Autor: Laborratte

Genre: Freie Arbeit/Original Fiction à Drama/Trauer

Inhalt: Nach siebenundvierzig Jahren Ehe stirbt sie und beichtet ihm erst nach ihrem Tod, was sie all die Jahre vor ihm verbarg.

Altersfreigabe: frei ab 6 Jahren

Warnung: Eventuell eine Taschentuchwarnung.

Disclaimer: Das Zitat zu Anfang der Story (Titelbild) gehört Avril Lavigne und stammt aus deren Song „Slipped Away“.

Kommentar: Wie immer die Hauptpersonen Valerie & Damian. Man kann sie in Zusammenhang mit früheren Geschichten setzen, muss man aber nicht, die Story kann auch als Stand-Alone interpretiert werden.

 

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Das Haus kam ihm mittlerweile so leer vor. Oft ging er durch die Zimmer, setzte sich und sah sich um. Er versuchte sich daran zu erinnern, woher die einzelnen Möbelstücke kamen, wer sie ausgesucht hatte und wie sie darüber diskutiert hatten, wo etwas in ihrem Haus stehen sollte. Besah sich die Bilder, die sie in den Zimmern aufgestellt und aufgehängt hatte. Zeichnungen von ihren Kindern oder Fotos von der Familie.

Ein leises Seufzen entrann seinen Lippen. Das Haus war so leer geworden, seit die Kinder ausgezogen waren, doch nun, als er vor nicht einmal fünf Tagen seine Frau zu Grabe getragen hatte, wirkte das Haus viel zu groß und verlassen. Es schien zu verkommen, jetzt da sie nicht mehr da war, um Staub zu saugen und ihn von den Möbeln zu wedeln.

Er vermisste es, ihr leises Fluchen zu hören, wenn sie Staub wischte. Das war etwas, das sie sich nie hatte abgewöhnen können. Er vermisste es, wenn sie ihn mit einem staubigen Lumpen sanft geschlagen und ihm dabei vorgeworfen hatte, er solle nicht immer so viel Dreck in ihrem Haus machen, sie sei nicht seine Putzfrau.

Das Öffnen der Tür riss ihn aus seinen melancholischen Gedankengängen. Er verzichtete darauf, aus dem Sessel aufzustehen. Es fiel ihm einfach zu schwer im Alter.

 „Dad?“, schallte es durch das Erdgeschoss. „Dad, wo bist du?“

„Im Wohnzimmer“, rief er etwas leiser zurück in Richtung der offen stehenden Tür. Er hörte, wie ein Mantel an der Garderobe aufgehängt wurde und vernahm dann das Klappern von Absätzen auf dem Holzfußboden, das sich ihm näherte. Kurz darauf legten sich von hinten zwei Arme um seine sitzende Gestalt, er wurde kurz gedrückt und bekam einen Kuss auf die Wange.

„Hey, Dad“, sagte die junge Frau, die genau wie ihr Vater ganz in Schwarz gekleidet war.

„Hallo, Cathy“, lächelte auch er.

Die junge Frau zog einen zweiten Sessel gegenüber dem ihres Vaters. Sie war hübsch, hatte langes, dunkelblondes Haar, eine gerade Nase, grau-blaue Augen, eine schlanke Figur und auffallend feingliedrige Hände. Ihre Mutter hatte immer voller Stolz gesagt, dass Kathleen, das jüngere von zwei Kindern, sehr nach ihrem Vater Damian kam.

Ihr zwei Jahre älterer Bruder Dashil hingegen schlug sehr nach ihrer Mutter Valerie. Genau wie sie hatte er hellbraunes Haar und dunkelbraune Augen, seine Lippen waren voll und seine Handgelenke, sehr zu seinem Bedauern, extrem schlank.

 „Was führt dich denn zu mir?“, fragte Damian nun seine Tochter und beobachtete, wie diese leicht nervös mit dem Verschluss ihrer Handtasche spielte.

„Nun, Dad, ich weiß nicht genau, wie ich es dir sagen soll…“, druckste Kathleen herum. „Aber etwa eine Woche vor Mums Tod hat sie…“ Sie stockte. Ganz offensichtlich suchte sie nach den richtigen Worten und ihre Hand fuhr nervös durch ihre Haare – eine Geste, die er nur zu gut von ihrer Mutter kannte. „Sie hat dir so etwas wie einen Abschiedsbrief hinterlassen.“

„Cathy, du weißt genau, dass deine Mutter das nicht mehr konnte. Sie konnte nicht mehr schreiben, seit der Krebs in ihren Arm gestreut hatte.“

„Ja, Dad, das weiß ich doch. Deswegen hat Mum mich ja auch zu sich ins Krankenhaus gerufen. Ich hab das, was sie dir noch sagen wollte, aufgenommen“, gab seine Tochter nun zu.

Damian stockte für einen Moment. Er hatte in Valeries letzten Lebenswochen viel Zeit an ihrer Seite verbracht, in ihrem tristen Krankenhauszimmer. Warum auch nicht, schließlich waren sie beide Rentner. Aber bis auf ihre Scherze darüber, dass sie nun doch noch vor ihm sterben würde, obwohl er der Ältere von ihnen war und ihren Schimpftiraden, dass sie das Krankenhaus nicht mochte, weil sie sich in den komplett weiß eingerichteten Räumen vorkam wie in einer Irrenanstalt, hatte sie selten etwas erwähnt. Sie hatten oft über die Kinder gesprochen, oder den Haushalt, aber sie hatte sich mit keinem besonderen Wort von ihm verabschiedet – bis jetzt.

Er hatte sich eigentlich auch keine Gedanken gemacht, schließlich war seine Frau friedlich an einem Herzversagen gestorben, doch sie musste gespürt haben, wie sie immer schwächer wurde und er hätte sie besser kennen sollen, denn Valerie hatte das Drama und das Theater geliebt. Es wäre nicht ihre Art gewesen, ohne einen vernünftigen Abschied zu gehen. Oh ja, er hätte seine Frau nach siebenundvierzig Ehejahren besser kennen sollen, ging es ihm nun durch den Kopf. Und er musste unwillkürlich ein klein wenig lächeln.

Kathleen öffnete ihre Handtasche und holte einen kleinen Chip heraus, den sie ihrem Vater gab.

„Darauf habe ich die Aufnahme gespielt. Mum hat gesagt, dass du sie dir in Ruhe anhören sollst, wenn dich keiner stört.“ Sie machte eine kurze Pause, ehe sie etwas leiser fortfuhr. „Ich war dabei, als sie das aufgenommen hat, Dad. Ich denke, das solltest du wissen. Ich habe das Aufnahmegerät für sie gehalten, damit die Tonqualität gut wird. Das war ihr sehr wichtig.“

Und dann sah Damian seine Tochter weinen. Er stand, ohne zu zögern, aber mit einem unterdrückten Stöhnen, wegen der Schmerzen, aus seinem Sessel auf und breitete seine Arme aus. Augenblicklich stand auch Kathleen auf und umarmte ihren Vater.

Und als Damian nun seine Augen schloss, während er beruhigend über ihren Rücken streichelte, hätte er fast schwören können, seine kleine Valerie wieder im Arm zu halten. Genau wie vor fünfzig Jahren, als sie ihm sagte, dass sie nicht länger daran glauben könne, dass sie eine Zukunft hätten und daraufhin weinend in seinen Armen gelegen und ihn gefragt hatte, ob er sie nicht vielleicht heiraten wolle.

 

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Erst nachdem Kathleen zwei Stunden später gegangen war, besah Damian sich den Chip, den sie ihm gegeben hatte. Für kurze Zeit überlegte er sich, was er tun sollte, dann ging er in die Küche, öffnete sich eine Flasche Rotwein, kehrte damit zurück ins Wohnzimmer und schob dort unter einiger Anstrengung den Sessel vor den Kamin. Valerie hatte es geliebt, sich die Flammen stundenlang anzusehen, wenn sie über etwas nachdachte, weswegen er diesen nun auch anfeuerte, eigentlich recht ungewöhnlich für die Jahreszeit, schließlich war es erst Ende September und noch verhältnismäßig warm.

Nichtsdestotrotz prasselte und knisterte das Feuer vor sich hin, als Damian den Chip in die dafür vorgesehene Öffnung der Stereoanlage schob. Er drückte auf Play und ließ sich dann in den Sessel fallen. Während die Anlage die Daten von dem Chip ablas, nahm er einen Schluck von dem Wein. Er war gespannt.

Zuerst hörte man Rascheln, das war ein Geräusch, das er nur zu gut kannte. Das Rascheln der Bettdecke im Krankenhaus. Und dann hörte er es, die Stimme seiner Frau. Und es war irgendwie gruselig, dass er sie nun Worte sagen hörte, die er noch nicht kannte und das, obwohl sie schon seit einer Woche tot war.

„Hey Damian… Du wirst dich wundern, wenn du das hier von Kathleen bekommst. Und ich hoffe, sie wird dir alles erklären, so gut es eben geht. Du wirst mich sicherlich für verantwortungslos halten, wenn du all das gehört hast, was ich dir sagen will. Du wirst dich darüber aufregen, dass Kathleen, die neben mir sitzt und dieses dumme Gerät in der Hand hält, das es mir ermöglicht dir etwas zu sagen, das ich dir in siebenundvierzig Ehejahren nicht ins Gesicht sagen konnte, das nun mit anhören muss… Aber ich habe das nun all diese Jahre mit mir herumgetragen, es tief in meinem Innersten vergraben, in dem einzigen Winkel, den du von mir nicht kanntest.“

Sie machte eine Pause.

„Ich will dieses letzte Geheimnis, das ich vor dir hatte, nicht mit ins Grab nehmen, Damian. Ich möchte es einfach nicht und ich hoffe, dass du mir das nicht übel nimmst.

Nun, wo soll ich anfangen? Ich habe mir diese Worte alle so schön zu Recht gelegt, aber irgendwie sind sie nicht mehr da…“

Wieder eine Pause. Sie dachte wohl nach, wie sie es nun sagen könnte. Es dauerte länger, als beim ersten Mal, bis sie in nostalgischem Tonfall fortfuhr:

 „Weißt du noch, was zwischen uns war, ehe wir geheiratet haben? Wir haben jahrelang umeinander herumscharwenzelt, waren uns nie wirklich sicher miteinander und konnten uns dennoch nicht voneinander trennen. Ich war noch in dieser anderen, halbherzigen Beziehung, in der ich so unglücklich war und es hat mich so verletzt, als du dieses eine Mal eine andere hattest, einen One Night Stand. Weißt du das noch?

Und dann, kein halbes Jahr später, da hattest du hinter meinem Rücken eine Beziehung angefangen, mit dieser anderen. Und dann hast du unsere kleine, heile Welt zum Einsturz gebracht, als du nicht mehr zu mir als deine Geliebte gekommen bist, sondern zu mir, als der Person, der du vertraut hast. Und ich sah all diese Tränen, die du ihretwegen vergossen hast, hörte, was sie dir bedeutete. Damals war ich taub vor Schmerz, wollte schreien, weinen und sterben, weil ich es nicht aushielt, wie all diese Gedanken auf mich einströmten. Selbst heute erinnere ich mich an all die Zweifel, die mich mit einem Mal überflutet haben, all dieser Schmerz… Und dennoch hab ich mich irgendwie am Riemen gerissen, dich getröstet so gut ich konnte und dir zugehört. Du warst mein bester Freund. Was hätte ich denn sonst tun sollen?“

Da war wieder das Rascheln der Bettdecke und auch ein unterdrücktes Schluchzen konnte er hören. Es war Kathleen. Seine Frau hatte wohl die Hand ihrer Tochter ergriffen.

„Also war ich da für dich und bekämpfte meinen Schmerz in den Nächten, wenn du nicht sehen konntest, wie ich den Alkohol in mich hineinleerte und verstohlen auf dem Balkon Zigaretten rauchte, damit meine Eltern es nicht bemerkten.

Und so blieb es. Wir waren füreinander da und irgendwann hast du dich selbst bei Seite geschoben und dich wieder um mich gekümmert. Weißt du noch, wie ich dich von Zeit zu Zeit fragte, ob du sie noch liebst? Du hast nichts gesagt, nur genickt. Es brach mir das Herz. Auch wenn du mich immer in den in den Arm genommen und irgendwann auch wieder angefangen hast, mit mir zu kuscheln und mich zu küssen, ich hatte immer diesen Hintergedanken, dass du sie liebst.

Doch dann… ich weiß gar nicht mehr so genau, wann das war, hast du mir gesagt, dass es nicht mehr so wäre. Nichts hätte ich lieber getan, als dir das zu glauben, doch jedes Mal, wenn ich etwas erwähnte, was entfernt mit ihr zu tun hatte, hast du dich verschlossen. Warst es allgemein so sehr, dass ich einfach nur noch hilflos war und mir oft gewünscht habe, einfach aus diesem Alptraum aufzuwachen.“

Sie seufzte, hatte sich ganz offensichtlich hineingesteigert und sich selbst in die Situation von damals wieder hineinversetzt.

 „Und dann habe ich dir all das gesagt, was ich dir sagen wollte. Wie sehr du mich verletzt hattest und wie gerne ich dir geglaubt hätte. Dass ich nie und nimmer auf eine Zukunft mit dir hoffen konnte, weil du mir zu deutlich gezeigt hast, wie sehr du sie liebtest und mir das Gefühl gabst, nicht mehr zu sein als eine billige Kopie. Und ich weinte und weinte. Mir strömten wahre Sturzbäche übers Gesicht, du nahmst mich in den Arm und aus der puren Verzweiflung heraus fragte ich dich, ob du mich heiraten willst.

Ich hatte nicht mit deinem Ja gerechnet, aber das weißt du ja. Ich wollte ein klares Nein hören, damit es mir etwas leichter fällt, von dir zu gehen, den Kontakt abzubrechen… Aber du hast ja gesagt, mich geheiratet, mit mir zwei Kinder großgezogen und mich den Großteil meines Lebens an deiner Seite verbringen lassen.“

Sie seufzte und er wusste, dass es nun kommen musste. Das, was sie ihm sagen wollte. Er kannte seine Valerie mehr als gut genug, um das zu wissen.

 „Wir haben nur fünf Monate später geheiratet. Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie du dich darauf gefreut hattest, dass wir eine traditionelle Hochzeit mit all unseren Freunden feiern. Wir sind zusammengezogen, haben irgendwann ein Haus gebaut und unser erstes Kind bekommen. Zwei Jahre später kam das zweite.

Du hast mich nach jeder Geburt in den Arm genommen und mir gesagt, wie dankbar du dafür bist, mich bei dir zu haben. Hast mir gesagt, dass ich dir das größte Geschenk deines Lebens gemacht hätte, aber es gab eine Sache, die du mir nie sagen konntest.

Jahrelang habe ich darauf gewartet und mich gequält. Vor dem Pfarrer hast du bei unserer Hochzeit feierlich gelobt, mich zu lieben und zu ehren, in guten wie in schlechten Zeiten, bis dass der Tod uns scheide, aber eine Sache davon… Diese eine Sache, diese berühmten drei Worte, die hast du mir gegenüber nicht rausgebracht und es brachte mich Nacht für Nacht zum Weinen.

Später, als Dashil und Kathleen sich ein Zimmer geteilt haben, da haben wir sie jede Nacht zusammen ins Bett gebracht und ihnen noch etwas vorgelesen. Ich sang den beiden noch ein paar Schlaflieder vor, gab ihnen einen Kuss und ging dann aus dem Raum, damit du ihnen eine gute Nacht wünschen konntest.

Hast du jemals bemerkt, dass ich manchmal im Türrahmen stehen blieb? Wenn die Kinder schon eingeschlafen waren, dann hast du sie beide auf die Stirn geküsst und ihnen ganz leise ins Ohr geflüstert, dass du sie liebst.

Gott, Damian… ich habe meine Augen geschlossen und meine Ohren ungeheuer angestrengt, nur um mir vorstellen zu können, du würdest mir diese Worte ins Ohr flüstern.

Ja, du hast dich um mich gesorgt, wie es kein anderer Mann hätte tun können und lass dir gesagt sein, dass ich mein Leben als ein sehr glückliches ansehe, aber da gab es diese Nächte. Die Nächte, in denen ich wach lag, weinte und auf meine eigenen Kinder eifersüchtig war, denn mir, Damian, mir konntest du diese Worte nie mehr sagen.

In siebenundvierzig Ehejahren hast du mir nicht einmal gesagt, dass du mich liebst. Davor… ja… davor ein paar Mal. Aber nachdem ich dich gefragt hatte, ob du mich heiraten willst, da hatten wir dieses Gespräch. Erinnerst du dich?

Es war schon spät damals, ich hatte ein Glas Rotwein getrunken und wir saßen auf der Couch in deiner Wohnung. Da habe ich dich gefragt, ob du mich wirklich heiraten wolltest. Du hast genickt. Ich fragte dich, ob du mich lieben würdest und du konntest nichts sagen, hast ins Leere gesehen. Und auf eine seltsame Art und Weise verstand ich dich. Ich fragte dich, ob du sie noch lieben würdest. Du hast den Kopf geschüttelt und irgendwie war ich erleichtert, auch wenn die Trauer noch ein wenig stärker war.

Ich habe es dir oft gesagt, dass ich dich liebe. Jedes Mal hast du geschwiegen und obgleich ich manchmal den Schmerz in deinen Augen sehen konnte, weil du die Worte nicht erwidern konntest, so habe ich doch stets meinen eigenen Schmerz darüber in den Vordergrund gestellt.

Als Dashil dann etwa zehn war und er seine erste vier bekommen hat, da hast du ihn bei Seite genommen und ihm erklärt, dass du ihn trotz dieses Ausrutschers immer lieben würdest, weil er dein und mein Kind ist. Erst damals begann ich zu verstehen, dass in unseren Kindern auch ein Teil von mir war, dass du auch mich auf deine Art lieben musstest, wenn du sie so sehr lieben konntest, wie du es tust.

Es gab mir eine sehr skurrile Art von Frieden, das zu verstehen. Du hast es nie ausgesprochen, aber du hast dein Leben mit allem, was dazu gehört, mit mir geteilt. Ich wollte es dir sagen, mein Engel, damit du weißt, wie sehr ich darunter litt, dass du es nicht sagen konntest, aber andererseits will ich dich beruhigen und dir versichern, dass ich glücklich war, weil ich tief in meinem Herzen nie die Hoffnung aufgab, dass du es mir noch sagen würdest – dass du es einfach im Stillen tust.

Vielleicht, mein Damian, vielleicht sagst du es mir noch, bevor ich sterbe und dann werde ich dich anlächeln und es erwidern. Aus tiefster Seele. Denn ich liebe dich, Damian. Jetzt und in der Stunde meines Todes.“

Da brach die Tonbandaufnahme ab. Eine einzelne Träne bahnte sich den Weg über seine Wange. Er hatte es ihr nicht gesagt. In all den Jahren und auch in den letzten Tagen ihres Lebens hatte er ihr nicht sagen können, wie viel sie ihm bedeutete und seit sie gestorben war, quälte ihn dieses Wissen.

Diese eine Sache war immer unausgesprochen zwischen ihnen geblieben und nun hatte er keine Chance mehr, seiner Frau zu sagen, dass auch er glücklich mit ihr gewesen war. Er erinnerte sich an die letzten Minuten ihres Lebens, als er neben ihrem Bett gesessen hatte und ihre Hand hielt. Sie hatte darüber gescherzt, wie lächerlich und clichéehaft das wirken musste, aber er hatte nur ihre Hand geküsst und ihr gesagt, dass er bei ihr sei.

Sie hatte ihn angelächelt und es lag dieselbe Dankbarkeit in diesem Lächeln, die er auch für sie empfand, weil sie all die Jahre über für ihn da gewesen war. Und doch war da auch Trauer gewesen, von der er nun wusste, was sie bedeutete.

In dem Moment ihres Todes hatte Valerie wohl oder übel ihre Hoffnung begraben, jemals diese drei kleinen Worte von ihm zu hören. Das tat ihr weh und gleichzeitig hatte sie Verständnis gezeigt.

Er wollte sie genau jetzt in seine Arme ziehen, ihren vertrauten Duft einatmen und ihr sagen, dass es ihm leid tat, dass er ihr dankbar war, für alles, was sie in den letzten Jahren für ihn getan hatte und dass sie das beste war, was ihm in seinem ganzen Leben widerfahren war.

Doch er würde nie mehr wieder die Möglichkeit dazu haben, denn seine Frau war von ihm gegangen, ohne je sicher und ohne jeden Zweifel gewusst zu haben, dass er sie liebte.

 

 

- Fin -