Autor: Elfenwesen

Inhalt: Nach LA hat sich in Spikes Leben vieles verändert. Alles gipfelt sich kurz vor Weihnachten auf und er fällt in ein tiefes Loch.

Altersfreigabe: ab 12

Pairing: Spike/Angel

Kommentar: Ich habe mich mit meiner ersten Challengestory sehr schwer getan, auch wenn ich das Pairing mochte. Danken möchte ich meiner Beta CloeGirl, mit der ich mich wegen dieser Story ziemlich gefetzt habe. Danke, dass du's ertragen hast, Liebes.
 

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Challengevorgaben:

Ich will...

– ein Wortgefecht zwischen Angel(us) und Spike (es sei dir überlassen, ob
es gut endet oder nicht)
– eine Rückblende zu einem verunglückten Weihnachtsabend
– Spike im Weihnachtsmannkostüm (zumindest sollte er es anprobiert haben)
– Hauptperson: Spike

Ich will kein
– AU
– f/f Slash

Mein „Wenn möglich" - Wunsch ist eine Angel(us)/Spike-Slash Story zu
lesen.

Mein „Auf gar keinen Fall" - Joker: ich möchte auf keinen Fall eine
Buffy/Spike Story lesen.

 

~*~*~*~

 

Die Nacht war einsam und kalt. Es war schon lange her, dass er von Kalifornien nach New York umgezogen war. Die Stadt hatte sich sehr verändert, seit er sie in den späten siebziger Jahren verlassen hatte, aber dennoch war sie ihm nach wie vor seltsam vertraut. Auch wenn die Straßen mittlerweile eingeschneit waren, zog es ihn jede Nacht wieder hinaus, um die Stadt aufs Neue zu erkunden.
 

Er stieg in die U-Bahn, fuhr irgendwo hin, stieg aus und versuchte von dort aus seinen Weg zurück zu finden, zurück nach Haus.

Nach Haus... früher hatte das bedeutet, zurück zur Familie, zum Unterschlupf, in dem er gerade mit Darla, Angel und Drusilla hauste, irgendwann, Jahrzehnte später, war eine Gruft auf dem Sunnydaler Friedhof zu seinem Zuhaus geworden, doch nach ein paar Jahren hatte er auch dort weggemusst. Eingeschlossen in einem Medaillon und verpackt in einem schlichten, weißen Briefumschlag war er schließlich nach Los Angeles gekommen, zurück zu seinem Sire. Und das erste Mal seit langen Jahren hatte er sich wirklich gefühlt, als sei er Zuhaus angekommen.
In LA hatte er Freunde gefunden, sich amüsiert und für das Gute gekämpft. Doch seine Freunde starben, der Spaß wurde zu einem Kampf um das nackte Überleben und nur mit sehr viel Mühe gewann das Gute die große Schlacht in der Stadt der Engel.

Es waren zwei Jahre vergangen, in denen er an Angels Seite versucht hatte, im zerstörten Los Angeles wieder für etwas Ruhe zu sorgen, doch aus dem fröhlichen Team, das gemeinsam das Böse in der Stadt bekämpft hatte, war nun ein schweigsames Trio geworden. Nur Angel, Illyria und er, Spike, waren noch da. Angel selbst war nach dem Tod all seiner Freunde bis in seine Grundfesten erschüttert und auch von Illyria konnte man nicht gerade behaupten, dass sie vor Charme sprühte.

Kurz vor Weihnachten war es Spike zuviel geworden und er tüftelte einen Plan aus, wie er die Stimmung seines Sires zumindest für eine Nacht aufheitern konnte.
Es war die Nacht vor dem Weihnachtsmorgen, in der er sich leise in den Keller verkroch, wo er sich in den roten, ausgestopften Mantel zwängte, sich die Mütze aufsetzte, sich den weißen Bart aus Watte anlegte und den ausgepolsterten Sack über seine Schulter warf.

So leise er nur irgend konnte war er die Treppen wieder hinauf gestiegen, doch leider stieß er bereits in der Küche auf Angel. Um seine Überraschung zumindest noch halbwegs überraschend wirken zu lassen, streckte er die Arme weit auseinander und gab sein bestes Santa-Claus-Hohoho von sich.

„Na, warst du auch ein braver Junge, Angel?“, wollte er in einer lächerlich tief verstellten Stimme von Angel wissen und sah diesen auffordernd an. „Denn weißt du, wenn du kein braver Junge warst“, sagte er und strich sich durch den falschen Bart, „dann kann ich dir auch keine Geschenke geben.“

Eine Sekunde lang sah Angel ihn von der anderen Seite der Küche aus nur entgeistert an, doch dann verzerrten sich seine Gesichtszüge, sodass seine Fangzähne sichtbar wurden und er donnerte mit wutentbrannter Stimme: „Bist du über Nacht verrückt geworden, du Vollidiot?! Ich habe alles verloren und du kommst mir als Weihnachtsmann daher?“

Spike stand wie versteinert in der Tür und starrte seinen Sire mit einer Mischung aus Angst und Schock an. Er hatte ihn doch nur etwas aufheitern wollen…
Mit einem Mal schlug seine Paralyse in Wut um.

„Du bist ein undankbarer Wanker, Angel!“, schrie er zurück und riss sich den falschen Bart vom Gesicht.
„Zumindest habe ich noch einen Teil meiner Zurechnungsfähigkeit behalten, anstatt mich in irgendwelche albernen Kostüme zu zwängen“, brüllte dieser.
„Denkst du wirklich, deine kleinen Menschenfreunde werden wieder lebendig, wenn du dich nie amüsierst und ihnen nachtrauerst?“ Laut ausgesprochen klang es spöttischer, als Spike es beabsichtigt hatte.

Das brachte Angels Wut zum Überkochen. Ohne auch nur eine Sekunde darüber nachzudenken griff er einen der hölzernen Stühle, die am Esstisch standen, und warf ihn mit aller Kraft durch den Raum, genau auf Spike zu.
Dieser konnte sich nicht schnell genug ducken und wurde von dem Stuhl direkt im Gesicht getroffen. Die Wucht des Aufpralls warf ihn nach hinten gegen die Wand, an der er keine Sekunde später hinunter sank, als Angel auch noch einen zweiten Stuhl nach ihm warf und ihn damit nur knapp verfehlte.
„Gottverdammt, Peaches“, setzte Spike fluchend an und rieb sich mit dem Handrücken über seine blutende Nase, doch sehr viel weiter kam er nicht, denn im nächsten Moment schloß sich Angels Hand um seinen Hals und drückte zu, so dass aus seiner Kehle nicht sehr viel mehr als ein klägliches Röcheln entweichen konnte.
„Ich gehe jetzt duschen, und wenn ich fertig bin, bist du verschwunden, ist das klar? Ich will dich respektlosen Dreckskerl nicht mehr sehen, verstanden?“
Ohne ein weiteres Wort ließ er Spike los und verließ den Raum. Aber Spike hatte verstanden, und als Angel aus der Dusche kam, gab es in der gesamten Wohnung keine Spur mehr von Spike. Er hatte seine Sachen gepackt und war gegangen, genau wie er es verlangt hatte.

Er hatte ein Jahr gebraucht, ehe er sich von der Westküste bis ganz an die Ostküste durchgeschlagen hatte, bis er hier gelandet war, in New York.
Lange Zeit hatte er sich einfach so durchgeschlagen, doch irgendwann war er zu einem fast normalen Leben zurückgekehrt. Jetzt arbeitete er ziemlich regelmäßig in Nachtclubs als Rausschmeißer und verdiente sich so genug Geld um ein Einzimmer Apartment am Rande der Stadt zu unterhalten und sich regelmäßig Blut zu kaufen.

Manchmal, wenn er tagsüber in seinem Bett lag und nicht schlafen konnte, dachte er noch an Angel. Oft fragte er sich, was der ältere Vampir wohl so tat und ob es ihm gut ging. Ob er endlich den Verlust seiner Freunde überwunden hatte. Er fragte sich, ob Angel es gut finden,
Aber vermutlich wäre es Angel nicht gut genug. Denn Spike schadete den Menschen zwar nicht mehr, aber er half ihnen auch nicht. Er streifte nicht schon in der ersten Minute nach der Dämmerung durch die Straßen, auf der Suche nach Menschen, die seine Hilfe benötigten…
Eigentlich vermied er es allgemein, dass die Menschen ihm zu Nahe kamen. Er hatte gesehen, was es heißen konnte, wenn man Menschen zu nahe an sich heranließ. Man wurde verletzt, denn Menschen starben.

Es vergingen fünfzehn Jahre, ehe Spike diese Lektion, die er an Angels Seite hatte lernen müssen, vergaß. Und über die Jahre hinweg hatte er, ohne dass es ihm aufgefallen war, wieder Bande zu Menschen geknüpft. Zu dem Sohn seines Metzgers zum Beispiel, der ihm das Blut gab und ihn niemals angewidert angesehen hatte oder ihn mit Blicken für seine Abnormalität verurteilte. Er mochte den Jungen, auch wenn dieser mittlerweile kein Junge, sondern ein richtiger junger Mann war. Fünfundzwanzig war Josh mittlerweile und stand immer noch jeden Montag um zehn Uhr hinter dem Laden seines Vaters, mit den Beuteln voller Blut, um auf Spike zu warten.

Dieser näherte sich auch heute so lautlos wie es bei einer zwanzig Zentimeter dicken Schneeschicht eben möglich war.

„Hey Josh“, grüßte er den ungeduldig wartenden Jungen.
„Hallo Spike“, grüßte dieser zurück und reichte dem besten Stammkunden seines Vaters die Plastiktüte voller Blut.
„Na, Kleiner, weshalb bist du denn heute so nervös?“, wollte er wissen.
„Die Jungs kommen gleich vorbei. Wir wollen mit dem Auto losziehen.“
„Und wohin soll’s gehen?“, hakte Spike nach.
„Ach, in Richtung des Hafens, du weißt schon…“, winkte Josh ab.
„Jaja… ich weiß schon.“

Genau in diesem Moment war ein Hupen von der Straße her zu hören.

„Das sind die Jungs. Ich muss los. Man sieht sich dann nächsten Montag. Bis dann, Spike!“

Kopfschüttelnd sah Spike dem jungen Mann hinterher, als dieser durch den Schnee hin zur Straße joggte. Gleich darauf hörte er, wie eine Autotür zugeschlagen wurde und das Auto wegfuhr.

~*~*~

Es war acht Uhr morgens. Wieder einmal konnte Spike nicht schlafen und aus Langeweile schaltete er das Radio ein. Die Nachrichten würden ihn sicherlich schläfrig genug machen…

„Heute Nacht gab es am Pier 14 eine Schlägerei zwischen acht Männern. Diese eskalierte, bis einer oder mehrere der Beteiligten ein Messer zog. Zwei der Männer liegen mit schweren Verletzungen im Krankenhaus, ein dritter erlag noch auf dem Weg ins Krankenhaus seinen Verletzungen. Und nun zum Wetter…“

Ungläubig starrte Spike sein Radio an. Er konnte nicht glauben, was er da hörte. Es konnte nicht Josh sein. Es konnte nicht Josh sein…
Einmal mehr verfluchte er die Sonne, die es ihm unmöglich machte, das Haus zu verlassen. Und er verfluchte seinen Entschluss, sich nie ein Telefon angeschafft zu haben. Verdammt, verdammt, verdammt…

~*~*~

Die Sonne war noch nicht einmal ganz untergegangen, da sprintete Spike schon zur U-Bahn Station und quetschte sich in den nächstbesten Zug. Er verfluchte die Rush Hour und wartete ungeduldig, bis die Bahn seine Station erreicht hatte.
Wie vom Teufel gejagt quetschte er sich durch die Menschenmassen und rannte die Treppen – drei Stufen auf einmal nehmend – hinauf. Noch einen Block weiter und er stand vor dem Gebäude, in dem Joshs Vater seine Metzgerei hatte.
Im Schaufenster stand ein hastig gekritzeltes Pappschild, dass jedem Kunden sofort sagte: „Wegen familiärem Trauerfall vorübergehend geschlossen“.
Er rannte um das Haus herum und klingelte Sturm. Es dauerte geschlagene zwei Minuten, ehe sich die Tür öffnete und Mister Ramirez ihn anblickte.

„Oh, Spike, schön Sie zu sehen. Brauchen Sie etwas?“, wollte Joshs Vater in freundlichem Tonfall wissen. Aber Spike hörte, dass es nur aufgesetzt war.
„Entschuldigen Sie, dass ich Sie störe, Mister Ramirez, aber ich muss unbedingt wissen, wie es Joshua geht“, erwiderte Spike.
Mister Ramirez schluckte.
„Ist er tot?“, fragte der blondgebleichte Vampir nun und bemerkte, wie sich ein Kloß in seiner Kehle bildete.
Als Mister Ramirez nur nickte, fühlte sich Spike, als müsse er sich spontan übergeben. Doch er schluckte das Gefühl herunter, murmelte ein „mein herzliches Beileid“ und drehte sich um.

Das war der erste Abend, an dem sich Spike hemmungslos betrank, seit er in New York lebte. Er war dermaßen betrunken, dass er keine Probleme hatte, erst einmal die nächsten beiden Tage durchzuschlafen.
Die darauffolgenden Wochen verbrachte Spike in seinem Zimmer. Er verließ es nicht mehr und bemerkte nicht, wie die Zeit verging. Irgendwann war Weihnachten, das wusste er, doch es war ihm scheißegal. Ihm war alles scheißegal.

Es war nicht die Tatsache, dass Josh gestorben war, die ihn dermaßen nieder machte, sondern weswegen. Er hatte sich niemals um das Schicksal Gedanken gemacht, aber nun erschien ihm alles auf der Welt so unglaublich… willkürlich und unfair. Josh hatte sein Leben noch vor sich gehabt und er war so ein verdammt guter Bursche gewesen… er hatte es einfach nicht verdient, in einer kalten Novembernacht an einem Pier in einer Stadt zu sterben, die sich nicht kümmerte, ob er tot oder lebendig war.

Total in Gedanken versunken bemerkte Spike nicht, wie es an der Tür geklopft hatte. Er war total ausgezehrt, weil er seit Wochen kaum mehr Blut getrunken hatte, seine Sinne waren abgestumpft und er fühlte sich leer. Er bemerkte es nicht einmal, als die Tür mit einem dumpfen Schlag aus den Angeln gehoben wurde und ein Mann sein Zimmer betrat. Erst als sich dieser neben sein Bett kniete und ihn ansah, blickte er auf.

„Angel“, flüsterte er. Es war keine Frage. Es war eine Feststellung.
„Aye, Spike, ich bin’s Angel…“ Eine große, raue Hand strich über seine eingefallene Wange.
„Was willst du hier?“, fragte er leise und sah den älteren Vampir mit leerem Blick an.
„Mich um dich kümmern“, erwiderte dieser und hielt seinem Childe ohne ein weiteres Wort einen Plastikbeutel mit Blut vor den Mund. Es befand sich bereits ein Loch in dem Plastik, das Angel mit seinem Daumen jedoch zudrückte. Erst als der Beutel direkt vor Spikes Lippen schwebte, nahm er seinen Finger bei Seite und ließ das Blut gegen die Lippen und in den Mund des jüngeren Vampirs strömen.
Als der Beutel leer war, legte Angel ihn weg und stieg neben Spike ins Bett und nahm ihn einfach in seine Arme.

~*~*~

Es war der Morgen des fünfundzwanzigsten Dezember, an dem Spike aus seiner Paralyse aufwachte und sich in einer vertrauten Umarmung wiederfand.

„Warum bist du hier?“, wollte er leise wissen.
„Weil ich mich bei dir entschuldigen wollte“, flüsterte Angel zurück und drückte sein Childe an sich. „Ich habe damals… falsch reagiert. Ich hätte dir alles erklären sollen, anstatt dich rauszuschmeißen.“
„Ich verstehe dich jetzt“, murmelte Spike.
„Das weiß ich.“
Erstaunt drehte sich Spike zu Angel um und fragte mit fast schon erstickter Stimme: „Woher?“
„Dein Metzger… ich habe ihn ausfindig gemacht und bei ihm nachgefragt, wo du wohnst und er hat mir alles erzählt… dass sein Sohn gestorben ist, dass der dich schon so lange kennt und dass du von ihm das Blut bekommen hast und auch, dass du seit sechs Wochen nicht mehr bei ihnen warst. Daher dachte ich mir schon, dass du etwas Blut brauchen könntest“, erklärte Angel leise und deutet auf eine ganze Kühltasche voller, mit Blut gefüllter, Plastikbeutel.
„Warum hast du mich gesucht?“, fragte Spike.
„Das… hat mit der Beziehung zwischen Vampiren zu tun. Ich konnte doch mein Childe nicht ewig verstoßen, oder?“ Angel lächelte sanft.
„Nein, das konntest du nicht“, murmelte Spike und auch auf sein Gesicht schlich sich ein kleines Lächeln.
„Fröhliche Weihnachten, Spike“, flüsterte ihm sein Sire ins Ohr, ehe er seine Arme wieder enger um ihn schlang und sie erneut in einen beruhigenden Schlaf drifteten. Der erste, richtige Schlaf seit einundzwanzig Jahren.

 

- Fin -