu empfinden.
„Buffy?“, fragte Riley und sie schaute erschrocken hoch. „Ich werde dir gleich beim Zeltaufbau helfen. Wenn ich mich um die anderen gekümmert habe, ja?“
Sie nickte schwach. Sah sie schon so aus, als könne sie kein Zelt aufbauen?
„Wieso macht jemand Campingurlaub, wenn er nicht einmal ein Zelt aufbauen kann?“
Ihr Kopf schoss herum und sie starrte Spike an, der sie skeptisch musterte. Wie üblich brachte sie natürlich keine Antwort zustande.
„Spike!“, fuhr ihn der andere an und lächelte entschuldigend in Buffys Richtung. Das Lächeln beruhigte sie keineswegs, weil sie schon damit, dass sie von zwei fremden Männern angesprochen wurde, völlig überfordert war. „Ignorier ihn“, sagte er nur. „Er hat acht Wochen Zeit, sich einzukriegen.“
Buffy bemerkte erschrocken, dass dieser Spike sein Zelt neben ihrem begann aufzubauen und dabei in Angels Richtung giftete: „Ich werde mich überhaupt nicht einkriegen!“
„Du könntest ihr ja helfen“, schlug Angel diplomatisch vor.
„Ich bin kein verdammter Babysitter!“
Mit wenigen Handgriffen und innerhalb kürzester Zeit nahm Spikes Zelt Gestalt an. Buffy war noch immer nicht fähig, ein Wort zu sprechen und betete, dass Riley wiederkäme. Doch ein Blick zu ihm sagte ihr, dass dieser gerade mit dem verliebten Pärchen diskutierte, das unbedingt einen Platz weit entfernt von den anderen Zelten haben wollte.
„Davon, dass du auf dem Rucksack sitzt, baut sich das Zelt nicht auf“, brummte es schon wieder neben ihr, diesmal jedoch weniger aggressiv.
Buffy zuckte trotzdem so zusammen, dass sie fast von ihrem Rucksack gefallen wäre und sah Spike an wie einen Geist.
„Wenn du schon keine Ahnung davon hast, solltest du dich wenigstens bemühen, es zu lernen“, murmelte er weiter, ohne sie anzusehen und spannte die Leinen seines eigenen Zeltes.
Sie schluckte nervös. „Ich… ich h-habe das wirklich n-noch nie gemacht…“
„Na und?“ Er sah auf und seine blauen Augen kreuzten sich mit ihren angstvoll aufgerissenen Grünen. „Dann wird es Zeit, damit anzufangen.“
Sie würde jetzt nicht weinen! Fast trotzig stand sie auf und beäugte den Rucksack nach etwas, was später mal ein Zelt werden könnte. Am unteren Ende des Rucksackes war etwas Derartiges befestigt und da sie die metallen Stäbe in dem Stoff fühlte, die sie auch in den Händen Spikes gesehen hatte, nahm sie an, dass sie richtig lag.
Zögernd schnallte sie den Teil des Rucksackes ab und öffnete ihn. Und verlor wieder ihren gesamten Mut, als sie die vielen einzelnen Teile entdeckte.
Ehe jedoch der blondierte Mann wieder eine spöttische Bemerkung loslassen konnte, erschien Riley an ihrer Seite.
„So, Buffy, dann werde ich mal dein Zelt aufbauen, okay?“ Ohne ihre Antwort abzuwarten, begann er mit wenigen Handgriffen, die einzelnen Teile zusammen zu bauen.
Buffy stand etwas verloren neben ihm und wusste nicht, warum sie eigentlich Enttäuschung fühlte. Dann hob sie den Kopf und begegnete Spikes Blick, der ironisch die Lippen verzog.
Und sie ahnte plötzlich, dass er sie hätte das Zelt selbst aufbauen lassen. Und ihr gesagt hätte wie.
Später am Abend hatten sie es sich an einem großen Lagerfeuer bequem gemacht. Buffy saß ebenfalls neben den anderen, aber sie schaffte es kaum, den Gesprächen zu folgen.
Angst vor den nächsten acht Wochen wühlte in ihrem Magen, drohte ihr Hirn mit Panik zu überschwemmen und ihre Selbstbeherrschung, die sie in all den vergangenen Jahren aufgebaut hatte, verhinderte, dass sie einfach anfing zu weinen. Trotzdem war ihr fürchterlich schlecht und sie konnte nicht verhindern, dass sie sich elend fühlte, da sie keine Ahnung hatte, wie sie die nächsten Tage, geschweige denn Wochen, überstehen sollte.
Währenddessen erklärte Riley, dass es sich bei der Steinbaracke um ein gekühltes Vorratshaus handelte. Essen, Getränke, Obst, aber auch die Notfallausrüstung für die medizinische Versorgung in einem Ernstfall befanden sich in dem Gebäude. Da sie sich jedoch in einer mit Tieren und Pflanzen reichlich versorgten Gegend befanden, erzählte Riley weiter, mochten es manche Urlauber, sich selbst mit frischem Fleisch oder anderen Früchten, die die Natur bot, zu versorgen.
„Hat irgendjemand von euch Erfahrungen in der Jagd?“, fragte der junge Mann und sah sich um.
Angel hob die Hand. „Ich. Und Spike auch.“
Buffy bemerkte erst jetzt, dass der blonde Mann fehlte. Auch das verliebte Pärchen saß nicht mit am Feuer, aber das schien niemanden zu stören, da die beiden den Urlaub ganz sicherlich nicht gebucht hatten, um die schöne Natur zu genießen. Die anderen schüttelten die Köpfe, Anya und Willow sogar mit einem recht angewiderten Gesichtsausdruck, während Giles meinte, erlegte Tiere könne er zubereiten.
Buffys Gedanken schweiften wieder ab.
Nachdem sie ihre Tasche ausgepackt und einen Brief von Faith gefunden hatte, in dem stand, dass sie Parker auf keinen Fall verraten würde, wo Buffy war, sie sich also den Gedanken, dass er sie sofort zurückholen würde, schenken könne, war ihre Verzweiflung auf dem Tiefpunkt angekommen. Denn dies bedeutete, dass sie wirklich acht Wochen hier fest saß.
„Gleich hinter den Bäumen hier“, sprach Riley weiter und deutete auf die gegenüber liegende Seite des Lagers, „befindet sich ein See, der zum Baden geeignet ist. Trinkwasser haben wir in einem Extrareservoir. Ich möchte nicht, dass ihr das Wasser des Sees trinkt.“
Es knackte im Unterholz und diesmal fuhr nicht nur Buffy zusammen. Doch es war nur Spike, der aus dem Wald heraus trat und das gemütliche Beisammensein mit gerunzelter Stirn musterte.
„Hast du dich ein wenig umgesehen, Spike?“, erkundigte sich Riley freundlich.
„Ja“, knurrte dieser nur und ging zu seinem Zelt.
„Spike, ich habe gehört, dass du über Jagderfahrung verfügst“, rief ihm Riley hinterher.
„Und?“ Spike drehte den Kopf und schaute Riley misstrauisch an.
„Wir haben gerade darüber gesprochen, dass diese Gegend sich für die Beschaffung von Frischfleisch geradezu anbietet.“
Spike lachte auf. „Sicher“, murmelte er spöttisch. „Zufällig habe ich auch einen Blick in das Haus dort geworfen“, fuhr er mit einer kurzen Kopfbewegung in Richtung der Steinbaracke fort. „Wir werden keinen Hunger leiden müssen.“
„Natürlich nicht“, meinte Riley pikiert. „Aber es wäre ein netter Zeitvertreib und sicherlich würden einige der Männer sich hier freuen, wenn du sie…“
Er kam nicht dazu, den Satz zu vollenden, denn Spike war so schnell wieder am Feuer, dass Buffy erschrocken aufschrie, als er plötzlich neben ihr auftauchte.
„Ich sage es ungern noch einmal.“ Seine Stimme klang so gefährlich ruhig und eisig, dass Buffy ein Schauer über den Rücken kroch. „Erstens: Ich bin kein Babysitter. Zweitens: Wir haben genug Fleisch. Drittens: Da drinnen befinden sich keine Gewehre, sondern Armbrüste. Wenn du das Bedürfnis hast, Cowboy und Indianer zu spielen, dann tu es! Aber ohne mich!“
Buffy wagte nicht, sich zu rühren, obwohl er nicht sie anschrie. Sie schielte nur kurz in seine Richtung und es beruhigte sie keineswegs, als sie das zornige Funkeln in den blauen Augen bemerkte.
Riley nickte beruhigend. „Ich wollte dir nicht zu nah treten, Spike. Ich dachte nur…“
„Hör auf, mich in dein Denken einzubeziehen!“ Mit einer geschmeidigen Bewegung erhob er sich und verschwand in der Dunkelheit in Richtung seines Zeltes.
„Er ist unhöflich“, murmelte die rothaarige Willow leise. „Aber eigentlich mag ich den Gedanken an tote Tiere überhaupt nicht…“
Buffy hatte sogar regelrecht Angst vor ihm, sagte es aber natürlich nicht.
Plötzlich redeten alle durcheinander und Angel schaute sehr bedrückt, weil sie alle über seinen Freund schimpften.
„Ruhe jetzt“, unterbrach Riley die Diskussion. „Es hat keinen Sinn, sich zu streiten. Wir werden Spikes Meinung akzeptieren. Schließlich können wir niemanden zu etwas zwingen. Angel, wie sieht es mit dir aus?“
„Meinetwegen“, brummte dieser. „Aber Spike hat Recht. Ich kann mit einem Gewehr und auch mit einem Revolver umgehen. Aber Armbrüste? Wer ist denn für den Unsinn verantwortlich?“
Riley lächelte. „Wir sind nicht auf frisches Fleisch angewiesen. Es geht einfach darum, etwas Unterhaltung zu haben.“
************
Der nächste Tag verging wie im Flug. Buffy kam gar nicht dazu, sich in panische Gedanken hinein zu steigern, weil sie gleich am Morgen mit der Tagesplanung überrascht wurde, die sie einschloss.
Willow und Anya wollten sich ein wenig umsehen, nach ein paar Beeren suchen und ließen Buffy nicht einmal die Wahl, abzulehnen. Die beiden Frauen begeisterten sich derart an dem „Abenteuer“, sich das Essen selbst zu beschaffen, dass selbst Buffy schmunzeln musste.
Willow und Anya hatten sich ausreichend informiert und kannten jede Menge essbare Beeren und Früchte. Buffy kam sich zwar vor wie in einem schlechten Film, aber da sie sowieso nicht wusste, was sie sonst den ganzen Tag tun sollte, schlenderte sie hinter den beiden schwatzenden Frauen her und versuchte sich zu merken, welche der Früchte essbar waren.
Die Beiden schienen recht nett zu sein. Vor allem das warmherzige Lächeln der rothaarigen Willow gefiel Buffy sehr gut. Manchmal allerdings musste sie schlucken, wenn Anya etwas sagte, was Buffy nicht einmal gedacht hätte, aber weder Anya noch Willow gingen darauf ein, wenn Buffys Wangen sich wieder einmal röteten. In solchen Situationen wünschte sie sich plötzlich, genau so ungezwungen schwatzen zu können wie die beiden.
Immer wieder versuchten sie, Buffy in ihr Gespräch einzubeziehen, stellten Fragen, lachten gemeinsam oder schwatzten einfach über belanglose Dinge. Als die beiden dann allerdings anfingen, die Männer im Camp zu beurteilen, holte die Schüchternheit Buffy erneut ein und sie lauschte nur den kichernden Aussagen der zwei Frauen.
„Ich finde Oz süß“, kam es von Willow.
Anya schüttelte den Kopf. „Xander ist heiß.“
Buffy musste sich ein Grinsen verkneifen, als Willow leise lachte und meinte. „Spike sieht auch heiß aus, aber ich mag ihn nicht.“
Doch dann kam: „Ich wette, Xander könnte mir ein paar Wahnsinnsorgasmen verschaffen.“
Und Buffy wurde – wieder einmal - feuerrot.
Trotzdem hatte ihr der Tag gefallen und beim Abendessen lachte sie mit den anderen, als sie sich erzählten, wie deren erster Tag verlaufen war und welche Missgeschicke ihnen passiert waren.
Xander und Oz waren gemeinsam mit Angel unterwegs gewesen und wie dieser vorausgesagt hatte, schafften sie es nicht, ein einziges Tier zu erlegen. Einerseits brachten es die beiden jungen Männer einfach nicht fertig, sich leise zu bewegen und andererseits lachten sie bei dem Versuch, die Armbrust zu benutzen so laut, dass sie jedes Tier verscheuchten. Dazu kam, dass sie beim üben nicht einmal einen dicken Baum trafen, von einem sich bewegenden Tier einmal ganz abgesehen.
Giles und seine Frau hatten nach Kräutern gesucht und eigentlich hatten sie jetzt alles: Gemüse, Kräuter … nur kein Fleisch. Und deshalb wurde die große Tiefkühltruhe in der Steinbaracke – das einzige Gerät, das an die Zivilisation erinnerte – geplündert.
Es schmeckte sehr gut, auch wenn das Fleisch aus dem Kühlhaus kam. Buffy war sogar recht froh darüber, denn sie wollte genau wie Willow gar kein totes Tier sehen.
Nach dem Essen ging sie ein Stück zum See, einfach weil sie allein sein wollte. Es war für sie ungewohnt, den ganzen Tag von all den fremden Menschen umgeben zu sein und zu reden.
Aber sie hatte geredet. Nicht viel und sicherlich jede Menge zusammen gestottertes Zeug, aber niemand hatte sich über sie lustig gemacht. Niemand hatte sie mit einem genervten Blick bedacht und niemand verlor eine spöttische Bemerkung über ihre Gesichtsfarbe.
Buffy hatte sich nie danach gedrängt, viele Menschen um sich zu haben. Sie kam sehr gut allein zurecht, da sie sehr viel las und neben dem Halbtagsjob in der Firma ihres Vaters ein großes Haus mit einem riesigen Garten zu versorgen hatte. Obwohl sie bei all diesen Tätigkeiten meist allein war, hatte sie nie etwas vermisst. Ja, sie war sogar nach solchen erzwungenen Veranstaltungen, zu denen sie Parker begleiten musste, regelrecht in die Einsamkeit ihres Hauses geflüchtet. Schon allein, weil sie Parker mit ihrem Verhalten immer wieder blamierte und er ihr irgendwann zuzischte, sie solle jetzt einfach den Mund halten und lächeln.
Heute hatte das niemand gesagt.
Trotzdem genoss sie jetzt die Ruhe, die sie nach all dem Trubel des Tages umgab, redete sich selbst ein, dass es jetzt schon ein Tag weniger war, den sie hier verbringen musste und setzte sich ans Ufer des Sees.
Es verging eine ganze Weile, bis sie Schritte hörte und sich jemand neben sie setzte.
Ein Blick zur Seite sagte ihr, dass es Riley war. Sie sagte nichts, nahm jedoch an, dass der junge Mann einen guten Grund haben würde und wartete.
„Ich weiß, warum du hier bist, Buffy“, begann er langsam. „Ich kenne Faith, auch wenn ich ihre Methode nicht gutheiße.“
Buffy fühlte erneut Nervosität in sich aufsteigen. „Ja?“, fragte sie zögernd.
„Ich werde dir helfen“, bot er ihr freundlich an. „Und acht Wochen sind keine Ewigkeit. Es dürfte kein Problem sein, sie zu überstehen.“
„Nein?“, murmelte sie kläglich. „Ich bin mir nicht so sicher.“
Er lächelte leicht. „Du siehst etwas verloren aus“, gab er dann zu. „Du gehörst nicht hierher, sie hätte das nie gegen deinen Willen tun dürfen. Aber da du nun einmal hier bist, werde ich versuchen, es dir so einfach wie möglich zu machen, okay?“
Buffy war sich nicht sicher, ob das okay war. „Ich weiß nicht…“
„Ich werde aufpassen, dass niemand zuviel von dir verlangt, Buffy. Faith ist eine sehr selbstsüchtige Person, es war unverschämt, über deinen Kopf hinweg, eine derartige Entscheidung zu fällen.“ Er verschwieg natürlich, welche Anzüglichkeiten Faith ihm für den Fall angedroht hatte, er würde Buffy in L.A. wieder aus dem Flieger schicken. „Ich hoffe für dich, es war dir eine Lehre und du brichst den Kontakt zu dieser Frau sofort ab, wenn du wieder zu Hause bist.“
Seine Stimme hatte einen belehrenden Unterton angenommen und irgendetwas in Buffys Inneren reagierte darauf mit einem unguten Gefühl in der Magengegend.
„Sie hat es gut gemeint“, erwiderte sie schwach.
„Gut!?“, fuhr Riley auf. „Schau dich doch an. Du hast jetzt schon nur Angst und bist gerade einen Tag hier. Es war unverantwortlich von ihr, dich allein einer Situation auszusetzen, die du nicht unter Kontrolle hast.“ Er schüttelte unwillig den Kopf und stand auf. „Komm mit zum Camp zurück.“
„Ich… ich würde gern noch ein bisschen hier bleiben…“, wagte sie zu sagen und staunte über sich selbst.
„Wie du willst“, murmelte Riley, doch Buffys Sensibilität war genügend geschult, um die leichte Verstimmung in seinen Worten zu hören. „Jedenfalls möchte ich, dass du weißt, dass du nur etwas zu sagen brauchst, wenn du Hilfe benötigst, ja?“, setzte er noch hinzu, diesmal wieder bemüht, sehr freundlich zu klingen, ehe er sich umdrehte und zum Lager zurückging.
Sie nickte schwach und fühlte sich trotz des recht gut verlaufenen Tages plötzlich wieder elend. Hat er Recht? Bin ich wirklich solch eine Jammergestalt?
Ihr Kopf sank auf ihre Arme, die auf den angezogenen Knien lagen und sie wünschte sich in ihr eigenes Bett, in ihr Haus und Parker, der ihr sagte, was richtig war.
*************
Es waren zwei blaue Augen, die sie beobachteten und die dann mit einem zornigen Funkeln Riley folgten, als dieser zum Camp zurückging.
Spike wollte ins Wasser, als er die schüchterne Buffy bemerkt hatte und stehen geblieben war.
Er war erst gegen Ende des Abendessens aufgetaucht, als Buffy die Gruppe schon verlassen hatte, aß nur schnell etwas und lauschte dem belanglosen Geschwätz der anderen.
Angel schien sich blendend mit allen zu verstehen und Spike ging seufzend durch den Kopf, dass es eigentlich ungerecht war. Schließlich war es Angels Schuld, dass sie sich jetzt acht Wochen hier herum quälen mussten und gerechterweise müsste sich Angel zu Tode langweilen.
Spike hatte den Mund gehalten und sich keine böse Bemerkung entschlüpfen lassen, als er beobachtete, wie köstlich sich Angel mit den anderen amüsierte. Er war sein Freund und egal, wie viel Wut jetzt in ihm kochte, er würde die acht Wochen durchstehen und danach würde er Angel mit seinen Fäusten Verstand einbläuen, wenn er es noch einmal drauf anlegte, sich selbst in solch eine Scheiße hinein zu reiten. Er konnte nur hoffen, dass acht Wochen reichten, um einige Leute vergessen zu lassen…
Spike zögerte zwischen den Bäumen, weil er wusste, Buffy würde ihn erschrocken und entsetzt anstarren, wenn er plötzlich neben ihr auftauchte. Dann bemerkte er Riley, der zu ihr ging und er stand nah genug hinter den beiden, sodass er problemlos jedes Wort verstand.
Sie war also nicht freiwillig hier. Das würde zumindest ihre Angst und Unsicherheit erklären. Aber wieso redete ihr dieser Idiot noch mehr ein?
Dann gab er sich einen Ruck und trat aus dem Wald hinaus. Es fiel ihm nicht schwer, so viel Lärm zu machen, dass sie ihn hörte, aber es versetzte ihm einen kurzen Stich, als er sie zusammenzucken sah. Zum Glück sprang sie nicht gleich auf und stürzte davon.
Buffys Kopf fuhr hoch, als er neben ihr stehen blieb und ihr Herz setzte fast aus, als sie erkannte, wer es war.
„Hallo“, sagte er leise, ohne sie anzusehen und starrte auf das Wasser.
„Ha-Hallo“, stotterte sie nervös.
Spike war noch nie dafür bekannt gewesen, besonders feinfühlig zu sein. Meistens platzte er mit dem, was er dachte, sofort heraus und manchmal kam das bei seinem Gegenüber gar nicht gut an. Doch hier, in diesem Augenblick, stieg etwas in ihm hoch, von dem er nicht einmal wusste, dass er es besaß. Es war, als könnte er ihre Nervosität körperlich spüren und es entsetzte ihn. Frauen sollten in seiner Gegenwart eine Menge empfinden, aber niemals Nervosität oder gar Angst.
Was musste sie erlebt haben, um zu einem solchen Menschen zu werden? Er konnte mit Ironie, Sarkasmus und Spott umgehen. Er konnte reagieren, wenn ihn eine Frau hemmungslos anmachte – etwas, was er hasste, denn es passierte viel zu oft. Er hatte auch kein Problem damit, jemanden seine Meinung ins Gesicht zu schleudern.
Aber hier und jetzt wusste er einfach nicht, was er tun sollte. Sie rührte etwas in ihm – vielleicht eine Art Beschützerinstinkt, ging es ihm ironisch durch den Kopf – und er wollte sie plötzlich auf gar keinen Fall verschrecken.
„Ich habe das Gespräch gehört“, sagte er leise und vorsichtig.
„W-Was?“, brachte sie heraus und wurde feuerrot. Zum Glück war es dunkel, und trotzdem, als er den Kopf drehte und lächelte, wünschte sie sich, der Erdboden möge sich auftun und sie verschlingen.
„Ich denke, er hat unrecht“, fuhr Spike fort. „Wenn deine Freundin möchte, dass du das hier durchstehst, ist es der grundverkehrte Weg, dich zu schonen.“
Er hat das Gespräch belauscht?! Buffy fühlte sich, als würde sie gleich sterben. Sie brachte kein Wort hervor.
„Ich denke sogar, deine Freundin hat Recht“, fuhr er fort und schaute gedankenverloren wieder über das Wasser. „Ein klein bisschen mehr Selbstvertrauen würde dir gut tun, Luv.“
Ihr Herz setzte fast aus, als er Luv sagte und es so sanft wie ein Kosewort klang. Parker verwendete nie Kosewörter, schließlich hatte sie einen Namen.
Er sah sie wieder an und ein jugendliches Grinsen umspielte seine Mundwinkel. Buffy konnte ihn eine Weile einfach nur anstarren. Obwohl es dunkel war und nur das sich im Wasser spiegelnde Mondlicht sein Gesicht erhellte, konnte sie sehen, dass dieses Grinsen sein ganzes Gesicht veränderte. Die durch die hohen Wangenknochen betonten harten Gesichtszüge wurden weicher, durch seine Lippen blitzten die weißen Zähne und ein leises Funkeln war in seine Augen getreten. Selbst die grell blondierten Locken, die jetzt nicht mehr so streng nach hinten gegelt waren, sondern ein wenig verwuselt auf seinem Kopf herum standen, erschienen ihr jetzt nicht mehr so ungewöhnlich.
Buffy hatte andere Männer nie bewusst angesehen. Aber jetzt und hier, als sie ihn so im Mondlicht stehen sah, musste sie Willow recht geben. Sie dachte nicht heiß, nein, das entsprach nicht ihrem Naturell, aber ihr ging durch den Kopf, dass er vielleicht doch nicht so unsympathisch war, wie sie erst vermutet hatte.
Ihr Mund wurde so trocken, dass sie schlucken musste, ehe sie hervor brachte: „Ich… wollte nie hierher.“
„Jetzt bist du es aber“, sagte Spike einfach. Dann schaute er wieder auf das Wasser. „Ich hatte vor zu baden. Was dagegen?“
Buffy war schneller auf den Beinen, als er denken konnte. „I-ich b-bin w-weg“, stotterte sie hysterisch und stürzte zurück zum Camp.
*************
Eine Woche verging, in der sie nicht begann, sich wohler zu fühlen. Riley schien ihr auf Schritt und Tritt zu folgen und versuchte, ihr alles abzunehmen, was sie vielleicht von ihren Gedanken abgelenkt hätte. Buffy erwischte sich sogar einmal dabei, dass sie ihn in Gedanken mit Parker verglich, der sicherlich ähnlich gehandelt hätte.
Harmony und Scott verließen ihr Zelt so gut wie nie und es wurde langsam peinlich, nur in die Nähe zu kommen und die eindeutigen Geräusche zu hören.
Anya und Willow schienen sich wunderbar mit Xander und Oz zu verstehen.
Buffy fand das ältere Ehepaar recht nett und saß abends manchmal mit ihnen am Feuer, während sie über einzelne Dinge des Tages schwatzten. Die beiden waren seit 25 Jahren verheiratet und hatten sich für jedes Jahr im Urlaub eine kleine Verrücktheit vorgenommen. Dieses Jahr war es das Camp.
Wenn Riley ihr nicht folgte, unterhielt er sich mit Angel, der im Gegensatz zu seinem Freund, die Gespräche mit den anderen Menschen mochte. Jedenfalls kam es Buffy so vor.
Von Spike sah sie nicht viel. Er verschwand meist den ganzen Tag und niemand wusste, was er anstellte. Riley hatte es aufgegeben, ihn danach zu fragen. Manchmal saß er auch mit am Feuer, beteiligte sich jedoch selten, nur wenn er direkt angesprochen wurde, an den Gesprächen.
Buffy fand das nicht unsympathisch. Obwohl sie nicht annahm, dass Spike aus Schüchternheit schwieg, sondern eher, weil er nichts Wichtiges zu sagen hatte oder weil ihn die Gesprächsthemen anödeten.
Ihr war sogar die Gesellschaft des geschwätzigen Angels unangenehmer als die des schweigsamen Spikes. Neben Spike konnte man sitzen, seinen eigenen Gedanken nachhängen, ohne dass das Schweigen peinlich wurde.
Nicht, dass sie sich mit Spike unterhalten hätte… nein, aber sie beobachtete, dass die anderen ihm aus dem Weg gingen, oder besser, es vermieden, mit ihm allein zu sein.
Da Buffy sich selbst auch wenig an den Gesprächen beteiligte, hatte sie sehr viel Zeit, ihre Umgebung zu analysieren. Das hatte sie schon immer getan, als Kind und dann in Parkers Begleitung sowieso, da meist dieser das Gespräch führte.
Manchmal kam es ihr vor, als würde Spike das gleiche tun. Selbst wenn er unbeteiligt wirkte, bemerkte sie ab und zu seinen prüfenden Blick, der die Runde machte, diese oder jene Person taxierte und sah das leise spöttische Verziehen seiner Lippen.
Sie fragte sich manchmal, was ihm durch den Kopf ging und dann erschreckte es sie wieder, dass sie so viel über ihn nachdachte.
Dabei schien Spike sie gar nicht zu bemerken. Im Gegensatz zu den anderen sprach er sie auch nicht immer wieder an, sie hörte höchstens mal ein: „Gut geschlafen?“ wenn er zufällig zur gleichen Zeit wie sie aus dem Zelt kroch.
Aber ab und zu traf sein Blick auch sie und dann huschte eins dieser seltenen Lächeln über sein Gesicht, das sicherlich noch keiner der anderen Menschen im Camp gesehen hatte.
Jede andere Frau wäre vielleicht dahin geschmolzen, hätte sich auf dieses Lächeln etwas eingebildet, hätte es als Angebot verstanden… Buffy nicht. Ihr kam nicht ein einziger solcher Gedanke. Sie hatte andere Männer nie mit zweideutigen Blicken betrachtet.
Sie mochte sehr schüchtern und gehemmt sein, aber sie war auch unwahrscheinlich feinfühlig. Und völlig unbewusst registrierte sie in Spikes Lächeln das, was es auch ausdrücken sollte:
Ich bin stolz, dass du durchhältst, Luv.
Teil 3
Es war ein paar Tage später, als Buffy wieder einmal einen ihrer einsamen
Spaziergänge unternahm, um für ein paar Momente die Ruhe der unberührten Natur
zu genießen.
So nett sie die Versuche der anderen Menschen, sie in alle Gespräche
einzubeziehen und sie den ganzen Tag zu beschäftigen, auch fand, manchmal wurde
es einfach zu viel. Vor allem Rileys Bemühungen, sie mit nichts zu belasten,
gingen ihr langsam aber sicher auf die Nerven. Während alle anderen einfach
freundlich und nett sein wollten, behandelte Riley sie wie ein Kind, das zu dumm
war, etwas selbständig zu tun.
Vielleicht wäre ihr das vor sieben Tagen noch gar nicht aufgefallen, aber jetzt,
nachdem sie sich diese Tage schon allein durchgekämpft – für ihre Verhältnisse
war es wirklich ein Kampf – hatte, registrierte sie es mit aller Deutlichkeit.
Sie schlenderte ein wenig durch den Wald, schloss die Augen, lauschte den
Geräuschen und roch den Duft der unberührten Natur. Sie war in die
entgegengesetzte Richtung vom See gegangen, ohne einen bestimmten Grund.
Der See war auch noch so eine Sache, die Buffy nervös machte. Sie badete
tierisch gern, doch der Gedanke, dass jederzeit jemand aus den Bäumen hervor
treten konnte, verursachte Panik in ihr.
Das einzige Badeutensil, das sie in ihrem Rucksack gefunden hatte, war ein von
Faith ausgesuchter Bikini, der so knapp war, dass ihn Buffy niemals eines
Blickes gewürdigt hätte.
Außerdem bevorzugte sie sowieso Badeanzüge, besser gesagt, Parker bevorzugte
sie…
Jedenfalls hatte es Buffy noch nicht gewagt, komplett in den See zu tauchen,
sondern suchte sich immer eine weit entfernte Ecke und wusch sich hektisch mit
Waschlappen und Seife. Und sie hasste diesen Stress!
Sie war eine ganze Weile gelaufen, ehe sie wieder auf ihre Umgebung achtete und
erschrocken feststellte, dass alles um sie herum gleich aussah. Orientierungslos
blickte sie sich um und ihr Herz fing schon wieder an zu rasen.
Es gibt hier keine Gefahr, versuchte sie sich einzureden und drehte zögernd um.
Wieso habe ich nicht aufgepasst? Gibt es wirklich keine Gefahr?
Alles sah so gleich aus und sie wanderte noch einmal eine geschlagene Stunde
drauflos, ohne dass sie bemerkte, ob sie dem Camp näher kam oder sich weiter
entfernte.
„Scheiße, scheiße, scheiße“, murmelte sie, fuhr sich nervös durch die Haare und
blieb stehen. Das musste ja mir passieren. Wem sonst? Ich bin der größte Trottel
der Nation und zu dumm, mir einen einfachen Weg zu merken.
Diesmal standen ihr die Tränen schon in den Augen, als es hinter ihr knackte und
sie mit einem erschrockenen Aufschrei zur Seite hopste. Es hätte ein Raubtier
sein können. Garantiert gab es hier Bären… oder Wölfe…
Aber es war nur Spike – nicht dass das Buffy beruhigt hätte -, der sie mit einem
amüsierten und teilweise belustigten Blick anschaute. Buffy wusste wirklich
nicht, ob sie erleichtert sein sollte oder nicht.
„Was machst du hier draußen, Luv?“, fragte er nur.
Buffys Herz hämmerte noch lauter und sie fühlte, wie ihr der Schweiß ausbrach.
„Spazieren… gehen…“, schaffte sie zu sagen. Sie kam nicht einmal auf den
Gedanken, ihn das gleiche zu fragen, sondern wich zurück, als er näher kam.
Spike runzelte die Stirn. „Hast du dich verlaufen?“
„Nein!“, kreischte sie auf.
Spike sah sie plötzlich nicht mehr an, sondern auf einen Punkt hinter ihrer
Schulter. Zögernd drehte Buffy den Kopf und ihre Augen wurden groß.
Dort stand das schönste Tier, das sie je in ihrem Leben gesehen hatte. Nun gut,
es waren nicht viele Tiere, sie war nie in einem Zoo und die Auswahl beschränkte
sich auf ein paar Hunde und Katzen und vielleicht im Fernsehen mal ein Pferd
oder eine Kuh, aber dieses Tier war einfach nur wunderschön.
Es war ein Hirsch oder irgendetwas dieser Art, edel gebaut mit zierlichen
schlanken Beinen, einem schlanken Körper, der in einem feinen Hals und einem
hübschen Kopf endete. Ein großes Geweih zierte die Stirn mit den großen Augen
und Buffy hielt unwillkürlich die Luft an. Das Fell des Tieres schimmerte in
einem herrlichen Rotbraun und sie sah die Muskeln unter der Haut spielen.
„Ein Weißwedelhirsch“, hauchte Spike hinter ihr und Buffy zuckte schon wieder
erschrocken zusammen.
Wieso war er plötzlich hinter ihr? Sie hatte ihn gar nicht näher kommen hören!
Doch er beachtete sie gar nicht, sondern nahm langsam die Armbrust von der
Schulter. Entgegen seiner anfänglichen Abneigung gegen die Waffe, schien er sie
trotzdem mit sich herum zu tragen.
„Was genau hast du vor?“, zischte Buffy und er drehte verwundert den Kopf, weil
sie wahrscheinlich zum ersten Mal einen vollständigen Satz gesagt hatte.
„Wir wollten doch auch mal Frischfleisch essen“, erklärte er und es überraschte
ihn noch mehr, dass ihre großen grünen Augen mit einem Mal zornig aufglühten.
Plötzlich fand er es sehr interessant zu beobachten, wie sie die langen blonden
Haare in einer sicherlich unbewussten Geste zurückwarf und herausfordernd das
Kinn nach vorn streckte. In diesem Augenblick erinnerte ihn nichts mehr an die
schüchterne junge Frau, die kaum ein Wort hervor brachte.
„Bist du komplett übergeschnappt!“, fuhr sie auf und schlug die Armbrust zur
Seite. Sie machte so laut, dass der Hirsch hochfuhr und im nächsten Moment mit
wenigen Galoppsprüngen im Unterholz verschwunden war. „Du kannst so ein
wunderschönes Tier nicht…“ Sie verstummte und schlug sich die Hand vor den Mund.
Scheiße! Sie hatte seine Beute verjagt und der Teufel wusste, wie er darauf
reagierte.
„Oh Gott!“ Buffy sprang panisch zurück und sah sich nach einer Waffe um. „Hör
zu, d-du … ich w-wollte das nicht. Komm mir nicht zu nah!“
Spike hatte sich überhaupt nicht gerührt, sondern schaute sie einfach nur an. Er
war nicht einmal ärgerlich, denn schließlich waren sie auf Frischfleisch nicht
angewiesen. Röte kroch wieder in ihre Wangen und Spike, der äußert selten Frauen
begegnete, die noch rot werden konnten, begeisterte sich an ihrer Reaktion. Sie
ahnte sicherlich nicht einmal, welche Wirkung sie auf Männer hatte.
„Ich gehe jetzt!“, stieß die hysterische Buffy hervor und stürzte noch immer
rückwärts. „Komm ja nicht auf die Idee, mir zu folgen!“
Sie konnte tatsächlich in ganzen Sätzen sprechen. Spike legte den Kopf schief
und grinste. „Zum Camp geht es in die andere Richtung“, erklärte er amüsiert.
„Ich weiß das!“, kreischte sie und stürzte an ihm vorbei.
Er folgte ihr langsam. Schließlich war er sich hundertprozentig sicher, dass sie
keinen blassen Schimmer hatte, wo sie sich befand.
Buffy Herz beruhigte sich erst wieder, als sie das Camp erreichte.
Wahrscheinlich war sie kreidebleich, denn Riley kam auf sie zu gerannt.
„Buffy! Wo warst du? Wir haben uns schon Sorgen gemacht!“, rief er besorgt.
Sie hatte mehr damit zu tun, ihren Atem zu beruhigen, als dass sie fähig gewesen
wäre zu antworten. Allerdings wäre sie wirklich fast in Ohnmacht gefallen, als
Spike hinter ihr auftauchte. Sie hatte weder gehört, noch bemerkt, dass er ihr
gefolgt war.
„Sie hat einen kleinen Spaziergang gemacht“, meinte dieser gleichgültig. „Das
ist doch ihr gutes Recht, oder?“
Riley sah irritiert von Buffy zu dem blonden Mann. „Hast du dich verlaufen,
Buffy?“
„Also, ich… nein, ich meine… ja…“
„Du solltest nicht allein da draußen herum laufen“, schimpfte Riley. „Wir wissen
gar nicht, wo wir dich suchen sollen, wenn du verloren gehst.“
„Warum sperrst du sie nicht in einen Käfig?“, erkundigte sich Spike sarkastisch
und ging an ihnen vorbei.
„Also, ich glaube, ich mag ihn nicht“, murmelte Riley und zog Buffy mit sich.
„Komm, das Abendessen ist fertig.“
************
Nach dem Abendessen schnappte Buffy ihre Waschsachen und ging zum See.
Allerdings sank ihr Herz schon wieder in ihre Hosentasche, als sie den
speziellen Mann, den sie heute auf keinen Fall mehr sehen wollte, im Wasser
bemerkte.
Da er sie schon gesehen hatte, seufzte sie leise, und wanderte den schmalen Pfad
um den See herum. Wahrscheinlich würde sie nie zu einem Bad kommen.
„Was gefällt dir an dieser Stelle nicht?“, rief er aus dem Wasser.
Buffy ignorierte ihn. Was sollte sie auch sagen? Aber er folgte ihr im Wasser
und Buffy blieb stehen, weil sie wusste, dass der See nicht groß war und er ihn
leicht schwimmend durchqueren konnte.
„Du bist wirklich fürchterlich feige, Luv.“
Da war es wieder, dieses Luv… Diesmal jedoch fühlte Buffy so etwas wie Zorn. Er
hatte kein Recht, sie zu beleidigen. Niemand hatte das. Sie hatte sich dieses
Abenteuer nicht ausgesucht, sondern versuchte, das Beste daraus zu machen. Es
reichte, wenn Riley sie merken ließ, dass sie eigentlich völlig fehl am Platz
war.
„Ich möchte allein sein!“, sagte sie laut. „Würdest du bitte wieder zurück
schwimmen?“
„Warum?“ stänkerte er. „Weil du Angst hast, ins Wasser zu kommen, wenn ich drin
bin?“
„Ich habe keine Angst.“ Ihr Herz schlug bis zum Hals, aber das musste sie ihm ja
nicht sagen. Und sie würde sich in diesem skandalösen Bikini keinem Menschen
zeigen, und ihm schon gleich gar nicht.
„Komm rein, Feigling. Das Wasser ist herrlich.“
Sie bezweifelte plötzlich, dass er gehen würde. Am liebsten hätte sie schon
wieder einmal geweint. Warum tat er das? Trotzig setzte sie sich ans Ufer und
starrte auf das Wasser. Vielleicht hatte er weniger Geduld als sie?
Dass das eine dumme Idee war, wurde ihr nach zehn Minuten klar, als er aus dem
Wasser kam. Direkt auf sie zu. Buffy sprang auf, schnappte ihre Sachen und
rannte davon. Ihr war vollkommen klar, dass es wie eine Flucht aussah, aber es
war ihr egal.
Allerdings hatte sie überhaupt nicht darüber nachgedacht, dass er genau so
rennen konnte. Und sie hatte überhaupt nicht damit gerechnet, dass er ihr folgen
könnte.
Spike schnitt ihr einfach den Weg ab und Buffy stolperte, als sie bremste, um zu
verhindern, dass sie gegen ihn stieß.
„Was soll das?!“, schrie sie jetzt wirklich und wünschte sich weit weit weg von
dieser Gegend und von ihm. „Lass mich einfach in Frieden!“
„Wovor hast du Angst?“, fragte Spike sanft und legte den Kopf schief.
Buffy fiel erst jetzt auf, dass er nichts weiter als eine knappe schwarze
Badehose trug und die Röte schoss wieder in ihr Gesicht. Sie starrte auf seine
nackte unbehaarte Brust und ihr Herz hämmerte noch lauter. „I-ich weiß nicht,
w-warum du das machst“, sagte sie verzweifelt und sah in sein Gesicht hoch. „Ich
möchte jetzt zum Camp zurück.“
„Du kamst, um zu baden.“
„Nein, ich…“
Spike stellte beunruhigt fest, dass sie sogar zitterte. „Du hast keine Angst vor
mir, oder?“, erkundigte er sich misstrauisch. Eigentlich sagte ihm sein Gefühl
deutlich, dass sie Angst hatte und vor wem eigentlich sonst? Für einen Moment
wurde sein Gesicht weich. „Ich werde gehen, ja? Und du springst ins Wasser.“
Sie hielt ihre Waschtasche und das Handtuch umklammert und gegen ihre Brust
gedrückt, während sie ihn mit großen Augen anstarrte. Eigentlich sah er gar
nicht gefährlich aus und dass sein Lächeln wirklich sehr nett sein konnte, fiel
ihr ja heute nicht zum ersten Mal auf. Allein bei diesem Gedanken wurde sie noch
röter.
„Nein, ich…“, begann sie trotzdem.
„Buffy“, unterbrach er sie ernst. „Wenn du möchtest, werde ich dafür sorgen,
dass du allein bist. Aber wenn du gern ins Wasser möchtest, dann tu es.“
Unsicher ließ sie ihre Augen über den See schweifen. „Würdest… würdest du das
tun?“ fragte sie ungläubig.
Er nickte, trat einen Schritt zur Seite und gab den Weg frei. Buffy musterte ihn
nervös, ehe sie an ihm vorbei zurück zur vorderen Seite des Sees ging. Ohne ein
weiteres Wort, griff er nach seinen Sachen und zog sich an.
„Halbe Stunde?“, erkundigte er sich dann.
Sie nickte und ihre Blicke folgten ihm, als er im Wald verschwand. Zögernd ließ
sie ihr Handtuch fallen. Es wäre jetzt wirklich dumm, es nicht zu tun. Trotzdem
zitterten ihre Hände und sie warf immer wieder einen scheelen Blick in Richtung
Wald, als sie ihr T-Shirt über den Kopf streifte und die Hose ablegte.
Dann ging sie ins Wasser und in dem Moment, als die erfrischende Kühle sie
umspülte und sie prustend untertauchte, fiel die Anspannung von ihr ab.
Wovor hatte sie eigentlich Angst? Willow und Anya trugen genau solche Bikinis
und machten sich überhaupt nichts daraus, über Mittag im Sand zu liegen. Die
Männer sowieso nicht, sie wusste sogar, dass Oz und Xander auf der anderen Seite
des Sees nackt badeten. Wovor also hatte sie Angst?
Nachdem sie ein paar Runden geschwommen war, ging sie zum Ufer und holte Seife
und Shampoo. Zum ersten Mal seit Tagen fühlte sie sich richtig sauber und ein
unwahrscheinliches Hochgefühl stieg in ihr auf. Es war halt doch etwas anderes,
als sich nur mit dem Waschlappen zu waschen.
Sie traf Spike ein paar hundert Meter vor dem Camp und fühlte sich viel zu wohl,
um darüber nachzudenken, wie sie mit den nassen Haaren aussah.
„Danke“, flüsterte sie und wurde rot, als er wieder einmal so nett lächelte.
***********
Am nächsten Tag begleitete sie Giles und Jenny, die fanatische Kräutersammler
geworden waren und ließ sich von ihnen die Bedeutung der einzelnen Pflanzen
erklären.
Riley sah ihr mit gemischten Gefühlen nach und wies sie noch einmal darauf hin,
sich nicht zu weit vom Lager zu entfernen. Buffy fühlte sich heute viel wohler
als an jedem anderen vergangen Tag, weigerte sich jedoch, es darauf zurück zu
führen, dass sie ihre eigene Angst überwunden und in das Wasser gestiegen war.
Schließlich war nichts dabei, im See zu baden.
„Du siehst heute richtig erholt aus, Kindchen“, schwatzte Jenny munter, während
sie sich wieder und wieder bückte und ihren Korb füllte.
Buffy lächelte. In einiger Entfernung sah sie Willow und Anya, die zusammen mit
Xander und Oz heute einen Ausflug auf einen nahe gelegenen Berg unternehmen
wollten.
Sie hätte die vier auch begleiten können, aber nachdem sie beobachtet hatte, wie
die Pärchen sich immer näher kamen, wäre sie sich irgendwie überflüssig
vorgekommen.
Riley war mit Angel auf der Jagd und was Spike machte, wusste sie nicht. Dieser
verschwand ja wie üblich schon am frühen Morgen oder schlief bis Mittag.
„Hier gibt es ein wunderschönes Felsplateau“, erklärte Jenny gerade, als sie
einen schmalen steinigen Pfad hinauf stiegen, „von dem aus man einen tollen
Blick auf die Landschaft hat.“
Etwas außer Atem kamen sie an und Buffy folgte den beiden anderen zum Rand.
„Oh, das ist toll“, murmelte sie begeistert. Sunnydale war zwar auch ein schöner
und ruhiger Ort, aber mit diesem Naturparadies war er nicht zu vergleichen.
Plötzlich bedauerte es Buffy, noch nicht mehr Urlaube – mit Parker – in ihrem
Leben gemacht zu haben.
„Ja, nicht?“, fragte auch Giles und setzte sich neben seine Frau. „Wir kommen
öfter hierher und genießen einfach nur die Aussicht.“
Buffy setzte sich zu ihnen.
„Hast du eigentlich einen Freund, Buffy?“, erkundigte sich Jenny neugierig.
Sie nickte zögernd. „Ich… ich bin verheiratet.“
„Oh.“ Jenny sah sie erstaunt an. „Warum bist du allein hier? Wir haben uns das
am ersten Tag schon gefragt, weil du so verloren drein geschaut hast. Aber heute
siehst du aus, als fängt das Ganze langsam an, dir Spaß zu machen. Hatte er
keine Lust?“
Buffy spielte gedankenverloren mit den Steinchen vor ihr auf dem Boden. „Das ist
eine lange Geschichte“, murmelte sie und fühlte die Röte wieder in ihre Wangen
steigen.
„Es ist kein Problem“, beeilte sich Jenny, die einen missbilligenden Blick ihres
Mannes auffing, zu sagen, „wenn du nicht darüber reden willst. Vergiss einfach,
dass ich gefragt habe.“
Buffy lächelte schwach. „Es kling auch etwas verrückt… Ich denke, ich bin noch
nicht soweit, dass ich es erzählen möchte…“
Jenny tätschelte ihre Hand. „Macht nichts, Kindchen. Auch wenn er nicht mit hier
ist, genieß deinen Urlaub!“
*****************
Buffy badete jetzt jeden Abend. Natürlich achtete sie darauf, allein zu sein,
aber sie wurde bei dem Gedanken, es könnte jemand kommen, während sie im Wasser
war, nicht mehr panisch.
Zwei Tage später kam sie zum See und sah Riley neben Giles und Jenny sitzen,
während Angel gerade aus dem Wasser kam. Die Nervosität kroch wieder in ihr
hoch, doch plötzlich fielen ihr Spikes Worte ein: Wenn du baden möchtest, dann
tu es.
Riley schien auch im Wasser gewesen zu sein, denn seine Haare waren noch nass.
„Hallo, Buffy“, begrüßte er sie freundlich. „Willst du dich zu uns setzen?“
Sie nickte und legte ihr Handtuch neben seins. „Ich wollte auch ins Wasser.“
Sie zögerte noch immer, aber keiner der anderen Menschen schenkte ihr eine
größere Beachtung. Deshalb streifte sie schnell ihre Kleidung ab und stürzte so
schnell es ging zum Wasser, während sie mit sich selbst schimpfte.
Wovor fürchtete sie sich eigentlich? Schließlich ging sie nicht zum ersten Mal
baden. Aber es war das erste Mal ohne Parkers Sicherheit und noch dazu in diesem
Bikini.
Spike hat Recht, ging es ihr durch den Kopf. Ich bin ein Feigling. Warum hat das
nie jemand zu mir gesagt?
Gedankenverloren schwamm sie ein paar Runden, genoss die Kühle des Wassers und
überlegte, dass sie sich hier wirklich ausruhen und entspannen könnte. Bis
plötzlich ein Kopf neben ihr auftauchte und sie sich fast am Wasser
verschluckte, weil sie so zusammenfuhr.
„Ich bin stolz auf dich, Luv“, begrüßte Spike sie.
Sie wusste genau, was er meinte und schaute zurück zum Ufer. Spike schwamm neben
ihr her. Sie hatten seit dem Abend vor zwei Tagen, als sie das erste Mal im See
war, kein Wort miteinander gewechselt und Buffy fühlte sich unbehaglich, mit ihm
jetzt allein im Wasser zu sein.
„Ich heiße Buffy“, sagte sie plötzlich, doch er lächelte nur fein.
„Ich weiß.“
Schweigend schwammen sie nebeneinander um den See herum. Buffy hatte keine
Ahnung, worüber sie sich mit ihm unterhalten sollte und er sagte auch nichts.
Erst als sie sich auf das Ufer zu bewegten, fiel Buffy ein, dass sie jetzt in
ihrem Bikini auf die anderen Menschen zugehen musste und sie fühlte schon wieder
so eine komische Anspannung in ihrer Magengegend.
Spike nahm ihr jegliche Entscheidung über ein Hinauszögern ab, als er sich
aufrichtete und mit seinen Füßen nach dem Grund suchte. „Wo bist du eigentlich
her?“
„Ich… ähm… Sunnydale.“ Sie fuhr sich nervös durch die nassen Haare und folgte
ihm. „Also, ich… wir w-wohnen in S-Sunnydale…“, stotterte sie zusammenhanglos
und verfluchte ihre Stotterei selbst.
Spike beachtete oder bemerkte es nicht. „Sunnydale?“ fragte er. „Ist in der Nähe
von L.A, stimmt’s?“
„Ja.“ Buffy nickte. Dann hatte sie schon ihr Handtuch erreicht und mehr damit zu
tun gehabt, sich auf das Gespräch mit Spike zu konzentrieren. Erleichtert
wickelte sie das Handtuch um ihren Körper und bemerkte im gleichen Augenblick,
wie Riley und Angel sie anstarrten. Übergangslos schoss die Röte in ihre Wangen.
Sie wusste überhaupt nicht, wo sie zuerst hinsehen sollte und wäre am liebsten
im Erdboden versunken.
Bis sie Spikes gereizte Worte hörte: „Wenn ihr sie nicht gleich wieder
vertreiben wollt, würde ich euch empfehlen, endlich woanders hinzuschauen!“
Riley wurde genau so rot wie Buffy und komischerweise beruhigte sie das
ungemein.
Angel dagegen benötigte eine Weile länger, ehe er wegschaute. „Wow, sie sieht
toll aus.“
Ich bin noch hier, dachte Buffy kläglich und sah wie Spike seinen Freund gegen
die Stirn stieß.
„Sicher. Es ist ihr trotzdem peinlich.“
Sicher? Mit großen Augen und noch immer puterrot im Gesicht beobachtete sie die
beiden Männer und den verlegen dreinschauenden Riley. Alle fanden, dass sie
„toll“ aussah? Und Riley auch, wenn ihm schon fast die Augen heraus gefallen
waren?
Buffy hatte sich nie groß Gedanken über ihr Aussehen gemacht. Sie war für ihren
Geschmack zu klein, ihr Gesicht zu schmal und ihre langen blonden Haare waren
einfach nur langweilig. Klar, Faith hatte auch gemeint, jede andere Frau wäre
stolz auf dieses schöne Blond und die sanften Wellen, mit denen es über ihren
Rücken floss. Buffy nicht. Sie hätte lieber so tolle aufregend dunkle Haare wie
Faith. Außerdem war sie knabenhaft schlank und hatte laut Parkers Ansicht nicht
sonderlich viel Busen, etwas was sie sehr ärgerte, wenn sie andere Frauen
betrachtete. Allerdings gab es an ihrem Körper auch kein Gramm Fett und wenn sie
schon nur kleine Brüste hatte, so waren diese doch fest und standen schön
aufrecht. Und das alles war in diesem blöden Bikini nicht zu übersehen.
Aber diese drei Männer fanden sie „toll“? Sogar der immer schlecht gelaunte
Spike?
„Es tut mir leid, Buffy“, entschuldigte sich Riley, als sich seine Gesichtsfarbe
wieder normalisiert hatte.
Sie nickte und zog das Handtuch enger um sich.
„Hast du Hunger?“, fragte er weiter. „Wir haben kaltes Fleisch mit hier, weil
wir ein kleines Picknick veranstaltet haben.“
„Ja, eigentlich schon“, gab sie zu und nahm sich einen Teil des Fleisches.
„Wie lange bist du eigentlich verheiratet?“, erkundigte sich Riley,
wahrscheinlich, um ein Gespräch in Gang zu bringen.
„Vier Jahre.“ Sie kaute gedankenverloren auf dem Fleisch.
„Was machst du beruflich?“, bohrte Riley weiter.
„Ich arbeitete als Sekretärin in der Firma meines Vaters“, murmelte Buffy leise.
Es war ihr peinlich, weil sie wie ein verwöhntes Einzelkind klang.
„Dein Mann auch?“
Sie nickte. „Er ist mein Chef.“
„Du bist verheiratet?“, mischte sich plötzlich Angel fassungslos ein. „Wo hast
du deinen Mann gelassen?“
„Z-zu Hause…“ Selbst Spike runzelte jetzt die Stirn, sagte jedoch nichts, doch
sie ahnte, dass ihm durch den Kopf ging, ob ihr Mann von Faiths kleiner Attacke
wusste.
„Was ist denn das für ein Idiot, dass er dich allein hier her lässt?“, fragte
Angel perplex.
„Angel!“, schimpfte Riley, der genau so wenig wollte, dass jemand die wahren
Gründe von Buffys Anwesenheit in diesem Camp erfuhr. „Es geht niemanden etwas
an. Vielleicht nimmt ihn ja seine Arbeit so ein, dass er keine freie Zeit
erübrigen kann und er wünscht Buffy einfach ein wenig Entspannung.“ Hilfesuchend
wanderte sein Blick zu Buffy. „Oder?“
Diese nickte. „Ja… genau so…“ Aber sie war sehr froh, dass das Thema wieder in
unverfängliche Bereiche wechselte.

Zwei Tage später wachte Buffy mitten in der Nacht auf, weil ein starker Wind durch das Camp rauschte. Jaulend fuhr er um die Zelte und schüttelte an den Planen. Es regnete nicht, aber das Geräusch des Windes reichte, um sie aus ihrem leichten Schlaf zu holen.
Buffy starrte eine Weile in die Dunkelheit und fragte sich, ob irgendeine Gefahr von dem Sturm drohte. Nun, vielleicht war es auch kein Sturm… eher ein starker Wind… und Riley hätte bestimmt schon alle anderen geweckt, wenn er deswegen Bedenken gehabt hätte. Trotzdem konnte sie nicht einschlafen und fuhr immer wieder hoch, wenn sie ein Knacken oder das Klatschen einer Zeltplane hörte.
Deshalb richtete sie sich auf, linste nervös durch den Eingang ihres Zeltes und sah Blätter und kleine Äste durch die Luft wirbeln. Der Vollmond tauchte das ganze Camp in ein unwirkliches Licht.
In den anderen Zelten war es ruhig. Alle schienen zu schlafen. Buffy steckte den Kopf hinaus und stellte erstaunt fest, dass der Wind nicht kalt, sondern angenehm lau war. Trotzdem ließen die Geräusche in den Wipfeln der Bäume sie immer wieder zusammen fahren.
Dann fiel ihr Blick auf das Zelt neben sich und sie erstarrte. Spike saß im Schneidersitz vor seinem Zelt und starrte hinauf in den Himmel. Wolken zogen oben entlang, verdeckten ab und zu die funkelnden Sterne und manchmal, wenn eine Wolke den Mond streifte, herrschte kurzzeitig völlige Dunkelheit.
„Kannst du nicht schlafen?“, fragte er plötzlich und Buffy zuckte zusammen, da er nicht ausgesehen hatte, als würde er etwas um sich herum mitbekommen. Eher so, als würde er meditieren. Mitten in der Nacht.
„Der Sturm hat mich geweckt“, flüsterte sie leise.
Spike drehte den Kopf und sah sie an. „Mich auch.“
„Warum… warum sitzt du vor deinem Zelt?“, fragte sie schüchtern.
„Weil ich so den Wind spüre“, antwortete er leise. „Es gibt wenige Gegenden, in denen man ein Stück unberührte Natur finden und genießen kann.“
„Genießen?“
Er lächelte leicht. „Komm her.“
„Was?“, piepste sie und ihr Herz fing schon wieder an zu hämmern.
„Keine Panik, Kätzchen“, beruhigte er sie. „Setz dich einfach neben mich.“
Sie hatte keine Ahnung, warum sie das tatsächlich tat. Er rutschte ein Stück zur Seite, so dass sie vor seinem Zelt Platz fand und sie verschränkte ihre Beine genau so im Schneidersitz wie er. Allerdings zuckte sie kurz zusammen, als sich ihre Knie berührten.
„Schließ die Augen“, sagte Spike und schloss seine ebenfalls. „Ich liebe die Nacht und die Stille. Versuch einfach nur, hinaus zu horchen und die Natur zu fühlen.“
Buffy fühlte erst einmal nur Angst. Sie saß mitten in der Nacht, nur in einem dünnen T-Shirt bekleidet neben einem Mann, den sie gerade mal neun Tage kannte und der Wind pfiff um ihren Körper.
„Es wird nicht regnen“, erklärte Spike leise. „Du kannst es sicherlich nicht erkennen, weil dir die Erfahrung dazu fehlt. Aber ich weiß es.“
Plötzlich wurde sie ruhiger. Der laue Wind strich um ihre Körper, unter ihr dünnes T-Shirt und streifte die nackte Haut. Sie hörte das Säuseln in den Baumwipfeln, das Knacken, wenn sich ein Ast löste und da sie noch immer ihre Augen geschlossen hatte, nahm sie diese Geräusche mit aller Deutlichkeit wahr.
„Besser?“, murmelte Spike mit einem verschmitzten Seitenblick und lächelte amüsiert.
Buffy riss die Augen auf und starrte ihn an. „Besser?“
Er nickte. „Du hast gezittert, Kätzchen, und ich kann mir nicht vorstellen, dass dir kalt ist.“
Kätzchen war nicht viel besser als Luv. Ob sie ihm das sagen sollte?
„Du bist… unheimlich“, murmelte sie jedoch nur und wunderte sich, warum sie nicht aufstand und zu ihrem Zelt flüchtete.
„Weiß dein Mann, dass du hier bist?“, wechselte Spike plötzlich das Thema.
Buffy fuhr sich durch die Haare. „Faith wird es ihm schon gesagt haben.“ Sie starrte auf den Boden zu ihren Füßen. „Nur nicht, wo ich bin.“
Spike schüttelte den Kopf. „Ich versteh nicht ganz, warum sie zu solch einem extremen Mittel gegriffen hat“, sagte er vorsichtig, als wolle er sie nicht verschrecken. „Ich könnte mir vorstellen, dass dein Mann recht aufgebracht darüber ist.“
Nicht nur Parker. Auch meine Eltern. Buffy nickte bekümmert. „Sie meinte es nur gut. Sie wollte mir einen Gefallen tun, wollte, dass…“ Sie stockte und seufzte. „Sie wollte einfach, dass ich gezwungen bin, mal etwas allein zu tun, ohne dass mir jemand vorschreibt, was ich zu machen habe.“
„Aha“, machte Spike nur. Dann schien ihr in den vergangen Jahren immer jemand gesagt zu haben, was sie tun sollte. Vielleicht ihr Mann.
Buffy starrte eine ganze Weile nur auf den grasbewachsenen Boden vor sich. Spike sagte ebenfalls nichts mehr, doch auch jetzt und obwohl sie mit ihm allein war, war dieses Schweigen nicht unangenehm. Es war eher so, als würden sie jeder für sich und doch gemeinsam ihren Gedanken nachhängen.
Und dann tat sie etwas, was sie noch nie getan hatte. Sie stellte eine Frage. „Was machst du eigentlich… beruflich?“
Im gleichen Augenblick schoss ihr wieder das Blut in den Kopf, doch Spike drehte nur den Kopf zu ihr und lächelte. „Ich besitze eine Ranch im Süden Colorados“, sagte er.
„Ist sie…“ Buffy schluckte, ehe sie den Mut fand, weiter zu sprechen. „Ist sie groß?“
Spike nickte und grinste. „Andere sagen es. Sie sagen auch, ich wäre zu jung, um eine solche Ranch leiten zu können.“ Er zuckte mit den Schultern. „Es ist mir egal, was sie sagen. Ich kann es und das Geschäft läuft.“
Er lächelte wieder, als er bemerkte, dass Buffy ihn mit großen Augen anschaute. Irgendwie tat sie ihm leid, er wusste nicht, warum dieses Gefühl in ihm aufstieg. Schließlich kannte er sie gerade einmal neun Tage. Aber ihre Unsicherheit und Unschuld, etwas, was man in der heutigen Zeit kaum bei einer Frau in ihrem Alter antraf, rührte ihn.
„Mein Vater ist vor fünf Jahren gestorben“, sprach er weiter. Er wusste auch nicht, ob es Buffy überhaupt interessierte, aber er wollte, dass sie noch ein Weilchen sitzen blieb und vielleicht sogar noch etwas sagte. „Er war vorher schon sehr krank, so dass im Grunde ich die Ranch schon seit zehn Jahren leite. Ich bin der einzige Erbe gewesen und da mein Vater nach dem Tod meiner Mutter nie wieder geheiratet hat, gab es auch keine Frau, die eventuell Anspruch auf einen Teil des Vermögens bekam.“
„Das… das tut mir leid“, murmelte sie bedrückt und schaute ihn noch immer unverwandt an. Komischerweise lies die Nervosität mit jedem Wort, das sie sagte, nach und sie begann, sich etwas zu entspannen. Er schien keine Frau zu haben und sie hätte auch gern gewusst, wie er zu Angel stand, aber der Gedanke, solche neugierigen Fragen zu stellen, kam ihr nicht.
Spike schmunzelte wieder, fast so als würde er den Zwiespalt in ihrem Inneren erkennen. „Und du, Kätzchen?“
Die Röte schoss wieder in ihre Wangen und Spike verfluchte sich selbst für seine Angewohnheit, immer irgendwelche Kosenamen zu benutzen. Obwohl… ‚Kätzchen’ …hatte er noch nie verwendet, erst hier bei ihr, wenn er sich das so recht überlegte. Aber der Name schoss ihm in den Kopf, sobald er sie sah. Ein verloren wirkendes Kätzchen…
„S-Sekretärin“, stotterte sie.
„Das weiß ich schon“, sagte er sanft. „Was ist es für eine Firma, die dein Vater besitzt?“
„Wir… wir sind ein Zuliefererbetrieb für die Automobilindustrie“, brachte sie dann heraus. „Mein Vater hat sie von seinem Vater übernommen und irgendwann wird sie… Parker erhalten… also mein Mann…“
„Nicht du?“ Spike runzelte die Stirn.
„Ich… kann sie nicht führen. Ich habe die Ausbildung nicht“, erklärte sie und klang nicht so, als wäre das unnormal.
Spikes Stirnrunzeln verstärkte sich. „Warum nicht?“
Buffy sah ihn erstaunt an. „Weil…“ Sie verstummte wieder, als sie genauer über die Frage nachdachte. Warum eigentlich nicht? Die Frage nach einem Studium in dieser Richtung hatte sich nie gestellt, obwohl Buffy in der Schule immer zu den Besten gezählt hatte. Ihr war nur immer wieder, speziell von ihrem Vater, gesagt worden, dass sie sich einen Mann suchen sollte, der die Firma übernehmen könne. Und dieser Mann war ihr dann von ihrem Vater vorgestellt worden…
„Ich weiß nicht“, sagte sie leise und diesmal schwang Bedrückung in ihrer Stimme mit.
Spike drang nicht weiter in sie. Er freute sich, dass sie sich überhaupt mit ihm unterhalten hatte und wollte sie nicht mit seinen Ansichten vor den Kopf schlagen.
Schweigend blieben sie sitzen und genossen es, dass der laue Wind ihre Körper umspielte.
Es schien eine Ewigkeit vergangen zu sein, als der Wind nachließ und Buffy schreckte aus ihren Gedanken hoch. Verlegen schaute sie in Spikes Richtung.
„Ich geh dann mal wieder“, murmelte sie und sah ihn nicken.
„Es war… nett, sich mit dir zu unterhalten“, setzte sie noch hinzu und hoffte, dass er nicht bemerkte, wie ihr Gesicht glühte.
„Ich fand es auch… nett“, antwortete er freundlich. „Gute Nacht, Buffy.“
„Gute Nacht“, flüsterte sie und kroch zurück in ihr Zelt.
**********
Auch in den nächsten Tagen nutzte Buffy die späten Nachmittage, um allein durch den Wald zu schlendern. Sie brauchte diese Momente der Entspannung, in denen sie sich nicht auf Gespräche konzentrieren musste, die sie noch immer anstrengten oder nervös machten, egal wie viel Mühe sich die anderen mit ihr gaben.
Mittlerweile kannte sie die Wege um das Camp in und auswendig und verlief sich auch nicht mehr. Riley sah ihre Ausflüge nicht gern, verkniff sich aber eine Äußerung in dieser Richtung, seit Spike einmal hinzu gekommen war, als er Buffy verbieten wollte, allein spazieren zu gehen, denn er erinnerte sich noch zu gut an den zornigen Gesichtsausdruck des blonden Mannes, als er sagte:
„Buffy ist alt genug, um selbst entscheiden zu können, was sie machen will!“
Buffy hatte Spike mit großen Augen angesehen und übergangslos war der Zorn aus seinem Gesicht verschwunden. Zwar tobte noch immer ein Sturm in seinen blauen Augen, aber das leise Lächeln, das plötzlich seine Lippen umspielte, ließ in Buffy ein warmes Gefühl der Dankbarkeit aufsteigen.
Sie hatte ebenfalls gelächelt und leise gesagt: „Ich möchte spazieren gehen“, sich umgedreht und war gegangen.
Aber sie hatte noch gehört, wie Spike Riley noch ein zweites Mal anfuhr: „Hör auf, sie zu bevormunden! Sie ist kein kleines Kind!“
Und sie fühlte sich unwahrscheinlich stark.
Das war vor zwei Tagen gewesen.
Jetzt folgte sie dem Weg, den sie mit Rupert Giles und Jenny gegangen war und der auf der schönen Aussichtsform endete. Sie fühlte sich frei, so frei wie noch nie in ihrem Leben, fast wie ein anderer Mensch und es gefiel ihr.
Trotzdem wanderten ihre Gedanken wieder zurück nach Sunnydale und ihrem eigentlichen Leben, das in weite Ferne gerückt zu sein schien.
Hatte sie sich jemals in Parkers Nähe frei gefühlt?
Faith hatte sie damals angesehen, als hätte sie zwei Köpfe… Es war ein Gespräch über Faiths Lieblingsthema gewesen: ‚Sex’
Und Buffy sagte etwas, das Faith schockierte: ‚Ihr würde Sex keinen Spaß machen.’ Faith murmelte dann etwas in der Art, Parker wäre noch ein größerer Idiot als sie dachte. Natürlich brachte sie Buffy nie dazu, sich für einen anderen Mann zu interessieren. Allein der Gedanke, Parker zu betrügen, jagte Buffy schon einen Heidenschrecken ein. Aber sie hörte sich gern Faiths Geschichten an und mit welchem Enthusiasmus und welcher Leidenschaft diese über Sex mit immer wieder einem anderen Mann berichtete.
Dann hatte sie das Felsplateau erreicht und stoppte erschrocken, als sie Spike am Rand sitzen und hinunter auf die weite Steppe blicken sah. Blut schoss ihr ins Gesicht, als ihr aufging, worüber sie gerade gegrübelt hatte, und das, obwohl er in ihren Gedanken nicht einmal eine Rolle gespielt hatte.
In Faiths Gedanken hätte er sicher eine gespielt… Sie wurde noch röter und wollte sich langsam zurückziehen, als er den Kopf drehte und sagte:
„Flüchte nicht gleich wieder, Kätzchen. Ich habe den Platz nicht gepachtet.“
Seine Hand hielt eine klimmende Zigarette. Buffy wusste, dass er rauchte, hatte aber nie gesehen, dass er es im Camp tat. Irgendwann musste es Angel einmal erwähnt haben, so in der Art, Spike könne ohne Zigaretten nicht leben.
Zögernd kam sie näher. „Ich… will dich nicht stören.“
„Du störst nicht“, war seine einfache Antwort und er klopfte neben sich auf den Boden. „Du nicht… Setz dich.“
Buffy ließ sich neben ihm ins Gras fallen und warf ihm einen unsicheren Seitenblick zu.
Er lächelte und zog wieder an der Zigarette. „Man hat hier eine fantastische Aussicht. Wenn die Sonne unter geht, ist es am schönsten. Siehst du, dort…“ Seine Hand wies auf einen Punkt am Horizont. „An genau dieser Stelle geht sie unter… Hast du es schon mal gesehen?“
„Nein.“ Sie schüttelte den Kopf. Schließlich war sie immer ins Camp zurückgekehrt, ehe es dunkel wurde und ehe Riley vielleicht eine groß angelegte Suchaktion nach ihr veranstaltete.
„Du solltest unbedingt warten, bis sie untergeht“, erklärte Spike und grinste in ihre Richtung.
Buffys Herz machte einen Satz und sie schaute schnell hinaus auf die weite Ebene. Ihre Wangen glühten schon wieder und sie verfluchte sich selbst dafür. Spike musste sie für eine hirnlose Idiotin halten. Naja, dachte sie dann sarkastisch, sicherlich tut das jeder hier im Camp. So dämlich wie ich mich verhalte…
„Und?“, fragte er weiter, als sie nicht antwortete. „Wie gefällt dir dein unfreiwilliger Urlaub?“
„Es geht so“, murmelte Buffy, ohne den Kopf zu drehen.
Spike lachte. „Du siehst schon gar nicht mehr so panisch aus wie vor zehn Tagen.“
Natürlich fiel ihm die Röte ihrer Wangen auf, aber er war weit davon entfernt, etwas dazu zu sagen. Er wunderte sich über sich selbst, denn eigentlich ließ er keine Gelegenheit verstreichen, spöttische Bemerkungen anzubringen.
Und als er jetzt bemerkte, dass sich ein schüchternes Lächeln auf ihren Lippen bildete, stieg Freude in ihm hoch. Natürlich sah sie ihn noch immer nicht an, aber das störte ihn überhaupt nicht.
„Ich fühle mich auch nicht mehr so“, flüsterte Buffy verlegen.
„In sechs Wochen bist du vielleicht auch nicht mehr sauer auf deine Freundin, sondern fällst ihr um den Hals, wenn du sie wieder siehst“, gluckste er.
„Ich bin nicht sauer“, korrigierte Buffy schnell.
„Hey, Luv“, schimpfte Spike gespielt. „Natürlich bist du sauer. Es ist dein gutes Recht und jeder wäre es. Ich hätte schon im Flieger einen Aufstand gemacht, wenn man mich so ausgetrickst hätte.“
Buffy lachte leise und Spike konnte sie einen Moment nur fasziniert anstarren, weil das Lachen ihr Gesicht veränderte. Plötzlich leuchteten ihre Augen und das Grün vertiefte sich. Zusammen mit den immer noch roten Wangen und den blitzenden weißen Zähnen sah sie einfach himmlisch aus und er musste sich schnell daran erinnern, dass sie verheiratet war.
„Ich war viel zu geschockt“, gab sie dann zu und wurde noch röter.
„Du bist nicht ohnmächtig geworden“, entgegnete er trocken.
„Nein.“ Buffy lachte wieder leise. „Aber ich stand kurz davor.“ Dann wagte sie es endlich, den Kopf zu drehen und schaute ihn kurz an. „Warum bist du eigentlich nicht im Camp?“
Spike verzog ironisch den Mund. „Ich hasse dieses ‚Wir-sind-eine-große-Gemeinschaft-Getue’. Den ganzen Tag ist das nicht zu ertragen.“
„Ich finde es schön“, gab Buffy wehmütig zu und starrte wieder hinaus in die Steppe. „Sie sitzen zusammen, schwatzen, erzählen…“ Sie seufzte. „Ich würde auch gern einfach so frei reden können…“
Sie schien wie zu sich selbst zu sprechen, schien gar nicht mehr wahr zu nehmen, dass er ihr noch zuhörte und Spike schluckte, weil er plötzlich einen riesigen Kloß im Hals spürte. Er kämpfte gegen den Drang, einfach seinen Arm um ihre Schultern zu legen, weil er ahnte, sie würde aufspringen und davon rennen.
„Du hast noch sechs Wochen Zeit“, sagte er dann nur.
Buffy ließ ihre Stirn auf ihre angezogenen Knie sinken. „Sicher…“
Spike entzündete sich schnell die nächste Zigarette, um seine Hände zu beschäftigen und sie davon abzuhalten, etwas sehr dummes zu tun und zwang sein gewöhnliches Grinsen auf seine Lippen. „Du redest schon ohne zu stottern, Luv.“
Ihr Kopf schoss hoch und sie schaute ihn so verdutzt an, dass er lachen musste. „In sechs Wochen werden dich deine Freunde zu Hause nicht wieder erkennen“, setzte er noch hinzu.
„Na klar doch“, gab sie in einem so sarkastischen Ton von sich, dass er wieder auflachte.
„Weißt du was?“, fragte er vergnügt. „Wir schauen uns jetzt mal den Sonnenuntergang an und dann lassen wir uns überraschen, was der liebe Riley sich für heute Abend ausgedacht hat. Wie klingt das für dich?“
Buffy lächelte schüchtern. „Gut.“
Spike beugte sich zu ihr und wieder drohte ihr Herz fast auszusetzen. „Und da du ja gerne genau so viel schwatzen möchtest wie andere Frauen“, grinste er, „könntest du anfangen zu üben, indem du mir ein wenig von deinem Leben erzählst.“
„W-was?“, stotterte sie verblüfft und hatte mehr damit zu tun, zu verarbeiten, wie unwahrscheinlich blau seine Augen waren und was für lustige Fünkchen darin blitzten, wenn er so süß grinste. Halt… hatte sie jetzt süß gedacht?
Spike ließ sich ins Gras fallen und verschränkte die Hände hinter dem Kopf. „Dass du verheiratet bist, weiß ich ja nun schon. Hast du Kinder? Haustiere? Mietwohnung oder eigenes Haus?“
Ihr Mund klappte auf, während sie ihn nur fassungslos anschauen konnte.
„Ich lasse nicht locker, Luv“, versprach er ernsthaft. „Und keine Angst, mir fallen noch jede Menge mehr Fragen ein.“
Es dauerte trotzdem noch eine Weile, ehe sich das Herzklopfen legte und sie feststellte, dass sie in seiner Gegenwart ohne weiteres reden konnte.
Teil 5
„Komm, Buffy, setz dich zu uns“, rief Willow von ihrer ausgebreiteten Decke, auf
der sie am See saß, und winkte.
Buffy zögerte, da sie noch nie um die Mittagszeit gewagt hatte, an den See zu
gehen, aber heute war es so warm, dass sich niemand für irgendeine andere
Tätigkeit begeistern konnte.
Deshalb hatte sie ihren gesamten Mut zusammen genommen und war zum See gelaufen.
Dorthin, wo sich schon der Rest des Camps – außer natürlich Spike – befand.
Buffy bedauerte das, sicherlich im Gegensatz zu allen anderen, etwas, denn sie
hatte den blondierten, sonst immer so mürrischen, Spike des Öfteren in den
letzten Tagen an seinem Lieblingsplatz, oben am Aussichtspunkt getroffen und ein
paar Worte mit ihm gewechselt.
Zu ihr war er nie unfreundlich. Manchmal begegnete er ihr mit einer Art gut
gemeinten Spottes, aber er wurde nie so sarkastisch wie anderen im Camp, vor
allem Riley, gegenüber.
Noch immer unsicher breitete sie ihre Decke neben der sie anstrahlenden Willow
aus und setzte sich.
„Solch eine Hitze ist wirklich nur im Wasser auszuhalten“, kicherte diese. „Wie
hältst du das nur in den langen Hosen aus, Buffy? Man bekommt vom Zuschauen ja
Zustände.“
Buffy hatte bisher noch nicht den Mut gefunden, einen der kurzen Röcke, die
Faith in ihr Gepäck gesteckt hatte, auszuprobieren. Willow, und Anya schon
gleich gar nicht, verloren bestimmt nicht einmal einen Gedanken an solche Dinge.
Sie liefen manchmal den ganzen Tag im Bikini herum, sehr zur Freude von Oz und
Xander.
„Zieh endlich die Sachen aus“, schimpfte Willow gespielt. „Du hast so einen
tollen Bikini.“
„Und eine tolle Figur“, mischte Anya sich ein. „Die solltest du wirklich nicht
verstecken.“
Buffy wurde wieder einmal rot, begann aber umständlich an den Knöpfen ihrer Hose
zu hantieren.
„Kommt endlich ins Wasser!“, kreischte Xander, der mit Oz schon ein paar Runden
geschwommen war.
Anya sprang auf und grinste Willow an. „Ich kann ihn nicht warten lassen, oder?“
Willow beobachtete eine Weile, wie sich Buffy aus ihrer Kleidung schälte und
sich dann mit hochrotem Gesicht wieder hin setzte. „Du gehst nicht oft baden,
was?“, fragte sie vorsichtig.
Buffy schüttelte unglücklich den Kopf. „Wir… wir haben einen Pool und… und ich
trage sonst nicht solche Bikinis… Aber ich hab nichts anderes hier…“
Willow runzelte die Stirn. „Das ist nicht dein Bikini?“
Seufzend vergrub Buffy ihr Gesicht in ihren Händen. „Das ist alles so peinlich…“
„Quatsch“, unterbrach die rothaarige Frau sie. „Du siehst toll aus in dem
Bikini. Aber, wenn er nicht dir ist, wem dann?“
„Das ist eine lange Geschichte…“, murmelte Buffy bedrückt.
„Ich hab Zeit“, verkündete Willow vergnügt und strahlte sie an. „Und derjenige,
der dir diesen Bikini verpasst hat, hat einen sehr guten Geschmack. Dein Mann?“
„Parker?“ Buffy lachte gequält auf. „Um Gottes Willen… Parker wäre entsetzt…“
Willow verkniff sich die Bemerkung: ‚Was ist das denn für ein Spinner?’ und sah
die junge Frau mit den noch immer geröteten Wangen weiterhin fragend an. Es
dauerte auch nicht lange, bis sie weiter sprach und Willow die ganze Story
erfuhr.
Am Anfang war sie entsetzt über eine Freundin wie Faith, aber je länger sie
zuhörte, umso stärker wurde in ihr das Bedürfnis, Buffy zu schütteln und ihr zu
sagen, die solle aus ihrem Dornröschenschlaf aufwachen und endlich einmal an
sich selbst denken.
Diese Faith schien Gold Wert zu sein, denn obwohl Willow Buffy erst dreizehn
Tage kannte, mochte sie sie und es tat ihr manchmal einfach nur Leid, zu sehen,
wie hilflos sie sich in bestimmten Situationen anstellte.
So wie es aussah, war Buffy ihr gesamtes bisheriges Leben bevormundet worden und
sie hatte es stillschweigend akzeptiert, weil sie einfach zu schüchtern war,
selbst die Initiative zu ergreifen. Vielleicht hatte sie es ein paar Mal gewagt
und war gescheitert. Vielleicht war auch jeder Funken Selbständigkeit von einem
Mann wie Parker im Keim erstickt worden.
Willow wusste es nicht und sie wagte auch nicht zu fragen, denn Buffy schien in
ihrem Mann eine Art Gott zu sehen, der nichts falsch machen konnte und der ein
Anker in ihrem Leben war. Jemand, der ihr sagte, was sie tun sollte…
Willow mischte sich ungern in andere Beziehungen ein, weil es ein Problem
zwischen den beiden betreffenden Personen war und diese beiden durchaus
miteinander klar kommen konnten. Wenn es allerdings so ausartete wie im Fall von
Buffy, die ja kaum fähig war, allein einen normalen Satz zu formulieren, dann
wurde Willows Zorn geweckt.
Insgeheim schwor sie sich, mit Anya zu reden und einen Plan auszuhecken, wie man
die restlichen sechseinhalb Wochen nutzen könnte…
***************
Mit einem seligen Grinsen im Gesicht schlenderte Buffy am Abend wieder einmal
den Weg zum Plateau hinauf. Sie gab es sich selbst nicht zu, aber insgeheim
hoffte sie, Spike zu treffen und ihm von dem fantastischen Tag am See zu
erzählen.
Vielleicht würde sie sich sogar trauen, ihn zu fragen, was er eigentlich den
ganzen Tag anstellte und warum er nicht mit am See war. Denn sie hatte den
ganzen Tag jede Menge mit Willow geredet. Auch mit Anya und ein klein wenig mit
Xander. Aber hauptsächlich mit Willow und sie war unwahrscheinlich stolz darauf.
Zu ihrer Enttäuschung fand sie Spike nicht auf dem Plateau und überlegte, was
sie nun tun sollte. Es war so ein schöner lauer Abend und sie hatte noch keine
Lust, zurück zu kehren.
Deshalb schlenderte sie den kleinen Pfad weiter den Berg hinauf, bis sie an
einer winzigen Quelle angelangte, neben der sich der Eingang in eine kleine
Höhle befand. Gedankenverloren schöpfte sie etwas Wasser aus der Quelle,
erfrischte ihr Gesicht, ehe ihr Blick wieder auf den Höhleneingang fiel.
Der ganze Tag hatte ihr Selbstbewusstsein angehoben und plötzlich verspürte sie
eine Neugier, die sie an sich selbst nicht kannte. Riley hatte erwähnt, dass es
hier keine bösartigen wilden Raubtiere gab. Was also konnte passieren?
Dämmerung hüllte sie ein, als sie die Höhle betrat. Sie führte noch weiter in
den Berg hinein, aber Buffy konnte sich nicht überwinden, weit zu laufen, weil
nun doch eine eigenartige Beklemmung nach ihr griff und ihr irgendwelche
Schreckgespenster vorgaukelte.
Es war sehr still und nur das Geräusch ihrer Atmung zu hören. Allerdings dröhnte
das in ihren Ohren genau so wie ihr Herzschlag. Der Boden war mit Steingeröll
bedeckt und ab und zu sah sie knorrige Äste liegen, die wahrscheinlich Tiere
herein geschleppt hatten.
Die Luft roch alt und nach irgendetwas, das sie nicht zuordnen konnte. Zitternd
blieb sie stehen, starrte in die Dunkelheit und versuchte sich einzureden, dass
es nur ihre Nerven waren, die verrückt spielten und ihr hier rein gar nichts
passieren konnte.
Bis es aus den Tiefen der Höhle raschelte. Übergangslos waren alle guten
Vorsätze vergessen.
Sie schoss nur noch wie von Furien gehetzt herum, stürzte zum Ausgang, lief
genau in einen breiten Körper und schrie hysterisch auf.
„Hallo, Buffy“, sagte Angel freundlich, ohne ihre Oberarme loszulassen. „Was
machst du denn hier?“
„Verdammt“, murmelte sie leise und versuchte, ihren rasenden Herzschlag zu
beruhigen. „Angel. Ich habe dich gar nicht kommen hören.“
„Ich war mit Spike auf der Jagd und habe jemanden in der Höhle gehört.“ Der
dunkelhaarige Mann grinste. „Mit deinem Anblick habe ich allerdings nicht
gerechnet.“
Buffy wich langsam zurück und versuchte, einen vernünftigen Abstand zwischen
sich und den sie jetzt vergnügt musternden Angel zu legen. „I-ich war
neugierig“, stotterte sie und ihr Herz setzte fast aus, als er wieder auf sie
zukam.
„Es ist gemütlich hier, nicht wahr?“, fragte Angel und Buffy bekam jetzt
wirklich Angst.
„Ich gehe jetzt“, erklärte sie mit der selbstsichersten Stimme, zu der sie fähig
war. Allerdings ahnte sie, dass sie damit niemanden täuschen konnte. Sie wollte
sich an Angel vorbei drücken, doch dieser fing sie einfach mit seinem Arm ab.
Buffy kreischte wieder auf und sprang wie von der Tarantel gestochen zurück.
„Es fing doch gerade an, interessant zu werden, Kleines“, sagte Angel
schmeichelnd und machte einen Schritt auf sie zu.
Buffy griff nach dem erstbesten Gegenstand, der auf dem Boden lag und packte den
Knüppel mit ihren bebenden Händen. „Angel. I-ich w-will jetzt g-gehen“, stieß
sie hervor. Es klang sicherlich nicht besonders überzeugend, denn er lachte nur.
„Sei doch nicht so aggressiv“, murmelte Angel und grinste wieder. „Man erkennt
dich ja gar nicht wieder. So ein gemütliches Plätzchen. Was hältst du davon,
wenn wir uns ein bisschen setzen und… ähm… reden?“
Buffy begann zu zittern. „Ich will jetzt gehen“, stieß sie hervor, ohne dass
ihre verkrampften Hände den Knüppel losließen. Sie fühlte einen Kloß in ihrer
Kehle und kämpfte gegen die Tränen, die bereits in ihre Augen zu steigen
drohten. „Lass mich bitte gehen, Angel.“
„Ist doch romantisch hier, Süße“, schmeichelte er weiter und ging noch lange
nicht zur Seite. „Nur du und ich… Wovor hast du eigentlich solche Angst?“ Er
machte einen Schritt auf sie zu.
Buffy kreischte hysterisch auf und schlug blindlings mit dem Knüppel zu. Sie
überraschte den Mann damit so sehr, dass er nicht einmal die Gelegenheit bekam,
abwehrend die Arme zu heben. Der Knüppel traf seine Schulter, zersplitterte in
tausend Einzelteile und Angel schrie auf.
„Au verdammt!“ Seine Hand umschloss seine Schulter, während er Buffy mit
zornigem Blick musterte. „Spinnst du eigentlich?!“
Buffys Hände hielten noch immer den letzten Rest des Knüppels. Sie starrte,
jetzt völlig kreidebleich, auf den wütenden Angel und ihr ging auf, dass sie
gerade auf einen Menschen eingeschlagen hatte.
„Du hättest mich ernsthaft verletzten können!“, fauchte Angel böse.
Tropfen für Tropfen sickerte diese Erkenntnis in ihr Hirn und mit jedem Tropfen
zerbröckelte ein Teil des an diesem Tag aufgebauten Selbstbewusstseins. Ihre
Augen füllten sich mit Tränen, während sie den zornigen Mann einfach nur
anschauen konnte und kein Wort hervor brachte.
„Angel?“, ertönte in diesem Moment eine Stimme vom Eingang. „Wo zum Teufel
steckst du, verdammt noch mal? Hier findest du eh…“
Spike verstummte übergangslos, als er auf die beiden Menschen traf, die sich
noch immer gegenüber standen. Angel mit wütend in die Hüften gestemmten Händen
und eine Buffy, deren Hände immer noch das abgebrochene Stück Holz umklammerten
und über deren Wangen Tränen liefen.
„Was zum Teufel…“, begann er und im gleichen Augenblick kochte Zorn in ihm hoch.
Seine Hände packten den völlig überraschten Angel, stießen den Mann rückwärts
und pressten ihn gegen das Gestein. „Was hast du getan?!“
„Verdammt, lass meine Schulter los“, knurrte Angel aufgebracht. „Diese Verrückte
hat mit dem Knüppel nach mir geschlagen!“
„WAS HAST DU GETAN?!“, schrie Spike, jetzt ernsthaft böse und ohne ihn los zu
lassen, in das Gesicht seines Freundes. „Ich hab es so satt, deinen Eskapaden
zuzusehen und dich jedes Mal wieder aus der Scheiße zu ziehen!!“
Keiner der beiden bemerkte, dass Buffy an der Stelle, an der sie gestanden
hatte, zusammen gesunken war und hemmungslos weinte.
„Man“, beschwichtigte Angel ihn. „Ich hab gar nichts getan. Sie sieht toll aus,
da kann man doch mal den Versuch starten, sie…“
Er kam nicht dazu, weiter zu sprechen, denn Spikes Hand ballte sich zur Faust
und drosch in Angels Magen. Stöhnend krümmte sich der dunkelhaarige Mann
zusammen und schnappte keuchend nach Luft.
„Ist es zu viel verlangt?“, brüllte Spike so zornig, wie Angel ihn lange nicht
erlebt hatte. „Acht Wochen – acht Wochen, Peaches!!! Nur acht Wochen!!! – mal
deine dämlichen Finger bei dir selbst zu behalten??!!“ Er schlug noch einmal zu
und Angel sackte zusammen.
„Alter, spinnst du…“, stieß er gequält hervor.
„Du bist hier, weil du nichts anderes kannst, als dir Ärger einhandeln!“, tobte
Spike weiter. „Es war mir bisher scheißegal, welche Frauen du anmachst!! Aber
wenn du dieser Frau noch einmal zu nahe kommst, werde ich Kleinholz aus dir
machen!!! Ist das klar?!“
„Hey, ich hab ihr nichts getan…“, verteidigte sich Angel schwach und kassierte
dafür einen weiteren Schlag ins Gesicht.
Spike zerrte Angel hoch und stieß ihn in Richtung Höhlenausgang. „Du hast genug
getan!! Sieh sie dir an! Wenn du deinen Schwanz nicht unter Kontrolle hast,
benutz deine Hand, du Idiot! Das Ding bringt sowieso nur Ärger! Vielleicht
solltest du mal über Kastration nachdenken!“
„Krieg dich ein“, murmelte Angel kleinlaut.
„Ich werde dir persönlich die Eier abschneiden, wenn du diese Frau noch einmal
anrührst!“, warf Spike ihm, jetzt jedoch bedeutend ruhiger, hinter her.
Angel brummelte noch etwas, was niemand verstand, aber Spike interessierte es
auch nicht mehr. Er wusste, dass Angel Buffy nichts getan hatte. Angel liebte
diese Spiele, diese kleinen Flirts, zweideutige Bemerkungen… Aber Spike wusste
auch, dass Buffy damit völlig überfordert war. Und Angel, der Trottel, besaß
keinen Funken Sensibilität, um so etwas zu bemerken…
Buffy fuhr erschrocken zusammen, als Spike vor ihr auf die Knie ging. Er starrte
in ihr tränenüberströmtes Gesicht und wollte am liebsten noch einmal hinaus
stürzen und Angel weiter verprügeln.
„Er ist weg, Luv“, flüsterte er beruhigend. Er zögerte noch immer, näher zu
kommen, weil er sie nicht noch mehr entsetzen wollte. Plötzlich sah sie wieder
so verschreckt aus wie ganz am Anfang dieses verfluchten Urlaubs und all die
Gespräche, die sie in den vergangenen Tagen geführt hatten, schienen vergessen.
Buffy schluchzte noch immer abgehackt, ohne ein Wort hervor zu bringen, während
die Tränen ungehindert ihre Wangen hinab strömten. „Ich habe ihn verletzt…“
„Na und?“, brummte Spike ungerührt. „Er wird es überleben. Was hat er getan?“
Sie vergrub ihr Gesicht in ihren Händen. „Gar nichts... Er wollte mich nicht aus
der Höhle lassen…Ich hab Angst bekommen…“ Ihre Schultern bebten. „Ich will nach
Hause, Spike… ich will einfach nur nach Hause…“
„Dieser verdammte Scheißkerl“, fluchte Spike leise. In den Augen eines anderen
Menschen hatte Angel vielleicht tatsächlich nichts getan, jedenfalls noch nicht
– Spike war sich nicht sicher, wie weit Angel gehen würde, aber körperliche
Gewalt in Bezug auf Frauen traute er ihm nicht zu. Klar, er legte Jede flach,
die ihm über den Weg lief und ihm schöne Augen machte, aber er hatte es noch nie
nötig gehabt, eine Frau dazu zu zwingen.
Spike verfluchte ihn jetzt jedoch dafür, dass er den winzigen Funken
Selbstvertrauen in Buffy wieder zerstört hatte.
„Angel ist ein Großmaul, mehr nicht“, versuchte er sie zu beruhigen. „Komm, steh
auf. Wir gehen erst mal aus der Dunkelheit hier raus.“
Buffy schniefte leise, als er ihren Arm ergriff und sie mit sich hoch zog. „Ich
hätte ihn richtig verletzen können“, weinte sie weiter.
„Pfff“, machte Spike nur. „Vielleicht wäre er dann endlich mal klüger.“
Sie reagierte nicht auf seine Worte und wollte schon an ihm vorbei den Berg
hinab laufen, aber Spike fing ihre Hand und deutete zur Quelle. „Willst du Riley
wirklich so unter die Augen laufen?“ Er grinste schief. „Wäre ein gefundenes
Fressen für ihn.“
Aus Buffys gerade trockener werdenden grünen Augen quollen erneut Tränen. „Warum
bin ich so, Spike? Ich hasse mich…“
Spike warf all seine Bedenken über den Haufen. Wortlos schlang er seine Arme um
ihren so zierlichen Körper und zog sie an sich. Fast hatte er erwartet, sie
würde ihn von sich stoßen oder entsetzt zusammen zucken, aber sie sank gegen
seinen Körper und begann wieder zu schluchzen.
Seine Zähne gruben sich in seine Unterlippe, während er sie festhielt, weinen
ließ und nur gedankenverloren und tröstend über ihre langen blonden Haare
streichelte. Im Moment weinte sie nicht mehr wegen Angel. Sie tat sich selbst
Leid und Spike fühlte sich plötzlich, als müsste er mitweinen.
Irgendwann, es schien eine Ewigkeit später, ebbten die Schluchzer ab und Buffy
wollte sich verlegen von Spike lösen. Er ließ es nicht zu, sondern zog sie mit
sich zu der kleinen Quelle neben dem Eingang zur Höhle.
Umständlich holte er ein Taschentuch aus seiner Hosentasche, hielt es ihr mit
einer verlegenen Geste hin und deutete mit einer kurzen Kopfbewegung zum Wasser.
Buffy schluckte, ehe sie neben der Quelle auf den Boden sank und das Taschentuch
ins Wasser tauchte. Spike setzte sich neben sie, beobachtete wortlos, wie sie
sich das Gesicht benetzte und die geröteten Augen kühlte.
„Angel ist ein Idiot“, sagte er leise. „Die Frauen mögen ihn aber, ich weiß auch
nicht, warum. Wir sind hier, weil Angel es geschafft hat, die Frau eines
verdammt einflussreichen Mannes flach zu legen. An sich nicht schlimm, aber sie
wollte nicht begreifen, dass es nur eine Nacht war und nicht mehr. Sie ist zu
ihrem Mann gerannt, hat die Sache gebeichtet und dieser hat einen kleinen
Rachefeldzug gegen Angel gestartet. Wir hoffen, dass in acht Wochen Gras über
die Sache gewachsen ist und unser Anwalt es geschafft hat, dem Typen mit jeder
Menge Dollars den Mund zu stopfen…“
Buffy hatte die Hand mit dem Taschentuch sinken lassen und sah ihn mit großen
Augen an.
„Ich bin der Dummkopf, der die Wette verloren hat, bei deren Einsatz es einfach
nur darum ging, wer den Idioten Angel begleitet.“ Spike seufzte. „Irgendwann
werde ich ihn eigenhändig kastrieren…“
Buffy schoss bei seinen Worten schon wieder die Röte ins Gesicht und das trotz
ihrer verweinten Augen.
Spike hob seine Hand und strich gedankenverloren mit den Fingern über ihre
Wange. „Er wird nicht wieder in deine Nähe kommen, Kätzchen. Ich verspreche es
dir“, sagte er sanft.
Buffy wagte kaum zu atmen.
„Ich werde ihm noch einmal gehörig in den Hintern treten“, setzte er dann hinzu,
starrte seine Hand an, als könne er selbst nicht fassen, was er gerade tat und
ließ sie schnell sinken.
„Ich hab mit einem Knüppel auf ihn eingeschlagen“, murmelte Buffy kläglich.
„Seine Schuld.“ Er zuckte ungerührt mit den Schultern. „Wenn er anfängt, die
Regeln zu brechen, muss er den „Urlaub“ hier abrechen“, verkündete er dann
düster. „Ich werde nicht zulassen…“
„Was?“, unterbrach ihn Buffy erschrocken. „Du… du meinst, ihr wollt heim
fliegen?“
Spike nickte. „Wenn er anfängt, hier Ärger zu machen, schnappe ich ihn und werfe
ihn zu Hause den Haien zum Fraß vor.“
„Aber…“ Buffy verstummte. Sie konnte ja schlecht sagen, dass sie sich gerade an
seine Gesellschaft gewöhnt hatte. Sie sah ihn flehend an. „Noch ist doch… nichts
passiert… Jetzt müsst ihr doch nicht gehen…?“
Spike runzelte die Stirn. „Nein“, sagte er dann langsam und fragte sich, ob es
wirklich Erleichterung war, was er in ihrem Gesicht bemerkte.
Sie lächelte sogar ihr so süßes schüchternes Lächeln und er hatte wieder einmal
damit zu kämpfen, sie nicht wieder an sich zu ziehen. Du bist ja nicht besser
als Angel, schimpfte er mit sich selbst.
„Schön“, hauchte sie so leise, dass er es kaum hörte. Dann musterte sie
plötzlich interessiert den Boden und setzte flüsternd hinzu: „Du machst mir
Mut.“
Spikes Mund klappte auf. Fassungslos starrte er die junge Frau an und ihm
fehlten sicherlich zum ersten Mal in seinem Leben die Worte.
„Ich m-meine…“, begann sie zu stottern. „D-du hast ihm doch deutlich klar
gemacht, d-dass er sich… ähm… zusammen reißen soll?“
„Ich denke… schon“, sagte er langsam. „Ich mache dir Mut?“
Sie hob schüchternd den Kopf und nickte. „Und ich stottere schon viel weniger,
wenn ich mit dir rede“, entgegnete sie scheu und wich seinem Blick aus.
Aber rot wirst du noch genug, dachte Spike fasziniert, während ihm durch
den Kopf ging, dass Angel vielleicht nicht der einzige war, der seine Hormone
nicht unter Kontrolle halten konnte.
Teil 6
Angel war noch nicht bis zum Camp zurückgegangen. Sie fanden ihn auf der Hälfte
des Weges in einem mehr als zerknirschten und betretenen Zustand.
Mit einem scheelen Seitenblick auf Spike, meinte er in Buffys Richtung: „Tut mir
leid, Kleines. Ich hab das wirklich nicht böse gemeint. Ich wollte dir keine
Angst einjagen.“
„Schon gut“, murmelte Buffy, nun wieder vollends verlegen.
Spike stieß seinem Freund die Hand gegen die Stirn. „Halte deine Hormone unter
Kontrolle! Acht Wochen sind nicht allzu lang. Also reiß dich zusammen!“
Angel verzog das Gesicht und grinste dann in Buffys Richtung. „Übrigens toller
Schlag, Süße.“
Das brachte ihm einen weiteren funkelnden Blick von Spike ein, aber er zuckte
nur ungerührt mit den Schultern. „Krieg dich jetzt bitte ein, Alter. Ich rühr
sie nicht an. Aber reden kann ich noch mit ihr, oder?“
„Pass auf, dass du nicht wieder meine Faust im Gesicht hast, Peaches!“
„Das will ich sehen, Blondie!“ Angel lachte und grinste dann wieder.
Buffy konnte nur fassungslos von einem zum anderen schauen und fragte sich, was
jetzt wieder los war.
„Wie erklärst du deine aufgeplatzte Lippe?“, erkundigte sich Spike dann
honigsüß.
„Kleine Meinungsverschiedenheit unter Freunden?“
Spike hob seine Augenbraue und zum ersten Mal fiel Buffy auf, dass er dort eine
kleine Narbe hatte. Sie schreckte jedoch aus ihren Überlegungen hoch, als Spike
fragte: „Was sagst du, Buffy?“
„W-was?“, stotterte sie überrascht.
Spike lachte, tippte ihr gegen die Nase und fragte vergnügt: „Bestätigst du,
dass Angel angefangen hat?“
„Hey!“, schimpfte dieser. „Ich hab nicht angefangen!“
Diesmal musste sogar Buffy lachen. Weder Spike noch Angel stellten sie als
verrückt oder durchgeknallt hin. Sicher war ihre Reaktion etwas extrem gewesen,
aber im Nachhinein sagte sich Buffy, dass es bestimmt genug andere Frauen gab,
die ähnlich reagiert hätten.
Schließlich hörte man im Fernsehen oder las in der Zeitung genug über Gewalt
gegen Frauen. Buffy nahm ja im Allgemeinen wenig am gesellschaftlichen Leben
teil, die Zeitung aber, die verschlang sie und sie schaute sich auch täglich die
Nachrichten an.
„Wir könnten sagen“, feixte Angel schon wieder recht vergnügt, „wir haben uns um
Buffy gestritten.“
„Was?!“, fuhr diese, aus ihren Gedanken gerissen, erschrocken auf.
Spike verzog spöttisch das Gesicht. „Lass ihn seine Witze reißen, Luv. Er wird
das nie sagen, weil er dann zugeben müsste, dass er den Kürzeren gezogen hat.“
„Pffff“, kam es von Angel.
Spike beugte sich zu Buffy und flüsterte in ihr Ohr: „Es würde seinen Stolz
verletzten zuzugeben, dass es eine Frau gibt, die nicht auf ihn fliegt.“
Angel drehte sich demonstrativ um und stiefelte in Richtung Camp. „Ich hab das
gehört, Blondie!“
Und diesmal wurde Buffy nicht rot, sondern lachte mit.
*************
Zwei Tage später entdeckten Oz und Xander den Vorrat an alkoholischen Getränken
in der Vorratsbaracke – sehr zum Verdruss von Riley, der missmutig vor sich hin
brummelte, wie sehr er solche „Feiern“ hasste, die dann immer ausarteten.
Oz und Xander interessierte das herzlich wenig, sie steckten mit ihrer
Begeisterung Anya und Willow ab, fanden sogar noch Batterien für ihren CD-Player
und verkündeten, es wäre endlich mal Zeit für eine ordentliche Party.
Obwohl sich an Rileys Gesichtsausdruck nicht viel änderte, entzündete er das
große Lagerfeuer und setzte sich dann neben Buffy, als die Getränke, Bier und
Wein, zum Abendessen verteilt wurden.
Buffy allerdings blickte mehr als skeptisch in ihr Glas.
Sie trank selten Alkohol, aber wie man sich fühlte, wenn man betrunken war,
wusste sie aus einmaliger Erfahrung. Parker hatte ihr damals sehr pikiert
erklärt, es gehöre sich für eine Frau nicht, sich in einen solch peinlichen
Zustand zu versetzen.
Deshalb nippte sie auch jetzt nur an dem Wein und verfolgte mit großen Augen,
wie die beiden jungen Männer, genauso wie Anya und Willow, immer betrunkener
wurden. Sogar die Unzertrennlichen, Harmony und Scott, hatten ihr Zelt verlassen
und saßen mit am Feuer, natürlich eng umschlungen.
„Nun Buffy?“, fragte Riley neben ihr. „Fühlst du dich langsam etwas wohler
hier?“
Sie nickte. „Ich weiß zwar nicht, ob im Moment daheim alle toben, aber ich kann
nicht behaupten, dass ich von Heimweh verzehrt werde.“
Neben ihr ließ sich Spike auf den Boden fallen und hob die Flasche Wein in
seiner Hand. „Noch jemand Bedarf? Buffy?“
„Spike?“, machte Riley erstaunt. „Womit haben wir denn deine Anwesenheit
verdient?“
Spike füllte Buffys Glas und grinste. „Ich bin immer für Partys zu haben. Vor
allem, wenn es Alkohol gibt.“
„Ich nicht“, sagte Buffy.
„Was? Nicht für Partys oder nicht für Alkohol?“, fragte er grinsend.
„Alkohol.“ Sie starrte in die rote Flüssigkeit. „Ich war einmal betrunken.“ Und
habe mich fürchterlich daneben benommen. Und Parker war stinksauer.
„Oh. Oh.“ Spike lachte. „Ich umso öfter. Allerdings mag ich das elende Gefühl am
nächsten Morgen nicht.“
„Warum tust du es dann?“, erkundigte sie sich stirnrunzelnd.
„Weil es toll ist“, erklärte er einfach.
„Hör nicht auf ihn, Buffy“, mischte sich Riley von der anderen Seite ein. „Ich
mag auch keine Frauen, die sich so furchtbar daneben benehmen wie die zwei jetzt
da drüben.“
Buffys Augen folgten seinem Arm und sie sah Willow und Anya eine Art
aufreizenden Tanz vor Oz und Xander aufführen. Diese grölten ausgelassen und
klatschten begeistert. Buffy fand das gar nicht so schlimm und bewunderte die
Beiden für ihren Mut.
„Ausziehen!“, schrie Oz gerade und Xander johlte.
„Hallo!“, rief Riley scharf dazwischen. „Das wird hier keine Orgie!“
„Spielverderber!“, kam die belustigte Antwort. Dann drehte Xander die Musik aus
dem CD-Player lauter und die beiden Männer sprangen auf, um ihre neuen
Freundinnen durch die Gegend zu wirbeln.
Riley hatte sich jetzt in ein Gespräch mit Angel vertieft und Buffy starrte
sehnsüchtig auf die beiden tanzenden Paare. Als dann sogar Harmony und Scott
aufstanden und sich eng aneinander geschmiegt zu der viel zu schnellen Musik
wiegten, seufzte sie leise.
„Möchtest du tanzen, Luv“, schnurrte Spike neben ihrem Ohr.
Aber sie zuckte nicht einmal zusammen, sondern sagte nur traurig: „Ich kann
nicht tanzen.“
„Was heißt, du kannst nicht tanzen?“, fragte er verdutzt.
Sie zuckte mit den Schultern. „Ich kann es halt nicht.“
„Das gibt es nicht.“ Er klang fassungslos und sprang auf. „Los, hoch mit dir. Es
wird Zeit, dass du es lernst.“
Buffy war viel zu verblüfft, um zu reagieren und ließ zu, dass er ihre Hand
ergriff und sie mit sich zog. Als sie allerdings neben den anderen zum Stehen
kam, sah sie wirklich unglücklich aus. „Ich kann tatsächlich nicht tanzen“,
sagte sie kläglich.
„Du kannst nicht tanzen?“, fragte Anya neben ihr genau so fassungslos wie Spike
vorher.
Nun ließ es sich nicht mehr verbergen, denn Anya hatte zu laut gesprochen und
plötzlich wusste es jeder.
Buffy, schon wieder hochrot im Gesicht, wäre am liebsten in den Erdboden
versunken.
Doch niemand lachte über sie. Plötzlich war sie von Willow und Anya umringt, die
ihr kichernd die Schritte erklärten und den Takt vorgaben. Anfangs war Buffy die
ganze Sache fürchterlich peinlich, sie dachte nur darüber nach, wie dumm sie
sich anstellte und dass es unmöglich war, sich die Schritte zu merken.
Aber selbst jetzt lachte niemand über sie. Zwar kicherten die beiden Frauen
immer wieder und lachten auch, aber mehr, weil sie sich über sich selbst und ihr
Bemühen, Buffy etwas zu vermitteln, amüsierten.
Irgendwann kicherte Buffy mit, wenn sie den schnellen Schritten der beiden
Frauen nicht folgen konnte oder über ihre eigenen Beine stolperte und nur ein
schneller Griff von Willow oder Anya einen Sturz verhinderte.
Es war lange her, dass sie so viel gelachte hatte. Sicherlich tat der ungewohnte
Genuss von Alkohol sein übriges. Von allen Seiten stürzten gut gemeinte
Ratschläge auf sie ein und sie kam gar nicht schnell genug nach, diesen zu
folgen.
„Was ist, Spike?“, rief Willow. „Kannst du tanzen?“
„Sicher“, grinste Spike breit und griff nach Buffys Händen, als man sie in seine
Richtung schob. Er legte ihre linke Hand auf seine Schulter, zog sie an sich und
raunte: „Nicht nach unten sehen.“
Buffy schoss wieder die Röte ins Gesicht. Es war etwas anderes, an seiner
Schulter zu weinen, als mit jeder Faser ihres Körpers seinen zu spüren, als sie
an ihn gedrückt wurde.
„Locker bleiben, Kätzchen. Ich beiße nicht“, murmelte Spike amüsiert, als er
fühlte, wie sie sich versteifte.
Buffys Kopf schien plötzlich komplett leer zu sein und sie hatte Mühe, sich an
die Schritte zu erinnern, die sie gerade noch so eifrig geübt hatte.
„Ich stell mich so dumm an“, stieß sie verlegen hervor und linste wieder in
Richtung ihrer Füße.
„Hey!“, machte Spike und zog sie enger an sich, damit sie keine Chance mehr
hatte, ihre Schritte zu beobachten. „Kopf hoch. Sieh mich an.“
Oh Gott, das ist ja noch viel schlimmer. Buffy konnte überall hin sehen, nur
nicht in sein Gesicht, das ihr plötzlich so nah war. Trotz der Dunkelheit, die
nur von dem großen Feuer in der Mitte des Camps erhellt wurde, konnte sie das
unwahrscheinliche Blau seiner Augen erkennen. Funken blitzten in ihnen und ihr
ging durch den Kopf, dass sie noch nie jemandem mit solchen Augen begegnet war.
Das flackernde Licht betonte die Schärfe seiner Wangenknochen und eine
eigenartige Hitze stieg in Buffy auf, als sie nun doch den Blick zu ihm hob.
Eine Hitze, die nichts mit Verlegenheit zu tun hatte und die ihr fremd war.
Völlig durcheinander trat sie ihm auf die Füße, stolperte und klammerte sich an
seiner Schulter fest, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren.
„Tut mir leid“, flüsterte sie und wurde noch röter, diesmal allerdings, weil es
ihr erneut peinlich war.
„Kein Problem“, meinte er unbekümmert und tanzte weiter, als wäre nichts
geschehen. „Du machst das gar nicht schlecht. Also hör auf, darüber
nachzudenken.“
Buffy benötigte fünf Lieder, ehe sie sich auch nur halbwegs entspannte. Ihr war
so heiß, dass sie am liebsten ins Wasser gesprungen wäre, doch Spike gab keine
Ruhe, sondern erklärte ihr lachend, dass man Tanzen nur lernen konnte, wenn man
ausreichend übte.
Eigentlich war es gar nicht so schwer und Buffy wunderte ich, warum sie nicht
von selbst darauf gekommen war, es zu lernen. Auch Parker war nie auf die Idee
gekommen, was seltsam war, denn auf all den offiziellen Einladungen, die sie
stets wahrnehmen mussten, wäre Tanzen eine wunderbare Gelegenheit zum
Repräsentieren gewesen.
Irgendwann machten sie eine Pause und mit neuem Enthusiasmus und noch immer
roten Wangen griff Buffy wieder nach ihrem Glas.
Spike bemühte sich krampfhaft, sie nicht zu offensichtlich anzustarren. Aber
egal, was er sich einredete, er fand, dass sie mit den erhitzten Wangen und dem
fürchterlich verlegenen Lächeln im Gesicht einfach fantastisch aussah.
„Weißt du“, sagte er und bemühte sich um einen unbeteiligten Ton. „Du solltest
vielleicht gleich mal sagen, was du alles nicht kannst, damit wir dir das
beibringen.“
Buffy lachte auf. „Ich denke, das ist eine Menge. So lang sind acht Wochen auch
nicht.“ Sie stellte ihr leeres Glas zur Seite. „Du tanzt gut“, sagte sie dann
mit einem schüchternen Lächeln.
Er grinste zurück. „Keine Angst, wir werden schon zusehen, dass du es auch so
gut lernst.“ Er nahm wieder ihre Hand und zog sie mit sich. „Bereit für eine
neue Runde?“
Und Buffy warf lachend den Kopf zurück, als sie ihre Hand auf seine Schulter
legte. „Aber sicher doch!“
***********
Irgendwann, sehr viel später, taten Buffy zwar die Füße weh, aber sie konnte
trotzdem nicht genug bekommen. Sie hatte auch mit Riley getanzt und sogar mit
Angel, fand aber, dass sie mit Spike besser zu recht kam, ohne konkret sagen zu
können, warum.
Jetzt fühlte sie sich leicht schwindlig, erhitzt und außer Atem und war froh,
kurz ausspannen zu können. Sie setzte gerade ihr Glas Wasser an, als ein
belustigtes Aufkreischen, das ganz nach Willow klang, ihre Aufmerksamkeit auf
die vier Menschen lenkte, die jetzt auf der anderen Seite des Lagerfeuers auf
dem Boden saßen.
„Heh, Spike!“, rief Willow dem blonden Mann zu, der gerade an der Gruppe vorbei
ging. „Hol deine Freundin und spiel mit.“
Xander johlte schon wieder begeistert.
„Was spielt ihr?“, fragte Spike neugierig mit einem misstrauischen Blick in die
Runde. Die Vier sahen recht betrunken aus und deshalb nahm er an, dass es sich
nicht um ein hochgeistiges Spiel handeln konnte.
„Flaschendrehen!“
Er lachte. „Das hab ich das letzte Mal mit 16 gespielt. Wie alt seid ihr doch
alle gleich?“
„Komm schon, du Miesepeter“, mischte sich Anya ein und zog den widerstrebenden
Spike auf den Boden. „Buffy, komm her, jetzt wird’s lustig.“
Buffy, die schon ablehnend den Kopf schütteln wollte, bemerkte dann jedoch, dass
Riley sich zu Angel gesetzt hatte, während alle anderen in ihre Zelte
verschwunden waren. Sie hatte noch keine Lust, ebenfalls zu gehen, wollte aber
auch nicht allein neben dem Feuer sitzen bleiben.
Und sie verspürte schon gleich gar kein Bedürfnis, schweigend den meist so
langweiligen Gesprächen zwischen Angel und Riley zuzuhören, deshalb atmete sie
tief durch und ging mit zu den anderen. Schließlich fühlte sie sich heute, als
könnte sie nichts erschrecken, lächelte scheu in die Runde und ließ sich neben
Spike ins Gras sinken.
Anya war ganz aus dem Häuschen. „Ich fange an“, kreischte sie und griff nach der
leeren Bierflasche in der Mitte des Kreises, den sie jetzt bildeten. „Mal sehen,
wen ich als erstes küssen darf.“ Dabei sah sie so eindeutig Spike an, dass
Xander sie böse anknuffte.
Küssen?! Buffy schnappte nach Luft und starrte die vier Menschen an.
Spike schmunzelte, als er Buffys schockierten Gesichtsausdruck bemerkte.
„Vielleicht sollte jemand Buffy erst mal das Spiel erklären?“, meinte er dann
amüsiert.
„Oh.“ Anya starrte Buffy an. „Hab ich glatt vergessen. Du hast noch nie
Flaschendrehen gespielt?”
Buffy schüttelte unsicher den Kopf.
„Ich fange an“, erklärte Anya. „Und drehe die Flasche. Und muss den küssen, auf
den sie zeigt. Dann ist derjenige dran.“
Buffys Augen wurden groß. „Und was ist der Sinn des Spiels?“, fragte sie
zögernd.
Anya lachte auf. „Küssen!“
„Mach endlich!“, schrie Oz dazwischen und nuckelte an seiner Flasche Bier.
Buffy wusste nicht, ob sie entsetzt sein oder lachen sollte. Sie schlug ihre
Hand vor den Mund, als Anya die Flasche drehte und beobachtete mit großen Augen,
wie diese wieder zum Halten kam. Und genau auf Spike zeigte. Anya kreischte
begeistert auf, während die beiden jungen Männer laut wieherten.
Spike kam gar nicht dazu, irgendetwas zu tun, als die junge Frau auch schon auf
ihn zu gestürzt kam und ihre Lippen auf seinen Mund presste.
„Aber richtig!“, schrie Oz. „Mit Zunge!“
Buffy schaute sich schnell nach ihrem Weinglas um und kippte die Hälfte des
Inhalts hinunter. In der Zeit hatte es Anya geschafft, sich wieder von Spike zu
lösen. Allerdings lag ihre Hand noch immer um seinen Hals und sie sah ihn
verträumt an.
„Wow, mein Freund“, murmelte sie atemlos. „Ich wusste, dass hinter dieser
muffeligen Schale ein verdammt heißer Kerl steckt.“
Xander griff wütend nach ihr und zog sie wieder an seine Seite. „Du sollst ihn
nur küssen! Nicht gleich flach legen!“
Willow sah ihre Freundin fast neidisch an und dann Spike. „Na los, du bist dran.
Ich hoffe doch, ich komme auch noch in den Genuss.“ Unter dem immensen
Alkoholeinfluss schien sie sogar vergessen zu haben, dass sie Spike eigentlich
nicht mochte.
Spike griff nach der Flasche. „Was ist, wenn die Flasche jetzt auf einen der
Männer zeigt?“
Xander brüllte lachend auf. „Das ist doch der Witz! Dann musst du mich küssen,
du gebleichtes Wunder!“
Buffy fand, dass sie noch nie ein dämlicheres Spiel gespielt hatte. Trotzdem
beobachtete sie irgendwie fasziniert, wie Spike dummerweise Oz küssen musste,
dieser Willow und Willow es irgendwie so drehte, dass sie Spike auch noch
erwischte.
„Wow!“, meinte Willow dann begeistert zu Anya, nachdem Oz sie von Spike
weggezerrt und böse gefragt hatte, ob er seine Haare jetzt auch blondieren
solle.
Spike grinste nur und griff wieder nach der Flasche. „Kann man bei dem Spiel
gewinnen?“
„Klar man!“, wieherte diesmal Oz. „Du musst versuchen, nur deine Freundin zu
erwischen!“
Die drei lachten sich halbtot, obwohl Buffy nicht einmal wusste, warum, dann
erstarrte sie, als die Flasche zum Stehen kam. Und direkt auf sie zeigte.
„Yeah! Yeah! Yeah!“, johlten die beiden jungen Männer und Willow stieß sie in
die Seite. „Jetzt wollen wir mal noch Buffys Meinung hören. Oder hattest du das
Vergnügen schon?“
Spike legte den Kopf schief und Buffy schoss wieder die Röte ins Gesicht. ‚Oh
Gott’, dachte sie panisch. ‚Er wird mich jetzt tatsächlich küssen.
Ich werde sterben.’
Teil 7
‚Oh Gott’, dachte sie panisch. ‚Er wird mich jetzt tatsächlich küssen.
Ich werde sterben.’
Mit einem Grinsen, das ihr den Atem raubte, beugte sich Spike zu ihr und schlang
seinen Arm um ihren Hals. Im nächsten Moment lagen seine Lippen auf ihrem Mund
und... sie vergaß alles um sich herum.
Seine Lippen waren weich und fast vorsichtig spürte sie seine Zunge, die sich
durch ihren halb geöffneten Mund tastete. Dann fuhr seine Hand in ihre Haare,
während er sie gegen sich presste und seine Zunge die ihre traf.
Buffy bekam gar nichts mehr um sich herum mit. Sie spürte seine Lippen, ihre
Hände umklammerten unbewusst seine Unterarme und sie glaubte jetzt wirklich zu
sterben. Ihr ganzer Körper schien in Flammen zu stehen. Sie schien keine Luft
mehr zu bekommen und ein eigenartiges Gefühl zog die Muskeln ihres Bauches
zusammen.
Es war Xander mit einem: „Eeees reeiicht jetzt!!“, der den Kuss stoppte und
Spike veranlasste, seinen Kopf von ihr zu lösen.
Buffy konnte ihren Blick nicht mehr von ihm nehmen und starrte keuchend in seine
blauen Augen. Spike benötigte seine gesamte Beherrschung, um sie nicht noch
einmal an sich zu reißen. Sie sah so hinreißend benommen aus und es kostete ihn
eine unwahrscheinliche Kraft, ein Grinsen in sein Gesicht zu zaubern und
schelmisch zu fragen:
„Auch zufrieden?“
„Gott!“ Anya schlug ihm auf den Rücken. „Das fragst du noch! Sieh sie dir doch
an!“
Buffy atmete tief durch und wunderte sich, warum sie nicht in den Erdboden
versinken wollte. „Wow“, murmelte sie leise und kippte den Rest ihres Glases
hinunter. Sie hatte die schwache Hoffnung, dann wieder klar denken zu können.
Auf der anderen Seite des Platzes spuckte Riley den Schluck Bier, den er gerade
im Mund hatte, Angel fast ins Gesicht. „Oh Gott“, murmelte er erstickt und
klang, als stünde er kurz vor einem Herzinfarkt. „Spike küsst Buffy.“
Angel drehte sich um. „Ja?“, und runzelte die Stirn. „Was soll das für ein Spiel
sein?“
„Ich will es nicht wissen“, stöhnte Riley entnervt.
„Was hast du? Sie sieht nicht aus, als hätte sie etwas dagegen.“
„Ich weiß nicht, ob das gut oder schlecht ist“, orakelte Riley düster und
stierte wieder in sein Bierglas.
Währenddessen nahm das Spiel seinen Fortgang und Buffy fühlte sich nach dem
Genuss des ungewohnten Weins so frei wie lange nicht. Sie küsste an diesem Abend
so viele Leute wie in ihrem ganzen Leben noch nicht. Sogar die Mädchen! Jedoch
konnte sie sich nicht dazu überwinden, diese richtig zu küssen. Anya und Willow
hatten da gar keine Hemmungen, wenn es sie beide traf. Im Gegenteil, unter den
Hurrarufen von Xander und Oz und dem amüsierten Blick von Spike, liefen sie
geradezu zur Hochform auf.
Es war schon recht spät, als Spike belustigt zu Buffy meinte, sie sähe reichlich
betrunken aus und sie brachte ein schiefes Grinsen zustande. Das Spiel war
eingeschlafen, weil keiner mehr Lust hatte, an der Flasche zu drehen. Willow
hatte sich an Oz gelehnt und erklärte träge, sie kenne noch ein paar Spiele, die
genau so nett wären.
„Ich glaube, da schaue ich erst mal zu“, murmelte Buffy müde.
Anya, die es sich mit dem Kopf auf Xander Schoß bequem gemacht hatte, blinzelte
kurz. „Wahrheit oder Pflicht meint sie, denk ich“, erklärte sie nur. „Wähl
einfach Wahrheit, dann bist du auf der sicheren Seite.“ Sie kicherte.
„Meistens…“
„Dämliches Spiel“, kommentierte Spike.
Buffy lachte. „Das kenne sogar ich.“ Spike fasste zu, als sie nach vorn
überkippte. Buffy kicherte jetzt genau so wie Anya und umklammerte Halt suchend
seine Arme. „Ich habe aber nie mitgespielt. Ich fand es schon peinlich genug
zuzusehen.“
„Oh je.“ Ihr Kopf sank gegen seine Brust und er zog sie einfach an sich, ehe sie
ganz umkippen konnte. „Was fandest du so peinlich an dem Spiel?“
Willow lachte. „Wer weiß, was da für Bedingungen gestellt wurden…“
Spike musste grinsen. „Nun ja, je dämlicher desto besser…“
„Na aber sicher man!“ Oz schien wieder erwacht zu sein und blinzelte in die vom
Mond erhellte Nacht.
Währenddessen rutschte Buffys Kopf in Spikes Schoß und er strich ihr schmunzelnd
über die Haare, als sie es sich bequem machte und die Augen schloss. Doch er
beugte sich zu ihr. „Kätzchen, du kannst hier nicht schlafen.“
„Hm“, murmelte Buffy und Spike biss kurz die Zähne zusammen, als sich ihr Kopf
bewegte und dabei bestimmte Teile seiner Anatomie auf angenehme Weise drückte.
„Das war’ne richtig tolle Party!“, rief Xander plötzlich aus und kippte nach
hinten um.
Anya beschwerte sich brummend und schlug halbherzig nach ihm. „Ich gehe jetzt
schlafen“, verkündete sie und stand schwankend auf.
„Nimm mich mit!“, kreischte Xander und hangelte sich an ihrem Körper nach oben.
„Schlaft gut, Leute! Wir sehen uns Morgen!“
Oz und Willow sahen nicht aus, als hätten sie vor, ihre Zelte noch aufzusuchen.
Oz hatte seinen Arm um die Frau geschlungen und schlief wahrscheinlich genau so
fest wie diese.
Spike schaute sich um. Riley und Angel waren schon eine Weile verschwunden und
er schien die einzige noch muntere Person im Camp zu sein. Sogar das nie
ermüdende Liebespaar in dem abseits stehenden Zelt war verstummt.
Fast zärtlich fuhr er über Buffys Haare und seufzte leise. Es war eine Weile
her, dass er zu einer anderen Person eine solche Nähe gefühlt hatte wie zu ihr.
Gut, da war auch ein Schuss Verlangen, aber er wusste, dass er dem keinesfalls
nachgeben konnte und das war auch nicht die Hauptsache. Wenn er sie ansah, ihr
schüchternes Lächeln, die Röte, die in ihr Gesicht stieg, fühlte er sich, als
wäre er für sie verantwortlich.
Du machst mir Mut. Wann hatte das mal eine Frau zu ihm gesagt? Noch nie.
Sie hatte sich auf diese seltsam scheue Art in sein Herz geschlichen und er
wünschte sich nichts sehnlicher, als ihr ihre Angst zu nehmen und ihr zu sagen,
dass sie alles erreichen würde, wenn sie nur wollte.
Er seufzte wieder und schüttelte sie leicht an der Schulter. „Heh, Kätzchen.
Wach auf.“
„Lass mich schlafen“, murmelte sie verschwommen.
Spike zögerte nicht länger. Ohne ein weiteres Wort hob er die zierliche Frau auf
seine Arme und schwankte mit ihr zu ihrem Zelt. Dabei ging ihm kurz durch den
Kopf, dass sie wirklich ein Fliegengewicht war und endlich mal richtig essen
sollte.
Vor ihrem Zelt bückte er sich und kroch mit ihr zusammen hinein. Buffy hatte
ihre Arme um seinen Hals geschlungen und schien wieder eingeschlafen zu sein.
„Heh“, flüsterte Spike und versuchte, ihre Arme von seinem Hals zu lösen. Das
schien ihr überhaupt nicht zu gefallen, denn sie murmelte irgendetwas
Undefinierbares. Spike schickte ein Stoßgebet zum Himmel und wünschte, sich
jetzt einfach hinlegen und schlafen können. Er nahm jedoch an, dass sie einen
Schock bekommen würde, morgen neben ihm aufzuwachen. Deshalb startete er einen
nächsten Versuch, ihre Hände von ihm zu lösen.
Buffy kicherte. „Du riechst gut.“
Scheiße! Spike stöhnte auf, trennte ihre Hände mit einem Ruck von seinem
Hals und ignorierte ihren leisen Protest, als sie auf ihre Matte fiel. Sie
wollte sich wieder aufrichten, doch er hielt ihre Hände über ihrem Kopf fest und
hauchte leise. „Hör jetzt auf, Kätzchen!“
„Hm“, machte Buffy erneut und klang noch immer recht betrunken.
Er fluchte leise, konnte sich aber nicht beherrschen und presste kurz seine
Lippen auf ihren Mund. „Schlaf gut!“, stieß er heiser hervor und stürzte panisch
rückwärts aus dem Zelt.
Vielleicht war es nicht nur für Angel an der Zeit, sich zu erinnern, wie es war,
auf seine Hand angewiesen zu sein.
*************
Buffy erwachte am nächsten Morgen mit stechenden Kopfschmerzen und ihr war
hundeelend. Stöhnend vergrub sie ihr Gesicht unter der dünnen Decke, während ihr
durch den Kopf ging, dass Sterben eine gute Lösung wäre.
Die ganze vergangene Nacht stieg wieder in ihrem Kopf hoch und sie beschloss,
dass sterben noch zu einfach war. Sie würde dieses Zelt niemals wieder
verlassen.
Sie wusste, dass Alkohol bei ihr fürchterlich wirkte. Warum also hatte sie es
nicht abgelehnt mitzutrinken? Warum war Parker nicht da und hatte es ihr einfach
verboten? So wie immer. Warum? Warum? Warum?
Draußen hörte sie Geräusche und nahm an, dass die ersten erwachten. Ob es denen
auch so schlecht ging? Anya und Willow hatten sich schließlich nicht anders
benommen als sie. Ihr fiel ein, dass die beiden sich überhaupt nicht darum
scherten, wie sie sich benahmen oder wie viel sie tranken. Und das war bestimmt
nicht das erste Mal, dass sie so ausflippten, ohne dass ihnen jemand
Vorhaltungen machte.
Sie starrte gegen die Decke des Zeltes und ihr war zum Heulen zumute. Sie hatte
gestern das halbe Camp geküsst und nun keine Ahnung, wie sie jemals wieder einem
der Menschen ins Gesicht sehen sollte. Von Spike ganz zu schweigen.
Als hätte er ihre Gedanken gelesen...
„Luv?“, fragte eine vorsichtige Stimme vor ihrem Zelt und sie fuhr panisch hoch.
„Bist du wach?“
„Nein“, antwortete sie kläglich und schaute auf die zitternden Hände in ihrem
Schoß. „Geh weg.“
Als ob sie ihm jemals so kommen konnte. „Wie geht’s dir?“
„Scheußlich.“
„Komm raus an die frische Luft.“
„Nein.“
„Ich komme rein, wenn du nicht raus kommst“, warnte er sie.
Scheiße! Buffy kroch hektisch zum Ausgang des Zeltes und steckte den Kopf
hinaus. Die aufgehende Sonne blendete ihre Augen und das Dröhnen in ihrem Kopf
wurde stärker. Sie stöhnte leise auf. „Gott, ich sterbe...“
„So schnell stirbt niemand“, sagte Spike munter und Buffy fragte sich genervt,
warum es ihm so gut ging.
Dann fiel ihr wieder ein, dass er sie geküsst hatte. Und sie ihn. Und noch
einige andere Leute. Übergangslos kroch die Röte mit brennender Hitze in ihre
Wangen. Sie wusste überhaupt nicht, wohin sie schauen sollte, noch dazu, weil
Spike direkt vor ihrem Zelt hockte.
Spike ahnte sehr wohl, was in ihr vorging. Vor allem, weil es die herrliche
Farbe ihres Gesichtes so deutlich sagte. „Komm raus“, sagte er jedoch nur. „Wenn
du etwas gegessen hast, geht es dir besser.“
„Essen?“, würgte sie entsetzt hervor, ließ sich aber von ihm aus dem Zelt
ziehen. Erst dann stellte sie fest, dass sie nicht wusste, wie sie hinein
gekommen war und dass sie noch ihre Sachen vom Vortag trug. „Ich fühle mich so
elend“, jammerte sie.
„Da bist du heute bestimmt nicht die einzige“, erklärte er vergnügt.
Buffy bemerkte erstaunt, dass er sie einfach nur amüsiert anschaute. Von Parker
hätte sie jetzt andere scheußliche Worte gehört. Aber schließlich war sie mit
Spike auch nicht verheiratet und er hatte mitgetrunken. Etwas, was Parker nie
tat.
„Wieso geht es dir so gut?“, fragte sie missmutig.
„Ich war nicht ganz so betrunken wie du“, grinste er sie an und ging neben ihr
zu der Vorratsbaracke.
Buffy sah schnell in eine andere Richtung. „Das ist so peinlich“, murmelte sie
verlegen.
„So ein Quatsch“, fing er an zu lachen. „Ich habe schon schlimmeres erlebt.“
„Was?“ Sie blieb stehen. „Ich habe das halbe Camp geküs... Oh Gott!“ Sie wurde
wieder feuerrot, als ihr bewusst wurde, was sie gerade gesagt hatte und dass
eine der Personen vor ihr stand, und stürmte an ihm vorbei. „Ich will in den
Erdboden versinken...“
Spike war sofort wieder an ihrer Seite. „Es war ein Spiel. Und du warst nicht
die einzige. Worüber regst du dich auf?“
Buffy stieß die Tür auf und betrat den gekühlten Raum. „Ich vertrage keinen
Alkohol“, sagte sie leise, noch immer ohne ihn anzusehen. „Ich benehme mich
unmöglich. Und peinlich. Parker hat das auch immer gesagt und es mir
verboten...“
Spike runzelte die Stirn. „Jeder benimmt sich auf eine andere törichte Weise,
wenn er getrunken hat. Dein Parker sicherlich auch. Ich jedenfalls habe schon
genug Sachen gemacht, die mir am nächsten Tag peinlich waren. Na und?“
„Parker trinkt nie.“
Spike verkniff sich eine ironische Erwiderung. Ihr Mann schien ein ähnlicher
Idiot wie Riley zu sein und nur darauf aus, das bisschen Selbstvertrauen, das in
ihr erwachte, gleich wieder im Keim zu ersticken. Ohne ein Wort griff er nach
einer Flasche Wasser, mixte sich Müsli und Milch und folgte Buffy nach draußen.
Nur um zu sehen, wie Riley auf Buffy zustürzte.
„Buffy, wie geht es dir? Mein Gott, ich hätte nie geglaubt, dass du dich an
diesen Ausschweifungen beteiligst. Das war ja ent-entsetzlich...“
Buffy kämpfte mühsam gegen die Tränen in ihren Augen. Sie brachte kein Wort
hervor, sondern starrte Riley an wie einen Geist. Plötzlich fühlte sie Spike
neben sich und sah, wie dieser Riley mit einem verächtlichen Blick maß. Sie
schluckte mühsam und krächzte: „Riley, ich glaube nicht... dass ich mir das...
das... sagen lassen muss... von dir...“
Obwohl ihr Herz wie verrückt hämmerte, registrierte sie, dass Rileys Mund
aufklappte und ein Lächeln über Spikes Lippen huschte.
„Da muss ich ihr vollkommen Recht geben“, sagte er mit einem breiten Grinsen und
Buffy fühlte sich unheimlich stolz.
„I-ich wollte nicht“, stotterte Riley überrascht. „Ich habe n-nur gedacht, weil
sie doch...“
Spikes Augenbrauen hoben sich warnend. „Sie ist eine Frau, die selbst
entscheiden kann, was sie tut.“
„Aber sie sollte doch gar nicht hier sein!“, rief Riley aus.
„Ich bin es aber“, sagte Buffy leise. „Und versuche, das Beste daraus zu machen.
Und ich denke, ich halte mich ganz gut.“
„Genau“, kam es von Spike. „Und jetzt ist Schluss mit den Vorhaltungen. Wir
machen hier Urlaub und da darf man sich auch mal ein wenig daneben benehmen.“
Buffy folgte ihm schnell, ehe Riley antworten konnte. Sie ließ sich in den
Plastikstuhl neben Spike am Campingtisch fallen und strahlte Spike an. „Ich
fühle mich besser!“
Spike grinste. „Das freut mich.“
„Habe ich mich daneben benommen?“
„Nein, aber niemand dürfte etwas sagen, wenn du es hättest.“
Sie kicherte. „Ich fand schon, dass ich recht schräg war. Was verstehst du denn
dann unter daneben benehmen?“
„Nun...“ Er überlegte. „Du hast zumindest keinen Striptease hingelegt...“
„Oh.“ Buffy wurde wieder rot und stocherte in ihrem Müsli herum. „Nein.“ Dann
sah sie wieder hoch und begegnete seinem amüsierten Blick. „Das hast du schon
erlebt?“
Er nickte. „Sie war wirklich sturzbetrunken. Und tanzte dann auf dem Tisch.
Natürlich fand das der ganze Saal einfach nur klasse und heizte sie so richtig
an.“ Er grinste wieder. „Allerdings kann ich mich nicht mehr erinnern, wann sie
aufgehört hat. Viel hatte sie jedenfalls nicht mehr an, als ich unter den Tisch
gerutscht bin.“
Und Buffy lachte mit.
*********
Sie lachte auch, als Anya und Willow eine Stunde später mit einem gequälten
Stöhnen aus ihren Zelten krochen und sich mehr tot als lebendig zur
Vorratsbaracke schleppten.
Anya blieb kurz hinter Spike stehen, der den Kopf drehte und die junge Frau
belustigt angrinste.
„Siehst du, Buffy, jetzt bekommst du Gesellschaft“, murmelte er spöttisch.
Anya fuhr ihm spielerisch durch die blonden Haare. „Morgen, Spike“, hauchte sie,
beugte sich zu ihm und flüsterte in sein Ohr. „Hab ich schon erwähnt, dass du
fantastisch küsst?“
Buffy bemerkte zum ersten Mal, dass sich auch Spikes Wangen leicht röteten und
sie starrte ihn fasziniert an. Trotzdem klang seine Stimme wie immer, als er
antwortete: „Hast du. Mehrmals, falls ich mich richtig entsinne.“
Anya lachte, als sie ihm noch einmal gegen den Hinterkopf stieß und dann ihrer
Freundin folgte. Buffy bemühte sich wirklich, unbeteiligt zu schauen, scheiterte
jedoch kläglich.
„Was findest du so lustig?“
Sie prustete los. „Du bist rot geworden!“
„Bin ich nicht!“
„Bist du!“
„Nein!“
„Doch!“ Sie nahm ihren leeren Teller. „Ich werde andauernd rot und finde das so
peinlich. Es ist schön, das mal bei jemand anderem zu beobachten.“
Dazu fiel ihm nichts mehr ein. Er setzte seine Flasche an und trank einen
Schluck.
„Es sieht süß aus“, kicherte sie.
Spike verschluckte sich fast an dem Wasser und fing an zu husten. Hatte sie
das jetzt wirklich gesagt? Hat sie, beantwortete er sich die Frage selbst,
als sie sich ihre Hand auf den Mund schlug und sehr viel röter wurde als er.
„Stimmt“, bestätigte er grinsend. „Ich finde, bei dir sieht das auch süß aus.“
Buffy fluchte leise, schnappte ihren Teller und flüchtete vor seinem Lachen.
Teil 8
Buffy sah Spike den ganzen Tag nicht wieder. Aber sie sah sowieso nicht viel,
weil sie sich zum ersten Mal zu schlecht fühlte, um sich über irgendetwas einen
Kopf zu machen und lag den ganzen Tag auf ihrem Handtuch am See.
Natürlich beruhigte es sie etwas, dass Anya, Willow und die beiden Männer
ebenfalls nur auf ihren Decken lagen und sich gegenseitig die Ohren voll
jammerten.
Buffy aß nur ein wenig gegen Mittag und schlief dann weiter bis die Sonne
unterging. Erst dann fühlte sie sich wieder erholt genug und in der Lage, sich
anzuziehen und ins Camp zurückzukehren.
Sie kroch in ihr Zelt, zog sich um und überlegte, ob sie gleich hier weiter
schlafen sollte. Draußen hörte sie das Geschnatter der sich jetzt endlich wieder
besser fühlenden anderen Frauen und ab und an einen belustigten Einwurf von
Giles oder seiner Frau Jenny, die unterwegs gewesen waren und Pilze gesammelt
hatten.
Es sollte eine Pilzmalzeit geben, niemand hatte bei dieser Hitze Appetit auf
Fleisch und irgendwann stellte Buffy fest, dass sie doch noch nicht schlafen
konnte und sie kroch wieder aus ihrem Zelt.
Mittlerweile waren auch Angel und Spike wieder eingetroffen, die an diesem Tag
zusammen ‚Was auch immer’ getan hatten. Buffy setzte sich neben die beiden und
dachte zum ersten Mal in ihrem Leben gar nicht weiter nach, sondern fragte
einfach:
„Was treibt ihr eigentlich den ganzen Tag?“
Riley, der am anderen Ende des Tisches saß, starrte sie mit offenem Mund an.
Sogar Willow drehte verblüfft den Kopf und strahlte dann übers ganze Gesicht.
Angel bekam gar nichts mit, aber um Spikes Lippen bildete sich ein feines
Lächeln.
Erst dann merkte Buffy, dass sich plötzlich alle Augenpaare auf sie gerichtet
hatten. Sofort wurde sie feuerrot. „I-ich meine… ich w-wollte… wissen…“
„Wir erkunden die Gegend“, sagte Spike einfach und stoppte damit ihr weiteres
Reden. „Es gibt eine Menge zu entdecken, wir sind schon weit herum gekommen.“ Er
schmunzelte. „Heute waren wir bis zu einem zweiten, ähnlich großem See, wie es
dieser hier ist. Ca 15 km eine Strecke.“
„Der Blackmouse-Lake“, bestätigte Riley. „Ganz schönes Stück bei der Hitze.“
Angel lachte. „Ich hatte weniger Probleme, denn ich musste nicht mit einem Kater
kämpfen.“
Diesmal kicherten Willow und Anya los, während Spike das Gesicht verzog und den
beiden Frauen einen spöttischen Blick zuwarf. „Jedenfalls habe ich nicht den
ganzen Tag faul im Sand gelegen.“
„Oh Spike“, säuselte Anya mit einem belustigten Grinsen. „Mit dir hätte ich auch
wieder Flaschendrehen gespielt.“
„Hey“, schimpfte Xander aufgebracht. „Ich mag’s nicht, wenn du Spike anmachst.“
„Ich mag’s nicht, wenn man mich als faul bezeichnet“, erklärte Anya. „Ich wette,
Spike wollte nur nicht, dass wir sehen, wo er faul rum liegt und ist ein Stück
weggegangen. Die können uns ja viel erzählen.“
„Möchtest du das nächste Mal mitkommen?“, fragte Spike honigsüß. „Wir wandern
aber recht zügig, also kein Gejammer unterwegs.“
„Ich dachte ja, wir kriegen mal ein bisschen Frischfleisch“, mischte sich Oz
ein. „Wolltet ihr nicht jagen?“
„Nein!“, fuhr Buffy erschrocken auf.
Spike warf ihr einen verschmitzten Blick zu, ehe er wieder Oz anschaute. „Mit
Armbrüsten? Ich kann mit einem Gewehr umgehen und auch mit einer Pistole, aber
mit Pfeil und Bogen?“
„Ein Glück“, murmelte Buffy leise, doch Spike hatte sie gehört und beugte sich
zu ihr.
„Ich werde kein Tier töten, wenn du das nicht willst, Luv“, versprach er sanft.
Buffy schoss wieder die Röte in die Wangen, aber sie lächelte schüchtern zurück.
„Jetzt macht er aber Buffy an“, erklang Anyas Stimme von der anderen Seite des
Tisches.
„Schaut euch das mal an!“, schrie Willow von der Vorratsbaracke her und
unterbrach damit Buffys Überlegungen darüber, in welches Mauseloch sie sich
verkriechen könnte. „Hier gibt’s Körpermalfarben.“
„Was?“ Augenblicklich hatte Anya vergessen, worüber sie gerade gelästert hatte
und stürzte zu ihrer Freundin.
Riley schickte einen genervten Blick zum Himmel. „Ich hatte gehofft, die findet
niemand. Keine Ahnung, wer die dort deponiert hat.“
Giles tauschte einen amüsierten Blick mit seiner Frau. „Wolltest du das nicht
irgendwann mal ausprobieren, Schatz?“
„Vor 15 Jahren?“, kichert diese, ehe sie aufstand und Buffy winkte. „Komm mit,
Kindchen, ehe die Männer auf den Gedanken kommen, dass sie uns anmalen könnten.“
„Yeah!“, schrie Xander und sprang auf. „Das ist die Idee!!“
Scheiße, dachte Buffy panisch, als Jenny sie mit sich zog, sie selbst einen
unsicheren Blick in Spikes Richtung warf und dieser sehr vergnügt grinste.
Allerdings bekam sie nicht mehr mit, dass Angel sich zu seinem Freund beugte und
leise meinte. „Hab mir fast gedacht, dass du scharf auf sie bist…“
„Quatsch“, entgegnete Spike genau so leise, aber seine Augen verließen Buffy
nicht.
*************
„Seid ihr denn verrückt!!!“, kreischte die kichernde Willow und versuchte nach
Xander oder Angel zu treten, die sie festhielten, während Oz mit dem Pinsel
ihren Körper bemalte. Es gab schon kaum noch Haut ohne Farbe, von den Stellen,
die der Bikini verdeckte, einmal abgesehen.
„Warum soll es dir denn besser gehen als mir!“, beschwerte sich Anya, die –
wunderschön bunt – im Gras saß und Giles zuschaute, der ein wahres Kunstwerk auf
Jennys Rücken zauberte.
Buffy dagegen sah dem ganzen Treiben mit riesigen Augen zu und zuckte zusammen,
als Spike mit seinem berüchtigten Grinsen neben sie trat und gelassen in einem
Topf mit roter Farbe rührte.
„Lässt du dich freiwillig anmalen, Luv, oder muss ich mir Hilfe suchen?“, fragte
er mit einem herausfordernden Unterton.
„I-ich…“, begann sie stotternd und wich zurück. „I-ich will das nicht.“
„Angel“, rief Spike. „Ich brauche Hilfe.“
„Nein!“, fuhr sie auf.
Angel, der noch immer Willow festhielt, schaute kurz herüber. „Zickt sie auch
rum?“
„Zieh die Sachen aus, Kätzchen“, sagte Spike mit einem feinen Lächeln. „Die
werden sonst schmutzig. Du hast doch deinen Bikini drunter?“
„Du bist gemein“, piepste sie.
„Buffy“, schrie Willow. „Ich verspreche dir, du darfst ihn dann anmalen!! Wir
werden dir alle helfen, ihn festzuhalten. Oder wir fesseln ihn gleich!!“
Spikes Grinsen verlor sich nicht. „Noch habt ihr mich nicht, Rotschopf. Also,
Luv?“, erkundigte er sich dann scheinheilig und musterte den Farbtopf. „Nettes
Rot. Ich denke, es steht dir.“
„Verdammt“, flüsterte sie verzweifelt und sah sich nach einem Fluchtweg um.
„Lass sie bitte, wenn sie nicht will“, mischte sich Riley ein. „Hast du nicht
gesagt, sie kann tun, was sie möchte?“
Spike legte den Kopf schief und schaute Buffy herausfordernd an. Buffy
schluckte. Riley wollte, dass sie nicht mitspielte? Er würde wahrscheinlich auch
eingreifen, wenn man versuchen würde, sie so festzuhalten wie Willow. Bei Willow
griff er nicht ein. Warum bei ihr? Willow zeterte seit einer geschlagenen halben
Stunde, aber Riley interessierte es nicht. Warum glaubte er, sie schützen zu
müssen? Vor Spike? Willow schien trotz ihres Schimpfens Spaß zu haben.
Trotzig hob Buffy den Kopf und starrte Spike an, in dessen Augen, als er ihrem
Blick begegnete, ein Leuchten getreten war. Mit einer fast zornigen Bewegung zog
sie ihr T-Shirt über den Kopf und streifte die Hose ab.
Sie ignorierte die Röte, die wieder in ihr Gesicht stieg und sie konnte sich
auch dieses eigenartige Gefühl nicht erklären, das plötzlich ihren Magen
kribbeln ließ, als für einen kurzen Moment Spikes Grinsen verschwand und er sie
einfach nur mit hungrigen Augen anstarrte.
„Na los“, brummte sie missmutig, aber ihr Herz machte einen Satz, als er auf sie
zu trat und den Pinsel in die Farbe tauchte.
****************
Eine Stunde später waren es drei bunte Frauen, die unter den Anfeuerungsrufen
von Angel, Oz und Xander Jagd auf Spike machten. Riley saß mit einem amüsierten
Gesichtsausdruck neben Giles und Jenny, allerdings ohne sich an dem Gejohle zu
beteiligen.
„Buffy sieht richtig aufgeblüht aus“, sagte Jenny leise zu ihrem Mann. „Der
Urlaub tut ihr gut.“
Giles nickte. „Ihr Mann scheint den richtigen Riecher gehabt zu haben, sie
hierher zu schicken…“
Riley hustete verlegen, mischte sich in das Gespräch jedoch nicht ein. Er war
der Meinung, dass Buffys Familienverhältnisse niemanden etwas angingen und egal,
ob dieser Urlaub Buffy gut tat oder nicht, es war eine Unverschämtheit von Faith,
so etwas zu tun. Normalerweise hätte er Buffy gar nicht in den Flieger lassen
dürfen. Aber Faith war manchmal in ihren Argumenten sehr… überzeugend…
Unangenehm berührt durch die Erinnerung, rutschte er auf seinem Stuhl hin und
her. Nun ja, eigentlich ging ihn das alles ja gar nichts an…
In der Zwischenzeit hatte es Anya geschafft, sich auf Spike zu hechten und ihn
von den Beinen zu reißen. Jubelnd umklammerte Willow seine Arme, während Buffy
ihnen in nichts nachstand und sich auf seine Beine setzte.
„Wer zieht ihn aus?“, fragte Anya herausfordernd. „Buffy, los, ich überlass dir
das Vergnügen.“
„Hey!“, schimpfte Spike, ohne sich ernsthaft zu wehren. Es gefiel ihm viel zu
gut, zu beobachten, wie wieder diese herrliche Röte in Buffys Gesicht stieg. Er
sah es trotz der Farbe, mit der er ihre Wangen bemalt hatte.
„Wenn du meckerst, ziehen wir dir die Badehose auch mit aus!“, erklärte Anya
rigoros.
Buffy kicherte. Willow prustete gleich los und half dann Buffy, Spike das Shirt
über den Kopf zu ziehen.
„Ein Körper zum Träumen“, flüsterte sie dann der noch röter werdenden Buffy ins
Ohr. „Übernimm die Hose, ich halte die Arme fest.“
Spike biss die Zähne aufeinander und versuchte krampfhaft, an etwas
Unverfängliches zu denken, als Buffys unsichere Hände die Knöpfe seiner Jeans
öffneten. Er hätte ihr gar nicht zugetraut, dass sie das tat, aber die
Anfeuerungsrufe aller anderen verhalfen ihr wahrscheinlich zu jeder Menge Mut.
In jedem anderen Moment hätte Spike das sehr begrüßt, aber jetzt hatte er mehr
damit zu tun, seinem Körper einzureden, dass er ihre Finger ignorieren sollte.
„Komm schon, Buffy“, trieb Anya sie an. „Ich kann ihn nicht so lange festhalten.
Ist doch bestimmt nicht das erste Mal, dass du einen Mann ausziehst.“
Willow prustete wieder los. „Aber vielleicht das erste Mal solch ein Bild von
einem Mann.“
Buffy dagegen hatte mehr mit Spikes Hose und ihren eigenen zitternden Händen zu
kämpfen. Einen kurzen Augenblick begegnete ihr Blick dem von Spike und für
diesen Moment schien die Zeit still zu stehen.
Spike traf es wie ein Schlag. Da war neben der Verlegenheit eine Unsicherheit in
ihrem Blick, die ihm den Atem raubte. Plötzlich ahnte er, dass Anyas nur so
dahin geworfene Bemerkung einen Hauch Wahrheit enthielt.
Was zum Teufel hat sie für einen Mann? ging es ihm durch den Kopf, während er
sie nicht aus den Augen ließ und beobachtete, wie sie seine Hose seine Beine
hinab streifte. Wäre sie meine Frau, ich würde… HALT! wies er sich selbst
zurecht. Führ den Gedanken nicht zu Ende. Du trägst nur eine Badehose und bist
von drei kichernden Weibsbildern umringt.
„Bringt Buffy Farbe!“, schrie Anya in Xanders Richtung.
Dieser sprang natürlich sofort auf. „Welche Farbe hättet ihr denn gern?“
„Egal. Alles!“
„Das ist unfair“, schimpfte Spike währenddessen und hätte fast aufgestöhnt, als
sich Buffy auf seine Oberschenkel setzte. Aber sie strahlte so, dass er ihr
unmöglich böse sein konnte und er wusste genau, dass sie keinerlei
Hintergedanken bei der Sache hatte.
Wieder überlegte er, mit was für einem Mann sie verheiratet sein musste, wurde
dann aber aus seinen Gedanken gerissen, als Xander Buffy schwarze Farbe und
einen Pinsel reichte.
„Na, zum Glück kein Pink“, murrte er verdrossen.
Buffy deutete mit dem Pinsel auf ihn. „Still, sonst mischen wir das Pink schnell
noch. Und dann werden wir auch nicht zulassen, dass du dir die Farbe in den
nächsten Stunden wieder abwäschst.“
„Wenn du drohst, Luv“, entgegnete er vergnügt, „musst du allerdings damit
rechnen, dass ich dir das heimzahle.“
„Lass dir nichts gefallen“, flüsterte Willow in Buffys Ohr.
Buffy fühlte sich plötzlich unwahrscheinlich stolz über sich selbst. Grinsend
rührte sie in der Farbe. „Ich denke, du würdest den Kürzeren ziehen. Weil ich
eine Menge Leute habe, die mich unterstützen.“
„Genau“, bestätigte Anya. „Du stehst auf verlorenem Posten, Blondie.“
Spike lachte, aber das Lachen verstummte abrupt, als Buffy begann, mit dem
Pinsel auf seiner Brust zu zeichnen. Federleicht glitt der Pinsel über seine
Haut und als er dann einen Blick in ihr konzentriertes Gesicht warf, konnte er
kaum das Stöhnen, das unwillkürlich seinen Mund verlassen wollte, unterdrücken.
Ihre Zungenspitze schlängelte sich durch ihre Lippen und befeuchtete diese.
Buffy schien das gar nicht zu merken, dafür wurden Spikes Augen wie magisch von
dem kleinen zartrosa Ding angezogen.
Verdammt noch mal, fluchte er lautlos, ist sie wirklich so unschuldig? Als sie
dann auch noch den Kopf näher zu seinem Bauch senkte, um besser sehen zu können,
was sie da zeichnete, schickte er ein Stoßgebet zum Himmel. Das würde der
peinlichste Auftritt seines Lebens werden, wenn er einen Ständer bekam, weil ihm
dieses Unschuldslamm Buffy den Bauch bemalte.
Er biss die Zähne aufeinander, hätte am liebsten seinen „Freund“ Angel
angeschrienen, sich endlich her zu scheren und ihn zu retten, da begegnete er
Anyas amüsiertem Blick und funkelte sie böse an. Doch Anya hatte Erbarmen mit
ihm, obwohl sie genau zu wissen schien, worin sein Problem lag.
„Buffy, mach kein Kunstwerk draus“, mischte sie sich ein und griff ebenfalls zum
Pinsel. „Streich ihn einfach an.“
Spike formte ein lautloses „Danke“ mit den Lippen.
„Ich wollte eine Blume malen…“
„Ich kann mir ja vorstellen, dass das bequem ist“, entgegnete Anya lachend,
„aber du kannst nicht den ganzen Abend auf Spike sitzen.“
Buffys Kopf schoss erschrocken hoch. Wahrscheinlich bemerkte sie erst jetzt, was
sie eigentlich tat, denn sie wurde um einiges röter. Spike wünschte sich
plötzlich, mit ihr allein zu sein und verfluchte sich im selben Moment für
diesen Gedanken.
Buffy dagegen schlug sich verlegen die Hand vor den Mund, als sie Spikes
hungrigem Blick begegnete. „Oh Gott, i-ich…“, murmelte sie stotternd.
„Mach hin, Kätzchen“, hauchte Spike, ohne seine Augen von ihr zu lösen. „Ehe es
mir anfängt zu gut zu gefallen, dass du auf mir sitzt.“
„Ich hab das gehört“, trällerte Anya, während sie Spikes Arme bemalte. „Wenn du
nämlich still halten würdest, Spike, wären wir viel schneller fertig.“
Buffy wusste gar nicht, wohin sie schauen sollte. Komischerweise spürte sie
neben der Verlegenheit noch etwas anderes. Ein eigenartiges Gefühl, das sie
nicht beschreiben konnte und das irgendwo in ihrem Bauch zu kribbeln begann.
Wollte Spike das andeuten, was sie dachte? Das konnte nicht sein, oder?
Sie wagte den Gedanken nicht fortzuführen und ließ den Pinsel schneller über
seine Brust wandern. Sein Atem war unruhiger geworden und auch, wenn es den
beiden anderen Frauen nicht auffiel, Buffy registrierte ebenso den
beschleunigten Pulsschlag an seinem Hals.
„Hin…hinsetzen“, brachte sie dann hervor, als sie fertig war.
Spike richtete sich erleichtert auf, weil es bedeutete, dass sie aufstehen und
sich seinem Rücken zuwenden wollte.
Reiß dich zusammen, wies er sich zurecht. Sie ist tabu. Sie ist verheiratet.
Vielleicht mit einem Idioten, aber sie ist verheiratet…
Aber er musste die Augen erneut schließen und tief Luft holen, als Buffy begann,
sich mit seinem Rücken zu beschäftigen und schon wieder vergessen zu haben
schien, dass sie sich beeilen wollte.
**********
Eine Stunde später tobten all die bunten Gestalten in Richtung See. Spike mehr
als glücklich, dass Buffy sich nicht mehr so hautnah in seiner Nähe befand.
Trotzdem gefiel es ihm, dass sie neben ihm blieb und genau so lachte wie all die
anderen.
Allerdings wollte er sich selbst noch einmal daran erinnern, dass sie
unerreichbar war.
„Und wenn du heim kommst“, meinte er deshalb wie nebenbei, „sagst du zu deinem
Mann: Hey Schatz, ich hatte eine Menge Spaß und ich kann jetzt tanzen, lass uns
auf eine nette Party gehen.“
Buffy lachte verlegen auf. „Er würde mich für komplett durchgedreht halten.“
Idiot, stellte Spike zum wiederholten Mal für sich fest, fragte aber nur: „Wie
alt bist du eigentlich?“
„25.“ Sie nahm ihr Duschbad und folgte ihm zum Wasser. „Und du?“
„29.“ Er hechtete sich ins Wasser und Buffy sah ihm nach, als er auf den See
hinaus schwamm. Sie wollte sich erst einmal die Farbe abwaschen, ehe sie noch
eine Runde schwamm.
Parker wäre heute wahrscheinlich sehr entsetzt über sie gewesen. Nun ja, gestern
Nacht auch schon. Und er hätte dieses Spiel niemals mitgespielt. Buffy hätte
natürlich im nüchternen Zustand auch nie mitgespielt, aber dann fiel ihr ein,
dass Spike bei Weitem nicht so betrunken gewesen war wie der Rest der Gruppe.
Und es hatte ihm trotzdem Spaß gemacht.
Sie seufzte leise, während sie ihre Haare einschäumte und ausspülte. Parker
beschwerte sich manchmal sogar darüber, wenn sie zu laut oder herzlich lachte
und meinte, sie solle sich zusammenreißen. Ein Kichern stieg in ihr hoch, als
sie überlegte, was er zu Willows und Anyas Gekreische gestern Nacht gesagt
hätte. Oder wie er reagiert hätte, wenn Anya ihm so um den Hals gefallen wäre
wie Spike gestern.
Irgendwie fiel es ihr in Spikes und auch in Gegenwart all dieser Leute – gut
Riley ausgenommen - leichter, gegen ihre Schüchternheit oder Verlegenheit zu
kämpfen.
Sie wusste, dass das eine große Schwäche von ihr war und wünschte sich sehnlich
Faiths Selbstbewusstsein und ihre Gewandtheit im Umgang mit fremden Menschen.
Doch woher sollte diese Gewandtheit auch kommen, wenn sie so selten Gelegenheit
bekam, mit anderen Menschen zu reden, dann immer gleich anfing zu stottern und
rot wurde, bis Parker genervt meinte, sie solle einfach den Mund halten und ihn
nicht so blamieren. Meist war Buffy froh darüber gewesen, dass Parker das Reden
übernahm und sie einfach nur neben ihm stehen und freundlich lächeln musste.
Jetzt, nachdem sie die Menschen hier im Camp kennen gelernt hatte, auch wenn es
10 Tage gedauert hatte, bis sie fähig war, sich mit allen in ganzen Sätzen zu
unterhalten und nicht immer rot zu werden, sobald sie nur jemand ansprach, sagte
sie sich, dass ihr einfach nur die Gewohnheit fehlte und fragte sich, was sie
tun sollte, wenn sie heim kehrte. In Parkers einschüchternder Gegenwart würde
sie nie fähig sein, so ungezwungen zu reden wie hier.
Nachdenklich auf ihrer Unterlippe kauend, schlenderte sie zum Ufer zurück und
wickelte sich in ihr Badetuch. Plötzlich ging ihr auf, dass es ihr hier gefiel.
Dass sie die Menschen mochte. Selbst Riley, der sie manchmal ähnlich bevormunden
wollte wie Parker. Und sogar Angel, obwohl dieser ihr solch einen Schreck
eingejagt hatte.
Aber vor allem mochte sie Spike. Weniger auf die sexuelle Weise, schließlich war
sie verheiratet, aber er erinnerte sie in der Art und Weise, wie er mit ihr
umging, an ihre Freundin Faith.
In seiner Gegenwart konnte sie gegen ihre Schüchternheit kämpfen, er gab ihr den
Mut dazu. Natürlich versuchte er, sie heraus zu fordern, aber das tat Faith
auch. Und er zwang sie dazu, mit ihm zu reden. Buffy konnte kaum fassen, wie sie
vor zwei Wochen in das Flugzeug gestiegen war und beim Anblick all der fremden
Menschen nur Angst empfunden hatte.
Jetzt begann sie sich in ihrer Gegenwart wohl zu fühlen und sich gern mit ihnen
zu unterhalten.
„Träumst du?“, schreckte Spike sie hoch, griff nach seinem Handtuch und ließ
sich neben ihr fallen. Er lachte, als sie tatsächlich so zusammenfuhr, als hätte
er sie geweckt. „Schöner Traum?“
Buffy lächelte schwach. „Mir ist gerade durch den Kopf gegangen, dass es
anfängt, mir hier zu gefallen...“
Teil 9
„Ich weiß nicht...“ Buffy äugte vorsichtig in die Höhle, mit der sie doch diese
unangenehme Erinnerung an Angels Aufdringlichkeit verband.
„Dann warte einfach draußen, Angsthase“, stänkerte Spike und ging an ihr vorbei,
in die Höhle hinein.
Buffy fluchte leise, ehe sie ihm folgte. Der Rest der Gruppe hatte es sich auf
dem Plateau bequem gemacht und wollte den Sonnenuntergang genießen. Sie hätte
dort auch bleiben und sich nicht schon wieder reizen lassen sollen, einen
Höhlengang zu erkunden. Aber Spike hatte eine unvergleichliche Art, sie zu allen
möglichen blöden Sachen zu überreden.
Zum Glück ging er jetzt voran. Es wurde finsterer, doch seine Augen schienen ihm
noch immer genug zu zeigen, denn er entfachte die Fackel, die er mitgenommen
hatte, nicht.
„Ich sehe nichts mehr“, nörgelte Buffy, als sie an der Stelle ankamen, an der
sie beim letzten Mal die komischen Geräusche gehört hatte und geflüchtet war.
Sein leises Lachen ärgerte sie. „Vielleicht hast du ja bessere Augen als ich!“
Übergangslos lief sie gegen ihn, als er plötzlich stehen blieb. „Was ist denn
jetzt?“, fragte sie erschrocken, während sie versuchte, in der Dunkelheit etwas
zu erkennen. Aussichtslos.
„Ich mache die Fackel an“, erklärte er leise. „Der Gang geht tiefer, als ich
dachte.“
„Wie schön.“ Buffy sah schon eine Weile nichts mehr und war froh, seinen Atem
und seine Stimme zu hören. Ein leiser Schauer kroch ihren Rücken hinauf und sie
kämpfte gegen den Drang, nach Spike zu greifen und sich an ihm festzuklammern.
Dann zischte es, als er die Fackel entzündete und der Gang wurde in ein
flackerndes schummriges Licht gehüllt.
„Gruselig“, murmelte Buffy und bemühte sich, nicht zu offensichtlich hinter
Spikes Rücken zu kriechen.
Er stellte den Kopf schräg, als würde er lauschen. „Ich höre etwas. Aber ich
weiß nicht, was es ist.“
„Lass uns gehen“, piepste Buffy und schielte vorsichtig über seine Schulter in
den dunklen Gang. Allerdings wich sie nicht von seiner Seite, als er vorsichtig
weiter schlich. Der Gedanke, allein umzukehren, war noch scheußlicher als hier
zu bleiben. „Vielleicht sind es Ratten.“ Ihr wurde ganz schlecht. „Ich will
gehen, Spike.“
„Shhh“, machte er nur. „So ein fiependes Geräusch. Hörst du etwas?“
„Nein“, flüsterte sie.
In diesem Moment überraschte sie ein lautes Rascheln und das Geräusch von
Flügelflattern. Dunkle Schatten huschten auf sie zu und Buffy schrie überrascht
auf. Spike reagierte geistesgegenwärtig, duckte sich und Buffy wollte es ihm
gleich tun.
Fledermäuse, dachte sie mehr erschrocken als entsetzt, ging in die Knie und
fühlte im gleichen Augenblick, wie sich etwas in ihren langen Haaren verfing.
Übergangslos begann sie hysterisch zu kreischen. Sie sah überhaupt nichts mehr,
weil sie vollkommen von Sinnen um sich schlug, während sich das Tier noch mehr
in ihren Haaren verhedderte und flatterte.
„Oh mein Gott!!! Iiih! Verdammt!“
Spikes Fackel flog zur Seite, als er in ihre Richtung hechtete und sie zu Boden
warf. Über ihnen rauschten die letzten Fledermäuse vorbei. Er fing ihre um sich
schlagenden Hände und presste sie mit seinem Gewicht auf den Boden.
„Buffy! Beruhige dich. Hör auf, dich zu bewegen!“
Buffy hörte ihn nicht. Die Fledermaus flatterte genau so panisch bei dem
Versuch, sich aus den Haaren zu lösen, während Buffy weiter wie am Spieß schrie.
Spike stöhnte auf, griff mit einer schnellen Bewegung in ihre Haare und pinnte
ihren Kopf auf dem Boden fest.
„Hör. Auf. Dich. Zu. Bewegen!“, stieß er zornig hervor.
Übergangslos erstarrte sie unter ihm und sah ihn aus großen geweiteten Augen an.
„Das Tierchen hat genau so viel Angst wie du“, fuhr er sanfter fort, ohne jedoch
ihre Haare loszulassen. „Ich werde es jetzt befreien und du rührst dich nicht.
Verstanden?“
Ihre Kehle war wie zugeschnürt. Sie bekam kein Wort hervor und konnte nur
krampfhaft nicken. Er löste vorsichtig seine Hand aus ihren Haaren und schnappte
sich die flatternde Fledermaus. Buffy schloss die Augen und zwang sich,
gleichmäßig Luft zu holen. Sie nahm weder das Gewicht Spikes auf ihr wahr, noch
die Steine, die in ihren Rücken drücken. Alles, an was sie denken konnte, war,
dass eine Fledermaus in ihren Haaren hing.
Es dauerte keine zwei Minuten, doch es waren die längsten Sekunden ihres Lebens.
Ihre Zähne gruben sich in ihre Unterlippe, weil sie nicht wieder loskreischen
wollte und ihr Herz schlug gegen ihre Brust, so dass sie Angst hatte, es würde
ihre Brust sprengen.
Dann richtete sich Spike auf und ein Seufzer verließ ihre Lippen. Wahrscheinlich
wäre sie doch noch ohnmächtig geworden, wenn er nicht gesagt hätte:
„Kätzchen, es ist ja recht bequem auf dir, aber jetzt steh auf und sieh dir dein
gefährliches Monster an.“
„Ich kann nicht“, quietschte sie und fühlte sich wirklich so. Allerdings war sie
sofort auf den Beinen, als er sich zu ihr beugte und die kleine Fledermaus vor
ihr Gesicht halten wollte. „Bist du verrückt!“, schrie sie erbost und bemerkte,
dass er lächelte.
„Sieh sie dir an“, sagte er leise und kam wieder einen Schritt auf sie zu.
„Schau nur, was sie für einen süßen Kopf hat.“
Buffy starrte angewidert auf das Tier, das er mit beiden Händen umfing. Der
kleine Kopf mit den schwarzen Knopfaugen drehte sich hektisch hin und her und
die Ohren spielten in alle Richtungen.
„Ihr Herz klopft genau so verrückt wie deins“, fuhr er fort. „Ich denke, sie hat
einen viel größeren Grund, Panik zu empfinden als du. Sie hätte sich in seinen
Haaren erwürgen können.“
Das war noch lange kein Grund, Mitleid mit dem Tier zu haben, das fast für einen
Herzinfarkt gesorgt hatte.
„Sie hat sogar kleine Reißzähne“, murmelte Spike verzückt und hob die Fledermaus
näher an sein Gesicht. Wahrscheinlich sah er im Licht der neben ihm auf dem
Boden liegenden Fackel mehr als Buffy, die schnell etwas Abstand zwischen sich
und den Mann, der plötzlich eine Vorliebe für Fledermäuse entwickelt hatte,
brachte.
„Schön“, brummte sie böse. „Nimm sie doch als Haustier mit.“
„Willst du sie mal anfassen?“, erkundigte er sich scheinheilig.
„Nein!“, kreischte sie auf und machte einen Satz zurück.
Spike lächelte, hob seine Arme und öffnete seine Hände. Die kleine Fledermaus
flatterte kurz und schwirrte sicherlich sehr erleichtert ihren Artgenossen nach.
Buffy klopfte den Staub aus ihren Sachen und fuhr sich durch die zerwuschelten
Haare. „Gott, da war eine Fledermaus in meinen Haaren“, murmelte sie nervös.
„Ich fasse es nicht. Warum passiert so eine Scheiße immer mir? Ich gehe jetzt in
die Sonne hinaus. Ich werde keinen Meter weiter in die Höhle laufen.“
Spike hob die Fackel auf. „Komm schon. Ein Stück noch.“
„Spike“, jammerte sie und griff nun wirklich nach seinem Arm, als er einen
Schritt in Richtung der Dunkelheit machte.
Spike schmunzelte, ohne es sie sehen zu lassen, und ging weiter. Sie ließ ihn
nicht los, sondern flüsterte nur immer wieder. „Shit, Shit, Shit...“
Allerdings war es nicht einfach, ihre Nähe zu ignorieren, soviel Mühe er sich
auch gab. Sie schien keinen Gedanken daran zu verschwenden, dass sie fast an ihm
klebte und er nahm an, dass sie ganz andere Sorgen hatte.
„Ich habe Platzangst“, murmelte sie zu sich selbst. „Ich hasse Dunkelheit. Ich
kann dich nicht leiden, Spike.“
Er lachte wieder leise. Dann hatten sie das Ende des Ganges erreicht und die
Fackel beleuchtete eine kleine abgeschlossene Höhle. Alte abgenagte Tierknochen
lagen auf dem Boden zwischen dem Geröll und einigen stalagmidenähnlichen
Gesteinsformationen.
„Sieht du“, sagte er leise und hob die Fackel zur Decke. „Hier wohnen die
Fledermäuse.“
„Wie interessant“, antwortete sie bissig, ohne den klammerhaften Griff an seinem
Arm zu lösen.
Er starrte belustigt auf ihren blonden Lockenkopf, der fast an seiner Schulter
lehnte. Ihr Herz hämmerte noch immer wie verrückt, doch der panische Ausdruck in
ihren Augen war verschwunden. Beruhigend nahm er ihre Hand in seine.
„Keine Gefahr, Kätzchen. Absolut keine Gefahr.“
Buffy sah ihn mit großen Augen an, als er ihre Hand an seinen Mund zog und seine
Lippen gegen den Handrücken presste. Ihr Mund wurde plötzlich ganz trocken, doch
diesmal hatte es überhaupt nichts damit zu tun, dass sie sich in dieser dunklen
Höhle fürchtete.
„Gehen wir?“, fragte er und legte den Kopf schief.
Sie konnte nur nicken und ihm folgen, denn er ließ ihre Hand nicht los, als sie
den ganzen Weg zurückgingen. Ein eigenartiges Gefühl bildete sich in ihrem
Körper, ausgehend von ihren verbundenen Händen zog Hitze über ihre Haut und ihr
Herz klopfte noch schneller. Diesmal war es eindeutig keine Angst, sondern etwas
anderes, das eine Wärme in Buffy auslöste, die sie nicht kannte. Und sie fragte
sich verzweifelt, was zum Teufel mit ihr los war.
**************
Zwei Tage später beschlossen die vier partysüchtigsten Personen im Camp, Anya,
Willow, Oz und Xander, dass der Appetit auf Alkohol zurückgekehrt war.
Buffy tippte sich vielsagend gegen die Stirn, als sie ihr ein Glas mit
einschenkten und behauptete, nie wieder Alkohol zu trinken. Giles und Jenny
lachten sie aus und meinten, ein Glas ordentlicher Rotwein zum Abendessen wäre
okay. Es sollte bloß nicht mehr sein. Sogar Riley ließ sich zu einem Glas
überreden. Er setzte sich neben Buffy und meinte nur, nach einem Glas Wein würde
sie bestimmt keine verrückten Spiele mitspielen, also könne es auch nicht
schaden.
Angel und Spike waren noch nicht zurückgekehrt und niemand wusste, ob und wann
sie kommen wollten. Deshalb wurden schon einmal Vorräte für das Abendessen aus
dem Lagerhaus geholt.
Buffy fand es gemütlich, an dem Feuer zu sitzen, die beginnende Dunkelheit zu
genießen und den Gesprächen zu lauschen. Trotz der fremden Umgebung und den
fremden Menschen fühlte sie sich entspannter als manche Tage zu Hause.
Es war schon später - Buffy hatte sich tatsächlich nach dem zweiten Glas Wein
geweigert, weiter mit zu trinken -, als sie aufstand und sich streckte.
„Ich sitze hier viel zu viel herum“, bekannte sie. „Man wird einfach nur faul.
Hat jemand Lust, noch eine kleine Runde zu laufen?“ Sie erntete teils entsetzte
und teils amüsierte Blicke. Vor drei Wochen noch wäre sie aus diesem Grund am
liebsten in den Erdboden versunken. Heute lächelte sie nur. „Wie ihr wollt. Ich
jogge eine Runde um den See.“
„Wir heben dir eine Flasche auf!“, rief ihr Willow nach.
Buffy genoss die Stille der Nacht. Obwohl sie in einem Vorort lebte und sie über
ein eigenes Haus verfügten, konnte sie die Geräusche der Nacht niemals so
genießen wie hier. In Sunnydale war die Stille immer von den
Hintergrundgeräuschen einer belebten Kleinstadt durchbrochen gewesen.
Eine Runde um den See waren ungefähr fünf Kilometer. Buffy hatte es sich zur
Angewohnheit gemacht, sie jeden Tag mindestens einmal zu joggen. Am Morgen
begleitete Spike sie manchmal, doch der schien heute mit seinem Freund irgendwo
abgeblieben zu sein. Aber Buffy fühlte sich nicht einsam. Da sie wusste, dass
ihr hier in der Umgebung keine Gefahr drohte, konnte sie den Lauf in der Nacht
im Schein des Mondes einfach nur genießen.
Sie hatte gerade die Hälfte geschafft, als sie eine Gestalt am Ufer sitzen sah.
Verblüfft hielt sie inne.
„Was ist los?“, fragte Spike, weil sie ihn erstaunt anstarrte.
„Wo ist Angel?“, erkundigte sie sich überrascht.
„Ins Camp. Ich habe den Lärm gehört und bin erst einmal vor weiteren Spielen
geflüchtet.“
Buffy lachte. „Spielen sie schon?“
Er nickte. „Dieses Wahrheit-und-Pflicht-Spiel. Diesmal haben sie Angel gleich
mit hin gezogen. Die wollen garantiert wieder nur rumknutschen.“ Er grinste
verschmitzt in ihre Richtung.
Buffy setzte sich neben ihn und lächelte schwach. „Da würde ich jede Wette
eingehen.“
„Warum bist du gegangen?“
„Sie haben mich schon wieder zu zwei Gläsern überredet. Ich wollte gehen, ehe es
wie das letzte Mal endet.“
Spike zog die Beine an und legte seine Arme darauf. Während er hinauf in den
Sternenhimmel starrte, murmelte er: „Wir sollten froh sein, dass sie nicht noch
Drogen anschleppen.“
„Hm.“ Buffy ließ sich in das Gras fallen, verschränkte die Hände hinter dem Kopf
und schaute hinauf in den Himmel.
„Habe ich dich jetzt vom Weiterjoggen abgehalten?“, fragte er mit einem
Seitenblick.
„Ja.“
Er lachte und sie sah seine weißen Zähne im Mondlicht funkeln. „Du hast dieses
Spiel noch nie gespielt?“
„Nein.“
„Wir könnten es spielen.“
„Jetzt? Hier?“, erkundigte sie sich überrascht und gleichzeitig verlegen.
„Nein.“
„Was kann schon schlimmes passieren?“, stichelte er belustigt.
„Es sind peinliche Dinge, die verlangt werden. Müssen ja, weil man den anderen
herausfordert und hofft, dass er nicht tut, was er verlangt“, gab sie zögernd
zu. „Ich spiele so was nicht. Ich verliere schon bei der ersten Forderung.“
„Du kannst doch die Fragen wählen.“ Er stützte sich auf seine Hand und drehte
sich zu ihr um. „Komm schon, Feigling.“
Buffy wusste, dass das eine blöde Idee war. Aber schließlich war es Spike und
der Gedanke, sowieso zu verlieren, nicht ganz so schlimm. „Ich fange an“,
murmelte sie unsicher. „Wahrheit oder Pflicht?“
„Wahrheit.“ Er grinste.
Buffy überlegte. „Was war das Peinlichste, was du je erlebt hast?“
Spike gluckste. „Das Peinlichste? Muss ich nachdenken...“ Er starrte in die
Luft. „Ich glaube, das war damals, als mich diese dumme Ziege aus ihrem
Hotelzimmer geschmissen hat und ich blöderweise keinen Fetzen am Leib trug.“
„Was?!“ Buffy fuhr hoch und sah ihn entsetzt an. Sie wäre gestorben. „Du
standest nackt in dem Hotel?“
Er nickte und fuhr sich durch die kurzen Haare, als die Erinnerung ihn
übermannte. „Die Kleine hatte Feuer. Aber sie ist auch durchgedreht, wenn es
nicht nach ihrem Kopf ging...“
„Oh Gott, was hast du gemacht?“ Buffy konnte es noch immer nicht fassen.
„Eins der Zimmermädchen kam vorbei und hatte Mitleid mit mir. Sie hat mir ein
Handtuch gegeben und dann einen Kittel, als wir endlich in der Wäschekammer
waren.“ Er grinste wieder. „Und ich habe mich ordentlich bei ihr bedankt.“
Buffy wurde rot. Sie wollte gar nicht wissen, was er da gemacht hatte.
„Du bist dran.“
Sie holte tief Luft. „Wahrheit.“
„Wovor hast du am meisten Angst?“
„Puh“, machte sie nachdenklich. „Wenn mir das passiert wäre wie dir, hätte ich
mich umgebracht. Nein, im Ernst...“ Sie überlegte. „Vor drei Wochen habe ich
auch nicht geglaubt, dieses Camp hier zu überstehen... Und hätte noch gesagt:
Einen Tag unter mir völlig fremden Leuten. Ich weiß nicht. Eine Rede halten,
vielleicht?“
„Gut, ich frage anders. Was würdest du nie tun?“, bohrte er weiter.
Sie lachte auf. „Diesen Striptease machen, von dem du letztens erzählt hast. Das
würde ich auch im volltrunkenen Zustand nie.“
„Sag nie nie“, murmelte er nur. „Okay. Ich bin dran. Pflicht.“
„Siehst du“, schimpfte Buffy. „Jetzt weiß ich nicht mal, was ich verlangen soll.
Weil ich gar nicht so unmögliche Ideen habe.“
„Es muss ja nicht so schwierig sein. Wir fangen ja gerade erst an“, schmunzelte
er vergnügt.
Buffy runzelte die Stirn. „Es muss aber etwas sein, von dem ich denke, du traust
es dich nicht.“
Er lachte auf. „Das wird schwer.“
„Glaube ich auch.“ Sie sah ihn unsicher an. „Kopfstand?“
„Ja?“, fragte er langsam und hob die Augenbrauen.
„Mach einen…“, murmelte sie, selbst betreten über die dämliche Anforderung.
Spike verkniff sich das Grinsen. Das würde ein lustiges Spiel werden. Mal
schauen, was sie noch so sehen wollte. Wortlos stand er auf und tat, was sie
verlangte.
Nervös sah sie ihn an, als er sich wieder neben sie setzte. „Ähm, ich denke, das
fandest du nicht schwer...“
„Nein“, antwortete er vergnügt. „Wahrheit?“ Sie nickte. „Liebst du deinen Mann?“
Sie wurde erst blass, dann rot. „Das ist… das geht dich nichts an!“
„Du musst nicht antworten. Außerdem ist es nicht schwer. Ja oder nein. Ganz
einfach.“ Jetzt sank Spike ins Gras und verschränkte die Hände hinter seinem
Kopf. Er wettete mit sich selbst, dass sie diesen Parker niemals lieben konnte.
Nicht nachdem, was er jetzt von ihm wusste. Aber gab sie das sich selbst auch
zu?
Buffy währenddessen ging durch den Kopf, dass sie noch vor drei Wochen die Frage
bedenkenlos mit ja beantwortet hätte. Parker war neben ihren Eltern alles, was
sie hatte. Er war immer da, er sorgte für sie, er redete mit ihr. Er sagte ihr,
was sie tun sollte. Der Gedanke, dass er einmal nicht da sein könnte, hatte ihr
Angst gemacht und ein Gefühl von Verlorenheit ausgelöst, wenn sie nur daran
gedacht hatte. Jetzt überlegte sie, ob es nicht eine Art Abhängigkeit war. Was
bedeutete, jemanden zu lieben? Faith sagte immer, die wahre Liebe gäbe es nur im
Film und behauptete, die Männer zu mögen, mit denen sie ins Bett ging. Sie sagte
außerdem, Liebe würde schwach machen und wäre nur etwas für sentimentale
Romantiker. Buffy war sentimental. Und naiv. Sie hatte behauptet, Parker zu
lieben. Aber war dieses Gefühl wirklich das, was sie sich unter Liebe
vorstellte? In ihren Büchern sah das immer anders aus.
„Ich weiß nicht“, sagte sie leise. „Ich denke, ich mag ihn schon recht gern.“
„Aber du liebst ihn nicht“, stellte Spike fest.
„Nein.“ Sie schloss die Augen. Jetzt hatte sie es tatsächlich gesagt. Ihr Herz
zog sich zusammen.
„Pflicht“, verkündete Spike neben ihr.
Sie stöhnte unterdrückt auf. „Kannst du nicht Wahrheit nehmen?“ Er funkelte sie
so belustig an, dass etwas wie Ärger in ihr aufstieg. „Du traust dich nicht, so
wie du bist, ins Wasser zu gehen!“
„Mit Sachen?“, prustete er los. „Das Spiel fängt an, mir zu gefallen. Soll ich
nur reingehen oder auch schwimmen?“
„Reingehen reicht“, knurrte Buffy und beobachtete mit verengten Augen, wie er
schnurstracks ins Wasser marschierte.
Die dünne Hose und das Shirt klebten an seinem Körper, als er wieder kam und
neben ihr ins Gras fiel. „Immer noch Wahrheit, Kätzchen?“
Ha, das könnte ihm so passen, dass er sie jetzt ins Wasser schickte! Sie sah es
genau in seinem Blick. „Sicher.“
„Ist er gut im Bett?“
„Es reicht jetzt!“, kreischte sie auf und wurde feuerrot. „Ich… ich muss das
nicht sagen.“
„Nein“, stänkerte er. „Dann hast du verloren.“
Sie würde sowieso verlieren. Doch irgendwo tief in ihrem Kopf wollte sie
eigentlich gewinnen. Sie sah ihn nicht an, als sie antwortete. „Ich weiß nicht…“
Und wurde noch röter. „Ich meine, ich habe keine Vergleiche… ich denke schon…
Verdammt! Hör auf, so blöd zu grinsen!“
Spike beugte sich zu ihr, bis sein Gesicht nur noch wenige Zentimeter von ihrem
entfernt war und sie den Geruch des Wassers an seiner Kleidung riechen konnte.
„Vielleicht sollte ich die Frage einfacher stellen. Verlierst du deinen
Verstand, wenn er dich vögelt?“
„Was...?“ Ihre Stimme klang flach. „Meinen... Verstand...?“
Er nickte.
„Nein?“, piepste sie und konnte endlich wieder atmen, weil er den Abstand zu ihr
wieder vergrößerte.
„Hab ich mir gedacht. Nach dem, was ich jetzt schon von ihm weiß.“ Ihre Wangen
waren schon wieder so herrlich rot und sie sah ihn mit so großen Augen an, dass
er sich den Rest von dem, was er sagen wollte, verkniff. Es war ihr Leben und
nicht seins. „Wahrheit, Kätzchen.“
Buffy schluckte, ehe sie wieder über eine Frage nachdenken konnte. Allerdings
war sie nicht fähig, über sehr viel nachzudenken. „Du... ich meine, sie
verlieren... den Verstand... wenn du...?“ Obwohl sie nicht geglaubt hätte, noch
röter werden zu können, schoss eine neue Welle in ihren Kopf.
Spike grinste breit. „Manche schon. Manche betteln auch... Und meistens verliere
ich meinen auch...“
Betteln? Buffy hätte fast hysterisch gelacht bei dem Gedanken, dass sie
Parker darum anbetteln könnte, mit ihr zu schlafen. Sie könnte sogar ohne die
ganze Angelegenheit leben. Es war Parker, der darauf bestand, wenigstens ab und
zu... Spikes blaue Augen funkelten jetzt so amüsiert, dass Buffy Angst vor
seiner nächsten Frage bekam.
„Pflicht“, stieß sie hervor und sah ihn erstaunt die Augenbrauen heben.
„Mut bekommen, Luv?“, stichelte er und beugte sich wieder zu ihr. „Du traust
dich nicht, mich zu küssen.“
Ihr Mund klappte auf und ihr Herz fing dermaßen an zu rasen, das sie glaubte, es
würde nun jeder im Umkreis von ein paar Meilen hören. „Das ist gemein“,
flüsterte sie.
„Es ist ein Spiel“, sagte er nur. „Und du hast verloren, wenn du aufgibst. Ganz
einfach.“
Ihre Augen verengten sich. Schließlich war nichts dabei! Sie hatte ihn ja
schon einmal geküsst. Oder er sie. Mehrmals. Und es war eigentlich gar nicht so
schlecht.
Du spinnst, Buffy. Es war fantastisch.
Spike grinste wieder, als er den Kampf in ihrem Gesicht beobachtete. Dann beugte
sie sich zu ihm und küsste ihn schnell auf den Mund.
„Das bezeichne ich nicht als Küssen“, hauchte er leise, hörte sie fluchen und im
nächsten Moment schlang sich ihre Hand um seinen Nacken und ihre Lippen krachten
wieder gegen seinen Mund.
Spike war schon immer sehr schnell zu erregen gewesen. Doch als er jetzt ihre
Zunge spürte, die sich fast vorsichtig durch seine Lippen drängte, seine eigene
traf und mit ihr spielte, war es fast um ihn geschehen. Sie roch fantastisch und
sie schmeckte auch fantastisch. Sein Körper reagierte. Er hoffte nur, dass es zu
dunkel war, als dass sie es sehen konnte. Es kostete ihn seine gesamte
Beherrschung, nicht seine Hände zu heben und sie an sich zu reißen. Was er
allerdings nicht schaffte, war, einfach passiv zu bleiben. Er spürte ihre
weichen Lippen und ein leises Stöhnen drang aus seiner Kehle, als seine Zunge
ihren Mund erkundete.
Buffy riss ihren Kopf von ihm los und starrte ihn nach Atem ringend an. Spike
schaffte es sogar, ein schiefes Grinsen in sein Gesicht zu zaubern, obwohl der
benommene Ausdruck in ihren Augen fast gereicht hatte, um seine Beherrschung in
Grund und Boden zu zerstören.
„Pflicht“, stieß er hervor. Seine Stimme klang fürchterlich, aber sie schien es
nicht zu bemerken. Sie sah immer noch ganz schön weggetreten aus.
„P-pflicht?“, piepste sie, als sie wieder reden konnte.
Er zuckte unbehaglich mit den Schultern. „Sicher. Also, was ist, Kätzchen? Fällt
dir nichts gutes mehr ein?“
Das hätte er mal lieber nicht sagen sollen. Buffy war noch wegen dem Kuss
verärgert. Nein, verärgert war nicht das richtige Wort. Eher verzweifelt, weil
sie nicht verstehen konnte, warum es sie so vom Hocker riss. Wer weiß, was ihm
noch so einfiel.
„Ich möchte dich noch mal im Wasser sehen. Ohne Sachen.“
„Was?!“
Es war das erste Mal, dass sie einen echten Schock in seinem Gesicht sah und
wusste eigentlich nicht richtig, warum. „Ja“, erklärte sie unsicher.
„Du willst, dass ich nackt ins Wasser gehe?! Nachdem du mich geküsst hast?!“,
schrie er und klang fast zornig.
Buffy hatte keine Ahnung, was das eine mit dem anderen zu tun hatte. Und Spike
sah das auch, als sie ihn mit diesen großen grünen Augen so unschuldig ansah.
Schlagartig wurde der vorher nur erregte Teil an ihm steinhart.
„Nein“, knurrte er böse.
Damit hatte sie überhaupt nicht gerechnet. „Nein? Dann habe ich gewonnen?“ Sie
hätte nie im Traum damit gerechnet, dass er ausgerechnet dabei kneifen würde.
Komisch...
„Du hast nicht gewonnen!“, knirschte er zwischen den Zähnen hindurch. „Du
spielst unfair!“
Buffy lachte ihm übergangslos ins Gesicht. Bei keinem anderen Menschen hätte sie
das gewagt. Doch sie wusste plötzlich mit absoluter Gewissheit, dass er den
Gedanken zu verlieren, mehr als scheußlich fand. „Du kannst natürlich noch ins
Wasser gehen“, erklärte sie honigsüß.
Spike hatte keine Ahnung, warum er plötzlich so wütend war. Vielleicht weil sie
sein Problem einfach nicht verstand. Seine Augen verengten sich. Er griff mit
einer schnellen Bewegung nach ihrer Hand und presste sie gegen seine nasse Hose.
Buffy war viel zu schockiert, um zu reagieren.
„Möchtest du noch immer, dass ich mich ausziehe, Kätzchen“, fauchte er beißend.
Und Buffy traf die Erkenntnis wie ein Hammer, als ihr der Zusammenhang
schlagartig bewusst wurde. Sie schnappte nach Luft und wurde feuerrot, denn sie
fühlte durch die nasse Hose mehr als deutlich, was er meinte. Der Zorn funkelte
noch immer in seinen Augen und er ließ auch ihre Hand nicht los.
„I-ich“, stotterte sie und schluckte wieder. „Ich habe trotzdem gewonnen!“
Spike fluchte, löste den Griff von ihrer Hand und sprang auf. „Du hast keine
Ahnung!“, knurrte er, ehe er sich umdrehte und davon stürzte.
Buffy starrte ihm nach und wusste nicht, ob sie sich als Siegerin oder als
Verliererin fühlen sollte. Es dauerte eine ganze Weile bis die Erkenntnis
durchsickerte, dass es ihr Kuss gewesen war, der ihn erregt hatte. Dann vergrub
sie ihr Gesicht in ihren Händen. Das sollte ihr an sich kein Kopfzerbrechen
bereiten. Viel schlimmer war, dass der Gedanke daran ein eigenartiges Hochgefühl
in ihr auslöste...
Teil 10
Buffy schlief sehr schlecht in dieser Nacht. Dabei war es weniger der Gedanke an
Spike, sondern mehr ihr schlechtes Gewissen Parker gegenüber, das sie plagte.
Doch sie musste es zugeben, der Kuss hatte ihr gefallen.
Es ist alles Spikes Schuld, versuchte sie sich heraus zu reden. Ich hätte ihn
nie geküsst, wenn er nicht darauf bestanden hätte.
Dieses Spiel war dämlich. Warum also hatte sie sich darauf eingelassen?
Der nächste Morgen wurde nicht viel besser. Spike muffelte ihr nur einen Gruß zu
und verschwand, ehe sie ein Wort mit ihm reden konnte. Die Verblüffung darüber
musste ihr so deutlich im Gesicht gestanden haben, dass Jenny kurz ihren Arm
tätschelte.
„Habt ihr euch gestritten, Kindchen?“, fragte sie mitfühlend.
„Nein, eigentlich nicht...“, antwortete sie traurig.
„Er kam gestern Nacht schon wütend zurück und giftete Angel zornig an, als er
ihn überreden wollte, mitzuspielen.“
Oh je, das konnte sie sich vorstellen.
„Ja, das stimmt“, bestätigte dieser und setzte sich neben Jenny an den
Campingtisch. „Ich habe mich schon gewundert. Spike ist sonst für jeden Scheiß
zu haben. Und dieses Spiel gestern hätte ihm garantiert Spaß gemacht.“
„Wahrheit oder Pflicht?“, fragte Buffy schwach und sah ihn überrascht nicken.
„Woher...?“
„Ich bin gegangen, als sie begonnen haben“, sagte sie nur, auch wenn es nicht
ganz der Wahrheit entsprach.
„Er kriegt sich wieder ein. Spike ist nie lange wegen irgendetwas sauer.“ Angel
lächelte beruhigend.
„Er ist nicht sauer“, stellte Buffy klar.
„Wer ist nicht sauer?“ Riley schaute fragend in die Runde. „Spike? Hat er die
kurze Phase seiner guten Laune überwunden?“
Die Gespräche wanderten wieder zu anderen Themen ab. Buffy bedrückte es, dass
Spike nicht da war. Ihr schlechtes Gewissen hin oder her, sie konnte nicht
abstreiten, dass sie ihn mochte.
Er kreuzte den ganzen Tag nicht auf und langsam kam auch Angel zu der Ansicht,
dass das schon komisch war. Buffy begann sich Sorgen zu machen, dass ihm etwas
passiert war. Riley behauptete, das wäre hier unmöglich und Angel sagte, es gäbe
kaum etwas, das keine Waffe hatte und Spike gefährlich werden konnte.
Deshalb kam Buffy zu der Ansicht, dass er ihr aus dem Weg ging. Sie hätte weinen
können, weil sie nicht verstand, weshalb ein dummes Spiel ihn so handeln ließ.
Irgendwann am Abend erschien er wieder, doch seine finstere Miene bewahrte ihn
vor weiteren Fragen. Natürlich sprach er, wenn es nötig war oder er angesprochen
wurde. Buffy versuchte sogar mehr als einmal, mit ihm zu reden, am Abend, im
Verlauf des nächsten Tages, aber es endete damit, dass sie die Versuche
frustriert einstellte, weil er nur einsilbig antwortete. Als sie ihn dann am
nächsten Abend noch fragte, ob er nicht Lust zum Joggen hätte, sah er sie an,
als hätte sie den Verstand verloren, murmelte irgendetwas Unverständliches und
verschwand aus dem Lager.
Sie blieb wie verloren mitten auf dem Platz stehen und sah ihm nach.
„Also so kenne ich ihn überhaupt nicht.“
Buffy wäre fast entsetzt zur Seite gesprungen, als sie Angels Stimme neben sich
hörte. Der dunkelhaarige Mann hatte sich seit dem Zwischenfall damals ihr
gegenüber recht nett und überhaupt nicht mehr aufdringlich verhalten, aber sie
hatten nur wenige Worte miteinander gewechselt. Jetzt hob sie den kopf und
schaute ihn verzweifelt an. „Ich weiß nicht, was ich getan habe“, gab sie
kläglich zu.
„Ich rede mit ihm.“ Angel starrte düster auf den Waldrand. „Was ist denn
passiert?“
„Nichts.“ Sie zuckte hilflos mit den Schultern. „Wir... wir haben Wahrheit und
Pflicht gespielt.“ Angels Augenbrauen hoben sich erstaunt. „Er hat...
verloren... würde ich sagen...“
Jetzt klappte Angels Unterkiefer nach unten. „Verloren? Spike? Was zum Teufel
gibt es, das sich Spike nicht traut? Oder war es eine Frage?“ Buffy wurde wieder
rot, aber das hatte bei ihr nicht viel zu bedeuten. Sie wurde schließlich
dauernd rot. Außerdem traute er ihr keine so dermaßen peinliche Forderung zu,
dass nicht einmal Spike gewagt hätte, sie zu erfüllen. Sie antwortete nicht,
also schien zumindest ihr die ganze Sache peinlich zu sein. „Ich geh ihn
suchen.“
„Nein, Angel“, hielt sie ihn zurück. „Nicht.“
„Er benimmt sich unmöglich. Und wenn die Ursache ein Spiel ist, ist er dämlicher
als ich dachte.“
Sie lächelte leicht. „Weißt du, wohin er gegangen sein könnte?“
„Ich werde oben auf dem Plateau nachsehen.“ Angel war sich nicht sicher, ob es
eine gute Idee war. Wenn er wollte, konnte Spike auch sehr verletzend sein.
„Nimm dir... nicht alles zu Herzen, was er eventuell sagt. Nicht nur ich bin
manchmal etwas... unbeherrscht.“
„Danke“, flüsterte sie und wollte gehen, als sie sich noch einmal besann und
sich zu ihm umdrehte. „Ich bin dir nicht böse, Angel.“
Er musterte den Boden zu seinen Füßen und sagte dann verlegen: „Ich weiß… Es war
dämlich von mir… das damals…“
Sie nickte und war wenige Augenblicke später zwischen den Bäumen verschwunden.
***********
Spike war auf dem Plateau. Er stand neben einem der hohen Bäume, eine Hand in
der Hosentasche seiner engen Jeans, in der anderen eine Zigarette und rührte
sich nicht, als sie den Weg hinauf kam.
Buffy wusste, dass er sie hörte. Sie machte extra jede Menge Lärm beim gehen.
Aber erst, als sie ihn fast erreicht hatte, sagte er: „Geh, Buffy.“
Sie biss die Zähne aufeinander. „Nein, werde ich nicht. Ich verstehe nicht, was
mit dir los ist. Ich versteh nicht, warum du nicht mit mir redest, ich...“
„Ich kann es nicht erklären“, unterbrach er sie, ohne sich umzudrehen oder sie
anzusehen. „Ich möchte, dass du gehst, Kätzchen. Bitte.“
Tränen traten in ihre Augen. „Spike, ich kann nicht“, sagte sie leise. „Erklär
es mir. Du gehst mir aus dem Weg. Du weichst mir aus. Du siehst mich nicht mehr
an.“ Eine einzelne Träne rollte ihre Wange hinab. „ Spike, du bist der beste
Freund, den ich hier habe. Ich mag dich genauso gern wie Faith und ich...“
Er fuhr herum und seine Augen blitzen zornig. „Vielleicht findest du das nicht
mehr, wenn du erfährst, dass dein bester Freund darüber nachdenkt, wie es wäre,
dich zu vögeln!“, schrie er unbeherrscht.
Sie konnte nichts anderes tun, als ihn anstarren. Er war fast einen Kopf größer
als sie und obwohl er so zornig schaute, verspürte sie keine Angst.
Fassungslosigkeit, ja, aber keine Angst.
„Geh, Kätzchen“, sagte er wieder, diesmal weicher und schnippte die Zigarette
hinab in den Abgrund.
Sie schaffte es nicht, sich einen Millimeter zu bewegen, geschweige denn, etwas
zu sagen.
„Ich bin im Allgemeinen nicht unbedingt für meine Beherrschung bekannt“, fuhr er
leise fort und kam einen Schritt näher. Er sah die Tränen in ihren Augen und es
schnürte ihm die Kehle zu. Aber er sah genau so, dass sie keine Angst hatte.
„Ich könnte dir niemals wehtun.“ Er hob seine Hand und fuhr sanft über ihre
Wange. „Aber ich habe Angst, Buffy. Angst, dass du nicht nein sagst...“
Buffy holte krampfhaft Luft. Seine Finger brannten wie Feuer auf ihrer Haut und
die eigenartige Starre, die sie befallen hatte, schien sich noch immer nicht zu
lösen. „Spike, bitte“, brachte sie heraus. „Das ist nicht wahr…“
Er stöhnte unterdrückt auf und hatte sie im nächsten Moment gegen den Baum an
seiner Seite gepresst. „Nein?!“, fauchte er in ihr Gesicht, während sein Körper
sie gegen den Baum drückte. Seine Hand umschlang ihren Hals, verfing sich in
ihren Haaren und hielt ihren Kopf fest. „Nein?!“
Buffy dachte überhaupt nicht an Gegenwehr. Sie hatte zwar ihre Hände automatisch
gehoben und gegen seine Brust gelegt, aber mehr nicht. Dann lagen seine Lippen
auf ihren und seine Zunge stieß wild zwischen ihre Zähne. Er stöhnte wieder, mit
jeder Faser spürte sie seinen muskulösen Körper, der sich gegen sie presste und
ihre Finger klammerten sich in sein Shirt, als es wie Feuer durch ihren Körper
fuhr. Es war das pure Verlangen, das er ausstrahlte und die Wildheit, mit der es
herüber kam, raubte ihr den Atem. Sie spürte seine Erregung durch den dünnen
Stoff seiner und ihrer Hose. Es sollte ihr Angst machen, aber komischerweise
machte es nur ihre Beine schwach. Es war als hätte irgendetwas ihr Gehirn in
Pudding gehüllt. Kein einziger klarer Gedanke war ihr mehr möglich, alles, auf
was sie sich konzentrieren konnte, war seine Zunge in ihrem Mund und sein
Stöhnen, das Schauer über ihren Körper schickte. Ein eigenartiger Druck bildete
sich in ihrem Unterleib, zwischen ihren Beinen und sie schnappte erschrocken
nach Luft, als er seinen Kopf von ihr losriss und sie keuchend anstarrte.
„Verdammt“, brachte er hervor und kämpfte verzweifelt um seine Beherrschung.
Er durfte es nicht. Sie war so unschuldig und verletzlich, er durfte ihr das
nicht antun. Aber ein Blick in ihr Gesicht ließ all seine guten Vorsätze
verschwinden.
Ihre Lippen waren gerötet, die Augen glänzten im letzten Licht des Tages und
ihre Brust hob und senkte sich, weil sie genau so nach Atem rang wie er selbst.
Sie war nie schöner gewesen. Er schaffte es nicht. Fast vorsichtig senkte er
wieder den Kopf und seine Zunge fuhr sanft über ihre vom Küssen geschwollenen
Lippen.
Buffy seufzte leise. Sie hörte ihn gequält aufstöhnen und schloss die Augen, als
sie den Kopf zurück an den Stamm des Baumes lehnte und seine Lippen fühlte, die
über die zarte Haut ihres Halses wanderten. Sie begann zu zittern und fragte
sich, was mit ihr los war. Sie war sich sicher, dass sie ohne den Stamm im
Rücken einfach hilflos auf den Boden sinken würde. Der Druck zwischen ihren
Beinen machte sie wahnsinnig und sie seufzte wieder, als er seine Hüften an ihr
rieb.
Und Spike gab auf. Die leise Stimme, die sagte, dass es ein riesengroßer Fehler
war, verstummte, als er sie wieder küsste und sie seinen Kuss erwiderte.
Buffy hatte noch nie einfach gar nichts getan. Parker hatte ihr immer gesagt,
was sie tun sollte und was er wollte. Spike sagte gar nichts und benahm sich
auch nicht so, als würde er irgendetwas verlangen. Buffy war sich sogar sicher,
dass sie gar nichts hätte tun können, weil sie viel zu sehr damit beschäftigt
war, zu verkraften, was mit ihrem Körper geschah.
Seine Hände strichen über ihre Haut, streiften ihr das Shirt über den Kopf und
sie erschauderte, als die Luft ihre erhitzte Haut traf. Unbewusst fuhren ihre
Finger in seine Haare, als er den Kopf senkte und sie seine Lippen und seine
Zunge auf ihrer noch von dem BH bedeckten Brust spürte. Sie wimmerte auf, bäumte
sich ihm entgegen und stieß einen erstickten Schrei aus, als er ihrem Drängen
nachgab und ihr den BH vom Körper riss. Wie durch einen Nebel nahm sie wahr,
dass er ihre Hose öffnete und auf die Knie sank, als er Hose und Slip zu Boden
zog. Er stöhnte wieder und presste seine Lippen auf ihren Bauch, während seine
Hände ihre Oberschenkel umfingen und ihre Beine spreizten. Buffys Kopf flog
zurück, sie hatte keine Kontrolle mehr über sich. Sie drängte sich an ihn,
schluchzte auf, weil der Druck dort unten zu übermächtig wurde.
Dann gaben ihre Beine nach und er zog sie neben sich auf die Wiese. Er hätte
sich gern mehr Zeit gelassen, aber ein Blick in ihr benebeltes Gesicht reichte,
um ihn die Kontrolle vollends verlieren zu lassen. Er beugte sich über sie,
verschlang ihre Lippen und drängte mit der Zunge zwischen ihre Zähne, während
seine Hand über ihren Körper abwärts strich.
Ein leiser Aufschrei kam von ihren Lippen und sie krallte sich an ihm fest, als
seine Finger sie zwischen den Beinen berührten. Sie war so feucht, dass er einen
Moment die Augen schloss und stöhnend die Zähne zusammen biss. Seit wann nur war
es um seine Beherrschung derart schlecht bestellt? Sein Schwanz drängte gegen
den Reißverschluss seiner Jeans und er fühlte sich, als müsste er gleich in
seiner Hose kommen.
„Oh Gott“, wimmerte sie leise und drängte sich gegen seine Hand. „Oh Gott, Oh
Gott…“
Spike hielt es nicht mehr aus. Seine freie Hand öffnete seine Hose und er
drängte zwischen ihre Beine. Er fühlte sich, als würde er gleich sterben, wenn
er nicht sofort in ihr war. Es schien ihr genauso zu gehen, denn sie schlang die
Arme um seinen Hals und zog ihn an sich. Spike stieß vorwärts, hinein in ihre
heiße Mitte. Einen Moment holte er einfach nur tief Luft und genoss das Gefühl,
in ihrer feuchten Hitze vergraben zu sein.
Buffy umklammerte seinen Hals. Mit halb geöffnetem Mund schnappte sie keuchend
nach Luft, während Schauer über ihren Körper jagten, ohne dass er sich rührte.
Dann lagen seine Lippen wieder auf ihrem Mund und er begann, sich zu bewegen.
Jeder tiefe kraftvolle Stoß presste sie gegen den Boden und Buffy schluchzte
wieder auf, als sie spürte, wie der Sturm in ihrem Innern sich verstärkte. Sie
würde sterben. Ganz sicher… Sie glaubte nicht, das noch lange auszuhalten und
wusste nicht, was sie tun sollte, hatte keine Ahnung, was es bedeutete. Sie
wusste nur, dass es so mächtig war, dass sie drohte zu zerspringen. Bunte Punkte
tanzten vor ihren Augen und sie hatten beide vergessen, wo sie sich eigentlich
befanden. Alles um sie herum versank zur Nebensächlichkeit.
Dann wanderte Spikes Hand zwischen ihre Körper, sie spürte seine Finger und als
er diesen einen bestimmten Punkt berührte, explodierte etwas in ihr und sie
schrie auf, als die Wellen der Lust über ihr zusammenschlugen.
Spike fühlte, wie sich ihre inneren Muskeln um ihn krampften. Mit einem
Aufkeuchen vergrub er sich noch einmal tief in ihr, ehe er ihr folgte. Seine
Arme umschlangen sie, beide schienen sie den Halt in diesem Augenblick zu
brauchen, als sie sich wie Ertrinkende aneinander klammerten und sich
gegenseitig festhielten, bis das Zittern abebbte.
**********
Spikes Verstand setzte wieder ein, als er ihr leises Schniefen hörte. Er lag
noch immer auf ihr, unfähig sich zu rühren und ihre Arme umklammerten ihn, als
wollten sie ihn nie wieder los lassen. Trotzdem fühlte er ihr Zittern, das
nichts mehr mit der vergangenen Ekstase zu tun hatte und das Ausmaß dessen, was
er getan hatte, brach über ihn herein. Einen Moment schloss er in ohnmächtiger
Verzweiflung die Augen.
Was hatte er getan?
Unbewusst strichen seine Hände über ihre Haare, fast tröstend. Er spürte sie
wieder zittern und kam sich vor wie ein elender Schuft. Spike hob den Kopf,
blickte hinab in ihr Gesicht, sah die Tränen in ihren Augen und er fühlte sich
noch elender.
„Es tut mir leid“, flüsterte er erstickt. „Es tut mir so leid...“
Buffy brachte kein Wort hervor. Sie sah sehr wohl die Schuld in seinen Augen und
auch die Verzweiflung, aber in ihr herrschte im Moment ein derartiges Chaos,
dass es ihr unmöglich machte, klar zu denken. Einerseits war ihr schon klar,
dass sie gerade ihren Mann betrogen hatte und sie konnte noch nicht ganz
begreifen, wie sie das tun konnte.
Aber was sie viel mehr beschäftigte war, *was* sie gefühlt hatte. Das war es,
wovon Faith immer gesprochen hatte... Dieses kleine Sterben, ohne dass sie nicht
leben wollte... Davon sprach sie, wenn sie erzählte, wie sie in den Armen eines
Mannes alles vergessen konnte.
Und Buffy wollte nur noch weinen. Sie hatte über Faiths Berichte gelächelt und
nur für sich gedacht, dass Faith aus jeder kleinen Gefühlsregung einen Orkan
machte. Beim Lesen ihrer Schundromane hatte sie sich darüber amüsiert, mit
welcher Fantasie und mit welchem Einfallsreichtum die überschwänglichen Gefühle
beschrieben wurden und für sich gedacht, dass man die ganze Angelegenheit recht
verkitscht darstellte.
Jetzt wusste sie, dass sie sich selbst belogen hatte. Warum war es mit Parker
nie so gewesen? Warum hatte ihre Mutter ihr nicht erzählt, dass es so sein
konnte, sondern sie in dem Glauben gelassen, dass viele Frauen keinen Spaß am
Sex hatten?
Spike sagte nichts mehr. Auch nicht, als sie sich von ihm löste, aufstand und
nach ihrer Kleidung suchte. Tränen liefen aus ihren Augen. Jetzt wusste sie, wie
man sich fühlte, wenn man, wie Spike so schön sagte, den Verstand verlor. Ihrer
war ganz schön weit verloren gegangen und der Schock war umso größer, weil er
jetzt mit aller Gewalt zurückkehrte.
Was habe ich nur getan?
Die Tränen machten sie blind, während sie mit ihrer Kleidung kämpfte und auch
nicht mit bekam, dass Spike aufstand und seine Hose schloss. Erst als sich seine
Arme um sie schlangen und sie an sich zogen, schluchzte sie auf und klammerte
sich an ihn wie eine Ertrinkende. Sie vergrub ihr Gesicht an seiner Brust und
die Tränen liefen aus ihren Augen, als sie hemmungslos anfing zu weinen.
Spike hätte sich am liebsten selbst erwürgt. Ihre Tränen schnürten ihm die Kehle
zu. Er verfluchte sich selbst, seine Unbeherrschtheit, seinen dämlichen Schwanz
und wieder sich selbst, weil er eben diesem Körperteil das Denken überlassen
hatte. Er konnte nichts anderes tun, als sie festhalten und wünschte sich, die
Zeit zurückzudrehen und all das ungeschehen machen. Egal wie fantastisch es
gewesen war. Jedenfalls für ihn... Obwohl sie genau so extrem reagiert hatte wie
er und in diesem Augenblick die gleiche Ekstase empfunden hatte, wusste er doch,
dass jetzt das Ausmaß dessen, was sie getan hatten, auf sie einstürmte und sie
sich wahrscheinlich selbst verabscheute.
„Bitte, Kätzchen“, flüsterte er hilflos in ihre Haare. „Hör auf zu weinen.“
Es dauerte eine ganze Weile, ehe sie sich beruhigte. Spike ließ sie nicht los,
er nahm ihr Gesicht in seine Hände und hätte weinen können, als er die
tränennassen Wangen sah.
„Es tut mir leid“, sagte er wieder und seine Lippen strichen über ihre. „So
leid...“
Buffy schüttelte den Kopf, noch immer unfähig zu sprechen. Sie schniefte nur
leise, fühlte, wie er sie wieder an sich zog und schloss die Augen.
„Was habe ich nur getan...“, brachte sie irgendwann hervor. „Was habe ich nur
getan...“
Spike löste sich etwas von ihr und sah ihr ins Gesicht. „Nichts, Luv. Du hast
nichts getan. Es ist alles meine Schuld.“ Er strich ihr eine Haarsträhne aus dem
Gesicht hinter ihr linkes Ohr zurück. „Ich bin der unbeherrschte Idiot,
Kätzchen. Nur ich…“
Buffy schluckte krampfhaft. „Ich habe nicht nein gesagt.“ Ihre Stimme war nur
ein Hauch. Ich habe nicht nein gesagt. „Ich habe mich noch nie so… durcheinander
gefühlt, Spike.“
Spike nahm ihre Hand, zog sie mit sich zum Rand des Plateaus und setzte sich.
Sie ließ sich neben ihn fallen und er war froh darüber. Auch darüber, dass sie
aufgehört hatte zu weinen. Und er wusste zum ersten Mal in seinem Leben nicht,
was er sagen sollte. Irgendwie schien ihm jedes Wort falsch. Er starrte eine
ganze Weile düster einfach nur hinaus in die dunkler werdende Landschaft, die
Arme auf seine angezogenen Knie gestützt.
„Ich würde verstehen, wenn du mich jetzt hasst…“, murmelte er leise.
„Ich hasse dich nicht.“
Er drehte den Kopf und sah in ihre großen grünen Augen. Sie schienen jetzt noch
größer in dem schmalen Gesicht. Sie wich seinem Blick nicht aus und irgendwie
schien sie ihm plötzlich nicht mehr wie das schutzbedürftige ängstliche Mädchen
von noch vor einer Stunde. Obwohl ihre Augen vom Weinen noch immer gerötet
waren, sah sie ihn so ernst und erwachsen an wie noch nie.
„Ich hasse dich nicht“, wiederholte sie. Nicht nach dem, was er ihr gezeigt
hatte. Sie würde ihn niemals hassen können. Nur sich selbst. Und nicht einmal
das war sicher. Spike hatte ihr etwas gezeigt, von dem sie nicht einmal geträumt
hatte und sie fragte sich, ob es schlimm sein konnte, etwas zu fühlen, was sie
mit Parker nie gefühlt hatte. Sie lächelte kläglich. „Das meintest du, als du
fragtest, ob sich mein Verstand verabschiedet, ja?“
Er stöhnte unterdrückt auf und ließ seine Stirn auf seine Arme sinken.
„Verdammt…“
„Es war… schön“, sagte sie schüchtern und sein Kopf schoss hoch. Sie fuhr sich
durch die Haare. „Ich werde jetzt ins Camp zurückgehen. Spike, du… du redest
wieder mit mir, ja?“
Sie klang bittend und er kämpfte schon wieder gegen den Wunsch, sie an sich zu
reißen und ihr zu versichern, dass alles okay wäre und sie sich keine Sorgen
machen müsse. „Ja“, stieß er hervor und griff nach ihrem Handgelenk, als sie
aufstand. „Ich hasse mich selbst.“
Buffy sah hinab in sein Gesicht. Wieder ging ihr auf, dass er wirklich toll
aussah und sie fragte sich, was ein Mann wie Spike an ihr finden mochte. Doch er
sah nicht aus, als wäre sie nur eine weitere nette Eroberung. Er sah aus, als
bereue er wirklich, was er getan hatte. Er verfluchte sich dafür und sie sah die
Verzweiflung in seinen so aufregend blauen Augen. Fast vorsichtig hob sie ihre
Hand und fuhr durch seine blondierten Haare.
„Hör auf damit“, sagte sie einfach, beugte sich zu ihm und küsste ihn sanft auf
den Mund.
Er ließ ihre Hand los und sein Blick folgte ihr, als sie den Weg hinab zum Camp
wanderte.
Teil 11
Riley war der erste, dem sie über den Weg lief. „Buffy, wir haben uns schon
Sorgen gemacht“, rief er laut.
Buffy war froh, dass es jetzt fast dunkel war und er ihre sicherlich noch immer
geröteten Augen nicht sehen konnte.
„Hast du ihn gefunden?“, fragte Angel, der etwas abseits vom Feuer saß und an
einem Stock schnitzte.
Buffy nickte nur. Sie bekam nicht mit, dass Angels Augen über ihre Kleidung
glitten, an den zerzausten Haaren hängen blieben und sich seine Augen weiteten.
„Oh mein Gott“, stieß der dunkelhaarige Mann hervor und sprang auf.
Buffy sah ihn unsicher an. Riley dagegen schaute völlig verständnislos. „Was ist
denn?“
„Wo ist er?“, knirschte Angel zwischen den Zähnen hindurch. „Wo ist dieser
verdammte Scheißkerl?“
„Angel, was ist denn in dich gefahren?“, erkundigte sich Riley konsterniert und
Buffy wurde blass, weil Angel Riley überhaupt nicht beachtete, sondern sie
unverwandt anstarrte.
„Auf… auf dem Plateau“, murmelte sie leise. „Wie du gesagt hast…“
Angel stürzte an ihr vorbei. Sie kam nicht dazu, ihn aufzuhalten und selbst ihr
Ruf: „Angel, warte!“ kam nicht an.
Im nächsten Moment hörte sie einen überraschten Aufschrei, bemerkte erstaunt,
dass Spike das Plateau wahrscheinlich kurz nach ihr verlassen hatte, dann trafen
die beiden Männer aufeinander. Spike war zu überrascht, denn diesmal war Angel
schneller, seine Faust landete in Spikes Gesicht und ließ ihn rückwärts fliegen.
„Verdammt!“, schimpfte Spike, als er auf dem Rücken landete und Angel schon über
ihm war. „Spinnst du?!“
„Wer hat hier seinen Schwanz nicht unter Kontrolle?“, zischte Angel so, dass es
nur Spike hören konnte. „Wer hat gesagt, sie ist zu schade für einen schnellen
Fick?!“
Spike stieß ihn von sich und sprang auf. Doch Angel war genau so schnell auf den
Beinen. Er fing Spikes Faust ab und schlug erneut zu. Spike flog weiter in den
Wald hinein, rollte zur Seite und trat Angel die Beine unter dem Bauch weg.
„Kein Fick“, stieß er hervor, ehe seine Faust in Angels Magen landete. „Rede nie
wieder so von ihr!“
„Ich bin nicht derjenige, der sie flach gelegt hat“, fauchte Angel. „Du bist
nicht viel besser als ich. Aber sie verdient jemand besseren!“
Plötzlich war das ganze Camp auf den Beinen. Bis jetzt hatte niemand etwas von
dem Dialog mitbekommen, aber plötzlich waren die beiden Männer von den anderen
umringt und alle schrieen wild durcheinander.
Buffy hatte die Hände vors Gesicht geschlagen. Sie hörte Geschrei, hörte wenn
eine Faust den Körper des anderen traf, sah das Blut in Spikes, aber auch Angels
Gesicht und fühlte sich, als würde sie gleich ohnmächtig werden.
Riley, ja selbst Oz und Xander stürzten dazwischen, versuchten die beiden
wütenden Männer zu trennen, doch weder laute Stimmen, noch Drohungen kamen bei
den beiden an.
„Schluss jetzt!“, rief Buffy endlich und Riley griff geistesgegenwärtig zu, als
sie sich zwischen die Beiden stürzen wollte. „Spike! Angel!“ Sie stieß Riley
wütend von sich. „Lass mich los!“
Sie stürzte zwischen die beiden sich anfunkelnden Männer und schrie
wahrscheinlich zum ersten Mal in ihrem Leben. „Ich habe gesagt: HÖRT AUF!“
Angels Mund klappte auf, als er die kleine immer so schüchterne Buffy so
kampflustig vor Spike stehen sah und sein Blick wanderte unbehaglich zu den
anderen Menschen, die sie umringten.
Buffy drehte sich zu Spike um. Er starrte sie nur stumm an und fast schien es
ihr, als sähe sie etwas wie Stolz in seinen blauen Augen. Dann fiel ihr Blick
auf die aufgeplatzte Augenbraue und sie sah das Blut auf seiner wahrscheinlich
gesprungenen Lippe, dort wo ihn Angels Faust getroffen hatte.
„Hört auf“, sagte sie wieder und sah dabei nur Spike an. „Du blutest…“
Seine Zunge fuhr über seine Lippen. „Ja“, hauchte er.
„So, es reicht jetzt“, mischte sich Riley ein. „Die Prügelstunde ist vorbei.
Könnte mir mal jemand erklären, was das sollte?“
Buffy stand noch immer vor Spike. „Das muss… desinfiziert werden…“
„Er wird es überleben“, brummte Angel hinter ihr. Allerdings folgte er Riley,
der ihn mit sich winkte und Buffy zog Spike mit sich.
„Was sollte das?“, flüsterte sie so, dass es die anderen nicht hörten.
„Er hat angefangen“, knurrte Spike düster, beugte sich zu Buffy und meinte noch
leise: „Helles Köpfchen, mein Kumpel Angel… Du solltest das Gras aus deinen
Haaren entfernen.“
Buffy wurde blass, dann feuerrot, schnappte nach Luft und zupfte hektisch an
ihren Haaren. „Oh Gott, das ist so peinlich“, quietschte sie.
Spike schloss kurz die Augen. „Bleib ruhig, Kätzchen. Er wird es niemandem
sagen…“
Sie wurde trotzdem noch röter.
Riley, der von der Unterhaltung nichts verstanden hatte, reichte ihr
Desinfektionslösung und Zellstoff.
Spike setzte sich und versuchte sich krampfhaft auf etwas anderes zu
konzentrieren, als sich Buffy zu ihm beugte und vorsichtig seine aufgeplatzte
Augenbraue abtupfte. Ihr Geruch umgab ihn, Erinnerungen an ihren Körper unter
ihm stiegen in seinem Kopf hoch und er schloss verzweifelt die Augen. Selbst das
Brennen des Desinfektionsmittels konnte ihn nicht ablenken.
„Sicher, dass er nichts sagt?“, wisperte sie neben seinem Ohr und betrachtete
die Verletzung mit gerunzelter Stirn.
„Ja“, hauchte er zurück und zuckte zusammen, als sie seine Lippe abtupfte. „Er
ist mein Freund. Egal, wie er sich grad benommen hat. Er hat’s getan, weil…“ Er
verstummte und auch Buffys fragender Blick konnte ihn nicht dazu bringen weiter
zu reden.
„Aha“, machte Buffy deshalb nur. „Es tut sicherlich weh, aber es ist nicht
weiter schlimm“, meinte sie dann laut.
„Hier auch nicht“, verkündete Riley. „Könnten wir jetzt vielleicht den Grund
eurer Aggressionen erfahren?“
Spike und Angel starrten sich wortlos an.
„Okay, dann halt nicht.“ Riley schüttelte missbilligend den Kopf und räumte den
erste-Hilfe-Koffer wieder weg. „Hauptsache ihr zwei lasst die restlichen
Menschen aus dem Spiel.“
Angel brummte irgendetwas Unverständliches und Spike funkelte ihn wütend an.
Buffys Blick irrte nur hilflos zwischen den beiden Männern hin und her. Sie
verstand nicht ganz, worüber sich Angel so aufregte, aber sie hatte jetzt auch
nicht die Nerven, darüber nachzudenken oder Spike danach zu fragen.
Sie fühlte sich verschwitzt und müde und beschloss, die Beiden sich selbst zu
überlassen, zu baden und danach einfach schlafen zu gehen. Und sich erst wieder
morgen mit den Folgen ihres Handelns auseinanderzusetzen.
***********
Natürlich fiel Spike auf, dass sie einfach nur ruhig und in sich gekehrt war,
als sie am nächsten Tag aus ihrem Zelt kroch. Er versuchte, das, was in ihm
hochstieg zu ignorieren, weil Angels Worte vom Vortag noch in seinem Kopf
hallten.
Du wirst ihr verdammtes Herz brechen!
Sie ist keine Frau, die du benutzen und wegwerfen kannst!
Du verdienst sie nicht!
Vielleicht war Angel ein wenig eifersüchtig, aber er sagte das, was auch die
Stimme in Spikes Kopf flüsterte. Und er fühlte sich wie das größte Schwein im
auf der Welt.
Allerdings machte er sich weniger Gedanken darüber, dass er sie nur benutzen
könnte. Nein, das tat er nicht. Sie war ihm ans Herz gewachsen, trotz dieser
kurzen Zeit und das, was er im Moment fühlte, ließ sich mit nichts vergleichen,
was er jemals für irgendeine Frau in seinem Leben gefühlt hatte. Es waren
beileibe nicht wenige gewesen, aber keine von denen hatte es geschafft, ihm so
nah zu kommen wie die kleine schüchterne Buffy.
Worüber er sich wirklich Gedanken machte, war die Tatsache, dass Buffy mit dem
Gefühl von Schuld gegenüber ihrem Mann nicht klar kommen konnte. Und das machte
ihn fertig. Weil er daran Schuld war.
Sein Blick folgte ihr den ganzen Tag. Sie wich ihm nicht aus, aber sie schien so
in Gedanken versunken, dass sie kaum etwas um sich herum mitbekam. Selbst die
anderen Menschen bemerkten es und Spike beobachtete hin und wieder, wie eine der
Frauen sie ansprach und Buffy mit einem seltsam abwesenden Lächeln antwortete.
Angel hatte sich am nächsten Morgen gefangen und fragte, ob er mit auf die Jagd
käme. Spike lehnte ab, was ihm einen eigenartigen Blick einbrachte, doch der
andere Mann sagte nichts weiter, sondern nahm Oz und Xander mit. Spike wusste,
Angel wollte ihm noch einmal gründlich die Leviten lesen und er hatte dafür
absolut keinen Nerv.
Spike dagegen ließ Buffy nicht aus den Augen. Sie joggte, legte sich mit den
Frauen an den See, redete jedoch nicht viel und suchte auch nicht seine Nähe.
Wahrscheinlich hatte er noch nie so viel Zeit im Camp verbracht. Selbst Riley
beäugte ihn misstrauisch und fragte, ob er krank wäre, weil er noch immer an dem
Campingtisch säße und düster vor sich hin starre. Spike schnitzte mit seinem
großen Messer an einem Stock herum und beachtete den anderen Mann gar nicht. Ihm
ging vielmehr durch den Kopf, dass noch nicht ganz vier Wochen um waren und er
noch vier Wochen in diesem verdammten Camp verbringen musste.
Dann sah er Buffy in ihren Sportsachen und wusste, dass sie ihre zweite Runde
joggte. Wortlos schmiss er sein Messer auf den Tisch und folgte ihr.
Sie hatte es genau bis zu der Stelle geschafft, an der sie vor zwei Tagen das
dämliche Spiel gespielt hatten, war zusammen gesunken und hatte ihr Gesicht in
ihren Händen vergraben. Sie fuhr zusammen, als er sich neben ihr fallen ließ,
weil sie ihn wie immer nicht gehört hatte.
„Hey“, sagte er leise.
„Spike…“, flüsterte sie nur und ihr Kopf sank wieder auf ihre Arme.
„Red mit mir, Kätzchen“, bat er.
„Worüber?“
„Worüber grübelst du nach?“ Sie antwortete nicht und er seufzte leise. „Du
fühlst dich scheußlich, weil du deinen Mann betrogen hast und nicht weißt, wie
und ob du es ihm sagen sollst“, sagte er dann. „Du denkst, er wird dich hassen.
Du verabscheust dich selbst, du machst dir Vorwürfe und du hast keine Ahnung wie
du ihm jemals wieder in die Augen sehen kannst. Passt das ungefähr?“
Buffy drehte den Kopf, ohne ihn von ihren Armen zu heben. „Etwas in der Art, ja…
Warum hast du keine Freundin, Spike? Du hast doch keine, oder?“
„Nein“, sagte er leise. „Ich finde, es gehört ein Haufen Mut dazu zu heiraten.
Und Liebe…“
Buffy sah ihn nur stumm an.
Er beugte sich zu ihr und sie sah die Verzweiflung in seinem Blick. „Kätzchen,
ich weiß, das klingt für dich vielleicht herzlos, aber du bist nicht die erste
und einzige Frau, die ihren Mann betrügt. Du musst es ihm nicht sagen. Du wirst
in vier Wochen in dein normales Leben zurückkehren, vergessen, was hier passiert
ist und es einfach nicht erwähnen. Glaub mir, das ist einfacher für dich… und
auch für ihn…“ Er sah eine Träne aus ihrem Auge rollen und seine Kehle schnürte
sich zu. „Und ich verspreche dir, es wird nicht wieder passieren.“
Buffy lächelte schwach. „Du hast bei deiner Aufzählung etwas vergessen, Spike.“
Ihre Augen schlossen sich und sie holte tief Luft, ehe sie ihn wieder ansah und
sagte: „Wie soll ich mit der Erinnerung an etwas leben, das ich mit Parker nie
so erlebt habe? Wie kann ich jemals wieder mit dem zufrieden sein, was mir
Parker gibt?“
Spike starrte sie einen Moment fassungslos an, ehe er sehr intelligent hervor
brachte: „Was?“ Ihr Gesicht vergrub sich wieder in ihren Armen. Spike rutschte
näher und sie zuckte nicht einmal zusammen, als er seinen Arm um ihre Schulter
legte. „Würdest du mir bitte sagen, was du damit meinst?“ Seine Stimme klang
seltsam. Irgendwie flach.
Buffy stieß kurz die Luft aus, ehe sie den Kopf wieder hob und hinaus auf das
Wasser blickte. „Parker war der erste und einzige Mann in meinem Leben“, begann
sie leise. „Alles, was ich über diese Dinge im Bett weiß, habe ich entweder aus
Büchern, von ihm oder meiner Mutter. Ich kann nicht sagen, dass es mir nicht
gefiel. Parker gab sich Mühe mit mir, er war sanft und zärtlich und sagte mir
immer, was ich machen solle. Ich war der Meinung, dass es für einen Mann und
eine Frau einfach dazu gehörte, miteinander zu schlafen.“ Sie schüttelte mit
einem ironischen Auflachen den Kopf. „Selbst meine Mutter sagte das und meinte,
es wäre ganz normal, wenn Frauen nicht das gleiche Vergnügen empfinden wie
Männer.“
Spike schnaubte, entgegnete jedoch nichts.
„Dann traf ich Faith und die ist sehr mitteilungsfreudig, wenn es um ihre
Experimente im Bett geht. Ich habe nie verstanden, was sie meinte… Gott, Spike,
ich war wirklich der Meinung, auch ohne all das auskommen zu können. Es würde
mir reichen, mit Parker zusammen zu leben, mit ihm zu reden…“ Sie drehte den
Kopf und sah ihn an. „Spike, wenn es mit Parker so gewesen wäre wie mit dir…“
Die Tränen begannen wieder zu laufen und Spike zog ihren Kopf an sich, als er im
Stillen ihren idiotischen Mann verfluchte. „Ich habe nicht geglaubt, dass es so
sein kann“, schluchzte sie leise. „Ich werde dich niemals vergessen, Spike.“
Er würde sie auch nie vergessen. Seine Hände strichen ihre Haare, während er
sich verzweifelt wünschte, die Zeit zurückzudrehen und es ungeschehen zu machen.
Egal wie gut es war. Er hatte vielleicht ihr Leben zerstörte.
„Spike?“, fragte sie nach einer Weile leise und hob ihr Gesicht zu ihm.
„Ja?“
„Hat es… hat es dir auch gefallen?“
Oh Gott, das fragte sie noch?! Wortlos presste er seine Lippen auf ihren Mund.
Und wieder ging sein Atem etwas schneller, als er seinen Kopf von ihr löste und
sie ansah „Ja, Kätzchen. Ja, verdammt noch mal.“
Sie lächelte schwach und irgendwie glücklich. Sein Arm lag noch immer um ihre
Schulter und sie lehnte ihren Kopf gegen seine Schulter.
„Warum war Angel so wütend?“
Spike seufzte. „Er mag dich. Auch wenn du das vielleicht nicht glaubst, weil er
sich dir gegenüber so unbeherrscht verhalten hat, aber die Frauen fliegen auf
ihn und auch seine Art… Er ist wütend, weil er denkt, ich könnte dir wehtun…“
Seine Lippen berührten kurz ihre Haare und erzählte ihr wortwörtlich, was Angel
gesagt hatte. „Er denkt, du bist zu gut für mich“, endete er leise. „Ich glaube,
er hat Recht. Ich hätte dich niemals anrühren dürfen. Weil du einem anderen
gehörst.“
Buffy bewegte sich nicht. Sie hätte ihn niemals gewähren lassen dürfen. Weil sie
verheiratet war. Und trotzdem, entgegen all dem, was ihr Verstand ihr sagte,
fühlte sie sich nicht schuldig.
„Faith hat es immer gesagt“, flüsterte sie, als er verstummt war. „Sie hat
gesagt, ich soll endlich mal einen anderen ausprobieren… Ich habe nicht einmal
davon geträumt, dass ich das wirklich tue.“
„Scheiße“, murmelte Spike und fühlte sie nicken.
Sie blieben noch eine ganze Weile sitzen. Spikes Arm lag weiterhin um ihre
Schultern und sie lehnte sich an ihn, während sie, schweigend, jeder für sich,
ihren Gedanken nachhingen. Irgendwann trockneten auch die Tränen auf Buffys
Wangen und ein missglücktes Lächeln stahl sich in ihr Gesicht, als Spike den
Kopf drehte und sie genau so schief angrinste.
Aber es dauerte noch eine ganze Weile länger, ehe sie sich aufraffen konnten und
zum Lager zurück schlenderten.
Es war Spike, der nach Buffys Hand griff und seine Finger mit ihren verflocht.
Sie lächelte kurz, und wieder sehr missglückt, aber sie entzog ihm ihre Hand
nicht, sondern genoss die Augenblicke, in denen sie sich mit Spike so verbunden
fühlte, wie niemals zuvor mit einem anderen Mann in ihrem Leben.
Spike schien es zu erahnen, denn kurz bevor sie das Camp betraten, hielt er noch
einmal an, zog ihre Hand an seine Lippen und küsste sie, ehe er sie losließ und
sie weitergingen.
Alles schien noch schwieriger geworden zu sein als vorher…
Teil 12
Spike hätte nie für möglich gehalten, dass es so schwierig sein könnte, das
Buffy gegebene Versprechen zu halten. Sie redete mit ihm, er hörte ihr Lachen,
er sah das Funkeln in diesen grünen Augen und kämpfte gegen sich selbst.
Wenn er die Augen schloss, sah er ihr Gesicht, roch ihren Duft und wünschte
sich, einfach dem nachgeben zu können, was sein Körper ihm sagte. Er träumte von
ihr und er verstand nicht, was mit ihm los war.
Warum bei ihr? Warum nicht bei einer der unzähligen Frauen davor? Sie hatten
alle blendend ausgesehen. Manche besser als Buffy, heißer, erotischer… Warum bei
ihr? Warum eine verheiratete Frau!?
Manchmal sah sie ihn an, als würde sie sein Grübeln bemerken oder als würde sie
die Bedeutung seiner Blicke verstehen.
Angel verstand ihn genau so wenig. Er hatte gegen Mittag des nächsten Tages
leise gezischt, er solle aufhören, Buffy anzusehen, als wolle er sie
verschlingen. Spike war regelrecht erschrocken. Angel war nicht unbedingt
sensibel und wenn er es schon bemerkte, musste es mehr als offensichtlich
gewesen sein. Allerdings schien es keinem der anderen Menschen aufzufallen.
Jenny sagte nur einmal kurz, sie wäre froh, dass er sich wieder mit Buffy
vertragen würde. Er hatte ihr nicht geantwortet, weil er gar nicht wusste, wann
sie sich gestritten haben sollten.
Jetzt tollte Buffy mit Anya und Willow im Wasser herum, während er neben Xander
und Angel am Ufer saß. Sogar Harmony und Scott waren bei der Hitze, die heute
herrschte, zum Ufer gekommen, um sich zu sonnen.
Spikes Blick ließ Buffy nicht los. Noch vor vier Wochen hätte sie selbst nicht
geglaubt, sich einmal so ausgelassen zwischen fremden Menschen zu bewegen. Sie
hatte ihm sogar gestanden, dass sie den Bikini hasste, den sie trug und den
Faith ausgesucht hatte.
Parker wollte sie höchstens in einem Badeanzug sehen und Spike hatte wieder
einmal für sich festgestellt, dass dieser Mann ein Riesenidiot war. Sie sah
fantastisch aus in dem Bikini und er nahm an, dass dieser Parker einfach nicht
wollte, dass ein anderer Mann Buffy bewundernde Blicke zuwarf und sie vielleicht
merken könnte, dass es jede Menge Männer gab, die sie haben konnte.
Sie war braun geworden, aber das waren sie alle. Irgendwie war der Drang,
unbedingt etwas unternehmen zu wollen, mit der steigenden Hitze verschwunden.
Selbst Spike raffte sich immer seltener auf. Und nun schon gleich gar nicht,
weil es bedeutet hätte, Buffy allein im Lager zu lassen.
Womit er wieder bei seinem Problem angelangt war…
Sie kam wieder, als Xander seinem Freund Oz johlend ins Wasser folgte, und ließ
sich neben Spike auf ihr Handtuch fallen. Kleine Wasserperlen spritzen in sein
Gesicht. Spike zwang sich gewaltsam, auf das Wasser zu schauen und nicht auf
ihre nasse Haut.
„Ich bin noch nie so oft baden gewesen“, sagte sie plötzlich lächelnd. „Und ich
war auch noch nie so braun.“
Spike lächelte leicht. „Ich denke, ihr habt einen Pool?“
„Hm“, murmelte sie nur und wich seinem Blick aus. „Parker wollte nicht, dass ich
da den ganzen Tag rum liege…“
Spike biss die Zähne zusammen und fing einen warnenden Blick Angels auf.
„Dafür kannst du es hier umso mehr“, meinte dieser leichthin. „Braun sind wir
jedenfalls alle schon schön.“
„Ich muss noch ein bisschen nachholen“, brummte Riley und verglich neidisch
seine noch helle Haut mit der schon recht dunklen Angels. „Eigentlich solltet
ihr endlich aus der Sonne gehen bis ich aufgeholt habe.“
„Spike ist nicht viel brauner als ich“, sagte Buffy und hielt ihren Arm neben
den des blonden Mannes. „Er darf noch ein bisschen bleiben.“
Angel verdrehte die Augen. Jetzt warf Spike ihm einen scharfen Blick zu und
versuchte zu ignorieren, dass er Buffys Haut an seinem Arm spürte.
„Ich könnte jagen gehen“, meinte Angel dann jedoch.
Spike nickte. „Tu das.“
„Mit dir zusammen!“, brummte der dunkelhaarige Mann.
„Du kannst das allein auch recht gut“, grinste Spike.
„Heb deinen Hintern hoch und komm mit“, fauchte Angel überraschend aggressiv und
Spikes Augen verengten sich.
„Hört endlich auf zu streiten, ihr zwei“, fuhr Jenny dazwischen. „Ihr könntet
euch endlich wieder vertragen. Spike und Buffy haben es schließlich auch!“
Angel fing an zu husten, Buffy wurde puterrot und selbst Spike wusste nicht,
wohin er schauen sollte. Ohne ein weiteres Wort stand er auf und folgte seinem
Freund.
**********
An Jagd verschwendete keiner von ihnen beiden einen Gedanken. Jedenfalls
vorläufig noch nicht.
„Sie ist verheiratet“, begann Angel.
„Ich weiß das.“ Spike vergrub die Hände in seinen Hosentaschen. „Du hast es auch
gewusst… in der Höhle…“
„Ich habe die Beherrschung verloren“, sagte Angel ruhig. „Du hattest Zeit genug,
deine wieder zu finden. Trotzdem bist du auf dem besten Weg, ihr Leben zu
zerstören.“
Spike seufzte. „Ich mag sie.“
„Dann lass deine Finger von ihr. Du hast einer Menge Frauen das Herz gebrochen…“
„Du auch“, hielt ihm Spike entgegen.
„Verdammt!“ Angel blieb stehen und sah ihn zornig an. „Das ist nicht der Punkt.
Du wirst ihr wehtun, Spike. Weil sie dabei ist, sich in dich zu verlieben und du
in vier Wochen wieder aus ihrem Leben verschwindest. Verschwinden musst!“
Spike seufzte wieder. „Verflucht, ich weiß das. Ich hätte es nie tun dürfen. Ich
hatte es auch nicht vor, weißt du. Ich hatte vor, ihr eine Lektion zu erteilen.
Ich war wütend, weil ich sie wollte. Wütend auf mich selbst. Ich habe gedacht,
wenn ich ihr die Wut zeige, schreckt es sie ab…“
„Hat es nicht…“, schlussfolgerte Angel.
„Nein.“ Spike schüttelte den Kopf. „Ich habe sie geküsst und dann…“ Er schloss
die Augen. „Ich habe nicht damit gerechnet, dass sie auf mich so reagiert. Ich
habe die Kontrolle verloren, weil… Verdammt, ich weiß nicht warum. Sie ist so
unschuldig.“
„Sie ist verheiratet.“
Spike seufzte. „Ihr Mann ist ein Idiot. Ein Riesenidiot.“
Angel blieb wieder stehen und sah ihn ernst an. „Sie ist keine Frau, die sich im
Urlaub mal mit einem anderen Mann vergnügt. Ich mag sie auch. Sie sieht toll aus
und vielleicht war es das, was ich am Anfang nur gesehen habe. Ich bin mehr als
froh, dass du damals dazwischen kamst und ich ihr nicht wehgetan habe. Jetzt
weiß ich, dass sie es nicht verkraftet hätte.“
„Sie ist schon sehr viel mutiger geworden.“ Spike starrte nachdenklich in die
Luft. „Und sie wäre noch viel selbstbewusster, wenn sie nicht an einen Mann
geraten wäre, der diese Scheu und Unselbständigkeit noch fördert.“
„Du hast nicht das Recht, darüber zu urteilen“, entgegnete Angel leise.
„Ich weiß.“ Spike seufzte wieder „Aber ich kann ihr helfen, etwas
Selbstvertrauen zu finden.“
***************
„Wir sind wirklich enttäuscht von dir, Buffy.“
Buffy starrte mit großen Augen ihre Eltern an, neben denen ein sehr verletzt
dreinschauender Parker stand.
„Wie konntest du das Parker antun?“
„Es war Faith“, versuchte sie sich zu verteidigen. „Sie hat…“
„Hör auf!“, fuhr ihr Vater sie an. „Diese Frau hat dich vergiftet! Dich zu
solchen Eskapaden verleitet!“
„Das stimmt nicht…“ Tränen traten in ihre Augen.
„Sei still! Du hast uns alle enttäuscht! Uns. Parker. Was soll er denn von uns
denken?! Dass wir dich nicht ordentlich erzogen haben?!“
„Ich wollte nicht…“
„Das hast du mit Absicht gemacht! Es gefällt dir wohl, wenn wir uns Sorgen
machen, oder?! Und Parker allein zu lassen! Wie konntest du nur, Buffy!“
Mit einem erstickten Schrei fuhr Buffy hoch und strich sich zitternd über die
schweißnasse Stirn.
Etwas orientierungslos schaute sie sich um und schluckte, als sie feststellte,
dass sie in ihrem Zelt lag und es stockfinster war. Ein Blick auf die Uhr sagte
ihr, dass es erst halb drei war, aber ihr Herz raste so, dass sie bezweifelte,
wieder einschlafen zu können.
Es war ein Traum, redete sie sich ein. Doch sie gab sich keiner Illusion
hin. Dieser Traum war gar nicht so unreal.
„Buffy?“, fragte eine leise Stimme vor ihrem Zelt. „Alles okay?“
„Ja“, flüsterte sie, obwohl sie noch immer zitterte. „Ich habe… geträumt.“
Vorsichtig wurde der Eingang ihres Zeltes zur Seite geschoben und Spikes Kopf
schaute herein. „Du hast geschrieen.“ Buffy saß auf ihrer Matte, starrte ihn aus
großen geweiteten Augen an, während ihre Hände die dünne Decke umkrampften. Sie
sah eindeutig nicht okay aus. Er runzelte die Stirn. „Willst du… darüber reden?“
Ja! „N-nein“, stotterte sie und wusste genau, dass er ihr nicht glaubte.
„Es war nichts. Ich habe… von daheim… geträumt…“
Sein Stirnrunzeln vertiefte sich, aber das konnte sie ja nicht sehen.
Wahrscheinlich war alles, was sie sehen konnte, seine Silhouette im Zelteingang.
„Das kann aber kein erfreulicher Traum gewesen sein.“
„Nein“, wisperte sie kaum hörbar, aber er hörte sie trotzdem. Sie zuckte
zusammen, als er plötzlich ins Zelt kroch und sich neben ihr ausstreckte.
„Spike? Was machst du da?“
„Was hast du geträumt?“, erkundigte er sich freundlich.
Buffy seufzte, legte sich ebenfalls wieder hin und drehte sich zu ihm. Er lag
auf dem Rücken, die Hände hinter dem Kopf verschränkt und starrte zur Decke. Sie
sah nur die Umrisse seiner Gestalt und seine Augen und fühlte sich trotzdem
geborgen. „Ich habe davon geträumt, dass sie mir Vorwürfe machen. Dass sie mir
die Schuld geben. Dafür, dass ich hier bin. Dass ich so egoistisch war, Parker
allein zu lassen…“
„Wer ist sie?“, erkundigte er sich nur.
„Mein Eltern…“
„Denkst du, so eine Reaktion wäre… realistisch?“
„Hm.“ Buffy legte ihren Kopf auf ihren angewinkelten Arm. „Ich weiß nicht. Ich
war noch nie in einer solchen Situation. Schließlich bin ich acht Wochen
verschwunden und Parker allein in dem großen Haus. Er… er weiß bestimmt gar
nicht, was er machen soll. Er weiß sicherlich nicht einmal, wo der Kühlschrank
ist…“ Ihre Stimme verklang, als ihr bewusst wurde, welche Folgen ihre
Abwesenheit nach sich ziehen könnte.
Spike verzog das Gesicht und grinste dann. „Vielleicht stellt er fest, wie sehr
er dich braucht.“
„Er ist garantiert sauer…“
„Er hat acht Wochen Zeit, sich abzureagieren“, meinte Spike ungerührt. „Und
außerdem hat Faith ihm doch wohl klar gemacht, wer für die ganze Sache
verantwortlich ist. Das tut sie doch?“
„Ja. Sicher.“ Buffy musste ebenfalls lächeln. „Auch wenn sie ihre eigene Art
hat, ihm das mitzuteilen und es sicherlich damit endete, dass er sie aus dem
Haus geworfen hat.“ Sie hörte sein leises Lachen und fühlte sich plötzlich
bedeutend besser. „Hast du noch nicht geschlafen oder war ich wirklich so laut?“
„Ich habe einen leichten Schlaf.“ Er würde ihr bestimmt nicht sagen, dass er die
halbe Nacht über Angels Worte nachgegrübelt hatte. „Und ich habe gute Ohren.“ Er
drehte den Kopf und sah sie an.
Als hätte sie seine Gedanken gelesen, fragte sie. „Was wollte Angel heute von
dir?“
„Mir die Leviten lesen“, sagte er leise. „Mir sagen, dass ich meine Finger von
dir lassen soll…“
Sie schluckte nervös, rührte sich jedoch nicht. „Ich… glaube, in mein Zelt zu
kommen… war dann… ganz schön falsch…“
„Wahrscheinlich“, gab er zu.
Buffy fiel es plötzlich schwer zu atmen. Doch sie schaffte zu sagen: „Du hast
mich beobachtet… heute…“
Nicht nur heute… „So offensichtlich?“, erkundigte er sich fast geknickt,
verfluchte sich selbst und starrte wieder zur Decke.
„Ich glaube nicht, dass es jemandem aufgefallen ist. Aber mir passiert es sonst
nicht, dass mich jemand so oft ansieht“, murmelte sie.
Spike drehte sich ruckartig zu ihr um. „Kätzchen, du bist wunderschön. Es
schauen dir bestimmt eine Menge Männer nach.“
Sie lachte verlegen. „Du hast sicherlich schon einer Menge Frauen den Kopf
verdreht mit solchen Worten.“
Er holte tief Luft. „Es gab noch keine Frau, die mich so beschäftigt hat wie
du.“ Sie sah ihn recht verständnislos an. „Ja, sicher, es gab Frauen… jede
Menge. Ich bin reich, Buffy, und so etwas zieht eine Menge Frauen an. Ich bin
mit ihnen ins Bett gegangen, manchmal habe ich auch ein paar Wochen mit ihnen
verbracht.“
Er machte eine Pause, ehe er weiter sprach. „Bei dir ist es anders. Ich mache
mir Sorgen um dich, Kätzchen. Es steht nicht im Vordergrund, dass ich mit dir
schlafen will.“
Er grinste, als sie nach Luft schnappte. „Mein Körper ist da anderer Meinung,
aber ich habe ihn im Moment unter Kontrolle…“
Buffy wagte kaum zu atmen.
„Ich habe dich gern, Buffy“, sagte er leise. „Ich will dir nicht wehtun und ich
bereue zum ersten Mal in meinem Leben, dass ich nicht die Kraft hatte, nein zu
sagen. Ich will nicht derjenige sein, der dein Leben zerstört.“
Tränen traten in ihre Augen, als sie den Hintergrund seiner Worte begriff. Aber
das allerletzte, was sie wollte, war, dass er sich die Schuld an etwas gab, das
so schön gewesen war. „Du solltest es nicht bereuen. Ich tue es jedenfalls
nicht…“ Sie schluckte nervös. „Aber ich habe Angst. Angst davor, Parker wieder
gegenüber zu stehen, weil ich nicht weiß, wie ich mich verhalten soll…“
Spike hatte plötzlich genau so einen Kloß im Hals wie sie. Er hob seine Hand und
fuhr sanft über ihre Wange. „Wenn du heim kommst, Kätzchen, lass dir keine
Schuldgefühle einreden. Erinnere dich einfach daran, dass es dir hier gefallen
hat und niemand das Recht hat, dir das zu verbieten.“
Eine einzelne Träne bahnte sich einen Weg über ihre Wange. „Danke, dass du in
mein Zelt gekommen bist“, flüsterte sie erstickt.
Spike beugte sich kurz zu ihr und atmete tief ihren Duft ein, da war ein Hauch
von Vanille – sicherlich ihr Duschbad oder das Shampoo. „Der Gedanke, dass dir
etwas Angst macht, gefällt mir gar nicht.“
Dann berührte sein Mund ihren, obwohl er es gar nicht vorhatte, und seine Zunge
fuhr über ihre Lippen. Buffys Augen schlossen sich.
Wenn Parker sie küsste, stieg in ihr stets das ungute Gefühl auf, dass er
sicherlich auf seinen monatlichen Sex bestehen würde.
Wenn Spike sie küsste, begann sich eine Hitze in ihrem Körper zu entwickeln, die
ihr bisher vollkommen unbekannt gewesen war. Und irgendwie war sie sich völlig
sicher, dass er sie im Moment nicht küsste, weil er mit ihr schlafen wollte.
Er löste seinen Kopf von ihr und lehnte seine Stirn an ihre. „Es wäre sehr
hilfreich, wenn du mich aus deinem Zelt werfen würdest“, murmelte er
verzweifelt, während seine Hand ihren Hals umschlang.
Buffy hatte mehr die Tatsache zu verdauen, dass er genau so zitterte wie sie.
Seine Lippen strichen über ihren Hals und sie seufzte leise, als sie seine Zunge
spürte. Automatisch hob sie ihre Hand, fuhr durch seine Haare und genoss den
Moment der Zärtlichkeit und wünschte sich, er möge noch andauern.
Dann strichen seine Lippen wieder über ihren Mund und er sah sie an. „Ich sollte
gehen“, sagte er leise.
„Solltest du“, murmelte Buffy schläfrig, ohne die Hand, die noch immer um seinen
Hals lag zu entfernen.
Spike unterdrückte ein Stöhnen, als er bemerkte, dass sich ihre Augen halb
schlossen, weil die Müdigkeit sie übermannte. Der scheußliche Traum hatte nicht
zu einer Erholung beigetragen und er ahnte, dass sie gleich einschlafen würde.
Er biss die Zähne zusammen, schlang seine Arme um sie und drehte sie, so dass
sie mit dem Rücken zu ihm lag und zog sie wieder an sich.
Es war falsch. Na und?
Buffy kuschelte sich an ihn, fühlte wie er die Decke über sie beide zog und
schloss wieder die Augen. Und Spike sagte sich, dass er am Morgen noch Zeit
hatte, wieder in sein Zelt zurückzugehen. Er erwachte sowieso meist vor den
anderen.
Allerdings war es am nächsten Morgen Angel, der mit der flachen Hand leicht
gegen die Zeltplane klopfte und leise sagte: „Spike, entweder verschwindest du
jetzt in dein Zelt oder du musst damit rechnen, dass ein paar Leute vor dir wach
werden…“
Wozu waren Freunde da…
Teil 13
Vier Tage waren seit dem Vorfall auf dem Plateau vergangen und Buffy konnte sich
nicht erinnern, wann sie sich das letzte Mal so zufrieden gefühlt hatte.
Spike hielt sein Versprechen. Er rührte sie nicht an, oder besser gesagt, fast
nicht.
Sie verbrachten eine Menge Zeit miteinander und redeten über alles Mögliche,
über alltägliche Dinge und über ihr Leben. Allerdings fragte Spike nie nach
Parker und Buffy erzählte von sich aus nichts.
Sie schwatzten, sie lachten, manchmal nur zu zweit und manchmal inmitten all der
anderen. Plötzlich machte es Buffy nichts mehr aus, frei zu sprechen, zu fragen,
was sie wissen wollte, oder einfach nur etwas zu erzählen.
Manchmal sah sie dieses Lächeln in Spikes Gesicht, wenn sich ihre Blicke
zufällig begegneten und sie lächelte zurück, weil sie wusste, er freute sich mit
ihr.
Und dann passierte es wieder, dass sie abends allein am See saßen, auf der
anderen Seite, wo sie niemand störte, Spike seinen Arm um ihre Schultern legte
und sie einfach den ruhigen Ausklang des Tages genossen.
Mehr tat er nie, aber Buffy gefiel diese Art Vertrautheit, die zwischen ihnen
gewachsen war. Sie konnte sich in seiner Nähe entspannen. Ja, sie erwischte sich
selbst dabei, dass sie ihn beobachtete, dass sie sich neben ihn setzte, sich
freute, wenn er sie in dieser bestimmten Art, wie niemand anderen sonst im Camp,
angrinste und es gefiel ihr, sich an ihn lehnen zu können, wenn er sie in den
Arm nahm.
Natürlich fiel es auf. Und Buffy wusste auch, dass es keineswegs ein normales
Verhalten gegenüber einem Mann war. Aber es gefiel ihr in seiner Nähe und es war
niemand da, der ihr einen Vorwurf daraus machte.
Sie wollte es sich nicht eingestehen, aber in seiner Gegenwart fühlte sie sich
frei. Dieser Gedanke machte ihr mehr Angst, als sie zugeben wollte, weil sie
wusste, dass sie in vier Wochen wieder heimkehren würde und keine Ahnung hatte,
wie sie mit der neu erwachten Selbständigkeit umgehen sollte.
Spike hatte traurig gelächelt, als sie ihm von ihren Bedenken erzählte. Er sagte
nicht, was ihm auf der Zunge lag: Tritt deinem Mann in den Hintern, wenn er dich
einschüchtern will.
Er zog sie in seine Arme, küsste sie sanft auf die Haare und flüsterte: „Sei du
selbst, Luv. Lass dir von niemandem einreden, er könne Entscheidungen für dich
fällen, die du selbst fällen kannst.“
************
In der Nacht darauf träumte Buffy von Spike.
Sie träumte davon, dass er sie nicht nur im Arm hielt, sondern davon, wie sich
seine Lippen angefühlt hatten und seine Hände auf ihrer Haut. Ein leichter
Schweißfilm bedeckte ihren Körper, als sie erwachte und sie schloss mit einem
gequälten Seufzen die Augen, weil eine völlig unbekannte Sehnsucht in ihr
aufstieg und sie nicht wusste, was sie tun sollte.
Sie wagte nicht, das Zelt zu verlassen, zu ihm zu gehen und ihn danach zu
fragen, obwohl sie ahnte, dass es eine Weile dauern würde, ehe sie wieder
einschlafen konnte.
Lange starrte sie mit offenen Augen in die Dunkelheit, ignorierte den Druck
zwischen ihren Beinen und fragte sich, ob sie jemals auf solche Art und Weise
von Parker geträumt hatte.
Tränen traten in ihre Augen, als sie sich die Antwort selbst gab: Nein.
Sie verstand es nicht. Ihr ganzes bisheriges Leben war erst auf ihre Eltern und
dann auf Parker fixiert gewesen. Nicht, dass sie sich unglücklich gefühlt hätte,
keineswegs, aber sie hatte es auch nicht anders gekannt.
Niemand hatte von ihr eine Entscheidung erwartet, niemand Initiative und niemand
Entschlossenheit. Jetzt fragte sie sich, ob sie sich nicht selbst etwas
vorgemacht hatte. Sie war nicht dumm. Warum also hatte sie zugelassen, dass
andere Menschen über ihr Leben bestimmten? War sie nicht mehr wert, als ein
hübsches Aushängeschild für ihren Mann?
Aber trotzdem war das nicht der Hauptgrund ihrer Grübeleien. Viel schlimmer war
es, die Erinnerung an das zu verarbeiten, was sie in Spikes Armen gefühlt hatte.
Diese Ekstase, diese Leidenschaft und wunderschönen Gefühl würde sie nie
vergessen. Ihr graute jetzt schon vor dem Tag, an dem sie Parker gegenüber
treten musste und an dem er vielleicht etwas von ihren ehelichen Pflichten zu
faseln begann.
Die nächste Frage, ob sie ihr Leben weiterführen konnte wie bisher, schaffte sie
nicht zu beantworten.
Nicht jetzt.
Aber sie hoffte, dass sie die Antwort in den nächsten Wochen noch finden würde.
*************
Für Spike dagegen war es fast noch schlimmer. Sie immer wieder in seiner Nähe zu
haben, sie nicht berühren zu dürfen, war mehr als er ertragen konnte.
Wenn sie sich dann so vertrauensvoll an ihn lehnte, er den Duft ihrer Haare
einzog und genau wusste, er musste seine verfluchten Hände bei sich lassen,
hätte er am liebsten frustriert gestöhnt.
Sie ahnte sicherlich nicht einmal, was sie ihm antat, denn sie suchte seine Nähe
und die Gespräche mit ihm. Sie vertraute ihm und er hatte nichts Besseres zu
tun, als halbe Nächte in heißen Fantasien von ihr zu schwelgen.
Er verfluchte Angel, wegen dem er hier fest saß, aber wenn er in Buffys
leuchtende Augen schaute, ihr glückliches Lachen hörte oder beobachtete, mit
welcher Selbstverständlichkeit sie sich jetzt mit jedem unterhielt, sagte er
sich, dass es all die Qualen Wert war.
Jetzt lief sie neben ihm durch den schattigen Wald, warf ihm ab und zu einen
seltsamen Blick zu, wenn er nur einsilbig antwortete oder sich ein Grinsen
abquälte.
Wir hätten im Camp bleiben sollen, ging es ihm durch den Kopf. Oder ich hätte
Angel mitnehmen sollen. Als Sicherheit…
Allein mit ihr durch den Wald zu schlendern erinnerte viel zu stark an eine der
Fantasien, denen er sich nachts in seinem Zelt hingab. Es würde sicherlich
wieder eine herrliche Röte in ihr Gesicht zaubern, wenn er ihr davon erzählte
oder wenn er erwähnte, was er dabei noch so mit seiner Hand anstellte…
Ein Grinsen musste sich in sein Gesicht geschlichen haben, denn sie lächelte ihn
schüchtern an.
„Woran denkst du?“
Das Grinsen wurde breiter. „Das willst du nicht wissen, Kätzchen“, murmelte er
mit einem zweideutigen Blick in ihre Richtung. Allein dieser Satz reichte, um
ihre Wangen sich röten zu lassen.
Doch dann versetzte sie ihm einen Schock, indem sie ihre kleine Hand in seine
schob, während sie weiter gingen und hauchte: „Erzähl’s mir…“
Spike sagte sich, dass er ihre Hand loslassen musste. Schnellstens. Aber er
schaffte es nicht. Seine Finger umschlossen ihre, als wäre es die richtigste
Sache der Welt.
„Du bist ganz schön mutig geworden, Luv“, murmelte er leise.
„Ist das… ist das schlimm?“ Plötzlich klang sie wieder unsicher.
Spike blieb stehen und drehte sich zu ihr um. Wie von selbst hob sich seine
freie Hand und seine Finger strichen sanft über ihre Wange. „Nein“, flüsterte er
und seine Kehle schnürte sich zu, als er dem Blick ihrer großen grünen Augen
begegnete.
Sie schaute ihn nicht an wie eine der Frauen, die ihn verführen wollten. Alles,
was er erkennen konnte, waren Fragen und Zuneigung und das traf ihn umso härter.
Seine Hand wanderte um ihren Hals und spielte im Nacken gedankenverloren mit
ihren Haaren.
„Nein, Luv“, sagte er wieder. „Es ist toll… Ich habe an dich gedacht. Ich denke
oft an dich, auch wenn ich allein bin…“ Seine Stimme verklang, so als spräche er
fast mit sich selbst.
Buffy schluckte und ihr Mund öffnete sich halb, weil sie plötzlich Mühe hatte,
gelassen zu atmen. Was war nur mit ihr los, dass seine Nähe solch ein Chaos in
ihr anrichtete. Plötzlich fühlte sie das Kribbeln wieder, das in ihrem Bauch
begann und langsam tiefer wanderte.
„Ich…ich hab von dir geträumt“, flüsterte sie erstickt.
Scheiße… dachte er langsam, während sein Körper begeistert: JEAH schrie. Die
Röte in ihren Wangen vertiefte sich. Er ahnte, dass dieser Traum keineswegs
harmlos gewesen sein konnte und all seine guten Vorsätze verpufften in dem Maße,
wie sein Schwanz zum Leben erwachte.
Verschwinde, schrie sein Verstand, ohne dass sein Körper reagierte. Verschwinde,
ehe du bereust, was du tust…
„Buffy…“, begann er hilflos.
„Was ist mit mir los, Spike?“ unterbrach sie ihn und ein Hauch Verzweiflung
schwang in ihre Stimme mit. „Ich träume von dir…und ich fühle mich
so…komisch…wenn ich aufwache…“
Oh Gott…nein…
„Ich kann nicht wieder einschlafen…“ Sie seufzte und Spike konnte sich noch
immer nicht rühren. „Ich bin verheiratet, Spike… Ich fühle mich so elend
schuldig, aber ich träume von dir und nicht von ihm und ich habe mir gewünscht,
du…“
Seine Lippen waren auf ihrem Mund, ehe sie den Satz beenden konnte. Die Bilder,
die ihre Worte heraufbeschworen hatten, reichten, um ihn jegliche Bedenken
vergessen zu lassen. Seine Zunge strich zart über ihre Lippen, bat um Einlass
und er stöhnte leise, als sie den Mund öffnete. Sie sank gegen ihn und schlang
ihre Arme um ihn, als wolle sie ihn nie wieder los lassen. Die Umgebung versank
in einen Nebel aus Gleichgültigkeit, nichts zählte mehr, außer ihren Lippen und
Zungen, die zärtlich miteinander spielten.
Trotzdem war es Spike, der seinen Kopf von ihr los riss. Es kostete ihn alles,
was er an Selbstbeherrschung besaß, um sie nicht sofort weiter zu küssen, als er
den benommenen Ausdruck in ihren Augen bemerkte. Ihre Lippen waren vom Küssen
geschwollen, die Wangen so herrlich gerötet und sein Schwanz drängte gegen den
Stoff der Jeans, als wolle er ihn im nächsten Augenblick sprengen.
Spike holte keuchend Luft und versuchte sich krampfhaft einzureden, dass er
derjenige sein musste, der die Kontrolle behielt. Seine Hände umfassten ihren
Kopf, hoben ihr Gesicht zu sich an und er flüsterte erstickt: „Es ist falsch,
Luv.“
„Es fühlt sich richtig an“, wisperte Buffy.
Er stöhnte wieder leise und hauchte ihr einen Kuss auf die Lippen. „Ich möchte
dich lieben, Kätzchen“, murmelte er gequält. „Möchte dich meinen Namen schreien
hören… möchte dich alles andere vergessen lassen…aber ich darf das nicht.“
Buffy wusste, dass er Recht hatte, ganz tief in ihrem Inneren wusste sie es und
sie wollte am liebsten weinen. Aber sie brachte es fertig zu nicken.
Spike ließ sie los und das war bestimmt das Schwerste, was er je in seinem Leben
getan hatte.
Sie griff wieder nach seiner Hand und lächelte scheu, als er den Kopf drehte und
sie aus diesen blauen Augen ansah. „In deiner Gegenwart fühle ich mich frei.“
„Verdammt“, fluchte er auf, schlang seine Arme um sie und hatte sie im nächsten
Augenblick rückwärts gegen einen Baum gepresst.
Sie schnappte überrascht nach Luft. Das Feuer in seinen Augen raubte ihr den
Atem und sie fragte sich verblüfft, was sie schlimmes gesagt haben könnte.
„Verflucht“, murmelte er wieder, ohne seinen Blick von ihrem Gesicht zu lösen.
„Ich bin auch nur ein Mann, Luv… du kannst so was nicht sagen…und mich nicht so
anschauen…“
„Anschauen…“, echote sie völlig durcheinander.
„Ich träume auch von dir, Kätzchen“, stieß er heiser hervor. „Ich träume von dir
und ich denke an dich, wenn…“ Er gab ein abgehacktes Lachen von sich. „…wenn ich
mir einen runterhole.“
Buffys Mund klappte auf. „W-was…?“, schaffte sie hilflos zu formulieren, ohne
einen Gedanken daran zu verschwenden, dass ihr die ganze Sache sehr peinlich
sein sollte. Alles, was sie denken konnte, war: Er träumt von mir…
„Verdammt“, murmelte er wieder. „Es wäre äußerst hilfreich, wenn du mich von dir
stoßen würdest…“
Dummerweise gab es in ihrem Kopf nicht den klitzekleinsten Gedanken in diese
Richtung. Sie fühlte seinen Körper an ihrem, spürte durch den dünnen Stoff ihrer
Kleidung seine Erregung und ein bitterer Geschmack bei der Erinnerung an die
vielen Male, die sie mit Parker geschlafen hatte, stieg in ihr hoch. Wenn es ein
einziges Mal so gewesen wäre wie dieses eine Mal mit Spike… Ein einziges Mal nur
und sie hätte sich daran klammern können, dass mit Parker nicht alles nur schief
lief. Aber so…
Bin ich egoistisch? fragte sie sich, aber das Gefühl, schuldig zu sein, rückte
in weite Ferne. Denn selbst wenn, hatte Parker ein Mal in den vergangenen Jahren
danach gefragt, was sie fühlte?
Spike wurde steinhart, als sie den Kopf hob und er dem plötzlich gar nicht mehr
unsicheren Blick ihrer Augen begegnete. Wortlos schlang sie den Arm um seinen
Hals und zog seinen Kopf zu sich herab.
Und als ihre Lippen wieder aufeinander trafen, war auch Spike alles andere egal.
Sie zogen sich gegenseitig aus. Ein Kleidungsstück nach dem anderen landete auf
dem Boden. Es war kein wildes Aufeinanderstürzen. Es war eher, als hätten sie
alle Zeit der Welt, sich gegenseitig zu erforschen, zu berühren und zu
liebkosen.
Spike hätte ewig damit zubringen können, ihren Körper anzuschauen und unter
seinen Händen zu spüren, aber ihr Stöhnen und die leisen kehligen Laute, die
ihren Mund verließen, trieben ihn fast in den Wahnsinn.
Irgendwann hielt er es nicht mehr aus, hob sie an, fühlte, wie sie ihre Beine um
seine Hüften schlang, sich mit den Armen um seinen Hals klammerte und stieß in
sie. Sie stöhnten beide bei dem Gefühl, nun wieder verbunden zu sein, lösten
ihre Augen nicht voneinander, sondern verharrten eine ganze Weile einfach so,
aneinander drängend.
Und dann begann er sich zu bewegen, trieb sich selbst mit jedem harten Stoß
tiefer in sie hinein und genoss das Gefühl ihrer feuchten engen Hitze. Buffy
schluchzte auf, verkrampfte ihre Hände in seinen Haaren, als sie es von neuem
spürte und diesmal wusste, wie es endete.
„Ja, Luv“, flüsterte er heiser und beschleunigte seine Bewegungen. „Lass es
raus, Luv… Lass dich gehen… Komm für mich…“
Sie schrie und Spike folgte ihr übergangslos, als ihre inneren Muskeln sich um
seinen Schwanz schlossen und ihr Zittern auf ihn überging. Mit einem Aufstöhnen
entlud er sich in ihr, stieß noch einmal tief in sie hinein, als wolle er sich
für immer in ihr vergraben, während er sie halt suchend gegen den harten Stamm
des Baumes presste.
Buffy spürte die knorrige Rinde nicht. Sie schluchzte auf, weil das Gefühl, das
durch ihren Körper jagte, einfach nur schön war und umklammerte weiter Spikes
Hals, als er mit ihr zu Boden rutschte, ohne sie los zu lassen.
***********
Eine ganze Weile später saßen sie zusammen am Waldrand, Spike lehnte mit dem
Rücken an einem Baum, hatte Buffy zwischen seine Beine gezogen und die Augen
halb geschlossen.
Die Sonne ging gerade unter, aber sie hatten beide noch keine Lust, ins Camp
zurück zu kehren oder sich vielleicht damit auseinander zu setzen, wie es jetzt
weiter gehen sollte.
Buffy fühlte seinen warmen Körper in ihrem Rücken und ein Gefühl grenzenloser
Befriedigung zog sich durch ihren eigenen. Sie wünschte sich, ewig so sitzen
bleiben zu können und an nichts anderes denken zu müssen.
Spike senkte den Kopf und berührte sanft mit den Lippen ihren Hals. „Wie geht’s
dir, Luv?“
„Himmlisch“, murmelte sie verträumt.
Er lachte leise.
„Sind wir verrückt, Spike?“, fragte sie leise und melancholisch. „Bin ich
verrückt, weil ich es zulasse?“
Er schlang seine Arme um sie und legte sein Kinn auf ihrer Schulter ab.
„Vielleicht sind wir es“, sagte er seufzend. „Aber ich will nicht, dass du dich
schuldig fühlst. Lad es auf mir ab, gib mir die Schuld…“
Buffy drehte den Kopf und berührte mit den Lippen sanft seine Wange. „Ich kann
mich nicht mehr schuldig fühlen. Im Moment verfluche ich mehr meinen Mann.“
Er schloss die Augen. Allein, der Gedanke, dass sie in vier Wochen heimkehren
und sie in die Arme dieses Idioten zurückkehren würde, ließ ihn sich ganz krank
fühlen. „Dann lass es uns genießen“, flüsterte er kaum hörbar neben ihrem Ohr.
Ihre Zähne gruben sich in ihre Unterlippe. „Ist es das, was ich denke, was du da
anbietest?“
„Ja“, murmelte er verzweifelt und schloss sie enger in seine Arme.
Eine Träne bildete sich in ihrem Auge und rann ihre Wange hinab, als sie
antwortete:
„Ja.“
************
Es war sehr spät, als sie zum Camp zurückgingen. Trotzdem saßen die anderen noch
immer am See um das große Lagerfeuer und begrüßten sie erfreut.
Selbst Angel grinste schief, stieß Spike die Faust in die Seite und brummte so
leise, dass es nur Buffy hörte: „Wir wollten schon einen Suchtrupp losschicken.
Wäre bestimmt peinlich geworden, wenn sie euch gefunden hätten…“
Diesmal wurde Buffy nicht einmal rot, sondern musste sich ein Lachen verkneifen.
Spike zog Buffy an seine Seite und sie lehnte den Kopf an ihn, während sie beide
verträumt in die Flammen starrten. Wahrscheinlich wurde in diesem Moment auch
den anderen Menschen klar, dass sie beide nicht ohne Grund den ganzen Tag
verschwunden gewesen waren.
In der Nacht kroch Buffy in Spikes Zelt. Er zog sie wortlos an sich, schlang
seinen Arm um sie und es dauerte keine fünf Minuten ehe sie eng aneinander
gekuschelt einschliefen.

„Was hast du eigentlich gemeint, als du sagtest, dein Parker sagt dir, was du
tun sollst?“
Spike lag neben Buffy auf der anderen Seite des Sees, so dass sie allein waren,
auf einer Decke und in Badesachen im Gras.
Sie lag auf dem Bauch und war fast eingenickt, als er plötzlich diese Frage
stellte und fuhr zusammen. Als sie den Kopf drehte, traf ihr Blick auf zwei
neugierige blaue Augen und sie wurde rot. „Nicht wichtig“, murmelte sie
undeutlich.
Spike rutschte näher, so dass sich ihre Gesichter fast berührten. „Kätzchen, ich
habe dir ein Versprechen gegeben.“
Buffy stöhnte unterdrückt. Blöde Idee. Spike hatte ihr in der letzten Nacht,
nachdem sie in sein Zelt gekrochen war, erklärt, dass er dafür sorgen wolle, sie
als völlig neuen Menschen heimkehren zu lassen.
Zumindest als ein Mensch, der nicht wegen Kleinigkeiten rot wurde und vergaß,
wie man redete, wenn er aufgeregt war. Buffy hatte ihm mit all der Würde, zu der
sie fähig war, erklärt, dass sie sich schon sehr gut mit ihm unterhalten könne.
Spike hatte nur gegrinst und gesagt, er wüsste noch eine Menge, mit dem er sie
in Verlegenheit bringen könnte. Ob sie vorhätte, das jetzt auszureizen? Buffy
hatte sich nur umgedreht, die Augen geschlossen und so getan, als würde sie
seine herausfordernde Frage nicht verstehen. Und sie hatte auch das Kichern
überhört, mit dem er sie in seine Arme gezogen hatte.
„Also?“, drängte er jetzt weiter. Als sie immer noch nicht antwortete, fuhr er
fort. „Mit mir schaffst du das auch, ohne dass ich etwas verlange, also?“
Ihre Wangen glühten und sie wich seinem Blick aus. „Ich hatte von nichts eine
Ahnung“, verteidigte sie sich. „Ich war ganz froh, dass er sagte, was ich tun
soll. Ich war viel zu nervös, um zu denken, geschweige denn zu handeln. Beim
ersten Mal.“
„Ich wette, es war toll“, murmelte er sarkastisch.
Sie stützte sich auf ihre Ellenbogen, starrte gedankenverloren in die Luft und
er beugte kurz den Kopf nach vorn und berührte mit den Lippen ihre Schulter.
„Es hat mir nicht sonderlich gefallen“, stieß sie hervor. „Und es tat weh. Ich
konnte nur an den Schmerz denken. Ich hatte so eine fürchterliche Angst vor dem
Schmerz, dass ich den Rest kaum mitbekommen habe.“
„Hm“, sagte er leise. „Scheint ein wirklich sehr einfühlsamer Mann zu sein. Wie
lange seid ihr verheiratet?“
Er hatte noch nie Fragen zu Parker gestellt und Buffy wusste nicht so richtig,
ob es ihr recht war, dass er es jetzt tat. „Vier Jahre“, meinte sie dann jedoch.
„Jetzt müsstest du doch eigentlich alles wissen, oder?“, fuhr er fort und
ignorierte, dass sich das Rot ihrer Wangen vertiefte. „Hast du ihm mal gesagt,
was du gern hättest?“
„Ich wüsste nicht, was“, gab sie zögernd zu. „Ich habe die Tage nicht sonderlich
herbei gesehnt, an denen er mit mir schlafen wollte. Aber ich denke schon, dass
er sich Mühe gegeben hat.“ Sie drehte den Kopf und er sah Tränen in ihren Augen
schimmern. „Warum verliere ich bei ihm nicht so die Kontrolle wie bei dir?“
Plötzlich war der Kloß in seinem Hals wieder da. „Keine Ahnung“, stieß er mühsam
hervor. „Verliert er sie?“
„Er?“, fragte sie kläglich.
Spike lächelte schwach. „Nun, ich verliere sie definitiv. Und dabei hast du
nicht einmal sonderlich viel tun müssen. Und ich glaube nicht, dass ich in
diesem Augenblick noch sehr viele Anweisungen geben könnte...“
„Also so… so wie du… ist Parker nie… Du bist… bist…“ Buffy wurde noch röter. Sie
wollte den Kopf abwenden, doch Spike griff nach ihrem Kinn und zwang sie, ihn
weiterhin anzusehen.
„Red mit mir, Luv. Nur so wirst du es verstehen können.“ Er küsste sie sanft auf
den Mund. „Wie bin ich?“
„Du… reagierst anders… du reagierst genau so, wie ich mich fühle…“ Sie holte
tief Luft, wie um sich selbst Mut zu machen. „Du lässt mich alles um mich herum
vergessen und benimmst dich, als würde es dir genau so gehen…“
„Es geht mir tatsächlich so, Kätzchen.“ Er grinste breit.
„Parker hat… immer die Kontrolle…“
„Und ich handle lieber, als dass ich rede. Außerdem...“, kicherte er. „Wenn ich
nicht mehr denken kann, kann ich schon gleich gar nicht mehr reden.“
„Ich konnte immer denken“, gab sie geknickt zu und fühlte seine Finger, die über
ihre Wange strichen, während seine Augen gedankenverloren diesem Spiel folgten.
„Und mir hat nicht immer gefallen, was er wollte...“
Seine Augen fuhren übergangslos zu ihren hoch. „Was?!“
Das Blut schoss ihr wieder in den Kopf. „Zu viel reden ist auch nicht gut“,
murmelte sie verlegen.
„Was hat er gewollt?“, fragte er scharf.
„Nichts weiter. Faith erzählte dauernd davon und noch einiges mehr, aber mir hat
es nicht gefallen!“, stieß sie aus und wurde noch röter. „Ich will nicht darüber
reden!“
„Hast du mit Faith darüber gesprochen?“, erkundigte er sich leise.
Buffy schüttelte den Kopf und vergrub ihr Gesicht in ihren Armen.
„Warum nicht?“, bohrte er weiter.
„Es war mir peinlich!“ Sie schaffte es endlich, den Kopf wieder zu heben und ihn
mit glühenden Wangen anzusehen.
„Hast du gemacht, was er wollte?“
Buffy stöhnte auf, wollte hoch springen, doch sein Arm schlang sich um ihren
Körper und zog sie wieder an seine Seite. „Also wegrennen ist ganz falsch“,
murmelte er heiser. „Das löst in mir so einen Jagdinstinkt aus.“ Sie vergrub ihr
Gesicht an seiner Brust, damit sie in nicht mehr ansehen musste. „Also, hast
du?“
„Ja“, nuschelte sie undeutlich und fühlte, dass er über ihre Haare strich.
„Was war es denn?“, erkundigte er sich dann leise.
„Ich kann das nicht“, jammerte sie und spürte förmlich sein Grinsen. Ihre Hand
stieß gegen seine Brust. „Bestimmte Stellungen... und wenn er wollte, dass ich
ihn mit dem Mund... Und einmal wollte er meine Hände festbinden!“
Er sagte eine Weile gar nichts und Buffy wagte endlich wieder ihren Kopf zu
heben. „Hat er dich geschlagen?“, fragte er ruhig, doch sie hörte die
unterdrückte Aggressivität in seiner Stimme.
„Nein!“ Sie klang erschrocken und er strich ihr vorsichtig eine Haarsträhne aus
dem Gesicht.
„Kätzchen, niemand sollte im Bett etwas tun, was ihm nicht gefällt. Er hat kein
Recht, so etwas zu verlangen.“ Er küsste sie sanft auf den Mund. „Ich finde
auch, mit dem richtigen Partner kann man an einer Menge Spaß haben. Selbst diese
Fesselsache hat für mich einen gewissen Reiz.“ Er grinste, als sie den Mund
verzog. „Ich habe mich auch schon mal fesseln lassen“, gab er dann zu.
„Echt?“ Buffy schaute ihn aus großen Augen an und er grinste noch breiter.
„Ich finde es andersherum besser“, kicherte er. „Weil es dann die Frau ist, die
bettelt...“
„Oh Gott.“ Sie presste ihre Hand auf ihren Mund, um nicht zu lachen. „Dann hast
du...?“
„Hm. Sie hat mich eine ganze Weile schwitzen lassen. Aber ich habe mich gerächt.
Am nächsten Abend.“ Er war froh, dass sie nicht mehr ganz so verlegen drein
schaute, sondern ihn jetzt eher neugierig musterte. „Bloß, wenn der Dummkopf
dich nicht zum Betteln gebracht hat, was hat er dann mit dir angestellt, nachdem
er dich festgebunden hat?“
„Er hat nichts weiter gemacht. Nur mit mir geschlafen wie immer. Aber ich fand
das so demütigend...“
Dieser Mann war wirklich ein Idiot. „Und welche Stellung ist das, die dir nicht
gefällt?“, erkundigte er sich, ohne weiter darauf einzugehen.
„Spike... können wir jetzt damit aufhören?“
Er grinste und sank mit ihr zusammen wieder auf die Decke zurück. „Warum? Wir
sind noch fast vier Wochen hier, Kätzchen, und ich möchte dich nicht ebenso
schockieren wie dein überaus sensibler Mann.“
Ihr Kopf fuhr hoch und sie starrte ihn fassungslos an. „D-du r-redest jetzt
davon... so weiter zu machen... ja?“
„Ja“, erklärte er vergnügt und küsste sie kurz auf den Mund. „Und irgendetwas in
mir sagt, dass du das auch willst. Sieh es einfach als das Sammeln von Erfahrung
an. Ich habe etwas wieder gut zu machen. Und wenn du heim kommst, kannst du
daraus machen, was du willst.“
„Ich denke, das ist ganz schön falsch“, murmelte sie leise, doch der Gedanke an
das, was er mit ihrem Körper anstellen konnte, sandte ein Kribbeln in ihren
Unterleib. War es falsch, einfach nur einmal an sich selbst zu denken?
„Also, welche Stellung?“
„Von hinten…“, nuschelte sie undeutlich.
„Ja?“ Er klang erstaunt. „Vielen Frauen gefällt es gerade gut. Weil man tiefer
in sie eindringen kann. Und mir…“ Er lachte leise. „Mir gefällt es auch ganz
gut. Es hat so was animalisches…“
Buffy wurde wieder rot. „Spike!“ Die Vorstellung von ihm, hinter ihr, nackt und
voll erregt, flackerte in ihrem Kopf auf und ihr wurde heiß.
„Okay, und dann noch die Sache mit deinem Mund.“ Er lachte, als sie sich wieder
von ihm lösen und aufspringen wollte.
„Es reicht jetzt, Spike!“
Er fing ihre Hände, hielt sie hinter ihrem Rücken fest und rollte sie so, dass
sie auf dem Rücken lag und ihn ansehen musste. „Vom darüber Reden passiert doch
nichts. Dieser nette Mensch wollte also, dass du ihn mit deinem Mund
befriedigst?“ Sie zappelte unter ihm schon wieder in einer Art und Weise, die
ihm das Denken schwer machte. Er kicherte leise. „Vielen Frauen gefällt es, weil
Männer dann so hilflos wie Babys werden...“
„Mir nicht!“, zischte Buffy böse. „Er wusste genau, dass mir das nicht gefällt
und er hat das nur gewollt, wenn er wegen irgendetwas sauer war!“
Spike sagte sich, dass dieser Mensch Glück hatte, gerade nicht in der Nähe zu
sein. Er konnte sich auch absolut keinen Grund vorstellen, aus dem man auf die
scheue schüchterne Buffy, die sie noch vor vier Wochen gewesen war, sauer sein
sollte.
„Du scheinst ein ganz schön überhebliches Arschloch erwischt zu haben“, knurrte
er fast zornig.
Doch sie hatte sich in Rage geredet. „Das ist so demütigend! Er blieb dann
stehen und wollte, dass ich auf die Knie gehe und hat mich immer angesehen, als
ob ich mir das selbst zuzuschreiben habe! Ich habe mich davor geekelt!“
Jetzt trat wirklich Zorn in Spikes Gesicht. Er ließ ihre Hände los, stützte
seine Ellenbogen neben ihrem Kopf ab und sah sie aus schmalen Augen an. „Ich
werde mit diesem Idioten ein ernstes Wörtchen reden!“, fauchte er zornig und
Buffy schnappte erschrocken nach Luft.
„Bist du verrückt!?“
„Nein! Du bist verrückt, wenn du es dir gefallen lässt! Warum war er sauer auf
dich?! Hat das Essen nicht geschmeckt?!“
„Du bist gemein!“ Buffy stieß ihn gegen die Brust, aber er war zu schwer, als
dass sie ihn bewegt hätte.
„Nein, Kätzchen“, sagte er plötzlich wieder sehr sanft und fuhr mit der Zunge
über ihre Lippen. „Alles, was zwei Menschen im Bett miteinander tun, sollte
beiden Spaß machen. Es sollte von keinem als eklig oder demütigend empfunden
werden. Wenn ich es tue…“
Seine Lippen wanderten über ihren Hals, über ihr Dekollete zu ihrem Bauch. Buffy
richtete sich auf ihre Ellenbogen auf und starrte ihn aus großen Augen an.
„Wenn ich mit meinem Kopf zwischen deinen Beinen verschwinden würde…“ fuhr er
fort und ihr Mund öffnete sich halb, als er seine Zunge auf eine unbeschreibbare
Art in seinem Mund rollte, „dann würde ich es tun, weil es mir gefällt und weil
es mich total heiß macht, dich die Beherrschung verlieren zu lassen…“
Buffy hatte Mühe, überhaupt einen klaren Gedanken zu fassen. „Du… was…?“
Er presste seine Lippen auf ihren Bauch, fühlte ihr Zittern und sah wieder zu
ihr hoch. „Das hat er nicht getan, was? Möchtest du es wissen?“
„Spike…“ Ihre Stimme war nur ein Hauch. Er konnte unmöglich meinen, was sie
jetzt dachte… Oder?
Dann spürte sie seine Zunge, die ihren Bauch abwärts leckte, bis zum Bund ihrer
Bikinihose. Seine Finger hakten sich in den Saum und zogen das Stück Stoff
langsam ihre Hüften hinab.
Oh Gott… Buffy konnte sich nicht rühren. Sie kam sich vor, als wäre sie nicht
mehr sie selbst, sondern würde aus der Ferne beobachten, was er mit ihrem Körper
anstellte.
Er lächelte leicht, als er die Fassungslosigkeit in ihrem Gesicht bemerkte.
„Entspann dich, Luv“, flüsterte er, ließ ihr Höschen neben ihr fallen und beugte
sich wieder über sie.
Buffy begriff kaum, was geschah und noch weniger, dass sie nichts tat, um ihn
aufzuhalten. Kein Wort kam über ihre Lippen, einzig und allein ein erstickter
Seufzer drang aus ihrem Mund, als Spike seine Lippen wieder auf ihren Bauch
presste und gleichzeitig ihre Beine spreizte.
Scham stieg in ihr hoch, instinktiv wollte sie die Beine schließen, doch er
verhinderte es, weil er dazwischen lag. Aber jeglicher Gedanke daran verschwand,
als sie dem brennenden Blick seiner Augen begegnete und dann seine Finger
spürte, die an der Innenseite ihrer Schenkel nach oben strichen.
Sie konnte es nicht glauben. Sie konnte nicht fassen, was gerade geschah und ein
leichtes Stöhnen entrang sich ihrer Kehle, als Spikes Finger zwischen ihren
Beinen ankamen und sie hauchzart streichelten. Und dann verabschiedete sich
jegliches Denken, als er seine Finger durch seine Zunge ersetzte.
Sie sank auf die Decke zurück, ihre Finger klammerten sich Halt suchend in das
Baumwollmaterial und sie schloss die Augen, als Schauer durch ihren Körper
jagten. Stöhnend drängte sie sich ihm entgegen, vergaß dass sie mitten auf einer
Wiese lag, weil nur noch das wichtig war, was Spike tat.
Seine Zunge leckte über die Feuchtigkeit zwischen ihren Beinen, umzirkelte den
pochenden Knoten, der immer mehr nach seiner Berührung zu schreien schien. Ihre
Reaktion begeisterte ihn und noch mehr seinen Schwanz in seiner Hose, der sich
schlagartig aufrichtete.
Er spürte den Zeitpunkt genau, als die Anspannung ihren Körper verließ und die
Welt um sie herum versank. Sein Finger stieß in sie, er hörte sie nach Luft
schnappen, fühlte sie sich ihm entgegenbäumen, während seine Zunge ihr Spiel nie
aufgab. Er hatte geahnt, dass es ihr gefallen würde und sein Körper reagierte
begeistert darauf, dass sie ihm derart vertraute.
„Spike…“ Ihre Stimme war nur ein hauchzartes Flüstern.
Er wusste, was sie wollte. Dass sie nur knapp an der Grenze stand und es kaum
noch eine Bewegung seinerseits forderte, um sie darüber zu schicken. Und
trotzdem wollte er es noch ein wenig hinaus zögern, wollte ihr zeigen, wie es
war, in vollkommener Ekstase aufzugehen.
Er ließ seinem Finger einen zweiten folgen, spürte wie die Nässe seine Finger
hinab rann, seine Hand benetzte und umzirkelte mit der Zunge ihre pochende
Klitoris. Sie begann sich stöhnend unter ihm zu winden. Haltlos fuhren die Hände
über die Decke und Spike fühlte sich fast selbst so, als würde er gleich
platzen.
„Spike“, jammerte sie diesmal und drängte sich gegen sein Gesicht.
Und er gab ihr, worauf sie wartete. Seine Finger stießen tief in sie und seine
Zunge presste sich gegen den pochenden Knoten, während sich seine Lippen darum
schlossen.
Buffy explodierte mit einem erstickten Aufschrei, ihre inneren Muskeln
umkrampften seine Finger und sie schluchzte auf. Ein Zittern überlief ihren
Körper, als die Spannung, die sich die ganze Zeit aufgebaut hatte, von ihr
abfiel und sie mit diesem herrlich seligen Gefühl erschlaffen ließ.
Keuchend und nach Luft ringend blieb sie liegen, schaffte es gerade so, ihren
Arm zu heben, um ihre Augen zu bedecken und sich dann die schweißnassen Haare
aus der Stirn zu streichen, während ein einziger Gedanke ihr Hirn beherrschte:
WOW…
Spike grinste, obwohl sein Schwanz genau so verzweifelt nach Erlösung schrie
krabbelte ihren Körper aufwärts.
Erst als er über ihr lehnte, öffnete sie die Augen und sah ihn mit solch einem
verträumen Ausdruck an, dass sich ein strahlendes Lächeln auf seinen Lippen
bildete.
„Ich mag es“, begann er, als würden sie noch immer dieses Gespräch führen und
als wäre dieses Zwischenspiel gar nicht geschehen, „meine Lippen, meine Zunge
und auch meine Zähne einzusetzen und ich mag es definitiv auch, wenn es eine
Frau bei mir tut. Allein die Verstellung, dass du auf deine Knie sinkst und
deine Lippen um meinen Schwanz schließen könntest, treibt mich an den Rand der
Beherrschung. Aber, Kätzchen...“ Er sah sie ernst an. „Ich könnte es niemals
genießen, wenn ich Abscheu in deinen Augen sehen würde.“ Er senkte den Kopf,
strich zart mit den Lippen über ihre und neckte sie mit seiner Zunge. „Ich werde
dich niemals zu etwas drängen und ich möchte ein Nein hören, wenn dir
irgendetwas, was ich tue nicht behagt. Okay?“
Sie nickte, noch immer ohne ein Wort hervor zu bringen.
„Schön.“ Er küsste sie kurz auf die Nasenspitze und rieb dann seine drängende
Erektion an ihr. „Wär’s möglich, dass ich jetzt dein Level auch erreiche?“,
hauchte er bettelnd und stieß sich gegen ihre Mitte.
Buffy lachte auf, als sie seinen gequälten Gesichtsausdruck bemerkte und öffnete
einladend ihre Beine weiter. „Muss ich dir beim Ausziehen der Badehose helfen?“,
erkundigte sie sich in einem so neckenden Ton, den Spike überhaupt nicht
erwartet hatte.
Stöhnend presste er seine Lippen auf ihre, drängte seine Zunge in ihren Mund und
hantierte gleichzeitig hektisch mit seiner Badehose. Er hielt es nicht mehr aus,
als er sie leise kichern hörte, knurrte ungestüm, befreite seinen mittlerweile
steinharten Schwanz und stieß vorwärts.
****************
Diesmal rollte Spike, genau so keuchend wie Buffy, zur Seite und starrte hinauf
in den blauen Himmel. „Wir sind schon verrückt“, murmelte er grinsend.
Eine Weile sagte keiner von beiden einen Ton, sie hingen ihren Gedanken nach und
warteten, dass sich der rasende Puls beruhigte. Spike war noch immer reichlich
weggetreten, als er ihre zaghafte Stimme hörte.
„Hast du schon einmal zu irgendetwas nein gesagt?“, erkundigte sie sich scheu.
Er drehte den Kopf und lächelte. „Weißt du, mein Motto ist, man sollte alles
wenigstens einmal ausprobieren, ehe man es ablehnt. Aber einmal wollte eine
Frau, dass ich sie fessle und dann auspeitsche...“ Er grinste schwach. „Ich
hatte die Peitsche schon in der Hand. Ich hab’s nicht fertig gebracht. Dann
meinte sie, es wäre egal, wir könnten es auch auf die herkömmliche Art tun, aber
all meine Erregung war plötzlich verschwunden. Ich konnte nicht mal das.“
„Sie wollte es?“ Buffy klang fassungslos. Sie rutschte an seine Seite und lehnte
den Kopf an seine Schulter.
Spike presste kurz seine Lippen gegen ihre Haare. „Ja, und ich wette, sie wäre
dadurch unwahrscheinlich scharf geworden. Ich konnte es trotzdem nicht. Allein
der Gedanke, dass ich ihr wehtun würde... auch wenn sie es wollte...“
Sie seufzte nachdenklich. „Parker sah nie aus, als würde es ihm gefallen, wenn
ich mit meinem Mund...“ Sie brach ab, weil sie es noch immer nicht aussprechen
konnte. „Dir würde es gefallen?“
Spike schlang den Arm um ihren Hals und flüsterte in ihre blonden Locken. „Es
würde mich genau so wahnsinnig machen wie dich, als ich meinen Kopf da unten
hatte.“
„Wow“, murmelte Buffy und wurde wieder einmal rot, als die Erinnerung in ihren
Kopf stieg. Zum Glück konnte er es nicht sehen. Sie hatte das Ganze noch nie aus
diesem Aspekt gesehen, egal was Faith sagte. Aber der Gedanke, dass Spike die
Beherrschung nur allein durch ihre Lippen verlieren könnte, war… faszinierend.
So wie Spike es ausdrückte, war alles, was sie nicht mochte, faszinierend und
sie begann langsam, Parker zu verfluchen und fragte sich, ob er es wirklich
nicht besser wusste, oder ob es ihm gefiel, eine Frau an seiner Seite zu haben,
die vieles von dem, was er wollte, nicht mochte.
Dann hörte sie ihn kichern. „Allerdings könnte ich deine Erinnerung daran auch
noch einmal auffrischen…?“
Teil 15
Zwei Tage später schaffte es Anya nicht mehr, ihre Neugier zu bezähmen. Sie sah
Buffy allein an dem Campingtisch sitzen, schaute sich schnell nach allen Seiten
um und nahm ihr gegenüber Platz.
„Stimmt es?“, flüsterte sie atemlos. „Du und Spike?“
Buffy starrte sie einen Moment geschockt an, aber dann sagte sie sich, dass es
Blödsinn wäre, das Ganze zu verleugnen. „Hm“, machte sie trotzdem verlegen.
„Wow“, murmelte die junge Frau verzückt, bemerkte wie ihre Freundin aus ihrem
Zelt kroch und sich neben sie setzte. „Schläfst du mit ihm?“
„Anya!“, zischte Willow, obwohl sie ihre Freundin ja kannte. „Das geht dich
nichts an!“
Buffy hatte schon wieder sehr mit ihrer Gesichtsfarbe zu kämpfen, doch keine der
beiden Frauen schaute überrascht drein, sondern jetzt sahen beide ziemlich
neugierig aus.
Langsam wurde auch der Rest des Camps wach und Buffy bemerkte über Willows
Schulter, dass ein verschlafener Spike aus seinem Zelt kroch und kurz in ihre
Richtung grinste. Unbewusst lächelte sie zurück und sah die beiden Frauen wieder
an.
„Hm“, nuschelte sie undeutlich.
„Echt?“ Anya beugte sich vor. „Ist er im Bett auch so gut wie er küsst?“,
flüsterte sie, ohne sich darum zu kümmern, dass Buffy noch röter wurde. „Ich
wette ja“, grinste sie dann. „Ich glaube zwar, an Xander kommt niemand ran, der
ist einfach ein Tier im Bett, aber…“
„Anya“, mischte sich Willow mit einem entschuldigenden Lächeln in Richtung der
hochroten Buffy ein. „Wir wollen jetzt wirklich nicht wissen, was du mit Xander
alles anstellst.“
„Nein?“ Anya musterte Buffy enttäuscht.
Diese schüttelte stumm den Kopf.
„Schade“, murmelte Anya. „Trotzdem, das mit Spike und dir ist…“ Sie grinste. „Wow.
Hätte ich dir gar nicht zugetraut. Aber ich finde es klasse. Ich kenne zwar
deinen Mann nicht, aber…“
„Anya“, sagte Willow wieder ruhig.
Anya verdreht die Augen. „Hab dich nicht so, Will. Ist doch sonnenklar. Wenn
Buffys Mann der Kracher im Bett wäre, würde sie Spike gar nicht angucken. Ich
schätze mal, er ist ’ne ziemliche Niete und…“
„Anya!“ Jetzt wurde Willow langsam ärgerlich, vor allem, weil sie an Buffys
betroffenem Gesichtsausdruck merkte, dass die ganze Angelegenheit sie nicht kalt
ließ. „Wolltest du nicht Xander wecken?“
„Richtig!“ Anya lachte und sprang auf. „Mach dir bloß keinen Kopf, Buffy“, rief
sie noch, ehe sie über den Platz in Richtung von Xanders Zelt stürmte.
Willow schwieg eine Weile und warf Buffy nur ab und zu einen fragenden Blick zu.
Es war nicht zu übersehen, dass Anyas Worte die junge Frau aufgewühlt hatten und
Willow hätte ihre Freundin am liebsten für ihr manchmal fehlendes Taktgefühl
verflucht.
„Hast du Lust“, fragte sie nach ein paar Minuten, in denen Buffy ebenfalls
keinen Ton von sich gab, „ein Stück spazieren zu gehen?“
Sie hatte Zweifel, ob Buffy den Wink verstand, aber sie wünschte sich, der
schüchternen Frau helfen zu können. Und wenn es nur darum ging, ihr die
Schuldgefühle, die sie zweifelsfrei plagten, zu nehmen oder einfach zu
verstehen, was hier eigentlich los war. Denn Willow ahnte, dass es eine Menge
gab, was sie noch nicht wusste. Natürlich hatte sie keine Ahnung, ob Buffy
darüber reden wollte, aber einen Versuch war es wert.
Ihr Herz machte einen Satz, als Buffy den Kopf drehte und langsam nickte.
****************
„Nun ja“, beendete Buffy eine halbe Stunde später die längste Rede ihres Lebens.
„Und dann saß ich in dem Flieger, zu schockiert, um einen Ton zu sagen. Zu
panisch, um zu weinen. Es hat eine ganze Weile gedauert, ehe ich begriffen habe,
dass ich tatsächlich die nächsten acht Wochen in einem Zeltcamp verbringen
sollte. Ich war so wütend auf Faith…“
Willow hatte die Hände in den Taschen ihrer dünnen Freizeithose vergraben. Ein
spitzbübisches Lächeln trat auf ihre Lippen. „Jetzt bist du es nicht mehr“,
stellte sie fest.
„Nein.“ Buffy seufzte. „Jetzt bin ich fast stolz auf mich.“ Sie verzog kläglich
den Mund. „Spike hat eine Menge getan, um mir zu helfen. Von Anfang an. Ich weiß
nicht, warum er es getan hat…“
„Ich hätte es ihm nicht zugetraut“, gab Willow zu. „Am Anfang war er mir
regelrecht unheimlich mit seinen launischen Stimmungen.“
„Er ist nett.“ Buffy wurde wieder rot, als Willow den Kopf drehte und grinste.
„Nur nett?“
„Ich mag ihn“, murmelte sie undeutlich. „Sehr.“
Willow nickte, als hätte sie es gewusst.
„Ich habe Angst“, fuhr Buffy fort. „Angst vor der Heimkehr. Angst davor, Parker
gegenüber zu treten. Er ist so anders als Spike…“
Willow zog Buffy an die Seite zu einem umgestürzten Baumstamm und setzte sich.
„Da ist noch etwas, das du weggelassen hast, ja?“
Buffy vergrub ihr Gesicht in ihren Händen. „Ich kann nicht…“, flüsterte sie
kläglich.
Willow schwieg und wartete. Sie ahnte, dass es nichts bringen würde, Buffy zu
drängen. In Buffys Leben schien es wenige Leute gegeben zu haben, denen sie
einfach mal ihr Herz ausschütten konnte. Manchmal war es nicht einfach, das
auszusprechen, was einen bewegte, weil es in diesem Moment zur Tatsache wurde.
„Ich…“, begann Buffy nach einer ganzen Weile und fühlte wieder die Röte in ihr
Gesicht steigen. „Ich habe gedacht… ich meine…ich … Faith sagt, ich bin
verrückt… aber ich mochte den Sex nicht sonderlich… mit Parker…“
Willows Mund klappte auf, aber sie zwang sich gewaltsam still zu sein.
Tränen traten in Buffys Augen. „Meine Mutter sagte, es wäre normal. Viele Frauen
hätten keinen Spaß am Sex… es gehört aber zur Ehe dazu und ich…“ Sie verstummte,
schniefte leise und suchte nach einem Taschentuch. „Mit Spike ist es anders“,
stieß sie dann hervor und die Tränen begannen zu laufen. „Es ist toll… und ich
habe Angst…Ich weiß nicht, was ich machen soll… ich weiß gar nichts mehr…“
„Mein Gott“, flüsterte Willow, legte ihren Arm um Buffys Schultern und zog sie
an sich. Sie ließ die andere Frau weinen, strich ihr nur ab und zu behutsam über
den Rücken und dachte so für sich, dass man dieser Faith einen Orden verleihen
sollte. Sicherlich war die Methode etwas extrem, aber das Ergebnis zählte.
Leider war von einem HappyEnd noch nichts zu sehen… Und Anyas Worte hatten so
ziemlich voll ins Schwarze getroffen.
„Hast du“, fragte sie zögernd, „mit deinem Mann darüber geredet?“
Buffy nickte, während sie sich mit dem Taschentuch die Augen trocknete. „Er hat
gesagt, er bräuchte ab und zu Sex und ich wäre mit ihm verheiratet, ich soll
mich nicht so anstellen…“
„Was?“, fuhr Willow entsetzt auf.
„Ich wusste es doch nicht anders.“ Plötzlich klang Buffys Stimme traurig und wie
aus weiter Ferne. „Faith war die erste Frau, die es anders darstellte, als meine
Mutter und die wenigen Freundinnen, die ich hatte… Ich habe ihr nicht geglaubt.
Gott, war ich dumm…“ Sie stützte ihre Arme auf ihre Knie und ließ den Kopf
sinken. „Wenn ich nur geahnt hätte…“
Zorn stieg in der sonst so freundlichen Willow hoch. Wenn sie es auch nicht
aussprach, so dachte sie doch, dass dieser Parker ein selbstgefälliges Arschloch
war. Sie konnte sich kaum vorstellen, dass es in der heutigen Zeit noch immer
Frauen gab, die ähnliches glaubten wie Buffy und die in diesem Glauben noch
bestärkt wurden. So wie es aussah, hatte nicht nur Faith einen Orden verdient,
sondern auch Spike.
„Süße“, sagte sie dann trocken. „Wie sieht Spike das Ganze?“
„Er sagt, ich soll kein schlechtes Gewissen haben…“ Buffy seufzte wieder. „Er
weiß, dass ich zu meinem Mann zurückkehren werde…“
„Wirst du das?“, fragte Willow mit erhobenen Augenbrauen dazwischen.
Buffy nickte ernst. „Ich bin verheiratet. Die Ehe ist ein Versprechen…“
„Pfff…“
„Aber ich soll in den restlichen Wochen mal nur an mich selbst denken…“ Sie
holte tief Luft. „Ich denke nicht an die Zukunft. Erst, wenn es soweit ist… Ich
werde Spike nie vergessen. Nie.“
„Viele Menschen lassen sich scheiden“, sagte Willow leise. „Manchmal muss man
solch einen Schritt tun, um nicht den Rest seines Lebens unglücklich zu sein.“
„Es würde einen Skandal nach sich ziehen…Meine Eltern…“
„Süße!“, fuhr Willow auf. „Denk an dich selbst und niemanden sonst. Es ist dein
Leben. Nicht das deiner Eltern und nicht das deiner Freunde.“
Buffys Kopf sank wieder auf ihre Arme. Die Zukunft schwebte wie eine ungewisse
schwarze Wolke über ihrem Kopf und sie hatte keine Ahnung, ob sie die Kraft
hatte, ihr zu begegnen.
„Genieß die restlichen Wochen“, fuhr Willow, jetzt wieder ruhiger, fort. „Hab
kein schlechtes Gewissen. Dein Mann hat es nicht verdient.“
Buffy drehte den Kopf und lächelte unter den Tränen, die erneut aus ihren Augen
quollen. „Danke…“
****************
6 Wochen
„Eigentlich ist es Schwachsinn, bei der Hitze zu joggen“, murrte Spike, während
er neben Buffy auf dem schmalen Pfad um den See herum trabte.
„Du wirst immer fauler“, hielt ihm Buffy vergnügt vor. „Liegst nur noch im Sand
herum und lässt dir die Haut verbrennen.“
Spike schnaubte sehr frustriert, hielt aber weiterhin mit ihr Schritt.
„Außerdem“, kicherte sie plötzlich los. „Wenn du heimkommst und vom Pferd
fällst, weil du dich nicht mehr halten kannst oder zu schwer geworden bist, weil
du einen Fettbauch angesetzt…“
„WAS?!“, schrie Spike entsetzt und Buffy sprang lachend zur Seite, als er sich
in ihre Richtung hechtete. „Ich habe den schönsten Waschbrettbauch, den man sich
wünschen kann!“
„Nicht mehr lange!“
Sie sauste davon und Spike nahm die Verfolgung auf. „Das wirst du zurücknehmen!“
Buffy zwang gewaltsam ihr Lachen nieder. Sie wollte es ihm nicht zu einfach
machen und rannte im Zickzack zwischen die Bäume.
Es war, als wären sie Kinder, die keine anderen Sorgen hatten als miteinander zu
spielen und sie konnte in diesem Moment vergessen, dass es eine Zukunft gab. In
diesem Moment zählte das ‚Jetzt’ und nichts weiter.
Spike ließ sie laufen, am Anfang gab er sich nicht einmal Mühe, sie zu fangen,
weil er sie etwas vom Camp wegtreiben wollte. Er kam sich vor wie ein Jäger und
dass seine Beute eine Menge versprach, wenn er sie fing, machte das Spiel noch
reizvoller.
„Du lahme Ente“, stänkerte sie über ihre Schulter, als er nicht näher kam.
Er lachte leise. Diese Buffy war kaum noch mit der Buffy von vor 6 Wochen zu
vergleichen und es gefiel ihm.
„Was bekomme ich, wenn ich dich fange?“, fragte er herausfordernd.
„Dazu musst du mich erst mal haben!“ Sie lachte ebenfalls und sprintete den Hang
zu dem Felsplateau hinauf.
Spike grinste vor sich hin, als er den Weg verließ und zwischen den Bäumen
hindurch rannte. Er kürzte damit den Weg ab und hoffte, er würde vor ihr die
Gesteinsformationen neben der Quelle erreichen. Er kletterte auf den Felsen und
lief in geduckter Haltung auf dem Kamm hinauf.
Seine Ohren übertrugen ihm das leise Geräusch ihrer Schritte und er schmunzelte
vor sich hin, als er bemerkte, dass sie auf dem Pfad geblieben war. Dann hatte
sie die Höhle erreicht, sah sich kurz nach ihm um, ohne ihn zu entdecken und
lief weiter in Richtung Quelle.
Spike folgte ihr auf den Felsen, sprang über einen kleinen Spalt und umrundete
die Quelle von der anderen Seite her.
Buffy war stehen geblieben, um Luft zu schöpfen. Diesmal kam die Röte in ihrem
Gesicht von der Anstrengung, doch ihre Augen leuchteten, als sie kurz suchend
die Umgebung scannte.
Sie hatte nicht damit gerechnet, dass Spike plötzlich von oben neben sie sprang
und kreischte erschrocken auf.
„Du warst noch nie auf der Jagd, Kätzchen?“, fragte er lachend, als sie wendete
und davon stürzen wollte.
Diesmal schaffte sie es nicht, davon zu kommen, als er sich auf sie hechtete und
sie wurde durch sein Gewicht von den Beinen gerissen.
„Hey“, schimpfte sie erbost, als er sie zu Boden drückte.
Sein Körper presste sich gegen ihren Rücken und ihr wurde heiß, als seine Stimme
neben ihrem Ohr flüsterte: „Der Jäger jagt seine Beute und dann könnte er ein
wenig mit ihr spielen…“
„S-spielen…?“, stotterte sie verdutzt.
Sein Lachen ließ Schauer ihren Rücken hinab laufen. Während seine linke Hand sie
weiterhin gegen den Boden drückte, ging seine Rechte auf Wanderschaft, strich
über ihre Hüfte und fuhr um ihren Bauch unter das dünne Shirt. Sie trugen beide
nur die kurzen Joggingsachen und Buffy spürte überdeutlich in ihrem Rücken, wie
sehr ihm gefiel, was er hier gerade tat.
„Ich bin nicht deine Beute“, gab sie zurück und versuchte, ihrer Stimme einen
festen Klang zu verleihen. Gleichzeitig bäumte sie sich auf, nur um kurz darauf
festzustellen, dass Spike eindeutig zu schwer war.
„Doch“, hauchte er wieder neben ihrem Ohr und sie schloss die Augen, als sie
seine Zunge spürte, die die zarte Seite ihres Halses berührte.
„Hah!“, stieß sie hervor.
„Ich hab dich gefragt, was ich bekomme, wenn ich dich fange?“, fragte er wieder,
während seine Hand über die Haut ihres Bauches streichelte. Seine Finger glitten
höher, trafen den Rand des Sport-BH`s und Buffy hatte plötzlich Mühe, sich auf
etwas anderes zu konzentrieren als seine Hand. „Ich bekomme dich…“
Trotzdem schüttelte sie wild den Kopf. „Nein. Du… Ah…“
Seine Finger hatten den BH nach oben geschoben und begannen, mit ihrer rechten
Brustwarze zu spielen. Buffy wollte es ihm keineswegs so einfach machen. Sie
hatte noch nie darüber nachgedacht, einfach ein wenig Spaß zu haben, oder zu
„spielen“, wie er es nannte und würde jetzt bestimmt nicht einfach klein
beigeben. Allerdings konnte sie nicht verhindern, dass ihr Körper reagierte und
ein Kribbeln der Vorfreude zwischen ihre Beine schickte.
Wieder bäumte sie sich auf, versuchte sich zu drehen, doch er griff fester zu
und drückte sie gegen den Boden.
„Kätzchen“, schimpfte er belustigt. „Das ist ja gemein… mich hier erst reizen
und dann wieder flüchten wollen…“
„Reizen?“ Buffy hatte nie im Traum daran gedacht, dass sie irgendwann einmal auf
solch ein Spiel eingehen würde. Sie hatte nie gesprochen, wenn sie und Parker im
Bett waren, sie hätte gar nicht gewusst, was sie sagen sollte. Als sie jetzt
Spikes Stimme hörte, fragte sie sich, wohin das ganze führen würde. Ihr wurde
zum ersten Mal so richtig bewusst, dass sie und Spike niemals ein Bett zur
Verfügung hatten und es auch niemals haben würden. Aber es machte ihnen einen
Heidenspaß und ihr Körper reagierte in einer Art und Weise, die ihr völlig
unbekannt war.
Sie erkannte ihre Stimme kaum wieder, als sie sagte: „Gemein? Ich bin nie
gemein. Da kannst du jeden fragen.“
Er kicherte. „Jeden? Oder meinst du Parker?“
Buffy lehnte ihren Kopf zurück gegen ihn und lächelte, als sie seine Lippen an
ihrem Hals spürte. Unbewusst bewegte sie ihre Hüften gegen seine und hörte ihn
wieder leise stöhnen. Es war wirklich Wahnsinn, wie er auf jede kleinste Regung
von ihr reagierte.
„Eindeutig gemein“, flüsterte er und presste sie wieder gegen den Boden. „Spürst
du, was du mit mir machst?“ Er rieb seine Erektion an ihrem Hintern und Buffy
spreizte unbewusst die Beine, um ihn näher zu fühlen. „Ich sollte dich auch eine
Weile zappeln lassen.“
Der Gedanke, dass sie jemand zappeln lassen könnte, belustigte sie. „So ein
Quatsch“, murmelte sie leichtsinnigerweise und kicherte. Später war sie froh,
nicht das Wie willst du das denn anstellen gesagt zu haben, das ihr auf den
Lippen lag.
Denn seine Finger griffen zum Bund ihrer kurzen Shorts und streiften sie ein
Stück ihre Hüften hinab bis auf ihre Knie. Plötzlich war sie froh, nicht stehen
zu müssen und konnte nur mühsam ein Stöhnen unterdrücken, als seine Hand
zwischen ihre Beine strich und auf die verräterische Feuchtigkeit traf, die all
ihre Worte Lügen strafte.
„Da ist wohl jemand auch etwas ungeduldig, hm?“, fragte er neckend, rieb über
ihre feuchte Mitte und ließ einen Finger in ihr verschwinden.
Komischerweise war Verlegenheit das letzte, was ihr im Moment in den Kopf stieg.
Selbst der Gedanke, dass sie ihm erst vor kurzem erzählt hatte, dass sie genau
diese Stellung nicht mochte, bildete sich nur weit entfernt und Spike
verschwendete sicherlich nicht einen einzigen daran. Dachte sie.
Während sich sein Finger langsam in ihr bewegte, beugte er sich nach vorn und
hauchte neben ihrem Ohr. „So feucht, Kätzchen. Wie war das mit der Sache von
hinten, die du nicht mochtest?“
Sie fluchte leise und stöhnte gleichzeitig, als er seinen Finger aus ihr nahm
und damit sanfte Kreise um ihre Klitoris zog. Eigentlich hatte sie wirklich vor
gehabt, es ihm nicht einfach zu machen. Aber ihre Augen schlossen sich und sie
atmete keuchend durch den halbgeöffneten Mund, während seine Finger sie
erforschten und sie schnappte nach Luft, als er ihn wieder in ihr verschwinden
ließ. Krampfhaft suchten ihre Hände Halt auf der Wiese und sie wimmerte leise.
Plötzlich fand sie es einfach nur fantastisch von ihm gegen den Boden gepresst
zu werden und seine harte Erregung in ihrem Rücken zu spüren. Wie sollte sie
auch ahnen, dass es etwas völlig anderes war, wenn sie im Augenblick der
Leidenschaft und des Verlangens in diese Position gedrückt wurde. Und ihr nicht
jemand recht emotionslos mitteilte, sie solle sich bitte umdrehen, da er sie
heute gern von hinten hätte...
Parker ist wirklich ein Idiot, ging es ihr durch den Kopf, als ihr Körper
zitterte und sie sich gegen seine Finger presste, die immer wieder in ihr
verschwanden. Der Druck, der sich in ihr aufbaute, wurde langsam unerträglich
und sie hatte keine Ahnung, was sie dagegen tun sollte.
„Spike“, flüsterte sie hilflos und hoffte, er würde sie verstehen.
In ihrer Naivität wäre ihr natürlich nie eingefallen, dass er es genau darauf
anlegte. „Was, Kätzchen?“, murmelte er und biss sie sanft ins Ohr.
Sie schrie auf, als etwas wie ein Stromstoß durch ihren Körper fuhr, wollte sich
umdrehen, doch er lachte und hielt sie mit seinem Körper fest. Alles um sie
herum schien zu verschwimmen. „Spike, was...“ Sie brachte nicht einmal einen
Satz zu Ende. Denn sein zweiter Finger folgte dem ersten und die Gefühle, die
sie durchjagten, schüttelten sie derart, dass sie nur aufschluchzen konnte.
„Sag mir, was du willst, Kätzchen“, knurrte er und sein Daumen glitt über das
hochsensible Nervenbündel zwischen ihren Beinen. Sein harter Schwanz begann
langsam zu schmerzen, aber er zwang sich gewaltsam, es noch hinaus zu zögern. Er
würde sie haben. Daran bestand schließlich kein Zweifel.
„Was...?“, schaffte sie hervorzubringen und dachte weit entfernt, dass man diese
Qual unmöglich überleben konnte.
„Sag mir, was du willst“, wiederholte er und rieb sich an ihr, um sich selbst
etwas Erleichterung zu verschaffen. Sie hatte keinerlei Erfahrung in diesen
Dingen und er nahm deshalb nicht an, dass sie lange durchhalten würde. Zum Glück
für ihn.
„Oh Gott, Spike“, jammerte sie auf, versuchte sich wieder gegen ihn zu drängen,
doch mit einem leisen Stöhnen drückte er sie erneut auf den Boden. Ohne seine
Hand von ihr zu entfernen und auch ohne die Bewegungen seiner Finger zu
unterbrechen.
„Spike...!“ Sie klang fast verzweifelt und bäumte sich wieder auf. Sie würde
sterben, wenn er nicht gleich etwas tat, soviel war sicher.
„Willst du mich, Kätzchen?“, fragte er heiser.
„Ja“, schluchzte sie auf und fühlte Tränen in ihren Augen.
„So, Luv? Von hinten?“
„Ja, doch. Ja.“
Sie hörte, wie seine andere Hand seine Hose seine Hüften hinab streifte und
hätte vor Erleichterung fast geweint, als sie seine nackte Haut spürte.
Er zog seine Finger aus ihr zurück, hörte sie leise aufwimmern und fand, dass es
nichts Schöneres gab, als dieses leise bettelnde Geräusch. Seine harte Erektion
drängte von hinten zwischen ihre Beine, spürte die Nässe und seine Hände
umfassten ihre Hüften, um ihr weiteres Drängen zu stoppen.
„Auf die Knie, Kätzchen“, stöhnte er und klang nun fast so gequält wie sie.
Buffy war alles egal, seine Hände richteten ihre Hüften auf, sie hatte kaum noch
Kraft, sich auf ihren Händen abzustützen, weil sie sich fühlte, als würde sie
gleich sterben, wenn er den Druck nicht von ihr nahm.
„Spike“, bettelte sie und drängte ihm unbewusst ihren Hintern entgegen. „Bitte,
Spike...“ Sie würde später darüber nachdenken, ob das peinlich war oder nicht.
Im Moment würde sie alles tun, damit er ihr gab, was sie wollte.
„Ja, Kätzchen“, brachte er hervor, positionierte sich hinter ihr und stieß mit
einem Aufstöhnen in sie.
Ihr Mund öffnete sich zu einem stummen Schrei. Mühsam fing sie seine harten
Stöße mit den Händen ab, ihr Kopf sank nach vorn und die langen blonden Haare
verdeckten ihr Gesicht. Es interessierte sie nicht mehr, dass genau diese
Stellung sie mit Parker so entsetzt hatte, denn alles, was sie fühlte, waren die
Schauer der Ekstase in ihrem Körper.
Ihre Zähne gruben sich in ihre Unterlippe, während sie mit geschlossenen Augen
seinen Stößen begegnete. Denn das war es, wovon Faith immer geschwärmt hatte.
Sich in der Leidenschaft verlieren…
Dann war seine rechte Hand wieder zwischen ihren Beinen. Sie bäumte sich auf,
als er sie berührte und die Muskeln in ihrem Unterleib sich in lustvollen
Krämpfen zusammenzogen. Ein Schrei drang durch ihre Lippen und für einen Moment
wurde es schwarz vor ihren Augen.
Spike konnte sich nicht mehr halten. Es war zuviel zu fühlen, wie sie sich um
ihn zusammenzog. Seine Hände hoben ihre Hüften etwas an, damit er sie besser
erreichen konnte und wie ein Wilder stieß er in sie, ehe er sich mit einem
Aufstöhnen ein letztes Mal tief in ihr vergrub.
Schwer atmend schlang er seine Arme um sie, drehte sie und zog sie an seine
Brust.
Buffy nahm das nur wie durch einen Schleier wahr. Ihr Herz hämmerte, sie fühlte
unter ihrer Wange, dass er genau so keuchend Luft holte wie sie und schlang ihre
Arme um ihn, als wolle sie ihn nie wieder loslassen. Es dauerte eine ganze
Weile, ehe sie spürte, wie er die Hand hob und sanft über ihre verschwitzten
Haare strich.
„Eingeschlafen, Kätzchen?“, fragte er leise und presste seine Lippen gegen ihren
Kopf.
„Hm“, machte sie nur und hörte ihn kichern. Wenn sie sich wieder bewegen und
reden konnte, würde sie ihm das heimzahlen, beschloss sie.
Spike wusste plötzlich mit absoluter Gewissheit, dass er alles tun würde, um sie
nicht gehen lassen zu müssen. Warum sie und keine der vielen anderen Frauen,
denen er in seinem Leben schon begegnet war, konnte er nicht sagen. Verzweiflung
stieg in ihm hoch, weil er genau so absolut gewiss wusste, dass sie zu ihrem
Mann zurückkehren würde.
„Ich werde mich rächen“, murmelte sie gegen seine Brust.
„Ja?“ Er klang schon wieder sehr begeistert und Buffy fühlte, wie seine Hände
ihren Kopf umfingen und ihr Gesicht zu ihm anhoben. „Du darfst alles tun, was du
möchtest, Kätzchen. Alles.“ Seine Lippen berührten sanft ihre und ihre Kehle
schnürte sich zusammen. „Es hat dir gefallen, ja? Trotz deiner Position?“,
vergewisserte er sich, obwohl er es genau wusste.
Buffy lächelte. „Spike, mit dir ist bestimmt alles toll“, sagte sie leise und
sah seine Augen aufleuchten, als er bestätigend nickte.
„Darauf kannst du dich verlassen“, hauchte er. Seine Hand umfing ihre und er
presste seine Lippen gegen die Innenfläche, ohne seine Augen von ihr zu lösen.
Ich liebe sie, dachte er wehmütig und hoffte, sie würde das nicht in seinen
Augen sehen.
Buffy dagegen starrte auf ihre Hand und sie sah etwas, das Spike gar nicht
beachtete. Ihren Ehering.
Das Atmen fiel ihr plötzlich schwer, eine eiserne Klaue legte sich um ihr Herz
und sie schluckte mehrmals, als sie sich wieder daran erinnerte, dass sie Parker
betrog. Aber hatte Parker sie nicht die ganzen vier Jahre lang betrogen, indem
er ihr vorenthielt, was erst Spike ihr gezeigt hatte.
Spike bemerkte die Veränderung in ihrem Blick. „Was ist, Kätzchen?“
„Der Ring“, stieß sie erstickt hervor.
Er seufzte, ließ ihre Hand los und zog sie wieder an sich. Vielleicht sollte
sich auch sein schlechtes Gewissen einfinden, aber nach dem, was sie über ihren
Mann erzählt hatte, wollte ihm das nicht so recht gelingen. Wortlos hielt er sie
fest, sein Gesicht in ihren Haaren vergraben und atmete ihren Duft ein, den er
nie vergessen würde.
Erst eine ganze Weile später löste sie sich von ihm, stand auf und richtete ihre
Kleidung. Spike erhob sich ebenfalls.
„Es ist nicht richtig, was ich tue, stimmt`s?“, fragte sie und klang fast
traurig.
„Dass du ihn betrügst?“, wollte er wissen und sah sie nicken. „Ich denke, wenn
du glücklich mit ihm wärst, würdest du auf solche Gedanken gar nicht kommen.“ Er
ging auf sie zu und blieb vor ihr stehen.
„Ich hatte nicht das Gefühl, dass mir etwas fehlt“, sagte sie leise.
„Jetzt weißt du es“, antwortete er genau so leise. „Und wenn du heim kommst, es
von ihm forderst und bekommst, dann solltest du dein schlechtes Gewissen einfach
vergessen.“
Sie lächelte schwach. „Ich werde dich nie vergessen, Spike.“
„Ich dich auch nicht, Kätzchen. Ich dich auch nicht.“ Er strich ihr sanft über
die Wange und fuhr die Linie ihres Kiefers entlang.
„Es ist auch wegen dir“, flüsterte sie. „Es ist, als würde ich dich benutzen.“
„Benutz mich“, hauchte er und fuhr mit seinen Lippen über ihren Mund. „Benutz
mich einfach als deine Quelle, um Erfahrungen zu sammeln...“
Sie schlang ihre Arme um ihn und schloss die Augen.
Riley war der einzige im Camp, der ihr immer wieder vorwurfsvolle Blicke zuwarf.
Buffy wunderte das nicht, ja sie hatte eher damit gerechnet, bei fast allen auf Ablehnung zu stoßen. Schließlich wussten alle, dass sie verheiratet war und es war nicht mehr zu übersehen, dass da irgendetwas lief zwischen ihr und Spike.
Natürlich hätte sie sich denken können, dass es die jungen Leute kaum interessierte. Das hatte auch das Gespräch mit Willow deutlich gemacht.
Aber selbst Jenny und Giles, die nun schon 17 Jahre ihres Lebens zusammen verbrachten, ließen sich nicht anmerken, ob sie Buffys oder Spikes Benehmen verurteilten.
Jenny sagte sogar einmal leise zu ihrem Mann, dass die beiden ein wirklich süßes Pärchen wären, worauf Giles antwortete, er verstehe nicht, wieso Buffys Mann sie allein hierher schickte. Anya hatte diesem Gespräch zufällig zugehört und es natürlich Buffy mit einem breiten Grinsen weiter erzählt.
Nur Riley schaffte es nicht, sein Missfallen zu verbergen. Nachdem er seine Meinung Angel dargelegt und dieser ihm erklärt hatte, dass Spike für sich selbst verantwortlich wäre und Buffy auch, marschierte er schnurstracks zu Spike, um ihm ins Gewissen zu reden.
Buffy kam gerade aus ihrem Zelt, in dem sie sich umgezogen hatte, als sie sah, dass die beiden auf der anderen Seite des Camps diskutierten. Sie seufzte, weil sie ahnte, worum es ging und schlenderte über den Platz.
„Ich weiß nicht, wie Faith das tun konnte“, sagte Riley gerade. „Aber dass du es ausnutzt, ist wirklich die größte Frechheit!“
Spikes Augen verengten sich. Er sah sehr wohl, dass Buffy heran kam, doch er war weit davon entfernt, sich jetzt zu beherrschen. „Faith scheint die beste Freundin zu sein, die Buffy haben konnte. Schau sie dir jetzt an und vergleich sie mit der schüchternen jungen Dame vor sechs Wochen! Hättest du es geahnt? Hättest du es für möglich gehalten?“
„Mir hat die Buffy vor sechs Wochen besser gefallen“, erklärte Riley pikiert.
„Pfff.“ Spike schüttelte missbilligend den Kopf. „Ich finde, niemand sollte vor Angst fast sterben, nur weil er von fremden Menschen umgeben ist. Und niemand sollte vor lauter Aufregung kein Wort hervor bringen können.“
„Und wenn sie nebenbei noch deine Bedürfnisse erfüllt, ist dir das ganz Recht?“, giftete der junge Mann erbost.
„Riley“, sagte Buffy leise hinter seinem Rücken und er fuhr herum.
Sein Gesicht rötete sich. Er warf Spike einen erbosten Blick zu und sah dann wieder Buffy an. „Auch wenn es niemand anders sagt, aber ich finde dein Benehmen nicht richtig. Du bist eine verheiratete Frau und auch wenn dich Faith in solch eine Situation steckt, bedeutet das nicht, dass du ausflippen musst.“
Obwohl Spike die Verzweiflung in ihren Augen sah, blieb ihre Stimme ruhig. „Ich finde, es geht dich nichts an.“
„Nein, natürlich nicht! Mir tut dein Mann leid! Er macht sich sicherlich jede Menge Sorgen um dich und du hast nichts Besseres zu tun, als hier herum zu huren!“
Buffy holte ohne nachzudenken aus und schlug ihm ins Gesicht. Erst als sie Rileys fassungslosem Blick begegnete und er seine feuerrote Wange betastete, wurde ihr klar, was sie gerade getan hatte und schluchzte auf. „Du weißt gar nichts!“, schrie sie ihm ins Gesicht. „Du kennst weder mich, noch mein Leben und du hast nicht das geringste Recht, darüber zu urteilen!“
Spike warf ihm einen bösen Blick zu und nahm sie wortlos in seine Arme. „Shhh, Kätzchen“, murmelte er und strich über ihre Haare, als sie sich an ihn klammerte. Seine Augen fixierten den Mann, der noch immer recht fassungslos sein Gesicht berührte. „Wie viele Frauen hattest du in deinem Leben, Riley?“, fragte er eisig.
„Was? Was soll die Frage?“ Rileys Hand sank von seinem Gesicht.
„Wie viele?“
„Ich weiß es nicht genau! Ich bin 31“, verteidigte Riley sich. „Ich… müsste überlegen…“
„Dann frag Buffy, der wievielte ich bin.“ Spike setzte Buffy auf den Holztisch neben der Steinbaracke. „Nicht weinen, Kätzchen“, sagte er sanft, ehe er wieder den Kopf hob und auf Riley schaute. „Frag sie!“, forderte er zornig. „Und dann behaupte noch einmal, dass sie es ist, die herum hurt!“
„W-Was?“ Rileys Blick wanderte von Spike zu Buffys Gesicht und er bemerkte die Tränen, die ihre Wangen hinab liefen. „Was soll das? Ich denke gar nicht daran, so etwas zu…“
„Weil du ein Feigling bist?“, fuhr Spike erbost auf. „Ich weiß auch nicht, wie viele Frauen ich in meinem Leben schon hatte. Vielleicht kriege ich die Zahl ja ungefähr zusammen, wenn ich eine Weile darüber nachdenke. Und du auch! Buffy muss keine Weile darüber nachdenken! Sie muss überhaupt nicht darüber nachdenken!“
„Spike, hör auf“, murmelte Buffy leise und legte ihre Hand auf seinen Arm.
„Nein, ich höre jetzt nicht auf!“, ereiferte dieser sich weiter. „Wenn ich aufhöre zu reden, fange ich an, darüber nachzudenken, ob es besser wäre, ihn für seine Worte zu verprügeln! Und wenn du jemanden beleidigst, Riley, dann mich! Niemanden sonst!“
Riley wich zurück, als er Spike mit geballten Fäusten auf sich zukommen sah.
„Ich will hier niemanden in Schutz nehmen“, fauchte Spike. „Ich bin derjenige, der die volle Verantwortung übernimmt. Also bin ich es auch, den du mit deinen Beleidigungen überhäufst, klar?“
Riley hob den Kopf. „Dann solltest du soviel Anstand haben und deine Finger von ihr lassen! Der Schaden, den du angerichtet hast, ist schon groß genug!“
„Welcher Schaden?“, erkundigte sich Spike süffisant.
„Spike!“, mischte sich Buffy alarmiert ein und sprang wieder vom Tisch.
Riley sagte nichts mehr, sondern drehte sich wutentbrannt um und stürzte davon. Spike starrte ihm zornig nach. Bis er Buffys kleine Hand fühlte, die sich in seine schob.
„Danke“, flüsterte sie.
Er nickte düster.
„In gewisser Weise hat er Recht“, fuhr sie leise fort. „Ich betrüge Parker.“
„Ich würde es nicht als Schaden bezeichnen, wenn du jetzt weißt, wie es sein sollte, wenn zwei Menschen miteinander schlafen!“, sagte er zornig. „Egal, was Riley sagt, egal, was er denkt und egal, was du jetzt sagen willst. Ich kann mich nicht mehr schuldig fühlen.“
Sie sah ihn mit großen Augen an. „Nicht mehr…?“
„Als du dort oben auf dem Plateau so bitterlich geweint hast, habe ich mich schuldig gefühlt. Weil ich annahm, ich hätte dich einfach nur überrascht und deine Gefühle ausgenutzt…“
„Nein, das war es nicht…“, unterbrach sie ihn.
„Ich weiß.“ Er schlang einen Arm um ihren Hals und lehnte seine Stirn an ihre. „Ich weiß jetzt, dass du einfach nur fassungslos und überrascht warst, weil du etwas gefühlt hast, was du noch nie gefühlt hast. Und das es so etwas tatsächlich gibt, ist ein Verbrechen. Derjenige sollte sich schuldig fühlen. Nicht ich. Und nicht du.“
Buffy presste wortlos ihre Lippen auf seinen Mund.
**************
Riley sagte nichts mehr zu der Angelegenheit, auch wenn sie hin und wieder die verärgerten Blicke bemerkten, die er ihnen zuwarf. Aber sie konnten auch nicht ahnen, dass er mit den anderen aus der Gruppe ebenfalls darüber gesprochen hatte und Anya ihm ins Gesicht gelacht und gesagt hatte:
„Riley, Buffy brachte kaum ein Wort heraus, sie stotterte und sie konnte nicht mal tanzen, als sie hierher kam. Ich wette, sie hatte nicht mal die Gelegenheit, einen anderen Mann außer ihren eigenen zu treffen. Und ich wette, sie war auch mit keinem anderen Mann als ihrem eigenen im Bett. Vielleicht hat sie jetzt einfach festgestellt, dass Spike um einiges besser abschneidet. *Ich* könnte mir das zumindest vorstellen.“
Riley war bei diesen Worten blass geworden. Er wollte nicht darüber nachdenken, dass Anya Recht haben konnte, aber ganz tief in seinem Inneren gestand er sich das ein.
Er entschuldigte sich noch am gleichen Tag für seine Worte und musste beschämt feststellen, dass Buffy auch keine Person war, die jemandem lange etwas nachtrug. Sie lächelte ihn freundlich und fast so schüchtern wie am ersten Tag an, als sie sagte, dass sie ihm nicht mehr böse wäre.
Spike allerdings brummte nur unfreundlich und meinte, das nächste Mal solle er sein Gehirn erst einschalten, bevor er den Mund aufmachte.
Buffy blühte sichtlich auf. Spike schlief nun offiziell mit in ihrem Zelt, wenn sie sich auch nicht so benahmen wie Harmony und Scott. Der Gedanke, dass das ganze Camp alles von ihrem Sexualleben mitbekommen würde, behagte ihr überhaupt nicht und als sie das Spike sagte, meinte dieser unbekümmert, er hätte kein Problem damit, es gäbe tagsüber genügend Gelegenheiten, wenn ihm oder ihr danach wäre.
Buffy war bei diesen Worten wieder einmal puterrot geworden, denn obwohl sie sich nicht so offensichtlich benahmen wie Harmony und Scott, so schafften sie es doch auch kaum, ihre Hände voneinander zu lassen, sobald sie allein waren.
Nachts genoss sie es, einfach in seinen Armen zu schlafen. Und dann fing sie an, über seine Einfälle zu lachen, mit denen er sie immer wieder vom Camp weglockte.
Es ging soweit, dass er erklärte, er werde ihr das Jagen beibringen und Oz daneben stand und trocken meinte, er soll den Scheiß lassen, alle wüssten, was er ihr beibringe. Buffy fluchte, schlug gespielt nach Spike, als dieser ihr eine Armbrust aushändigte und verfluchte sich selbst, weil sie schon wieder rot anlief.
Aber sie lachte dann genauso wie Oz und Spike, bis dieser ihr um den Hals fiel und sie küsste, als wolle er Oz’ Worte noch einmal nachdrücklich beweisen.
Buffy spürte schon wieder ihre Beine schwach werden und sie fragte sich, wieso sie plötzlich so leicht erregbar geworden war, dass manchmal ein Blick oder eine Berührung von ihm reichte. Und sie fragte sich, warum ihr das in all den vergangenen Jahren nicht so gegangen war.
**********
„Warum bist du eigentlich nicht verheiratet?“ Buffy wunderte sich, dass sie diese Frage bis jetzt noch nicht gestellt hatte, aber es war ihr einfach nie in den Kopf gekommen.
Spike lag genau so faul im Gras wie sie. Je näher der Tag des Rückflugs kam, umso weniger Zeit verbrachten sie im Camp. Irgendwie hatte auch Buffy keine Lust, die kurze Zeit, die ihr mit ihm blieb, auch noch mit anderen Menschen zu teilen. Meist verschwanden sie nach dem Aufstehen und kamen erst gegen Abend wieder. Es gab noch kleinere Seen und Flüsschen, in denen sie baden konnten und manchmal schlenderten sie einfach Hand in Hand durch die dichten Wälder und schwatzten.
Buffy hatte tatsächliche einige Versuche mit der Armbrust gewagt oder vielmehr versucht, einen Baum zu treffen, aber sie lachte mehr darüber, wie dumm sie sich anstellte, als dass sie etwas traf. Am Ende erklärte sie dann ernsthaft, dass sie nie ein Tier töten könne. Spike hatte nur mit den Schultern gezuckt.
Jetzt lagen sie an einem kleinen Fluss, die Haare noch feucht vom Baden und blinzelten müde in die Sonne.
„Ich habe die richtige Frau noch nicht getroffen“, beantwortete er ihre Frage. „Nur Frauen, die scharf auf mein Vermögen waren und es fantastisch fanden, dass ich auch nicht allzu übel aussehe.“
Sie hob den Kopf und lächelte leicht. „Du siehst toll aus.“
Spike lachte leise, als er bemerkte, dass ihre Wangen sich schon wieder röteten. „Kätzchen“, murmelte er, hob seine Hand und legte sie unter ihr Kinn. „Dieses Rotwerden ist wirklich eine unangenehme Angelegenheit…“
Sie kam nicht dazu, etwas zu sagen, weil er seine Lippen auf ihren Mund presste. „Es löst eine sofortige Reaktion an einem bestimmten Körperteil von mir aus…“
Buffys Augen wurden groß.
„Du siehst auch toll aus, Luv“, fuhr er fort, während seine Finger gedankenverloren die Linie ihres Kiefers nachzogen. „Und wenn du so süß rot wirst… kann ich mich kaum beherrschen…“
„Echt?“, piepste sie fassungslos.
Er nahm ihre Hand und führte sie zu seiner Badehose. „Glaubst du mir jetzt?“, erkundigte er sich mit einem belustigten Funkeln in den Augen.
„Ja“, hauchte sie, ohne die Hand von seiner Hose zu nehmen und er stöhnte auf, als sie ihn sanft durch den dünnen Stoff massierte. Er fühlte sich gut an und der Gedanke, dass es nur eine winzige Reaktion ihrerseits gewesen war… Dieses dumme Rotwerden ließ einen Mann wie Spike so hart werden… Ihre Wangen glühten noch mehr, als ihr das durch den Kopf schoss.
Die Erregung verdunkelte seinen Blick und Buffy fand es plötzlich unwahrscheinlich faszinierend, das zu sehen. Es war ihre Hand, die ihn stöhnen ließ. Ihr Körper, der ihn den Verstand verlieren ließ.
Ohne die Augen von ihm abzuwenden, drückte sie ihn zurück auf die Decke. Zögernd und noch etwas unsicher strich sie mit der Hand über seinen Bauch, sah wie sich seine Bauchmuskeln unter der Berührung zusammenzogen und lächelte leicht. Sein erigierter Penis lugte über den Rand der Badehose hinaus, doch Spike tat nichts, um sie zu drängen. Die Spannung überzog seinen Körper und noch mehr Blut schoss in den schon harten Körperteil, als er beobachtete, mit welcher Faszination sie dem Spiel ihrer Finger zuschaute.
„Berühr ihn, Kätzchen“, bat er leise.
Er zwang sich gewaltsam, die Augen offen zu halten, weil er sie sehen wollte, aber seine Beherrschung hing nur noch an einem seidenen Faden. Ihre Finger gelangten an den Bund der Badehose und zogen sie seine Hüften hinab.
Natürlich hatte sie ihn in den letzten Wochen oft genug nackt gesehen und er sie, aber es war noch nie passiert, dass sie ihn einfach so berührte. Spike stöhnte auf, als sich ihre Finger um ihn schlossen und ihr Blick hob sich schnell zu seinem Gesicht.
„Nicht aufhören…“, stieß er gequält hervor.
Sie lächelte, weil sie ahnte, dass es ihm im Moment genau so ging wie ihr, wenn er mit seinem Kopf zwischen ihren Beinen verschwand und es erfüllt sie mit Stolz. Sanft massierte sie an seiner Härte auf und ab, strich mit dem Daumen über die empfindliche Spitze und verwischte den ersten Tropfen Feuchtigkeit, der austrat.
„Buffy…“, stöhnte er wieder und krallte seine Finger in die Decke, auf der er lag.
Erregung schoss in ihren eigenen Körper und zwischen ihre Beine. Sie hatte nie geglaubt, dass es möglich war, dieses Gefühl allein durch das, was sie tat, auszulösen. Spikes Schwanz schien in ihrer Hand noch härter zu werden und anzuschwellen.
Und plötzlich wollte sie es wissen. Spikes Kopf schoss hoch, als sie ihren senkte und er brachte gerade noch heraus: „Kätzchen, du musst nicht…“
Seine Stimme verklang, als ihre Zunge heraus schnellte und sie über seine Eichel leckte. Kein Mann würde jetzt noch denken, geschweige denn reden können. Na gut, ihr idiotischer Ehemann vielleicht…
„Ich will es“, flüsterte sie und sein Kopf sank stöhnend zurück, als sich ihre Lippen um ihn schlossen und sie ihn tief in ihren Mund saugte.
Das war der Himmel. Jedenfalls seine Version davon.
***********
Es war um einiges später, als sie wieder in ihrer Kleidung, aber immer noch schläfrig aneinander geschmiegt auf der Wiese lagen und in die beginnende Dämmerung starrten.
Spike hatte seinen Arm um ihre Schultern geschlungen, atmete den Duft ihrer noch immer nassen Haare ein und wünschte sich, vergessen zu können, dass sie in wenigen Tagen nach Hause fliegen würden.
„Ich werde dich nie vergessen“, murmelte Buffy wieder einmal gegen seine Brust und seine Kehle schnürte sich zusammen.
Er küsste sie kurz auf die Haare. „Magst du… telefonieren?“
Sie hob den Kopf und sah ihn an. „Es wäre keine gute Idee.“
„Nein.“ Er seufzte und küsste sie wieder, diesmal auf den Mund. „Ich wünschte, es gäbe irgendeine Möglichkeit...“
„Nicht, Spike“, flüsterte Buffy erstickt, ehe er den Satz vollendete. „Lass uns nicht von der Zukunft sprechen, ja? Lass uns einfach vergessen, dass wir in wenigen Tagen heim fliegen.“
Er nickte stumm und schluckte, als er sah, dass sich ihre Augen mit Tränen füllten.
„Ich liebe dich“, wisperte sie verzweifelt. „Du wirst immer einen Platz in meinem Herzen haben.“
Wortlos schlang er seine Arme um sie, vergrub sein Gesicht an ihrem Hals, um die Tränen zu verbergen und biss die Zähne aufeinander. Ich liebe dich auch, Kätzchen. Ich liebe dich auch…
Er würde es ihr nicht sagen. Er ahnte, dass sie es wusste, aber es auszusprechen, hieße, den Abschied noch schwerer zu machen.
Spike hielt Buffy den gesamten Rückflug im Arm. Sie sprachen kaum ein Wort und Buffy ahnte, dass sie anfangen würde zu weinen, wenn sie es täten. Spike schien das ebenfalls zu vermuten, denn er strich nur ab und zu geistesabwesend mit den Fingern über ihren Arm oder küsste sie sanft auf die Haare.
Die anderen Menschen um sie herum plauderten aufgeregt, schwatzten über die vergangenen acht Wochen und freuten sich trotzdem, in die Zivilisation zurück zu kehren.
Buffy schloss die Augen. Sie fühlte unter ihrer Wange die Wärme seines Körpers und war sicherlich zusammen mit Spike die einzige Person im Flieger, die sich nicht freute. Und sie erinnerte sich ironisch an ihre fürchterliche Angst vor acht Wochen, als sie glaubte, die Zeit niemals durchzuhalten.
Sie musste eingeschlafen sein, denn Spike weckte sie, indem er sie sanft schüttelte. „Kätzchen, aufwachen. Wir sind gleich da.“
Sie seufzte und warf einen Blick in die Runde. Die anderen plapperten aufgeregt durcheinander, warfen ab und an einen Blick aus dem Fenster und begeisterten sich darüber, dass die kleine Maschine zur Landung ansetzte.
Buffy dagegen wünschte sich wieder zurück. Etwas, das sie vor acht Wochen niemals für möglich gehalten hätte.
Es dauerte auch nicht lange und das Flugzeug setzte ratternd auf dem Landfeld des Flughafens auf und rollte in Richtung Terminal.
Während die anderen sich sofort damit beschäftigten, ihre Sachen zusammen zu packen, blieb Buffy sitzen.
Spike sah traurig in ihre Richtung. „Komm schon. Es hat keinen Sinn, es noch hinaus zu zögern.“ Er lächelte gezwungen und stand ebenfalls auf, als die kleine Maschine stoppte.
An seiner Seite verließ Buffy den Flieger und folgte ihm zur Gepäckabfertigung. Wie im Traum ließ sie die Verabschiedung der anderen Menschen über sich ergehen.
Anya und Willow umarmten sie und wünschten ihr alles Gute. Sie hatten Adressen ausgetauscht und Willow versprach noch einmal, sich auf alle Fälle zu melden. Xander klopfte Buffy auf die Schulter und flüsterte ihr ins Ohr, sie solle lächeln, sonst würde ihr Mann gleich merken, was los ist.
Buffy hatte mehr mit den Tränen zu kämpfen. Wie durch einen Schleier nahm sie wahr, dass sich auch Riley verabschiedete und sie zum Schluss allein mit Angel und Spike an der Gepäckabfertigung stehen blieb.
Spike schnappte sich ihren Rucksack und reichte ihr ihre kleine Reisetasche. „Holt dich jemand ab?“
„Ich weiß nicht.“ Vor acht Wochen hätte ihr der Gedanke, nicht zu wissen, wie sie in ihr Haus zurückkommen sollte, noch Panik bereitet. Heute dachte sie nur müde, dass es schließlich Taxis gab.
„Komm, Kätzchen“, sagte er sanft und zog sie mit sich.
Angel folgte ihnen mit einem undefinierbaren Gesichtsausdruck.
Die Wartehalle war voller Menschen. Buffy blieb einen Moment stehen und überflog die Massen mit ihren Augen. Bis sie ein bekanntes Gesicht entdeckte und schwach lächelte.
„Faith ist da“, murmelte sie und deutete auf die dunkelhaarige schlanke Frau am anderen Ende, die begeistert winkte.
Spike drehte sich zu ihr um. „Ich denke, es wäre nett, diese Frau kennen zu lernen, aber wahrscheinlich ist es besser, wir verschwinden jetzt.“
Buffy nickte stumm. Ihre Kehle war wie zugeschnürt, als sie in sein so vertrautes Gesicht und die blauen Augen blickte. Spike setzte ihren Rucksack ab und blieb vor ihr stehen.
„Ich hasse Abschiede“, sagte er leise und sie schaffte es, ein missglücktes Lächeln in ihr Gesicht zu zaubern. „Lass dich nicht unterkriegen, Kätzchen.“ Seine Hand umschlang ihren Hals und er lehnte ein letztes Mal seine Stirn an ihre. „Leb wohl“, flüsterte er. „Und erzähl ihm nichts von uns. Manchmal ist es schwerer, mit der Wahrheit umzugehen. Glaub mir.“
Buffy nickte krampfhaft. Ihre Hand hob sich automatisch zu seinem Arm und sie presste ein letztes Mal ihre Lippen auf seinen Mund. „Leb wohl, Spike“, wisperte sie erstickt.
Spike ließ sie los und griff nach seinem Gepäck. Buffy sah auf Angel, der sie ebenfalls fast traurig anblickte. Wortlos umarmte sie ihn ebenfalls.
„Leb Wohl, Angel.“
„Mach’s gut“, sagte der dunkelhaarige Mann und flüsterte dann neben ihrem Ohr. „Wir übernachten im Hyperion.“ Dann löste er sich von ihr, fing ihren irritierten Blick auf und grinste schwach. „Nur zur Sicherheit...“
Buffy blieb einen Moment einfach stehen und starrte den beiden regungslos hinterher, als sie sich zum Ausgang wandten und ein Taxi riefen. Jetzt, nachdem sie allein hier stand, füllten sich ihre Augen wirklich mit Tränen und diese rollten ungehindert ihre Wangen hinunter.
„Ich fasse es nicht!“, quietschte eine Stimme hinter ihr. Sie fuhr herum und fühlte sich übergangslos umarmt.
„Faith“, brachte sie heraus und dann war es um ihre Beherrschung geschehen. Ihre Arme schlangen sich um die andere Frau und sie fing bitterlich an zu weinen.
„Hehe, Süße“, murmelte Faith beruhigend und klopfte ihr auf den Rücken. „Wir verfrachten dich jetzt erst einmal in mein Auto, okay?“
Buffy schniefte und wischte sich verlegen über die Augen, als sie nach ihrem Gepäck griff.
Faith grinste sie an. „Und dann will ich einen ausführlichen Bericht!“
Buffy musste zwischen den Tränen lachen und folgte der anderen Frau nach draußen. „Ich sollte wirklich sauer auf dich sein, Faith. Wie konntest du das tun!“
„Willst du wirklich behaupten, du hast es bereut?“, erkundigte sich Faith scheinheilig. „Ich habe die Verabschiedung gesehen…“
Die nächste halbe Stunde hörte sich Faith Buffys Geschichte an und stellte so für sich schon einmal fest, dass sie Buffy noch nie so viele zusammenhängende Sätze auf einmal hatte sprechen hören. Die Tränen, die Buffy vergoss, ignorierte Faith vorläufig. Wichtiger war es erst einmal ihr zu zuhören. Sie konnte sich schon vorstellen, wie viele Tränen ihre Freundin erst vergießen würde, wenn sie wieder zurück in das Haus zu Parker musste.
Faith fuhr extra langsam, so dass Buffy genug Gelegenheit hatte zu berichten. Und was sie erzählte, war mehr, als sich Faith je gewagt hatte zu erträumen.
„Ich habe geglaubt, ich sterbe vor Angst“, gestand sie am Ende. „Doch jetzt bin ich traurig, dass es schon vorbei ist. Es war so… schön.“
Faith lächelte sie kurz an, ehe sie wieder auf die Straße sah. „So, und was hast du jetzt weggelassen?“
Buffy wurde rot und verfluchte sich dafür. „Nicht viel“, murmelte sie und musste kichern.
„Etwas, das in direktem Zusammenhang mit diesem blauäugigen, blondierten Prachtstück steht?“
„Wieso?“, erkundigte sich Buffy unschuldig. „Ich habe dir doch gesagt, dass er mir sehr geholfen hat, mich zurecht zu finden… und so…“
„Süße“, sagte Faith trocken. „Glaub nur nicht, dass du mich so abspeisen kannst! Du hast ihn zum Abschied geküsst. Ich will alle schmutzigen Details hören!“
Buffy lachte und lehnte sich im Sitz zurück. „Du hattest Recht, Faith“, meinte sie dann leise. „Ich war ein Idiot zu glauben, ich hätte keinen Spaß am Sex…“
Faith bremste so abrupt, dass Buffy in die Gurte geworfen wurde und parkte das Auto am Straßenrand. Dann drehte sie sich zu ihr und sagte neugierig: „Und jetzt will ich alles wissen.“
****************
Mit gemischten Gefühlen nahm Buffy zwei Stunden später ihr Gepäck entgegen und sah Faith an. Diese schüttelte den Kopf.
„Ich komme garantiert nicht mit rein“, erklärte sie rigoros.
Buffy seufzte. Faith hatte ihr erklärt, wie Parker getobt und geschrieen hatte, als sie ihm von Buffys Reise berichtete. Natürlich hatte die dunkelhaarige Frau keine Hemmungen, zu erklären, dass sie all das geplant und Buffy sozusagen ausgetrickst hatte. Es hatte nicht dazu beigetragen, Parkers Laune zu verbessern und Buffy hoffte, dass acht Wochen reichten, um ihn sich abreagieren zu lassen.
„Ruf mich an“, rief Faith noch, ehe sie wieder ins Auto stieg und die Zündung startete.
Buffy sah ihr nach, bis sie um die nächste Kurve verschwunden war, dann seufzte sie und ging die wenigen Stufen zu ihrer Haustür hinauf.
Es war still im Haus. Sie setzte die Tasche und den Rucksack im Flur ab und horchte verwundert. Parker musste schließlich wissen, dass sie heute wieder kam und sie konnte sich nicht vorstellen, dass er nicht da war.
Sie fand ihn im Wohnzimmer. Er stand am Fenster, schaute auf die Straße und hielt ein Glas Whisky in der Hand. Buffy runzelte verblüfft die Stirn, da sie seine strikte Weigerung, Alkohol zu trinken, kannte.
„Hallo“, sagte sie leise.
Er drehte sich langsam um und als sie in sein Gesicht blickte, wusste sie, dass acht Wochen zu kurz waren, um den Zorn zu beseitigen. Ihr Körper straffte sich und sie hob den Kopf.
Schließlich war es nicht ihre Schuld. Spikes Worte kreisten durch ihren Kopf. Lass dich nicht unterkriegen. Lass nicht zu, dass sie dir die Schuld geben.
Parker registrierte sehr wohl ihre gespannte Haltung. „Buffy“, murmelte er und trank sein Glas aus. „Wie schön, dich auch einmal wieder zu sehen.“
„Du kennst die Umstände meiner Abwesenheit“, antwortete sie ruhig. „Faith hat es dir erklärt. Also erspar uns beiden jetzt bitte Vorwürfe.“
Sein Unterkiefer klappte nach unten und er goss sich schnell sein Glas erneut voll. Erst dann sah er sie wieder an. „Du hast mich acht Wochen allein gelassen.“ Er konnte nicht verhindern, dass seine Stimme zornig klang.
„Mir ist vollkommen klar, dass du darüber wütend bist“, fuhr sie fort. „Aber du weißt genau so, dass ich keine Möglichkeit hatte, das zu verhindern.“
„Du lügst!“, schrie er sie an. „An jeder verdammten Stelle der Welt gibt es Transporte für den Notfall! Du hättest jederzeit darauf bestehen könne, den „Urlaub“ abzubrechen. Jeder, der die Umstände erfahren hätte, hätte dich sofort heimgeschickt.“
Fassungslos bemerkte er, dass sie zwar zusammenzuckte, sich aber sonst keine Regung anmerken ließ. Das war unheimlich, denn die Buffy, die er kannte, wäre jetzt völlig verunsichert zu ihm gestürzt und hätte gefragt, wie sie das alles wieder gut machen könnte.
Buffy fragte sich jedoch eher, ob das wirklich stimmte. Denn dieser Gedanke war ihr in der Panik der ersten Wochen gar nicht gekommen und Riley hatte es mit keiner Silbe erwähnt, obwohl er doch die Gründe ihrer Anwesenheit kannte.
„Nun, du kennst mich doch“, antwortete sie ironisch. „Ich war kaum in der Lage, klar zu denken, geschweige denn, jemanden zu fragen, ob es eine Möglichkeit gibt, mich zurück zu schicken.“
Dafür schien sie jetzt recht gut denken zu können. Parker kippte den Whisky hinunter. „Du hast mich enttäuscht! Du hast uns enttäuscht. Ich habe immer geglaubt, du bist keine von diesen liederlichen Frauen, die nur an sich selbst denken und denen egal ist, wie es ihren Ehemännern geht!“
„Ich hatte geglaubt, acht Wochen würden reichen, um deinen Zorn verschwinden zu lassen. Wie ich sehe, ist das nicht der Fall.“ Sie seufzte und ging langsam auf ihn zu. „Parker, ich war entsetzt. Ich hatte Angst. Ich saß in einem Camp fest, mit fremden Menschen und einem Zelt.“ Er starrte sie noch immer zornig an, doch sie fuhr ungerührt fort. „Aber ich habe es geschafft. Ich bin nicht zusammen gebrochen. Ich habe acht Wochen in einem Camp gelebt. Und ich bin stolz auf mich. Bitte lass uns nicht streiten.“
Er knallte das Glas auf den Tisch. „Du bist stolz!? Was glaubst du, wie ich mich hier gefühlt habe? Ein Mann, dessen Frau ihn einfach allein lässt!? Du hast mich mehr als enttäuscht. Und ich weiß nicht, ob ich dir das je verzeihen kann!“
Buffy sah ihn ernst an und für einen Moment ging ihm auf, dass sie sehr viel erwachsener aussah als noch vor acht Wochen. „Das tut mir leid. Aber ich bin nicht in der Lage, mich für irgendetwas schuldig zu fühlen.“
Und sie versetzte ihm noch einen größeren Schock, als sie sich umdrehte und das Zimmer verlassen wollte. Mit einem Satz war er hinter ihr und riss sie an der Schulter wieder herum. „Was denkst du eigentlich, was du jetzt tust?“, schrie er sie an.
„Meine Taschen auspacken?“
Endlich sah er die alte Nervosität in ihren Augen und das beruhigte ihn etwas. „Ich denke nicht, dass unser Gespräch schon beendet ist.“
„Ich schon“, schockte sie ihn wieder. „Weil ich keine Lust habe, mir von dir Schuld einreden zu lassen.“
„Ich denke, dass du eine Menge wieder gut zu machen hast!“, brüllte er. „Du hast mich als einen Idioten dastehen lassen! Als einen Mann, der keine Kontrolle über seine Frau hat!“
Sie schluckte und zwang sich gewaltsam, ihn ruhig anzusehen. „Ist es das, was du immer wolltest? Kontrolle über mich? Die naive, kleine Buffy, die ohne den großen selbstsicheren Parker unfähig ist, etwas zu tun?“
„Was willst du damit sagen?!“
„Ich will damit sagen, dass deine kleine Buffy etwas erwachsener geworden ist.“ Sie legte die Hand auf seinen Arm. „Parker, bitte, versuch, mich zu verstehen. Ich konnte an dem, was passiert ist, nichts ändern. Aber jetzt kann ich sagen, dass es gar nicht so schlecht war, einmal auf mich selbst gestellt zu sein. Auf alle Fälle möchte ich nicht den Rest meines Lebens mit Schuldzuweisungen verbringen.“
„Das ist doch wohl die Höhe!“, fauchte er gereizt. „Du solltest für das, was du mir angetan hast, am Boden zerstört sein! Und es hat dir noch Spaß gemacht, was? Zu wissen, dass du meine Gefühle mit Füßen trittst! Hast du dich gut darüber amüsiert? Habt ihr euch tot gelacht?“
„Parker!“, sagte sie scharf und ihr Herz zog sich zusammen, als sie ihn so reden hörte. Ihr war unverständlich, wie er so von ihr denken konnte. Wenn sie an ihre ersten Tage in dem Camp dachte, und sich an ihre Angst erinnerte. Sie wäre nie fähig gewesen, über ihn zu lachen. Nie. „Was zum Teufel ist mit dir los? Wieso trinkst du?“
„Ich mache auch, was ich will! Meine Frau tut es ja auch!“, schrie er zurück.
Sie hatte seinen Stolz verletzt. Plötzlich war ihr das mit absoluter Gewissheit klar. Und sie wusste genau so, dass es keinen Sinn hatte, jetzt weiter mit ihm zu diskutieren. Sie drehte sich wieder um und wollte endgültig das Zimmer verlassen.
„Wir sind noch nicht fertig!“, brüllte er hinter ihr her. „Ich will eine Entschuldigung! Ich habe solch ein Benehmen nicht verdient, nach all dem, was ich für dich getan habe!“
Buffy drehte sich langsam wieder um. „Ich sehe keinen Grund, wofür ich mich entschuldigen müsste. Und ich sehe auch weniges, das du für mich getan hast.“
Übergangslos holte er aus und schlug ihr ins Gesicht. „Du undankbares Miststück!“
Buffy war einen Moment viel zu geschockt, um zu reagieren. Ihre Hand fuhr zu ihrer Wange, die wie Feuer brannte und sie starrte auf den Mann vor ihr, als würde sie ihn nicht erkennen. „Du… hast mich geschlagen“, murmelte sie entsetzt.
„Na und?“, kreischte er. „Du hast es nicht anders verdient!“
Tränen traten in ihre Augen. „Parker, du kannst mir nicht die Schuld für…“ Es war weniger der Schmerz, sondern eher die Verzweiflung darüber, dass er es niemals verstehen würde.
„Halt den Mund!“, schrie er wieder, diesmal hysterisch und holte zum zweiten Mal aus. „Du solltest mich anbetteln, dir zu verzeihen!“
Diesmal traf seine flache Hand ihre Lippe und riss ihren Kopf zur Seite. Der scharfe Schmerz und der Geschmack von Blut trieben die Tränen in ihre Augen.
„Parker!“, versuchte sie ihn aufzuhalten und wich zurück.
„Ich habe geglaubt, du bist anders als die anderen Frauen da draußen!“, tobte er wieder und sie hob die Arme, als er sie gegen die Wand drängte und auf sie einschlug. „Doch du bist nicht viel besser!“
Buffy roch den Alkohol und ahnte plötzlich, warum er den Genuss bisher immer so abgelehnt hatte. Ihr Gesicht brannte, sie fühlte das Blut in ihrem Mund und auch an ihrer Augenbraue lief es ihre Wange hinab. Irgendwie ahnte sie, dass Parker viel zu durchgedreht war, um auf ihre Worte zu reagieren und aufzuhören. Panik stieg in ihr hoch, während sie schützend die Hände vor sich hielt.
„Ich werde dir zeigen, was es heißt, ungehorsam zu sein!“
Etwas in ihrem Kopf explodierte. Vielleicht war es die Angst, vielleicht die Ungerechtigkeit seiner Worte, aber sie lösten eine Wut aus, die sie von sich nicht kannte. Unbewusst duckte sie sich und er verharrte kurz, als müsse er überlegen, ob es reichte. Diesen Moment nutzte Buffy, riss ihr Knie hoch und rammte es zwischen seine Beine.
Mit einem Aufjaulen brach der Mann zusammen und krümmte sich auf dem Boden, die Hände gegen seinen Schritt gepresst.
Buffy stürzte zum Telefon und wählte die Nummer eines Taxiunternehmens. Sie musste hier weg, so schnell wie möglich und am besten, ehe Parker wieder klar denken konnte.
Dann bemerkte sie, dass er sich wieder versuchte aufzurappeln und trat noch einmal zu. Er schrie schmerzerfüllt auf, doch sie verspürte kein Mitleid, eigentlich überhaupt keine Emotionen und sie verschwendete auch keinen Gedanken an ihre Eltern, die nur drei Häuser weiter wohnten, weil sie ahnte, dass sie nur vom Regen in die Traufe kam, wenn sie dort Zuflucht suchte.
Vor dem Spiegel im Flur blieb sie noch einmal stehen und wischte notdürftig das Blut aus ihrem Gesicht. Die Tränen waren getrocknet. Aus dem Spiegel sah ihr ein Gesicht entgegen, das nicht ihr eigenes zu sein schien. Kalte leere Augen, die aufgeplatzte Augenbraue und die dicke geschwollene Lippe. Sie fühlte sich genau so leer und tot, wie sie aussah.
Es dauerte auch keine zehn Minuten und als es hupte, verschwendete sie keinen Gedanken an den im Wohnzimmer liegenden Parker, sondern trat hinaus vor die Tür und stieg in das Taxi.
Der Fahrer warf ihr einen erschrockenen Blick zu, doch sie beachtete ihn gar nicht, sondern sagte schlicht:
„Zum Hotel Hyperion.“
Teil 18
Spike mischte sich als Erstes einen Drink, nachdem sich die Tür des Hotelzimmers
hinter ihm geschlossen hatte. Er hatte Angels Vorschlag, noch ein wenig durch
die Straßen zu ziehen, abgelehnt und der andere Mann hatte es akzeptiert, weil
er ahnte, dass Spike allein sein wollte.
Es vergingen drei Stunden, in denen er nichts anderes tat, als stumpfsinnig vor
sich hin stieren, bis sich die Rezeption meldete und ihm mitteilte, dass hier
eine junge Frau wäre, die ihn zu sehen wünschte. Und ob er etwas dagegen hätte,
wenn man sie zu seinem Zimmer schicken würde.
Die Dame in der Rezeption klang eigenartig und mit einem unguten Gefühl sprang
er hoch. Allerdings war er auf den Anblick nicht gefasst, der sich ihm bot, als
er die Tür öffnete.
„Oh Scheiße!“, stieß er hervor und zog die kreidebleiche Buffy in sein Zimmer.
Sie brach zusammen, als sich die Tür geschlossen hatte. Die Beherrschung, mit
der sie den Weg in dem Taxi überstanden hatte, reichte genau bis zu dem Moment,
an dem die Tür ins Schloss fiel.
Mit einem Fluch schlang Spike seine Arme um sie, fühlte, wie sie sich an ihn
klammerte und anfing zu weinen.
Wortlos nahm er sie auf seine Arme, trug sie zum Bett und setzte sich mit ihr,
ohne sie loszulassen. Für einen Moment konnte er nichts sagen. Hilflos strich er
über ihre Haare, fühlte das Beben ihres zierlichen Körpers und in sich den
unbändigen Drang, dieses Arschloch zu töten.
Denn daran, dass ihr Mann für den Zustand ihres Gesichtes verantwortlich war,
bestand für ihn kein Zweifel.
Es dauerte lange, ehe die Schluchzer abebbten und er wartete geduldig, das
Gesicht in ihren Haaren vergraben, dass sie von sich aus anfing zu reden.
„Er war so wütend, Spike“, weinte sie leise.
„Shhh.“ Er strich über ihre Haare und fühlte, wie die Wut wieder in ihm
aufstieg.
Buffy hob ihr Gesicht zu ihm. „Er hatte getrunken… und wollte mir die Schuld
geben…“ Sie schluchzte auf. „Ich habe nicht so reagiert, wie er dachte… und er
wurde noch wütender…“
Seine Hände umfingen ihr Gesicht. „Kätzchen, ich werde nicht zulassen, dass er
dir noch einmal wehtut“, murmelte er leise und strich eine Haarsträhne hinter
ihr Ohr. Zorn loderte in seinen Augen und Buffy hob erschrocken ihre Hand.
„Spike, du wirst nichts tun, ja? Versprich es mir.“ Er schüttelte den Kopf und
stand auf. Ihr Blick folgte ihm nervös. „Was hast du vor?“
„Erst einmal dein Gesicht behandeln“, sagte er nur und suchte in seiner
Reisetasche nach dem Erste-Hilfe-Kasten. Er kämpfte mühsam gegen seine eigene
Wut und versuchte, sich auf das Naheliegendste zu konzentrieren.
Buffy zuckte zusammen, als er sich wieder neben sie setzte und mit einer
Desinfektionslösung die Augenbraue abtupfte.
„Es ist nicht schlimm“, sagte er ruhig. „Sicherlich schmerzhaft, aber es muss
nicht genäht werden.“ Vorsichtig wischte er das Blut aus ihrem Gesicht und von
der Lippe. „Dieses verfluchte Schwein“, stieß er dann hervor und sah, wie sie
die Augen schloss, während wieder Tränen unter ihren Lidern hervor quollen.
„Ich weiß nicht, was ich machen soll, Spike“, schluchzte sie hilflos auf.
Er senkte den Kopf und berührte sanft mit den Lippen ihre. „Du wirst nicht
dorthin zurückkehren.“ Sie weinte noch lauter und er zog sie wieder an sich.
„Als Erstes wirst du hier schlafen.“ Er löste ihre Arme von sich und stand auf.
„Ich gehe zur Rezeption, die ganze Sache klären und besorge dir ein paar frische
Sachen, okay?“ Seine Finger strichen zärtlich über ihre Wange. „Leg dich hin,
Kätzchen, und ruh dich etwas aus, ich bin gleich wieder da.“
Es dauerte keine Viertelstunde und er war zurück. Buffy jedoch hatte sich in
dieser Zeit wie ein kleines Kind auf dem Bett zusammengerollt und weinte noch
immer. Als Spike sie anschaute, stieg die Wut wieder in ihm hoch und er wünschte
sich nichts sehnlicher, als zu diesem Idioten zu fahren und ihm die Meinung zu
sagen. Mit seinen Fäusten.
Er tat es nicht. In dieser Nacht brauchte ihn Buffy mehr als irgendein anderer
Mensch auf der Welt. Aber er verfluchte sich selbst, dass er sie hatte gehen
lassen, dass er sie allein gelassen hatte, und dass er zugelassen hatte, dass
dieser Mann ihr wehtun konnte.
Natürlich hatte er damit nicht gerechnet. Aber trotzdem. Er gab sich die Schuld…
Seufzend ging er ins Bad und ließ die Wanne voll laufen. Als er in sein Zimmer
zurückkam, hatte sie sich noch immer nicht gerührt. Vorsichtig berührte er ihre
Schulter.
„Ich denke, du nimmst jetzt ein schönes Bad, danach einen heißen Drink und dann
verfrachten wir dich in dieses schöne Bett. Was hältst du davon?“
Sie schluchzte wieder auf und er zog sie mit einem beruhigenden Lächeln hoch.
Wie ein kleines Kind ließ sie sich von ihm das Shirt über den Kopf ziehen, die
Hose öffnen und ihre Beine hinabstreifen. Sie hatten zuviel Zeit in den letzten
Wochen miteinander verbracht, als dass sie jetzt Scham empfinden würde.
Kurze Zeit später stand sie nackt vor ihm und es war das erste Mal, dass sie
kein Verlangen in seinem Blick bemerkte, sondern einfach nur Sorgen und es
schnürte ihr die Kehle zu. Er nahm sie auf seine Arme, trug sie ins Bad und
setzte sie sanft in die heiße Wanne.
„Hat er noch mehr getroffen, außer deinem Gesicht?“, fragte er und ging neben
ihr in die Hocke.
„Weiß nicht“, murmelte sie. „Es ging so schnell. Mir tun auch ein paar Rippen
weh… vielleicht…“
Er hätte am liebsten mit ihr geweint. Doch er zwang sich selbst, die
Beherrschung zu behalten. „Tauch unter“, wies er sie an und hockte sich hinter
sie.
Buffy tat, was er sagte und lehnte sich dann zurück. Ihre Augen schlossen sich,
als sie fühlte, wie er das Shampoo in ihren Haaren verteilte. Es schien so
unreal, wie in einem Traum, und sie hoffte, nicht allzu bald wieder aufwachen zu
müssen. Seine Finger massierten ihre Kopfhaut, dann ihren Nacken und die
verspannten Schultern. Wieder rollten Tränen über ihre Wangen, obwohl sie nicht
wusste, weshalb. Er bedeutete ihr, die Haare auszuspülen und kam wieder um die
Wanne herum, als er nach dem Schwamm griff und den Rest ihres Körpers wusch.
Buffy nahm das alles wie im Unterbewusstsein wahr. Sie spürte den Schwamm auf
ihrer Haut, seine Hände und ein Teil der Anspannung verschwand. Auch wenn sie
noch immer keine Ahnung hatte, wie es weiter gehen sollte, in diesem Moment
fühlte sie inneren Frieden und wünschte sich, der Augenblick möge nie vergehen.
Irgendwann sagte er leise, sie solle aufstehen und wickelte ein Handtuch um
ihren nassen Körper. Seufzend öffnete sie die Augen, begegnete seinem Blick und
lächelte, weil sie jetzt sehr wohl eine gewisse Erregung in seinen blauen Augen
erkennen konnte.
Es hätte sie auch gewundert, wenn es nicht so wäre, weil sie ihn nicht gerade
als beherrschte Person kennen gelernt hatte. Sie hob ihre Hand, fuhr sanft über
seine Wange und lächelte wieder, als sich seine Augen halb schlossen und er sich
in ihre Berührung lehnte.
Dann nahm er sie wieder auf seine Arme und trug sie zurück zum Bett.
„Ich kann laufen“, protestierte sie schwach und wenig überzeugend.
Spike presste kurz seine Lippen auf ihren Mund, ehe er sie auf das Bett legte.
„Ich kenne deine Größe nicht, also habe ich nur geschätzte“, erklärte er
ernsthaft und reichte ihr ein weites Shirt und einen Slip.
Sie musste lachen, als sie sich vorstellte, wie er Damenunterwäsche kaufen ging
und er lächelte, als er ihr Lachen hörte.
„Du ziehst dich selbst an, ja?“
Er klang verlegen und Buffy musste grinsen, auch wenn ihr dadurch ihr ganzes
Gesicht wehtat. „Ich bin nicht todsterbenskrank“, sagte sie ernst.
„Schön.“ Er hauchte einen Kuss auf ihre Wange. „Ich gehe auch duschen und dann
mix ich uns den Drink.“
Sie wusste genau, dass er flüchtete, um sie nicht noch einmal nackt zu sehen und
ihre Achtung vor ihm stieg. Sicherlich schämte er sich auch für die Reaktion
seines Körpers, vor allem in dieser Situation, und das machte ihn ihr noch
sympathischer.
Das Shirt war ihr etwas zu groß, aber sie wollte ja schließlich auch darin
schlafen, der Slip saß wie angegossen. Sie wollte gar nicht wissen, wie er es
angestellt hatte, die richtige Größe zu kaufen. Dann kroch sie unter die
Bettdecke, weil sie ihm nicht noch mehr Angriffsfläche für seine Erregung geben
wollte, die er doch eigentlich zu verbergen versuchte.
Er tauchte eine halbe Stunde später wieder auf, sah bedeutend erleichterter aus
und Buffy verkniff sich ein Lachen, weil sie ahnte, dass er nicht nur geduscht
hatte. Er trug wieder seine Jeans, aber kein Shirt. Buffy legte ihre Wange auf
ihren angewinkelten Arm, während sie beobachtete, wie er zur Zimmerbar ging und
zwei Gläser hervor holte.
„Grog oder doch lieber etwas kaltes?“ fragte er.
„Grog klingt gut.“
Er grinste, stellte den Wasserkocher an und wartete. Dann mixte er den Rum mit
dem heißen Wasser, mischte Zucker hinein und kam zurück zum Bett. „Wie fühlst du
dich?“
„Gut.“ Sie lächelte schwach. „Danke, dass ich hier bleiben kann.“ Sie nippte an
dem Getränk und bemerkte, wie sein Gesicht weich wurde. Er setzte sich neben sie
und lehnte sich ans Kopfende des Bettes. Buffy rutschte zu ihm hoch.
„Ich werde dich nicht zu ihm zurückgehen lassen“, sagte er plötzlich und Buffy
verschluckte sich fast an dem Getränk.
„Was?“, brachte sie hustend heraus.
„Er wird dir wieder wehtun, Luv.“ Er klang geknickt. „Ich könnte den Gedanken
nicht ertragen.“
Sie sah ihn aus großen Augen an, fassungslos und irgendwie verzweifelt. „Ich
weiß, aber ich habe keine andere Wahl. Ich habe kein Geld, keinen Job, keine
Wohnung… ohne ihn.“ Sie fuhr sich durch die Haare. „Ich habe auch darüber
nachgedacht und Faith würde mir sicherlich…“
„Ich möchte, dass du mit mir kommst“, unterbrach er ihren Redeschwall.
Einen Augenblick lang konnte sie ihn nur stumm anstarren, ehe sie piepste.
„Was?“
Er senkte den Kopf und musterte gedankenverloren die Bettdecke. „Komm mit mir
mit.“ Dann hob er seine Augen wieder zu ihr und fuhr fort. „Ich verlange nicht,
dass du von einer Beziehung in die Nächste springst. Ich möchte Zeit mit dir
verbringen, dich kennen lernen, möchte, dass du mich besser kennen lernst. Zieh
die Scheidung durch und bau dir ein neues Leben auf. Und vielleicht ist es eins,
in dem ich einen Platz habe.“
„Oh Gott“, schluchzte Buffy auf, stellte ihr Glas neben das Bett und schlang
ihre Arme um ihn. „Spike, du bist verrückt.“
„Nein“, sagte er leise und fuhr über ihre Haare. Sie hob den Kopf. Er strich
sanft mit der Zunge über ihre Lippen und fühlte ihr Zittern. „Ich kenne dich
jetzt acht Wochen, Kätzchen, und ich habe noch nie etwas Derartiges für eine
Frau empfunden, was ich für dich empfinde. Ich habe den Gedanken nie weiter
gesponnen, weil für mich immer feststand, dass du in dein normales Leben und zu
deinem Mann zurückkehren wirst. Jetzt kann ich es nicht mehr ignorieren und ich
kann auch nicht zulassen, dass du dich in Gefahr begibst, indem du in dieses
Haus zurückkehrst. Ich würde es mir nicht verzeihen, Schuld daran zu sein, wenn
er dein neu erwachtes Selbstbewusstsein wieder zerbricht.“ Buffy schloss die
Augen und lehnte ihre Stirn an sein Kinn. „Ich weiß, dass ich dich gern an
meiner Seite hätte. Natürlich könnte ich dir auch vorschlagen, einfach mit mir
nach Colorado zu kommen, aber damit würde ich dir wieder alle Entscheidungen
abnehmen…“
„Ich weiß nicht, was ich sagen soll“, quietschte sie.
„Schlaf darüber“, sagte er leise und stellte sein Glas ebenfalls neben das Bett.
Er stand noch einmal kurz auf, um seine Jeans gegen eine Boxershorts zu tauschen
und schlüpfte neben ihr unter die Bettdecke.
Buffy kuschelte sich an ihn. In ihrem Kopf herrschte ein fürchterliches
Durcheinander. Einerseits hatte sie wirklich Angst, in ihr Haus und an Parkers
Seite zurückzukehren. Andererseits schreckte die Ungewissheit ihrer Zukunft sie
genau so ab. Einzig und allein Spike schien ein fester Anker zu sein, an dem sie
sich festhalten konnte. Als er schon glaubte, sie wäre eingeschlafen, während er
noch immer zur Decke starrte, flüsterte sie.
„Ich würde auch gern mehr Zeit mit dir verbringen.“
Mit einem glücklichen Lächeln zog er sie näher an sich und schloss endlich die
Augen.
**********
Sie erwachte am nächsten Morgen, streckte sich unbewusst und stellte fest, dass
ihr alles wehtat. Spike neben ihr hob verschlafen den Kopf, als sie leise
stöhnte.
„Was ist?“
„Ich fühle wie gerädert“, murmelte sie leise.
Er rutschte näher an sie heran und zog sie in seine Arme. Sanft fuhr er mit der
Zunge über ihre noch immer geschwollene Lippe. „Ich habe noch nie einen Menschen
gehasst, aber ihn hasse ich, obwohl ich ihn gar nicht kenne.“ Dann ließ er sie
los und stieg aus dem Bett. „Wirst du zur Polizei gehen?“
„Was?“ Sie hatte nicht einen einzigen Gedanken an so etwas verschwendet.
Er schnappte sich seine Hose vom Stuhl und ging ins Bad. Und er wünschte sich
plötzlich, sie würde nicht zur Polizei gehen und damit ihm die Gelegenheit geben
zu handeln. „Wir werden zu deinem Haus fahren und deine Sachen holen“, rief er
noch, ehe sich die Tür hinter ihm schloss.
Buffy sank auf das Bett zurück. Sie hatte Angst. Angst vor einer Scheidung und
dem damit verbundenen Stress, Angst vor Parker und Angst vor dem Alleinsein.
Als Spike wieder kam, hatte sie es geschafft, sich auf die Bettkante zu setzen
und sah ihn aus großen Augen an. Als würde er es ahnen, obwohl sie keinen Ton
gesagt hatte, sank er vor ihr auf die Knie und griff ihre Hände.
„Kätzchen, ich werde für dich da sein. Wann immer du mich brauchst. Ich
verspreche es dir.“
Sie nickte stumm, hob ihre Hand und fuhr sanft über sein Gesicht. „Ich wüsste
nicht, was ich ohne dich machen sollte, Spike“, flüsterte sie erstickt. Sie
beugte sich kurz nach vorn und küsste ihn. „Verlass mich nicht.“
„Werd ich nicht“, hauchte er zurück.
Sie löste sich von ihm und ging ebenfalls ins Bad. Als sie wiederkam, hatte sich
die Badtür kaum hinter ihr geschlossen, als es an die Tür klopfte.
„Spike, beeil dich!“, hörte sie Angels Stimme. „Wir benötigen eine halbe Stunde
bis zum Flughafen!“
Spike öffnete wortlos die Tür und Angel sah ihn erstaunt an, als er erkannte,
dass Spike noch nicht einmal fertig angezogen war. Spike trat wortlos zur Seite
und Angel zog scharf die Luft ein, als er Buffy im Zimmer bemerkte.
„Was zum Teufel...“ Er ging an Spike vorbei und bemerkte erst dann die Schrammen
im Gesicht der jungen Frau. „Verdammt! Das ist nicht wahr! Dieses Schwein“,
knurrte er fassungslos. „Er war es, oder? Spike, sag jetzt, dass wir da hin
fahren und ihm kräftig in den Arsch treten!“
„Nein, Angel“, unterbrach ihn Spike. „Wir fahren und holen Buffys Sachen.“
„Verflucht! Du willst ihm das durchgehen lassen?“, fuhr Angel auf. „Er hat sie
geschlagen!“ Er verschränkte die Arme vor der Brust. „Hast du den Flug
storniert?“
„Ich lasse dich allein fliegen.“
„Vergiss es, mein Freund“, erwiderte Angel freundlich und griff zum Telefon. „Du
hast acht Wochen an meiner Seite ausgeharrt, weil ich Mist gebaut habe. Jetzt
bleibe ich und helfe dir. Oder besser gesagt... ihr.“ Er grinste Buffy an,
während er wählte, sich mit dem Flughafen verbinden ließ und ihren Flug
stornierte.
Buffy wusste überhaupt nicht, was sie sagen sollte. Damit, dass Angel sie genau
so vorbehaltlos unterstützte, hatte sie gar nicht gerechnet.
„Wir bringen deine Sachen erst einmal hierher“, erklärte ihr Spike. „Oder
möchtest du ein eigenes Zimmer?“
Sie schüttelte den Kopf. „Nein, Spike, ich habe gar kein Geld...“, sagte sie
kläglich.
„Spike ist reich“, antwortete Angel ungerührt. „Und außerdem ist dein Mann für
deinen Unterhalt verantwortlich. Wir sollten uns vielleicht als erstes nach
einem guten Rechtsanwalt umsehen.“
„Faith ist Rechtsanwältin“, meinte Buffy leise.
Spike lachte. „Nun, wie ich die Frau einschätze, wird sie begeistert über den
Auftrag sein. Lass uns fahren.“
Eine Stunde später hielt der Mietwagen, den sie kurzfristig im Hotel gebucht
hatten, vor Buffys Haus. Buffy wurde irgendwie an den Vortag erinnert, als sie
mit den gleichen gemischten Gefühlen die Stufen hinaufgestiegen war. Allerdings
beruhigte es sie diesmal ungemein, die beiden Männer im Rücken zu haben.
Sie hatte kaum die Tür geöffnet, als sie Faiths wütende Stimme hörte.
„Was hast du mit ihr gemacht?!“, schrie die junge Frau. „Wo ist sie? Du kannst
mir viel erzählen. Buffy verschwindet nicht ohne Grund! Und wenn...“
„Faith?“ Buffy blieb an der Tür zum Wohnzimmer stehen und sah ihre Freundin
verblüfft an.
„Oh Gott, Süße!“ Faith stürzte auf sie zu und umarmte sie. „Wo warst du? Er hat
mir die Hölle heiß gemacht. Ich solle dich ja zurückschicken, wenn du bei mir
aufkreuzt. Er würde mich sonst verklagen.“ Sie lachte. „Das sollte er mal
versuchen. Aber du kamst nicht zu mir, ich habe mir Sorgen gemacht. Wo zum
Teufel warst...“ Sie verstummte, als sie die beiden Männer im Flur bemerkte.
„Oh“, machte sie und klang fast fassungslos.
„Wo warst du?“, fuhr Parker sie an. „Wie konntest du mich die ganze Nacht im
Ungewissen lassen!“
Faith ließ Buffy los. „Mein Gott, was ist mit deinem Gesicht passiert?“, hauchte
sie entsetzt. Ihr Kopf fuhr zu den beiden fremden Männern und dann zu Parker.
„Sag, dass das nicht wahr ist.“
Buffy legte ihre Hand auf ihren Arm. „Nicht, Faith. Ich möchte ein paar Sachen
zusammenpacken. Hilfst du mir?“
„Was willst du?“, kreischte Parker, stürzte auf sie zu und stoppte, als wäre er
gegen eine Mauer gelaufen, als er Spike und Angel im Flur stehen sah.
Buffy sah ihn eisig an. „Du glaubst doch nicht allen Ernstes, dass ich diese
Wohnung noch einmal allein betrete, oder?“
Spike ballte die Hände zu Fäusten und kämpfte gegen den Drang, seine Faust ins
Gesicht des anderen Mannes zu schlagen.
„Was hast du vor?“, knirschte Parker zwischen den Zähnen hindurch.
„Ich gehe“, antwortete Buffy leise.
Faith sah sie aus großen Augen an und murmelte. „Das ist das Beste, was ich je
gehört habe.“
Buffy lächelte sie an. „Ich denke, du wirst meine Scheidung durchziehen müssen.“
„Mit dem größten Vergnügen, Süße!“, donnerte Faith. „Und wenn er für den Zustand
deines Gesichtes verantwortlich ist, kommt noch ein hübsches Schmerzensgeld
hinzu.“
Buffy beachtete Parker nicht weiter, sondern ging zur Treppe, die ins
Obergeschoss führte. Faith warf noch ein strahlendes Grinsen in Parkers
Richtung, ehe sie Buffy folgte.
„Das wirst du nicht tun!“, schrie Parker erbost. „Du kannst nicht einfach
verschwinden!“ Er wollte Buffy folgen, doch in diesem Moment verließ Spike seine
Beherrschung.
Mit einem Knurren schoss seine Hand vor, er fing den Mann auf halbem Weg, packte
ihn am Hemdkragen und fauchte in sein Gesicht. „Wenn du sie noch einmal anrührst
oder in ihre Nähe kommst, wirst du mich wirklich kennen lernen!“ Seine Faust
krachte gegen den Kiefer des Mannes und ließ ihn gegen die Wand fliegen.
Parkers Finger fuhren fassungslos zu seiner Lippe und wischten das Blut zur
Seite. Seine Augen wanderten von Spike zu dem ebenso angriffslustig aussehenden
Angel und er zog scharf die Luft ein. „I-ich r-rufe die Polizei!“, drohte er mit
zitternder Stimme. „Das... das ist Hausfriedensbruch.“
„Tu das“, sagte Spike trocken. „Es wird sie sicherlich interessieren, was mit
Buffys Gesicht passiert ist.“
Angel hatte die kleine Szene mit einem amüsierten Grinsen verfolgt. „Einen
netten Mann hat sich deine Buffy da ausgesucht. Kann sich nur an schwachen
Frauen vergreifen und macht sich in die Hosen, wenn…“
Er wurde unterbrochen, weil sich wieder die Eingangstür öffnete und ein älteres
Pärchen in den Flur stürzte. „Parker!“, rief der Mann erschrocken auf, als sein
Blick auf die beiden fremden Männer fiel. „Was ist hier los? Ist Buffy wieder
da? Wer ist das?!“
„Ich weiß es nicht“, murmelte Parker kleinlaut, während er verlegen versuchte,
seine zerschrammte Lippe zu verbergen.
„Wir sind Buffys Bodyguards“, erklärte Angel mit einem freundlichen Lächeln.
„Mein Name ist Angel und das ist Spike.“
„Bodyguards...?“, fragte der fremde Mann verblüfft, während die Frau die Beiden
ängstlich musterte.
Spike brummte etwas unverständliches, während Angel noch immer sehr höflich
antwortete. „Wir kamen zu der Ansicht, dass sie uns benötigt, damit gewisse
gewalttätige Elemente dieser Bevölkerung nicht in Versuchung kommen. Mit wem
haben wir denn das Vergnügen?“
Der Mann beachtete ihn gar nicht mehr, sondern sah nur Parker an. „Parker, was
ist hier los? Wo ist Buffy?“
„Oben“, murmelte Parker.
„Wo war sie?“, herrschte ihn der Mann fast barsch an.
Das Klappern von Füßen auf der Treppe lenkte sie ab. Buffys Augen wurden groß,
als sie die Menschenansammlung im Flur bemerkte. Ehe sie etwas sagen konnte,
fuhr der fremde Mann auf.
„Faith! Ich wusste, dass sie ihre Hände im Spiel hat!“
Buffys Miene wurde ausdruckslos. „Faith hat mit der ganzen Sache nichts zu tun,
Dad.“
Ihr Vater schien den Zustand ihres Gesichts nicht zu registrieren, doch sie sah,
dass ihre Mutter zusammenzuckte. „Darf ich euch Spike und Angel vorstellen. Wir
haben uns im Urlaub kennen gelernt. Das sind meine Eltern, Joyce und Hank“, fuhr
sie mit einem Blick auf Spike und Angel fort.
Angel griff nach den beiden Reisetaschen, die sie mit nach unten gebracht hatte.
Spike rührte sich nicht von der Stelle.
„Was genau hast du vor, Buffy?“, erkundigte sich ihr Vater erbost mit einem
Blick auf Angel, der mit ihren Reisetaschen das Haus verließ.
„Ich ziehe aus“, erklärte Buffy leise. „Und ich werde die Scheidung beantragen.“
„Oh mein Gott“, flüsterte ihre Mutter erstickt, während ihr Vater vor Wut rot
anlief.
„Wie bitte?! Was ist das jetzt wieder für eine Macke von dir? Ist es zuviel
verlangt, dass du dich einmal wie eine ordentlich erzogene Tochter benimmst?!“,
schrie er unbeherrscht und drehte sich dann zu seiner Frau um. „Siehst du jetzt
ein, wie du sie verzogen hast?“
Spike konnte nicht mehr an sich halten und fing an zu lachen. Allerdings war es
kein belustigtes Lachen.
Buffy war mit zwei Schritten bei ihrer Mutter, der jetzt Tränen in den Augen
standen. „Nicht, Mom“, sagte sie leise. „Nicht weinen.“
„Buffy, warum tust du das?“, fragte Joyce verzweifelt. „Was habe ich nur falsch
gemacht?“
„Nichts, Mom. Du hast gar nichts falsch gemacht.“ Sie umarmte ihre Mutter und
flüsterte in ihr Ohr. „Du hast dich genau wie ich an einen Mann geklammert, der
die Kontrolle über dich haben möchte.“
Joyce wurde blass und schaute fast ängstlich auf ihren Mann. Buffy folgte ihrem
Blick. „Ich werde nicht im Haus eines Mannes bleiben, der mich geschlagen hat.
Nur weil ich mich nicht so verhalten habe, wie er es gern hätte.“
Hank starrte sie fassungslos an. Wahrscheinlich registrierte er erst jetzt die
Verletzungen in ihrem Gesicht. „Ich habe deine Mutter nie geschlagen“, stieß er
hervor.
„Nein, ich weiß“, antwortete Buffy traurig. Er hatte es wirklich nie, aber Joyce
hatte ihm auch nie widersprochen. „Es tut mir Leid, Mom, aber ich kann es nicht
mehr. Es sind einige Dinge passiert, die nicht wieder rückgängig gemacht werden
können und es sind Dinge passiert, die ich nie vergessen werde. Dinge, die mich
zu der Ansicht brachten, dass in meinem bisherigen Leben einiges falsch gelaufen
ist. Ich brauche Zeit, darüber nachzudenken und ich brauche Abstand zu Parker.
Ich denke nicht, dass ich verzeihen kann, was er gestern getan hat oder dass ich
es verzeihen will. In den vergangenen acht Wochen habe ich festgestellt, dass
ich sehr wohl fähig bin, selbst Entscheidungen zu treffen, selbst zu handeln und
dass ich ein Mensch mit Gefühlen und Wünschen bin, die ich mir erfüllen kann und
möchte.“
Alle Menschen, selbst Faith, sahen sie mit großen Augen an. Wahrscheinlich hatte
noch niemand von ihnen Buffy derart viele zusammenhängende Sätze reden hören.
Nur Spike lächelte und Buffy ahnte, wie schwer es ihm fiel, nichts zu sagen.
Selbst Faith hielt ihren sonst so vorlauten Mund und Buffy fühlte sich
unheimlich stolz, für sich selbst reden zu können. Sie wusste, dass Spike aus
genau diesem Grund still war und sie lächelte jetzt fast verträumt zurück.
„Bereit zu gehen, Kätzchen?“, fragte er sanft.
Sie nickte und griff nach seiner Hand. Parkers Mund klappte auf, Faith strahlte
übers ganze Gesicht und Hank schluckte krampfhaft mit hochrotem Kopf. Einzig und
allein Joyce brachte ein zaghaftes Lächeln zustande und erkundigte sich
vorsichtig. „Wo wirst du denn wohnen.“
„Ich wohne vorerst im Hotel Hyperion in L.A.“
Parker hatte endlich seine Sprache wieder gefunden. „Ich werde das Konto
sperren! Du... du kannst nicht auf meine Kosten deine Faxen ausleben! Und einen
Job hast du auch nicht mehr.“
„Nun, Parker“, mischte sich Faith honigsüß ein. „Dann werde ich morgen gleich
mal beginnen, Buffys Unterhaltsforderung zu berechnen.“
Spike lächelte sein berüchtigtes, ironisches Grinsen. „Mein Name ist William
Blackstone. Wenn du ein paar Nachforschungen über mich anstellst, wirst du sehr
schnell feststellen, dass Geld Buffys kleinstes Problem sein wird.“ Seine Augen
funkelten, als er Buffy wieder anschaute. „Vielleicht wäre es nicht ganz
schlecht, etwas über Rinderzucht zu lernen und Reiten...“
Buffy lachte auf. Mit einem Blick auf ihre Eltern verabschiedete sie sich. „Ich
werde mich melden.“ Und musterte ein letztes Mal mit kühlen Augen Parker. „Du
hörst von meiner Rechtsanwältin.“ Sie ging zur Tür, ohne Spike loszulassen.
„Sehr bald!“, murmelte Faith, als sie an Parker vorbeirauschte und Buffy folgte.
Epilog
„Ich
bin total aufgeregt“, murmelte Buffy und starrte durch die Frontscheibe hinaus
in die fast eintönig wirkende Natur.
Seit Stunden fuhren sie durch die Wildnis und Buffy konnte sich nicht entsinnen,
wann sie das letzte Mal ein Haus gesehen hatte. Alles, was ihre Augen erblicken
konnten, waren Weiden. Und Rinder. Und Pferde.
„Ich habe gar nicht gewusst, dass dein Land so groß ist…“
Spike, am Steuer des großen Land Rovers, grinste verschmitzt in ihre Richtung.
„Wie schön. So weiß ich wenigstens, dass du nicht hinter meinem Geld her bist…“
Sie lachte leise.
Es war jetzt ein Dreivierteljahr her, seit dem Tag, als sie mit ihren Taschen
Parkers und ihr Haus verlassen hatte.
Viel war in dieser Zeit passiert. Von der Scheidung einmal abgesehen. Faith war
eine exzellente Anwältin und sie hatte sich mit Feuereifer in den Kampf gegen
Parker gestürzt. Natürlich spielte es eine Rolle, dass sie den Mann einfach
nicht mochte und sein Verhalten Buffy gegenüber hatte das Fass zum Überlaufen
gebracht.
Buffy war mehr als froh gewesen, diese Freundin zu haben. Spike kümmerte sich um
ein kleines, chices Appartement, in das sie keine zwei Wochen später zog. Die
Miete bezahlte Parker. Er zahlte ihr auch einen kleinen Unterhalt, von dem Buffy
gut leben konnte.
Kaum drei Wochen nach ihrem Auszug fiel Buffy fast aus allen Wolken, als sich
Willow bei ihr meldete und fragte, ob alles okay wäre. Buffy hatte geweint am
Telefon, einerseits vor Freude über den Anruf, andererseits natürlich, weil die
Situation an ihren Nerven zerrte und Willow hatte kurzerhand beschlossen, öfter
mal L.A. zu besuchen. Schließlich wohnte sie nur eine halbe Autostunde entfernt.
Sie und Anya trafen sich noch immer mit Oz und Xander und Buffy freute sich für
die vier.
Wenn sie jetzt zurück dachte, waren die vergangenen neun Monate die schönste
Zeit ihres Lebens. Aus ihrer Sicht zählten sogar die acht Wochen in dem Zeltcamp
dazu, obwohl sie am Anfang solche Angst davor gehabt hatte.
Mit Bedauern dachte sie an die vielen Jahre zurück, in denen sie nicht gewusst
hatte, was ihr fehlte und in denen sie mit sich umspringen ließ, als wäre sie
ein unmündiges Kind. Es war vorbei, aber manchmal stiegen die Erinnerungen in
ihr hoch und sie verfluchte sich selbst für ihre Unselbständigkeit.
Spike sagte in solchen Momenten, sie wäre erst 25 und hätte ihr Leben noch vor
sich. Warum also der Vergangenheit, an der man sowieso nichts ändern konnte,
nachweinen? Die Zukunft zählte…
Bei dem Gedanken daran musste sie erneut lächeln und warf einen Blick in Spikes
Richtung, der wieder auf die staubige Straße schaute. Ohne ihn wäre es gar nicht
so weit gekommen…
Sie seufzte leise. Wie schnell all das, was man als wichtig erachtet hatte, zu
einer Nebensächlichkeit werden konnte. Ihr Traum – sicherlich durch die
Erziehung ihrer Eltern heraufbeschworen – war immer ein eigenes Haus, Kinder und
ein Mann gewesen, der für sie sorgte. Parker hatte noch keine Kinder gewollt und
im Nachhinein war Buffy sehr froh darüber.
Jetzt spielte dieser Traum in ihren Vorstellungen keine Rolle mehr. Die
vergangenen Monate hatten ihr gezeigt, dass sie sehr wohl allein zurecht kommen
konnte. Und sie hatte festgestellt, wie viel Spaß es machte, eigene
Entscheidungen zu fällen, selbst wenn es nur um solche einfachen Dinge wie ihre
Wohnungseinrichtung ging oder darum, welche Kleidung sie wo einkaufen wollte.
Spike war nicht die gesamte Zeit in L.A. geblieben. Er hatte eine Ranch zu
leiten, aber sobald es seine Zeit zuließ, besuchte er sie. Sie gingen Essen, sie
gingen ins Theater oder sie spazierten einfach am Meer entlang, ohne von der
Zukunft zu sprechen. Sie genossen einfach diese Zeit, sich näher kennen zu
lernen. Natürlich verbrachten sie auch die Nächte miteinander, in denen sie sich
im Taumel der Leidenschaft verloren.
Buffy verstand sich selbst kaum mehr, aber Faith konnte nur lachen, wenn sie ihr
davon erzählte, dass sie ihre Finger nicht von Spike lassen konnte, sobald sie
allein waren. Dann folgte dieser Ich-habs-dir-doch-gleich-gesagt-Blick, über den
Buffy mittlerweile mitlachen musste und sie dankte im Stillen ihrer Freundin
hundert Mal wieder für ihre damalige Aktion.
Es dauerte trotzdem ganze neun Monate, ehe Buffy, plötzlich wieder ganz
schüchtern, sagte, dass sie seine Ranch gern sehen würde. Da war dieses Leuchten
in Spikes Augen getreten, das sie so liebte. Er hatte sie sanft geküsst und ihr
leise ins Ohr geflüstert, so als hätte er nur auf diese Worte gewartet:
„Wann immer du willst, Kätzchen…“
Die Fahrt dauerte nun fast acht Stunden, aber da Buffy mindestens zwei Monate
bleiben wollte, mussten sie jede Menge Gepäck mit sich nehmen und hatten das
Auto dem Flugzeug vorgezogen.
Es störte Buffy nicht, denn sie liebte es, neben Spike im Auto zu sitzen, die
vorbei rauschende Landschaft zu betrachten und vor sich hin zu träumen. Einmal
hatte er ihr angeboten zu fahren und über ihren entsetzten Blick lachen müssen.
Als er dann jedoch erfahren hatte, dass sie keinen Führerschein besaß, war
wieder dieses Stirnrunzeln in sein Gesicht getreten, er hatte die Lippen
aufeinander gepresst und gemurmelt:
„Sag es nicht. Er wollte es nicht, ja? Also muss ich mir vormerken… dir fahren
beibringen…“
Nun, die Liste, was er ihr alles beibringen wollte, wurde immer länger. Mit
einem mulmigen Gefühl im Magen dachte Buffy an die Reithose in ihrem Gepäck,
aber sie hatte sich geschworen, niemals wieder etwas abzulehnen, was sie nicht
kannte, nur weil es andere ablehnten. Pferde sahen im Fernsehen ja eigentlich
ganz lieb aus…
„Wir sind gleich da“, störte Spike ihre Überlegungen und deutete nach vorn auf
die am Horizont aufgetauchten Gebäude. „Die Ranch besteht aus einem
Hauptgebäude, zwei Nebengebäuden, in denen die Angestellten wohnen und in denen
auch Saisonkräfte untergebracht sind und mehreren großen Scheunen zur Lagerung
von Heu, Stroh und Kraftfutter. Unsere Tiere, Rinder und Pferde, sind ganzjährig
draußen. Wir haben nur einige wenige Offenställe für Notfälle.“
„Ich weiß so gar nichts über Rancherarbeit“, gab Buffy geknickt zu.
Spike zuckte mit den Schultern und grinste. „In zwei Monaten weißt du eine Menge
mehr.“
Sie musste lächeln, weil sie sich an einen seiner Lieblingssprüche erinnerte:
Geht nicht, gibt’s nicht.
Glücklicherweise gab es den optimistischen, niemals aufgebenden Spike und die
selbstbewusste Faith. Ohne die beiden hätte sie die Scheidung wahrscheinlich
niemals durchgestanden. Jetzt störten sie nicht einmal mehr Parkers zornige oder
abfällige Blicke, aber damals, als sie die Scheidungspapiere unterzeichnen
musste, hatte ihre Hand gezittert und sie wusste genau, Parker hatte es bemerkt.
Er hatte zynisch gegrinst und nur gemeint: „Du bist niemals in der Lage, allein
klar zu kommen. Du wirst es bereuen und zu mir zurückkommen.“
Buffy hatte es nicht geschafft zu antworten, aber sie hatte auch nicht geweint.
Sie hatte mit den Schultern gezuckt, sich umgedreht und war gegangen. Vielleicht
hatte diese Reaktion Parker auch mehr gestört als alles, was sie hätte sagen
können. Vielleicht hatte er aber auch einfach nur daran geglaubt, dass sie in
sein Haus zurückkehren würde. Ihre Eltern hatten es und noch immer sprach ihr
Vater nur das Nötigste mit ihr.
Erst zwei Monate später, als sie an Spikes Seite eine der ihr so verhassten
geschäftlichen Veranstaltungen besuchte und dort Parker begegnete, begriff
dieser endgültig. Spike hatte ihr die Entscheidung überlassen, ob sie mitkam
oder nicht, er wäre auch allein gegangen. Buffy begleitete ihn – mit einem
mulmigen Gefühl, die Erinnerung an die langweiligen Abende an Parkers Seite
waren noch zu frisch – und sie gratulierte sich selbst zu ihrer Entscheidung.
Sie spürte den ganzen Abend Parkers Blicke, wenn sie tanzte, wenn sie sich
lächelnd mit anderen Menschen unterhielt oder wenn sie einfach nur durch den
Raum schritt. Denn neben dem Zorn sah sie in seinem Blick auch Neid und
Fassungslosigkeit und das machte sie einfach nur stolz auf sich selbst.
Sie wurde aus ihren Gedanken gerissen, als Spike den Jeep vor dem großen
Haupthaus parkte. Hitze schlug ihr entgegen, als sie die Tür aufmachte und
ausstieg. Obwohl sie nur ein dünnes Sommerkleid trug, bildete sich nach kurzer
Zeit ein feiner Schweißfilm auf ihrer Haut.
„Ich zeige dir als erstes die Ranch, okay?“ Spike trug die Koffer zum Haus und
Buffy folgte ihm mit zwei kleineren Taschen.
„William!“, rief eine überraschte Stimme, kaum dass er die Tür geöffnet hatte
und keine Sekunde später fiel ihm eine ältere Frau um den Hals. „Ich wusste gar
nicht, dass du so zeitig zurückkommst.“
Lachend erwiderte Spike die Umarmung. „Wir sind zügig gefahren, Nelly.“ Dann
schob er die Frau etwas von sich und deutete auf Buffy. „Darf ich dir Buffy
vorstellen, Nel? Buffy, das ist unsere Haushälterin.“ Er lächelte liebevoll.
„Seit Dads Tod hatte sie mich unter ihren Fittichen.“
„Er war ein verdammter Rabauke“, bestätigte Nelly und umarmte die überraschte
Buffy einfach. „Willkommen auf der Blackstone-Ranch. Es wird Zeit, mal weibliche
Gesellschaft zu bekommen. Die Männer werden einfach zu übermütig.“
„Lass dir nur nichts einreden“, mischte sich Spike ein. „Hier liegen alle
unserer Nelly zu Füßen. Ich will Buffy erst mal die Ranch zeigen. Gibt es
irgendetwas Neues?“
Nelly stemmte die Hände in die Hüften. „Als erstes mache ich einmal einen
schönen Kaffee. Buffy hat eine stundenlange Autofahrt hinter sich, du kannst sie
nicht schon wieder über die staubige Ranch schleppen.“
Buffy fing an zu lachen, denn die Frau war ihr auf Anhieb sympathisch. „Kaffee
klingt gut“, gab sie dann zu. „So kann ich mich noch ein bisschen vor meiner
ersten Begegnung mit einem Pferd drücken…“
Nelly lächelte ebenfalls, nahm ihren Arm und zog sie mit sich. „Spike kann die
Koffer in dein Zimmer schaffen.“ Dann drehte sie den Kopf und schaute den jetzt
recht sprachlosen Spike an. „Angel hat angerufen, er kommt heute Abend vorbei.
Gunn und Wesley sind bei den Rindern im Norden und sehen die Zäune nach. Lindsey
hat sich um die Auftragsbearbeitung in Bezug auf die Deckhengste und die
Zuchtbullen gekümmert, er meinte aber, er müsste mir dir reden… er sagte etwas,
das klang wie die verdammten Hengste können nicht zehnmal am Tag…und klang sehr
genervt.“
Ehe Spike dazu kam zu antworten, war Nelly schon mit Buffy in der Küche
verschwunden. Verdutzt fuhr er sich durch die Haare, ehe er erst einmal das
Naheliegendste tat: die Koffer wegschaffen.
**************
Buffy starrte mit gemischten Gefühlen auf die hübsche Stute, die Spike sattelte.
Er hatte ihr erklärt, es wäre ein Appaloosa, aber das war ihr ziemlich egal, sie
war hübsch mit den süßen Flecken auf ihrem Hinterteil und den großen dunklen
Augen, die Buffy jetzt interessiert musterten. Allerdings konnte Buffy weder den
Erklärungen Spikes zum Satteln folgen, noch sich an dem schönen Pferd erfreuen.
Im Moment war ihr der Gedanke, auf den Rücken des Pferdes zu steigen, einfach
unheimlich. Neben der Stute stand ein Wallach – so wurde ein kastrierter Hengst
genannt, wie Spike ihr erklärt hatte -, den Spike reiten wollte und der
angeblich genau so sanftmütig war wie die Stute.
„Sie heißt Little Flower“, beendete Spike seine Ausführungen und drehte sich
endlich um. „Buffy?“, fragte er zögernd, als er ihre Miene bemerkte.
Sie lächelte verkrampft. „Also ich… ähm… weiß nicht so recht…“
Er grinste, machte einen Schritt auf sie zu und legte ihr den Finger unters
Kinn. „Angst vor dieser kleinen, sanftmütigen Blume?“, grinste er neckend. „Sie
hat noch niemanden abgeworfen. Und schau mal…“ Er deutete auf das Sattelhorn an
dem schweren Westernsattel. „Daran kannst du dich wunderbar festhalten. Komm,
ich helfe dir hoch.“
Buffy holte tief Luft und trat an das Pferd heran. Zögernd strich sie über das
weiche Fell des Halses und spürte die Wärme des Tieres. „Braves Pferdchen“,
sagte sie, um sich selbst zu beruhigen. „Sie merkt bestimmt, dass ich Angst
habe…“
Übergangslos fühlte sie sich um die Hüfte gefasst, hochgehoben und landete im
nächsten Moment im Sattel.
„Spike“, schimpfte sie mit zitternder Stimme und umklammerte das Sattelhorn.
Little Flower blieb davon völlig unberührt, sie döste weiter vor sich hin und
wedelte mit dem Schweif nach den Fliegen.
Spike grinste wieder. „Keine Panik, Kätzchen.“ Dann schwang er sich auf den
Wallach, der neben der Stute stand und griff nach dem Führstrick, den er an
Little Flowers Zaum befestigt hatte. „Schön festhalten“, wies er sie an. „Du
hältst dich im Sattel, indem du die Knie fest andrückst. Aber nicht zu
verkrampft, der Sattel ist schön breit und bequem, du kannst da wunderbar
entspannen.“
Vom Entspannen war Buffy noch weit entfernt. Als Spike ihr Pferd anführte, hatte
sie erst einmal alle Mühe, den schaukelnden Bewegungen zu folgen.
„Du musst nichts machen“, lächelte Spike wieder. „Ich führe das Pferd, nimm die
Zügel nur locker in die Hand und genieß die schöne Gegend.“
„Haha“, machte Buffy bissig.
Allerdings dauerte es nur wenige hundert Meter bis sie feststellte, dass die
Bewegungen des Pferdes gar nicht so schlimm waren. Sie verließen den Hof und
nahmen einen schmalen Pfad, der hinunter zu den endlos erscheinenden Weiden
führte. Nach einer Viertelstunde konnte Buffy ihre verkrampften Finger von dem
Sattelhorn lösen und setzte sich etwas gelassener hin.
Spike warf ihr einen verschmitzten Blick zu. „Besser?“
Sie lächelte schwach. „Solange wir uns nicht schneller als im Schritt bewegen“,
gab sie zu.
Er schüttelte den Kopf. „Nein, werden wir nicht. Ab Morgen bekommst du
ordentlichen Reitunterricht, aber heute möchte ich einfach nur ein wenig
entspannen und dir die Gegend zeigen. Im Schritt fällt niemand herunter und
Little Flower ist für ihre Gelassenheit berühmt. Die zuckt nicht mal, wenn ein
Bulle um sie herum tobt.“
„Ich will aber keinen Bullen sehen!“, stieß Buffy erschrocken hervor.
Es war als hätte sie eine neue Welt betreten. Nichts erinnerte mehr an den
Trubel der Großstadt und nur die Geräusche der natur durchbrachen die Stille.
Vogelzwitschern lag in der Luft und ab und zu muhte in der Ferne eine Kuh.
Buffy rückte den Cowboyhut, den ihr Spike auf den Kopf gesetzt hatte, zurecht.
Er trug ebenfalls einen und hatte gesagt, wenn man den ganzen Tag in der Sonne
arbeitete, musste man seinen Kopf schützen. Zwar wollten sie nicht so lange
durch die Gegend schweifen, aber allein durch den Hut, fühlte sich Buffy als
würde sie dazu gehören.
Am gestrigen Abend hatte sie Gunn und Wesley kennen gelernt, später dann noch
Lindsey. Außer den drei Männern, die nun schon jahrelang fest angestellt waren,
gab es auf der Ranch noch, je nach Saison, fünf bis zehn andere Angestellte, die
Buffy jedoch noch nicht alle getroffen hatte.
„Weshalb hat Lindsey Bedenken, dass du zu wenig Hengste hast?“, fragte sie nach
einer Weile, weil ihr die Diskussion vom Vorabend wieder einfiel.
Spike seufzte. „Die Nachfrage nach meinen Deckhengsten ist groß. Ich lehne es
aber ab, das Sperma zu portionieren oder mit Gefriersperma zu handeln. Ich mag
es nicht, meine Hengste einzeln zu halten und abzuzapfen wie Milchkühe…“
„Bildest du die Pferde selbst aus?“
Er nickte. „Gunn und ich reiten die Pferde zu. Wir haben die Pferdezucht bisher
nebenbei laufen lassen, weil unser Hauptaugenmerk auf den Rindern lag, aber so
wie es im Moment aussieht, boomt der Pferdemarkt sehr. Auf meinen Weiden wachsen
im Moment ca. 50 junge Hengste und bestimmt 100 Stuten heran. Ich wollte
verkaufen. Mal sehen, vielleicht behalte ich sie auch. Ich will trotzdem, dass
die Stutenbesitzer mit ihren Tieren her kommen.“
„Du könntest die Hengste ja auch zu den Stutenbesitzern schicken“, meinte Buffy.
„Es ist tatsächlich ein weiter Weg bis hier her.“
„Es wäre möglich.“ Er seufzte. „Aber jede Menge zu organisieren. Man kann einen
Pferdetransport nicht jedem anvertrauen.“
„Ich…“, begann sie zögern. „Ich musste viel organisieren…also am Telefon…“ Sie
grinste schief. „Am Telefon war ich bedeutend besser, als wenn ich jemandem
gegenüber stand. Ich könnte dir helfen.“
Spike strahlte sie an. Er hatte es sich gewünscht, aber er hatte es sich nicht
unbedingt zu träumen gewagt. Buffy hatte eine schwere Zeit hinter sich und er
wollte nicht, dass sie sich von einer Beziehung in die nächste stürzte, ohne
erst einmal Zeit für sich selbst zu finden. Er liebte sie, auch wenn er nie
gewagt hatte, es zu sagen, weil er sie nicht unter Druck setzen wollte.
Vielleicht war es falsch, vielleicht lag es aber auch daran, dass er vor ihrer
Reaktion Angst hatte. Er wollte ihr Zeit geben, Zeit sich zu sammeln und Zeit,
ihre eigenen Entscheidungen zu fällen.
„Es würde mich freuen“, sagte er leise. Da war es wieder, dieses schüchterne
Lächeln, das er so liebte und er hätte sie am lieben von der Stute gezogen.
„Mir gefällt es hier“, fuhr sie dann fort. „Ich habe zwar noch ein wenig Angst
vor Pferden…und Kühen…“
Spike lenkte die Pferde einen sanften Hang hinauf zu einer kleinen Baumgruppe.
„Ich wette, in drei Wochen habe ich alle Mühe, dich wieder von einem Pferd
herunter zu bekommen“, witzelte er.
An den Bäumen angekommen, sprang er ab und half auch Buffy vom Pferd. Er band
die Tiere an einem Baum fest, nahm Buffys Hand und zog sie mit sich auf die
Wiese in die Sonne.
Buffy ließ sich neben ihm fallen, sah wie er die Hände hinter dem Kopf
verschränkte und in den blauen Himmel schaute.
„Heute habe ich noch Urlaub“, bekannte er grinsend. „Ab morgen wirst du die
tatsächliche Rancharbeit kennen lernen. Schwitzend… hart… anstrengend…“
Sie lehnte ihren Kopf gegen seine Schulter, schmiegte sich an ihn und kicherte.
„Klingt nicht wie Rancharbeit.“
Spike schlang seine Hand um ihren Hals, hob ihren Kopf zu sich an und küsste sie
hungrig. „Solche Gedanken in deinem süßen Kopf…“, murmelte er heiser und
schluckte, als er dem Blick ihrer großen grünen Augen begegnete.
„Ich liebe dich, Spike“, sagte sie ruhig und ohne Verlegenheit. „Es ist schön in
L.A., aber ich fühle mich nur vollständig glücklich, wenn du bei mir bist.“
Für einen Moment brachte er kein Wort heraus.
„Ich habe mal gesagt, du machst mir Mut“, fuhr sie lächelnd fort. „Ich weiß
auch, dass du möchtest, dass ich selbständig auf eigenen Beinen stehen kann.
Jetzt weiß ich, dass ich es kann und das habe ich dir zu verdanken. Aber…“ Sie
hob ihre Hand und strich ihm zärtlich über die Wange. „Aber ich weiß auch, dass
ich nicht allein leben möchte. Ich fühle mich einsam, wenn du nicht da bist.“
Sie beugte sich nach vorn und küsste ihn sanft auf den Mund. „Könntest du dir
dein Leben mit mir zusammen vorstellen?“
Spike riss sie an sich und küsste sie wild. „Das fragst du noch?“
„Du hast es nie gesagt“, flüsterte sie gegen seinen Mund.
„Ich liebe dich, Buffy. Ich liebe dich seit ich dich in diesem verdammten Camp
getroffen habe und ich will verflucht sein, wenn ich dich nach diesen Worten
jemals wieder gehen lasse“, schwor er und hatte sie im nächsten Moment gegen den
Boden gepresst. „Ich wollte dir Bedenkzeit geben. Diese zwei Monate hier…“
„Ich brauche keine Bedenkzeit“, fiel ihm Buffy ins Wort, schlang ihren Arm um
seinen Hals und zog ihn an sich. „Ich weiß, dass ich dich will.“
Er schloss stöhnend die Augen. „Du kannst so was nicht sagen, wenn wir uns hier
inmitten von Weiden befinden…“
„Warum nicht?“, erkundigte sie sich belustigt und rieb ihren Unterleib an ihm.
„Im Camp hat es dich nie interessiert, wo wir waren…“
Sein Kopf schoss hoch und er starrte in ihre Augen. „Ich liebe dich“, sagte er
wieder, diesmal völlig ernst.
„Ich weiß“, hauchte sie, ehe ihre Lippen aufeinander trafen.
Es waren nur die zwei Pferde, die sie beobachten konnten, aber es interessierte
weder die Stute noch den Wallach, was die beiden Menschen auf der Wiese taten.
***************
Es war recht spät am Abend, als sie zur Ranch zurück kehrten und dem belustigten
Feixen Gunns begegneten. „Lass das bloß nicht zur Gewohnheit werden, Spike“,
spottete dieser, während sie die Pferde absattelten.
Buffy tat nun doch der Hintern weh, aber ihre Angst vor dem Pferd war
verschwunden. Sie freute sich sogar darauf, am nächsten Tag ihre erste richtige
Reitstunde an der Longe zu erhalten. Und nicht einmal Gunns Grinsen brachte sie
aus der Ruhe.
„Angel will Buffy begrüßen“, setzte Gunn dann, etwas ernsthafter, hinzu.
Spike verdrehte die Augen. „Was hat er denn jetzt wieder vor?“
Gunn prustete los. „Der Hauptgrund ist…er will uns Cordelia vorstellen.“
„Cordelia?“
„Seine neueste Flamme“, grinste Gunn noch breiter. „Aber ich muss dazu sagen,
soviel ich weiß, leuchtet diese Flamme schon ganze 14 Tage.“
„So lange?“ Spike konnte sich kaum das Lachen verkneifen. „Und da lernen wir sie
heute erst kennen?“
Gunn stieß ihn an und ging dann in Richtung Stall. „Er kommt nachher vorbei.“
„Ich wette nie wieder!“, rief Spike ihm nach. „Wenn er diesmal wieder Mist baut,
muss er ihn selbst auslöffeln.“
Dann drehte er sich zu Buffy um und nahm sie in seine Arme. „Alles klar,
Kätzchen?“
Sie nickte und lächelte ebenfalls. „Ich bin sehr neugierig auf diese Cordelia.“
„Ich auch.“ Er lachte und küsste sie kurz auf die Nasenspitze. „14 Tage hat er,
glaube ich, noch nie geschafft.“
„Nun, das ist doch ein Grund, eine schöne Party zu organisieren, oder?“
„Yeah“, murmelte er und nahm ihre Hand, als sie zum Haupthaus gingen. „Du fängst
an, Partys zu mögen, hm?“
Buffy strahlte ihn an. „Solange wir nicht Flaschendrehen spielen…oder Wahrheit
oder Pflicht…“
„Also, ich hab nichts gegen Wahrheit oder Pflicht, wenn es nur wir zwei
spielen…“ Er wackelte bedeutungsvoll mit den Augenbrauen. „Ich wette, du würdest
diesmal verlieren.“
„Pff…“ Buffy stieß ihm die Hand gegen die Brust. „Soll das eine Herausforderung
sein?“
„Sicher, Kätzchen. Ich liebe Herausforderungen.“
Sie lachte, beugte sich vor und küsste ihn. „Und ich liebe dich. Lass uns
duschen und endlich anfangen, diese Party zu organisieren.“
Spike zog sie kurz an sich und küsste sie wieder. „Ist nicht viel zu tun, so
eine Menge Leute kommen gar nicht… Duschen klingt viel besser“, hauchte er
heiser gegen ihre Lippen.“
In diesem Moment öffnete sich das Fenster des Haupthauses und Nelly steckte
ihren Kopf heraus.
„Da ist eine Willow am Telefon“, rief sie laut über den Hof. „Sie fragt, ob es
okay wäre, wenn sie zu viert morgen Abend anreisen?“
„Aber sicher!“, antwortete Buffy, ehe sie Spike ansah. „Woher hat sie deine
Nummer?“
„Keine Ahnung. Faith?“ Spike fing genau wie Buffy an zu lachen, schnappte ihre
Hand und sie liefen zusammen zur Haustür. „Wir duschen trotzdem erst, ja?“
„Ich weiß nicht“, stänkerte Buffy und ließ sich von ihm zur Haustür hinein
schieben. „Jetzt wird die Party doch etwas größer. Wir müssen eine Menge
organisieren…“
„Erst in die Dusche“, murmelte er mit dieser dunklen Stimme, die sie fast
wahnsinnig machte, neben ihrem Ohr.
Ehe Buffy antworten konnte, hatte er sie auf seine Arme gehoben und stürmte mit
ihr die Treppen hinauf. Lachend umklammerte sie seinen Hals. „Spike!“ Doch sie
war weit davon entfernt, ihn an irgendetwas von dem zu hindern, was er
garantiert vorhatte.
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In der unteren Etage schaute eine schmunzelnde Nelly zur Küchentür heraus,
folgte den beiden die Treppe hinauf mit ihren Augen und sagte dann in den
Telefonhörer:
„Es ist kein Problem, Willow. Buffy wird Sie später zurück rufen in…ähm… einer
Stunde?“
Nach dem, was sie allerdings jetzt von den beiden schon mitbekommen hatte,
bezweifelte sie, dass eine Stunde reichen würde und setzte noch hinzu:
„Oder in zwei…“ Na ja, im Laufe des Abends würde Buffy garantiert zurück rufen…
E N D E