
Pic von anja25ive
Autor:
little beloved
Übersetzer: Elfenwesen
Inhalt: Severus Snape hat sich nach der finalen Schlacht vollkommen zurück gezogen, doch als ihn ein Brief von Hermine Granger erreicht, in dem sie ihn um Hilfe bittet, beginnt eine höchst unwahrscheinliche Korrespondenz.
Hauptcharaktere: Hermine/Severus
Altersfreigabe: ab 12
Beta: Cloegirl
Disclaimer:
I do not own the characters in this story, nor do I own any rights to the films
show. They were created by Joanne K. Rowling and are owned by her and by Warner
Bros.
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Teil 1 Teil 2 Teil 3 Teil 4 Teil 5
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Teil 1
Severus Snape runzelte die Stirn, als er sich der Quelle des schwachen Klopfens, das seine Gedanken so unverschämt unterbrochen hatte, zuwandte. Trotz der beinahe Dunkelheit draußen konnte er die Silhouette einer kleinen Schleiereule an seinem fest geschlossenen Fenster seines Arbeitszimmers ausmachen. Als er den Vogel ansah, klopfte dieser immer lauter mit seinem Schnabel gegen das Glas, fest entschlossen die Pergamentrolle zuzustellen, die an seinem linken Bein besfestigt war. Mit einem verärgerten Grunzen erhob sich der Zaubertrankmeister aus seinem Lederstuhl und durchquerte das Zimmer mit drei raumgreifenden Schritten.
Während er die diversen Sicherheitszauber von dem Fenster
nahm, besah er sich die ungeduldige Eule neugierig, die auf dem Fenstersims saß.
Er erkannte sie nicht wieder; sie gehörte definitiv nicht Minerva oder Lupin. Es
war auch sicher keine der standardisierten braunen Eulen, die vom Ministerium
genutzt wurden. Er grunzte ein zweites Mal, als er den Verschluss öffnete. Ein
Hassbrief, mit größter Wahrscheinlichkeit.
Er lebte nun seit fast vier Jahren in der Einsamkeit, seit dem Tag, an dem er
vom Mord an Albus Dumbledore freigesprochen worden war. Nach drei Wochen, in
denen er irritierender weise regelmäßig Briefe von Minerva erhalten hatte, in
denen sie seine Rückkehr nach Hogwarts forderte, rührselige Schreiben von Lupin,
der vergeblich versuchte, ihm die Hand zur Freundschaft zu reichen, nervtötende
Bitten des Ministeriums frühere Todesser betreffend und einen ansehnlichen
Haufen von Hassbriefen, hatte er einfach damit begonnen, die meisten Eulen
schlicht zu ignorieren, oder wenn sie sich als hartnäckig erwiesen, dann hatte
er sämtliche Briefe einfach verbrannt, ohne ihren Inhalt auch nur zu
überfliegen. Dieser Kurs zeigte Wirkung, mittlerweile störten nur noch ein oder
zwei Eulen im Monat seine selbst gewählte Abgeschiedenheit.
Die Schleiereule buhte ihn mit offensichtlichem Missfallen an, als er das
Pergament von ihrem Fuß losband und vermutete ganz richtig, dass sie von diesem
wütenden Mann wohl keine Belohnung bekommen würde, also flog sie schnell weg in
die Abenddämmerung, wo sie mit ihren scharfen Augen auf dem Boden unter sich
nach Nagetieren suchte.
Snape stellte die Sicherheitszauber mit einem graziösen Schwung seines
Zauberstabs wieder her und schlenderte dann zum Kamin, in dem ein prächtiges
Feuer prasselte, innerlich schon darauf gefasst sich aller Mittel zu bedienen,
um auch dieser Korrespondenz aus dem Weg zu gehen.
Die erste Sache, die er bemerkte, während er auf die Feuerstelle zuging, war die
hohe Qualität des Pergaments; es fühlte sich luxuriös samtig unter seinen
Fingern an. Die Leute verschwendeten selten ein solch teures Schreibmaterial für
kindische Hassbriefe.
Die zweite Sache, die ihm auffiel, war der kaum wahrzunehmende Duft nach den
Jasmin- und Patschuliaromen eines sehr femininen Parfums; der Schreiber war ohne
jeden Zweifel eine Frau. Als seine rechte Hand über dem Feuerrost schwebte, sah
er hinunter und die vertraute Schrift, in der sein Name dort stand, traf ihn wie
ein Blitz. Er drehte die Pergamentrolle um und sah verblüfft das Emblem, mit dem
das rote Wachs versiegelt war.
Es war dasselbe wie das, das auf seinem Schreibtisch stand, keine zwei Meter
entfernt: ein Kessel und die gekreuzten Zauberstäbe eines qualifizierten
Zaubertrankmeisters oder einer Meisterin. Widerstrebend unterlag er seiner
Neugier und beschimpfte sich in Gedanken schon selbst für seine Schwäche und
Dummheit, er verließ die Hitze des Feuers und riss den Brief auf. Dadurch begann
eine höchst unwahrscheinliche Korrespondenz.
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Sehr geehrter Professor Snape,
Wenn meine Eule es schafft, Sie zu finden, dann hoffe ich, dass sie Sie in guter
Verfassung vorfindet. Es gibt seit dem Ende Ihres Prozesses keine Aufzeichnungen
über Ihren Aufenthaltsort mehr und ich kann daraus nur schließen, dass Sie es
nicht wünschen gefunden oder gestört zu werden. In diesem Fall hoffe ich, dass
Sie meine Entschuldigung akzeptieren und mir glauben, wenn ich Ihnen versichere,
dass ich Sie nicht willentlich gestört hätte, wenn ich es nicht für absolut
notwendig halten würde.
Ich vermute, Sie sind nicht die Art Mann, die überflüssige Nettigkeiten
schätzen, deswegen werde ich gleich zum Punkt kommen. Vor zwei Monaten wurde
Rubeus Hagrid bewusstlos im verbotenen Wald, nicht weit von den Toren der Schule
entfernt gefunden. Er kam mit der giftigen Pflanze Acus Venenatus in Kontakt und
bekam sofort nach seiner Einlieferung in das St. Mungo’s das Gegenmittel. Dies
hätte innerhalb von achtundvierzig Stunden zu einer vollen Genesung führen
sollen, und obwohl er wieder bei Bewusstsein ist, hat seine Haut die bläuliche
Verfärbung, die mit dem Kontakt mit der Pflanze einhergeht, immer noch nicht
verloren. Außerdem ist er absolut ohne jegliche Energie und seit dem Unfall
nicht dazu in der Lage, sein Bett zu verlassen. Um ehrlich zu sein sind die
Krankenhausangestellten beinahe komplett nutzlos und selbst ausführliche
Nachforschungen meinerseits haben bisher nur wenige Ergebnisse gebracht. Seine
spezielle Reaktion auf das Gift ist noch nie vorher dokumentiert worden und ich
kann es nur auf seinen biologischen Status als Halbriese zurückführen. Ich war
nicht in der Lage, irgendwelche Informationen darüber zu erhalten, wie diese
Pflanze Riesen beeinflusst und ich bin komplett ratlos, welchen Schritt ich als
nächstes tun kann.
Ich habe gerade erst meinen Abschluss als Zaubertrankmeisterin gemacht, deswegen
bezweifle ich, dass meine Notizen Ihnen eine Hilfe sein werden. Ich habe sie
Ihnen dennoch unten angeheftet, zusammen mit einer illegal angefertigten Kopie
von Hagrids Krankenakte aus dem St. Mungo’s. Bitte verzeihen Sie mir meine
Annahme, die mich dazu gebracht hat, Ihnen all diese Informationen zu schicken,
aber Sie sind wirklich meine letzte Hoffnung. Jeder Rat, den Sie mir vielleicht
geben könnten, wäre mir mehr als willkommen.
Hochachtungsvoll
Hermine Granger
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Miss Granger,
Seit fast vier Jahren habe ich keiner Art von Kommunikation geantwortet und wäre
da nicht der Fakt, dass ich Ihre Notizen sowohl aufschlussreich als auch gut
recherchiert fand, dann würde ich diese Korrespondenz mit Ihnen jetzt auch nicht
aufnehmen. Ich denke, es gibt zahlreiche Möglichkeiten, die man meines Erachtens
nach im Bezug auf Hagrids Krankheit untersuchen sollte, und wenn Sie auf diesen
Brief mit einer Versicherung antworten, dass Sie meine Beteiligung an seiner
Behandlung nicht offenbaren werden, und mir eine frische Blutprobe zukommen
lassen, dann werde ich tun, was ich kann. Hagrid hatte immer meinen Respekt,
ungeachtet seiner Probleme mit der Körperhygiene und seiner unzählbaren Macken.
Ihre Annahme, dass ich bedeutungslosen Nettigkeiten gegenüber abgeneigt bin, war
in der Tat scharfsinnig. Bitte fühlen Sie sich frei, sie auch in zukünftiger
Korrespondenz auszusparen.
SS
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Sehr geehrter Professor Snape,
Vielen, vielen Dank für Ihre Antwort. Hagrid wird immer mutloser und Ihre Hilfe
ist lebensnotwendig. Sie haben meine vollste Versicherung, dass ich weder Ihren
Namen noch die Existenz dieser Briefe preisgeben werde. Ich habe eine Blutprobe
beigelegt, ebenso wie die Resultate meiner letzten Recherchen.
Um ehrlich zu sein, Professor, bin ich über den Verzicht auf „bedeutungslose
Nettigkeiten“, wie Sie es nennen, ziemlich froh. Sie sind ziemliche Langweiler.
Mit aufrichtigem Dank
Hermine Granger
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Miss Granger,
Ich unterziehe die Blutprobe gerade einigen diagnostischen Tests und manche der
Resultate sehen bisher sehr vielversprechend aus. Ich habe Ihre Notizen über die
Resistenz von Riesenblut auf synthetisch produzierte Gegenmittel mit Interesse
gelesen. Vielleicht interessiert Sie ein Artikel von H.G. Portington über
synthetische Gegenmittel, der vor zwei Jahren in Poisons and Potions, Band XVII
erschienen ist.
Ich habe zwei Aufträge für Sie. Erstens brauche ich eine Probe der exakten Menge
des Gegenmittels, das Hagrid bei seiner Einlieferung ins St. Mungos bekommen
hat. Ich weiß, es ist eventuell schwer zu beschaffen, aber ich bin mir sicher,
dass Sie das mit Leichtigkeit schaffen, wenn ich bedenke, wie mühelos Sie
während Ihres zweiten Jahres in Hogwarts Zaubertrankzutaten aus meinen
persönlichen Schränken entwendeten.
Zweitens muss ich Sie darum bitten, damit aufzuhören die Briefe, die Sie mir
schicken, weiterhin mit Ortungszaubern zu belegen. Dank der ausgeklügelten
Zaubersprüche, mit denen ich Ihr Pergament überprüfe, bin ich mir darüber im
Klaren, dass Sie jedes Mal einen anderen Spruch verwenden und es wird langsam
lästig. Sie werden keinen Erfolg haben; ich schätze meine Privatsphäre zu sehr.
SS
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Sehr geehrter Professor Snape,
Es tut mir aufrichtig leid, dass ich die Ortungszauber angewendet habe, ich war
einfach neugierig. Ich werde nicht wieder versuchen, Ihren Aufenthaltsort
ausfindig zu machen. Ich kann nicht glauben, dass Sie von den Zaubertrankzutaten
im zweiten Jahr wussten. Sie hätten mich von der Schule verweisen lassen können,
und dennoch haben Sie nie etwas gesagt. Darf ich fragen warum?
Sie finden neben diesem Brief eine Probe des Gegenmittels. Mit Hilfe von Harrys
Tarnumhang und ein oder zwei Gedächtniszaubern war es ein leichtes. Ich habe den
Artikel in Poisons and Potions, den Sie erwähnten, gelesen, habe aber Ihre
Arbeiten, die Sie unter dem Pseudonym H.G. Portington veröffentlichen, wenn ich
ehrlich bin schon eine Zeit lang verfolgt. Ich habe ganz besonderen Gefallen an
Ihrem Essay über den Gebrauch von Nieswurz bei der Behandlung des Zitterns nach
Cruciatusangriffen gefunden. Eine sehr innovative Theorie, aber wenn ich es so
sagen darf, es war ziemlich offensichtlich, dass Sie keine praktische Recherche
betrieben haben.
Hermine Granger
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Miss Granger,
Ich stelle fest, Ihre Naivität ist grenzenlos. Potter und all diejenigen, die
mit ihm in Kontakt standen, wurden von mir wie auch Albus besser überwacht als
Sie es sich vorstellen können. Ich war mir bewusst, dass die Zutaten, die Sie
mir gestohlen haben, für einen Vielsafttrank gedacht waren und ich sah
fasziniert dabei zu, wie Sie ihn erfolgreich brauten. Eine ziemliche Leistung
für eine Schülerin im zweiten Jahr und daher meiner Meinung nach keiner Strafe
würdig.
Schlaues Mädchen. Ich dachte, meine Identität als H. G. Portington wäre ziemlich
sicher. Zehn Punkte für Gryffindor. Darf ich es wagen, Sie zu fragen, wie Sie es
heraus bekommen haben? Ich bin froh, dass Sie den Artikel mochten, aber Sie
liegen ziemlich falsch; hätte ich selbst nicht Unmengen von Nieswurz zu mir
genommen, wäre ich kaum dazu in der Lage, Ihnen diesen Brief hier zu schreiben.
Es gab mehr als nur ein paar Todesser, die gewillt waren, mich mit dem Cruciatus
zu verfluchen, als sie während der finalen Schlacht herausfanden, auf wessen
Seite ich wirklich stehe. Mein Zittern war so ernsthaft, dass sich das Halten
eines Zauberstabs oder einer Feder schwer gestaltete. Ich denke, das zählt als
praktische Recherche. Zehn Punkte Abzug für Gryffindor.
Wie ich bemerke, stehen Sie immer noch in Kontakt zu dem
Jungen-der-sich-weigerte-zu-gehen. Es sei denn natürlich, er ist traurigerweise
verstorben und hat Ihnen den Tarnumhang hinterlassen. Ich nehme an, Ihre
romantische Liaison mit dem schneidigen Mr. Weasley ist ebenfalls noch aktuell?
Ich habe aber auch noch eine gute Nachricht: Ich glaube, ich habe den Grund
dafür gefunden, dass das Gegenmittel Rubeus Hagrid nicht vollständig heilen
konnte. Meine Notizen lege ich bei. Wenn Sie mit meinen Schlüssen
übereinstimmen, dann denke ich, ist es nur noch eine Frage von ein paar Tagen
bis wir einen passenden Trank gefunden haben, um den Heilungsprozess
abzuschließen.
SS
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Sehr geehrter Professor Snape,
Ich muss mich wieder einmal bei Ihnen entschuldigen. Sie haben immer gesagt, ich
sei eine unerträgliche Alleswisserin und es sieht ganz danach aus, als würde
sich diese Tendenz langsam von meiner zu großen Klappe auch auf meine Feder
ausweiten. Es hat mich bestürzt zu erfahren, dass Sie dermaßen unter den
Nachwirkungen des Cruciatus Fluchs gelitten haben. Ich hoffe, Sie leiden nicht
mehr. Ich finde es meist schwer, mich mit Leuten in meinem Alter zu unterhalten;
sie sind traurigerweise meist etwas unterbelichtet, um es höflich auszudrücken.
Dennoch fühle ich mich in akademischer Hinsicht von Ihren Briefen überfordert.
Wie ich feststellen muss, haben Sie es geschafft, Ihren Sinn für trockenen Humor
all die Jahre vor uns zu verbergen. Der „Junge, der sich weigerte zu gehen“ ist
lebendig und wohlauf und hat keine Ahnung davon, dass ich mir seinen Tarnumhang
für solch ruchlose Zwecke ausgeborgt habe. Und ja, meine „Liaison“ mit Mr.
Weasley ist noch aktuell.
Und rauszufinden, dass Sie H. G. Portington sind, war eigentlich recht einfach.
Sie erinnern sich vielleicht noch daran, dass Harry im sechsten Schuljahr Ihren
Band des Zaubertranklehrbuchs benutzt hat, in dem Sie mehrere Instruktionen
vermerkt hatten, die nicht mit dem eigentlichen Rezept übereinstimmten. Ihr Stil
und persönliches Gespür für Zaubertränke scheint mir ein sehr individuelles zu
sein, wie ein Fingerabdruck. Um es kurz zu machen, ich habe diesen Stil in Ihren
Artikeln wieder erkannt. Aber es sei Ihnen hiermit versichert, dass ich
niemandem meine Theorie über Ihre wahre Identität mitgeteilt habe.
Ihre Erklärung für das Versagen des Gegenmittels war absolut bemerkenswert, das
pure Genie. Ja, ich stimme absolut mit Ihnen überein und habe meine Notizen zu
meinen Ideen für mögliche Heiltränke beigelegt. Ich würde es wirklich sehr zu
schätzen wissen, wenn ich Ihnen bei Ihrer Arbeit an dem alternativen Gegenmittel
zusehen dürfte, aber wenn das außer Frage steht, dann verstehe ich das.
Mit den besten Wünschen
Hermine
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Miss Granger,
Ich denke Sie sind eine weitaus begabtere Zaubertrankmeisterin als Sie sich
selbst eingestehen wollen. Ihre Vorschläge waren gut durchdacht und erstaunlich
nah an dem Trank, den ich letztendlich herstellte. Ich bin mir ziemlich sicher,
dass das die extreme Schwäche heilen sollte, aber ich bezweifle, dass es
irgendwelche Auswirkungen auf die blauen Verfärbungen seiner Haut haben wird.
Sie werden beigelegt eine Erklärung finden, wie genau der Trank hergestellt
wurde und wie er einzunehmen ist. Die exakte Einhaltung ist auschlaggebend.
Bitte informieren Sie mich über seine unmittelbare Reaktion, denn es könnte
Nebenwirkungen geben.
Ich entschuldige mich dafür, Ihnen nicht früher geantwortet zu haben, aber ich
wollte mich auf die Vorbereitungen für das Gegenmittel konzentrieren. Ich
befürchte, dass es komplett außer Frage stand, dass Sie mir bei meiner Arbeit
zusehen.
SS
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Sehr geehrter Professor Snape,
Bitte entschuldigen Sie meine Handschrift, aber ich war die ganze Nacht auf und
habe Hagrid genau beobachtet. Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll oder wie ich
Ihnen verständlich machen kann wie ermutigt und dankbar ich mich fühle. Nachdem
er die erste Dosis letzte Nacht genommen hatte, schlief er tief und friedlich.
Als er heute Morgen aufwachte, war seine Stimme stärker, seine Augen waren
strahlender und er hat es tatsächlich (mit der Hilfe von vier Heilern)
geschafft, sich in seinem Bett aufzusetzen. Er hat sogar gelächelt. Ich stehe
wirklich tief in Ihrer Schuld, Professor. Ich werde Sie über seine Fortschritte
auf dem Laufenden halten.
Ihre glückliche
Hermine
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Miss Granger,
Ihr Dank ist nicht von Nöten. Ich bin froh zu hören, dass der Trank gewirkt hat.
Gehen Sie sicher, dass er die Dosen genau wie instruiert zu sich nimmt und bitte
halten Sie mich auf dem Laufenden, ob es nun irgendeine Verbesserung der
Hautfarbe gibt oder nicht. Ich vermute stark, dass die blaue Farbe bleiben wird.
Ich werde jedoch sofort mit den Recherchen für ein zweites Gegenmittel beginnen.
Wir könnten aus all diesen Recherchen einen faszinierenden Artikel für eine
Fachzeitschrift machen.
SS
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Sehr geehrter Professor Snape,
Es sind nun fünf Tage vergangen, seit Hagrid das Gegenmittel zum ersten Mal
eingenommen hat und seine Genesungsfortschritte sind bemerkenswert. Sie sind ein
wirklich unglaublicher Zaubertrankmeister. Er geht mittlerweile regelmäßig rund
um das Krankenhaus spazieren und ist wieder so hungrig, dass sie ihn kaum satt
bekommen. Sie denken, dass sie ihn wohl nächste Woche entlassen können. Es gibt,
wie Sie es vermutet haben, keine Verbesserung der Hautfarbe.
Außerdem sagt Hagrid mir immer wieder, wie wundervoll ich doch bin und besteht
darauf, dass ich irgendeinen Preis vom Minister der Zauberei erhalte. Ich bin
mir nicht sicher, ob ich das noch länger durchhalten kann. Kann ich ihm bitte
sagen, dass Sie es waren, Professor? Ich werde ihn dazu zwingen, dass er
Geheimhaltung schwört.
Hermine
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Miss Granger,
Nein, Sie dürfen es ihm absolut nicht sagen. Wenn es um die Publicity geht, und
das ist allgemein bekannt, ist Hagrid effizienter als eine einseitige Anzeige im
Tagespropheten. Und ich bin der Publicity schlecht gesonnen; ich befürchte, die
Offenlegung einer Mitarbeit an Hagrids Heilung steht nicht zur Diskussion.
Mit dem zweiten Gegenmittel geht es wesentlich langsamer voran. Ich würde es
sehr zu schätzen wissen, wenn Sie sich die Fragen auf dem beigefügten Pergament
einmal ansehen und eventuelle Vorschläge mit mir teilen würden.
SS
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Sehr geehrter Professor Snape,
Ich muss darauf bestehen, es Hagrid zu sagen. Er erzählt mir immerzu, wie
„Professor Snape stolz auf dich gewesen wär“. Sie müssen es mich ihm sagen
lassen. Bitte.
Vorschläge für zweites Gegenmittel liegen bei.
Hermine
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Miss Granger,
Ich würde Ihre lächerliche Bitte nicht einmal in Betracht ziehen, wenn da nicht
Ihre recht brillanten Ansätze für das Gegenmittel wären - ziemlich
beeindruckend.
Jedenfalls dürfen Sie es Hagrid sagen, wenn Sie müssen. Es gibt keinen Zweifel
daran, dass es innerhalb von achtundvierzig Stunden jeder wissen wird. Aber das
ist unwichtig, meine Hütte ist unortbar und unauffindbar.
SS
~*~*~
Sehr geehrter Professor Snape,
Ich habe Hagrid letzte Nacht erzählt, dass Sie den Trank gemacht haben. Sie
hätten das Resultat sicher sehr amüsant gefunden. Er sah für ein paar Sekunden
so aus, als wäre er von einem Petrificus Totalus erwischt worden, dann packte er
mich und schluchzte für eine Stunde in mein Haar, wobei er murmelte, dass
Dumbledore Recht damit hatte, Ihnen zu vertrauen. Wenn ich jemals wieder den
Satz höre: „Ich wusste immer dasser trotz allem ’n guter Kerl is!“, dann schwöre
ich, werde ich jemanden umbringen. Als er aufhörte zu weinen, war ich
durchtränkt. Er versprach, es niemandem zu erzählen. Ich habe mit dem Gedanken
gespielt, ihn einen unbrechbaren Schwur leisten zu lassen, aber das hätte
vielleicht noch vor Ende des Monats zu seinem Tod geführt, was all Ihre Arbeit
zunichte gemacht hätte.
Ich bin froh, dass Sie meine Vorschläge nützlich fanden. Immer noch keine
Verbesserung der Hautfarbe. Ich habe einige weitere Überlegungen beigelegt.
Mit freundlichen Grüßen
Hermine
~*~*~
Sehr geehrter Professor Snape,
Entschuldigen Sie, dass ich Ihnen schon so bald wieder schreibe, aber Hagrid
treibt mich vollkommen in den Wahnsinn. Er bettelt mich immerzu an, Sie darum zu
bitten, ihn zu besuchen, weil er Ihnen persönlich danken will. Ich habe ihm
gesagt, dass Sie sich niemals dazu bereit erklären würden, aber er ist kurz
davor, Ihren Namen vor irgendjemandem raus zu posaunen. Ich habe ihm gesagt, ich
würde seine Bitte weiterleiten. Er wird in zwei Tagen entlassen.
Irgendwelche Fortschritte beim zweiten Gegenmittel?
Hermine
~*~*~
Miss Granger,
Ich befürchte, Hagrid wird seinen Wünsch erfüllt bekommen. Dieses zweite
Gegenmittel erweist sich als mühsam und ich würde gern das Ausmaß der
Verfärbungen begutachten und zudem einige kleine Hautproben von seinen Gliedern
nehmen. Für Ihre Unterstützung wäre ich dankbar.
Ich werde um elf Uhr heute Nacht ankommen, wenn das Krankenhaus relativ leer
sein wird. Ich würde es zu schätzen wissen, wenn Sie mir eine Karte geben
würden, aus der ich ersehen kann, wie ich zu Hagrids Zimmer kommen. Ich werde
mich bemühen, dort unbemerkt hin zu gelangen; meine Unbeliebtheit ist universell
und ich möchte keine Szene verursachen.
SS
~*~*~
Sehr geehrter Professor Snape,
Sie finden beigelegt die von Ihnen gewünschte Karte. Ich bin hocherfreut
darüber, dass ich Sie endlich persönlich wiedersehen werde. Es war solch eine
Freude, mit Ihnen zusammen zu arbeiten, wenngleich auch nur via Korrespondenz.
Und Hagrid platzt bald vor Vorfreude.
Glauben Sie mir, Sie sind weit davon entfernt, universell unbeliebt zu sein. Sie
werden von vielen Leuten als ein ziemlicher Held angesehen, sogar Harry und Ron
sind mehr als dankbar für all das, was Sie während des Krieges getan haben.
Ihre
Hermine
~*~*~
Miss Granger,
Ich hoffe, sowohl Sie als auch Hagrid werden sich bemühen, Ihre Begeisterung in
Grenzen zu halten. Lassen Sie mich Ihnen versichern, dass ich immer noch
derselbe unangenehme Bastard bin, der ich schon immer war. Die Zeit hat es
versäumt, mich zu verbessern.
SS
~*~*~
Sehr geehrter Professor Snape,
Bitte verzeihen Sie mir, dass ich gestern Nacht Hagrids Zimmer für einige
Minuten verlassen musste. Ich befürchte, Ihr äußerst komischer Gesichtsausdruck,
als Hagrid in Tränen ausbrach und versuchte, Sie zu umarmen, war zu viel für
mich. Er wurde heute Mittag entlassen. Ich bin eher besorgt darum, dass er Ihren
Anteil an seiner Genesung enthüllen wird, wenn er erst wieder in Hogwarts ist.
Es war wundervoll, Sie nach all dieser Zeit zu treffen. Ich hoffe, Sie nehmen es
mir nicht übel, wenn ich Ihnen sage, dass Sie beträchtlich jünger aussahen als
zu der Zeit, in der wir uns das letzte Mal sahen. Die Einsamkeit muss Ihnen gut
tun.
Ich bin begierig darauf zu erfahren, welche Tests genau Sie an den Hautproben
durchführen wollen. Ich wollte schon letzte Nacht fragen, aber ich hatte
befürchtet, dass Sie mich über das beachtliche Spektakel von Hagrids emotionalen
Ausbrüchen nicht hören würden.
Mit den besten Wünschen
Hermine
~*~*~
Liebe Miss Granger,
Ich freue mich, dass mein Gesichtsausdruck die Quelle solcher Belustigung war.
Wohingegen mein jüngeres Aussehen entweder daher rührt, dass Ihre Sehkraft durch
das Zaubertranktraining negativ beeinflusst worden ist oder aber dass die
Einnahme von Nieswurz bisher unvermutete kosmetische Nebenwirkungen hervorruft.
Ich vermute eher ersteres. Umgekehrt hoffe ich, dass Sie nichts dagegen haben,
wenn ich anmerke, dass Sie beträchtlich älter aussehen als zu der Zeit, in der
wir uns das letzte Mal sahen. Das kann nur eine Verbesserung meiner Erinnerungen
an Sie in Hogwarts sein.
Ich habe einen Zeitplan für alle Tests beigelegt, die ich bei den Hautproben
anwenden will. Ich rechne damit, sie Ende der Woche beendet zu haben.
Severus
~*~*~
Sehr geehrter Professor Snape,
Wie ich feststelle, können Sie in Ihrer Korrespondenz genau so schneidend sein
wie in Ihrem Klassenzimmer. Ich versichere Ihnen, dass ich keinerlei Probleme
mit meinem Augenlicht habe, aber ich bin offensichtlich durch die Dämpfe der
Kessel frühzeitig gealtert.
Die Hauttests, die Sie machen, sind interessant. Ich habe zwei weitere Tests
beigelegt, von denen ich glaube, sie könnten lohnenswerte Resultate erzielen.
Hermine
~*~*~
Liebe Miss Granger,
Aber, aber! Immer die Gryffindor. Merken Sie nicht, wenn Sie geneckt werden? Ich
meinte lediglich, dass Sie unerwartet damenhaft aussahen. Es ist ein weit
verbreiteter Fehler unter Lehrern, dass sie von ihren Schülern erwarten, genau
so zu bleiben, wie sie in der Schule waren. Außerdem steht Ihnen die
Weiblichkeit wesentlich besser als die Pubertät.
Aber viel wesentlicher ist, dass der erste Test, den Sie vorschlugen, uns zwar
keine Ergebnisse brachte, aber der zweite uns hingegen einige entscheidende
Informationen bescheren konnte. So ein Test kam mir nicht einmal in den Sinn;
ich applaudiere Ihrem Intellekt, Miss Granger. Ich habe den Entwurf für das
fertig, von dem ich hoffe, dass es sich als ein wirksames Gegenmittel gegen den
Teil des Giftes erweist, der die Haut betroffen hat. Ich glaube, dass dieser
Trank stärker ist, wenn man ihn bei Vollmond braut, was nächsten Dienstag der
Fall wäre. Ich wäre dankbar, wenn Sie mir davor noch Ihre Meinung mitteilen
könnten.
Severus
~*~*~
Sehr geehrter Professor Snape,
Ihr Entwurf für ein Gegenmittel sieht fehlerlos aus und ich stimme Ihnen voll
zu, dass es am besten während des Vollmonds gebraut werden sollte. Ich flehe Sie
an, in Erwägung zu ziehen, es mich mit Ihnen brauen zu lassen, ich könnte so
vieles von Ihnen lernen. Bitte denken Sie darüber nach, Professor. Sie haben
mein Wort darauf, dass ich niemals Ihren Standort verraten würde.
Hermine
~*~*~
Liebe Miss Granger,
Es ist keine Frage des Vertrauens, es ist die Angst, dass man Ihnen folgen oder
Sie entdecken könnte. Vielleicht ist es Paranoia von meiner Seite aus, ein
Resultat der Jahre als Spion, kein Zweifel. Ich bin in meinem aktuellen Zuhause
relativ glücklich und ich könnte es nicht ertragen, wenn jemand meinen Frieden
stören würde. Ich hoffe, das verstehen Sie und nehmen es nicht persönlich.
Wenn es Ihnen etwas Trost spendet: ich wäre glücklich darüber, wenn Sie die
Daten beider Gegenmittel nehmen und die Informationen in einem Artikel unter den
Namen Granger & Portington veröffentlichten.
Severus
~*~*~
Sehr geehrter Professor Snape,
Vielen Dank für Ihr nettes Angebot, aber wie kann ich den Artikel
veröffentlichen, wenn ich nicht bei den Vorbereitungen zugegen bin? Wenn Sie
wirklich nicht wollen, dass ich zu Ihnen komme, darf ich dann vielleicht
vorschlagen, dass Sie in Betracht ziehen, den Trank in meinem Zuhause zu brauen?
Ich habe ein Apartment in der Londoner Innenstadt, wo ich das zweite
Schlafzimmer in ein kleines Zaubertranklabor umgewandelt habe. Ich lebe allein
und ich werde sicherstellen, dass wir nicht gestört werden. Es würde mir
unglaublich viel bedeuten.
Ihre hoffende
Hermine
~*~*~
Liebe Miss Granger,
Das scheint mir eine akzeptable Lösung zu sein, vorausgesetzt Sie können mir
versprechen, dass Sie alle Ingredienzen und Utensilien von der unten stehenden
Liste für uns besorgen können. Desweiteren benötige ich große Mengen Earl Grey
Tee.
Severus
~*~*~
Sehr geehrter Professor Snape,
Ich habe gerade vier Pfund des besten Earl Grey gekauft, den London zu bieten
hat. Alles von der Liste konnte ich organisieren und die Wegbeschreibung zu
meinem Apartment liegt bei. Ich erwarte Sie zum Sonnenuntergang am
Dienstagabend.
Hermine
Lieber Professor Snape,
Ich danke Ihnen herzlichst dafür, dass Sie mir erlaubt haben Ihnen bei den
Vorbereitungen für das Gegenmittel behilflich zu sein. Es war eine unbezahlbare
Erfahrung. Der Trank hat nur fünf Tage lang gut durchgezogen und ich werde ihn
dieses Wochenende zu Hagrid bringen. Ich werde Sie über die Resultate
informieren, von denen ich hoffe, dass sie umgehend erkennbar sind.
Ich fühle mich etwas ratlos, nun da es keinen wirklichen Grund mehr dafür gibt,
unsere Korrespondenz weiterzuführen. Ich habe nur selten die Möglichkeit, eine
solch intellektuelle Erörterung zu führen und ich hoffe sehr, dass Sie nicht zu
sehr entsetzt sind wenn ich Sie auch weiterhin noch mit Fragen und Meinungen
belästige. Ich habe einen Artikel beigelegt, in dem es um den Gebrauch von
Belladonna geht, damit Sie ihn sich durchlesen können. Ich muss sagen, dass ich
die Autorin nicht gerade überzeugend fand.
Hermine
~*~*~
Liebe Hermine,
Bitte sei so frei und belästige mich, wann immer du es für angebracht hältst;
ich bin dazu übergegangen, es zu mögen, Briefe von dir zu erhalten. In
Anbetracht der Tatsache, dass ich meine Stelle als Lehrer in Hogwarts schon vor
sechs Jahren niederlegte glaube ich, dass nun die Zeit gekommen ist, in der ich
darauf bestehen muss, dass du mich nicht mehr als Professor titulierst.
Ich hoffe verzweifelt, dass Hilda V. Blump keine Freundin, Verwandte oder dein
Autorenpseudonym ist. Wer sie auch immer sein mag, sie ist eine komplett
Schwachsinnige. Ihr Artikel über Belladonna ist der vielleicht schlechteste
Schund, den ich seit langem lesen musste. Danke, dass du mir diese Unterhaltung
hast zukommen lassen. Ich habe den Artikel mit meinen Anmerkungen in roter Tinte
am Rand beigelegt.
Dein etc…
Severus
~*~*~
Lieber Severus,
Ich schreibe dir von Hagrids Hütte aus, also verzeih mir bitte die miese
Qualität des Pergaments, es ist alles, was ich finden konnte. Hagrid hat das
Gegenmittel heute Morgen eingenommen und die Wirkung trat sofort ein, seine Haut
ist wieder komplett normal. Nun ja, zumindest das bisschen, was man zwischen all
den Haaren sehen kann.
Unglücklicherweise war er so begeistert über die Resultate, dass er darauf
bestand, mit im Eichenfass gereiftem Met auf dich anzustoßen, und das zu der
wahnwitzigsten Uhrzeit, um zehn Uhr morgens. Er hat den ganzen Nachmittag über
Unmengen von diesem Zeug konsumiert und mich dabei mit Geschichten darüber, wie
du in deiner Jugend warst, erfreut (wirklich amüsant – der größte Spaß, den ich
seit einer Ewigkeit hatte). Die Situation hat sich so hochgeschaukelt, dass er
sich jetzt jedoch schwankend auf seinen Weg zum Schloss gemacht hat, um Minerva
zu sagen, wie wundervoll du genau bist. Ich habe versucht, ihn zu stoppen, aber
ich befürchte eine halbe Tonne Halbriese hat sich als zu viel für mich erwiesen.
Minerva wird nicht umhin kommen, ihn zu fragen, warum genau er denkt, dass du so
wundervoll bist. Ich bin drauf und dran ins Schloss zu gehen, um zu versuchen,
sie zu überzeugen, dass er betrunken ist und Müll redet. Drück die Daumen. Das
tut mir alles leid.
Hermine
~*~*~
Liebe Hermine,
Du bist zwar eine vollendete Zaubertrankmeisterin, warst aber nie wirklich der
Okklumentik mächtig. Du hast augenscheinlich darin versagt, Minerva zu
überzeugen, dass Hagrid nur berauschten Nonsens spricht, da ihre Eule nur eine
grobe Stunde nach deiner hier ankam. Sie erschien mir ziemlich wütend darüber,
dass ich deinen Eulen antwortete, vor allem wenn man bedenkt, dass ich jeden
ihrer Briefe ignorierte, die sie mir in den letzten vier Jahren geschickt hat.
Bevor du damit anfängst, um Verzeihung zu betteln, sei dir sicher, dass du das
nicht musst. Es stellt kein Problem für mich dar, es sei denn mein
Aufenthaltsort wird entdeckt. Ich lege einen ziemlich fesselnden Artikel darüber
bei, gegen welche Gifte Gegengifte ineffektiv sind. Bitte schick mir den ersten
Entwurf des Acus Venenatus Artikels, wenn du Zeit hast, ihn vorzubereiten. Ich
bin daran interessiert, wie du vorhast die Informationen zu präsentieren.
Auf der persönlichen Seite frage ich mich, ob du bereit wärst, mir eine Frage zu
beantworten. Ich habe darüber nachgedacht, warum du Zaubertränke zu deinem Beruf
gemacht hast? Du warst ganz ohne Frage die beste Schülerin in deinem Jahrgang in
Zaubertränke, aber ich habe es dennoch nie so empfunden als hättest du ein so
instinktives Gespür für das Fach wie du ein angeborenes Talent für Zaubersprüche
und Verwandlungen hattest. Ich hoffe, du wertest meinen Kommentar nicht als
Kritik, denn auch wenn dir das angeborene Gespür dafür gefehlt hat hast, du es
durch die reine Entschlossenheit und deine bewundernswerte Intelligenz wieder
kompensiert.
Severus
~*~*~
Lieber Severus,
Danke für den Artikel über Gegengifte, er war faszinierend. Nun zu deiner Frage,
du wirst vielleicht überrascht sein zu erfahren, dass du der Grund dafür warst,
weshalb ich Zaubertränke zu meinem Beruf machte. Du hast Recht, ich war
natürlich tendenziell in Zaubersprüchen und Verwandlungen besser, aber ich war
von den Zaubertränken unendlich mehr gefordert.
Es war während meines sechsten Jahres in Hogwarts, als ich endlich die Wahrheit
über etwas begriff, das du jahrelang versucht hast uns beizubringen: Es gehört
mehr dazu, die Kunst der Zaubertrankherstellung zu beherrschen, als lediglich
eine Liste von Zutaten und Brau-Anweisungen auswendig zu lernen. Das habe ich
dank der Eintragungen des Halbblut Prinzen endlich begriffen. Ich war neidisch.
Ich war aufgebracht. Wie kam es, dass ein Schüler, der selbst auch nur im
sechsten Jahr war, ein solches Gespür dafür haben konnte, das noch dazu den
Akademikern, die das Buch geschrieben hatten, anscheinend total fehlte? Ich habe
Horace Slughorn dabei zugesehen, wie er mit einfachem Können, das ich nicht
hatte, Tränke braute, aber selbst dieses Können wurde den unglaublichen Talenten
des Halbblutprinzen nicht gerecht. Als wir letztendlich die Identität des
Prinzen herausfanden, war ich kaum überrascht. Warum hatte ich das nicht schon
vorher bedacht? Mein Neid wuchs; du warst nicht nur ein Wunderkind der
Zaubertränke, du hattest auch noch deine eigenen Zaubersprüche geschrieben und
das in einem sehr jungen Alter. Meine Gedanken wanderten zurück zu dem
Zaubertrankpuzzle, das du vor Jahren geschaffen hattest, um den Stein der Weisen
zu beschützen. Du verstandst die Logik, die in der Regel meist sogar den
begabtesten Zauberern zu hoch ist. Ich wusste von dem Moment an, was ich mit
meinem Leben machen wollte, wenn ich den Krieg überlebte: Ich wollte eine
Zaubertrankmeisterin werden.
Und jetzt kannst du dich vielleicht für meine Ehrlichkeit revanchieren, indem du
nun mir im Gegenzug eine Frage beantwortest. Warum hast du dich dafür
entschieden, all die Jahre in vollständiger Isolation zu leben? Ich vermute, du
magst es nicht, Kontakte zu knüpfen, speziell zu Leuten mit schlechter
Allgemeinbildung, aber jegliche Kommunikation zur Außenwelt abzuschneiden, muss
doch sicher irgendwie schwer sein? Vergib mir meine Unverschämtheit, aber ich
hasse den Gedanken, dass du dich vielleicht einsam fühlst.
Der Acus Venenatus Artikel ist beinahe fertig.
Hermine
~*~*~
Liebe Hermine,
Verzeih mir die kurze Verzögerung meiner Antwort auf deinen letzten Brief, ich
nahm mir einige Tage Zeit, um über seinen Inhalt nachzudenken. Ich schwankte
zwischen zwei Emotionen, seit deine Eule hier ankam. Ich weiß nicht, ob ich Wut
und Verzweiflung über deine törichten Gründe, eine Zaubertrankmeisterin zu
werden, fühlen soll oder aber ob ich, nun da ich ein wenig mitbekommen habe wie
unzweifelhaft meisterhaft du geworden bist, tiefe Bewunderung und ein wenig
Stolz darüber empfinden soll, unbeabsichtigt deine Entwicklung beeinflusst zu
haben. Aktuell tendiere ich zum letzteren.
Es scheint so, als hätten wir die Grenzen der rein beruflichen Interessen
überschritten. Ich kann mir nur selbst die Schuld dafür geben, da ich die erste
Frage gestellt habe. Da du mir meinen Willen gelassen und geantwortet hast,
werde ich mich bemühen, dir dieselbe Anerkennung zukommen zu lassen.
Es gibt viele Gründe, warum ich die Einsamkeit gewählt habe. Wenn dein bester
Freund durch deine Hand gestorben wäre, wärst du dann einfach in der Lage, zum
Ort des Verbrechens zurück zu kehren? Es wäre nur ein kleiner Trost, wenn du
wüsstest, dass sein Tod durch andere Umstände bereits vorherbestimmt war oder
dass es auf Grund einer Notwendigkeit und vorausgehenden Absprachen stattfand.
Du kennst die Details meiner Gerichtsverhandlung, ich werde dich hier nicht
damit langweilen. Hogwarts war mein Zuhaus, ich wurde durch meine Taten
obdachlos. Ich werde dorthin zurückkehren, aber nicht ganz so bald wie Minerva
es sich wünschen würde.
Wie du ganz richtig dargelegt hast, bin ich außergewöhnlich menschenfeindlich.
Ich befürchte, ich halte die große Mehrheit der Hexen und Zauberer für extrem
begriffsstutzig. Sie langweilen mich, sie reizen mich, sie bringen mich oft auf.
Mit meiner selbst auferlegten Isolation schützte ich mich vor solchen
ungewollten Einmischungen, diese Auferlegung bedeutet aber auch, dass ich mir
selbst die Gesellschaft der wenigen intellektuell überlegenen Individuen, die
eventuell geruhen mit mir zu verkehren, verweigern muss. Deine Korrespondenz
hat, obwohl sie mir mehr als willkommen ist, mich schmerzlich daran erinnert,
dass es Gesellschaft gibt, die es wert ist geleistet zu werden. Ich hatte nie
vor, diese Eremitenexistenz für immer aufrecht zu erhalten, aber ich bin auch
noch nicht dazu bereit, jetzt schon auf meine Einsamkeit zu verzichten.
Noch eine letzte Bemerkung: Während du davon überzeugt zu sein scheinst, dass
mir der Großteil der Zaubererwelt den Status eines Kriegshelden zugesteht, kann
ich dir versichern, dass die Wahrheit nicht ganz so positiv ist. Sei dir sicher,
dass ich bei den Anhängern beider Seiten nach wie vor enorm unbeliebt bin. Die
Mengen von Hassbriefen und Heulern, die ich über die Jahre hinweg erhielt, hat
mich in dieser Annahme bestätigt. Das gelegentliche Gefühl der Einsamkeit ist
ein kleiner Preis, den ich für meine Ruhe zahlen muss.
Severus
~*~*~
Lieber Severus,
Vergib mir, dass ich es so sage, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass du vor
dem Krieg sehr beliebt warst, mit Ausnahme vielleicht unter den Slytherins.
Während manche Hexen und Zauberer jetzt vielleicht glauben, einen wirklichen
Grund zu haben, dich zu hassen, gibt es immer noch andere, die wesentlich mehr
Gründe dafür gefunden haben, dich zu bewundern und zu respektieren. Ich werde
nicht weiter versuchen, dich zu überzeugen, falls und wenn du in die
Zaubererzivilisation zurückkehrst, merkst du vielleicht, dass nicht jeder so
reagiert wie du dachtest. Ich bin davon überzeugt, dass du in der Folgezeit
deiner Gerichtsverhandlung die richtige Entscheidung getroffen hast, aber vier
Jahre deiner Abwesenheit haben viel dazu beigetragen, die Meinungen
abzuschwächen und die Leute sind einfach weiter gegangen.
Ich bekomme mittlerweile beinahe täglich eine Eule von Minerva mit einer
Vielzahl von Fragen: Wie sieht Severus aus? Wirkt er depressiv? Ist er nicht
allein? Ist er immer noch so unkommunikativ? Ich hoffe, du nimmst es mir nicht
übel, aber sie hat mich dermaßen gereizt, dass ich ein ziemliches Märchen
erfunden habe. Ich habe ihr erzählt, dass du deinen Kopf komplett rasiert
hättest und mindestens fünf Kilo zugenommen hättest, dass du alles andere als
depressiv wirkst und sogar zu unangebrachten Zeitpunkten wahnsinnig lachst und
dass du mit Sicherheit nicht einsam bist, dank der drei blonden, kurvenreichen
Muggelfrauen die mit dir zusammen wohnen. Sie hat nicht geantwortet.
Du findest beiliegend den ersten Entwurf des Acus Venenatus Artikel.
Hermine
~*~*~
Liebe Hermine,
Danke für den Artikel. Es war eine Freude, ihn zu lesen und er brauchte nur
minimale Anpassungen. Ich fand keine Fehler, habe aber ein oder zwei weitere
Vorschläge. Meine einzige Frage betrifft die Verfasserschaft: Du hast nicht nur
versäumt, deinen eigenen Namen an erste Stelle zu setzen, sondern hast auch noch
Snape statt Portington geschrieben. Da ich nicht annehme, dass dir hierbei
einfach nur die Feder ausgerutscht ist, würde ich gern deine Gründe erfahren.
Ich erhielt vier Einladungen von Minerva (jeden Tag dieser Woche einen) zur
Ruhestandsparty in Hogwarts für Filius Flitwick am Ende diesen Monats. Ich
fragte mich, ob alle vier Einladungen für mich waren oder ob drei davon für
meine blonden Muggelfreundinnen waren? Ungeachtet dessen fiel meine Antwort
negativ aus.
Severus
~*~*~
Lieber Severus,
Auch ich habe eine Einladung zu Professor Flitwicks Ruhestandsparty erhalten.
Ich fühlte mich geschmeichelt, also sagte ich umgehend zu. Seit dem ist mir klar
geworden, dass absolut niemand, den ich kenne eingeladen wurde. Würdest du es
bitte in Betracht ziehen zu kommen? Du hast selbst gesagt, dass du nie
vorhattest, für immer in der Einsamkeit zu hausen.
Nun zum Artikel, ich habe all deine Vorschläge miteinbezogen und die nötigen
Änderungen vorgenommen. Du findest beigelegt den endgültigen Entwurf. Ich
dachte, du hättest die Erwähnung an erster Stelle verdient, weil es deine Arbeit
war. Ich präsentiere nur die Informationen. Desweiteren hatte ich gehofft, du
würdest es in Betracht ziehen, unter Snape statt unter Portington zu
veröffentlichen, sozusagen als erster Schritt deines Wiedererscheinens.
Hermine
~*~*~
Liebe Hermine,
Ich werde zustimmen, den Artikel als Snape zu veröffentlichen, sofern du dich
selbst an erster Stelle nennst und es zu „Granger & Snape“ machst. Viele deiner
Vorschläge waren in der Anfangsphase grundlegend und du hast eine entscheidende
Rolle beim Brauen des zweiten Gegenmittels gespielt. Außerdem habe ich mir schon
einen Namen im Kreis der Tränkemeister (sowohl als Snape wie auch als Portington)
gemacht und ich erwarte, dass das an erster Stelle genannt sein bei einem solch
wichtigen Artikel deine Karrierechancen erhöhen wird.
Auf mich wirkt es etwas verdächtig, dass niemand, den du kennst, zu der
Ruhestandsparty eingeladen wurde. Hast du schon einmal bedacht, dass Minerva
dich vielleicht nur einlud zu kommen, damit du wiederum mich überzeugst
hinzugehen? Das wirkt jetzt vermutlich ziemlich egozentrisch, schließlich warst
du trotz allem Minervas und Filius‘ Liebling. Aber es ist nichtsdestoweniger
dennoch eine Theorie die es wert wäre, dass man ihr nachgeht. Sie ließ mir auch
weiterhin Einladungen zukommen; und ich lehnte weiterhin ab.
Severus
Lieber Severus,
Es tut mir leid, dass ich mich zwei Wochen lang nicht mehr gemeldet habe. Ich
war bei der Arbeit unglaublich beschäftigt und hatte alle Hände voll zu tun, um
unseren Artikel zu vollenden. Ich danke dir unendlich dafür, dass du mir erlaubt
hast, mich an erster Stelle zu nennen. Ich habe das Angebot dankbar angenommen
und werde den Artikel unter Granger und Snape an die Verleger weiter geben.
Jetzt schulde ich dir zwei Gefallen.
Es ist nun schon mehr als zwei Wochen her, dass ich meine Einladung zu der Party
bekommen habe und keiner meiner Freunde oder Kollegen wurde eingeladen. Ich
denke, dein Verdacht war korrekt, Minerva ist fest entschlossen, dich wieder
nach Hogwarts zurück zu holen. Aber ich flehe dich an: Bitte zieh in Betracht zu
kommen, wenn schon nicht um deinetwillen dann für mich. Mit Ausnahme der Lehrer
werde ich dort niemanden kennen. Apropos, Neville Longbottom ist vor kurzem
Professor für Kräuterkunde geworden, und so gern ich ihn auch habe, ich bin mir
nicht sicher, ob ich einen ganzen Abend voller Pflanzen aushalten kann.
Hermine
~*~*~
Liebe Hermine,
Du meine Güte! Neville Longbottom ein Professor in Hogwarts. Wie die Standards
doch gefallen sind. Du erwartest im Ernst von mir, einen ganzen Abend in der
Gesellschaft dieses Jungen zu verbringen? Ich glaube nicht. Außerdem ist es
ziemlich grausam von dir, mich dazu zu verleiten zu kommen in Anbetracht der
Tatsache wie sehr ich ihn erschrecke.
Ich befürchte, da musst du alleine durch. Ich kann Minerva einfach nicht die
Befriedigung geben, ihre Einladung anzunehmen.
Severus
~*~*~
Severus, bitte. Ich flehe dich an. Bitte zwing mich nicht dazu, allein zu dieser
Party zu gehen. Ich war dumm, die Einladung so vorschnell anzunehmen. Und warum
bist du Neville gegenüber immer noch so gemein?
Hermine
~*~*~
Meine liebste Hermine,
Ja, du warst, dumm so vorschnell anzunehmen. Typisch Gryffindor. Du kannst so
viel betteln wie du willst, aber wenn ich mich recht erinnere, warst es du, die
mir zwei Gefallen schuldet. Was das Gemeinsein zu Neville betrifft… das ist
meine Art. Und es wird auch meine Art bleiben. Ich bin durch und durch
widerlich. Nur weil ich dir die Nennung an erster Stelle bei einem Artikel
gewährt habe, heißt das nicht, dass ich irgendeine Art von
Persönlichkeitstransplantation hatte.
Severus
~*~*~
Lieber Severus,
Ich habe eine ganze Nacht in deiner Gesellschaft verbracht, du bist nicht halb
so widerwärtig wie du anscheinend glaubst. Du bist vielleicht schroff, manchmal
bis zur Unhöflichkeit, aber du bist geistreich und bezaubernd, und du hast die
Kraft, mich vor vier Stunden mit Neville Longbottom zu retten. Außerdem ist es
ganz allein deine Schuld. Minerva hat mich nur eingeladen, um an dich
ranzukommen. Es ist deine Pflicht, mich vor der Langeweile ermüdender
Gesellschaft zu retten. Ich mache Kopien von diesem Brief und ich werde dir jede
Stunde eine Eule schicken, die ganze Nacht durch, bis du einverstanden bist.
Hermine
~*~*~
Granger,
Ich könnte dich mit einem Lächeln im Gesicht erwürgen. Ich habe beinahe deine
Eule gewürgt. Du verdammtes Gör; warum musst du mir mein Leben zur Hölle machen?
Es ist fünf Uhr morgens und ich kann das nicht mehr ertragen. Dir ist bewusst,
dass das Erpressung ist?
Da hast du deinen Willen, ich werde zu Filius‘ verdammenswerter Party kommen.
Ich hoffe, du weißt es zu schätzen, dass mich der süffisante Ausdruck auf
Minervas Gesicht vielleicht noch jahrelang verfolgen wird. Ich werde eine Stunde
dort sein und wirklich nur für EINE STUNDE. Ist das klar?
Severus
~*~*~
Lieber Severus,
Danke, danke, danke. Ich werde dir ewig dankbar sein und es tut mir wirklich
leid, dass ich dich die ganze Nacht über wach gehalten habe. Eigentlich… streich
das, es tut mir nicht im Geringsten leid, ich bin entzückt. Ich seh dich dann
Samstagabend.
Deine fröhliche
Hermine
Jeder, der die junge Frau mit den lockigen braunen Haaren vor
den Toren Hogwarts gesehen hätte, hätte sie für ein wenig verwirrt gehalten. Sie
lief langsam in kleinen Kreisen, sie flüsterte Zauberformeln und blickte finster
zu Boden. Es war zehn Uhr an einem Sonntagmorgen und Hermine Granger
konzentrierte sich mit allem, was sie hatte, auf das Gras unter ihr. In ihrer
linken Hand hielt sie eine Ausgabe des Tagespropheten fest umklammert, während
sie mit der rechten Hand ihren Zauberstab umfasste, dessen Spitze immer wieder
in einem lichten Blau Ton
aufglühte. Nach etwa zehn Minuten seufzte sie und ging zurück um sich gegen die
Tore der Schule zu lehnen. Sie schloss ihre Augen für einen Moment der vollsten
Konzentration und begann dann wieder in Kreisen zu laufen und auf Latein etwas
zu singen, während sie das Gras zu ihren Füßen anstarrte. Plötzlich stoppte sie
und ging einen kleinen Schritt zurück. Sie wiederholte die Zauberformel noch
einmal, während sie ihren Zauberstab direkt auf den Boden unter sich richtete
und ein triumphierendes Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus.
Hermine schaute sich schnell um, um sicher zu gehen, dass sie nicht beobachtet
wurde und ließ einmal mehr ihren Blick zum Gras hinab sinken, wo zwei große
Fußabdrücke damit begonnen hatten, in demselben Blauton zu glühen wie die Spitze
ihres Zauberstabs.
„Hab dich!“, sagte sie laut und trat, immer noch lächelnd,
genau in die Fußabdrücke. Doch das Lächeln verging ihr, als sie die Realität
dessen, was sie gleich tun würde, wieder einholte. Sie hatte die letzten zehn
Tage damit verbracht, diese Variante eines Verfolgungszaubers zu entwickeln,
aber sie wusste, dass sie, weil ihr Ziel gänzlich unbekannt war, ein großes
Risiko einging, zersplintert zu werden. Deshalb atmete sie tief durch, um sich
selbst zu beruhigen und ihre Entschlossenheit nahm zu. Sie konnte so nicht
weiter machen, es musste getan werden. Sie schloss ihre Augen, drehte sich
langsam und disapparierte.
Noch bevor sie ihre Augen überhaupt öffnete wusste sie, dass es funktioniert
hatte, denn die Lichtverhältnisse hatten sich geändert und sie konnte Vögel
singen hören. Jede Menge Vögel. Zögerlich linste sie unter ihren Lidern hervor
und nahm den Anblick der Bäume um sich herum in sich auf, ehe sie nach unten
schaute, um sicher zu gehen, dass sie keinen Teil von sich zurückgelassen hatte.
Unter ihren Füßen war ein Teppich aus Glockenblumen und als sie ihren Kopf
anhob, sah sie ein malerisches kleines Landhaus mit zwei Etagen, umgeben von dem
bezauberndsten Rosengarten, den sie je gesehen hatte. Das konnte doch sicherlich
nicht der richtige Ort sein?
Ihr Herz hämmerte gegen ihren Brustkorb, während sie sich vorwärts schlich und
das kleine hölzerne Tor öffnete. Sie hatte erwartet, dass es quietschte, aber es
gab keinen Laut von sich. Es gab kein Lebenszeichen hinter den Gitterfenstern
und ein Teil von ihr hoffte, dass niemand da sein würde. Sie erreichte die Tür
und schaute sich noch einmal um, bevor sie ihren Zauberstab in der Innentasche
ihres Umhangs verstaute und nach dem eisernen Türklopfer griff. Gerade als ihre
Fingerspitzen die Oberfläche berührten, wurde die Tür aufgerissen und eine harte
Hand ergriff ihr Handgelenk. Sie wurde grob hineingezogen und ihr Arm
gleichzeitig hinter ihren Rücken verdreht. Gerade als sie anfing zu schreien
wurde ihr eine Hand auf den Mund geklatscht und gleichzeitig wurde die Tür
zugetreten. Panik stieg in ihr hoch und sie tat das einzige, was ihr in den Sinn
kam: Sie biss in die Hand über ihrem Mund so fest sie konnte. Es funktionierte,
ihr Angreifer schrie vor Schmerz auf und ließ sie los. Sei fuhr herum, um ihm
ins Gesicht zu sehen und zog sie ihren Zauberstab, nur um zu bemerken, dass er
dasselbe getan und seinen Zauberstab schon direkt auf ihre Brust gerichtet
hatte.
„Warum zur Hölle hast du das getan?“, zischte ein zorniger Severus Snape, als er
seine gebissene Hand untersuchte.
Hermine öffnete ihren Mund, um eine Antwort zu geben und schloss ihn schnell
wieder. Sie besah sich den vollkommen wütenden im Gesicht ihres ehemaligen
Lehrers und trotz besseren Wissens fing sie an zu lachen.
Severus Snape nahm den Anblick der lachenden Hexe vor ihm in sich auf und fühlte
sich komplett überrumpelt. Belustigung und Empörung fochten in seinem Kopf einen
Kampf um die Vormacht. Er erinnerte sich plötzlich daran, dass sie ungeladen in
seine Privatsphäre eingedrungen war und, für den Moment, siegte die Empörung.
„Was tust du hier und wie hast du rausgefunden, wo ich
wohne?“, blaffte er, wobei seine schwarzen Augen gefährlich aufblitzten.
Hermine biss sich auf die Unterlippe und verstummte abrupt. Sie streifte sich
eine verirrte Haarsträhne zurück hinters Ohr und hob ihren Blick, um in seine
Augen sehen zu können. „Ich habe eine komplizierte Variante eines
Verfolgungszaubers verwendet, den ich entwickelt habe, um die Stelle vor den
Toren von Hogwarts zu finden, von der aus du gestern Nacht disappariert bist.
Als ich den exakten Punkt entdeckt hatte, habe ich denselben Spruch noch einmal
angewandt, um deiner Apparierroute zu folgen und bin dir damit bis vor dein Tor
gefolgt.“
Severus sah sie an, und verspürte einen Hauch Bewunderung, dass sie so einen
Spruch erfunden hatte, aber war auch empört, dass sie die Frechheit besaß, ihm
zu folgen. „Das erklärt immer noch nicht, warum zur Hölle du hier bist“, sagte
er, sein wütender Blick bohrte sich in ihre Augen. „Außerdem“, fuhr er fort,
„hast du mir versprochen, keine weiteren Ortungszauber mehr auf mich zu legen.“
Hermine reckte aufsässig ihr Kinn nach vorn. „Ich habe versprochen, keine
Ortungszauber mehr auf deine Briefe zu legen“, gab sie zurück und bemühte sich,
ihre Stimme fest klingen zu lassen. „Ich habe nie versprochen, keinen auf dich
anzuwenden.“
„Anmaßendes Mädchen“, bemerkte er und fühlte dabei, wie sein Ärger abebbte. „Ich
werde dir fünf Minuten geben, damit du erklären kannst, was du mit all dem
bezweckst. Folge mir.“
Mit einem Rascheln seiner schwarzen Robe drehte er sich um und durchschritt den
kurzen Gang, an den Treppen vorbei und öffnete die Tür zu einer kleinen Küche.
Er hielt die Tür auf und winkte sie herein. Sie ging an ihm vorbei, ohne ihm in
die Augen zu sehen, und nahm an dem Pinientisch in der Mitte des kleinen Raumes
Platz. Severus ging zur Arbeitsplatte und beschäftigte sich selbst damit, dass
er zwei Becher Tee zubereitete.
Hermine sah sich um, nahm ihre Umgebung in sich auf und versuchte dabei, die
unangenehme Stille zu ignorieren. Die Küche war klein, mit schönen Eichenbalken
die an der geweißten Decke entlang liefen. Es war altmodisch und gemütlich, und
ein Teil von ihr verstand plötzlich seine Gründe dafür, dass er seine Einsamkeit
wie seinen Augapfel beschützte. Dann sah sie wieder in seine Richtung.
„Das ist nicht die Art von Heim, die ich mir bei dir vorgestellt hatte“, gab sie
zu.
Er drehte sich zu ihr um und zog eine Augenbraue spekulativ nach oben. „Du hast
dir ohne Zweifel eine Höhle oder ein feuchtes Verlies vorgestellt“, murmelte er
leicht amüsiert.
Sie kicherte nervös. „Bestimmt kein kleines, von Rosen bedecktes Landhaus“,
entgegnete sie.
Er widmete seine Aufmerksamkeit wieder dem Tee. „Dieses Haus gehörte meiner
Großmutter“, sagte er leise und trug die beiden dampfenden Becher zum Tisch. Er
setzte einen davon direkt vor ihr ab und nahm ihr gegenüber Platz. „Warum bist
du hier“, fragte er.
Sie gestikulierte in Richtung der gefalteten Zeitung, die sie in die Mitte des
Tisches gelegt hatte. „Ich habe dir den Tagespropheten gebracht“, antwortete
sie. Er senkte seinen verblüfften Blick zu der Zeitung und wartete darauf, dass
sie fortfuhr.
„Wir haben es auf die Titelseite geschafft“, erklärte sie, nahm die Zeitung und
warf sie über den Tisch.
Seine Augen weiteten sich vor Überraschung, als er den Tagespropheten in die
Hand nahm und ihn auffaltete. Er besah sich den Artikel und die Bilder auf der
Titelseite. Der Artikel handelte von Filius Flitwicks Ruhestandsparty, die erst
am Vorabend stattgefunden hatte. Es gab zwei Bilder. Eines war von Filius
selbst, wie er begeistert in die Kamera winkte und dabei von einem Ohr zum
anderen grinste. Aber es war das zweite Bild, das seine Aufmerksamkeit erregte –
ein Bild von ihm und Hermine. Sie hatten neben einem Tisch gestanden und einfach
geredet. Das Bild war in dem Moment aufgenommen worden, in dem er ihr ein Glas
Punsch reichte, und als sie ihren Blick anhob, um seinen zu treffen, hatten sich
ihre Blicke verfangen. Obwohl es ein Moment der kompletten Unschuld gewesen war,
sah es auf diesem Bild nach mehr aus. Es sah aus, als gäbe es da ein gewisses
Gefühl der Verständigung zwischen ihnen, ein gewisses Gefühl der Intimität. Er
riss seinen Blick schließlich von dem Bild los und sah Hermine an. Sie hatte
seine Reaktion genau beobachtet, blieb aber stumm.
Er legte die Zeitung in die Mitte des Tisches und schaute noch einmal zu dem
Bild, sah wieder dabei zu, wie Hermine den Punsch annahm und ihr Gesicht dem
seinen zuwandte. „Ich bin mir nicht sicher, ob Mr. Weasley all zu beeindruckt
von diesem Bild sein wird“, brummte er und nahm einen Schluck seines Tees.
Hermine zuckte mit den Schultern, ohne ihre Augen von der Zeitung zu lösen. „Ich
bin mir sicher, dass es ihn kaum kümmern wird“, sagte sie, ihre Stimme fast nur
ein Flüstern. „Wir haben uns getrennt.“ Dann hob sie den Blick, schaute ihn an
und versuchte seinen Gesichtsausdruck zu lesen. „Vor ganz genau einundvierzig
Tagen.“
Sie beobachtete ihn, wie er etwas im Kopf ausrechnete und dachte, dass sie die
Einsicht in seinen Augen dämmern sah. Es war zweiundvierzig Tage her, dass sie
das zweite Gegenmittel in ihrer Wohnung gebraut hatten.
Noch einmal sah er zu der Zeitung, froh darüber, dass der Becher Tee ihm etwas
gab, womit er seine Hände beschäftigen konnte, und versuchte die Alarmglocken,
die in seinem Kopf schrillten, zu unterdrücken. „Tut mir leid, das zu hören“,
sagte er. „Ich hoffe, du warst nicht zu aufgebracht.“
Hermine zuckte wieder mit den Schultern und konzentrierte sich auf den Becher
vor ihr. „Ron war etwas aufgebracht.“ Sie machte eine Pause, um einen Schluck
Tee zu trinken. „Weißt du, ich habe es beendet.“ Sie setzte ihren Becher ab und
verschränkte ihre Finger miteinander. Sie konnte das Hämmern ihres Herzens in
ihrer Brust hören und fragte sich hilflos, ob Severus es wohl auch hören konnte.
Sie war sich schmerzlich bewusst, dass sie dabei sein könnte, den größten Fehler
ihres Lebens zu machen, lehnte sich jedoch nach vorn und holte tief Luft.
„Ich konnte nicht weiter eine Lüge leben“, begann sie, unfähig, ihm ins Gesicht
zu sehen. „Ich habe bemerkt, dass ich ernsthafte Gefühle für jemand anderes
hatte.“
Severus beobachtete, wie sie in dem vergeblichen Versuch, das Zittern ihrer
Hände zu vertuschen, nervös mit ihren Fingernägeln auf der Oberfläche des
Tisches trommelte. Er schloss seine Augen, als ihm die ungeheuren Ausmaße
dessen, was er getan hatte, bewusst wurden. Er war ein Narr gewesen, auf ihre
Briefe zu antworten, sein Herz war nicht das einzige, das auf dem Spiel stand.
„Ich verstehe“, sagte er beiläufig und täuschte Unschuld vor. „Werden deine
Gefühle erwidert?“
Hermine grinste und legte ihren Kopf schief, nun fand sie endlich den Mut, ihm
wieder ins Gesicht zu sehen. „Das ist das Problem, verstehst du“, gab sie
zurück. „Er beherrscht nicht nur die Okklumentik wie kaum ein anderer, aber
selbst, wenn er sie nicht anwendet ist er ein komplett geschlossenes Buch.“ Sie
sah ihn unverwandt an und auch ihm war es unmöglich, seinen Blick von ihrem
Gesicht loszureißen.
„Also“, sprach sie weiter, „habe ich absolut keine Ahnung. Ich bin mir ziemlich
sicher, dass er mich erträglich genug findet, um sich mit mir auf einer
oberflächlichen Ebene zu befassen, aber darüber hinaus weiß ich es einfach
nicht.“ Sie nahm den Tagespropheten in die Hand und musterte das Bild noch
einmal. Sie legte das Bild genau vor ihn.
„Ich für meinen Teil dachte“, sagte sie und deutete auf das Bild, „dass meine
Gefühle halbwegs offensichtlich waren.“
Er war geschockt, als er sah, dass sich ihre Augen mit Tränen füllten und
dennoch konnte er nicht den Mut aufbringen, auf ihre Enthüllungen zu antworten
Hermine blinzelte die Tränen weg und fuhr mit zitternder Stimme fort. „Ich habe
heute Morgen dieses Bild gesehen und es hat mir einen Hoffnungsschimmer gegeben.
Darum bin ich gekommen. Aber während ich hier sitze habe ich immer noch nicht
die geringste Ahnung, was du von mir denkst.“
Unfähig, seinem Blick noch länger stand zu halten oder sein Schweigen zu
ertragen stand sie vom Tisch auf und ging durch den Raum hin zum Fenster, wo sie
mit leerem Blick auf den Garten hinaus schaute.
Sie lehnte ihre Stirn gegen das Glas und seufzte tief. „Ich kann so nicht weiter
machen. Als du Hagrid im St. Mungos besucht hast war ich froh, dich
wiederzusehen. Es war seltsam, dich durch die Augen einer Erwachsenen zu
betrachten – dich als einen Mann und nicht als einen Lehrer zu sehen. Anstatt
deine scharfe Zunge zu fürchten, fand ich deinen Sarkasmus intelligent und
anziehend. Aber alles was okay, ich ging nach Haus und machte mit meinem Leben
weiter. Als wir dann das zweite Gegenmittel gebraut haben, da änderte sich
alles. Ich habe deine Gesellschaft in dieser Nacht genossen, aber da war mehr
dahinter als nur das: Ich genoss deine physische Nähe, den Klang deiner Stimme,
die Dunkelheit deiner Augen. Ich habe das alles nicht wahrgenommen, bis du
gegangen warst. Als du zur Tür hinausgingst, habe ich mich gefühlt als hätte man
mich mit einem Hammer auf die Brust geschlagen. Ich wurde bei dem Gedanken, dass
ich dich vielleicht nicht mehr wiedersehen würde von der Panik gepackt.“
Sie drehte sich um und schaute auf seinen Hinterkopf und auf seine, von der
schwarzen Kleidung umhüllten Schultern. Er hatte sich nicht bewegt, seit sie den
Tisch verlassen hatte. „Ich musste kommen und das auf die eine oder die andere
Art beenden. Ich kann nicht essen, ich kann nicht schlafen, ich kann nicht
einmal klar denken.“ Sie lehnte ihren Kopf wieder gegen die Scheibe und schloss
ihre Augen. Sie hörte, wie er vom Tisch aufstand und ihre Hoffnung sank, weil
sie sich sicher war, dass er den Raum verlassen würde.
Severus bereitete sich auf das vor, von dem er wusste, dass er es sagen musste,
während er die Küche durchschritt und sich neben sie ans Fenster stellte. „Für
mich hat es früher angefangen als für dich“, bemerkte er leise, während er
seinen Rosengarten durch das Glas hindurch eingehend betrachtete. Hermine drehte
sich um, um ihn anzustarren, erstaunt darüber, dass sie keine Zurechtweisung
gehört hatte. „Es fing in dem Moment an, als ich in das Krankenzimmer kam“, fuhr
er fort, „und sah, was für eine verblüffende junge Frau du geworden bist.“
Er drehte sich um, um ihrem Blick zu begegnen und sie war erstaunt über die
nackten Emotionen, die über seine Gesichtszüge spielten, eine Mischung aus
Zärtlichkeit und Verzweiflung. „Ist es wirklich so schwer zu sehen, Hermine?“,
flüsterte er. „Ich kann auch weder essen noch schlafen.“
Sie wollte ihre Hand ausstrecken und sie auf seine Brust legen, aber etwas in
seinem Blick stoppte sie, verwirrte sie. „Wenn du dasselbe fühlst, warum siehst
du mich dann mit so einem Ausdruck völliger Seelenqual an?“, fragte sie
beunruhigt.
„Weil es nicht sein kann“, sagte er, wobei ein Hauch Verärgerung in seiner
Stimme mitschwang. „Ich bin zu alt für dich, zu hässlich und während du und
Weasley und Potter von der Zaubererwelt geliebt werdet, werde ich von vielen
gehasst. Es kann nicht sein!“
Hermine runzelte die Stirn. „Wer sagt das? Denkst du wirklich ich kümmere mich
darum, was die Zaubererwelt über einen von uns denkt?“
„Abgesehen von gelegentlichen Sticheleien durch Rita Kimmkorn mussten Sie nie
mit negativer Publicity umgehen, Miss Granger. Die Öffentlichkeit erwartet es,
Sie mit einem jungen, heldenhaften Zauberer zu sehen. Sie würden denken, Sie
ständen unter dem Imperius Fluch, wenn Sie mit jemandem wie mir in Zusammenhang
gebracht würden.“
„Oh, jetzt ist es wieder Miss Granger, wie?“, blaffte Hermine und ihre Stimme
wurde lauter. „Ich schere mich den Teufel darum, wie alt du bist! Und du weißt
sehr wohl, dass du der heldenhafteste Zauberer bist, den ich je getroffen habe.
Warum kümmerst du dich plötzlich darum, was die Presse von dir denkt?“
„Ich sorge mich nicht um mich selbst“, knurrte er. „Ich wünsche einfach nicht,
dich in der Öffentlichkeit verleumdet zu sehen und das an einem so heiklen Punkt
deiner Karriere. Du bist unglaublich naiv, du hast keine Ahnung, inwiefern es
dich beeinträchtigen würde oder dich nicht beeinträchtigen würde. Es ist
lächerlich, dass wir diese Konversation überhaupt führen!“
„Du bist so verdammt herablassend!“, schrie sie entnervt. „Ich bin durchaus dazu
fähig zu entscheiden, mit wem ich gesehen werden sollte. Erwartest du ehrlich
von mir, dass ich weggehe und es auf sich beruhen lasse, wo ich dir gerade mein
gottverdammtes Herz ausgeschüttet habe?“
„Das“, murmelte er und wendete sich von ihr ab, „ist genau das, was ich von dir
erwarte.“ Er ging von ihr weg und hielt am Tisch an, seine Augen verweilten auf
der Titelseite des Tagespropheten. „Ich möchte, dass du jetzt gehst“, fügte er
hinzu.
Hermine sah in voller Unglaube an. Es wäre eine Sache gewesen, wenn ihre Liebe
unerwidert geblieben wäre, aber es war etwas komplett anderes, dass er ihr seine
Gefühle gestanden hatte und nun zu stur war, um danach zu handeln.
„Das ist Nonsens!“, weinte sie. „Ausreden. Nichts als Ausreden! Du fürchtest
dich nur. Du hast so lange in der Einsamkeit gelebt, dass dich der Gedanke, dich
jemandem mitzuteilen, erschreckt!“
Er drehte sich zu ihr um, einen finsteren Blick in den Augen. „Ich wäre an Ihrer
Stelle vorsichtig, Miss Granger“, zischte er durch die zusammengebissenen Zähne.
Sie blickte ihn an. „Du bist ein Angsthase, Severus. Nichts als ein Angsthase.“
Mit einer plötzlichen Grausamkeit stürzte er sich auf sie und packte sie am Arm.
Sie schreckte geschockt zurück. „Nenn mich nie einen Angsthasen!“, fauchte er
mit lodernden Augen. „Raus!“
Sie wand ihren Arm aus seinem Griff und versuchte verzweifelt das Zittern ihrer
Unterlippe unter Kontrolle zu bekommen. „Schön“, sagte sie mit heiserer Stimme.
Sie floh zur Küchentür und schlug sie hinter sich so hart sie konnte zu. Die
Tränen begannen in dem Augenblick zu laufen, in dem sie die Haustür erreicht
hatte. Mit ihrer Hand am Türknauf lehnte sie ihren Kopf gegen die Tür und weinte
stumme, bittere Tränen.
Severus rieb seinen Nasenrücken und versuchte die verschiedenen Emotionen, die
in ihm kämpften, zu bändigen. Er nahm einen der Becher und schleuderte ihn gegen
die Wand, wo er lautstark zerschellte, und den weißen Mörtel zeichnete. Er
schüttelte den Kopf. Er war ein vollkommener Narr. Sie hatte seit Wochen jeden
seiner wachen Gedanken heimgesucht und als sie ihn damit verblüfft hatte, aus
ihrem eigenen freien Willen zu ihm zu kommen und ihm ihr Herz zu Füßen zu legen,
da hatte er brutal darauf herum getrampelt und sie vertrieben. Warum? Er hatte
Angst. Sie hatte Recht. Wenn die Karten einmal gezogen waren, war er nicht
gewillt, sein wichtigstes Blatt einfach so zu riskieren. Er nahm den anderen
Becher vom Tisch und schleuderte ihn gegen die Wand und zeichnete sie zum
zweiten Mal. Begleitet von lautem Fluchen, kickte er gegen einen der
Pinienstühle und warf ihn zu Boden.
Er fuhr sich mit den Fingern durch seine langen, schwarzen Haare. Er hatte sie
sich durch die Finger gehen lassen. War sie das Risiko nicht wert? Seine
Einsamkeit war sein einziger Einsatz. War sie nicht mehr wert als das leere
Leben, das er so lange geführt hatte? Er drehte sich um und stand der Tür
gegenüber, die sie zugeworfen hatte. Er sollte ihr folgen. Dann machte er einen
Schritt auf die Tür zu und stellte zu seinem Erstaunen fest, dass sie sich
langsam öffnete.
Hermine trat zögerlich in den Raum und schloss die Tür behutsam hinter sich. Sie
sah Severus an und ihre Blicke verfingen sich ineinander.
„Bist du damit fertig, deine Besitztümer zu zerstören?“, fragte sie ängstlich.
Er verkrampfte seinen Kiefer und nickte, wobei er einen Stich der Schuld spürte,
als er ihr verweintes Gesicht sah.
„Ganz ehrlich, Severus, ich kann nicht einfach von hier verschwinden. Wenn du
mir gesagt hättest, dass du meinen Anblick nicht ertragen kannst, dann würde ich
sofort gehen – aber so lange es die Möglichkeit gibt, dass wir das hinbekommen,
kann ich auf gar keinen Fall gehen.“
„Es tut mir leid, dass ich dich einen Angsthasen genannt habe“, fügte sie hinzu.
„Es tut mir leid, dass ich so überreagiert habe“, konterte er.
„Es tut mir leid, dass ich in deine Privatsphäre eingedrungen bin“, sagte sie.
Er lachte leise, sie lächelte und wischte sich die Tränen aus dem Gesicht.
„Wir können das nicht einfach ignorieren. Warum kannst du das Risiko nicht
eingehen? Wir wissen nicht, wie die Leute reagieren werden. Ich schere mich den
Teufel darum, was andere denken, Severus. Sie können mich so viel verleumden wie
sie wollen, es ist mir egal.“
Sein Blick war düster. „Alles, was für mich auf dem Spiel steht, ist mein
Friede, Hermine. Bei dir steht so viel mehr auf dem Spiel – viel mehr als nur
die öffentliche Meinung. Was ist mit deinen Freunden? Ich war wohl kaum ihr
Lieblingsprofessor. Wie werden sie reagieren? Deine Eltern werden auch nicht
gerade außer sich vor Freude darüber sein, dass du einen mürrischen, alten
Zaubertrankmeister mit nach Hause bringst.“
Sie sah ihn inständig an. „Das sind alles Probleme, die aufkommen können oder
auch nicht, Severus. Wir werden uns mit ihnen beschäftigen, wenn sie da sind.“
Sie schüttelte ihren Kopf und streifte ihre Haare hinter ihre Ohren. „Ich habe
nicht darum gebeten, dass das passiert! Ich bin nicht eines Morgens aufgewacht
und hab beschlossen, völlig in einen mürrischen, alten Zaubertrankmeister
vernarrt zu sein. Es ist einfach passiert! Ich fürchte, ich werde ein Nein als
Antwort nicht akzeptieren“, endete sie.
Ohne die Augen von ihrem Gesicht abzuwenden, ging er langsam auf sie zu und
stoppte nur Zentimeter vor ihr. Ein kleines Grinsen umspielte seine Mundwinkel.
„Wenn du ein Nein als Antwort nicht akzeptierst, welche Wahl habe ich dann noch?
Wir wissen beide, wie stur du bist. Ich habe jeder deiner Forderungen
nachgegeben. Ich habe dir erlaubt, Hagrid zu erzählen, dass ich hinter dem
ersten Gegenmittel steckte, ich habe dir erlaubt, mir beim Brauen des zweiten
Gegenmittels zu helfen, ich habe mich von dir sogar zu dieser höllischen Party
überreden lassen.“
Hermine schluckte nervös. „Ist das ein Ja?“
„Es scheint mir ganz so“, sagte er gedehnt.
„Und du wirst dich nicht darum kümmern, was in den Zeitungen stehen wird?“,
fragte sie.
„Ich lese keine Zeitung“, gab er zurück.
„Und du wirst dich nicht darum kümmern, was meine Freunde sagen werden?“
„Habe ich mich in der Vergangenheit jemals darum gekümmert, was sie sagten?“
„Und es wird dich nicht stören, dass ich so viel jünger bin als du?“, fragte sie
nach, ihre Stimme zitterte.
„Hermine?“, fragte er, seine Stimme nur ein Flüstern.
„Ja?“
„Hör auf, Fragen zu stellen“, wie er sie an, während sich ein Lächeln auf seine
Lippen schlich. „Ich denke, das ist der Zeitpunkt, an dem ich dich küssen
sollte.“
„Okay“, quietschte sie.
Mit einem überraschend zarten Daumen wischte er die letzte Träne von ihrer Wange
und seine Lippen trafen ihre. Nach ein paar Augenblicken zog er sich zurück.
„Das wollte ich schon seit einiger Zeit tun“, sagte er etwas atemlos.
Hermine lächelte und schlang ihre Arme um seinen Nacken. „Dann hör nicht auf“,
ordnete sie an.
Wieder einmal gab er ihren Forderungen nach und hörte eine ganze Weile nicht
damit auf.
~ Fin ~