EnemyLovers

Buffy/Spike
Alternative Universe
ab 18
Beta by Indiansummer
Buffy und ihre Mutter Joyce führen einen fast bankrotten Dressurstall. Joyce, die Buchhalterin der Familie, sucht einen Käufer und findet in dem Rancher Rupert Giles überraschend jemanden, der ihnen den Hof nicht abkaufen, sondern sich beteiligen will. Etwas, was viel besser in das Konzept der Familie Summers passt. Giles schickt seinen Sohn William, damit dieser sich in der nächsten Zeit um die Belange des Summerschen Hofes kümmern kann…
komplett
Teil 1 Teil 2 Teil 3 Teil 4 Teil 5 Teil 6 Teil 7 Teil 8 Teil 9 Teil 10 Teil 11 Teil 12 Teil 13 Teil 14 Teil 15 Teil 16 Teil 17 Teil 18 Teil 19 Teil 20 Teil 21 Teil22 Teil 23 Teil 24 Teil 25 Teil 26 Teil 27 Teil 28 Teil 29 Teil 30 Teil 31 Teil 32 Teil 33 Teil 34
"Du da, auf Pepper, setz dich endlich gerade hin!"
Buffy Summers verschränkte die Arme vor der Brust, versuchte, nicht ganz so gelangweilt zu schauen und beobachtete, wie sich das pummelige dunkelhaarige Mädchen bemühte, wieder eine gerade Haltung anzunehmen. Sie seufzte unhörbar, als die Kleine keine zwei Minuten später wieder nach vorn kippte und die Hand Halt suchend in die dunkle Mähne des gemütlich dahin trabenden Peppers krallte.
Buffy hasste es, Reitstunden zu geben. Vor allem Kindern, die ihre ersten Stunden auf dem Rücken eines Pferdes verbrachten und so völlig untalentiert waren wie das Mädchen am Schluss der Abteilung.
Aber seit ihr Vater Hank, ihre Mutter und den Reiterhof verlassen hatte, mussten sie nach jedem Strohhalm, der ihnen ein wenig Geld versprach, greifen. Reitstunden zu geben war zwar mühselig, aber an vor allem jungen Mädchen mangelte es zum Glück nie. Leider mangelte es an zahlungskräftigen Personen, die ihre Pferde auf dem Hof in Pension stellen wollten. Das war ein viel einträglicheres Geschäft, als nervenden Gören jeden Tag dasselbe zu erzählen.
Der Summersche Hof umfasste 30 Boxen, von denen 10 mit eigenen Pferden besetzt waren. In den restlichen zwanzig tummelten sich sage und schreibe 5 Pensionspferde. Dabei konnten sie nicht einmal behaupten, dass sie sehr teuer waren, aber es gab einfach nicht genug Leute, die sich ein Pferd und die Unterstellung in einem Pensionsstall leisten konnten.
Buffy träumte davon. Davon, dass die Leute in Scharen ihre Pferde brachten. Gute Dressurpferde, die auf ein Turnier vorbereitet werden sollten und deren Besitzer nicht jeden Dollar zehnmal umdrehten, ehe sie ihn ausgaben. Eigentlich träumte sie von Besitzern, die gar nicht in den Stall schauten und herum nörgelten.
Leider blieb das seit Jahren ein Traum.
Alles, was Buffy tun konnte, war, ihre eigenen Pferde reiten und nervige Reitschüler unterrichten. Denn sie konnten sich keinen anderen Reitlehrer leisten.
Im Grunde konnten sie sich gar nichts leisten. Sie mussten sogar froh sein, dass der sich immer mehr verschuldende Hof nicht von der Bank geschlossen und zwangsversteigert wurde. Mit Müh und Not schafften sie es, den einzigen Angestellten ihres Hofes, Riley Finn, zu bezahlen. Doch seit Buffy die kurze und wenig befriedigende Beziehung zu dem Mann beendet hatte, ließ er sich immer schwerer vertrösten, wenn der Lohn einmal nicht pünktlich gezahlt wurde.
Buffy wusste das. Sie wusste auch, dass ihre Mutter Joyce darüber nachdachte, die Anlage zu verkaufen. Allerdings würde ein Verkaufserlös die Schulden, die in den letzten Jahren immer höher geworden waren, nicht tilgen. Dieses Jahr hatten sie es sich nicht einmal leisten können, ihre so hochqualifizierten Zuchtstuten zu decken, etwas, was Buffy jetzt noch wurmte und sie ihrer Mutter vorhielt. Junge Pferde waren ihr Aushängeschild. Sie auszubilden und dann zu verkaufen war etwas, was Buffy wirklich sehr gut konnte, aber die Haltung und Aufzucht der Tiere kostete Geld.
Der Gedanke, dass Joyce den Hof wirklich abgeben könnte, bereitete Buffy Kopfzerbrechen und verstärkte ihren Frust, den sie dann an den armen Reitschülern ausließ.
"Dawn!" schimpfte Buffy wieder, als ihr Blick jetzt zu ihrer Schwester wanderte, die die Abteilung anführte. "Absätze tief!"
Die schlanke 14jährige Dawn war wahrscheinlich ein genau so hoffnungsloser Fall wie das Pummelchen auf Pepper und sie würde nie mit Buffy in einer gemeinsamen Klasse reiten. Manchmal hegte Buffy den Verdacht, dass man ihre Schwester in der Wiege vertauscht hatte, denn ebenso wie ihre Eltern schien Buffy auf dem Pferderücken geboren worden zu sein. Dawn dagegen hatte sich bis vor einem Jahr strikt geweigert, überhaupt auf ein Pferd zu steigen.
Obwohl ihr die Arbeit auf dem Hof Spaß machte. Sie mistete mit Begeisterung die Ställe, putze die Pferde und das Sattelzeug, aber wenn es darum ging, aufzusteigen, war sie die erste, die vom Hof flüchtete.
Buffy seufzte genervt, als sie bemerkte wie gereizt Fantasie, die Stute, die Dawn ritt, reagierte, weil Dawn sich am Zügel festhielt.
"Dawn, die Zügel sind nicht dein Halt!" rief sie erbost. "Gib nach und setz dich endlich wieder hin!"
Das Mädchen hinter Dawn, eine schlanke Blondine, deren Namen Buffy ebenfalls wieder vergessen hatte, schrak zusammen, als wäre sie diejenige gewesen, die so angepflaumt wurde.
Dawn dagegen standen die Tränen in den Augen, gegen die sie zwar erfolgreich ankämpfte, dabei aber ihr Pferd völlig vergaß. Fantasie nutzte den Moment ihrer Unachtsamkeit und bremste, weil in diesem Moment ein großer Jeep mit einem Pferdhänger zum Tor in den Hof herein gefahren kam und sie es viel interessanter fand, zu beobachten wie das Auto knirschend über den Kies fuhr und neben der Halle parkte.
Buffy fluchte wieder. "Herrgott noch mal! Wenn du keine Lust hast, dann scher dich von dem Pferd runter! Jetzt setz dich hin, mach die Beine zu und zeig Fantasie, dass du noch da bist! Das Ding in deiner Hand nennt sich Reitgerte! Du hast sie nicht nur zum Spaß! Tipp sie einfach mal an!"
Dawn biss wütend die Zähne zusammen. Dummerweise brachte Fantasies Bremsen auch die anderen Pferde auf dem Außenreitplatz zu der Ansicht, dass der Jeep im Hof recht gefährlich war.
Das Mädchen auf Pepper fing an zu weinen. "Ich habe Angst", jammerte sie, obwohl Pepper der einzige war, der noch immer gelangweilt schaute.
So hässlich wie Buffy Pepper auch fand, aus der Ruhe brachte den dunkelbraunen Wallach so schnell nichts. Phantasie dagegen steckte durch ihr nun theatralisches Schnauben die zweite Stute Bella mit an. Beide Pferde starrten mit gespitzten Ohren zu dem Jeep und ignorierten die Mädchen auf ihren Rücken völlig.
Buffy fluchte wieder. "Reitet doch endlich weiter!" schrie sie zornig und stellte sich auf die Zehenspitzen, um erkennen zu können, wer da eigentlich in ihren Hof gefahren kam. "Und zwar bald!"
Es passierte nicht oft, dass jemand in einem derart großen Auto und noch dazu mit Pferdehänger ihren Hof befuhr. Vielleicht jemand, der ein Pferd kaufen wollte?
Ihre Augen glitten über den riesigen Schriftzug an dem Hänger und sie stöhnte innerlich auf – Dornado-Ranch.
Als sie dann noch das laute Wiehern aus dem Hänger vernahm, das Fantasie, Bella und sogar Pepper sogleich erwiderten, verabschiedete sie sich von dem Gedanken, ein Pferd zu verkaufen. Schon gleich gar nicht an einen Rancher.
Schade. Eventuell ein potentieller Einsteller? Aber ein Western-Reiter? Das würde niemals gut gehen. Buffy hatte schon genug zu tun, die anderen ewig nörgelnden Besitzer nicht vollends vor den Kopf zu stoßen.
Wenn jetzt noch so ein Western-Freak auftauchte… Schließlich war das hier ein Dressurstall und Buffy bildete sich eine Menge auf die Qualität ihrer Pferde und deren Ausbildung ein.
Doch ihre Neugier war geweckt und sie scheuchte die Mädchen, die noch immer mit den Stuten kämpften wieder auf die Außenbahn. "Stellt euch doch ein einziges Mal nicht so dämlich an!" fuhr sie sie hochmütig an und äugte nebenbei auf den Hof. "Antraben und weiter reiten!"
Vielleicht hätten sie doch in die Halle gehen sollen, aber es war so schönes Wetter und Buffy hatte keine Lust, den Staub in der Halle einzuatmen. Wasser in die Halle zu fahren, um sie zu bewässern, konnten sie sich schon lange nicht mehr leisten.
Jetzt öffnete sich endlich die Tür des Jeeps und Buffys Mund klappte auf, als ein schlanker Mann aus dem Auto kletterte.
Das war an sich nichts Ungewöhnliches. Aber das erste, was ihr ins Auge stach, war seine Haarfarbe, die unmöglich seine eigene sein konnte. Kein Mensch konnte dermaßen wasserstoffblonde Haare haben.
So ein Spinner, dachte sie unwillkürlich, ließ ihren Blick über den langen Ledermantel zu seinen Beinen gleiten und schnappte nach Luft. Der Kerl trug doch tatsächlich Cowboystiefel! Es fehlte eigentlich nur noch der Hut, dann wäre das Outfit komplett.
Der Mann sah sich suchend um, bemerkte dann die Gruppe auf dem Reitplatz neben der Halle und schlenderte langsam auf Buffy zu.
Buffy stöhnte unwillkürlich auf. Reichten nicht die nervtötenden Kinder? Und die nörgelnden Pensionspferdeeinsteller? Musste nun zu ihrem Unglück noch so ein blöder Cowboy aufkreuzen?
Der Mann hatte den Zaun des Reitplatzes erreicht, entzündete lässig eine Zigarette und lächelte die ihn pikiert anschauende Buffy freundlich an.
Buffy fand, dass er gar nicht einmal so übel aussah. Wenn man auf diesen Typ Spinner stand. Scharfe markante Wangenknochen, schmale Lippen und blaue Augen…
Wow, und was für ein Blau! stellte sie überrascht fest, als sie näher trat. Natürlich waren die Haare einfach idiotisch und seiner Kleidung nach zu urteilen, schien er farbenblind zu sein, oder er stand halt auf schwarz, was auch immer. Sie schätzte ihn ein wenig älter als sich selbst, nahm aber an, dass er nicht viel älter als dreißig sein konnte.
"Hallo", begrüßte sie der Mann lächelnd. "Ich suche Joyce Summers."
"Aha", machte Buffy hochmütig. "Und warum, wenn ich fragen darf?"
Er grinste fast verschmitzt, ließ dann seinen Blick kurz über ihre schicken Reithosen, die blitzenden Lederstiefel und die kurze enge Bluse gleiten, ehe er ihr wieder in die Augen sah. "Ich glaube, das geht nur sie und mich etwas an, Luv", sagte er sanft.
Luv?! Hatte er jetzt tatsächlich Luv gesagt?!
Die Pferde um Buffy herum waren nun komplett zum Stillstand gekommen und die Mädchen lauschten neugierig dem Gespräch.
"Das finde ich nicht!" giftete Buffy.
"Mom ist im Haus", mischte sich Dawn unaufgeforderte ein. "Sie können ruhig reingehen. Sie ist im Büro."
Buffys Kopf schoss herum und sie funkelte ihre kleine Schwester wütend an. Diese beachtete sie gar nicht, sondern strahlte den Mann, der noch immer lässig am Zaun des Reitplatzes lehnte, an. "Dawn!"
"Danke, Krümel", grinste der Mann, warf noch einen kurzen Blick in Buffys Richtung und hob vorwurfsvoll seine Augenbrauen. "Keine nette Begrüßung, Luv. Und auch kein nettes Aushängeschild für den Hof."
Ohne ein weiteres Wort drehte er sich um und schlenderte in Richtung Haus. Wahrscheinlich zum ersten Mal in ihrem Leben fehlten Buffy die Worte und sie starrte ihm einfach nur mit offenem Mund nach.
Aber keiner ihrer Reitschüler wagte es zu lachen, ja sie wurden regelrecht bleich, als Buffy herum fuhr und brüllte:
"Hat irgendjemand gesagt, dass ihr anhalten und blöd glotzen sollt!?"
**************
Spike fand den Eingang zum Büro ohne weitere Probleme.
Kopfschüttelnd dachte er noch einmal an die unfreundliche Blondine auf dem Reitplatz. Wenn das der normale Umgangston auf dem Hof war, konnte er sich gut vorstellen, warum er so schlecht lief.
Obwohl der erste Eindruck, den er von dem Hof gewonnen hatte, nicht unbedingt schlecht war. Die Gebäude waren zwar nicht neuwertig, aber gut erhalten. Selbst die große Halle schien sich in einem guten Zustand zu befinden und dass es einen so großen gut befestigten Außenplatz gab, hatte er ebenfalls nicht erwartet. Über die Ställe und die Qualität der Pferdeunterbringung wollte er im Moment noch nicht urteilen, er nahm an, Joyce Summers würde ihm die Anlage zeigen.
Deshalb klopfte er kurz an der Tür des Büros und trat ein, nachdem er ein freundliches "Ja, bitte" hörte. Nun, dann schien es ja neben der jungen Summers eine weitere freundliche Person auf dem Hof zu geben.
Joyce Summers, eine Frau, wahrscheinlich Mitte 40, kam ihm mit einem gewinnenden Lächeln im Gesicht entgegen und reichte ihm die Hand.
"William Giles, nicht wahr?" begrüßte sie ihn begeistert. "Hatten Sie Probleme, den Hof zu finden? Nehmen Sie doch Platz."
Spike setzte sich in den Sessel vor ihrem Schreibtisch.
"Möchten Sie Kaffee, Mister Giles?"
Er nickte, sah zu wie Joyce ihm eine Tasse einschenkte und dann ebenfalls Platz nahm. Die Frau war ihm auf Anhieb sympathisch. Hellbraune Locken umrahmten ein freundliches Gesicht, aus dem ihm warme helle Augen entgegen schauten.
Trotz der Sorgen, die sie zweifellos plagten, wirkte sie weder hektisch noch ungeduldig, sondern einfach nur beruhigend. und das war nach dem frostigen Empfang da draußen angenehm.
"Nennen Sie mich William", sagte er lächelnd. "Oder Spike, meine Freunde nennen mich Spike. Und ich hoffe doch, dass wir Freunde werden?"
"Spike?" Joyce sah einen Moment irritiert aus, nickte aber dann. "Warum nicht." Dann lächelte sie wieder. "Ich hatte angenommen, Sie sind älter, Spike."
Spike grinste. "Sie haben bisher nur mit meinem Vater Rupert gesprochen, Joyce", erklärte er. "Und Rupert ist über die Möglichkeit, sich in dieser Gegend ein weiteres Standbein aufzubauen, sehr begeistert. Vor allem, nachdem er die Unterlagen Ihres Hofes gesehen hat. Ich bin der Skeptiker in der Familie und deshalb bin ich jetzt hier und nicht Rupert."
Joyce behielt ihr freundliches Lächeln bei. "Ich kann nicht behaupten, dass unsere Situation hier im Moment sehr rosig ist. Mir bleibt nicht mehr viel Zeit, ehe die Bank alle Kredite kündigt und uns den Hof wegnimmt. Ihr Vater und Sie wissen das sicher. Ich werde den Hof verkaufen, weil ich ihn nicht halten kann. Ich habe jede Menge Kaufangebote, die uns jedoch alle mit einer immensen Restschuld zurück lassen. Deshalb habe ich Sie eingeladen, da Ihr Vater der einzige Interessent war, der den Hof nicht komplett kaufen, sondern sich als Teilhaber beteiligen wollte. Über diese Möglichkeit reden wir doch noch immer, oder?"
Spike nickte. "Wir werden die am Quartalsende fälligen Kreditraten bezahlen und in den Vertrag aufnehmen. Das verschafft Ihnen eine Atempause…wenn wir uns einig werden", fügte er noch hinzu.
Joyce nickte langsam. "Möchten Sie vielleicht zuerst die Anlage sehen?" Sie stand auf. "Ich werde Buffy rufen. Sie kann Ihnen über den Betrieb der Anlage und vor allem von den Pferden mehr erzählen als ich, da ich mich im Moment hauptsächlich um die Buchhaltung kümmere."
"Buffy?" fragte Spike erstaunt.
"Meine Tochter", erläuterte Joyce. "Dies ist ein Familienbetrieb und seit Hank uns verlassen hat, führen meine Tochter und ich den Hof."
"Die Kleine auf der aufgeregten Stute? Die so freundlich war, mir zu sagen, wo ich Sie finde?"
Joyce lachte. "Nein, das war bestimmt Dawn, meine andere Tochter. Buffy ist die ältere und die Reitlehrerin."
Oh. Spike hatte alle Mühe, ein unbeteiligtes Gesicht zu wahren. Und nur weil er wusste, dass sein Vater unwahrscheinlich scharf auf den Hof war, verkniff er sich jede weitere Bemerkung.
Wenn die unhöfliche und arrogante Blondine da draußen Joyce Tochter war, bedeutete es, dass er sie nicht einfach feuern konnte. Der Gedanke gefiel ihm überhaupt nicht, weil er ahnte, dass es unweigerlich zu einer Konfrontation kommen würde.
"Sie weiß noch nichts von Ihren Plänen, Joyce?" mutmaßte er deshalb.
"Nein. Sie weiß auch nicht, wie schlecht unsere finanzielle Lage tatsächlich ist." Joyce seufzte. Sie öffnete die Tür und ließ Spike hinaus treten. Ihr Blick fiel auf den Jeep und den Pferdehänger. "Sie haben Pferde mit, Spike?" fragte sie erstaunt.
"Ich möchte in Ruhe darüber urteilen, ob sich eine Investition in Ihrem Hof lohnt und gegebenenfalls einige Veränderungen vornehmen", erwiderte er trocken, griff in seine Manteltaschen und zündete sich eine neue Zigarette an. "Ich kann nicht Wochen von daheim verschwinden, wenn meine beiden besten Pferde mitten im Training stehen. Und deshalb habe ich sie mitgebracht."
Joyce nickte. "Kein Problem. Wir haben genug Boxen frei."
Spike hob die Augenbrauen. "Boxen?" murmelte er zu sich selbst und blickte dann zu dem großen Stalltrakt neben der Reithalle. "Ich denke nicht, dass die beiden über Boxen sonderlich glücklich sind."
Dann folgte er Joyce, die den Hof schon überquert hatte, und am Eingang des Stalls auf ihn wartete.
Er zog noch einmal schnell an seiner Zigarette, weil er das "Rauchen verboten"-Schild am Eingang entdeckte und ihm ging kurz durch den Kopf, dass sein Vater wahrscheinlich einem kurzen Anfall von Irrsinn zum Opfer gefallen war, wenn er sich für eine Reitanlage im herkömmlichen Stil interessierte.
Obwohl auch ihm selbst der gemütliche Hof gefiel. Er war sauber, ruhig und ordentlich. Aber er wusste genau, dass es Probleme geben würde, über die sein Vater gar nicht nachgedacht hatte.
Nun…Er zuckte mit den Schultern. Man würde sehen, ob die Investition sich so sehr lohnte, dass es den Aufwand wert war.
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Als Spike aus dem hellen Tageslicht in den Stall trat, blieb er einen Moment stehen, weil er erst einmal gar nichts sah und runzelte wieder die Stirn.
Joyce bemerkte seinen nachdenklichen Gesichtsausdruck nicht, sondern deutete mit der Hand in den langen Stallgang. "Zu der Anlage gehören 30 Boxen, die sich alle in diesem Trakt befinden. 15 rechts und 15 links. Jede Box hat eine Größe von vier mal vier Meter. Die Boxen an der Außenwand besitzen jeweils ein Paddock, das noch einmal vier mal fünf Meter misst und sie sind natürlich teuerer als die fenster- und paddocklosen Boxen."
Spikes ließ Joyce Worte ein wenig an sich vorbei rauschen. Es war das erste Mal, dass er einen im herkömmlichen Sinn geführten Stall betrat und er war einfach nur entsetzt.
Einerseits über die Dunkelheit, doch je mehr seine Augen sich an das fehlende Licht gewöhnten, umso besser konnte er sehen. Zum anderen aber darüber, dass die Pferde alle in ihren Boxen standen.
Ehe er jedoch eine Frage in diese Richtung formulieren konnte, wurde die Stalltür aufgerissen und das Klappern von Hufeisen über Beton lenkte ihn von Joyce Erklärungen ab.
Es waren die drei jungen Mädchen, die Spike vorhin schon auf dem Außenreitplatz kennen gelernt hatte, die jetzt in einer ordentlichen Reihenfolge ihre Tiere am Zügel in den Stalltrakt führten, dabei leise miteinander flüsterten und ihm ab und zu neugierige Blicke zuwarfen.
Die junge Dawn strahlte sogar ausgesprochen hingerissen und Spike grinste belustigt zurück. Dann allerdings erstarb allen dreien das Lächeln im Gesicht, als hinter ihnen das Klacken der Absätze von Reitstiefeln ertönte.
"Nicht einschlafen!" rief die Spike noch so wohlbekannte Stimme in scharfen Ton. "Zuerst werden die Pferde versorgt und dann könnt ihr quasseln!"
Buffy blieb wie vom Donner gerührt stehen, als sie ihre Mutter und den Mann in der unmöglichen Kleidung mitten im Gang entdeckte.
Joyce sah weder das schockierte Gesicht ihrer Tochter noch Spikes plötzlichen undefinierbaren Ausdruck im Gesicht. "Buffy, das ist schön, dass du gerade kommst. Du kannst bestimmt Spikes Fragen besser beantworten als ich."
Spike?! Es wurde ja immer besser. Er kleidete sich nicht nur idiotisch, sondern besaß auch noch einen idiotischen Namen.
"Das ist meine Tochter Buffy", strahlte Joyce Spike an. "Buffy, darf ich dir William Giles vorstellen."
Buffys Gesicht wurde nicht freundlicher, als sie Spike zögernd die Hand gab und ein "Hallo" heraus würgte.
"Hallo", antwortete Spike nicht unbedingt netter. Und das, obwohl sie fantastisch aussah. Spike hatte schon immer eine Schwäche für gut aussehende Frauen, aber die Art und Weise wie sie ihn musterte, so als wäre sie etwas viel besseres als er, ließ Zorn in ihm hoch steigen. Wenn da nicht diese hinreißend freundliche Joyce und die kleine Dawn gewesen wären, hätte er sich einfach umgedreht und wäre wieder gegangen. Er verspürte absolut keine Lust, sich mit einer arroganten Dressurreiterin anzulegen.
"Würdest du so nett sein und Spike die Anlage zeigen?"
"Ich?!" entfuhr es Buffy ungewollt und sie sah ihre Mutter an, als hätte sie den Verstand verloren. "Warum ich?!"
"Ich zeige ihm die Anlage!" mischte sich die urplötzlich neben Spike auftauchende Dawn ein. "Ich kenne mich genau so gut aus wie Buffy!"
"Kümmere dich um Fantasie!" blaffte Buffy mit einem giftigen Blick in ihre Richtung. "Und sieh zu, dass die anderen beiden ihre Pferde auch versorgen!" Das würde noch fehlen, dass ihre Schwester sabbernd neben dem Cowboy über die Anlage schlenderte.
Spike hob kurz die Augenbrauen und warf einen bedeutungsvollen Blick in Joyce Richtung, die jedoch nur unbehaglich mit den Schultern zuckte.
"Buffy!" schimpfte Joyce dann leise und sah seufzend wie diese den Mund verzog. "Ich habe noch jede Menge Arbeit im Büro. Würdest du also so freundlich sein und Mister Giles die Anlage zeigen?"
Mister Giles grinste schon wieder so dämlich in ihre Richtung, dass Buffy ihm am liebsten etwas an den Kopf geworfen hätte. Doch ihre Mutter sah sie so flehend an, dass sie tief durchatmete und kurz mit dem Kopf winkte, ehe sie an ihm vorbei rauschte.
Das sollte dann wohl eine Aufforderung sein, ihr zu folgen. Spike sah Joyce noch einmal an. "Es wäre vielleicht besser gewesen, sie darauf vorzubreiten?" sagte er leise.
Und Joyce nickte seufzend.
"So, Mister Giles", sagte Buffy in ihrem ätzendsten Tonfall und mit einem falschen Lächeln, nachdem er endlich zu ihr aufgeschlossen hatte. "Wie Sie unschwer erkennen können, befinden Sie sich hier im Stall."
Ach, sie wollte ihm auf diese Tour kommen? Spike grinste. "Tatsächlich?"
Buffy beachtete ihn gar nicht, sondern stiefelte weiter, ohne ihn eines Blickes zu würdigen. Dann deutete sie nach links, wo zwischen den Boxen der Zugang zur Reithalle sichtbar wurde. "Reithalle. 20x60 Meter."
Spike kam gar nicht dazu, einen Blick hinein zu werfen, weil sie schon weiter hetzte. Aber eine Reithalle interessierte ihn sowieso nicht sonderlich. Viel mehr interessierten ihn die Pferde in den Boxen, die vor sich hin dösten, während draußen die schönste Sonne schien.
"Wir besitzen zehn eigene Pferde", leierte Buffy gelangweilt herunter. "Fünf davon gehen im Schulbetrieb, vier sind noch auf den Fohlenweiden."
Es gab tatsächlich Weiden?
"Diese fünf Pferde…" Buffy deutete nach rechts. "…sind eingestellte Pensionspferde."
Dass Spike ihr noch immer recht stumm folgte, schien sie etwas zu irritieren, denn sie blieb stehen und drehte sich um. "Sie wollen nicht tatsächlich ein Pferd hier einstellen, Mister Spike?"
"Nein", meinte er amüsiert und stellte vergnügt fest, dass ihre grünen Augen anfingen zu funkeln.
"Warum erzähle ich Ihnen dann den ganzen Scheiß!?" fauchte sie gereizt und stemmte die Hände in die Hüften.
"Weil ich eventuell vorhabe, die Anlage zu kaufen", sagte er sanft.
Das war wahrscheinlich das allerletzte, womit sie gerechnet hatte. Ihr Mund klappte auf und einen Moment sah sie so bleich aus, dass Spike damit rechnete, sie umkippen zu sehen. Doch sie fing sich schneller als er dachte.
"KAUFEN?!" kreischte sie hysterisch auf. "KAUFEN?!"
Er nickte grinsend, ging allerdings vorsichtshalber einen Schritt rückwärts, weil sie plötzlich aussah, als würde sie sich gleich wie eine Furie auf ihn stürzen.
Buffy stand tatsächlich kurz davor. Ihre Hände hatten sich zu Fäusten geballt und sie wünschte sich nichts sehnlicher, als das blöde Grinsen aus seinem Gesicht zu schlagen. Dann drang mit aller Macht auf sie ein, was er gesagt hatte.
Und ihr wurde schlecht.
Ohne ein weiteres Wort stürzte sie an ihm vorbei, den Stallgang entlang und in Richtung Hof. "MOM!"
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Spike verließ den Stall durch den Ausgang am anderen Ende. Er überlegte wie lange es dauernd würde bis Joyce ihrer Tochter die Situation erklärt hatte und kramte nach seinen Zigaretten.
Wahrscheinlich wäre es das Beste, einfach wieder zu fahren. Nach dem, was er bis jetzt gesehen hatte, wären eine Menge Veränderungen nötig, um die Anlage für seine Zwecke attraktiv genug zu gestalten. Und dabei ging es weniger um Geld. Die Familie Giles besaß davon genug. So wie es aussah, wären zwar einige Umbauten notwendig, aber machbar.
Was sich nicht mit Geld kaufen ließ, war Freundlichkeit. Und die war besonders bei einer Reitlehrerin wichtig.
Spike hatte keine Ahnung, warum sein Vater sich in die Anlage verguckt hatte. Die Dornado-Ranch lief blendend und auf den 100 Hektar großen Weiden tummelten sich hunderte von Pferden. Der Name Giles war in Züchterkreisen genau so bekannt wie in Sportkreisen und sie hatten nie Probleme, ein Pferd zu verkaufen.
Was also faszinierte ihn an diesem kleinen Hof in einem verschlafenen Ort namens Sunnydale? Spike hatte keine Ahnung. Vielleicht wurden irgendwelche Erinnerungen in Rupert wach, als er den Namen gelesen hatte, denn Spike erinnerte sich, ihn in seiner Kindheit öfter gehört zu haben. Er sollte seinen Vater schleunigst anrufen. Eine Investition in diesen Hof würde wahrscheinlich in den nächsten Jahren keine Gewinne abwerfen. Wenn überhaupt jemals Gewinne zu erwarten waren…
Nachdenklich entzündete Spike eine Zigarette, lehnte sich gegen die Wand des Stalls und blies den Rauch in die Luft.
Sein Blick wanderte über die leeren Weiden, die hinter dem Stall lagen.
Er bemerkte sofort, dass sich lange niemand um die Weiden gekümmert hatte. Irgendwann einmal hatte jemand Litze gezogen und die großen Flächen in kleinere abgeteilt, doch das war lange her. Hier und da wucherte das Gras in den Zaun oder die Litze lag auf dem Boden. Das Gras stand so hoch, dass es schon eine Verschwendung war, kein Pferd darauf zu stellen.
Neugierig geworden stieß er sich von der Wand ab und trat um den Stall herum zu der Seite, wo die Boxen in Paddocks endeten.
Ein einziges Pferd hatte die Dunkelheit des Stalls verlassen und starrte mit gespitzten Ohren in die Ferne zu einem Punkt, den nur es sah.
Spike schlenderte näher. Er kannte sich mit Quartern aus, nicht mit diesen edlen Dressurpferden, aber man musste kein Kenner sein, um zu sehen, dass es sich um ein ausgesprochen hübsches Exemplar handelte.
Es war eine Stute, wie die meisten der Pferde im Stall. Spike wusste, dass die Summers auch züchteten und dass ihr Name in den Kreisen der Dressurpferdezüchter ebenfalls nicht unbekannt war.
Spike mochte Schimmel nicht sonderlich, weil es sehr viel Arbeit machte, das weiße Fell auch weiß zu bekommen, wenn ein Turnier in die Nähe rückte. Diese Stute hatte solche Probleme nicht. Das Weiß ihres Fells strahlte förmlich in seinen Augen und er stellte verwundert fest, dass er tatsächlich keinen Dreckspritzer auf dem glatten Fell erkennen konnte.
In diesem Moment bemerkte die Stute ihn und drehte den hübschen Kopf mit einer leichten Bewegung in seine Richtung. Nur kurz, dann sah sie wieder gespannt in die Ferne. Was auch immer sie da sah, es war interessanter als er und Spike hatte das komische Gefühl, dass sie ihn einfach keines zweiten Blickes würdig befand.
Er hatte die Begriffe arrogant und Pferd noch nie in einem Zusammenhang gedacht, aber bei dieser Schimmelstute war es das erste, was ihm einfiel.
Und Spike war sich plötzlich ziemlich sicher, wem das Tier gehörte.
Besagte Person benötigte noch fünf Zigarettenlängen bis sie wieder auftauchte. Spike ließ das Pferd die ganze Zeit nicht aus den Augen, aber die Stute drehte noch nicht einmal mehr ein Ohr in seine Richtung. Sie ignorierte ihn so offensichtlich, dass es schon fast amüsant war.
Dann wurde er allerdings abgelenkt, weil eine gewisse Buffy mit einem steinernen Gesichtsausdruck aus dem Stall heraus spaziert kam.
Er warf die Zigarette zu Boden, trat sie aus und grinste versöhnlich. Sein Grinsen kam gewöhnlich bei Frauen gut an. Auf diese zornige Blondine machte es überhaupt keinen Eindruck.
"Meine Mutter hat mir erklärt, was Sie hier wollen", knirschte sie zwischen den Zähnen hindurch. "Also stellen Sie ihre Fragen!"
Joyce hatte nicht nur das getan und obwohl Buffy es sich nicht anmerken ließ, war ihr der Schreck in die Glieder gefahren, als Joyce sagte – "Wir sind pleite, Buffy. Es ist nur noch eine Frage der Zeit bis uns die Bank den Hof wegnimmt. Wir besitzen nicht die nötigen Mittel, um uns über Wasser zu halten, weil in all den Jahren seit Hank uns verlassen hat, die Ausgaben höher waren als die Einnahmen und unsere letzten Ersparnisse aufgebraucht sind."
Buffy hatte auch erfahren, dass die Giles den Hof nicht kaufen, sondern sich beteiligen wollten. Sie verstand nicht, warum, aber sie war nicht dumm. Denn es bedeutete, dass man sie nicht vom Hof schickte, sondern sie ihr Leben so weiter leben konnte wie bisher.
Sie musste nur mit diesem Spinner klar kommen. Joyce hatte das freundlicher formuliert: "Spike scheint ein netter Mann zu sein, genau wie sein Vater. Ich habe mich über sie informiert und weiß, dass Geld im Hause Giles keine Rolle spielt. Wir sollten versuchen, Spike zu überzeugen, dass sein Geld hier gut angelegt ist."
Buffy fand die Idee überhaupt nicht gut und als sie jetzt sein amüsiertes Grinsen sah, fand sie sie noch dreimal so schlecht
."Ich denke, ich sollte erst einmal meine Pferde abladen", meinte Spike leichthin. "Dann können wir uns gemütlich irgendwo hin setzen und uns unterhalten."
Garantiert nicht!
"Hm", stieß sie hervor und stürzte an ihm vorbei zurück in den Stall. Vor der Tür stoppte sie so abrupt, dass Spike um ein Haar gegen ihren Rücken gelaufen wäre. "Ehe ich es vergesse." Sie drehte sich um und sah zu ihm hoch. "Auf dem gesamten Hof besteht Rauchverbot!"
Spike sah sie an, als würde er sie für schwachsinnig halten. Und irgendwie bezweifelte sie, dass er ihre Anweisung beachten würde.
Sie drehte sich wieder um, fegte durch den Stall und Spike hatte Mühe, ihr zu folgen. "Hör mal, Luv…", begann er.
Sie bremste erneut, als wäre sie gegen eine Mauer gelaufen. Diesmal knallte er gegen ihren Rücken und fuhr zurück, als hätte er sich verbrannt.
"Ich heiße Buffy!" schrie sie ihm wütend ins Gesicht. "Mein Name ist Buffy! B U F F Y! Und wenn du vorhast, eine Weile hier zu bleiben, dann solltest du dich daran gewöhnen!"
"Okay", grinste er friedfertig. "Ich bin Spike." Damit schienen sie schon einmal beim du angekommen zu sein.
Sie antwortete nicht darauf, sondern drehte sich wieder um und trat hinaus in den Hof. Spike folgte ihr seufzend. Vielleicht war ein Telefonat mit seinem Vater mehr als nur angebracht.
Er sollte sich schnellstens erkundigen, *wie* viel Rupert an einer Partnerschaft mit dieser Joyce Summers lag. Und zwar ehe Spike zu der Ansicht kam, dass irgendjemand dieser hochnäsigen Blondine mal den Hintern versohlen sollte.
Der Pferdehänger an seinem Jeep wackelte, wahrscheinlich weil die beiden Pferde begannen, sich zu langweilen. Spike schlug mit flacher Hand gegen die Wand des Hängers.
"Ruhe! Ihr könnt gleich raus." Er öffnete die Planke an der Rückseite des Hängers und klappte sie auf den Boden.
Buffy beobachtete sein Tun misstrauisch. Sie gab natürlich nicht einmal vor sich selbst zu, dass sie furchtbar neugierig auf die Pferde war, sondern betrachtete scheinbar gelassen, wie er die Sicherheitsbalken entfernte und dann durch die Seitentür in den Hänger schlüpfte.
Er löste die Stricke der Pferde und ließ sie gemeinsam rückwärts vom Hänger treten.
Mit skeptischen Augen musterte Buffy die beiden Pferde. Sie waren stämmig gebaut, mit breiter muskulöser Hinterhand und ebenso muskelbepackten Schultern. Das rechte war dunkelbraun, fast schwarz und hatte an allen vier Füßen hübsche weiße Fesseln. Das linke schlankere Pferd war hellbraun und beide waren männlich. Und einer davon sehr.
Buffy schnappte übergangslos nach Luft. "Ein Hengst?!!"
Spike hob fragend die Augenbraunen und klopfte dem Dunkelbraunen auf den Hals. "Ja?"
"Wenn er auch nur in die Nähe meiner Zuchtstuten kommt, kannst du was erleben!" giftete Buffy, riss ihm den Strick des anderen Pferdes, des Wallachs, aus der Hand und führte ihn in Richtung Stall.
Spike folgte ihr und schüttelte noch einmal ungläubig über ihr ruppiges Benehmen den Kopf. Damaron, den Hengst an seiner Seite, schien das alles gar nicht zu stören. Er spitzte die Ohren, hob witternd den Kopf in Richtung der vielen Stuten und sah sich interessiert um.
"Ich nehme an, du willst eine Paddockbox", fauchte Buffy von vorn.
Spike wollte gar keine Box, aber bis er den Weidezaun in Ordnung gebracht hatte, mussten sich Damaron und Donar mit den kleinen Ställen begnügen. "Ja", sagte er, setzte aber dann hinzu. "Vorerst."
Buffy quartierte den Wallach neben Pepper ein. Sie wollte auf keinen Fall, dass die beiden Westernpferde zu viel Kontakt zu ihren hübschen Stuten hatten und sie eventuell aufregten.
Pepper regte zum Glück selten etwas auf und das war der einzige Grund, aus dem Buffy ihn noch nicht verkauft hatte, auch wenn er neben ihren hübschen Zuchtstuten wie ein hässliches Entlein wirkte. Aber die Kinder liebten Pepper. Auch so ein Grund, warum Buffy die Kinder nicht mochte.
Mit misstrauischen Augen verfolgte sie wie Spike den Hengst in die Box neben den Wallach stellte und ihm das Halfter vom Kopf nahm.
"Wer kümmert sich um die Fütterung?" erkundigte sich Spike.
Buffys Augen verengten sich. "Ich, natürlich", knurrte sie gereizt. "Wenn du also irgendwelche Sonderwünsche hast, dann schreib sie auf einen Zettel und häng ihn an die Boxentür!"
"Ich könnte es dir erklären", entgegnete er ruhig und hatte es langsam satt, sich von ihr so anfahren zu lassen. "Aber sicherlich wirst du es dir genau so wenig merken können wie die Namen deiner Reitschüler."
Er sah sie nicht an, weil er beobachtete wie Damaron den Kopf zur Tür hinaus steckte und dann den Paddock betrat. So konnte er auch nicht sehen, dass Buffys Hände sich wieder zu Fäusten ballten und sie nur mühsam um ihre Beherrschung kämpfte.
Die Boxen waren sauber eingestreut und gemistet. Sauberkeit schien eine große Bedeutung auf dem Summerschen Hof zu haben. Auch der Stallgang war blitzblank gefegt.
"Ich würde jetzt gern des Rest des Hofes sehen", sagte er nach einer Weile. Donar hatte jetzt ebenfalls entschieden, dass es ihm im Paddock besser gefiel als im Stall und leistete seinem Freund Gesellschaft, auch wenn das Gatter sie trennte. Spike hörte Damaron wiehern.
Es war das typische Hengstwiehern, der eine Stute begrüßte und Spike grinste fast belustigt. Miss-arrogant-Schimmelstute würde sich bestimmt nicht dazu herab lassen zu antworten. Tat sie auch nicht.
"Meinetwegen", fauchte Buffy. "So viel mehr ist es nicht. Den Reitplatz kennst du, die Halle hast du gesehen. Über den Ställen lagern wir Heu und Stroh. Am hinteren Ende des Stallgangs befindet sich links die Sattelkammer und rechts die Futterkiste mit dem Kraftfutter. War’s das? Okay…Tschüß!" Sie wollte sich umdrehen und einfach gehen, weil sie der Meinung war, sie hätte jetzt genug Geduld aufgebracht.
Allerdings hatte sie die Rechnung ohne Spike gemacht. Seine Hand schoss vor und griff nach ihrem Oberarm. "Warte, Lu…Buffy", verbesserte er sich schnell, als sie wie von der Tarantel gestochen herum fuhr und seine Hand zur Seite stieß. "Was ist mit den Weiden?"
"Weiden?" erkundigte sie sich überrascht.
"Ich habe festgestellt, dass sich die Weiden in einem desolaten Zustand befinden. Warum stehen die Pferde im Stall, wenn dort draußen Futter ohne Ende steht?"
Buffy reckte trotzig das Kinn in die Luft, ehe sie in einem eisigen Tonfall sagte. "Dies ist ein Dressurstall, Mister Giles. Meine Pferde sind Hochleistungssportler, die voll im Training stehen, selbst die Schulpferde, die täglich mindestens zwei Mal unter Reitschülern laufen. Ich kann mir keine voll gefressenen fetten Pferde leisten, die keine Lust haben, sich zu bewegen, weil ihnen den ganzen Tag die Sonne auf den Kopf brennt!"
"Nun, daran werden wir etwas ändern", lächelte er freundlich. "Meine Pferde sind es nicht gewöhnt, in solch einem Karnickelstall eingesperrt zu sein. Was sagen die Besitzer der Pensionspferde dazu?"
Buffy war wirklich nahe daran, ihm einfach ins Gesicht zu springen. "Für die Pensionspferde steht eine Weide zur Verfügung! Wenn jemand sein Pferd dort haben will, kann er es hinstellen!" schrie sie ihn an. "Ich habe keine Zeit, den Tag damit zu verplempern, Pferde rein und raus zu schaffen!"
"Das ist sehr schlecht", murmelte Spike spöttisch. "Vielleicht solltest du sie einfach draußen lassen?"
"Diese Tiere sind teuer!" kreischte Buffy. "Die Verletzungsgefahr ist viel zu groß, wenn ich sie unbeaufsichtigt miteinander toben lasse!"
"Wir werden sehen. Ich möchte jedenfalls die Besitzer der Tiere kennen lernen. Und ich möchte eine Aufstellung über die gängigen Preise sowie die Anzahl und die Namen der Reitschüler. Besitzt die Anlage einen Round Pen?"
"DAS IST EIN DRESSURSTALL!" schrie Buffy, nun langsam hysterisch. "Ich brauche keinen Round-was-weiß-ich! Ich kann meine Pferde reiten!"
"Du solltest wirklich an deinem Tonfall arbeiten", erklärte Spike liebenswürdig. Er wunderte sich etwas, dass er noch immer so ruhig blieb. Vielleicht lag es daran, dass sie so herrlich ausflippte. Spike mochte Frauen mit Temperament und Feuer. Und davon hatte diese kleine Person weiß Gott genug. Wenn der arrogante Ausdruck in ihrem Gesicht verschwand und die grünen Augen so wütend blitzten, sah sie einfach nur fantastisch aus.
Wenn Buffy seine Gedankengänge geahnt hätte, wäre sie wahrscheinlich vollkommen explodiert. So aber starrte sie ihn fast fassungslos an, während sie überlegte wie sie die nächsten Wochen oder vielleicht gar Monate durchstehen sollte.
Spike grinste wieder. Fassungslosigkeit stand ihr auch gut. "Joyce hatte in einem ihrer Briefe erwähnt, dass es eine kleine Wohnung gibt, die ich nutzen kann?"
Briefe?!
Buffy kämpfte mühsam gegen den Wunsch, ihm einfach eine Ohrfeige zu versetzen, um sein blödes Grinsen wegzuwischen. "Wenn sie das gesagt hat, wird es schon so sein", knirschte sie durch ihre Zähne. "Du weißt ja, wo du sie findest! Ich habe zu tun!"
Keine Macht der Welt würde sie jetzt dazu bekommen, noch mehr Zeit mit diesem Cowboy zu verbringen. Keine!
Spike legte den Kopf schief, als sein Blick ihr folgte und an ihrem Hintern in der engen Reithose hängen blieb. Sie hatte einen süßen Hintern, ohne Zweifel.
Aber ein süßer Po und ein hübsches Gesicht waren nicht alles. Und beides konnte ihn nicht vergessen lassen, dass sie die unmöglichste Frau war, die ihm seit langem über den Weg gelaufen war. Und das waren beileibe nicht wenige.
Und deshalb sollte er jetzt erst einmal schnellstens heraus bekommen, ob die Anlage den Aufwand wert war und warum sein Vater tatsächlich unbedingt einsteigen wollte. Oder ob er sich den nervenaufreibenden Aufenthalt hier schenken konnte.
*******************
Buffy kochte vor Wut. Einerseits wegen ihrer Mutter, die es wagte, hinter ihrem Rücken und ohne es mit ihr abzusprechen, derartige Verhandlungen zu führen. Wenn es schon darum ging, den Hof zu verkaufen, warum dann nicht an eine Person, die gedachte, ihn im gleichen Stil weiter zu führen?
Und dann Spike. Schon allein der Name trieb ihr die Zornesröte ins Gesicht und sie bezweifelte, dass sie es schaffen würde, auch nur ein einziges freundliches Wort mit dem Mann zu wechseln.
Allein die Art und Weise wie er sie ansah, so als würde er sich über sie lustig machen, reichte, um ihren Blutdruck in die Höhe zu treiben. Und wenn er ihr noch erzählen wollte wie sie den Hof zu führen hatte, würde sie wirklich explodieren.
Sie fluchte leise und öffnete die Schiebetür zu Euphrosynes Box. "Eppi?" rief sie leise und lockend. Zum ersten Mal seit Ewigkeiten reagierte Euphrosyne nicht auf ihren Ruf und sie ging erstaunt durch die Box hinaus in den Paddock.
Die Schimmelstute hatte neugierig den Kopf gehoben und beobachtete die beiden Westernpferde ein paar Paddocks weiter.
Buffy fluchte wieder. "Eppi! Das kann doch wohl nicht wahr sein", schimpfte sie, obwohl sie wusste, dass die Stute sie nicht verstand. "Die sind unter deinem Niveau. Weit unter deinem Niveau, Beauty. Sie sind nicht einmal eines Blickes wert."
Euphrosyne schien anderer Meinung zu sein, doch sie folgte Buffy willig, als diese ihr das Halfter umlegte und sie aus der Box führte.
Wenn Buffy etwas wirklich konnte, dann war es mit Pferden umgehen. Und deshalb wusste sie, dass sie in ihrer momentanen Stimmung auf ein Training getrost verzichten konnte.
Euphrosyne reagierte äußerst sensibel auf Stimmungsschwankungen ihrerseits und heute würde das Training in einer Katastrophe enden, weil Buffys Nerven am Zerreißen waren. Deshalb beschloss sie, einfach ein wenig spazieren zu reiten und hoffte, der Wind in einem schnellen Galopp würde ihr erhitztes Gemüt etwas abkühlen.
Und die sich langsam bildenden Mordgedanken aus ihrem Kopf vertreiben…
Es war Dawn, die Spike die kleine möblierte Wohnung im Nachbargebäude des Zweiseitenhofes zeigte. Der Mund des jungen Mädchens stand nicht still und Spike schmunzelte, als er ihren begeisterten Reden zuhörte.
Dawn half ihm sogar, das wenige Gepäck, das er mit sich hatte, in die Wohnung zu tragen und dann musste er sie regelrecht hinaus schieben, weil sie sonst sicherlich noch mit ausgepackt hätte.
Doch Spike war sich nicht einmal sicher, dass er lange hier bleiben wollte. Deshalb verzichtete er erst einmal auf ein Auspacken und suchte nach seinem Handy.
Sein Vater meldete sich nach dem dritten Klingeln. "William? Bist du schon da?"
Spike klärte ihn in kurzen Worten über die Situation auf. "Es wird Ärger geben, Dad", setzte er dann hinzu. "Ich weiß nicht, warum du so an diesem Hof interessiert bist, aber ich denke nicht, dass er den Ärger wert ist."
"Wegen der jungen Summers?" Giles klang ungläubig. "Ich habe mehrere Telefonate mit Joyce geführt und sie hatte eine hohe Meinung vor allem von ihrer älteren Tochter."
"Sie ist das arroganteste Weibsbild, das ich je getroffen habe", erklärte Spike ungerührt.
Giles lachte leise. "Du bist auch nicht die Freundlichkeit in Person."
"Du hättest mich heute nicht wieder erkannt. Und das habe ich nur getan, weil Joyce und die kleine Dawn mir wirklich sympathisch sind, aber ich werde meinen Mund nicht mehr lange halten. Und vor allem nicht gegenüber Miss Ich-bin-etwas-besseres-als-alle-anderen. Warum also gerade dieser Hof, Dad?"
Giles antwortete eine Weile gar nicht und Spike kam schon zu der Ansicht, dass er die Verbindung getrennt hatte. Dann sagte er. "Ich habe Hank gekannt."
"Hank?"
"Joyce Mann. Hank Summers."
"Aha", machte Spike und verstand gar nichts.
"Hank war der arroganteste Mann, der mir jemals begegnet ist. Und wenn seine Tochter nur ein wenig nach ihm schlägt, weiß ich, was du durchmachst. Er ist allerdings auch einer der erfolgreichsten Dressurreiter der Welt. Er bekam immer, was er wollte und wenn es ihm zu langweilig wurde, ließ er es fallen."
Giles schwieg eine Weile und Spikes Stirnrunzeln verstärkte sich.
"Ich will diesen Hof. Egal zu welchem Preis."
Spike verstand weder, was der Hof mit dem arroganten Hank, noch was das Ganze mit seinem Vater zu tun hatte. "Warum kaufst du ihn nicht einfach? Überbiete alle anderen und du hast ihn."
Giles sagte wieder eine Weile nichts. "Ich will nicht, dass Joyce den Hof verliert", sagte er dann.
Spike starrte kurz überrascht auf sein Handy. "Hab ich das jetzt richtig verstanden?" erkundigte er sich vorsichtig.
"Ja", knirschte Giles am anderen Ende. "Ich kann hier nicht weg. Kümmere dich darum, dass der Hof zum Laufen kommt und wenn wir für den Rest unseres Lebens Geld hineinstecken! Wir können es uns leisten!"
Giles hatte die Verbindung schneller getrennt, als Spike noch etwas sagen konnte. Jetzt völlig fassungslos legte Spike das Handy auf den kleinen Tisch, trat an das kleine Fenster und sah hinaus in den Hof.
Es waren schon wieder ein paar junge Mädchen aufgetaucht, die unter Dawns Anleitung einige der Pferde heraus holten und anfingen, diese zu putzen. Ihr Schnattern drang bis zu seinem Fenster und er musste schmunzeln, als er sah wie eifrig die Mädchen auf den Pferden herum bürsteten. Kein Wunder, wenn alle so glänzten.
Giles hatte ihm einiges verschwiegen, soviel war klar. Nachdenklich starrte er vor sich hin.
Das Geschnatter verstummte abrupt, als die Stalltür aufgeschoben wurde und Miss Arrogant ihr Pferd heraus führte. Wie Spike schon richtig vermutet hatte, war es die Schimmelstute, die jetzt erst einmal in einer übertriebenen Geste den Kopf hoch warf und seinen Jeep anschnaubte.
Buffy ließ sich von diesem Verhalten nicht beeindrucken, schwang sich in den Sattel und ritt in Richtung Hoftor. Auch wenn er es nicht gern zugab, aber die schlanke blonde Person und die edle Schimmelstute ergaben ein Bild, das man nicht so schnell vergaß.
Allerdings holte Buffy ihn wieder aus seinen Träumereien hervor, indem sie sich zu den Mädchen umdrehte und sie anherrschte.
"Ich bin in einer Stunde wieder da. Dann will ich euch samt der Pferde auf dem Reitplatz sehen! Also trödelt nicht herum!"
Spike schüttelte seufzend den Kopf. Doch jetzt hatte er erst einmal wichtigere Dinge zu tun, als sich den Kopf über eine unfreundliche Buffy zu zerbrechen.
Joyce hatte ihm versprochen, die Geschäftsbücher des Hofes sowie alle Verträge hervor zu suchen. Diese Unterlagen wollte er sich am Abend vornehmen.
Jetzt musste er erst einmal zusehen, zumindest eine provisorische Weide zu bauen. Damaron und Donar würden es ihm nicht verzeihen, wenn er sie die ganze Nacht in dem engen Stall einsperrte.
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Drei Stunden, die wahrscheinlich die Hälfte der Nerven, die Buffy besaß, gekostet hatten, später, kehrte Ruhe in den Stall ein.
Selbst Euphrosyne hatte sich heute durch Buffy schlechte Stimmung anstecken lassen und sich benommen, als wäre sie noch nie in ihrem Leben im Gelände gewesen. Buffy wusste, dass die Stute sehr sensibel war, aber dass sie wegen jeder Kleinigkeit einen Satz zur Seite machte oder einfach nur zusammenfuhr, hatte sie lange nicht erlebt. Von einem entspannenden Ausritt konnte schon einmal keine Rede sein.
Als sie dann noch zurück kam und es diesmal fünf Mädchen waren, die schon geschniegelt auf dem Reitplatz warteten, hätte sie am liebsten geflucht.
Postwendend rief sie nach Dawn, die aus der vor lauter Aufregung klatschnass geschwitzten Euphrosyne wieder ein kultiviertes Pferd machen sollte, und begab sich zum Reitplatz.
Es war eine Anfängerstunde. Buffy verbrachte die Stunde damit, sich den Mund fusselig zu reden, die Mädchen in Grund und Boden zu schreien und zu fluchen.
Als dann endlich alle Pferde geputzt und versorgt im Stall standen und Buffy glaubte, ihr Tag könne nicht noch schlimmer werden, fiel sie bald aus allen Wolken, als sie sah, dass die Boxen, die Spikes Pferde bezogen hatten, leer waren.
"Wo ist er?" knurrte sie die den Stallgang fegende Dawn an.
"Auf der Weide", erwiderte Dawn vergnügt. "Du hättest sehen sollen wie die beiden sich gefreut haben. Sie haben sich um Gras gewälzt und sind durch die Gegend gesprungen…"
Buffy hörte ihr nicht länger zu, sondern stürmte durch den Stall zum Hinterausgang.
"Riley hat ihm schon gesagt, dass du garantiert etwas dagegen hast", trällerte Dawn noch in ihrem Rücken, doch Buffy war schon zur Tür hinaus.
Und blieb erst einmal wie angewurzelt stehen.
Spike stand neben Riley, der zu Buffys Entsetzen ebenfalls eine Zigarette rauchte. Doch das war nicht alles.
Vor den Beiden verlief ein exakt gespannter weißer Weidezaun, der eine Fläche von ca. einem Hektar doppelt umschloss. Der Zaun und auch die Plastikpfähle waren Buffy unbekannt und sie nahm an, dass Spike die vergangen Stunden genutzt hatte, um all das Zeug zu kaufen und zu verarbeiten.
Zornesröte trat in ihr Gesicht, als sie sah, dass mitten auf der Weide die beiden Westernpferde standen und gemütlich grasten.
In diesem Moment hob Riley den Kopf, bemerkte Buffy und sagte ein paar Worte in Spikes Richtung, die Buffy nicht verstand. Spike drehte ebenfalls den Kopf und grinste schief, während Riley schleunigst das Weite suchte.
"Das ist ja wohl die Höhe!" kreischte sie, nachdem sie den Feldweg vom Stall hinunter zu den Weiden gestürmt war. "Ich werde nicht zulassen, dass du den Hengst frei auf der Weide stehen lässt! Irgendeine meiner Stuten ist immer rossig! Ich werde nicht zulassen, dass hier irgendein Unfall passiert. Und wenn ich einen Tierarzt hole und das Vieh kastrieren lasse!"
Eigentlich reichte es schon, dass sie Damaron als Vieh bezeichnete. Aber dass sie Damaron und kastrieren in einem Satz aussprach, brachte das Fass zum Überlaufen.
Damaron war ein sehr gefragter Deckhengst, sehr gut erzogen und lammfromm.
Dass diese unmögliche Person mit ihrer durchgeknallten Stute seinen Lieblingshengst als Vieh bezeichnete, war mehr als Spike ertragen konnte.
"Wenn du nicht Joyce Tochter wärst", schrie er ihr ins Gesicht, "würde ich dich in genau diesem Moment feuern! Ich wundere mich, dass überhaupt noch irgendjemand aus diesem Ort den Hof betritt und Geld dafür bezahlt, von dir angeschrieen zu werden. Wenn ich dich auch nur ein einziges Mal in der Nähe meines Pferdes sehe, wirst du mich richtig kennen lernen!"
Buffy stemmte die Hände in die Hüften. "Du kannst einen Hengst nicht hinter diesen lächerlichen Stricken halten!"
"Ich habe mein Leben lang Hengste gehalten und ausgebildet!" fauchte er. "Ich weiß, was ich kann und was nicht! Pass lieber auf, dass deine Stuten nicht über den Zaun zu ihm rein springen!"
"Meine Stuten", giftete sie zurück, "würden lieber zu einem Haflinger gehen, als deinen hässlichen Hengst auch nur eines Blickes zu würdigen!"
"Ha!" Spike beugte sich zu ihr. "Das sieht mir gar nicht so aus!" Und er deutete mit den Augen zu den Paddocks. "Zumindest eine findet interessant, was hier passiert."
Buffy folgte seinem Blick und biss die Zähne zusammen, als sie ihre verräterische Stute entdeckte, die neugierig in Richtung Weide blickte. "Sie steht heute etwas neben sich!" zischte sie, drehte sich wutentbrannt um und stiefelte zum Stall zurück.
Spike war gleich darauf an ihrer Seite. "Es wird sich hier einiges ändern müssen, Luv. Vor allem an der Pferdehaltung. Ich werde morgen damit anfangen, die restlichen Weidezäune wieder aufzubauen. Ein Pferd ist kein Tier, das man den ganzen Tag in den Stall stellt. Das ist ungesund. Und außerdem viel zu arbeitsaufwendig. Außerdem brauche ich einen Round Pen."
Es würde damit enden, dass sie ihn erwürgte.
Buffy ignorierte ihn, weil sie für den heutigen Tag eindeutig genug von ihm hatte. Und bei dem Gedanken, ihn die nächsten Wochen oder gar Monate zu ertragen, wurde ihr schlecht.
"Außerdem wäre es von Vorteil, eine freundliche Reitlehrerin vorweisen zu können", fuhr er sarkastisch fort, ohne ihre versteinerte Miene zu beachten. "Reitlehrer und Pferdehaltung sind das Aushängeschild jedes Hofes. Natürlich auch die Qualität der Pferde, aber das scheint ja das einzige zu sein, was hier stimmt."
Sie würde ihn erwürgen. Wenn nicht heute, dann spätestens morgen. Jetzt zumindest reichte es ihr.
Die Pferde waren gefüttert, die Sonne würde bald unter gehen und Buffy war der Meinung, dass es jetzt ihr gutes Recht war, sich in ihre kleine Wohnung zurück zu ziehen, einzuschließen, ein heißes Bad zu nehmen und dabei eine Flasche Rotwein zu trinken.
Um diesen scheußlichen Tag zu vergessen.
Vielleicht wunderte Spike ihre plötzliche Stille, doch es war ihr egal. So egal, dass sie ihn, ohne ein Wort des Abschieds, stehen ließ, zu ihrer Wohnung stürzte und die Tür hinter sich zu knallte.
**********************
Eine Woche später war Buffy der Meinung, dass sie wahrscheinlich den Rest ihres Lebens in einem Zustand des Zorns verbringen und dann an einem Herzinfarkt sterben oder im günstigsten Fall mit einem Magengeschwür enden würde.
Spike machte ihr das Leben zur Hölle. Fand sie.
Ihre Mutter und - wie war es anders zu erwarten - Dawn fanden den Eifer, mit dem er sich in die Arbeit stürzte und die neuen Ideen, die er hatte, einfach nur fantastisch.
In der ersten Nacht auf dem Hof hatte er sich alle Geschäftsunterlagen angesehen und Buffy am nächsten Tag eine Liste mit den Namen aller Reitschüler in die Hand gedrückt.
"Lern ihre Namen", hatte er gesagt. "Das dürfte selbst für eine Blondine nicht zu schwer sein."
Buffy war wieder einmal ausgerastet, hatte ihm irgendetwas in der Richtung, er solle lieber selbst mal in den Spiegel schauen, ehe er sich über ihre Haarfarbe aufrege, geschrieen.
Als nächstes hatte er mit den fünf Besitzern der Pensionspferde telefoniert, sich diesen als neuer Teilhaber des Hofes vorgestellt und sie zu einem kleinen gemütlichen Gespräch eingeladen.
Buffy wollte es nicht glauben, aber er hatte es sogar geschafft, Cordelia Chase zu überreden aufzutauchen. Es war eine Weile her, dass Buffy die schlanke dunkelhaarige Frau gesehen hatte und wenn nicht die monatlichen Zahlungen für ihr Pferd pünktlich eingegangen wären, hätte sie schon an ein plötzliches Verschwinden der Dame geglaubt.
Aber sie kamen alle fünf. Cordelia, der immer etwas trottelig wirkende Xander, die schüchterne rothaarige Willow, die eine genau so schüchterne Araberstute ihr eigen nannte, Tara, die Besitzerin des Souvenirladens in Sunnydale und Anya Jenkins, die den einzigen Erotikshop Sunnydals ihr eigen nannte.
Buffy hatte sich gewünscht und darum gebetet, dass die sonst so permanent nörgelnden Pferdebesitzer endlich einmal ihren Frust an dem grinsenden Spike ausließen. Leider musste sich Buffy den Vortrag ebenso anhören wie die Pferdebesitzer und konnte so deren Reaktionen auf den unmöglichen Cowboy verfolgen.
Dummerweise fanden die Spike nicht unmöglich und Buffy kam wieder einmal zu der Ansicht, dass es keinen Gott geben konnte. So oft wie sie gebetet hatte…
Spike lehnte in seinem Lieblingsoutfit – vielleicht besaß er ja auch nur ein Paar Kleidung – nämlich ganz in schwarz, Jeans und Shirt, am Schreibtisch und erläuterte den ihn mit großen Augen anschauenden Menschen, wie er sich die Zusammenarbeit in den nächsten Jahren vorstellte.
Und nicht einmal Cordelia, die wieder ein sicherlich sündhaft teures Kleid irgendeines Modedesigners trug, störte sich an Spikes Modegeschmack, sondern verfolgte recht interessiert seinen Ausführungen.
Willow kritzelte mit rotem Gesicht auf ihrem Block, während Anya Spike schon mit Blicken auszog. Das war an sich nichts Ungewöhnliches. Anya zog jeden gut aussehenden Mann mit Blicken aus.
Halt. Hatte sie da etwa gut aussehend gedacht?
Das musste ein kurzer Anfall von geistiger Umnachtung gewesen sein. Jedenfalls hatten Anyas Augen an Spike geklebt und Buffy hatte genau erkennen können wie verführerisch die junge Frau lächelte, wenn sich ihre Blicke mit denen von Spike kreuzten.
Spike wollte auch an der Höhe der zu zahlenden Pensionen für die Pferde nichts ändern. Aber er erklärte den fünf Menschen die Grundzüge einer artgerechten Pferdehaltung, die Weidegang und die tägliche Bewegung einschlossen. Er wies auf die Gefahr von Verletzungen hin, wenn Pferde gemeinsam eine Weide nutzten und stellte es den fünf Personen frei, ob sie das Risiko eingehen oder die Pferde auch weiterhin im Stall halten wollten.
Zu Buffys Entsetzen fanden alle fünf den Gedanken, ihre Pferde auf der grünen Wiese zu sehen, wunderbar. Und das, obwohl bisher keiner der fünf die Weide, die sie den Pensionspferden zugewiesen hatte, nutzte.
Die schüchterne Willow hatte sich wie ein Schulmädchen gemeldet und leise gesagt, dass es ihr nicht möglich wäre, das Pferd auf die Weide zu schaffen, weil sie den ganzen Tag arbeiten musste. Das traf auf alle zu, aber Buffy hatte es bisher einfach nicht gekümmert.
Spike hatte Willow beruhigt und gemeint, das gehöre seiner Meinung nach in einem guten Stall zur Versorgung der Pferde dazu.
Gleich darauf fragte Willow weiter, ob auch ein zweiter Reitlehrer eingestellt werden würde, da sie gerne Unterricht nehmen würde, es ihr aber nicht gefiel, in einer Abteilung zusammen mit Kindern zu reiten.
"Wir könnten Einzelreitstunden anbieten", hatte Spikes Antwort Buffy geschockt. "Die natürlich teurer sind, als Gruppenreitstunden."
Jedenfalls waren die fünf mit dem frischen Wind, der plötzlich auf dem Hof herrschte, vollauf zufrieden.
Den Rest der Woche verbrachte Buffy damit, die vielen Pferde vom Stall zur Weide und wieder zurück zu führen, um diese an das Grünfutter zu gewöhnen. Der ganze Stress zehrte ebenso an ihren Kräften wie auch Nerven.
Sie hätte heulen können, als ihre schöne weiße Stute im Gras umfiel, sich wälzte und mit lauter grünen Flecken, die jeglichem Waschen trotzten, wieder aufstand.
Wenn sie nicht das tat, stand sie auf dem Reitplatz und benötigte ihre gesamte Selbstbeherrschung, um den am Zaun herum lungernden Spike zu ignorieren, der sich sofort einmischte, wenn sie seiner Meinung nach zu unhöflich wurde.
Und zum Reiten, ihrer einzigen Hobby, bei dem sie wahre Entspannung fand und ihre blanken Nerven hätte beruhigen können, war sie kaum gekommen.
Am Freitag Abend war sie so fertig, dass sie zum ersten Mal seit langer Zeit, Faith anrief und sagte, sie würde heute nicht mit ins Bronze gehen, sondern einfach nur in ihr Bett fallen. Faith reagierte verwundert und verständnislos, aber Buffy hatte nicht einmal noch Lust, ihr ihre Beweggründe zu erklären, sondern vertröstete sie auf den nächsten Tag.
Dann fiel sie in ihr Bett. Nachdem sie mit einer Flasche Rotwein versucht hatte, die scheußliche Woche zu vergessen.
Doch nicht einmal auf den Alkohol war noch Verlass…
*****************
Buffy begann, Spike zu hassen.
Auch wenn sie zugeben musste, dass die Veränderungen und Investitionen auf dem Hof begannen, sich herum zu sprechen, und es jetzt wiederholt Anfragen nach Privatreitstunden und Stellplätzen für Pferde gab.
Doch nach einem Monat reichte es allein, seine Stimme zu hören, um ihren Blutdruck in die Höhe zu treiben.
Zum Glück hörte sie seine Stimme im Moment nicht, sondern durchquerte den sie immer noch beunruhigenden leeren Stall, schnappte sich einen Strick und ging in Richtung Weiden.
Euphrosyne teilte sich ihre Weide mit den anderen Stuten, während Spike Pepper einfach zu seinen Westernpferden gestellt hatte. Obwohl Buffy Pepper nicht mochte, wäre sie wie eine Furie auf Spike losgegangen, wenn er ihren armen Wallach zu dem Hengst gesperrt hätte und sie in der Nähe gewesen wäre.
So wurde ihr aller Wind aus den Segeln genommen, als sie schockiert auf die Weide starrte, gerade anfangen wollte zu toben, dann aber sah, dass gar nichts passiert war, sondern die drei Pferde friedlich nebeneinander grasten.
Fluchend stampfte sie den langen Weg hinunter zur Weide. Euphrosyne stand am anderen Ende der Wiese und Buffy fluchte wieder. Sie hatte einmal beobachtete, dass Spike seine Pferde nur mit einem Pfiff rief, war aber zu stolz, ihn zu fragen wie er ihnen das beigebracht hatte.
Euphrosyne war nicht zu bewegen, ihr einen Schritt entgegen zu kommen und deshalb benötigte Buffy noch einmal eine Viertelstunde, ehe sie die Stute endlich im Stall hatte.
Ihre schönen glänzenden Lederstiefel glänzten nun nicht mehr, sondern sahen aus, als wäre sie mit ihnen durch die Wüste Gobi gewandert und Euphrosynes weißes Fell hatte einen netten Grünstich.
"Du solltest wenigstens den Anstand haben und dich nicht wälzen", erklärte Buffy der Stute, als sie sie im Hof anhängte. "Du siehst scheußlich aus."
Sie holte Sattel und Zaumzeug, verbrachte dann nochmals eine halbe Stunde damit, ihren Lederstiefeln wieder einen schönen Glanz zu verleihen und wenigstens einen Teil des Grüns aus Euphrosynes Fell zu entfernen.
Allerdings brachte sie es auch nicht übers Herz, ihre Stute allein im Stall zu lassen, um nicht immer so viel Zeit zu verbringen, bevor sie endlich reiten konnte.
Ein Blick zur Uhr sagte ihr, dass in einer Stunde schon wieder Willow Rosenberg zu ihrer Privatreitstunde aufkreuzen würde und sie schnappte sich schnell Euphrosynes Zügel, um endlich auch zum Reiten zu kommen.
Vielleicht war es ein Glück, dass sie Spike heute noch gar nicht zu Gesicht bekommen hatte und endlich einmal wieder die herrliche Ruhe auf dem Hof genießen konnte. Selbst Euphrosyne schien heute blendender Laune zu sein und Buffy fühlte Stolz in sich aufsteigen, als sie spürte wie die Stute sich unter ihr versammelte.
Spike war mit sich selbst und den Dingen, die er bisher durchgesetzt hatte,
vollauf zufrieden. Sein Vater hatte den Partnerschaftsvertrag aufgesetzt und an
Joyce geschickt. Diese ließ ihn im Moment von ihrem eigenen Anwalt prüfen.
Joyce war wirklich eine der nettesten Personen, die er je getroffen hatte und schien ihn genau so ins Herz geschlossen zu haben. Seit vierzehn Tagen ließ sie auch keine Ausrede mehr gelten und verlangte, dass er mit ihnen zu Abend aß.
Das entfachte eine Diskussion zwischen Buffy und ihrer Mutter, bei der sich Joyce jedoch durchsetzte und Spike sich mit einer ihn wütend über den Tisch anfunkelnden Buffy abfinden musste. Joyce und Dawn entschädigten ihn jedoch für Buffys mörderische Blicke und gehässigen Bemerkungen.
Schließlich hatte er ein dickes Fell. Schon immer gehabt. Ein paar Blicke brachten ihn so schnell nicht aus der Ruhe.
Jetzt jedoch wollte er auf einem ruhigen Geländeritt auch einmal ein wenig. Als er den Hof betrat, fiel sein Blick sofort auf den Schimmel im Sand des Reitplatzes und er verlangsamte seine Schritte etwas. Es passierte nicht oft, dass er Buffy reiten sehen konnte und er wollte sich auch nicht anmerken lassen, dass er neugierig in ihre Richtung schielte.
Die Schimmelstute und Buffy bildeten eine so harmonische Einheit wie es ihm bei noch keinem Reiter im klassischen Stil aufgefallen war. Sie schienen miteinander zu verschmelzen und sich zu bewegen, als würden sie sich in Gedanken verständigen.
Die klassische Reitweise war ihm immer etwas verkrampft und steif vorgekommen und Buffys Gesichtsausdruck erschien ihm auch alles andere als locker, aber wie sie in den Bewegungen des Pferdes mitschwang und das Pferd die Beine bewegte, gefiel ihm. Das würde er ihr natürlich nie sagen. Allein ihr überheblicher Gesichtsausdruck reichte, um das harmonischer Bild wieder zu verwischen. Aber zumindest schaute die Stute genau so arrogant in die Welt. Fand er jedenfalls.
Buffy war natürlich aufgefallen, wer da über den Hof lief und sie fluchte leise, als Spike stehen blieb und dann langsam in ihre Richtung gelaufen kam.
"Verschone mich mit deiner Anwesenheit!" fauchte sie, als sie an dem Teil des Zauns vorbei ritt, gegen den er sich gerade lehnte.
Spike grinste sein typisches Grinsen, holte ein zerknautschtes Päckchen Zigaretten aus seiner Hosentasche und zündete sich eine an. "Hast du einen Stock verschluckt?" erkundigte er sich amüsiert.
"Verpiss dich!" entgegnete Buffy hochmütig. "Scher dich zu deinem Schlurfgaul und lass mich zufrieden."
Spike blies grinsend den Rauch in die Luft. "Das sieht nicht sonderlich bequem aus, was du da machst. Wie lange hast du an den Stiefeln poliert?"
Buffy beschloss, ihn zu ignorieren. Solange sie auf einem Pferd saß, konnte er sie weder nervös machen, noch aus dem Konzept bringen.
Buffy, was denkst du für einen Scheiß. Das kann er auch so nicht!
Als würde Euphrosyne ahnen, dass jetzt etwas Besonderes von ihr erwartet wurde, lief sie zu Hochform auf. In dieser Beziehung konnte sich Buffy auf ihr Pferd verlassen. Euphrosyne hatte außerordentliche Gänge und wenn es darauf ankam, präsentierte sie sich noch einmal so spektakulär.
Spike behielt sein Grinsen bei. Auch als Euphrosyne in einem Mitteltrab durch die Bahn geschwebt kam, der selbst für ein Dressurpferd außergewöhnlich war.
Er wusste genau, warum Buffy von seinen Pferden behauptete, sie würden schlurfen, denn das Gangwerk eines Quarter Horse ließ sich nicht mit einem Dressurpferd vergleichen. Wie auch, wenn ein Quarter Horse, oder genau genommen jedes Westerpferd, für die Rancharbeit gezüchtet worden war und für Menschen, die den ganzen Tag im Sattel verbringen mussten, bequem zu sitzen sein sollte.
Buffy saß zwar wie angeschweißt im Sattel, aber er bezweifelte, dass sie den Wurf der Stute stundenlang aussitzen konnte.
Trotzdem war es ohne Zweifel sehenswert. Ein wenig kannte sich Spike in den klassischen Dressurdisziplinen aus. Ein wenig. Und obwohl er es eigentlich nicht vorhatte, blieb er weiterhin stehen und sah den beiden zu.
Buffy versammelte die Stute jetzt wieder etwas und verkürzte damit auch die Gänge. Dadurch wurde das Pferd im Kopf höher und bewegte sich fast noch stolzer und erhabener.
Spikes skeptischer Blick wanderte zu Buffys Händen. Entgegen der Westernreitweise hingen ihre Zügel nicht durch und er fragte sich, wie viel Gewicht sie im Moment auf ihren Händen haben mochte. Ihm war schon mehr als einmal aufgefallen, dass klassische Reiter mehr oder weniger darum kämpften, gerade sitzen zu bleiben, weil sie gegen das Pferd kämpfen mussten, das voll am Zügel zerrte.
Bei Buffy hatte er das Gefühl nicht, es sah eher so aus, als würde sie mit den federleicht anstehenden Zügeln spielen. Genau so federleicht führte sie das Pferd in die Seitengänge und ließ es im Zickzack über den Platz traversieren.
Nett, dachte er vergnügt und schüttelte belustigt den Kopf, als sie ihm einen kurzen Blick zuwarf und mit einem überheblichen Verziehen der Lippen kurz die Augenbrauen hob.
Er zog an seiner Zigarette und lies sie nicht aus den Augen. Es waren auch kaum Hilfen zu erkennen, die sie dem Pferd gab, und es hätte ihn interessiert, wie alt die Stute war. Natürlich würde er das nicht fragen, es stand ja an der Boxentür, er brauchte nachher nur einmal auf dem Schild nachzulesen.
Aber so arrogant wie Buffy auch war, genau so engagiert arbeitete sie hier im Viereck. Sie gab kein Mittelmaß, sie gab alles, was sie hatte. Und die Stute ebenso. Schaum stand vor ihrem Maul und der Hals glänzte nass durch den Schweiß, der sich durch die Anstrengung gebildet hatte.
Es überraschte Spike nicht zu sehen, dass das Pferd so gut ging. Er wusste durch seinen Vater, dass die Summers jahrelang erfolgreich im Dressursport vertreten waren. Nur in den letzten Jahren, er nahm an, dass ihnen einfach das Geld fehlte, hatte ihr Name in den Teilnehmerlisten der größten Turniere gefehlt.
Buffy ließ Euphrosyne gerade die lange Seite entlang passagieren und Spike verkniff sich sein Grinsen, als er bemerkte, dass Buffy für einen Moment ihren arroganten Gesichtsausdruck vergaß - ihn sicherlich ebenso - und sich einfach nur auf das Zusammenspiel mit dem Pferd konzentrierte.
Die Passage ging in die Piaffe über, den Trab auf der Stelle, und eine der Glanzleistungen der klassischen Dressur. Euphrosyne piaffierte, als würde ihr Leben davon abhängen und Spike vergaß sogar, an seiner Zigarette zu ziehen, als er zusah, mit welcher Eleganz die schöne Stute auf der Stelle trabte.
Dann stoppte sie und Buffy klopfte der Stute begeistert den Hals, ehe sie die Zügel frei gab und damit dem Pferd die Möglichkeit, sich nach der Anstrengung ausgiebig zu strecken.
Erst dann fiel ihr wahrscheinlich ein, dass sie noch immer einen Zuschauer hatte und ihre gerade noch freundliche Miene verfinsterte sich.
Sie ließ Euphrosyne im Schritt gehen, damit die Stute wieder eine normale Atem- und Pulsfrequenz erreichte und warf Spike einen bösen Blick zu. "Die Show genossen?!"
Spike warf die Zigarette zu Boden und trat sie aus. "Welche Show?" fragte er spöttisch. "Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass dieser verkrampfte Scheiß Spaß macht."
Damit drehte er sich um und ging.
Buffy lachte laut und rief ihm nach. "Ich würde deine Gammelei auch nicht als Sport bezeichnen!"
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"Dawn?! Was bitte genau wird das?!"
Buffy starrte entsetzt auf ihre Schwester, die den großen schweren Westernsattel von der Halterung in der Sattelkammer wuchtete.
Dawn wich ihrem Blick fast verlegen aus. "Spike hat gesagt, ich darf mich mal auf Donar setzen", antwortete sie leise.
"WIE BITTE?!" schrie Buffy auf. "Wo ist dieses hinterhältige Westernarschloch?!" Wutentbrannt stürzte sie aus dem Stall auf den Hof. "SPIKE!"
Spike, der gerade mit einer Bürste den gröbsten Dreck aus Donars Fell entfernte, hatte ihren empörten Aufschrei schon gehört und warf einen genervten Blick in Richtung Himmel. Er kam gar nicht dazu, etwas zu sagen, da war sie schon bei ihm und spießt ihm den Zeigefinger in die Brust.
"Du kannst dich vielleicht bei all den anderen Leuten einschleimen, du blöder Spinner!" kreischte sie. "Aber meine Schwester wird sich niemals auf ein Westernpferd setzen und sich das bisschen Sitz, das sie hat, versauen!"
Spike starrte mit einem indignierten Blick auf die zierliche Furie vor ihm. "Solltest du die Entscheidung darüber nicht Dawn überlassen, Luv?"
"Wie oft soll ich dir noch sagen, dass ich BUFFY heiße!"
Ihre Stimme überschlug sich fast, doch bei Spike kam das überhaupt nicht an. Er verzog nur spöttisch die Lippen. "Buffy ist ein dämlicher Name."
"Glaubst du vielleicht, Spike ist besser, du gebleichter Idiot!?" tobte sie weiter und fuhr zu Dawn herum, die mit dem Sattel im Arm aus dem Stall getreten war. "Du wirst dich nicht auf dieses Pferd setzen, Dawnie. Wenn du auf irgendein Pferd steigst, dann auf ein richtiges und nicht auf so einen…so einen…"
Spike hob fragend die Augenbrauen.
"…Büffel!" stieß Buffy hervor.
Dawns Blick wanderte hilfesuchend zu Spike. Dieser seufzte. Das würde gleich in einem handfesten Familienkrach enden. "Du kannst es ihr nicht verbieten", sagte er ruhig.
"Das ist alles auf deinem Mist gewachsen!" fauchte Buffy zornig und stieß ihm die Hand vor die Brust. "Erst wickelst du meine Mom um deinen Finger, jetzt nutzt du noch aus, dass Dawn für dich schwärmt! Willst du die anderen Reitstunden vielleicht auch gleich noch übernehmen?!"
Dawn war puterrot geworden. "Das stimmt nicht", piepste sie.
Spike schob Buffy einfach zur Seite und nahm Dawn endlich den schweren Sattel ab. Natürlich war ihm klar, dass die jüngste Summers ein wenig für ihn schwärmte, aber er hatte auch gesehen wie unglücklich verkrampft sie in dieser einen Reitstunde bei seiner Ankunft auf der Stute gesessen hatte.
Seit dem Tag war sie noch nicht wieder dazu zu bewegen gewesen, auf einen Pferderücken zu steigen und Spike war der Meinung, dass Buffy den Mut, den ihre Schwester jetzt aufbrachte, unterstützen und nicht ablehnen sollte.
"Lass es sie doch einfach versuchen", sagte er deshalb, noch immer ruhig, und sattelte Donar.
"NEIN!" kreischte Buffy. "Dawn hat einen fürchterlichen Sitz und sie jetzt eines deiner blöden Pferde zu setzen, macht die ganze Sache noch schlimmer! Du wirst alles verderben, was sie mühsam gelernt hat! Auch wenn das nicht sonderlich viel ist!"
Spike schnallte gerade den Sattel fest und hörte Dawn nur noch aufschluchzen. Ehe er reagieren konnte, hatte sich der Teenager umgedreht und stürzte zurück in den Stall. Er sah nur noch die Tränen in Dawns Gesicht und fuhr zu Buffy herum, die ihn mit herausfordernd angehobenem Kinn anfunkelte.
"Soll ich dir mal was sagen, Buffy?" begann er gefährlich leise. "Du bist die unmöglichste arroganteste dümmste Pute, die mir je begegnet ist. Ich werde jetzt da rein gehen…" Seine Hand wies auf den Stall, in dem Dawn verschwunden war. "…den Krümel raus holen und wenn du noch auf dem Hof bist, wenn ich wiederkomme, werde ich eigenhändig dafür sorgen, dass du in der nächsten Stunde andere Problem hast, als deine Schwester zur Ratte zu machen!"
Er meinte das todernst. Das wurde Buffy in dem Augenblick klar, als sie den mörderischen Ausdruck in seinen jetzt eisig blauen Augen sah.
"Ich hasse dich!" stieß sie hervor, weil ihr einfach kein besseres Argument einfiel.
"Ich mag dich auch nicht!" knurrte er zurück.
"Ich will, dass du endlich wieder verschwindest!"
"Je unmöglicher du dich benimmst, umso länger werde ich bleiben!" fauchte er sie an. "Weil ich damit rechnen musst, dass du alles, was ich erreicht habe, durch deine überhebliche Art wieder zerstörst!"
Buffy stemmte die Hände in die Hüften. "Wir brauchen keinen besserwisserischen Cowboy! Wir wären auch weiterhin allein klar gekommen!"
"Ha!" Spike lachte ihr ins Gesicht. "Ihr hättet in spätestens zwei Monaten, nämlich dann, wenn die Kreditraten fällig geworden wären, Konkurs anmelden müssen. Keine Wohnung, Luv, keine Pferde, nichts!"
"Das ist nicht wahr!" schrie ihn Buffy an.
"Du solltest mir dankbar sein!"
"Du spinnst wohl!"
Spike lächelte schwach, beugte sich zu ihr und sagte leise. "Du kannst wirklich froh sein, dass du deine fantastische Mom hast. Wäre sie nicht gewesen, ich wäre an diesem ersten Tag wieder verschwunden. Du hast es nicht verdient, von jemandem Hilfe zu bekommen."
Buffys Unterlippe zitterte, aber das war auch alles, was er an Reaktion erzielte. Ihre grünen Augen sprühten noch immer Funken und die Hände hatten sich zu Fäusten geballt.
In einer anderen Situation, in einem anderen Moment hätte ihre Kampfbereitschaft und ihr Feuer Spike gereizt.
Im Augenblick war er so wütend auf sie, dass er ihr wirklich liebend gern den Hintern versohlt hätte. Aber so, dass sie nicht nur die nächste Stunde beschäftigt wäre, ihn zu kühlen.
Ohne ein weiteres Wort drehte er sich um und folgte Dawn in den Stall.
Buffy starrte ihm nach und weigerte sich, den Stich zu fühlen, den ihr seine Worte versetzt hatten. Du hast es nicht verdient…
Idiot, dachte sie böse, aber sie war nicht lebensmüde genug, abzuwarten, ob und vor allem wie er seine Drohung wahr zu machen gedachte.
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"Okay, Dawn", sagte Spike ruhig und hielt Donar fest, so dass Dawn aufsteigen konnte.
Es hatte fast eine Viertelstunde gedauert, ehe er die junge Dawn überreden konnte, wieder aus dem Stall zu kommen und sie davon überzeugt hatte, dass Buffy keine Gefahr mehr darstellte.
Nachdem er Donar einen gebisslosen Zaum, ein Bosal, verpasst hatte – schließlich wollte er nicht, dass sich Dawn zuviel in seinem Maul festhielt - führte er den Wallach in Richtung des Reitplatzes.
Dawn lächelte schüchtern, als sie auf das Pferd stieg. "Buffy hat Recht. Ich reite total schlecht", murmelte sie leise.
"Mach dir keine Sorgen", beruhigte Spike sie. "Donar ist ein Gemütspferd und übertreiben wollen wir ja auch nichts."
Dawn nickte gewissenhaft. Sie sah mit dem Reithelm noch jünger aus, als sie war. Spike bedauerte, dass der Round Pen noch nicht fertig war und Dawn deshalb jetzt versuchen musste, das Pferd auf der Außenbahn zu halten. Aber er vertraute Donar, der zwar sensibel auf alle Hilfen reagierte, aber auf falsche oder fehlerhafte nicht gleich dermaßen mürrisch, wie sein Hengst Damaron.
"Du musst dich jetzt etwas umstellen", begann er seine Erklärungen, als Dawn saß. "Ein Westernpferd wird nur mit minimalen Zügelhilfen geritten. Du kannst die Zügel auch in beide Hände nehmen, ähnlich wie du es von der klassischen Dressur her kennst, aber lass sie durchhängen."
Dawn nickte eifrig, als sie seinen Anweisungen folgte und ihre Hände schlossen sich um die ihrer Meinung nach dicken Stricke, die Spike Zügel nannte.
"Ein Westernpferd reagiert eigentlich auf ähnliche Hilfen wie ein klassisches Pferd, nur dass du sie nur einmal gibst. Dann bleibt das Pferd in der entsprechenden Gangart bis die nächste Hilfe kommt", fuhr Spike fort und lächelte, als sich Donar in Bewegung setzte und langsam im Kreis ging. "Gut", lobte er Dawn. "Um eine Wendung zu reiten, legst du den äußeren Zügel an den Pferdehals. Deshalb sind die Zügel so schwer, damit das Pferd sie spürt, Gleichzeitig legst du den äußeren Schenkel etwas hinter den Gurt. Der innere bleibt ebenfalls am Pferd und übt Druck aus. Probier es."
Dawns Gesichtsausdruck wurde immer konzentrierter. Ihre Wangen hatten vor lauter Eifer eine rote Farbe angenommen, als sie versuchte, Spikes Erklärungen in die Tat umzusetzen. Sie strahlte auf, weil Donar tatsächlich ihren Hilfen folgte.
"Das ist cool", murmelte sie begeistert und Spike musste grinsen.
"Du stoppst das Pferd, indem du dich tief in den Sattel setzt und Whoa sagst."
"Hä?!" Dawns Kopf schoss herum.
"Nicht Hä, Krümel", lächelte er. "Whoa."
Dawn sah sehr ungläubig auf, schaute wieder auf das Pferd und flüsterte. "Whoa."
Donar bremste übergangslos.
"Okay", sagte Spike vergnügt. "Und jetzt trab an. Aber denk daran, du musst ihn nicht permanent treiben. Das irritiert ihn. Gib ihm die Hilfe und dann entspann dich und geh einfach nur in der Bewegung mit. Wenn du das Gleichgewicht verlierst, greif an das Sattelhorn."
Dawn nickte, setzte wieder ihren konzentrierten Gesichtsausdruck auf und ließ Donar antraben. Der Wallach fiel in einen gemütlichen Trab und Dawn hopste auf seinem Rücken auf und ab. "Kann ich nicht Leichttraben?" fragte sie atemlos nach ein paar Runden.
"Nein, nein." Spike schüttelte den Kopf. "Du kannst den Trab noch etwas verlangsamen, so dass er in den Jog fällt. Diese Gangart kann man stundenlang sitzen und sie ist recht bequem."
Spike hatte die Hände in den Taschen seiner schwarzen Jeans vergraben und beobachtete Dawns Versuche, das Westernpferd zu lenken. Er wusste, dass das junge Mädchen erst seit einem Jahr ritt und das nicht regelmäßig, sondern, dass Buffy sie fast gewaltsam auf ein Pferd zwingen musste.
Natürlich hatte sie noch Sitzprobleme, fiel immer wieder nach vorn und balancierte sich am Sattelhorn aus. Aber gerade für eine Anfängerin war der gemütliche Trab eines Westernpferdes bequemer zu sitzen, als der schwungvolle Trab eines Dressurpferdes.
"Möchtest du galoppieren?" fragte er vorsichtshalber, doch er hatte sich umsonst Sorgen gemacht.
"Ja!" antwortete ihm eine begeisterte Dawn, die gerade alle ihre Gliedmaßen wieder ordentlich sammelte und sich aufrecht hinsetzte. "Das ist so cool. Jetzt weiß ich, warum du immer so lässig aussiehst."
Spike verkniff sich mühsam ein Lachen. "Na dann, galoppier an."
Donar war wirklich Gold wert, denn er sprang auf Dawns Galopphilfe sofort an. Allerdings blieb er nur eine halbe Runde im Galopp und fiel wieder in einen schnellen Trab. Dawn kämpfte mit ihrem Gleichgewicht und klammerte sich am Sattelhorn fest.
"Brrr…ich meine Whoa!" stieß sie atemlos hervor, woraufhin Donar stoppte und es Dawn nach vorne warf.
Spike lächelte wieder. "Noch mal. Du musst versuchen, ruhiger zu sitzen. Er reagiert auf deine Gewichtshilfen und interpretiert sie falsch."
Dawn nickte, ehe sie wieder antrabte und dann angaloppierte.
Spike lächelte vergnügt vor sich hin, als er den begeisterten Eifer in Dawns Gesicht sah. Er hatte gar nicht bemerkt, dass Joyce auf den Hof getreten war und drehte erst den Kopf, als er ihre Stimme hörte.
"Dawnie! Du sitzt tatsächlich auf einem Pferd!" rief Joyce überrascht.
"Donar ist echt super", brachte die atemlose Dawn hervor. "Schau mal, ich galoppiere sogar!" Donar sprang in einen langsamen Galopp und diesmal schaffte sie es sogar, ihn eine gesamte Runde darin zu halten. "Und wenn ich sage Whoa…"
Sie hatte das Whoa kaum ausgesprochen, als Donar bremste und Dawn alles verschluckte, was sie sagen wollte, weil sie um ihr Gleichgewicht kämpfte. Trotzdem strahlte sie ihre Mutter an. "Dann hält er einfach an! Das macht viel mehr Spaß, als auf Fantasie!"
Joyce lächelte und sah dann Spike an. "Weiß das Buffy?" fragte sie leise.
Spike fuhr sich durch die kurzen blondierten Haare und verzog das Gesicht. "Wir hatten eine kleine Auseinandersetzung. Ich schätze, ich habe ihr sogar recht lautstark gedroht."
"Kann ich weiter Reitstunden auf Donar nehmen?" mischte sich Dawn ein. "Ich verspreche, ihn auch ganz sauber zu putzen!"
Joyce nickte genau wie Spike. "Buffy hat sehr viel von ihrem Vater", erklärte sie dann. "Sie ist ehrgeizig und stolz. Es würde sie zerstören, wenn wir den Hof tatsächlich verlieren."
Spike presste die Lippen aufeinander. "Sie haben arrogant und überheblich vergessen, Joyce."
Buffys Mutter seufzte. "Hank hat sehr hohe Anforderungen an sie gestellt und sie versuchte immer, ihnen gerecht zu werden. Dass er gegangen ist und sie einfach ihrem Schicksal überlassen hat, hat sie bis heute nicht verwunden."
"Das ist kein Grund für Unfreundlichkeit", widersprach Spike.
"Sie traut Männern nicht", entgegnete Joyce ruhig, während ihre Augen noch immer beobachteten, was Dawn tat. "Sie ist jetzt 25 Jahre alt, Spike, aber kein Mann schaffte es bisher den Panzer, den sie seit Hanks Weggang um sich errichtet hat, zu durchdringen."
Spike wollte das eigentlich gar nicht wissen. Er wollte überhaupt nichts wissen, was ihn vielleicht dazu brachte, über die hochnäsige Buffy nachzudenken. "Es tut mir leid, Joyce", sagte er deshalb. "Ich kann Arroganz auf den Tod nicht ausstehen."
Joyce nickte und rief dann laut. "Dawn, du wirst aber trotzdem weiterhin Reitstunden bei Buffy nehmen."
Dawn verzog das Gesicht, verkniff sich aber jede weitere Bemerkung, weil sie sah, dass es ihre Mutter ernst meinte. Und ehe sie ihr verbot, Donar zu reiten, wollte sie lieber auf diesen Kompromiss eingehen.
„Lass uns tanzen, B.“ Faith zog Buffy mit sich zur Tanzfläche.
Wie jeden Freitag, und Samstag, hatten sie sich im Bronze, der einzigen Disco Sunnydales, getroffen. Buffy brauchte die Abende, in denen sie einfach an etwas anderes denken konnte als an den Hof und die Probleme, die er mit sich brachte. Sie liebte es zu tanzen und auch, wenn Faith nicht unbedingt das war, was sie als ihre beste Freundin bezeichnen würde, so war sie doch nicht allein.
Die Musik nahm sie gefangen. Faith war genau so verrückt nach Tanzen wie sie selbst und wenn sie einmal die Tanzfläche betreten hatte, vergaß sie, dass sie eigentlich mit ihrem Freund Angel da war. Und Faith war manchmal auch genau so überheblich wie Buffy selbst.
„Schau nur“, kicherte die dunkelhaarige Faith in Buffys Ohr. „Deine beiden Pensionäre sind auch wieder da.“
Buffy folgte ihrem Blick und sah die rothaarige Willow neben Xander an einem der Tische sitzen. Sie stöhnte unterdrückt, denn es bedeutete, dass sie den beiden zumindest hallo sagen musste. Schließlich zahlten sie jeden Monat pünktlich Geld auf ihr Konto ein.
Willow sah man selten in dem Club. Xander schon eher, er kam meist in Begleitung seiner beiden Freunde, die Buffy jedoch nicht kannte.
Buffy hatte überhaupt keine Lust, in ihrer freien Zeit sich noch mit den Problemen von Pferdebesitzern zu beschäftigen und ging ihnen meistens aus dem Weg. Die einzige Frau, mit der sie ab und zu ein Wort wechselte, war Anya, die genau wie Buffy ein Stammgast im Bronze war, sich dann aber meist auf Männersuche befand.
Auch heute sah sie die junge Frau an der Bar lehnen und mit einem dunkelhaarigen Mann sprechen.
Faith lachte über Buffys genervten Gesichtsausdruck. „Und du gibst Willow jetzt tatsächlich Einzelreitstunden? Warum sagst du diesem Spike nicht einfach mal die Meinung?“
Buffy knirschte mit den Zähnen. Sie würde natürlich nie zugeben, dass die Einzelreitstunden eine finanziell wirklich erträgliche Sache waren. Auch wenn sie Buffy langweilten.
„Er soll ziemlich heiß sein“, fuhr Faith fort. „Ich habe Anya von ihm schwärmen hören.“
„Phhh“, stieß Buffy hervor. „Wenn du auf gebleichtes Blond und schwarze Klamotten stehst… Außerdem hast du Angel!“
Es ärgerte sie noch immer, dass Faith sich Angel gekrallt hatte, kaum eine Woche, nachdem Buffy die Beziehung zu dem dunkelhaarigen Mann beendete. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Buffy in der anderen Frau tatsächlich so etwas wie eine Freundin gesehen. Doch dass Faith, nachdem sie von Buffy jede Menge über Angel erfahren hatte, es sich trotzdem nicht nehmen ließ, mit dem Mann anzubändeln, verstand Buffy bis heute nicht.
„Gott, B“, schimpfte Faith und warf die langen dunklen Haare zurück. „Angel wird langsam langweilig…Oh mein Gott! Wer ist das?!“ stieß sie dann überrascht hervor.
Buffy drehte sich um, folgte ihrem Blick und dachte, sie träfe der Schlag, als sie durch die Tür die Person ins Bronze treten sah, die sie eigentlich für den Rest ihres Lebens nicht mehr sehen wollte. Spike.
„Ich glaube das nicht!“ fauchte sie aufgebracht. „Was zum Teufel macht dieser Idiot hier?!“
Er trug wieder sein gewöhnliches Outfit. Schwarze Jeans, ein diesmal graues Shirt und seinen geliebten Ledermantel. Allerdings hatte er heute auf die Cowboystiefel verzichtet und trug ein paar schwarze DocMartens. Nach Buffys Meinung war das auch nicht viel besser.
„Wer ist das, B?“ fragte Faith aufgeregt und überlegte wahrscheinlich schon, wie sie Angel heute los werden konnte.
„Das ist Spike“, knurrte Buffy.
Faiths Augen wurden kugelrund. „Das ist Spike? Der Spike?!“ fragte sie fassungslos. „B, der heißeste Typ, den Sunnydale seit Ewigkeiten gesehen hat, wohnt auf deinem Hof und du legst ihn nicht gleich am ersten Abend flach?“
Buffys Augen verengten sich. „Er ist der idiotischste Typ, den Sunnydale seit langem gesehen hat und ich lege Männer nicht so reihenweise flach wie du!“
Faith lachte. „Komm schon, Süße. So ganz unschuldig bist du auch nicht. Ich sage nur – Parker.“
„Parker war… ein Ausrutscher!“
„Ben?“ kicherte Faith.
„Ben war… ein Versehen!“
„Riley?“
Buffy stöhnte auf. Doch sie würde Faith jetzt nicht versuchen darzulegen, dass sie zumindest bei Riley daran geglaubt hatte, so etwas wie eine Beziehung führen zu können. Doch Riley war einfach nur langweilig. Im Bett sowieso und selbst den Rest der Zeit ging er ihr beizeiten auf die Nerven.
Jetzt beobachtete sie, dass Spike an dem Tisch vorbei kam, an dem Xander und Willow saßen, er ein paar Worte mit ihnen wechselte und sich dann tatsächlich an den Tisch setzte. Sie knirschte wieder mit den Zähnen, zwang sich aber gewaltsam, in eine andere Richtung zu schauen. Das würde noch fehlen, dass sie sich den Abend verderben ließ. Nicht, nachdem er ihr schon den Nachmittag verdorben hatte.
Die Wut kochte wieder in ihr hoch, als sie daran dachte wie er ihr gedroht und Dawn dann wirklich auf Donar gesetzt hatte. Sie war in ihre Wohnung geflüchtet, etwas was sie jetzt noch bereute – seit wann flüchtete sie vor irgendwem – und hatte durch das Fenster Dawns Reitstunde beobachtet. Es ärgerte sie tierisch, dass Dawn mit dem Westernpferd besser zurecht zu kommen schien als mit Fantasie. Sie hätte ihre Schwester am liebsten persönlich vom Rücken des Wallachs gezerrt.
Faith dagegen ließ Spike nicht aus den Augen. „Er ist heiß“, stellte sie noch einmal fest. „Und ich wette, er ist im Bett keineswegs langweilig.“
„Das interessiert mich überhaupt nicht!“
„Dich nicht, B“, grinste Faith. „Aber mich.“ Dann verharrte sie mitten in ihrem Tanz. „Gott, was hat denn diese Hure Anya jetzt vor?“
Buffy fluchte laut. „Würdest du vielleicht aufhören, immerzu in die Richtung zu starren.“
„Er schaut auch gerade her“, entgegnete Faith vergnügt.
Buffys Kopf schoss herum. Sie sah einen Spike, der wieder aufgestanden und auf dem Weg zur Bar war, als ihn Anya ansprach. Er lachte über irgendeine Bemerkung, die Anya gemacht hatte und blickte dabei über Anyas Kopf zur Tanzfläche.
Für einen Moment trafen sich ihre Blicke und sie sah wie sich seine Augen einen Moment überrascht weiteten. Wahrscheinlich hatte er nicht erwartet, sie hier zu sehen.
Buffy verzog das Gesicht, drehte den Kopf wieder und warf die langen blonden Haare zurück. Es war völlig egal, ob dieses blondierte Scheusal hier war oder nicht. Den Abend würde er ihr nicht verderben.
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Spike war wirklich mehr als überrascht, Buffy zu sehen. Er schaffte es sogar einen Moment lang nicht mehr, sich auf das zu konzentrieren, was Anya sagte, weil er Buffy einfach nur anstarrte.
Er sah sie eigentlich täglich in diesen engen Reithosen und wusste, dass es an ihrer Figur nichts auszusetzen gab. Was sie allerdings heute trug, übertraf alles, was er erwartet hatte.
Der kurze pinkfarbene Rock war nicht mehr als ein breiter Gürtel und betonte ihre langen schlanken Beine, die in schwarzen Stiefeln steckten. Sie trug ein weißes Top mit schmalen Spaghettiträgern und selbst aus dieser Entfernung war ihm klar, dass sie darunter unmöglich einen BH tragen konnte.
Und als ob allein das nicht reichte, um seinen Mund trocken werden zu lassen, tanzte sie auch noch in einer so aufreizenden Art und Weise, dass ihm seine Hose plötzlich unbehaglich eng wurde. Seine Augen klebten an ihren kreisenden Hüften und als sie die Arme über den Kopf hob und die langen Haare wieder zurück warf, hielt er sogar einen Augenblick lang die Luft an.
Gott, krieg dich ein, Mann, warnte ihn eine Stimme in seinem Kopf. Das ist die unmögliche Person, der du heute Nachmittag noch den Hintern versohlen wolltest.
Plötzlich schien selbst das Hintern versohlen eine erotische Bedeutung zu bekommen und er verfluchte sich selbst für diesen Gedanken.
„Spike?“ störte Anya mit einem verführerischen Augenklimpern seine Gedanken.
„Was?“ Fast gewaltsam riss er seinen Blick von Buffy los und sah die dunkelhaarige Frau an.
„Ich habe mich schon gefragt, wann du das erste Mal hier auftauchst“, wiederholte Anya ihre Worte. „Möchtest du etwas trinken? Es gibt da eine Menge, was ich dir empfehlen könnte.“
Geh mit und hör auf, zur Tanzfläche zur starren! Spike riss seine Augen nun tatsächlich gewaltsam von der tanzenden Buffy los und lächelte Anya an. „Warum nicht.“
Währenddessen verfolgte eine plötzlich zu Hochform aufgelaufenen Faith von der Tanzfläche aus wie Spike Anya an die Bar folgte. „B? Stellst du mich ihm vor?“
„Bist du jetzt komplett übergeschnappt?!“ fragte Buffy erbost.
Faith lachte mit funkelnden Augen. „Hab ich mir gedacht. Muss ich das wohl selbst in die Hand nehmen. Ehe ihn Anya in der nächsten Ecke vernascht. Du entschuldigst mich doch?“
Buffy glaubte sich in einen schlechten Film versetzt, als Faith sie einfach mitten auf der Tanzfläche stehen ließ und mit schwingenden Hüften den Weg zur Bar einschlug.
„Ich glaube das nicht“, murmelte sie zu sich selbst, verließ die Tanzfläche aber in die entgegengesetzte Richtung.
Um kurz darauf in einen recht zornig schauenden Angel zu laufen.
„Gott“, schimpfte sie. „Kannst du nicht aufpassen, wo du hinläufst?“
„Wo ist sie hin?“ erkundigte sich Angel zornig.
Buffy fragte sich zum wiederholten Mal, was sie an diesem Mann gefunden hatte. Er war groß, massig gebaut und manchmal schauten seine braunen Augen mit einem solchen Dackelblick, dass ihr einfach nur schlecht wurde. Heute allerdings nicht. Heute sah er sogar recht wütend aus. Und wenn er wütend war, konnte es leicht passieren, dass er einfach ausrastete. Das wusste Buffy nur zu gut.
„Weiß ich doch nicht“, brummte sie mürrisch und wollte an ihm vorbei gehen. Angels Hand schoss vor und hielt sie an der Schulter fest.
„Wenn das wieder so eine Tour ist, um mich eifersüchtig zu machen…“, sagte er langsam und drohend.
Buffy verzog das Gesicht. „Klär das mit Faith und lass mich in Frieden!“ Sie hatte wirklich keine Lust, sich mit einem wütenden Angel anzulegen.
Angels Blick wanderte über Buffys Schulter und über die Tanzfläche. „Dieses verdammte Miststück!“ stieß er hervor und stürzte an Buffy vorbei.
Buffy drehte sich um und stöhnte unterdrückt auf, als sie sah, dass es Faith schon einmal geschafft hatte, Spike anzusprechen und nun damit beschäftigt war, seine Aufmerksamkeit von Anya auf sich selbst zu lenken.
Sie überlegte, ob sie einfach verschwinden sollte. Vor allem, weil sie ahnte, dass ein zorniger Angel gleich für eine wunderschöne Auseinandersetzung sorgen würde. Aber der Gedanke, dass Angel sich vielleicht mit Spike prügeln könnte, gefiel ihr ausgesprochen gut. Spike sah schließlich nicht so aus, als hätte er gegen den massigen Angel wirklich eine Chance.
Gelangweilt schlenderte sie um die Tanzfläche herum bis zu dem Tisch, an dem noch immer Willow und Xander saßen.
„Hallo“, begrüßte sie die beiden und quälte ein Lächeln auf ihre Lippen.
„Hallo.“ Willow strahlte sie an. „Möchtest du dich zu uns setzen, Buffy?“
Der Rotschopf war immer so freundlich, selbst wenn Buffy in ihrer Reitstunde die erzwungene Höflichkeit wieder einmal vergaß, und einen Moment spürte sie ein warmes Gefühl in sich aufsteigen.
Unbehaglich sah sie auf Xander, der ebenfalls lächelte und dann zurück zur Bar. Menschen, die immer nur freundlich waren, verursachten in Buffy ein misstrauisches Gefühl, weil sie nicht daran glaubte, dass so etwas ehrlich war. Doch wenn sie jetzt in Willows Augen schaute, sah sie darin weder Falschheit noch Vortäuschung, sondern einfach nur eine Frage. Möchtest du dich zu uns setzen?
Sie zuckte mit den Schultern. „Warum nicht?“
In diesem Moment lenkte der Lärm an der Bar ihre Aufmerksamkeit von Xander und Willow ab, denn Angel hatte die Bar erreicht.
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Spike drehte sich erstaunt um, als ihn eine Hand auf die Schulter tippte und eine zornige Stimme fauchte.
„Lass gefälligst deine Finger von meiner Freundin!“
Er runzelte die Stirn, als sein Blick auf den breitschultrigen Mann mit den dunklen Haaren fiel, dessen Gesicht vor Wut verzerrt war. Dann sah er auf Anya, die den Kopf schüttelte, und mit den Augen bedeutungsvoll in Richtung Faith winkte.
Es erstaunte Spike noch mehr, denn Faith war erst vor wenigen Minuten an seiner Seite aufgetaucht und hatte sich nicht benommen, als wäre sie mit ihrem Freund hier. Sie war ihm eher so vorgekommen, als wäre sie verdammt scharf darauf, Anya von seiner Seite zu verdrängen.
„Angel, verschwinde!“ sagte Faith gerade böse.
Spike, der überhaupt keine Lust hatte, sich mit einem eifersüchtigen Freund auseinander zu setzen, winkte ab. „Ich wusste nicht, dass sie deine Freundin ist. Also nimm es nicht so ernst, Kumpel.“
„Hey, er ist nicht mein Freund“, grinste Faith verführerisch. „Wir waren gerade auf dem Weg, uns zu trennen.“
„Dann trennt euch“, erklärte Spike noch immer ruhig. „Ohne mich.“
Anya legte die Hand auf Angels Arm. „Er hat Recht, Angel. Er wusste es nicht. Also lass es dabei.“
„Ich hasse es, wenn jemand Hand an das legt, was mir gehört!“ schrie Angel zornig, stieß Anya Hand zur Seite und hatte im nächsten Moment ausgeholt.
Spike sah die Faust kommen, doch einen kurzen Moment war er einfach zu überrascht, weil er nicht damit gerechnet hatte. Angels Faust krachte gegen seinen Kiefer. Er flog zurück gegen den Tresen und das Scheppern der herunter krachenden Gläser übertönte sogar die Musik.
Zorn kochte in Spike hoch. Er schüttelte kurz den Kopf, um den Schmerz zu verdrängen und seine Hand fuhr zu seiner Lippe, die aufgeplatzt war. Er schmeckte das Blut in seinem Mund und seine Hände ballten sich zu Fäusten.
„Nimm deine Freundin und verschwinde“, stieß er leise und wütend hervor.
„Hast du Angst, Blondie?“ Angel lachte überheblich auf.
Im nächsten Augenblick kollidierte Spikes Faust mit Angels Kiefer und riss ihn von den Beinen. Sofort sprang er knurrend wieder hoch und stürzte sich auf seinen Widersacher.
Eigentlich war es das, was Buffy sich gewünscht hatte. Als sie jedoch sah, wie die beiden Männer aufeinander einschlugen, wurde sie blass. Willow war ebenfalls aufgesprungen.
„Oh Gott! Angel wird ihn umbringen! Wo sind die Rausschmeißer?!“ Hektisch stürzte der Rotschopf zu dem Tumult.
Buffy war sich nicht einmal so sicher. Spikes Reaktionen sahen nicht so aus, als wäre es die erste Schlägerei in seinem Leben. Sie kam sogar zu dem Schluss, dass der zwar große, aber schwerfällige Angel bedeutend mehr einsteckte als Spike.
Allerdings dauerte es nicht lange bis sich zwei muskelbepackte Männer den Weg durch den Menschenauflauf bahnten und die zwei Streithähne auseinander rissen.
„Ich will dich nie wieder in der Nähe meiner Freundin sehen!“ schrie Angel und kämpfte gegen den Griff des Mannes, der ihn festhielt.
Spike dagegen blieb noch immer sehr ruhig. Er wischte sich nur das Blut aus dem Gesicht und verzog das Gesicht. „Ich will deine Freundin nicht!“
Willow hatte es endlich geschafft, Spike zu erreichen. „Oh Gott, das sieht fürchterlich aus“, murmelte sie erschrocken, doch Spike lächelte beruhigend.
„Ich habe schon schlimmeres eingesteckt, Red. Kein Problem.“
„Ich werde dich nach Hause fahren“, verkündete Willow rigoros. „Das muss desinfiziert werden.“
Plötzlich gar nicht mehr so schüchtern, schnappte sie sich Spikes Arm und zog ihn hinter sich her.
Anya seufzte bedauernd. „Dann wird es wohl heute nichts mit meinen gewünschten Orgasmen…“ Ihr Blick wanderte durch die Menschenmenge im Bronze. „Scheußliches Angebot heute…“
Willow rauschte an einer völlig überraschten Buffy vorbei. „Komm mit Buffy!“
„Was?!“ fuhr diese auf.
Der Rotschopf blieb stehen. „Ich brauche ein Desinfektionsmittel und eventuell Pflaster. Wer soll mir das geben, wenn nicht du? Ich will deine Mom schließlich nicht wecken.“
„Red, ich…“, begann Spike.
„Du bist jetzt still!“ fuhr Willow ihn an. „Männer, die sich prügeln, haben keinen Verstand und halten jetzt den Mund!“
Willows völlig neue Art verschlug Buffy einfach den Atem. Sie warf Spike einen unbehaglichen Blick zu, den dieser genau so unbehaglich erwiderte, doch sie folgte Willow mit etwas Abstand.
Als sie ins Auto einstieg, auf den Rücksitz, weil Spike den Beifahrersitz einnahm, hatte sie jedoch ihre Sprache wieder gefunden.
„Es sieht gar nicht so schlimm aus. Er braucht garantiert keine Krankenschwester“, brummte sie missmutig. Es hätte ruhig ein bisschen schlimmer aussehen können…
Spike fuhr in seinem Sitz herum. „Diese Faith ist eine Freundin von dir, nicht wahr? Hast du sie geschickt? Wolltest du, dass ihr Freund mir eine Tracht Prügel versetzt?!“
„Nein!“ Das stimmte, obwohl Buffy an sich nichts dagegen gehabt hatte.
Spike sah nicht aus, als würde er ihr glauben. „Es würde bei mir eh nicht ziehen. Ich mag keine Frauen, die sich mir an den Hals werfen.“
„Mich interessiert überhaupt nicht, was du für Frauen magst“, antwortete Buffy pikiert. Sie fing Willows Augen im Rückspiegel auf und sah den befremdeten Blick der rothaarigen Frau. Sicherlich wunderte sie sich über den kühlen Ton, in dem sie und Spike verkehrten.
Doch die Unterhaltung wurde unterbrochen, weil Willow in den Hof fuhr und vor dem rechten Gebäude hielt, in dem sich Buffys und auch Spikes kleine Wohnung befand.
„Danke fürs Herbringen, Willow“, sagte Spike, ehe er ausstieg. „Aber ich komme jetzt schon klar. Fahr heim.“
Buffy war bereits ausgestiegen. Sie wusste selbst nicht, warum sie sich von Willow hatte überreden lassen, das Bronze zu verlassen, aber wenn Willow jetzt wegfuhr und sie mit Spike allein ließ, würde sie anfangen zu schreien.
„Nichts da!“ schimpfte Willow zu Buffys Erleichterung und kletterte aus dem Auto. „Buffy besorgt jetzt Desinfektionslösung und wir behandeln dein Gesicht.“
*Wir* werden gar nichts machen, dachte Buffy böse, ging aber zum Büro, weil sie wusste, dass dort der Erste-Hilfe-Kasten für Unfälle hing.
Als sie zurückkam, hörte sie die Stimmen von Willow und Spike aus dessen Wohnung und stöhnte unterdrückt auf. Als ob sie noch die Zimmer dieses gebleichten Scheusals betreten wollte.
Ihre Laune wurde noch schlechter und sie stieg die schmale Holztreppe zu Spikes Dachwohnung hinauf.
Die beiden hatten es sich in der Küche bequem gemacht und lachten über irgendeinen Witz, den Buffy natürlich nicht gehört hatte.
„Hier“, brummte sie und knallte die kleine Flasche auf den Tisch.
Willow warf ihr wieder einen komischen Blick zu, griff dann allerdings nach der Flasche und schraubte den Verschluss ab.
Buffy kam sich etwas deplaziert vor in der engen Küche, als sie beobachtete wie Willow das Blut in Spikes Gesicht entfernte und die Kratzer desinfizierte.
„So eine Aufregung“, schwatzte Willow munter weiter und Buffy fragte sich, seit wann der Rotschopf so gesprächig war. In den Reitsunden bekam sie ihren Mund gar nicht auf. „Aber Angel war schon immer so gewalttätig. Du solltest ihm aus dem Weg gehen, Spike.“
„Ich gehe niemandem aus dem Weg“, knurrte dieser. „Und schon gleich gar nicht, wenn ich mir keiner Schuld bewusst bin.“
„Faith ist unmöglich“, fuhr Willow fort und warf einen entschuldigenden Blick in Buffy Richtung. Diese zuckte nur mit den Schultern. „Es ist nicht das erste Mal, dass es deswegen Streit gibt.“
Spike verzog das Gesicht, als das Desinfektionsmittel in seinem Gesicht brannte. „Red, hör jetzt auf!“
Willow runzelte vorwurfvoll die Stirn. „Das sind mir die Richtigen. Sich prügeln und dann jammern!“
Selbst Buffy konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen, als sie Spikes fassungslosen Blick sah.
Allerdings nur zwei Sekunden. Dann verschränkte sie die Arme vor der Brust. „Ihr braucht mich doch jetzt nicht mehr?“
„Niemand braucht dich, Pet“, murmelte Spike. „Au!“ Er starrte Willow böse an, die eine Extraportion Desinfektionsmittel gegen die Verletzung an seinem Jochbein gedrückt hatte.
Willow lächelte freundlich. „Ich dachte, wir trinken noch gemütlich einen Kaffee zusammen. Buffy kann ihn ja derweil kochen, während ich mit deinem Gesicht beschäftigt bin.“
„Ich will jetzt meine Ruhe haben“, protestierte Spike und Buffy gab ihm in Gedanken Recht. Sie würde jetzt ganz bestimmt keinen Kaffee in Spikes Wohnung kochen.
„Mein Gott, seid ihr beide muffelig“, schimpfte Willow wieder. „Man könnte ja fast denken, ihr hättet Angst, einen Kaffee zusammen zu trinken.“ Sie richtete sich auf und sah sich suchend um. „Gut, dann mache ich Kaffee. Ich denke, wir sollten Spike ein wenig über die Verhältnisse in Sunnydale aufklären. Nicht, dass so eine Streiterei wieder passiert.“
Willow schnatterte weiter, während Buffy am Küchenschrank lehnte und Spike überall hin schaute, nur nicht in ihre Richtung. Es dauerte nur fünf Minuten bis sich der Duft von frischem Kaffee in der Küche ausbreitete.
„Spike, Angel ist gefährlich“, erklärte Willow gerade. „Niemand legt sich mit ihm an, eben weil er so schnell aggressiv wird.“
„Ich habe nicht angefangen! Und ich konnte ja nicht ahnen, dass diese blöde Faith zu ihm gehört!“ stieß Spike erbost hervor. „Außerdem ist mir vollkommen egal, wie aggressiv er ist! Er macht mir keine Angst.“
„Buffy setz dich doch endlich“, verlangte Willow und stellte drei Tassen auf den Tisch.
Spike funkelte Buffy über den Tisch hinweg an. Und sie funkelte zurück. Willow schien von der gespannten Stimmung gar nichts zu bemerken.
„Hast du gewusst, dass Faith zu Spike geht?“ fragte sie neugierig. „Sie ist doch deine Freundin? Hättest du ihr das nicht ausreden können?“
Spike hob neugierig die Augenbrauen und Buffys Augen verengten sich. „Sie wollte, dass ich ihn ihr vorstelle und ich habe es abgelehnt.“
„Oh“, machte Willow.
Spike verzog nur die Lippen.
„Warst du nicht mal mit Angel zusammen, Buffy?“ erkundigte sich Willow plötzlich.
„Ja“, knirschte Buffy zwischen den Zähnen hindurch. „Nicht lange.“
„Warum?“ mischte sich Spike sarkastisch ein. „Wollte er dich auch verprügeln?“
Sein sarkastisches Grinsen erstarb ihm im Gesicht, als er dem Ausdruck in Buffys Augen begegnete.
Schmerz.
Vielleicht zum ersten Mal seit sie sich kannten, war jegliche Arroganz und jede Überheblichkeit verschwunden. Und alles, was geblieben war, war Verletzlichkeit.
Für vielleicht drei Sekunden.
Dann verhärteten sich ihre Züge wieder und sie sprang auf. „Ich weiß gar nicht, was ich hier mache!“ fauchte sie und stürmte zur Tür hinaus.
Die verblüfften Blicke Willows und Spikes sah sie nicht mehr, weil sie mehr mit den Tränen zu kämpfen hatte, die plötzlich in ihre Augen steigen wollten und die niemals jemand außer ihr selbst sehen sollte.
Spike hatte sich die halbe Nacht hin und her gewälzt.
Einerseits, weil er noch eine ganze Weile mit Willow erzählt und dabei auch jede Menge Kaffee getrunken hatte, andererseits, weil ihm Buffys Gesichtsausdruck nicht aus dem Kopf ging.
Willow konnte sich auch nicht erklären, was plötzlich in Buffy gefahren war. Sie wusste nur, dass Buffy ca. ein halbes Jahr mit Angel zusammen gewesen war. Es war noch gar nicht all zu lange her. Willow konnte sich nicht mehr genau erinnern, vielleicht zwei oder drei Jahre. Man sah die beiden schon als Traumpaar Sunnydales. Bis Buffy schlagartig über Nacht die Beziehung beendete.
Spike redete sich ein, dass es ihn nicht interessierte. Aber in diesem kurzen Moment hatten ihm Buffys grüne Augen gezeigt, dass es hinter der harten Schale eine ganz andere Frau gab. Eine Frau, die nichts mit der arroganten Reitlehrerin zu tun hatte, die er bisher kennen gelernt hatte.
Und das brachte ihn durcheinander. Jedenfalls für den Rest der Nacht.
Ein Blick in den Spiegel am Morgen sagte ihm, dass sein Gesicht gar nicht so schlimm aussah. Da waren ein paar Schrammen auf seinem rechten Jochbein. An der Augenbraue, die sowieso schon eine Narbe zierte, war die Haut ebenfalls aufgeplatzt und hatte verkrustetes Blut gebildet. Seine Lippe war etwas geschwollen, aber bei weitem nicht so schlimm wie er es erwartet hatte.
Er grinste sich selbst schief an und begab sich in den Hof.
Das Wetter schien zu seiner Stimmung zu passen. Es regnete, nicht in Strömen, sondern als ein feiner Nieselregen, der in seine Kleidung kroch. Trotzdem war die Temperatur nicht gesunken. Es herrschten noch immer warme 25 Grad.
In diesem Moment hörte er Buffys Geschrei aus dem Stall und stöhnte unterdrückt. Und all die Gedanken, die er sich in der Nacht gemacht hatte, verpufften zu nichts.
Er fühlte sich müde und unausgeschlafen und sich jetzt wieder mit dieser unmöglichen Person herum ärgern zu müssen, war das letzte, was er sich wünschte.
Im Stall stand eine zu Hochform aufgelaufene Buffy vor einem recht eingeschüchtert schauendem Riley, der Fantasie und Bella an einem Strick führte.
„…gar nicht in Frage“, hörte Spike noch Buffys letzten Satz.
Riley trat von einem Bein auf das andere. „Aber Spike hat gesagt…“, begann er.
„Es ist mir scheißegal, was Spike sagt!“ schrie Buffy. „Die Pferde bleiben im Stall! Es regnet!“
Spike seufzte. In diesem Augenblick entdeckte ihn Riley und Erleichterung breitete sich auf dem Gesicht des Mannes aus.
„Was gibt es denn?“ fragte Spike müde, obwohl er genau wusste, was los war.
Buffy fuhr zu ihm herum. „Diese Pferde sind zu teuer, als dass ich mir eine Erkältung leisten kann! Ich werde nicht zuschauen, dass sie klatschnass draußen im Regen stehen!“
Spike holte tief Luft, schnappte im nächsten Moment Buffys Arm und zog die widerstrebende Blondine hinter sich her zum Ausgang des Stalls.
Buffy konnte nicht fassen, dass er das tatsächlich tat. Zornig schlug sie mit ihrer freien Hand nach ihm, doch er ignorierte sie und stieß sie zur Tür hinaus. Sie drehte sich postwendend um, aber er versperrte die Tür.
„Was soll das?!“
Seine Hand wies hinunter zu den Weiden. „Mach die Augen auf, Pet“, knurrte er böse. „Donar, Damaron und selbst Pepper sind die ganze Nacht draußen. Meine zwei sind die gesündesten Pferde, die ich kenne. Und sehen sie so aus, als würde sie der Regen stören?! Es sind 25 Grad!“
Der Regen rieselte auf sie nieder, in ihre Haare und lief ihr ins Gesicht. Spike sah nicht viel besser aus, ihn schien es nur weniger zu stören.
Mit einer wütenden Geste wischte sie sich den Regen aus dem Gesicht. „Mir ist vollkommen egal, was deine Pferde machen! Meine bleiben heute im Stall!“
Spike grinste plötzlich. „Wie wäre es, wenn du die Türen zu den Paddocks auf machst und die Pferde entscheiden lässt?“ fragte er spöttisch.
„Die Türen bleiben zu!“ fuhr ihn Buffy an.
„Hör zu“, knirschte er zwischen den Zähnen hindurch. „Ich bin müde, habe schlecht geschlafen…“
„Das ist ja wohl nicht meine Schuld!“
„…und keine Lust, mir deine Streitereien anzuhören. Wir stellen jetzt die Pferde raus, du wirst sehen, dass sie sich wohl fühlen und dann schlafe ich weiter!“
„Nein!“
„Doch!“
„Dein Gesicht sieht wohl noch nicht schlimm genug aus?!“ schrie sie ihn an und wollte an ihm vorbei drängeln.
Er grinste wieder, stoppte sie mit seinem Arm und sah in ihr durchweichtes Gesicht. „Es sah schon schlimmer aus. Glaub mir, Luv.“
„Spike“, sagte sie leise und drohend. „Ich diskutiere mit dir nicht mehr.“
Wahrscheinlich hatte er heute eine friedfertige Phase. Oder die Müdigkeit war Schuld. Jedenfalls seufzte er nur. „Pass auf. Wir stellen sie raus und wenn du in einer Stunde siehst, dass sie wieder rein wollen, schaffen wir sie wieder rein?“
Buffy sah ihn skeptisch an. „Wir?!“
„Komm schon, Luv. In einer Stunde erkältet sich kein Pferd.“ Bei diesen Temperaturen schon gleich gar nicht.
Entweder hatte Buffy auch eine friedfertige Phase oder der Regen hatte einen Teil ihrer Bissigkeit hinweg gespült. „Eine Stunde“, sagte sie ernsthaft. „Keine Minute länger.“
Im Stall stand noch immer Riley mit den zwei Pferden und sah ihnen mit großen Augen entgegen.
„Alles klar“, nickte Spike. „Wir bringen den Rest.“
Innerhalb der nächsten halben Stunde schafften sie die fünf Pensionspferde und danach die vier Schuldpferde und Euphrosyne auf die abgeteilten Weiden.
Buffy ließ ihre Stute nur äußerst widerwillig los und fühlte sich, als würde sie sie verraten, indem sie sie in den Regen stellte.
Euphrosyne schüttelte kurz die weiße Mähne, ehe sie zu den anderen Stuten trabte, die schon den Kopf in das grüne Gras gesenkt hatten.
Spike musste sich ein Lachen verkneifen, als er Buffys wehleidigen Gesichtsausdruck bemerkte. Ihm war schon aufgefallen, dass sie die Pferde weitaus freundlicher und liebevoller als alle Menschen in ihrer Umgebung behandelte.
„Ein bisschen Regen hat noch keinem Pferd geschadet“, sagte er belustigt.
Riley war schon wieder zum Stall zurückgegangen, da er die Gelegenheit, wenn sich kein Pferd dort befand, zum ausmisten nutzen wollte. Buffy jedoch konnte sich nicht von der Weide losreißen, obwohl der Regen nun langsam ihr dünnes Shirt völlig durchnässt hatte und ihre Stiefel aussahen, als hätte sie eine Schlammschlacht hinter sich.
In diesem Moment scharrte Euphrosyne an einer Stelle, an der das Gras schon fast bis zum Boden weg gefressen war und die Erde zum Vorschein kam und Buffys Mund öffnete sich entsetzt.
„Oh nein!“ stieß sie hervor und war schon drauf und dran, in die Weide zu stürzen.
Spikes Auflachen stoppte sie. Sie fuhr wie eine Furie in seine Richtung und schlug ihm mit der Faust gegen die Brust.
Sein Lachen allerdings stoppte das nicht und Buffys Blick wanderte wieder zu ihrer Stute. Wie in Zeitlupe hob sie ihre Hand vor ihren Mund und beobachtete mit großen Augen, wie Euphrosyne umfiel und sich genüsslich im Schlamm wälzte.
Buffys Mund öffnete sich, als wolle sie etwas sagen, dann schloss sie ihn wieder, ohne dass ein Wort ihren Mund verließ.
Es dauerte fast eine Minute, ehe Euphrosyne wieder aufstand, sich schüttelte und in die Runde schaute, als würde sie Beifall erwarten. Von dem ehemals schneeweißen Fell sah man nur noch am Kopf einen Ansatz, der Rest ihres Körpers war mit einer schönen braunen Masse bedeckt, die durch den Regen langsam von ihrem Körper lief und das ehemals weiße Fell mit einem sandigen Stich zurück ließ.
„Meine…meine…“, begann Buffy fassungslos.
„Hab mich sowieso gewundert, wie du sie immer so sauber hältst“, kam es trocken von Spike.
„Das ist alles deine Schuld“, jammerte Buffy und raufte sich die Haare. „Oh Gott, ich hasse dich. Ich hasse dich.“
Spike konnte nicht aufhören zu grinsen. Vor allem, da Buffy selbst wie ein durchgeweichter Pudel aussah und es nicht einmal merkte, weil ihre grünen Augen noch immer fassungslos die ehemals weiße Stute anschauten
„Lass uns rein gehen“, sagte er. „Für Menschen ist der Regen nicht so angenehm.“
Buffy sah ihn scheel von der Seite an. „*Du* müsstest eigentlich zu den Pferden gesperrt werden!“
„Was hältst du von heißer Schokolade?“ erkundigte er sich friedfertig.
„Du und ich?!“ Sie wusste von ihrer Mutter, dass Spike auf heiße Schokolade mit Marshmallows stand. Sehr ungewöhnlich für einen Cowboy, fand sie. Aber sie hatte in seiner Gegenwart nie zugegeben, dass sie heiße Schokolade ebenfalls mochte, sondern war immer aus der Küche geflüchtet, wenn ihre Mutter gerade mal wieder ihre mütterliche Seite herauskehren wollte.
Spike zuckte mit den Schultern. „Ja?“ Sollte sie skeptisch schauen wie sie wollte. Das war immer noch angenehmer, als wenn wie schrie. „Meinetwegen kannst du natürlich auch hier stehen bleiben.“
Buffy blieb nicht stehen, sondern folgte ihm, als er sich umdrehte und in Richtung Stall lief. „Eine Stunde“, erinnerte sie ihn noch einmal.
Sie verschwand schnell in ihrer Wohnung, um die durchweichten Sachen zu wechseln. Dann betrat sie das gemütliche Reiterstübchen neben dem Büro, das zwar gemütlich war, jedoch im seltensten Fall von irgendjemandem genutzt wurde. Die Reitschüler verschwanden nach ihrer Stunde immer wieder sehr schnell. Etwas, was Buffy durchaus verstand.
Spike war schon da. Er hatte ebenfalls sein Shirt gegen ein trockenes, wenn auch wieder schwarzes gewechselt. Also besaß er schon mal zwei, stellte Buffy so für sich ironisch fest.
Ihr skeptischer Gesichtsausdruck änderte sich auch nicht, als Spike einen dampfenden Becher mit heißer Schokolade vor sie auf den kleinen Tisch stellte und sich dann ebenfalls setzte.
Die nächsten fünf Minuten vergingen, indem sie sich gegenseitig misstrauisch beäugten.
Irgendwann wurde Spike das Schweigen zu dumm. „Schmeckt’s?“
„Hm“, brummte Buffy. „Geht so.“
Er grinste. Ihre Haare waren noch immer nass. Obwohl sie sich umgezogen und sie zu einem Pferdeschwanz zusammen gebunden hatte, sah sie aus, als hätte sie gerade geduscht.
Niedlich. Wenn sie nicht so grimmig schauen würde, wäre sie niedlich, verbesserte er sich dann.
„Ich habe zwei Wasserwagen für die Weiden bestellt“, fuhr er dann fort und beschloss, ihren Gesichtsausdruck zu ignorieren. „Wir könnten auch einen an die Halle stellen, um das Regenwasser aufzufangen und damit die Halle bewässern.“
„Hier regnet es so gut wie nie“, muffelte Buffy. „Würdest du so etwas vielleicht mit mir absprechen?!“
Spike hob spöttisch seine vernarbte Augenbraue.
Er hat tatsächlich eine Narbe an der linken Augenbraue, stellte Buffy verblüfft fest. Bestimmt eine Schlägerei… Jedenfalls war es das erste Mal, dass ihr das auffiel. Und komischerweise passte diese Narbe zu seinen komischen Haaren. Sie verunstaltete ihn nicht, sondern ließ ihn…interessant aussehen. Gott, interessant! spottete sie mit sich selbst. Interessant nicht, eher… Dummerweise fiel ihr nichts anderes ein.
„Es ist recht schwierig, etwas mit dir abzusprechen.“
Sie setzte ihren Becher mit einem Knall ab. „Sinnvolle Gespräche mit mir zu führen, ist nie schwierig!“
„Du schreist, bevor du über Sinn und Unsinn nachdenkst“, hielt er dagegen.
Ihre Augen funkelten. „Warum sitze ich eigentlich hier mit dir?!“ giftete sie ihn an.
„Weil du gern heiße Schokolade trinkst?“ kicherte er und beobachtete sie über den Rand seiner Tasse.
„Ich mag keine…Was?!“ Für einen Moment vergaß sie ihren bösen Blick und schaute recht entgeistert drein. „Wer hat das gesagt?!“
„Deine Mom“, grinste er vergnügt.
Sie wollte wirklich wissen, was ihre Mutter an diesem blond gebleichten Blödmann fand. Sie konnte sich noch gut entsinnen, wie abweisend sich ihre Mutter gegenüber Angel verhalten hatte und den kannte sie eigentlich von Kindesbeinen an.
Spike marschierte vor sechs Wochen auf diesen Hof, krempelte alles um, brachte alles durcheinander, kleidete sich idiotisch, blondierte seine Haare und…ihre Mutter liebte ihn.
Allerdings kam sie nicht dazu zu antworten, weil die Tür aufgerissen wurde und eine tropfende Dawn herein stürmte.
„Scheiß Wetter!“ Dann blieb sie wie vom Donner gerührt stehen und starrte mit großen Augen auf Buffy und Spike, die gemeinsam an dem Tisch saßen. „Oh! … Was ist denn hier los?“ fragte eine fassungslose Dawn und ihr Blick huschte zwischen beiden hin und her. „Seid ihr krank?“
„Musst du nicht in die Schule?!“ blaffte Buffy.
„Heute ist Samstag!“
Zu dumm.
Dawn grinste breit. „Soll ich gehen? Willst du mit Spike allein sein?“ erkundigte sie sich dann honigsüß.
Spike musste sich ein Grinsen verkneifen, als er zum ersten Mal sah, dass eine leichte Röte in Buffys Wangen stieg.
„Warum zum Teufel sollte ich das wollen?“ fuhr sie entsetzt auf.
„Weiß nicht“, kicherte Dawn. „Vielleicht hast du festgestellt, dass er doch ganz nett ist.“
„Dawn!“
Dawn ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Trotz Buffys mörderischem Gesichtsausdruck. In Spikes Gegenwart fühlte sie sich ihrer großen Schwester gegenüber viel sicherer. „Ist noch Schokolade da?“
Spike deutete zum Schank und der vollen Kanne. „Es ist genug da, Krümel.“
Das junge Mädchen strahlte ihn an und Buffy verdrehte die Augen, als sie die offensichtliche Begeisterung sah. Spike grinste, was Dawn veranlasste, noch breiter zu strahlen und begegnete dann Buffys zornigem Blick.
„Was ist los, Luv? So ein kleines Lächeln würde dir bestimmt auch gut stehen“, stichelte er.
Dawn ließ sich auf den Stuhl an seiner Seite fallen. „Buffy kann nicht lächeln“, erklärte sie großspurig.
„Dawn“, warnte Buffy wieder. „Du reitest heute in meiner Stunde.“
Dawn Kopf schoss erschrocken zu ihr. „Die lasse ich ausfallen, wenn du mir drohst“, piepste sie. „Und reite morgen auf Donar!“
Beifall heischend blickt sie in Spikes Richtung, doch dieser schüttelte den Kopf. „Nicht so, Krümel. Du wirst dich nicht hinter mir verstecken.“
Das kam völlig überraschend für Buffy, die eher erwartet hatte, eine erneute Diskussion über Dawns Reitstunden anzufangen.
„Es macht viel mehr Spaß, auf Donar zu reiten“, jammerte Dawn kläglich.
„So schlecht sitzt du gar nicht“, fuhr Spike fort. „Und klassische Reitstunden verbessern deinen Sitz genau so wie die Stunden bei mir. Man lernt Reiten nur, indem man reitet. Am besten täglich.“
Dawn hatte eigentlich nur einen Satz gehört. „Du findest, ich sitze nicht schlecht?“ fragte sie ungläubig.
Buffy verdrehte die Augen, fing jedoch einen warnenden Blick von Spike auf.
„Ich denke, du könntest viel erreichen, wenn du mehr und ernsthafter trainieren würdest. Für eine Anfängerin sitzt du gut“, antwortete er dann.
„Echt?“ Dawn schien das Lob noch immer nicht fassen zu können. Sie trank schnell ihre Schokolade aus. „Ich muss noch Hausaufgaben machen. Wann ist die Stunde, Buffy? Zwei Uhr?“
Buffy nickte und beobachtete recht fassungslos, wie ihre kleine Schwester aufsprang, zur Tür hinaus stürzte und noch rief.
„Ich soll dir sagen, dass du zum Mittagessen eingeladen bist, Spike!“
Buffys Augenbrauen hoben sich skeptisch. „Zum Mittagessen? Gibt es eigentlich noch irgendeine Tageszeit, zu der ich von deinem Anblick verschont bleibe?“
„In der Nacht, Luv“, erwiderte er vergnügt. „Oder hattest du vor, daran etwas zu ändern?“
Sie lachte ihm ins Gesicht. „Träum weiter!“
Er antwortete nicht, verzog seine Lippen nur zu diesem für ihn so typischen Grinsen.
Buffy funkelte ihn wieder an. Auch wenn sie es vor sich selbst nur sehr schwer zugeben konnte, aber dieses Grinsen hatte etwas an sich. Er schien plötzlich jungenhaft frech, mit diesem Blitzen in den so unwahrscheinlich blauen Augen. Fast süß…
Halt. Hatte sie jetzt tatsächlich süß gedacht?! Unwillig schüttelte sie den Kopf. Süß war Spike keineswegs. Eher sexy…Buffy! schimpfte sie mit sich selbst. Seit wann sind gebleichte Cowboys sexy? Hat der Regen mehr Schaden angerichtet, als er sollte?
Sie setzte ihre Tasse wieder an und trank den Rest der Schokolade. Spike grinste immer noch und der wohlbekannte Zorn kroch in ihr hoch. Er ist weder süß noch sexy, erklärte sie sich selbst. Er ist nervtötend, besserwisserisch und ein Ärgernis, das schnellstens verschwinden sollte.
„Ich werde jetzt nach den Pferden sehen“, sagte sie, ehe die Stille anfing, bedrückend zu werden.
„Ich komme mit“, antwortete er schnell.
Sie stöhnte auf. „Ich kann das ohne dich!“
„Ich möchte mich nur davon überzeugen, dass du mir keine Märchen erzählst“, entgegnete er liebenswürdig.
Buffy seufzte und stand auf. Sie würde ihn wahrscheinlich nicht davon abhalten können. Dann versetzte er ihr den nächsten Schock.
„Eigentlich ist es ganz nett, sich nicht mit dir zu streiten.“ Der schockierte Ausdruck in ihrem Gesicht schien ihm ebenfalls recht gut zu gefallen – dem breiter werdenden Grinsen nach zu urteilen. Dann stand er auf, blieb vor ihr stehen und sah auf sie hinab. „Nicht durchdrehen, Luv. Gehen wir?“
„Ich brauche dich dazu nicht“, murmelte sie mürrisch und folgte ihm hinaus in den schwächer gewordenen Regen. „Nächsten Freitag kommt der Schmied“, brummte sie dann wie nebenbei. „Falls deine Pferde ihn auch brauchen.“
Spike nickte und verkniff sich diesmal das Lächeln. Er wusste es, weil Joyce ihn darauf hingewiesen hatte. Dass Buffy es ihm jetzt mitteilte, ja überhaupt, dass sie schon eine ganze Weile mit ihm sprach, sollte er sich im Kalender vermerken. Irgendwie ahnte er, dass diese Phase ganz schnell vorüber gehen konnte.
An diesem Tag blieben die Pferde trotz des fortgesetzten Nieselregens bis zum Abend auf der Weide. Obwohl Buffy sich mehr als einmal vergewisserte, wie sie sich benahmen und es kaum glauben konnte.
Aber keine ihrer Stuten sah auch im entferntesten so aus, als würde sie sich nach dem Stall sehnen…
„Eppi“, schimpfte Buffy ungehalten, als Euphrosyne die Ohren spitzte, die Nüstern blähte und schnaubend an einer gefährlichen Plastiktüte, die am Waldrand lag, vorbei stiefelte.
Sie hatte sie gerade passiert, als ein Windstoß die Tüte aufflattern ließ und Euphrosyne zu einem Satz nach vorn verleitete. Buffy fluchte leise.
Es war nicht so, dass sie Probleme hatte, das Pferd zu kontrollieren. Euphrosyne war immer zu halten, aber ihre fürchterliche Schreckhaftigkeit ging Buffy heute auf die Nerven. Und je mehr sich Buffy aufregte, umso nervöser wurde das Pferd.
„Du bist doch manchmal wirklich so eine blöde Ziege“, murmelte sie, als die Stute wieder zusammenfuhr, diesmal aus einem Grund, der sich Buffys Aufmerksamkeit entzog. Vielleicht bildete sich das Pferd die Gründe auch nur ein.
Außerdem war die Stute rossig und gerade deshalb hatte Buffy heute auf ein Training verzichtet, weil sie keine Lust hatte, sich mit den durchaus vorhandenen Macken gerade in dieser Zeit auseinander zu setzen.
Gut, wenn ein Turnier in greifbarer Nähe liegen würde, hätte sie anders darüber gedacht. Aber so spielte es keine Rolle, solange sie das Training nicht wochenlang vernachlässigte.
Buffy lenkte die Stute auf einen schmalen Wiesenweg, ließ sie antraben und dann in einen leichten Galopp fallen. Euphrosyne galoppierte los, als wären hundert Teufel hinter ihr her und Buffy fluchte wieder, als sie fester in die Zügel greifen musste, um das Tempo zu regulieren.
Im nächsten Augenblick riss Euphrosyne den Kopf nach oben und starrte ans andere Ende der Wiese.
„Du regst mich vielleicht heute auf“, knurrte Buffy auf ihrem Rücken und versuchte zu erkennen, was die Stute sah. Und fluchte noch lauter.
Eigentlich gab es nur eine einzige Person, die außer ihr allein im Gelände unterwegs war. Und wenn diese Person noch einen Cowboyhut trug, musste sie wirklich nicht lange überlegen, wer das sein könnte.
Spike schien sie ebenfalls gesehen zu haben, denn er galoppierte auf sie zu.
Seit ihrem gemeinsamen Schokoladentrinken hatten sie sich zumindest nicht mehr angeschrieen. Man konnte zwar auch nicht sagen, sie hätten freundlich miteinander geredet. Aber sie hatten geredet. Manchmal. Und schließlich war es ja gerade mal drei Tage her.
Dass er allerdings jetzt auf seinem blöden Hengst direkt auf ihre Stute zugaloppiert kam, regte Buffy schon wieder auf. Und sie ärgerte sich noch mehr, als sie sah, mit welcher Lässigkeit Spike auf dem Pferd saß, das genau so lässig galoppierte, während Euphrosyne anfing, zu piaffieren, ohne dass es Buffy wollte.
Spike grinste, als er Damaron vor ihr stoppte. „Hallo. Was machst du denn? Trainierst du deine Piaffen neuerdings in der freien Natur.“
„Könntest du bitte mit dem blöden Hengst verschwinden! Meine Stute ist rossig!“
„Na und?“ Spike runzelte die Stirn. „Dam weiß sich zu benehmen, solange ich auf seinem Rücken sitze.“
Dummerweise musste Buffy zugeben, dass Damaron tatsächlich nicht aussah, als würde er sich nur im entferntesten für die Schimmelstute interessieren. Dafür interessierte Euphrosyne sich sehr für ihn.
Genervt fasste sie die Zügel fester. „Es wäre mir lieb, wenn du einfach woanders lang reitest!“ knirschte sie zwischen den Zähnen hindurch. Euphrosyne, die solch eine derbe Behandlung nicht gewöhnt war, schüttelte unwillig den Kopf und versuchte, sich dem Druck der Zügel zu entziehen. Als das nicht half, stieg sie kurzerhand mit den Vorderbeinen in die Luft.
„Oh“, machte Spike amüsiert und Damaron spitzte die Ohren. „Ich dachte, das gehört zur hohen Schule. Wird das auch in einer Dressurprüfung verlangt?“
„Du kannst mich mal!“ schrie Buffy wütend, presste Euphrosyne die Fersen in die Flanken und galoppierte an.
Spikes Blick folgte ihr. Ihre Stute schien heute tatsächlich ein wenig durch den Wind zu sein. Sie sprang vor lauter Übermut gleich noch einmal in die Luft, ehe Buffy sie zum Vorwärtsgaloppieren anspornen konnte.
„Buffy, warte“, rief er, als die Stute Gas gab und über die Wiese fegte. Damaron hob den Kopf, als er ihn antraben und Euphrosyne folgen ließ.
„Lass mich in Ruhe!“ schrie Buffy über die Schulter zurück.
Sie hatte die Stute unter Kontrolle. Aber Spike kannte sich mit Pferden aus. Die Stute war nervös und Buffy zornig. Es gab keine Kombination, die gefährlicher sein konnte. Und deshalb beschloss er, sie im Auge zu behalten.
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Buffy war nicht dumm. Sie kannte ihr Pferd gut genug, um zu wissen, dass sich die Nerven der Stute heute nicht wieder beruhigen würden. Deshalb schlug sie den Heimweg ein und hoffte, sie würde sich soweit beruhigen, dass zumindest ein gemütlicher Schritt wieder möglich wurde.
Euphrosyne tat ihr den Gefallen nicht. Sie tänzelte, warf den Kopf in die Luft, schnaubte theatralisch und fuhr bei jedem Knacken im Gebüsch zusammen. Ihr Hals war dunkel durch den Schweiß, der sogar schon die Beine hinab floss.
Buffy musste wirklich ihre gesamte Beherrschung aufbringen, um nicht zu explodieren, aber sie wusste, dass sie damit gar nichts erreichte. Zumindest nicht bei Pferden.
Als sie dann jedoch die Silhouette von Spike und Damaron gegen die untergehende Sonne bemerkte, war es um ihre Beherrschung geschehen.
„Mach endlich, dass du verschwindest!“ schrie sie unbeherrscht. Sie ahnte, dass Spike sich königlich über ihren Kampf mit dem Pferd amüsierte.
Euphrosyne sprang erschrocken zur Seite, als es wieder im Unterholz knackte und diesmal überraschte sie Buffy, die sich mehr auf das Westernpaar konzentriert hatte.
„Verflucht“, stieß sie hervor, weil sie zur Seite rutschte und krallte ihre Hand in Euphrosynes Mähne.
Für einen Moment ging jegliche Zügelführung verloren und die sowieso schon durchgedrehte Euphrosyne nutzte den Augenblick, um in ihrer eigenen Panik den Heimweg anzutreten.
Buffy kämpfte mühsam mit ihrem Halt. Sie saß auch schon fast wieder gerade im Sattel, als die Stute über einen am Boden liegenden Ast sprang, den sie sicherlich in diesem Augenblick für eine Schlange hielt – der Höhe des Sprunges nach zu urteilen jedenfalls.
Es war zuviel. Buffy ritt auch lange genug, um den Zeitpunkt zu erkennen, an dem es gefährlicher war, zu versuchen, sich auf dem Pferderücken zu halten. Der war eindeutig überschritten.
Urplötzlich war der Erdboden da. Ein stechender Schmerz fuhr in ihr rechtes Handgelenk, doch sie rollte sich trotzdem noch über die Schulter ab, um aus der gefährlichen Nähe der Pferdehufe zu kommen.
Für Euphrosyne gab es nun kein Halten mehr. Kein Reiter, der ihre Geschwindigkeit regelte, niemand, der sie festhielt, wenn die Panik sie übermannte… Mit fliegenden Beinen und wehender Mähne galoppierte sie im Renngalopp in Richtung Stall.
„Verflucht“, stieß Buffy wieder hervor und umklammerte ihr Handgelenk. Vorsichtig versuchte sie die Hand zu bewegen und tastete den Knochen ab. Es schien nichts gebrochen, aber schließlich war sie kein Arzt.
Im nächsten Augenblick bremste Spikes Hengst neben ihr mit einem sicherlich spektakulären Sliding Stop.
„Bist du verletzt?“
Spike klang sogar erschrocken. Das war ja mal etwas ganz neues. Sie hatte eher erwartet, dass er sich königlich darüber amüsierte wie sie vom Pferd gestürzt war.
„Nein“, knurrte sie ironisch. „Ich knie hier zum Spaß auf der Wiese und halte mein Handgelenk fest.“
Spike sprang ab. „Kannst du aufstehen?“
„Ja doch, du Blödmann“, schimpfte sie und stieß seine helfende Hand zur Seite. „Fass mich nicht an. Das ist alles deine Schuld!“ Im gleichen Augenblick, in dem sie das verletzte Gelenk los ließ, schoss der Schmerz in ihren Körper und ihr wurde einen Moment schwarz vor Augen. „Scheiße…“
„Du solltest jetzt vielleicht mal vergessen, dass du mich nicht leiden kannst“, murmelte Spike und musterte kritisch ihr Gelenk. Es sah geschwollen aus und konnte durchaus gebrochen sein. „Denkst du, du kannst reiten?“
„Bist du denn nur blöd?“ fauchte Buffy.
„Mit mir, meine ich.“
Ihr Mund klappte auf. „Mit…DIR?!“
„Du musst zum Arzt, Buffy“, stoppte er alles, was sie noch sagen wollte. „Dam kann uns beide tragen. Komm, ich helfe dir hoch.“
Ihr Mund hatte sich noch immer nicht geschlossen und sie starrte fassungslos auf den Quarter, der mit gesenktem Kopf vor sich hin döste.
„Nein“, erklärte sie dann hochmütig und wollte an ihm vorbei marschieren.
Spike reichte es. Sein Arm fing sie um die Taille und sie wurde im nächsten Augenblick mit dem Rücken gegen ihn gepresst. Ihr Gelenk protestierte schmerzend gegen die Behandlung, obwohl sie es noch immer mit der anderen Hand umklammerte.
„Ich werde dir wirklich irgendwann den Hintern versohlen“, knurrte Spikes Stimme neben ihrem Ohr.
Buffy hatte mehr damit zu tun zu verarbeiten, dass sie jede Kleinigkeit seines Körpers in ihrem Rücken wahrnahm. Fest, muskulös…der Geruch nach Leder und Zigaretten…seine Hand, die noch immer ihre Taille umfing…
Sie war noch nicht wieder zur Besinnung gekommen, als er sie hoch hob und kurzerhand auf Damarons Sattel setzte. Der plötzliche Schmerz, der durch die abrupte Bewegung wieder in ihr Gelenk fuhr, beseitigte einen Teil der verwirrenden Gedanken. Und sie biss die Zähne aufeinander, um nicht aufzuschreien.
Spike nahm Damarons Zügel in die Hand und schwang sich hinter Buffy auf den blanken Rücken des Pferdes.
„Alles klar?“ fragte er leise und besorgt.
Sie nickte krampfhaft, obwohl sie sich überhaupt nicht wie alles klar fühlte.
Er musste um sie herum fassen, um die Zügel zu führen. „Wenn dir schlecht wird, sag es“, murmelte er, ehe er Damaron im Schritt Richtung Stall gehen ließ. „Du kannst dich an mich lehnen. Ist bestimmt einfacher.“
Sie schüttelte störrisch den Kopf. Es reichte völlig, auf dem Rücken seines komischen Pferdes zu sitzen und seine sie dummerweise beunruhigende Nähe zu spüren. Ganz bestimmt würde sie sich jetzt nicht an ihn lehnen.
Kerzengerade blieb sie in dem für sie unbequemen Sattel sitzen, stellte mit ihrer linken Hand das Gelenk der rechten ruhig und sah starr gerade aus.
Damaron trottete gemütlich vor sich hin. Wenn Buffy gewusst hätte, dass es Spike nicht viel anders ging als ihr, wäre sie sicherlich beruhigter gewesen.
Denn dieser starrte auf ihre blonden Haare, atmete den Vanilleduft ein und fragte sich, weshalb er solch einen Schreck bekommen hatte, als diese kleine arrogante Frau in einem netten Looping von ihrer durchgeknallten Stute gefallen war.
Sie trug wieder nur ein dünnes ärmelloses Shirt und an ihrer linken Schulter konnte er die Kratzer sehen, die der Sturz verursacht hatte. Kleine Blutstropfen waren hervorgequollen, doch bereits wieder getrocknet.
Die Wärme ihres Körpers drang an seine Arme. Er konnte es nicht verhindern, da er das Pferd lenken musste, aber es irritierte ihn, dass er es so bewusst wahrnahm.
„Hast du ein Handy bei dir?“ fragte er nach einer Weile.
„Hm“, machte sie einsilbig.
„Du solltest anrufen. Man wird sich Sorgen machen, wenn deine Stute allein heim kommt.“
Buffy holte tief Luft, ehe sie durch die Zähne knirschte. „Ich bin froh, dass mein Blutdruck nicht vollends in den Keller gefallen ist und habe genug damit zu tun, diesen Zustand zu halten. Ich lasse die Hand jetzt nicht los! Mir ist schon schlecht!“
„Wo hast du das Handy?“
„In meiner Hosentasche…“ Und kreischte gleich darauf. „Untersteh dich!“
Spike bremste Damaron und schickte einen hilfesuchenden Blick zum Himmel. „Herrgott noch mal. Hab dich nicht so. Ich suche garantiert keinen Vorwand, dich anzufassen! Ich bevorzuge meine Frauen freundlicher!“
„Na da bin ich ja beruhigt“, giftete sie. „Hast du kein eigenes?!“
Er ignorierte ihren Prostest und langte in die kleine Tasche an der vorderen Seite ihrer Reithose.
„Ich glaub das nicht!“ meckerte Buffy, als er das Handy nicht gleich aus der engen Tasche heraus bekam. „Stellst du dich immer so dämlich an?“
Spike wünschte sich plötzlich, sie einfach auf der Wiese sitzen gelassen zu haben. „Wenn du wissen willst, wie ich mich anstelle, musst du es nur sagen!“ zischte er neben ihrem Ohr, während er im Telefonbuch des Handys die Nummer von Joyce Büro suchte.
„Das ist das letzte, was ich…“
„Hallo Joyce, hier ist Spike“, unterbrach er sie. „Ja, es ist Buffys Handy. Sie hatte einen kleinen Unfall…nein, nichts Schlimmes…“
„Pfff!“ kam es von Buffy.
„Die Stute kommt allein heim…ja, sie ist runter gefallen…ich bringe sie mit. Was?“ Spike lachte leise. „Ja, vielleicht schmeiß ich sie auch gleich vom Pferd und lasse sie laufen.“
Buffy stieß ihm den Ellenbogen in die Rippen, hörte ihn nach Luft schnappen und bereute die Bewegung im gleichen Moment, weil der stechende Schmerz wieder in ihr Gelenk fuhr. Sie schloss einen Moment die Augen und atmete tief durch, als die Übelkeit in ihr hoch kroch.
„Verdammt!“ Spike trennte die Verbindung. „Ich sollte dich wirklich heim laufen lassen. Ich stecke das Handy ein, ja? “ Sie konnte sagen, was sie wollte, er würde sich jetzt nicht wieder damit abquälen, es in die kleine Tasche zurück zu stopfen.
Buffy antwortete nicht und das beunruhigte ihn sofort, weil es untypisch war. Ein Blick in ihr Gesicht ließ ihn aufstöhnen. Sie war kreidebleich und er sah die feinen Schweißperlen auf ihrer Stirn.
„Buffy? Geht es dir gut?“ Eine dämliche Frage, aber was sollte er sonst sagen.
Sie nickte krampfhaft, noch immer, ohne einen Ton von sich zu geben.
Spike hätte am liebsten gesagt, dass es ihre eigene Schuld war. Die Aktion mit dem Ellenbogen hätte sie sich getrost schenken können. Aber er sagte es nicht, weil er plötzlich Angst hatte, sie würde wirklich ohnmächtig werden.
Deshalb schlang er seinen Arm um sie und zog sie an sich. Dass sie nicht protestierte, bedeutete, dass sie sich wirklich elend fühlte.
„Buffy“, sagte er leise neben ihrem Ohr. „Ich lasse ihn jetzt in einen leichten Galopp fallen. Wenn es nicht geht, sag es.“
Es war das erste Mal, dass er nicht im Sattel, sondern dahinter saß. Doch Damarons Galopp war sehr weich zu sitzen und obwohl er Buffy mit festhalten musste, kam er nicht in Schwierigkeiten.
Entgegen ihrem Protest lehnte sie jetzt tatsächlich an ihm, doch ein Blick in ihr bleiches Gesicht und die zusammen gebissenen Zähne sagte ihm, dass das im Moment ihr kleinstes Problem war.
Da sie sich ein ganzes Stück vom Hof entfernt hatten, dauerte es fast eine halbe Stunde, ehe sie den Stall erreichten.
Joyce kam völlig aufgelöst aus dem Büro gestürzt. „Oh Gott, ich habe mir solche Sorgen gemacht, Buffy. Wie ist das passiert?“
Spike sprang ab und hob dann Buffy vom Pferd. Sie sah immer noch recht blass aus, aber nicht mehr ganz so, als würde sie im nächsten Augenblick ohnmächtig werden.
„Wo ist Eppi?“ fragte sie schwach.
„Dawn führt sie in der Halle ein wenig trocken. Sie muss die ganze Strecke galoppiert sein und ist völlig außer Atem.“ Joyce legte Buffy einen Arm um die Schulter. „Willst du dich setzen.“
„Es geht schon“, murmelte Buffy und warf einen scheuen Blick in Richtung Spike, der noch immer neben ihnen stand. „Danke“, sagte sie dann leise.
Spike grinste versöhnlich. „Keine Ursache.“
Joyce führte Buffy in Richtung Büro. „Lilah Morgan, unsere Anwältin, ist da. Es dauert vielleicht noch eine Viertel- oder halbe Stunde. Dann fahre ich dich in die Notaufnahme.“
Spike seufzte, ehe er sagte. „Ich kann fahren.“
Buffy reagierte mit einem misstrauischen Stirnrunzeln, aber Joyce strahlte. „Das wäre wirklich lieb, Spike. Ich kann von Miss Morgan jetzt nicht verlangen, dass sie auf mich wartet, bis ich mit Buffy zurück bin. Es könnte ja länger dauern.“
Er nickte. „Ich frage Dawn, ob sie sich auch noch um Damaron kümmert.“
***********************
Keine zehn Minuten später saß Buffy in dem großen Ford Wrangler, umklammerte noch immer ihren Arm und starrte Spike scheel von der Seite an.
„Was ist das jetzt für ein komisches Verhalten?“
Spike grinste, und bog in Richtung Osten zum Sunnydaler Krankenhaus ab. „Was meinst du?“
„Stell dich nicht so dumm!“, brummte sie missmutig. „Hör bloß auf zu versuchen, nett zu sein.“
Er zog die Augenbrauen hoch. „Ich bin nett?“
„Nein. Solche Heuchlereien ziehen bei mir sowieso nicht.“
„Aha.“ Entgegen ihren Worten klang ihre Stimme keineswegs unwirsch oder gereizt. Eher erschöpft und müde. Spike ahnte, dass sie spätestens zu ihrem ätzenden Selbst zurück finden würde, wenn die Schmerzen nachließen.
Er parkte das Auto vor der Notaufnahme, ging dann zur Beifahrertür und öffnete sie. Buffy stieg aus, warf ihm jetzt einen eindeutig skeptischen Blick zu und folgte ihm dann ins Innere des Krankenhauses.
Es dauerte trotzdem noch einmal eine Stunde, ehe sie behandelt wurde. Sie verbrachten die Zeit damit, sich größtenteils anzuschweigen. Buffy, weil sie sich wirklich schlecht fühlte und Spike, weil er keine weiteren Heuchlereien vorgehalten bekommen wollte.
Dann musste er noch einmal eine Stunde warten, ehe die Untersuchungen abgeschlossen waren und eine Buffy mit einer langsam wieder gesünder aussehenden Gesichtsfarbe und einem bandagierten Arm, der in einer Schlinge um ihren Hals lag, das Behandlungszimmer verließ.
Spike warf die Zeitung, in der er gelesen hatte, zur Seite und stand auf. „Kein Gips? Also kein Bruch?“
„Nein.“ Sie schüttelte den Kopf. „Verstaucht.“
„Oh Mann“, kicherte er, als er neben ihr zum Auto lief. „Dann können wir wohl davon ausgehen, dass du wirklich ohnmächtig wirst, wenn es tatsächlich mal ein Bruch sein sollte?“
Sie blieb stehen, als wäre sie gegen eine Wand gerannt. „Was soll das heißen?!“
Er öffnete die Autotür und winkte. „Rein mit dir.“
„Ich habe dich was gefragt!“
„Steig endlich ein!“
„Beantworte meine Frage!“
Spike verfluchte einmal mehr ihren Starrsinn. Auch wenn er dabei übersah, dass er genau so stur handelte. Seine Hand schoss vor, schloss sich um ihren Oberarm und stieß sich in Richtung der geöffneten Autotür.
„Au!“ giftete sie, fuhr herum und sah sich plötzlich zwischen ihm und dem Auto gefangen. „Fass mich nicht an!“
„Wenn du nicht gleich in dem Auto bist, läufst du heim!“ schrie er unbeherrscht.
Buffy reckte ihr Kinn in die Luft und funkelte ihn an. „Das käme bei meiner Mom aber gar nicht gut an!“
Irgendwann würde sie ihn in den Wahnsinn treiben. Garantiert. Er lehnte seinen Kopf zu ihr und sagte leise. „Du bist wirklich dass undankbarste Weibsstück, das mir je begegnet ist.“
Buffy rührte sich nicht, sondern starrte zurück. „Und du bist der nervtötendste Kerl, der mir je begegnet ist“, antwortete sie genau so leise.
Auch der Kerl mit den blausten Augen, stellte sie, natürlich nur für sich selbst, fest. Und der lächerlichsten Haarfarbe. Obwohl sie ihm komischerweise stand. Nein, Buffy, denk nicht so einen Mist. Sie steht ihm nicht. Überhaupt nicht.
Ihr fiel nicht einmal auf, dass sie sich eine ganze Weile einfach nur anstarrten, weil keiner von beiden nachgeben und als erster zur Seite sehen wollte.
„Steigst du jetzt ein oder soll ich nachhelfen?“ fragte Spike liebenswürdig.
„Ich kann allein einsteigen. Ich weiß überhaupt nicht, warum du mich hier immer noch bedrängst!“ entgegnete sie ungerührt. „Du solltest dich ganz schnell…“ Sie hob ihre gesunde Hand und drückte sie gegen seine Brust. „…ein paar Schritt rückwärts bewegen!“
Spike sah kurz auf ihre kleine Hand, dann wieder in ihr Gesicht und grinste. „Möchtest du mich gern anfassen, Luv?“
Sie stieß ihn aufgebracht von sich und sprang ins Auto. „Das hättest du wohl gern!“
Er lachte, warf die Autotür zu und begab sich zur Fahrerseite. Buffy beachtete ihn nicht mehr, als er einstieg und den Motor anließ.
Sie hatte mehr damit zu tun, zu verarbeiten, dass sie sich so haargenau daran erinnerte wie sich seine Brust unter ihrer Hand angefühlt hatte. Hart und muskulös…
Sie schüttelte unwillig den Kopf, als diese Gedanken in ihr hochstiegen. Sie sollte sich schleunigst jemanden suchen, der sie von solchen Gedanken ablenkte. Nach der Enttäuschung mit Riley fehlte ihr gerade noch ein ärgerlicher Cowboy.
Auch wenn heiß er aussah. Hatte sie jetzt schon wieder heiß gedacht? Die hätten vielleicht mal ihren Kopf röntgen sollen…
„Hallo, Charles“, begrüßte Buffy den dunkelhäutigen Schmied, als er aus dem Auto stieg, und gab ihm die linke Hand.
„Hi, Buffy.“ Charles Gunn warf einen besorgten Blick auf ihren Arm. „Was ist passiert?“
Sie zuckte mit den Schultern. „Kleine Meinungsverschiedenheit mit Eppi. Sie hat gewonnen und ich lag im Dreck.“
„Ist der Arm gebrochen?“
„Nein.“ Buffy schüttelte den Kopf. „Verstaucht. Aber ich darf ihn nicht benutzen. Hast du Robin nicht dabei, Charles?“
Gunn schüttelte bedauernd den Kopf. „Er hat gestern einen Tritt gegen das Schienbein abbekommen. Es ging nicht so glimpflich ab wie dein Sturz. Ein Stück des Knochens ist abgesplittert und er fällt wohl die nächsten drei Wochen aus. Ist Riley nicht da?“
Buffy fluchte. „So ein Mist. Er wollte heute Urlaub und Mom hat ihn dummerweise genehmigt, ehe mein Unfall passierte. Ich gehe Spike holen.“
„Spike?“
Sie verdrehte die Augen. „Sag bloß, du hast noch nichts von unserem neuen Partner gehört?“ Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht, als sie Gunns ungläubige Miene sah. „Sei nicht *zu* überrascht“, warnte sie ihn noch, ehe sie über den Hof zu dem Gebäude ging, in dem sich Spikes kleine Dachwohnung befand.
Es war noch früh am Morgen und sie wusste aus Erfahrung, dass Spike kein Morgenmensch war. Wenn er doch einmal vor neun Uhr den Hof betrat, war es noch schwerer mit ihm auszukommen als sonst.
Seufzend stieg sie die Stufen hoch, klopfte und hoffte, dass er wenigstens schon aufgestanden war.
Sie musste noch ein zweites Mal klopfen und beim dritten Mal wummerte sie mit der Faust gegen die Tür. „Mein Gott! Du gebleichte Schafmütze, mach endlich die Tür…“
Sie hatte die Faust schon wieder gehoben, um noch einmal gegen die Tür zu schlagen, als sie geöffnet wurde und alles, was ihr sonst noch auf der Zunge lag erstarb in ihrem Mund, weil sie genau auf Spikes nackte Brust starrte.
Oh mein Gott, war das erste, was ihr einfiel. Und dann noch einmal. Oh mein Gott! OH. MEIN. GOTT.
„Was ist?!!!“ fauchte er gereizt.
Buffy hatte alle Mühe, überhaupt etwas zu denken. Gewaltsam riss sie ihre Augen von seiner fantastisch durchtrainierten Brust los…fantastisch durchtrainiert…oh Gott… Es war nicht viel besser, in sein Gesicht zu sehen, weil sie plötzlich fand, dass er mit diesen verwuschelten Haaren einfach göttlich aussah. Er musste direkt aus dem Bett kommen… Scheiße. Buffy konzentrier dich!
„Buffy?!!“ kam es noch einmal von ihm, nicht minder wütend.
Er schien seine Hose in aller Eile angezogen zu haben…schlief er etwa nackt?!!!...denn der oberste Knopf stand noch offen und ließ den Blick auf den nicht weniger durchtrainierten Bauch frei.
„Ich…äh…der Schmied“, brachte sie zusammenhanglos hervor, sah das skeptische Hochziehen seiner Augenbrauen und verfluchte sich selbst.
„Was ist passiert, dass du vergessen hast, wie man spricht?“ fragte er, plötzlich gar nicht mehr so wütend, weil es nicht oft geschah, dass Buffy die Sprache verlor. Genau genommen war das noch nie geschehen.
Sein Spott weckte sie. „Wäre es vielleicht zuviel verlangt, etwas anzuziehen, ehe du die Tür öffnest!?“ giftete sie ihn an.
Spikes Mund klappte auf. Buffy verschlug es die Sprache, weil er nicht viel anhatte? Oh.
Dann schien ihr selbst aufzufallen, was sie gerade gesagt hatte und eine herrliche Röte stieg in ihr Gesicht. Das war genau so neu. Eine Buffy, die rot wurde. Spike kam aus dem Staunen gar nicht wieder heraus.
„Weshalb weckst du mich nun eigentlich? Bestimmt nicht, weil du meinen Körper bewundern wolltest, oder?“ fragte er mit einem Grinsen.
Idiot! „Charles ist allein“, knirschte sie zwischen den Zähnen hindurch. „Und ich habe leider ein kleines Handikap.“ Sie winkte mit ihrem Arm, der noch immer in der Schlinge hing. „Würdest du deshalb vielleicht runter kommen und helfen?!“
„Natürlich“, fuhr er auf. „Gestern hast du noch gesagt, er bringt jemanden mit und du brauchst mich nicht!“
„Das war gestern!“
„Deshalb kannst du mir jetzt nicht vorwerfen, dass ich noch schlafe.“
„Ich werfe dir vor, dass du nichts anhast!“ Im gleichen Moment hätte sie sich am liebsten auf die Zunge gebissen, aber die Worte waren ihr schneller heraus gerutscht, als sie wollte. Sie sollte vielleicht wirklich manchmal erst denken… Sein Grinsen wurde noch breiter. „Zieh dir endlich etwas an und komm runter!“ schrie sie, zornig über sich selbst, drehte sich um und hetzte die Treppen wieder hinab.
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Zu ihrem Entsetzen kam Gunn mit Spike wundervoll klar. Er war sogar mehr als hoch erfreut, als er hörte, dass sich die finanzielle Lage der Summers gebessert hatte und es nicht mehr so aussah, als würde der Hof dem Ruin entgegen streben.
Es war ein langer Tag für den Schmied, weil alle Pferde frisch beschlagen werden mussten und diesmal noch Spikes Quarter dazu kamen.
Buffy wuselte um die beiden herum. Es störte sie, dass sie zum ersten Mal nichts anderes machen konnte als zusehen. Sonst hatte sie immer darauf bestanden, ihre Pferde selbst aufzuhalten.
Doch Spike machte seine Sache gut. Sie musste sich sogar eingestehen, dass er ein sanftes Händchen in Bezug auf Pferde hatte. Er schaffte es sogar, ihrer Stute die Aufregung zu nehmen.
Euphrosyne regte sich immer auf, wenn das heiße Eisen ihren Huf berührte und zischend der Rauch zwischen ihren Beinen entlang quoll. Natürlich tat da nichts weh, aber das Geräusch, der Geruch nach verbranntem Horn und der Rauch reichten, um die sensible Stute nervös werden zu lassen.
Und deshalb wurde es neunzehn Uhr, ehe der Schmied seine Sachen zusammen packen und heimfahren konnte.
Spike streckte sich, während er dem davon fahrenden Auto nach sah. „Puh, meinen Rücken merke ich aber heute“, murmelte er und wischte sich den Schweiß von der Stirn. „Macht er immer alle Pferde an einem Tag?“
Buffy nickte. „So muss ich die Anfahrt nur einmal bezahlen.“ Dann lächelte sie eines jener seltenen Lächeln. „Das ist schon komisch. Heute geht es ausnahmsweise mir mal blendend. Sehr schön, dann kann ich heute Abend wenigstens tanzen.“
„Bronze-Time, Luv?“
„Ich heiße nicht Luv!“
Spike lachte. „Wir sehen uns im Bronze, Luv“, verabschiedete er sich dann und ging in Richtung seiner Wohnung.
Buffy war keine Sekunde später an seiner Seite. „Was heißt das?! Ich habe jetzt den ganzen Tag dein Gesicht gesehen! Ich brauche wenigstens am Abend etwas Entspannung!“
„Heute morgen hat dir recht gut gefallen, was du gesehen hast“, konnte er sich nicht verkneifen zu sagen.
„Das ist nicht wahr!“ fuhr sie auf. „Ich war…ähm…überrascht!“
Er grinste nur. „Sicher doch.“ Und setzte dann hinzu. „Xander holt mich und Willow ab. Willst du mitfahren?“
„Ich?!“
„Du.“ Er verdrehte die Augen.
„Nein!“ Dann fiel ihr ein, dass sie noch nicht einmal mit Faith telefoniert hatte und diese bestimmt wollte, dass Buffy fuhr. „Oder doch. Ja, okay. Aber bilde dir bloß nichts darauf ein! Ich mag dich trotzdem nicht!“ stieß sie dann hervor, drehte sich um, warf den Kopf in den Nacken und stolzierte davon.
Spike grinste noch breiter und fühlte sich plötzlich gar nicht mehr so müde.
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„Buffy?!“ Willow fiel aus allen Wolken, als Buffy hinter Spike in das Auto einstieg.
Auch Xander am Lenkrad drehte überrascht den Kopf. „Buffy?“ Sein Blick wanderte von Buffy zu Spike und wieder zurück.
Dieser zuckte mit den Schultern. „Wir haben doch den gleichen Weg, oder?“
„Ja, j-ja“, antwortete Xander schnell und startete das Auto.
Spike beugte sich kurz zu Buffy. „Dir sollte vielleicht auch mal jemand sagen, dass du etwas anziehen sollst, wenn du das Haus verlässt.“
Ihr Kopf schoss zu ihm herum, traf auf sein Grinsen und der Zorn stieg wieder in ihr hoch. „Wer seit Wochen dasselbe Outfit trägt, sollte ganz still sein!“
Seine Augen wanderten über das großzügige Dekollete ihres extrem kurzen schwarzen Kleides hinab zum Saum, der einen fantastischen Blick auf ihre schlanken Schenkel frei gab.
„Heute passen wir farblich zueinander“, stänkerte er weiter. „Schwarz steht dir besser als Pink.“
„Weißt du, wie mich deine Meinung interessiert, Blondie?!“ fuhr ihn Buffy an. „Gar nichts! So was von absolut gar nicht!“
Willow drehte den Kopf, als sie die Diskussionen auf der Rücksitzbank vernahm. „Wie geht es deinem Arm, Buffy?“ versuchte sie, den beginnenden Streit zu beenden.
„Besser“, antwortete Buffy, trotzdem noch recht mürrisch. „Aber ich werde wohl noch 14 Tage nicht auf ein Pferd steigen dürfen.“
Xander parkte vor dem Bronze und Buffy war froh, aus der beunruhigenden Nähe von Spike zu entkommen.
Das Bronze empfing sie mit dem üblichen Lärm und der üblichen Enge.
„Oz sitzt dort hinten!“ Willow winkte aufgeregt in die Richtung des jungen Mannes und zog Xander mit sich. „Kommt, setzen wir uns.“
Spike folgte den beiden und sah sich dann nach Buffy um.
„Ich suche Faith“, erklärte diese.
Er zuckte mit den Schultern und Willow rief noch. „Wir halten dir einen Platz frei, Buffy!“
Buffy drehte sich um und wollte in der Menge untertauchen, als sie Spikes vergnügte Stimme hörte. „Das war heute ein sehr anstrengender Tag. Du schuldest mir zumindest einen Drink, Luv.“
Fluchend stürzte sie von dannen und versuchte sein Lachen, das ihr folgte, zu ignorieren. Dummerweise war Faith gerade mal wieder in einen Streit mit Angel verwickelt und Buffy überlegte, ob es sehr lächerlich aussehen würde, mit der Armschlinge zu tanzen.
Sie entschied sich erst einmal dafür, dass es das war, aber sie wollte keine neuen Schmerzen riskieren, indem sie das Ding einfach abband.
Deshalb schlenderte sie zur Bar, bestellte für sich einen Gin-Tonic und – sie wollte nicht genauer darüber nachdenken, dass sie das wirklich tat – für Spike eine Wodka-Cola.
Die beiden Gläser in der Hand balancierte sie durch die Massen, blaffte einen rothaarigen jungen Mann, der sie fast angerempelt hatte, böse an und erreichte zehn Minuten später den Tisch an der hinteren Seite des Saals, an dem die anderen drei und dieser Oz schon saßen.
Mit einer zornigen Geste knallte sie das Glas vor Spike auf den Tisch und ließ sich in den freien Sessel fallen. „Ich bezahle meine Schulden immer“, knurrte sie ihn an, als sie sein schon wieder amüsiertes Grinsen bemerkte.
Willow stellte ihr Oz vor, oder genauer Daniel Osbourne, der aber Buffy dann gleich erklärte, er wolle Oz genannt werden.
„Deine Freundin?“ fragte er dann mit einem Blick zu Spike.
„Nein!“ fuhr Buffy hoch, während Spike nur den Kopf schüttelte.
Spike griff nach dem Glas, das Buffy vor ihn gestellt hatte und beäugte es misstrauisch. „Hast du etwas rein getan? Arsen? Zyankali?“
„Ich schütte es dir gleich ins Gesicht!“
„Tststs“, schimpfte er gespielt und trank einen Schluck. „Warum bist du immer so aggressiv. Du solltest vielleicht auch mal ein bisschen trinken. Das kann entspannen.“
„Ich betrinke mich nie“, erklärte Buffy hochmütig. Zumindest nicht in der Öffentlichkeit…Sie würde ihm natürlich nicht erzählen, dass Alkohol bei ihr fürchterlich wirkte und sie sich noch genau an diesen Tag vor vielleicht einem Jahr erinnern konnte, als sie nicht auf sich gehört und einfach mit getrunken hatte. Davon abgesehen, dass es ihr den nächsten Tag fürchterlich schlecht gegangen war… Nein, sie wollte auch nicht daran erinnern werden, was sie an diesem Abend getan hatte. Auf dem Tisch tanzen war noch das Harmlosteste, an das sie sich zumindest auch selbst noch erinnerte…
„Spike!“ rief eine erfreute Stimme hinter ihnen und Buffy verdrehte genervt die Augen. War das heute hier das Treffen der Pensionspferdeeinsteller? Aber schließlich nahmen jetzt fast alle Privatreitstunden, zahlten dafür recht viel Geld und Buffy zwang ein Lächeln auf ihre Lippen.
Anya organisierte sich kurzerhand einen Sessel und schob ihn zwischen Spike und Buffy. „Das ist aber schön, dich wieder hier zu sehen“, begeisterte sie sich und warf dann Buffy einen Blick zu. „Hallo, Buffy.“
Buffy grüßte gequält zurück, doch Anya hatte ihre Aufmerksamkeit schon wieder Spike zugewandt.
„Geh heute bitte Angel aus dem Weg“, grinste sie. „Er zankt sich nämlich schon wieder mit seiner Freundin.“
„Die streiten sich immer“, brummte Buffy.
Anya drehte ihren Kopf zu ihr. „Ich habe gesehen, dass er ihr eine geklebt hat.“
„Was?!“ Ehe irgendjemand etwas sagen oder reagieren konnte, war Buffy aufgesprungen und stürzte in Richtung der anderen Seite des Raumes.
Spike fluchte laut. „Buffy! Bleib hier!“
Sie reagierte natürlich nicht und er war zu besorgt, um sitzen bleiben zu können. Weil er ahnte, dass Buffy sich in einen Streit einmischen würde.
Deshalb folgte er ihr durch die Massen, stieß genervt einen jungen Mann zur Seite, der nicht schnell genug aus dem Weg ging und rannte dann in eine Buffy, die wie vom Donner gerührt stehen geblieben war.
„Verdammt“, schimpfte er, erntete aber nicht einmal ein böses Wort, sondern nur ein.
„Wow…“
Deshalb folgte er ihrem Blick und sah gerade noch wie diese Faith ausholte und Angel ihre kleine Faust ins Gesicht schmetterte. Und sagte ebenfalls. „Wow.“
Buffy wusste nicht, ob Angel einfach überrascht war, aber er schlug nicht zurück. Obwohl sie es erwartet hatte.
„Was hattest du eigentlich gedacht, tun zu wollen?“ fragte plötzlich eine ihr wohlbekannte Stimme neben ihrem Ohr.
Sie drehte den Kopf und schaute in Spikes zornige blaue Augen. „Verfolgst du mich?“
„Ja!“ Er biss die Zähne aufeinander. „Dieser Mann ist gefährlich, Buffy! Du kannst dich nicht allein in einen handfesten Streit einmischen. Noch dazu, wenn du selbst verletzt bist!“
Ihr Mund öffnete sich erstaunt. „Und da hast du beschlossen, mir zu helfen?“ Das war bestimmt irgend so ein schlechter Traum.
„Nein! Ich habe beschlossen, dich davon abzuhalten, eine Dummheit zu machen!“ fauchte er ihr ins Gesicht.
„Ich brauche deine Hilfe nicht!“
„Wie schön!“ Wütend über sich selbst und seine Dummheit, sich um sie Sorgen zu machen, drehte er sich um und marschierte davon.
Buffys Blick folgte ihm und dem wehenden Ledermantel. Er hätte ihr geholfen. Das wusste sie plötzlich mit absoluter Gewissheit und es irritierte sie mehr als alles andere, was er bisher getan hatte.
Nachdenklich schlenderte sie zur Bar, ergatterte sich einen Hocker und bestellte sich noch einen Gin-Tonic. Ein Blick hinüber zu dem Tisch, an dem sie gesessen hatte, sagte ihr, dass Spike schon wieder dort angekommen und auf dem besten Weg war, Anyas heutiger One-Night-Stand zu werden.
Nun, dachte sie spöttisch, vielleicht war er ja auch so gut, dass er noch eine zweite Nacht bekam. Anya zumindest schien sich eine Menge von ihm zu versprechen. Buffy konnte sich nicht entsinnen, wann sie die Erotik-Shop-Besitzerin in einer derartigen Hochform erlebt hatte.
Wieso kam sie jetzt eigentlich auf den Gedanken, dass er gut sein könnte? Nur weil er ein wenig sexy aussah? Ein ganz klein wenig.
Als sich Anya dann jedoch zu Spike beugte, seinen Kopf zu sich zog und ihn küsste, als wollte sie jetzt und hier sofort zur Sache kommen, spürte Buffy einen eigenartigen Stich.
Er musste doch merken, was für eine Frau Anya war. Kundenfang, nannte Anya diese Methode und machte daraus nicht einmal einen Hehl. Und man musste ihr sogar zugute halten, dass es funktionierte. Anya schnappte sich nur allein stehende Männer, sie hatte sogar einmal lauthals verkündet, eifersüchtige Frauen würden ihr das Geschäft verderben. Und eine Geschäftsfrau war Anya ohne Zweifel. Buffy wettete sogar mit sich selbst, dass die Männer, die sie abschleppte, jede Menge der Spielzeuge kennen lernen würden, die sie dann in ihrem Laden käuflich erwerben konnten.
Spike schien gegen Anyas Aufdringlichkeit nichts zu haben, stellte Buffy nach einer Weile böse fest. Zornig kippte sie ihr Glas hinter und bestellte ein neues.
Faith schien heute mehr mit ihrem Angel beschäftigt zu sein, den der Faustschlag ins Gesicht vielleicht wieder zur Vernunft gebracht hatte, und tauchte gar nicht mehr auf.
Missmutig starrte Buffy in ihr Glas. Sie verspürte nicht einmal Lust zum Tanzen und je später es wurde, umso missmutiger wurde ihre Stimmung.
Das beste wäre zu gehen. Zur Not konnte sie auch heim laufen. Es würde zwar ein wenig länger dauern, aber es war ohne weiteres zu schaffen. Und immer noch besser, als hier zu sitzen und Trübsal zu blasen.
Oder hier zu sitzen und mit den Augen immer wieder auf einer Anya zu landen, die Spike abknutschte…
Wahrscheinlich hatte Buffy stumpfsinnig vor sich hin gestarrt, denn sie fuhr erschrocken zusammen, als eine Stimme neben ihr sagte. „Ich denke, du betrinkst dich nicht.“
Spike setzte sich auf den Barhocker neben sie und bestellte ein Bier.
„Was willst du denn hier?“ murmelte sie nur, trank ihr Glas aus und rief zum Barkeeper. „Das gleiche noch mal.“
„Sie will ein Wasser“, mischte sich Spike ein.
„Spinnst du eigentlich!“ fuhr sie ihn böse an. „Scher dich zurück zu Anya oder seid ihr schon fertig? Dann kann es ja nur ein Quicki auf der Toilette gewesen sein. Bist wohl doch nicht so gut wie sie dachte?“
„Du solltest jetzt aufhören zu trinken“, meinte Spike ruhig, ohne auf ihre Frage einzugehen, nahm sein Bier und bezahlte ihr Wasser mit.
„Hey, ich wollte einen Gin-Tonic!“ protestierte Buffy. „Seid wann wird hier auf irgendwelche gebleichten Spinner gehört?“
„Wir fahren dann und ich denke, wir nehmen dich mit“, sagte Spike neben ihr.
„Und wenn ich noch nicht heim will? Es ist gerade so schön hier. Ich habe überhaupt noch keine Lust, nach Hause zu gehen“, erklärte sie überheblich.
Er grinste. „Du hast noch nicht einmal getanzt.“
„Na und?! Es ist unbequem mit Armschlinge zu tanzen!“ Erst dann fiel ihr so richtig auf, was er gesagt hatte. „Wie willst du das wissen?! Du warst mehr damit beschäftigt, Anyas Kehle mit deiner Zunge zu erkunden!“
„Ach“, fragte er unschuldig. „Hast du uns beobachtet?“
„Nein.“ Buffy griff nach ihrem Wasser und trank es aus. „Ich sehe Anya oft genug mit Irgendjemandem. Das wird langsam langweilig. So schnell war sie allerdings noch nie fertig.“
Der Gedanke, dass sie ihn beobachtet haben könnte, gefiel ihm irgendwie. Weil es dann nicht mehr so schlimm war, dass er den ganzen Abend beobachtet hatte wie sie an der Bar einen Gin-Tonic nach dem anderen trank. Bis Anya sagte, er solle doch einfach hingehen und mit ihr reden…
Spike verurteilte Anyas Verhalten nicht. Die Frau sagte offen und ehrlich, was sie wollte – Sex und ein paar Orgasmen. Allerdings sagte sie auch, dass sie keinen Mann wollte, der mit den Gedanken bei einer anderen war. Auch wenn er sich selbst das vielleicht nicht einmal zugab.
Er trank ebenfalls aus. „Kommst du mit, Luv?“
„Geht es irgendwann in deinen Kopf, dass ich Buffy heiße?“ fragte sie genervt, als sie vom Barhocker sprang und an ihm vorbei stolzierte.
Spike seufzte, ehe er ihr folgte. Seine Augen blieben an ihrem süßen Hintern hängen, der beim Gehen auf niedliche Art hin und her schwang. Sie hatte wirklich eine blendende Figur und das tägliche Reiten sorgte sicherlich für kräftige Muskeln in ihren Beinen.
Er holte tief Luft, als ihm warm wurde, weil seine Gedanken sich plötzlich in die Richtung bewegten, wie es wäre, diese muskulösen Beine um seine Hüften geschlungen zu fühlen.
Zum Glück lenkte ihn Willow von diesen Gedanken ab. „Ach, da seid ihr ja. Fahren wir?“
Buffy traf die frische Luft wie ein Schlag und sie blieb einen Moment stehen, weil ihr schwindlig wurde. Es waren wohl doch ein oder zwei Gin-Tonic zuviel gewesen…
Spike warf ihr einen komischen Blick zu, sagte aber zu seinem Glück nichts, sondern stieg einfach nur ins Auto. Es dauerte auch nur einen Moment, dann hatte sich Buffy wieder unter Kontrolle und kletterte ebenfalls ins Innere, auf die Rücksitzbank neben Spike.
Buffy fühlte sich plötzlich müde. Das gleichmäßige Brummen des Autos trug nicht dazu bei, sie wach zu halten und wie von selbst schlossen sich ihre Augen.
Spike grinste vor sich hin, als er sah, dass sie ihren Kopf in die Polster lehnte und ihre Lider zufielen. Obwohl der Weg bis zu ihrem Hof nicht weit war, schien sie die Augen nicht aufhalten zu können.
Womit er allerdings nicht gerechnet hatte, war, dass sie zur Seite sank und plötzlich an ihm lehnte. Er schluckte kurz, warf einen Blick auf ihren Kopf und fragte sich, ob sie ihm eine kleben würde, wenn sie jetzt aufwachte, weil sie ihm die Schuld daran gab, dass sie an seiner Schulter lehnte.
Vorsichtig hob er seinen Arm, legte ihn um ihre Schulter, damit sie bequemer liegen konnte und erklärte sich selbst für bescheuert. Denn wenn sie jetzt aufwachen würde, wäre er geliefert.
Willow hatte den Kopf gedreht, kicherte, als sie das Pärchen auf dem Rücksitz bemerkte und Spike hob seinen Zeigefinger an die Lippen. Willow nickte grinsend, ehe sie wieder nach vorne sah.
Seufzend sah Spike über Buffys Kopf hinweg auf die Straße. Ihr Parfüm stieg ihm in die Nase und er spürte ihre Haare an seinem Kinn. Was tat er hier eigentlich?
Sie kuschelte ihre Wange an seine Brust, als sie eine bequemere Position suchte und seine Kiefer pressten sich zusammen, weil sein Körper auf sie reagierte. Das war ganz falsch. Er sollte sie von sich stoßen, ihr eine spöttische Bemerkung ins Gesicht werfen und ihr vorhalten wie lächerlich sie sich benahm.
Er tat nichts dergleichen, im Gegenteil, sein Arm zog sie näher an sich und er stellte kurz fest, dass sie wunderbar in seinen Arm passte. Zumindest wenn sie schlief…
Doch der Weg war zu kurz, um es lange zu genießen. Keine Viertelstunde später bog Xander in den Summerschen Hof ein und parkte das Auto vor dem Seitengebäude.
„Buffy.“ Spike schüttelte die Blondine in seinem Arm leicht. „Aufwachen, Luv. Wir sind da.“
Buffys Kopf schoss hoch und sie sah sich orientierungslos um. Erst dann fiel ihr auf, dass sie an Spike lehnte und dessen Arm noch immer um sie geschlungen war.
„Was genau tust du da?“ zischte sie ihm, plötzlich hellwach, ins Gesicht.
„Du warst der Meinung, mich als Kopfkissen benutzen zu müssen, Cutie“, entgegnete er spöttisch und gab sie frei.
Buffy löste sich hektisch von ihm und kletterte aus dem Auto. Sie hatte keine Ahnung wie sie etwas derart Idiotisches tun konnte.
„Danke fürs Mitnehmen, Xander. Bye, Willow!“ rief sie ins Auto, ehe sie die Tür zuknallte.
Spike winkte ebenfalls und sah dann dem Auto nach, das wieder vom Hof fuhr.
„Ich sehe noch einmal nach den Pferden“, murmelte Buffy, ohne ihn anzusehen und stürzte, so schnell es ihre Absatzschuhe zuließen, über den Hof. Sie sah nicht, dass Spike nickte, sich dann an die Wand lehnte und in seinem Ledermantel nach Zigaretten suchte.
Natürlich war im Stall alles in Ordnung und die Pferde dösten friedlich vor sich hin. Buffy zwang sich selbst, ein paar Minuten im Stall zu bleiben, um das Chaos, das in ihr herrschte, zu beruhigen.
Sie hatte tatsächlich die wenn auch kurze Autofahrt damit verbracht, an Spikes Schulter zu schlafen. An SPIKES! Wenn es Xander gewesen wäre…oder irgendein anderer Mann. Aber Spike…
Als sie den Stall mit einer normalen Pulsfrequenz wieder verließ, bekam sie den nächsten Schock, weil sie ihn am Eingang zu ihren beiden Wohnungen lehnen sah. Sie konnte seine Gestalt in dem Halbdunkel nicht genau erkennen, sondern sah nur das rote Glimmen seiner Zigarette, wenn er daran zog.
Während Spike das Dachgeschoss bewohnte, befanden sich ihre Zimmer in der ersten Etage, aber sie musste, ob sie wollte oder nicht, jetzt an ihm vorbei.
Dann wies sie sich selbst zurecht. Der Mann, der sie verlegen machte, musste erst noch geboren werden.
„Lungerst du immer noch hier rum?“ ging sie zum Angriff über, noch ehe sie den Hof überquert hatte.
„Willst du deine Mom und den Krümel wecken?“ fragte er leise und sah sie mit schief gelegtem Kopf an.
Buffy hatte keine Ahnung, warum das und die Art und Weise, in der er sie plötzlich ansah, eine eigenartige Wärme in ihren Körper schickten. Plötzlich strahlte seine ganze Haltung eine unverhohlene Sexualität aus, die ihr vorher nicht in dem Maß aufgefallen war.
Vielleicht hatte Faith doch recht. Er war heiß… Ihr Mund wurde trocken. Sie beobachtete wie er an seiner Zigarette zog, sie nicht aus den Augen ließ und kam sich plötzlich vor wie eine Beute.
Aber sie wollte niemals eine Beute sein. Eher die Jägerin. „Nein“, antworte sie genau so leise und kam langsam näher. Natürlich spielte der Alkohol, der noch immer in ihrem Blut kreiste, eine große Rolle und sorgte dafür, dass sie sich sehr überlegen fühlte.
Spikes Hand mit der Zigarette erstarrte in der Luft, als sie vor ihm stehen blieb, zu ihm aufsah und mit ihrer gesunden Hand nach der Zigarette griff.
„Auf dem Hof herrscht Rauchverbot“, erklärte sie liebenswürdig, zog die Zigarette aus seinen Fingern, warf sie zu Boden und trat sie aus. „Es wird Zeit, dass du dich daran hältst.“
„Du scheinst ja wieder recht munter zu sein“, murmelte er und Buffy fand erfreut, dass seine Stimme etwas angespannt klang. „Es war wohl sehr erholsam, an meiner Schulter zu schlafen?“
Ein Lächeln huschte über ihre Lippen. „Du warst halt gerade verfügbar“, meinte sie frech.
Es passierte selten, dass Buffy lächelte, aber dass sie so nah vor ihm stehen blieb, im gleichen Atemzug etwas derart Freches sagte, konnte schon fast als Flirten bezeichnet werden.
Spike zog langsam die Luft ein. Er ließ sie nicht aus den Augen und sie ihn ebenfalls nicht. Es schien fast so, als würden sie sich gegenseitig belauern.
„Ich hoffe, es hat dir gefallen“, sagte er dann und versuchte, seiner Stimme einen spöttischen Klang zu verleihen. Plötzlich fühlte er sich ebenfalls hellwach.
„Ich habe geschlafen“, erklärte Buffy belustigt. „Ich denke, mir war völlig egal, an wen ich mich lehne. Und wenn du es warst…nun ja, ich werde es überleben.“
Spike vergrub seine Hände in den Taschen seines Mantels. „Das freut mich zu hören.“
„Also?“ fragte sie dann herausfordernd. „Warum bist du jetzt hier und probierst nicht Anyas Spielzeuge aus? Hat sie dich tatsächlich nach einem Quicki abserviert?“
Er verzog die Lippen zu einem feinen Grinsen. „Interessiert’s dich?“
„Nein.“ Sie lachte leise und dieses Lachen jagte einen Stromstoß durch einen Körper. Er konnte sich nicht entsinnen, sie jemals Lachen gehört zu haben und so schon gleich gar nicht. „Aber ich kenne nicht einen einzigen Mann, den sie nach einem Quicki zum Teufel geschickt hat. Dann musst du ziemlich schlecht gewesen sein.“
Spike musste ebenfalls lachen. „Du bist neugierig“, stellte er dann fest.
„Bin ich nicht.“
„Bist du.“
„Bin ich nicht!“
„Gute Nacht, Buffy!“ grinste er, stieß sich von der Wand ab und ging zum Hauseingang.
Sie war keine Sekunde später hinter ihm. „Komm schon, Blondie“, stänkerte sie weiter, als sie hinter ihm die Stufen hinauf stieg. „Unser Cowboy versagt, wenn eine Erotik-Shop-Besitzerin ein paar Ansprüche stellt…“, trällerte sie.
Spike hatte sie auch noch nie Trällern gehört. Er wusste, dass sie ihn nur reizen wollte, dass sie ihn aus der Reserve locken wollte.
Dann hatten sie die Etage erreicht, in der ihre Wohnung lag und er drehte sich um. „Möchtest du es wissen?“
Buffy riss die Augen auf. „Was jetzt?“
Er machte einen Schritt auf sie zu und Buffy wich automatisch zurück bis die Wand im Rücken sie stoppte. Mit einem Grinsen stütze er seinen linken Arm neben ihrem Kopf gegen die Wand, legte den Kopf schief. „Ich kann mich an keinen Quicki erinnern“, sagte er dann leise. „Möchtest du wissen, ob ich *deinen* Ansprüchen genüge?“
„Nein“, flüsterte sie, ohne sich zu rühren. Sie konnte nicht glauben, dass das jetzt wirklich geschah und sie nicht schon längst ausgeholt und ihm eine geklebt hatte.
Spike hob die rechte Hand zu ihrem Gesicht, stricht sanft mit dem Zeigefinger die Linie ihres Kiefers entlang bis unter ihr Kinn. Da war weder Unsicherheit noch Verlegenheit in ihrem Blick, sondern eher eine Spur von Ärger. Ein Ärger, der Spike amüsierte.
„Lügnerin.“
Buffy hasste es, wenn man ihr die Kontrolle aus der Hand nahm. Und genau das tat er im Moment. Leider war sie durch den Arm, der in der Schlinge hing, etwas behinderte. Deshalb schoss nur ihre linke Hand hoch, krallte sich in das Leder seines Mantels und zog ihn an sich.
Spike zog scharf die Luft ein, als er plötzlich gegen ihren nur so spärlich bekleideten Körper gepresst wurde. Schlagartig reagierte ein Teil an ihm auf ihre Nähe und seine Hose fühlte sich eindeutig zu eng an. Er wollte es nicht, weil er ahnte, dass es irgendein Spiel war, das sie hier trieb.
„Niemand nennt mich Lügnerin“, stieß sie hervor. „Und du schon gleich gar nicht, Cowboy!“
Aus ihrem Mund klang das Cowboy wie ein Schimpfwort. Einen kurzen Moment blitzte es wütend in seinen blauen Augen, dann löste sich seine Hand von der Wand, schlang sich um ihren Hals und im nächsten Augenblick lagen seine Lippen auf ihrem Mund.
Und Buffy dachte, sie träfe der Schlag. Nein, falsch, sie hatte damit gerechnet, es vielleicht sogar heraus gefordert. Was sie nicht erwartet hatte, war, dass es sie umwarf. Seine Lippen verschlangen ihre, seine Zunge drängte fordernd zwischen ihre Zähne und Buffy stellte irgendwo weit entfernt in ihrem Kopf fest, dass er sich einfach fantastisch anfühlte.
Es war Verlangen pur. Mehr konnte es nicht sein, da sie sich ja bis vor kurzen noch gegenseitig angeschrieen hatten.
Der Ärger war verschwunden. Im Moment reagierte ihr Körper einfach nur auf seinen und das mit einer Macht, die sie nicht kannte. Buffy mochte es, die Kontrolle zu behalten. Immer. Sie entschied, wer und wann es sein sollte.
In diesem Augenblick entschied sie gar nichts. Sein Geruch nach Leder und Zigaretten stieg in ihre Nase, benebelte ihre Sinne und sie war froh, die Wand im Rücken als Halt zu haben.
Spike hatte damit gerechnet, dass sie ihn von sich stieß. Doch als sich ihre kleine Hand um seinen Nacken schlang und sie seinen Kuss erwiderte, wurde seine Erektion steinhart und drohte die Jeans zu sprengen. Er stöhnte unterdrückt in ihren Mund und irgendwo bildete sich der Gedanke, dass es sicherlich keine gute Idee war, das hier fort zu führen. Aber im Moment hatte ein anderer Teil seines Körpers das Sagen über sein Handeln.
Und jeglicher Gedanke an eine Beendigung ihrer Aktion verschwamm zu Nichts, als sie ihren Kopf von ihm löste, genau so keuchend Luft holte wie er selbst und er das Verlangen in ihren grünen Augen sah.
Die gleichen Augen, die ihn immer so abfällig und überheblich gemustert hatten, glühten jetzt mit einer Leidenschaft, die ihm die Sinne raubte.
„Verdammt“, fluchte er unterdrückt, küsste sie wieder, schlang die Arme um ihren zierlichen Körper und hob sie hoch.
Ihre Beine umklammerten Halt suchend seine Hüften, während sie versuchte, mit nur einem Arm um seinen Hals die Balance zu wahren.
„In die Wohnung“, stieß sie hervor.
Spike stolperte gegen die Wohnungstür, ohne sie abzusetzen. „Schlüssel?“
„Offen…“
Die Leidenschaft schien einen direkten Einfluss auf ihr Sprachvermögen zu haben. Besser gesagt, in ihren Köpfen schien nicht mehr sonderlich viel Platz für Worte zu sein.
Deshalb dachte Spike jetzt auch nicht darüber nach, weshalb jemand seine Tür nicht abschließen konnte. Es war ihm egal und er war froh darüber, jetzt nicht nach einem Schlüssel suchen zu müssen.
Buffy küsste ihn, drängte mit ihrer Zunge zwischen seine Lippen und rieb ihre Mitte an der Beule in seiner Hose. Ihr Körper verlangte nach ihm und das war jetzt nicht der richtige Zeitpunkt, um darüber nachzudenken, warum das so war. Sicherlich spielte der Alkohol eine Rolle. Und sicherlich die Tatsache, dass ihr letzter Sex eine Weile her war. Vielleicht auch, dass er sich einfach so umwerfend männlich anfühlte…
Spike stöhnte wieder, hatte fast die Befürchtung in seiner Hose zu kommen, wenn sie ihre Bewegungen fortführte und riss seinen Kopf von ihr los.
„Schlafzimmer?“
„Rechts…erste Tür…“ Buffy schnappte nach Luft, als er mit ihr gegen die Tür knallte, sie dann dagegen lehnte und nach der Türklinke angelte.
Dann hatte er es endlich geschafft, die Tür zu öffnen, stolperte ins Zimmer und fiel mit ihr zusammen auf das große Doppelbett. Keuchend starrte er in ihr Gesicht und Buffy stellte noch einmal fest, dass er tatsächlich heiß aussah. Mit den jetzt verwuselten blonden Haaren und den blauen Augen, die die Leidenschaft dunkler werden ließ.
Ihre linke Hand kämpfte mit seinem Ledermantel, versuchte ihn von seinen Schultern zu schieben, und sie verfluchte die Verletzung ihrer rechten. „Hilf mir, verdammt“, schimpfte sie leise.
Ein Lächeln huschte über seine Lippen, als er den Mantel abstreifte, achtlos neben dem Bett fallen ließ und Buffy schon ungeduldig an seinem Shirt zerrte. Er zog es für sie aus, warf es zu seinem Mantel und beugte sich über sie.
Die Finger ihrer Hand strichen fasziniert über seine nackte Brust. Er fasst sich auch so toll an wie er aussieht, dachte sie begeistert und beobachtete das Spiel seiner Muskeln unter ihrer Berührung.
Im nächsten Augenblick pressten sich seine Lippen wieder auf ihre. Buffy hatte keine Ahnung, warum ihr jegliches Denken so schwer fiel, wenn er sie küsste. Das war ihr noch nie passiert, aber selbst das war jetzt so vollkommen egal geworden.
Seine Hand glitt über ihre nackten Schenkel, schob den Saum des kurzen Kleides nach oben und Buffy stöhnte auf, als der raue Stoff seiner Jeans ihre empfindliche Haut traf.
„Du hast zuviel an“, stieß er hervor, fuhr mit den Fingern zum Bund des winziges Strings, den sie trug, und zerrte ihn ungeduldig über ihre Hüften.
Buffy fand, dass sie beide noch eindeutig zuviel anhatten. Und daran sollte sich schleunigst etwas ändern. Allerdings hatte sie Probleme, die Schlinge von ihrem Arm zu entfernen.
Spike lachte leise, zog ihr das Teil über den Kopf. „Hände über den Kopf“, kommandierte er und half ihr dann, das dünne schwarze Kleid auszuziehen. Es landete genauso achtlos neben dem Bett wie all die anderen Sachen und Spike hielt einen Moment den Atem an, als er Buffy jetzt völlig nackt unter sich auf dem Bett liegen sah.
Sie war noch schöner als er es sich hätte träumen lassen. Die blonden langen Haare umgaben ihren Kopf wie ein Fächer, ihre kleinen festen Brüste hoben und senkten sich bei jedem keuchenden Atemzug und der Ausdruck in ihren Augen raubte ihm schier den Verstand.
„Werd jetzt endlich die Hose los“, knurrte sie mitten in seine Träumereien und fingerte ungeduldig an den Knöpfen. Mit links machte sich das allerdings sehr schlecht.
Spike richtete sich auf, ließ sie nicht aus den Augen und öffnete seine Hose. Sie gab nicht einmal vor, nicht dorthin zu schauen und er grinste, als er sie scharf die Luft einziehen hörte.
„Wow“, murmelte sie fasziniert. Sie hätte ahnen sollen, dass alles an ihm einfach nur toll war.
Er warf die Hose zur Seite und war im nächsten Moment wieder auf ihr. „Freut mich, dass dir gefällt, was du siehst, Luv“, grinste er.
Ihr gesunder Arm schlang sich um seinen Hals. „Red nicht so viel, Cowboy“, flüsterte sie gegen seine Lippen, ehe sie mit der Zunge kurz darüber strich.
Spike gab etwas wie ein Knurren von sich. Seine Hand strich über ihren Körper. Er fühlte, wie sie sich aufbäumte, ihm entgegen und den Kopf zurück warf. Seine Lippen wanderten über ihren Hals, hinab zu ihren Brüsten und sie keuchte auf, als er eine der rosigen Spitzen in seinen Mund saugte.
Ihre Hand presste seinen Kopf an sich und die kleinen kehligen Laute, die ihren Mund verließen, machten ihn wahnsinnig.
Eigentlich wollte er sich nur noch in ihr vergraben. Seine Hand strich über ihren Körper hinab zwischen ihre Beine und er schloss einen Moment die Augen, als sie sich aufstöhnend in seine Berührungen presste.
„Oh Gott…Spike!“ schrie sie auf, als seine Finger sie neckten und umklammerte seinen Hals. „Spike…ich…oh Gott…“
Spike riss den Kopf hoch, als sie unter ihm erzitterte und er ihre Kontraktionen an seinen Fingern spürte. Ein Blick in ihr Gesicht ließ ihn jede Beherrschung, die noch in ihm existierte, vergessen. Die schönen grünen Augen waren halb geschlossen. Sie holte durch den geöffneten Mund keuchend Luft und sah einfach nur herrlich weggetreten aus.
Mit einer einzigen Bewegung stieß er vorwärts, hinein in ihre feuchte Hitze und stöhnte auf, als die Sensationen seine Sinne benebelten. Buffys Beine umklammerten seine Hüften und zogen ihn an sich.
Für einen Augenblick verfingen sich ihre Augen ineinander, einen Moment starrten sie sich einfach nur keuchend an. Dann presste Spike seine Lippen auf ihren Mund und begann, sich zu bewegen. Langsame kraftvolle Stöße, und zu spüren wie sie ihm begegnete, wie sie ihre Fingernägel in seinen Rücken krallte, jagte seinen Puls in die Höhe.
„Ja“, flüsterte sie und warf den Kopf zurück. „Oh Gott…ja…“
Sie schrie wieder, seinen Namen diesmal, als sie kam, bäumte sich auf, ihm entgegen und Spike ließ sich ebenfalls gehen. Seine Stöße wurden schneller, härter und ihre Hand klammerte sich in seinen Haaren fest, als er sich ein letztes Mal in ihr vergrub, mit einem Aufstöhnen ebenfalls kam und dann auf ihr zusammen brach.
Es dauerte Ewigkeiten bis er es schaffte, wieder den Kopf zu heben. Buffy schien noch nicht wieder auf dem Boden angekommen zu sein und er hob kurz seine Hand und strich ihr die schweißnassen Haare aus der Stirn.
Etwas, das fast wie ein Schnurren klang, drang aus ihrem Mund und ein Lächeln huschte über seine Lippen. Ohne weiter darüber nachzudenken, rollte er zur Seite, zog sie in seine Arme und schloss die Augen.
Sie schien nichts dagegen zu haben, denn sie kuschelte sich an ihn, als wäre es die natürlichste Sache der Welt.
Und es dauerte keine fünf Minuten bis sie beide eingeschlafen waren.
Das Schrillen des Weckers drang durch die Watte in Buffys Kopf, doch zum ersten Mal seit langer Zeit, schaffte sie es nicht, einfach die Augen aufzumachen und ihn abzustellen. Stöhnend kämpfte sie gegen die bleierne Schwere ihrer Augenlider und tastete sich zum Bettrand in Richtung Wecker vor.
Bis eine Stimme neben ihr knurrte. „Machst du endlich das verfluchte Ding aus!“
Als hätte man ihr einen Eimer kaltes Wasser über den Kopf geschüttet, riss sie die Augen auf, schlug auf den Wecker, dessen schrilles Klingeln verstummte, und sah auf die andere Seite ihres großen Doppelbettes.
Wahrscheinlich war Spikes Verstand noch genau so wenig zu gebrauchen, denn keine Sekunde nach dem er den Satz gesagt hatte, fuhr sein Kopf so erschrocken hoch wie Buffys und sie starrten sich einen Moment einfach nur gegenseitig fassungslos an.
In Buffys Kopf überschlugen sich die Gedanken. Spike. In meinem Bett. Nackt. Nackt?!!! Scheiße!!!
„Scheiße“, murmelte sie dann und stellte fest, dass sie genau so viel anhatte wie er. Nämlich gar nichts. Bilder der Nacht stiegen in ihrem Kopf hoch. Seine Küsse, seine Berührungen, er in ihr…Oh Gott!
Langsam kroch die Röte in ihre Wangen. Sie hatte ihn genau so leidenschaftlich geküsst, ihn berührt…seinen Namen geschrieen…Und sie fühlte sich auch so. So richtig ordentlich durchgev…Buffy! Hör auf!
„Scheiße“, stieß sie wieder hervor. „Sag, dass ich das geträumt habe.“
Er verzog spöttisch den Mund. „Dann muss das ein sehr realistischer Traum gewesen sein und wir hatten ihn beide.“
Sie stöhnte auf und wollte aus dem Bett springen, als ihr einfiel, dass sie nichts anhatte. „Verdammt“, fluchte sie auf und zog an der Bettdecke. „Gib sie her! Ich muss Pferde füttern!“
„Mit Bettdecke?“ erkundigte Spike sich belustigt. „Keine Angst, ich weiß wie du aussiehst. Hatte letzte Nacht genug Gelegenheit, dich anzusehen.“
Sie schlug nach ihm. Wenig erfolgreich, mit links, und erntete nur ein Lachen. „Raus aus meinem Bett!“ schimpfte sie erbost und zerrte wieder an der Decke.
„Mir hat die Buffy heute Nacht besser gefallen“, meckerte Spike und hielt die Decke genau so fest.
„Du wirst sie nie wieder erleben!“ schrie sie hysterisch, sprang dann, ohne sich weiter um ihn zu kümmern, auf und stürzte zu ihrem Schrank.
Spike blieb liegen, folgte ihr allerdings mit den Augen und beobachtete wie sie hektisch ein Shirt aus dem Schank zerrte und sich mit links abmühte, es so schnell wie möglich über den Kopf zu bekommen. Im Tageslicht sah sie noch fantastischer aus. Und auch, wenn sie ihn so wütend anfunkelte, konnte er das Feuer sehen, das in dieser zierlichen Person steckte.
Du bist ein Idiot, sagte er zu sich selbst. Er ahnte, dass es jetzt noch schwerer werden würde, miteinander auszukommen. Und er wusste auch, dass die Erinnerung an diese Nacht ewig in seinem Kopf herum spuken würde. Weil es so ziemlich der beste Sex seit langem gewesen war.
Natürlich war es nur Sex. Da machte er sich nichts vor. Aber er hätte ahnen sollen, dass die kleine heißblütige Buffy im Bett genau so wie eine Rakete abging.
Der Gegenstand seiner Überlegungen war gerade damit fertig, in einen Slip zu schlüpfen und kämpfte mit einer Hose. Es sah recht mühselig aus, aber er war weit davon entfernt, ihr Hilfe anzubieten. Es gefiel ihm viel besser, ihr noch eine Weile zuzusehen.
Außerdem war er müde und dies war eine Tageszeit, zu der er normalerweise nicht einmal aufwachte.
„Wenn ich wieder komme, bist du verschwunden!“ giftete sie vom Schrank aus und verschloss endlich die Knöpfe der engen Jeans.
Schade eigentlich. „Ich dachte, du bringst mir noch Frühstück ans Bett“, warf er ihr noch hinter her, als sie schon aus dem Zimmer rauschen wollte.
Sie hatte schneller kehrt gemacht, als er denken konnte und kniete im nächsten Augenblick über ihm auf dem Bett. Allerdings machte der rasende Zorn in ihren Augen jeglichen Gedanken an ein anderes Vorhaben zunichte.
„Wenn du irgendjemandem von dieser Nacht erzählst“, fauchte sie ihm ins Gesicht, „bringe ich dich um!“
„Klar“, antwortete er trocken. Wem sollte er es denn erzählen? Ihrer Mutter? Er war doch nicht wahnsinnig. Seinem Vater? Hey Dad, ich habe die Tochter von Joyce flach gelegt, jetzt ist sie noch wütender auf mich… Rupert würde ihm die Hölle heiß machen. Er glaubte sowieso nicht, dass an dem schlechten Verhältnis zu Buffy nur Buffy Schuld war.
Buffy sprang wieder auf und stürzte nun endgültig aus dem Zimmer.
Und Spike beschloss, dass um diese Zeit noch niemand von ihm verlangen konnte, das Bett zu verlassen. Egal, wem es gehörte.
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Buffy fütterte den Pferden nur Kraftfutter und ließ sie dann auf die Weide. Ihr Blick blieb an den beiden Quartern und Pepper hängen und sie sagte sich böse, dass Spike nur einen Grund hatte, die Pferde auch in der Nacht draußen zu lassen. Weil er zu faul war, früh aufzustehen.
Da Wochenende war und Riley frei hatte, mistete sie gleich noch die Ställe aus. Normalerweise hätte sie es Dawn übertragen, weil es eigentlich mit nur einer Hand unmöglich war, und sich noch einmal eine Stunde ins Bett gelegt, aber sie fühlte sich im Augenblick so, dass sie sich an irgendetwas abreagieren musste. Und wenn es halt Stallmist war.
Außerdem würde sie das Bett nur wieder an die Nacht erinnern. Und diese Erinnerung würde sie am liebsten streichen.
Nun, vielleicht nicht ganz. Denn das letzte Mal, dass sie guten Sex hatte, war viel zu lange her. Den Sex mit Riley bezeichnete sie im Nachhinein nicht mehr als gut. Jetzt schon gleich gar nicht mehr. Nach dieser Nacht.
Das dumme an der ganzen Angelegenheit war nur, dass es Spike gewesen war.
„Verflucht noch mal“, schimpfte sie leise mit sich selbst, während sie den Stallgang blitzsauber fegte. „Hätte er nicht wenigstens eine Niete sein können?“
Ihr Handgelenk schmerzte wieder fast so sehr wie am Tag des Unfalls und sie hatte mit dieser morgendlichen Kurzschlussreaktion sicherlich die Heilung verzögert.
Aber es war jetzt gegen halb zehn. Sie fühlte sich nicht mehr ganz so, als würde sie vor Wut gleich platzen und schlenderte relativ gelassen in Joyce Küche, wo ihre Mutter schon den Frühstückstisch gedeckt hatte.
Keine fünf Minuten später stürzte eine putzmuntere Dawn zur Tür herein. „Spike hört nicht“, verkündete sie. „Ich habe zweimal geklopft.“ Sie kicherte. „War er betrunken gestern, Buffy?“
Buffy hatte die Frage gar nicht verstanden, sondern nur Ich habe zweimal geklopft.
„Dieses gebleichte Scheusal“, stieß sie hervor, sprang auf und stürzte zur Tür.
Dawn sah eine genau so irritiert schauende Joyce an und meinte fragend. „Er muss doch nicht mit frühstücken, wenn er noch schlafen will, oder?“
Buffy dagegen nahm zwei Stufen auf einmal, krachte ihre Wohnungstür hinter sich zu und schrie. „SPIKE!“
Spike hatte schon der Knall der Tür geweckt. Als er sie jetzt schreien hörte, zog er sich das Kissen über den Kopf.
Doch sie riss die Schlafzimmertür auf und stemmte die Hände in die Hüften. „Ich habe es geahnt!“ Wütend griff sie nach seiner Hose und schmiss sie auf das Bett. „Zieh dich endlich an und mach, dass du aus meinem Bett kommst!“
Spike wurde auch langsam zornig. Natürlich war jetzt eine Zeit, zu der man aufstehen konnte. Er angelte nach seiner Hose, kletterte aus dem Bett und bedachte Buffy mit einem bösen Blick, während er in die Jeans stieg.
„Ich habe ja schon viel erlebt“, knurrte er und verschloss die Knöpfe. „Auch ein paar missgelaunte Frauen. Aber du übertriffst alles!“
Sie verschränkte die Hände vor der Brust. „Na und!“
Er schnappte sein Shirt, ohne es anzuziehen, seinen Mantel und ging zur Tür. „Ich hoffe, du suchst dir das nächste Mal einen anderen, wenn es dich juckt!“
Buffy wurde erst blass, dann rot. „Raus!“
Grinsend lehnte er sich zu ihr und hob die Augenbrauen. „Obwohl, nein, eigentlich kannst du auch zu mir kommen. Ich bin für einem heißen Fick immer zu haben.“ Seine Augen wanderten abschätzend ihren Körper hinab und wieder zurück zu ihrem Gesicht. „Und du bist in der Hinsicht wirklich nicht übel, Luv.“
Ihre Hand kam schneller geflogen, als er reagieren konnte, und auch wenn es die Linke war, landete sie doch mit einem herrlichen Klatschen in seinem Gesicht. Spike zuckte nicht einmal mit der Wimper, obwohl seine rechte Wange wie Feuer brannte.
„Raus“, sagte sie wieder, diesmal todernst.
Er verzog nur das Gesicht, schlenderte gelassen an ihr vorbei, aus ihrer Wohnung und die Treppen hinauf zu seiner eigenen.
Erst dort und nachdem er seine eigene Tür ruhig hinter sich geschlossen hatte, schmiss er seine Sachen mit einer wütenden Geste auf den Fußboden und trat zornig gegen die Wand.
„Verfluchte hochnäsige Ziege!“
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Buffy benötigte eine Weile, ehe das Zittern, das sie befallen hatte, abflaute und sie in der Lage war, zum Frühstückstisch zurück zu kehren.
Ihre Mutter warf ihr einen eigenartigen Blick zu, als sie sich wortlos setzte und ihr Brötchen bearbeitete, als hätte es ihr etwas getan.
„Spike ist doch wach!“ schrie Dawn plötzlich, warf das Besteck von sich und stürzte in den Hof.
„Spike, du hast gesagt, ich darf auf Donar mit ins Gelände!“ hörten Buffy und Joyce noch, ehe die Tür hinter der aufgeregten Dawn zuknallte.
Joyce lächelte schwach in Buffys steinernes Gesicht. „Riley hat gekündigt“, sagte sie dann leise.
Buffy benötigte eine Weile, ehe der Satz zu ihrem Gehirn durchdrang, weil sie sich einen Moment gedanklich darüber aufregte, wie Spike dazu kam, Dawn mit ins Gelände zu nehmen. Dann senkte sie die Hand mit dem Messer. „Gekündigt?“
Ihre Mutter nickte. „Ich habe es eigentlich eher erwartet. Nach dem Ende eurer…ähm…Beziehung.“
Buffy verzog gequält das Gesicht.
„Und dann, als wir uns mit den Lohnzahlungen immer wieder verspäteten…“ Joyce seufzte. „Ich habe es nie gut geheißen, dass du und er…na ja, du weißt schon. Weil in dem Moment, in dem die Beziehung in die Brüche geht, auch das gute Arbeitsklima vorbei ist. Riley ist am Ende nur geblieben bis er eine neue Arbeit gefunden hatte.“ Joyce lächelte wieder. „Zum Glück haben wir ja jetzt Spike.“
Scheiße, dachte Buffy langsam und unbehaglich.
Zum Glück rettete sie Dawns Zurückkommen. Der Teenager fiel enttäuscht auf den Küchenstuhl. „Er hat gesagt, er hat heute nicht die Nerven, mich mitzunehmen, weil er sich abreagieren muss.“
Joyce runzelte die Stirn. „Ist etwas passiert? Buffy?“
„Nein“, murmelte Buffy, fühlte sich noch unbehaglicher und wich dem Blick ihrer Mutter aus.
„Ich verstehe gar nicht, was du gegen ihn hast“, setzte Joyce hinzu. „Er ist so ein netter junger Mann. Habe ich dir schon erzählt, dass Rupert in zwei Wochen vorbei kommen und seine Investition begutachten will?“
Buffy stöhnte unhörbar. „Nein.“
Dawn fixierte sie über den Tisch. „Das ist bestimmt deine Schuld. Weil du dich wieder mit ihm gestritten hast!“ jammerte sie wieder über ihren nicht stattfindenden Ausritt.
„Dawn!“ fuhr Buffy böse auf.
Joyce legte ihrer jüngeren Tochter die Hand auf den Arm. „Dawnie, hör auf. Es gibt noch genügend Gelegenheiten auszureiten.“ Ein Blick in das Gesicht ihrer älteren Tochter sagte ihr jedoch, dass irgendetwas an Dawns Worten wahr sein musste. Aber sie würde nicht weiter in sie drängen. Sie wusste, dass Buffy sehr verstockt auf bohrende Fragen reagierte und es ohne weiteres schaffte, dann komplett dicht zu machen. „Jedenfalls können wir froh sein, dass Spike noch da ist. Ich weiß nicht, wie lange er noch vorhat zu bleiben, aber vielleicht kann ich ihn überzeugen, mit seinem Gehen zu warten bis wir eine neue Arbeitskraft gefunden haben.“
Buffy hätte am liebsten geheult.
„Es wäre wirklich schön, Buffy, wenn du etwas freundlicher schauen würdest. Und vor allem, wenn Rupert kommt. Er ist schon sehr neugierig auf den Hof und auf dich.“
Ihr Kopf schoss hoch. „Auf mich?!“
„Er sagte, er hätte dich schon einmal reiten sehen. Auf einem Turnier“, erklärte Joyce mit einem Lächeln. „Er stammt aus Sunnydale, weißt du.“
Das interessiert mich alles gar nicht! schrie es in Buffys Kopf. Ich will hier keine Cowboyinvasion. Und ich will, dass speziell einer wieder verschwindet.
Allerdings sagte sie. „Aha.“
Joyce nickte begeistert. „Er muss in meinem Alter sein. Oder etwas älter, aber ich kann mich an gar keinen Rupert Giles erinnern.“
Wenn er genau so ein Freak war wie sein Sohn, ist das kein Wunder.
Buffy stand auf. „In einer halben Stunde kommt Willow. Ich muss ihr Pferd rein holen.“
Sie flüchtete aus der Küche, weil sie weder die Schwärmereien von Giles Senior hören noch Dawns deprimierte Miene mehr sehen wollte.
Auf dem Weg zur Weide begegnete sie Spike, der gerade Damaron holte und sie tauschten einen kurzen eisigen Blick.
Die nächsten Tage, nein Wochen würden sicherlich sehr sehr anstrengend werden.
„Nimm ihre Zügel kürzer“, erinnerte Buffy die sich heute wirklich durch die Stunde quälende Willow.
Willows Gesicht verkrampfte sich noch mehr, als sie versuchte, Buffys Anweisung zu befolgen. Es hatte mittlerweile die Farbe ihrer Haare angenommen und Schweiß perlte auf ihrer Stirn.
„Der äußere Zügel führt das Pferd“, erklärte Buffy zu ihrem eigenen Erstaunen sehr ruhig, obwohl sie das schon hundert Mal erzählt hatte. „Er gibt dem Pferd die Anlehnung. Innen kannst du mit kurzen Paraden die Aufmerksamkeit des Pferdes wieder auf dich lenken, wenn sie sich am Gebiss festbeißt. Aber vergiss nicht, gleichzeitig zu treiben. Eine versammelnde Hilfe darf niemals ohne eine treibende kommen, weil du dein Pferd sonst auf die Vorhand fallen lässt und die Aktivität der Hinterhand verloren geht.“
Willow nickte. „Ich habe wohl einen kleinen Kater“, erklärte sie keuchend. „Ich fühle mich wie gerädert.“
Buffy lächelte leicht. Und ich erst…
Die Privatstunden, die Willow nahm, begannen sich auszuzahlen. Ihr Sitz hatte sich verbessert und Amalthea, ihre Stute, ging bedeutend schwungvoller als noch vor acht Wochen. Auch der Stute tat die regelmäßige Arbeit gut.
„So, jetzt galoppier an, eine Zirkelrunde, dann eine Zirkelrunde Trab und wieder angaloppieren. Versuch, die Übergänge weich zu reiten. Vergiss das Treiben nicht. Amalthea soll nicht aus dem Galopp fallen, sondern in den Trab hinein geritten werden.“
Willow nickte, scheuchte die Stute in einen Stechtrab, aus dem sie irgendwann in den Galopp sprang. Auf der falschen Hand.
„Stopp. Durchparieren!“ schimpfte Buffy. „Stelle sie erst wieder zusammen und galoppier erneut an. Mach sie darauf aufmerksam, dass gleich etwas passiert. Halbe Paraden innen, ein kleines Anticken mit der Gerte und dann die Schenkelhilfe…Siehst du!“ strahlte sie, als Amalthea in einen weichen Galopp sprang. „Sie kann es. Du darfst sie nur mit deiner Hilfe nicht überfallen.“
Selbst der Übergang zurück zum Trab klappte fast perfekt, doch dann riss Amathea ihren Kopf hoch, weil sie Hufeisen klappern hörte und Spike im nächsten Moment zum Tor herein geritten kam.
Buffy warf ihm nur einen kurzen Blick zu, sah aber selbst auf diese Entfernung, dass der Hengst nass war und noch immer keuchend atmete.
Willow bremste ihre Stute und winkte. „Hallo, Spike!“
Spike tippte sich nur kurz an seinen Hut, ritt am Reitplatz vorbei zum Stall. Willows Mund hatte sich geöffnet, als wolle sie noch etwas sagen, schloss sich dann jedoch wieder, weil ihr Spikes steinerne Miene sicherlich genau so aufgefallen war.
„Was ist denn mit ihm?“ fragte sie erstaunt.
Buffy zuckte nur mit den Schultern.
„Hattet ihr Streit? Gestern habt ihr euch doch gut vertragen“, wunderte sich Willow.
Buffy antwortete nicht.
Ihre Miene war genauso undefinierbar wie Spikes und Willows Blick wanderte noch einmal zwischen dem Mann und der schlanken blonden Frau hin und her.
„Reit wieder an“, sagte Buffy dann leise und irgendwie geistesabwesend. Sie sah zwar auf das Pferd und die rothaarige Reiterin, aber sie sah sie auch nicht. Die Andeutungen ihrer Mutter gingen ihr wieder durch den Kopf und sie hätte am liebsten geweint.
Es ist gut, dass wir Spike haben… Das ungute Gefühl in ihrem Magen verstärkte sich, als ihr aufging, dass Spike einfach seine Sachen packen, seine Pferde aufladen und verschwinden konnte. Er könnte den Vertrag zerreißen, sie mit ihren Schulden allein lassen und alles, was er in den letzten Wochen hier investiert hatte, sausen lassen. Die Giles hatten das Geld, sich diesen kleinen Verlust leisten zu können.
Und wenn er es täte, dass wäre es ihre, Buffys, Schuld.
Die Übelkeit in ihrem Magen verstärkte sich, als sie wieder einen kurzen Blick hinüber zum Stall warf, wo Spike Damaron angehängt hatte und dem Hengst den Schweiß aus dem Fell wusch.
„Buffy?“
Buffy schreckte zusammen und ihr Kopf fuhr zurück zu Willow, die sie jetzt reichlich konfus anschaute.
„Ist alles in Ordnung?“ fragte der Rotschopf zögernd. Diese stumme Buffy machte ihr fast Angst, vor allem weil ihr Mund in all den anderen Reitstunden kaum still gestanden hatte. Und dass sie heute noch nicht einmal laut geworden war, erschien ihr noch unheimlicher.
Buffy nickte. „Ich denke, wir hören für heute auf, Willow.“ Sie strich sich die Haare aus der Stirn zurück. „Du fühlst dich nicht sonderlich wohl und ich…ich bin wahrscheinlich heute auch nicht ganz bei der Sache. Ich zieh dir nur den halben Preis ab, okay?“ Ihre Augen waren schon wieder bei Spike und seinem Hengst.
Ihre Mutter würde ihr nie verzeihen, wenn sie den Vertrag mit den Giles zerstörte. Und was sollte aus Dawn werden?
Willow folgte ihrem Blick und sah dann wieder Buffy an. „Gut“, sagte sie leise, stoppte ihre Stute und stieg ab. „Bist du sicher, dass es dir gut geht?“
„J-ja, ja“, schreckte Buffy hoch. „Alles in Ordnung.“
„Also, wenn du willst“, begann Willow schüchtern. „Könnten wir noch einen Kaffee trinken gehen oder…oder ein E-Eis e-essen?“ Sie fing an zu stottern, als sie den völlig überraschten Ausdruck in Buffys Gesicht sah. Es war wahrscheinlich das letzte, womit sie gerechnet hatte.
„Eis?“ fragte Buffy perplex und starrte Willow mit großen Augen an. Willow wollte ein Eis essen gehen? Mit ihr?
Willow nickte eifrig. „Wir gehen öfter mal Eis essen oder einen Kaffee trinken oder ins Kino. Xander, ich und Oz. Manchmal ist auch Tara mit. Wenn du möchtest…“
„Ich weiß nicht“, antwortete Buffy unsicher. Sie war nie auf den Gedanken gekommen, in ihrer Freizeit auf die Besitzer der Pensionspferde zu treffen, aber Willow sah sie so freundlich an, dass sie die Idee plötzlich gar nicht mehr so schlecht fand.
„Weißt du was“, setzte Willow hinzu. „Ihr habt doch so eine nette Reiterstube hier. Ich kümmere mich um mein Pferd und du kochst uns einen Kaffee.“
Der Gegenstand ihrer unangenehmen Gedanken hatte endlich den Hof in Richtung Weide verlassen und Buffy nickte.
Eine Viertelstunde später saß sie neben einer im Gesicht noch immer roten Willow in dem Reiterstübchen und vor jedem von ihnen dampfte ein Becher heißen Kaffees.
Buffy hatte keine Ahnung, worüber sie sich mit Willow unterhalten sollte und rutschte unbehaglich auf ihrem Stuhl hin und her.
„Xander nimmt jetzt auch Privatreitstunden?“ fragte Willow, nachdem sie ihren Kaffee mit Zucker und Milch versetzt hatte.
„Ja.“ Buffy nickte.
„Das war wirklich eine gute Idee von…“ Willow warf einen vorsichtigen Blick in ihre Richtung. „…Spike.“
Das war es tatsächlich. Es ging sogar noch weiter. Buffy wusste von ihrer Mutter, dass innerhalb der nächsten Woche zwei neue Pensionspferde eintreffen würden. Westernpferde, zu Buffys Entsetzen, aber immerhin zwei neue Pferde, die jeden Monat Geld brachten. Selbst die Kinder kamen jetzt wieder regelmäßiger seit sich herum gesprochen hatte, dass Buffy etwas weniger schrie.
„Du müsstest darüber glücklich sein. Es wurde gemunkelt, dass sich der Hof nicht mehr lange gehalten hätte“, fuhr Willow fort.
Buffy starrte in ihren Kaffee und sah überhaupt nichts, weil sie mehr mit den Tränen kämpfte, die außer ihr selbst seit Jahren niemand mehr gesehen hatte. Und von denen sie auch nicht wollte, dass sie jemals wieder jemand sah.
„Du kommst nicht sonderlich gut aus mit Spike, oder?“ erkundigte sich Willow leise.
Buffy schüttelten wortlos den Kopf. Sie schaffte es nicht, etwas zu sagen. Denn in dem Moment, in dem sie den Mund aufgemacht hätte, wäre Willow das Chaos, das in ihr tobte, aufgefallen. Und da Buffy das keinesfalls wollte, hätte sie blockiert, irgendetwas sarkastisches von sich gegeben und Willow vor den Kopf gestoßen.
Das wollte sie wirklich nicht. Plötzlich wollte sie, dass der schüchterne Rotschopf sitzen blieb, ihr Gesellschaft leistete und sie von den fürchterlichen Gedanken über Spike ablenkte.
„Er scheint mir recht nett“, sagte Willow dann sanft. Sie ahnte, was in Buffy vor sich ging. Vielleicht sah sie ein, dass viele Veränderungen, die Spike durchgesetzt hatte, gar nicht so schlecht waren, aber sie würde das nicht zugeben. Dazu war sie zu stolz.
„Hm“, brachte Buffy heraus.
„Mir kam es so vor, als hättet ihr einen Teil der Zwistigkeiten begraben.“ Willow lächelte. „Ich war recht erstaunt, als du mit in das Auto gestiegen bist. Gestern.“
„Hm“, machte Buffy wieder.
„Er kann doch nichts über euren Kopf entscheiden, oder? Er benötigt eure Zustimmung?“
Buffy zuckte mit den Schultern. Als ob das eine Rolle spielte.
„Du willst nicht darüber reden?“
Eigentlich wollte sie mit jemandem reden. Sie wusste nur nicht wie oder was sie sagen sollte. „Doch, schon“, flüsterte sie dann.
Willow schaute auf Buffys blonden Kopf. Dass der selbstsicheren, manchmal so überheblich wirkenden Buffy plötzlich die Worte fehlten, konnte Willow kaum verstehen. „Ihr habt euch gestritten? Gestern noch?“
Ein Nicken. Dann ein Kopfschütteln. Dann vergrub Buffy ihr Gesicht in ihren Händen.
„Was mache ich nur, wenn er darauf besteht, den Vertrag zu annullieren?“ fragte sie verzweifelt und es klang nicht so, als würde sie von Willow eine Antwort erwarten. Eher so, als spräche sie mit sich selbst. „Wir würden den Hof verlieren…und ich wäre Schuld…“
„Aber…“ Willow verstummte, als Buffy den Kopf hob und sie mit einem so unglücklichen Ausdruck ansah, dass sich ihr Herz zusammen zog. Sie schluckte kurz, ehe sie fort fuhr. „Du könntest mit ihm reden“, schlug sie vor. „Dich entschuldigen?“
„Entschuldigen?“ Buffy schloss kurz die Augen, atmete tief durch und sah dann Willow an. „Es war weniger ein Streit…“
„Nein?“ Willows Augen wurden groß. Und plötzlich lief sie feuerrot an, als die Erkenntnis in ihrem Kopf aufstieg. „Nein…“, hauchte sie.
Buffy verzog das Gesicht. „Doch.“
„Oh je“, machte Willow.
Und Buffy bestätigte. „Oh je.“
Eine Zeitlang starrten sie jeder für sich auf ihre Tasse Kaffee. Dann hob Willow den Kopf. „Aber…aber warum sollte er denn den Vertrag annullieren? Ich…ich meine, er wollte es doch auch…“
„Davon redet ja auch niemand“, murmelte Buffy betreten. „Sondern vom nächsten Morgen. Ich war ganz schön entsetzt und…“ Plötzlich war sie unwahrscheinlich froh, mit jemandem reden zu können oder einfach jemanden zu haben, der ihr zuhörte. „…und ich bin dann nicht gerade sehr überlegt in der Auswahl meiner Worte. Er auch nicht…Und dann sagte Mom, Riley hat gekündigt. Er wollte auch nicht hier bleiben, nachdem ich die…die Beziehung beendet habe…und Spike habe ich wirklich schlechte Sachen an den Kopf geworfen…Ich meine, was ist das jetzt für eine Zusammenarbeit? Es war vorher schon keine. Und jetzt? Er macht mich wahnsinnig! Alles, was er sagt und tut. Er schaut mich an, als würde er sich über mich lustig machen. Er hat an allem, was ich tue, etwas auszusetzen! Er…“ Sie verstummte mitten in ihrem Satz und umklammerte ihren Becher Kaffee. „Ich würde jetzt einfach gehen und der Hof könnte mich mal“, piepste sie dann.
Willow hatte ihrem Redeschwall mit offenem Mund zugehört. Sie musste wieder mehrmals schlucken, ehe ihr ihre Stimme wieder gehorchte. „Du musst mit ihm reden.“
„Was?!“ fuhr Buffy auf und schüttelte wild den Kopf. „Nein, nein, nein.“
„Buffy“, sagte Willow eindringlich. „Spike ist, glaub ich, niemand, mit dem man nicht reden kann.“
„Er und ich, das bedeutet Streit. Wir können uns keine fünf Minuten in einem Zimmer aufhalten, ohne uns anzufahren. Ich kann mich nicht bei ihm entschuldigen! Er hat genau so hässliche Dinge gesagt!“
„Er hat nichts zu verlieren, Buffy, aber ihr jede Menge“, meinte Willow leise. „Rede mit ihm, ich bin sicher, er hört dir zu. So schlimm kann das Verhältnis ja nicht sein, wenn ihr…ich meine, wenn ihr…“ Sie wurde wieder puterrot und schaffte es nicht, den Satz zu vollenden. „Jedenfalls denke ich, du solltest es zumindest deiner Mom und deiner Schwester zuliebe tun.“
Buffys Gesichtsausdruck wurde noch unglücklicher.
Willow lächelte aufmunternd und legte ihr die Hand auf den Arm. „Kopf hoch, Buffy. Er wird ihn dir nicht abreißen.“
Nein, ganz sicher nicht. Aber Buffy bezweifelte, dass sie ein einziges Wort über die Lippen bringen würde, wenn er sie so spöttisch ansah. Sie würde bei dem Versuch einer Entschuldigung ersticken.
„Ich muss los.“ Willow stand auf. „Sehen wir uns heute im Bronze?“
„Ich glaube nicht“, murmelte Buffy und drehte den Kopf, als Willow zur Tür ging. „Danke“, sagte sie leise. „Danke fürs Zuhören.“
Und ein strahlendes Lächeln erhellte das Gesicht der schüchternen Willow. Sie winkte noch einmal kurz und öffnete dann die Tür.
Buffys Kopf sank auf ihre Arme und sie wünschte sich nichts sehnlicher, als in ein großes tiefes Loch zu fallen.
**************************
Buffy ging Spike bis zum Abend aus dem Weg. Sie tauchte nicht einmal zum Abendbrot auf und erfuhr so auch nicht, dass Spike ebenfalls fehlte.
Sie schloss sich in ihre Wohnung ein, warf sich auf das Bett und starrte zur Decke, während ihr Willows Worte wieder und wieder durch den Kopf gingen.
Zum ersten Mal in ihrem Leben hatte sie wirklich Angst. Angst vor einer Zukunft, in der man ihnen den Besitz wegnahm und sie mit den Schuldgefühlen leben musste, weil sie dafür verantwortlich war.
Es musste bestimmt eine Stunde vergangen sein, in der sie nur grübelte, und doch keine Lösung fand, als das Telefon klingelte.
Buffy angelte genervt nach dem schnurlosen Telefon neben ihrem Bett. „Ja.“
„Wo bist du, B?“ dröhnte Faiths Stimme an ihrem Ohr.
Buffy schloss die Augen. „Daheim.“
„Hier geht die Party ab und du willst zu Hause versauern?“ lachte Faith in ihr Ohr. „Zieh dich an und komm her.“
„Ich habe keine Lust, Faith.“
„Was ist denn mit dir los?“ fragte Faith erstaunt. „Mutierst du zur trüben Tasse, seit du zuviel Zeit mit deinen langweiligen Pferdebesitzern verbringst? Los, Süße, heb deinen Hintern hoch und setz dich ins Auto. Hier sind jede Menge heiße Kerle, die dich von deinen trüben Gedanken ablenken.“
„Nein.“
„Wie du willst“, kicherte Faith. „Ich sage nur, du verpasst etwas! Bye!“
Faith hatte die Verbindung schneller getrennt, als Buffy antworten konnte und sie starrte eine ganze Weile stumpfsinnig auf das Telefon. Willow, eine Frau, die Buffy kaum kannte, überredete sie zu einer Tasse Kaffee, weil sie bemerkte, dass Buffy Probleme hatte. Faith, ihre so genannte Freundin, verschwendete nicht einmal einen Gedanken daran, dass Buffy Sorgen haben könnte.
Es war eine verkehrte Welt, aber in diese Welt würde es vielleicht passen, sich bei Spike zu entschuldigen?
Seufzend stand Buffy auf, warf das Telefon zur Seite und ging zur Tür. Vielleicht war Spike ja längst im Bronze… oder beim Packen.
Sie kam sich vor wie bei ihrer eigenen Hinrichtung, als sie die Stufen zu seiner Wohnung empor stieg.
Vor seiner Tür zögerte sie noch einmal. Doch dann sagte sie sich, dass sie jetzt einmal hier stand, noch nie feige gewesen war, schimpfte mit sich selbst und klopfte.
Es erfolgte keine Antwort. Sie überlegte schon, ob sie noch einmal klopfen sollte, als sie seine Stimme hörte.
"Komm rein!“
Er klang…betrunken.
Buffy grub nachdenklich ihre Zähne in ihre Unterlippe, doch dann gab sie sich einen Ruck und griff zur Klinke. Die Tür war unverschlossen.
Sie kannte die Wohnung, da sie sie selbst mit Möbeln ausgestattet hatte. Vor Jahren schon. Deshalb blickte sie kurz suchend in die Küche und ging, als sie dort niemanden sah, weiter ins Wohnzimmer.
Spike saß auf der Couch, in seinen Jeans, einem diesmal grauen Shirt, hatte die Beine auf dem Tisch liegen und ein mit einer goldenen Flüssigkeit gefülltes Glas in der Hand. Sein Kopf lag an der Couchlehne und er hob den Kopf, als Buffy ins Zimmer trat.
Er sah auch betrunken aus.
Seine meist mit etwas Gel gebändigten Haare sturzelten in alle Himmelsrichtungen, ließen ihn jünger aussehen, als er war und ein schiefes Grinsen bildete sich in seinem Gesicht. Die Hand mit dem Glas hob sich in ihre Richtung.
„Schau an“, stieß er mit schwerer Zunge hervor. „Gerade die Person, die mir zu meinem Glück noch fehlte…“
Buffy antwortete nicht. Was auch?
Spike setzte das Glas an, trank es aus und angelte nach der halbleeren Flasche neben der Couch. „Was willst du?“ nuschelte er undeutlich, während er sich das Glas voll schenkte. „Bin grad nicht in der Stimmung für einen Fick…“
Sie biss die Zähne zusammen, obwohl der Zorn schon wieder in ihr hoch kochte. Es sah nicht so aus, als wäre es möglich, mit ihm ein vernünftiges Wort zu wechseln. Nicht mit diesem Alkohollevel.
„Ich geh wieder“, murmelte sie leise, wollte sich umdrehen und glaubte nicht einmal daran, dass er sie verstanden hatte.
„Willst du was trinken?“ knurrte er und lehnte den Kopf wieder gegen die Couch. „Hab noch was übrig…“
Sie ging zum Schrank, holte sich ein Glas und kam zur Couch zurück.
Spike hielt ihr die Flasche entgegen. „Kennst dich ja gut aus hier…“
Es war Whisky und eigentlich kein Getränk, das Buffy bevorzugen würde, doch sie goss sich das Glas voll und hoffte, der Alkohol würde ihr helfen, die richtigen Worte zu finden. Dann setzte sie sich in den Sessel neben der Couch.
„Spuck’s aus“, brummte Spike. „Was verschafft mir die Ehre?“ Er hob den Kopf wieder und starrte sie an. Eigentlich sah sie aus wie ein Häufchen Elend in diesem Sessel und das sollte ihn befriedigen. Schließlich fühlte er sich selbst nicht viel besser.
Buffy nippte an dem Whisky und fing an zu husten.
Spike verdrehte die Augen. „Sehnsucht nach mir?“ murmelte er träge. „Oder quartierst du alle deine Lover hier oben ein? Tja, hab dir einen Strich durch die Rechnung gemacht, musst dir heute jemand anders suchen, der’s dir besorgt…“
„Spike!“ Buffy kippte den Whisky runter, obwohl ihr Tränen in die Augen traten, aber sie hatte genug damit zu tun, den Drang aufzuspringen und hinaus zu rennen, zu bekämpfen. „Ich wollte mit dir reden!“ stieß sie dann hervor.
„So?“ Er lehnte den Kopf zurück und schloss die Augen. „Fang an.“
Sie knallte ihr Glas auf den Tisch und sprang nun doch auf. „Es war eine Scheißidee. Vielleicht sollte ich warten, bis du wieder nüchtern bist!“
Spike lachte leise. „Dann bin ich nicht mehr so friedlich…“
„Friedlich?!“ Buffy holte tief Luft. „Es tut mir leid“, stieß sie dann hervor. „Ich war erschrocken, entsetzt, überrascht…was weiß ich! Ich hätte dir nicht all diese Dinge an den Kopf werfen sollen!“
Seine Augen schossen übergangslos auf und er schaute plötzlich bedeutend nüchterner drein. „Was?“ fragte er völlig perplex.
Buffy sank wieder in den Sessel. „Mom würde es mir nicht verzeihen“, sagte sie leise. „Und ich wüsste nicht, was aus Dawn werden soll…Wenn du von dem Vertrag zurück trittst, weil ich dich beleidigt habe…Ich meine…ich könnte gehen, wenn du darauf bestehst, aber…aber ich möchte nicht, dass Mom den Hof verliert. Wegen mir.“
Spike starrte sie einfach nur an. Und selbst in sein vom Alkohol benebeltes Gehirn drang vor, was sie sagen wollte. „Du…denkst, ich könnte so etwas tun?“ fragte er fassungslos und entsetzt.
Ein Blick in ihr Gesicht reichte ihm als Antwort.
„Geh Buffy“, sagte er leise, griff wieder nach der Flasche und goss sich sein Glas noch einmal voll.
Buffy verstand gar nichts mehr. „Spike, ich…“
„Nein“, schnitt er ihr das Wort ab. „An dem, was passiert ist, trage ich die gleiche Schuld wie du. Ich würde einen Streit oder eine Auseinandersetzung mit dir nie auf den Schultern deiner Mutter austragen. Am ersten Tag vielleicht, aber nicht, nachdem ich schon Wochen auf diesem Hof verbringe und weiß, was für eine fantastische Frau sie ist. Also verkneif dir Entschuldigungen, die du eh nicht ehrlich meinst und scher dich aus der Wohnung!“
Seine Worte verletzten sie mehr, als sie es sich eingestehen wollte. Vor allem, weil sie vielleicht zum ersten Mal in ihrem Leben eine Entschuldigung hervor gebracht hatte. Und die war ehrlich gemeint.
Sie würde sich nie für etwas entschuldigen, wenn sie es nicht so meinen würde.
Zornig sprang sie wieder auf. „Warum sollte ich so etwas nicht denken?!“
„Raus!“ knurrte er nur.
„Willow hatte Unrecht“, fauchte sie. „Man kann nicht mit dir reden! Riley hat gekündigt, weil er mit mir nicht mehr arbeiten will! Warum soll ich denken, du bist anders!?“
Sie war schon fast an der Tür, als er fragte. „Was ist mit Riley?!“
Buffy blieb stehen, ohne sich umzudrehen. „Er hat gekündigt.“
Spike richtete sich auf. „Wieso hat er…“ Und fing an zu lachen. „Oh nein, du hast ihn vernascht und dann weggeworfen? Machst du das mit allen Angestellten so?“
Buffy ging wortlos weiter in den Flur hinaus. Gut, sie war los geworden, was sie hatte sagen wollen. Im Moment sah es nicht so aus, als würden sie obdachlos werden. Niemand konnte von ihr verlangen, dass sie sich Spikes Gelächter anhörte.
Er holte sie an der Wohnungstür ein. Das war erstaunlich, wenn man seinen Alkoholspiegel bedachte, aber Buffy selbst war wahrscheinlich blind und wie eine Schlafwandlerin gelaufen.
Wortlos ergriff er ihre Hand und zog sie wieder mit sich zurück ins Wohnzimmer. Und Buffy wusste nicht, warum sie das geschehen ließ.
„Setzen“, kommandierte er und gab ihr einen Schubs, als sie nicht reagierte. Dann schenkte er ihr und sich die Gläser neu ein.
Buffy nahm das Glas, sah ihn aber störrisch an. „Ich war mit Riley fast ein halbes Jahr zusammen“, sagte sie dann böse.
Spike hob bloß die Augenbrauen.
Und sie trank von dem scharfen Alkohol. Eigentlich war es gar nicht so schlimm, wenn man sich einmal an den Geschmack gewöhnt hatte.
„Den Vertrag unterzeichnet mein Vater“, sagte er dann. „Ich kann mich höchstens dagegen aussprechen. Annullieren oder zerreißen kann ich ihn nicht.“
Diesmal wusste Buffy nichts zu sagen.
„Du kannst jetzt bereuen, dass du den Versuch einer Entschuldigung über deine Lippen gebracht hast“, fuhr er fort und obwohl seine Worte es vermuten ließen, hörte sie keinen Spott im Klang seiner Stimme.
Deshalb stand Buffy auch nicht auf und ging endgültig, sondern nippte wieder an ihrem Glas. „Warum sitzt du hier und betrinkst dich?“
Er zuckte mit den Schultern und legte die Beine wieder auf den Tisch. „Es lenkt mich ab.“
„Aha“, machte sie nur und legte ihre Füße neben seine. „Wovon?“
Er grinste, lehnte den Kopf wieder zurück und starrte zur Decke. „Von der Überlegung, ob ich dir den Hintern versohlen oder dich noch einmal flach legen soll.“
Der Alkohol musste schon etwas in ihren Geist eingedrungen sein, denn sie sah ihn einfach nur ungerührt mit hoch gezogenen Augenbrauen an. „Denkst du nicht, ich sollte da ein Wörtchen mitzureden haben?“
„Nein.“
Buffy spielte mit ihrem Glas. „Wir haben einen Fehler gemacht…gestern Nacht.“
Er nickte langsam. „Wird wohl so sein.“
„Es…ähm…tut mir wirklich leid“, murmelte sie undeutlich. „Was ich gesagt habe…“
„Schon gut. Ich war nicht höflicher. Haken wir es ab.“ Spike kippte sein Glas hinter und füllte es neu.
Es stimmte, was er gesagt hatte. Seine Überlegungen gingen eindeutig in diese beiden Richtungen. Dummerweise nur gab er der letzteren Variante eindeutig den Vorzug und das hatte sich auch nach dem x-ten Glas nicht geändert.
„Genau“, bestätigte Buffy und hob ihr Glas in seine Richtung. „Haken wir es ab. Vergessen wir es…“
Er prostete ihr zu. „Vergessen wird schwer. Ich hab nicht so oft One-Night-Stands.“
Sie verdrehte die Augen.
Dann sank Spikes Hand mit dem Glas und er sah sie stirnrunzelnd an. „Nimmst du die Pille?“
„Ach?“ brummte sie gereizt. „Fällt dir das auch schon ein?“
„Ja oder nein?“
„Ja“, knurrte sie. „Aber die Frage hättest du vorher stellen müssen!“
Er grinste schief und recht betrunken.
„Dass ich hier sitze und mich mit dir betrinke, bedeutet nicht, dass ich dich plötzlich mag“, erklärte sie, trank ihr Glas leer und hielt es ihm zum Füllen hin.
„Würd ich nie denken“, antwortete er, während er den Whisky ausschenkte und kicherte dann. „Obwohl, gestern Nacht hast du mich gemocht.“
„Ich war dabei, das gerade zu vergessen!“
„Dann sollten wir schleunigst weiter trinken!“
Eine Stunde später schliefen sie. Spike auf der Couch, die Füße noch immer auf dem Tisch und Buffy zusammengerollt im Sessel…
************************
Es änderte sich nicht unbedingt viel in den nächsten Tagen.
Buffy war am Morgen nach ihrem gemeinsamen Whiskyumtrunk mit schmerzenden Gliedern und einem dröhnenden Kopf viel zu spät aufgewacht. Spike schlief noch, lag aber jetzt zumindest bequem auf der Couch und sie dachte einen Moment böse, dass er sie ruhig hätte wecken können.
Sie weckte ihn ebenfalls nicht, sondern schlich aus der Wohnung, fütterte die Pferde, die schon auf sie warteten und ließ sie auf die Weide. Dann verkroch sie sich in ihrem Bett und schlief zum Erstaunen ihrer Mutter bis Mittag.
Als sie sich zum Mittagessen aufraffte, hatte Spike schon mit Dawns Hilfe die Ställe gemistet, Wasser auf die Weiden gefahren und sah viel munterer aus als sie selbst. Was sie wieder einmal ärgerte.
Trotzdem bemühten sie sich beide, miteinander wie normale Menschen umzugehen. Spike riss sich zusammen und gab weniger spitze Bemerkungen von sich und Buffy bemühte sich, nicht in allem, was er sagte, einen persönlichen Angriff zu sehen.
Es fiel sogar Joyce auf, die irgendwann einmal erfreut fragte, ob sie sich ausgesprochen hätten und wie froh sie darüber wäre. Buffy hatte ein essigsaures Gesicht gezogen und Spike undefinierbar gegrinst.
Trotzdem war es, als würden sie auf einem Pulverfass sitzen, das im nächsten Moment explodieren konnte.
Buffy hatte eine solche Situation noch nicht erlebt. Seit ihr Vater den Hof verlassen hatte und das war jetzt sieben Jahre her, hatte in Bezug auf die Pferde Buffy jede Entscheidung gefällt. Natürlich hatte sie sie mit ihrer Mutter abgesprochen, doch Joyce wusste, dass Buffy, wenn es um Pferde ging, kaum zu irgendwelchen Kompromissen bereit war.
Und Buffy war stolz.
Auf den Hof, auf den Ausbildungsstand der Tiere und auf die Qualität ihrer Ausbildung. Sie forderte das Höchste, weil sie an sich selbst die gleichen Anforderungen stellte.
Und dann kam Spike und hatte an allem, was Buffy tat, etwas auszusetzen. Natürlich schrie sie jetzt nicht mehr sofort. Jetzt diskutierten sie stundenlang. Doch all die Diskussionen endeten in nichts, weil keiner von beiden von seiner Meinung abwich.
Dawn betrat schon gar nicht mehr den Raum, wenn sie darin die Stimmen von Spike und Buffy hörte und selbst Joyce war mehr als einmal genervt geflüchtet, weil sie immer lauter wurden.
Buffy gab zu, dass er in manchen Dingen Recht hatte. Die Pferde fühlten sich auf der Weide wohl und entgegen Buffys Befürchtungen wurden sie auch nicht träge und fett, weil alle täglich bewegt wurden.
Aber in vielen anderen Dingen, selbst in Kleinigkeiten gerieten sie immer wieder aneinander. Buffy bildete sich sehr viel auf den Ruf des Hofes und das Niveau der Ausbildung ein. Und eine exquisite Dressurausbildung bekam man nur durch hartes Training. Sie konnte die Reitschüler nicht mit Samthandschuhen anfassen und ihnen hundert Mal mit freundlichen Worten dasselbe erzählen, wenn ein scharfes Wort das gleiche sofort erreichte.
Spike hielt ihr vor, dass keiner ihrer Schüler Grand Prix reiten wolle, sondern sie einfach nur lernen wollten, sich auf einem Pferd zu halten. Freizeitreiter halt.
Buffy wollte keine Freizeitreiter ausbilden.
Diese Auseinandersetzung endete damit, dass Buffy aus dem Zimmer rauschte, weil Spike sagte, den Gedanken an eine Dressurkarriere solle sie sich endlich abschminken und sich auf die Freizeitreiter konzentrieren, die ihr täglich das Geld auf den Hof brachten und die ihre Aufmerksamkeit tatsächlich verdienten.
Dann kamen die beiden neuen Westernpferde, die Spike auf einer der hinteren Weiden einquartierte.
Ihre Besitzer, zwei junge Männer namens Andrew und Jonathan, gingen Buffy gleich am ersten Tag auf die Nerven und dabei hatte sie mit den beiden außer einer Begrüßung kein Wort gewechselt.
Aber sie sah das ungepflegte Sattelzeug, die ausgewaschenen Jeans, die die beiden trugen, und konnte nur die Zähne zusammen beißen, während Spike mit den beiden redete.
Sauberkeit war das A und O im Hause Summers. Allein der Gedanke an ihre jetzt immer schmutzige Schimmelstute verursachte Buffy Übelkeit, aber wenn die Unsauberkeit jetzt auch noch auf den Stall übergreifen sollte, würde sie durchdrehen.
Andrew und Jonathan stritten sich beim Ausladen ihres Pferdehängers gerade darüber, ob Luke Skywalker mit einem blauen Lichtschwert nicht besser ausgesehen hätte als mit einem grünen und Buffy wurde noch schlechter.
Im Stall stand Spike mit in den Hosentaschen vergrabenen Händen und musterte nachdenklich den Stallgang. Buffy stöhnte unterdrückt, weil sie wusste, dass diese Haltung nichts Gutes verhieß.
Als er sie kommen hörte, drehte er den Kopf und grinste sein typisches Grinsen.
„Ich will nichts hören“, murmelte sie genervt. „Ich habe genug damit zu tun, die beiden Freaks da draußen zu verarbeiten. Ich will nicht hören, was wieder durch deinen Kopf geht.“
„Es ist zu dunkel in dem Stall.“
Buffy atmete tief durch. „Es ist ein genormter Pferdestall. Er hat Fenster, Paddocks und Belüftung!“
„Ich habe daran gedacht, eine Lichtleiste in die Decke einzubauen“, begann er.
„Ich will nichts hören!“
„Und die Wände zwischen den Boxen der hinteren Reihe heraus zu reißen…“
„Was?!“ Buffy blieb wie vom Donner gerührt stehen.
„…um sie zu einer Art Offenstall umzufunktionieren.“ Spike deutete auf die sieben Boxen vor der Tür in die Halle. „Zumindest diese. Wenn es kälter wird, brauchen auch die Westernpferde einen Unterstand und man könnte eine Verbindung vom Stall zu den Weiden errichten.“
„Hast einen Bauwahn oder so was?“ fragte sie erbost. „Es zieht im Stall, wenn er an zwei Seiten offen ist!“
„Mit Folienvorhang?“ schlug Spike vor und grinste wieder. „Es könnten auch Folien an die Paddockboxen.“
„Du gehst mir ganz schön auf die Nerven“, knirschte sie.
„Hast du den Round Pen schon gesehen?“ feixte er weiter. „Er ist seit gestern fertig. Du kannst ihn ruhig benutzen, wenn du deine Stute longierst so lange du noch nicht reiten kannst.“
Buffy funkelte ihn noch einmal an und ging dann einfach weiter. Sie hasste es, ihre Hand noch nicht wieder benutzen zu dürfen und wollte gar nicht daran erinnert werden, dass sie seit 14 Tagen auf keinem Pferd gesessen hatte.
Seinen blöden Round Pen würde sie trotzdem nicht benutzen. Basta.
Spikes Blick folgte ihr amüsiert. Es war eine Woche seit der Nacht vergangen und weder er noch sie hatten es je wieder mit einem Wort erwähnt.
Dass seine Augen jetzt wieder an ihrem Hintern hängen blieben, hatte garantiert nichts damit zu tun, sondern lag einfach daran, dass sie diese verflixt engen Reithosen trug, die ihren süßen Hintern so nett betonten.
Denk an etwas anderes, du Idiot, fuhr er sich selbst an, weil in seiner Erinnerung ihr Bild ohne diese Hose aufstieg. Du hast vor, noch eine Weile hier zu verbringen.
Trotzdem fand er den Gedanken, gar nicht mehr so übel. Er hatte es nicht vorgehabt, aber es war seiner Meinung nach noch eine Menge zu tun und er wusste genau, dass Buffy alles daran setzen würde, einen Teil seiner geplanten Veränderungen zu vereiteln.
Deshalb war es ihm auch ganz Recht, dass Joyce gefragt hatte, ob er bleiben würde bis sie einen neuen Angestellten gefunden hätten. Das schien sich schwieriger zu gestalten, als er angenommen hatte, denn auf die sofort geschaltete Annonce hatte sich in den letzten sieben Tagen noch nicht eine einzige Person gemeldet.
Allerdings sollte er sich in Bezug auf Buffy zusammen reißen. Sie schien tatsächlich einfach vergessen zu haben, was passiert war.
Er hatte es nicht. Und jedes Mal, wenn ihre Augen funkelten, weil sie ihm ihre Meinung zu einem bestimmten Thema sagen musste – die natürlich grundsätzlich das Gegenteil seiner eigenen war – stieg die Erinnerung an diese Nacht in ihm hoch.
Sie war ein Energiebündel, manchmal ein wirklich hochnäsiges arrogantes Energiebündel, aber er sah die Leidenschaft, mit der sie ihren Standpunkt verteidigte, jetzt in einem anderen Licht. Sie kämpfte für das, an was sie glaubte.
Spike war noch nie eine Frau mit einem derartigen Willen und einer solchen Zielstrebigkeit begegnet. So etwas respektierte er, auch wenn er in vielen Dingen anderer Meinung war.
Und so etwas reizte ihn. Mehr als er es sich eingestehen wollte.
Spikes
Augen wurden groß, als er eine recht zornig aussehende Buffy mit seinem
Westernsattel aus dem Stall stiefeln sah.
Sie knallte den Sattel über den Anbindeholm vor dem Stall, an welchem er gerade
die letzten Verschraubungen anbrachte und giftete.
"Dieses dreckige Ding kommt erst wieder in die Sattelkammer, wenn du ihn
gereinigt hast!"
Er kam gar nicht dazu zu antworten, weil sie sich einfach wieder umdrehte und in
den Stall zurück rauschte.
Auf der anderen Seite des Hofes fing Joyce, die gerade aus dem Büro getreten
war, an zu lachen.
Keine zwei Minuten später war Buffy wieder da, ließ seine drei Zäume neben ihm
fallen und verschwand wieder im Stall.
Spike starrte auf seinen Sattel, dann auf das Zaumzeug zu seinen Füßen und rief.
"Dawn!"
"Dawn ist bei ihrer Freundin Janice", erklärte Joyce belustigt und schlenderte
über den Hof. Mit einem Blick auf Spikes Sattel verzog sie das Gesicht. "Buffy
legt sehr viel Wert auf Sauberkeit und in diesem Fall muss ich ihr eindeutig
Recht geben."
"Ja?" murmelte er ungläubig. Natürlich blitzte an Buffy immer alles, angefangen
bei den Reitstiefeln, ihrer immer pieksauberen, gebügelten Kleidung bis hin zu
ihrem blank polierten schickten Dressursattel.
Und natürlich war sein Sattel etwas eingestaubt. Ja, gut, am Gurt klebte noch
der Schweiß des Pferdes. Er verzog das Gesicht. Die Trensen hatte er wohl auch
lange nicht mehr gewaschen… Schließlich hatte er keinen Putzfimmel!
"Dein Vater hat noch einmal angerufen", sagte Joyce freundlich und verkniff sich
ein Schmunzeln. "Er denkt, dass er gegen Abend hier sein wird", fügte sie noch
hinzu, ehe sie sich umdrehte und wieder im Büro verschwand.
Spike kratzte sich nachdenklich am Kopf.
Sein Sattel war zu teuer, um ihn ein paar Nächte unter freiem Himmel hängen zu
lassen. Auch wenn es nicht nach Regen aussah. Eigentlich blieben ihm nur zwei
Möglichkeiten.
Die erste wäre, sich mit Buffy streiten, aber irgendwie hatte er das Gefühl,
diesmal den Kürzeren zu ziehen. Oder zweitens, er putzte jetzt seinen Sattel.
Weibsbild, dachte er mürrisch, ließ dann aber sein Werkzeug fallen und begab
sich in den Stall, um nach Sattelseife und Lederfett zu suchen.
**********************
Buffy war von Rupert Giles angenehm überrascht. Sie wusste nicht, was sie
erwartet hatte. Vielleicht irgendetwas extremes, das sich mit Spikes Outfit
messen ließ.
Aber Giles war ein fast erschreckend normaler Mann, der ihr lächelnd die Hand
hinstreckte, um sie zu begrüßen und sie dabei neugierig durch seine Brille
musterte. Er schien etwas älter als ihre Mutter oder sah älter aus, Buffy hatte
keine Ahnung, da sie nie danach gefragt hatte.
"Joyce", begrüßte er dann Buffys Mutter fast enthusiastisch. "Ich freue mich
wirklich, noch einmal das kleine Städtchen Sunnydale besuchen zu können."
"Möchtest du erst einen Tee trinken, Rupert, oder die Anlage sehen?" fragte
Joyce neugierig.
Buffys Mund klappte auf. Die waren schon per du?! Ein Blick zu Spike sagte ihr,
dass dieser seinen Vater genau so eigenartig musterte.
Sie besichtigten zuerst die Anlage, aber diesmal kam sich Buffy vor wie ein
Gast, weil es sich ihre Mutter nicht nehmen ließ, die Führung selbst zu leiten.
Spike lief mit in den Taschen vergrabenen Händen neben ihr her und sein fast
düster zu nennender Gesichtsausdruck gab ihr zu denken.
"Nun", begann Giles, nachdem sie es sich in dem kleinen Wohnzimmer der Summers
gemütlich gemacht hatten. "Das sieht doch alles sehr viel versprechend aus. Ich
hoffe, Spike war nicht zu unverschämt."
Er schmunzelte, als Buffy den Mund öffnen wollte, ihn jedoch wieder schloss,
weil ihre Mutter ihr einen scharfen Blick zuwarf.
"Nein, nein", sagte Joyce schnell. "Spike ist ein netter junger Mann und wir
kommen wunderbar miteinander aus."
Das war Buffy dann doch zuviel. "Also, du kannst ja für dich reden, aber nicht
für mich!" fuhr sie auf. "Ich kann nicht behaupten, dass ich *wunderbar* mit ihm
auskomme!"
Giles nickte. "Spike kann manchmal recht unbequem sein."
"Unbequem und ärgerlich", bestätigte Buffy.
"Denk nur nicht, es ist einfach, mit dir auszukommen, Summers", knurrte Spike
aus seinem Sessel.
Joyce und Giles vertieften sich in ein Gespräch über die Einzelheiten des
Vertrags, während Buffy anfing, sich zu langweilen.
Irgendwann tauchte auch Dawn auf und Buffy nutzte die Gelegenheit zu flüchten,
um die Pferde von der Weide zu holen und zu füttern.
Keine zwei Minuten, nachdem Buffy den Raum verlassen hatte, sprang Spike auf.
"Ich helfe ihr." Und stürzte ihr nach.
Giles und Joyce tauschten einen verwunderten Blick, doch Dawn winkte nur ab.
"Das ist immer so. Erst streiten sie sich und dann helfen sie sich wieder
gegenseitig", erklärte sie großspurig.
"Ich hatte schon das Schlimmste befürchtet", gab Giles zu. "Als du mir von den
ewigen Streitereien erzählt hast. Aber so schlimm kann es nicht sein. Ich kenne
meinen Sohn. Und wenn er jemanden wirklich nicht ausstehen kann, rührt er keinen
Finger."
Joyce lachte plötzlich leise. "Du hättest heute Nachmittag sein Gesicht sehen
sollen, als sie seinen Sattel aus dem Stall geräumt und ihm erklärt hat, der
käme erst in sauberen Zustand wieder rein."
Dawn schlug sich kichernd die Hände vors Gesicht. "Das gab sicherlich einen
Heidenkrach, als er ihr erklärt hat, sie solle sich den Sattel sonst wohin
stecken."
"Dawn!" fuhr Joyce auf. "Was sind denn das für Redensarten!"
Dawn verzog das Gesicht. "Hab ich von Spike", murmelte sie unhörbar und fragte
dann laut. "Und?"
Joyce lächelte. "Er hat den Sattel geputzt."
Diesmal klappte selbst Giles Mund auf und Dawn starrte ihre Mutter fassungslos
an. "Hat er nicht."
"Doch. Hat er." Joyce stand auf. "Ich sehe mal nach dem Essen. Bis Buffy wieder
da ist, müsste es fertig sein."
************************
"Du nervst wirklich", stöhnte Buffy, als Spike an ihrer Seite auftauchte. "Hab
ich denn nicht irgendwann mal Ruhe vor dir?"
"Du kannst nicht verlangen, dass ich dem Geturtel da drin noch länger zuhöre",
verteidigte er sich, schnappte sich ebenfalls zwei Stricke und folgte Buffy
hinab zu den Weiden.
Und blieb wie vom Donner gerührt stehen. "Ach du Scheiße", entfuhr es ihm.
Neben ihm schrie Buffy wie eine Furie auf. "Ich glaube das nicht!"
Fassungslos und entsetzt starrte sie auf die Weide, auf der sich eigentlich
Spikes beide Quarter und Pepper tummeln sollten, auf der aber im Moment eine
Schimmelstute stand und mit gespitzten Ohren dem dunkelbraunen Hengst entgegen
schaute, der plötzlich schnaubend seinen Hals wölbte und auf der Stelle
tänzelte.
"Ich bringe ihn um!" kreischte Buffy. "Ich kastriere ihn!" Und rannte hinab zu
den Weiden.
Spike war keine Sekunde später hinter ihr. Er hatte keine Ahnung wie die Stute
in die Weide gekommen war, denn soweit er erkennen konnte, standen alle Zäune
noch. Eigentlich gab es nur eine Möglichkeit, die Stute war gesprungen, doch ihm
war vollkommen klar, sollte er dies auch nur andeuten, würde Buffy explodieren.
Aber eigentlich würde sie sowieso explodieren.
"Buffy, warte!" rief er laut. Er sprintete los, weil sie nicht hörte und er
ahnte, dass sie einfach in die Weide hinein rennen und mit bloßen Fäusten auf
den Hengst losgehen würde.
Er fing sie kurz vor dem Zaun, wollte ihren Arm ergreifen, um sie fest zu
halten, doch Buffy war wie von Sinnen. Sie drehte sich um und schlug auf ihn
ein.
"Dieser elende scheiß Hengst!" schrie sie hysterisch. "Ich wusste, dass das nur
Ärger gibt. Alles, was mit dir zusammenhängt, ergibt nur Ärger!"
Sie wollte unter dem Zaun hindurch kriechen, doch Spike zog sie zurück. Buffy
schlug wieder nach ihm, traf auch irgendwo in seinem Gesicht, verlor das
Gleichgewicht und riss ihn mit zu Boden.
Spike wusste sich keinen Rat mehr. Sie war zu hysterisch, um irgendetwas zu
hören, was er sagte. Deshalb schlang er einfach seine Arme um sie und hielt sie
mit seinem Gewicht am Boden fest.
"Bist du bescheuert!" kreischte sie und versuchte, ihn weg zu stemmen, doch er
war zu schwer.
Spike fing ihre Hände, die sie in sein Gesicht krallen wollte und stöhnte auf,
als sie nach ihm trat. Er hielt ihre Hände hinter ihrem Rücken fest und zog sie
mit sich hoch, als er sich ächzend in eine sitzende Position aufrichtete.
"Lass mich los!" fauchte sie auf, um im nächsten Moment zusammen zu zucken, weil
ihr Handgelenk wieder schmerzte. "Au, verdammt! Du tust mir weh!"
Der Schmerz hatte aber wahrscheinlich dafür gesorgt, dass ein Teil der blinden
Hysterie verschwand.
"Ich werde nicht zulassen, dass du jetzt da rein stürzt, Buffy", sagte Spike
ernst. "Damaron ist ein Deckhengst und das ist genau die Situation, in der er
normalerweise deckt. Wir lassen die Stute zu ihm oder ihn zu der Stute. Ich bin
nicht lebensmüde genug, da jetzt rein zu gehen und du wirst es auch nicht. Ich
hoffe nur, die beiden Wallache kapieren, was los ist und halten sich im
Hintergrund."
Buffy sackte in seinen Armen zusammen. Mit großen Augen starrte sie auf die
Weide, sah wie Damaron mit angelegten Ohren die beiden Wallache zur Seite trieb
und dann wieder auf Euphrosyne zutrabte. Eine einzelne Träne bildete sich in
ihrem Augenwinkel und kullerte ihre Wange hinab.
"Hol sie da raus, Spike", piepste sie verzweifelt.
Er tat nichts und ließ sie auch nicht los. Damaron hatte die Stute erreicht und
begrüßte sie mit dem für ihn typischen Hengstwiehern.
"Ich hasse dich." Buffy rührte sich nicht mehr. Sie saß wie eine Statue fast auf
Spikes Schoß, ohne es zu registrieren und starrte mit leeren Augen auf die
beiden Pferde. "Ich hasse dich", sagte sie wieder und klang, als würde sie
gleich ohnmächtig werden.
Euphrosyne quiekte, weil Damaron an ihren Flanken schnüffelte, blieb jedoch
ruhig stehen, als der Hengst um sie herum trat.
"Ich hole sie raus, wenn er fertig ist", murmelte Spike leise. Er ahnte, wie
Buffy sich fühlte, auch wenn er sich selbst und seinem Hengst keine Schuld geben
konnte. Damaron wäre nie durch oder über den Zaun gegangen. Er hatte sein
gesamtes Leben neben Stutenweiden verbracht. Und wenn die Stute zu ihm in die
Weide sprang, konnte ihm niemand einen Vorwurf daraus machen, dass er zur Tat
schritt.
Aber wer Pferde züchtete, legte auch allergrößten Wert auf Abstammung und ein
Typ wie Damaron würde die edle Dressurlinie zerstören. Da die Stute dieses Jahr
jedoch sowieso nicht von einem anderen Hengst gedeckt werden sollte, war es erst
einmal nicht so schlimm. Denn Spike war sich sicher, das Fohlen trotzdem
verkaufen zu können.
Buffy fühlte sich, als hätten sie alle verraten. Euphrosyne, die zu so einem
hässlichen Vieh in die Weide sprang, Spike sowieso, der den Hengst erst in ihre
Nähe gebracht hatte und Spike noch mal, weil er nicht verhinderte, dass Damaron
auf ihre Stute sprang. Und sie verfluchte Euphrosyne noch einmal, dass sie dem
blöden Hengst nicht wenigstens zum Abschied die Hufe gegen die Brust
schmetterte.
Sie fühlte sich einfach nur leer und taub, als Damaron von ihrer Stute herunter
sprang und schnaufend den Kopf senkte.
Dämliches Vieh, dachte sie böse. So anstrengend können zwei Minuten ja nicht
gewesen sein! Zum Glück besaß ihre Stute jetzt den Anstand, die Ohren anzulegen,
als er sich ihr noch einmal nähern wollte.
Erst dann bemerkte sie, dass Spike sie noch immer in seinen Armen festhielt. Und
ihr Handgelenk, das in seinem festen Griff schmerzte.
"Lass mich los", sagte sie eisig und ohne ihn anzusehen.
Spike schien ebenfalls aus einem Traum zu erwachen. Ein Blick in ihr Gesicht
ließ ihn aufseufzen. Da war sie wieder, die hochmütige Miene, die er so hasste.
Seine Hände gaben sie frei. "Buffy…"
"Nein", schnitt sie ihm mit einer herrischen Bewegung das Wort ab. "Ich will
nicht mit dir reden. Ich will *nie* wieder mit dir reden."
Ihre Worte taten ihm weh. Und der kalte Ausdruck in ihren Augen noch mehr. Fast
hätte er sich gewünscht, sie würde ihn anschreien oder auf ihn einschlagen.
"Ich will, dass du verschwindest! Du, deine Pferde, alles!" Buffy sprang auf,
schnappte die Stricke, die neben ihr lagen und kroch unter dem Weidezaun
hindurch hinein zu Euphrosyne.
Spikes Augen folgten ihr. Es war ungerecht, was sie tat, denn ihn traf an dem
Vorfall keine Schuld. Auch seinen Hengst nicht. Aber in gewisser Weise konnte er
ihren Zorn verstehen, wenn er ihn auch nicht akzeptieren wollte.
Damaron zuckte jetzt mit keinem Ohr mehr, als Buffy ihre Stute an die Hand nahm
und aus der Weide führte.
Schweigend stand Spike auf und ging zu den anderen Weiden.
Sie redeten kein Wort mehr miteinander.
*******************
Buffy steinerner Gesichtsausdruck änderte sich auch nicht, als sie ins Haus
zurückkehrten.
Der Duft nach Essen zog sich durch die Zimmer und das fröhliche Gespräch
zwischen ihrer Mutter und Giles zu hören, trug nicht dazu bei, die Kälte aus
ihrem Körper zu vertreiben.
"Ah", rief Joyce erfreut. "Da seid ihr ja wieder. Dann können wir ja anfangen zu
essen."
Dawn sprang auf, saß als erste am Tisch und zappelte ungeduldig. "Am
Freitagabend Klöße und Sauerbraten hatten wir noch nie!"
Joyce warf Giles einen fragenden Blick zu, als sie sah, wie nachdenklich dieser
seinen Sohn musterte. Spike schien das nicht zu bemerken, denn er sah nur hin
und wieder in Buffys Richtung. Diese ignorierte ihn jedoch auffällig.
So auffällig, dass es sogar Dawn auffiel. "Was ist jetzt los?" fragte das junge
Mädchen erstaunt.
"Nichts!" blaffte Buffy, verstummte dann jedoch wieder, weil Joyce sie
missbilligend ansah.
"Ich hoffe, ihr habt Hunger", bemühte sich Joyce, den beginnenden Streit zu
vermeiden. "Spike? Zwei Klöße?"
"Nein", murmelte dieser leise. "Einen."
Joyce sah fast enttäuscht aus. "Wo ist denn dein sprichwörtlicher Hunger hin?
Rupert?"
"Zwei natürlich", strahlte Giles.
"Buffy, hilf mir doch mal bitte mit dem Fleisch in der Küche", bat Joyce.
Buffy stand wortlos auf und folgte ihrer Mutter. Sie wusste genau, dass ihre
Mutter einen perfekten Abend wollte. Die ganze Woche über schon redete sie von
nichts anderem, als der Unterzeichnung des Vertrags und welch ein netter Mann
dieser Giles war.
Buffy fand ihn plötzlich gar nicht mehr so nett. Weil er Spikes Vater war. Und
damit indirekt der Besitzer von Damaron. Konnte man bei einem Pferd eine
Abtreibung vornehmen? Nein, das würde sie Eppi dann doch nicht antun…
"Pass doch auf!" schimpfte Joyce und drückt Buffy die Platte mit dem
geschnittenen Fleisch in die Hand, während sie selbst die Sauciere nahm. "Ist
alles in Ordnung, Buffy?"
"Sicher", antwortete Buffy gleichgültig und ging wieder ins Wohnzimmer.
Joyce kannte ihre Tochter besser als irgendein anderer Mensch. Und deshalb sah
sie sofort, dass nichts in Ordnung war. Aber Buffy war auch ein Mensch, der
anderen gegenüber ungern zeigte, was ihn beschäftigte. Sie wollte nicht, dass
jemand sah, was sie fühlte und versteckte all das hinter einer Maske von Kälte
und Arroganz.
Joyce wusste das, aber sie wusste nicht wie sie hinter diese Fassade dringen
sollte. Manchmal wünschte sie sich, Buffy einfach in den Arm nehmen zu können,
sie zu trösten. Doch wenn Buffy ihre dann so abweisenden Augen auf sie
richteten, brachte sie nicht den Mut auf, gegen die Ablehnung zu kämpfen.
Im Wohnzimmer war ein recht einseitiges Gespräch zwischen Giles und Dawn
aufgeflammt. Buffy knallte die Platte mit dem Fleisch auf den Tisch, setzte sich
wieder und starrte das Essen an. Jeglicher Hunger war verschwunden und wenn sie
jetzt das Essen ansah, wurde ihr einfach übel.
"Greif zu, Buffy", ermunterte Joyce ihre Tochter.
"Mir ist schlecht", knurrte Buffy, ohne den Kopf zu heben.
Dawn hörte auf zu kauen. "Bist du schwanger?!" fragte sie mit großen Augen.
"Dawn!" mischte sich Joyce erschrocken ein.
"Nein!" kreischte Buffy und warf ihr Besteck auf den Tisch. "Ich habe das so
satt! Dieses tolle harmonische Familienessen! Ich krieg keinen Bissen runter!"
"Buffy…", begann Joyce wieder. "Bitte, es gibt keinen Grund, so herum zu
schreien. Wir haben einen Gast und du solltest…"
"Ich sollte gar nichts!" schrie Buffy unvermindert weiter und sprang auf. "Ich
muss auch nicht hier sitzen bleiben und so tun, als wäre alles in Ordnung!
Nichts ist in Ordnung!"
Tränen stiegen in ihre Augen und sie fühlte den Kloß in ihrer Kehle, der immer
größer wurde. Ehe es jedoch soweit kommen konnte, dass die Tränen anfingen zu
laufen, hatte sie sich umgedreht und stürzte aus dem Haus, als wären hundert
Teufel hinter ihr her.
Für einen Moment herrschte einfach nur Totenstille.
Joyce war kreidebleich geworden, selbst Dawn schien von dem Ausbruch ihrer
Schwester überrascht, denn sie starrte auf die Tür, als könne sie nicht fassen,
was gerade passiert war.
Giles nahm seine Brille ab und putzte sie. "Ähm", räusperte er sich dann und
versuchte belustigt zu klingen. "Jetzt weiß ich, wovon du gesprochen hast,
Joyce…"
Einzig und allein Spike sah nicht überrascht aus. Er spielte mit seiner Gabel
und sah plötzlich hoch, als er drei Augenpaare auf sich ruhen fühlte. Seine
Augenbrauen hoben sich fragend.
"Ich bin nicht Schuld", verteidigte er sich, als er den vorwurfsvollen Blick
seines Vaters sah. "Jedenfalls nicht direkt", murmelte er dann leise.
Jetzt waren es drei eindeutig fragende Augenpaare und Joyce sagte noch. "Spike?"
Er seufzte. "Damaron hat Euphrosine gedeckt."
Der Satz schlug ein wie eine Bombe. Joyce fiel das Besteck aus der Hand und Dawn
presste quietschend die Hände vor den Mund, wobei sie versuchte, sich nicht
anmerken zu lassen, ob sie lachte oder es ein erschreckter Aufschrei war.
"Wie bitte?" fragte Giles todernst und setzte die Brille wieder auf.
Spike zuckte mit den Schultern. "Du hast schon richtig gehört, Dad. Sie ist über
den Zaun zu ihm rein gesprungen. Was soll er denn da denken?"
"War sie denn schon wieder rossig?" fragte Joyce entsetzt.
"Sonst hätte sie das wohl nicht getan", antwortete Spike lakonisch. "Ich hatte
alle Hände voll zu tun, Buffy davon abzuhalten, meinen Hengst auf der Stelle zu
kastrieren."
Dawn strahlte plötzlich. "Dann haben wir ja nächstes Jahr doch ein Fohlen!"
Joyce legte ihr die Hand auf den Arm. "Noch ist nicht heraus, ob sie zugekommen
ist. Und lass deine Freude darüber bitte nicht Buffy spüren." Sie sah seufzend
auf den Tisch. "Oh Gott, mir ist auch gleich der Appetit vergangen. Eppi ist
Buffys ein und alles. Sie hatte schon einen Hengst ausgesucht, einen exquisiten
Dressurvererber, der auch so exquisit teuer war, dass ich das Vorhaben von vorn
herein abgelehnt habe. Und jetzt ein…entschuldige, Spike", sagte sie mit einem
bedauernden Blick in seine Richtung. "…ein Quarter. Sie muss völlig durchgedreht
sein."
"Das trifft es nicht einmal annähernd", entgegnete Spike trocken.
Joyce stand auf, ging zur Zimmerbar und entnahm ihr eine Flasche. "Ich denke,
wir können jetzt alle einen Schluck vertragen. Und dann hoffe ich, können wir
wenigstens etwas von dem Essen kosten."
"Mir gefällt Damaron", erklärte Dawn. "Das wird bestimmt ein ganz süßes Fohlen.
Vielleicht sogar ein Schimmel."
Giles verzog gequält das Gesicht und Spike grinste. "Hoffentlich kein Schimmel…"
Joyce dagegen sah recht unglücklich aus. Sie goss drei Gläser aus, ignorierte
Dawn erbosten Blick und stieß mit den beiden Männern an. "Das war kein
glücklicher Beginn dieser Partnerschaft, Rupert. Ich hoffe, es wird in den
nächsten Tagen besser. Ich werde nachher noch einmal nach Buffy sehen…"
"Dann trinken wir doch auf eine gute Zusammenarbeit." Giles hob sein Glas in
ihre Richtung. "Spike hat gut vorgearbeitet. Wir werden aus diesem Hof schon
eine Goldgrube machen."
Dawn sah Spike über den Tisch hinweg an und verdrehte die Augen, als sich ihre
Mutter und Giles anlächelten und einen Moment vergaßen, dass sie nicht allein in
dem Raum waren.
Und trotz des unguten Gefühls in seinem Magen erwiderte Spike ihr Lächeln.
Teil 14
Spike wusste,
dass Joyce noch einmal zu Buffy gegangen war. Er hatte aber auch Joyce
Gesichtsausdruck gesehen, als sie die Wohnung wieder verließ, weil er gerade aus
dem Stall kam.
Buffy war nicht noch einmal herunter gekommen, um ein letztes Mal vor der Nacht
nach den Pferden zu sehen. Deshalb hatte es Spike getan.
Und hatte den Schmerz in Joyce Gesicht gesehen. Er sprach sie nicht an, aber der
Zorn kochte in ihm hoch, weil er sich denken konnte, wie Buffy selbst ihre
Mutter angefahren haben musste. Wie sie sie vielleicht mit Vorwürfen beladen
hatte, obwohl an dem Geschehen niemandem die Schuld zugewiesen werden konnte.
Es war ein Unfall. Nicht schön, aber ein Unfall. Dass Buffy darüber nicht
erfreut war, war verständlich, aber kein Grund, ihr gesamtes Umfeld zu
tyrannisieren.
Spike ging hinauf in seine Wohnung. Sein Vater war in Joyce Gästezimmer
einquartiert worden und Spike ahnte, dass Giles die sicherlich recht
verzweifelte Joyce beruhigen würde. So etwas lag ihm. Er schien ja sowieso einen
Narren an der Frau gefressen zu haben. Ihm fiel ein, dass er noch immer nicht
erfahren hatte, was ihn nun eigentlich mit Sunnydale und speziell Joyce verband.
Nachdem er geduscht und sich wieder angezogen hatte, beschloss er, selbst noch
einmal nach Buffy zu sehen. Sie mochte vielleicht ihre Mutter an den Rand der
Verzweiflung treiben, aber bei ihm selbst biss sie da auf Granit.
Irgendjemand musste sie schließlich von ihrem
Alles-hat-sich-gegen-mich-verschworen-Trip wieder herunter holen.
Auf sein Klopfen antwortete niemand. Auch auf das zweite nicht und Spike
überlegte, ob er vielleicht überhört hatte, dass Buffy den Hof verließ, um ihren
Frust im Bronze auszutoben. Schließlich war Freitag.
Er zögerte einen Moment, ehe er die Hand auf die Klinke legte und vorsichtig die
Tür öffnete.
"Buffy?"
Wieder keine Antwort. Nun, er wusste, dass sie nicht unbedingt ein Fan von
verschlossenen Türen war. Das hieß deshalb noch lange nicht, dass sie da war.
"Buffy?" fragte er wieder, lauter diesmal.
Sie antwortete nicht, doch jetzt hörte er ein leises Geräusch aus ihrem
Schlafzimmer und blieb wie erstarrt stehen. Es waren eindeutig Schluchzer und
sein ganzer angestauter Zorn zerbröselte zu nichts.
Er sollte sich umdrehen, gehen und sie weinen lassen.
Er konnte es nicht. Vielleicht, weil er sich doch indirekt etwas schuldig
fühlte.
Vorsichtig öffnete er die Tür zu ihrem Schlafzimmer. Sie lag auf ihrem Bett,
noch immer in den Sachen, die sie am Essenstisch getragen hatte, den Kopf in den
Armen vergraben und schluchzte haltlos.
"Buffy?" fragte er leise.
Sie fuhr hoch, als hätte man ihr einen Eimer Wasser über den Kopf gegossen, sah
ihn fassungslos und entsetzt an.
Spike atmete tief durch. Er hatte sie noch nie so gesehen. Ihr Gesicht war nass
von den Tränen, die Augen gerötet vom vielen Weinen und die Haare eine
aufgewirbelte Masse von Blond. Sie sah chaotisch aus und trotzdem berührte ihr
Anblick etwas in ihm, weil es vielleicht das erste und letzte Mal war, dass er
sie so verletzlich sah.
Verschwunden war die kleine arrogante Reitlehrerin, in deren Augen der Zorn
funkelte oder die ihn einfach nur genervt musterte. Im Moment war sie einfach
nur eine unglückliche Frau.
Spike hatte schon Frauen weinen sehen, öfter, manchmal auch wegen ihm, aber er
hatte noch nie erlebt, dass sich seine Kehle so fürchterlich zusammen zog wie
beim Anblick dieses Häufchen Elends auf dem breiten Doppelbett.
"Spike", brachte sie endlich hervor. Sie war so durcheinander, dass sie einfach
nur sitzen bleiben und ihn anstarren konnte, während ihre Gedanken rasten. Er
soll gehen…verdammt er soll gehen…
Dann liefen die Tränen weiter und sie wischte schniefend über ihr Gesicht, um
sie zu entfernen. Eine lächerliche und aussichtslose Geste.
"Geh endlich", flüsterte sie verzweifelt. "Verschwinde…"
Spike schloss wortlos die Tür, setzte sich zur ihr auf das Bett und zog sie in
seine Arme. Natürlich war er hier, weil er ihr die Meinung sagen wollte.
Natürlich war er wütend auf sie, weil sie ihre Mutter so verletzt hatte.
Aber ihre Tränen hatten all seine Vorsätze zerstört. Er wusste nicht, was er
gedacht hatte. Dass eine Buffy nicht weinen konnte? Dass sie nicht unglücklich
sein konnte?
Sie ließ es widerstandslos geschehen, schluchzte auf, vergrub ihr Gesicht an
seiner Brust und weinte weiter.
Beruhigend strichen seine Hände über ihren Rücken, ihre Haare, während ihre
Tränen sein Shirt durchnässten und zur bloßen Haut vordrangen. Es störte ihn
nicht, ja er registrierte es nicht einmal, sondern starrte blicklos in die Luft
und der Duft ihrer Haare stieg in seine Nase.
Das war jetzt nicht der richtige Zeitpunkt, sich an diese eine gemeinsame Nacht
zu erinnern, aber Spikes Körper war das egal. Dazu kam, dass das Zimmer nicht
dazu beitrug, ihn abzulenken.
Gewaltsam zwang er sich, an etwas Unverfängliches zu denken, schalt sich einen
Narren und scheiterte kläglich.
Es dauerte eine ganze Weile, ehe ihre Schluchzer abebbten und noch immer hatte
er keinen Ton gesagt. Erst als sie sich nicht mehr rührte, aber auch den Kopf
nicht hob, fragte er leise.
"Buffy?"
Sie schüttelte abwehrend den Kopf, das Gesicht noch immer an seiner Brust
vergraben. Er sah kurz auf ihren blonden Schopf und musste lächeln.
Seine Finger fuhren unter ihre Haare, zu ihrem Nacken und er lehnte seine Wange
gegen ihren Kopf. "Ihr nächstes Fohlen wird von einem ganz schicken
Dressurhengst sein", flüsterte er neben ihrem Ohr. "Und du darfst ihn aussuchen.
Egal, was er kostet. Ich schenke ihn dir."
Buffy stieß einen abgehackten Laut aus, den man durchaus als ersticktes
Auflachen interpretieren konnte.
"Komm schon, Luv", fuhr er fort. "Die Welt geht davon nicht unter."
"Ich wollte sie dieses Jahr decken lassen", schniefte Buffy, noch immer ohne ihn
anzusehen. "Mom war dagegen…"
"Deshalb sind jetzt weder deine Mom noch ich daran schuld. Es war eine
unglückliche Verkettung von Zufällen. Und vielleicht ist sie gar nicht tragend,
wer weiß. Ich werde die Zäune morgen höher ziehen und dann wird es nicht wieder
zu solch einem Unfall kommen", versprach er.
"Das wird so ein hässliches Fohlen", jammerte Buffy. "Meine schöne Eppi…"
Spike lachte leise. "Ich wette, es wird ein schicker Quarter…"
Sie schluchzte wieder auf und Spike verfluchte sich selbst. Seine Hände umfingen
ihren Kopf und hoben ihr Gesicht zu sich an.
"Sicherlich wird es kein Dressurpferd", bestätigte er. "Aber deshalb muss es
kein schlechtes Pferd werden. Lass dich überraschen. Schließlich sind Fohlen
immer eine schöne Angelegenheit. Dawn jedenfalls freut sich."
"Dawn hat keine Ahnung von Zucht", sagte Buffy kläglich.
Spike fuhr mit seinem Daumen über ihre Wangen, die noch immer nass von den
Tränen waren. "Kein Grund durchzudrehen, Luv", sagte er leise und
gedankenverloren.
Buffy rührte sich nicht, sah ihn nur mit großen Augen an. Ihr Mund öffnete sich,
als wolle sie etwas sagen, doch kein Wort kam über ihre Lippen, weil er
plötzlich seinen Blick vom Spiel seiner Finger losriss und sie ansah.
Erst jetzt wurde ihr bewusst, dass sie sich in ihrem Schlafzimmer befanden. Dass
sie auf ihrem Bett saß und an Spike klammerte, als wolle sie ihn nie wieder
loslassen. Und er sie plötzlich ansah, als wäre ihm das auch gerade aufgefallen.
Und nicht nur das…
Spike brach den Bann, indem er sie losließ, als hätte er sich verbrannt und sich
in einer fast verlegen Geste durch die blondierten Haare fuhr.
Buffy schluckte und rutschte schnell zur Seite. "Was…was machst du eigentlich
hier?" fragte sie unsicher.
Er grinste schief. "Ich wollte dich für dein unmögliches Benehmen zusammen
scheißen."
"Mein…was?" brachte sie schwach hervor.
"Joyce macht sich Sorgen um dich. Sie hat deine Ablehnung nicht..."
Plötzlich quollen neue Tränen aus ihren Augen, kullerten die fast wieder
trockenen Wangen hinunter und Spike verstummte.
"Scheiße, scheiße, scheiße", flüsterte Buffy, krabbelte über ihr Bett und kramte
unter dem Kissen nach einem Taschentuch. "Ich will, dass du gehst", schniefte
sie in das Taschentuch, nachdem sie es endlich gefunden hatte, warf sich auf das
Bett und vergrub ihr Gesicht im Kissen. "Geh endlich und lass mich in Ruhe."
Spike hatte plötzlich das untrügerische Gefühl, dass ihr peinlich war, in
welchem Zustand er sie sah. Doch sie allein zu lassen, brachte er auch nicht
fertig. Obwohl er nicht so richtig wusste, warum.
"Nein", antwortete er vergnügt, streckte sich neben ihr auf dem Rücken aus und
verschränkte die Hände hinter dem Kopf.
Buffy drehte den Kopf in seine Richtung. "Was genau machst du da?"
"Ich werde mit dir reden bis du aufhörst zu weinen und dir selber sagst, dass
eigentlich nichts schlimmes passiert ist", meinte er belustigt.
"Wer bist du denn? Mein Seelsorger?" brummte sie mürrisch. "Du gefällst mir in
meinem Bett gar nicht."
Er ging nicht darauf ein. "Deine Mom hatte sich jede Menge Mühe mit dem Essen
gegeben."
"Ich weiß. Hat’s geschmeckt?"
"Nun ja." Spike sah sie ebenfalls an und grinste. "Es hat dann allen irgendwie
den Appetit verdorben."
"Oh." Buffy verzog das Gesicht.
"Du bist schon etwas extrem, Luv", sagte er schmunzelnd. "Niemand dreht wegen
einem Pferd dermaßen durch."
"Du fliegst gleich raus."
Spike lachte leise.
"Ich habe Eppi mit der Flasche groß gezogen, weil ihre Mutter bei der Geburt
gestorben ist. Ich liebe dieses Pferd und zu wissen, dass dein…" Sie holte tief
Luft, als sie seinen amüsierten Blick sah, "dein hässlicher Hengst für ihr
erstes Fohlen zuständig ist, das ist zum heulen!"
"Damaron ist ein gekörter Quarter-Horse-Hengst und sehr gefragt."
"Phhh", schnaubte Buffy nur. "Eppi war Prämienstute ihres Jahrgangs. Sie bekam
in allen Grundgangarten die Wertnote 10! Sie hat einen Elitehengst verdient!"
"Sie war anderer Meinung", kicherte Spike. "Und vielleicht ganz klug. Wer will
schon Gefriersperma…"
"Verdammt", jammerte sie wieder auf. "Warum bist du nur hier aufgekreuzt? Du
bist an allem schuld."
"Du bist ganz schön kindisch."
"Mach, dass du raus kommst!" knurrte sie mürrisch und funkelte ihn an. "Was ist
das überhaupt für eine Art? In fremde Wohnungen und Schlafzimmer zu schleichen?"
Und Spike lächelte.
Buffy wollte noch mehr sagen, irgendetwas böses, das sie von der Tatsache
ablenkte, dass sie in seinen Armen geweint hatte. Nein, nicht geweint, sondern
geflennt wie eine hysterische Ziege.
Doch sein Lächeln stoppte alles, was ihr auf der Zunge lag. Sie hatte ihn schon
Lächeln sehen, auch Lachen oder mit diesem für ihn so typischen Grinsen, dem
immer ein Hauch Spott zugrunde lag.
Aber das hier war anders. Plötzlich leuchteten seine Augen, das Blau wurde noch
intensiver und es bildeten sich niedliche Grübchen auf seinen Wangen. Seine
Lippen verzogen sich nur ganz leicht und sein ganzes Gesicht bekam einen
weicheren Ausdruck, der selbst von den scharfen Wangenknochen nicht verwischt
werden konnte.
Wahnsinn, dachte sie wie betäubt. Er sieht tatsächlich hinreißend aus. Nicht nur
heiß…Einfach hinreißend.
"Ich werde immer ganz sentimental, wenn eine Frau weint."
Da war er wieder, der Spott, und er weckte Buffy aus ihrer Trance. Ihre Augen
verengten sich. "Wenn du irgendjemandem ein Sterbenswörtchen darüber erzählst…"
"Das sind mir eindeutig zu viele Drohungen aus deinem Mund in letzter Zeit,
Luv", unterbrach er sie belustigt.
"Das sind keine leeren Drohungen!" fauchte sie, richtete sich auf ihren
Ellenbogen auf und sah auf ihn hinab. "Und das ist mir eindeutig zuviel Spike in
meinem Bett in letzter Zeit!"
Er grinste wieder. Diesmal zweifellos sein typisches Grinsen. "Du weinst nicht
mehr. Also hatte meine Anwesenheit schon mal Erfolg", erklärte er, stützte sich
ebenfalls auf seinen Ellenbogen und lehnte sich zu ihr. "Ich denke auch, du
lügst, wenn du behauptest, du kannst mich nicht leiden."
"Ha!" stieß Buffy trotzig hervor.
Er hob seine freie Hand zu ihrem Gesicht, strich sanft über ihre Wange und sagte
leise. "Ich habe es auch gedacht. Ich habe dich verflucht, auf dich geschimpft
und mich gewundert, dass es überhaupt noch Personen gibt, die dich mögen."
Buffy rührte sich nicht, sah ihn nur mit großen Augen an und stellte entsetzt
fest, dass ihr das Atmen schwer fiel.
"Aber da ist mehr, Luv", fuhr er ernst fort. "Unter dieser arroganten Schale
steckt die leidenschaftlichste Person, die ich kenne. Natürlich auch die
ärgerlichste und nervtötendste Person, die ich kenne…"
"Glaub nur nicht, dass ich dich nett finde…", begann sie und hoffte, ihre Stimme
klang nicht so wie sie sich fühlte. Schwach. "Wovon zum Teufel redest du
eigentlich?"
Er grinste, legte seinen Zeigefinger unter ihr Kinn und hob ihr Gesicht an. "Auf
eine gewissen Art und Weise mag ich dich, Luv. Nicht die hochnäsige
Reitlehrerin, sondern die verrückte Frau, die explodiert, weil ein Sattel
schmutzig ist und weint, weil ein nicht standesgemäßer Hengst ihre Stute
vögelt."
"Ich mag dich gar nicht", knirschte sie zwischen den Zähnen hindurch.
Spike grub seine Zähne in seine Unterlippe. "Lügnerin. Du hättest nicht
zugelassen, dass ich einen Schritt in dieses Zimmer setze. Mir ist noch nicht
aufgefallen, dass du unter irgendwelchen Hemmungen leidest, kundzutun, was dir
nicht passt."
"Ich sage die ganze Zeit, dass du endlich verschwinden sollst", murmelte Buffy.
Seine Hand schlang sich um ihren Nacken. "Nicht sonderlich glaubwürdig",
flüsterte er heißer.
Buffy schluckte. Sie sollte ihn von sich stoßen, ihm sagen, dass er von Sinnen
war oder ihm gleich eine scheuern. Aber in diesem Moment, als sie seinen warmen
Atem spürte und seine Nähe, war ihr klar, was er meinte.
Irgendetwas stimmte zwischen ihnen. Dann, wenn sie nicht über etwas diskutierten
oder einer den anderen von seiner Meinung überzeugen wollte, waren sie nur ein
Mann und eine Frau.
Buffy hatte das noch nie in dieser Stärke gespürt. Eigentlich hatte sie noch nie
etwas Derartiges gespürt. Plötzlich fühlte sie sich hyperlebendig und spürte mit
jeder Faser ihres Körpers den Mann, der neben ihr auf dem Bett lag.
Es stimmte nur in diesem Moment und ihr war vollkommen klar, dass Spike das
ebenso wusste.
"Das ist Schwachsinn", hauchte sie deshalb und sah ihn nicken. Doch sie hob ihre
Hand, schlang sie um seinen Hals und lehnte sich zu ihm. "Es wird sich nichts
ändern."
Spike schüttelte den Kopf, wortlos, doch das Feuer in seinen Augen sagte ihr,
dass er sie verstanden hatte.
Übergangslos presste sie ihre Lippen auf seinen Mund, fühlte seine genau so
hungrige Antwort und drängte mit der Zunge zwischen seine Zähne.
Vergessen. Das war es.
Niemand verlangte ein Morgen oder ein Übermorgen, verlangte Liebe oder Nähe. Es
war Sex. In seinen Armen konnte sie sich selbst und alles um sich herum
vergessen. Sex musste keine Liebe beinhalten. Liebe machte alles nur
kompliziert.
Mit Spike verband sie nichts, was mit Zuneigung und Liebe erklärbar war und
trotzdem fühlte sie sich lebendiger, als mit jedem anderen Mann vor ihm. Weil
sie ebenfalls keine Liebe erwartete. Zum ersten Mal.
Spike warf sie herum und war im nächsten Moment über ihr.
Sie spürte seine Erregung durch den dünnen Stoff ihrer Hose und zerrte an seinem
Shirt. Sie wollte seine nackte Haut spüren, seine Muskeln unter ihren Fingern
und stöhnte in seinen Mund, als ihre Lippen wieder aufeinander trafen.
Diesmal war er genau so ungeduldig wie sie. Seine Finger öffneten ihre Hose,
schoben sie ihre Hüften hinab und Buffy strampelte sie von ihren Beinen.
Es gab ein hässliches Geräusch, als die Knöpfe ihrer Bluse wegflogen und Buffy
knurrte unwillig, weil er noch immer alles trug und sie fast gar nichts mehr.
"Verflucht", murmelte sie unwillig und er lachte leise, ehe er ihr half und sein
Shirt über den Kopf zog. Während er das tat, beschäftigte sie sich mit den
Knöpfen seiner Hose.
"Ich sollte sie auch einfach abreißen", brummte sie und er lachte wieder.
"Du darfst alles, was du willst, Luv", flüsterte er heißer und stöhnte auf, als
sich ihre kleine Hand um seinen steinharten Schaft schloss.
Sie spielte mit ihm und seine Stirn sank einen Moment neben ihrem Kopf auf das
Bett, weil er um seine Beherrschung kämpfte. Zu fühlen, wie ihn ihre sanften
Finger umschlossen, sie mit dem Daumen vorsichtig über die Spitze fuhr, reichte
fast, um ihn die Nerven verlieren zu lassen.
"Verdammt", fluchte er leise, hob den Kopf und starrte in ihr Gesicht.
"Ich mag wie du dich anfühlst", sagte sie grinsend. Sie schlang ein Bein um
seinen Oberschenkel und rieb ihren noch immer von einem Slip bedeckten Unterleib
an seiner Erektion. "Wirklich. Das mag ich."
Miststück, dachte er kurz, ehe er mit einem teuflischen Lächeln, ihre
Handgelenke fing und ihre verrückten Finger von ihm löste.
Ihre Lippen verzogen sich schmollend und einen kurzen Augenblick dachte er gar
nicht mehr, sondern verschlang ihren Mund in einem verzehrenden Kuss und stieß
seine Zunge zwischen ihre Zähne.
Dann wanderten seine Lippen tiefer, über ihre Brüste zu ihrem Bauchnabel. Er
ließ seine Zunge hinein gleiten, hörte ihr unterdrücktes Aufquietschen und
grinste gegen ihre Haut. Erst dann ließ er ihre Hände los, weil er seine eigenen
brauchte, um den winzigen Slip ihre Beine hinab zu ziehen.
Buffy richtete sich auf ihre Ellenbogen auf und sah ihn keuchend an. Es war
wirklich ein herrliches Bild. Ein komplett erregter Spike kniete zwischen ihren
Beinen, wackelte kurz provozierend mit den Augenbrauen, als er ihren Slip wie
eine Trophäe in die Luft hielt und den winzigen Fetzen Stoff dann einfach
achtlos zur Seite warf.
Spike strich mit den Fingern über ihre langen schlanken gebräunten Beine. Der
Geruch ihrer Erregung stieg in seine Nase und er atmete tief durch, weil er um
seine eigene Beherrschung kämpfte.
Buffy setzte sich auf, schlang die Arme um seinen Hals und küsste ihn wieder. Er
zog sie mit sich, zum Rand des Bettes bis sie auf der Kante zum Sitzen kam und
er vor ihr auf den Knie sitzen blieb.
Dann löste er seinen Kopf von ihr und grinste, als seine Hände sich auf ihre
Knie legten und ihre Beine spreizten. Buffy grinste auch, beugte sich zu ihm und
fuhr spielerisch mit der Zunge über seine Lippen. Ihre Finger wühlten sich in
seine blondierten Haare, glitten dann über seinen Hals und über die festen
Muskeln seiner Schultern.
Er fühlte sich fantastisch an. Sie wusste nicht, warum sie so empfand und warum
es ihr so völlig gleichgültig war, dass sie ihn noch vor zwei Stunden am
liebsten erwürgt hätte.
Spike lachte leise, und dieses Lachen jagte Schauer durch ihren Körper. Sie warf
den Kopf zurück, als seine Lippen ihren Mund verließen und zu ihren Brüsten
wanderten. Ihre Hände umschlangen seinen Hals, pressten seinen Kopf an und ihre
Augen schlossen sich halb.
Spike drückte sie auf das Bett zurück und Buffys Finger verließen seinen Hals,
nur um sich in die Bettdecke zu ihren beiden Seiten zu krallen. Sie ahnte, was
er vorhatte und spätestens, als seine Lippen über ihren Bauch tiefer wanderten
*wusste* sie, dass er es wirklich tun würde.
Sie seufzte, als sich der Druck zwischen ihren Beinen schlagartig verstärkte.
Riley hatte sich geweigert, als sie ihn darauf angesprochen hatte…
"Oh Gott", wimmerte sie auf und ihr Becken hob sich automatisch, als seine
Finger sanft über ihre Mitte strichen.
"Magst du es, Luv?" fragte Spike, ohne seine Lippen von ihrem Bauch zu lösen.
"Ja, ja, ja, verdammt!" stieß sie atemlos hervor. Er musste es fühlen. Allein
der Gedanke daran ließ sie so feucht werden, dass sie sicherlich die Bettdecke
benetzte.
Er lachte wieder leise. "Ich auch, weißt du…" Ganz leicht glitten seine Finger
durch die feuchte Nässe, teilten ihr Fleisch, und sein Daumen fuhr zart über den
geschwollenen Knoten.
"Spike!" schrie Buffy auf. "Du verdammter…"
Jedes Wort in ihrem Mund erstarb zu einem Aufstöhnen, als er seinen Daumen durch
seine Zunge ersetzte. Sie schmeckte auch fantastisch. Spike hatte es irgendwie
geahnt. Und sie lebte aus, was sie fühlte.
Wahrscheinlich war ihr im Moment wirklich egal, dass er es war. Ihre Hände
hatten die Bettdecke los gelassen, sich in seine Haare gekrallt und pressten
seinen Kopf an sich. Er stieß einen Finger in sie, ließ einen zweiten gleich
darauf folgen, während seine Zunge sie erforschte und schloss kurz die Augen,
weil ihr Aufbäumen und die Laute, die ihren Mund verließen, ihn wahnsinnig
machten.
Und es brauchte auch nicht lange. Buffy schrie auf, als sie kam und lustvolle
Schauer ihren Unterleib schüttelten, ließ aber seinen Kopf auch nicht los, als
könne sie damit das ekstatische Gefühl noch verlängern.
Spike fühlte sich mittlerweile selbst, als würde er gleich explodieren. Er
atmete genau so keuchend und abgehackt wie Buffy, als er den Kopf hob und in ihr
selig grinsendes Gesicht blickte.
"Rutsch hoch", stieß er hervor, war keine Sekunde später auf ihr und drängte
zwischen ihre Beine.
Buffy schlang instinktiv die Beine um seine Hüften, obwohl sie noch nicht wieder
zu klarem Denken fähig war. Vielleicht weil sie seine Not spürte.
Und dann war er in ihr und es dauerte noch ein wenig länger, ehe sie einen
nächsten klaren Gedanken fassen konnte.
Wieder riss das Klingeln des Weckers Buffy aus ihren Träumen. Diesmal allerdings hatte sie keine Schwierigkeiten, den Wecker zu finden, auch wenn sie gegen den Arm kämpfen musste, der noch immer um ihren Körper geschlungen war.
Eine verschlafene Stimme murmelte neben ihrem Ohr. „Ich weiß schon, warum ich Wecker hasse…nervtötend, die Dinger…"
Sie musste grinsen, schob dann aber seinen Arm zur Seite und stand auf. „Ich weiß schon, warum deine armen Pferde draußen schlafen müssen."
Spike blinzelte kurz in ihre Richtung.
„Weil du eine elende Schlafmütze bist", sagte sie mit einem breiten Grinsen.
Er war zu müde, um über eine schlagfertige Antwort nachzudenken, drehte sich einfach um und zog sich die Decke über den Kopf.
Buffy zog sich an. Sie wunderte sich etwas, weil sie nicht einmal ein leises schlechtes Gewissen verspürte und im Moment weder auf ihn noch auf sich selbst wütend war.
Als sie fast zur Tür hinaus war, knurrte er unter der Decke hervor. „Lass deine verrückte Stute im Stall."
Buffy verdrehte die Augen. Als ob sie Euphrosyne noch einmal die Gelegenheit geben würde, zu dem Hengst zu gehen. Eher würde sie das Pferd fesseln.
Es war noch ruhig auf dem Hof und nur das leise Zwitschern der Vögel und das gelegentliche Schnauben eines Pferdes durchdrang die Stille. Buffy liebte diese Zeit, in der sie allein war, sich mit niemandem unterhalten musste und einfach vor sich hin träumen konnte.
Sie sah in der Wohnung ihrer Mutter Licht brennen und wusste, dass diese sich sicherlich schon um das Frühstück kümmerte. Im Gegensatz zum Abend verspürte Buffy wieder Hunger und selbst der Gedanke an eine tragende Euphrosyne erschien ihr nicht mehr wie der Weltuntergang.
Sie verzog gequält das Gesicht, als sie die Stalltür aufschob und das leise Wiehern der Pferde sie begrüßte. Wer hätte gedacht, dass eine Nacht mit tollem Sex ihr erhitztes Gemüt so schnell beruhigen konnte? Im Moment verspürte sie zwar einen leichten Ärger, aber nicht mehr dieses dringende Bedürfnis, jemanden umzubringen.
Seufzend schüttete sie den Hafer in die Futterkrippen der einzelnen Pferde. Ihre schöne Stute scharrte ungeduldig und stürzte sich auf das Kraftfutter als wäre sie am verhungern.
Buffy lehnte sich mit verschränkten Armen an die geöffnete Boxentür.
„Eppi, ich hatte wirklich gedacht, du hast ein bisschen Stil", murmelte sie zu sich selbst, während sie beobachtete wie das Pferd den Hafer kaute. „Wenn er wenigstens schick wäre…"
Euphrosyne störten ihre Worte überhaupt nicht.
„Du bist doch sonst so eitel in der Auswahl deiner Freunde", fuhr Buffy mürrisch fort. „*Du* magst Pepper gar nicht…was ich natürlich verstehe…aber ein Quarter?! Eppi, das ist enttäuschend. Wirklich. Du stellst dich so dumm an, wenn du mal über einen kleinen Graben springen sollst und hier hüpfst du über einen 1,20 Meter hohen Weidezaun. Wegen DEM!"
Euphrosyne kaute ungerührt ihren Hafer und Buffy seufzte wieder. „Ich bin ja nicht viel besser als du…Aber ich sorge wenigstens dafür, dass das keine Folgen hat!" Sie lehnte den Kopf gegen die Boxentür. „Mag ja sein, dass es toll war. War’s das, Eppi?"
Sie atmete tief durch, schob die Tür dann wieder zu und sammelte Stricke für die anderen Pferde ein. „Ja, du musst heute mal ein bisschen im Stall bleiben. Selber schuld."
Eine Viertelstunde später waren die anderen Stuten auf den Weiden, Euphrosyne rannte völlig aufgelöst Kreise in ihrer Box und wieherte durch den leeren Stall.
„Reiß dich jetzt zusammen", zischte Buffy, ehe sie die Stalltür hinter sich schloss und hinüber zur Wohnung ihrer Mutter ging.
Joyce sah erstaunt hoch, als Buffy die Küche betrat und ein verlegenes „Morgen" murmelte.
Und als Buffy dann noch fragte: „Kann ich dir irgendwas helfen?" starrte sie sie mit offenem Mund einfach nur an.
Buffy warf ein für sie völlig untypisches schüchternes Lächeln in Richtung ihrer Mutter. „Mom?"
„Ähm", wachte Joyce aus ihrer Trance auf. „J-ja, natürlich…du kannst den Tisch decken", stotterte sie verblüfft und beobachtete erstaunt ihre Tochter, die zum Schrank ging und das Geschirr heraus nahm.
„Giles frühstückt mit?" fragte Buffy vorsichtshalber und Joyce nickte.
Joyce verstand gar nichts mehr. Nicht, dass sie sich über die ihr völlig fremde Buffy ärgerte, nein, aber es verwunderte sie, weil sie wusste, dass Buffy im Normalfall Tage benötigt hätte, um von dem Zornlevel herunter zu kommen, in dem sie sich noch gestern Abend befunden hatte.
Es geschah selten, dass Buffy *so* zornig war. Im Grunde traten ihre Wutanfälle so gehäuft erst in letzter Zeit auf, genau genommen seit Spike auf dem Hof lebte. Wenn Joyce recht darüber nachdachte, war Buffy die Einzige die nicht mit Spike auskam.
Weil sie beide dickköpfig sind, ging es Joyce durch den Kopf. Spike hat es im Moment leichter, aber er wäre an Buffys Stelle genau so starrsinnig.
„Mom?" störte Buffy ihre Überlegungen.
Joyce schaute hoch und zum ersten Mal seit langer Zeit, eigentlich seit Hanks Weggang, sah sie Buffy einfach nur freundlich und fast verlegen lächeln.
„Mom, es…es tut mir leid", begann Buffy stockend. „Dass ich dich so angefahren habe…gestern Abend…"
Joyce konnte es nicht fassen. „Es ist schon gut", sagte sie leise. „Ich verstehe deinen Ärger. Schließlich war es wirklich nicht das, was du dir für Eppi gewünscht hast."
„Nein", murmelte Buffy kläglich und fühlte schon wieder Tränen in ihre Augen steigen, die sie jedoch schnell wegblinzelte. Es reichte schließlich, dass Spike sie gestern so aufgelöst gesehen hatte. Sie würde jetzt nicht noch anfangen, in der Küche loszuflennen. „Aber ich hätte meine Wut nicht an dir auslassen dürfen…"
Joyce war nicht so stark wie Buffy und sie hatte auch kein Problem mit Tränen. Wortlos nahm sie ihre Tochter in die Arme und fing an zu schniefen.
Und Buffy starrte einen Moment hilflos in die Luft, ehe sie zögernd die Umarmung ihrer Mutter erwiderte.
***********************
Obwohl Buffy Hunger hatte, störte das permanente Wiehern im Stall ihre Ruhe beträchtlich. Selbst Joyce sah immer wieder irritiert aus dem Fenster zum Stall.
Giles schüttelte belustigt den Kopf. „So eine aufgeregte Stute…"
Dawn tippte sich an die Stirn, als Buffy nicht in ihre Richtung sah und flüsterte. „Sie ist manchmal nicht ganz richtig im Kopf."
„Ich habe das gehört, Dawn!" fuhr Buffy auf und trank ihren Kaffee aus. „Das ist ja fürchterlich und nicht zum aushalten", schimpfte sie.
„Sie beruhigt sich wieder", meinte Giles nur.
„Willst du sie jetzt die ganze Zeit während der Rosse im Stall lassen?" fragte Joyce neugierig.
„Was?! Nein!" Buffy schüttelte den Kopf. „Dann habe ich ja keinen ruhigen Tag mehr. Spike will den Zaun höher bauen." Sie sprang auf und stürzte zur Tür. „Hoffentlich heute noch…"
Drei verblüffte Augenpaare folgten ihr und glaubten ihren Ohren nicht zu trauen, als sie noch ein: „Ich werfe diese Schlafmütze jetzt aus dem Bett", vernahmen.
Giles und Joyce wechselten einen erstaunten Blick. Giles grinste belustigt. „Muss ich Angst um meinen Sohn haben? Gestern sah es noch so aus, als wolle sie ihn verprügeln."
Joyce zuckte unbehaglich mit den Schultern. „Kein Ahnung. Sie scheint heute friedlicher…"
Buffy dagegen stürmte die Treppen zu ihrer Wohnung hoch. Ein Blick auf die Uhr sagte ihr, dass es halb neun und ihrer Meinung nach längst Zeit zum Aufstehen war. Noch dazu, wenn diese Person ihr Bett blockierte.
„Spike!"
Spike schlief wie ein Toter und schien auch keine Probleme mit dem Hilfe rufenden Pferd im Stall zu haben. Allerdings reagierten seine Reflexe, als sie ihm die Bettdecke wegzog und er griff geistesgegenwärtig zu.
Buffy lachte, als er den zerwuschelten Kopf hob und sie verschlafen anblickte.
„Was?" knurrte er böse.
„Das ist mein Bett, Cowboy", stänkerte sie. „Und da kann ich dich rauswerfen, wann ich will."
„Ich bin um diese Zeit nicht zu Scherzen aufgelegt", murmelte er nur und drehte ihr wieder den Rücken zu.
Einen sehr schönen Rücken, wie Buffy fand. Eigentlich war alles an seinem Körper schön und das war ungerecht. Einen winzigen Makel konnte er ruhig haben. Gut, da war die Narbe auf seiner linken Augenbraue, aber selbst die schien zu seinem Gesicht zu passen, sie machte es fast noch interessanter.
Fluchend kletterte sie neben ihm auf das Bett und schüttelte ihn an der Schulter. „Spike, mein Pferd ist am durchdrehen."
„Wann ist sie das nicht", brummte er mürrisch. „Sie hält schon noch ein paar Stunden durch. Ich hatte nicht sonderlich viel Schlaf heute Nacht und ich bin müde."
„Ich war dabei, du Blödmann!" fauchte Buffy und zerrte wieder an der Bettdecke. „Und ich bin auch munter. Ich werde deinen doofen Hengst in den Stall sperren und Eppi raus lassen!" Sie sprang hoch. „Genau! Das werde ich tun."
Sein Arm schlang sich übergangslos um ihre Taille, raubte ihr das Gleichgewicht und sie lag im nächsten Moment wieder im Bett. Mit einem sie zornig anfunkelnden Spike über sich.
„Ich will dich nicht in der Nähe von Damaron sehen!"
„Hast du Angst, dass ich ihn persönlich kastriere?" erkundigte sie sich honigsüß. „Würdest du dich jetzt vielleicht hoch scheren und dir endlich etwas anziehen?"
„Ich liege ganz gut", erklärte er spöttisch. „Ich hatte ja zumindest diesmal auf einen freundlichen Morgen danach gehofft, aber ich hätte ahnen sollen, dass du in dieser Hinsicht etwas anders bist als andere Frauen."
„Genau!" Buffy stemmte ihre Hände gegen seine Schultern. „Mir ist völlig unklar, warum du immer in meinem Bett einschläfst!"
„Kein Wunder, dass du Single bist. Diese Freundlichkeit hält ja kein Mann auf Dauer aus", stänkerte er weiter und grinste, weil ihn ihre Versuche, ihn weg zu schieben, erheiterten.
„Ich kann mich auch nicht erinnern, *deiner* Freundin vorgestellt worden zu sein", fauchte Buffy verärgert. „Du bist doch jetzt wach. Also wie wäre es, nun endlich mal deinen faulen Hintern aus dem Bett zu heben?"
„Wenn du mich weiter beleidigst, überleg ich mir das mit dem Zaunbau noch, Luv", sagte er mit einem bedeutungsvollen Heben seiner Augenbrauen. „Du könntest ruhig mal ein wenig nett sein, wenn du etwas von mir willst."
„Ich will nichts von dir!" schrie ihm Buffy zornig ins Gesicht.
Mit einem sehr hinterhältigen Grinsen senkte er seinen Kopf.
„Spike!" fauchte Buffy auf und drehte ihr Gesicht zur Seite, während sich ihre Fingernägel abwehrend in seine Schultern krallten. Schließlich war sie heute wieder voll bei Verstand und wenn er es wagen würde…
Er wagte es, denn seine Lippen strichen federleicht über die empfindliche Haut ihres Halses. „Die nächtliche Buffy gefällt mir wirklich viel viel besser", hauchte er neben ihrem Ohr.
Buffy biss die Zähne zusammen und holte tief Luft. Übergangslos hatte sich ihr Herzschlag verdoppelt und sie verfluchte sich selbst, weil sie so auf ihn reagierte. Das Kribbeln in ihrem Magen verstärkte sich, als sie seine Zunge spürte und die Erinnerungen an das, was er in der vorherigen Nacht mit genau dieser Zunge angestellt hatte, stiegen in ihr hoch. Und ihr wurde heiß.
„Verdammt", knurrte sie leise und hörte sein Lachen. „Spike…"
„Ja?" murmelte er gegen ihre Kehle.
Ihre Finger klammerten sich in seine Haare und zogen seinen Kopf hoch. Sie schnappte nach Luft, als sie das Feuer in seinen Augen sah. „Hör…auf…", stieß sie atemlos hervor.
Sie starrten sich genau eine halbe Sekunde an, dann krachten ihre Lippen aufeinander. Buffys Hand hatte seine Haare verlassen, sich um seinen Hals geschlungen und für einen Moment verloren sie sich im Duell ihrer Zungen.
Keuchend riss sie ihren Kopf von ihm los. Diesmal ließ er zu, dass sie ihn zur Seite rollte und im nächsten Moment auf ihm saß.
„Das geht so nicht weiter", brachte sie heraus und stützte ihre Hände neben seinem Kopf ab. Die langen blonden Haare kitzelten seine Brust und sein Gesicht.
Spike bewegte auffordernd seine Hüften unter ihr. „Komm schon, Luv. Du kannst jetzt nicht kneifen."
Natürlich spürte Buffy, was er meinte, mehr als deutlich durch den dünnen Stoff ihrer Hose. Ihn schien seine komplette Nacktheit oder der erregte Zustand seines Körpers nicht im Geringsten zu stören.
„Kannst du vielleicht mal an etwas anderes denken?"
„Während du auf mir sitzt?!" Er lachte und ließ seine Hände ihre Hüften hinauf und unter ihr Shirt wandern. „Nein."
„Wir haben jetzt wichtigere Dinge zu tun, als deinen übersteigerten Sexualtrieb zu befriedigen!" fauchte sie erbost.
Spike setzte sich übergangslos auf und schlang seine Arme um sie. „Du bist daran Schuld", erklärte er frech mit einem bedeutungsvollen Blick zu seinem Unterleib. „Also ist das mindeste, was du tun kannst, dich darum kümmern."
Buffy lehnte ihren Kopf zu ihm. „Du bist wirklich mehr als unverschämt", sagte sie leise und fuhr mit den Fingern durch seine Haare.
„Du stehst drauf", hauchte er gegen ihre Lippen.
Ein feines Lächeln umspielte ihre Lippen. „Möglich, dass ich heute Nacht darauf stand", flüsterte sie. „Im Moment werde ich jedenfalls nicht von nur einem Körperteil beherrscht!"
Ehe Spike reagieren konnte, hatte sie ihn von sich gestoßen und war aufgesprungen. Er griff fluchend zu, doch sie sprang lachend zur Seite und flüchtete zur Tür.
„Ich stecke jetzt deinen Hengst in den Stall!" verkündete sie lauthals und warf die Tür hinter sich zu.
Spike fluchte lauter, fuhr aus dem Bett hoch und bückte sich nach seiner Hose.
„Dieses verdammte Aas", murmelte er wütend, während er hektisch in die Hose stieg und versuchte, seinen steifen Schwanz nicht mit dem Reißverschluss zu verletzen. „Verdammt!" schimpfte er lautstark, weil das gar nicht so einfach war, schnappte sein Shirt und rannte aus Buffys Wohnung die Treppen hinab.
Im Laufen zog er das Shirt über und sprintete über den Hof in Richtung Stall. „Buffy!"
Er bemerkte nicht, dass ihn - genau so wie Buffy vorher - drei Augenpaare aus der Küche beobachteten und eine völlig fassungslose Joyce eine kichernde Dawn ansah, die mit den Schultern zuckte und sehr altklug sagte.
„Kindisch. Alle beide."
Und Giles nahm seine Brille ab und begann sie zu putzen.
************************
„Buffy!" schrie Spike jetzt wirklich zornig, als er endlich den Stall erreichte.
Sie hatte sich tatsächlich einen Strick geschnappt und war auf dem Weg zu den Weiden. Spike holte sie auf halbem Weg ein und verstellte ihr den Weg.
„Es reicht jetzt!" knurrte er böse, packte ihre Hand und zerrte sie hinter sich her zurück zum Stall.
„Bauen wir jetzt?" fragte sie vergnügt, als er sie vor sich zur Tür hinein schubste.
„Ich frühstücke jetzt!" knirschte er zwischen den Zähnen hindurch. „Und danach fahre ich höhere Weidezäune kaufen. Und dann baue ICH!"
„Wir", berichtigte ihn Buffy lächelnd und schlenderte vor ihm durch den breiten Gang. „Und beeil dich mit frühstücken."
„Ich wundere mich wirklich, dass dir noch niemand den Hals umgedreht hat!"
„Wie geht’s dem Problem in deiner Hose?" erkundigte sie sich süffisant, mit einem Blick über ihre Schulter.
Im nächsten Augenblick flog sie mit dem Gesicht voran gegen eine Boxenwand und ein sehr wütender Spike presste sich gegen ihren Rücken. „Wenn du nicht möchtest, dass ich mein Problem sofort beseitige, hör auf, davon zu reden!"
Buffy fragte sich langsam ernsthaft, was mit ihr los war. Sie fand es einfach nur amüsant, dass er es im Moment war, der die Nerven verlor. Und der Grund, den sie in ihrem Rücken spürte und für den sie verantwortlich war, gefiel ihr noch besser. Das war nicht normal.
Der Mann, der in den letzten Wochen für sicherlich ein paar ihrer Lebensjahre weniger gesorgt hatte, flippte jetzt aus, weil ihr Körper ihn erregte und Buffy explodierte nicht über diese Tatsache, sondern fand es lustig?
Irgendetwas war eindeutig nicht in Ordnung mit ihr.
Spike ließ sie wieder los und stürmte zum Ausgang des Stalls. Und mit einem feinen Lächeln auf den Lippen folgte ihm Buffy.
*******************
Weder Joyce noch Dawn konnten es fassen, als sie sahen, dass Buffy zu Spike in den Jeep stieg und sie gemeinsam vom Hof fuhren.
„Was ist denn das jetzt wieder für eine Marotte", murmelte Dawn missmutig. „Sie wird ihn noch genau so verkraulen wie Riley…Eigentlich ist es besser, wenn sie sich streiten."
Joyce antwortete nicht und so fiel die Aufgabe Dawn zu, dem sie fragend anblickenden Giles zu erklären, was sie meinte.
Giles musste sich ein Lächeln verkneifen, weil die Erklärung beinhaltete, dass Buffy alle Männer nur ausnutzte und sie nach kurzer Zeit langweilig fand und zum Teufel schickte. Und sie wegen Buffy Riley verloren hätten.
„Nun", schmunzelte Giles. „Spike ist auch kein Unschuldslamm. Und wenn der Spieß mal umgedreht wird und er es ist, der zum Teufel geschickt wird, schadet ihm das überhaupt nichts."
„Rupert", schimpfte Joyce und drehte endlich den Kopf vom Fenster. „Erzähl Dawn nicht solches Zeug. Buffy ist in Bezug auf Beziehungen wirklich kein Vorbild. Und außerdem kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass sie sich jetzt plötzlich in Spike verguckt, wenn sie sich die letzten Wochen wie Hund und Katze aufgeführt haben."
„Hm", machte Dawn nur und runzelte missmutig die Stirn. „Ich werde mich dann mal um die Ställe kümmern. Heute Nachmittag reite ich in Buffys Stunde und ich will nicht, dass sie wieder schlechte Laune kriegt."
Joyce nickte lächelnd.
Giles half ihr, das Geschirr zusammen zu tragen und in den Geschirrspüler zu räumen. „Was hältst du davon, mich auf einer kleinen Besichtigungstour durch Sunnydale zu begleiten? Mal sehen, was ich alles so wieder erkenne..."
Einkaufen, und wenn es nur Weidepfähle waren, zusammen mit Buffy, entwickelte sich zu einem von Spikes schlimmsten Alpträumen.
Die gesamte Hinfahrt nervte sie ihn, er solle schneller fahren, schimpfte über die Autos vor ihnen und lachte, wenn er ihr vorhielt, es gäbe Geschwindigkeitsbegrenzungen und er wäre schon dabei, sie zu überschreiten.
Und es ging weiter.
Obwohl sie eigentlich nicht lange in dem Handel für Landwirtschaftbedarf zubrachten. Um genau zu sein, waren es zehn Minuten, in denen Buffy sich einen der Verkäufer schnappte, ihn anwies zu holen, was sie suchten und Spike zur Kasse zerrte.
„Wir haben nicht viel Zeit“, erklärte sie ihre Hektik. „Eppi wartet.“
Die Rückfahrt war genau so nervig und Spike kochte langsam vor Wut, als er seinen Jeep im Hof parkte.
Buffy interessierte das herzlich wenig. Sie sprang aus dem Auto und holte schon eine Schubkarre, während Spike die Plastikpfähle auslud und dann auf die Schubkarre legte.
„Du regst mich auf“, knurrte er böse, was ihm jedoch nur ein belustigtes Lächeln von Buffy einbrachte.
Dawn, die den Stallgang kehrte, sah hoch, als Spike mit der voll beladenen Karre und eine grinsende Buffy den Stall betraten.
„Gleich, Eppi“, rief Buffy ihrer Stute zu und war schon zum Hintereingang hinaus, während Spike ihr langsamer folgte.
Er sah Dawn an. „Warum habe ich sie noch nicht erwürgt?“
Dawn lächelte undefinierbar. „Du hast mein vollstes Verständnis, wenn du es doch noch tust…“
„Wo ist mein Dad?“
„Mit meiner Mom auf einer Besichtigungstour durch Sunnydale“, antwortete Dawn kläglich.
„Oh“, machte Spike verblüfft, wollte noch etwas sagen, wurde aber durch eine Stimme vom Hinterausgang unterbrochen.
„Spike!“
Dawn grinste ihn mitfühlend an. „Sie klingt nicht, als hätte sie schlechte Laune“, fügte sie erklärend hinzu, als wäre das beruhigend für ihn.
„Aber ich!“
Eine Stunde später hatten sie die Pfähle von Euphrosynes Weide gegen die höheren getauscht, Spike war mit seinen Nerven am Ende und eine aufgeregte Schimmelstute tobte über das grüne Gras.
Buffy strahlte, etwas, was Spike im Moment ganz schön aufregte und deshalb fauchte er noch in ihre Richtung, ehe er zurück zum Stall ging.
„Dafür dass du überhaupt nicht wolltest, dass die Pferde auf die Weide kommen, bist du jetzt ganz schön scharf drauf. Wenn sie da auch drüber springt, bleibt sie im Stall!“
Sie lachte und rief ihm nach. „Das ist immer noch besser, als auf etwas ganz anderes scharf zu sein!“
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Spike war wütend auf sich selbst. Auf Buffy natürlich auch, obwohl er nicht konkret sagen konnte, warum, aber viel mehr auf sich selbst.
Weil sie in seinem Kopf herum schwirrte.
Ihr Lachen, ihre Worte, ja selbst die kühle Miene, die er so hasste, stiegen in ihm hoch, sobald er unbeschäftigt war. Ihre permanente Gegenwart auf dem Hof trug nicht dazu bei, seine Gedanken abzulenken.
Er hätte sie in ihrem Zimmer weinen lassen sollen. Er hasste sich selbst für diesen Gedanken, aber er konnte nichts dagegen tun. Er hätte seine verfluchten Finger von ihr lassen sollen.
Nach dem Mittagessen, um das sich diesmal Buffy kümmerte - zum Glück musste sie es nur aufwärmen - da weder Joyce noch sein Vater auftauchten, flüchtete er mit Damaron vom Hof. Er wusste, Buffy würde den ganzen Nachmittag mit Reitstunden beschäftigt sein und ihre Stimme zu hören, war mehr, als er ertragen wollte.
Es regte ihn heute sogar auf, dass sein Vater ein so offensichtliches Vergnügen in Joyce Gegenwart empfand. Deshalb flüchtete er nach dem Abendessen, zu dem die beiden tatsächlich wieder eingetroffen waren, genervt in seine Wohnung.
Spike hatte noch nicht erlebt, dass eine Frau dermaßen sein Denken beherrschte. Und dabei war es nicht einmal so, dass er unbedingt behaupten würde, sie zu mögen.
Nein, es war Ärger, Zorn und Verlangen. Eine ganze Menge Verlangen.
Allein wie sie ihn beim Abendessen über den Tisch hinweg gemustert hatte, reichte, um seinen Blutdruck in die Höhe zu treiben. Spöttisch und mit diesem arroganten Funkeln in den grünen Augen, als würde sie seine Gedanken lesen. Er war wirklich nahe daran gewesen, sie zu schnappen, aus dem Zimmer zu zerren und ihr den hochmütigen Ausdruck aus dem Gesicht zu vögeln.
Es war ein Fehler gewesen, mit ihr ins Bett zu gehen. Ein großer.
Oder besser gesagt, das war vielleicht weniger der Fehler. Der Fehler war, sie wieder haben zu wollen. Reichten zwei Nächte nicht?
Was hatte sie, was andere Frauen nicht hatten?
Sie sah toll aus. Das sahen andere Frauen aber auch.
Es machte Spaß, mit ihr ins Bett zu gehen. Mit anderen auch. Manchmal.
Warum zum Teufel wollte er dann die anderen nicht wieder, aber sie?!
Fluchend durchsuchte Spike seinen neben der Tür hängenden Ledermantel nach Zigaretten. Als er sie gefunden hatte, entzündete er eine, ging ins Wohnzimmer und öffnete das Fenster.
Er setzte sich auf das Fensterbrett, lehnte sich gegen den Rahmen und blies den Rauch in die Luft, während er beobachtete, wie die Sonne unterging und es finster wurde.
Ruhe kehrte ein.
Er sah Buffy zusammen mit Dawn die Pferde wieder in den Stall bringen, hörte das Klappern der Futtertröge und beobachtete wie im Wohnzimmer von Joyce das Licht anging. Ihm fiel wieder ein, dass er noch immer nichts Genaues über die Vergangenheit seines Vaters erfahren hatte, aber er verspürte jetzt auch keine Lust hinunter zu gehen und zuzusehen wie sein Dad Buffys Mutter anhimmelte.
Dann kam Buffy über den Hof, warf einen Blick hinauf zu seinem Fenster und rief etwas, das wie „Rauchverbot“ klang.
Spike antwortete nicht. Er reagierte auch nicht, sondern entzündete ungerührt und provozierend eine neue Zigarette.
Eigentlich hatte Spike auch keine Lust auf das Bronze. Als dann jedoch Xander anrief und fragte, ob er mitkommen wolle und Spike eine, wie üblich, leicht bekleidete Buffy über den Hof gehen und in ein weißes Auto steigen sah, überlegte er es sich anders.
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Buffy dagegen hatte seit langer Zeit einmal wieder blendende Laune. Nachdem Spike sie wochenlang tyrannisiert hatte - jedenfalls ihrer Meinung nach - fand sie den Gedanken, dass er im Moment vor Wut fast platzte, einfach nur höllisch schön.
Sie wunderte sich, dass er es so offen zeigte und auch wenn sie sich das nur sehr schwer zugab, es reizte sie. Und weil sie irgendwie hoffte, dass er sich doch noch entscheiden würde, ins Bronze zu gehen, gab sie sich extra Mühe mit ihrer Kleidung.
Oder besser, mit dem Mangel an Kleidung.
Sie wählte wieder einen extra kurzen engen Rock – schwarz, weil eine bestimmte Person fand, ihr stände schwarz besser – und eine enge weiße fast durchsichtige Bluse. Sie ließ die obersten Knöpfe offen, so dass man fast den knappen BH sehen konnte, schlüpfte in die hochhackigen schwarzen Sandalen und grinste sich selbst im Spiegel an. Ein Hauch Kajal, etwas Lidschatten und knallroter Lippenstift vervollständigten das Outfit.
„Wow, Wow, Wow, B“, begrüßte Faith sie lachend, als sie ins Auto stieg. „Was hast du heute denn vor?“
„Mich amüsieren“, erklärte Buffy vergnügt und hob dann fragend die Augenbrauen. „Wo hast du Angel gelassen?“
„Ich treffe ihn im Bronze. Wo steckt dein blondierter Freund?“ erkundigte Faith sich mit einem anzüglichen Seitenblick.
„Er ist nicht mein Freund. Und ich habe keine Ahnung.“
Sie ergatterten einen Parkplatz direkt vor dem Bronze und schlossen sich der Menge an, die hinein stürmte.
Buffy winkte Anya zu, die an der Bar lehnte und sich von dem Mann neben ihr umständlich die Zigarette anzünden ließ.
Sie soll sich bloß schon mal einen krallen, dachte sie missmutig. Und ihre Finger von Spike lassen.
Xander und Willow waren noch nicht da. Buffy nahm auch an, dass die beiden Spike einsammelten oder dieser sie. Vielleicht vergrub er sich aber auch in seiner Wohnung. So griesgrämig wie er sich den ganzen Tag verhalten hatte, wäre das nicht verwunderlich.
Deshalb folgte sie Faith erst einmal zur Tanzfläche. Es war voll, stickig und laut. Genau so wie Buffy es liebte. Angel war noch nicht aufgetaucht, wofür Buffy Gott dankte, da sie keinerlei Lust verspürte, sich Faiths und Angels Streitgespräche anzuhören und sie mit Faith erst einmal die nächste Stunde auf der Tanzfläche verbringen konnte.
Aus der Stunde wurden zwei. Sie machten nur eine kurze Pause, um etwas zu trinken und stürzten sich wieder in das Gewühl. Faith schien plötzlich zu genau solcher Hochform aufzulaufen wie Buffy.
Irgendwann sah Buffy Willow, Xander und Spike kommen, doch sie zwang sich gewaltsam nicht in diese Richtung zu schauen. Natürlich hoffte sie, dass er noch genau so missgelaunt war wie den ganzen Tag.
Weil es sie für ihre vergangenen Wochen entschädigen würde.
Atemlos erreichten sie eine ganze Weile später die Bar und Buffy bestellte zwei Sekt, weil sie sich heute einfach wie Sekt fühlte, perlend und überschäumend vor guter Laune. Bis sie Angels Stimme in ihrem Rücken hörte.
„Hi Schätzchen“, sprach er Faith an und Buffy verdrehte die Augen.
Sie bezahlte, drehte sich um und reichte Faith ihr Glas.
„Hallo, Kleines“, begrüßte Angel sie.
„Ich kann mich nicht entsinnen, dass in meinem Personalausweis Kleines steht“, sagte sie eisig.
„Sind wir heute wieder auf der Hochmutstour?“ grinste Angel, klang aber recht friedlich. Wahrscheinlich hatte er noch nicht viel getrunken. „Faith, Süße, wie wäre es, wenn wir uns ein gemütliches Plätzchen suchen?“
Faith nickte und Buffys Blick folgte den beiden, die sich einfach umdrehten und sie stehen ließen.
Buffy hatte keine Ahnung, was die doch eigentlich recht attraktive Faith an Angel fand. Gut, am Anfang war es der Reiz des Unbekannten, aber jetzt? Nach all den Jahren? Und nach den permanenten Streitereien? Und so toll war ja Angel nun auch nicht im Bett, dass es all die anderen Makel aufwiegen konnte.
Seufzend verließ Buffy ihren Platz und schlenderte hinüber zu dem Tisch in der hintersten Ecke, an dem ihre Pferdebesitzer saßen. Entsetzt stellte sie fest, dass dieser Andrew und Jonathan ebenfalls dort Platz genommen hatten.
Gott, das konnte lustig werden, wenn ihre Pferdeeinsteller jetzt verschworene Gemeinschaften bildeten.
Fehlte nur noch Cordelia, aber Buffy wusste, dass diese irgendwo in Hollywood zu Probeaufnahmen unterwegs war. Wie immer.
„Hallo Buffy!“ rief Willow erfreut und zog sie neben sich auf die Eckcouch.
„Buffy“, fiel Andrew über sie her und ignorierte ihren ablehnenden Blick. „Endlich treffe ich dich einmal. Wir…“ Er deutete auf sich und den kräftig nickenden Jonathan. „…möchten Reitstunden nehmen.“
Buffy hätte am liebsten aufgestöhnt. Doch Willows lächelnde Miene ließ sie tief durchatmen.
„Ich gebe keine Westernreitstunden“, sagte sie mühsam freundlich und nippte an ihrem Sekt. „Ich kann euch bloß Stunden auf meinen Schulpferden anbieten.“
„Nicht auf unseren eigenen Pferden?“ fragte Andrew enttäuscht und sah Jonathan an.
„Ich habe keine Ahnung von Westernpferden“, knirschte Buffy durch die Zähne hindurch.
„Redest du mit Spike?“ strahlte Andrew auf. „Er gibt doch bestimmt welche. Hab gehört, er will in 14 Tagen an dem Turnier in L.A. teilnehmen?“
„Er will…“ Buffy verstummte und versuchte, sich ihre Überraschung nicht anmerken zu lassen. Spike hatte ein Turnier genannt und sie wusste es nicht?! Dann zauberte sie ein falsches Lächeln auf ihre Lippen. „Ich rede mit ihm. Sicherlich gibt er euch Stunden. Ich weiß nur nicht, wie lange er noch da ist.“
„Er geht wieder weg?“ Jonathan sah sie erstaunt an. „Ich dachte, er ist Mitinhaber des Hofes. Das wäre nicht gut, denn wir brauchen jemanden, der uns trainiert.“
Wahrscheinlich hatten Spikes Freundlichkeitseintrichterungsversuche doch etwas gebracht, denn Buffy explodierte nicht. Sie sagte auch nicht das, was ihr auf der Zunge lag. Nämlich dass für diese Westerngammelei überhaupt kein Trainer benötigt wurde, weil das jeder konnte. Nein, sie lächelte ein aufgesetztes Lächeln, das ihre Augen nicht erreichte und meinte ruhig.
„Ich denke, ich werde diese Angelegenheit mit Spike besprechen.“ Und wie sie das würde!!
„Danke, Buffy“, begeisterte sich Andrew und vertiefte sich mit Jonathan in ein Fachgespräch über die Vorteile des Beamens. Reitstunden schienen schon wieder zur Nebensache geworden zu sein.
„Wo ist Spike?“ flüsterte Buffy Willow ins Ohr.
Diese zuckte mit den Schultern. „Er wollte auf die Toilette…Buffy!“ rief sie der schon aufgesprungenen Buffy hinter her und murmelte dann nur. „Das gibt Ärger…“
********************
Buffy lief fast in den gerade wieder zur Tür herein kommenden Spike hinein.
„Buffy“, machte Spike überrascht.
Zu mehr hatte er keine Chance, denn ihre kleinen Hände krallten sich in seinen Ledermantel und stießen ihn zurück bis die Wand ihn stoppte. Spike war viel zu überrascht, um zu reagieren und ein Blick in ihr Gesicht sagte ihm, dass irgendetwas sie sehr sehr wütend gemacht hatte.
Er hatte nur keine Ahnung, was, bezweifelte jedoch, dass es ihm lange vergönnt wäre, darüber nachzudenken. Trotz des Zorns, oder vielleicht auch gerade deswegen, sah sie fantastisch aus. Mit den geröteten Wangen, den blitzenden Augen und der sie wild umwehenden blonden Mähne.
„Da hinten“, zischte Buffy, „sitzen zwei Männer, die auf Westernreitstunden bestehen! Wer soll die geben, wenn du – hoffentlich bald – verschwunden bist?!“
Wer soll sie jetzt geben? Spike runzelte die Stirn, griff nach ihren Handgelenken, um ihre Finger von seinem Ledermantel zu lösen, doch sie fasste fester zu. „Weshalb bist du so wütend, Luv?“
„Ich heiße nicht Luv?!“ schrie sie ihm ins Gesicht. „Das ist der Grund, warum ich keine Westernreiter wollte! Ich kann sie nicht trainieren! Wie lange willst du uns denn noch mit deiner Anwesenheit nerven?!“
„Es ist bei weitem noch nicht alles so wie ich es mir vorstelle“, begann er ruhig.
„Wie kommst du dazu, ein Turnier zu nennen und mir nichts davon zu sagen?!!“
Das kam nun völlig überraschend. „Hätte…hätte es dich interessiert?“ erkundigte er sich verblüfft.
„Natürlich nicht! Aber ich will wissen, was auf meinem Hof passiert!“ kreischte sie weiter.
„Unserem“, berichtigte Spike sie belustigt. „Unserem Hof…“
„Du gebleichter Wunderknabe“, knurrte Buffy böse. „Du hast den Mist eingeführt. Du scherst dich jetzt da hinter und klärst mit diesen beiden Spinnern, wann sie ihre Reitstunden bekommen.“
„Wieso ich?“
„WEIL DU DIE REITSTUNDEN GIBST!“ explodierte Buffy endgültig schreiend.
Spike sah ihr ungerührt ins Gesicht. „Nein.“
Das verschlug ihr erst einmal die Sprache. Und es dauerte eine ganze Weile, ehe sie sie wieder gefunden hatte. „Was…nein?“ fragte sie gefährlich leise.
„Ich gebe keine Reitstunden“, erklärte Spike und löste endlich ihre Hände von sich. Komischerweise ließ sie es anstandslos geschehen.
Als er sich jedoch zum Gehen abwenden wollte, verstellte sie ihm den Weg. „Was heißt, du gibst keine Reitstunden?“ fragte sie noch einmal und der Ausdruck in ihrem Gesicht gefiel ihm immer weniger.
„Was ist daran schwer zu verstehen?“
„Du gibst Dawn Reitstunden!“
„Das ist etwas anderes und eine Ausnahme. Ich gebe keine Reitstunden!“ Spike schob sie zur Seite und wollte weiter gehen.
„Ich glaube das nicht“, murmelte Buffy fassungslos und schnappte seinen Arm. „Du verlangst von mir, jeden Tag Stunden damit zu verbringen, untalentierten Menschen die Grundbegriffe eines Reitsitzes beizubringen…“ Und lachte hart auf. „Obwohl du es selbst genau so hasst!?“
„Ich diskutiere nicht darüber!“ erklärte er mit ausdruckslosem Gesicht.
„Das sind die Menschen, die wichtig sind, Luv“, äffte ihn Buffy nach. „Freizeitreiter. Vergiss deinen Traum vom talentierten Dressurreiter. Konzentrier dich auf die Leute, die dir tagtäglich Geld auf den Hof bringen!“ Sie stellte sich auf die Zehenspitzen und fauchte ihn an. „Du wirst dich um die beiden Spinner kümmern. Sie sind wegen dir da! Ich werde nicht zulassen, dass du von mir etwas verlangst, was du selbst nicht tust!“ Dann lachte sie wieder. „Und diesmal werde ich am Zaun stehen und aufpassen, dass du nicht zu unfreundlich wirst!“
„Nein“, presste Spike mühsam beherrscht hervor.
„Dann bist du Schuld, wenn die zwei ihre Pferde schnappen und wieder verschwinden!“ giftete Buffy. „Erklär ihnen, dass sie keine Reitstunden brauchen. Ich denke das ja auch. Westerreiten kann jeder! Aber bring du ihnen das bei!“
„Natürlich brauchen sie Stunden! Wir stellen einen Trainer ein“, meinte Spike ungerührt.
„Du raubst mir den letzten Nerv!“ Buffy fing seinen Arm, weil er schon wieder verschwinden wollte. „Bleib jetzt gefälligst hier. Ich bin noch nicht fertig!“
Er sah nicht aus, als würde ihn das interessieren. „Wenn du nicht aufhörst, an mir zu klammern, fange ich an zu denken, dir gefällt das!“
Sie ging nicht darauf ein, weil sie im Moment andere Sorgen hatte. „Mag sein, dass die Giles ihr Geld gern zum Fenster hinaus werfen! Die Summers tun das nicht! Ich sehe nicht ein, warum wir einen Trainer bezahlen, wenn du da bist! Und ich verstehe gleich gar nicht, was du jetzt schon wieder für eine Meise hast! Natürlich kann ich den beiden auch in meiner dir sehr gut bekannten unvergleichlich freundlichen Art erklären, dass man sich Westernreiten selbst beibringen kann! Weil es sowieso bloß Gammelreiterei ist! Und man einfach nur irgendwie oben sitzen bleiben muss!“
„Das ist nicht wahr!“ fauchte Spike erbost. „Du hast keinen blassen Schimmer, weil du dich überhaupt noch nie damit beschäftigt hast! Du bist so verbohrt in deine Kringelreiterei, dass du außerhalb davon gar nichts mitkriegst!“
„Ha! Ich habe doch Augen im Kopf! Und wenn ich dich durch den Sand schlurfen sehe, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, was daran schwer sein soll!“
Spike verschränkte die Arme vor der Brust und starrte sie aus schmalen Augen an. „Wetten, dass du es nicht schaffst, Damaron zu reiten?“
Buffy starrte zurück. „Du schaffst es gleich gar nicht, Eppi zu reiten“, sagte sie langsam.
Er streckte ihr grinsend seine Hand entgegen. „Ich reite Eppi und du Damaron. Wer besser zurecht kommt, hat gewonnen.“
Sie äugte misstrauisch auf seine Hand. „Eine Wette?“ Er nickte. „Wettbedingungen?“
Spike wackelte mit den Augenbrauen und grinste noch breiter.
„Vergiss es!“ fuhr sie ihn fast erschrocken an.
Er lachte. „Du lädst mich zum Essen ein, Cutie. So ein richtiges date-mäßiges Essen. Romantisch bei Kerzenschein…“
„Phhh“, schnaubte Buffy. „Dann will ich dich mal ein ganzes Wochenende gar nicht sehen! Überhaupt nicht! Weder zum Essen, noch auf dem Hof, noch deine Stimme hören!“
„Okay.“
Und Buffy schlug ein. „Wer entscheidet über den Sieg?“
Spike zuckte unbekümmert mit den Schultern. „Wir haben doch zwei Spezialisten. Mein Dad entscheidet über dich und deine Mom über mich. Welcher Zaum?“
„Trense“, antwortete Buffy sofort, die auf keinen Fall wollte, dass Spike mit einer Kandare in Berührung kam. Dann ging sie an ihm vorbei. „Du klärst jetzt trotzdem mit den beiden dahinten die Reitstunden!“
Damit drehte sie sich um und ließ einen Spike stehen, dessen Gesichtsausdruck sehr mürrisch wurde.
Teil 17
Willow hatte gelacht und Xander wollte gleich eine Wette abschließen – aber zu
Buffys Ärger auf Spike setzen.
Jonathan und Andrew ließen sich zu Spikes Missfallen nicht auf einen anderen
Reitlehrer vertrösten, sondern diskutierten recht eifrig aus, wie viel sie doch
von Spike lernen konnten. So lange bis Spike genervt nachgab und die erste
Reitstunde für den Montag vereinbarte.
Buffy fand das toll. Sie stieß Spike, der neben ihr auf der Eckcouch saß, an und
flüsterte. „Das werde ich nicht verpassen! Verlass dich drauf!“
Und sein essigsaures Gesicht gefiel ihr noch besser.
Es war spät, als sie sich endlich entschlossen, heim zu fahren. Da Buffy Faith
nicht mehr fand und eigentlich auch nicht scharf darauf war, mit Angel in einem
Auto zu sitzen, nahm sie Xanders Angebot, mit ihm zu fahren, an.
Dummerweise bedeutete es, dass sie wieder neben Spike auf der Rückbank saß und
dieser grinsend sagen konnte, wenn sie müde wäre, könne sie sich ruhig an ihn
lehnen.
Buffy war nicht müde, obwohl es auf drei Uhr zu ging und überhörte sein
gemurmeltes „Wie schade…“
Schließlich durfte es nicht zur Gewohnheit werden, in Spikes Armen zu schlafen.
Ihrer Meinung nach war das schon viel zu oft passiert.
Xander parkte im Hof, ließ die beiden aussteigen und winkte zum Abschied. Dann
wurde es dunkel, als das Auto den Hof wieder verließ und sie waren allein.
„So“, murmelte Spike und suchte in seinen Taschen nach den Zigaretten. Dann
hatte er sie endlich gefunden, steckte sich eine in den Mund und entzündete das
Feuerzeug.
Im Schein der Flamme sah Buffy sein Grinsen. „Wann wirst du dich endlich an das
Rauchverbot halten?“ fragte sie leise. „Eigentlich ist es ein Wunder, dass eure
Ranch nicht schon mehrmals abgebrannt ist…“
„Wir befinden uns nicht im Stall, Luv. Kein Heu und Stroh weit und breit“,
feixte er und zog an der Zigarette, ohne sie aus den Augen zu lassen. „Gefällt
mir übrigens wieder…was du anhast.“
„Schön“, brummte sie nur missmutig. „Als ob ich darauf Wert lege.“
Er lachte. „Hatten wir schon eine Zeit für unsere Wette ausgemacht?“
„Wie wäre es mit morgen?“ Sie klang gelangweilt.
„Ich wollte eigentlich erst einmal noch ein bisschen lesen…“
„Was lesen?“ fuhr sie auf.
„Na, ich kann doch deiner Stute nicht mit Westernhilfen kommen. Also sollte ich
doch zumindest die Theorie mal lesen.“
„Wehe, du übst heimlich!“ Buffy stemmte die Hände in die Hüften. „Sag bloß, du
hast so ein Buch?“
„Nein“, grinste er. „Aber du bestimmt.“
„Und warum sollte ich dir das geben?“
„Weil du eins von mir kriegst.“
Buffy musterte ihn misstrauisch. Bekam er einen ungerechten Vorteil, wenn er in
ihrem Buch las? Sie entschied für sich, dass das nicht der Fall war, da sie aus
eigener Erfahrung wusste, wie schwer es war, nur Gelesenes in die Praxis
umzusetzen. Und wenn sie dafür sein Buch bekam, war es umso besser. Die paar
Westernhilfen – so viele konnten es ja nicht sein – konnte man sich sicherlich
schnell und einfach einprägen. „Na gut.“
Spike trat die Zigarette aus und folgte ihr, als sie ins Haus ging.
„’Nacht, Spike“, verabschiedete sich Buffy an ihrer Wohnungstür und ging hinein.
Spike öffnete die Tür, die sie vor seiner Nase zugeschlagen hatte, und steckte
den Kopf hindurch. „Gibst du mir das Buch gleich?“
„Nein.“ Buffy drehte sich wieder um.
„Du könntest zur Abwechslung mal in meinem Bett schlafen“, bot er ihr grinsend
an.
Sie nahm die Türklinke in die linke Hand und schob seinen Kopf mit der rechten
zur Tür hinaus. „Schlaf gut, Spike!“ Und diesmal drehte sie demonstrativ den
Schlüssel um.
Trotzdem hörte sie sein Lachen. „Du hättest mir ruhig einen Abschiedskuss geben
können!“
Nein, nein, nein, wies sie sich selbst zurecht. Das darf nicht zur Gewohnheit
werden. Auch wenn es toll war. Und auch wenn Spike sich nicht benahm, als würde
er zum liebeskranken Trottel mutieren, nur weil sie ein wenig heißen Sex hatten.
Eigentlich war es das, was sie sich immer gewünscht hatte. Keine
Verpflichtungen, keine Eifersüchteleien…ab und zu mal tollen Sex – wenn *ihr*
danach war – und ansonsten gar nichts.
Buffy verschwand noch kurz im Bad und ging dann ins Bett. Sie rollte sich in
ihre Bettdecke ein, schloss die Augen und versuchte zu schlafen.
Es war Ewigkeiten her, dass sie sich in Gedanken so oft und so viel mit einem
einzigen Mann beschäftigt hatte.
Riley war ihr auf die Nerven gegangen, weil er ihre Nähe gesucht hatte. Die
Vorwürfe zu hören, sie wäre kalt und egoistisch, waren an ihr abgeprallt und
hatten sie nicht einmal zum Nachdenken veranlasst. Sie hatte sich gewünscht, er
möge ihr Luft zum Atmen lassen. Seine Nähe erdrückte sie, sein Sprechen von der
Liebe seines Lebens und seine Zärtlichkeiten machten ihr Angst.
Spike war genau das, was sie sich damals gewünscht hatte. Sexy, heiß und das
pure Verlangen. Zumindest im Bett. Außerhalb war er natürlich noch immer die
ärgerlichste Person, die sie kannte. Aber genauso wenig wie sie schien er mehr
zu wollen. Perfekt also.
Sie seufzte, öffnete die Augen wieder und starrte in die Dunkelheit, als die
Erinnerung an seinen warmen Körper an ihrem Rücken in ihr aufstieg.
Warum nur bildete sich jetzt in ihr der Gedanke, dass es schön wäre, sich
einfach an ihn zu kuscheln und einzuschlafen?
Warum fühlte sie sich fast so, als würde ihr etwas fehlen?
********************
Buffy wartete extra bis nach neun, ehe sie – wieder einmal – an Spikes Tür
klopfte. Diesmal dauerte es nur zwei Minuten, ehe seine Stimme rief.
„Moment!“
Buffy verdrehte die Augen. „Mach dir bloß nicht die Mühe, dich anzuziehen“,
knurrte sie sarkastisch. War er tatsächlich noch nicht aufgestanden?
Schlafmütze.
Im nächsten Moment wurde die Tür geöffnet. „Sag doch gleich, dass du es bist“,
grinste er und winkte sie herein.
Buffy hatte alle Mühe ein gleichgültiges Gesicht zu wahren. Er hatte nicht mehr
geschlafen. Nein, er schien geduscht zu haben, denn seine Haare waren noch nass.
Das Schlimmste aber war, dass er nichts weiter trug außer einem Handtuch, das er
um seine Hüften geschlungen hatte.
„Ich wollte nur dein Buch“, stieß sie mühsam hervor und versuchte krampfhaft,
ihn nicht zu auffällig anzustarren. Was sich als sehr schwer heraus stellte.
„Auf dem Bücherregal im Schlafzimmer“, antwortete Spike vergnügt und verschwand
in der Küche.
„Spike!“ kreischte Buffy, knallte ihr eigenes Buch auf den kleinen Schrank in
der Flurgarderobe und folgte ihm. „Ich durchsuche jetzt bestimmt nicht dein
Schlafzimmer. Gib es mir einfach und ich verschwinde wieder! Und zieh dir etwas
an!“
Er goss sich ein Glas Wasser ein und lehnte sich gegen den Küchenschrank. Und
grinste. „Tu jetzt bloß nicht so, als wärst du über Nacht schüchtern geworden.
Zufällig weiß ich, dass dir mein Körper recht gut gefällt. Und ich habe nichts
dagegen, wenn du ihn dir ansiehst.“
„Du bist doch so was von…“, begann sie.
Er trank aus dem Glas und sah sie über den Rand hinweg fragend an.
„…ätzend“, beendete sie ihren Satz. Sie sollte wirklich schleunigst
verschwinden. Ehe das Handtuch von seinen Hüften rutschte… Ihr wurde allein bei
dem Gedanken ganz warm. Dabei wusste sie doch wie er aussah. Eben! sagte eine
Stimme in ihrem Kopf. Eben!
„Frühstückst du mit mir?“ erkundigte sich Spike scheinheilig.
„Mom wird dir schon Gesellschaft leisten“, brummte sie. „Schließlich ist sie
froh, wenn sie den Tisch endlich abräumen kann. Nachdem sie das ganze Zeug wegen
dir Schlafmütze so lange stehen lässt.“
Sie verschränkte ihre Arme vor der Brust. „Krieg ich das Buch jetzt?“
„Hast du Angst, in mein Schlafzimmer zu gehen?“
Er spielte mit ihr. Und in dem Moment, in dem ihr das klar wurde, spürte sie die
Spannung. Da war fast ein Lauern in seiner Haltung und plötzlich schien die
gesamte Luft elektrisch geladen.
„Angst?“ fragte sie spöttisch. „Vor dir?“
„Nein“, sagte er leise, stellte das Glas zur Seite und kam auf sie zu. „Vor dir
selbst.“
Hau ab, Buffy! schrie die vernünftige Buffy. Nein, antwortete die Sture. Die
sture Buffy gewann, und sie starrte ihm mit einem hoffentlich ungerührten
Ausdruck entgegen.
Spike blieb vor ihr stehen und musste grinsen, als er sah, mit welch aggressivem
Funkeln in den Augen sie ihn ansah.
„Komm mit“, sagte er dann jedoch gleichgültig und ging zur Tür hinaus.
Buffy knirschte mit den Zähnen. „Du hast wohl doch nur ein paar Klamotten und
die sind jetzt in der Wäsche?“ Konnte sie sich nicht verkneifen zu sagen.
„Mein Kleiderschrank ist im Schlafzimmer“, erklärte er amüsiert. „Weißt du, wo
das ist?“
„Ich habe die Wohnung eingerichtet“, entgegnete sie schnippisch. „Glaub jetzt
nur nicht, ich komme da mit rein und schau dir beim anziehen zu.“
„Nein?“ Er klang fast enttäuscht. „Schade.“
„Wenn du mir nicht gleich das Buch gibst, nehme ich meins und verschwinde!“
„Wenn ich es dir gebe, bleibst du noch ein bisschen? Hätte ich das gewusst,
hätte ich mit dem Duschen auf dich gewartet.“ Er drehte den Kopf und warf ihr
einen sehr süffisanten Blick zu.
Buffy stöhnte auf. „Es reicht jetzt!“
Spike öffnete die Tür zum Schlafzimmer und ließ sie offen.
Buffy jedoch blieb demonstrativ draußen und lehnte sich gegen den Türrahmen.
„Spike, dass du und ich da irgendwelche…ähm…Erlebnisse geteilt haben, bedeutet
nicht…“
„Erlebnisse?“ unterbrach er sie kichernd, ohne dass sie ihn sehen konnte, weil
er um die Ecke vor seinem Schrank stand.
Sie hörte das Rascheln von Kleidung und holte tief Luft, weil sie wusste, dass
er jetzt das Handtuch entfernte. Ob ihn allein ihre Anwesenheit in der Wohnung
erregt hatte? Nein, das hätte sie bemerkt.
„Dass du und ich“, fauchte sie lauter als beabsichtigt, „Sex hatten bedeutet
nichts anderes, als… dass wir Sex hatten!“
Er steckte den Kopf um die Ecke und feixte. „Was sonst, Luv?“
„Gut!“
Er zog ein Shirt über den Kopf und trat zu dem Bücherregal neben dem Fenster.
„Kommst du jetzt rein, oder hast du immer noch Angst?“
Buffy fegte zur Tür herein, positionierte sich neben ihm und musterte die
Buchtitel. Viele der Bücher gehörten nicht Spike, sondern zur Ausstattung der
Wohnung und sie scannte eine Weile durch die Titel. „Ich habe vor niemandem
Angst. Und vor mir selbst gleich gar nicht!“
Spike sah zur Seite auf ihren blonden Schopf. „Doch hast du. Du hast Angst, ich
könnte dich auf dieses Bett werfen, dir die Kleider vom Leib reißen und dir den
Verstand aus dem Kopf vögeln, weil du genau weißt, dass du es geschehen lassen
würdest.“
Seine Worte lösten eine direkte Reaktion in ihrem Unterleib aus. Buffy starrte
krampfhaft auf die Titel der Bücher, ohne sie zu lesen. Sie hatte sogar alle
Mühe, ein Zittern ihrer Hände zu verbergen. …dir den Verstand aus dem Kopf
vögeln… Buffy, reiß dich zusammen! Du bestimmst, wer, wann und wo! Niemand
sonst!
Langsam drehte sie ihren Kopf, nur um dem Feuer in seinen blauen Augen zu
begegnen. Die Haare waren noch immer nass und allein die Vorstellung eines
nackten Spikes unter der Dusche reichte, um ein eigenartiges Schwächegefühl in
ihren Beinen auszulösen.
„Welches…Buch“, krächzte sie mühsam und verfluchte sich selbst, als er spöttisch
die Lippen verzog.
Dann griff er ins Regal, zog ein gebundenes Buch hervor und reichte es ihr.
„Bitte schön.“
Sie riss ihm das Buch aus den Händen und stürzte zur Tür. Erst im Hausflur ging
ihr auf, dass sie gerade vor einem Mann geflüchtet war.
Nein, nicht vor irgendeinem Mann, sondern vor Spike.
Und sie hätte sich am liebsten selbst geohrfeigt.
*********************
„Du willst was?!“ Giles fing an zu lachen. Er lachte so sehr, dass Tränen in
seine Augen stiegen und er die Brille abnehmen musste.
Spike, der neben ihm am Zaun des Reitplatzes lehnte, sah ihn ungerührt, ja fast
ärgerlich an.
„Hab ich das jetzt richtig verstanden?“ brachte Giles mühsam hervor, als er sich
etwas beruhigt hatte. „Du willst Buffys verrückte Stute reiten?“
„Ja“, knirschte Spike.
„Und sie Damaron?“
„Ja!“
Giles prustete wieder los und Spike wartete genervt noch einmal bestimmt fünf
Minuten, ehe der Lachanfall abebbte. „Ich habe noch nie erlebt, dass du etwas
derart Kindisches tust“, sagte Giles dann mühsam.
Spikes Augen verengten sich. „Sie beleidigt fortwährend die Westernreitweise.
Sie behauptet sogar, man bräuchte keine Reitstunden, um Western zu reiten! Das
soll sie mir bitte schön auf Damaron zeigen!“
„Während du dich auf Euphrosyne blamierst?“ erkundigte sich Giles amüsiert.
„So schlimm kann es ja wohl nicht sein!“ Spike angelte wütend nach seinen
Zigaretten und zündete sich eine an. „Und du sollst nichts anderes tun, als sie
beurteilen, während Joyce mich beurteilt.“
„Ich werde sie nicht schlechter beurteilen, nur weil du mein Sohn bist“, warnte
Giles ihn. „Es ist durchaus möglich, dass du die Wette verlierst.“
Spike blies den Rauch in die Luft und nickte. „Sicher.“ Natürlich wusste er das.
Aber genau so wie Buffy davon überzeugt war, ohne große Probleme mit seinem
Hengst klar zu kommen, war er der Meinung, die Schimmelstute reiten zu können.
Schließlich war sie letztendlich auch nur ein Pferd. Und so groß waren die
Unterschiede in der Hilfengebung nun auch nicht.
„Wann?“ fragte Giles.
„Wir haben uns jetzt auf den Donnerstag geeinigt“, brummte Spike. „Du bleibst
doch die Woche noch?“
Giles nickte langsam. „Ich dürfte es nicht, ich habe genug Arbeit zu Hause. Aber
wann habe ich mir das letzte Mal Urlaub geleistet?“
Spike grinste ihn von der Seite an. „Der Vertrag ist unterschrieben?“
„Ja.“
„Also bist du jetzt nur noch hier, weil du ein wenig Zeit mit Joyce verbringen
willst?“ fragte er hinterhältig.
„William!“ fuhr ihn Giles an.
Spike lachte. „Komm schon, Dad. Ich bin nicht blind. Obwohl ich nicht weiß, ob
mir der Gedanke gefällt. Aber Joyce ist eine nette Frau…im Gegensatz zu gewissen
anderen Personen auf dem Hof hier…Wie war das nun? Du stammst aus Sunnydale?“
„Ich glaube nicht, dass ich mit dir darüber sprechen möchte“, sagte Giles leicht
pikiert.
Spike warf seine Zigarette zu Boden und trat sie aus. „Wer ist jetzt hier
kindisch, Rupert?“
Giles nahm seine Brille ab und putzte sie. „Ja, ich bin in Sunnydale
aufgewachsen und zur Schule gegangen.“
„Joyce kannte dich aber nicht, oder?“
„Nein.“ Giles Stimme klang bitter. Er setzte die Brille wieder auf und wandte
sich zum Gehen. „Solche verrückten Wetten tragen nicht dazu bei, die Spannungen
zwischen dir und Buffy abzubauen“, setzte er noch hinzu, ehe ging und Spike
einfach stehen ließ.
Und er bemerkte auch den nachdenklichen Blick nicht, mit dem Spike ihm nachsah.
*****************
Gewichtshilfen – Nun, das Kapitel übersprang Spike erst einmal.
Gewichtshilfen setzte er schließlich genau so ein. Schenkelhilfen – na ja, sagte
er sich selbst, nachdem er das Kapitel überflogen hatte, das ging ja auch noch.
Eigentlich musste er nur zusehen, dass er stetig weiter trieb und seine Hilfen
nicht nur signalartig einsetzte.
Zügelhilfen – Zügelhilfen müssen immer in Verbindung mit Schenkel- und
Gewichtshilfen gegeben werden.
Pfff, dachte Spike, ehe er weiter las.
Die Voraussetzung für den Einsatz leichter und exakter Zügelhilfen ist die
Fähigkeit, ständig einen gleichmäßigen und feinfühligen Kontakt zum Pferdemaul
zu halten.
Das klang einfach. Spike blätterte gelangweilt weiter. An den Zügel stellen… Ein
Pferd, das am Zügel steht, bewegt sich aus der Hinterhand tätig vorwärts und
schiebt sich in Aufrichtung und mit gewölbtem Hals an eine stetige, fühlende
Zügelführung heran.
Er schüttelte den Kopf, las den Satz noch einmal und schüttelte ihn wieder.
Aufrichtung oder ihre Weiterführung, die Beizäumung, ist die Haltung, in der
sich das Pferd selbst trägt.
Quarter trugen sich auch selbst, ohne dass es eine stete Verbindung zum
Pferdemaul gab. Sie trugen sich sicherlich viel besser selbst, da niemand
störend an ihrem Maul herum zerrte.
Die Beizäumung ist nur korrekt, wenn sie dadurch erzielt wurde, dass die
Schenkel des Reiters das Pferd aktiv in die Anlehnung hinein getrieben haben.
Spike starrte einen Moment nachdenklich in die Luft. Ihn würde jetzt wirklich
interessieren, was Buffy beim Lesen seines Buches durch den Kopf ging. Er hatte
am gestrigen Tag, dem Sonntag, nicht noch einmal mit ihr gesprochen, wusste
aber, dass sie in seinem Buch las.
Bis jetzt stand sie noch immer auf dem Reitplatz, weil erst Willow und danach
Xander zu der Privatreitstunde aufgetaucht war.
Spike warf einen genervten Blick zur Uhr. Es war noch eine Stunde Zeit, aber
dann würde er nichts anderes tun können, als hinunter gehen und die Reitstunde
von Jonathan und Andrew stattfinden lassen.
Er blätterte weiter, begutachtete die Bilder der seiner Meinung nach mehr oder
weniger verkrampft sitzenden Modelle und seufzte.
Vielleicht war es doch eine blöde Idee.
Halbe Paraden – eine halbe Parade ist ein kurzes Verhalten, bei dem man das
Pferd gleich wieder vorwärts gehen lässt.
Ein kurzes Verhalten? Er scannte den Text, aber nirgendwo wurde erläutert, wie
kurz oder lang dieses Verhalten sein sollte. Ein kurzes Zupfen am Zügel?
Vielleicht sollte er in den nächsten Tagen mal in der Nähe sein, wenn Buffy
Reitstunden gab, nur damit er ihren Erläuterungen einmal zuhören konnte.
Er überflog noch kurz das Kapitel über Bahnfiguren und schloss dann das Buch,
weil ihn die vielen Begriffe wie Volten, Schlangenlinien, Schulter herein,
Travers und Renvers einfach nervten. Schließlich wollte er keine Dressuraufgabe
reiten, sondern einfach nur ein bisschen reiten.
Das konnte unmöglich so schwer sein.
Wie angekündigt, lehnte Buffy schon am Zaun des Reitplatzes, als Andrew und
Jonathan ihre gesattelten Pferde herein führten.
Sie lächelte Spike sogar freundlich an, als dieser sich von innen neben sie
lehnte und eine Zigarette anzündete.
Die beiden jungen Männer stiegen auf und begannen ihre Pferde ein wenig im
Schritt warm laufen zu lassen.
Spike betrachtete erst einmal die Pferde und den Sitz der beiden skeptisch.
„Habt ihr schon Stunden genommen?“
„Ja“, nickte Andrew eifrig.
„Ich möchte euren Ausbildungsstand erst einmal in Ruhe einschätzen. Deshalb
reitet einfach so, als würdet ihr allein sein“, rief er über den Platz.
Buffy hob ihre Augenbrauen.
„Ich will nichts hören“, fuhr er sie an. „Ich kann ihnen keine Reitstunde geben,
wenn ich nicht einmal weiß, ob ich sie unter- oder überfordere!“
„Überfordern!“ prustete sie los. „Kann man Westerreiter überfordern? Was
passiert dann? Schaffst du es dann nicht mehr, nebenbei auf dem Pferd noch zu
rauchen?“
Spike beugte sich zu ihr. „Möchtest du nächste Woche mitkommen und sehen, was
Westernreiten tatsächlich bedeutet?“
„Ich glaube nicht“, antwortete sie pikiert.
„Dann halt den Mund!“
Auf der anderen Seite des Hofes war Xander noch damit beschäftigt, seinen
Wallach Echnaton trocken zu putzen, während Willow neben ihm stand und sie sich
unterhielten. Obwohl Willows Stunde schon lange vorbei war, passierte es jetzt
immer häufiger, dass die junge Frau da blieb, um noch ein wenig in anderen
Stunden zuzusehen oder einfach, um noch mit Buffy zu schwatzen.
Zu Buffys Erstaunen war ihr das nicht unangenehm. Ja, manchmal freute sie sich
sogar, noch ein paar freundliche Worte mit der schüchternen Willow zu wechseln.
Auch jetzt rief Willow über den Hof. „Ich mache uns Kaffee, okay?“
Spike lachte. „Heiße Schokolade, Willow. Heiße Schokolade!“
„Kümmere dich um deine zwei Freaks“, zischte Buffy und antwortete dann laut.
„Alles klar, Willow, ich schau nur erst mal noch ein bisschen zu.“
Spike hatte seine Zigarette endlich weggeworfen und war zur Mitte des
Reitplatzes geschlendert. Was Buffy wieder daran erinnerte, ihn über den Hof zu
jagen und alle seine Kippen einzusammeln. Oder einen Aschenbecher aufstellen?
Aber dann würde sie ja seine scheußliche Leidenschaft für die Glimmstengel
akzeptieren.
Buffy sperrte ihre Ohren auf, denn auch wenn sie es nicht zugeben wollte, so
hatte doch sein Buch ein paar Fragen aufgeworfen, die möglicherweise jetzt
geklärt werden konnten. Natürlich war sie der Meinung, die Wette jetzt schon
gewonnen zu haben. Eigentlich unterschieden sich Westernhilfen fast gar nicht
von klassischen Hilfen, sie musste nur daran denken, die Zügel lang zu lassen
und auf dem Rücken gar nichts zu tun. So klang es jedenfalls.
Mit misstrauischen Augen beobachtete sie die beiden Männer. Sie saßen nicht ganz
so lässig auf den Pferden wie Spike sonst und schienen sich jetzt sehr viel Mühe
zu geben, Spikes Kommandos zu folgen.
Buffy wusste auch nicht, welcher Rasse die beiden Pferde angehörten. Sie waren
so kompakt gebaut wie Spikes Quarter, aber ob es sich tatsächlich um Quarter
oder etwas anderes handelte, konnte sie nicht beurteilen. Beide Pferde waren mit
einer Trense gezäumt. Das überraschte Buffy, da sie Spike nur mit diesem
kandarenähnlichen Ding oder gebisslos reiten sah. Sie hatte angenommen,
Westernreiter würden gar keine Wassertrense kennen.
„Nicht an den Zügeln zerren!“ schimpfte Spike gerade, als Andrew sein Pferd
anhalten lassen sollte. „Wer zum Halten die Zügel benutzt, betrügt sich selbst!
Noch einmal. Wenn das Pferd nicht stehen will, richte es rückwärts. Die Hilfen
für das Rückwärtsrichten sind euch bekannt?“
Spike klingt fast so genervt wie ich selbst manchmal, stellte Buffy erfreut
fest. Während Spike erklärte wie beim Rückwärtsrichten die Unterschenkel nach
vorn gestreckt werden sollten, gegebenenfalls gegen die Schulter des Pferdes zu
klopfen hatten, beobachtete Buffy Spike aufmerksam.
Auch wenn die beiden Reiter es nicht merkten, Buffy sah den skeptischen Blick
und die gesamte Abwehr in seiner Haltung. Es überraschte sie, dass sie ihn nach
den wenigen Wochen, die sie sich jetzt kannten, so gut einschätzen konnte.
Er blieb trotzdem relativ ruhig, auch nachdem Andrews Pferd beim Angaloppieren
losschoss, während Jonathan seinen schwerfälligen Wallach überhaupt nicht zu
einem Galopp bewegen konnte.
Spike schüttelten unmerklich den Kopf, etwas was sicherlich nur Buffy sah.
„Bring wieder Ruhe in das Pferd, Andrew“, sagte er dann. „Zügel lang. Schritt.
Reite Schlangenlinien um die Pylonen. Halten. Rückwärtsrichten.“
Pylonen, dachte Buffy amüsiert. Diese Hütchen, die Spike im Viereck verteilt
hatte, waren also Pylonen.
„Er geht mir im Gelände auch immer durch“, keuchte Andrew. „Aber er läuft nicht
weit von Fireball weg.“
Buffy presste ihre Hand auf den Mund, um nicht zu lachen, als sie hörte, dass
Jonathans Pferd Fireball hieß. Ein wahrer Feuerball, der da träge Runde für
Runde trottete und zu keiner schnelleren Gangart zu bewegen war.
Spike nickte, vergrub seine Hände in den Taschen seiner Jeans und meinte. „Ich
denke, eure Pferde benötigen genau so dringend Stunden wie ihr. Beide. Ich kann
nicht euch und die Pferde gleichzeitig unterrichten.“
In diesem Moment rief Willow, der Kaffee wäre fertig. Buffy, die nun wusste,
dass sie nicht mehr viel lernen konnte, wandte sich ab. Aber sie hörte noch wie
Spike mit den beiden vereinbarte, dass er die Pferde mindestens drei Mal pro
Woche reiten würde. Das schien etwas zu sein, was Spike Spaß machte. Aber es
bedeutete auch, dass Spike noch eine Weile vorhatte zu bleiben.
Und Buffy wusste nicht so recht, ob ihr der Gedanke gefiel.
*****************
Willow hatte den Kaffee schon ausgeschenkt und selbst Xander grinste ihr
freundlich entgegen, als sich Buffy mit an den Tisch setzte.
Xander, dessen Reitstunde ja kaum eine halbe Stunde vorbei war, sah noch immer
recht mitgenommen aus. Die schweißnassen Haare sturzelten auf seinem Kopf herum
und sein Gesicht hatte noch immer die Farbe einer Tomate, aber er sah sehr
zufrieden aus.
Konnte er auch, aber das würde Buffy natürlich nie sagen. Ehe irgendjemand ein
Lob aus ihrem Mund vernahm, musste er schon etwas Außergewöhnliches leisten. Und
Xander gab sich ihrer Meinung nach Mühe, war aber noch weit von etwas entfernt,
was Buffy als einen guten Dressursitz bezeichnete.
Sie öffnete das Fenster, weil die Mittagssonne das Reiterstübchen zu sehr
aufgeheizt hatte. Doch sie saß kaum, als sie Spikes erboste Stimme über den
ganzen Hof hörte.
„Wenn du noch ein einziges Mal in meiner Reitstunde dein Pferd schlägst, fliegst
du raus und kannst zusehen wo du reiten lernst!“
Buffy sprang auf und stürzte zum Fenster. Selbst Willow und Xander hoben
überrascht die Köpfe, weil sie sicherlich im Gegensatz zu Buffy Spike noch nie
schreien gehört hatten.
„Die Reitgerte ist eine unterstützende Hilfe!“ schrie Spike weiter. „Sie ist
kein Mittel, um ein Pferd für etwas zu bestrafen, was deine Unfähigkeit
verursacht hat!“
„Ist er nicht süß“, murmelte Buffy begeistert. Mit einem verzückten Grinsen im
Gesicht setzte sie sich wieder an den Tisch und ignorierte Willows und Xanders
eigenartige Blicke. Kichernd trank sie einen Schluck aus ihrer Tasse. „Ich mag
ihn“, sagte sie dann mit einem Funkeln in den Augen. „Ich mag ihn wirklich.“
Willow und Xander tauschten einen kurzen Blick.
„Hör auf, dem Pferd im Maul zu zerren!“ tobte Spike draußen weiter. „Wo soll er
denn hin?! Der Reitplatz ist umzäunt! Er rennt nur weg, weil du ihm weh tust!
Und je mehr du ihm weh tust, umso schneller rennt er!“
Buffy fühlte sich einfach himmlisch. Der Gedanke, Spike später sein Ausflippen
genüsslich unter die Nase zu reiben, reichte, um ihre Welt wieder in Ordnung zu
bringen.
Grinsend schaute sie in die erstaunten Gesichter von Willow und Xander. „Was
ist?“
„Ich dachte“, begann Willow vorsichtig, „ihr hattet euch vertragen?“
„Haben wir“, lächelte Buffy schadenfroh. „Haben wir. Und jetzt haben wir eine
fantastische Grundlage, uns noch viel besser zu vertragen.“
„Ich wusste gar nicht, dass Spike so schreien kann“, murmelte Xander betreten.
„Ich dachte, nur du bist laut, Buffy…“
Buffy sagte nichts darauf, konnte aber auch nicht aufhören, breit zu grinsen.
„Wirst du irgendwann auch Westernstunden geben?“ erkundigte sich Willow
neugierig. „Oder bleibt Spike jetzt für immer?“
Für immer?!! Buffy verschluckte sich an ihrem Kaffee und fing an zu husten.
„Nein…“ brachte sie dann hervor. „Ich meine, ich gebe keine Westernstunden…und
ich hoffe doch, dass er bald verschwunden ist…“
„Er würde eigentlich gut auf den Hof passen“, sagte Xander zu Buffys Entsetzen.
„Er passt viel besser auf seine Ranch!“ fuhr sie auf. „Ich kenne sie zwar nicht,
aber ich wette, er passt fantastisch dorthin!“
Willow lächelte fein. „Er hat eine Menge erreicht. Wer hätte gedacht, dass wir
irgendwann mal hier sitzen und gemütlich Kaffee trinken?“
Buffy lag eine scharfe Erwiderung auf der Zunge, doch als sie in Willows Gesicht
und deren offene grüne Augen sah, verschluckte sie sie wieder. Willow war kein
Mensch, der sarkastische Bemerkungen austeilte oder darauf aus war, Buffy zu
verletzen. Sie sagte einfach ehrlich und freundlich, was sie dachte.
Und während Buffy den Rest ihres Kaffees schlürfte, ab und zu wieder Spikes
laute Stimme hörte, ging ihr durch den Kopf, dass Willow Recht hatte. Das Klima
zwischen ihr und den Menschen, von denen sie Geld nahm, egal ob für Reitstunden
oder Pension, hatte sich gebessert. Und sie konnte nicht behaupten, dass das
schlecht war.
***************
„Du hast ein wirklich unvergleichliche Art, Reitschüler zur Ratte zu machen“,
trällerte Buffy, als sie an Spike vorbei ging und nahm ihm Jonathans Fireball
aus der Hand.
Jonathan und Andrew waren schon abgefahren und Spike wollte gerade die Pferde
wieder auf die Weide schaffen, als Buffy die Reiterstube verließ.
„Gib das Pferd wieder her“, schimpfte er. „Ich brauche dich nicht.“
Sie ging gar nicht darauf ein. „Was denkst du?“ stänkerte sie weiter. „Hast du
sie für immer vergrault?“
„Ich habe absolut keine Lust, mit dir zu reden oder dein Gesicht zu sehen!“
fauchte er gereizt.
„Ich habe so gute Laune“, lachte sie und führte Fireball hinunter zu den Weiden.
„Da können nicht einmal deine bösen Worte etwas daran ändern.“
Spike folgte ihr mit Andrews Wallach, der auf den Namen Dragonheart getauft war.
Zorn kochte in ihm. Einerseits wegen der Reitstunde, aber andererseits auch,
weil er es nicht geschafft hatte, sich zu beherrschen, obwohl er wusste, dass
Buffy ihn beobachtete. Aber in dem Moment, als Andrew seine Gerte einsetzte und
auf den Wallach schlug, war es um seine Beherrschung geschehen.
Spike hatte zu oft erlebt, dass solch eine cholerische Behandlung aus Pferden
einfach nur noch panische Tiere machte. Und diese Panik war für den Reiter
lebensgefährlich. Irgendwann endeten die Tiere auf dem Schlachthof oder
günstigstenfalls in den Händen von Ausbildern, die sie korrigieren sollten. Doch
er wusste auch nur zu gut, wie schwer es war, ein solches Trauma wieder aus
einem Pferdekopf heraus zu bekommen.
Buffy öffnete den Weidezaun und ließ Fireball laufen. Dragonheart folgte ihm,
nachdem Spike ihn vom Strick gelöst hatte.
Buffy drehte ihren Kopf und grinste Spike an. „Glaub nur nicht, dass du mir noch
einmal etwas von freundlicher Behandlung erzählen kannst.“
Er starrte den beiden Pferden düster nach. „Ich hasse Menschen, die ihre
Unfähigkeit an Tieren auslassen, die sich schließlich nicht wehren können!“
stieß er dann hervor, drehte sich um und ließ Buffy einfach stehen.
Das schadenfrohe Grinsen erstarb in Buffys Gesicht. Sie eilte ihm nach, holte
ihn jedoch erst im Stall wieder ein.
Er schmiss einfach den Strick in die Ecke, dorthin, wo die anderen fein
säuberlich an der Wand hingen, doch Buffy verkniff sich eine entsprechende
Bemerkung. Er war wirklich zornig, aber wie es aussah weniger auf sich selbst.
„Spike“, rief sie, als er weiter lief.
Er blieb stehen, ohne sich umzudrehen. „Deshalb will ich keine Reitstunden
geben“, sagte er mühsam beherrscht. „Und mir ist egal, wie königlich du dich
jetzt amüsierst, Buffy.“
Dass er sie Buffy nannte, überraschte sie mehr als alles andere. Sie trat um ihn
herum und hob den Kopf, um ihn anzusehen. „Deshalb stehst du in der Mitte. Um zu
verhindern, dass jemand seine Wut an dem Pferd auslässt“, sagte sie leise.
Er schüttelte den Kopf. „Ich kann nicht immer dabei sein. Und ich weiß genau,
dass er in dem Moment, in dem ich nicht da bin, die Gerte wieder einsetzt. Dann
werde ich dafür bezahlt, das Pferd zu korrigieren. Ich stecke wochenlange harte
und gefährliche Arbeit in das Tier. Der Besitzer holt es zurück und benötigt nur
wenige Tage, um meine ganze Arbeit zunichte zu machen.“
„Wenn du so denkst, hättest du nie in dieser Branche arbeiten dürfen. Ihr
züchtet Pferde, bildet sie aus und verkauft sie. Du weißt nie, was die künftigen
Besitzer mit ihnen anstellen.“
Seine blauen Augen bohrten sich in ihre und diesmal sah sie weder Spott noch
Ironie in ihnen. „Ich weiß. Aber ich tue mein Bestes, um den jungen Pferden eine
exzellente Ausbildung mit auf den Weg zu geben.“
„Dann solltest du auch dein Bestes tun, um den Reitern eine exzellente
Ausbildung mit auf den Weg zu geben.“ Sie lächelte. „So wie ich das tun soll.“
Spike sah sie eine ganze Weile einfach nur an, ehe sich ein gequältes Grinsen
auf seine Lippen drängte. „Möglich.“
Buffy hatte keine Ahnung, warum ihr Herz plötzlich einen Satz machte, obwohl er
einfach nur gequält lächelte. Vielleicht weil sie das geschafft hatte. Obwohl
sie ihn doch viel lieber auf die Palme bringen wollte…
„Schön“, murmelte sie verlegen, drehte sich um und wollte gehen, als sein
„Buffy…“ sie zurück hielt. Ein zweites Mal Buffy war schon mehr als eigenartig.
„Ich war sehr laut, was?“ fragte er und klang irgendwie zerknirscht.
Sie drehte sich wieder um, sah dass er seine Hände in den Hosentaschen vergraben
hatte und lachte leise. „Ja.“
„Willst du reiten?“
„Häh?“ Der Themenwechsel kam zu plötzlich.
„Ich muss Donar mal wieder reiten und…“, begann Spike.
„Und?!“ unterbrach ihn Buffy hellhörig.
Er seufzte, als er ihren alarmierten Gesichtsausdruck bemerkte. „Vergiss es“,
meinte er leichthin. Er wollte an ihr vorbei gehen, doch sie vertrat ihm den
Weg.
Er sah das Misstrauen in ihrem Blick, legte den Kopf schief und lächelte
schwach. „Vergiss es“, sagte er wieder und einen kurzen Moment wünschte er sich,
sie einfach wie eine normale Frau behandeln zu können. Doch sie war es nicht. Er
wusste nicht warum, aber er wusste genau, dass ihr zuviel Nähe Angst machte.
Deshalb ließ er sein Grinsen noch ein bisschen breiter werden. Einer plötzlichen
Eingebung folgend, hob er seine Hand, schlang sie um ihren Hals und presste in
einer schnellen Bewegung seine Lippen auf ihren Mund. Kurz und hungrig.
Ehe Buffy reagieren konnte, hatten sich seine Lippen schon wieder von ihr gelöst
und er hauchte. „Vergiss. Es.“
Ohne ein weiteres Wort ließ er sie los, ging an ihr vorbei hinaus aus dem Stall.
Und Buffy benötigte eine ganze Weile, ehe sich die Erstarrung ihres Körpers
löste und sie ihm folgen konnte.
Ihre Gedanken überschlugen sich. Er hatte nach einem gemeinsamen Ausritt fragen
wollen. Ohne Zweifel.
Sie fuhr sich nervös durch die Haare, während auf ihren Lippen noch immer seine
Berührung brannte und ihr Herz klopfte, als wolle es zerspringen.
Gott, du bist lächerlich, wies sie sich selbst zurecht. Er ist der letzte Mann,
der dir Herzklopfen verursachen sollte. Steig mit ihm ins Bett, wenn dir danach
ist, aber bekomme keine Herzklopfen, nur weil er dich anlächelt, dich küsst oder
eventuell mit dir ausreiten möchte!
„Dein Dad hat meine Mom geküsst!“
Spike lehnte in der Summerchen Küche an einem der Schränke, weil er gerade Joyce
helfen wollte, den Abendbrottisch zu decken, als Buffy herein geschossen kam und
ihm die Worte zuzischte.
„Na und?“ brummte er gelangweilt. „Das war doch zu erwarten. Wann? Jetzt? Hier
draußen im Wohnzimmer?“
„Nein, du Blödmann!“ fauchte Buffy und baute sich vor ihm auf. „Was wird das?
Meine Mom braucht nicht noch einen Mann, der dann auf Nimmerwiedersehen
verschwindet!“
„Hör mal, Luv“, sagte er und beugte sich zu ihr. „Ich glaube nicht, dass es dich
oder mich etwas angeht.“
„Die benehmen sich wie verliebte Turteltäubchen!“ schimpfte Buffy. „Dein Dad
will am Wochenende wieder fahren und meine Mom wird sich die Augen aus dem Kopf
weinen! Du musst mit ihm reden!“
„Vielleicht nimmt er sie ja mit“, meinte Spike gelassen.
Buffys Mund klappte auf. „Was?!“ kreischte sie auf und sah im gleichen Moment
erschrocken in Richtung Wohnzimmer. „Bist du verrückt?! Mom würde mich nie hier
allein lassen!“
„Solange ich noch da bin, wäre es kein Problem, wenn sie noch ein wenig Zeit mit
meinem Dad verbringen will.“
„Solange…?!“ Buffys Stimme verklang zu einem erstickten Aufschrei. Ihre Hand
schoss vor, krallte sich in Spikes Shirt und sie knurrte in sein Gesicht. „Wie
lange willst du denn noch hier herum lungern!?“
Spike nannte sich selbst in Gedanken komplett bescheuert, aber als er jetzt in
Buffys blitzende grüne Augen sah und ihren Körper spürte, der fast an ihm
lehnte, musste er seine gesamte Beherrschung aufbringen, um sie nicht einfach an
sich zu reißen. Es kostete eine immense Anstrengung, aber er schaffte es sogar,
ein Grinsen in sein Gesicht zu zaubern.
„Mir gefällt es hier ganz gut“, meinte er lässig. Allerdings konnte er nicht
verhindern, dass einem bestimmten Teil seiner Anatomie ihre plötzliche Nähe noch
viel besser gefiel.
„Es soll dir hier nicht gefallen!“ fauchte sie. „Nimm deinen Vater und deine
Pferde und verschwinde!“
„Du bist aber heute aggressiv“, murmelte er amüsiert, ohne sich zu rühren. „Ich
hatte geglaubt, unser Verhältnis wäre ein wenig besser geworden.“ Seinetwegen
konnte sie ruhig noch ein wenig schreien, wenn sie sich dafür noch etwas mehr an
ihn lehnen würde…
„Wir haben kein Verhältnis!“ giftete sie lauter als beabsichtigt.
„Alles in Ordnung, Buffy?“ fragte Joyce Stimme aus dem Wohnzimmer. „Hilfst du
Spike mit dem Geschirr? Er weiß bestimmt nicht, wo alles steht.“
„Stimmt“, grinste Spike leise. „Hilfst du mir, Luv?“
Als er dabei seine Hüften in recht eindeutiger Weise bewegte, erstarrte Buffy.
Er hatte eine Erektion.
Eine Erektion?! Sie schrie ihn an und er hatte eine Erektion?!
Sie war ihm seit dem Montagnachmittag erfolgreich aus dem Weg gegangen und
keiner von beiden war noch einmal dazu gekommen, den Beinah-gemeinsamen-Ausritt
anzusprechen. Bis zu diesem Mittwochabend hatte sich Buffy sogar irgendwie vor
den gemeinsamen Mahlzeiten gedrückt. Bis sie vor einer Stunde zufällig am
Fenster des Wohnzimmers vorbei ging und da einen eindeutigen Mund zu Mund
Kontakt zwischen seinem Vater und ihrer Mutter gesehen hatte. Nicht lange oder
wahnsinnig leidenschaftlich, aber eindeutig ein Mund zu Mund Kontakt.
Spike schien das überhaupt nicht schlimm zu finden. Im Grund genommen war es
auch nicht schlimm, wenn es nicht gerade Spikes Vater gewesen wäre. Aber Spike
verschwendete überhaupt keinen Gedanken daran. Ihm gefiel es anscheinend besser,
von ihr angeschrieen zu werden!
„Bist du jetzt komplett verrückt geworden!“ fauchte sie ihn erbost an.
Einen kurzen Augenblick schienen sich seine Augen zu verdunkeln, dann schnappte
Buffy nach Luft, als seine Hände sich um ihre Hüften schlangen und er sie an
sich presste.
„Scheint so“, murmelte er heißer.
„Spike…!“ quietschte sie erschrocken auf, dann lagen seine Lippen auf ihrem Mund
und seine Zunge drängte zwischen ihre Zähne.
Und schlagartig wurde es zur Nebensächlichkeit, dass sie sich in der Küche ihrer
Mutter befand, die zusammen mit Giles im Wohnzimmer wartete, dass sie den Tisch
deckten. Alles, was zählte, waren Spikes Lippen und seine Zunge, die sich mit
ihrer duellierte. Ihre Hand löste sich aus dem Stoff seines Shirts, fuhr um
seinen Hals und durch seine blondierten Haare.
Er stöhnte leise in ihren Mund, zog sie enger an sich, als könnte er damit die
Qual in seiner Hose beseitigen.
Es war Joyce Stimme, die das Ganze stoppte. Spike war sich sicher, er hätte
Buffy einfach über den Küchentisch gelegt…
„Buffy? Spike?“
Sie fuhren auseinander, als hätten sie sich verbrannt. Spike atmete genau so
heftig wie Buffy und als er die Röte sah, die in ihre Wangen stieg, hätte er sie
am liebsten wieder an sich gerissen.
Doch diesmal klapperten Joyce Schuhe über das Parkett und sie steckte ihren Kopf
zur Tür herein. „Hört auf, euch zu streiten. Dawn ist gerade gekommen und wir
haben wirklich Hunger.“
Buffy sah ihre Mutter nicht an. Sie war sich sicher, dass Joyce sehen musste,
was los war und wühlte mit hochrotem Gesicht im Schrank.
Sie warf Spike einen giftigen Blick zu, weil dieser es noch immer wagte, so
lässig am Schrank zu lehnen, als wäre gar nichts passiert. Doch als er den Kopf
drehte und sie den Hunger in seinen Augen sah, fielen ihr fast die Teller aus
der Hand.
Spike fing sie gerade noch und raunte. „Gib sie her, Luv…Du siehst übrigens
fantastisch aus, wenn du rot wirst…“
Buffy hatte keine Ahnung, wie sie jetzt essen sollte. Der Kuss hatte schon
gereicht, um ihren Körper in einen erotischen Alarmzustand zu versetzen, sein
Blick jagte eine direkte Reaktion zwischen ihre Beine. Wieso konnte er das?
Krieg dich ein, Buffy, schimpfte sie, als sie hinter Spike ins Wohnzimmer
stolperte.
Sie war mehr als froh, dass das Gespräch mit Giles ihre Mutter und vor allem
ihre neugierige Schwester abgelenkt hatte. Sie wollte gar nicht darüber
nachdenken, was passiert wäre, wenn Dawn gerade zu dem Zeitpunkt in die Küche
gestürzt wäre, um den mehr als direkten Mund zu Mund Kontakt zwischen ihr und
Spike zu sehen.
Spike setzte sich ihr gegenüber, rutschte ein wenig unbehaglich auf dem Stuhl
hin und her und warf ihr dann einen kurzen Blick zu.
Gut, dachte sie hämisch. Wenigstens schien ihn sein Problem in der Hose auch ein
wenig zu stören.
„Wann wollt ihr morgen eure Wette austragen?“ fragte Dawn mit ihrer hellen
Stimme.
Buffy musste ihre Augen fast gewaltsam von Spike losreißen. „Vormittag“,
antwortete sie, sah Dawn an und spürte doch Spikes Blick fast körperlich. „Am
Nachmittag kommen wieder Willow und Xander. Und danach hat sich sogar Anya zu
einer Stunde angemeldet.“
„Nun“, mischte sich Spike ein. „Dann sehen wir zu, dass wir bis zum Mittag
fertig werden.“
Niemand hörte in seinen Worten etwas anderes, doch Buffys Kopf schoss herum und
sie sah das feine Lächeln, das seine Lippen umspielte. Ihr wurde heiß und sie
senkte schnell ihre Augen auf ihren Teller.
Zum Glück begannen Giles und Joyce ein belangloses Gespräch über Sunnydale und
irgendeine Verabredung in der Eishalle, zu der Dawn unbedingt mit wollte. Buffy
hörte das Gespräch zwar, aber sie war nicht in der Lage, ihm richtig zu folgen
oder gar ihr Entsetzen darüber zu äußern, dass ihre Mutter Schlittschuh laufen
wollte.
Irgendwann wurde es Buffy zu dumm und sie hob den Kopf wieder. Spike sah sie
immer noch – oder schon wieder – unverwandt an. Sie hätte ihn am liebsten
gefragt, ob das Problem in seiner Hose schmerzte. Garantiert, seinem Blick nach
zu urteilen.
Diesmal lächelte sie ebenfalls, spießte eine der Pommes auf ihrem Teller an und
saugte sie in ihren Mund. „Die Pommes sind lecker“, verkündete sie kauend.
Das brachte ihr zwar einen eigenartigen Blick Dawns ein, doch es interessierte
sie nicht, weil ihr viel mehr gefiel, wie Spikes Augen plötzlich aufglühten und
seine Hände sich um das Besteck krampften.
„Moms Pommes sind immer lecker“, sagte Dawn stirnrunzelnd.
„Kann ich noch etwas Ketschup haben?“ bat sie Dawn.
Genüsslich nahm sie eine Pommes in die Hand, tunkte sie in das Ketschup und
führte sie zu ihrem Mund.
Spikes Augen klebten an ihren Lippen und als ihre Zunge heraus schnellte, um
einen Teil des Ketschups aufzulecken, musste er mit aller Gewalt ein Stöhnen
unterdrücken.
Miststück, dachte er. Verdammtes Miststück.
Buffy lächelte, während sie eine Pommes nach der anderen in ihrem Mund
verschwinden ließ. Das Prickeln in ihrem Körper wurde immer stärker. Ihr war
noch nie passiert, dass ein Mann – und noch dazu Spike – dermaßen heftig auf
kleinste Handlungen ihrerseits reagierte, und es gefiel ihr. Sie verstand auch
nicht, warum er es sich so anmerken ließ, aber zu sehen, wie er mit sich selbst
kämpfte und zu wissen, dass da etwas in seiner Hose drückte, für das sie
verantwortlich war, hob die Spannung, die plötzlich zwischen ihnen herrschte,
noch einmal an.
Die anderen drei schienen davon nichts zu bemerken. Vielleicht weil Buffy auch
sonst am Abendbrottisch nie sonderlich gesprächig war, vielleicht aber auch,
weil Joyce und Giles mehr damit zu tun hatten, ihre eigenen Blicke
auszutauschen.
„Kann ich nächste Woche mit Spike zu dem Turnier fahren?“ störte Dawn Buffys
Spiel.
Spike blinzelte kurz, ehe die Worte durchdrangen und Buffy hätte fast gelacht.
„Sicher, Krümel“, brachte er dann etwas angespannt hervor.
„Mom?“ bettelte Dawn.
Joyce zuckte mit den Schultern. „Warum nicht. Es ist doch nur ein Tag, nicht
wahr, Spike?“
Dieser nickte. „Sonntag.“
Seine Stimme klang immer noch gepresst und Buffy lächelte unmerklich. Sie schob
ihren Teller von sich. „Gott, bin ich satt“, murmelte sie und lehnte sich in
ihrem Stuhl zurück. „Ich denke, ich hole mal die Pferde rein. Ich möchte nämlich
den Rest des Abends damit verbringen, mich auf die Wette vorzubereiten…“
Dawn kicherte. „Mich würde wirklich interessieren, wie du in einem Westernsattel
aussiehst. Könnt ihr die Wette nicht auf den Nachmittag verschieben?“ murrte sie
dann, obwohl sie wusste, dass Buffy dann mit Reitstunden beschäftigt war.
„Und Spike in einem Dressursattel“, prustete Giles.
Spike warf ihm einen bösen Blick zu und sah dann wieder Buffy an. „Wie willst du
dich vorbereiten? Meditieren?“ erkundigte er sich spöttisch.
„Ich werde mir ein schönes heißes Bad einlassen, ein Gläschen Rotwein dazu
trinken und mich einfach entspannen“, begann sie zu erklären. „Dann werde ich
tief und fest schlafen und morgen ganz gelassen auf dein Pferd steigen…“
Spike sah jetzt eindeutig so aus, als wolle er aufspringen, doch er beherrschte
sich und quälte ein Lächeln auf seine Lippen. „Vielleicht brauchst du die
Entspannungsübungen eher morgen…nachdem du Damaron geritten hast.“
Buffy lächelte amüsiert. „Vielleicht bestelle ich mir einen Masseur, der
eventuell aufgetretene Verspannungen behandelt.“
Spike atmete tief durch. Er schaute jetzt mehr in der Art
Wenn-du-nicht-gleich-still-bist-werde-ich-für-ein-paar-Verspannungen-mehr-sorgen,
aber er sagte nichts weiter.
„Nun, lassen wir uns überraschen“, meinte Joyce leichthin. „Ihr solltet nur
davon ausgehen, dass wir beide unparteiische Richter sind.“
„Natürlich, Mom!“ Buffy schob ihren Stuhl zurück und stand auf. „Lasst euch
nicht stören, aber ich muss die Pferde rein holen.“
Spikes Blick folgte ihr, dem Schwung ihrer Hüften und er biss die Zähne
aufeinander. Was unterschied sie von den vielen Frauen, die er in seinem Leben
getroffen hatte? Warum trieb sie seinen Blutdruck nur mit ein paar Worten in die
Höhe, während andere fantastisch aussehende Frauen ihn einfach kalt ließen.
Das Bild, das ihre Worte herauf beschworen hatten, stieg in seinen Kopf. Buffy,
nackt in der Badewanne… Er hätte am liebsten geflucht, beherrschte sich aber
noch rechtzeitig, weil er nicht allein war. Sein Vater musterte ihn sowieso
schon eigenartig und er zwang ein Lächeln auf seine Lippen.
Dawn half diesmal ihrer Mutter, den Tisch abzuräumen und Spike verabschiedete
sich kurz darauf mit der lapidaren Begründung, er bräuchte eine Zigarette.
Wieder traf ihn Giles Blick, doch er weigerte sich, darauf zu reagieren.
Buffy war noch immer im Stall.
Er würde ihr jetzt nicht folgen, weil er bezweifelte, sich beherrschen zu
können, wenn sie ihn mit diesem wissenden Funkeln in den Augen ansah. Verärgert
suchte er nach seinen Zigaretten und versuchte, seine Hose so hin und her zu
schieben, dass sie seine Erektion nicht zu sehr einengte.
Aussichtslos.
Miststück, dachte er wieder, zündete die Zigarette an, lehnte sich neben die
Eingangstür zu ihren Wohnungen und fixierte den Stall.
Lange konnte es ja nicht mehr dauern bis sie da drin fertig war.
******************
Buffy hatte es irgendwie erwartet, aber als sie aus dem Stall kam und ihn
tatsächlich an der Wand neben der Eingangtür lehnen sah, fuhr es wie ein
elektrischer Stoß durch ihren Körper.
Er schnippte die Zigarette zur Seite, legte den Kopf schief und musterte sie aus
schmalen Augen.
„Ich sollte wirklich Aschenbecher aufstellen“, sagte sie und versuchte
gelangweilt zu klingen. „Oder du könntest dir angewöhnen, deine Bude da oben
voll zu qualmen...“
„Hattest du Spaß beim Abendessen?“ fragte er mit einem Lauern in der Stimme.
Buffy lachte leise. „Du nicht?“ erkundigte sie sich amüsiert.
Er warf einen Blick hinüber zu den Fenstern von Joyce Wohnung, hinter denen
jetzt Licht brannte, da es langsam finster wurde.
Buffy huschte an ihm vorbei in den Hausflur. Er war keine Sekunde später hinter
ihr. Buffy nahm zwei Stufen auf einmal, rannte die Treppen hinauf, doch sie fing
an zu lachen, als seine Arme sie von hinten umschlangen und sie sich Halt
suchend am Treppengeländer festhalten musste.
„Ich sehe keinen Grund für deine Belustigung“, knurrte er neben ihrem Ohr und
allein der Klang seiner Stimme sandte Schauer durch ihren Körper.
Er ließ sie nicht los, sondern zerrte sie mit sich die Treppen hinauf.
„Meine Wohnung“, protestierte Buffy, als er sie wortlos an ihrer Tür vorbei zog.
„Vergiss es!“ war alles, was sie als Antwort bekam.
Sie wehrte sich auch nicht ernsthaft, sondern nur gerade so viel, um ihn in
seiner Ungeduld noch unbeherrschter werden zu lassen. „Warum nicht?“ schmollte
sie spielerisch.
Im nächsten Moment wurde sie mit dem Rücken gegen seine Wohnungstür gepresst und
sein Körper an ihrem raubte ihr fast den Atem.
„Weil ich dich in meinem Bett vögeln will“, fauchte er heißer.
Oh ja! quietschte es in Buffys Kopf, doch sie schaffte es, würdevoll zu sagen.
„Und wenn ich das nicht will?“
„Das ist mir scheißegal!“ schrie er auf, hatte endlich die Tür geöffnet und fiel
fast mit ihr zusammen über die Schwelle.
Er riss sie an sich, verschlang ihre Lippen und Buffy beschloss, dass es
Schwachsinn wäre, weiterhin vorzugeben, ihn nicht zu wollen.
Sie wollte ihn. Sie war verdammt scharf auf ihn und seine drängende Ungeduld
ließ ihre eigene Beherrschung rapide schwinden.
Sie konnte später darüber nachdenken, weshalb er dazu in der Lage war, sie so
fühlen zu lassen. Jetzt erschien es ihr viel wichtiger, dass er das tat, was er
angekündigt hatte. Ich will dich in meinem Bett vögeln…
Sie rissen sich auf dem Weg zum Schlafzimmer gegenseitig die Sachen vom Leib. Es
gab keinen Platz für Zärtlichkeiten oder sanfte Worte. Das Feuer, das sich in
den vergangenen Stunden in ihnen aufgebaut hatte, benötigte ein Ventil.
Buffy fluchte, als sie nicht schnell genug aus ihren engen Hosen heraus kam und
das Material schmerzhaft über ihre Haut kratzte. Dann war Spike auf ihr und
drängte zwischen ihre Beine.
„Du hattest dein Vorspiel beim Abendessen, ja?“ knurrte er wild.
„Ja“, hauchte sie und er war in ihr, kaum dass sie die Worte gesprochen hatte.
Und stöhnte unterdrückt auf, weil er spürte, dass sie nicht gelogen hatte. Sie
war mehr als bereit für ihn.
Es war hart, verrückt und schnell. Weil es im Moment einfach nur darum ging, das
kurz vor einer Explosion stehende Verlangen zu befriedigen.
Buffy schrie im gleichen Moment, in dem er in ihr kam und auf ihr zusammen
brach.
Sie kam wieder richtig zu sich, als sie fühlte, wie sein Körper von einem
abgehackten Lachen geschüttelt wurde, hob ihre Hand und strich über ihre Augen.
Und musste ebenfalls grinsen.
„Das war jetzt schon irre“, murmelte sie dann träge.
Spike rollte von ihr, auf seinen Rücken und blieb noch immer schwer atmend neben
ihr liegen. „Hm“, schaffte er schon zu sagen.
Buffy prustete los. „Das war so etwas wie ein Geschwindigkeitsrekord…“ Sie
wollte sich aufrichten, doch seine Hand schoss vor und krallte sich um ihren
Arm.
„Was genau hast du vor?“
Sie kicherte. „Die Reste meines Verstandes zusammensuchen, meine Klamotten
nehmen und verschwinden?“
„Du bist wirklich die romantischste Person, die ich kenne“, sagte er
sarkastisch, richtete sich auf seinen Ellenbogen auf und starrte in ihr Gesicht.
„Zum Glück bist du viel romantischer“, hielt sie ihm vor und äffte ihn nach.
„Ich will dich in meinem Bett vögeln.“
Ein schwaches Lächeln huschte über sein Gesicht. „Ich lasse dich jetzt nicht
gehen“, hauchte er, beugte seinen Kopf und berührte kurz mit den Lippen ihre
nackte Schulter.
Buffys Augen weiteten sich einen Moment überrascht. „Nein?“ piepste sie.
Er schüttelte den Kopf und sie sah in seinen Augen, dass er es ernst meinte.
Sie holte tief Luft und versuchte den Anflug von Panik zu verdrängen, der in ihr
hoch stieg.
Wenn sie es zuließ, würde sich etwas ändern.
Die Verbindung, die zwischen ihnen existierte und die Buffys Meinung nach auf
reiner sexueller Anziehung beruhte, würde sich ändern. Nicht sofort und nicht
vollständig, aber spürbar. Und das machte ihr Angst.
„Nein“, flüsterte sie, ohne sich zu rühren.
Er legte seinen Kopf auf diese eigenartige Weise schief, die sie ganz schwach
machte und grub die Zähne in seine Unterlippe.
Es war Angst.
Buffy würde es zwar niemals zugeben – ihm gegenüber schon gleich gar nicht -,
aber es war Angst.
Und deshalb ignorierte sie seinen Blick und weigerte sich, die Enttäuschung in
seinen Augen zu sehen, als sie aufsprang und nach ihren Sachen suchte.
Kein Mann würde je wieder die Möglichkeit erhalten, ihr wehtun zu können.
Keiner.
„Buffy“, sagte Spike leise und setzte sich auf.
Sie schüttelte störrisch und ohne ihn anzusehen den Kopf, während sie in ihre
Hosen schlüpfte und das Shirt über ihren Kopf zog.
Seine Augen verfolgten jede ihrer Bewegungen. Sie war nervös. Diese Tatsache
verdrängte einen Teil der Enttäuschung, die er spürte, weil er nicht wusste,
warum. Natürlich war ihm schon aufgefallen, dass man Buffy nicht mit normalen
Maßstäben messen konnte. Sie unterschied sich von jeder anderen Frau, die er
gekannt hatte. Und vielleicht war es gerade das, was ihn reizte.
Aber erst jetzt fiel ihm auf, dass sie in den ganzen Wochen, in denen sie mehr
oder weniger Nähe geteilt hatten, nicht ein einziges persönliches Wort
miteinander gewechselt hatten. Er wusste nichts über sie als das Wenige, was er
von ihrer Mutter erfahren hatte. Weder ihren Geburtstag, noch ihre
Lieblingsfarbe, ihr Lieblingsessen…ihre Vergangenheit…
Und sie nichts über ihn. Sie hatte nie gefragt. Er auch nicht.
„Buffy…“, begann er wieder und stand auf, ohne sich an seiner eigenen Nacktheit
zu stören.
Sie war schon an der Tür, doch sie drehte sich nicht noch einmal um, sondern
sagte nur. „Wir sehen uns morgen, Spike.“
Dann fiel seine Schlafzimmertür mit einem Klack ins Schloss und er war allein.
Er starrte eine ganze Weile auf die verschlossene Tür, während sich seine Hände
zu Fäusten ballten und in seinem Kopf bildete sich der unangenehme Gedanke, dass
sie ihn vielleicht wirklich einfach nur benutzte…
Buffy erwachte am nächsten Morgen und fühlte sich, als hätte sie keine Minute geschlafen.
Ihr Kopf dröhnte, ihre Lider schienen bleischwer und zum ersten Mal seit langer Zeit wünschte sie sich, einfach liegen bleiben zu können.
Nachdem sie am gestrigen Abend Spikes Wohnung verlassen hatte, wollte sie nichts anderes als vergessen, dass seine Worte sie völlig durcheinander gebracht hatten.
Sie ließ sich ein Bad ein, entkorkte eine Flasche Rotwein und verdrängte den Gedanken, dass sie genau das zusammen mit Spike hätte tun können.
Es wäre falsch gewesen. Es wäre ein Schritt in eine Richtung gewesen, die in Buffy Panik auslöste.
Erinnerungen an Angel stiegen in ihr hoch. An die ersten Wochen, in denen sie auf Wolke sieben geschwebt war, jede ihrer freien Minuten in seiner Nähe verbrachte und an die herrlichen Schmetterlinge in ihrem Bauch, wenn Angel sie ansah. Natürlich hatte Angel Fehler. Fehler, die Buffy nicht sehen wollte. Und als sie sie sah, war es zu spät…
Angel hatte sie verletzt. Mehr als sie sich selbst eingestehen wollte. Nicht nur körperlich, nein vor allem seelisch. Denn die sarkastische Buffy in ihr wurde noch ein ganzes bisschen stärker…
Parker und Ben zählten nicht. Mit einer Freundin, die Faith hieß, ließen sich solche gelegentlichen Ausrutscher nicht vermeiden.
Und dann kam Riley auf den Hof. Ein netter junger Mann, so ganz anders als Angel…
Buffy hatte das erste Glas Wein in der Badewanne getrunken und sich selbst versucht einzureden, dass sie allein am glücklichsten war.
Es würde immer wieder so enden. Mit jedem Mann. Vielleicht waren andere Frauen dafür geschaffen, ihr Leben an der Seite eines Mannes zu verbringen. Sie, Buffy, nicht. Es würde immer damit enden, dass sie sich eingeengt und eingesperrt fühlte.
Trotz dieser Gedanken waren Bilder von Spike in ihren Kopf gestiegen. Spike war anders als Riley. Und mit Angel gar nicht zu vergleichen.
Er verkörperte alles, was sie hasste.
Angel hatte keine Ahnung von Pferden gehabt. Riley hatte nie gewagt, eine andere Meinung als Buffy zu vertreten. Spike erklärte alles, was Buffy als richtig befand für falsch.
Angel widersprach selten, Riley nie.
Spike permanent. Er schrie. Er tobte. Er beleidigte sie. Und grinste im nächsten Augenblick dieses Grinsen, das ein eigenartiges Schwächegefühl in ihre Beine schickte.
Wenn Spike sie berührte, vergaß sie alles um sich herum und das machte ihr Angst. Weil noch kein Mann etwas Derartiges in ihr auslösen konnte. Nicht einmal Angel damals.
Buffy benötigte die gesamte Flasche Wein, ehe sie sich selbst glaubte, dass es reiner Selbstschutz gewesen war, Spikes Wohnung zu verlassen.
Und dementsprechend fühlte sie sich am nächsten Morgen.
Ächzend kroch sie aus dem Bett und quälte sich ins Bad. Sie sah genau so ätzend aus wie sie sich fühlte. Dunkle Augenränder, wirre Haare… Nicht zu vergessen die scheußliche Erinnerung an einen Traum, in dem auch noch Spike die Hauptrolle gespielt hatte.
Nachdem sie die Pferde gefüttert und bis auf Euphrosyne auf die Weide gebracht hatte, fiel sie fast aus allen Wolken, als sie Spike am Frühstückstisch entdeckte. Ungläubig sah sie noch einmal zur Uhr, aber es wurde nicht später.
Acht Uhr Dreißig. Und Spike sah nicht viel besser aus als sie selbst. Seine Haare waren sogar noch bedeutend wüster.
Allerdings hatte sie sich schnell unter Kontrolle. „Was ist denn heute los?“ fragte sie gespielt munter. „Schlecht geschlafen?“
Er warf ihr einen Blick zu, der sie erdolcht hätte, wenn so etwas möglich wäre. „Ich will die Wette hinter mich bringen“, knirschte er dann leise.
Joyce, die gerade zur Tür herein kam, stellte frische Brötchen auf den Tisch. „Das ist lobenswert, Spike“, lachte sie, ohne die gespannte Atmosphäre zu bemerken. „Dawn war schon ganz traurig, weil sie zur Schule musste. Warum eigentlich nicht heute Abend?“
„Weil Buffy mich heute Abend zum Essen ausführt“, zischte Spike. „Nachdem sie die Wette verloren hat!“
Buffy knallte ihr Messer auf den Tisch und funkelte ihn an. „Überleg lieber schon mal, wo du dich das ganze Wochenende verkriechst!“
Joyce schüttelte belustigt den Kopf. „Ihr benehmt euch wie Kinder.“
Zehn Minuten später leistete ihnen Giles Gesellschaft. „Die kleine verrückte Stute da draußen ist aber schon wieder ganz schön aufgeregt“, murmelte er, als er sich an den Tisch setzte.
Natürlich hörte auch Buffy Euphrosynes Wiehern aus dem leeren Stall. Doch diesmal hoffte sie, dass die Nervosität der Stute ihr einen Vorteil sichern würde.
Sie schob ihren Stuhl zurück und stand auf. „Dann sollten wir uns darum kümmern, dass wir beginnen. Spike?“
„Was?“ knurrte dieser.
Buffy verdrehte die Augen. „Soll *ich* mich darum kümmern, dass dein Pferd in den Stall kommt?“
„Du reitest ihn doch auch, oder?!“
Ihre Augen verengten sich einen kurzen Moment. Doch dann drehte sie sich wortlos um und rauschte aus dem Zimmer.
Keine Minute später, warf Spike sein angebissenes Brötchen auf den Teller und stürzte ihr nach.
Giles und Joyce sahen sich an und lächelten. „Kinder…“
******************
Spike holte Buffy auf dem Weg zur Weide ein und riss ihr den Strick aus der Hand. „Ich mach das. Verschwinde.“
Sie blieb genervt stehen. „Kannst du mir bitte sagen, was dir heute für eine Laus über die Leber gelaufen ist?“
„Du!“ fauchte er nur und stürmte weiter.
Sie stemmte kurz ihre Hände in die Hüften, dann folgte sie ihm. „Wütend zu reiten ist ganz schlecht für das Ergebnis.“
Spike reagierte nicht, sondern kroch unter dem Weidezaun hindurch zu seinem Hengst. Buffy öffnete den Zaun und schloss ihn hinter ihm wieder.
„Es geht so nicht weiter, Buffy“, sagte Spike nach einer Weile, als sie nebeneinander den Weg zum Stall zurück stapften.
„Hm“, machte sie unbehaglich.
Er warf ihr einen kurzen Blick zu. „Ich meine das ernst. Du und ich, das ist…“ Er atmete tief durch. „…Irrsinn. Was wir tun…ist Irrsinn…“
Sie antwortete nicht.
„Ich bin nicht dein Spielball“, fuhr er fort, diesmal bedeutend leiser.
„Ich weiß“, stieß sie genau so leise hervor.
Spike sah wieder nach vorn. „Dann behandele mich nicht so.“
Sie ließ ihm den Vortritt in den Stall und Ärger stieg in ihr hoch. Sie war noch nie gut darin, mit Vorwürfen umzugehen. „Ich kann mich nicht entsinnen, von dir anders behandelt worden zu sein“, entgegnete sie schnippisch.
Euphrosyne wieherte begeistert, als sie das andere Pferd entdeckte und Buffy schnappte sich einen anderen Strick, um sie ebenfalls aus dem Stall zu führen.
„Du warst Diejenige, die aus dem Zimmer gestürzt ist“, fauchte er zurück. „Nachdem du bekommen hast, was du wolltest!“
„Ha!“ giftete Buffy zurück. „Du hast doch auch bekommen, was du wolltest Mr.-Ich-will-dich-in-meinem-Bett-vögeln!“
Er antwortete nicht, sondern verschwand mit Damaron im Hof. Buffy folgte ihm zusammen mit Euphrosyne und hängte die Stute neben den Hengst.
Schweigend striegelten sie die Pferde. Sie waren beide erfahren genug, um zu wissen, dass sich der Zorn, der im Moment in ihnen schwelte, verheerend auf ihr Reiten auswirken würde. Aber weder Buffy noch Spike würden das jemals zugeben.
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Euphrosyne tänzelte aufgeregt an Spikes Hand, als er die Stute in Richtung Reitplatz führte. Sie ist genau so durchgeknallt wie Buffy, dachte er böse. Und für einen Moment wünschte er sich, Damaron hätte auch so schwache Nerven.
Doch dieser marschierte relativ gelassen an Buffys Hand hinter der Stute her. Dass sich das sehr schnell ändern konnte, wusste Spike, aber er hatte keine Ahnung wie gründlich Buffy sein Buch gelesen hatte.
Giles und Joyce lehnten schon am Geländer des Reitplatzes und unterhielten sich leise. Weder Buffy noch Spike würdigten sie eines Blickes. Sie ignorierten sich sogar sehr auffällig gegenseitig und taten so, als wären sie hoch beschäftigt mit den Pferden.
Buffy stieg als erste auf, setzte sich in dem breiten Westernsattel zurecht und runzelte die Stirn. „Sollten die Dinger nicht bequemer sein?“
Spike fand, dass diese Frage keine Antwort wert war. Er schnallte den Sattelgurt noch ein Loch fester, ehe er ebenfalls aufstieg. Euphrosyne konnte kaum erwarten, dass es los ging und tänzelte auf der Stelle.
Spike ließ die Stute, genau wie Buffy seinen Hengst, erst einmal im Schritt die lange Bahn entlang gehen. Er wollte sich auf sein Gefühl verlassen und da Euphrosyne im Moment losstiefelte, als wolle sie ein Schrittrennen gewinnen, beschränkte er sich auf ein passives Sitzen. Schließlich ging es nicht darum, hochwertige Dressurlektionen zu reiten, sondern wer besser mit dem Pferd zurecht kam.
Damaron schlich ein wenig langsamer durch den Sand, da Buffy im Moment ebenfalls gar nichts tat. Sie spürte, dass die Schritte des Hengstes kürzer und auch flacher waren als die ihrer Stute, aber nachdem sie ein paar Wendungen versucht hatte und sich schön darauf konzentrierte, die Zügel durchhängen zu lassen, stellte sie fest, dass Damaron auf ähnliche Hilfen wie ihre Stute reagierte.
Sie warf einen scheelen Blick in Richtung Spike, sah, dass dieser die Zügel jetzt etwas angenommen hatte und Euphrosyne damit völlig irritierte. Die Stute stoppte kurz.
Treibende Hilfe fehlt, dachte Buffy kurz und verkniff sich ein Grinsen. Euphrosyne kannte außer ihr keinen anderen Reiter und schien jetzt mit den zu verschwommenen Hilfen überfordert. Sehr schön!
Mit neuem Selbstbewusstsein schaute sie auf Damarons Kopf. Na dann wollen wir mal. Und drückte kurz ihre beiden Unterschenkel an den Pferdeleib. Buffy hatte fast nicht erwartet, dass der Hengst reagierte – er erschien ihr immer so phlegmatisch – aber er trabte sofort an.
Braves Pferdchen, dachte Buffy lächelnd und beobachtete wie Euphrosyne mit dem Kopf schlug, weil sie sich gegen Spikes Zügelhilfen wehrte.
Damaron trabte in einem gemütlichen Trab seine Runde. Er wurde schneller, als Buffy etwas mehr trieb, weil ihr dieses Schlurfen einfach zu öde vorkam. Ganz einfach, dachte sie fast vergnügt, bis Damaron plötzlich in einen Galopp fiel.
Heh, dachte sie böse. Das wollte ich doch nicht. Wie war jetzt die Bremshilfe? Aufhören zu treiben? Sie nahm die Beine vom Pferd, ohne dass sich an der Geschwindigkeit des Galopps etwas änderte. Scheiße… So also nicht. Also ein bisschen Zügel konnte doch nicht schaden, oder?
Damaron schnaufte und legte die Ohren platt an den Kopf, als er den Druck am Gebiss spürte. Allerdings wurde er ein wenig langsamer.
„Wenn du ihn durchparieren willst“, rief Giles vom Rand des Reitplatzes, „setz dich tief in den Sattel und strecke die Beine nach vorn. Nicht die Zügel annehmen.“
„Das ist unfair!“ schimpfte Spike, der Euphrosyne jetzt antraben ließ. Entgegen dem Westernstil, ging er keine Sekunde darauf zum Leichttraben über. Da bekommt man ja eine Gehirnerschütterung, murmelte er nur in seinem Kopf. Eigentlich ein Wunder, dass diesen Trab überhaupt jemand aussitzen kann.
Buffy hatte es in der Zwischenzeit geschafft, den Hengst wieder in einen Trab zu bringen und versuchte sich an Zirkeln und Wendungen. Wahrscheinlich kamen ihre Hilfen zu stark oder doch zu permanent, denn jetzt passierte es immer öfter, dass Damaron die Ohren zornig ins Genick legte und wütend mit dem Schweif peitschte. Als sie dann wieder die Galopphilfe gab und der Hengst mit den Hinterbeinen auskeilte, wurde es ihr zu bunt.
„Hey!“ wetterte sie laut, als Damaron stoppte und mit angelegten Ohren auf der Stelle tänzelte.
„Er ist sensible Hilfen gewöhnt“, knurrte Spike gehässig und ignorierte Euphrosynes Kopfschlagen. Da Buffy sich an einem Galopp versuchte, wollte er nicht nachstehen. Euphrosyne sprang sogar auf seine Hilfe an, fiel jedoch keine Sekunde später wieder in den Trab zurück.
„Du musst schon mal weiter treiben, Cowboy!“ grinste Buffy schadenfroh, obwohl sie es gerade einmal eine halbe Runde schaffte, Damaron im Galopp zu halten. Irgendetwas schien mit ihrem Sitz nicht zu stimmen, obwohl sie sich darauf konzentrierte, gar nicht zu treiben, denn der Hengst galoppierte sehr verkrampft und noch immer mit den Ohren im Genick.
„Pass auf, dass er nicht in die Luft springt“, warnte Spike sie vorsichtshalber. „Er macht das schon mal, wenn ihm etwas gar nicht passt.“
„Er ist ganz schön verzogen.“
Spike ignorierte sie, galoppierte Euphrosyne wieder an und ließ diesmal die Unterschenkel am Pferd. Es war anstrengend, vor allem, weil er das Gefühl hatte, die Stute würde sich jetzt auch noch voll auf das Gebiss legen und an seinen Armen ziehen.
„Könntest du vielleicht mal ein bisschen treiben“, meckerte Buffy. „Eppi latscht nur auf der Vorhand. Das ist ungesund für ihre Beine!“
Spike war der Meinung, dass er unmöglich noch mehr treiben konnte. Außerdem, wenn er das tat, würde er ja noch mehr mit seinen Händen zu tun haben und ihm tat das Pferdemaul jetzt schon leid.Obwohl die Stute jetzt wie eine Verrückte auf ihrem Gebiss herum kaute.
Buffy hatte Damaron gestoppt. Unwillig schüttelte der Hengst den Kopf, trabte dann aber gehorsam wieder an. Der Trab war wirklich einfach auszusitzen, obwohl Buffy den Sattel fürchterlich unbequem fand und so für sich feststellte, dass in solch einem Sattel auch kein Treiben möglich war, weil sie es kaum schaffte, einen richtigen Kontakt zum Pferd herzustellen.
Damarons Hinterbein schlug wieder nach hinten aus, entweder weil eine Hilfe falsch oder zu stark kam, und Buffy fluchte leise. Sie hätte gar nicht gedacht, dass ein solches Temperament in dem phlegmatischen Pferd steckte. Aber er reagierte prompt und explosiv auf jede Hilfe, ähnlich wie Euphrosyne auch, und arbeitete genau so engagiert mit. Oder er würde es, wenn er Buffys Hilfen verstehen würde.
Spikes Gesicht hatte mittlerweile eine gesunde rote Farbe angenommen. Etwas, das Buffy noch nie an ihm gesehen hatte und wenn sie nicht selbst genug damit zu tun hätte, mit den unwilligen Reaktionen Damarons zu kämpfen, hätte sie sich darüber amüsieren können.
Sie sprachen nicht mehr und auch von ihren beiden Zuschauern kam kein Wort. Und in den folgenden dreißig Minuten vergaßen sie beide, dass es hier eigentlich um einen Wetteinsatz ging. Sie waren Reiter und egal, um welchen Reitstil es sich handelte, es war immer wieder faszinierend, ein neues Pferd unter sich zu spüren und dessen Reaktionen kennen zu lernen.
Joyce und Giles, die die ersten Minuten mit skeptischen Blicken verfolgt hatten, begannen im Laufe der Zeit zu schmunzeln. Ab und zu trafen sich ihre Augen, doch auch sie wechselten keine Worte, um die beiden Personen im Sand des Vierecks nicht abzulenken.
Am Ende der Stunde hatte es der jetzt komplett durchgeschwitzte Spike geschafft, zumindest eine lockere Anlehnung zu der Stute herzustellen und Buffy, die zwar weniger schwitzte, dafür aber Verkrampfungen in ihrem Rücken fühlte, war froh, dass Damarons Ohren wenigstens ab und an nur locker in ihre Richtung spielten und nicht auf jede ihrer Hilfen ein Hinterbein durch die Luft flog.
„Ich denke, ihr solltet Schluss machen“, beendete Joyce das ganze mit einem Blick zur Uhr und Giles nickte.
Spike würde natürlich niemals zugeben, dass er darüber mehr als froh war. Er war sich auch so sicher, dass er am morgigen Tag einen herrlichen Muskelkater haben würde.
Selbst Buffy schien erleichtert, als sie Damaron zum Schritt durchparierte. Es klappte sogar, ohne das ihr jetzt schon so bekannte unwillige Schnaufen, mit dem der Hengst seinen Ärger kundtat. Ihr Rücken schmerzte, wahrscheinlich weil sie sich so krampfhaft darauf konzentriert hatte, nicht zu sehr zu treiben, vor allem auch nicht mit dem Gesäß.
Spike klopfte der Stute locker auf den Hals und stellte erstaunt fest, dass sie nicht einmal schwitzte. Er dafür umso mehr und das ärgerte ihn gleich wieder.
Giles und Joyce berieten sich flüsternd am Rand.
Buffy tat auch der Hintern von dem ungewohnten Sattel weh und sie wollte eigentlich nur noch absteigen. Natürlich würde sie das nie zugeben. Genauso wenig wie Spike zugeben würde, dass er vollständig erledigt war.
Sie ließen die Pferde noch ein paar Minuten im Schritt am langen Zügel laufen. Noch immer sahen sie sich gegenseitig gar nicht an und wechselten auch kein Wort miteinander.
Erst als Giles winkte, lenkten sie die Pferde in seine Richtung und stoppten vor den beiden am Zaun stehenden Menschen.
Joyce lächelte, als sie die mürrischen Blicke von allen beiden bemerkte. „Also wir sind zu einem Ergebnis gekommen.“
„Schön“, brummte Spike und Buffys Kopf schoss in seine Richtung.
„Wir finden, dafür, dass es deine erste Dressurstunde und Buffys erste Westernstunde war, seid ihr beide recht gut zurecht gekommen.“
„Pff“, machte Buffy. „Meine arme Eppi ist die ganze Stunde nur auf der Vorhand gelatscht. Er hat sich doch nicht mal Mühe gegeben zu treiben.“
„Ich habe noch genug Kraft, um dir wirklich noch den Hintern zu versohlen!“ schrie Spike erbost über diese Unterstellung.
„Im Gegensatz zu Damaron ist Eppi aber recht ruhig gelaufen“, fuhr Joyce fort. „Natürlich war klar, dass jeder von euch beiden mehr oder weniger Schwierigkeiten hat.“
Giles nickte und sein scharfer Blick brachte Buffy dazu, wieder den Mund zu schließen, obwohl ihr schon eine Erwiderung auf der Zunge lag. „Wir denken nicht, dass es einen Sieger oder Verlierer geben darf. Ihr hattet beide Probleme und ihr habt beide einige der Probleme im Laufe der Stunde beseitigt. Das war fast mehr als ich erwartet habe.“
„Das ist doch Quatsch“, schimpfte Spike. „Ihr müsst einen Gewinner bestimmen.“
„Nein.“ Joyce schüttelte den Kopf. „Wir können es nicht, weil es keinen gab.“ Lächelnd sah sie Giles an. Dieser erwiderte ihr Lächeln und Buffys und Spikes Augen folgten den beiden ungläubig, als sie sich einfach umdrehten und zurück ins Haus gingen.
„Ich glaube das nicht“, stieß Buffy fassungslos hervor.
Spike sprang von Euphrosyne. Er konnte sich gerade noch ein schmerzhaftes Verziehen des Gesichtes verkneifen, als er mit den Füßen auf dem Boden landete und seine Oberschenkel protestierten. „Tja“, meinte er sarkastisch. „Dann eben nicht.“
Buffy stieg ebenfalls ab. „Dann entfällt unser Einsatz?“
„Ich will eh nicht mit dir Essen gehen!“ giftete er böse. „Aber ich habe kein Problem damit, dich ein Wochenende nicht zu sehen! Ich finde den Gedanken sogar ausgesprochen fantastisch!“
Buffy starrte ihn an und weigerte sich zuzugeben, dass seine Worte ihr einen Stich versetzten. „Wie du willst“, entgegnete sie hochmütig und führte Damaron an ihm vorbei. „Mir wäre es nur sehr lieb, wenn du Morgen schon damit anfängst! Mir gefällt der Gedanke, dich nicht zu sehen, nämlich auch ausgesprochen gut!“
„Kannst du haben!“
„Schön!“
Mit zornigen Gesten sattelten sie die Pferde ab, striegelten sie trocken und merkten nicht einmal, dass sie sich noch immer mit dem Pferd des anderen beschäftigten. Weil sie viel mehr damit zu tun hatten, auf den jeweils anderen wütend zu sein.
Buffy sah Spike an diesem Abend nicht mehr. Dawn war mehr als enttäuscht, als Spike beim Abendessen fehlte, weil sie doch alles haargenau über den Wettablauf erfahren und einfach nicht glauben wollte, dass es wirklich keinen Sieger gab.
Auch Joyce reagierte etwas überrascht darauf, dass Spike nicht auftauchte. Buffy dagegen zuckte nur ungerührt mit den Schultern. Ohne zu erwähnen, warum Spike fehlte und auch, ohne sich selbst einzugestehen, dass seine Abwesenheit ihr auffiel.
„Vielleicht hat er eine Freundin gefunden“, mutmaßte Dawn. „Das hätte er aber doch ruhig erzählen können. Außerdem ein kurzes Hallo wäre auch nett gewesen.“
Buffy beschäftigte sich mit ihrer Schnitte, als wäre es die wichtigste Sache der Welt. Sie bezweifelte, dass Spike irgendwo mit einer anderen Frau steckte, wahrscheinlich hatte er sich in seine Wohnung verkrochen und spielte grundlos den Beleidigten.
Aber der leise Gedanke daran blieb. Sie würde ihm nicht einmal einen Vorwurf machen können, wenn er sein Interesse einer anderen Frau zuwandte.
Einer Frau, die ihn nicht anschrie. Einer Frau, die lächelte und ihm sagte, wie gern sie ihn hatte. Einer Frau, die nicht aus dem Zimmer stürzte, weil sie Angst vor ihren eigenen Gefühlen bekam.
Das Brot in ihrem Mund wurde plötzlich immer trockner und sie fühlte sich, als würde sie ersticken. Selbst das Nachspülen mit Wasser half nicht.
Warum nur machte ihr der Gedanke so zu schaffen?
Nein, nein, nein, wies sie sich selbst zurecht. Es macht mir nicht zu schaffen. Es ist mir egal. Er kann tun und lassen, was er will. Es gibt nichts, was mich mit ihm verbindet.
Warum nur fühlte sie sich dann so elend?
Schweigend quälte sie sich durch das Abendessen, lauschte dem Plaudern ihrer Mutter und Dawn, fragte sich nicht einmal, wo Giles steckte und wünschte sich, einfach in ihrer Wohnung verschwinden zu können.
******************
Währenddessen saß genau dieser Giles in der Wohnung seines Sohnes. Eigentlich war Giles nur die Treppen hinauf gestiegen, weil er Spike den ganzen Nachmittag nicht auf dem Hof gesehen hatte.
Spike saß auf der Couch, die Füße wie üblich auf dem Tisch und nicht einmal der indignierte Blick seines Vaters konnte daran etwas ändern.
„Wenn du noch ein paar Wochen hier bleiben willst“, sagte Giles gerade, „müssen wir uns etwas einfallen lassen. Es kommen jede Woche Nachfragen nach Damaron. Die Decksaison hat begonnen und wir können die Stutenbesitzer nicht auf später vertrösten.“
Spike war sich gar nicht mehr so sicher, wie lange er noch bleiben wollte. Aber der Umbau des Stalles war nötig – Buffy würde diesen niemals durchsetzen – und außerdem gab es noch immer keinen neuen Angestellten für den Hof. Natürlich durfte er auch nicht vergessen, dass er vorhatte, seinen Deckhengst auf Turnieren zu präsentieren. Aber das konnte er auch von hier aus.
„Die Stutenbesitzer können hierher kommen“, sagte er müde.
„Spike, das bedeutet eine Vorausplanung von mindestens einem Monat“, entgegnete Giles. „Du wirst auf der Ranch gebraucht. Dein Hengst ist gefragt. Wir haben mehrere dreijährige Hengste, die angeritten werden müssen. Es war nie vorgesehen, dass du eine dermaßen lange Zeit hier bleibst.“
„Wenn ich gehe“, seufzte Spike, „wird Buffy alles verhindern, was ich geplant habe. Es gibt niemanden, der Westerreitstunden gibt. Spätestens in einem Monat sind wir wieder da, wo wir waren. Wie viel Geld willst du in den Hof stecken, Dad?“
„Wir reden jetzt nicht von mir“, murmelte Giles.
Spike richtete sich auf. „Hör zu. Mir ist es egal. Wenn du diesen Hof als dein Hobby siehst, dann steck soviel Geld hinein wie du willst. Dann bin ich morgen verschwunden. Wenn du willst, dass sich der Hof selbst trägt, muss ich bleiben. Sieben Pensionspferde reichen nicht, um den Hof wirtschaftlich werden zu lassen. Die Summers haben nur fünf Nachwuchspferde, die noch nicht im Verkaufsalter stehen. Um es einmal deutlich zu sagen. Dieser Hof ist eigentlich fast nichts wert.“
„Ich weiß das“, sagte Giles leise.
„Wenn er weiterhin in den Händen Buffys liegt, wird er nicht ertragsreicher.“
„Ich denke, Buffy ist eine sehr ehrgeizige Person.“
„Sie ist in der falschen Richtung ehrgeizig.“
Giles nahm seine Brille ab und putzte sie.
„Was verbindet dich mit Joyce Summers?“
Giles Kopf schoss hoch und er sah genau in die blauen Augen seines Sohnes.
„Du weichst seit Wochen dieser Frage aus, Dad“, grinste Spike. „Denkst du nicht, ich hätte ein Recht darauf zu wissen, warum wir hier unser Geld zum Fenster hinaus werfen?“
„Dafür, dass du dieser Meinung bist, engagierst du dich etwas zu sehr“, knirschte Giles. „Hat es etwas mit der heißblütigen jungen Summers zu tun?“
„Lenk nicht vom Thema ab, Dad“, knurrte Spike.
„Ich glaube nicht, dass ich dir Rechenschaft schuldig bin“, meinte Giles und setzte die Brille wieder auf.
„Okay.“ Spike lehnte sich lächelnd zurück. „Dann zähle ich mal eins und eins zusammen. Du kanntest Joyce in der Schule und sie hat dich gar nicht bewusst wahrgenommen, weil sie mehr damit zu tun hatte, den großen Hank Summers anzuhimmeln?“
Giles Hände krallten sich in die Lehnen seines Sessels. „Ich möchte nicht mit dir darüber sprechen!“
Spike lachte. „Dad, Joyce ist eine wirklich sympathische Frau. Ich habe absolut kein Problem damit, wenn das der Grund ist. Auch wenn es bedeutet, dass ich mich noch ein wenig mit Buffy herum ärgern muss.“
Giles verzog die Lippen zu einem schiefen Grinsen. „*So* schlimm findest du das ja nun auch nicht…“
„Heute schon.“ Spike stand auf und holte eine Flasche Whisky aus der Zimmerbar. Er goss sich und seinem Vater ein Glas ein und reichte es ihm.
Giles lehnte sich im Sessel zurück und starrte versonnen in die goldgelbe Flüssigkeit. „Ich habe nie verstanden, was Joyce an dem Mann gefunden hat.“
„Hank?“ fragte Spike überflüssigerweise.
„Hm“, nickte Giles. „Sie hat niemanden gesehen außer ihm. Mich gleich gar nicht. Schließlich war ich noch zwei Jahrgänge unter ihr.“
„Oh“, war alles, was Spike von sich gab.
„Ich habe sie nie aus den Augen verloren. Sie ist auch geritten. Nie in der Klasse von Hank oder Buffy, aber in einer M-Dressur war sie immer unter den Platzierten.“ Giles seufzte wieder. „Ich habe deine Mutter geliebt, Spike, aber Joyce hatte immer einen Platz in meinem Herzen. Vergessen konnte ich sie nie.“
Spike antwortete nicht. Schließlich hatte er Jenny, seine Mutter, kaum gekannt. Er war vier, als sie bei einem Autounfall ums Leben kam und nur eine verschwommene Erinnerung.
„Als ich hörte, dass Hank sie verlassen hat…“ Giles machte eine Pause, ehe er weiter sprach. „Ich habe noch niemals so eine Wut verspürt. Er hat sie fallen lassen, mitsamt dem Hof, mitsamt den Schulden, weil er ihrer einfach ÜBERDRÜSSIG wurde!“
„Das war vor sieben Jahren“, antwortete Spike leise.
„Ich weiß.“ Giles schloss kurz die Augen. „Was hätte ich tun sollen? Ich habe gehofft, sie schafft es. Unter Hanks Leitung blühte der Hof. Der Name Summers war in Züchterkreisen berühmt. Die Qualität der Pferde und ihre Ausbildung waren berühmt. Glaubst du, Joyce hätte auch nur einem Wort von dem zugehört, was ein RANCHER sagt?“
Spike verzog den Mund. „Nein.“
„Ich habe wirklich gehofft, sie schafft es allein.“
Spike hob sein Glas in die Richtung seines Vaters. „Sie schafft es, Dad. Wir schaffen es. Keine Sorge.“
Giles grinste. „Sehr auffällig, dass ich sie mag?“
„Hm“, begann Spike und lachte leise. „Ihr solltet immer mit neugierigen Augen rechnen.“
„Was?“
„Buffy hat euch gesehen.“
„Wie bitte?!“
„Buffy hat gesehen, dass du Joyce geküsst hast“, wiederholte Spike.
„Und das hat sie dir gesagt?!“ fuhr Giles fassungslos in seinem Sessel hoch. „Ich habe nicht geglaubt, dass ihr überhaupt ein Wort miteinander wechselt!“
Spike zuckte unbehaglich mit den Schultern.
„Willst du auch irgendetwas loswerden, William?“
„Nein“, brummte Spike missmutig. Es gab so einige Dinge, die er mit seinem Vater besprechen würde, aber was ihn mit Buffy verband, gehörte garantiert nicht dazu.
„Also soll ich mit den Stutenbesitzern diese Adresse ausmachen?“ wechselte Giles das Thema.
********************
Buffy schlief schlecht. Und träumte von Spike.
Sie hasste sich selbst dafür. Aber gegen Träume war man bekanntlich machtlos.
Er tauchte weder zum Frühstück, noch zum Mittagessen auf und Joyce fragte schon verwundert, ob Spike krank wäre. Buffy antwortete nicht darauf.
Giles warf ihr zwar einen eigenartigen Blick zu, sagte aber auch nichts, doch Buffy hatte das ungute Gefühl, dass er über den Wetteinsatz informiert war.
Dann nahm der Tag und die drei Reitstunden, die sie zu geben hatte, sie wieder voll in Anspruch. Erst waren es vier Kinder in einer Gruppenstunde, danach Xander und Willow jeweils in der Einzelreitstunde.
Sie tranken danach wieder einen Kaffee zusammen. Es war ein Ritual, an das sie sich gewöhnt hatten und selbst Buffy freute sich auf diesen ruhigen Ausklang des Tages.
„Sehen wir uns nachher im Bronze?“ fragte Willow neugierig.
Buffy nickte. Es war das Beste, sich von den trübsinnigen Gedanken an Spike abzulenken. Was wäre besser dafür geeignet als ein Abend im Bronze? „Ich könnte fahren“, bot sie an.
Willow nickte begeistert. „Du kannst ja Spike mitbringen.“
„Spike ruft immer an“, wunderte sich Xander. „Heute habe ich ihn nicht einmal hier zu Gesicht bekommen.“
Buffy rutschte unbehaglich auf ihrem Stuhl hin und her. „Vielleicht mag er ja nicht…“
Willow runzelte die Stirn. „Habt ihr…habt ihr euch wieder gestritten?“
„Nein“, murmelte Buffy und wich Willows Blick aus.
Die rothaarige Frau drängte sie nicht weiter. Vielleicht, wenn sie allein gewesen wären, aber da im Moment Xander Buffy ebenfalls recht neugierig musterte, verkniff sich Willow eine weitere Frage. Doch sie sah genau, dass Buffy keineswegs so ahnungslos war wie sie vorgab.
Seufzend trank sie ihren Kaffee aus. Irgendwie sah Buffy verloren und einsam aus. Willow spürte diese Dinge instinktiv. Aber sie spürte auch, dass Buffy im Moment jede Frage in diese Richtung blockieren würde.
Vielleicht ergab sich später am Abend die Möglichkeit, mit ihr zu reden.
*****************
Das Bronze war wie üblich brechend voll. Buffy kämpfte sich hinter Willow und Xander durch die Massen auf der Suche nach einem freien Platz.
Es schien aussichtslos und deshalb beschloss Buffy, die die letzten Stunden damit zugebracht hatte, sich selbst einzureden, dass sie heute hier war, um sich zu amüsieren, zu tanzen.
„Willow?“ schrie sie durch den Lärm und deutete in Richtung Tanzfläche.
Der Rotschopf schüttelte unbehaglich den Kopf. Dafür begeisterte sich Xander für die Tanzidee und folgte Buffy, während Willow versuchte, Sitzplätze zu ergattern.
Buffy lachte nicht, als Xander anfing zu tanzen, obwohl sie es vor wenigen Wochen noch getan hätte. Im Moment war sie froh, sich ablenken zu können und wenn ihr Xander dabei Gesellschaft leistete, spielte es keine Rolle, dass er nicht tanzen konnte. Sie funkelte sogar ein paar der jungen Mädchen, die kichernd Blicke in Xanders Richtung warfen, so zornig an, dass diese schnell vergaßen, über wen sie sich lustig machten.
Die Zeit zog sich hin und zum ersten Mal schaffte es Buffy nicht, mit ihrem Tanz alles zu vergessen. Immer wieder erwischte sie sich dabei wie ihre Blicke über die Menschenmenge glitten, in der Hoffnung, einen wasserstoffblonden Schopf zu entdecken. Sie verfluchte sich selbst dafür, aber jedes Mal, wenn ihre Augen etwas Blondes erhaschten, machte ihr Herz einen Satz und Enttäuschung stieg in ihr auf, wenn sie dann feststellte, dass es doch eine völlig fremde Person war.
Seufzend gab sie nach einer Stunde das Tanzen auf, wechselte ein paar belanglose Worte mit der gerade aufgetauchten Faith, die ihr groß und breit auseinander setzte, dass sie nun endgültig von Angel die Nase voll habe. Dummerweise war das nicht das erste Mal und Buffy gab auf diese Aussage nicht viel. Morgen oder übermorgen konnte Faiths Meinung ganz schnell wieder umschlagen.
„Du bist aber heute komisch drauf, B“, wunderte sich Faith. „Wollen wir etwas trinken?“
Buffy lehnte ab. Sie fühlte sich plötzlich so völlig fehl am Platz unter all den Menschen, die einfach nur ihren Spaß haben wollten. Willow saß kichernd neben diesem Oz an der Bar und als Buffys Augen weiter schweiften, fiel sie bald aus allen Wolken, als sie bemerkte, dass sich Xander mit Anya unterhielt.
Ihre Laune sank auf den Nullpunkt und sie schlenderte mürrisch durch die Massen in Richtung der Treppe, die hinauf in die Galerie führte. Sie hätte zu Hause bleiben sollen. Sich genau so in ihre Wohnung verkriechen sollen wie Spike.
Nein, falsch, wies sie sich selbst zurecht. Ich bin nicht wie er. Und mich interessiert nicht, was er gerade tut.
Es war dunkel auf der Galerie und der Lärm der Musik klang etwas ab. Hier und da passierte sie ein Pärchen, das im diffusen Licht nur mit sich selbst beschäftigt war, oder kleine Grüppchen, die einfach vor der Enge in der unteren Etage geflüchtet waren.
Buffy trat ans Geländer und sah hinunter in das Gewimmel auf der Tanzfläche. Xander tanzte mit Anya und ein leises Lächeln huschte über Buffys Lippen. Die Beiden kannten sich nun schon seit der Schulzeit und es war noch nie passiert, dass sie mehr als ein belangloses Wort miteinander gewechselt hatten.
Faith stand neben einem großen dunkelhaaigen Mann und ließ sich gerade eine Zigarette anzünden. Buffy kannte diese Körperhaltung und wusste genau, mit welchem verführerischen Augenklimpern Faith den Mann jetzt voll säuselte. Angel schien tatsächlich nicht da zu sein und Faith war nicht dafür bekannt, seiner Abwesenheit lange nachzutrauern.
Seufzend lehnte sich Buffy an das Geländer. Ich hätte nicht kommen sollen. Sie schloss einen Moment die Augen, lauschte den Klängen der Musik und sagte sich, dass sie heimfahren sollte.
In diesem Moment spürte sie hinter sich eine Bewegung.
Es war ein Rascheln, leise Schritte und plötzlich ein Körper in ihrem Rücken. Ihr Herz begann zu rasen. Nicht weil sie Angst hatte. Schließlich befand sie sich in einem Saal voller Leute und auch wenn es hier auf der Galerie im Moment recht ruhig war, so würde ein Aufschrei ihrerseits reichen, um die ihr am nächsten befindliche Person zu alarmieren.
Nein, ihr Herz raste, weil ihr ein Geruch in die Nase stieg, der ihr nur zu bekannt war.
Leder. Leder und Zigaretten.
„Spike“, wisperte sie, ohne sich zu rühren. Er war also da, hatte sich aber verborgen gehalten, weil er nicht wollte, dass sie ihn bemerkte. Doch sie wettete plötzlich mit sich selbst, dass er sie haargenau beobachtet hatte. Allein der Gedanke ließ ihre Beine schwach werden.
Sie wollte sich umdrehen, doch er verhinderte das, indem er sie mit seinem Körper gegen das Geländer drückte.
„Nein“, hauchte er neben ihrem Ohr. „Wenn du mich siehst, würde das meinen Wetteinsatz brechen.“
Buffy schluckte, ehe sie hervor brachte. „Es gab keinen Sieger.“
„Du willst mich nicht sehen“, murmelte er. „Und ich erfülle dir diesen Wunsch.“
„Spike, ich…“
„Shhh“, flüsterte er, hob seine rechte Hand, strich mit den Fingern federleicht über ihre nackten Schultern und ließ sie ihren Arm hinab gleiten. „Mir gefällt, wenn du schwarz trägst.“
Sie holte tief Luft, versuchte verzweifelt, ihr rasendes Herz zu beruhigen und umklammerte mit ihren eigenen Händen das Geländer. Sein Atem streifte ihr Ohr und ein Schauer rann über ihre Haut.
„Warum bist du hier und nicht da unten?“ fragte er leise und sah über ihre Schulter hinunter auf die Tanzenden.
Sie antwortete nicht. Was auch?
„Es funktioniert nicht, oder?“
Seine Stimme hatte jetzt diesen dunklen rauchigen Klang, der ein Kribbeln in ihren Bauch schickte. Weshalb konnte er das auslösen? Weshalb er und kein anderer Mann?
Verzweifelt schlossen sich ihre Augen wieder, als sich seine Lippen gegen die empfindliche Seite ihres Halses pressten. Zur gleichen Zeit strich seine rechte Hand über ihre Hüfte, hinab zum Saum des kurzen schwarzen Rockes.
„Spike…“, flüsterte sie schwach und spürte sein Lächeln an ihrem Hals.
Die Finger seiner Hand verschwanden unter ihrem Rock, glitten über die nackte Haut ihres Oberschenkels zum Rand ihres Slips.
„Ein String?“ hauchte er und sie spürte sein Grinsen fast körperlich. „Ich mag deinen Geschmack.“ Sanft strich er mit den Fingern über ihre Stoff bedeckte Mitte.
Buffy grub ihre Zähne in ihre Unterlippe, um nicht leise zu stöhnen. „Hör auf“, piepste sie unhörbar. Sie fühlte sich, als würde sie gleich ohnmächtig werden und jeglicher Gedanke, sich umzudrehen und ihn von sich zu stoßen, war weit nach hinten in ihrem Kopf verschwunden.
„Ehrlich?“ fragte er wispernd und ließ seine zweite Hand an ihrem Körper hinauf wandern. Der dünne Stoff des engen schwarzen Kleides verbarg kaum etwas und Buffy seufzte, als seine Fingerspitzen über ihre linke Brust strichen. „Lügnerin“, murmelte er und die Finger seiner rechten Hand verschwanden unter ihren Slip.
„Spike…“ Ihre Stimme verklang, weil ihr in genau diesem Moment klar wurde, dass es sinnlos war, zu lügen. Zwischen ihren Beinen musste sich soviel Feuchtigkeit gesammelt haben, dass der winzige Stofffetzen völlig durchnässt war. Sie spürte hinter sich auch, dass ihn sein Handeln keineswegs kalt ließ.
„Ich wusste es“, brachte er heißer hervor und ließ kurz seinen Finger in ihr verschwinden. „Wusste...du lügst…“
Er hatte Recht. Aber Buffy schien die Fähigkeit zu sprechen verloren zu haben. Sie starrte hinunter zur Tanzfläche, ohne etwas zu sehen und seufzte leise, als Spikes Mittelfinger in sanften Bewegungen den harten Knoten zwischen ihren Beinen umkreiste. Plötzlich war sie froh, seinen Körper als Halt im Rücken zu haben, weil sie sich fühlte, als würde sie gleich zusammen sinken.
Er atmete ebenfalls schwer, aber nicht einmal das drang durch den Nebel, der plötzlich in ihrem Kopf herrschte, hindurch. Es spielte auch keine Rolle mehr, wo sie sich befanden.
Das einzige, was zählte, waren Spikes geschickte Finger.
Ihre Augen schlossen sich und sie lehnte den Kopf zurück gegen seine Brust. Ein leises Wimmern drang aus ihrem Mund und Spike presste seine Lippen gegen ihren Hals, weil ihre Reaktionen ihn nahe an den Rand der Beherrschung brachten.
Zum Glück verbarg der Ledermantel und natürlich das diffuse Licht, das auf der Galerie herrschte, einen Großteil dessen, was er tat. Aber er war sich plötzlich sicher, dass Buffy nicht einen einzigen Gedanken daran verschwendete.
Ihr Körper bebte in seinen Armen und er fühlte sich, als würde er gleich in seiner Hose kommen. Er verstärkte die Bewegungen seines Fingers, spürte, wie sie sich in seine Berührungen presste und keuchend nach Atem rang.
Sie ist Wahnsinn, ging es ihm durch den Kopf, dann bäumte sie sich auf und biss die Zähne zusammen, um nicht lauter zu schreien.
Spike hätte ihr am liebsten das Kleid vom Leib gerissen. Er fühlte das köstliche Pochen ihrer Erregung an seinem Finger, spürte ihren Körper erschlaffen und gegen das Geländer sinken und wünschte sich, einfach noch ein paar Minuten mit ihr zusammen genießen zu können.
Ein Blick in ihr Gesicht ließ ihn unhörbar aufstöhnen. Ihre Wangen hatten sich gerötet, die Augen waren noch halb geschlossen und sie sah einfach nur herrlich weggetreten aus.
Er wusste nicht, was er vorgehabt hatte, als er sie am Geländer der Galerie lehnen sah. *Das* auf keinen Fall.
Vorsichtig entfernte er seine Finger von ihr. Seine eigene Hose erschien ihm schmerzhaft eng und er verfluchte sich selbst.
Trotzdem hauchte er noch einen schnellen Kuss gegen ihre Halsbeuge. „Kann es sein, dass du mich vermisst?“
Sie sah nicht aus, als wäre sie schon fähig zu antworten. Genau so plötzlich wie sein Körper erschienen war, verschwand er wieder und der einzige Halt, der blieb, war das Geländer.
Allerdings dauerte es noch eine ganze Weile, ehe sie in der Lage war, diesen Platz zu verlassen.
Wie konnte er das wagen?!
Unbewusst strich sie ihr Kleid glatt, als könnte jemand sehen, was gerade
passiert war.
Wie konnte er das wagen und dann einfach
verschwinden?!
Buffy hatte sich noch einmal umgesehen, aber seine nicht gerade unauffällige
Gestalt nirgends entdecken können.
Verflucht soll er sein! schimpfte sie in Gedanken und schlenderte zur Bar. Sie
fühlte sich vollkommen ausgedörrt und scannte frustriert die Menge nach einem
bekannten Gesicht.
„Heh, B!“
Faith war zwar nicht ihre bevorzugte Wahl, aber ehe sie verdurste… Missmutig
kämpfte sie sich den Weg durch die Massen und drängte neben Faith an den Tresen.
„Ein großes Wasser!“ rief sie dem Barkeeper zu.
„Du hast aber eine nette Gesichtsfarbe“, kicherte Faith neben ihr. „So warm ist
es nun aber auch nicht.“
Buffy schnappte sich ihr Glas, bezahlte und trank es halb leer. „Scheußliche
Hitze hier drin“, murmelte sie unbehaglich.
„Getanzt hast du nicht, B“, grinste Faith noch breiter und ihre dunklen Augen
funkelten belustigt. „Mit wem hast du eine schnelle Nummer durchgezogen?“
Zum ersten Mal seit sie sich kannten, lief Buffy feuerrot an und Faiths Mund
klappte auf.
„Volltreffer?!“ quietschte sie begeistert. „Raus mit der Sprache, B! Wer?!“
„Niemand“, zischte Buffy verärgert.
„Hey“ kicherte Faith. „Du siehst so aus wie ich heute noch aussehen möchte und
willst allen ernstes behaupten, ich glaube an NIEMAND?“
Buffy knallte ihr Glas auf den Tresen. „Ich fahre heim.“
Faith lachte auf. „Wer, B? Nur seinen Namen!“
Ihr Lachen folgte Buffy, die plötzlich nur noch den Wunsch hatte, das drängende
Gewimmel des Bronze hinter sich zu lassen. Sie gab kurz Willow und Xander
Bescheid, die jedoch beide noch bleiben wollten und meinten, Buffy bräuchte sich
keine Gedanken zu machen, sie kämen schon irgendwie heim.
Buffy war erleichtert. Sie hätte nicht gewollt, dass de Biden mit ihr gingen,
nur weil sie sich selbst den Abend verdorben hatte.
Noch immer mürrisch und mit sich selbst unzufrieden, stieg sie in ihr kleines
Auto und fuhr zurück zum Hof.
Es war noch nicht spät, kaum 24 Uhr und Buffy schaute zuerst noch einmal in den
Stall. Natürlich war alles in Ordnung.
Erst auf dem Rückweg über den Hof hob sie den Kopf zu den Fenstern von Spikes
Wohnung. Und als sie an seinem Fenster das rötliche Glimmen der Zigarette sah,
fiel ihr auch wieder ein, dass sein Jeep auf dem Hof stand.
Er musste das Bronze sofort verlassen haben. Nachdem…
Ihr Puls beschleunigte sich allein bei der Erinnerung daran wieder. Doch der
leichte Zorn, den sie auf dem ganzen Heimweg gespürt hatte, verschwand, als sie
seine dunkle Silhouette am Fenster sitzen sah.
Ein feines Lächeln huschte über ihre Lippen. Er hatte sie überrascht, sie in
eine Situation gebracht, die ihrer Kontrolle entglitten war.
Eigentlich war es an der Zeit, ihm das mit gleicher Münze zurück zu zahlen.
*********************
Spike beobachtete, wie Buffy über den Hof schritt und sah auch, dass sie einen
Blick hinauf zu seinem Fenster warf. Seufzend zog er an seiner Zigarette.
Wahrscheinlich war sie jetzt, wo sie all ihre Sinne wieder beisammen hatte, mehr
als wütend auf ihn. Aber allein der Gedanke, dass er sie hatte völlig vergessen
lassen, wo sie sich befanden, sorgte dafür, dass sein Schwanz unverändert hart
blieb.
Er sollte sich wirklich selbst helfen. Seine Finger schnipsten die Zigarette in
den Hof. Aber seiner Meinung nach lagen die Zeiten, in denen er sich selbst
Erleichterung verschaffen musste, weit in der Vergangenheit. In den letzten
Jahren hatte es immer irgendeine Frau gegeben…
Mitten in seine mürrischen Gedanken hörte er das Klicken seiner Wohnungstür und
erstarrte.
Er hatte die Tür abgeschlossen. Da war er sich ziemlich sicher.
Natürlich gab es nur eine einzige Person, die es wagen würde, einen vorhandenen
Zweitschlüssel so unverfroren zu benutzen.
Er rührte sich nicht von seinem Platz auf dem Fensterbrett weg, fixierte aber
seine Schlafzimmertür, die sich keine Minute später öffnete.
Buffy schlenderte zur Tür herein, als würde sie tagtäglich hier ein und aus
marschieren. Das Lächeln, das ihre Lippen umspielte, jagte das Blut durch seinen
Körper und besonders in den schmerzenden Teil seiner Anatomie.
Sie ließ sich nicht anmerken, dass allein sein Anblick ihr Herz schon wieder
einen Satz machen ließ. Aber gab es etwas erotischeres, als einen halbnackten
Spike, der im nur von der schwachen Nachttischlampe erleuchteten Zimmer auf dem
Fensterbrett saß? Sein Shirt lag irgendwo zerknüllt auf dem Bett und Buffys
Augen glitten fasziniert über seine nackte Brust. Wahrscheinlich würde sie sich
nie an ihm satt sehen können.
In dem dämmrigen Licht erschienen seine Augen dunkler und die scharfen
Wangenknochen wurden noch betont. Buffy fand, er hatte nie heißer ausgesehen.
Langsam ging sie auf ihn zu. Er verfolgte jede ihrer Bewegungen und nur das
Brennen in seinen Augen zeigte den Sturm, der in ihm tobte.
„Buffy“, hauchte er leise und fast warnend.
„Hm?“ fragte sie genau so leise, als sie ihn erreichte und hob die Hand zu
seiner Brust. Spielerisch glitten ihre Finger über die angespannten Muskeln,
seinen Bauch, hinab zum Bund seiner Hose.
Spike wollte vom Fensterbrett gleiten, doch sie presste sich an ihn, sobald
seine Füße den Boden berührt hatten. Seine Hände umschlangen ihren Kopf. „Was
auch immer du vorhast“, stieß er keuchend hervor. „Ich habe es satt, dein
Spielzeug zu sein…“
Sie lächelte wieder, sehr verrucht, ehe sie mit ihrer Zunge ihre Lippen
befeuchtete. „Ich denke“, flüsterte sie und ihre Finger öffneten die Knöpfe
seiner Jeans, „ich schulde dir noch etwas.“
„So?“ Spike war froh, überhaupt noch einen Ton hervor zu bringen.
Buffy nickte ernsthaft, öffnete den Reißverschluss und griff in seine Hose.
Spike schnappte nach Luft, als ihre kleine Hand ihn plötzlich umschloss. „Ich
denke“, fuhr sie fort und strich sanft an seiner Härte auf und ab, „es wäre
unfair, dich in diesem Zustand allein zu lassen.“
Ja? JA! Er konnte seinen eigenen Ohren nicht glauben.
„Eigentlich hätte ich es vorgezogen, das Ganze im Bronze zu tun“, hauchte Buffy,
lehnte sich kurz nach vorn und küsste ihn.
Spike fiel es sehr schwer zu denken, während ihre Hand ihn umschloss, doch er
reagierte, als er ihre Zunge spürte, die kurz zwischen seine Lippen schlüpfte.
Um ihn gleich darauf wieder zu verlassen.
Seine Finger wühlten sich in ihre Haare. Wenn das ein Spiel war und sie
vorhatte, gleich wieder zu gehen, würde er sie erwürgen…
Doch in dem Moment, wo Buffys Lippen über seinen Hals und seine Brust abwärts
strichen, während sie auf die Knie sank, verabschiedete sich sein Verstand
komplett.
Stöhnend schloss er die Augen, die Hände noch immer in ihren Haaren und in
seinem Kopf hämmerte es nur noch. Das ist ein Traum…Das ist ein Traum…
Spätestens in dem Augenblick, in dem sich ihre Lippen um seinen steinharten
Schaft schlossen und sie ihn in ihren heißen Mund saugte, wusste er, dass es
weder ein Spiel noch ein Traum war.
„Oh Gott, Buffy…Luv…“, flüsterte er zusammenhanglos, schaffte es jedoch nicht,
seine Augen wieder zu öffnen.
Ihre kleine Hand umfing unterstützend seinen Schwanz an der Wurzel, während ihre
Lippen an ihm auf und ab glitten und ihre Zunge die empfindliche Spitze
umrollte.
Buffy fand, dass er einfach himmlisch schmeckte. Und dass er völlig weggetreten
irgendwelchen Unsinn von sich gab, gefiel ihr noch besser.
Seine Hüften stießen nach vorn, als wolle er sich selbst noch tiefer in ihrem
Mund vergraben und seine Hände klammerten sich in ihre langen blonden Haare. „Buf…Luv…ich…Oh
Gott!!“
Buffy schloss die Augen, als sein Geschmack ihren Mund füllte und sie das Pochen
seines Schaftes fühlte. Sie schluckte, leckte gewissenhaft die Reste seines
Spermas von seinem Penis, ehe sie sich von ihm löste. Ein Blick hinauf in Spikes
Gesicht ließ sie schmunzeln.
Spikes Beine gaben nach. Er sank ebenfalls auf die Knie, schlang seine Arme um
ihren zierlichen Körper und zog sie an sich.
„Du bist verrückt“, flüsterte er erstickt neben ihrem Ohr. „So komplett
verrückt…“
„Da sind wir schon zwei“, wisperte sie und im nächsten Moment lagen seine Lippen
auf ihrem Mund.
Spike hatte nie geglaubt, dass es ihn dermaßen anmachen würde. Aber als er jetzt
sich selbst zwischen ihren Lippen schmeckte, glaubte er, niemals genug von ihr
zu bekommen. Seine Zunge drängte an ihre, erkundete jeden Winkel ihres Mundes
und das Zittern ihres Körpers ging auf seinen eigenen über.
Fast gewaltsam riss er seinen Kopf von ihr los, starrte in ihre glänzenden Augen
und stieß hervor. „Heute bleibst du, Luv. Und wenn ich dich festbinden muss…“
Buffy löste sich von ihm und stand auf. „Spike, ich…“
Er war genau so schnell auf den Beinen wie sie und scherte sich nicht darum,
dass seine Jeans noch immer halb auf seinen Hüften hing. Es lagen ihm zornige
Worte auf der Zunge, doch als er die Unsicherheit in ihren Augen sah, schluckte
er sie ungesagt runter.
Vorsichtig, fast zögernd, hob er seine Hand, strich ihr eine der blonden
Strähnen aus dem Gesicht und steckte sie hinter ihrem Ohr fest.
„Wovor hast du Angst, Luv?“ fragte er leise.
„Ich habe keine…Angst“, piepste sie und ihr Herz hämmerte so laut, dass sie
glaubte, er würde es hören.
Ein feines Lächeln bildete sich um seine Lippen. „Dann bleibst du also?“
„Ich...“, brachte Buffy heraus, ohne sich zu rühren, „wollte duschen…“
„Nette Idee“, hauchte Spike, beugte sich nach vorn und strich mit seinen Lippen
über ihre. „Ich habe sogar eine noch viel bessere…“
******************
„Ich glaube, wir sind wirklich ganz schön verrückt“, murmelte Buffy, lehnte den
Kopf zurück an Spikes Brust und schloss träge die Augen, als das warme Wasser
ihren Körper umhüllte.
Sie saß vor ihm in der großen Badewanne und konnte noch immer kaum fassen, dass
sie widerspruchslos zugelassen hatte, von ihm ins Bad gezogen zu werden.
Sie hatte mit großen Augen beobachtet, wie er das Wasser der Badewanne
aufdrehte, dem Wasser ein Schaumbad zugab und sich dann zu ihr umdrehte. Und sie
hatte auch nicht protestiert, als er sein so süßes Lächeln lächelte, den Kopf
schief legte und sie dann einfach auszog. Es schien, als hätte sie ihre Sprache
verloren.
Doch als sie jetzt in dem heißen Wasser an ihm lehnte, seine Arme sie umfingen
und sie seinen Herzschlag in ihrem Rücken spürte, erschien ihr nicht einmal der
Gedanke, dass es fast ein Uhr in der Nacht war, absurd.
Nur ein wenig verrückt.
Spike lachte leise über ihre gemurmelten Worte. „Wir haben eine Menge verrückte
Sachen gemacht in den letzten Wochen, denkst du nicht?“
„Warum warst du im Bronze?“
Er presste seine Lippen gegen ihren Hals. „Warum bist du in meine Wohnung
gekommen?“ Seine Finger strichen über die nasse Haut ihrer Schultern und ihre
Arme hinab.
Buffy seufzte leise. Es fühlte sich schön an, in seinen Armen zu liegen und
seine Berührungen zu genießen. Ein Lächeln huschte über ihre Lippen, als sie in
ihrem Rücken spürte, dass er die Situation nicht unbedingt entspannend fand.
„Etwas unersättlich, hm?“
Spike gluckste. „Ich denke doch, dass wir’s heute noch auf die richtige Art
tun…Und du dann nicht aus dem Zimmer rennst.“ Sie versteifte sich in seinen
Armen und er verfluchte sich selbst. „Vergiss meinen vorlauten Mund“, murmelte
er zerknirscht, hob seine Hände zu ihrem Nacken und massierte sanft ihre
Schultern. „Ich werde ihn jetzt halten.“
Buffy schloss die Augen. „Ich renne nicht weg“, flüsterte sie. „Heute nicht.“
Er verharrte kurz in den Bewegungen seiner Finger, sah auf ihren blonden Schopf
und holte tief Luft. „Morgen?“ fragte er genau so leise.
„Möglich“, piepste sie.
Spike drückte seine Lippen gegen ihren Nacken. „Dann sollte ich mir Mühe geben,
dir zu zeigen, dass es keinen Grund zum Weglaufen gibt.“
„Spike…“ Mit einer schnellen Bewegung drehte sie sich in der Badewanne. Diesmal
war es fast etwas wie Verzweiflung, was in ihren Augen schimmerte. „Ich bin gut
im…Weglaufen…“
Er sah sie eine ganze Weile an, ehe er sagte. „Ich weiß…“
Buffy presste ihre Lippen auf seinen Mund. Sie wollte nicht darüber nachdenken.
Obwohl es in der Wanne kaum möglich schien, kletterte sie auf seinen Schoß und
schlang die Arme um seinen Nacken. Ihre Finger fuhren durch seine nassen Haare,
spielten mit den blondierten Locken und sie fragte sie, warum sie die Farbe
jemals scheußlich gefunden hatte.
Spikes blaue Augen bohrten sich in ihre, als sie sich langsam auf ihm niederließ
und seinen harten Schaft in sich aufnahm. Er unterdrückte mühsam ein Aufstöhnen,
als er sah, wie sich ihre Augen einen kurzen Moment verklärten und sie scharf
die Luft einzog.
Seine Hände umfingen ihre Hüften, zwangen sie, sich nicht zu bewegen, weil er es
genießen wollte. „Langsam… ja?“ stieß er abgehackt hervor.
Sie nickte, lehnte ihre Stirn an seine und ließ sich von seinen Händen in seinem
Rhythmus führen. Qualvoll langsam bewegte sie sich auf und ab. Es war das erste
Mal, dass sie sich nicht einfach die Kleider vom Leib gezerrt und aufeinander
gestürzt hatten.
Und obwohl Buffy es nicht zugeben wollte, schnürte ihr die Zärtlichkeit, mit der
er sie im Moment behandelte, die Kehle zu. Tränen stiegen in ihre Augen,
verschleierten ihren Blick bis sich eine einzelne Träne löste und ihre Wange
hinab kullerte.
Spike küsste sie sanft, als würde er die Aufruhr, die in ihr tobte, spüren. Fast
zaghaft bat seine Zunge um Einlass und ein leises Aufschluchzen drang aus ihrem
Mund, als sie seinen Kuss erwiderte.
Und schlagartig wurde ihr klar, dass sie morgen nicht mehr würde behaupten
können, es wäre nur Sex. Nicht nach dieser Nacht.
Sein Atem wurde schneller und Buffy umklammerte seinen Hals, als sie sich seinen
beschleunigten Bewegungen anpasste. Er sah sie noch immer an und plötzlich
konnte auch sie ihre Augen nicht mehr von ihm lösen. Keuchend starrten blaue
Augen in grüne, während sich ihre Körper im Taumel der Leidenschaft verloren.
Seine Finger klammerten sich in ihre Hüften, ein Stöhnen verließ seinen Mund,
weil er noch immer darum kämpfte, sich zurück zu halten.
Es war ihnen beiden gleichgültig, dass das Wasser über den Badewannenrand
schwappte und der Fußboden zu schwimmen begann.
„Spike…“ Buffy schrie auf, als sie kam und das Zittern ihres Körpers ließ jede
Beherrschung, die noch in ihm vorhanden war, schwinden. Mit harten tiefen Stößen
bohrte er sich nach oben, in sie, bis er ihr mit einem Stöhnen folgte.
Ihr beider Atem ging stoßweise. Buffys Gesicht war gegen seine Schulter gesunken
und Spikes Kopf lehnte am Wannenrand, während er mit offenem Mund nach Luft
rang. Seine Arme umfingen noch immer ihren zierlichen Körper, fühlten ihre
Wärme, ihren Herzschlag und seine Augen starrten einfach nur in die Luft.
Ich liebe sie. Der Gedanke entstand so plötzlich in seinem Kopf, dass er fast
zusammen gefahren wäre. Verflucht…Ich liebe sie…
Es dauerte eine ganze Weile, ehe Buffy ihren Kopf hob. Ihre Augen trafen auf
seinen nachdenklichen Blick und sie hob fragend die Brauen.
Spike zwang sein ihm eigenes Grinsen auf seine Lippen, hauchte einen Kuss auf
ihren Mund und flüsterte. „Lass uns ins Bett gehen, Luv.“
Buffy nickte, sah sich in dem nassen Bad um und musste lächeln. „Ganz schöne
Sauerei hier…“
Er lachte, ließ sie aus der Wanne klettern und beobachtete, wie sie in seinen
Bademantel schlüpfte. Er war ihr natürlich zu groß, reichte fast bis zu ihren
Knöcheln und die Hände verschwanden in den Ärmeln, aber seiner Meinung nach sah
sie darin himmlisch aus.
Weil es ein Teil von ihm war, das sie trug.
Wahrscheinlich hatte er sie einen Moment wie verzaubert angestarrt, denn sie
runzelte die Stirn. „Ist irgendetwas nicht in Ordnung?“
Spike schlang ein Handtuch um seine Hüften und griff nach einem zweitem, um
seine Haare trocken zu rubbeln. „In meinem Bademantel gefällst du mir fast noch
besser als in dem schwarzen Kleid.“
Sie musste ebenfalls lachen. „Du gefällst mir ohne das Handtuch auch ganz gut.“
Er schlang seine Arme um ihren Körper, als sie zur Tür hinaus huschen wollte.
„Nur ganz gut?“
„Hey“, schimpfte sie, als er sie einfach hoch hob. „Dein Bad schwimmt…“
„Lass es schwimmen…“, war alles, was sie als Antwort bekam, während er
schnurstracks mit ihr auf sein Schlafzimmer zusteuerte.
Joyce kam eine Viertelstunde später unverrichteter
Dinge zurück. „Sie will nicht einmal mit mir reden. Ich verstehe nicht, was los
ist. Gab es Streit, Spike?“
„Nein.“ Spike seufzte und stand auf. „Ich versuche mein Glück.“
Joyce erklärte ihm, welches Zimmer Dawns war, machte ihm aber nicht viel
Hoffnung, dass das junge Mädchen die Tür aufschließen würde.
Spike hatte auch seine Zweifel, aber er wollte es wenigstens versuchen. Vor Dawn
Tür blieb er stehen und klopfte. „Krümel?“
Keine Antwort.
„Komm schon, Dawn. Red mit mir. Ich habe gedacht, wir sind Freunde.“
„Ich will nicht deine Freundin sein“, hörte er ihre bockige Stimme. „Weil du
sowieso bald verschwunden bist!“
„Mach die Tür auf, Krümel. Ich möchte gern mit dir reden.“
Diesmal bekam er keine Antwort.
„Ich habe dich gern, Krümel“, fuhr er fort. „Und es macht mir zu schaffen, wenn
du sauer auf mich bist.“
Er wartete einen Moment, war schon bereit aufzugeben, als er hörte wie der
Schlüssel umgedreht wurde und Dawn die Tür öffnete. „Ich bin nicht sauer auf
dich“, sagte sie leise. „Sondern auf Buffy.“
Spike lächelte versöhnlich. „Kann ich rein kommen?“
Ihr Gesichtsausdruck war noch immer recht abweisend, doch sie ging zur Seite,
damit er das Zimmer betreten konnte.
Spike nahm sich den einzigen Stuhl, während sich Dawn auf ihr Bett flätzte, die
Arme um ihre angezogenen Knie schlang und ihn trotzig anstarrte.
Er drehte den Stuhl verkehrt herum, setzte sich und stützte die Arme auf die
Lehne. „Auf einem Turnier ist man immer froh, wenn man noch jemanden hat, der
mit zufassen kann. Oder mal das Pferd abnehmen kann, während ich mich um die
organisatorischen Fragen kümmern muss“, begann er ruhig.
Dawn verzog den Mund, ohne zu antworten.
„Ich weiß, dass es dir Spaß macht. Warum also jetzt die Ablehnung?“
„Du bist sowieso bald wieder weg!“
„Es stand von vorn herein fest, dass mein Aufenthalt hier zeitlich begrenzt
ist“, sagte Spike vorsichtig.
Dawns Lippen zitterten und es dauerte eine ganze Weile, ehe sie etwas sagte. „Es
ist viel schöner seit du da bist…“, piepste sie dann. „Du könntest doch hier
bleiben. Wenn Buffy nicht wäre, könntest du bleiben…“
Spike sah sie nachdenklich an. „Was hat Buffy damit zu tun?“
„Sie gehen alle wieder!“ fuhr Dawn böse auf. „Weil Buffy sie wegekelt! Ich habe
auch Riley gemocht! Er war nett! Und…und ich mag dich viel mehr als Riley! Ich
will nicht, dass du gehst!“
Er atmete tief durch, stand dann auf und setzte sich neben die junge Dawn.
„Krümel“, sagte er leise. „Ich habe Pflichten auf der Ranch meines Vaters. Ich
werde dort gebraucht. Wenn ich wieder abreise, hat es nichts mit deiner
Schwester zu tun.“
Tränen traten in Dawns Augen. „Du würdest auch nicht bleiben, wenn sie dich
darum bitten würde?“
Das wäre sicherlich das allerletzte, was Buffy tun würde. „Ich weiß es nicht“,
gab er ehrlich zu. „Ich habe noch nicht darüber nachgedacht. Buffy ist nicht
gerade…einfach.“
„Sie ist ein Ekelpaket“, schniefte Dawn.
Ein leises Lächeln huschte über Spikes Lippen. „Nein, Dawn, das stimmt nicht.“
„Doch. Sie verjagt alle“, behauptete Dawn trotzig. „Angels Schwester Amy redet
nicht mehr mit mir, seit Buffy sich von ihrem Bruder getrennt hat!“ Sie
verschränkte zornig die Hände über der Brust. „Wenn sie eh keinen Mann will,
soll sie sie doch in Ruhe lassen!“
„So einfach ist das nicht, Krümel. Buffy möchte sicherlich…“
„Nein“, unterbrach ihn Dawn und schüttelte den Kopf. „Mom hat gesagt, Buffy ist
enttäuscht, dass Dad uns verlassen hat. Aber sie macht es doch genau so! Angel
war in Ordnung, alle dachten, sie würden heiraten. Angel erzählte es
jedenfalls…“
„Angel?“ fragte Spike verblüfft, weil er nicht damit gerechnet hatte, von
irgendjemandem etwas nettes über Angel zu hören.
„Mom mochte ihn nicht, ich weiß.“ Dawn winkte ab. „Aber Buffy war total
verknallt in ihn. Und dann schickte sie ihn von einem Moment zum anderen
grundlos zum Teufel. Genau wie alle anderen.“
„Nun, grundlos wird es schon nicht gewesen sein“, murmelte Spike unbehaglich,
weil er nicht so richtig wusste, was er zu diesem Thema sagen sollte.
„Pff“, machte Dawn nur und kramte nach einem Taschentuch.
Spike sah ihrem Tun einen Moment zu, ehe er in seine Jeans langte und ihr sein
eigenes reichte.
Dawn schluchzte auf und fiel ihm im nächsten Augenblick um den Hals. „Ich will
nicht, dass du gehst“, schniefte sie. „Kannst du nicht bleiben? Was finden nur
alle an Buffy? Sie ist doch nicht mal hübsch…“
Er musste sich ein Grinsen verkneifen, als er sie gegen seine Brust nuscheln
hörte und strich ihr sanft über die braunen langen Haare. Ein warmes Gefühl
stieg in ihm hoch und er schluckte kurz, damit er nicht auch noch so klang wie
er sich fühlte – wie ein Weichei.
„Hey, Krümel“, sagte er leise. „Selbst wenn ich gehe, bin ich doch nicht aus der
Welt. Schließlich sind wir jetzt Partner und es wird sicherlich öfter passieren,
dass ich oder mein Dad vorbeikommen und nach dem rechten sehen.“
„Und Buffy auf die Finger klopfen“, brummte Dawn.
„Und das“, nickte er bestätigend. „Und jetzt hörst du auf mit dem Schmollen und
kommst nächste Woche mit mir auf das Turnier, klar?“
Dawn löste sich mit einem verlegenen Lächeln von ihm und strich sich über die
Augen. „Tut mit leid“, sagte sie zerknirscht.
„War das ein ja?“
„Hm.“ Sie nickte langsam.
Spike lächelte, beugte sich nach vorn und gab ihr einen Kuss auf die Stirn.
„Freut mich zu hören, Krümel. Und vergiss deinen Ärger auch Buffy gegenüber. Was
zwischen ihr und mir ist, geht nur sie und mich etwas an.“
Dawn verzog den Mund. „Du solltest dich nicht in sie verlieben“, erklärte sie
ernsthaft. „Sie wird dich genau so abservieren wie alle anderen.“
Er seufzte, ehe er aufstand, wuselte ihr noch einmal durch die Haare wuselte und
sagte. „’Nacht, Krümel.“
Dawns Blick folgte ihm bis zur Tür. „Ist schon zu spät, was?“
Spike blieb kurz stehen, als wolle er noch etwas sagen, doch dann schloss er die
Tür hinter sich, ohne sich noch einmal umzusehen.
Und Dawn streckte sich auf ihrem Bett aus, starrte zur Decke und murmelte.
„Warum bin ich nicht ein bisschen älter…“
***********************
Buffy hatte nicht noch einmal in die Küche geschaut. Sie wollte weder dem
fragenden Blick ihrer Mutter, noch Dawns anklagenden Augen begegnen.
Nachdem sie kurz geduscht hatte, versuchte sie Faith zu erreichen, doch diese
hatte ihr Handy ausgeschaltet. Das passierte sehr selten und nur, wenn Faith
wirklich nicht gestört werden wollte. Ein leises Lächeln huschte über Buffys
Lippen, weil sie sich denken konnte, womit Faith gerade beschäftigt war.
Danach telefonierte sie mit Willow, jedoch nur, um ihr mitzuteilen, dass sie
heute keine Lust verspürte, das Bronze aufzusuchen.
„Geht es dir gut?“ erkundigte sich Willow sofort besorgt.
„Ja, ja“, beruhigte Buffy sie. „Ich bin einfach nicht…in Stimmung…“
„Ich“, begann der Rotschopf zögernd, „könnte vorbei kommen, wenn…wenn du nicht
allein sein willst. Oder…reden willst?“
Buffy schloss kurz die Augen. „Nein, Willow“, sagte sie dann leise. „Mir geht’s
gut. Ich bin nur müde.“
„Okay“, sagte Willow langsam und klang nicht, als würde sie ihr glauben. „Sollen
wir Spike abholen?“
„Ich weiß nicht“, murmelte Buffy.
„Fragst du ihn mal?“
„Er ist in seiner Wohnung. Denk ich…“
Willow seufzte. „Ich rufe ihn an.“
„Nein, warte…“, unterbrach Buffy sie.
Mit dem Telefon in der Hand verließ sie die Wohnung und kletterte die Stufen zu
Spikes Dachwohnung hinauf. Diesmal antwortete er sogar nach dem ersten Klopfen.
„Komm rein.“
Buffy öffnete die Tür und fand ihn im Wohnzimmer auf der Couch mit einem Buch in
der Hand.
„Seit wann klopfst du?“ fragte er ironisch.
„Willow ist am Telefon. Willst du mit ins Bronze?“
Er schüttelte den Kopf und ein leises spöttisches Grinsen huschte über sein
Gesicht. „Hab mich gestern dort ausgetobt…“
Buffy fühlte wie ihr die Hitze in die Wangen stieg. „Er bleibt hier, Will“,
sagte sie in den Hörer.
„Dann wünsche ich euch noch einen schönen Abend“, kicherte Willow, plötzlich gar
nicht mehr besorgt, am anderen Ende und trennte die Verbindung.
Buffy blieb etwas unglücklich im Zimmer stehen und sah auf einen Spike, der die
Nase schon wieder in sein Buch vertieft hatte. „Gut, ich…geh dann mal…“
„Hm“, brummte er nur, ohne aufzusehen.
Sie zögerte, doch als er auch nach fünf Sekunden den Kopf nicht wieder gehoben
hatte, drehte sie sich um und verließ das Zimmer.
Schließlich war es doch das, was sie noch am Morgen gesagt hatte. Also beenden
wir dieses, was auch immer wir haben, ehe ich alles kaputt mache… Warum nur
fühlte sie sich dann jetzt so elend, wenn sie daran dachte, den Abend allein in
ihrer Wohnung zu verbringen?
Vielleicht hätte sie doch ins Bronze gehen sollen… Aber sie hatte ja am
gestrigen Tag gesehen, wie das endete. Von Spikes Aktion einmal abgesehen.
Sie holte sich ein paar Salzstangen aus ihrem Schrank, schaltete den Fernseher
ein und machte es sich auf ihrer Couch bequem. Nachdem sie eine Weile durch die
Programme gezappt hatte und feststellen musste, dass wirklich nur Schwachsinn
kam, blieb sie bei einem lächerlichen Liebesfilm hängen.
Eigentlich passte es überhaupt nicht zu ihr, sich solch eine schmalzige
Geschichte anzusehen, aber als sie jetzt die beiden Menschen beobachtete, stieg
immer wieder Spikes Bild in ihren Kopf und ein Kloß bildete sich in ihrem Hals.
Scheiße, dachte sie seufzend. Weshalb spukt er in meinen Gedanken herum? Deine
Gefühle an einen Mann binden, bedeutet, dich verletzlich zu machen, redete sie
sich ein. Das ist eine Lektion, die du gelernt hast. Sie sülzen dir die Ohren
voll, reden von Liebe und reißen dir im nächsten Moment das Herz raus. Entweder,
weil sie gehen…oder… Sie seufzte wieder, als die Erinnerung an Angel in ihren
Kopf stieg und biss die Zähne aufeinander, weil er der Letzte war, an den sie
denken wollte. Dann schon lieber Riley, der sie wahrscheinlich wirklich geliebt
hatte, aber dessen Liebe ihr die Luft abschnürte…
Und Spike?
Mit einem bitteren Lächeln kaute sie auf ihren Salzstangen. Spike glaubte
wahrscheinlich genau so wenig an wahre Liebe wie sie.
In dem Film heulte die Frau los, weil der Mann auf die Knie gesunken war und ihr
einen Heiratsantrag machte und Buffy verzog den Mund. Solchen Kitsch gab es im
wahren Leben nicht. Im wahren Leben machte man den Fehler, sich zu verlieben,
nur einmal.
Mitten hinein in ihre sarkastischen Gedanken hörte sie ihre Wohnungstür und ihr
Herz machte einen Satz.
*************************
Spike hatte lange überlegt, ob er es wirklich auf sich beruhen lassen oder ob er
ihr endlich die Fragen stellen sollte, die ihm schon lange auf der Zunge lagen.
Er hatte versucht, sich auf das Buch zu konzentrieren und nach zehn Seiten
festgestellt, dass er die Seiten zwar umblätterte, aber von der Geschichte gar
nichts mit bekommen hatte.
Deshalb warf er das Buch genervt zur Seite und machte sich auf den Weg in die
untere Etage.
Er klopfte nicht und wie er vermutet hatte, war die Tür offen. Er sollte ihr
wirklich mal auseinandersetzen, was alles passieren konnte, wenn man seine
Wohnungstür nicht abschloss.
Ihr Schlüssel steckte und mit einem Achselzucken drehte er ihn und verriegelte
die Tür.
Buffy starrte ihn an wie einen Geist. Sie saß nur in einem Shirt bekleidet auf
der Couch, die Beine angezogen und sah ihn fassungslos an.
Spike grinste sein gewöhnliches Grinsen, ließ sich in den Sessel neben der Couch
fallen und legte die Beine auf den Tisch. „Du stehst auf Liebesschnulzen?“
fragte er spöttisch mit einer Kopfbewegung in Richtung Fernseher. „Das ist nun
das allerletzte, was ich erwartet habe.“
„Das ist Hausfriedensbruch…“, brachte sie nach einer ganzen Weile hervor.
Er nickte, ohne sie aus den Augen zu lassen. „Und damit nicht noch mehr
ungebetene Besucher auftauchen, habe ich deine Tür mal abgeschlossen.“
„Was machst du hier, Spike?“ fragte sie schwach.
„Ich habe mit Dawn geredet.“ Im Fernsehen schwor sich das Liebespaar gerade
ewige Liebe und Treue und seine Augen huschten kurz zum Bildschirm, ehe sie
wieder auf einer Buffy landeten, die ihn aus großen Augen ansah. „Sie scheint
deine Meinung zu teilen…was dich und Männer betrifft…“
Buffy schluckte, doch dann gewann ihre gewohnte Seite die Oberhand. „Hat sie dir
die Ohren voll geheult, was für ein böser Mensch ich bin? Wie gemein ich bin?
Dass du dich vor mir in acht nehmen sollst?“
Er antwortete nicht.
„Sie hat Recht“, setzte Buffy ironisch hinzu. „Es endet immer so. Ich hasse
Heucheleien und weiß auch, dass ich nicht sonderlich wählerisch in der Auswahl
meiner Worte bin. Ich sage dir das, Spike, weil ich nicht möchte, dass diese
Teilhaberschaft kaputt geht. Deshalb wäre es besser, du verschwindest einfach
wieder in deine Wohnung.“
„Glaubst du eigentlich selbst, was du sagst?“ erkündigte er sich spöttisch. Dann
stand er auf.
Buffy nahm an, dass er tatsächlich gehen wollte, doch sie fuhr zusammen, als er
sich neben sie auf die Couch setzte.
„Dawn mochte Riley.“
„Alle mochten Riley!“ schrie Buffy auf und rutschte ans andere Ende der Couch.
„Ich will mit dir nicht über Riley reden…oder irgendjemand anderen in meiner
Vergangenheit! Eigentlich will ich gar nicht mit dir reden!“
„Okay“, sagte er leise. „Reden wir nicht über ihn. Reden wir über…uns.“
„Uns?“ piepste sie auf. „Es gibt kein uns!“
Seine Augen verengten sich und ein sarkastisches Grinsen bildete sich auf seinen
Lippen, als er sich in ihre Richtung lehnte.
Buffy wich zurück bis die Couch zu Ende war.
„Die Ausrede funktioniert einmal, Luv.“ Seine Stimme hatte einen gefährlich
warnenden Unterton. „Vielleicht ein zweites Mal, aber keinesfalls nach letzter
Nacht. Also hör auf zu behaupten, dass da nichts ist!“
„Ich habe nicht gesagt, dass es nichts ist! Ich sagte, dass es…Sex ist!“ stieß
sie hervor. „Mehr nicht! Und ich sage auch nicht, dass es deine Schuld ist! Es
ist meine! Es ist immer meine! Aber das änderte nichts an der Tatsache!“
„Was für eine Tatsache?“ fragte er jetzt völlig perplex.
„Ich will, dass du gehst! Verschwinde einfach aus meiner Wohnung! Ich will weder
mit dir reden noch dich sehen!“
Etwas in ihren Augen verhinderte, dass er das tatsächlich tat. Er wusste nicht,
was es war. Vielleicht war es auch nur, dass ihre Stimme keineswegs so
selbstsicher wie ihre Worte klang.
„Das funktioniert nicht, Luv“, sagte er ruhig. „Du schaffst es jetzt nicht, dass
ich wutentbrannt aus deiner Wohnung stürze.“
Ihre Lippen zitterten, doch in dem Moment, wo sie aufspringen wollte, schoss
seine Hand vor und griff nach ihrem Arm. Es war eine instinktive Geste, weil er
einfach verhindern wollte, dass sie aufstand und flüchtete.
Womit er nicht gerechnet hatte, war, dass sie sich keine Sekunde später in eine
Wildkatze verwandelte. Es ging so schnell, dass er nur erschrocken ihren Arm los
lassen konnte, da landete ihre Hand in seinem Gesicht, während sie mit der
anderen ausholte, ihm noch eine zweite Ohrfeige versetzte und gleichzeitig
aufsprang.
Er war viel zu verblüfft über diesen Ausbruch, um etwas anderes tun zu können,
als sie anzustarren. Ihre Hände hatten sich zu Fäusten geballt und obwohl sie
den Stubentisch zwischen sich und ihn gebracht hatte, deutete ihre gesamte
Haltung auf eine unterdrückte Kampfbereitschaft hin.
„Raus!“ schrie sie eisig. „Raus aus meiner Wohnung!“
„Buffy, was zum Teufel…“
„Raus!“ unterbrach sie ihn und ihre Stimme überschlug sich fast.
Und plötzlich brach die Erinnerung mit aller Gewalt auf ihn herein. Wollte er
dich auch verprügeln? Der Schmerz in ihren Augen damals, ihre übersteigerte
Reaktion jetzt, obwohl er einfach nur nach ihrem Arm gegriffen hatte. Nicht
fest…aber vielleicht zu fest…
Das konnte nicht sein, oder? Es hätte jemand gewusst… Spike war sich plötzlich
gar nicht mehr so sicher und er wusste auch, dass er sie jetzt keinesfalls
danach fragen durfte.
Langsam stand er auf und ging vorsichtig auf sie zu. „Buffy, bitte, ich wollte
nicht…“ Ja, was eigentlich?
„Ich weiß mich zu verteidigen“, knurrte sie so drohend, dass er stehen blieb.
„Du denkst nicht wirklich, ich könnte dir wehtun, oder?“ fragte er leise und
völlig entgeistert.
Ihre Augen flackerten einen Moment. „Ich habe nicht vor, es herauszufinden.
Geh.“ Er sah tatsächlich nicht wütend aus, eher fassungslos und unheimlich
blass, aber er war größer und stärker als sie und sie würde jetzt kein Risiko
eingehen.
„Buffy, bitte“, sagte er wieder und kam noch einen Schritt näher. „Ich kann
jetzt nicht gehen. Nicht wenn du denkst, ich könnte…“ Er schaffte es nicht
auszusprechen, was er dachte.
Seine Stimme klang so verzweifelt, dass ein Teil von Buffys Abwehr zerbröckelte.
Sie glaubte, ihn mittlerweile recht gut zu kennen und hatte ihn auch eigentlich
nie in die Kategorie Männer eingereiht, denen irgendwann die Sicherungen
durchbrannten. Trotzdem war sie auf der Hut. Er hatte sie überrascht und der
Schreck darüber saß ihr noch immer in den Gliedern.
Als sie jetzt jedoch seinen schockierten Gesichtsausdruck sah, stieg in ihr auch
das Entsetzen über ihre eigene Reaktion hoch. Er musste sie für völlig paranoid
halten…
Sie fühlte einen Kloß, der sich in ihrem Hals bildete und Leere breitete sich in
ihrem Körper aus.
Vielleicht war es das, was Spike sah. Vielleicht spürte er auch instinktiv, dass
die Kampfbereitschaft verschwand.
Buffy wusste es nicht. Sie sah ihn nur einen weiteren Schritt auf sich zumachen,
fühlte dann seine Arme, die sie umfingen, und all die Spannung aus ihrem Körper
verschwand, als sie seine Wärme spürte.
Stumm vergrub sie ihr Gesicht an seiner Brust, ließ zu, dass er sie an sich zog
und festhielt und schloss die Augen. Tränen stiegen in ihr hoch, doch sie
kämpfte gegen den Drang zu schluchzen oder sie fließen zu lassen.
Spikes Hände strichen beruhigend über ihren Rücken und ihre Haare, während er
sinnlose Worte flüsterte, die nicht einmal bei ihr ankamen.
Ohne dass es ihr bewusst war, hatte sie ihre Arme ebenfalls um ihn geschlungen
und hielt sich an ihm fest, als wäre es die richtigste Sache der Welt.
Weil sie in seinen Armen plötzlich etwas spürte, das sie noch nie bei einem Mann
gespürt hatte.
Sicherheit.
Teil 26
Eine Stunde später hatten sie es tatsächlich geschafft, das Essen auf den Tisch zu bringen.
Buffys Wangen glühten noch immer von dem schnellen und aufregenden Zwischenspiel an der Küchentür und das Grinsen wollte und wollte nicht aus Spikes Gesicht weichen. Vor allem, wenn seine Augen immer wieder zu Buffy wanderten und sie seinem Blick mit dem gleichen belustigten Funkeln begegnete.
Jetzt saßen sie an dem kleinen Tisch in Spikes Küche. Der Reis war zu weich geworden und das Geschnetzelte schmeckte etwas angebrannt, aber weder Buffy noch Spike beschwerten sich darüber, da sie an dieser Tatsache schließlich beide schuld waren.
Scheiß drauf… hatte Buffy gesagt, als er sich daran erinnerte, dass das Essen auf dem Herd stand.
Und es war ihm so egal gewesen, dass es hinter ihnen zischte und brodelte, als irgendetwas überkochte, weil es viel wichtiger war, den Schmerz in seiner Hose zu beseitigen. Erst als ihr Verstand wieder einsetzte, registrierten sie auch den leicht verbrannten Geruch des Essens…
„Ich glaube“, fing Buffy an, als sie den ersten Löffel voll gegessen hatte. „Ich weiß jetzt, woher das Sprichwort Viele Köche verderben den Brei kommt…“
Er prustete los. „Vielleicht ist es doch eine gute Idee, den Rest der Woche das Essen zu bestellen…“
„Irgendetwas hat dieses gemeinsame Kochen…“, murmelte sie und grinste verschmitzt. „Auch wenn ich denke, es war Absicht, damit ich meine Fragen vergesse.“
Spike lächelte leicht, sah dann einen Moment gedankenverloren auf sein Essen, ehe er wieder den Kopf hob und sie ansah. „Sie hieß Drusilla und hatte eine Leidenschaft fürs Rodeo. Ich habe zu spät bemerkt, dass es vor allem die Rodeoreiter waren, die sie anzogen.“ Ein bitterer Zug lag plötzlich um seinen Mund. „Eigentlich erst, als ich zufällig in den Stall kam und sie in einer leeren Box erwischte.“
„Oh.“ Buffy blickte ihn überrascht an. „Was hast du gemacht?“
Er verzog ironisch die Lippen. „Ich war 21 und der Kerl ein Bulle von einem Mann. Ich habe gar nichts getan, nicht mal gebrüllt. Auch nicht, als Dru mich anlächelte und fragte, ob ich mitmachen wolle. Ich habe mich umgedreht, bin gegangen und habe beschlossen, dass es das erste und letzte Mal war, dass ich mich von einer Frau an der Nase herum führen lasse.“
„So einfach?“
Spike grinste schief. „Ich habe geheult als ich allein war. Die halbe Nacht.“
Sie nickte langsam. „Wie lange wart ihr zusammen?“
„Vier Jahre.“
„Deine erste Freundin?“
Er nickte. „Ich hätte es sehen sollen, aber ich war halt ein wenig blind.“ Seine Stimme klang ironisch. „Es hat sie angemacht, den Cowboys zuzusehen, wie sie sich auf den bockenden Pferden hielten oder irgendwann im Dreck landeten. All die Verletzungen, all das Blut…“
Buffy nippte an ihrem Wein. „Hat es funktioniert? Das mit dem Nie-wieder-Beschluss?“
„Ich habe Dru geliebt. Ich wollte das nie wieder durch machen“, sagte er leise. „Ich denke schon.“ Bis jetzt…
Sie lächelte schwach. „Ich verstehe dich.“
Spike stützte sein Kinn auf seine Hand und sah sie versonnen an. „Das hat noch niemand gesagt. Ich bin es gewohnt, solche Dinge zu hören wie: Du kannst nicht alle Frauen über einen Kamm scheren. Oder Du verletzt damit andere jetzt genau so. Oder gar Du zerstörst dein ganzes Leben…“
„Die das sagen sind noch nie verletzt worden“, war Buffys einzige Antwort. „Ich nenne es Selbstschutz. Verletze andere, ehe sie die Chance bekommen, dich zu verletzen.“
„Wenn du das so sagst, klingt das verdammt hart“, murmelte er, ehe er wieder zu seinem Glas griff. „Manchmal denke ich auch so und manchmal denke ich, die anderen haben Recht.“
Sie seufzte. „Ja, manchmal denke ich es auch. Und dann passieren solche Sachen wie mit Riley. Ich hätte mich nie darauf einlassen dürfen, weil ich von Anfang an wusste, dass ich ihn nicht liebe. Aber ich habe mir eingebildet, mir ein normales Leben aufzwingen zu müssen. Es ist Schwachsinn, so etwas zu tun. Dadurch habe ich ihm nur noch mehr wehgetan. Ich hätte es sofort beenden sollen.“
„Nun.“ Er verzog das Gesicht. „Schließlich bestand doch die Möglichkeit, dass du dich doch noch in ihn verliebst.“
Buffy sah ihn eine ganze Weile an. „Nein“, sagte sie dann todernst. „Mir hätte nach den ersten zwei Nächten klar sein müssen, dass ich mich niemals in einen Mann verlieben kann, der es nicht schafft, mich im Bett zufrieden zu stellen.“
Spike verschluckte sich an dem Bissen in seinem Mund und fing an zu husten. Das war das Allerletzte, was er erwartet hatte. Er war sogar davon ausgegangen, dass ein derart heißblütiges Persönchen wie Buffy jeden Mann wie eine Rakete abgehen ließ.
Buffy beobachtete ihn fast amüsiert. „Überrascht?“
Das traf es nicht einmal annähernd. „Etwas“, krächzte er mühsam.
„Ich glaube, es ist äußerst selten, dass Sex zwischen zwei Personen so gut funktioniert wie zwischen uns beiden“, gab sie vergnügt zu. „Vielleicht liegt es einfach daran, dass wir beide nicht an irgendwelchen romantischen Vorstellungen kleben.“
Scheeiiiße…, dachte Spike langsam. Wie war das mit – man sollte einen Fehler nur einmal machen? Zumindest war sie ehrlich. Sie täuschte nichts vor, sondern platzte mit dem heraus, was ihr auf der Zunge lag.
Ihm gefiel diese Art, und auch wenn er sich wünschte, sie würde wenigstens ein kleines bisschen so empfinden wie er, tat es nicht so weh.
Wahrscheinlich hatte er sie einfach nur verträumt angesehen, denn sie fragte stirnrunzelnd. „Spike?“
„Stimmt“, schnappte er aus seinen Gedanken hoch und beschäftigte sich wieder mit dem Essen. „Das wird wohl so sein.“
Da er mehr als bemüht war, sich nicht anmerken zu lassen, was mit ihm los war, entging ihm auch ihr sehr erstaunter Blick. Auch, dass sie den Mund öffnete, als wolle sie etwas sagen, ihn aber dann wieder schloss und nach ihrem Weinglas griff.
Irgendwann später, sah er endlich wieder hoch und sein gewöhnliches Grinsen lag wieder auf seinen Lippen. „Also, wie verbringen wir den Rest des Abends?“
*******************
Buffy schob die schwere Schubkarre durch den Stall hinaus zum Misthaufen und kippte sie ab.
Spike hatte nun endlich Dawns Wunsch nachgegeben und war mit dem jungen Mädchen ins Gelände geritten. Sehr zu Buffys Missfallen, da sie immer noch der Meinung war, Dawn würde für einen Geländeritt nicht sicher genug sitzen.
Aber Spike hatte ihr versprochen, kein Risiko einzugehen und ihr erklärt, ein tagtägliches hartes Dressurtraining würde nur dazu beitragen, Dawn Interesse schwinden zu lassen. Ein wenig Entspannung gehörte zum Reiten lernen dazu.
Buffy hatte spitz erklärt, ihre eigenen Erfolge kämen nicht durch Entspannung, sondern durch hartes Training. Doch Spike hatte jedes weitere Argument erstickt, indem er seine Lippen auf ihren Mund presste und dann spöttisch meinte, sie solle jetzt still sein, sonst würde er ihr einen Knebel verpassen.
Und er setzte noch mit einem sehr süffisanten Grinsen hinzu, er wüsste auch noch eine andere nette Möglichkeit, ihr den Mund zu stopfen.
Das hatte sogar Buffy für ca. zwei Sekunden die Sprache verschlagen. Danach fielen ihr irgendwie keine schlagkräftigen Argumente mehr ein, den Ausritt zu unterbinden.
Als jedoch Dawn schon die Stricke gegriffen hatte und zu den Weiden unterwegs war, schnappte Buffy nach Spikes Arm und zischte. „Wenn ihr etwas passiert, werde ich dafür sorgen, dass *dein* Mund eine ganze Weile mit etwas anderem beschäftigt ist als mit Reden!“
Bei dem Gedanken daran und der Erinnerung an Spikes Augen, die dunkler wurden wie immer, wenn der Sturm des Verlangens durch seinen Körper schoss, wurde ihr wieder ganz warm.
Seufzend stellte sie die Schubkarre neben dem Mist ab und begab sich zurück in den Stall, um noch zu kehren.
Es war erschreckend, welchen Einfluss allein kleine seiner Reaktionen auf sie hatten. Ein Blick, eine Geste oder ein Wort reichten manchmal, um sie alles um sich herum vergessen zu lassen. Glücklicherweise hatte sie die gleiche Macht über ihn.
Sie begann den Stallgang zu fegen, als sie ein Auto auf den Hof fahren und mit quietschenden Reifen bremsen hörte.
Überrascht stellte sie ihre Tätigkeit ein. Keine Minute später wurde die Tür des Stalls aufgeschoben und Buffy fiel fast aus allen Wolken, als ein Mann in den Raum stürmte, der der allerletzte war, den sie erwartete hatte zu sehen.
Angel.
Es kam weder eine Begrüßung noch ein freundliches Wort aus dem Mund des Mannes, sondern er giftete, sobald er sie erreicht hatte.
„Wo ist Faith?!“
Buffy verdrehte gelangweilt die Augen. „Woher soll ich das wissen?“
„Sie ist deine Freundin!“ schrie ihr Angel ins Gesicht. „Wenn jemand weiß, von welchem Idioten sie sich gerade ficken lässt, bist du das!“
Ihre Augen verengten sich. „Angel, ich habe keine Ahnung, wo deine *Freundin* steckt. Und ich hatte glaub ich auch sehr deutlich klar gestellt, dass ich deinen Arsch nie wieder auf diesem Hof sehen will!“
„Du gottverdammte eingebildete Ziege! Wenn du glaubst, du und Faith könnt euch hinter meinem Rücken über mich lustig machen, hast du dich geschnitten! Ich will wissen, wo sie ist!“ brüllte Angel hysterisch. „Ich will dieses verdammte Miststück in meine Hände kriegen!“
Er machte einen Schritt auf Buffy zu, als diese auch schon ihren Besen hoch riss und ihm um die Ohren schlug. „Mach, dass du raus kommst!“
Angel hechtete sich nach vorn, doch Buffy hatte diese Bewegung kommen sehen und wich zur Seite.
„Ich bin nicht in der Stimmung, mir deine Faxen bieten zu lassen“, knurrte er gereizt.
Buffy wollte sich nicht einmal selbst zugeben, dass sie Angst bekam. Sie hasste dieses Gefühl, weil es sie ablenkte und nicht mehr logisch denken ließ.
Krieg dich ein, wies sie sich selbst zurecht, während sie eiskalt ihre Chancen abschätzte. Dummerweise sahen die sehr schlecht aus und das mulmige Gefühl wurde stärker, als Angel näher kam.
„Ich will dir nicht weh tun, Buffy“, erklärte Angel mit einem zynischen Grinsen. „Sag mir einfach, wo dieses Aas von Faith steckt.“
Buffy würde es nicht einmal sagen, wenn sie es wüsste. Ihr Blick huschte zur Seite und blieb an der Mistgabel hängen, die noch an einer der Boxentüren lehnte.
„Ich werde dich anzeigen“, sagte sie warnend und hoffte, er würde das Zittern in ihrer Stimme nicht hören. „Diesmal.“
Er sprang auf sie zu, verfehlte sie jedoch, weil sie zur Seite in Richtung der Mistgabel stürzte. Sie schaffte es auch, den Stil der Gabel zu fassen, als er sie eingeholt hatte und zur Seite stieß.
Buffy stolperte, konnte sich aber am Gitter der Boxentür abfangen, so dass sie nicht auf den Boden fiel.
„Wo ist Faith?!“ schrie Angel zornig und holte aus.
Seine flache Hand traf ihr Gesicht im gleichen Moment, in dem Buffy reflexartig ihr Knie anzog und ihm zwischen die Beine stieß. Trotzdem konnte sie nicht verhindern, dass ihr Kopf zurück geschleudert wurde und gegen die Metallstangen knallte. Angel jedoch sackte mit einem erstickten Aufwimmern zusammen.
Ihre Hand fuhr zu ihrem Gesicht. Sie schmeckte Blut an ihrer Lippen und ihr Schädel brummte, doch als Angel sein Gesicht zu ihr anhob und sie den mordlustigen Ausdruck bemerkte, wurde sie blass.
******************
Spike ritt mit einer Dawn zurück zum Hof, deren Mund gar nicht mehr still zu stehen schien. Er musste schmunzeln, wenn er ihre Begeisterung über Donar, den Geländeritt, das schöne Wetter und alles Mögliche hörte und er war sehr froh, dass das junge Mädchen ihre gute Laune wieder gefunden zu haben schien.
Dann ritten sie in den Hof und Dawn entfuhr ein überraschter Aufschrei. „Was macht Angel denn hier?“
Spike starrte überrascht auf das schwarze Auto neben der Halle und ein ungutes Gefühl breitete sich in seinem Magen aus. Er sprang vom Pferd und warf Dawn die Zügel zu.
„Sattelst du ihn mit ab?“ sagte er nur und stürmte in Richtung Stall.
Dawn blieb etwas hilflos auf Donar sitzen, sah dann auf Damaron, wieder zurück auf ihr Pferd und schüttelte den Kopf. „Was ist denn jetzt schon wieder los?“
Spike betrat genau in dem Moment den Stall, als sich Angel wieder aufrichtete und Buffy die Mistgabel hob. Sie hatte keine Chance, und Spike verfluchte die starrköpfige Frau, die sich zur Wehr setzen wollte, obwohl es besser wäre zu flüchten.
Angel riss ihr die Gabel auf der Hand und schrie. „Du verdammtest Miststück!“
Die Gabel landete mit einem Poltern auf dem Beton. Doch er kam nicht dazu, einen Schritt nach vorn auf Buffy zu zu machen, weil plötzlich zwei Hände den Kragen seiner Lederjacke packten und ihn zur Seite schleuderten.
Spike dachte nicht mehr. Er hatte einen Blick ins Buffys Gesicht geworfen, das Blut an ihrer Lippe gesehen und der Zorn machte ihn blind für alles andere.
Wütend zog er Angel hoch und donnerte ihm seine Faust ins Gesicht. Dieser flog nach hinten gegen das Gitter der Box, wischte sich kurz übers Gesicht und wollte sich wieder aufrappeln.
Spike ließ ihm keine Chance dazu. In schneller Folge trafen seine Fäuste den Körper des größeren Mannes, der zwar abwehrend seine Hände hob, aber nicht dazu kam, sie auch einzusetzen.
Spike war das alles egal. Er hätte einen Treffer Angels nicht einmal registriert, weil nur noch Wut in seinen Adern rauschte. Er nahm nicht einmal mehr wahr, dass der Mann sich nicht mehr wehrte, sondern nur noch hilflos an der Wand krümmte.
Wahrscheinlich hätte er auf ihn eingeschlagen bis er sich nicht mehr rührte. Wenn da nicht eine leise Stimme in sein Bewusstsein vorgedrungen wäre.
„Spike, hör auf.“
Er erstarrte, die Faust schon wieder gehoben, ohne sich umzudrehen und sah in Angels blutverschmiertes Gesicht. Seine Hände packten den Kragen des anderen Mannes, zogen ihn hoch und er fauchte eisig.
„Wenn ich dich noch ein einziges Mal in der Nähe *meiner* Freundin sehe, beende ich, was ich begonnen habe!“ Damit stieß er ihn von sich. „Geh mir aus den Augen! Verschwinde!“
Angel war sicher etwas gewalttätig, aber er war nicht dumm. Sobald ihn Spikes Hände los ließen, taumelte er zur Seite und in Richtung Ausgang.
Spikes Augen folgten ihm und er spürte noch immer das Zittern der unterdrückten Wut, die in seinem Körper herrschte. Dann drehte er den Kopf und er wünschte sich, noch ein wenig länger auf den verdammten Scheißkerl eingeschlagen zu haben.
Buffy sah ihn mit großen vollkommen verloren wirkenden Augen an. Ihre Lippen zitterten und sie war so blass, dass er Angst bekam, sie würde gleich ohnmächtig werden.
Wortlos schloss er den Abstand zwischen ihnen, schlang seine Arme um ihren zierlichen Körper und zog sie an sich. Sie sank stumm an seine Brust, weder Schluchzen noch ein Wort verließen ihren Mund. Das einzige, was er fühlte, war das Beben ihres Körpers.
„Es ist okay, Luv“, flüsterte er in ihre Haare und lehnte seine Wange gegen ihren Kopf. „Er ist weg.“
Er hörte Angels Auto auf dem Hof und im nächsten Augenblick stürzte eine völlig aufgelöste Dawn in den Stall.
„Was um Himmels Willen ist passiert?! Angel sah ja fürchterlich aus! Was ist passiert, Spike?!“ Das junge Mädchen erstarrte, als sie Spike und Buffy sah und fragte hilflos. „Buffy?“
Buffy löste sich von Spike. Sie hatte noch immer kein Wort gesprochen, sah weder ihn noch Dawn an, sondern wandte sich einfach um und ging aus dem Stall.
Spike sah ihr nach, dann auf Dawn, die ihn recht entsetzt anschaute und seufzte. „Würdest du dich um mein Pferd mit kümmern, Krümel?“
Dawn nickte und ihre Augen flackerten. „Was hat Angel getan?“ fragte sie erschüttert. „Hast du…ich meine, warst du das…?“
Er nickte düster. „Ich muss jetzt erst mit Buffy reden. Ich sollte sie nicht allein lassen.“
Dawn schnappte nach Luft. „Hat Angel…“ Sie schluckte. „Hat er Buffy…was getan?“ Ein Blick in Spikes eisige Augen reichte, um sie genau so blass werden zu lassen wie ihre Schwester. „Oh Gott“, stieß sie hervor und presste ihre Hand auf ihren Mund. „Ist sie…verletzt?“
„Ich weiß nicht“, murmelte Spike. „Sei so lieb und kümmere dich um die Pferde und den Stall, ja? Ich komme dann und hole die anderen Pferde mit dir rein.“
Tränen stiegen in Dawn Augen, als sie nickte. „Klar. Mach ich.“
*********************
Spike nahm zwei Stufen auf einmal, als er zu Buffys Wohnung hinauf rannte. Übelkeit stieg in ihm hoch, wenn er daran dachte, dass er auch ein wenig später hätte kommen können.
Über das, was hätte passieren können, wollte er gar nicht nachdenken, weil er dann sicherlich in sein Auto steigen und Angel noch einmal aufsuchen würde.
Wie üblich war Buffys Tür offen und er erinnerte sich wieder daran, sie an die Funktion eines Schlüssels zu erinnern. Im Moment war er jedoch froh darüber.
„Buffy?“ fragte er leise, als er den Flur betrat.
Er erhielt keine Antwort, warf einen Blick ins Schlafzimmer und die Küche, ehe er weiter zum Wohnzimmer ging.
Sie saß auf der Couch, die Arme um die angezogenen Knie geschlungen und starrte in die Luft. Sie drehte den Kopf, als er kurz in der Tür stehen blieb, jedoch immer noch, ohne einen Ton zu sagen.
Der Ausdruck ihrer Augen erschütterte ihn mehr als alles andere. Da war eine Art Gleichgültigkeit in ihnen, eine Art Leere, die ihn erschreckte.
Er sank neben ihr auf die Couch und wollte gerade zum Sprechen ansetzen, als sie aufschluchzte und sich an seine Brust warf. Das kam so überraschend, dass er einen Moment benötigte, ehe er sie an sich zog.
Vielleicht war es das Ventil, das sie brauchte. Oder er war der Auslöser. Auf alle Fälle fing sie an zu weinen und er konnte nichts anderes tun, als sie festhalten. Ihre Hände klammerten sich an ihm fest, als wolle sie ihn nie wieder los lassen, während die Schluchzer ihren Körper beben ließen.
Er strich beruhigend über ihren Rücken, ihre Haare und schloss die Augen, weil er sich wünschte, noch ein wenig eher gekommen zu sein.
Er hatte sie noch nie so aufgelöst erlebt, nicht einmal damals, als sie wegen ihrer Stute geweint hatte und er grub nachdenklich seine Zähne in seine Unterlippe, als ihm aufging, dass es vielleicht nicht einmal das heutige Geschehen war, das den Zusammenbruch ausgelöst hatte.
Es dauerte lange, ehe die Schluchzer abebbten und sie still wurde. Allerdings löste sie sich noch immer nicht von ihm und Spike war weit davon entfernt, sie los zu lassen.
Aber er nahm ihr Gesicht in seine Hände, hob ihren Kopf zu sich an und sein Herz zog sich zusammen, als er die Tränen überströmten Wangen erblickte. Vorsichtig strich er mit dem Daumen über die leichte Schwellung an ihrem Kinn und die Verletzung ihrer Lippe.
„Tut es weh?“
Sie schüttelte den Kopf und schniefte.
„Kann sein, es wird morgen etwas blau“, fuhr er leise fort. „Hat er mehr getan als das?“
Wieder ein Kopfschütteln. „Er hatte keine Chance“, flüsterte sie dann. „Du kamst ja…“
Spike hauchte einen Kuss auf ihre Lippen, ganz sanft, um ihr nicht noch mehr weh zu tun. „Was ist passiert, Luv?“
Sie versteifte sich in seinen Armen, doch er ließ sie nicht los.
„Ich meine nicht heute. Heute war ich fast dabei. Was ist damals passiert?“
Buffy starrte ihn an wie einen Geist. Was ist damals passiert?
„Nichts“, murmelte sie, wich seinem Blick aus und wollte rückwärts rutschen.
Spikes Hände griffen nach ihren Oberarmen. „Ich lasse dich jetzt nicht gehen, Luv“, sagte er ernst. „Ich will jetzt wissen, was dieser Idiot getan hat und ob er noch eine, wenn auch verspätete, zweite Tracht Prügel verdient.“ Er strich eine Strähne ihres langen blonden Haares aus ihrem Gesicht. „Es weiß niemand, oder?“
Sie schüttelte den Kopf.
„Warum nicht?“ Spike klang fassungslos. „Deine Mom ist eine der besten Frauen, die ich kenne. Du…“
„Spike“, unterbrach sie ihn. „Du glaubst nicht wirklich, dass ich irgendetwas, was in Richtung einer Beziehung geht, mit meiner Mutter bespreche?!“
„Du hättest ihn anzeigen müssen!“ fuhr er auf.
Buffy lächelte wehmütig und wieder rollte eine Träne ihre Wange hinab. „Ich war entsetzt, verletzt – nicht einmal so sehr körperlich -, enttäuscht und fühlte mich einfach scheußlich gedemütigt. Glaub mir, das letzte, woran ich gedacht habe, war, ihn anzeigen.“
Spike lehnte sich an die Couch und zog sie an seine Brust. Seine Hand fuhr sanft durch ihre Haare, ehe er seine Lippen gegen ihren Kopf presste. Ihm lagen eine Menge Fragen auf der Zunge, aber er wagte nicht, sie zu stellen, weil er nicht wollte, dass sie wieder abblockte. Deshalb wartete er einfach.
Und seine Geduld ging auf.
„Ich habe meine ganze Jugend damit zugebracht, hart zu trainieren“, begann sie leise. „Dad war stolz auf mich und meinen Erfolg und wir verbrachten mehr Wochenenden auf Turnieren als zu Hause. Ich habe nichts mitbekommen, außerhalb der Welt des Pferdesports, und schon gleich gar nicht, dass die Ehe meiner Eltern nur noch auf dem Papier existierte. Von einem Tag auf den anderen ging er, packte seine Sachen, lud seine Pferde auf den Lkw und fuhr. Ich wollte mit, doch er sagte etwas von, er müsse sich ein neues Leben aufbauen und in dem hätte ich im Moment keinen Platz.“
Spike presste die Lippen aufeinander, während er stumm zuhörte.
„Ich war so enttäuscht, dass er mich einfach zurück ließ. Hab meiner Mutter Vorwürfe gemacht und habe jede Woche gehofft, er würde sich melden oder mich zu sich holen.“ Sie klang bitter. „Bis ich ihn im Fernsehen sah und an seiner Seite ein junges Mädchen, kaum älter als ich, die sich seine Pferdepflegerin nannte. Ich habe mir damals geschworen, das alle Männer Idioten sind.“ Buffy schwieg eine Weile, ehe sie weiter sprach. „Und es hat funktioniert. Bis Angel kam.“
Buffy hob ihren Kopf und sah Spike an, dessen blaue Augen sich in ihr Gesicht brannten. „Ich habe das noch nie jemandem erzählt. Das alles, meine ich.“
Spike beugte seinen Kopf nach vorn und strich sanft mit seinen Lippen über ihre. „Hör nicht auf.“
„Angel war so etwas wie eine Flucht aus meinem Alltag. Ein Mensch, der keine Ahnung von Pferden hatte, den Dressurreiten nicht interessierte und den meine Mutter nicht mochte.“ Sie lächelte schief. „Ich habe ihn gesehen und es hat mich umgehauen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Obwohl ich mir geschworen hatte, niemals einem Mann zu vertrauen… ich war sogar zu blind, das Offensichtliche zu übersehen.“
„Vollkommen normal, würde ich sagen“, murmelte Spike.
„Sicher.“ Sie zuckte mit den Schultern. „Dummerweise war ich schon immer für mein loses Mundwerk bekannt. Ich musste mir nie Gedanken darüber machen, was ich sage. Ich habe gelernt, dass ich mir so ziemlich alles leisten kann.“
Sie seufzte. „Es fielen immer mal böse Worte, vor allem, wenn Angel getrunken hatte. An diesem einen Abend war er hier, in meiner Wohnung. Wir wollten gemütlich zusammen einen Film sehen, ich war recht müde, da ich auf einem Turnier war, aber Angel recht munter.“
Buffy sah die Muskeln in Spikes Kiefer vibrieren, weil er die Zähne aufeinander biss. Sie lehnte ihren Kopf gegen seine Brust und schloss die Augen. „Ja, wie sollte es sein. Er wollte Sex, ich nicht. Ein Wort gab das andere. Bis er mich ein frigides Miststück nannte.“
Spike schnappte hörbar nach Luft. Sie war so ziemlich alles, aber niemals frigide.
„Und ich sagte, wenn er nicht so eine lahme Ente im Bett wäre, würde mich der Gedanke an Sex vielleicht sogar anmachen.“ Sie seufzte. „Ich habe nicht damit gerechnet, dass er so durchdreht. Er war immer so süß und lieb. Er schlug schneller zu, als ich denken konnte und es war weniger der Schmerz, der mich traf. Nein, es war, dass er es überhaupt tat.“
„Was hast du getan?“ Seine Stimme gehorchte ihm kaum.
„Ich bin abgehauen“, antwortete sie trocken. „Ich war schon an der Wohnungstür, als er mich einholte und ich die verschlossene Tür nicht schnell genug auf bekam.“
Seine Arme um ihren Körper spannten sich. Kein Wunder, wenn sie die Tür jetzt gar nicht mehr abschloss. Plötzlich hatte er Angst, den Rest zu hören. „Und dann?“
„Er hat bekommen, was er wollte…“, murmelte sie kaum hörbar.
„Ich bringe ihn um!“ schrie Spike auf. Er zitterte plötzlich mehr, als die zierliche Frau in seinen Armen. Seine Hände umfingen ihr Gesicht. „Ich bringe ihn um“, flüsterte er, diesmal erstickt und hilflos.
Buffy dagegen blieb recht ruhig. Vielleicht weil sie Jahre Zeit gehabt hatte, das Geschehen zu verarbeiten. „Ich habe nicht viel mitbekommen, weil mich sein nächster Schlag ganz schön ins Abseits katapultiert hat.“
„Ich glaube das nicht“, stieß Spike fassungslos hervor. „Weshalb bist du nicht zur Polizei gegangen? Er hat dich vergewaltigt!“
„Nein“, sagte sie traurig. „Ich habe Schiss bekommen, als er anfing, auf mich einzuschlagen und habe ja gesagt.“
Sie sah das Entsetzen in seinen Augen und wandte sich ab. „Ich habe dir gesagt, du willst das nicht hören.“
Spike fing sie, ehe sie aufstehen konnte. „Vergiss es, Luv. Vergiss, dass du jetzt einfach so tun kannst, als wäre das alles nicht so schlimm. Wie ging es weiter? Es muss dir jemand angesehen haben. Am nächsten Tag?“
„Mom und Dawn hab ich erzählt, ich wäre vom Pferd gefallen“, murmelte Buffy. „Sie haben mir geglaubt.“
„Ich glaube das nicht!“
„Gunn hat mir nicht geglaubt“, fuhr sie dann fort und starrte in die Luft. „Er kam am nächsten Tag, um die Pferde zu beschlagen und ich hatte ziemliche Probleme, sie aufzuhalten, weil mir jeder Scheißknochen wehtat. Er kannte Robin damals noch nicht und deshalb dauerte es ein bisschen länger, ehe wir fertig wurden. Er ist schwul, weißt du das?“
„Was?!“ Spike war noch viel zu durcheinander von den ganzen Dingen, die sie erzählt hatte. Zu hören, dass ihr Schmied schwul war, war mehr, als er jetzt verarbeiten konnte.
Sie lächelte schwach. „Um es mit Dawn Worten zu sagen. Deshalb ist er noch unser Schmied. Sonst hätte ich ihn vielleicht auch vergrault…“
„Er hat dir also nicht geglaubt?“ Spike verdrängt das Schwulsein erst einmal.
„Nein. Er ist der einzige, der das mit Angel weiß. Und ihm habe ich zu verdanken, dass mein Wunsch, dieses Arschloch nie wieder auf meinem Hof zu sehen, nachdrücklich unterstützt wurde.“ Sie seufzte. „Angel sah am nächsten Tag schlimmer aus als ich.“
Irgendwie war das alles zu viel für Spike. Ein schwuler Schmied, der Angel verprügelte…
„Gunn hat mir auch ein paar Dinge beigebracht. Selbstverteidigung…“ Ihre Stimme verklang.
Spike zog sie wieder an sich. „Wenn ich Angel noch einmal in deiner Nähe sehe, vergesse ich mich“, versprach er düster, während er einfach blicklos in die Luft starrte.
Eigentlich war es kein Wunder, wenn sie nach diesem Vorfall Männern überhaupt nicht mehr traute und eine gefühlsmäßige Nähe nicht zuließ. In gewisser Weise verstand er sie. Auch wenn es bedeutete, dass sie ihm gegenüber niemals das gleiche fühlen würde wie er.
Seufzend strich er über ihre Haare. „Ich werde Dawn mal helfen, die Pferde rein zu holen. Kommst du rüber zum Essen?“
„Nein, ich…“
„Buffy“, sagte er leise und eindringlich. „Dawn macht sich genau so Sorgen.“
Sie wischte sich über die Augen, um die letzten Tränen verschwinden zu lassen. „Um mich muss sich niemand Sorgen machen“, antwortete sie und ein Hauch der kühlen Buffy war wieder da.
Spikes Hände umfingen ihr Gesicht und er lehnte seine Stirn an ihre. „Ich tue es, Luv“, stieß er hervor. „Deine Mom tut es und selbst Dawn, auch wenn sie im Moment etwas trotzig erscheint. Du bist nicht allein auf dieser Welt. Du hast Freunde, du hast eine Familie und du solltest verdammt noch mal solche Dinge nicht allein mit dir herumschleppen!“
Er stand auf und zog sie mit sich hoch. „Und deshalb kommst du jetzt mit.“ Wortlos ergriff er ihre Hand und zog sie hinter sich her, als er zur Tür ging.
Buffy wusste selbst nicht, warum sie es geschehen ließ.
An der Wohnungstür blieb er stehen. „Schließ wenigstens ab, wenn du allein bist“, sagte er leise.
Sie nickte krampfhaft und fragte sich, warum sie sich fühlte, als würde sie gleich los heulen. „Spike?“
„Ja?“ Er drehte sich um und schaute in ihre großen grünen, jetzt so traurig blickenden Augen.
„Danke fürs Zuhören“, flüsterte sie kaum hörbar.
Er lächelte leicht. „Dazu sind Freunde da.“
Ihre Augen ließen ihn nicht los. „Du…du hast da unten gesagt, ich wäre…deine Freundin…“ Erstaunt sah sie, dass eine leichte Röte in seine Wangen stieg.
„Hm“, murmelte er und klang sogar verlegen. „Hab ich wohl.“
Sie stellte sich kurz auf die Zehenspitzen, hauchte ihm einen Kuss auf die Lippen und lächelte genau so schüchtern. „Danke.“
*****************
Buffy war schon in die Summersche Küche gegangen, während Spike zusammen mit Dawn die Pferde versorgte.
Gedankenverloren deckte sie den Tisch und überlegte, ob es gut oder schlecht war, Spike all diese Dinge zu erzählt zu haben.
Ihre Lippe schmerzte ein wenig. Sie fuhr mit den Fingern darüber und wusste, dass sie auch etwas geschwollen war.
Ein leichter Zorn auf Angel war geblieben. Aber die Verzweiflung und das Gefühl der Hilflosigkeit, das sie in diesem Moment im Stall gespürt hatte, waren verschwunden.
Weil sie plötzlich mit absoluter Gewissheit wusste, dass sie nicht allein war.
Ihr fiel ein, dass Angel Faith gesucht hatte und griff zu ihrem Handy. Auch wenn sie Faith nicht mehr als ihre beste Freundin bezeichnen würde, so war sie doch eine Freundin. Und niemand verdiente es, einem zornigen Angel unvorbereitet über den Weg zu laufen.
Faith nahm nach dem fünften Klingeln ab. „Ich habe jetzt keine Zeit, B“, murmelte sie in das Telefon und klang recht atemlos.
„Angel sucht dich“, sagte Buffy trotzdem.
Faith stöhnte genervt. „Er wird es nie lernen. Er weiß einfach nicht, was der Satz Es ist Schluss zwischen uns bedeutet.“
„Faith, er ist scheußlich drauf. Pass auf dich auf, ja?“
Es herrschte eine Weile Stille am anderen Ende. Dann hörte Buffy ein Rascheln und eine Männerstimme, ehe Faith leise fragte: „Was ist passiert?“
„Nichts“, antwortete Buffy schnell. „Er war hier, wollte wissen, wo du bist und ist wieder weg. Er war recht zornig.“
„Hat er dir was getan, B?“ Faith klang sehr ruhig und gar nicht mehr so, als würde Buffy sie stören. „Hör zu, Süße, wenn er dir auch nur ein Haar gekrümmt hat, wird er morgen nicht mehr wissen, wie das Wort Zorn geschrieben wird…“
„Es ist…okay“, flüsterte Buffy erstickt und verwundert über Faiths Worte. „Spike kam und…und…“
„Und?“ Jetzt hörte sie sich sehr hellhörig an.
„Und hat Angel klar gemacht, dass er vom Hof verschwinden soll. Sehr eindrucksvoll.“
„Oh.“ Faith lachte leise. „Sehr sympathisch, dein Spike.“
„Ich möchte nicht, dass er die Chance bekommt, dir weh zu tun, ja? Pass auf dich auf.“
„Keine Panik, B“, sagte Faith belustigt. „Ich weiß mich zu verteidigen und ich habe Wesley an meiner Seite.“
„Wesley?“
Faith lachte. „Ich stelle ihn dir am Wochenende im Bronze vor. Bestell deinem Spike liebe Grüße von mir und jetzt sei mir nicht böse. Du hast uns nämlich unterbrochen.“
Buffy grinste in das Handy. „Viel Spaß noch. Und…er ist nicht mein Spike.“
„Träum weiter, Süße.“
Faith hatte die Verbindung schneller unterbrochen, als Buffy noch etwas sagen konnte. Kopfschüttelnd sah sie auf das Handy, ehe sie es in der Tasche ihrer Jeans verschwinden ließ.
Im gleichen Moment öffnete sich die Haustür und Dawn wirbelte herein. „Buffy?“
„Hier.“
„Spike ist zum Chinesen gefahren und holt…“ Sie verstummte, als sie Buffys Gesicht sah. „Oh mein Gott! Er hat…er hat…“
Buffy seufzte und zuckte mit den Schultern. „Es ist wahrscheinlich zu spät zu behaupten, Eppi hat mich getreten?“
„Dieses Schwein!“ kreischte Dawn auf, hatte mit zwei schnellen Schritten den Raum durchquert und fiel der völlig überraschten Buffy um den Hals. „Es tut mir so leid, Buffy“, jammerte sie. „Ich fand Angel immer so nett. Wie konnte er das tun?“
Buffy blinzelte verlegen, weil sie nicht schon wieder anfangen wollte zu weinen. „Er ist etwas jähzornig, wenn er nicht bekommt, was er will.“
Dawns Kopf schoss hoch und sie sah entsetzt in die Augen ihrer Schwester. „Sag jetzt nicht…damals…“
Buffy antwortete nicht, doch Dawn reichte der Ausdruck in ihren Augen und sie schlug ihre Hand vor den Mund.
„Du hast das nie gesagt! Ich habe dich voll geschimpft und verflucht, weil du mit ihm Schluss gemacht hast…“, flüsterte sie erstickt.
„Ich bin dir nicht mehr böse“, murmelte Buffy unbehaglich und löste sich von ihr. „Und ich will jetzt auch nicht darüber reden. Und ich möchte nicht, dass es Mom erfährt. Klar?“
Dawn nickte eilig und setzte sich an den Tisch. „Spike hat ihn vermöbelt“, sagte sie dann wie zu sich selbst und klang fast so stolz, als wäre es ihr Verdienst. „Er ist einfach cool.“ Dann warf sie Buffy einen vorsichtigen Blick zu. „Er würde dir nie wehtun.“
„Ich weiß.“ Buffy setzte sich ebenfalls und vergrub ihr Gesicht in ihren Händen.
„Er liebt dich.“
Buffys Kopf schoss hoch und sie lachte unsicher. „Quatsch.“
Dawn stöhnte unterdrückt auf und verdrehte die Augen. „Du bist sooo blind. Allein wie er dich ansieht…“ Sie seufzte.
„Quatsch“, sagte Buffy wieder, diesmal sehr viel unsicherer.
Ihr Gespräch wurde unterbrochen, weil sich die Tür öffnete und Spike zurückkam. Er stellte jede Menge verführerisch duftende Schachteln auf den Tisch und setzte sich.
„Was ist los?“ fragte er erstaunt in die Stille, als ihm auffiel, dass ihn beide Frauen eigenartig ansahen.
Und noch mehr verblüffte es ihn, dass Buffy rot anlief, während Dawn kicherte. „Nichts, Spike. Nichts.“
Buffy brachte kein Wort hervor, weil sie mehr damit zu tun hatte, das Glühen in ihren Wangen zu beseitigen. Es konnte nicht sein, oder? Dawn konnte unmöglich recht haben.
Sie erwischte sich dabei wie sie im Laufe des Abends immer wieder in Spikes Richtung schielte. Er schien nicht anders als sonst, scherzte mit Dawn, lachte, machte irgendeine Bemerkung und erwiderte ihren Blick mit einem so süßen Grinsen, dass ihr ganz flau im Magen wurde.
Nein, redete sie sich dann ein, Spike liebt mich nicht. Er mag mich, sicherlich, und ich…ähm…mag ihn auch, manchmal, vor allem im Bett. Aber Liebe? Liebe ist…anders…Liebe ist mehr als Sex.
****************
Es war spät, als sie Dawn ins Bett schickte, fast 11, und Buffy betonte noch einmal, dass das eine Ausnahme war und den Rest der Woche nicht zur Gewohnheit werden sollte. Schließlich musste Dawn am nächsten Morgen zur Schule.
Dawn hatte die Augen verdreht, Buffy noch einmal umarmt und ihr ins Ohr geflüstert. „Viel Spaß mit Spike noch…“
Spike hatte gelacht, als sie vor ihm über den Hof gestürzt war, sie aber erst im Haus eingeholt und fragen können. „Was kann der Krümel gesagt haben, damit *du* rot wirst?“
Er klang so amüsiert, dass Buffy sich am liebsten selbst geohrfeigt hätte. Seit wann wurde sie rot?! Das war ihr das letzte Mal im Alter von 13 Jahren passiert!
Wahrscheinlich war das heute einfach nicht ihr Tag. Angels Auftauchen, Spikes Reaktion…seine Fragen und ihre Antworten… Das alles hatte ihr Gleichgewicht in den Grundfesten erschüttert und selbst sie benötigte eine Weile, um es wieder herzustellen.
Vor ihrer Tür blieb er stehen und sah sie an. „Du…“, begann er zögernd, „möchtest jetzt nicht allein da rein gehen, oder?“
Buffy schluckte. Plötzlich schaute er nicht mehr mit der ihm eigenen Selbstsicherheit, sondern fast so, als hätte er Angst vor ihrer Antwort. Er hatte die Hände in den Taschen seiner Jeans vergraben – Buffy wunderte sich wie die da noch rein passten – und blickte sie mit schief gelegtem Kopf fragend an. Da war eine Verletzlichkeit in seinem Blick, die sie vorher noch nie bemerkt hatte.
„Spike, ich…“, brachte sie unsicher hervor.
Übergangslos wurden seine Augen hart und der verletzliche Ausdruck verschwand. „Okay, hab verstanden“, unterbrach er sie schnell. „Schlaf gut, Buffy.“
Ihre Hand schoss vor und griff nach seinem Arm, als er sich umdrehen und gehen wollte. „Spike…“
Er warf den Kopf in den Nacken und atmete tief durch, ehe er sie wieder ansah.
Und seine Kehle schnürte sich zu, als er in ihre großen grünen Augen blickte. Ihre Lippen zitterten, als wäre sie genau so unsicher wie er selbst und selbst in dem dämmrigen Licht des Hausflurs konnte er erkennen, dass sich die Stelle an ihrem Kinn, an der sie Angels Hand getroffen hatte, bläulich zu verfärben begann.
Sie sah müde aus und die ganze Aura der arroganten Reitlehrerin war verschwunden. Geblieben war die Frau, in die er sich verliebt hatte.
„Ich fühle mich etwas…zerschlagen“, flüsterte sie und kämpfte gegen die Tränen, die in ihre Augen steigen wollten. „Ich möchte nicht allein sein, Spike…Kann ich…kann ich mit zu dir kommen?“
Spike benötigte seine ganze Selbstbeherrschung, um sie nicht an sich zu reißen, als er ihre kaum hörbaren Worte vernahm. Wortlos nahm er ihre Hand, lächelte fast schüchtern und zog sie mit sich die Treppe zu seiner Wohnung hinauf.
Leise schloss Spike seine Wohnungstür hinter sich.
Buffy blieb etwas verloren in dem kleinen Flur stehen, als wüsste sie nicht, was sie tun oder wie sie sich verhalten sollte.
"Du warst recht still beim Abendessen", sagte Spike vorsichtig und trat um sie herum. Zögernd hob er seine Hand, strich ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht und fuhr dann sanft über die verletzte Stelle an ihre Lippe. "Tut es weh?"
Sie lächelte schwach. "Ein wenig. Ich denke, morgen wird es schlimmer…"
Spike nickte. "Wird es." Das konnte er aus eigener Erfahrung sagen.
"Kann ich…kann ich deine Dusche benutzen?"
"Sicher, Luv."
Sie verschwand im Bad und Spike schlenderte in die Küche. Er goss sich ein Glas Wasser ein und trank es in kleinen Schlucken, während er lauschte, wie das Wasser angestellt wurde.
Komischerweise reagierte sein Körper zwar auf den Gedanken an eine nackte Buffy in seinem Bad, aber nicht in dem Maß, dass er seine Beherrschung verlor. Noch vor wenigen Tagen wäre das nicht passiert, er wäre in das Bad gestürmt, hätte sie gegen die Wand der Duschkabine gepinnt und…
Er seufzte. Heute wünschte er sich nur, bei ihr zu sein und sie vergessen zu lassen, dass man sie verletzt hatte. Nicht durch hemmungslosen Sex, nein, sondern einfach nur dadurch, dass er da war.
Zögernd stellte er das Glas ab und ging auf die Badtür zu. Sie würde es nicht wollen. Sie hätte gefragt, wenn sie seine Gesellschaft beim Duschen gewünscht hätte. Hätte sie?
Dann hörte er ein leises Schniefen und biss die Zähne aufeinander. Das Geräusch des Wassers übertönte jeden anderen Ton und er redete sich ein, sich verhört zu haben. Vielleicht fünf Sekunden.
Und plötzlich war es ihm egal. Sollte sie ihn aus dem Bad schmeißen…
Er drückte die Klinke herunter und öffnete die Tür. Er wollte zumindest wissen, ob mit ihr alles okay war.
Es war warm in dem Bad und der heiße Wasserdampf sorgte für eine hohe Luftfeuchtigkeit, die sich schon an den Scheiben und am Spiegel abgesetzt hatte.
Die Tür der Duschkabine öffnete sich und Buffys Kopf schoss hervor, als Spike die Badtür hinter sich schloss. Mit großen Augen verfolgte sie wie er sein Shirt über den Kopf zog, es achtlos in die Ecke warf und dann seine Hose öffnete. Sein Blick ließ ihren nicht los, doch genau so wenig wie sie, sagte er einen Ton.
Die Hose folgte seinem Shirt und Buffy schluckte, als Spike auf sie zukam. Sie wich zurück, als er die Duschkabine betrat und die Tür hinter sich schloss.
Das Wasser strömte ungehindert ihre Körper hinab und Spike sagte leise. "Wollte nur sicher gehen, dass du klar kommst..."
Da war er wieder, der Kloß in ihrem Hals. "Ja?" piepste sie.
Er nickte. Seine Hände hoben sich und umfingen ihr Gesicht. "Könnte mir denken, dass du ein wenig Hilfe brauchst", hauchte er, mit den Lippen nur wenige Zentimeter über ihrem Mund. "Jemanden, der dich den ganzen scheußlichen Tag vergessen lässt…"
Buffy brachte kein Wort hervor, sondern konnte ihn einfach nur anstarren. Er lächelte leicht, drehte sie dann, so dass sie mit dem Rücken zu ihm stand und griff nach dem Shampoo.
Sie glaubte sich in einem Traum. In einem eigenartigen Traum, in dem sie es nicht schaffte, sich zu rühren.
Spikes Finger verteilten das Shampoo in ihrem Haar und begannen, ihre Kopfhaut zu massieren. Es war sein Shampoo und der Duft, der ihr nur zu bekannt war, stieg in ihre Nase. Sie schloss die Augen und ein seltsames Gefühl stieg in ihr hoch. Es fühlte sich richtig an, was er tat und sie hätte am liebsten geschnurrt, als seine Finger zu ihrem Nacken wanderten und die verspannten Muskeln berührten.
Widerstandslos ließ sie geschehen, dass Spike ihre Haare ausspülte und dann begann, ihren Körper einzuseifen. Plötzlich schien es nichts Schöneres zu geben, als seine Hände auf ihrer Haut, die jeden Teil ihres Körpers streichelten.
Sein Tun erregte ihn, sie konnte es an der Art und Weise hören, wie sich seine Atmung veränderte und ein leises Lächeln huschte über ihre Lippen, weil sie ahnte, welche Beherrschung es ihn kostete, nichts anderes zu tun. Aber er würde sie nicht drängen. Nicht heute.
Irgendwann, es erschien ihr wie eine Ewigkeit später, griff sie nach dem Duschbad und lächelte, als sie seinem erstaunten Blick begegnete. Wahrscheinlich konnte er es nicht fassen, doch seine Augen verdunkelten sich übergangslos, als sie mit zarten Bewegungen das Duschbad auf seiner Haut verteilte. Seine Hände sanken an seine Seiten und ballten sich zu Fäusten, doch nur ein gequältes:
"Buffy…" verließ seinen Mund.
"Umdrehen", flüsterte sie.
"Scheiße…", hauchte er, befolgte aber ihre Anweisungen.
Eigentlich kannte sie seinen Körper in und auswendig, doch sie begeisterte sich jedes Mal aufs Neue darüber. Er fühlte sich fantastisch an, die Muskeln unter seiner Haut spannten sich durch ihre federleichten Berührungen und sie spürte förmlich den Sturm, der in ihm tobte.
Er drehte sich wieder um, als sie damit fertig war, seinen Rücken einzuseifen und stöhnte auf, als sich ihre Finger um seinen nun vollständig erigierten Schaft schlossen.
"Gott…Buffy…", brachte er heraus und schloss die Augen, weil er sich fühlte, als würde er gleich explodieren. Ihre kleine Hand begann, rhythmisch an ihm auf und nieder zu pumpen und jegliche Kraft schien aus Spikes Körper zu verschwinden. Er registrierte weder das Wasser, das unvermindert auf sie nieder prasselte, noch die Hitze, die es ausströmte, weil in ihm selbst eine viel größere Hitze herrschte. Er hatte kaum noch Kraft, sich allein auf den Beinen zu halten und schob Buffy gegen die Wand, während er sich selbst mit den Händen daran abstützte. Seine Stirn sank auf ihre Schulter und ein Zittern durchlief seinen Körper, als sich ihr Griff um ihn verstärkte.
Allerdings war er noch geistesgegenwärtig genug, sie aufzuhalten, als sie auf die Knie sinken wollte. Sein Arm schlang sich um ihren Hals und er flüsterte in ihr Ohr. "Nein, Luv… nicht…mit…der…Verletzung…"
Er würde nicht sanft sein können, nicht wenn sich sein Körper auf diesem Erregungslevel befand und schon gleich gar nicht bei dem Gedanken, in ihren Mund zu stoßen. Und er wollte ihr nicht wehtun.
Buffy nickte stumm. Er umklammerte ihren Hals, als würde er sie als Halt brauchen und sein Stöhnen schickte Schauer über ihren eigenen Körper.
"Mach weiter, Luv…", wisperte er erstickt. "Mach um Gottes Willen weiter…bitte…"
Ihre Hand nahm die Bewegungen an seinem steinharten Penis wieder auf. Er zuckte in ihrer Hand und seine Hüften stießen verzweifelt vorwärts, als wolle er sich in ihrer Hand vergraben. Sie spürte ihn an ihrem Bauch, weil plötzlich kaum noch Luft zwischen ihren Körpern war und alles, was er brauchte, war eine erneute feste Bewegung.
Mit einem heißeren Aufschrei entlud er sich in ihrer Hand, über ihrem Bauch und vergrub sein Gesicht keuchend an ihrem Hals. Buffy hielt ihn fest bis das letzte Pochen verklang und sein Atem etwas ruhiger wurde. Sie hätte ewig so stehen können, mit seinem Körper an ihrem, seinem rasenden Herzschlag lauschend.
Dann hob er den Kopf und sie vergaß zu atmen, als sie den Ausdruck in seinen Augen bemerkte. Er sah sie an, als wäre sie etwas unwahrscheinlich Kostbares.
"Ich…" Er verstummte wieder, ehe er den Satz veränderte. "Du bist…einzigartig, Luv…" Langsam senkte er den Kopf und strich mit seinen Lippen über ihre. Sanft, so dass sie sich kaum berührten und Buffy schloss die Augen. "Wahnsinn", wisperte er gegen ihren Mund, ehe er sich zurück lehnte und nach dem Schwamm griff.
Buffy blieb an der Wand lehnen, als er die Reste seines Spermas von ihrem Körper wusch und sich selbst ebenfalls reinigte.
Dann drehte er das Wasser ab und zog sie mit sich aus der Duschkabine. Er wickelte sie in ein großes flauschiges Handtuch, trocknete sich selbst ab und hob sie dann kurzerhand auf seine Arme.
"Hey", protestierte Buffy gespielt, als er schnurstracks in Richtung Schlafzimmer marschierte.
Sein so herrlich spitzbübisches Grinsen umspielte seine Lippen, als er sie auf dem Bett ablegte und sich über sie beugte.
"Jetzt bin ich dran", erklärte er.
Hitze schoss in Buffys Körper und zwischen ihre Beine, als sie ihn vielsagend mit der Zunge wackeln sah. Seine Finger lösten das Handtuch von ihrem Körper, strichen zärtlich zwischen ihren Brüsten hindurch und ihren Bauch hinab.
"Genieß es einfach", hauchte er, ehe er den Kopf senkte und seine Lippen der Spur seiner Finger folgten. "Entspann dich und genieß es einfach…"
Buffy hätte gar nichts anderes tun können. Einzig und allein ihre Hände krallten sich in die Matratze und ein leises Stöhnen kam aus ihrem Mund, als sein Kopf zwischen ihren Beinen ankam…
*******************
"Stimmt." Buffy lachte, ehe sie wieder einen Schluck aus ihrem Kaffeebecher trank. "Ich habe Faith noch nie so verliebt erlebt."
Willow grinste ebenfalls.
Mit einem verschwörerischen Funkeln in den Augen erinnerten sie sich beide an den gestrigen Abend im Bronze, als ihnen Faith den jungen Wesley Wyndham-Price vorgestellt hatte. Und Buffy musste noch immer lachen, wenn sie an Faiths Gesichtsausdruck dachte, als sie – Buffy – den jungen Mann mit dem typischen Faith-Blick gemustert und gemeint hatte, er wäre recht niedlich. Faith fand das gar nicht lustig und sie hatte in Buffy Ohr gezischt, sie solle gar nicht auf dumme Gedanken kommen, Wesley würde nur ihr gehören.
Willow, die neben Buffy gestanden und die Worte gehört hatte, musste ebenfalls kichern. Denn Faith war noch nie wegen einem Mann dermaßen eifersüchtig gewesen.
Dann jedoch hatte ein spöttisches Grinsen Faiths Gesicht überzogen und sie meinte sehr süffisant. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass du Verlangen nach einem anderen Mann hast. Nicht, wenn du deinen Cowboy hast…" Sie kicherte neben Buffys Ohr. "Jedenfalls schaut er so, als würde er dich am liebsten gleich vernaschen…"
Buffy wollte lieber nicht daran denken, wie der Abend weiter gegangen war. Lange war sie jedenfalls nicht mehr im Bronze gewesen. Es war unmöglich, wenn Spike sie *so* ansah.
Diesmal jedoch war er vor ihr aufgestanden, nicht ohne sich lauthals über Wecker und dämliche Turnierveranstalter zu beschweren, die nicht wüssten, dass man unausgeschlafen keine ordentliche Leistung vollbringen konnte, und Buffy hoffte, dass ihre Schwester ihren Wecker ebenfalls gehört hatte. Sie nahm es an, denn irgendwann gegen sechs vernahm sie das typische Geräusch, wenn ein Pferd aufgeladen wurde und dann fuhr der Jeep vom Hof.
Zum Glück musste sie sich nicht langweilen, obwohl sie allein war, denn der Tag war mit Reitstunden voll belegt, obwohl oder gerade weil es Sonntag war.
Die Letzte war Willow und Buffy war froh, sich jetzt etwas ausruhen und noch eine gemütliche Tasse Kaffee trinken zu können.
"Es sieht etwas wüst aus im Stall", grinste der Rotschopf und Buffy verdrehte die Augen.
"Eine Woche noch", murmelte sie genervt.
Am Donnerstag war mit den Bauarbeiten im Stall begonnen worden und Buffy wünschte sich manchmal, sich irgendwo verkriechen zu können, wenn sie den Dreck und das Durcheinander sah. Im Moment fehlte das halbe Dach und die Boxen der linken Seite hatten schon keine Zwischenwände mehr.
Es musste schnell gehen, da innerhalb der nächsten Wochen noch einmal zwei neue Pensionspferde eintreffen würden. Zu Buffys Freude waren es keine Westernreiter, sondern reine Freizeitreiter, die ein wenig Dressur- und auch Springambitionen hatten. Deshalb baute Spike im Moment auch an ein paar Hindernissen, um den Dressuralltag etwas aufzubessern.
"Wann wird Spike wieder abreisen?" erkundigte sich Willow neugierig. "Oder bleibt er?"
Buffy zuckte mit den Schultern. "Ich weiß nicht. Wir haben noch nicht darüber gesprochen. Vielleicht sollte ich erst einmal abwarten, was meine Mom beschlossen hat…"
"Sie kommt heute wieder?"
Buffy nickte. "Ihr Flieger landet um 22 Uhr in L.A. Ich hole sie dann ab."
Eigentlich wollte sie gar nicht darüber nachdenken, dass sich ihr ganzes Leben komplett verändern konnte. Sollte ihre Mutter eine Beziehung zu Spikes Vater in Erwägung ziehen, würde nichts mehr so sein wie bisher. Ihr Magen zog sich bei dem Gedanken zusammen, denn sie wusste, dass die Entfernung zu der Ranch zu groß war. Joyce würde mit Giles zusammen leben wollen. Konnte sie – Buffy – den Hof hier allein führen?
Buffy verdrängt die unguten Gedanken erst einmal und lächelte Willow an. "Kein Grund, Trübsal zu blasen."
"Nein."
Sie wurden unterbrochen, weil Spikes Jeep mit dem Pferdehänger in den Hof fuhr. Buffy schob ihre Tasse zur Seite. "Na, dann wollen wir mal schauen, was unser Western-Freak so angestellt hat."
Willow lachte und folgte Buffy nach draußen. "Ist da jemand neugierig?"
Sie kamen gar nicht dazu, zu fragen, weil eine völlig aufgelöste Dawn aus dem Auto sprang und schrie. "Er hat gewonnen, Buffy!"
Sie konnten nicht einmal antworten, denn Dawn plapperte weiter. "Er hat die Reining-Prüfung gewonnen und bei der Trail-Prüfung hat er den dritten Platz. Du hättest das sehen sollen! Wie cool Damaron gegangen ist…auch die anderen Pferde, aber Damaron war einfach Spitze! Und Spike erst! Da war kein einziger Patzer!"
Spike war ebenfalls ausgestiegen, warf ein Grinsen in Buffys und Willows Richtung und ging zum Hänger, um den Hengst abzuladen.
Dawns Mund stand nicht still. Sie erklärte ausführlich wie so ein Westernturnier ablief, welche Pferde da waren, welche Hindernisse in dem Trail-Parcour überwunden werden mussten und welche Lektionen in der Reining-Prüfung verlangt waren.
Währenddessen hatte Spike Damaron abgeladen und angehängt, da er ihm noch den Schweiß aus dem Fell waschen wollte.
"Ich mache das, ja?" bettelte Dawn. "Kann ich ihn waschen?"
"Ja, doch. Wenn du dann endlich ruhig bist", stimmte er vergnügt zu, ehe er sich umdrehte und Willow und Buffy ansah. "Sie redet seit wir L.A. verlassen haben ununterbrochen."
Willow lachte. "Sie freut sich halt. Glückwunsch, Spike", setzte sie dann hinzu. "Ein Sieg ist schon ein Grund zum Feiern, nicht wahr?"
Er nickte lächelnd. "Vor allem auf dem ersten Turnier der Saison."
"Na dann." Willow grinste Buffy an und dann Spike. "Ich muss los. Oz wartet. Viel Spaß noch."
Spike nickte, als Willow an ihm vorbei zu ihrem Auto ging, doch er hatte nur Augen für Buffy und ein Funkeln trat in seinen Blick.
Buffy fühlte die Spannung, die plötzlich zwischen ihnen herrschte, fast körperlich. "Glückwunsch zu dem Sieg und der Platzierung", sagte sie leise.
"Danke", antwortete er genau so leise.
"Kann ich…kann ich dir irgendwas helfen?" Warum nur fiel ihr plötzlich das Sprechen so schwer? Nur weil sich der Ausdruck in seinem Gesicht änderte? Und er plötzlich schaute, als hätte er…Hunger?
"Das Auto ausladen."
"Klar." Gespielt unbeschwert, tänzelte sie an ihm vorbei und fühlte förmlich, wie seine Augen an ihrem Hintern klebten. Vielleicht machte ein Sieg ihn besonders scharf… Ihr wurde ganz warm bei dem Gedanken und sie zwang sich krampfhaft, das Zittern ihrer Hände zu verbergen, als sie sich sein Zaumzeug und Decken aus dem Auto schnappte und in Richtung Sattelkammer stiefelte.
Spike war keine Sekunde später hinter ihr, mit dem schweren Westernsattel auf den Armen.
"Hab ich dir schon mal gesagt", raunte er hinter ihr, "dass du verflucht heiß aussiehst in diesen Lederstiefeln und der engen Hose?"
Oh Gott! Buffy hätte fast alles fallen lassen, was sie in den Händen hielt. "Nein", brachte sie mit halbwegs normaler Stimme hervor. Dann jedoch hatte sie sich gefangen, warf die Haare zurück und wackelte provozierend mit dem Po. "Aber es ist nett zu wissen."
Spike fluchte leise, murmelte etwas, das wie - die Hosen sollten verboten werden - klang, ehe er ihr in die Sattelkammer folgte und den Sattel über den dafür vorgesehenen Holm wuchtete.
"Ich hasse dieses Chaos", schimpfte Buffy gerade und sah sich in der Sattelkammer um. "Wer hat eigentlich gesagt, dass all das Zeug, das in den Stallgang gehört, jetzt plötzlich hier rein geschmissen wird?"
"Draußen wird gebaut, Luv. Da stört es." Spike nahm ihr die Decken ab und legte sie auf den Stapel zu den anderen.
Sie hielt seinen Zaum in die Höhe. "Sag nicht, du willst das Ding so dreckig hier her hängen?!"
"Halt die Klappe." Er riss ihr den Zaum aus der Hand und hängte ihn unter seinen Sattel. "Ich bin müde und habe jetzt keine Lust mehr, deinen Ordnungsfimmel zu unterstützen."
"Gerade warst du noch recht munter", gab sie spitz zurück und stemmte die Hände in die Hüften. "Als du meine Lederstiefel bewundert hast…"
"Suchst du Streit?" fragte er mit einem Heben der Augenbrauen.
"Vielleicht sollte ich mir noch eine nette kleine Reitpeitsche raus suchen, die zu den Lederstiefeln…"
Sie kam nicht dazu, den Satz zu vollenden, weil sie im nächsten Moment gegen die Wand neben der Tür flog und Spikes Hand mit einer schnellen Bewegung die Tür der Sattelkammer zuwarf, während sich sein Körper gegen sie presste.
"Hey!" entfuhr es ihr, doch ehe sie noch mehr sagen konnte, verschlossen seine Lippen ihren Mund. Hitze schoss in ihren Körper und plötzlich wurde sein schmutziger Zaum reichlich nebensächlich.
Einen Augenblick später riss er seinen Kopf wieder von ihr los. Buffy strich mit den Händen über seine Brust. "Sag bloß, dich macht der Gedanke an eine Reitpeitsche an…", murmelte sie vergnügt.
Spike schlang seinen Arm um ihren Hals und presste den Beweis seiner Erregung gegen ihren Bauch. "Nein", stieß er heißer hervor. "Mich macht der Gedanke an, dich zu vögeln, während du die Stiefel noch anhast."
"Bist du verrückt?! Nicht hier!" zischte sie.
"Dreh dich um."
"Nein! Wenn Dawn…" Sie stöhnte auf, weil Spike gar nicht zuhörte, sondern seine Hände sie so schnell drehten, dass sie gar keine Chance hatte, etwas dagegen zu tun. "Verflucht, Spike…du…bist verrückt…" Sie schnappte nach Luft, als seine Hand sich in ihren langen Haaren verfing, ihren Kopf zur Seite bog und seine Lippen über ihren Hals strichen, während sein Körper sie zwischen sich und der Wand gefangen hielt.
"Davon träume ich", hauchte er in ihr Ohr und sie fing an zu zittern, als seine Zunge heraus schnellte und über die empfindliche Stelle unterhalb ihres Ohrläppchens leckte, "seit ich dich das erste Mal in diesen verfluchten Stiefeln gesehen habe."
"Oh Gott…" Buffys Stirn sank gegen die Wand und Spikes Hand wanderte um ihren Körper herum zu den Knöpfen ihrer Hose. "Verrückt…verdammt…" stöhnte sie leise. "Spike, nicht…hier…" Sie biss die Zähne aufeinander, um ein Wimmern zu unterdrücken, als seine Finger in ihre Hose und zwischen ihre Beine wanderten. Sie spürte seine Erektion in ihrem Rücken und fragte sich, warum ihre Beine sich wie Pudding anfühlten. "Dawn…"
Als hätte diese sie gehört, ertönte plötzlich ihre helle Stimme aus dem Stallgang. "Buffy? Spike?"
Buffy zuckte zusammen, wollte Spike von sich stoßen, doch dieser presste sie leise lachend fester gegen die Wand.
"Verschwinde Dawn!" schrie er laut und Buffy fluchte unterdrückt.
Die Schritte des jungen Mädchens verharrten mitten im Stallgang. "Alles klar!" rief dann ihre etwas atemlose Stimme. "Bin weg! Lasst euch nicht stören!"
"Oh Gott, ich glaub das nicht!" jammerte Buffy auf, als sie Dawns Kichern hörte und dann vernahm, dass ihre Schwester schnell den Stall verließ. "Ich werde sie nie wieder ansehen können…"
Spike lachte wieder und dieses leise Lachen trieb ihren Puls in die Höhe. Weshalb schaffte er das? Weshalb schaffte er es, dass alles um sie herum so völlig egal wurde? Sie schnappte nach Luft, als er die engen Hosen mit einer schnellen Bewegung ihre Hüften hinab zog und die kühle Luft ihren nackten Hintern traf.
Seine Finger glitten zurück zwischen ihre Beine, trafen auf die Nässe, die all ihre Proteste Lügen strafte, und er hauchte in ihr Ohr. "Magst du, was ich mit dir tue, Luv?"
Ihr Kopf flog zurück gegen seine Brust und sie stieß hervor. "Shit, verdammt! Nein…ja…Nein!"
Sie hörte durch den Nebel in ihrem Gehirn, dass er seine Hose öffnete und stöhnte auf, als keine Kleidung sie mehr trennte, sondern seine Härte sich gegen ihren Po drückte.
"So eine kleine Lügnerin", murmelte er amüsiert.
Natürlich hatte er vollkommen recht, denn Buffy nahm nicht einmal mehr wahr, wo sie sich befanden. Unwillkürlich spreizten sich ihre Beine, damit seine Finger sie besser erreichen konnten und sie drängte sich an ihn. "Ja, doch", flüsterte sie heißer.
Ihre Worte schossen wie ein elektrischer Schlag durch seinen Körper und sein Griff um sie wurde fester. "Sag es, Luv. Sag, dass du mich willst. Hier und jetzt."
Buffy keuchte frustriert auf. "Spike, du verdammter…Oh Gott…" Ihre Stimme verklang zu einem Wimmern, als seine Finger ihre Bewegung einstellten. "Spike, ich…"
"Ja?"
Zum Glück klang er genau so gequält wie sie und Buffy riss ihren Kopf hoch. "Spike, ich will dich jetzt! Sofort! In mir!!"
Und sie schrie auf, als er mit einem einzigen Stoß vorwärts rammte und sich in ihr vergrub, als wolle er für ewig in ihr bleiben. Es störte sie nicht, dass jeder harte Stoß sie gegen die Wand warf, es spielte keine Rolle mehr, dass sie sich in der Sattelkammer befanden und der Geruch nach Leder und Pferd in der Luft lag.
Eigentlich interessierte nichts mehr, außer der Lust, die durch ihre Körper raste und Buffy irgendwann hervorstoßen ließ:
"Härter, verdammt…Härter!"
****************
Es dauerte eine ganze Weile, ehe Buffy wieder einen klaren Gedanken fassen konnte, eigentlich erst, als Spike sich von ihr löste und ein paar Schritte rückwärts ging.
Sie atmete noch immer keuchend und hörte ihn genau so tief und schnell Luft holen. Doch je mehr die Nachwirkungen des Orgasmus in ihr abklangen, umso klarer konnte sie wieder denken.
Sie fuhr herum, nur um seinem schon wieder spöttischen Grinsen zu begegnen.
"Sag nichts", begann er, ehe sie eine Chance hatte, und verschloss seine Hose.
"Ich glaube das nicht!" schimpfte Buffy, während sie mit ihrer engen Reithose kämpfte. "Ich glaube nicht, dass du das getan hast!"
Spike lachte. "Du warst dabei, Luv. Ich kann mich an dein Ich will dich jetzt noch ganz gut erinnern."
Buffy schloss mit einem schnellen Schritt den Abstand zwischen ihnen und stieß ihm die Hand gegen die Brust. "Ich war in einem nicht zurechnungsfähigen Zustand!"
"Du gefällst mir in diesem Zustand." Er grub seine Zähne in seine Unterlippe. "Sehr gut sogar." Dann schlang er seinen Arm um ihren Hals und lehnte seine Stirn an ihre. "Ich hätte da noch so ein paar Ideen…"
Allein seine Worte lösten schon wieder ein komisches Kribbeln in ihrem Unterleib aus und Buffy fragte sich, wann sie dermaßen verrückt nach Sex geworden war. Doch sie schaffte es, ihn von sich zu stoßen. "Hast du nichts anderes mehr im Kopf?!"
Er schenkte ihr einen sehr hinterhältigen Blick. "Siegen macht mich so unwahrscheinlich g…"
"NEIN!" schrie Buffy entsetzt auf. "Ich will es nicht hören! Lad dein Auto aus, kümmere dich um dein Pferd! Ich muss meine Mom abholen!"
Sie stürzte in Richtung Tür und genau dort fiel ihr ein, dass es eine Frechheit von ihm war, ihr so die Kontrolle zu entziehen. Mit einem feinen Lächeln im Gesicht drehte sie sich wieder um.
"Du solltest noch ein wenig schlafen", sagte sie leise. "Damit du munter bist, wenn ich wieder komme."
"So?" erkundigte er sich mit einem Lauern in der Stimme.
Buffy nickte langsam. "Weil wir dann das ganze fortsetzen. Nur dass ich dich reite und nichts anderes trage, außer meinen Reitstiefeln…"
Sie schlug die Tür hinter sich zu, als er einen Satz nach vorn machte und sprintete lachend aus dem Stallgebäude. Denn sein Gesichtsausdruck und sein unterdrücktes Fluchen hatten ihre Welt wieder in Ordnung gebracht.
Teil 29
Buffy gefiel der Gesichtsausdruck ihrer Mutter, wann immer sie von Giles und der Ranch sprach, überhaupt nicht. Da war ein Leuchten in ihren Augen und ein verträumtes Lächeln umspielte ihren Mund, während sie begeistert redete.
Mittlerweile, eine Woche später, kannte Buffy die Ranch in und auswendig – vom Erzählen her – wusste, wie viele Pferde es gab, wie viele Rinder und über wie viel Morgen Land der Besitz verfügte, wie das Haus von innen aussah...
Sie hatte es satt, den Schwärmereien zu lauschen. Auch wenn sie sich einredete, ihre Mutter verdiene nach der Enttäuschung mit Hank ein wenig Glück. Aber sie war zu pessimistisch eingestellt, um an ein Glück zwischen den beiden zu glauben.
Vor allem, da ihre Mutter im Moment nur für den Tag lebte, an dem Giles wieder einmal vorbei kommen würde. 500 Kilometer waren schließlich keine Entfernung, die man wöchentlich so einfach zum Spaß zurücklegte.
Die Bauarbeiten am Stall waren fast abgeschlossen und auch, wenn es Buffy nur sehr schwer zugeben wollte, es war jetzt durch die Lichtleiste an der Decke wirklich sehr schön hell. Im Augenblick wurde an den getrennten Boxen noch gearbeitet, um die Art Offenstall zu schaffen, die Spike sich wünschte.
Zwei weitere Pferde tummelten sich auf den jetzt komplett abgezäunten und teilweise mit festen Zäunen versehenen Weiden. Spike hatte sogar noch Land zugepachtet, um vor allem den Jungpferden einen ganzjährigen Weidegang zu ermöglichen.
Eigentlich konnten sie mit dem, was sie in den letzten Wochen erreicht hatten, vollauf zufrieden sein.
Spike jedenfalls war es, vor allem, wenn er manchmal abends zusammen mit Joyce über den Büchern saß und die beiden zusammen Kalkulationen aufstellten und Monatsüberschüsse berechneten.
Natürlich wirkte es sich positiv aus, dass sie im Moment keine Arbeitskraft bezahlen mussten, aber Joyce wusste, dass sie, wenn sie weiterhin Westernreitstunden anbieten wollten, einen anderen Reitlehrer brauchten.
Als sie das eines Abends aussprach, warf sie einen fragenden Blick in Spikes Richtung, doch dieser ging gar nicht darauf ein, ja, er tat eher so, als wäre er ganz und gar damit beschäftigt, die Zahlen im Computer zu lesen.
Joyce drängt ihn nicht weiter, obwohl sie von Giles wusste, dass da irgendetwas zwischen ihrer Tochter und Spike lief.
Die beiden ließen es sich nicht anmerken, obwohl es schon auffällig war…denn kaum war einer von den Beiden am Abend verschwunden, suchte der andere ebenfalls das Weite. Und Joyce registrierte ebenso, dass nur in einer von beiden Wohnungen abends das Licht anging. Zu ihrem Erstaunen schwieg selbst Dawn wie ein Grab und antwortete nur einsilbig oder nichts sagend auf ihre vorsichtigen Fragen. Das war neu, denn Dawn war eigentlich so gut wie nie auf Buffys Seite gewesen.
Und Joyce wusste nicht, ob diese Geheimniskrämerei gut oder schlecht war. Und obwohl sie es sich wünschte, sie wagte nicht, Spike die Frage zu stellen, die eigentlich Buffy schon lange hätte stellen müssen.
Nämlich, ob er wirklich vorhatte, wieder zu gehen.
********************
"Was bedeutet SOFORT?!"
Spike stellte diese Frage so laut, dass Buffy sie an seiner Wohnungstür hörte und sie runzelte die Stirn. Er schien zu telefonieren und sie zögerte, ob sie das Wohnzimmer betreten sollte.
Sie tat es, weil sie auch nicht wollte, dass Spike behauptete, sie würde lauschen.
"Dad, ich…" Spike hob den Kopf und sah Buffy kurz an, als sie den Raum betrat. Dann lächelte er schwach und machte eine Handbewegung, die bedeutete, er wäre gleich fertig. "Ich verstehe dich sehr gut!" fauchte er dann in das Handy.
Buffy ließ sich auf die Couch fallen und blätterte gedankenverloren in einer Pferdezeitschrift auf Spikes Tisch.
"Ich kann innerhalb eines Monats kein Pferd einreiten", erklärte Spike gerade mit unterdrücktem Zorn in der Stimme. "Das weißt du genau so gut wie ich. Warum können wir die Hengste nicht hier her bringen?"
Buffys Kopf schoss hoch. Sein Vater wollte, dass er heim fuhr?
Sie hatte sich die Frage, wann Spike abreisen würde, oft gestellt, aber immer wieder in den hintersten Winkel ihres Kopfes verbannt und ihn schon gleich gar nicht danach gefragt.
Doch je weiter die Bauarbeiten fortschritten und je näher eine Beendigung rückte, umso eigenartiger wurde das Gefühl, das sich einstellte, wenn sie daran dachte, irgendwann nicht mehr morgens aufzuwachen und Spike neben sich zu spüren.
Es machte ihr Angst, weil sich in diesen Momenten ihr Magen zusammen zog und sie sich fragte, warum das so war.
Er würde gehen. Und so wie es aussah bald und das letzte, was sie tun sollte, war, sich darüber aufzuregen.
Aber trotz der vielen Streitgespräche, die in der letzten Woche nicht weniger geworden waren, und obwohl immer wieder einer von ihnen beiden laut wurde, war er ihr ans Herz gewachsen. Seine Art, mit ihr zu diskutieren, sein freches Mundwerk, sein Lächeln und vielleicht gerade, dass er sich niemals von ihr einschüchtern ließ.
Sie würde ihn vermissen. Und das machte ihr Angst. Gerade weil sie sich geschworen hatte, niemals wieder einen Mann so nah an sich heran zu lassen, dass sein Handeln ihr wehtun konnte.
"Nein!" schrie Spike in das Telefon. "Hab ich nicht!"
Buffy sah ihn erstaunt und fragend an, als er sich durch die blondierten Haare fuhr, als müsse er sich selbst beruhigen. Da sie nicht hören konnte, was Giles am anderen Ende sagte, wusste sie auch nicht, welche Äußerung Spike so aufgebracht hatte.
"Ich melde mich wieder, Dad", sagte er dann wesentlich ruhiger und knirschte mit den Zähnen, als Giles genau so beherrscht sagte, er würde es vorziehen zu erfahren, ob er vorhabe, seinen Wohnsitz direkt nach Sunnydale zu verlegen, es würde die Planung sehr erleichtern.
Mit einer zornigen Bewegung knallte Spike das Handy auf den Tisch und verschränkte die Arme vor der Brust.
Buffy legte die Zeitung zur Seite. Sie hatte genügend Zeit gehabt, den Schock zu verdauen, dass seine Abreise so überraschend schnell in die Nähe gerückt war. In diesen Dingen war sie fantastisch – im Aufbauen einer Mauer um sich herum und im Verteilen von ätzenden Bemerkungen, um von dem Gefühlschaos in ihr selbst abzulenken.
"Du fährst heim?" fragte sie, ohne sich anmerken zu lassen, dass sie Angst vor seiner Antwort hatte.
Er holte tief Luft. "Buffy, ich…"
"Fang jetzt bloß nicht an, irgendwelchen Schwachsinn von dir zu geben", unterbrach sie ihn eilig. "Wir wissen beide, dass dein Aufenthalt hier begrenzt war."
Spike biss die Zähne zusammen. Ihre Worte versetzten ihm einen Stich, weil er während der ganzen letzten Woche der Meinung gewesen war, Buffy näher gekommen zu sein. Sie hatten viel Zeit miteinander verbracht, natürlich einen Großteil davon im Bett, aber sie hatten auch miteinander geredet. Wie es aussah, über genau die falschen Dinge…
"Ich will jetzt nicht mit dir streiten", begann er ruhig, doch der kühle Ausdruck in ihren Augen, der, den er so hasste und der ihn wieder an die arrogante Frau erinnerte, die er vor vielen Wochen auf dem Hof getroffen hatte, machte ihn genau so wütend. "Einer unserer wichtigsten Geschäftspartner sucht zwei dreijährige Hengste. Angeritten."
"Und?"
Ihre Stimme klang so gleichgültig, dass er sie am liebsten geschüttelt und ihr ins Gesicht geschrieen hätte. Zornig wühlte er auf seinem Stubentisch nach den Zigaretten.
"Du wirst jetzt nicht hier drin rauchen!" giftete Buffy.
Spike zündete ungerührt eine Zigarette an. "Dad ist der Meinung, dass es Schwachsinn wäre, die Hengste zum Anreiten her zu bringen, wenn ich sowieso vorhabe, meinen Aufenthalt hier demnächst zu beenden", fauchte er zurück, ehe er an der Zigarette zog, ohne sie aus den Augen zu lassen.
"Da hat er vollkommen recht", bestätigte Buffy, ehe sie genervt fragte: "Machst du vielleicht mal das Fenster auf?"
Er musterte sie aus schmalen Augen. "Das Anreiten junger Pferde kostet Zeit…"
"Ich weiß das, Spike. Ich bin zufällig aus der Branche", murmelte sie ironisch. "Und die Bauarbeiten sind in spätestens 14 Tagen beendet. Wo also ist dein Problem? Keine Angst, ich werde schon nicht wieder alles abreißen, wenn du weg bist."
Ich hätte ihr den Hals umdrehen sollen. Aber die Worte, die er eigentlich hatte sagen wollen, kamen nicht über seine Lippen. Vielleicht hatte er sich doch getäuscht und sie war nichts anderes als das arrogante Miststück, das er ganz am Anfang kennen gelernt hatte.
Der Zorn über ihre Worte verdrängte einen Teil der Enttäuschung, die sich in ihm ausgebreitet hatte. Aber nicht alles. Seine Hand, die die Zigarette hielt, zitterte und er hoffte, sie würde es nicht sehen.
So einfach. …wenn du weg bist.
Ich bin ein Idiot, sagte er zu sich selbst. Ich hätte es wissen müssen. Das erste Gefühl ist immer das richtige…
Buffy bemerkte von dem Chaos, das in ihm herrschte gar nichts, weil sie mehr damit zu tun hatte, ihre gleichgültige Miene aufrecht zu erhalten.
"Wann fährst du?" Sie klang scheußlich in ihren eigenen Ohren, doch er schien es nicht zu hören. Lass es ihn nicht sehen. Lass es ihn nicht sehen…
Spike warf die aufgerauchte Zigarette mit einer wütenden Bewegung in den Aschenbecher auf dem Stubentisch. "Herrgott, Buffy! Wir haben in den letzten Wochen eine Menge Zeit zusammen verbracht. Hör jetzt auf, dich zu benehmen, als kannst du mich nicht schnell genug von hinten sehen!"
"Ich habe dir eine ganz normale Frage gestellt", entgegnete sie pikiert.
"Du kannst nicht behaupten, dass es dir nicht gefallen hat!" schrie er aufgebracht.
"Was hat das mit der Frage zu tun, wann du fährst?"
"Du raubst mir den letzten Nerv! Ich sollte wirklich einfach verschwinden!"
Sie verdrehte die Augen und sprang auf. "Natürlich wirst du das! Und dass wir in den letzten Wochen ein wenig Zeit miteinander verbracht haben, ändert nichts an dieser Tatsache!"
"Nein?" Plötzlich war jegliche Wut aus seiner Stimme verschwunden und er klang einfach nur noch traurig.
Buffy jedoch bemerkte es nicht. Sie hatte mehr damit zu tun, blinzelnd die Tränen zu verdrängen, die in ihre Augen steigen wollten. "Natürlich nicht! Das hier…", ihre Hand machte eine vage Geste, die den Hof umschloss, "ist nicht deine Welt. Dein Platz ist auf der Ranch. Du gehörst nicht hier her."
Spike hatte sich nicht so gut unter Kontrolle, doch sie sah den Schmerz in seinem Gesicht nicht, weil sie überall hin schaute, nur nicht in seine Richtung. "Dir bedeuten die letzten Wochen gar nichts?" fragte er mühsam beherrscht.
Buffy drehte ihm einen Moment den Rücken zu und schloss kurz die Augen, als sie mit dem Chaos kämpfte, das in ihr aufsteigen wollte. Zeig ihm nicht, dass er dir weh tun kann… Zeig es ihm nicht…
Sie atmete tief durch, ehe sie ihn wieder ansah. "Es war nett", sagte sie kühl und distanziert. "Es war von Anfang an klar, dass es ein Ende hat."
"Nett?!", brachte Spike mit schmalen Augen hervor. "Du bist wirklich ein eiskaltes Miststück. Ist das die Art, mit der du all die anderen Männer abserviert hast?"
"Ich serviere dich nicht ab!" schrie Buffy wütend auf. "Unsere Wege werden sich trennen und es hat keinen Sinn, das noch vor sich her zu schieben!"
"Würdest du es ändern wollen?" fragte er ruhig.
"Was?" brachte Buffy schwach hervor.
Er antwortete nicht, sah sie einfach nur an und Buffys Herz blieb fast stehen, als sie den Ausdruck in seinem Gesicht sah. Angst stieg in ihr auf, Angst vor dem, was seine Augen sagten und Furcht vor dem Gefühl, das sich in ihr aufbaute. Ihre Kehle schnürte sich zu.
Ja sagen, würde bedeuten, über ein Leben nachzudenken, das ihn einbezog. Sie würde es nicht tun. Sie würde nie wieder zulassen, dass ein Mann eine derartige Macht über sie gewann. Egal wie weh es jetzt tat. Das würde vergehen. Der Schmerz, den er ihr zufügen konnte, wenn sie es zuließ, war um einiges größer.
Trotzdem musste sie mehrmals schlucken, ehe ihr ihre Stimme wieder gehorchte. "Nein", sagte sie und fühlte sich so elend wie er schaute. "Nein."
Er holte tief Luft. "Geh, Buffy."
Sie zögerte vielleicht eine Sekunde, doch ihr war vollkommen klar, dass es keine andere Lösung geben konnte. Ohne ein weiteres Wort drehte sie sich um und stürzte aus seiner Wohnung.
Erst als sie ihre eigene Wohnung erreicht und die Tür hinter sich geschlossen hatte, kam ein ersticktes Aufschluchzen aus ihrer Kehle. Sie schloss einen Moment die Augen und lehnte sich von innen gegen ihre Wohnungstür, als die volle Wucht des Gesprächs in ihren Verstand drang.
Es war vorbei.
Zwei einsame Tränen bildeten sich in ihren Augenwinkeln und kullerten ihre Wangen hinab, während sie ihre Zähne in ihre Unterlippe grub, um zu verhindern, dass sie anfing, haltlos zu schluchzen.
Der Schmerz würde vergehen. Zeit heilte alle Wunden.
**************************
Spike starrte genau so betäubt auf die Tür, durch die sie verschwunden war. So schnell konnte man etwas, was sich in Wochen aufgebaut hatte, zerstören.
Ich hätte es ihr sagen sollen, ging es ihm durch den Kopf. Vielleicht…
Quatsch! antwortete er sich selbst. Sie hätte deine Gefühle zertreten und mit ihren Worten noch mehr zerstört. Deinen Stolz.
Seufzend fiel er auf die Couch und schloss die Augen. Erinnerungen stiegen in ihm hoch. Ihr Lächeln, ihr Parfüm, die Berührungen ihrer Hände und er biss verzweifelt die Zähne zusammen.
Sie ist nichts für dich. Obwohl er versuchte, sich das einzureden, wusste er, dass er sich selbst belog.
Ich liebe sie, dachte er traurig. Es war anders als bei Dru. Damals war er zornig, fühlte sich hintergangen und verletzt.
Jetzt tat es einfach nur weh. Weil er irgendwie gehofft hatte, sie würde die Verbindung zwischen ihnen ebenfalls spüren. Und er hatte sich getäuscht.
Eigentlich tat es mehr als weh…
Plötzlich fühlte er sich leer und allein und seufzte noch einmal, ehe er zum Telefon griff, um seinen Vater anzurufen.
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Er packte noch in der gleichen Nacht. Giles versprach, sich um einen Reitlehrer zu kümmern, der stundenweise zum summerschen Hof kommen und die Westernstunden geben würde.
Eine Zeitlang würden Joyce und Buffy allein zurecht kommen müssen. Spike ließ auch Donar auf dem Hof, da er es nicht übers Herz brachte, der jungen Dawn noch mehr vor den Kopf zu stoßen, die schon anfing zu weinen, als er sie und Joyce von der Tatsache seiner Abreise in Kenntnis setzte.
Selbst Joyce konnte nicht fassen, dass er so schnell verschwand. Sie sah Spike einfach nur traurig an, als ihm Dawn weinend um den Hals fiel und etwas von, Buffy ist an allem Schuld, jammerte.
Spike strich über die Haare des jungen Mädchens, ehe er ihre Hände von sich löste. "Nein, Krümel. Buffy hat nichts damit zu tun", sagte er leise. Sie hätte es verhindern können, ja, aber sie war nicht der Auslöser.
"Ich werde dich vermissen", schluchzte Dawn und beobachtete durch all die Tränen, wie er seine Taschen in den Jeep lud.
Damaron klopfte im Hänger schon ungeduldig mit dem Huf und wartete auf die Abfahrt. Spike seufzte und umarmte dann auch noch einmal Joyce zum Abschied. "Ich werde euch auch vermissen." Seine Stimme war nur ein Hauch. "Euch alle."
Joyce nickte. "Es ist ja nicht so, dass wir uns nie wieder sehen werden", versuchte sie, ihn aufzuheitern.
Spike lächelte schwach. "Sicher. Irgendwann." Seine Augen wanderten zu dem Nebenhaus, in dem er gewohnt hatte, hinauf zu Buffys Fenstern. Sie war nicht noch einmal herunter gekommen und er war froh darüber. Im Moment fühlte er sich, als würde er gleich los heulen und vielleicht hätte er es getan, wenn er Buffys so vertrautem Gesicht begegnet wäre.
Joyce hatte seinen Blick gesehen und als er ins Auto stieg, lehnte sie sich noch einmal zu dem geöffneten Fenster und flüsterte. "Es tut mir leid."
"Nein, Joyce." Er schüttelte den Kopf. "Dafür gibt es keinen Grund." Dann grinste er einen Abklatsch seines berühmten Grinsens. "Lasst euch nicht unterkriegen und seht zu, dass der Hof auch in Zukunft so gut läuft."
Dawn schluchzte wieder auf und Joyce nickte. "Auf Wiedersehen, Spike."
Spike startete das Auto und winkte noch einmal aus dem Fenster. "Lebt wohl", flüsterte er, ohne es die beiden Frauen hören zu lassen.
Er fuhr vom Hof, griff zum Radio und drehte die Musik lauter. Dieser Abschnitt seines Lebens war vorbei, es war an der Zeit, in die Zukunft zu schauen.
Je weiter er sich von dem Hof entfernte, umso unsinniger wurde es, den Satz wie ein Mantra in seinem Kopf vorher zu sagen.
Und spätestens am Ortsausgangsschild von Sunnydale bemerkte er, dass seine Wangen nass von den Tränen waren, die ungewollt aus seinen Augen liefen.
****************
Buffy beobachtete durch die Gardine, dass Spike in sein Auto stieg und vom Hof fuhr. Sie hatte die scheußlichste Nacht ihres Lebens hinter sich, in der sie wahrscheinlich keine einzige Minute geschlafen hatte und dementsprechend sah sie heute Morgen aus.
Doch sie ging trotzdem nicht hinunter. Sie wollte nicht noch einmal dem Blick seiner blauen Augen begegnen und den Schmerz in ihnen sehen. Und sie wollte auch nicht in Versuchung kommen, etwas zu sagen, was sie später bereuen würde.
Sie sah Dawn weinen und selbst ihre Mutter schaute, als würde es nicht lange dauern bis die Tränen liefen. Sie würden ihr Vorwürfe machen, Dawn besonders, aber mit Vorwürfen konnte sie leben.
Schwerer war es, den Gedanken zu verdrängen, dass sie vielleicht einen Fehler gemacht hatte.
Buffy hatte keine Lust, jetzt schon ihrer Mutter und Dawns vorwurfsvollem Blick zu begegnen. Wahrscheinlich wäre es besser, sich für den Rest des Tages in ihrer Wohnung zu vergraben.
Aber eine eigenartige Kraft zwang sie, die Stufen zu Spikes Wohnung hinauf zu steigen.
Sie war leer und nichts erinnerte mehr an den ärgerlichsten Mann, der ihr in ihrem Leben begegnet war.
Gedankenverloren fuhren ihre Finger über die Möbelstücke, die sich schon immer in dieser Wohnung befunden hatten, aber die jetzt Erinnerungen an Spike herauf beschworen.
Hier hat er mich geküsst…hier hatten wir Sex…Sie lächelte wehmütig. Eigentlich gab es keinen Raum, in dem sie keinen Sex hatten… Weil das alles war, was wir hatten. Sex.
Würdest du es ändern wollen?
Sie schluckte, als die Erinnerung in ihr aufstieg und der Ausdruck in seinen Augen sich in ihre Seele brannte.
Doch mitten in ihrer Erinnerung erstarrte sie, weil sie etwas auf dem Wohnzimmertisch liegen sah, das nicht in die ursprüngliche Wohnung gehörte.
Plötzlich war die Angst wieder da, aber wie in Trance ging sie auf den Tisch zu, auf dem ein Briefumschlag lag. Es war Spikes Handschrift, das erkannte sie sofort und ihre Kehle schnürte sich zu, als sie ihren Namen auf dem Umschlag las. Buffy.
Zögernd griffen ihre Finger danach und sie starrte eine ganze Weile auf die schwarzen Buchstaben, ehe sie sich selbst überreden konnte, den Umschlag zu öffnen.
Mir tut nichts leid, von dem, was passiert ist. Aber ich weiß auch, dass man Gefühle nicht erzwingen kann. Ich möchte trotzdem, dass du weißt, dass es von meiner Seite aus nicht nur Sex war. Am Anfang vielleicht. Später nicht mehr.
Mir tut nur leid, dass du nicht so empfindest.
Leb wohl.
Ich liebe dich.
Spike
Buffy starrte auf die Zeilen. Sie las sie kein zweites Mal, weil sie es nicht schaffte, ihre Augen zu zwingen, die Buchstaben zu Worten zu verbinden.
Es mussten Ewigkeiten vergangen sein, ehe ihr wieder einfiel, dass sie atmen sollte und ein ersticktes Schluchzen drang aus ihrer Kehle.
Plötzlich schaffte sie es nicht einmal mehr zu stehen, sondern sank auf die Couch, Spikes Brief in ihren zitternden Händen und die Tränen fingen an zu laufen…
Die nächsten Tage verbrachte Buffy in einem Zustand des Schlafwandelns. Sie tat, was sie tun musste, versorgte die Pferde, unterrichtete, überwachte den Fortgang der Bauarbeiten, doch sie tat es, ohne mit dem Herzen bei der Sache zu sein.
Es fiel jedem auf. Nicht nur ihrer Mutter und Joyce, selbst Andrew und Jonathan, die die wenigste Zeit auf dem Hof verbrachten, stellten fest, dass Buffy beunruhigend ruhig geworden war.
Sie explodierte nicht mehr, sie schrie nicht, sie hob nicht einmal mehr die Stimme.
Andrew flüsterte sogar Willow eines Tages nach der Reitstunde ins Ohr, dass es regelrecht unheimlich wäre. Er hätte absichtlich den ausgekratzten Dreck aus den Pferdehufen am Putzplatz liegen lassen, nur um eine Reaktion zu provozieren und was hatte Buffy getan? Sie holte einen Besen und fegte den Platz. Ohne ein Wort zu sagen.
Willows Blick wurde immer besorgter, auch wenn sie sich das Schmunzeln verkneifen musste, als Andrew seine Theorie auf Grund eines Films darlegte, in dem sich Menschen in so etwas wie Zombies verwandelten, weil ihre Körper die Zufluchtsstätte von Außerirdischen wurden. Sie vegetierten nur noch dahin, während die Aliens ihr Bewusstsein übernahmen und die Weltherrschaft anstrebten.
Willow war weit davon entfernt, an diesen Unsinn zu glauben, aber dass mit Buffy etwas nicht stimmte, sah jeder. Und da der Zeitpunkt genau mit Spikes Verschwinden zusammen traf, brauchte zumindest Willow nicht lange zu überlegen, was los war.
Aber Buffy ließ kein Gespräch, das in diese Richtung führte, zu. Sie gab einsilbige oder gar keine Antworten. Oder sie ging einfach und ließ eine Willow stehen, die immer besorgter wurde.
Selbst Dawn, die sich in den ersten Tagen nach Spikes Verschwinden nicht verkneifen konnte, entsprechende Bemerkungen Buffy gegenüber zu machen, ließ es irgendwann sein, da die einzige Reaktion, die sie erhielt, ein:
"Du hast Recht. Natürlich bin ich Schuld. Wer sonst?" war.
Irgendwann, eine Woche später, wagte niemand mehr, den Namen Spike in Buffys Gegenwart auszusprechen, weil dann sofort deren Miene in sich zusammen fiel und sie das Weite suchte.
Und obwohl Reitstunden jetzt bedeutend ruhiger und leiser verliefen, sagte selbst Xander manchmal zu Willow, die explodierende Buffy hätte ihm irgendwie besser gefallen.
Und Willows Herz zog sich zusammen, wenn sie den verlorenen Ausdruck in Buffys Augen sah, der auch nicht verschwand, wenn sie ein Lächeln auf ihre Lippen quälte.
****************
"Das ist die Gebärmutter", erklärte Allen Fancis Doyle, während er den Stab des Ultraschallgerätes in Euphrosynes Darm bewegte.
Buffy starrte mit in den Hosentaschen vergrabenen Händen auf den kleinen Bildschirm des Apparates hinter ihrer Stute. Alles, was sie erkennen konnte, war Gries.
Euphrosyne hatte eine Sedierung erhalten und döste vor sich hin, während der Tierarzt das Ultraschallgerät in ihren Darm einführte und sich in Richtung Pferdeinneres vortastete, um in die Nähe der Gebärmutter und der Eierstöcke zu gelangen.
"Hier, sehen Sie, Miss Summers", fuhr Doyle fort und bewegte das Gerät, so dass sich der Gries veränderte. "Die Gebärmutter ist vergrößert und dieser kleine schwarze Punkt ist der an der Wand angelagerte Follikel."
Buffy seufzte. "Das heißt, sie ist tragend."
"Ja." Doyle strahlte. "Vierte oder fünfte Woche."
"Fünfte Woche", sagte Buffy gleichgültig. Waren tatsächlich erst fünf Wochen vergangen? Waren tatsächlich erst zwei Wochen vergangen seit Spike abgereist war.
Wie jedes Mal, wenn sie sich an ihn erinnerte, fühlte sie Tränen in ihre Augen treten und blinzelte schnell, um sie zu verdrängen.
"Sie ist tragend?" mischte sich eine neugierige Dawn aufgeregt ein. "Das ist toll. Wird es ein kleiner Damaron? Wann kann man feststellen, was es wird?"
Buffy reagierte nicht, weil der Name von Spikes Hengst urplötzlich Erinnerungen in ihr aufsteigen lies, die sie verdrängen und bekämpfen wollte.
"Gar nicht, Dawn", erklärte Doyle freundlich und zog seinen Arm aus der Stute. "Diese Überraschung erfahrt ihr erst bei der Geburt." Er säuberte die Geräte in dem bereit gestellten Wassereimer, ehe er alles zusammen packte.
"Oh." Dawn verzog enttäuscht das Gesicht. "Ich möchte, dass es ein kleiner Hengst wird. So wie Damaron."
Das war zuviel. Buffy drehte sich um, ohne ein weiteres Wort zu sagen und stürzte aus dem Stall, als wären hundert Teufel hinter ihr her.
Sie sah weder den verdutzten Blick Doyles, noch Dawns entsetzt aufgerissene Augen und schon gleich gar nicht die überraschte Willow, die schon den Mund aufgemacht hatte, um etwas zu sagen. Stattdessen rannte sie quer über den Hof zu ihrer Wohnung, schlug die Haustür hinter sich zu und fing an zu weinen.
*****************
Dawn starrte Willow entsetzt an, ehe sie schluckte und sich ihre Augen mit Tränen füllten. "Ich hab doch gar nichts gesagt…", flüsterte sie erstickt.
Willow umarmte das junge Mädchen kurz. "Ich rede mit ihr, Dawnie. Kümmerst du dich um Eppi? Die Sedierung lässt bestimmt bald nach."
Dawn nickte und winkte dann dem Tierarzt zu, der seine Sachen wieder in sein Auto lud. "Tschüß, Doyle!" Dann flüsterte sie zu Willow. "Ich freue mich so, dass Eppi tragend ist. Sag das bitte Buffy nicht."
Willow schüttelte beruhigend den Kopf. Dann ging sie über den Hof zu dem Gebäude, in dem sich Buffys Wohnung befand.
Sie zögerte noch, aber sie hatte einen Blick ins Buffys Gesicht erhaschen können. Und auch wenn Buffy es vielleicht nicht einmal sich selbst gegenüber zugab, Willow wusste, dass niemand gern traurig *und* allein war.
Deshalb stieg sie auch die Treppe hinauf und klopfte an Buffys Wohnungstür. Es erfolgte keine Antwort und Willow überlegte, was sie tun sollte. Sie klopfte noch einmal.
"Buffy?"
Als wieder niemand antwortete, klinkte sie kurzerhand und öffnete die Tür.
"Buffy?" fragte sie wieder und sah sich unsicher um. Schließlich betrat sie nicht alle Tage eine Wohnung, wenn deren Inhaberin sie noch nicht einmal eingeladen hatte.
Die Küche war leer, auch das Wohnzimmer und obwohl Willow erst zögerte, schaute sie auch ins Schlafzimmer. Es war ebenfalls leer.
Nachdenklich blieb sie im Flur stehen und fuhr sich durch die Haare. Buffy war in das Gebäude gestürzt, und wenn sie sich nicht in ihrer eigenen Wohnung befand, konnte es eigentlich nur noch eine einzige andere Möglichkeit geben.
Zwei Minuten später stand die rothaarige Frau vor der Tür zu Spikes ehemaliger Wohnung und schenkte sich diesmal das Klopfen.
"Buffy?"
Und diesmal musste sie auch nicht lange suchen. Buffy saß auf der Couch im Wohnzimmer, hatte die Knie an ihren Körper gezogen und schluchzte haltlos.
Wahrscheinlich hatte sie Willows Kommen nicht einmal bemerkt. Willow hatte Buffy noch nie so aufgelöst gesehen. Nun, eigentlich hatte sie sie auch noch nie weinen gesehen und für einen Moment blieb sie einfach nur hilflos im Türrahmen stehen, weil sich ihr Herz zusammenzog.
Dann jedoch war sie mit zwei schnellen Schritten an der Couch, sank neben Buffy auf das Polster und zog sie in ihre Arme.
Buffy zuckte zusammen, verstummte einen kurzen Augenblick und weinte dann weiter. Plötzlich spielte es keine Rolle mehr, ob Willow oder ein anderer Mensch sie so sah.
Willow wagte eine ganze Weile, nichts zu sagen. Erst als Buffys Schluchzer abebbten und sie sich fast verlegen von ihr löste, erkundigte sie sich leise. "Was ist passiert?"
Erneut kullerten Tränen über Buffys Wangen, als sie sich zurück an die Couch lehnte und schniefte. "Nichts."
Willow lächelte schwach. "Du siehst tatsächlich aus wie Nichts." Sie stützte ihren Arm auf die Couchlehne. "Buffy, wir kennen dich jetzt alle lange genug und auch wenn du es nicht glaubst, aber eine Menge Menschen machen sich Sorgen um dich. Du bist nicht mehr du selbst, seit…" Sie verstummte und setzte nicht hinzu - seit Spike weg ist - , denn Buffy schluchzte wieder auf und vergrub wieder ihren Kopf in ihren Armen.
Willow hatte noch nie jemanden weinen sehen können und gerade jetzt, nachdem sie und Buffy in den letzten Wochen fast so etwas wie Freunde geworden waren, tat es ihr noch mehr weh. Zögernd legte sie der blonden Frau die Hand auf den Arm.
"Warum ist er gegangen, Buffy?"
Buffy schüttelte wortlos den Kopf, ohne ihn zu heben.
"Bitte, Buffy", flüsterte Willow. "Red mit mir."
"Ich kann nicht…", schniefte Buffy.
"Warum nicht?" fragte Willow ruhig. "Weil du denkst, ich verstehe es nicht? Weil ihr euch gestritten habt? Weil du schuld bist? Glaub mir, Buffy, im Moment spielt all das keine Rolle."
Buffy hob ihr tränenüberströmtes Gesicht und sah Willow an. "Es stand immer fest, dass er auf die Ranch zurückkehrt."
"Wollte er bleiben?"
"Er konnte nicht bleiben!" fuhr Buffy verzweifelt auf. "Er hat Arbeit auf der Ranch, Hengste, die angeritten werden müssen. Er konnte nicht bleiben wegen…" Ihre Stimme verklang und wieder quollen Tränen aus ihren Augen.
"Wegen dir?" erkundigte sich Willow sanft. "Hättest du es dir gewünscht? Weiß er es?"
"Nein!" Buffy strich sich nervös die blonden Haare aus dem Gesicht. "Ich meine…es geht nicht…ich…es hätte nicht funktioniert…"
"Warum nicht?"
"Weil ich für eine Beziehung nicht tauge!" schrie Buffy fast hysterisch.
Und Willow lächelte. Nicht wegen dem, was Buffy gesagt hatte, sondern weil sie zum ersten Mal seit 14 Tagen wieder das ihr eigene Temperament zeigte. Ungerührt zuckte sie mit den Schultern. "Vielleicht taugt Spike auch nicht dazu."
Buffys Kopf sank wieder auf ihre Arme. "Ich vermisse ihn", flüsterte sie kaum hörbar. "Ich fühle mich so elend, Will. Warum ist das so?"
"Liebst du ihn?"
Das Nein lag ihr schon auf der Zunge, doch ihre Augen füllten sich wieder mit Tränen und sie brachte nur ein gequältes: "Ich weiß nicht…" über die Lippen.
"Telefoniert ihr?"
Buffys Kopf schoss hoch. "Was?!"
"Er ist Teilhaber, oder sein Vater…" Willow runzelte die Stirn. "Es wäre doch ganz normal, ein paar…ähm…Worte zu wechseln."
"Ich habe mich nicht mal verabschiedet", flüsterte Buffy erstickt und die Tränen fingen wieder an zu laufen. "Was hab ich nur getan…?"
"Nicht?" Willow fühlte sich plötzlich, als würde sie gleich mitweinen.
"Nein", schluchzte Buffy. "Ich habe all diese scheußlichen Dinge gesagt, als ich erfuhr, dass sein Vater ihn wieder auf der Ranch haben wollte."
"Warum das denn?"
"Ich wollte nicht, dass er bleibt…wegen mir…"
"Wäre er es?"
Würdest du es ändern wollen? Spikes Worte stiegen in Buffys Kopf hoch. Was hätte er getan, wenn sie ja gesagt hätte? "Ich weiß es nicht", flüsterte sie kläglich.
Willow sah sie stumm und mit großen Augen, in denen Tränen schimmerten, an. Wortlos und auffordernd.
Und Buffy fing an zu erzählen. Von der ersten Nacht, von den Streitereien und von der Leidenschaft, die sie in dieser Stärke nur in Spikes Armen kennen gelernt hatte. Sie erzählte vom Ausgang der Wette, von Spikes Kochkünsten und von Dawn Zorn, als sie feststellte, dass Buffy Spikes Bett teilte.
Und zum ersten Mal erzählte sie auch einem anderen Menschen – außer Spike – von Angel. Und von der Sicherheit, die sie in Spikes Armen gefühlt hatte.
Irgendwann zog Willow sie wieder in ihre Arme, während die Tränen nun genau so über das Gesicht der rothaarigen Frau liefen, doch Buffy sprach weiter. Sie redete, als müsse sie sich eine riesige Last von der Seele reden. Und sie verstummte erst, als sie mit ihrer Erzählung am Abend vor Spikes Abreise angelangt war.
"Er hat gefragt, ob ich etwas daran ändern wollte?" schluchzte sie verzweifelt. "Und ich habe nein gesagt…Warum habe ich nein gesagt?"
Willow strich über ihre Haare. "Weil du Angst vor dir selbst bekommen hast?"
Buffy wühlte in ihrer Hosentasche bis sie einen zerknitterten Zettel zum Vorschein brachte. Wortlos reichte sie Willow das Stück Papier.
Diese sah Buffy fragend an, ehe sie es entgegen nahm und den Text las. "Mir tut nichts leid, was passiert ist. Aber ich weiß auch, dass man Gefühle nicht erzwingen kann. Ich möchte trotzdem, dass du weißt, dass es von meiner Seite aus nicht nur Sex war. Am Anfang vielleicht. Später nicht mehr.
Mir tut nur leid, dass du nicht so empfindest. Leb wohl. Ich liebe dich. Spike."
"Oh Gott", flüsterte sie erstickt und presste ihre Hand auf den Mund. "Er hat den Brief da gelassen?"
Buffy nickte traurig.
"Er weiß nicht, was du empfindest…"
"Ich weiß es doch selbst nicht", jammerte Buffy auf. "Ich weiß nur, dass ich mich elend fühle und…einsam…"
"Du liebst ihn", sagte Willow ernsthaft.
Buffy schüttelte den Kopf. "Nein, ich…" Sie verstummte, als sie dem Blick Willows begegnete und vergrub ihren Kopf wieder in ihren Armen.
Willow legte ihr den Arm um die Schultern. "Buffy, hör auf, dich selbst anzulügen. Das hilft weder dir noch ihm. Ruf ihn an."
"Bist du verrückt?" jammerte Buffy. "Ich kann ihn nicht anrufen! Ich habe ihn so ziemlich vom Hof gejagt!"
"Er sollte wissen, dass du ihn vermisst."
"Ich wette, er ist stinksauer auf mich und redet sowieso nicht mit mir", murmelte Buffy geknickt.
"Wenn du es nicht versuchst, weißt du es nicht. Vielleicht vermisst er dich und ist genau so starrköpfig wie du." Willow lächelte.
"Ich bin nicht starrköpfig. Ich sehe nur die Tatsachen", brummte Buffy.
Willow stand auf. "Diese Tatsachen machen, dass du weinend in Spikes alte Wohnung flüchtest, sobald nur sein Name fällt", sagte sie und lächelte noch immer. "Was hältst du davon, ein Eis essen zu gehen?"
"Eis?" Buffy sah geknickt hoch. "Ich sehe scheußlich aus. Ich gehe so nicht aus der Wohnung…"
Willow lachte. "Okay, dann kommt das Eis zu dir. Ich besorge noch heiße Schokolade und dann überlegen wir, was wir am besten tun."
Buffy machte den Mund auf, um etwas zu sagen, doch sie schloss ihn wieder, weil Willow schon aus der Wohnung gerauscht war.
*************
Seit einer Stunde starrte sie das Telefon vor sich auf dem Bett an, ohne es in die Hand zu nehmen. Sie saß im Schneidersitz auf der Decke und all der Mut, den Willow aufgebaut hatte, verpuffte bei dem Gedanken daran, das kleine schwarze Ding in die Hand zu nehmen.
Sie hatte die Nummer der Ranch im Kopf, doch sie schaffte es nicht, die Hand zu heben und das Telefon zu benutzen.
Was sollte sie auch sagen? Hi, Spike, ich bin’s. Wollte nur mal Hallo sagen… Ihr wurde bei dem Gedanken, überhaupt etwas zu sagen, schon ganz schlecht. Wie sollte sie da noch ein Wort hervor bringen?
Die nächste halbe Stunde verbrachte sie damit, sich mögliche Begrüßungsworte auszudenken, um sie gleich darauf wieder zu verwerfen. Was sagt man zu jemandem, den man mit Worten quasi vom Hof geschubst hatte?
Spike, es tut mir leid, was ich gesagt habe?
Sie schluckte nervös. Komm zurück, Spike…
Frustriert sank sie auf das Bett zurück und starrte zur Decke. Er konnte nicht zurückkommen. Seine Arbeit und sein Leben lagen auf der Ranch. Nicht hier in Sunnydale.
Ich kann ihn nicht anrufen, dachte sie verzweifelt. Sie, die sonst so gar nicht verlegen mit Worten war, wusste einfach nicht, was sie sagen sollte.
Hey Spike, all das, was ich gesagt habe, hab ich nur gesagt, um den Schmerz in mir selbst nicht noch größer zu machen?
Sie schloss die Augen und seufzte. Er würde ihr nicht glauben. Sie bezweifelte sogar, dass sie ihn ans Telefon bekommen würde.
Irgendwann richtete sie sich wieder auf und fixierte das Telefon, als könne sie es dazu bringen, allein zu wählen. Eigentlich war sie noch nie einer Konfrontation aus dem Weg gegangen und sie verfluchte sich selbst für ihren mangelnden Mut. Aber allein bei dem Gedanken, seine Stimme zu hören, stiegen ihr schon wieder Tränen in die Augen und ihr Herz fing an zu rasen.
Und der Gedanke, dass er einfach wieder auflegen könnte, erschien ihr noch schlimmer.
Eine halbe Stunde später hatte sie das Telefon zumindest in die Hand genommen, wenn sie auch noch immer keine Taste gedrückt hatte.
Sie war noch nie feige gewesen. Warum also jetzt? Was war jetzt anders?
Sie seufzte. Spike war 14 Tage weg und diese Zeit sollte eigentlich reichen, um all das Chaos, das in ihr herrschte zu beruhigen. Da das nicht der Fall war, sollte sie zumindest sich selbst gegenüber zugeben, dass Willow Recht hatte.
Ist das Liebe? Eine Träne löste sich aus ihrem Auge und kullerte ihre Wange hinab. Tat Liebe so weh?
Spikes Platz war auf der Ranch. Dort wurde er gebraucht und dort wartete eine Menge Arbeit auf ihn. Vielleicht hatte er die ärgerliche blonde Frau, die ihn wochenlang an den Rand des Wahnsinns getrieben hatte, längst wieder vergessen.
Buffy vergrub ihr Gesicht in ihren Händen. Ich kann ihn nicht vergessen. Ich kann seinen Blick nicht vergessen, als er fragte, ob ich etwas ändern möchte und auch die Enttäuschung nicht, die darin lag, als ich nein sagte. Ich wollte nie, dass mir jemand wieder wehtun kann. Aber ich habe genau das mit ihm getan. Und mit mir selbst.
Sie hob den Kopf, als sich ein Entschluss in ihr aufbaute. Vielleicht war Telefonieren genau so feige. Sie wusste, wenn er einfach auflegen würde, brächte sie nie wieder den Mut auf, das Telefon in die Hand zu nehmen.
Und sie wusste ebenso gut, sie würde erst wieder Ruhe finden, wenn sie mit ihm gesprochen hätte. In diesem Punkt hatte Willow ebenfalls Recht.
Aber sie wollte ihm nicht die Gelegenheit geben, das Gespräch abzubrechen, indem er einfach die Verbindung trennte.
Als hätte dieser Gedanke ihr neuen Mut eingeflößt, warf sie das Telefon in die Ecke und sprang auf.
Es gab eine Menge zu organisieren, wenn sie vorhatte, den weiten Weg nach Arizona zurück zu legen.
Und zum ersten Mal seit 14 Tagen fühlte sie sich nicht mehr ganz so scheußlich.
Joyce hatte sie angesehen, als hätte sie den Verstand verloren, aber keinen Ton gesagt. Dawn hatte den Mund geöffnet, ihn jedoch wieder geschlossen, als sie Buffys eisiger Blick traf.
Buffy wollte nicht hören, dass es Telefone gab. Sie wollte auch nicht hören, dass 500 km keine Entfernung waren, die man einfach mal so zurücklegte, um ein paar Worte mit jemandem zu wechseln.
Sie hatte diesen Entschluss gefasst und keine Macht der Welt würde sie jetzt noch davon abhalten.
Vielleicht ahnte Joyce, dass es mehr war, als jemandem Hallo zu sagen. Vielleicht wusste Joyce auch mehr, die ja des Öfteren mit Giles telefonierte.
Dawn ahnte es definitiv, denn als sie Buffy zum Abschied umarmte, flüsterte sie ihr ins Ohr: „Sag ihm, ich vermisse ihn auch.“
Buffy nickte nur, winkte noch einmal und stieg in den Jeep, den sie sich extra für die Reise nach Arizona gemietet hatte. Sie sah nicht zurück, aber sie spürte wieder den seltsamen Blick ihrer Mutter.
Buffy war es gewohnt, dass ihre Entscheidungen in manchen Dingen in Frage gestellt wurden und diesmal hatte sie sich wahrscheinlich selbst übertroffen. Aber sie würde wahrscheinlich keine Ruhe finden, wenn sie jetzt nicht genau das tat, was sie vorhatte.
Vielleicht würde Spike sie von der Ranch werfen. Vielleicht würde er sie anschreien, oder sie ignorieren oder sie mit Worten davon jagen.
Sie würde mit seiner Reaktion leben können. Aber sie würde es sich selbst nicht verzeihen, wenn sie nicht wenigstens versuchen würde, mit ihm zu reden.
Joyce hatte versucht, sie zu überreden, sich wenigstens anzukündigen. Doch Buffy hatte in ihrer unvergleichlich scharfen Art erwidert, sie würde explodieren, wenn Joyce auch nur ein Sterbenswörtchen gegenüber Giles fallen lassen würde.
Buffy hatte sich geweigert, ihre Mutter nach Spike zu befragen. Sicherlich sprachen Joyce und Giles über ihre Kinder, doch Buffy wollte es nicht wissen. Sie wollte es nicht aus dritter Hand erfahren, sondern ihm gegenüber stehen, sagen, was sie sagen wollte und seine Reaktion sehen.
Erst dann würde sie wieder ruhig schlafen können.
Egal wie diese Reaktion ausfiel.
***********************
Buffy starrte durch die staubige Windschutzscheibe auf die genau so staubige Straße. Der große Jeep holperte über die unbefestigte Straße und klapperte, als hätte er vor, in den nächsten fünf Minuten auseinander zu fallen.
Sie hätte es vorgezogen, ihr eigenes kleines hübsches sauberes Auto zu fahren, doch ein Blick auf die Karte hatte sie besseres gelehrt. Die Frau in der Autovermietung bestätigte ihre Befürchtungen, nachdem Buffy ihr mitgeteilt hatte, wohin sie wollte und hatte ihr zu genau diesem Jeep geraten.
Jetzt, nachdem sie den Highway verlassen hatte, wusste sie warum. Wahrscheinlich hätte ein weniger robustes Auto längst den Geist aufgegeben.
Und nun, nach fast drei Stunden Fahrt durch die staubige Einöde, war es Buffy sogar egal, dass der Staub auch vor ihr nicht Halt machte. Es herrschte eine derartige Hitze in dem Auto ohne Klimaanlage, dass sie das Verdeck zurück geklappt hatte, weil sie nicht ersticken wollte.
Es bedeutete zwar, sich der direkten Sonne und dem Staub auszusetzen, aber sie hatte keine Lust, auf der Ranch anzukommen und in ihrem eigenen Schweiß zu baden.
Seufzend blinzelte sie durch die Sonnenbrille und fuhr sich durch die Haare. Wenn sie nicht vor einer halben Stunde dem Schild Dornado-Ranch begegnet wäre, würde sie fast glauben, sich verfahren zu haben.
Wohin sie auch blickte, sah sie entweder Wälder, Wiesen oder Rinder. Manchmal auch Pferde. Aber sie sah weder ein Haus, noch ein Auto oder Menschen.
Das also war Arizona. Toll…
Sie kam sich vor, als wäre sie vollkommen allein auf dieser Welt. Nur sie, die Sonne und der Staub…
Und irgendwie hatte sie es satt.
Erst als in der Ferne die Umrisse von mehreren Gebäuden auftauchten, fiel ihr wieder ein, was sie eigentlich vorhatte und atmete tief durch.
Okay, Buffy, redete sie sich selbst Mut zu. Packen wir es an.
***************
Mit einem Knirschen bremste der Jeep im Sand neben dem Hauptgebäude. Zwei gesattelte Pferde, die an dem Balken vor dem Haus angehängt waren, dösten vor sich hin und schauten träge in ihre Richtung, als sie ausstieg und sich den Staub aus den Sachen klopfte.
Es herrschte eine drückende Hitze und jetzt, nachdem der Fahrtwind verschwunden war, spürte Buffy diese umso mehr.
Sie nahm ihre Sonnenbrille ab und sah sich um. Schon jetzt klebte die enge Jeans, die sie trug, an ihrem Körper und sie ärgerte sich, nicht eines ihrer luftigen Kleider angezogen zu haben.
Als sie dann jedoch darüber nachdachte, wie ein Sommerkleid nach den acht Stunden Fahrt, davon drei im direkten Staub, aussehen würde, gratulierte sie sich selbst zu der Entscheidung mit den Jeans und dem einfachen Spagettiträgertop.
Sie war noch nicht dazu gekommen, die ganze Umgebung aufzunehmen, als sich die Tür vom Haupthaus öffnete und ein älterer Mann heraus trat.
Er wollte gerade den Cowboyhut auf seinen Kopf setzen, als er Buffy bemerkte und mitten in der Bewegung erstarrte.
„Hallo“, machte Buffy gespielt fröhlich. Ein Cowboy wie aus einem Film, ging es ihr belustigt durch den Kopf. Der Mann trug dunkle Lederhosen und ein kariertes Hemd, das an der Brust nur zur Hälfte geschlossen war. Seine dunkle gebräunte Haut schien vom Wetter gegerbt und die hellen blauen Augen musterten Buffy verblüfft. „Meine Name ist Buffy Summers“, stellte sie sich vor. „Ich suche Spike.“
Der Cowboy kam die Holzstufen herunter und sah sie misstrauisch von oben bis unten an. „Spike?“ schaffte er dann zu sagen. „Miss Summers?“
Buffy nickte und begann sich unter seinem Blick recht unbehaglich zu fühlen. Trotzig warf sie den Kopf in den Nacken und erwiderte den Blick ungerührt. Sie beglückwünschte sich noch einmal, nicht das Sommerkleid zu tragen, da sein Blick selbst jetzt schon Stadttussi zu sagen schien.
„Spike is’ bei den Hengsten“, nuschelte er missmutig und schlurfte zu einem der Pferde.
Buffy verdrehte die Augen und folgte ihm. „Und das wäre wo?“
Der Cowboy deutete den staubigen Weg zwischen den Viehweiden hinab, in dessen Ferne Buffy weitere Gebäude erkannte. „Glaub nicht, dass er erfreut is’“, setzte er noch hinzu. „Rupert is’ im Haus.“
Buffy hatte absolut kein Bedürfnis, Giles zu sehen und lächelte falsch. „Ich möchte Spike sehen.“
Der Cowboy verzog den Mund. „Das wolln’se alle. Und dann fahr’n se…“ Er verstummte und fixierte Buffy. „Summers?“ vergewisserte er sich noch einmal.
Buffys Augen verengten sich. „Ja.“
Der Cowboy grinste. „Is’ ein Stück hin. Sie könn’ ja Sunflower nehmen.“ Er deutete mit dem Kopf auf das zweite Pferd.
„Ich könnte auch das Auto nehmen“, entgegnete Buffy pikiert.
„Würd’ ich nicht empfehlen“, grinste der Cowboy noch breiter.
Buffy hatte das untrügerische Gefühl, dass er sich über sie lustig machte. Und das war etwas, was ihr überhaupt nicht gefiel. Ohne ein weiteres Wort trat sie an die Stute, löste den Strick von dem Balken und schnallte den Sattel fest.
Sunflower blieb gelassen stehen, als Buffy ihr die Zügel über den Hals warf und aufstieg. Wenn der Cowboy überrascht war, so ließ er es sich nicht anmerken.
„Wie weit?“ fragte sie scharf.
Er setzte nun endgültig seinen Hut auf. „Hinter den Scheunen da am Horizont, befinden sich die Weiden mit den Junghengsten und ein Round Pen. Irgendwo da wird er sein…“
„Danke“, knirschte Buffy noch hervor, ehe sie das Pferd wendete und die Stute den staubigen Weg zwischen den Weiden hinab traben ließ.
Der Cowboy starrte ihr eine Weile nach, so in Gedanken versunken, dass er aufschreckte, als sich hinter ihm wieder die Tür öffnete.
„Wer war das, Jeb?“ fragte Giles mit einem verblüfften Blick auf den Jeep und sah dann in die Richtung, in der die Reiterin immer kleiner wurde.
Jeb grinste wieder und schwang sich auf den Wallach. „Die junge Summers.“ Giles Mund klappte auf. „Macht übrigens ne gute Figur auf dem Pferd.“ Er tippte sich grüßend an den Hut, ehe er den Wallach vom Hof traben ließ. „Ich werd mich heut mal von den Hengstweiden fern halten…“
Giles brachte kein Wort hervor, sondern starrte in die Ferne, wo immer noch Buffy auf dem Pferd zu erkennen war. Irgendwann nahm er seine Brille ab, begann sie zu putzen, ließ es aber schnell wieder sein und stürzte zurück ins Haus.
Er sollte schnellstens mit Joyce telefonieren. Spike Laune in den letzten vierzehn Tagen nach zu urteilen, konnte jetzt nur noch ein Unglück passieren… Aber Giles war genau wie Jeb der Meinung, dass man sich in den nächsten Stunden nicht in die Nähe der Hengstweiden wagen sollte.
Er hatte Buffy in Hochform erlebt und er kannte seinen Sohn. Die beiden jetzt aufeinander treffen zu sehen, darauf konnte er getrost verzichten.
Sie würden sich schon nicht gegenseitig umbringen…
***************
Die Stute war erstaunlich gut zu lenken. Obwohl Buffy sich diesmal weniger darauf konzentrierte, gar nicht viel zu tun, reagierte sie nicht so unwillig und aggressiv wie damals Spikes Hengst. Selbst als ein paar junge Pferde neben ihnen hinter dem Zaun galoppierten, ließ sie sich nicht aus der Ruhe bringen.
Buffy fand das angenehm, weil sie sowieso mehr damit zu tun hatte, das mulmige Gefühl in ihrem Magen zu bekämpfen.
Es dauerte eine Viertelstunde, ehe sie die anderen Gebäude erreichte. Sie ließ die Stute in einen langsamen Trab – sie wusste sogar noch, dass dieser als Jog bezeichnet wurde – fallen und durchquerte den schmalen Hof zwischen den zwei Scheunen.
Auf der anderen Seite begann wieder Weideland. Hier jedoch waren die Weiden durch befestigte höhere Zäune begrenzt und nicht nur Litze gespannt.
Buffy bremste das Pferd und schirmte ihre Augen gegen die grelle Sonne mit der Hand ab. Junge Pferde tummelten sich auf den Weiden, soweit das Auge reichte. Hier, direkt hinter der einen Scheune spielten zwei Junghengste miteinander, jagten sich über die Koppel und stiegen mit den Vorderbeinen in die Luft.
Buffy sah nach rechts und erblickte die ihr nun schon bekannte Konstruktion eines Round Pens. Er sah ähnlich aus wie der, der sich jetzt auch auf ihrem Hof befand, und ein einzelnes Pferd wälzte sich gerade in dessen Mitte genüsslich im Sand.
Und dann sah sie die Gestalt, die am Zaun des Round Pens lehnte, die Arme auf den Zaun gestützt und das Pferd beobachtend.
Buffys Herz machte einen Satz. Sie würde ihn überall wieder erkennen. Obwohl sie ihn nur von hinten sah und er einen Cowboyhut trug. Bei dieser Sonne wahrscheinlich die einzige Möglichkeit, keinen Sonnenstich zu bekommen…
Buffy lenkte die Stute langsam in seine Richtung. Der Hengst im Round Pen bemerkte sie zuerst. Er sprang auf, schnaubte und trabte mit hoch erhobenem Kopf zum Zaun, ehe er ein schallendes Wiehern ausstieß, um die Stute zu begrüßen.
Spike drehte sich um und hob erstaunt die Augenbrauen, als er das Reiter-Pferd-Paar bemerkte, das auf ihn zukam. Doch es dauerte bis die Stute vor ihm stoppte, ehe er begriff, wer auf dem Pferd saß.
****************
Buffy schluckte und die Nervosität, die sie versucht hatte zu verdrängen, kam mit aller Gewalt zurück. Und auch Spikes fassungsloser Gesichtsausdruck konnte daran nichts ändern. Plötzlich erschien ihr die Idee, hierher zu kommen, nur noch halb so gut.
„Hi“, brachte sie hervor und fand, dass ihre Stimme scheußlich klang.
Spike starrte sie immer noch an, als würde er träumen, ehe er krächzte. „Buffy…“
Sie sprang vom Pferd, ließ die Stute stehen und ging langsam auf ihn zu.
Er hatte sich nicht verändert. Wie auch, es waren nur 14 Tage, auch wenn es für sie wie eine Ewigkeit schien, und sie registrierte in diesem kurzen Moment jede Einzelheit seines ihr so vertrauten Gesichts. Die blauen Augen, die scharfen Wangenknochen und die Lippen, die er jetzt aufeinander presste.
Seine Hand, die immer noch auf dem Zaun des Round Pen lag, krallte sich in das Holz, als sie vor ihm stehen blieb.
„Spike“, sagte sie leise.
Er schluckte. „Was willst du?!“ Es klang schärfer, als er es beabsichtigte. Vielleicht weil er noch immer nicht fassen konnte, dass es tatsächlich Buffy war, die vor ihm stand. Mitten in Arizona…
Es schien wirklich fast wie ein Traum, denn die Buffy, die er kennen gelernt hatte, war niemals von einer Staubschicht bedeckt gewesen. Er musste fast lachen, als ihm genau das auffiel. Das enge Top klebte an ihrem Körper, sie schwitzte und an ihrer Stirn sah er einen Dreckfleck, weil sie wahrscheinlich mit ihren Händen die durch den Fahrtwind verwirrten Haare glätten wollte.
Er fand, sie sah einfach fantastisch aus und benötigte seine gesamte Selbstbeherrschung, um sie nicht einfach an sich zu reißen. Zu deutlich standen ihre Worte noch in seinem Kopf und zu frisch war die Erinnerung an die vergangenen 14 Tage, an die Enttäuschung und an die verrückten Träume von ihr.
„Warum bist du hier, Buffy?“ fragte er wieder.
„Ich…“, begann sie zögernd. „Ich hab mich nicht verabschiedet…“ Im nächsten Augenblick verwünschte sie sich selbst. Glänzende Idee! Fällt dir nicht etwas weniger Schwachsinniges ein?!
Spike verzog spöttisch den Mund. „Stimmt. Ich habe aber auch nicht damit gerechnet. Genau so wenig wie mit deinem Auftauchen hier. Also lass dir was Besseres einfallen!“
Sie holte tief Luft. „Ich muss noch einmal mit dir reden…“
„Warum?!“ unterbrach er sie hart, ehe sie weiter reden konnte. „Um es noch schlimmer zu machen? Buffy, du hast an diesem Tag alles gesagt. Es reicht. Mehr brauche ich nicht zu wissen!“ Spike drehte sich um und griff nach dem Seil, das neben ihm über dem Zaun hing. „Ich habe zu tun.“
„Spike!“ Buffy war keine Sekunde später neben ihm und griff nach seinem Arm.
Er fuhr herum und funkelte sie zornig an. „Nein! Ich will nicht hören, was du zu sagen hast! Ich will nicht wissen, warum du hier bist und ich will, dass du gehst!“
Der Zorn in seinen Augen war echt, aber genauso schwelte da noch etwas anderes mit, das Buffy selbst nur zu gut kannte: Schmerz.
Sie ließ seinen Arm los und flüsterte. „Es tut mir leid.“
„Ich will das nicht hören!“ schrie er ihr ins Gesicht. „Du bist verrückt, hier aufzutauchen!“ Er wirbelte herum und stürmte davon.
Buffy war weit davon entfernt, ihn einfach gehen zu lassen. „Du wirst mir jetzt zuhören!“ fauchte sie genau so laut. „Ich bin nicht den ganzen Weg durch diese Einöde gefahren, um mich von dir voll schreien zu lassen!“
„Du bist es aber!“
Sie fluchte, als er in Richtung des Gebäudes stürzte und rannte ihm nach. „Bleib hier!“
Spike warf den Strick wütend auf den Haufen zu den anderen, als Buffy hinter ihm die Scheune betrat und die Tür zuknallte. „Verschwinde endlich!“
Buffy hatte kurz zu tun, sich an das Halbdunkel zu gewöhnen, das gegen die grelle Sonne draußen düster wirkte. Es roch nach Heu und sie sah die Ballen und auch die Haufen losen Heus in der ganzen Scheune liegen. Obwohl sie mit vielen vielen guten Vorsätzen zu dieser Ranch gefahren war, kochte Zorn in ihr hoch.
„Ich denke gar nicht daran!“ schrie sie nicht minder laut und stieß ihm die Hand gegen die Brust. „Du warst derjenige, der an diesem Tag nicht alles gesagt hat, sondern lieber Briefchen schreibt!“
Spike hatte nicht damit gerechnet, dass sie wie eine Furie auf ihn losging. Ihre Augen funkelten jetzt genau so zornig wie seine eigenen und gegen seinen Willen fühlte er seinen Körper auf sie reagieren. Es war die Wand in seinem Rücken, die ein weiteres Zurückweichen stoppte und im gleichen Moment krallten sich Buffys Finger in sein Hemd.
„Du wirst mir jetzt zuhören, Cowboy“, knurrte sie böse und sah zu ihm auf.
Spike verfluchte sich selbst, weil er das wirklich gern wollte. „Nein, werde ich nicht!“ fauchte er gereizt und ärgerlich über sich selbst. „Ich will, dass du gehst!“ Sie war ihm zu nah, er konnte ihren so vertrauten Duft riechen und ihren Körper so nah zu spüren, brachte ihn an den Rand der Beherrschung. Er wollte sie von sich stoßen, doch seine Hände gehorchten ihm in dem Moment, in dem er ihren Körper berührte, nicht mehr.
„Verflucht“, brachte er hervor. Buffys Mund öffnete sich, um etwas zu sagen, als er sich von der Wand abstieß und mit ihr zusammen zur Seite taumelte.
Buffy stolperte über einen am Boden liegenden Balken und riss Spike mit zu Boden. „Shit“, schimpfte sie auf, weil er auf ihr landete und schnappte nach Luft, um im nächsten Moment mit einem schiefen Grinsen auf den Lippen zu sagen. „Zumindest jemand ist erfreut, mich zu sehen.“
Spike war froh, dass es so dunkel war und sie nicht sehen konnte, dass er vielleicht zum ersten Mal in seinem Leben rot anlief. „Ist das alles, was du willst?!“ fuhr er sie böse an. „Ein Fick? Hast du niemanden gefunden, der es dir so gut macht wie ich?!“
Buffy schlang ihren Arm um seinen Hals und zog seinen Kopf zu sich herab. „Nein“, flüsterte sie, ohne ihre Augen von seinen zu lösen.
Spike schaffte es noch genau eine Sekunde, gegen sich selbst zu kämpfen. Dann gab er auf und seine Lippen krachten auf Buffys Mund. Wild drängte seine Zunge zwischen ihre Zähne, verschlang ihren Mund in einem alles verzehrenden Kuss, während sie sich wie Ertrinkende aneinander klammerten.
Es schien, als wären keine 14 Tage vergangen und als hätte es keinen Streit gegeben. Ihr Körper reagierte auf ihn und dass zumindest sein Körper das gleiche tat, spürte sie deutlich durch den dünnen Stoff ihrer Jeans.
Spike stöhnte leise in ihren Mund. Ihre Beine schlangen sich um ihn, sie rieb sich selbst an der Beule in seiner Mitte und er hatte alle Mühe, nicht sofort in seiner Hose zu kommen.
Er war wütend auf sie. Die ganzen letzten 14 Tage, nachdem sich die Enttäuschung etwas gelegt hatte, verbrachte er mehr oder weniger damit, seinen Zorn auf sie zu nähren.
Rupert hatte ein einziges Mal versucht, mit ihm zu sprechen, es aber schnell gelassen, als Spike explodiert war. Spike wollte den Namen Buffy nicht mehr hören, er wollte sie vergessen, doch nicht einmal auf eine gehörige Portion Alkohol war noch Verlass.
Und jetzt stand sie hier und all sein Zorn und seine Wut schlugen um in Verlangen, weil sein Körper ihn verriet. Sicherlich war sie nicht hier, um sich von ihm eine schnelle Nummer besorgen zu lassen. *So* verrückt war selbst sie nicht.
Aber in diesem Augenblick, mit ihrem zierlichen Körper unter seinem, interessierte ihn das herzlich wenig.
Hektisch hantierten seine Finger an ihrer Hose, ohne dass sich ihre Lippen trennten. Buffy reagierte genau so wild. Sie spürte den harten Holzboden in ihrem Rücken nicht, sondern hatte mehr damit zu tun, die engen Jeans samt dem Slip ihre Beine hinab zu strampeln.
Spike stöhnte wieder, als ihre Hände zum Bund seiner Hose glitten, die Knöpfe und den Reißverschluss öffneten. Jegliches Denken verschwand angesichts der Tatsache, dass seine Erektion ins Freie sprang und direkt auf die Nässe zwischen ihren Beinen traf.
Na und, dann war es halt falsch. Dann war es halt der nächste Fehler, der zu den vielen von vor 14 Tagen noch hinzukam. Er würde es überleben. Und keine Macht der Welt würde ihn jetzt davon abhalten, das zu tun, was sein Körper verlangte.
In diesem Augenblick, in diesem Moment der Leidenschaft gehörte sie nur ihm. Er riss seinen Kopf von ihr los, krallte seine Hand in ihre Haare und sah sie keuchend an.
„Mein“, flüsterte er wild, ehe er seine Hüften nach vorn stieß und sich tief in ihrer feuchten Hitze vergrub.
Buffy bäumte sich auf, ihm entgegen und presste ihre Lippen auf seinen Mund. „Ja“, hauchte sie heiser. „Dein…“
Und Spike verlor jegliche Beherrschung, als sie sein Wort bestätigte. Alles wurde zur Nebensächlichkeit. Die Hitze, der Ort, an dem sie sich befanden, der Hengst im Round Pen und selbst der Zorn, der noch immer versteckt in ihm schwelte.
Und nicht einmal Buffy protestierte, als sie sich im Staub des Scheunenbodens liebten, als gäbe es kein Morgen mehr…
Spike war auf Buffy zusammen gebrochen. Nur ihr beider keuchender Atem dröhnte in ihren Ohren, während sie versuchten, ihren Verstand wieder klarer werden zu lassen.
Er benötigte eine ganze Menge Kraft, um den Kopf zu heben, als sie sich unter ihm rührte. Mit einem fast verlegenen Ausdruck in den Augen lächelte sie ihn schüchtern an.
„Warum bist du hier, Buffy?“ fragte er leise und irgendwie verzweifelt.
Sie schaute plötzlich ähnlich verzweifelt drein. „Ich wollte dich sehen“, flüsterte sie kaum hörbar.
„Mich sehen?“ echote er verblüfft.
„Ich hab dich vermisst“, piepste sie.
Das verschlug ihm erst einmal die Sprache. Er konnte sie einfach nur anstarren, während er versuchte, die Worte zu begreifen. „Vermisst…?“ war dann alles, was er sehr intelligent hervor brachte.
„Ich wollte dich anrufen“, murmelte Buffy geknickt. „Ich hab’s nicht geschafft, die Nummer zu wählen…Ich wollte nicht, dass du einfach wieder auflegst. Und wenn ich hier bin, kannst du nicht einfach flüchten…“
Er stieß ein abgehacktes Lachen aus. „Nein.“
„Ich…ich hab scheußliche zwei Wochen hinter mir“, flüsterte sie dann.
Spike schloss einen Moment die Augen, ehe er sich aufrichtete und durch seine Haare fuhr. Der Hut schien irgendwo abhanden gekommen zu sein, aber das interessierte ihn im Moment nicht.
„Ich auch, Luv“, antwortete er dann, ohne sie anzusehen. „Und ich brauche das nicht noch mal.“
Buffy setzte sich ebenfalls auf. „Du hast den Brief zurück gelassen, Spike“, sagte sie ruhig und griff nach seinem Arm, als er ausweichen wollte. „Und nach dem gerade kannst du nicht behaupten, dass du so dermaßen etwas dagegen hast, mich zu sehen.“
Spike fuhr zu ihr herum und ein Teil des Zorns war wieder in seinen Augen zu sehen. Sein Arm schlang sich um ihren Hals und zog sie an sich.
„Nein“, stieß er hervor. „Ich bin ein gottverdammter Narr!“ Ihre Lippen hatten sich etwas geöffnet, weil sie noch immer mit ihrem rasendem Atem kämpfte und durch das Zwischenspiel im Staub der Scheune sah sie noch wüster aus als vorher. Spike verfluchte sich selbst, aber in seinen Augen war sie die schönste Frau der Welt.
„Es ist wahr“, fuhr er dann fort. „Ich liebe dich, Buffy. Ich bin ein Idiot, das zu tun, aber ich kann es nicht ändern. Aber ich kann nicht damit leben zu wissen, dass du nicht das gleiche empfindest. Es reicht mir nicht mehr. Wenn ich nicht alles haben kann, will ich gar nichts. Ich könnte es nicht ertragen.“
Buffy schluckte krampfhaft, weil sie mit den Tränen kämpfte, während er sprach. „Ich hab gelogen“, wisperte sie dann verzweifelt und fühlte ihre Augen feucht werden. „Als du damals gefragt hast, ob ich etwas ändern würde, hab ich gelogen…“
„Warum?“ war alles, was Spike fassungslos fragen konnte.
„Ich weiß nicht“, schniefte sie nun endgültig. „Ich hab Angst bekommen. Vor mir selbst, vor dem, was ich empfinde. Angst, in einem Leben, das dich einschließt, zu versagen…“
Spike zog sie an sich, als die Tränen anfingen zu laufen und vergrub sein Gesicht in ihren wirren Haaren. „Ich liebe dich“, flüsterte er wieder. Seine Hände umfingen ihr Gesicht und hoben es zu sich an. „Ich würde es riskieren, wenn du sagst, dass wenigstens die kleine Chance besteht…“
„Spike“, unterbrach sie ihn erstickt. „Ich habe in den letzten 14 Tagen mehr an dich gedacht, als irgendetwas anderes getan. Ich habe von dir geträumt, ich habe dich verflucht, weil du nicht da warst. Ich kann nicht mehr behaupten, alles, was ich für dich empfinde, ist Verlangen…“
Spike vergaß fast zu atmen. „Nein?“
„Nein“, sagte sie kleinlaut. „Ich habe das noch nie erlebt. Nicht mit Angel und schon gleich gar nicht mit Riley…“ Sie hob ihre Finger zu seinem Gesicht, strich über seine Wangen und legte sie dann um seinen Hals. „Ich habe dich so sehr vermisst, dass es weh tut…“, seufzte sie und hauchte ihm einen Kuss auf die Lippen.
„Redest du…“ Spike musste noch einmal schlucken, ehe er es schaffte, weiter zu sprechen. „Redest du jetzt von…Liebe?“
„Ich…glaub schon…“, murmelte sie verlegen.
Und Spike grinste. „Du kannst das aber nicht sonderlich gut sagen“, beschwerte er sich und grinste noch breiter, als sich die Röte ihrer Wangen noch vertiefte. „Du solltest das mal ein wenig üben.“
Buffy stieß ihm erbost gegen die Brust. „Hör auf, dich über mich lustig zu machen!“
Er lachte, küsste sie kurz und zog sie dann mit sich hoch, als er aufstand. „Wir sollten uns mal ein gemütlicheres Plätzchen suchen“, meinte er vergnügt und wackelte provozierend mit den Augenbrauchen, während er seine Hose wieder verschloss.
Buffy grinste schief und schlüpfte in ihre Jeans. „Ich sehe sicherlich fürchterlich aus“, murmelte sie missmutig und klopfte den Staub aus der Hose.
„Du siehst verflucht heiß aus“, raunte Spike neben ihrem Ohr. „So richtig nach dem, was wir gerade getan…“
„Spike!“
Er hob lachend seine Hand, entfernte ein paar Heuhalme aus ihren Haaren und hielt sie vor ihre Nase. „Wie erklärst du die sonst?“
Sie fluchte unterdrückt, fuhr mit den Fingern durch die Haare und versuchte sie zu entwirren. „Ich brauche eine Dusche.“
„Ich auch, Luv“, kicherte er. „Ich auch…“
****************
„Hallo Giles“, war alles, was Buffy sagen konnte, als Spike sie an seinem Vater vorbei die Holztreppe hinauf zog.
„Hallo…ähm…Buffy…“, hörte sie noch die Stimme des älteren Mannes und fühlte förmlich dessen Blick in ihrem Rücken.
„Spike!“ schimpfte sie erbost und zerrte an ihrer Hand. „Was zum Teufel soll dein Vater denken!“
„Das ist mir ziemlich egal“, grinste Spike belustigt und schob sie durch die Tür ins Bad. „Du brauchst eine Dusche, ich brauche eine, danach ist immer noch Zeit, Dads Neugier zu befriedigen. Ich wette sowieso, er hat schon mit Joyce telefoniert.“
„Oh Gott, das ist mir peinlich“, murmelte sie und fuhr sich durch die wirren Haare.
„Lügnerin.“ Spike verschloss die Tür und kam langsam auf sie zu. Er hob seine Hand, um ihr eine der wüsten Strähnen aus dem Gesicht zu streifen. „Ich will jetzt keinen schnellen Fick unter der Dusche“, sagte er leise, beugte den Kopf nach vorn und küsste sie sanft. „Ich kann noch immer nicht glauben, dass du tatsächlich hier bist.“
„Ich auch nicht“, flüsterte Buffy und ließ zu, dass er ihr das Top über den Kopf zog.
Ihre Kehle schnürte sich schon wieder zu, als sie seinen Blick spürte und in seinen Augen etwas sah, was sie nie für möglich gehalten hätte zu sehen. Natürlich war da Verlangen, aber diesmal war es mehr als das. Er sah sie an, als wäre sie etwas unendlich kostbares und die Wärme in seinem Blick verursachte ein derartiges Chaos in ihrem Kopf, dass sie kaum klar denken konnte.
Sie hatte es nicht erwartet. Sie hatte mit harten Worten, mit Streit und auch damit gerechnet, dass er sie einfach vom Hof jagen würde.
Sie hatte nicht damit gerechnet, dass er noch immer das gleiche empfand, nicht nachdem sie ihm damals all die Dinge an den Kopf geworfen hatte.
Spike streifte sein eigenes Shirt ebenfalls ab und warf es achtlos in die Ecke. Seine Augen ließen sie nicht los und ein leises Lächeln erschien auf seinen Lippen, als er ihre Unsicherheit bemerkte.
Das war neu. Und es gefiel ihm.
Er öffnete seine Hose, beobachtete, dass sie das gleiche tat und schob sie seine Beine hinab.
„Mein frischen Sachen sind noch im Auto“, murmelte Buffy, während sie ihre Hose mit dem Fuß in Richtung der anderen am Boden liegenden Kleidung schickte.
Spike griff nach ihrer Hand und zog sie in die Duschkabine. „Ich hole sie dir dann“, versprach er und drehte das Wasser an.
Erinnerungen stiegen in Buffy hoch. Erinnerungen an diesen einen Abend, nach der Konfrontation mit Angel, als er zu ihr unter die Dusche gekommen war und die zärtlichen Berührungen seiner Hände sie einen Teil des Schmerzes hatten vergessen lassen.
Sie hätte es damals schon wissen müssen. Sie hätte es daran sehen müssen wie er sie behandelte. Sie war so blind gewesen…
Wieder traten Tränen in ihre Augen, als er begann, ihre Haare einzuseifen und dann auszuspülen. Sie drehte sich zu ihm um und sah in seine so unwahrscheinlich blauen Augen.
„Es tut mir so leid“, flüsterte sie erstickt. „Was ich gesagt habe…was ich getan habe…Ich kann auch gar nichts richtig machen…“
„Shhh…“ Spike schlang seinen Arm um ihren Hals und lehnte seine Stirn an ihre. „Du bist hier. Das ist alles, was zählt.“
Buffy presste ihre Lippen auf seinen Mund. „Ja“, murmelte sie geknickt. „Ja…“
Das Wasser prasselte auf sie nieder, spülte die Seife von ihren Körpern, ohne dass sie es wahr nahmen, denn alles, was im Augenblick zählte, waren ihre Lippen, die sich wieder trafen.
Im Gegensatz zu dem, was in der Scheune passiert war, ging es diesmal einfach nur um Zärtlichkeit. Fast vorsichtig tasteten sich ihre Zungen zueinander, berührten sich und spielten miteinander. Sie wollten nicht mehr, jedenfalls im Moment nicht, sondern einfach nur die gegenseitige Nähe genießen…
***************
Buffy bekam an diesem Abend für eine lange Zeit keine Gelegenheit ein paar Worte mit Giles zu wechseln, da Spike sie gleich nach dem Duschen in Richtung seines Schlafzimmers schob.
Sie hatten sich noch einmal geliebt. Langsam diesmal und mit einer Sanftheit, die Buffy wieder die Tränen in die Augen trieb. Spike schien nicht genug davon bekommen zu können, ihren Körper zu erforschen, sie mit seinen Lippen und Händen zu berühren.
Sie genoss es, sich einfach dem Spiel seiner Finger hinzugeben und zu fühlen, wie viel sie ihm bedeutete. Und als sie spürte, dass ihn die Erregung übermannte, drückte sie ihn sanft, aber bestimmt auf das Bett zurück, lächelte dieses Lächeln, von dem sie wusste, dass es ihn in den Wahnsinn trieb und gab ihm das gleiche zurück. Da sie es schwer fand, mit Worten zu sprechen, ließ sie es ihre Lippen und ihre Zunge tun…
Später lagen sie, noch immer nackt, auf dem breiten Doppelbett. Die letzten Sonnenstrahlen drangen durch das Fenster und tauchten das Zimmer in ein gemütliches Licht.
Spike lag auf dem Rücken, starrte gedankenverloren in die Luft, während sich Buffy an seine Seite schmiegte und einen Arm um seinen Bauch geschlungen hatte.
„Wie geht es jetzt weiter?“ fragte er leise.
„Ich habe keine Ahnung“, murmelte Buffy müde.
Seine Hand strich über ihre Haare, spielte mit einer der blonden Strähnen und drehte sie um seinen Finger. „Mein Dad vermisst deine Mom auch…“
Buffy lächelte schwach. „Die Entfernung ist recht groß.“
„Hm“, machte Spike. „Aber nicht unüberwindbar.“
Sie hob den Kopf und legte ihr Kinn auf seiner Brust ab. „Was geht dir durch den Kopf?“
„Das, was mir auch schon vor 14 Tagen durch den Kopf gegangen ist“, sagte er einfach. „Wenn man will, kann man eine Menge möglich machen. Es ist eine Organisationsfrage, mehr nicht. Die bedeutendere Frage ist…“ Er machte eine Pause und Buffy hob fragend die Brauen. „…ob du es willst“, beendete er seinen Satz.
Sie holte tief Luft. „Ich sehe eine Menge Organisationsprobleme…“
„Lenk nicht vom Thema ab“, brummte Spike missmutig und schlang seine Hand um ihren Nacken. „Ja oder nein, Buffy. Kannst du dir ein Leben vorstellen, in dem ich eine Rolle spiele?“
„Ich wäre nicht hier, wenn…“
„Ja oder nein.“
Sie sah ihn eine Weile an, nahm seinen Ausdruck in sich auf. Die blauen Augen, mit denen er so viel ausdrücken konnte: Zorn, Wut, Verlangen und Liebe. Die hohen Wangenknocken, die seinem Gesicht den so markanten Eindruck verliehen, die Lippen, die sie so oft geküsst hatte und die so unglaubliche Dinge mit ihr anstellen konnten und sie wusste die Antwort plötzlich mit absoluter Gewissheit.
„Ja“, flüsterte sie und die letzten Zweifel verschwanden aus seinem Gesicht. „Ja“, flüsterte sie noch einmal und ein warmes Gefühl stieg in ihr hoch, als sich ein Lächeln auf seinen Lippen bildete. Fast vorsichtig senkte sie den Kopf und presste ihren Mund auf seinen. „Ich sehe trotzdem Organisationsprobleme“, hauchte sie dann.
Spike grinste leicht. „Eigentlich sind nur zwei Fragen zu klären. Hier oder in Sunnydale?“
„Was?“ Buffys Kopf schoss verdutzt hoch.
„Möchtest du hier oder in Sunnydale leben?“ konkretisierte er seine Frage.
„Hier?!“
Sie klang so entsetzt, dass Spike anfing zu lachen. Mit einer schnellen Bewegung rollte er sie zur Seite bis sie unter ihm zum liegen kam. „Du brauchst nicht so begeistert zu sein. Mir gefällt Sunnydale.“
„Aber…du…WAS?!“ Wahrscheinlich kam gerade erst an, was er meinte. „Du…du würdest nach Sunnydale ziehen?!“ brachte sie fassungslos hervor.
Er grinste wieder. „Nun, wir müssten noch ein wenig bauen…“
„Bauen…“, echote Buffy schwach.
Spike nickte vergnügt. „Ich bilde hauptsächlich Hengste aus und die muss ich irgendwo unterbringen. Koppeln, Ställe, Weiden für Gaststuten, da sich Damaron ja im Deckeinsatz befindet…“ Seine Stimme verklang. „Wir könnten die Anlage auch soweit ausbauen, dass wir selbst Turniere veranstalten können.“
„Westernturniere?!“ fuhr sie entsetzt auf. „Vergiss es! Denk nicht einmal an so etwas!“ Dann sank sie auf das Bett zurück und strich sich über die Augen. „Ich will nicht von lauter Westernpferden umgeben sein…“
Spike kicherte. „Wir könnten eine kleine hübsche Dressurpferdezucht beginnen. Du bildest die Pferde aus, ich vermarkte sie.“
„Wieso du?!“
„Weil du eine manchmal so undiplomatische Ader hast und…“
Er kam nicht dazu, den Satz zu vollenden, denn Buffy stieß ihm erbost die Hand gegen die Brust. „Hey!“
„Was macht übrigens unsere hübsche verrückte Zuchtstute?“ erkundigte er sich scheinheilig und rollte zur Seite.
Buffy stöhnte unterdrückt. „Sie ist tragend und wird in zehn Monaten ein hässliches Quarterhorse zur Welt bringen“, murmelte sie missmutig und richtete sich auf. „Ich sollte deinem Dad mal guten Tag sagen…“
„Hm“, meinte Spike belustigt. „Ich sollte ihm mal sagen, dass ich vorhabe, endgültig auszuziehen…“
Sie drehte sich um, stützte sich auf ihre linke Hand und sah in sein Gesicht. „Du glaubst daran, ja? Dass es funktionieren könnte?“ fragte sie leise.
Spike wurde übergangslos ernst. „Ja“, antwortete er genau so leise.
„Es wird Streit geben…“
„Ich weiß.“
„Ich bin manchmal wirklich unausstehlich…“, piepste sie.
Spike lächelte schwach. „Ich auch.“ Dann richtete er sich auf, schlang seine Hand um ihren Nacken und zog sie an sich. „Ich weiß das alles, Buffy. Und ich weiß auch, dass wir eine Menge Spaß haben werden.“
Sein Grinsen trieb eine leichte Röte in ihre Wangen.
„Ich liebe dich“, sagte er ernsthaft. „Und ich bin wirklich froh, dass du her gekommen bist.“
Er küsste sie, ehe sie etwas antworten konnte, weil er nicht wollte, dass sie anfing zu stottern, weil sie nicht wusste, was sie sagen sollte. Sie schien noch nicht soweit zu sein, die Worte ebenfalls zu sagen.
„Ich habe dich auch vermisst“, setzte er noch hinzu und vergrub sein Gesicht in ihrem Haar, als sie ihre Arme um ihn schlang.
******************
Giles nahm seine Brille ab und begann sie zu putzen, kaum dass die letzten Worte Spikes Mund verlassen hatten.
Buffy spielte nervös mit ihren eigenen Fingern, während Spike grinsend wartete bis sein Vater fertig war.
Es dauerte eine Weile, dann setzte Giles seine Brille wieder auf. „Hättet ihr das Ganze nicht vor 14 Tagen schon klären können?“ fragte er genervt. „Überlegt ihr euch das in 14 Tagen wieder anders? 500 Kilometer sind keine Entfernung, die man so aus Spaß und mit Pferdehänger immer mal wieder zurücklegt.“
„Komm schon, Dad“, meinte Spike vergnügt. „Du bist doch auch froh, wenn du Joyce anbieten kannst, her zu ziehen.“
„WAS?!“ schrie Buffy dazwischen.
Spike grinste in ihre Richtung. „Ich wette, er macht ihr bald einen Heiratsantrag.“
„William!“ donnerte Giles.
„Was denn?“ fragte dieser unschuldig. „Wenn ich nach Sunnydale ziehe, musst du dir keinen Kopf mehr darüber machen, ob Buffy allein zurecht kommt, wenn Joyce her zieht.“
Buffys Mund klappte auf, als sie den Kopf zu Giles drehte. „Mom will her ziehen?“ brachte sie fassungslos hervor.
„Wir haben darüber geredet.“ Giles nickte. „Sie wollte noch nicht mit dir darüber sprechen, weil du halt etwas...ähm…unpässlich warst.“
„Unpässlich…?“
„Wieso weiß ich davon nichts?!“ erkundigte sich Spike plötzlich hellhörig.„Wie…unpässlich?“
„Du warst auch nicht viel besser!“ fuhr ihn Giles an. „Keiner wollte mehr mit dir zusammen arbeiten, weil du wegen jeder Kleinigkeit in die Luft gegangen bist!“
„Ich?!“ Spike verzog das Gesicht. Er funkelte Buffy an, die plötzlich grinste. „Ich war nicht unpässlich!“
„Schlecht gelaunt?“ fragte sie honigsüß.
„Nein!“
Giles verdrehte die Augen. „Schluss jetzt. Ich denke, wir haben eine Menge zu klären. Buffy wird ja nicht Wochen hier bleiben wollen.“
„Nein?“ stänkerte Spike schon wieder in Buffys Richtung. „Ich dachte doch, du willst erst einmal die ganze Ranch kennen lernen.“
„Dazu reichen zwei Tage.“
„Eine Woche.“
„Vier Tage.“
„Sechs.“
Giles seufzte genervt, nahm seine Brille wieder ab und war sehr froh, den Streitgesprächen nicht für den Rest seines Lebens zuhören zu müssen.
Dazu reichten die fünf Tage, auf die sich die beiden dann zum Glück nach zehn Minuten einigten und es endlich möglich wurde, sich wichtigeren Dingen und Planungen zuzuwenden.
„Und als nächsten Teilnehmer begrüßen wir die Startnummer 112, Buffy Summers auf Euphrosyne.“
Von einem Schlag auf den anderen verschwand Buffys Nervosität. Obwohl es jetzt fast zwei Jahre her war, dass sie in ein Dressurviereck geritten war, überkam sie in genau dem Moment, wo ihr Name aufgerufen wurde, Ruhe.
Plötzlich wurde das Publikum nebensächlich, selbst die Richterhäuschen verschwammen in ihrem Blick und alles, was sie fühlte, war das Pferd unter ihr.
Und nicht einmal Spike, der sich am Eingang zum Dressurplatz befand und magisch alle Blick auf sich zog, weil er sich nicht davon abbringen ließ, seinen Cowboyhut zu tragen, konnte sie jetzt noch aufregen.
Der Glockengong ertönte und zeigte ihr, dass sie ihre Prüfung beginnen konnte.
Ein letztes Mal nahm sie die Zügel etwas auf, setzte sich tief in den Sattel und galoppierte das Pferd an. Im versammelten Galopp ritt sie in das Viereck ein, stoppte im Mittelpunkt und grüßte die Richter.
************
Spike hatte die Arme vor der Brust verschränkt und lehnte sich gegen die Bande zur Zuschauertribüne. Seine Augen folgten der heute schneeweißen Stute und ihrer Reiterin, die jetzt im Viereck trabten.
Er kannte die Aufgabe auswendig. Er hatte sie in den letzten Monaten bestimmt mehr als fünfzig Mal vorgelesen, obwohl Buffy sie auswendig reiten musste und Begriffe wie Versammelter Rechtsgalopp, Traversieren, Passage und Piaffe waren ihm in Fleisch und Blut übergegangen.
Ein leises Lächeln huschte über seine Lippen, als er die konzentrierte Arbeit von Pferd und Reiter sah.
Es war seine Idee gewesen. Buffy hatte noch nicht darüber nachgedacht, die Stute auf einem Turnier vorzustellen. Und da sie im nächsten Jahr bedingt durch das Fohlen zumindest zeitweise ausfallen würde, hatte Spike die Idee gehabt, sie dieses Jahr auf Turnieren gehen zu lassen.
Natürlich vernachlässigte er weder seinen Hengst noch die Arbeit mit den Junghengsten, aber er redete solange auf Buffy ein, bis sich die Turnieridee in ihrem Kopf genau so festsetzte.
Er wusste, dass sie es sich wünschte, obwohl sie es nie so direkt ausgesprochen hatte. Doch er hatte die sehnsüchtigen Blicke gesehen, wenn sie ihn auf einem Turnier begleitete.
Vier Monate mussten vergehen, ehe Buffy der Meinung war, Euphrosyne genüge den Anforderungen einer Dressur der Klasse S.
Auf dem Summerschen Hof hatte sich eine Menge getan. Spike hatte noch einmal Land dazu gepachtet, um die Weiden zu erweitern. Direkt am Stalltrakt begannen jetzt die befestigten Hengstkoppeln sowie die Weiden für die Gaststuten. Auf den entferntesten Flächen tummelten sich die jungen Pferde, mit denen noch niemand arbeiten konnte. Neben dem Stall gab es jetzt auf den Weiden der Westernpferde, die sich mittlerweile auf zehn Stück beliefen, befestigte Unterkünfte und Tränken.
Buffy war noch immer nicht davon zu überzeugen gewesen, auch die anderen Pferde nachts draußen zu lassen und deshalb wurden diese, wenn es dunkel wurde, in den Stall geholt.
Spike grinste vor sich hin bei der Erinnerung an die vielen Diskussionen, die sie geführt hatten. Es war auch eine immense Umstellung gewesen, als Joyce zu Giles auf die Ranch zog.
Dawn war aus allen Wolken gefallen und wehrte sich mit Händen und Füßen dagegen. Solange, bis Joyce nachgab und das junge Mädchen bei Buffy in Sunnydale bleiben ließ. Und da Dawn nicht die gleichen zeitaufwendigen Aufgaben wie Buffy hatte, übernahm sie das Haus und zu Buffys Erleichterung auch das Kochen. Obwohl es Buffy gar nicht verstehen konnte, schien es dem jungen Mädchen Spaß zu machen und wenn sie dann am Abend mit Spike zu einer gemütlichen Runde ins Gelände aufbrach, strahlte sie mehr, als es jedes Lob von Buffy auf dem Dressurplatz erreichen konnte.
Während er in den Erinnerungen schwelgte, verfolgten Spikes Augen weiterhin Buffy. Sie hatte fast die Hälfte der Aufgabe hinter sich und war bei den fliegenden Galoppwechseln angelangt.
In Gedanken zählte er die Wechsel alle zwei Sprünge mit. Neun mussten es sein und er lächelte vergnügt, als Euphrosyne am Ende der Wechsellinie passend den neunten Wechsel sprang.
Es war ein schönes Bild und auch, wenn ihm sein Hengst besser gefiel, wenn er gelassen am langen Zügel den Wechsel sprang, so musste er zugeben, dass Buffy und ihre Stute absolut harmonisch wirkten.
Nach rechts traversieren, gab er Buffy in Gedanken Anweisungen. Dann kamen die Pirouetten, in denen Euphrosyne immer etwas hektisch wurde.
Die erste nach rechts. Spike hielt die Luft an, als Buffy die Stute in die erste Pirouette führte. Der Kreis war etwas groß, Euphrosyne machte sehr große Galoppsprünge und Spike konnte erst wieder ausatmen, als das Paar in die nächste Galopptraversale überging.
Nun kam das ganze nach links. Das war Euphrosynes bessere Seite. Spike merkte nicht einmal, dass sich sein ganzer Körper anspannte, während sein Blick am Viereck klebte.
Er spürte auch die belustigten Blicke nicht, die ihm von den anderen Reitern oder Pferdepflegern, die vorüber gingen, zugeworfen wurden.
Buffy musste jetzt fünfzehn fliegende Wechsel von Sprung zu Sprung springen und er konnte sich etwas entspannen, denn das lag der Stute. Sie enttäuschte ihn auch nicht, sondern sprang die Wechsel, als wäre sie dazu geboren.
Nun war die Aufgabe fast vorbei. Buffy ritt im versammelten Trab auf die Mittellinie, ging in die Passage über und versammelte das Pferd im Mittelpunkt zur Piaffe.
12 bis 15 Tritte, murmelte Spike in Gedanken. Dann passagierte die Stute wieder bis sie am so genannten Punkt G vor den Richtern stoppte.
Spike nahm seinen Hut ab und fuhr sich durch die Haare, als Buffy wieder grüßte und dem Pferd den Hals klopfte.
Tosender Applaus brandete auf und Spike entschied, dass dies die längsten sechs Minuten seines Lebens gewesen waren…
****************
Erst als Euphrosyne am langen Zügel aus dem Viereck stiefelte, begann Buffy wieder, ihre Umgebung wahr zu nehmen.
Schweiß perlte von ihrer Stirn genauso wie von Euphrosynes Hals und ein strahlendes Lächeln bildete sich auf ihren Lippen. Da waren einige kleine Fehler gewesen, hier und da kam eine Lektion ungenau oder unfein, vor allem die erste Galopppirouette, aber Buffy war mit sich selbst und dem Pferd vollauf zufrieden.
Die Richterwertung würde einen Moment dauern, da die fünf Richter in den separaten Häuschen ihre Ergebnisse erst zusammen führen mussten.
Eine genau so breit strahlende Dawn kam ihr entgegen gerannt. „Das war super, Buffy!“ schrie sie überschwänglich. „Mom und Giles sind auch da! Sie haben dich knapp verpasst. Ihr Flug hatte Verspätung!“
Buffy lächelte erschöpft und sprang ab. „Führst du sie ein wenig?“
Dawn nickte begeistert und nahm ihr das Pferd aus der Hand. „Spike ist da hinten.“ Sie deutete zum Eingang des Dressurvierecks, dorthin, wo es zum Abreiteplatz ging.
„Nun, Spike ist nicht zu übersehen“, murmelte sie und Dawn grinste noch breiter, ehe sie mit dem Pferd zum Abreiteplatz ging.
Spike hatte seinen Hut abgenommen und fächelte sich selbst Luft zu. „Zufrieden, Luv?“ fragte er lächelnd, als sie ihn erreichte.
Und der ganze Stress, die ganze Hektik des Tages und während der Vorbereitungen waren vergessen. Buffy blieb einfach stehen, den Dressurzylinder noch immer auf dem Kopf und noch immer in dem schwarzen Dressurfrack.
Und Spike vergaß zu atmen, als er das Leuchten in ihren Augen sah und ein glückliches Lächeln ihre Züge erhellte. Wortlos schloss er den kurzen Abstand zwischen ihnen und schlang seine Arme um ihren zierlichen Körper.
„Du warst fantastisch“, flüsterte er neben ihrem Ohr. „Du warst einfach fantastisch…“
In diesem Augenblick leuchtete die Anzeigetafel, die Buffys Ergebnis veröffentlichte und das Publikum applaudierte erneut.
1654 Punkte. 68,92%. Momentane Platzierung: Rang 2.
„Yeah!“ schrie Spike auf, hob Buffy an und wirbelte sie im Kreis. „Wer zum Teufel war besser als du?!“ erkundigte er sich dann lachend, als er sie absetzte.
Buffy grinste. „Sie ist als erste geritten und sie *war* besser.“ Sie nahm Spikes Hand und zog ihn hinter sich her zur Zuschauertribüne. „Es kommen noch einige. Ich möchte sie mir ansehen.“
Spike lehnte sich neben sie an die Bande, die den Dressurplatz umgab. Die Atmosphäre auf einem klassischen Turnier war hektischer und spannungsgeladener als auf den Westernturnieren. Überall wuselten Pferdepfleger und Reiter durch die Gegend. Es war mehr als einmal passiert, dass einer den anderen zornig – oder vielleicht auch nur gestresst – angefahren hatte.
Spike brachte das noch lange nicht aus der Ruhe. Er fand es sogar recht amüsant, sich an den Rand des Abreiteplatzes zu stellen, genüsslich eine Zigarette zu rauchen und die ihn pikiert anschauenden Dressurreiter spöttisch anzugrinsen. Er trieb das ganze Spielchen jedoch nicht weiter, da er nicht wollte, dass sich Buffy darüber aufregte.
Sie war nervös genug gewesen…
Jetzt hatte sie den Dressurzylinder abgenommen und auch den Frack ausgezogen und über die Bande gelegt. Ihr Gesicht war noch immer von der Anstrengung gerötet, und das glückliche Leuchten stand weiterhin in ihren Augen.
Spike sah zur Seite, als sie sich leicht an ihn lehnte.
„Ich bin froh, dass du da bist“, sagte sie leise.
Er grinste schief, wollte gerade etwas sagen, als eine Stimme hinter ihnen aufklang.
„Buffy!“
Buffy fuhr herum, während sich Spike nur lässig zur Seite drehte. Ein Blick in ihr Gesicht reichte, um zu sehen, dass sie vollkommen fassungslos war.
„Dad…“, brachte sie irgendwie heraus, ohne sich zu rühren.
Spike musterte den Mann misstrauisch. Er schien älter als sein eigener Vater zu sein, war groß und schlank. Genau wie Buffy trug er weiße Reithosen und ein weißes Hemd. Doch allein der Ausdruck seines Gesichtes ließ Spike die Zähne zusammenbeißen. Denn Hank Summers schaute einfach nur herablassend.
„Ich habe dich reiten sehen“, sagte Hank und nicht nur Spike hörte die gespielte Freundlichkeit. „Süße kleine Stute, die du da hast.“
„Schön, dass sie dir gefällt“, murmelte Buffy. „Dad, darf ich dir Spike vorstellen? Wir sind zusammen. Spike, das ist mein Vater.“
„Freut mich“, log Spike und gab dem Mann die Hand. „William ist mein richtiger Name. William Giles.“
Buffy warf ihm einen eigenartigen Blick zu. Seit wann betonte er seinen richtigen Namen? Alle Welt sollte ihn Spike nennen.
„Giles?“ Hank runzelte die Stirn. „Sagt mir irgendwas der Name…Kennen wir uns?“
„Nein.“ Spike schüttelte den Kopf. „Kann sein, Sie sind meinem Vater schon begegnet. Rupert Giles. Ist in Westernkreisen ziemlich bekannt.“
„Western…“, begann Hank und verzog den Mund. „Rancher?“ Jetzt klang er eindeutig belustigt.
„Spikes Vater ist Teilhaber unseres Hofes“, erklärte Buffy, die sich endlich wieder gefangen hatte.
„Ein Rancher?“ Hank sah jetzt fast so aus, als wolle er beginnen zu lachen. Vielleicht war es Spikes eisige Miene, die ihn stoppte. „Naja, nichts für ungut, Kleines. Freut mich, dass du es zumindest geschafft hast, wieder mit zu reiten. Vielleicht sehen wir uns noch. Ich muss mich jetzt erst einmal um meinen Hengst Nautilus kümmern. Er ist für das große Viereck geboren.“ Ehe einer von beiden etwas sagen konnte, hatte Hank sich schon umgedreht. Dann stoppte er noch einmal. „Lass es dir von einem Profi sagen, Buffy. Züchte nicht mit Schimmeln. Man kann sie eindecken wie man will, man wird wahnsinnig, sie sauber zu halten.“
Spike lächelte kühl. „Wir wissen das. Unsere Schimmelstute wälzt sich am liebsten im Schlamm.“
Hanks Augen schossen zu seinem Gesicht und dann zu Buffy.
„Die anderen auch“, erklärte diese liebenswürdig. „Aber Eppi ist das größte Ferkel.“
Hank schüttelte ungläubig den Kopf. „Du wirst niemals unter den oberen Zwanzig mit reiten, Buffy“, prophezeite er und maß Spike noch einmal mit einem herablassenden Blick, ehe er sich wieder umdrehte und davon stiefelte.
„Das werden wir ja sehen“, knurrte Spike böse. Er legte seinen Arm um Buffys Schulter und fluchte leise, als er ihre traurigen Augen sah. „Kopf hoch, Luv. Schauen wir uns an, was die anderen dieser Dressurfreaks zusammen reiten.“
„Er hat Recht“, sagte sie leise. „Um in dieser Klasse mithalten zu können, braucht man andere Trainingsbedingungen. Und einen Trainer…“
„Wir besorgen einen“, verkündete Spike.
Sie lächelte schwach. „Es wird keinen Trainer geben, der mich trainieren will, wenn er unseren Hof sieht…“
„Sind denn das alles stupide Idioten!“ schimpfte Spike. „Du solltest wirklich aufs Westernreiten umsteigen. Ist auch weniger stressig, glaub mir…“
Sie lehnte sich an ihn und grinste schief. „Es würde mir nicht reichen. Ich liebe diesen Sport und ich liebe Dressurpferde.“
Spike küsste sie kurz auf die Wange. „Und ich liebe dich. Also mach dir keinen Kopf. Wir finden eine Lösung.“
**********************
„Im Moment liege ich auf Platz drei“, sagte Buffy, umarmte ihre Mutter und dann Giles. Dieser provozierte im Gegensatz zu seinem Sohn keine pikierten Blicke, denn er war gekleidet wie ein normaler Besucher. „Aber es kommen noch vier sehr gute Reiter.“
„Das ist so ärgerlich, dass wir dich verpasst haben“, schimpfte Joyce. „Wie viele werden platziert?“
„Sechs. Es sind 24 Starter.“ Buffys Blick wanderte wieder zum Viereck, in dem gerade ein Mann auf einem dunkelbraunen Wallach die Aufgabe ritt. „Dad ist auch da…“
„Tatsächlich?“ Joyce klang überrascht. „Obwohl, es war zu erwarten. Es ist ein relativ großes Turnier. Hast du mit ihm gesprochen?“
Buffy nickte langsam. „Nicht viel.“
„Tut mir leid, Buffy“, sagte Joyce sanft. „Ich weiß, wie sehr es dich verletzt.“
„Schon gut“, seufzte Buffy.
Der Mann im Viereck beendete seine Aufgabe und verließ den Platz. Herein schwebte ein gewaltiger Fuchshengst mit einem imponierenden Gangwerk.
„Oh“, machte Joyce. „Dann verpasse ich ja meinen Ex-Mann nicht. Wie toll“, murmelte sie sarkastisch.
Giles schmunzelte. „Tolles Pferd.“
Das Glockensignal ertönte und Hank galoppierte mit dem Hengst ins Viereck.
Spike stellte sich neben Buffy und griff nach ihrer Hand. Sie sah überrascht zur Seite, beobachtete wie er ihre Hand an seine Lippen führte und einen Kuss gegen die Innenfläche hauchte. „Egal wie toll er reitet, du wirst für mich immer das sein, was ich unter Dressurreiten verstehe. Feine Hilfen und ein harmonisches Bild. Fast wie im Westernsport…“
„Das findest du nicht harmonisch?“ fragte sie verblüfft und deutete zum Viereck.
Spike lächelte und legte ihr seinen Arm um die Schultern. „Er reitet mit Kraft und mit Gewalt“, war seine Antwort. „Wenn es das ist, was euch die Spitzentrainer beibringen, dann will ich nicht, dass du unter den ersten Zwanzig mit reitest.“
Ein Schmunzeln huschte über ihre Lippen. „Es ist ein tolles Pferd“, seufzte sie dann.
Spike nickte. „Überdreht wie deine Eppi, aber er vertraut seinem Reiter bei weitem nicht so wie Eppi dir. Er wartet nur auf einen Moment der Unachtsamkeit. Vielleicht kommt der heute nicht, sondern erst morgen oder übermorgen, aber er vertraut ihm nicht.“
Buffy lehnte ihren Kopf gegen seinen Arm. Natürlich wurde viel über das Vertrauen zwischen Reiter und Pferd gesprochen und manchmal, wenn Euphrosyne wieder einen total durchgeknallten Tag hatte, glaubte Buffy, dass irgendetwas schief lief zwischen der Stute und ihr und sie ihr nicht voll vertraute. Aber an solchen Tagen wie heute, wenn sie ins Viereck ritt, schien die Stute zu spüren, was gefordert wurde und hatte Buffy noch nicht ein einziges Mal enttäuscht.
Und so wie Spike es sagte, war es seine innerste Überzeugung. Vertrauen. Und dieses Vertrauen bezog sich nicht nur auf die Beziehung zwischen Mensch und Tier.
Ein warmes Gefühl stieg in ihr auf, als ihr das klar wurde. Sie sah wieder zur Seite, stellte sich kurz auf die Zehenspitzen und hauchte ihm einen Kuss auf die Wange. „Ich liebe dich.“
Erst reagierte er gar nicht. Dann schoss sein Kopf herum und er sah sie mit einem so entgeisterten Ausdruck an, dass sie lachen musste.
„Was?“ krächzte er dann.
„Ich liebe dich“, flüsterte sie wieder.
Spike schlang seinen Arm um ihren Nacken und presste seine Lippen auf ihren Mund. Und erst das Hüsteln seines Vaters beendete den Kuss, der immer leidenschaftlicher wurde.
Er lehnte seine Stirn an ihre. „Ich habe schon gedacht, du schaffst es nie, es auch auszusprechen“, murmelte er grinsend. „Auch wenn ich mir den Zeitpunkt anders vorgestellt habe.“ Er kicherte. „In einer romantischen Umgebung…“
„Beschwerst du dich?“ stichelte Buffy.
„Niemals“, antwortete er schnell und küsste sie wieder. „Sag es noch mal.“
„Ich liebe dich“, hauchte sie und Spike war egal, dass sein Vater wieder hustete, als seine Lippen Buffys ein weiteres Mal verschlangen.
Diesmal stoppte Joyce Auflachen das Ganze. „Jetzt hast du die tolle Vorstellung deines Vaters verpasst, Buffy.“
„Spike!“ schimpfte Buffy, schubste ihn zur Seite und lehnte sich gegen die Bande. „Wie ist es gelaufen?“ erkundigte sie sich neugierig.
Spike lachte, stützte seine Hände zu beiden Seiten neben ihrem Körper ab und presste sich gegen ihren Rücken. „Mir ist das so völlig egal, Luv“, murmelte er neben ihrem Ohr.
„Hör jetzt auf, Spike“, zischte sie, klang aber nicht ernsthaft böse.
„Ja genau“, mischte sich Giles ein. „Hört jetzt bitte auf, ehe sie die Sittenpolizei holen.“
„Ach Rupert“, meinte Joyce amüsiert. „Lass sie doch, sie sind verliebt.“
„Ich liebe dich auch und ich benehme mich nicht so u…“ Er verstummte, als Joyce ihn einfach an sich zog und seinen Mund mit ihren Lippen verschloss.
Spike warf einen Blick in Richtung ihrer Eltern. „Also Dad wirklich. Die holen hier gleich die Sittenpolizei!“ stänkerte er.
„Könntet ihr mal alle still sein. Ich warte auf die Ergebnisse!“ fuhr Buffy auf.
In diesem Moment leuchtete das Ergebnis auf.
1641 Punkte. 68,37%. Momentane Platzierung: Rang 4
„Yeah! Yeah! Yeah!“ schrie Spike und warf diesmal den Cowboyhut in die Luft. „So Mr-du-wirst-nie-unten-den-ersten-Zwanzig-reiten, jetzt reden wir mal Klartext!“
„Spike.“ Buffy fing seinen Arm, ehe er noch so etwas wie einen Indianertanz vollführen konnte. „Ich gehe jetzt mein Pferd holen und du hältst die Klappe! Es sind nur noch zwei Reiter und in der Platzierung bin ich auf alle Fälle.“
„Zu Befehl, Luv!“ salutierte er und setzte den Hut wieder auf.
********************
Es war spät, als sie endlich mit dem Pferd wieder auf dem Hof ankamen.
Diesmal waren es Spike und Dawn, die die ganze Zeit schnatterten und sich über Hanks säuerliches Gesicht amüsierten, als er nach Buffy seine Schleife bekam und diese ihm mit einem Lächeln die Hand schüttelte.
Buffy lag am Ende auf Platz 4 und Hank auf Platz 5. Natürlich waren es nicht viele Punkte, die sie trennten und auf einem nächsten Turnier konnte die Situation genau umgekehrt sein, aber es befriedigte Buffy ungemein.
Während Buffy sich um ihre Stute kümmerte, versorgten Spike und Dawn die anderen Pferde und schauten noch einmal nach dem Wasser auf den Weiden.
Diesmal schliefen Giles und Joyce in Spikes alter Wohnung, da Buffy und Spike nach Joyce Auszug in die große Wohnung umgezogen waren. Dawn dagegen freute sich schon darauf, in Buffys alte Wohnung zu ziehen, obwohl diese sich im Moment mit der Begründung: „Wozu braucht eine 15-Jährige eine eigene Wohnung?!“ noch rigoros weigerte.
„Ich bin fast 16!“ war Dawns entrüstete Antwort gewesen.
Sie trafen sich noch einmal in dem großen Wohnzimmer des Haupthauses und Buffy, die sich jetzt wirklich ausgelaugt fühlt, lehnte sich an die Couch und legte ihre Füße auf Spikes Schoß. Der Blick, der sie traf, als er ihre Füße mit seinen Händen umfing, ließ jedoch einen Teil der Müdigkeit wieder verschwinden.
Allerdings lenkte Joyce jedes weitere Blickspiel ab. „Wir möchten euch etwas sagen.“
„Ziehst du wieder her?“ fragte Dawn aufgeregt und setzte sich gerade hin.
„Nein“, lächelte Joyce, nahm Giles Hand und zog ihn neben sich.
Spike griff nach dem Bier auf dem Tisch vor sich und Buffy drehte gelangweilt den Kopf. „Also, was dann?“
„Wir…“ Joyce lächelte in Giles Richtung. „Wir wollen heiraten.“
Spike spuckte das Bier über den Tisch, ehe er anfing zu husten und Buffy fuhr hoch. „WAS?!“
„Heiraten“, lächelte Joyce. „Rupert und ich haben uns entschieden zu heiraten.“ Sie musterte die fassungslosen Gesichter von Buffy und Spike und lächelte breiter. „Vielleicht kommt das jetzt etwas überraschend…“
„Überraschend?“ brachte Spike hervor. „Das ist heute der Tag der Überraschungen. Erst sagt Buffy endlich…“
„Spike!“ fuhr diese erschrocken dazwischen.
„…dann versetzt ihr uns noch einen Schock“, redete Spike ungerührt weiter. „Heiraten? Hab ich jetzt wirklich heiraten verstanden?“
„Das ist toll!“ Dawn sprang auf und fiel ihrer Mutter um den Hals. „Ich freue mich so für euch!“
„Na wenigstens eine.“ Giles nahm seine Brille ab und begann, sie zu putzen.
Joyce sah über Dawn Schulter auf die immer noch ziemlich konfus schauende Buffy. „Du könntest wenigstens mal lächeln. Und du wirst uns auch nicht davon abhalten.“
Buffy riss Spike die Bierflasche aus der Hand und nahm einen tiefen Schluck. „Ich brauche Zeit, um das zu verdauen, ehe ich wieder lächeln kann“, murmelte sie.
Spike nahm ihr die Flasche wieder ab und trank den Rest. „Ich auch“, brummte er noch immer fassungslos, brachte aber zumindest ein schiefes Grinsen hervor, das sein Vater genau so schief erwiderte. Dann wanderte sein Blick zu Dawn. „Krümel, du fehlst noch. Hast du auch was vorzubringen, das mich endgültig umhaut?“
Wenn das auch nicht der Fall war, so schafften es seine Worte aber, auf das Gesicht der schockierten Buffy zumindest den Hauch eines Lächelns zu zaubern.
„NEIN!“
schrie Spike erbost und wollte an Buffy vorbei in die Box zu seinem Hengst
stürzen.
Dawn, die schon auf einem umgedrehten Eimer neben dem Pferd stand, kicherte, als
Buffy den aufgebrachten Spike abfing und wieder zur Tür hinaus schob.
„Hab dich nicht so!“ schimpfte sie. „Wenn schon ein Quarter auf der Hochzeit mit
reiten soll, wird er auch schick eingeflochten.“
„Das ist ein Pferd! Keine Modepuppe!“ fauchte Spike wütend. „Ich will nicht,
dass ihr an seiner Mähne herumzerrt und die Haare raus reißt! Er hat eine
wunderschöne Mähne und du wirst ihn nicht verunstalten! Ich lasse das nicht zu!“
Dawn lachte wieder und begann, die Mähne ungerührt in kleine Abschnitte zu
teilen. „Er wird das schickste Quarter-Horse, das du je gesehen hast. Schau dir
mal Donar an.“
„Ich schaue mir Donar NICHT an! Mir ist jetzt schon schlecht!“
Buffy schob die Boxentür vor seiner Nase zu. „Xander!“ rief sie in den Stall.
„Würdest du bitte diesen unmöglichen Spike holen. Er benimmt sich, als hätte er
vor zu heiraten!“
„Wenn ich irgendwann mal heirate“, explodierte Spike endgültig, „dann in
Cowboystiefeln und Hut und auf einem ordentlichen uneingeflochtenen
Westernpferd!“
Buffy lächelte honigsüß, ohne ein Wort zu sagen und Spike drehte sich fluchend
um, als Xander auftauchte und nach seinem Arm griff.
„Komm schon“, grinste der junge Mann belustigt. „Frauen stehen auf solches Zeug.
Lass sie den Hengst schmücken. Joyce wird sich auch darüber freuen.“
Buffy hörte noch ein gemurmeltes: „Es reicht, dass ich den dämlichen Anzug
tragen muss…“, nahm sich dann den zweiten Eimer und stellte sich neben Dawn.
„Hast du bei Donar auch den Schweif geschmückt?“
Dawn nickte mit leuchtenden Augen. „Ich hab Blumen rein geflochten und bei Eppi
auch.“
Das junge Mädchen war mehr als stolz, den Wallach in der Eskorte, die die
Hochzeitskutsche begleiten sollte, reiten zu dürfen. Obwohl sie erst in zwei
Stunden los mussten, wienerte sie seit dem frühen Morgen an den Pferden.
Sie hatte Willow mit ihrer Aufregung angesteckt. Diese besorgte die kleinen
Blümchen für die Schweife und schrubbte mit Dawn zusammen die acht Pferde von
oben bis unten.
Buffy würde neben Spike direkt vor der Hochzeitskutsche reiten. Hinter der
Kutsche folgten Willow und Dawn, sowie Xander, Anya, Andrew und Jonathan. Diese
beiden ritten allerdings zwei summersche Pferde mit, da Andrews Pferd noch immer
sehr leicht zu erregen war und niemand einen Unfall am Hochzeitstag riskieren
wollte.
Buffy war mehr als erstaunt gewesen, Anya immer öfter in Xanders Nähe zu sehen.
Doch sie fand es fantastisch, weil die beiden sich immer besser verstanden. So
war Anya auch sofort für die Teilnahme an der Hochzeit zu begeistern gewesen.
Als sie jedoch Buffy flüsternd fragte, ob sich ihre Eltern über etwas Spielzeug
aus ihrem Laden freuen würden, musste Buffy sie lachend bremsen.
Etwa eine Stunde später waren sie mit dem sehr geduldigen Damaron fertig. Wie
alle anderen Pferde auch, überzog Damarons Hals jetzt eine feine Kette kleiner
aufgerollter geflochtener Zöpfe. Es betonte den stark bemuskelten Hals des
Hengstes und Buffy begutachtete kritisch ihr gemeinsames Werk.
„Er sah noch nie so schick aus“, bestätigte sie.
Dawn flocht gerade die letzten Blumen in den Schweif. „Spike wird durchdrehen“,
grinste sie übermütig.
Was auch genau eine halbe Stunde später passierte.
„Das ist nicht wahr!“ Spike selbst war schon ein vollkommen ungewohnter Anblick
in dem schwarzen Anzug und den blank polierten Reitstiefeln. Und seine entsetzte
Miene zu sehen, brachte Buffy zum Lachen.
Spike schaute Hilfe suchend zu Xander, deutete dann auf sein Pferd und japste.
„Ich habe noch nie ein so schwules Pferd gesehen!“
„Schwing deinen Arsch in den Sattel, Cowboy. Wir kommen sonst zu spät“, rief
Buffy und stieg auf Euphrosyne.
„Ich will meinen Westernsattel und nicht dieses unbequeme Scheißding!“ Sieben
genervte Augenpaare richteten sich auf ihn und er fluchte unterdrückt. „Wenn ich
das vorher gewusste hätte…“
Allerdings kletterte er umständlich in den Dressursattel und murmelte seinem
Pferd zu. „Bitte verzeih mir, Dam. Gegen Frauen ist man manchmal machtlos…“
Buffy lenkte ihre Stute an seine Seite und strahlte ihn an. „Jetzt seid ihr ein
richtig schickes Paar.“
Was ihr jedoch nur einen weiteren vernichtenden Blick einbrachte.
*******************
Drei Stunden später, nach der rührenden Trauung bei der alle, außer dem immer
noch mürrischen Spike, weinten, und nachdem die Pferde wieder im Stall waren und
Spike seine Gereiztheit mit ein paar Schnäpsen zu beseitigen versucht hatte,
feierte die gesamte Hochzeitsgesellschaft in der extra dafür hergerichteten
Reithalle.
Spike war nicht davon zu überzeugen gewesen, dass sein Hengst noch bis zum
nächsten Tag mit der eingeflochtenen Mähne auf der Weide stehen konnte. Der auch
schon angeheiterte Giles hatte ihm lachend auf den Rücken geklopft, ihm einen
kleinen Flachmann zugesteckt und gemeint, er solle sich nicht zuviel Zeit
lassen, das Fest finde in der Halle statt und nicht auf der Weide.
Knurrend hatte ihm Spike den Flachmann aus der Hand gerissen und war zu seinem
Pferd gestürmt. Er benötigte fast eine Stunde, ehe er wieder auftauchte, und in
dieser Zeit war die Stimmung in der Halle noch etwas gestiegen.
„Ich weiß schon, warum ich solchen Rummel hasse“, murmelte er mürrisch und
bahnte sich den Weg zu den Getränken, vorbei an einer ausgelassen lachenden
Willow und einem schwer mit Anya beschäftigten Xander.
Als seine Blicke zur Tanzfläche schweiften, fiel er bald aus allen Wolken, als
er Buffy mit seinem Vater tanzen sah. Sobald sie ihn ebenfalls erblickte, winkte
sie ihm zu und deutete auffordernd in Richtung Braut.
Es reichte doch, dass er diesen dämlichen Anzug trug, oder? Niemand konnte von
ihm verlangen, dass er auch noch auf der Tanzfläche herum hampelte. Er
ignorierte Buffys Winken und wandte sich den alkoholischen Getränken zu.
Es dauerte eine Stunde, in der er mit allen möglichen Leuten redete, weil sie
ihn ansprachen, obwohl er sie manchmal gar nicht kannte, bis sich zwei Arme von
hinten um ihn schlangen und er Buffys zierlichen Körper in seinem Rücken spürte.
„Hast du dich etwas beruhigt, Cowboy?“ flüsterte sie in sein Ohr. „Oder willst
du den ganzen Abend so ein Gesicht ziehen?“
Er grinste schief und drehte sich um. Buffys hochgesteckte Haare hatten sich
etwas gelöst, ein paar verwirrte Strähnen hingen ihr ins Gesicht und ihre Wangen
waren von der vielen Tanzerei gerötet. Als er das Glänzen in ihren Augen sah,
verpuffte seine ganze schlechte Laune zu nichts.
Sie stellte sich kurz auf die Zehenspitzen und hauchte ihm einen Kuss auf die
Lippen. „So gefällst du mir viel besser.“ Sie nahm seine Hand und zog ihn hinter
sich her.
„Was wird das?“ fragte Spike hellhörig, als er die Richtung erkannte.
„Ich möchte mit dir tanzen“, erklärte sie vergnügt.
„Ich hasse tanzen“, meckerte er wieder los, doch sie hatten die Tanzfläche schon
erreicht.
Buffy drehte sich lächelnd um, schlang ihre Arme um ihn und presste sich an ihn.
„Schade“, flüsterte sie. „Ich mag es, deinen Körper an meinem zu spüren.“
Seine Augen verengten sich, als sie sich leicht an ihm rieb.
„Ich kann natürlich auch mit anderen Männern tanzen. An denen mangelt es hier
zum Glück nicht.“
Sie hatte den Satz kaum beendet, als Spike sie an sich riss und ein „Vergiss
es!“ fauchte.
Seine linke Hand ergriff ihre rechte, während sein rechter Arm sie an sich zog.
„Vergiss es, Luv“, knurrte er noch einmal, ehe er begann, sich mit ihr im Takt
der seiner Meinung nach scheußlich altmodischen Musik zu bewegen.
Doch Buffys strahlendes Lächeln beseitigte all seinen Ärger. Er verdrehte die
Augen, schaffte es aber dann nicht mehr, seine böse Miene aufrecht zu erhalten,
während er mit ihr über die Tanzfläche wirbelte.
„Ich dachte, der Grund für deine Weigerung, wäre, dass du nicht tanzen kannst“,
meinte Buffy nach einer ganzen Weile atemlos. „Aber das stimmt nicht. Du tanzt
fantastisch.“
Seine blauen Augen bohrten sich in ihre. Dann beugte er sich zu ihr und hauchte
in ihr Ohr. „Ich mache alles fantastisch.“
„Ich weiß“, hauchte sie genau so leise zurück.
„Glaub nur nicht, dass ich dir die Chance gebe, mit einem anderen Mann zu
tanzen.“
„Das ist lächerlich, Spike“, kicherte sie. Doch es gefiel ihr viel zu gut, ihn
solch eifersüchtige Worte sagen zu hören. „Aber du musst noch mit meiner Mom
tanzen.“
Er stöhnte auf. „Nicht das auch noch…“
„Und Dawn wartet auch darauf…“
„Buffy!“
„Und dann musst du mit mir…“
Er verschloss ihren Mund mit seinen Lippen, ehe sie weiter sprechen konnte und
für einen Moment wurde es nebensächlich, dass sie mitten auf der Tanzfläche
standen und andere beim Tanzen behinderten.
Spike löste als erstes seinen Kopf von ihr und keuchte atemlos. „Ich weiß, was
ich mit dir machen *muss* und mir schwebt da nicht Tanzen durch den Kopf!“
„Nein?“ fragte Buffy und verzog gespielt schmollend die Lippen.
Spike stöhnte auf. „Und es macht mich wahnsinnig, wenn du das mit deinem Mund
machst!“
„Ich dachte, du liebst meinen Mund“, begann sie belustigt. „Vergiss nicht,
weiter zu tanzen.“
„Ich kann jetzt nicht mehr tanzen“, stieß er hervor und zog sie so nah an sich,
bis sie den Grund erkannte. „Ich habe ein Problem. Du kannst nicht so schmollen
und dann so tun, als wüsstest du nicht, welchen Einfluss das auf mich hat!“
„Doch.“
„Nein“, knirschte er, fasste ihre Hand und zerrte sie hinter sich her.
„Spike!“ schimpfte Buffy.
„Ich tanze dann mit deiner Mom!“
„Auch mit Dawn?“
„Auch mit Dawn!“
„Und mit mir?“ Buffy lachte auf, als er noch lauter fluchte. „So lange ich
will?“
„Das ist Erpressung!“
Sie stolperte an ihm vorbei aus der Reithalle. Es folgten ihnen einige amüsierte
Blicke, als Spike sie aus der Halle zerrte. „Das gerade war eine Entführung! Ich
denke Erpressung passt gut dazu!“
Im nächsten Augenblick flog sie mit dem Rücken gegen die Wand der Halle und
Spike presste sich gegen sie. „Okay, Luv. Ich tue alles, was du willst“,
flüsterte er heißer. „*Nachdem* du das Problem in meiner Hose beseitigt hast!“
Buffy rieb sich an der nicht zu übersehenden Beule. „Alles?“ Ihre Finger
strichen über seine Brust, fühlte die harten Muskeln unter dem dünnen, an ihm so
ungewohnten, schicken Hemd.
Er nickte mit einem sehr verruchten Grinsen und bestätigte. „Alles.“
„Ich wette, du denkst überhaupt nicht ans tanzen…“
„Oh doch. Nur.“ Er grub seine Zähne in seine Unterlippe und das war etwas, was
Buffy schwach machte.
Sie griff nach seiner Hand und zog ihn in Richtung Stall. „Das wird eine schöne
lange Nacht“, versprach sie scheinheilig.
„Das hoffe ich“, raunte Spike, ehe er hinter ihr in den dunklen Stall huschte
und sie in eine der freien Boxen stieß. Seine Lippen lagen auf ihrem Mund, ehe
sie etwas antworten konnte und seine Finger wühlten sich in ihre Haare.
Es *wurde* noch eine sehr lange Nacht.
*******************
Sechs Monate später
„Verdammt“, murmelte Buffy nervös, verschränkte die Arme vor der Brust und
wanderte vor Euphrosynes Box auf und ab.
Spike verdrehte die Augen, griff nach ihrem Arm und zog sie von der Box weg,
weiter in den dunklen Stall hinein. „Wenn du nur an den Gitterstäben klebst,
wird sie das Fohlen heute Nacht wieder nicht zur Welt bringen.“
„Lass mich los!“ fauchte Buffy gereizt und schlug nach seiner Brust. „Es ist ihr
erstes Fohlen und ich lasse sie nicht allein.“
„Wir bleiben ja hier“, beruhigte er sie. „Aber Stuten nervt es, wenn sie keine
Ruhe finden. Sie wird die Wehen zurück halten bis du weg bist.“
„Ich weiß das!“
In Euphrosynes Box brannte eine einzelne Lampe, während es im restlichen Stall
finster war. Kein Wunder, da es ja bereits auf ein Uhr zuging und die anderen
Pferde schliefen oder im Stroh ihrer Einstreu knabberten.
Buffy, die sich schon die letzten drei Nächte um die Ohren geschlagen hatte,
murmelte mürrisch vor sich hin, als Spike sie in eine der leeren Boxen auf der
anderen Seite des Stallgangs schob.
„Hinsetzen“, kommandierte er. „Wir schauen alle halbe Stunde nach ihr und lassen
sie jetzt allein.“
„Ich habe keine Ruhe“, beschwerte sie sich, ließ sich jedoch von Spike auf den
strohbedeckten Boden ziehen.“
„Nun“, grinste er schelmisch. „Ich könnte dich ein wenig ablenken…“ Seine Finger
begannen, ihren Arm hinauf zu tanzen.
„Vergiss es!“ Buffy fing seine Hand und funkelte ihn, so gut es im Dunkeln ging,
an. „Ich muss auf Eppi achten und…Spike!“
Sie wollte wieder aufspringen, als seine Lippen seinen Fingern folgten, doch er
fing sie lachend um die Taille und warf sich im nächsten Moment auf sie.
„Du willst ausreißen?“ erkundigte er sich spöttisch und fing ihre Hände, die
erbost gegen seine Brust drückten, um ihn von sich zu schieben. „Ich lasse nicht
zu, dass du Eppi jetzt schon wieder nervst.“
Buffy bäumte sich auf, doch es war zwecklos gegen sein Gewicht. Sein leises
Lachen reizte sie noch mehr. „Du kannst vollkommen vergessen, dass ich mich
jetzt auf irgendeines deiner Spielchen einlassen“, fauchte sie. „Ich bin absolut
nicht in Stimmung!“
„Soll ich dir zeigen, wie schnell ich dich in Stimmung bringe?“ erkundigte er
sich hinterhältig und rieb sein Becken an ihrem.
„Nein!“
Entgegen ihrem Aufschrei wurde ihr warm, als sich der Ausdruck seines Gesichts
wandelte und fast ein Lauern in seinen Blick trat. Es mochten elf Monate
vergangen sein, aber noch immer reichten ein Blick oder eine zweideutige
Bemerkung, um das Feuer in ihr zu entfachen.
Nur, dass sie es jetzt absolut nicht gebrauchen konnte. „Spike…“, begann sie
wieder und versuchte, drohend zu klingen.
Spike hielt ihre Hände neben ihrem Kopf am Boden fest. „Ja, Luv?“
„Lass mich sofort los!“
Er prustete los. „Nein.“ Grinsend senkte er seinen Kopf und strich mit den
Lippen über ihren Hals, weil sie wütend ihren eigenen Kopf zur Seite gedreht
hatte.
„Spike“, zischte sie wieder und schnappte nach Luft, als er sie sanft in den
Hals biss. „Hör auf.“ Dummerweise klang ihre Stimme jetzt gar nicht mehr
drohend, eher…atemlos.
„Halt mich auf“, murmelte er vergnügt.
Ihr Kopf schoss herum und im nächsten Moment presste er seine Lippen auf ihren
Mund. Und Buffy war verloren…
**************
Das erste, was sie bewusst wahrnahm, als ihr Verstand wieder begann zu arbeiten,
war die Unruhe im Stall. Noch immer etwas benommen, fuhr sie hoch und lauschte.
Wo vorher Stille geherrscht hatte, hörte sie jetzt nervöses Scharren und hier
und da ein unruhiges Pferd in der Box umhergehen. Aus der entferntesten Ecke
erklang sogar ab und zu ein leises Wiehern.
„Shit“, fluchte sie leise und schob Spike zur Seite. „Eppi…“
Spike sah sie mit einem so unmöglichen Grinsen im Gesicht an, dass sie noch
einmal fluchte. Er hob die Hand und entfernte einige Strohhalme aus ihren
Haaren. „Ich habe gesagt, halte mich auf“, verteidigte er sich glucksend.
Als ob sie das jemals gekonnt hatte… Buffy sprang auf, zog hektisch ihre Hose an
und ihr Shirt über den Kopf, während er lässig aufstand und nur seine Hose
schloss. Er hob sein Shirt auf und folgte der schon aus der Box gestürmten Buffy
langsamer nach.
„Mach keinen Stress“, murmelte er amüsiert und trat hinter sie, als sie an
Euphrosynes geöffneter Boxentür stehen blieb.
„Oh…“, war alles, was sie hervorbrachte und ein breites Grinsen huschte über
Spikes Gesicht, als er einen Blick über ihre Schulter werfen konnte.
Die Stute lag in der Box, sah ihnen mit gespitzten Ohren entgegen und neben ihr
lag ein nasses dunkles Fohlen, das kaum seinen Kopf heben konnte und immer
wieder zur Seite kippte, wenn Euphrosyne über das nasse Fell leckte.
„Ich hab’s verpasst“, flüsterte Buffy enttäuscht.
Spike schlang seine Arme um sie und legte sein Kinn auf ihre Schulter. „Siehst
du, sie hat es ganz allein geschafft.“
Buffy konnte sich nicht rühren. Der Anblick des kleinen Fohlens schnürte ihr die
Kehle zu und sie fühlte Tränen in ihre Augen treten.
Euphrosyne dagegen störte sich jetzt an den Beobachtern gar nicht mehr.
Gewissenhaft leckte sie das Fohlen trocken, massierte damit den kleinen Körper
und animierte das Tier aufzustehen. Es musste, denn innerhalb der nächsten
Stunden benötigte es die erste Muttermilch. Jedes Fohlen kam völlig ohne eigene
Abwehrstoffe auf die Welt und bekam diese erst mit der Aufnahme der ersten
Milch.
Es dauerte auch keine Viertelstunde, bis das Fohlen die ersten Versuche
unternahm, sich auf die vier langen wackeligen Beine aufzurichten. Euphrosyne
erhob sich ebenfalls, stupste es zärtlich an, als wolle sie ihm zu helfen.
Buffy dagegen schlug ihre Hände vor ihren Mund, als es immer wieder umkippte und
erst einmal ein paar Minuten liegen blieb. Sie wusste, das war normal, aber
vielleicht, weil es Eppis erstes Fohlen war und sie so an der Stute hing,
stiegen jetzt wirklich Tränen der Rührung in ihre Augen.
„Stute oder Hengst?“ fragte Spike leise neben ihrem Ohr.
Sie zuckte nur mit den Schultern, ohne ein Wort hervor zu bringen. Und die
Tränen kullerten aus ihren Augen ihre Wangen hinab, als es das Fohlen endlich
schaffte, zitternd auf den Beinen stehen zu bleiben.
„Warum weinst du, Luv?“ erkundigte sich Spike schmunzelnd.
„Ich weine nicht“, schniefte sie. „Es ist eine Stute“, setzte sie dann hinzu und
wischte sich über die Augen. „Eine kleine dunkelbraune Stute…“
„Vielleicht wird es noch ein Schimmel.“ Spike legte seinen Arm um ihre Schulter
und zog sie an sich, als er sich an das Gitter der Box lehnte. „Es ist fast
exakt Damarons Farbe. Sogar die vier weißen Beine…“
Euphrosyne wieherte leise, als sich das Fohlen bewegte und dabei versuchte, das
Gleichwicht zu halten. Unsicher suchte es mit der kleinen Schnauze den Bauch der
Stute nach dem Euter ab.
„Es ist so süß“, schluchzte Buffy erneut und Spike lachte leise.
„Man könnte ja fast denken, es ist das erste Fohlen, das du siehst…“
Buffy reagierte nicht, denn sie starrte verzückt auf das Fohlen, das endlich das
Euter gefunden hatte und zu trinken begann.
„Nun brauchst du einen Namen, der mit E beginnt“, störte Spike schon wieder.
„Emma, Edessa, E…“
„Sei still“, unterbrach sie seine scheußliche Aufzählung und verzog den Mund.
Sie lehnte sich mit dem Rücken an ihn, fühlte seine Wärme und eine Arme, die sie
umfingen. Es war, als müsste es so sein. Dass er da war, sie festhielt und sie
sich an ihn lehnen konnte.
„Euphoria“, sagte sie dann leise. Sie spürte Spikes Grinsen fast körperlich.
„Ich hatte auch Elegance im Kopf, aber ich weiß nicht, ob es für dieses Pferd
nicht der vollkommen falsche Name wäre.“
Jetzt gluckste er. „Das wird sich erst in drei Jahren zeigen. Und wenn es ein
Hengst geworden wäre?“
Sie lachte. „Dann wäre die Aufgabe der Namensgebung dir zu gefallen.“
„Hast du bestimmt?“
Buffy nickte, drehte sich zu ihm um und lächelte. „Hab ich.“
Spike schlang seinen Arm um ihren Nacken und küsste sie sanft auf den Mund. „Ich
liebe dich, Luv“, hauchte er.
Sie schluckte. Noch immer schnürte sich ihre Kehle zu, wenn er diese drei Worte
sagte, vielleicht weil sie noch immer noch fassen konnte, dass es tatsächlich
wahr war.
„Ich liebe dich auch“, antwortete sie flüsternd und sah das Leuchten in seinen
so unwahrscheinlich blauen Augen.
Hinter ihnen begann der erste Nachwuchs ihres gemeinsamen Hofes, mit zaghaften
staksigen Schritten die Box zu erkunden, während die gedämpft wiehernde
Euphrosyne aufgeregt ihr Fohlen verfolgte.
Buffy schmiegte sich an Spike. Sie beobachteten zusammen die ersten Gehversuche
der kleinen Euphoria und Buffy fühlte sich so glücklich wie noch nie in ihrem
Leben.
„Es ist der Anfang“, murmelte Spike und presste seine Lippen gegen ihre Haare.
„Der Anfang unserer Zucht…“
„Ein Anfang, der mit einem Weideunfall begann“, kicherte Buffy.
„Yeah“, bestätigte er. „Es kann also nur noch besser werden.“
Sie nickte langsam. „Ich denke, wir schaffen das, Cowboy.“
Und Spike lachte. „Ich habe da keinen Zweifel dran, Luv.“
Sie versanken beide in den Anblick der kleinen Euphoria und der besorgten
Euphrosyne, die keinen Schritt aus der Nähe ihres Fohlens wich.
Und sie wussten plötzlich mit absoluter Gewissheit, dass es eine Zukunft gab,
die ihnen beiden gehörte.
E n d e