
Inhalt: Das Leben von Willow und Spike nach Chosen (Angel
Staffel 5 Spoiler).
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Teil: 1/1
Disclaimer: I do not own the characters in this story, nor do I
own any rights to the television show "Buffy the Vampire Slayer". They were
created by Joss Whedon and belong to him, Mutant Enemy, Sandollar Television,
Kuzui Enterprises, 20th Century Fox Television and the WB Television Network.
Hauptcharakter(e)/Paar(e): Willow/Spike
Beta: Cloegirl
~*~*~*~
Der Abend ging langsam in die Nacht über und
die Sonne verzog sich beinahe schleichend hinter dem Horizont. Der Horizont war
bei weitem nicht so schön wie der in Sunnydale, denn dort hatte man der Sonne am
Strand dabei zusehen können, wie sie über dem Meer auf- und wieder unterging.
Hier in Cleveland sah man nur eine Menge unscheinbarer Häuser, die sich bis an
den Horizont erstreckten. Sie wusste, dass es auch hier in Cleveland Wasser gab,
schließlich lag die Stadt direkt am Lake Erie, aber der lag im Nordteil der
Stadt, und im Norden ist die Sonne ja bekanntlich nie zu sehen.
Willow ging zurück ins Haus, wo sie ihre Tasse Tee in die Küche brachte und
schließlich in den Keller hinunterging. Früher hatte sie das unterste Geschoss
des Hauses nie gebraucht, es als eine Art übergroße Abstellkammer benutzt, aber
seit gut drei Jahren hatte sie begonnen, den muffigen Raum zu renovieren und zu
einem zweiten Wohnzimmer werden lassen – schließlich hatte sie einen
Untermieter.
Und eben dieser Untermieter lag auf seinem Bett, welches ein bescheidenes Bett
war, neben dem ein Nachttisch mit einer Lampe und einem Buch darauf stand. Auch
an den Wänden fand man Bücher, zu mehreren Hundert standen sie dort, ordentlich
in Regalen aneinander gereiht. Er hatte auch einen Fernseher und eine Couch hier
unten, alles in allem konnte man sich also nicht beschweren – und das hatte er
auch nie getan.
„Spike, wach auf“, sagte Willow leise und berührte sanft seine Schulter.
„Hmm… lass mich schlafen, Luv“, brummte er. Sie konnte ihn nur zu gut verstehen,
denn er war den ganzen Tag über wach gewesen und hatte sich erst vor zweieinhalb
Stunden schlafen gelegt. Er hatte den ganzen Tag hindurch mit Dawn gechattet,
die sich immer noch mit Buffy in Europa befand.
Es waren sieben Jahre nach dem Untergang Sunnydales vergangen und während Spike
in Los Angeles bei Angel war, Buffy mit Dawn und Andrew nach Europa tourte, war
Willow kurz nach dem Sunnydale Inferno gemeinsam mit Kennedy nach Cleveland
umgezogen.
Doch obgleich Kennedy eine der besten
Anwärterrinnen auf den Posten der Jägerin gewesen war, so war sie dennoch nicht
dem Leben mit der wohl mächtigsten Hexe der Welt gewachsen. Nach zwei Jahren war
die Beziehung zerbrochen und Willow war allein. Die nachfolgenden Jahre
verbrachte sie damit, Giles und Xander so gut es ging beim Wiederaufbau des
Rates und dem Training der Jungjägerinnen zu helfen.
Und dann war er in ihr Leben gekommen. Etwas mehr als ein Jahr hatte er mit
Angel in LA gekämpft, doch nachdem er all die Guten dort hatte sterben sehen,
nachdem dieser Vorbote der Apokalypse nur durch die Hilfe der
Jägerinnensprösslinge und Willows hatte niedergeschlagen werden können, da hatte
er die Stadt verlassen und war seine eigenen Wege gegangen.
Seit dem Untergang Sunnydales waren fast vier
Jahre vergangen, als er eines frühen Morgens an ihrer Tür klopfte und fragte, ob
er einige Zeit bei ihr bleiben könne.
Am Anfang war das Leben mit Spike seltsam gewesen, denn er hatte sich verändert,
genau wie Willow es getan hatte, denn die Hexe war ruhiger geworden, sehr viel
besonnener und er schwieg mehr und das anzügliche Grinsen, für das er über
Jahrhunderte hinweg bekannt war, war nur noch selten in seinem Gesicht zu sehen.
Er half ihr dabei, die Mädchen auszubilden, die ihnen Giles und Xander
schickten, denn Willow tat ihr Bestes, ihren Lebensunterhalt auf normale Art und
Weise zu verdienen, da konnte sie nicht wie früher die halbe Nacht hindurch auf
Jagd gehen und das Böse bekämpfen.
Deswegen war Spike ihr eine große Hilfe. Sie
hatte keine Ahnung, wie er es geschafft hatte, aber nachdem er zurück gekommen
war – von wo auch immer er in den zwei Jahren unterwegs gewesen war – sprach er
fließend Spanisch und Deutsch, was die Arbeit mit den Mädchen, die schließlich
aus aller Welt zu ihnen kamen, sehr erleichterte.
Es dauerte etwas, bis sich der übernatürliche Haushalt eingespielt hatte, aber
schon bald waren Spike und Willow ein eingespieltes Team geworden, selbst die
Nachbarn akzeptierten die beiden jungen Leute, die ihrer Meinung nach
traumatisierte Mädchen aufnahmen und ihnen halfen, sich in der Welt einzufügen.
Jeden Abend kochte Spike ihnen Abendessen und Willow machte Frühstück, so lief
es im Rosenberg Haushalt. Spike trainierte die Mädchen und Willow kümmerte sich
um ihr Seelenheil.
„Spike, nun wach schon auf. Wir müssen zum Höllenschlund“, sagte Willow dieses
Mal eindringlicher und rüttelte an seiner Schulter, doch wieder bekam sie nichts
als ein Brummen zu hören.
„Fein, ich packe meine Tasche und wenn du in zwei Minuten nicht oben bist, dann mache ich dir Feuer unterm Hintern.“
Wieder nur ein Brummen.
„Ich meine das wörtlich“, sagte sie, während sie die Treppen hinauf ging. Und kaum hatte sich die Tür hinter ihr geschlossen, schälte Spike sich auch schon widerwillig aus den Laken. Zu gut erinnerte er sich an das letzte Mal, als sie vor drei Monaten einen Ball aus purer Energie, die der der Sonne verdammt ähnlich war, zu ihm hinunter geschickt hatte, weil er partout nicht aufstehen wollte. Der Geruch verbrannten Vampirfleisches hatte ihn sehr schnell wach werden lassen. Er hing an seinem Fleisch, also war es wohl besser doch aufzustehen.
~*~*~*~
Durch einem kräftigen Hieb mit der Brechstange
zerbrach Spike das Schloss, dass die Tür des ehemaligen Clevelander
Schlachthauses verschlossen hatte. Dort drinnen war der Höllenschlund, den
Willow für ein weiteres Jahr magisch verschließen wollte.
Dieses Ritual hatte sie selbst entwickelt und mit Giles zusammen bis zur
Perfektion ausgearbeitet. Sie hatte es erst vier Mal angewandt, kannte aber
dennoch jedes einzelne Detail auswendig.
Spike spielte bei dem Ritual an sich keine
Rolle, er war lediglich ihr Bodyguard, denn wenn sie sich erst einmal in Trance
versetzt und all ihre magische Energie gebündelt und auf den Höllenschlund
gerichtet hatte, dann nahm sie um sich herum nichts mehr wahr. Für die Außenwelt
war sie blind und taub – und in diesem Zustand musste Spike sie unbedingt
schützen, denn sonst würde den Guten vielleicht bald einer ihrer größten rümpfe
fehlen, sie war das Ass im Ärmel. Schon immer gewesen.
Bei diesem Gedanken musste Spike dann doch wieder grinsen, als er an den kleinen
Computerfreak zurückdachte, der mit einem kleinen Laptop versuchte, der Jägerin
zu helfen. Doch das war lange her. Nun stand die wohl mächtigste Hexe aller
Zeiten vor ihm – und er musste sie beschützen. Eine große Aufgabe für einen
einfachen Vampir.
Während Willow sich darauf konzentrierte, ihre Kerzen möglichst genau dort zu
platzieren, wo sie in den letzten Jahren gestanden hatten, versuchte Spike, all
seine Sinne so gut er konnte zu schärfen und beobachtete jede noch so kleine
Regung, jeden sich noch so leicht bewegenden Schatten in ihrer Umgebung.
Sie nahm eine kleine Flasche aus der Tasche ihrer Jacke und benetzte den gesamten Boden damit, ehe sie sich niederließ und den Rest des Gebräus trank. Sie nickte noch einmal, ehe sie damit begann, die Beschwörungsformel auszusprechen.
Wie jedes Mal verfärbten sich ihre Haare, es
schien, als würde der Höllenschlund ihre gesamte Jugend und ihre gesamte Kraft
aus ihrem Körper saugen. Ihre Haut wurde runzlig, ihre Haltung erschlaffte und
ihre Haare wurden grau und schließlich weiß.
Nur für einen Moment hatte Spike nicht aufgepasst und schon wurde er von hinten
niedergeschlagen. Der verdammte Weihrauch übertünchte aber auch jeden Geruch.
Unsanft ging er zu Boden, nur um im Fall zu sehen, wie sich eine der Kreaturen
auf Willow stürzte und sie brutal in den Hals biss. Sein Gesicht schlug auf dem
Zementboden auf und er hörte ein unangenehmes Knacken.
Im Geiste fluchte er, ließ die Aggressionen, die sich über seine eigen Unachtsamkeit in ihm innerhalb von Sekunden aufgebaut hatten, allerdings nicht an sich selbst, sondern an seinem Gegner aus, der dachte, er würde länger am Boden liegen und sich deshalb ebenfalls auf Willow stürzte. Im Bruchteil einer Sekunde war Spike auf den Beinen und flog geradewegs auf den Angreifer zu. Mit zwei schnellen Handgriffen brach er ihm das Genick, nur um die Leiche dann unachtsam bei Seite zu werfen.
Er hechtete zu Willow, an deren Hals nach wie
vor die andere Gestalt hing und sich an ihren Blut und ihrem Fleisch gütlich
tat. Er konnte ihn schlecht von der Hexe, die unbeirrt weiter den Spruch sprach,
wegreißen, schließlich wusste er nicht, wie tief die Bestie ihre Zähne in den
zarten Hals der Rothaarigen gebohrt hatte. Stattdessen griff er nach einem der
Fleischerhaken, die noch von den Stangen über ihren Köpfen baumelten und schlug
ihm auf den Rücken des Ungeheuers. Es war nicht genug, um ihn zu töten, aber
genug, um seine Aufmerksamkeit von Willow weg zu lenken. Mit einem gezielten
Tritt auf die Brust der graublauen, schleimigen Kreatur schleuderte er ihn über
Willows Kopf hinweg an die gegenüberliegende Wand. Keine Sekunde später kniete
er auch schon über dem zweiten Angreifer, um ihm voller Gewalt den Kopf von den
Schultern zu reißen.
Das Adrenalin rauschte durch seine Venen und der Dämon in ihm triumphierte vor
Stolz. Er brauchte einen Moment, um sich von dem Kampf zu erholen und wieder
einen klaren Kopf zu bekommen. Dann ging er zu Willow, die nach wie vor in
Trance ihre Augen geschlossen hielt, während ihr Mund die beschwörenden,
magischen Worte flüsterte, ihre Hände fest auf den Boden gepresst.
Er warf seinen Ledermantel bei Seite, zog sein
T-Shirt aus, knüllte es zusammen und drückte es auf ihre Wunde am Hals. Er
dankte einem Gott, an den er nicht glaubte, dafür, dass das Biest Willows
Halsschlagader nicht gefunden hatte. Ihr Blutverlust war zwar enorm, aber nicht
lebensbedrohlich – sofern man davon absah, dass er sie schon für gewöhnlich nach
dem Ritual stützen musste, weil es sie dermaßen viel Kraft kostete.
Spike saß geduldig und gleichzeitig unglaublich besorgt und aufgekratzt neben
ihr. So ein Fehler durfte ihm nicht noch einmal passieren. Egal, wie mächtig die
Hexe sonst war, heute war sie verwundbarer als ein Baby und es lag an ihm, sie
zu beschützen.
Als sie das Ritual endlich beendet hatte und ihr Körper langsam seine
Jugendlichkeit zurückgewann, erwachte sie auch wieder aus der Trance.
„Spike?“, röchelte sie leise, der Schmerz überwältigte sie mit einem Mal.
„Ich bin da, Will, keine Sorge. Wir wurden angegriffen, es tut mir schrecklich Leid“, begann er, wurde aber von ihr unterbrochen.
„Nach Hause…“, flüsterte sie.
„Sofort, Liebes.“
Er löschte die Kerzen, packte sie in ihre Tasche, die er sich selbst umhing,
legte seinen Mantel um sie und nahm sie schließlich auf seine Arme, um sie nach
Haus zu tragen.
~*~*~*~
Am nächsten Morgen wachte Willow in ihrem eigenen Bett auf und fühlte sich, als
hätte ein Laster sie überfahren. Alle Fenster waren abgedunkelt worden, sie
wusste genau, was das hieß. Und tatsächlich saß vor ihrem Bett Spike und schlief
mit dem Kopf auf den Unterarmen, die wiederum auf ihrer Bettkante lagen.
Ihre Hand taste sich langsam vor, solange bis sie mit ihren Fingerspitzen durch
sein Haar streichen konnte. Er wachte auf und sah sie aus türkisblauen Augen
heraus an.
„Was ist passiert?“, fragte sie leise.
„Ich war unachtsam. Sie haben uns erwischt, oder besser gesagt dich. Sie haben dich ziemlich erwischt, Red, aber das Ritual war trotzdem erfolgreich. Und die Bastarde sind jetzt tot.“
Willow lächelte ein wenig. „Hilfst du mir?“, fragte sie ihn leise.
„Selbstverständlich, Luv“, erwiderte er,
woraufhin er sofort auf ihr Bett kletterte, wo sie es sich im Schneidersitz
bequem machte. Sie legten ihre Handflächen gegeneinander und meditierten.
Während Willow Kontakt zu Spikes Kraft und der Magie der Natur aufnahm, begann
ihr Körper sich schnell zu regenerieren. Es war etwas, was sie nur einmal mit
Buffy getan hatte, aber mit Spike teilte sie diese Art der magischen ersten
Hilfe schon lange. Auch wenn er nicht so stark war wie Buffy, gab er ihr jeden
Funken Kraft, den er entbehren konnte.
Nach einiger Zeit der stillen Meditation ließ Willow langsam ihre Hände nach
unten sinken und lehnte sich auf dem Bett zurück. Ohne dass Willow ein Wort
sprach, verstand Spike und legte sich neben sie, nur um seine Arme um sie zu
schlingen.
Es erinnerte ihn an die letzte Nacht, die er gemeinsam mit Buffy verbracht
hatte, vor dem großen Kampf. Vor über sieben Jahren.
Doch nun war Buffy in Europa und als er sie
nach dem Kampf in LA besucht hatte, hatte er sie nicht wieder erkannt. Buffy
Anne Summers, die Jägerin, war zu einer unter vielen geworden. Er liebte sie
nach wie vor auf eine freundschaftliche Art und Weise, aber seine ganze
Aufmerksamkeit, sein Herzblut, das schenkte er der Hexe, mit der er mittlerweile
sein Leben teilte.
- Fin -